Der Ergänzungsbericht
Nachdem wir nun die sieben Tage betrachtet haben, kommen wir jetzt zu
diesem Ergänzungsbericht ab Vers 5. Es ist ein Problem, wie man den Satzbau
aus dem Hebräischen übersetzen sollte. Bei den meisten Bibelübersetzungen
ergeben sich für den Lesenden Fragen in Bezug darauf, was denn hier
ausgesagt wird. Ich habe hier eine Lösung, wie der Text vollumfänglich
verständlich wird. Die Verse 5 und 6 sprechen also jetzt über die
Bewässerung des Erdbodens. Nun geht es eben um den Menschen, die Krone der
Schöpfung.
[5] Und bevor alles Gesträuch des Feldes auf der Erde war, und bevor alles
Kraut des Feldes wuchs (denn der HERR, Gott, hatte [noch] nicht regnen
lassen über der Erde, und Adam war [noch] nicht da, um den Erdboden zu
bebauen), [6] da stieg ein Grundwasserstrom auf und bewässerte die ganze
Oberfläche des Erdbodens.
Also in Vers 5 haben wir einen Rückgriff auf den dritten Schöpfungstag.
Da hat ja Gott aus dem Urozean das Festland auffalten lassen, so dass das
Trockene sichtbar wurde. Da wurde der Meeresboden aufgefaltet und so kam
das Festland ans Licht. Ich habe ja bei Kapitel 1 erklärt, dass jabbaschah,
das Trockene, auch heute noch der Ausdruck für das Festland ist. Und in
einer zweiten Phase an diesem dritten Schöpfungstag hat Gott dann die
Pflanzen erschaffen. Zuerst die einblättrigen Pflanzen, also Gras, dann die
zweiblättrigen, das sind die Kräuter, und die Bäume. Jetzt erklärt der Vers
5, bevor alles Gesträuch auf der Erde war, das Festland war schon da, aber
noch keine Pflanzen, da stieg ein Grundwasserstrom auf und bewässerte die
ganze Oberfläche des Erdbodens. Und die Klammer erklärt eben, dass Gott
damals noch nicht den Regen eingesetzt hat und der Mensch Adam war noch
nicht da, der also als Bauer die Funktion der Bewässerung noch nicht
übernehmen konnte. Und so stieg da dieser Grundwasserstrom auf. Bei der
Fußnote 9, Grundwasserstrom, habe ich erklärt, Hebr. «ed» bedeutet
unterirdischer Süßwasserstrom, oder Grundwasser. Möglicherweise kommt
dieses hebräische Wort von dem sumerischen adea, das eben genau diesen
unterirdischen Süßwasserstrom bezeichnet. Viele Bibeln haben dieses Wort
mit Dunst oder Nebel übersetzt, aber es bezeichnet eher ein Grundwasser,
das dann aufsteigt und dann eben die Oberfläche des Erdbodens bewässert.
Nicht der Nebel bewässert den Erdboden, sondern das aufsteigende Wasser.
Das ist viel logischer.
Der Mensch
Ich habe in Vers 5 mit Adam übersetzt und nicht mit Mensch. In der
Fußnote 7 zu Adam habe ich erklärt: Im hebräischen steht da Adam und dieses
Wort bedeutet Adam als Eigenname oder Mensch. Aber im Folgenden gilt dies:
Wenn einfach Adam steht, dann ist das der Eigenname und wenn dort Haadam
steht, mit dem Artikel vorgestellt, dann muss das als der Mensch übersetzt
werden. Und dann versteht man, warum manchmal der Mensch und manchmal Adam
steht im Text. In Vers 5 steht nun Adam ohne Artikel und deshalb habe ich
das hier mit Adam übersetzt. Und Adam war noch nicht da, um den Erdboden zu
bebauen. Ja, eben dieser Bauer war noch nicht da am dritten Schöpfungstag.
Und nun spricht eben Vers 7 darüber, wie Adam erschaffen wurde. Und der
HERR, Gott, bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine
Nase den Hauch des Lebens, da wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele.
Für Bilden, in Fußnote 10 ist das erklärt, steht im hebräischen «jazar» und
dies Wort bedeutet bilden, formen, töpfern. Also Gott arbeitet hier als
Töpfer. Er formt den Menschen aus dem Erdboden. Übrigens, die Atome und
Moleküle, aus denen unser Körper besteht, die findet man in der Erde. Und
diesem Körper hat er dann den Hauch des Lebens eingeblasen. Da wurde der
Mensch zu einer lebendigen Seele. Und das unterscheidet nun den Menschen
ganz wesentlich vom Tier. Wir werden gleich sehen, Gott hat auch die
Landtiere getöpfert, also aus Erde gemacht, aber er hat nicht in sie
gehaucht. Und beim Menschen hat er in ihn gehaucht und hat somit ein Wesen
geschaffen, das aus Körper, Seele und Geist besteht. Also das Tier hat den
Geist nicht.
Der Geist ist die Fähigkeit des Menschen Gott zu erkennen. Darum heißt es
auch in Römer 8, 16: «Der Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder
Gottes sind». Also der gläubige Mensch kann verstehen, ich bin ein Kind
Gottes, weil der Herr Jesus das Erlösungswerk für mich vollbracht hat,
dadurch, dass wir einen Geist haben. Das ist ein grundsätzlicher
Unterschied zum tierischen Leben und das hängt damit zusammen, dass Gott
den Menschen durch das Einhauchen in die Nase ganz besonders geadelt hat.
Aber sehen wir, der Ausdruck eine lebendige Seele, der meint hier den
ganzen Menschen. Das ist noch wichtig, weil in 1. Korinther 15 der Herr
Jesus als Mensch bezeichnet wird als ein lebendig machender Geist. Und
dieser Ausdruck ist nicht irgendwie eine Infragestellung, dass er kein
wirklicher Mensch mehr wäre. Der Herr Jesus ist Mensch geworden, als Mensch
auferstanden, als Mensch in den Himmel gegangen und wird als Mensch auch
wiederkommen, als der Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels. Und
seine Füße werden einmal auf dem Ölberg stehen (Sacharja 14, 3). Der Herr
Jesus ist also wirklich Mensch, aber im Gegensatz zu Adam wird er nicht
lebendige Seele genannt, sondern lebendig machender Geist.
Ich erkläre noch mehr, wenn wir aufschlagen, 1. Korinther 15, 45. Da wird
genau aus 1. Mose 2 zitiert. «So steht auch geschrieben: Der erste Mensch
Adam wurde eine lebendige Seele.» Aber da ist gemeint, Adam als Geschöpf
von Körper, Seele und Geist. «Der letzte Adam ein lebendig machender
Geist.» Und der Herr Jesus, als Auferstandener, ist zu den Jüngern gekommen
und hat in sie gehaucht und gesagt: Empfanget Heiligen Geist oder Heiligen
Hauch. Ohne Artikel, er hat nicht gesagt, empfanget den Heiligen Geist,
sondern empfanget Heiligen Geist. Und pneuma heißt eben Hauch oder Geist.
Und so hat der Herr Jesus gewissermaßen das Auferstehungsleben den
gläubigen Jüngern eingehaucht. Sehen wir jetzt den Gegensatz: Adam ist
passiv und Gott haucht in ihn das Leben; und der Herr Jesus, er ist aktiv,
er gibt den Erlösten diesen Heiligen Hauch, dieses Auferstehungsleben. Und
deshalb wird er genannt ein lebendig machender Geist.
Der Auferstehungskörper
Das ist wichtig, weil man so auch besser versteht, was in 1. Korinther 15im Vers davor steht. Da heißt es im Zusammenhang von dem
Auferstehungskörper: Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt
ein geistiger Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch
einen geistigen. Nun haben viele daraus abgeleitet, dass der
Auferstehungskörper etwas geistiges sei und der natürliche Leib, der ins
Grab gelegt wird wenn wir sterben, dass sei ein materieller Leib. Aber im
griechischen steht für natürlich «seelisch». Also ein psychischer Leib.
Also unser Leib, wie wir ihn jetzt haben, wird genannt ein seelischer Leib,
weil wir den von Adam geerbt haben. Und Adam wird ja auch genannt eine
lebendige Seele.
Aber wenn wir auferstehen werden, falls wir durch den Tod müssen, dann
wird der Herr Jesus diesen Körper, der verwest ist, die Materie davon,
wieder sammeln und wieder einen Leib daraus machen. Dieser wird geistiger
Leib genannt. Aber das bedeutet eben nicht, dass wir Geister sein werden,
die so durch die Luft schwirren oder so und dass unser Körper nicht
wirklich materiell sein wird. Der Herr Jesus selbst hat ja seinen Jüngern
gesagt in Lukas 24, 39, als sie meinten, sie sähen einen Geist: «Sehet, ein
Geist hat nicht Fleisch oder Bein, wie ihr sehet, dass ich habe.» Sein
Körper war echt, absolut materiell. Das war der gleiche Körper, der im Grab
war. Aber der Auferstehungskörper der Gläubigen wird nicht mehr krank
werden können, wird keine Schwäche und keine Behinderungen haben. Er wird
vollkommen sein, aber es wird ein wirklicher, materieller Körper sein.
Jetzt haben wir also einen seelischen Körper, der ist sehr materiell, und
dann werden wir einen geistigen Körper haben, der ist auch sehr materiell,
aber auch dem Herrn Jesus ähnlich, der eben ein lebendig machender Geist
ist. Er wird dann auch unserem Körper das Auferstehungsleben einhauchen.
Ja, das war so ein kleiner Exkurs.
Das Paradies
Jetzt gehen wir zu Vers 8. «Und der HERR, Gott, pflanzte einen Garten in
Eden, gegen Osten. Und er stellte dorthin den Menschen, den er gebildet
hatte.» Also dieser Garten wird geographisch in einer Region errichtet, die
Eden heißt. Fußnote 12 erklärt das Wort Eden mit Wonne, Lieblichkeit, Lust.
Bei Garten habe ich erklärt, dass in der ältesten Bibelübersetzung, in der
Septuaginta, anstatt Garten in Eden, Paradies in Eden steht. Im Alten
Testament finden wir diesen Ausdruck im Original nicht. Im Neuen Testament
finden wir ihn dreimal. In Lukas 23, 43 sagt der Herr Jesus dem
Mitgekreuzigten: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Und der Apostel Paulus sagt in 2. Korinther 12, 4: «Ich kenne einen
Menschen, vor 14 Jahren, ob im Leibe oder außerhalb des Leibes weiß ich
nicht, Gott weiß es, einen Menschen der entrückt wurde bis in den dritten
Himmel. Und ich kenne einen solchen Menschen…, dass er in das Paradies
entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, welche der Mensch nicht
sagen darf.» Hier wird der dritte Himmel erwähnt und wird parallel das
Paradies genannt. Nun, im Schöpfungsbericht haben wir zwei Himmel
kennengelernt. Am zweiten Schöpfungstag erschafft Gott die Atmosphäre, das
ist der erste Himmel. Das ist auch das was wir, wenn es keine Wolken hätte,
als blauen Himmel sehen. Ohne die Atmosphäre wäre der Himmel pechschwarz,
auch wenn die Sonne scheint. Es wäre zwar hell, aber es hätte diese Farben
nicht. Die Atmosphäre filtert das Sonnenlicht und dadurch kommt diese blaue
Farbe zustande. Der zweite Himmel ist das Weltall mit all den
Abermilliarden von Galaxien.
Und nun spricht die Bibel über einen dritten Himmel, das Paradies. Das
ist der Ort, wo Gott seinen Thron hat. Aber das ist nicht Teil dieser
Schöpfung. Das ist eben Jenseits und Gott ist der allgegenwärtige Gott, der
überall im ganzen Weltall von mindestens 13 Milliarden Lichtjahren
gegenwärtig ist, aber damit ist es ja noch nicht fertig. In Jeremia 31, 37sagt Gott, wenn man den Himmel oben ausmessen könnte, dann würde Gott
Israel verwerfen wegen all ihrer Sünde. Aber er will ja sagen, ich werde
Israel nie aufgeben und somit ist auch das Weltall für den Menschen nicht
messbar. Ich habe ja schon erzählt, dass in meiner Jugend man von 5
Milliarden Lichtjahren sprach und jetzt spricht man von 13 Milliarden
Lichtjahren und man hat noch kein Ende gesehen. Man kann den Himmel nicht
ausmessen, aber in Jeremia 23, 24 sagt Gott: Ich erfülle den Himmel und die
Erde. Er ist überall gegenwärtig, ist also in der ganzen Schöpfung da. Aber
er ist auch Jenseits. Er ist der jenseitige Gott. Und so spricht die Bibel
vom dritten Himmel, vom Paradies.
Und dann in Offenbarung 2, 7 wird das Paradies nochmals erwähnt. Der Herr
Jesus sagt den Überwindern in der Gemeinde von Ephesus: «Wer ein Ohr hat,
höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem werde ich zu
essen geben von dem Baum des Lebens, welcher im Paradies Gottes ist.» Nun
wird klar, dass das Neue Testament von einem himmlischen Paradies spricht.
Und somit war der Garten in Eden nichts anderes als eine irdische Abbildung
von einem himmlischen Original. Also dreimal kommt im Neuen Testament das
Wort paradeisos vor. Dieses Wort kommt eigentlich aus dem Persischen. Das
persische Wort «pairidaêza» bedeutet «umzäuntes Gebiet». Und dieses Wort
wurde als Fremdwort ins Hebräische übernommen, «pardes», das kommt in
Hohelied 4, 13; Prediger 2, 5 und Nehemia 2, 8 vor. Da spricht zum Beispiel
Salomo im Prediger von den Gärten, die er eingerichtet hatte, also von
diesen umzäunten Parkanlagen. Das macht dann auch klar, der Garten in Eden
war ein umzäunter Bezirk.
Jetzt lese ich weiter, Vers 9: «Und der HERR, Gott, ließ aus dem Erdboden
wachsen allerlei Bäume, lieblich zum Anschauen und gut zum Essen, und den
Baum des Lebens in der Mitte, und den Baum der Erkenntnis des Guten und des
Bösen.» Nun, in diesen Versen 9-14 werden das Paradies und die
vorsintflutliche Geographie beschrieben. Vers 9 greift also wieder zurück
auf den dritten Schöpfungstag. Da wird erklärt, wie Gott aus dem Erdboden
Bäume wachsen ließ und da im Garten Eden hat er den Baum des Lebens wachsen
lassen, in der Mitte. Also das Zentrum des Gartens war der Baum des Lebens.
Und dann wird einfach so angefügt: und den Baum der Erkenntnis des Guten
und des Bösen. Also es wird im hebräischen Text nur gesagt vom Baum des
Lebens, dass er in der Mitte war. Und der Baum der Erkenntnis war auch da,
aber zentral war der Baum des Lebens.
Vier Flüsse
Verse 10-14: «Und ein Strom ging aus von Eden, um den Garten zu
bewässern. Und von dort aus teilte er sich und wurde zu vier (Fluß-)
Anfängen. Und der Name des Ersten war Pischon. Er umfließt das ganze Land
Hawila, wo das Gold war. Und das Gold dieses Landes war gut. Dort waren der
Bedolach und der Stein Schoham. Und der Name des zweiten Stromes war
Gichon. Dieser umfloss das ganze Land Kusch. Und der Name des dritten
Stromes war Chiddeqel. Dieser floss östlich von Assur. Und der vierte Fluß
war der Phrath.»
Also, es gab eine Quelle im Garten Eden. Von da an teilte
sich die Quelle in vier Flüsse auf. Dies hilft uns dabei uns die Geographie
des Garten Edens besser vorstellen zu können. Ich weiß nicht, wie viele
stellen sich den Garten Eden so vor wie eine flache Parkanlage? Aber das
kann ja nicht sein. Wenn da eine Quelle entspringt, die dann zu Strömen
wird, muss das Ganze ja im Bergland sein, also in einem erhobenen Gebiet.
Ströme fließen ja bergab und nicht hinauf und auch nicht gerade. Das zeigt
also, dass der Garten Eden höher gelegen war, als das Gebiet, wohin die
Flüsse letztendlich flossen.
Wenn man die Weltkarte nimmt und nun herausfinden will, wo denn nun das
Paradies war, bekommt man ein Problem. Man kann zwar mit gewissen Namen
etwas anfangen – z.B. der dritte Strom Chiddeqel ist später in der Bibel
der Name für den Tigris und Phrath ist der Name für den Euphrat,- aber die
haben ja nicht eine gemeinsame Quelle. Diese zwei wichtigen Flüsse des
Zweistromlandes Mesopotamien entspringen in der Türkei, aber an
unterschiedlichen Stellen. Hier wird aber gesagt, dass sie aus der gleichen
Quelle kamen und auch noch zwei weitere Flüsse. Das passt einfach nicht.
Wir können auch mit Gebietsnamen etwas anfangen. Assur ist z. B. das Gebiet
des heutigen Nordirak, oder mit Kusch können wir etwas anfangen, das ist
der Name in der Bibel für den Sudan, für das schwarzafrikanische Land
südlich von Ägypten. Aber das passt alles irgendwie nicht. Die Namen sagen
uns etwas, aber die ganze Geographie passt nicht.
Das ist natürlich für liberale Theologen kein Problem. Das ist sowieso,
sagen sie, alles Mythos. Das hat es ja nie gegeben, das ist ja alles
Phantasie. Dann stellt sich aber die Frage, wieso in späteren Zeiten die
geographischen Angaben in der Bibel so exakt sind, dass sie nachvollzogen
werden können. Die Genauigkeit ist sogar umwerfend. Es gibt ja das Buch Die
Krieger Israels, von zwei Militärspezialisten aus Israel geschrieben. Die
haben alle Kriege der Bibel studiert im Blick auf Strategie. Und die sagen,
das ist unglaublich, diese Präzision. Die Bibelschreiber, die kennen die
ganze Bodenbeschaffenheit im Detail. Und deshalb stimmt die Strategie in
den einzelnen Kriegen genau überein mit der Bodenbeschaffenheit. Das können
nur Leute schreiben, die von der Realität schreiben. Das kann nicht sein,
wie die liberalen Theologen sagen, dass das nur Geschichtenerfinder am
Schreibtisch waren. Die Angaben sind so genau, dass wir auch heute im Krieg
mit dieser Strategie vorgehen würden. Sie sagen also, sie staunen über die
Präzision der geographischen Angaben in der Bibel.
Aber es bleibt dabei: Mit 1. Mose 2 haben wir ein echtes Problem. Nun,
wenn wir aber bedenken, dass die Sintflut, 1. Mose 6-9, eine weltweite Flut
war und Gott gesagt hatte, dass er die Menschen zusammen mit der Erde
zerstören wolle, dann wird es verständlich. Und Petrus schreibt in 2.
Petrus 3, dass die damalige Welt, und er benutzte das Wort «kosmos», vom
Wasser überschwemmt unterging. Dann wird klar, dass die Sintflut eine
weltweite Flut war, die auch die ganze Geologie der Erde verändert hat.
Diese hatte auch die Bildung der Sedimentschichten zur Folge, wie wir sie
heute kennen. Die ganze Geographie ist also auf der ganzen Erde vollkommen
neu geworden nach der Sintflut. Und deshalb darf das vorher auch gar nicht
übereinstimmen mit dem, was heute da ist. Und so können wir natürlich den
Spieß umdrehen. 1. Mose 2 beschreibt die tatsächliche Geographie vor der
Sintflut. Die Menschen nach der Sintflut hatten aber noch Kenntnis von den
Namen der Orte. Und deshalb haben sie im Zweistromland, da wo später die
Stadt Babel unter Nimrod gegründet wurde, diese alten Namen wieder
hervorgeholt, vom Euphrat und Tigris. Aber das sind quasi nur kleine
Erinnerungen an die Welt, die unterging.
Nun zu den Namen. Pischon, Fußnote 15, heißt «der sich Ausbreitende»,
«der Überfließende». Dann der zweite Fluß Gichon, Fußnote 19, heißt «der
Durchbrechende, der Hervorbrechende». Das beschreibt also ein bisschen die
Natur dieser Flüsse. Dann Chiddeqel bedeutet «der Scharfe, der Schnelle».
Und schließlich Phrath bedeutet «der Fruchtbare». Und effektiv können wir
diese vier Flüsse mit den vier Evangelien in Verbindung bringen. Der Herr
Jesus ist ja die Quelle des lebendigen Wassers. Johannes 7, 37 sagt: Wenn
jemand dürstet, so komme er zu ihm und trinke. Da haben wir also diese
Quelle im Garten Eden, die zu diesen vier Flüssen wird und diese fließen in
die Welt, außerhalb des Paradieses.
Nun, der Bezug zu den Evangelien kann man so herstellen: Der erste Fluß
Pischon, der sich Ausbreitende, der Überfließende, das illustriert etwas
von dieser überfließenden Gnade, wie sie in Römer 5, 20 erwähnt wird. Und
gerade im Johannesevangelium spricht der Herr Jesus von diesem
überfließenden Leben, das er gebracht hat. Johannes 10, 10: «Der Dieb kommt
nur um zu Stehlen und zu Schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, auf
dass sie Leben haben und es im Überfluss haben.» Immer wieder wird im
Johannesevangelium vom ewigen Leben gesprochen, aber es ist nicht einfach
nur Leben, das ewig dauert, sondern es ist das überfließende Leben. Und
Johannes 1, 14: «Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns und wir
haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines
Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.» Und schließlich in Vers
16: «Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen und zwar Gnade um
Gnade.» Dieses überfließende Leben und Gnade das zeigt uns ganz besonders
das Johannesevangelium.
Der nächste Fluß Gichon, der Durch- oder Hervorbrechende. Im
Lukasevangelium wird gezeigt, die Gnade Gottes sprengt die Grenzen Israels.
Das Lukasevangelium ist geschrieben von dem einzigen Schreiber, von dem wir
wissen, dass er kein Israelit war. Lukas war ein Heide, der zum Glauben
gekommen ist. Wir können im Lukasevangelium deutlich sehen, wie immer
wieder eingefügt wird, dass die Gnade die Grenzen Israels gesprengt hat, im
Gegensatz zu den anderen Evangelien. Zum Beispiel Lukas 2, Simeon nimmt das
Kind Jesus auf die Arme im Tempel und sagt in Vers 29: «Nun HERR entlässt
du deinen Knecht nach deinem Wort in Frieden, denn meine Augen haben dein
Heil gesehen, welches du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker. Ein
Licht zur Offenbarung der Nationen.» Da sieht er bereits alle Völker, die
durch den Erlöser erleuchtet werden. Und zum Beispiel in Lukas 4, der Herr
Jesus ist in der Synagoge in Nazareth und predigt über die Gnade. Und dann
sagt er: In der Zeit von Elia gab es viele Witwen, als Hungersnot war, aber
Elia wurde nur zu einer Witwe gesandt nach Zarpat bei Zidon, das heißt in
den Libanon, also eine Heidin. Und in der Zeit von Elisa gab es viele
Aussätzige in Israel, aber nur Naeman der Syrer wurde geheilt, ein Heide.
Und die Hörer in der Synagoge sind wütend geworden und wollten den Herrn
daraufhin umbringen. Weil er sagt, dass schon das Alte Testament deutlich
macht, wie Gottes Gnade über Israel hinaus geht. Gott will Gnade für die
Heiden. Und dieser Gedanke zieht sich durch das Lukasevangelium hindurch.
Und der dritte Fluß Chiddeqel, der Scharfe, der Schnelle. Im
Markusevangelium wird uns der Herr Jesus vorgestellt als der unermüdlich
vorangehende Knecht. Das Wort «und» kommt nirgends im Neuen Testament so
dicht vor wie im Markusevangelium. Es kommt im Mehrheitstext exakt 1094 Mal
vor. Markus schreibt in diesem Stil und und und und und, um zu zeigen wie
der Herr Jesus gekommen ist einfach um unermüdlich zu dienen. Ein Dienst
folgt dem anderen, unaufhörlich. Das Markusevangelium beginnt auch ohne
Geschlechtsregister, ohne Geburtsgeschichte, sondern es wird nach ein paar
einleitenden Versen gleich der Dienst des Herrn Jesus beschrieben und zwar
zunächst in einem ganzen Tagesablauf, was der Herr alles an einem einzigen
Tag gemacht hat, bis spät in die Nacht. Und schon am frühen Morgen, als es
noch dunkel war, geht sein Dienst weiter, mit Gebet. Das zeigt also den
unermüdlichen Diener. Es ist so, in diesem Evangelium kommt «euthys» als
«bald» zweimal vor und «eutheos» als «alsbald» 40 Mal. Und dieses alsbald
zeigt auch, wie der Herr Jesus sofort bereit war etwas im Dienst zu tun.
Nicht einfach nur, dass er es tat, sondern dieses alsbald zeigt eben auch
die sofortige Bereitschaft dazu. Das ist eben dieser scharfe, dieser
schnelle, pfeilgerade Fluß Chiddeqel.
Und schließlich bleibt noch der Phrat, der Fruchtbare, oder wie die
Griechen sagten, der Euphrat. Das Matthäusevangelium beginnt mit: «Das Buch
des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Abrahams.» Abraham und seine Frau
hatten keine Kinder. Sarah war unfruchtbar. Und dann erschien der Gott der
Herrlichkeit dem Vater Abraham in Ur in Chaldäa und verheißt ihm, dass er
Vater einer Nation werden soll. Das Volk Israel sollte von ihm abstammen.
Ich werde es sehr mehren, deinen Samen, verheißt Gott ihm später. Und von
ihm sollte der Messias, der Erlöser dieser Welt, abstammen. Und es heißt
weiter in Matthäus: «..und des Sohnes Davids.» In Psalm 132 verheißt Gott
David, dass er die Frucht seiner Lenden segnen wird und dass von ihm eben
der Messias abstammen wird. Und das Matthäusevangelium zeigt dann die
Erfüllung, diese Fruchtbarkeit, die Gott Abraham versprochen hatte. Und das
ist der Strom Phrat.
Vierergruppen im Alten Testament in Bezug auf die vier Evangelien
Es ist interessant, im Alten Testament haben wir immer wieder diese
Vierergruppen, die man in Bezug zu den vier Evangelien stellen kann. Zum
Beispiel gab es vier verschiedene Blutopfer: das Brand-, das Friedens-, das
Sünd- und das Schuldopfer. Das Brandopfer entspricht inhaltlich dem
Johannesevangelium, das Friedensopfer Lukas, das Sündopfer Markus und das
Schuldopfer Matthäus. Also in der gleichen Reihenfolge. Dann haben wir zum
Beispiel die vier Farben in der Stiftshütte: blauer und roter Purpur,
Karmesin und Weiß. Und auch dies entspricht den vier Evangelien. Und dann
haben wir in Hesekiel 1 die Beschreibung der Thronengel Gottes, die vier
Cherubim mit den Gesichtern wie: ein Mensch, wie ein Ochse, wie ein Löwe
und wie ein Adler. Und auch da haben wir Bezüge zu den vier Evangelien und
ihren Charakteren. Und in Josua 4, das ist nur so eine Anregung fürs
Bibelstudium, haben wir vier verschiedene Namen für die Bundeslade. Und
jeder dieser Namen hat auch speziell einen Bezug zu den vier Evangelien.
Ja, die Bibel ist schön und so reich. Es gilt hier eben, Gold zu graben.
Übrigens, beim ersten Fluß heißt es, Pischon umfließt das ganze Land
Hawila, wo das Gold war. Gold ist in der Bibel ein Bild für Gottheit.
Fußnote 16: Hiobs Freund Eliphas, in Hiob 2, 11, hat einen Namen, der
bedeutet, mein Gott ist Feingold. Und genau im Johannesevangelium, da geht
es speziell um die Gottheit Christi. Und so hat auch das, was zusätzlich
Erwähnung findet, seine Bedeutung.
Verschiedene Aspekte in den vier Evangelien:
Matthäus:
- der König (Sacharja 9, 9; Jeremia 23, 5)
- das Gesicht eines Löwen (Hesekiel 1, 10; Offenbarung 4, 7)
- Karmesin (2. Mose 25, 4)
- das Schuldopfer (3. Mose 5, 6)
- die Lade des Bundes (Josua 3, 6)
- der Fluß Phrat (1. Mose 2, 14), der Fruchtbare
Markus:
- der Diener (Sacharja 3, 8)
- das Gesicht eines Ochsen (Hesekiel 1, 10; Offenbarung 4, 7)
- Byssus (2. Mose 25, 4)
- das Opfer für die Sünde (3. Mose 4, 3)
- die Lade des Zeugnisses (Josua 4, 16)
- der Fluß Chiddeqel (1. Mose 2, 14), der Scharfe, der Schnelle
Lukas:
- der Mensch (Sacharja 6, 12)
- das Gesicht eines Menschen (Hesekiel 1, 10; Offenbarung 4, 7)
- Purpur (2. Mose 25, 4)
- das Friedensopfer [oder Rettungsopfer] (3. Mose 3, 1)
- das Dank- oder Friedensopfer (3. Mose 7, 13)
- die Lade des Herrn der ganzen Erde (Josua 3, 11)
- der Fluß Gichon (1. Mose 2, 13), der Durch-, Hervorbrechende
Johannes:
- Gott, der Sohn Gottes (Jesaja 35, 4; Jesaja 4, 2)
- das Gesicht eines Adlers (Hesekiel 1, 10; Offenbarung 4, 7)
- blauer Purpur (2. Mose 25, 4)
- das Brandopfer (3. Mose 1, 3)
- die Lade des Ewigen (Josua 4, 11)
- der Fluß Pischon (1. Mose 2, 11), der Sichausbreitende, der Überfließende
Bund mit Adam
Wir gehen jetzt aber weiter zu Vers 15. Die Verse 15-17 habe ich
überschrieben mit «Bund mit Adam». Warum sage ich Bund, obwohl das Wort
Bund ja gar nicht vorkommt? Fußnote 22 erklärt, vergleiche Hosea 6, 7, da
steht von Menschen: Sie aber haben den Bund übertreten wie Adam, dort
treulos gegen mich gehandelt. Also wenn Israel den Bund am Sinai brach, so
war das eben eine Zuwiderhandlung gegenüber einem Bund, so wie das Adam
auch gemacht hatte, als er sündigte. Aus dieser Stelle geht hervor, dass es
also hier um einen Bund geht.
Vers 15: «Und der HERR, Gott, nahm den Menschen und setzte ihn in den
Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren. Und der HERR, Gott, gebot
dem Menschen, indem er sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essend
essen. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen – du sollst
nicht von ihm essen! Denn zu der Zeit, da du davon isst, sollst du sterbend
sterben.» Ich habe hier ganz wörtlich übersetzt, aber das nicht ohne Grund.
Also Gott setzt den Menschen in den Garten Eden nach seiner Erschaffung und
das Ziel ist, dass er ihn bebaut, ihn bewahrt. Und daraus wird klar, dass
Arbeit ein paradiesischer Segen ist. Nach dem Sündenfall bleibt der Auftrag
derselbe, aber auf verfluchtem Boden. Arbeit ist also nicht die Folge der
Sünde und alle, die schon arbeitslos waren, die wissen, wir man sich dann
sehnt eine Arbeit zu haben. Und dann merkt man umso deutlicher, dass Arbeit
an sich ein Segen ist. Aber seit dem Sündenfall gibt es eben zwei Seiten
der Medaille: Es gibt auch viel Mühsames bei der Arbeit, das ist die Folge
des Fluches.
Diesem Bauer wird in Vers 16 geboten, Fußnote 24, Gott schloss mit Adam
einen Bund, der auf göttlichen Geboten gegründet war. Das spezielle Gebot
war das über das Essen der Früchte des Baumes der Erkenntnis. Also Adam
durfte von allen Bäumen essen. Wörtlich steht im hebräischen, von jedem
Baum des Gartens darfst du essend essen. Das ist eine typisch hebräische
Ausdrucksweise, die man dann auf Deutsch wiedergeben muss wie folgt nach
Fußnote 25: Nach Belieben essen, mit Freude essen, genießend essen, frei
essen. Diese ganzen Bedeutungen stecken da mit drin.
Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen – du sollst
nicht von ihm essen! Ich habe hier den Satzbau genau übernommen. Es steht
also dieser unvollständige Satz und danach folgt das Gebot: Du sollst nicht
essen, «lo tochal», das ist die gleiche Bezeichnung wie in den Zehn
Geboten, du sollst nicht. Das war das Gebot für den Bund mit Adam. Und Gott
erklärt, denn zu der Zeit, wieder bejom, das heißt wieder nicht nur an
diesem 24 Stunden Tag, sondern in der Periode, wo du isst, sollst du
sterbend sterben. Wieder dieser typisch hebräische Ausdruck, der bedeutet
im Deutschen dann soviel wie bestimmt sterben, gewisslich sterben. Es ist
auch hier etwas drin von diesem Prozess, denn Sterben ist ja ein Prozess.
Das beginnt eigentlich schon als Baby, dass Zellen absterben im Körper. Das
ganze Sterben ist ein Prozess und der Höhepunkt ist dann der Tod. Und
effektiv begann nach dieser Missetat wirklich Adam zu Sterben. Dieser
Sterbeprozess setzte dann ein, als Folge der Sünde und endete dann mit dem
physischen Tod.
Die Erschaffung Evas
Jetzt kommt ein neuer Abschnitt, Verse 18-24, die Erschaffung Evas: «Und
der HERR, Gott, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich
will ihm eine Hilfe machen, ihm entsprechend. Der HERR, Gott, nun hatte aus
dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet. Und
so brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde.
Und wie immer der Mensch eine lebende Seele nennen würde, so sollte ihr
Name sein. Und der Mensch gab Namen allem Vieh und den Vögeln des Himmels
und allen Tieren des Feldes. Für Adam fand er jedoch keine Hilfe, ihm
entsprechend. Und der HERR, Gott, ließ einen Tiefschlaf auf Adam fallen,
und so schlief er ein. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss
ihre Stelle mit Fleisch. Und der HERR, Gott, baute die Rippe, die er von
dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau. Und da brachte er sie zu dem
Menschen. Da sprach der Mensch:»
Und der HERR, Gott, sprach: Es ist nicht gut. Wir haben doch im
Schöpfungsbericht von Kapitel 1 gelesen, dass Gott sieben Mal sagte, dass
es gut war. Und hier steht nun im Schöpfungsbericht, dass eine Sache nicht
gut war. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Gott sagt also sechs
Mal es war gut und dann hat er den Menschen geschaffen, und zwar Mann und
Frau, und danach sagt Gott, es war sehr gut. Dieses sehr gut kommt also
erst nach der Erschaffung Evas. Gott sagt hier nicht, dass etwas
Geschaffenes nicht gut war, sondern er sagt, es ist nicht gut, dass etwas
nicht existiert. Also nichts an der Schöpfung war schlecht, aber es war
nicht gut, dass etwas nicht da war, die Nichtexistenz der Frau. Also wer da
noch sagen will, die Bibel diskriminiert die Frau, das verstehe ich dann
nicht. Die Bibel sagt doch hier, eine Welt ohne die Frauen ist nicht gut.
Ich will ihm eine Hilfe machen, ihm entsprechend. Was hier auch schön
ist: Nicht Adam kommt auf die Idee, dass es nicht gut ist allein zu sein,
sondern Gott merkt es, bevor es Adam merkt. Ich meine, einen Tag hält man
das ja aus, oder. Aber Gott sagt, es ist nicht gut, dass der Mensch allein
sei, und das zeigt, Gott weiß genau was wir brauchen, bevor wir es
überhaupt merken. Und es ist vielleicht auch wichtig für solche, die
vielleicht nicht verheiratet sind und darunter auch leiden, dass sie wissen
dürfen, Gott weiß darum und er wusste um das Empfinden des Fehlenden, bevor
wir das überhaupt selber merkten. Gott schaut darauf. Und er sagt, es ist
nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Hilfe machen, ihm
entsprechend. Auch da ist es nicht Adam, der die Initiative ergreift,
sondern Gott sagt, ich habe einen Plan. Und so ist es auch wichtig, dass
junge Menschen sich bewusst sind, dass Gott einen Plan hat, bevor sie noch
auf die Idee kommen, selber einen Plan zu schmieden. Das kann einen
vielleicht zur Ruhe bringen, oder, wenn diese Frage noch nicht beantwortet
ist.
Natürlich, der Apostel Paulus in 1. Korinther 7 erklärt, dass die
Ehelosigkeit eben eine wichtige Sache ist und er sagt, wer heiratet tut
gut, aber wer nicht heiratet tut besser. Aber damit will er sagen, dass im
Blick auf das Evangelium es durchaus ein Vorteil sein kann, wenn jemand von
Gott zur Ehelosigkeit berufen ist, weil einige Sorgen wegfallen. Also ich
hätte wenigstens sechsmal weniger Sorgen. Und meine Frau siebenmal weniger.
Wir müssen aber alles am Platz halten. Paulus sagt, nicht von der Schöpfung
her ist von Gott her Ehelosigkeit gegeben, sondern er sagt, unter der
Notwendigkeit der heutigen Situation, nämlich, dass das Evangelium einer
verlorenen Welt verkündigt wird, dann ist eine gottgegebene Ehelosigkeit
besser. Also das ein bisschen zum Ausgleich.
Und Gott sagt, ich will ihm eine Hilfe machen, ihm entsprechend. Bei «ihm
entsprechend» habe ich geschrieben in der Fußnote 29, im hebräischen
«kenegdo», das bedeutet «gleichsam ihm gegenüber». Das heißt, die Frau
sollte ein ihm entsprechendes Gegenüber sein, das auf seiner Stufe stand.
Nicht ein Untermensch, aber auch kein Übermensch, wie die feministische
Welle es sagt, die ja die Vorzüglichkeit der Frau gegenüber dem Mann
propagiert. Und dann laufen sie herum wie Männer. Also ist das männliche
doch besser? Oder warum laufen sie dann nicht herum wie Frauen? Das alles
ist in sich völlig irrsinnig. Aber das ist die biblische, die göttliche
Sicht von Mann und Frau, die auf gleicher Stufe stehen. Eine Hilfe drückt
aus, sie soll das ergänzen, was eben Adam fehlt, mangelt. Darum sind
zwischen Mann und Frau Unterschiede da und glücklicherweise, denn genau die
Unterschiede sind das, was beim andern fehlt. Und darum ist sie eine
Ergänzung. Der Mensch allein ist nicht vollständig. Die Vollständigkeit
kommt erst durch diese Zweierschaft. Sie ist eine Hilfe, aber es gibt auch
viel Übereinstimmung und deshalb steht auch ihm entsprechend. Deshalb ist
es auch wichtig, wenn man vor der Frage des Heiratens steht, dass es
Unterschiede gibt, die zur Ergänzung führen, aber auch ganz klare
Übereinstimmungen, denn zu große Unterschiede bringen unter Garantie auch
große Schwierigkeiten mit sich. Es ist ja schon schwierig, wenn man aus
einem ähnlichen Hintergrund kommt, bis sich alles eingespielt hat. Aber
wenn man jemanden aus einem völlig anderen Hintergrund heiratet, ist es um
vieles schwieriger. Das sollte man sich schon gut überlegen.
Vers 19: «Der HERR, Gott, nun hatte aus dem Erdboden alle Tiere des
Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet.» Ich habe hier die
grammatikalische Erzählform mit Vorzeitigkeit übersetzt, weil man das an
verschiedenen Stellen in der Bibel muss. Und hier ist das sehr wichtig,
denn die liberalen Theologen sagen: "Seht ihr, das ist ja ein anderer
Schöpfungsbericht, zuerst wird der Mensch geschaffen und dann die Tiere."
Nein, das muss man einfach vorzeitig übersetzen. Aber das ist ja jetzt
sowieso ein Problem. Die liberalen Theologen, was die heute für ein
Hebräischstudium machen, das ist katastrophal. Wenn man denkt, im 19.
Jahrhundert, wenn jemand Theologie studierte, der war nachher ein
geschulter Hebraist. Und heute? Die können doch gar kein Hebräisch. Die
meisten können nicht Hebräisch. Im Schnellgang wird das gemacht, aber dann
muss man den liberalen Theologen eben sagen, ja ein wenig mehr Grammatik
hätte schon geholfen.
«Der HERR, Gott, nun hatte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und
alle Vögel des Himmels gebildet. Und so brachte er sie zu dem Menschen um
zu sehen, wie er sie nennen würde. Und wie immer der Mensch eine lebende
Seele nennen würde, so sollte ihr Name sein. Und der Mensch gab Namen allem
Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Für Adam fand
er jedoch keine Hilfe, ihm entsprechend.» Übrigens, man muss nicht denken,
dass alles am sechsten Tag stattgefunden hat, diese Namensgebung. Aber Gott
brachte alle Tiere am sechsten Tag, nach der Erschaffung des Adam zu ihm,
und er musste da mit dem Arbeiten beginnen. Er begann also nicht mit
Ferien, ja. Er musste Namen geben, aber es war ein Prozess, der weiter
gehen konnte und sollte. Aber es geht darum, dass er für Adam keine Hilfe
fand, ihm entsprechend. Also Menschen können ein Verhältnis haben zu
Tieren. Das hängt damit zusammen, dass Tiere eben seelisches Leben in sich
haben, also die Säugetiere und so, und deshalb können sie einen Bezug haben
zum Menschen. Genauso wie Gott dem Menschen einen Geist gegeben hat und
aufgrund des Geistes kann er eine Beziehung mit Gott haben. Aber es ist
nicht so, dass diese Beziehung zu den Tieren ein Ersatz sein könnte für
menschliche Gemeinschaft. Das mag wohl einmal ein kleiner Ersatz sein, aber
es ist nicht das Eigentliche. Also ein Hund kann wirklich viel leisten,
aber das kann er nicht ausfüllen.
Vers 21: «Und der HERR, Gott, ließ einen Tiefschlaf auf Adam fallen, und
so schlief er ein. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre
Stelle mit Fleisch. Und der HERR, Gott, baute die Rippe, die er von dem
Menschen genommen hatte, zu einer Frau. Und da brachte er sie zu dem
Menschen.» Das habe ich letztes Mal schon ausgeführt, da kann ich schnell
drüber wegspringen. Ich will aber noch einmal wiederholen, es war ein
Knochen aus der Herzgegend, um auszudrücken, dass es eben eine Beziehung
der Liebe, des Herzens sein soll. Darum hat Gott das so gemacht. Und
übrigens nach der Operation fehlte Adam etwas, nicht Eva. Also er musste
auf die Suche gehen nach dem Verlorenen, denn Gott hat ja die Stelle nicht
wieder mit einem Knochen zugemacht, sondern nur mit Fleisch. Schon die
Rabbiner haben erklärt, dass dies erklärt, dass der Mann die Frau suchen
soll, nicht umgekehrt.
Und der Mensch sieht die Frau entsprechend von Gott gegeben als Ehefrau.
Da sprach der Mensch:
«Dies Mal (ist es)
Knochen von meinem Knochen
und Fleisch von meinem Fleisch.
Diese soll man "Männin" nennen,
denn von dem Manne genommen ist diese.
Darum verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt seiner
Frau an, und sie werden zu einem Fleisch werden.»
Das ist im hebräischen ein Gedicht. Und Adam gibt also seiner Frau den
Namen ischah, weil das wie Mann «isch» klingt. Ischah ist also das normale
Wort für Frau in der Bibel. Weil das im hebräischen ähnlich wie Mann
klingt, hat man das im Deutschen mit Männin übersetzt. Mit dem folgenden
Satz leitet Mose den Grundsatz ab, weil Adam und Eva eben ein Fleisch
waren, so hat Gott sie geschaffen, so ist es Gottes Wille, dass Mann und
Frau in der Ehe ein Fleisch werden. Aber die Reihenfolge: Vater und Mutter
zuerst verlassen und dann das anhangen (wörtlich ankleben) und dann kommt
erst das ein Fleisch werden.
Ja wir sind mit der Zeit durch. Ich muss hier stoppen. Es hätte noch ganz
viel Interessantes gegeben. Aber das kann man für sich noch durchschauen.
Zur tieferen Bedeutung von 1. Mose 2 und die Hinweise von Adam und Eva als
bildlicher Hinweis auf Christus und seine Gemeinde.
