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Der richtige Glaube kann hochgemut reden

05.07.1959Psalm 108,10

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir hatten uns vorgenommen, in dieser Sommerzeit einmal ausgefallene und schwierige Psalmstellen zu besprechen. Ich erinnere mich, wie ich Student war und ein Professor uns von einer Psalmstelle sagte, sie sei „unterchristlich“. Er meinte, dort wirke der typische jüdische Rachegeist, besonders in der Preislage. Diese Worte kamen mir wieder in den Sinn, als ich an diese Stelle dachte. Heute möchte ich sie Ihnen auslegen.

 Psalm 108, Vers 10: „Moab ist mein Waschbecken, ich will meinen Schuh über Edom strecken, über die Philister will ich jauchzen.“

Ich lese noch einmal: „Woher ist mein Waschbecken? Ich will meinen Schuh über Edom strecken, über die Philister will ich jauchzen.“

Heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Die Herausforderung des Glaubens in schwierigen Psalmstellen

Ein großartiges Wort Gottes spricht vom hochgemuten Glauben. Vor einiger Zeit sah ich mich mit den Jungs zusammen, und wir sangen. Wir singen sehr gern im Weigler aus Morgen. Allerdings weiß ich nicht, was los war, aber heute Nachmittag wird hier mächtig gesungen. Da sangen die Jungs gerade ein Lied von Zinzendorf, das heißt: „Der Glaube bricht durch Stahl und Stein und kann die Allmacht fassen.“

Etwas später heißt es: „Wenn einer nichts als Glauben kann, so kann er alles machen. Erdekräfte sieht er an als ganz geringe Sachen.“ Während die Jungen so fröhlich sangen, dachte ich: Na, na, da hat doch Zinzendorf den Mund ein wenig sehr vollgenommen. „Der Erdekräfte sieht er an als ganz geringe Sachen.“

Diese Worte bewegten mich wieder einmal zu der Frage: Wie ist das? Darf der Glaube eigentlich den Mund so vollnehmen? Man wirft uns das oft vor: „Ihr macht immer viel zu große Worte.“ Darf der Glaube so großartig reden und so hoch daherfahren? „Der Glaube bricht durch Stahl und Stein und kann die Allmacht wandeln?“

Die Antwort bekam ich eigentlich durch ein schrecklich simples Erlebnis. Lernen Sie mich nicht aus! An meiner Ferienreise bestellte ich in meinem Gasthaus einen Johannisbeersaft. Es gibt so gute schwarze Johannisbeersäfte. Und das war nun so eine konzentrierte Sache, dass ich sie mit Sprudel verdünnte. Ich habe sie aber so stark verdünnt, dass man von den guten Johannisbeeren eigentlich gar nichts mehr schmeckte.

Die Gefahr eines verwässerten Glaubens

Und auf einmal dachte ich: So machen wir es mit dem Glauben. Wir verdünnen den Glauben durch Kompromisse, durch allerlei Verständnis.

Dann das Zweite: Durch Kritik an Worten Gottes, durch Liebe zur Welt, durch Friedensschlüsse mit unserer Sünde, durch Halbheiten. Am Schluss kommt so ein verdünnter Glaube heraus. Ja, meine Freunde, der bricht nicht durch Stahl und Stein, der ist total kraftlos.

Ich fürchte, bei uns findet man viel von diesem verdünnten Glauben, der so kraftlos ist. Aber ein wirklich durch den Geist Gottes gewaschener Glaube, ein wirklich biblischer Christenglaube, meine Freunde, der bricht durch Stahl und Stein.

Ein wirklich biblischer Christenglaube kann groß reden, er kann den Mund vollnehmen. Ich wollte als Überschrift die Predigt schreiben: „Der Glaube darf den Mund vollnehmen.“ Aber ich dachte, vielleicht nimmt doch jemand, der als Gast heute hier ist, Anstoß an so einer Formulierung.

Darum will ich lieber sagen: Der richtige Glaube kann hochgemut reden. Wir möchten heute Morgen vom hochgemuten Glauben sprechen.

Ach, wenn einer mit seinem verdünnten Limonadenglauben heute Morgen Schluss machte und zum hochgemuten Glauben durchspräche, es wäre herrlich.

Also die Überschrift: Der hochgemute Glaube. Ich habe drei Teile.

Entstehung des hochgemuten Glaubens

Erstens: Wie entsteht dieser hochgemute Glaube?

Bevor ich den Text eigentlich auslege, müssen wir die Frage stellen: Wie kommt es zu solch einem hochgemuten Glauben? Darauf geht unser Psalm ein. Bevor David in unserem Text so große Worte spricht, etwa „Wo habe ich mein Waschbecken?“, erklärt er uns, wie er zu diesem hochgemuten Glauben gelangt.

Ein paar Verse vorher heißt es – ich zitiere nicht aus der Lutherübersetzung, sondern aus der Übersetzung des jüdischen Professors Martin Buber: „Herr, damit deine Freunde losgeschnürt werden. Befrei sie mit deiner Rechten, antworte mir, Herr, damit deine Freunde losgeschnürt werden.“

Sehen Sie, meine Freunde: So beginnt der hochgemute Glaube. Zuerst kommt man zu sich selbst und erkennt seine wirkliche elende Lage. Wir sind gebunden.

Ich möchte nicht wissen, wie viele schreckliche und belastende Bindungen heute Morgen in diesen Kirchsaal gebracht wurden. Wir sind gebunden an unser Ich, wir können nicht weitersehen als bis zu uns selbst. Wir sind gebunden an Hochmut, Verzagtheit oder Unreinheit. Wie viele dunkle Bindungen gibt es durch Unreinheit, Geld, Streit und so weiter!

Als ich mich auf diese Predigt vorbereitete, fiel mir ein Erlebnis ein: Als junger Bursche las ich zum ersten Mal bewusst das Lied von Luther „Ist das Heil kommen her“. Dabei kam ich an die Zeile „Dem Teufel ich gebunden lag“. Ich erinnere mich, wie ich damals lächelte.

Ich war junger Theologe und dachte: Nein, so können wir heute nicht mehr zu modernen Menschen sprechen. Die würden uns auslachen. Wenn man auf die Straße geht und sagt: „Ihr seid gebundene Satane“, das geht nicht mehr. „Dem Teufel ich gebunden lag“ – so kann man heute nicht reden.

Meine Freunde, heute weiß ich es besser. Heute weiß ich, dass aller hochgemute Glaube damit beginnt, dass wir erkennen: „Dem Teufel ich gebunden lag.“ Bindungen! Wenn wir das erkennen, beginnt das Seufzen: „Damit deine Freunde losgeschnürt werden, befreie sie!“

Nun erzählt David in diesem Psalm, dass er von Gott eine Antwort auf dieses Seufzen bekommt – eine ganz merkwürdige Antwort. Er sagt: Gott redete in seinem Heiligtum. Das freut mich sehr, denn das war die Hilfe.

Jetzt kommt es darauf an, dass Sie das richtig verstehen: Das Seufzen der Menschen nach Erlösung bekommt von Gott eine Antwort – ein Wort. Ich spreche mit biblischen Worten: Ein Wort Gottes. „Das Wort war Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Die Antwort Gottes auf alle Seufzer nach Erlösung heißt Jesus. Die Antwort Gottes auf alle Seufzer nach Befreiung heißt Jesus, der Sohn Gottes, der für uns am Kreuz schrecklich und blutig gestorben und herrlich von den Toten auferweckt worden ist.

Wie sagt David: „Gott redet in seinem Heiligtum, des bin ich froh.“ Das ist ein wunderbarer Satz: „Des bin ich froh.“

Meine Freunde, Gottes Wort war Fleisch – Jesus. „Des bin ich froh“, sagt David vor dreitausend Jahren. Ich sage es heute, nach dreitausend Jahren, genauso: „Des bin ich froh.“ Und ich weiß, Tausende, Millionen in den drei Jahrtausenden sagen es mit mir: „Des bin ich froh!“

Wie bin ich doch so herzlich froh, dass mein Schatz das A und O ist, der Anfang und das Ende! „Des bin ich froh“, dass ich einen Heiland habe – nicht im Christentum, nicht in religiösen Dogmen, die sind Quatsch –, sondern einen Heiland, der vom Krippenkind bis zum Grab und bis zum Thron geehrt wird und dem ich als Sünder zugehöre. Jetzt bin ich froh.

Meine Freunde, was David hier sagt, was ich ausgelegt habe, ist meiner Meinung nach am schönsten im ersten Frage-Antwort-Spiel des Heidelberger Katechismus ausgedrückt.

Diejenigen, die den lutherischen Katechismus gelernt haben – wenn sie ihn überhaupt gelernt haben –, haben dort vielleicht Zweifel. In reformierten Gemeinden lernt man den Heidelberger Katechismus. Dort lautet die erste Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“

Man könnte auch fragen: „Was ist der Grund deines hochgemuten Glaubens?“ Die Antwort lautet: „Dass ich mit Leib und Seele beides im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin, der mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt hat und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat.“

Können Sie das sagen? Wenn Sie das nicht sagen können, haben Sie keine Ahnung vom Christentum.

Ich muss es noch einmal wiederholen: „Dass ich mit Leib und Seele beides im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin, der mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt hat und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat.“

Es geht noch weiter, aber das genügt erst einmal.

Sehen Sie, das ist die Voraussetzung für hochgemuten Glauben.

Vor ein paar Tagen war ein Besuch aus der DDR hier in Westdeutschland. Er sagte Folgendes: „Bei uns in Ostdeutschland, in der DDR, glauben alle selbstverständlich an den dialektischen Materialismus. Fragen Sie in Schulen, fragen Sie Lehrer, fragen Sie Arbeiter – selbstverständlich glauben alle an den dialektischen Materialismus.“

Hier im Westen, so fügte er hinzu, glauben alle ebenso selbstverständlich ans Christentum.

Dann sagte er: „Doch hinter beiden steckt gar nichts.“ Hat er recht? So wie die Menschen in der DDR an den Materialismus glauben, so glauben wir an das Christentum. Hinter beidem steckt nichts, sagt der Mann aus der DDR mit scharfem Blick.

Es ist sehr interessant, dass in unserem christlichen Westdeutschland, wenn ein Mensch sich wirklich bekehrt und es ernst meint, Jesu Christi eigen zu sein, dann riecht plötzlich die ganze Missstimmung auf.

Ich erlebe das erschütternd. Vor dreißig Jahren waren die Eltern traurig, wenn ihre Kinder gottlos waren. Heute werden die Eltern wütend, wenn sich ihre Söhne bekehren.

Das ist die Melodie, die ich jeden Sonntagnachmittag von unzähligen Jugendlichen höre: „Besuchen Sie mal meinen Vater!“ Ein Mann ist wütend, wenn sein Sohn in die Bibelstunde geht. Der Sohn sagt schließlich: „Gut, dann lasse ich es, jetzt lumpe ich.“ Und der Vater hat nichts dagegen, wenn der Junge um zwölf Uhr nachts nach Hause kommt. Das ist in Ordnung.

Aber wenn man seine Geldsteuer nicht zahlt und christlich ist, dann muss der Pastor am Grab loben.

Liebe Freunde, solchen Glauben hat natürlich nichts mit hochgemutem Glauben zu tun.

Die Voraussetzung für hochgemuten Glauben, meine sehr verehrten Freunde, ist, dass man zur Erkenntnis seines verlorenen Zustands kommt, dass einem die Augen für Jesus geöffnet werden.

Und dass es so weit kommt, dass man sagen kann: „Dass ich mit Leib und Seele beides im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes eigen bin, der mit seinem Blut für meine Sünden vollkömmlich bezahlt hat und mich erkauft hat aus der Gewalt Satans.“

Davids Jubellied als Ausdruck des hochgemuten Glaubens

So, nun zum zweiten Punkt: Wir wollten vom hochgemuten Glauben sprechen. Wir haben gesehen, wie er entsteht. Als zweites möchte ich das Thema überschreiben mit „Davids Jubellied“.

Jetzt kommen wir zum Text selbst: Davids Jubellied. In diesem hochgemuten Glauben – dem Glauben an die Vergebung der Sünden, der Versöhnung mit Gott und der Gewissheit der Gotteskindschaft – schaut David sich in der Welt um, in der er steht. Und die Lage ist nicht gut für ihn. Er sieht sich von feindlichen, schrecklichen Mächten umgeben. Das sind die Moabiter, die Edomiter und die Philister.

Wer die Bibel im Alten Testament ein wenig kennt, weiß, wie diese Völker immer wieder gegen Gottes Volk vorgehen. Doch wer die Bibel wirklich kennt – und hier muss ich wieder etwas Schwierigeres sagen – der weiß, dass diese Völker nicht nur einfache Feinde Israels sind. Sie haben eine tiefere geistliche Bedeutung. Sie repräsentieren feindliche Mächte, die wir auch heute noch kennen.

Von den Moabitern wird erzählt, dass sie listig versucht haben, Gottes Volk zum Götzendienst zu verführen. Damit verbunden sind Unzucht, Trunkenheit, Rausch und massive Sünden. Lesen Sie zum Beispiel im 4. Buch Mose, wie Gottes Volk durch die Verführung Moabs bis an den Abgrund kam. Moab steht gleichsam für die verführerischen Mächte, die wir alle kennen.

Die Edomiter repräsentieren ebenfalls etwas. Sie stammen wie Gottes Volk von Abraham ab. Sie sagten: „Wir gehören auch zu Gott, wir sind Kinder Abrahams.“ Sie waren Nachkommen Esaus, aber nicht Kinder der Verheißung. Sie waren äußerlich Nachkommen Abrahams, aber nicht Kinder der Verheißung. Das bedeutet, sie stehen für eine Christenheit, ein Christentum, das zwar christlich ist, aber nichts von Erwählung Gottes, Bekehrung, Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, vom gewaschenen Gewissen im Blut Jesu Christi und von der Vergebung der Sünden weiß.

Es gibt viele Edomiter auch heute in unseren Kirchen, die Christen sind, aber nichts davon wissen – es sei denn, jemand werde von Neuem geboren, sonst könne er nicht in das Reich Gottes kommen.

Die Philister damals und heute sind einfach die sturen Kaletten, die rufen: „Mach doch endlich Schluss mit der Gemeinde Jesu Christi!“ Die Philister brachen damals ein und wollten Gottes Volk ausrotten – und sie wollen es heute noch.

David sieht sich von Edomitern und Philistern umgeben, von drohenden Mächten. Er erkennt die geistigen Hintergründe dieser Bedrohungen. Er sieht den Fürsten der Finsternis dahinter. Da kann man Angst bekommen.

Vor ein paar Tagen sagte mir ein junger Mann, der gerade mit dem Glauben angefangen hat und die Verführungsmächte sowie die Namen „Christen“ unserer Zeit so auf sich einprasseln sah: „Pastor Busch, ich glaube, es ist besser, ich mache rechtzeitig Schluss mit meinem Glauben.“ Man kann das verstehen, oder? Das ist aber nicht der hochgemute Glaube, sondern der Glaube, der kapituliert und umkippt.

Was tut David nun? Er zieht diese Mächte um sich herum. Und was tut er? Er stimmt ein Siegeslied über sie an – ein wundervolles Siegeslied. Er sagt: „Wo ist mein Waschbecken?“

Über Edom heißt es wörtlich: „Werfe ich meinen Schuh zu Edom, werfe ich meinen Schuh hin.“ Über die Philister will er jauchzen. Meine Freunde, das ist biblische Bildersprache. Ich muss sie jetzt erklären.

Im Morgenland ziehen die Leute einfach Sandalen an, viel einfacher als bei uns. Wenn man ein Haus betritt, zieht man die Sandalen aus. Wenn ein vornehmer Herr in einem vornehmen Haus die Sandalen auszieht, wirft er sie einem Sklaven zu und streckt seinen Fuß über das Waschbecken. Ein anderer Sklave schüttet ihm Wasser über die staubigen Füße.

Für Theologen unter Ihnen: Es gibt viele Auslegungen dazu. Leute haben sich den Kopf zerbrochen, ich auch. Ich bin überzeugt, diese Auslegung ist richtig: David sagt, diese Mächte, die ihn bedrohen, sind alle Sklaven. Dann werfe ich meinen Schuh hin.

Moab ist noch weniger wert als ein Waschbecken. Philister lache ich einfach aus und jauchze über sie. Ein Siegeslied über die bedrohlichen Mächte des Glaubens – das ist, meine Freunde, der hochgemute Glaube.

Ach, meine lieben Jungs, so sehe ich den Glauben: salzend über Versuche und Anfechtungen, Niederlagen und die Macht Satans, der Welt und der sogenannten „Simper Basel“. Moab ist mein Waschbecken, über Edom werfe ich meinen Schuh, über die Philister jauchze ich.

Worauf ist mein Waschbecken? Wenn ein reicher Herr sich die Füße abspülen lässt vom Staub der Straße, verachtet er das Waschbecken nicht sehr. Und der Sklave, dem er den Schuh zuwirft, ist ihm nichts Wichtiges. So sagt David: Ich verachte die Verführungsmächte, ich gebe die „Namen-Christen“, die sich um mich aufregen, zur Tagesordnung. Alles, was mir im Glauben nehmen will, von innen und außen, das lasse ich nicht zu.

„Ach, da singe ich Ihnen meine Jesuslieder ins Gesicht!“ Große Worte, oder? Aber sehen Sie, das ist hochgemuter Glaube. Er freut sich seines Heilandes, trotzt dem Teufel, ist seines Heils gewiss und lässt sich durch keine Furcht, Niederlage oder Drohung aus der Freude der Gottes-Kindschaft bringen.

Wie steht es nun mit uns? Wird einem nicht schwach, wenn man an unser Glaubensleben denkt und diesen hochgemuten Glauben sieht? Ich muss sagen, ich bin eigentlich noch nicht so weit, um über die Verführungsmächte von innen und außen sagen zu können: „Die sind mir nicht mehr als ein Sklave, dem ich einen Schuh werfe, oder ein Waschbecken.“

Vielleicht steckt sogar noch eine kleine Pointe darin: Moab wollte Israel verunreinigen, aber er sagt mir, ich soll das Waschbecken reinigen.

Ein Mann, den ich kenne, ist zum Glauben gekommen durch einen Satz, den ein alter Christ ihm eines Tages sagte. Dieser schaute den jungen Mann ernst an und sagte nur: „Was könnte aus dir werden, wenn du ganz Jesus gehörtest?“ Das ging ihm tief unter die Haut.

„Ich habe nur ein Leben – was könnte aus dir werden?“ Wenn ich solch einen hochgemuten Glauben sehe, denke ich: „Nee, da komme ich doch nie hin.“ Aber ich will das auf mich anwenden – und das soll uns alle tun: Was könnte aus uns werden, wenn wir es ernst meinen?

Der hochgemute Glaube in der ganzen Bibel

Lassen Sie mich noch kurz ein drittes sagen: Der hochgemute Glaube durchzieht die ganze Bibel. Er zeigt sich, wie er entsteht, zum Beispiel bei David. Dieser Glaube zieht sich durch das gesamte Schriftwerk.

Im Neuen Testament sieht man das an jeder Stelle. Wenn man das Ende der Bibel nimmt, also die Offenbarung, sieht man die Vollendeten, die aus Verfolgungen kommen. Die Märtyrer stehen vor dem Thron Jesu. Dort heißt es, dass sie nicht kapituliert, sondern überwunden haben durch das Blut des Lammes. Hochgemuter Glaube bedeutet, dass die Glaubenden Überwinder sind.

Hören Sie auch einmal auf Paulus. Es gibt eine Stelle, an der er den schrecklichen Mächten ins Gesicht trotz: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ (1. Korinther 15,55). Diese Worte zeigen den Mut und die Überwindungskraft des Glaubens.

Eigentlich müssten wir das ganze Kapitel Römer 8 vorlesen, aber ich bin an die Zeit gebunden. Lesen Sie es bitte selbst einmal nach. Ich möchte nur einige Verse zitieren: „Edom werfe ich meinen Schuh hin“ – das ist ein Ausdruck des Sieges. Weiter heißt es: „Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.“

Paulus fragt: „Wer wird mich scheiden von der Liebe Gottes?“ Und er antwortet: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten, die wir kennen oder nicht kennen, mich scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus, unserem Herrn, ist.“ (Römer 8,35-39)

Er sagt dasselbe: Der Glaube, der sich über alles erhebt, was ihm entgegensteht, ist in der Kraft Jesu Christi verwurzelt.

Die dienende Macht der Feinde im Glauben

Zum Schluss möchte er noch eine wichtige Bemerkung für diejenigen machen, die sich im hochgemuten Glauben üben wollen.

Hier finden wir einen ganz wichtigen Hinweis. David sagt: „Moab ist mein Waschbecken, Edom werfe ich meinen Schuh hin.“ Das bedeutet, diese Verderbensmächte sind Sklaven, die mir dienen müssen. Die Verderbensmächte müssen mir dienen – so spricht der Glaube.

Genau das sagt auch das Neue Testament: „Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.“ Feindschaft, Anläufe des Teufels, Versuchungen von innen, sogar meine Niederlagen – alles, was meinen Glauben auslöschen will, muss mir dienen.

„Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen“, das ist klar. Es muss mich läutern, es muss mich fördern, es muss mich näher zu Jesus hinführen. Das ist eine große Sache.

Ich wünsche uns, dass wir am kräftigen Anfang mit hochgemutem Glauben beginnen.

Wir wollen beten: Herr, unser Heiland, wir danken dir, dass du keine Kleinigkeiten zu verschenken hast und dass die Gemeinschaft mit dir keine primitive und billige Sache ist, sondern dass das Leben mit dir die neue Existenz ist.

O Herr, wir haben nichts, und je weniger wir haben, desto mehr willst du uns werden. Amen.