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Papst Franziskus: das fand ich GUT

und das NICHT
30.06.2023

Einführung in die Dokumentation und persönliche Erfahrungen

Wie jede andere Person ist auch er von all dem Symbolismus umgeben, der mit ihm verbunden ist, und all dem, was er bedeutet. Das fühlt sich wie eine sehr große Last an. Dennoch kann der Papst viele Fragen klären, die man vielleicht nicht versteht, warum die Kirche bestimmte Dinge tut.

Ich selbst habe früher ein Habit getragen, ich war vor einigen Jahren Nonne und eine sehr gläubige Katholikin. Zwischen meinem elften und zwölften Lebensjahr erlitt ich sexuellen Missbrauch durch einen Numerarier.

Ähm, Moment, was? Ist es erlaubt, einen Auftragskiller zu engagieren, um ein Menschenleben zu beenden, um ein Problem zu lösen?

Ich bin Alejandra und ich erstelle explizite Inhalte für Erwachsene, also eher sexuelle Pornografie. Was ist Tinder? Tinder.

Sitzen eine Ex-Nonne, eine Pornodarstellerin und der Papst zusammen – das klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes. Aber es handelt sich um eine gerade erst erschienene und sehr interessante Dokumentation. Sie wurde von Jordi Eberle und Mario Sanchez gedreht und trägt den deutschen Titel „Amen – ein Gespräch mit dem Papst“.

Zehn junge Menschen können darin mit dem Papst über das sprechen, was ihnen wichtig ist, und der Papst antwortet ihnen. Es gibt Stellen in der Doku, bei denen alle zusammen lachen, aber es geht auch um sehr ernste Themen wie Pornografie, Abtreibung, sexuellen Missbrauch in der Kirche, die Rolle christlicher Frauen und vieles mehr.

Diese Dokumentation werden wir uns heute anschauen. Einige Aussagen des Papstes basieren auf festem biblischem Fundament und sind wirklich gut. Das möchte ich hier ganz offen und ehrlich anerkennen.

Es gibt jedoch zwei Aussagen des Papstes, auf die wir gleich genauer eingehen wollen. Ich werde also einige Punkte aus der Doku herausgreifen – nur eine Auswahl –, damit du dir eine eigene Meinung bilden und das selbst beurteilen kannst.

Es geht darum, deine Urteilsfähigkeit zu schärfen. Deshalb hoffe ich, dass du diesen Beitrag bis zum Ende anschaust, denn die Themen werden immer brisanter. Außerdem möchte ich dir gleich etwas Wichtiges zum Katholizismus zeigen, das viele überhaupt nicht auf dem Schirm haben.

Die Bedeutung der Papstunfehlbarkeit und die Freiheit des Gewissens

Eine Sache vorweg: Diese Beiträge hier werden ja auch von vielen Menschen mit katholischem Hintergrund angesehen. Darüber freue ich mich sehr – herzlich willkommen!

Vielleicht stellt sich bei dem einen oder anderen die Frage: Darf man so etwas überhaupt machen, was wir jetzt tun? Der Papst sagt etwas, und wir bewerten das einfach so, als ob ein normaler Mensch das gesagt hätte. Was ist, wenn der Papst etwas sagt, das nicht ganz so solide ist? Vielleicht bist du auch katholisch und fragst dich, ob man überhaupt eine abweichende Meinung vom Papst haben darf. Das ist eine gute Frage, alles ist okay.

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört: Vor über 150 Jahren, im Juli 1870, hat das Erste Vatikanische Konzil festgelegt, dass in der katholischen Kirche der Papst das letzte Wort bei allen Glaubensfragen haben soll. Dieses Urteil des Papstes soll dann das abschließende Urteil sein, das nicht mehr in Frage gestellt wird. Diese Urteile des Papstes sollen als grundlegende Wahrheiten gelten, über die nicht mehr diskutiert wird. Deshalb nennt man sie unfehlbar.

Dieses sogenannte Unfehlbarkeitsdogma entstand damals als Antwort auf eine ganz bestimmte historische Situation. Heute würde das praktisch nicht mehr so passieren. Die Sache mit der Unfehlbarkeit wird fast immer einseitig dargestellt, denn es gibt mehr zu sagen – und das wissen viele informierte Katholiken auch selbst.

Das eine ist nämlich, dass diese unfehlbaren Urteile in der katholischen Theologie an ganz bestimmte und spezielle äußere Bedingungen geknüpft sind. Das heißt, sie entstehen keineswegs von allein, wirklich gar nicht. Diese ganz bestimmten Bedingungen wurden in den letzten 150 Jahren tatsächlich nur einmal in der Realität angewandt. Das zeigt schon, dass es keineswegs eine alltägliche Sache ist.

Viele der nachfolgenden Päpste, die nach dieser Festlegung kamen, haben sich selbst zurückhaltend und teilweise skeptisch gegenüber der theoretischen Möglichkeit geäußert, ein unfehlbares Urteil zu verkünden. Sie sagten, dass sie das nicht machen möchten, weil die Chance für einen Irrtum zu groß ist. Wenn Päpste das selbst sagen, sollte das ein Zeichen sein, oder?

In der katholischen Theologie gibt es deswegen eine deutliche Unterscheidung: Das eine sind Dinge, die defide definita sind, also amtlich festgelegt, zum Beispiel auf einem Konzil. Das andere sind Dinge, die defide catholica sind – das heißt, sie wurden von wichtigen Personen gesagt, haben aber nicht die gleiche Autorität wie etwas, das zum Beispiel ein weltweites Konzil öffentlich proklamiert hat.

Über diese zweite Gruppe von Dingen darf man respektvoll diskutieren. Das ist keine Erfindung von mir, sondern dazu heißt es im katholischen Kirchenrecht: „Was die geistlichen Hirten, also die Kirchenoberen, in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder als Leiter der Kirche bestimmen – und jetzt Achtung –, das haben die Gläubigen im Bewusstsein ihrer eigenen Verantwortung und ihres christlichen Gehorsams zu befolgen.“ Und da ist wieder diese entscheidende Formulierung: „in ihrer eigenen Verantwortung“.

Wenn das offiziell bestimmt wurde – ja, das ist so typisch katholischer Kirchenjargon: Im Hauptsatz kommt das große „ja“, und im Nebensatz das entscheidende „aber“ mit den Bedingungen. Und diese müssen, wie wir gerade gehört haben, ganz amtlich sein.

Das mit dieser Verantwortung, das mit dem Gewissen, das kommt mehrfach in wichtigen katholischen Texten vor. So heißt es an einer zentralen Stelle im offiziellen Katechismus der katholischen Kirche: „Der Mensch hat das Recht, in Freiheit seinem Gewissen entsprechend zu handeln und sich dadurch persönlich verantwortlich zu entscheiden. Er darf also nicht gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln.“ Das kommt mehrfach vor – ziemlich bemerkenswert, oder?

Diese gesunde Gewissensfreiheit hat heilsame Folgen. Deshalb heißt es auch vergleichsweise vorn im katholischen Kirchenrecht, wo es um Laien geht – also Menschen wie du und ich, die kein Amt in der Kirche innehaben: Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer Stellung haben die Laien das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen. Es geht sogar noch weiter: Sie haben teilweise das Recht, diese Meinung auch anderen Gläubigen zu übermitteln.

Das ist schon eine kleine Revolution, weil darin eindeutig das Recht auf respektvollen Widerspruch festgehalten wird. Viele katholische Theologen sehen diesen Passus sogar als direkte Einladung zu einem Dialog.

Dieses kostbare Recht auf Widerspruch kommt in der katholischen Theologie nicht von ungefähr. Selbst Thomas von Aquin, einer der größten katholischen Theologen, dessen Schriften bis heute hoch respektiert werden, hat die katholische Nachwelt gelehrt, dass bei klaren und nachweislichen Irrtümern kein bedingungsloser Gehorsam gegenüber Kirchenoberen geleistet werden muss.

Und noch eine letzte Stelle dazu: Das hat eine wertvolle Tradition. Viele Katholiken sehen Simon Petrus, den Jünger von Jesus, als den ersten Papst. Das wäre jetzt ein Thema für sich, ist aber nicht der Punkt hier.

Der entscheidende Punkt ist, dass wir sogar in Gottes Wort ein Beispiel haben, das von allen katholischen Theologen anerkannt wird, in dem Petrus sich selbst geirrt hatte. Es wird berichtet, dass der Apostel Paulus Petrus „ins Angesicht widerstand“. In deutschen Bibeln steht dort manchmal auch, Paulus widersprach ihm und stellte ihn öffentlich zur Rede.

Klar, der Ton macht die Musik. Aber der entscheidende Punkt ist: Petrus hatte sich geirrt, wurde darauf hingewiesen und korrigierte seine Position. Auch daran sieht man, dass das kein alltäglicher Vorgang sein muss.

Noch einmal: Der Ton macht die Musik. Aber im Grunde ist begründeter Widerspruch gegenüber Kirchenoberen auch nach katholischem Glauben legitim. Es gibt gute Beispiele für einen wertvollen Dialog.

Von daher darf ich jetzt auch die katholischen Zuschauer beruhigen: Ja, das ist okay, was wir jetzt machen. Deshalb sagt es ja auch in Gottes Wort selbst: Prüft alles und behaltet das Gute!

Vorstellung des Bibelfit-Dienstes und der Gesprächssituation mit dem Papst

Und damit willkommen beim Bibelfit-Dienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles gratis auf dieser Website. Dafür kannst du freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich.

Um mehr von unseren Inhalten zu sehen, drückt gern diese Glocke hier unten rechts unter dem Video.

Also, steigen wir direkt ein: Zehn junge Menschen, etwas jünger als ich, werden aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen religiösen Hintergründen nach Rom eingeflogen. Sie sitzen dann für eine gute Stunde in einer Art Loft zusammen.

Der Papst sitzt auf einem Stuhl, mit etwas Wasser neben sich. Die Teilnehmer tragen lockere Freizeitkleidung und sitzen ihm gegenüber in einem Halbkreis, etwa fünf Meter entfernt. Dabei sitzen sie teilweise auf Stühlen, teilweise auf dem Boden und teilweise sogar auf den Tischen. Das sieht dann so aus.

Du siehst schon, das Ganze soll bewusst nicht förmlich sein. Dazu kann man unterschiedliche Meinungen haben, denn der Papst ist nicht nur ein religiöser Leiter, sondern auch das Staatsoberhaupt des Vatikanstaates.

Aber noch einmal: Auch das ist jetzt nicht unser Thema. Du siehst in der Doku, dass das alles niedrigschwellig sein soll, so quasi Christentum zum Anfassen.

Deshalb wird der Papst auch mit seinen gesundheitlichen Problemen gezeigt. Der Mann geht schließlich auf die neunzig zu.

Und nur damit du dich nicht wunderst: Papst Franziskus ist in Buenos Aires, Argentinien, aufgewachsen. Er ist also spanischsprachig. Die Macher der Doku haben sich entschieden, die Originalsprache im Audio der Doku beizubehalten.

Deshalb sind die Ausschnitte aus der Doku jetzt zwar auf Spanisch, aber ich blende dir zu jedem Abschnitt direkt live deutsche Untertitel ein. So wird niemand ausgeschlossen, und alle können hier folgen.

Also, lass uns jetzt ein paar inhaltliche Dinge anschauen, die in der Doku zu Recht angesprochen werden.

Soziale Herausforderungen und Arbeitsbedingungen

Das erste Thema, zu dem die Teilnehmer den Papst befragen, sind ihre beruflichen Aussichten, der Arbeitsmarkt und unfaire Arbeitsbedingungen – besonders jetzt in der Zeit der Weltwirtschaftskrise.

Der Papst findet dazu deutliche Worte. Er sagt: „De otra manera, que una mujer haciendo la cola para buscar un trabajo le digan si, bueno, está bien, si, si, señorita, esto va bien con usted, son once horas de trabajo und 600 Euro im Monat.“

Er fügt hinzu: „Aber ich kann mit diesem Problem nicht leben. Es ist ein Sucio, mire die Cola, die es gibt. Es ist eine Sklavitud moderna, nicht die Sklavitud des Markats.“

Darstellung Jesu in der Kunst und kulturelle Verantwortung

Das nächste Thema ist etwas, worüber wir auf diesem Kanal schon mehrfach gesprochen haben: Warum wird Jesus in vielen Kirchen eigentlich als Westeuropäer dargestellt?

Es ist durchaus gut, dass eine Kirche Jesus und Maria repräsentiert, wie es beispielsweise in Blanken und Blanken geschieht. Das ist aber auch kurios – denk mal darüber nach. Gerade die römische Kirche trägt hier eine besondere Verantwortung. Einerseits ist sie im Vatikan ansässig, besitzt dort Museen und folgt italienischen Kunsttraditionen. Deshalb wird Jesus dort häufig und meistens als Westeuropäer dargestellt.

Andererseits steht die römische Kirche einer weltweiten Gemeinschaft von Christen vor, von denen die meisten keine Westeuropäer mit weißer Hautfarbe sind – ganz im Gegenteil. Weltweit gibt es zahlreiche tausende Abbildungen von Jesus mit dunkler Haut, so auch in der Dokumentation selbst. Das ist eine berechtigte Frage, der wir uns als Christen stellen müssen.

Anfang dieses Jahres habe ich über Monate hinweg Dutzende antike Quellen ausgewertet, um herauszufinden, wie Jesus wahrscheinlich am ehesten ausgesehen hat. Das Ergebnis ist faszinierend, denn es ist total logisch, aber dennoch anders, als du vielleicht erwartest. Es ist eine der umfangreichsten Untersuchungen, die wir je gemacht haben. Du kannst dir alle Details gerne über den Link unter diesem Video ansehen.

Echtheit des Glaubens und seine Früchte

Dann ein anderes inhaltliches Thema, nämlich: Woher weiß ich denn, dass Glaube echt ist? Woher weiß ich, dass mein Glaube echt ist?

Deswegen gleich vorweg, weil ich weiß, dass zwei, drei Leute hier das hören müssen: Es geht nicht um Werkgerechtigkeit. Das muss ganz, ganz glasklar sein. Du kannst dir das ewige Leben nicht kaufen, du kannst es nicht erarbeiten, du kannst es nicht verdienen. Solche Bestechungsgeschenke funktionieren beim heiligen und allwissenden Gott nicht.

Solange ich in meinen Sünden bin und versuche, mich bei Gott durch gute Taten einzuschleimen, geht das nicht. Dazu gibt es in der Bibel sogar einen ganz kuriosen Ausdruck. Es wird beschrieben, dass es wie ein Stück Stoff ist, das von innen mit Blut durchweicht ist. Das ist ein ungewöhnliches Bild, aber es ist auch aussagekräftig. Es kommt durch, was unter der Oberfläche ist.

Wenn Blut unter der Oberfläche ist – also, aus dem Buch Levitikus kennst du das zum Beispiel – steht das häufig für unvergebene Sünde. Das dringt in der unsichtbaren Welt auch durch unsere weißen Stoffe durch. Das heißt: Du kannst dir den Himmel nicht mit Taten kaufen, auch nicht mit guten Taten und auch nicht mit religiösen Taten. Du musst deine Sünden dauerhaft loswerden, und das kannst du nur und ausschließlich durch Jesus.

Aber die andere Seite der Medaille ist auch wahr, nämlich: Woran erkenne ich, dass mein Glaube echt ist? Die Antwort: Er überdauert, er bewährt sich. Schau mal, was der Papst dazu sagt. Und das ist ein Stück weit so, wie Jesus sagt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

Das ist ein Punkt, über den wir mehr nachdenken sollten.

Herausforderungen der Glaubwürdigkeit und Machtmissbrauch in der Kirche

Jetzt werden die Themen in der Dokumentation kontroverser, und es geht um Probleme, die in der Christenheit und in der römisch-katholischen Kirche auftreten.

Das beginnt mit einem Thema, für das junge Menschen zu Recht besonders sensibel sind: Glaubwürdigkeit. Ist jemand authentisch? Und wie kann es sein, dass das Christentum Glaubwürdigkeit verliert? Unter anderem passiert das, wenn manche Strukturen, die einst mit guten Absichten eingerichtet wurden, sich verselbstständigen.

Der Papst beginnt damit, klarzustellen, was Glaubwürdigkeit eigentlich bedeutet. Er gesteht ein, dass viele Menschen damit Schwierigkeiten haben.

Dann wird der Papst zum Thema Machtmissbrauch in der katholischen Kirche befragt. Dabei geht es nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um Machtmissbrauch. Die Frage lautet: Wie kann es zum Machtmissbrauch durch Priester kommen? Seine Antwort hat mich positiv nachdenklich gemacht. Er sagte: „Un cura se olvida, que es Pastor de un Pueblo y se transforma en un Klerigo de Estado.“ Das bedeutet, ein Priester vergisst, dass er Hirte eines Volkes ist, und verwandelt sich in einen Staatskleriker.

Das sollten wir alle, mich eingeschlossen, selbstkritisch vor Augen halten – gerade angesichts der aktuellen Skandale und Schlagzeilen. Mit welchem Herzen gehe ich eine Aufgabe an? Mit welcher Grundhaltung lehre ich? Mit welcher Einstellung leite ich eine Gemeinde?

Für eine mündige Gemeinde hat der Papst eine klare Empfehlung. Er spricht von religiösen Einrichtungen, die ihren Mitgliedern empfehlen, keinen Kontakt zu Nichtchristen zu haben oder – wie in einem Beispiel aus der Dokumentation – jeden Kontakt zur Außenwelt zu unterbinden.

Wenn es dir so geht wie mir, kannst du dir das vielleicht kaum vorstellen. Aber leider gibt es das auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und zwar nicht nur als katholisches Problem.

Der Papst verwendet klare Worte: „Y a veces cuando uno está en situaciones como las que vos contaste que te creo porque se da en la iglesia lamentablemente eso el acto más valiente es tomársela.“

Das bedeutet: Manchmal, wenn man sich in solchen Situationen befindet, wie du sie beschrieben hast – und ich glaube dir, weil das leider auch in der Kirche vorkommt – dann ist der mutigste Schritt, sich zurückzuziehen.

Das ist auch eines der eindeutigen Merkmale, dass man es mit einer Gemeinschaft mit sektenartigen Zügen zu tun hat – zumindest mit einer geistlich nicht gesunden Gemeinschaft. Ein solches Merkmal ist, dass der Kontakt außerhalb der Gemeinschaft eingeschränkt wird.

Falls du möchtest, dass ich ein eigenes Video zu Sekten mache und erkläre, woran man sie schnell erkennen kann, dann drücke gerne die Glocke rechts unter diesem Video und schreibe einen Kommentar.

Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche

Und dann wird zu Recht das Thema sexueller Missbrauch angesprochen. Das ist eine sehr emotionale Stelle, die ich dir hier leider aufgrund des deutschen Urheberrechts nicht vollständig zeigen kann. Aber ich erzähle dir, worum es geht.

Ein Mann berichtet, dass er damals im Alter von zehn bis elf Jahren in einer Art Klosterschule von einem Ordensmitglied des katholischen Ordens Opus Dei vergewaltigt worden sei. Er erzählt, dass der Täter zwar aufgrund der Beweislage „schuldig befunden wurde, aber statt elf Jahren Haft nur zwei Jahre bekam. Diese zwei Jahre musste er am Ende auch nicht antreten.

Das ist fast wie in Deutschland, wo vier von fünf Tätern, die Kinder missbraucht haben, nur eine Bewährungsstrafe erhalten und nie ins Gefängnis müssen. Danach wird darüber gesprochen, was in dem konkreten Fall getan werden kann und ob Vergewaltigung und sexueller Missbrauch verjähren sollen oder nicht.

Du merkst vielleicht schon, dass dieses Thema sehr kompliziert ist und eine enorme Tragweite hat. Ich fühle mich nicht kompetent genug, um das jetzt angemessen zu kommentieren.

Falls gewünscht, könnte ich aber ein eigenes Video zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche machen. Ich weiß, wen ich dafür anfragen kann. Drücke dazu einfach die Glocke und schreibe in die Kommentare, dass du dir das wünschst. Dann organisiere ich das.

Reaktionen des Papstes auf Missbrauchsvorwürfe

Dann passiert in der Dokumentation etwas Bemerkenswertes. Der Papst äußert etwas, was man wohlwollend als eine Entschuldigung deuten kann. Daraufhin fragt Juan, der junge Mann, der vergewaltigt wurde, den Papst ganz direkt Folgendes: "Sacerdote, Obispo, oder was auch, condenado o que usted sepa, no sé, si que haya abusado y que opinión tiene o que sensaciones saca."

Und der Papst, wie antwortet er ihm? "Encontré desde el Negacionista, que niega hasta la evidencia y que ha cerrado y no le entran balas hasta el arrepentido y que está llevando su pena."

Das ist ein ganz kurioses Phänomen, gerade bei denen, die alles abstreiten. Das hat mich an das erinnert, was Salomo in den Sprüchen schreibt, wo es heißt: Der Mensch hält alles, was er tut, für gut, doch der Herr prüft, was er im Herzen hat.

In anderen Lebensbereichen kenne ich das von mir selbst. Ich will auf gar keinen Fall zugeben, wenn ich etwas Falsches tue. Ich will auf keinen Fall vor anderen und auch vor mir selbst als schuldig dastehen.

Im Grunde ist mir vor kurzem so aufgegangen, wie wichtig uns als Menschen Integrität ist, wie wichtig uns im Kern Unschuld ist und wie wichtig uns Gerechtigkeit ist. Sonst würden wir ja nicht mit Händen und Zähnen darum kämpfen, als unschuldig zu gelten.

Sexualität und Pornografie aus kirchlicher Sicht

Und dann sind wir beim nächsten großen Thema in der Doku: Sexualität und vor allem Pornos. Falls dir das nicht bewusst ist: Pornos sind in westlichen Ländern ein Riesenthema, auch unter Christen.

Wenn du schulpflichtige Kinder hast, dann ist die Chance, dass sie Pornos sehen, bevor sie zuhause ausziehen, praktisch bei 100 Prozent. Es ist keine Frage, ob sie mit Pornos konfrontiert werden, sondern nur wann und wie intensiv.

Aber lass uns mal vorne anfangen, bei Sexualität grundsätzlich. Hör mal, was der Papst über den Katechismus sagt, also vereinfacht gesagt über die Lehre der römisch-katholischen Kirche. Er sagt dazu Folgendes:

Ja, das stimmt. Die Extrembeispiele sind jene, in denen Sexualität in der Vergangenheit verteufelt wurde oder Ähnliches. Da wurden Dinge gesagt wie, dass Sex nur zur Fortpflanzung sein soll und dass man keine Freude, keine Liebe, keinen Genuss und keine emotionale Erfüllung darin finden darf.

Oder dass ein Ehepaar keine zweckfreie Zärtlichkeit miteinander haben darf, oder auch, dass man teilweise nicht mehr miteinander tanzen darf. All das ist nicht biblisch, sogar im Gegenteil. Deshalb war es nach Jahrhunderten von Missverständnissen, Falschdarstellungen und Unterdrückung einfach heilsam, gesund und wichtig, dass wir in den letzten Jahrzehnten als Kirche und als Christen eine Stimme gefunden haben, um deutlich zu machen: Nein, keine Leibfeindlichkeit, keine Sexualkomplexe. Ehepaare dürfen und sollen einander genießen.

Das war eine Botschaft, das weiß ich aus vielen Leserbriefen hier aus der Community. Die muss zum Beispiel die Generation meiner Eltern noch hören. Das ist jetzt vielleicht die Generation meiner Eltern, aber in meiner Altersgruppe leben wir in einer anderen Zeit.

Weißt du, meine Generation, die in den Neunzigern oder den Zweitausendern aufgewachsen ist, lebt in einer Umgebung, in der wir in Europa nach 2000 Jahren wieder in einer geradezu sexbesessenen Gesellschaft leben. Du kannst keine Einkaufspassage entlanggehen und in keinen Zeitungsladen schauen, ohne nackte Menschen zu sehen.

Es ist fast normal, dass Leute fünf, zehn oder mehr verschiedene Sexualpartner hatten, bevor sie heiraten – wenn sie überhaupt heiraten. Inzwischen leben in Deutschland mehr Menschen unverheiratet zusammen, als es überhaupt Ehen gibt. Das heißt, heute prägt uns eine andere Kultur.

Viele Pastoren haben das noch gar nicht verstanden, was hier auf der Straße und auf dem Bildschirm tatsächlich abgeht. Nur als Beispiel: Schau mal, wie der Papst reagiert, sobald er nach der weltweit bekanntesten Handy-App für One-Night-Stands gefragt wird.

Und nicht, dass du jetzt nur denkst: „Oh, der Papst, der kriegt nichts mit.“ Was ist denn bei uns selbst? Was ist denn bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Auch an der Basis habe ich die Beobachtung gemacht, dass Christen teilweise komplett aufgegeben haben.

Wir haben aufgegeben, über biblische Sexualprinzipien zu sprechen. Wir haben aufgegeben, die Wurzeln zu lehren, und teilweise haben wir sogar aufgegeben, selbst ernst zu nehmen, was unsere eigene Heilige Schrift über Mann-Frau-Dynamiken sagt.

Ich gebe dir ein konkretes Beispiel: Ich bin damals als Atheist unter Atheisten aufgewachsen. Bis ich im jugendlichen Alter war, hatte ich keine zwei Kirchen von innen gesehen und noch nie mit einem bekennenden Christen ein Wort gewechselt.

Wenn ich jetzt Muslime frage, dann bekomme ich sofort die Antwort: Nein, Sex gibt es nur in der Ehe. Wenn ich aber christliche Pastoren frage, was ihre eigene Bibel dazu sagt, dann bekommst du nur Wischi-Waschi-Antworten. Warum ist das so?

Pornos sind für Christen übrigens genauso ein Thema, und das wird hier auch angesprochen. Eine der Teilnehmerinnen an der Doku hatte sich entschieden, Geld damit zu verdienen, indem sie Pornos erstellt. Der Papst hat dazu eine klare Antwort.

Den jungen Menschen ist das teilweise auch selbst klar, dass das keine gute Idee ist. Ohne jetzt irgendjemandem zu nahe zu treten: Rein statistisch werden hier mehrere hundert Menschen Pornos gucken.

Vielleicht guckst du Pornos und denkst dir: „Naja, ich bin ja nicht wie die, ich bin ja nicht süchtig.“ Darum geht es gar nicht, ob du süchtig bist oder nicht. Es geht um etwas, das in der unsichtbaren Welt mit deiner heiligen Seele passiert.

Deshalb zieht der Papst einen deutlichen Vergleich. Er sagt: Wenn du Pornos gegen Geld verteilst, über das Internet, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, multipliziert und skaliert, dann ist das das Gleiche, als ob du Drogen über das Internet für Geld verteilst.

Distinguir entre la riqueza de un medio y la moralidad de lo que haces respecto a tu concepto de moralidad, no cierto? Si vos a través del medio vendes Droga, por ejemplo, estás intoxicando la Juventud, estás haciendo daño, estás fomentando un Delito, no cierto? Das sind klare Worte.

Ich überlege, einen eigenen Beitrag über Pornos zu machen, und ich wüsste auch schon, wen ich dazu anfragen sollte. Falls Interesse besteht, dass wir hier darüber reden, dann drück an die Glocke unter diesem Video und schreib einen Kommentar. Dann organisiere ich das.

Emotionale Herausforderungen und Fakten zu Abtreibungen

Dann geht es um ein Thema, das vielen hier, auch mir, sehr am Herzen liegt, nämlich das Thema Abtreibungen.

Weißt du, bei Abtreibungen werden Menschen oft sehr emotional. Vielleicht geht es uns beiden, dir und mir, da sogar ähnlich. Wenn ich emotional werde, also richtig emotional, bekomme ich ganz schnell eine Art Tunnelblick. Ich beiße mich dann so an meiner eigenen Sichtweise fest, dass ich nach einer Weile kaum noch nach rechts oder links schaue. Dann bin ich kaum noch in der Lage, Dinge von außen ernsthaft wahrzunehmen oder ehrlich zuzuhören.

Das heißt, bevor jetzt jemand zu emotional wird und bevor wir uns den Austausch in der Doku zu Abtreibungen näher anschauen, lass uns kurz bei der Situation hier bei uns in Deutschland bleiben. So haben wir eine gemeinsame Faktengrundlage.

Und was ist die Faktengrundlage zu Abtreibungen in Deutschland?

Fakt A: Inzwischen wird fast eines von neun gezeugten Kindern in Deutschland abgetrieben. Das heißt, für acht Kinder, die du vor einer Eisdiele siehst, wie sie anstehen, wurde ein Kind abgetrieben. Bei einer Kindergartengruppe von vierundzwanzig Kindern fehlen also drei Kinder, weil sie vor ihrer Geburt abgetrieben wurden.

Fakt B: Weit über 99 Prozent der Kinder sind bei einvernehmlichem Sex mit dem Partner der Wahl entstanden. Vergewaltigungen sind ein Thema für sich, dazu habe ich in der Vergangenheit viel gearbeitet. Zur Wahrheit gehört auch: Selbst wenn du die Höchstzahlen des Bundeskriminalamts mit zehn multiplizierst, bleibt es dabei, dass weit über 99 Prozent der Kinder bei einvernehmlichem Sex mit dem Partner der Wahl entstanden sind.

Fakt C: Bei 19 von 20 Abtreibungen sind die Mutter und das Kind beide kerngesund.

Das sind die Fakten. Natürlich gibt es Ausnahmen, und diese sind wichtig. Bevor wir aber über die Ausnahmen sprechen, müssen wir erst einmal über die ganz, ganz große Mehrheit sprechen.

Fast eins von neun gezeugten Kindern in Deutschland wird abgetrieben. Über 99 Prozent der Kinder sind bei einvernehmlichem Sex mit dem Partner der Wahl entstanden. Und bei 19 von 20 Abtreibungen sind Mutter und Kind beide kerngesund.

Das sind die Fakten. Die Quellen sind öffentlich einsehbar und können von jedem überprüft werden. Deswegen lass uns jetzt über diese Mehrheit sprechen.

Umgang mit Abtreibungen aus christlicher Perspektive

Der Papst wird gefragt, wie Christen damit umgehen sollen, dass es Christen gibt, die ihre eigenen Kinder abtreiben. Er gibt darauf die einzig ehrliche und richtige Antwort.

A los curas siempre le digo que cuando se acerca una persona en esa situación con un cargo de conciencia es dura la huella que deja un aborto en la mujer, que por favor no pregunten mucho y sean misericordiosos. Es como es Jesús, lo que me dice Jesús: recibe a todos. Después, uno por más pecador que sea, por más que lo deje todo el mundo, el Señor no lo deja nunca.

Genau so ist es.

Er bekommt dazu aber auch Widerspruch von einem der Teilnehmer. Man dürfe nicht bestrafen, was lange schon passiert sei.

Hm, ich habe viel darüber nachgedacht. Persönliche Meinung: Ich denke nicht, dass es der richtige Weg ist, bei Abtreibungen eine Mutter zu bestrafen. Warum? Jede Abtreibung betrifft mindestens vier Menschen: das Kind, seine Mutter, seinen Vater und den Arzt, der das Kind zu Tode bringt.

Das heißt aber, je nach Untersuchung, ist zu befürchten, dass in bis zu jedem zweiten Fall entweder der Vater oder die Großeltern oder eine andere Person die Mutter zur Abtreibung beeinflussen, manipulieren, drängen oder sogar zwingen. Ja, in Deutschland gerade jetzt.

Und nur das zeigt schon, dass es in sehr vielen Fällen grundsätzlich keine gute Idee ist, die Mutter zu dämonisieren.

Davon ganz unabhängig ist das Argument: „Etwas passiert jetzt und wird auch in Zukunft passieren, also sollte man nichts dagegen unternehmen.“ Das macht jetzt keinen großen Sinn. Denk mal mit.

Behauptung Nummer eins, die ganz häufig kommt, ist: „Es ist ja legal, Abtreibung ist legal.“

Hm, siehst du, ganz häufig sagen wir, dass Abtreibungen schwierig sind, und wir sagen, es ist eine schwierige Entscheidung. Ich denke, sie sind aber nur deswegen schwierig, weil wir denken, wir hätten die Wahl dafür. Wir denken, wir hätten die Wahl und das Recht, das zu entscheiden.

Die Frage ist: Warum denken wir eigentlich, wir hätten die Wahl?

Siehst du, am Ende des Tages ist es ganz einfach zu verstehen: Du hast Moral, und Moral ist das, was richtig und was falsch ist, und das, was wir als richtig und falsch empfinden.

Und dann hast du Gesetze. Am Ende des Tages nehmen wir unsere Moral, um aus unserer Moral Gesetze zu schreiben.

Weißt du, Gesetze sind ja nichts weiter als eine Kodifizierung, eine Verschriftlichung von Moral.

In dem Moment aber, wo wir sagen, okay, wir würden jetzt Gesetze nehmen, um zu begründen, was richtig und falsch ist, sind wir in einem Zirkelstoß drin. Das geht ja gar nicht, weil wir nehmen das, was richtig und falsch ist, um Gesetze zu schreiben. Wenn wir dann aber sagen, wir nehmen Gesetze, um herauszufinden, was richtig und falsch ist, dann drehen wir uns ja komplett im Kreis. Da beißt sich ja wirklich die Katze in den eigenen Schwanz. Das funktioniert ja gar nicht. Und das nennt man Legalismus.

Es gibt sogar noch einen eigenen psychologischen Begriff dafür. Dieses Phänomen heißt depersonalisierender Kontraanthropomorphismus.

Das musst du dir jetzt nicht merken. Es bedeutet einfach nur, dass wir Menschen uns eine Struktur ausdenken und nachdem wir diese Struktur selber kreiert haben, machen wir uns zu Sklaven dieser Struktur und tun so, als ob diese Struktur etwas Gottgegebenes ist, was eine viel höhere Autorität hat, als dass wir uns das gerade ausgedacht haben.

Und das ist natürlich total unlogisch.

Weißt du, diese Behauptung „Das und das steht im Gesetz drin“ hat null Komma null moralischen Aussagegehalt, überhaupt gar keinen. Das bedeutet rein gar nichts für moralische Einschätzung, null.

Verstehe mich richtig, weil es steht doch nur dort, weil wir es dorthin geschrieben haben.

Das ist ungefähr das Äquivalent zu dem, als ob wir behaupten würden, ja, wie eine berühmte amerikanische Präsidentschaftskandidatin vor einiger Zeit gesagt hätte: „Smoking marijuana is illegal because it is against the law.“

Ja, toll, das ist ja mal eine erkenntnisreiche Aussage. Da hat sie auch zu Recht an der Stelle eine Menge Kritik dafür eingefahren.

Das ist ungefähr das Gleiche wie zu behaupten: „Ich sage das, weil ich es sage.“

Das nennt man eine Tautologie. Das heißt, wir drehen uns völlig im Kreis. Das ist einfach nur dasselbe.

Und zu sagen, das und das ist falsch, weil es steht im Gesetz, das haut überhaupt nicht hin.

Merkst du also, in welche Kategorie fällt das rein? In die Kategorie Sinnlos. Das ergibt null Komma null Sinn. Wirklich gar keinen, weder logisch noch moralisch noch sonst irgendwie.

Deshalb habe ich einen besseren Vorschlag, nämlich: Lasst uns doch mal nicht deskriptiv über das Thema nachdenken, also nicht so, wie wir das in der Vergangenheit gemacht haben.

Deskriptiv heißt beschreiben, das heißt, wir überlegen, wie wurde das Thema in der Vergangenheit gehandhabt.

Sondern lass uns im Gegensatz dazu mal normativ über das Thema nachdenken. Das heißt, wir wollen jetzt mal in die Zukunft schauen und überlegen, wie sollte das Thema in der Zukunft gehandhabt werden.

Das eine ist, wie wurde es faktisch in der Vergangenheit gemacht, das andere ist, wie sollte es denn in der Zukunft gehandhabt werden.

Weißt du, das ist ja eine ganz andere Frage.

Und deshalb gebe ich den Leuten, sobald ich an der juristischen Fakultät Vorlesungen halte oder ähnliches, ein anderes Beispiel, um sie aus dieser Denkfalle zu befreien.

Ich sage ihnen: Okay, stell dir mal einfach vor, du und ich würden jetzt gemeinsam einen neuen Staat gründen. Von diesem gibt es bis jetzt keinerlei bestehende Gesetze. Du und ich müssen jetzt Gesetze schreiben zum Thema Abtreibung.

Wie würden wir dann vorgehen? Das heißt, wie würden wir denn Gesetze schreiben zu dem Thema, wenn es noch gar keine Gesetze und keine vergangene Praxis zu dem Thema gäbe?

Angenommen, das wäre jetzt etwas völlig Neues: Wie sollte es denn in der Zukunft gehandhabt werden?

Weil das ist ganz wichtig: Nicht alles, was moralisch ist, ist legal, und nicht alles, was legal ist, ist auch moralisch.

Beispiel: Es gibt ein afghanisches Gesetz, das besagt, dass man Frauen bei Verdacht auf Untreue steinigen kann, solange die Frau ihre Unschuld nicht beweisen kann, also im Zweifel gegen die Angeklagte.

Dieses Gesetz sagen du und ich, das akzeptieren wir nicht, und das ist zu Recht so.

In Deutschland zum Beispiel gab es Gesetze, die sich mit Sinti und Roma beschäftigt haben, und Euthanasie-Gesetze. Das heißt, dass es geografisch hier in unserer Region passiert ist.

Das eine ist ja das afghanische Gesetz, wo wir sagen, na gut, das ist weit weg, das akzeptieren wir nicht, weil es unsere Grenzen nicht betrifft.

Das deutsche Gesetz, das in dem Moment den Menschen das Recht gegeben hat, andere Menschen umzubringen, da wurden auch viele mutige Widerstandskämpfer aktiv. Sie sagten: Wir akzeptieren das nicht, und das zu Recht.

Und auch in der heutigen Zeit akzeptieren wir das nicht, zu Recht.

Und das ist gut, weil es geht in erster Linie nicht um den Gesetzestext, sondern es geht darum, nach welchen Kriterien wir überhaupt entscheiden, welchen Gesetzestext wir überhaupt annehmen.

Das bedeutet also: Es muss etwas Höheres geben als das Gesetz, um zu beurteilen, welches Gesetz wir überhaupt annehmen. Und das nennt sich Moral.

Und weißt du, würden wir uns immer nur nach der Kultur richten, also nach dem, was wir sowieso schon machen, dann vertauschen wir doch den Bock mit dem Gärtner.

Weißt du, dann definieren wir doch das, was wir tun sollten, so wie wir es bereits tun, und das ist ein krasser Logikfehler.

Und warum sollten wir denn Gesetze überhaupt jemals verändern? Woher sollen wir denn noch wissen, ob irgendetwas gut oder schlecht ist, wenn wir uns am Ende des Tages immer nur angucken, was wir sowieso schon tun?

Das ist, als ob ich einen Dartpfeil an die Wand werfe und da, wo der Dartpfeil dann stecken bleibt, male ich die Zielscheibe drumherum und sage: „Yay, ich habe getroffen.“

Das ist doch total unlogisch.

Das heißt, da kann ich ja den Dartpfeil irgendwo hinwerfen und danach die Zielscheibe drumherum malen und immer sagen: „Yay, volle Punktzahl.“

Woher sollen wir dann noch wissen, ob es gut oder schlecht ist? Wie sollen wir dann jemals Gesetze verändern, wenn alles, was entgegen der Meinung der Gesetze ist, per se falsch wäre und unmoralisch? Das ergibt null Sinn.

Dann geht der Papst ein zweites Mal darauf ein und macht eine weise Unterscheidung:

Eine Frau, die abgetrieben hat, kann man nicht allein lassen. Also muss man sie nicht in den Inferno senden, also isolieren. Sie muss beitragen. Aber es ist gut, wenn eine Person beiträgt, die das Gesetz gerechtfertigt hat.

Warum ist das jetzt so ein riesiges Problem?

Na ja, ich habe schon so viele Diskussionen über das Thema gehabt, ich habe dazu Vorträge gehalten, ich habe bei Universitäten für angehende Juristen Vorlesungen dazu gehalten.

Und die Grundfrage ist: Wer sollte die Autorität haben, zu definieren, wann Leben beginnt?

Da werden die meisten, sobald sie darüber nachdenken, antworten: Na ja, das sollten eigentlich Biologen und Mediziner sein.

Genau. Und was sagt denn die bahnbrechende Mehrheit aller Biologie-Lehrbücher und aller Medizin-Fachbücher?

Sie sagt Folgendes, worauf der Papst sich hier zu Recht bezieht und wo er auch bei den Teilnehmern des Gesprächs Zustimmung bekommt.

Er sagt: Es ist eine wichtige Frage, um die Probleme zu lösen.

Guter Punkt. Lass uns auch das noch etwas tiefer betrachten.

Dann wird mancher behaupten: Das ist doch gar kein Kind, das ist doch gar kein Mensch, das ist der Körper der Mutter.

Also zunächst einmal widerspricht das der Tatsache, dass es kein Lebewesen und kein Mensch wäre, weil die Mutter ein Lebewesen und auch ein eigener Mensch ist.

Das heißt, das widerspricht schon manchen Behauptungen, die vorher getätigt wurden.

Das heißt, behauptet jemand das und im gleichen Atemzug, dann weißt du schon, okay, da ist ein interner Konflikt.

Zweitens: Der Begriff „Mutter“ ergibt doch gar keinen Sinn, wenn es kein Kind gäbe.

Eine Mutter ist doch automatisch die Mutter von einem Kind.

Das heißt, allein durch den Begriff ist doch klar, dass dort ein anderer Mensch ist.

Würde ich sagen: Ich bin Vater, aber es gibt und gab nie ein Kind, das ist doch völlig unsinnig.

Das heißt, sie sagen: Es ist der Körper der Mutter, aber es gibt kein Kind. Was macht dann die Mutter eigentlich zur Mutter?

Das ergibt keinen Sinn, schon vom Begriff her.

Und der entscheidende Punkt ist: Das Baby ist definitiv nicht der Körper der Mutter, auf gar keinen Fall.

Keine Mutter hat zwei verschiedene Köpfe, zwei verschiedene Herzen, vier Hände, vier Füße und zwei verschiedene Gehirne.

Auf gar keinen Fall.

Das Baby in der Mutter hat eine eigene Blutgruppe, die ganz häufig völlig anders ist als die der Mutter, eine eigene Blutgruppe.

Es hat eigene DNA, eigene DNA.

Kein DNA-Labor der Welt würde die DNA-Probe des Babys mit der DNA-Probe der Mutter verwechseln, weil es zwei völlig verschiedene Menschen sind. Völlig undenkbar.

Es hat ein eigenes EEG, das heißt, die Hirnströme und Hirnwellen des Babys sind ganz andere als die der Mutter.

Es hat einen eigenen Herzschlag, einen eigenen Herzrhythmus, ein eigenes Herz, einen eigenen Kreislauf und ganz häufig sogar ein eigenes Geschlecht als die Mutter.

Ja, 51 Prozent der Schwangerschaften sind mit Jungs. Das heißt, in dem Moment haben 51 Prozent der Babys, die im Körper der Mutter sind, ein anderes Geschlecht als die Mutter.

Was davon soll bitteschön der Körper der Mutter sein? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.

Kein DNA-Labor auf diesem Planeten würde eine Probe von dem Kind mit der Probe von der Mutter verwechseln. Völlig ausgeschlossen.

Denk auch mal an das Thema In-vitro-Fertilisation, also künstliche Befruchtung.

Dort wird ein Baby der Mutter eingesetzt, das heißt, es ist noch nicht drin, es wird reingetan. Es ist also nicht Teil von ihr.

Das geht überhaupt nicht, sondern es ist verbunden mit ihr.

Das Baby ist in ihrem Körper, aber niemals ist es ihr Körper. Das ist völlig antiwissenschaftlicher Nonsens.

Also, tut mir leid, da würdest du in jedem Biologietest im Gymnasium in der siebten, achten oder neunten Klasse sofort durchfallen. Das geht überhaupt nicht.

Und übrigens, hier ein paar Testfragen für Leute, die das behaupten:

Stell dir mal vor, ein Baby wäre der Körper der Mutter.

Das heißt, stell dir mal einfach vor, darf eine gute Freundin der Eltern, die sich freiwillig als externe, als Dritte, als Leihmutter zur Verfügung stellt, dann jederzeit entscheiden, das Leben des Babys gewaltsam zu beenden, weil es ja ihr Körper ist?

Umgekehrt: Darf das Leben von Frühchen im Brutkasten gewaltsam beendet werden, die ja noch nicht ausgereift sind, weil es immer noch der Körper der Mutter ist, weil sie ja noch nicht völlig ausgereift sind?

Die Schwangerschaft ist ja in dem Sinne vielleicht beendet, aber das Baby ist noch nicht so ausgereift, wie es sonst sein würde.

Und angenommen, wir schaffen es, für In-vitro-Fertilisation eine künstliche Gebärmutter zu kreieren. Das ist medizinisch im Rahmen des Denkbaren.

Wäre es dann immer noch vollkommen neutral, das Leben des Babys gewaltsam zu beenden, das in der künstlichen Gebärmutter außerhalb der Mutter ist, weil wir sagen, es ist der Körper der Mutter?

Nein, natürlich nicht.

Auch wenn ich persönlich jetzt nicht katholisch bin, ist das eine der Sachen, die ich am Katholizismus sehr schätze.

In dieser Frage des Lebensschutzes stehen katholische Christen auf der richtigen Seite der Geschichte, und die Geschichte wird sie freisprechen. Die Nachwelt wird ihnen hier Recht geben.

Und deshalb bringt der Papst es zu Recht mehrfach auf den Punkt.

Und da geht er sogar noch einen Schritt weiter, um es wirklich anschaulich zu machen.

Da machen die Teilnehmer teilweise große Augen, weil sie das noch nicht so klar durchdacht haben.

Para que elimine una vida humana para resolver un problema.

Krass, aber er liegt da nicht falsch. Da muss man mal drüber nachdenken, oder?

Und die jungen Leute verstehen das, weil das nun mal verständlich ist.

Eine gibt ihm sogar Recht. Sie sagt etwas, was auch mich nachdenklich gemacht hat:

Christianos, porque la vida es un don y para los ateos, si no crees en la vida eterna, como le vas a quitar la única vida que tiene a ese niño.

Ist ein Punkt, das kannst du nicht bestreiten.

Ermutigende Ansätze im Lebensschutz

Die Dokumentation spricht auch etwas sehr Ermutigendes an, was ich bestätigen kann. Damit möchte ich dieses Thema für heute abschließen.

Lo que hago es ir los sábados, hablar con las chicas que van a entrar, para preguntarles qué necesitan o por qué han llegado a tomar esa decisión. No voy a poder terminar la carrera, no tengo dinero, tengo miedo, funciona ese problema, por el que han llegado a esto, no abortan, o sea yo lo he visto, muchas veces.

Das ist wahr, deswegen hilf mit und lass uns genau dort ansetzen. Ich werde in diesem Jahr noch mehrere Videos zum Thema Lebensschutz veröffentlichen. Drück gern die Glocke hier unten rechts unter diesem Video, damit YouTube das unterstützt.

Lob und konstruktive Kritik am Papst

Okay, das war jetzt viel Lob, viel berechtigtes Lob für Papst Franziskus. Nehmen wir jetzt aber zwei Stellen heraus, bei denen der Papst die Jugend nicht ganz erreichen konnte und auch bei mir persönlich ein paar Fragezeichen geblieben sind. Vielleicht kannst du mehr damit anfangen.

Bevor wir das machen, ist mir eine Sache wichtig zu sagen. Ich habe den Katholizismus hier schon häufiger dargestellt und dir die wichtigsten Punkte zur katholischen Kirche und zum katholischen Glauben zusammengefasst. Das ist eine Übersicht über die großen christlichen Glaubensrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die solltest du dir unbedingt anschauen, ja, sie kostet auch nichts, falls du sie noch nicht hast. Sie wird von Religionslehrern und Gemeinden verwendet und enthält eine wichtige Grundorientierung, ohne die man vieles nicht gut versteht. Das solltest du dir mitnehmen, ist alles gerade, der Link ist unter dem Video.

Weil das Ding ist: Ich weiß, dass dieses Raufrumreiten, Raufrumhacken, dieses Bashing und immer wieder darauf Einschlagen auf Katholiken irgendwie in Internetkommentaren so eine Art beliebter Volkssport zu sein scheint. Und trotzdem habe ich die Hoffnung, ich habe den Wunsch, und ich denke, das ist auch machbar. Ich glaube nicht, dass das eine große Vision ist.

Ich wünsche mir einfach, dass wir uns hier auf dieser Plattform, dass wir uns alle an so einem destruktiven Gehabe nicht beteiligen. Ja, ich will das erklären. Jeder, der mit dem Bibelfit-Dienst schon länger unterwegs ist, weiß, dass konstruktive Kritik an allem und an jedem hier immer okay ist. Der Ton macht die Musik.

Deshalb zwei inhaltliche Anstöße. Diese Anstöße dürfen dich jetzt provozieren und sie dürfen dich auch nachdenklich machen.

Wertschätzung und Grenzen des Katholizismus

Erstens: Ich, Markus, bin nicht katholisch und habe auch nicht die Absicht, jemals zum Katholizismus überzutreten. Trotzdem, mal ganz ehrlich, können wir alle nach meiner Erfahrung von römisch-katholischen Christen mehr lernen, als vielen nach nur oberflächlichen Berührungen wahrscheinlich bewusst ist.

Was können wir alles lernen? Zum Beispiel können wir von katholischen Christen viel über Ehe lernen. Wir können von ihrem leidenschaftlichen Einsatz für den Lebensschutz lernen, von ihrer Ethik, von ihrer Theologie und von ihrer Frömmigkeit. Auch aus ihrer Geschichte können wir lernen. Das ist ein ganz reicher Fundus, den wir häufig gar nicht mehr genug zu schätzen wissen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist: Die römisch-katholische Kirche ist nicht die einzig authentische Kirche. Sie ist es keineswegs. Sie ist weder geistlich noch räumlich der einzige Ort, an dem Menschen das Heil finden können, tut mir leid.

Vielmehr ist die römisch-katholische Kirche eine christliche Gemeinschaft unter Tausenden, mit sehr großen Stärken, aber auch mit besonders großen Baustellen. Deshalb in aller Klarheit und Eindeutigkeit: Jesus Christus ist nicht an die römisch-katholische Kirche gebunden. Aber die römisch-katholische Kirche ist eine echte Kirche. Sie ist jedoch nur dort eine Kirche, wo sie sich an den Jesus Christus des Neuen Testaments bindet und wo sie diesem Jesus das letzte Wort lässt. Das muss ganz klar sein.

Dazu sagt Jesus selbst: „Wer an meinem Wort bleibt, und wenn ihr das macht, dann seid ihr wahrhaftig meine Jünger.“ Jesus sagt auch: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Doch wozu ist Salz noch gut, wenn es seinen Geschmack verloren hat? Kann man es wieder brauchbar machen? Nein, es wird weggeworfen und zertreten wie etwas, das nichts wert ist.

Für mehr Videos dazu gern die Glocke drücken.

Diskussion zur Rolle der Frauen in der Kirche

In der Dokumentation gibt es zwei Themen, denen wir genauer nachgehen sollten und bei denen wir vielleicht auch respektvoll widersprechen dürfen.

Das erste Thema betrifft die Rolle von Frauen. Dürfen Frauen Priester sein? Auch nicht-katholische Christen stellen sich diese Frage, wenn es darum geht, ob christliche Frauen predigen dürfen. Im Katholizismus ist diese Frage teilweise noch einmal zugespitzt. Warum? Weil manche glauben, man könne nicht in den Himmel kommen, wenn man nicht an Messefeiern mit der Eucharistie teilnimmt. Hier kann ich beruhigen: Nach aktueller katholischer Lehre ist das nicht so. Natürlich sind Messe und Eucharistie wichtig und werden offiziell stark empfohlen, aber sie sind nicht heilsnotwendig. Das zeigt auch die Bibel. Du kannst in den Himmel kommen, ohne an christlichen Zusammenkünften teilzunehmen. Ob es klug ist, ganz ohne Gemeinschaft durch das christliche Leben zu gehen, ist eine andere Frage, die du dir wahrscheinlich selbst beantworten kannst.

Diese Haltung hat in der katholischen Welt zu Situationen geführt, zum Beispiel in einigen Ländern Südamerikas oder Asiens. Dort gibt es zwar weibliche katholische Christen, die bereit wären, Verantwortung zu übernehmen, aber oft keine Priester und somit keine Messen. Das führt dazu, dass die Menschen unruhig werden.

Lass uns daher etwas weiter denken: Wie ist grundsätzlich die Rolle von christlichen Frauen? Dürfen christliche Frauen Gottesdienste leiten, predigen oder Verantwortung für eine Gemeinde übernehmen? Natürlich gibt es ein Spektrum, aber im Wesentlichen existieren zwei Lager. Die einen sagen: Ja, das darf man, egal ob Frau oder Mann. Die anderen meinen, es sei besser, das nicht zu tun, weil es aus bestimmten Gründen sinnvoll sei, dass nur Männer diese Aufgaben übernehmen.

Das wäre ein großes Thema für sich, deshalb will ich es hier nicht vertiefen. Nur so viel: Es ist nicht so, dass alle aus dem einen Lager Kampffeministinnen sind, die Gottes Ordnung und die Gesellschaft stürzen wollen. Und es ist auch nicht so, dass alle aus dem anderen Lager Frauenhasser sind, deren Ziel es ist, die Hälfte der Menschheit zu unterdrücken. Natürlich gibt es auf beiden Seiten politische Vereinnahmung, Stimmungsmache und platte Parolen. Aber ich habe im Laufe der Jahre von beiden Seiten gehört, dass dort kluge Köpfe sind – Frauen und Männer –, die mit ehrlichem Herzen die Bibel studieren und zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Beide Seiten haben echte, nachvollziehbare Argumente.

Aus Erfahrung kann ich sagen: Man sollte versuchen, auch die Position anzuhören, die einem nicht intuitiv zusagt. Nicht nur auf das eigene Gefühl hören, denn man könnte dabei etwas lernen.

Lass uns dieses Thema kurz beiseitelegen und stattdessen schauen, was der Papst dazu sagt. Vielleicht versucht er, eine Schöpfungsordnung zu erklären oder nennt Bibelstellen zur Rolle von Frauen in der Gemeinde. Vielleicht argumentiert er, dass selbst Jesus, der sonst für Gleichberechtigung stand, nur Männer als Apostel eingesetzt hat. Man weiß es nicht.

Als ich das zum ersten Mal hörte, wollte ich kurz auf Pause drücken und überlegen, was er als Nächstes sagen würde und wie er darlegt, warum das aus seiner Sicht unmöglich ist. Aber tatsächlich macht der Papst etwas ganz anderes, als ich erwartet hatte. Ob das einleuchtend ist, musst du selbst beurteilen. Achte dabei auch auf die Blicke und die Körpersprache der Teilnehmer, während der Papst spricht.

Er sagt zum Beispiel: „Entonces en el Ministerio están los hombres, en la maternalidad mucho más importante todavía están las mujeres, la promoción de la mujer va en la línea de su propia vocación de mujer, no en un machismo ministerial.“

Man sieht an den Reaktionen, dass das nicht unmittelbar einleuchtend ist. Mir geht es in diesem Fall ähnlich. Ich sage nicht, dass der Papst automatisch falsch liegt, vielleicht tut er das, vielleicht auch nicht. Aber ich verstehe seine Logik nicht. Er argumentiert, das Amt würde Frauen herabsetzen, deshalb sei es besser, kein Amt zu haben, als ein Amt zu haben.

Es sei besser, Nichtpriester zu sein als Priester, Nichtbischof als Bischof, Nichtkardinal oder Papst zu sein, statt Kardinal oder Papst. An dieser Stelle darf man fragen: Warum?

Materiell betrachtet sind fast alle katholischen Priester in Deutschland finanziell gut abgesichert. Viele Bischöfe verdienen sechsstellig, also über 100.000 Euro jährlich. Ein deutscher Kardinal erhält über 140.000 Euro jährlich. Damit zählt er zu den oberen 0,6 Prozent der Bevölkerung. Er muss keine Miete, Nebenkosten oder Fahrtkosten zahlen und hat keine Familie oder Kinder.

Ich habe mein Berufsleben in der Finanzbranche verbracht und kann sagen: Mit solchen Möglichkeiten lässt sich über Jahrzehnte ein siebenstelliges Privatvermögen aufbauen. Das bedeutet, einige deutsche Bischöfe und Kardinäle, die man in den Nachrichten sieht, sind wahrscheinlich Millionäre. Das lässt sich aus verschiedenen Quellen nachvollziehen.

Dabei möchte ich klarstellen: Ich glaube nicht, dass die meisten Kardinäle und Bischöfe ihre Laufbahn nur wegen des Geldes einschlagen oder durchziehen. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Solche Vorteile sind erstrebenswert. Dazu kommen Würde, Ehre, Respekt, Ansehen und vor allem Einfluss. Wer behauptet, dass ihm das alles egal ist, dem glaube ich nicht.

Trotzdem wiederholt der Papst diesen Punkt. Aber warum soll man als Kleriker, also jemand, der Vollzeit im kirchlichen Dienst arbeitet, automatisch schlechter gestellt und herabgesetzt sein? Mich überzeugt das nicht.

Francisco scheint zu merken, dass kaum jemand im Raum das nachvollziehen kann. Er bringt noch ein weiteres Argument, warum Frauen keine Priester sein sollen. Doch auch dieses macht die Sache nicht besser – das zeigen die Reaktionen der Teilnehmer.

Er sagt: „Es ist die Frau der Christi, es ist nicht er der Esposo, der Esposo ist Christ und das ist unsere Fee.“

Es kann gut sein, dass der Papst noch mehr gesagt hat, was in der Dokumentation nicht gezeigt wurde. Aber von dem, was übermittelt wurde, verstehe ich seine Logik nicht. Denn wenn die Kirche weiblich wäre, würde das nicht eher dafür sprechen, dass Frauen Priester sein sollten?

Selbst wenn der Papst inhaltlich richtig liegen sollte – vielleicht tut er das, vielleicht nicht – ist es ihm hier nicht gelungen, seine Sicht für Außenstehende verständlich zu machen. Wenn nicht einmal der Papst das schafft, kann das eine positive Mahnung für uns sein: Wir dürfen es nicht auf die leichte Schulter nehmen, Außenstehenden unseren Glauben zu erklären. Das ist sehr wichtig.

Im Neuen Testament heißt es dazu: „Seid weise im Umgang mit Menschen von außen und nutzt die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. Eure Worte sollen immer freundlich und angenehm gewürzt sein. Ihr sollt wissen, wie ihr jedem einzelnen antworten müsst.“

Das bringt uns zum zweiten Punkt, bei dem ich beim Zuschauen dachte: Als Außenstehender sagt man leicht, dass man es in der Situation wahrscheinlich nicht besser gemacht hätte, gerade unter Stress. Und dann wird das aufgenommen und von zehntausenden Menschen gesehen. Das ist nicht einfach, was er da macht.

Gerade deshalb sollten wir darüber sprechen, damit du weißt, wie wichtig das ist.

Umgang mit Nichtchristen und das Evangelium

Papst Franziskus spricht mit einer Frau, die von sich selbst sagt, dass sie keine Christin ist. Falls dir diese Situation bekannt vorkommt, so ähnlich ist das auch bei der rasant wachsenden Bewegung der Ex-Evangelikalen beziehungsweise Post-Evangelikalen in Deutschland. Dieses Thema liegt vielen Menschen hier, auch mir, sehr am Herzen. Es geht um Menschen, die früher Christen waren, es jetzt aber nicht mehr sind.

Hören wir uns an, was der Papst dieser Frau sagt, die sich selbst als Nichtchristin bezeichnet. Du wirst gleich sehen, dass das, was er sagt, zwar menschlich gut ankommt, doch die Frage ist: Was ist mit dem Inhalt? Lass uns kurz darüber nachdenken: Ein Nichtchrist fragt dich nach dem Glauben. Ein Nichtchrist fragt dich, was er mit seinem Leben anfangen soll. Und du hast die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen, während er dir zuhört – und das mit so einer Ausgangsfrage.

Wenn du nur einen Versuch hättest, wenn du nur eine Sache versuchen könntest, ihm zu kommunizieren – was wäre das? Was ist die eine Sache, die du ihm vermitteln würdest? Viele von uns, die das gerade sehen, ich auch, denken dabei an das Evangelium. Ich würde versuchen, ihm zu erklären, wie er ewiges Leben bekommen kann, wie er dem Jüngsten Gericht entkommen kann, so wie Jesus es auch gemacht hat. Und wie entscheidend es ist, sich zu bekehren. Das würde ich zumindest versuchen zu vermitteln, oder?

Tatsächlich antwortet der Papst etwas ganz anderes. An dieser Stelle, die ich dir jetzt einblende, ist nichts geschnitten, nichts abgeändert und nichts verkürzt. Das ist der originale Dialog. Es sind seine letzten Worte an diese Frau und stellvertretend an die Gruppe. Und nochmal: Das klingt alles nett, was er sagt. Aber achte mal logisch darauf, was er inhaltlich zu dieser Nichtchristin sagt. Hauptsache, du lebst dein Leben authentisch? Das ist ja nicht nichts – bei einem säkularen Publikum stößt das auf Freude, das kommt nett an und so weiter.

Ich weiß, aus der Ferne kann man das im Nachhinein überheblich sagen, das ist mir klar. Trotzdem muss ich fragen: Er sagt nichts zum Evangelium? Das war doch die Chance! Soll das jetzt alles gewesen sein? Im ganzen Dokumentarfilm, im gesamten Dialog sagt der Papst nichts darüber, wie man ewiges Leben bekommt und dem Jüngsten Gericht entkommt.

Du musst dir mal vor Augen halten: Der Papst ist, da werden mir die meisten wahrscheinlich zustimmen, der einflussreichste Christ auf diesem Planeten. Was ist mit den zehn Leuten, die mit ihm in dieser Loft in Rom zusammengesessen haben? Was ist mit den Leuten, die ihm wirklich zuhören? Und was ist mit den zehntausenden Menschen, die das im Internet sehen werden? Das war eine einmalige Chance, junge Leute mit dem Evangelium zu erreichen – und davon ist leider nichts passiert.

Vielleicht denkt jetzt jemand: Na ja, Hauptsache man kommuniziert irgendwie ein gutes Beispiel. Aber das ist nicht das Evangelium. Das Evangelium ist keine Haltung, die man nachahmt. Es sind Informationen, und Informationen kann ich nur über Sprache vermitteln. Klar, ich kann vielleicht auch einen Comic malen oder etwas Ähnliches, aber es sind Informationen, die ich rüberbringen muss. Ich kann sie nicht einfach vorleben.

Das Evangelium ist keine Grundhaltung im Leben, es ist keine Einstellung für Klimaschutz oder Umweltschutz. Es geht um Informationen: Was kann ich tun, um ewiges Leben zu bekommen und dem Jüngsten Gericht zu entkommen?

Deshalb lass uns mal über eine Sache nachdenken: Hast du dich jemals gefragt, warum wir eigentlich jetzt gerade nicht im Himmel sind? Warum eigentlich nicht? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mein Leben war keineswegs immer ein Spaziergang. Ich spreche nur für meine Frau und mich. Wir haben schon schwere Erfahrungen gemacht, die für unser Alter nicht alltäglich sind.

Ich weiß aus Leserbriefen und Nachrichten, dass einige hier noch deutlich Schlimmeres erlebt haben als wir. Es ist klar: Wir leben nicht im Himmel. Aber warum eigentlich nicht? Ein allmächtiger Gott erschafft uns – okay –, aber warum erschafft er uns nicht gleich im Himmel? Und die Antwort ist Sünde. Es gab einen Sündenfall.

Vielleicht denkst du jetzt: Oh, bitte nicht mit Adam und Eva und so weiter. Aber warum eigentlich nicht? Es gab einen Grund, warum das meistgelesene Buch der Menschheit genau damit beginnt. Es wird viel darüber diskutiert, ob das wörtlich zu verstehen ist, ob es einen tatsächlichen Menschen namens Adam und eine tatsächliche Eva gab und wann das gewesen sein soll.

Wenn du mich fragst, und das klingt jetzt sehr direkt, ist das für diese Frage fast egal. Ob nun ein Mensch namens Adam vor dir und mir gesündigt hat und wann das war, ändert am Ergebnis nicht viel. Vor allem ändert es nichts daran, dass wir selbst – also nicht ein allgemeines „wir“, sondern du und ich konkret, ich, Markus – mitverantwortlich sind für die Sünde in dieser Welt.

Du und ich, wir haben Leid, Ungerechtigkeit und Unheiligkeit in diese Welt gebracht, nicht Gott. Und noch einmal: Ich meine nicht ein abstraktes allgemeines „wir“, sondern wir beide, du und ich persönlich.

Kein Richter auf der Welt schuldet einem Verbrecher etwas anderes als Gerechtigkeit. Und wie viel mehr gilt das beim Richter über die Welt? Das müssen wir verstehen.

In so ziemlich allen Religionen geht es darum, dass man mehr gute als böse Taten vollbringen muss. Das heißt, man braucht mindestens einen Überhang von 51 Prozent guten Taten über schlechten. Das Problem ist, dass man nie genau wissen kann, welche Tat wie gewichtet wird oder wie viel sie zählt.

Deshalb leben Menschen in den meisten Religionen bis zum Ende in Ungewissheit und Sorge. Hätte ich zum Beispiel noch einer Oma mehr die Tür aufhalten sollen? Hätte ich noch einem Menschen mehr über die Straße helfen sollen? Hätte ich noch einen Euro mehr spenden sollen? Solche Gedanken stürzen Menschen oft in Verzweiflung.

Dieser Rahmen mit dem „51-Prozent-Überhang“, also die Vorstellung, man müsse mehr gute als schlechte Taten tun, trifft auf alle großen Weltanschauungen zu – außer auf den Buddhismus und das biblische Christentum. Diese beiden sind die Ausnahmen unter den großen Weltreligionen.

Im Christentum geht es Jesus vor allem darum, wie schuldige Individuen, die das wirklich von Herzen wollen, vor dem Jüngsten Gericht freigesprochen werden können. Dieser Freispruch wird von Gott als ein freies Geschenk angeboten.

Ich, Markus, will diesen Freispruch. Ich weiß um das Leid, um die Ungerechtigkeit, um die Unheiligkeit, die ich in die Welt gebracht habe. Ich weiß, dass ich es verdiene, die Ewigkeit in äußerster Finsternis zu verbringen. Ich weiß, dass ich die Höllenstrafe verdiene, und ich weiß auch, wofür ich das verdiene.

Aber ich will diese Konsequenzen nicht. Ich habe Angst vor den gerechten Konsequenzen meiner eigenen Taten, die ich selbst gewählt habe. Ich habe Angst vor der Hölle, und das sollte ich auch.

Ich will nicht, dass mir Gerechtigkeit widerfährt. Ich liege vor Gott mit meinem Gebet und vertraue nicht auf meine eigene Gerechtigkeit – das ist hoffnungslos –, sondern ich vertraue auf Gottes Barmherzigkeit.

Diese Barmherzigkeit hat einen Namen: Jesus. Ich bin so froh, dass Jesus einen Ausweg geschaffen hat, damit ich nicht bekommen muss, was ich eigentlich verdiene.

Das ist ein riesiger, meilenweiter Unterschied zwischen dem Christentum und anderen Weltreligionen. Der Himmel ist keine Bonuszahlung dafür, dass du im Leben gute Taten vollbracht hast. Der Himmel ist keine Belohnung dafür, Christ zu sein. Und die Hölle ist keine Strafe dafür, nicht in der Kirche zu sein oder so ein Blödsinn.

Lass uns hier ganz klar sein, denn auch Jesus ist hier ganz klar: Der Himmel ist ein freies Geschenk, das Jesus dir und mir anbietet. Die Frage ist, ob wir es genug wollen, um unser altes Leben loszulassen und das neue, ewige Leben zu greifen.

Gottes Angebot gilt noch. Aber es wird nicht für immer gelten. Entweder sterben wir, und dann kommen wir vor das Jüngste Gericht, oder Jesus kommt wieder und bringt das Jüngste Gericht zu uns. In beiden Fällen ist es dann zu spät.

Deshalb gilt: Jetzt entscheiden. Jetzt ist der Tag der Rettung, jetzt ist noch die Zeit der Gnade.