
Smyrna - Gott führt durch das Leid
Begrüßung und Ablauf des Gottesdienstes
Ja, schönen guten Morgen und herzlich willkommen hier in der Gemeinde in Hersbruck. Schön, dass du da bist! Ganz besonders möchte ich auch unsere Gäste begrüßen. Schön, dass ihr da seid! Einige von euch sind ja schon öfter hier – sehr schön, euch wiederzusehen. Und diejenigen, die neu da sind, fühlt euch ebenfalls willkommen.
Auch die, die auf YouTube dabei sind, möchte ich herzlich begrüßen. Ja, lasst uns diesen Tag gemeinsam beginnen.
Ich möchte euch ganz kurz den groben Ablauf erklären. Wir singen gleich ein Lied beziehungsweise hören ein Lied. Danach geht es direkt weiter mit der Predigt. Nach der Predigt feiern wir heute das Abendmahl. Genau im Anschluss daran haben wir noch eine Gebetsgemeinschaft zusammen.
Das war der grobe Ablauf. Ich würde jetzt zu Beginn noch beten und dann eine kurze Einführung machen. Genau.
Eröffnung mit Gebet und Einführung ins Thema Leid
Zum Gebet
Die, die möchten, dürfen gerne aufstehen. Das regt den Kreislauf ein wenig an.
Herr Jesus, wir danken dir für diesen neuen Tag. Wir danken dir, dass wieder Sonntag ist und wir uns als Gemeinde hier ganz bewusst treffen dürfen. Gottesdienst ist nicht nur auf die Gemeinde am Sonntag für ein, zwei oder drei Stunden beschränkt. Gemeinde ist auch unter der Woche lebendig. Gottesdienst ist mehr als nur dieses Zusammenkommen.
Ich bitte dich ganz besonders jetzt für diesen offiziellen Gottesdienst um deinen Segen. Ich bitte dich, Herr, dass die Herzen der Menschen offen sind. Dass wir nicht nur Hörer des Wortes sind, sondern auch Täter. Ich bitte dich, dass das Wort, das Tobi uns gleich nahebringen möchte, in die Herzen dringt und Menschen wirklich verändert. Nicht nur oberflächlich, sondern dass wir von innen heraus wirklich zu dir hin verändert werden.
Ich bitte dich um offene Herzen, damit wir die Erwartungshaltung haben, dass dein Wort lebendig ist und gerade zu uns spricht, Herr. Ich bitte dich um deinen Segen. Und ich bitte dich, dass dieser Gottesdienst nicht nur ein formal toller Gottesdienst ist, sondern dass es ein Gottesdienst ist, der dich ehrt, der von Herzen und aufrichtig ist, Herr. Amen.
Ja, ihr dürft euch gern setzen.
Die, die das Predigtthema von heute schon angeschaut haben, wissen, dass es in der Predigt um Leid geht. Auch ich habe mich daran orientiert, was Tobi predigen wird. Ich habe mir einige Gedanken gemacht.
Man muss es nicht groß sagen: Die letzte Zeit – man kann schon sagen, das letzte Jahr – liegt uns das Thema Corona im Nacken. Ich möchte da nicht groß darauf eingehen. Aber sicherlich leiden einige von uns, sicherlich leiden wir alle irgendwie. Wenn auch auf unterschiedliche Weise. Der eine verdrängt es eher, der andere hat vielleicht Existenzsorgen. Wieder ein anderer denkt, dass bald eine Testpflicht kommt, vielleicht sogar eine Impfpflicht. Man macht sich Sorgen und Gedanken. Ich denke, das ist irgendwo auch berechtigt.
Wichtig ist aber, wie wir damit umgehen beziehungsweise was uns letztendlich wirklich Halt gibt. Suchen wir den Halt in irdischen Dingen? Suchen wir den Halt in Gold oder anderen Investmentanlagen? Oder suchen wir den Halt bei Jesus Christus allein?
Ehrlich gesagt fordert mich die Zeit durchaus heraus. Ich wünsche mir deutlich mehr Planungssicherheit. Ich wünsche mir, dass man mal einen Urlaub planen kann. Aber mir wird gerade jetzt immer mehr bewusst, dass das alles wirklich nur zweitrangig ist.
Ja, dieses Leiden, dass wir uns als Christen nicht ganz normal treffen können, dass wir nicht singen können – das verspüre ich schon auch. Ich denke, das ist natürlich noch kein Leid, wie manche andere Christen auf der Welt es ertragen müssen. Aber der eine oder andere leidet tatsächlich unter Einsamkeit und eben auch unter der Tatsache, dass wir nicht wirklich singen können.
Ich denke, es ist in Ordnung, wenn wir das als Leiden empfinden und wirklich vermissen, unseren Herrn zu loben.
Wie gesagt, manche machen sich auch irdisch gesehen Sorgen. Da möchte ich unseren Blick neu auf Christus wenden. Das, was mir immer wieder Trost und Sicherheit gibt. Ich merke, dass dies auch dazu führt, dass ich oder auch Caro die Welt weniger liebgewinnen. Stattdessen wird unser Herz mehr und mehr mit der Sehnsucht nach Christus erfüllt.
Hoffnung und Trost in Christus trotz Leid
Ich möchte euch zwei Verse aus Römer Kapitel 8 vorlesen, und zwar die Verse 34 und 35. Hier wird deutlich, dass Paulus eine Hoffnung und einen Halt hat, der weit über diese Erde hinausgeht.
Ihr kennt sicherlich die Verse aus Römer 8, ab Vers 34: Christus Jesus ist es, der gestorben ist, ja, noch mehr, der auferweckt worden ist. Er ist auch zur Rechten Gottes und setzt sich für uns ein. Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst, Verfolgung, Hungersnot, Blöße, Gefahr oder Schwert?
Man könnte auch sagen: Kann Corona uns von Christus trennen oder die Sorgen, die wir natürlich auch haben?
Dann möchte ich noch die Verse 38 und 39 vorlesen. Paulus sagt hier etwas, das ich sehr ermutigend finde: „Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukunftiges, weder Mächte, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.“
Ich finde, das gibt uns extrem viel Halt, wenn wir das wirklich im Glauben annehmen: Dass uns nichts von Christus scheiden kann.
Diese Erde wird eines Tages vergehen, das sagt Jesus selbst in Matthäus 24 in der Endzeitrede. Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Wort wird niemals vergehen.
Das ist es, was mir selbst sehr viel Halt gibt in dieser Zeit. Man merkt, wie man viele Dinge nicht selbst in der Hand hat. Aber Gottes Wort wird niemals vergehen.
Das sollten wir immer wieder neu vor Augen haben: Wir haben unseren Halt in Christus Jesus.
Genau, da hören wir auch schon das erste Lied, das heißt „In Christus ist mein ganzer Halt“.
Manch einer hat das Thema schon in der WhatsApp-Gruppe oder im YouTube-Link gelesen. Das Thema heute heißt Smyrna – Gott führt durch das Leid.
Lebensgeschichte von Paul Gerhard als Beispiel für Gottes Wirken im Leid
Zu Beginn möchte ich kurz zusammenfassen, worum es im Männertreff geht. Wir sind eine Gruppe junger Männer, die sich regelmäßig treffen, um gemeinsam Bücher durchzuarbeiten. Beim letzten Treffen haben wir uns mit Paul Gerhard beschäftigt.
Paul Gerhard war ein Liedermacher, der im 17. Jahrhundert lebte. Er wurde 1607 geboren. Sein Leben war durchdrungen von Leid. Ich möchte euch kurz sein Leben vorstellen und auch die Frucht, die aus seinem Leben gewachsen ist. Es ist bemerkenswert, dass Gott in seiner Souveränität viel Leid in sein Leben gebracht hat – das war kein Zufall. Paul Gerhard, der im 17. Jahrhundert lebte, hat bis heute Spuren hinterlassen. Von seinen damals in der Not geschriebenen 26 Liedern sind noch viele in den evangelischen Gesangbüchern in der Schweiz, Österreich und Deutschland enthalten. Generationen über Generationen singen diese Lieder, die von dem Leben eines Mannes erzählen, der ein irdisches Gefäß war – so nennt die Bibel solche Menschen. Diese Lieder wurden in seiner Not komponiert.
Nun zur kurzen Zusammenfassung seines Lebens: Mit zwölf Jahren verlor Paul Gerhard seinen Vater. Zwei Jahre später starb seine Mutter. Paul Gerhard war ein Durchschnittsschüler, also nicht unbedingt ein herausragender Schüler, der sein Abitur mit Bestnoten machte. Dann starb sein Bruder an der Pest. Seine erste Tochter Maria Elisabeth starb im ersten Lebensjahr. Drei weitere Kinder verloren Gerhard sehr früh. 1668 starb seine Frau an Tuberkulose. Von den fünf Kindern der Familie war nur noch der sechsjährige Paul Friedrich am Leben.
Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau, also nachdem seine Frau und vier seiner Kinder gestorben waren, bekam er eine neue Pfarrstelle in der Niederlausitz. Über das Ende seines Dienstes heißt es: „Hier arbeitete Gerhard unauffällig, erschöpft und amtsmüde.“ Paul Gerhard war alles andere als der Held eines Christen, den man bewundert. Er wirkte unauffällig, erschöpft und amtsmüde. Er hatte seine Frau verloren, vier von fünf Kindern waren jung gestorben. Er war ein Mann des Leidens. Gott hatte es so in seinem Leben bestimmt.
Das Leiden des Christen nahm Gerhard ernst. In seinen Liedern geht er auf Einwände und Gegenreden ein. Er diskutiert und argumentiert. Schlussendlich verweist er auf Gottes Hilfe und Trost. Dabei spart er nicht mit Kritik an falschem Selbstmitleid. Was Paul Gerhard getan hat, ist, dass er mit dem Trost, den er von Gott erfahren hat, andere Menschen tröstet – und das bis heute durch seine Lieder.
Paul Gerhard ist das, was die Bibel ein irdisches Gefäß nennt. Früher waren irdische Gefäße Haushaltsgefäße, die nicht dazu da waren, gezeigt zu werden, weil sie schön waren. Sie standen irgendwo und wurden genutzt, um Dinge aufzubewahren. Sie galten als wertlos. Aber sie waren gefüllt mit Gottes Kraft. So war auch Paul Gerhards Leben: schwach und zerbrochen, aber gefüllt mit Gottes Kraft.
Leid als Mittel zur Nachahmung Christi und zur Läuterung
Vielleicht erinnern sich einige nicht mehr daran: Vor ein paar Monaten habe ich eine Predigtreihe gehalten über die Herzenssache – was wirklich in uns steckt. Dabei haben wir uns speziell eine Stelle aus dem Zweiten Korintherbrief angeschaut. Dort konnten wir sehen, dass Gott Leid bewusst in unser Leben sendet. Warum? Um uns durch das Leid dem Bild von Jesus Christus ähnlich zu machen.
Es ist so, dass Paulus unglaublich viel Leid erfährt. Dann kommt Paulus zu dem Schluss und sagt: „Ich lasse mich von dem Leid in meinem Leben nicht entmutigen.“ Er lässt sich nicht entmutigen, obwohl er ein Mann der Narben ist. Paulus, warum lässt du dich nicht entmutigen? Weil Paulus verstanden hat, dass auch wenn sein äußerer Mensch stirbt, Gott dieses Leid benutzt, um seinen inneren Menschen Tag für Tag zu erneuern.
Das ist der Schluss, zu dem Paulus kommt: „Ich lasse mich nicht entmutigen von all den Dingen, die auf mein Leben einprassen, die mir nicht gefallen, weil Gott sie benutzt, um meinen inneren Menschen dadurch zu erneuern.“ Das ist die Perspektive, die Paulus hat.
Gott benutzt das Leid nicht einfach nur, und er lässt es auch nicht einfach nur zu. Sondern Gott, der souverän ist, Gott, der allmächtig ist, Gott, von dem es in der Bibel heißt, dass alle Dinge von ihm, durch ihn und am Ende wieder zu ihm hin sind, sendet Leid bewusst in das Leben seiner Kinder. Gott sendet Probleme bewusst in dein Leben.
Letztendlich muss man sagen: Der Christ leidet nach Gottes Willen. Wisst ihr, warum ich das so sagen kann? Weil Petrus das in 1. Petrus 4,19 schreibt. Und in dem ganzen Kontext geht es um das Feuer der Verfolgung, es geht um schreckliches Leid. Dort schreibt Petrus an bestimmte Gemeinden. Am Horizont tritt Nero auf – Nero, der Christen lebendig verbrannt hat, Nero, der Christen Tierfelle aufgenäht hat und sie dann den Tieren vorgeworfen hat, die sie zerfleischt haben. Das sind die Umstände.
Und Petrus schreibt: „Ihr, die ihr ja nach dem Willen Gottes leidet!“ Ist Gott der Urheber von dem Leid, von diesem grässlichen Bösen? Nein. Aber Gott ist so souverän, dass das, was dort passiert, letztendlich für den Christen zur Läuterung dient.
Im gleichen ersten Petrusbrief schreibt er auch: „Lasst euch durch das Feuer des Gerichts, das unter euch ist, nicht entmutigen, denn das Gericht Gottes fängt zuerst an seinem eigenen Haus an – zur Läuterung, zur Umgestaltung.“ Was Petrus sagt, ist: „Die ihr nach dem Willen Gottes leidet, befehlt eure Seelen dem treuen Schöpfer an.“ Befehlt eure Seelen und eure Situation dem treuen Schöpfer an.
Leid ist durchaus ein Werkzeug Gottes im Leben eines Christen. Wir sehen, dass Gott bewusst Leid ins Leben bringt, um unseren Glauben zu prüfen und zu stärken – so wie das Gold. Das schreibt auch Petrus im ersten Petrusbrief, alles im großen Kontext. Wenn ihr den mal durchlest, werdet ihr darauf kommen.
Petrus schreibt: So wie das Gold, das im Feuerofen geläutert wird – das beschreibt er in Bezug auf Leid. Ja, es wird geläutert. Euer Glaube ist danach stärker.
Ich denke, wenn man grundsätzlich versteht, dass Gott nichts versehentlich passieren lässt, kann man ein Ja zu seinem Leid finden. Gleichzeitig dürfen wir dem treuen Schöpfer unser Leben anvertrauen.
Gott begleitet im Leid und bereitet auf Leiden vor
Nun, worauf ich hinaus will, ist folgende These: Wir leiden nach Gottes Willen (1. Petrus 4,19). Aber Gott geht mit durch das Leid.
Wir leiden nach Gottes Willen, doch Gott begleitet uns in unserem Leid. So möchte ich heute ansetzen. Nächstes Mal machen wir im Epheserbrief weiter.
Wie ihr wisst, ist mein Kind am Montag geboren worden. Deshalb habe ich eine alte Predigt wieder hervorgeholt. Heute beschäftigen wir uns mit einem Text aus der Offenbarung. Darin sehen wir in wenigen Versen, wie Gott auf Leid vorbereitet.
Ihr könnt schon mal Offenbarung Kapitel 2 aufschlagen. Wir werden sehen, wie Gott auf Leid vorbereitet. Erstens. Zweitens werden wir sehen, wie Gott im Leid ermutigt. Dabei nimmt er das Leid nicht einfach weg. Vielmehr ermutigt er, obwohl er sagt, dass das Leid bleiben wird. Er gibt Hoffnung, indem er unseren Blick in die Ewigkeit lenkt.
Der dritte Punkt, den ich auf Grundlage des heutigen Textes sage – es ist nicht meine eigene These, sondern die Grundlage des Textes – lautet: Gott benutzt Leid, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Gott nutzt Leid bei Christen, um Echtes von Unechtem zu unterscheiden. Derjenige, der im Leid überwindet, wird ins ewige Leben eingehen. Das geschieht nicht aus einer Werksgerechtigkeit heraus. Das dürfen wir nicht falsch verstehen. Darauf werden wir später noch genauer eingehen.
Offenbarung 2,8-11: Gottes Zuspruch an die Gemeinde Smyrna
Nun lesen wir den Text aus Offenbarung Kapitel 2, Verse 8 bis 11. Es sind nur vier Verse, doch sie sind sehr komprimiert und tiefgründig, besonders in Bezug auf das Thema Leid.
Es handelt sich um das Sendschreiben an die Gemeinde von Smyrna. Ich lese den Text:
Offenbarung 2,8-11:
„Und dem Engel der Gemeinde von Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig geworden ist: Ich kenne deine Werke, deine Drangsal und deine Armut; du bist aber reich. Und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind es nicht, sondern eine Synagoge des Satans.
Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet. Ihr werdet Drangsal haben zehn Tage lang. Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.
Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer überwindet, dem wird kein Leid geschehen vom zweiten Tod.“
Vorbereitung auf das Leid: Gottes Kenntnis und Macht
Im ersten Punkt betrachten wir, wie Gott die Gemeinde von Smyrna auf ihr Leid vorbereitet.
Die Stadt Smyrna, das ist die heutige Stadt Izmir in der Türkei. Vielleicht hat sogar jemand von euch dort schon einmal Urlaub gemacht. Eine wichtige Hintergrundinformation ist ihre Lage und ihr Hafen. Aufgrund dessen war Smyrna damals eine der reichsten Städte Kleinasiens.
Die Gemeinde in Smyrna wurde unglaublich verfolgt. Jesus Christus sagt ja in Vers 9: „Ich kenne deine Drangsal.“ Dort ist also schon Verfolgung. Drangsal bedeutet eine qualvolle Bedrückung. Jesus kennt ihre Leiden. Dort sind Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt, unterdrückt und bedrängt werden.
In Vers 9 sagt Jesus zudem: „Ich kenne auch die Lästerungen von den Juden.“ Das bedeutet, dass es Juden mit religiösem Eifer gibt, die gegen diese Christen vorgehen.
Interessant ist auch, dass Smyrna eine sehr reiche Stadt war. Wir können jedoch davon ausgehen, dass die Gemeinde von diesem Reichtum nicht viel abbekommen hat. Wahrscheinlich wurde diese Gemeinde gesellschaftlich ausgeschlossen.
Woran erkennt man das? Das sehen wir ebenfalls in Vers 9. Christus sagt: „Ich kenne deine Armut.“ Alle um euch herum sind reich. Ihr lebt in einer reichen Metropole, in der viele gute Jobs haben und ihre Familien ernähren können. Aber „meines Namens willen seid ihr arm.“ Jesus kennt ihre Armut, ihre Bedrängnis und ihre Ausgeschlossenheit.
Das ist die Situation, in der diese Gemeinde zu diesem Zeitpunkt steht. Als Jesus ihnen dieses Sendschreiben schreibt – und das Sendschreiben kommt ja von Jesus selbst – sind sie verfolgt, bedrängt und vom Reichtum ausgeschlossen. Nun erhalten sie von Jesus Christus selbst eine Ermutigung, und zwar in Vers 8. Das ist die erste Ermutigung.
In Vers 8 heißt es: „Und dem Engel der Gemeinde von Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig geworden ist.“
Was wirklich interessant ist: Man liest Vers 8 oder bei den Sendschreiben oft wie eine Floskel, also so etwas wie „Das sagt derjenige, der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig geworden ist.“ Aber wisst ihr, was bei den Sendschreiben wirklich wichtig ist? Jesus Christus stellt sich in jedem Sendschreiben so vor, dass es zur jeweiligen Gemeindesituation passt.
Zum Beispiel ein Sendschreiben weiter, an die Gemeinde in Pergam. Diese Gemeinde hatte Probleme mit falscher Lehre. Wie stellt sich Jesus dort vor? Er stellt sich als der vor, der das zweischneidige Schwert hat, als der, der die reine Lehre vertritt.
So müssen wir auch Vers 8 im Sendschreiben an Smyrna verstehen. Er hat einen direkten Bezug zu dieser leidenden Gemeinde. Vers 8 ist keine einleitende Floskel, sondern voller Ermutigung.
Jesus Christus erkennt die Situation, in der sich diese Gemeinde befindet. Er beginnt in Vers 9 und sagt: „Ich kenne deine Umstände, ich kenne deine Werke, ich kenne deine Drangsal.“
Mit wie viel Mitleid und Mitgefühl begegnet Jesus dieser Gemeinde! Er sagt: „Ich weiß ganz genau, wie es dir geht.“ Liebe Gemeinde in Smyrna, ich weiß es ganz genau. Ich bin mit dir. Ich verstehe genau, wie du dich fühlst. Ich sehe deine Tränen, deine Nöte, ich sehe, wie du bedrängt bist, ich sehe, dass du arm bist und dass du deine Familie kaum ernähren kannst. Ich kenne deine Drangsal.
Hier sehen wir Jesus Christus als einen Gott, der uns kennt. Du bist ein Gott, der mich sieht, ein Gott der Anteilnahme und letztendlich ein Gott, der mit uns durch das Leid geht.
Nun kommen wir zurück zu Vers 8. Weil Jesus Christus genau weiß, wie es dieser Gemeinde geht, stellt er sich in Vers 8 so vor: „Ich bin der Erste und der Letzte.“ Er nennt sich das Alpha und das Omega, den Anfang und das Ende. Jesus stellt sich in der Offenbarung immer wieder so vor.
Schaut dazu in Offenbarung 1, Vers 8. Es ist wichtig zu verstehen, was Jesus der Gemeinde in Smyrna sagen will, wenn er sich als Erster und Letzter vorstellt.
Wie wird Jesus in Offenbarung 1,8 beschrieben? Dort nennt sich Jesus Christus Alpha und Omega, also der Erste und der Letzte. Das ist im Griechischen der erste und der letzte Buchstabe. Es ist dieselbe Aussage wie bei Smyrna. Jesus Christus nennt sich Alpha und Omega und „der Allmächtige“.
Gott ermutigt also diese leidende Gemeinde, indem er sich als der vorstellt, der allmächtig ist. Hier passiert nichts, was außerhalb Gottes Kontrolle ist – nichts!
Liebe Gemeinde in Smyrna, ich kenne deine Drangsal, aber ich bin der Allmächtige. Es passiert nichts, was außerhalb meiner Kontrolle ist – nichts!
In Jesaja 41,2-4 wird Gott beschrieben als derjenige, der Nationen hingibt und Könige stürzt. In Vers 4 nennt sich der Herr: „Ich bin der Erste, und bei den Letzten bin ich derselbe.“
Hier geht es um Könige, die gestürzt werden. Dort wird eine Gemeinde in Smyrna verfolgt von verschiedenen Leuten. Gott ist der Erste und der Letzte, der Könige stürzen kann. Gott ist der Anfang, das Ende und am Ende immer noch derselbe. Gott verändert sich nicht.
Das ist der erste Fels, den er dieser Gemeinde in Smyrna gibt. Das Erste, was er tut, ist, ihnen Ermutigung in ihrer Not zu schenken. Ich bin allmächtig – egal, was gerade in Smyrna passiert. Gott, der Allmächtige, kann Könige stürzen. Nichts, was geschieht, geschieht außerhalb der Macht Gottes.
Wenn uns Leiden niederdrücken und unseren Glauben bedrängen, wenn die Leiden so schlimm werden, dass wir an der Liebe Gottes zweifeln – und das kann passieren –, dann sagt Jesus Christus: Ich bin am Ende immer noch derselbe. Ich verändere mich nicht.
Was lesen wir in Römer 8? Nichts kann uns trennen – weder Bedrängnis noch Drangsal noch Zukunftiges, nicht einmal wir selbst können uns von der Liebe Gottes trennen. Gott ist am Ende immer noch derselbe. Ich verändere mich nicht.
Und wisst ihr, was das für eine Ermutigung ist? Dass Christus allmächtig ist.
Gottes Kontrolle über das Maß des Leidens und die Aufforderung zur Treue
Schlagt nun Kapitel 2, Offenbarung 2, Vers 10 wieder mit mir auf. Wisst ihr, was für eine Ermutigung das für die Gemeinde in Smyrna ist? Dass Christus allmächtig ist.
Schaut in Offenbarung 2, Vers 10. Dort beginnt Jesus nämlich, dieser Gemeinde zu sagen, welche Leiden in der Zukunft noch auf sie zukommen werden. Er weist diese Gemeinde darauf hin, was noch an Schwierigkeiten bevorsteht, und betont, wie wichtig es ist zu wissen, dass Gott allmächtig ist und hier nichts geschieht, was außerhalb seiner Kontrolle liegt.
Was steht dort im Vers 10? Sie werden zehn Tage Drangsal haben. Gott, der Allmächtige, hat diesem Leid eine Grenze gesetzt: zehn Tage lang – nicht einen Tag mehr und nicht einen Tag weniger. Sie werden nicht länger leiden, aber auch nicht kürzer. Gott, der Anfang und Vollender, der Erste und der Letzte, bestimmt das Maß des Leidens.
Aber wisst ihr, was nach diesen zehn Tagen Leiden mit der Gemeinde in Smyrna geschehen wird? Es ist nicht so, dass das Leid einfach aufhört. Stellt euch vor, was Jesus Christus hier gerade sagt. Er fordert nicht: „Haltet zehn Tage durch, danach ist das Leid vorbei.“ Lest Vers 10 weiter: Worin endet das Leid bei dieser Gemeinde? Es endet im Tod.
Er sagt: „Ihr werdet zehn Tage leiden, und liebe Gemeinde Smyrna, seid treu bis in den Tod.“ Seid treu bis in den Tod. Versteht ihr, wie offen Jesus Christus hier mit Leid umgeht? Er beschönigt nichts, er streichelt nicht: „Och, zehn Tage werdet ihr leiden.“ Stattdessen fordert er: „Seid treu bis in den Tod!“ Aber seid gewiss: Ich bin der Allmächtige, und hier passiert nichts, was außerhalb meiner Kontrolle ist.
Jesus als leidender Hohepriester und Begleiter im Leid
Und nun verstehen wir die zweite Ermutigung, die Jesus Christus zu Beginn in den Raum stellt, als er in Vers 8 sagt: „Ich bin der, der tot war und wieder lebendig geworden ist.“ Am Anfang haben wir diesen Vers noch für eine Floskel gehalten. Jetzt verstehen wir langsam, wie tief dieser Vers ist.
Plötzlich wird uns klar, dass Jesus ihnen sagt: Sei treu bis in den Tod. Und er stellt sich zu Beginn als derjenige vor, der selbst tot war und wieder lebendig geworden ist. Bevor Jesus der Gemeinde sagt, dass sie bedrängt wird und ihre Bedrängnis bis in den Tod führen wird, stellt er sich in Vers 8 als derjenige vor, der selbst einmal tot war. Vergleiche Vers 8 und Vers 10.
Das ist so, wie bei dem Hohenpriester. Natürlich ist der Hohepriester derjenige, der für uns eintritt, als einer, der alles selbst durchlitten hat. Und zuallererst geht es um die Sünde, aber er war eben ohne Sünde. Hier ist gleichzeitig Jesus, der dieses gleiche Prinzip verfolgt. Als einer, der selbst gelitten hat und selbst gestorben ist, geht er nun seelsorgerlich zu dieser Gemeinde und sagt: „Ich kenne es, ich weiß, was mit euch passiert, ich habe es selbst durchlebt.“ Er weiß, wovon er redet.
Wenn du leidest, weiß Gott, wovon er redet. Wenn du Nöte hast, weiß Gott, wovon er redet. Wenn du Verlustängste hast, Traurigkeiten oder, wie es in der Beschreibung war, immer wiederkehrende Kopfschmerzen. Was ich mit diesem Ausdruck in der Beschreibung meinte, ist: Leid sind ja manchmal die Kleinigkeiten des Alltags. Unsere Sorgen mit den Kindern, auf der Arbeit, im Haus, was auch immer – das sind oft schon die kleinen Leiden. Und Gott weiß, wovon er redet. Er hat es selbst durchlitten.
Christus führt ins Leid, aber er geht mit durchs Leid. Gleichzeitig, auf der einen Seite sagt er: „Ich verstehe euch, ich habe selbst durchlitten.“ Aber gleichzeitig sagt er: „Es wird nicht aufhören.“ Liebe Leute, solange ihr hier auf dieser Erde seid, wird euer Leid nicht aufhören. Und wenn das eine Leid aufhört, kommt das nächste Leid.
Im Fall der Gemeinde in Smyrna heißt es: „Zehn Tage werdet ihr leiden.“ Ihr werdet zehn Tage leiden, euer Leid wird nicht vergehen. Warum? Denn wir leiden nach Gottes Willen, wir leiden nach Gottes Willen.
John Bunyan schrieb: „Wie viel Fürsorge, wie viel Freundlichkeit, wie viel Liebe und Gnade legte Gott auch in die harten und schrecklichen Wege, die er sein Volk führen musste.“ Gott musste harte Wege mit dem Volk Israel gehen. Und Gott muss auch manchmal uns durch harte Wege führen. Aber während er uns durch das Tal der Finsternis führt, erfahren wir so viel Fürsorge, Freundlichkeit, Liebe und Gnade.
Er geht mit durchs Leid, er geht mit durchs Leid. Dieses Zitat von John Bunyan stammt von einem Menschen, der in seinem Leben unglaublich viel gelitten und durchgemacht hat und Jahre im Gefängnis saß. Dieses Zitat passt so gut zu unserem heutigen Text.
Die Gemeinde in Smyrna musste durch das Leid gehen. Jesus hätte sie auch alle zu sich direkt holen können, bevor diese zehn Tage anfangen. Er hätte ihnen auch einen Herzinfarkt geben können, damit sie beim Herrn sind. Nein, sie mussten diese zehn Tage durchleiden, sie mussten es einfach tun.
Aber wie viel Fürsorge, Freundlichkeit, Liebe und Gnade zeigt Gott ihnen bereits in den Worten in Vers 8, oder nicht? Ist das nicht so? Gott, der Allmächtige, der selbst tot war, sagt: „Fürchtet euch nicht.“
Was er jetzt im ersten Punkt macht, ist, dass er in Vers 8 diese Ermutigung gibt. In Vers 9 sagt er: „Ich kenne deine Bedrängnis.“ In Vers 10 sagt er: „Fürchtet euch nicht!“ In Vers 9 sagt er auch: „Ich kenne deine Armut.“ Hier sehen wir einfach, dass er mitgeht. Und er sagt: „Aber du bist reich!“
Was ich wirklich interessant finde, ist: Können wir äußerlich zugrunde gehen? Können wir arm sein wie die Gemeinde in Smyrna, aber reich sein in Gott? Seht ihr das, was er sagt? Ihr seid arm, aber ihr seid reich! Ja, in einer reichen Stadt habt ihr kein Geld! Ihr seid ausgeschlossen, aber ihr seid reich in Christus. Ihr erfahrt so eine tiefe Gemeinschaft mit ihm und werdet so viel Lohn bekommen.
Kann man in dieser Welt wenig sein, wenig Lebensqualität haben, geschlagen und gebeutelt sein und dennoch in Gott gesegnet sein? Kann ich dennoch froh sein in Christus, auch wenn ich keine Kraft mehr habe? Oder hängt meine Freude an meinen Umständen? Hängt meine Freude an meinen Umständen oder an Christus?
Diese Gemeinde – die Umstände haben ihnen keine Freude gegeben. Sie waren arm, aber reich in Christus. Sie waren trotzdem froh.
Kann ich froh sein, obwohl meine Umstände mir sagen, ich muss nicht froh sein? Ich denke, es liegt daran, wer mein Götze oder mein Gott ist. Wenn mein Götze der ist, dass es mir immer gut gehen muss, dass ich reich sein muss, dass ich immer Kraft haben muss, dann bin ich auch nur glücklich, wenn ich diese Dinge habe. Und sobald diese Dinge weg sind, bin ich unglücklich.
Aber solange Christus meine Freude ist, bin ich reich, obwohl ich arm bin. Dann kann ich mit Paulus singen, obwohl ich im Gefängnis bin, obwohl überall um mich herum Urin und Kot ist und was weiß ich was, dann kann ich trotzdem singen, weil Christus meine Freude ist und er im Gefängnis nicht von mir flieht.
Was ist deine Freude? Wer ist dein Gott? Paulus sagt in 2. Korinther 4,16-18 (vgl. auch 1. Korinther 4,17), dass sein äußerer Mensch zwar stirbt, der innere aber Tag für Tag erneuert wird. Er sagt, diese schnell vergehende, leichte Not ist im Gegensatz zu dem, was auf ihn wartet, nichts. Er hat den wahren Reichtum erkannt: Die Ewigkeit.
Das, was hier ist, ist schnell, vergehend und leicht. Natürlich tut es in der Situation weh, aber wenn man es auf die Waage legt mit dem, was auf einen wartet – der Lohn und der Reichtum in Christus – dann ist das Leid schnell, vergehend und leicht.
Können wir diese Einstellung bekommen? Kannst du in deiner Trauer diese Einstellung bekommen? Wir können alle sagen: „Ja, Paulus, er ist ein Topmann und so.“ Aber kannst du diese Einstellung in deiner Not haben?
Christus – alles ist Christus. Und wenn ich nur ihn habe, bin ich zufrieden. Wenn ich nur ihn habe, bin ich zufrieden, was immer Gott mir auferlegt. Ich bin reich in Christus.
Gottes Ermutigung durch den Blick auf die Ewigkeit
Punkt zwei
Der erste Punkt behandelte, wie Gott die Menschen auf das Leid vorbereitet. Er stellt sich als der Allmächtige und der niemals Verändernde dar und als derjenige, der sagt: „Ich kenne dein Leid.“
Nun sehen wir in Punkt zwei, wie Gott im Leid unseren Blick auf etwas richtet, das nicht vergeht. Er lenkt unseren Blick auf die Ewigkeit.
Lest mit mir Offenbarung 2,10: „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage lang Trübsal haben. Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.“
Hier spricht Jesus Christus selbst. Die Sendschreiben enthalten ja die Worte Jesu. Jesus zeigt in diesen Versen das ganze Maß des Leidens. Er ist nicht schonend, sondern sagt ganz klar, wie die Sache steht. Dabei ermutigt er nicht damit, dass es bald besser wird. Das sehen wir hier nirgendwo.
Sicher, wenn Leid in unser Leben kommt, beten wir mit König David, dass Gott das Leid wenden möchte. Gleichzeitig betet David aber auch: „Aber Gott, was mir viel wichtiger ist, ist, dass du dich verherrlichst.“
Was ich damit sagen will, ist auch Spurgeon ziemlich nüchtern: Er wünscht sich kein Leid, aber wenn er Leid durchlitten hat, wünscht er sich nicht, dass es anders gewesen wäre. Versteht ihr? Wenn Gott in seiner Souveränität Leid in Spurgeons Leben gegeben hat, hat er es angenommen und wollte im Nachhinein nicht, dass es anders gewesen wäre. Gleichzeitig wünscht er sich kein Leid.
Wenn Leid in unser Leben kommt, beten wir mit König David, dass das Leid aufhört. Ganz klar, wir müssen nicht lachend in die Kreissäge rennen. Aber gleichzeitig ist es wirklich wichtig, dass der höhere Wunsch bei David war: „Gott, verherrliche du dich.“ Mir ist es wichtiger, dass du groß wirst, als dass meine Lebenswünsche erfüllt werden.
Jesus Christus zeigt das volle Maß des Leidens. Aber er ermutigt nicht, dass es besser wird, und auch nicht, dass das Leid enden wird. Was tut er in Vers 10? Womit ermutigt er? Er lenkt die Blickrichtung des Leidenden weg von seinem eigenen Leid hin in die Ewigkeit.
So ermutigt Jesus hier: weg vom eigenen Leid, hin zur Ewigkeit! Das ist auch das, was ich bei Paulus erwähnt habe, in 2. Korinther 4,17: Angesichts des Leidens schaut er weg von dem Leicht- und Schnellvergehenden und Vergänglichen. Er schaut in die Ewigkeit und sieht den Lohn, der viel, viel größer ist.
Genau das macht Jesus hier. Er sagt am Schluss von Vers 10: „Sei treu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ Er stellt diese Krone des Lebens vor Augen. Die Krone des Lebens ist hier kein Bild für die Errettung, sondern der Lohn, den der Leidende bekommt, wenn er gottgemäß leidet.
Das ist wichtig: Wir können unserem Leid auch ausschlagen und rebellieren. Wir können sagen: „Oh Gott, ich möchte ...“ Aber wir können auch mit David sagen: „Oh Gott, verherrliche du dich, bitte verändere mich, bitte verändere auch die Situation, bitte heile mich.“ Ganz klar. Aber mit dem Grundwunsch: „Verherrliche du dich.“
Wenn wir gottgemäß leiden, bekommt der Christ diesen Lohn. Das ist es, was Paulus in 2. Timotheus 4,7-8 schreibt. Dort schreibt er zu seinem Timotheus, es ist sein letzter Brief, denn Paulus wird bald sterben. Er sagt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe meinen Glauben bewahrt in all meinen Anfechtungen, Leiden und Nöten.“ Paulus war treu und hingegeben.
Dann sagt er in Vers 8: „Nun liegt der Siegeskranz bereit.“ Paulus freut sich darauf, abzuschließen und von Gott diese Krone zu bekommen, diese Belohnung. Er freut sich förmlich auf seinen Siegeskranz, den der gerechte Richter ihm als Belohnung geben wird.
Hier sagt Christus zu der Gemeinde in Smyrna in Offenbarung 2,10: „Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir eine Belohnung geben, die viel größer ist als das, was du gerade durchleidest.“ Wenn diese Gemeinde in Smyrna einmal vor Gott in der Herrlichkeit steht, wird sie froh sein, dass sie leiden durfte. Könnt ihr das glauben?
Auch Paulus bekommt diese Perspektive: „Auch wenn mein äußerer Mensch zugrunde geht, wird doch der innere Tag für Tag erneuert.“ Ist das nicht eine wunderbare Ermutigung?
Nun geht die Offenbarung mit mir weiter in Kapitel 4, zuallererst Offenbarung 4,4. Dort sehen wir einen Blick in den Himmel. Dort steht: „Und rings um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen sah ich vierundzwanzig Älteste sitzen, die mit weißen Kleidern bekleidet waren. Und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“
Hier geht es um diese Kronen, die 24 Ältesten. Johannes sieht diesen Himmel.
Schaut nun mit mir in Vers 10 und 11, was diese 24 Ältesten mit ihren Kronen machen. Sie sehen Gott in all seiner Herrlichkeit. So fallen in Vers 10 die 24 Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und sie beten ihn an, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Sie werfen ihre Kronen vor den Thron nieder und sprechen: „Würdig bist du! Du bist würdig, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht, denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie alle geschaffen.“
Gott gibt ihnen eine Belohnung, und sie nehmen diese Belohnung, legen sie vor den Thron Gottes nieder und sprechen: „Würdig bist du!“
Wird es nicht schön sein, wenn Gott uns belohnt, obwohl ihm die Ehre gebührt, und wir unseren Lohn nehmen, anbetend vor dem Thron Gottes niederlegen und sagen: „Du bist würdig, denn von dir sind alle Dinge, durch dich sind alle Dinge, und alle Dinge zielen zu dir. Du belohnst uns mit dieser Krone. Du bist würdig, du hast alles geschaffen, und wenn es durch Leid ging, war es doch dein ewiger Plan.“
Ist das nicht eine Ermutigung, dass Gott dich einmal für dein Leid belohnen wird? Du wirst deinen Lohn nehmen, anbetend vor dem Thron Gottes niederfallen und ihm den Lohn zurückgeben, bekennen, dass es ihm gebührt und nicht dir?
So dürfen wir in Punkt zwei lernen, angelehnt an Offenbarung 2,10, dass Leid real ist und dass Leid auch im Tod enden kann. Gott nimmt während dieser Lebenszeit durchaus Leid nicht von uns weg. Es ist einfach so.
Aber Jesus Christus möchte dich ermutigen, indem er deinen Blick in die Ewigkeit richtet.
Ich möchte dir keine provokante, aber eine ernste Frage stellen: Wenn du gerade irgendeine Art von Leid durchmachst, willst du dich ermutigen lassen? Willst du deinen Blick auf die Umstände oder auf die Ewigkeit richten?
Versteht ihr, wir können die Predigt heute auch einfach wieder wegschieben und in das ganz normale Wasser zurückgehen, in dem wir die ganze Zeit schwimmen. Aber willst du dich ermutigen lassen? Willst du deinen Blick auf die Ewigkeit richten?
Prüfung des Glaubens durch das Leid und die Verheißung des ewigen Lebens
Nun betrachten wir Punkt drei: Unser Glaube wird im Leid geprüft. Offenbarung 2,11 sagt dazu:
„Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer überwindet, dem wird kein Leid geschehen vom zweiten Tod.“
Jesus Christus beendet seine Ermutigung an die Gemeinde in Smyrna mit eindringlichen Worten. Er sagt: „Wer ein Ohr hat“ – das bedeutet so viel wie: Wer von euch ist bereit, Gott zuzuhören? Wer von euch richtet sein Ohr wirklich auf Gottes Stimme? Wer hat ein offenes Herz, um die Botschaft Gottes zu hören? Der soll nun hören, was der Geist den Gemeinden sagt.
Und zwar Folgendes: Wer das Leid überwindet, wer diese zehn Tage durchhält und seinen Glauben nicht aufgibt – liebe Gemeinde in Smyrna –, dem wird kein Leid vom zweiten Tod geschehen. Dieses Leid des zweiten Todes ist viel schlimmer.
In Vers 10 ermutigt Jesus Christus diejenigen, die ausharren, damit sie einen Lohn erhalten. In Vers 11 sagt er, dass diejenigen, die überwinden, ins ewige Leben eingehen.
Es ist sehr wichtig, was ich nun sage: Wir dürfen diesen Vers nicht im Sinne von Werksgerechtigkeit verstehen. Also nicht nach dem Motto: Wenn ich es schaffe durchzuhalten, wenn ich mein Leben als ein selbstgewähltes Martyrium auf dem Scheiterhaufen gebe, dann bekomme ich das ewige Leben. So darf man das nicht verstehen.
Die Gemeinde in Smyrna wird gerettet, weil Jesus Christus alles bezahlt hat – durch den Glauben, aus Gnade allein. Nur durch den Glauben an das, was Jesus Christus getan hat.
Aber wisst ihr, was dieser Vers sagt? Er sagt, dass wenn du errettet bist – liebe Gemeinde in Smyrna, alle, die bei euch errettet sind –, diese alle überwinden werden. Jeder, der bei euch gerettet ist, wird überwinden.
Warum wirst du überwinden? Weil Christus die Welt überwunden hat. In Römer 8,36-37 steht: „Deinetwegen werden wir den ganzen Tag getötet wie Schafe zum Schlachten.“ Doch jetzt kommt Gottes „Aber“: „In diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“
Versteht ihr, was diese Worte bedeuten? Wir überwinden durch Christus! Deshalb kann er in der Gemeinde Smyrna sagen: Wer von euch durchhält, wird ins ewige Leben eingehen. Weil wir durch Christus überwinden, der die Welt überwunden hat, der selbst einmal tot war und wieder lebendig ist.
Er ist unsere Zuversicht, selbst wenn Gläubige den ganzen Tag getötet werden – so wie es in Römer 8,36 steht. Und es gibt heute Länder, in denen genau das passiert.
Versteht mich nicht falsch: Überwinden kann in deinem Leid auch durch viel Schwäche und Niederlage geschehen. Definitiv. Auch Petrus hat geheuchelt, als er mit Heidenchristen gegessen hat. Als dann Christen aus der Beschneidung, also Juden, kamen, hat Petrus plötzlich geheuchelt und sich von ihnen distanziert.
Was ich damit sagen will: Auch ein wiedergeborener Petrus strauchelte. Überwinden geschieht oft durch Schwäche und Niederlage. Auch wir Christen haben Ängste und Schwachheiten in unserem Leid.
Aber wenn wir uns im Glauben auf Jesus Christus berufen, werden wir durch ihn überwinden – nicht durch uns selbst, sondern durch ihn. Und weil der Gläubige ein Überwinder ist durch den Beistand des Heiligen Geistes, kann Jesus sagen: Wer von euch überwindet, geht ins ewige Leben ein.
Diese gleiche Aussage finden wir auch im ersten Thessalonicherbrief. Paulus schaut auf die verfolgte Gemeinde und sagt in Kapitel 1, Vers 4: „Ihr Thessalonicher, wir wissen um eure Auserwählung.“ Auserwählung kann man hier mit „Wir wissen, dass ihr gerettet seid“ gleichsetzen.
Normalerweise weiß man nicht, ob jemand wirklich gerettet ist, weil man nicht ins Herz schauen kann. Doch Paulus sagt hier in Vers 4: „Ich weiß, dass ihr gerettet seid.“ Warum weiß Paulus das? Weil er ihr Leben beobachtet hat.
In Vers 6 heißt es: „Ihr seid unsere und des Herrn Nachahmer geworden, indem ihr das Wort unter viel Bedrängnis aufgenommen habt.“ Paulus sagt also: Ich weiß, dass ihr gerettet seid, weil ich gesehen habe, wie ihr trotz Bedrängnis und Verfolgung das Evangelium angenommen habt – obwohl ihr von eurer Familie ausgestoßen wurdet.
Wer hat ihnen geholfen, in der Bedrängnis auszuharren? Wer hat ihnen geholfen? In Vers 6 steht: „Mit Freude des Heiligen Geistes im Bedrängnis.“ Versteht ihr jetzt, warum wir Überwinder sind? Weil Christus uns den Beistand des Heiligen Geistes gesandt hat, der uns im Bedrängnis Freude, Kraft und Überwinderkraft gibt.
Deshalb heißt es im Offenbarungsbrief: „Die, die von euch überwinden, gehen ins ewige Leben ein.“ Ihr werdet überwinden, weil ihr den Beistand Gottes habt.
Heißt das, es wird leicht? Nein. Aber ihr werdet überwinden.
Wer nicht überwindet, ist vergleichbar mit dem Beispiel vom steinigen Acker. Dort wird ein Glaubensboden beschrieben, der das Wort Gottes mit Freude aufnimmt und sagt: „Amen, Halleluja, alles möchte ich Jesus geben, weinen und ihm nachfolgen, wenn er ruft.“ Sobald aber Verfolgung kommt, will er nichts mehr mit Jesus zu tun haben.
Das ist der steinige Acker: „Jesus, ja, um meine Wünsche zu erfüllen. Solange es mir gut geht, bete ich dich an, und sobald es mir schlecht geht, ach doch nicht.“
Aber was tun wir Gläubigen? Wir überwinden durch den, der die Welt überwunden hat.
Ermutigung für Schwache und Schwankende im Glauben
Nun, für diejenigen unter euch, heute wird es leider ein bisschen länger, aber ich bin auch gleich fertig.
Entschuldigung an die, die wissen, dass sie, wie Petrus, in der Lage sind, den Herrn Jesus zu verleugnen. Ich nehme mich da nicht aus. Für die Person, die um ihre Schwachheit weiß, möchte ich wirklich bewusst sagen: Schau auf den Herrn.
Er hat uns ja verheißen, den Geist zu geben. Er hat ihn uns ja gegeben. Die Freude des Geistes zeigt sich auch in Verfolgung und Bedrängnis. Paulus war niedergeschlagen, als er in Philippi war und zu den Thessalonichern gehen sollte. Er rang um Freudigkeit, so steht es in Kapitel zwei. Er rang darum, das heißt, er hatte eine Zeit lang keine Freudigkeit, aber er hat darum gerungen.
Das ist eine Ermutigung für den leidenden Christen: Ja, unser Leiden darf mit Ängsten und Fürchten verbunden sein – so ist das Leben. Aber wir dürfen uns auf den berufen, der uns Freude in Traurigkeit gibt, der uns Kraft in Schwachheit gibt, und dass wir deswegen überwinden, weil er überwindet.
Anwendung auf das eigene Leben und Abschluss
Nun, zum Schluss kommend, müssen wir sagen, dass Gott hier zuallererst zu einer Gemeinde spricht, die verfolgt wird. Verfolgung wird im Neuen Testament immer mit einem großen Lohn in Verbindung gebracht – immer. Man soll sich sogar freuen, wenn man verfolgt wird.
Auch wir hier, die wir nicht wirklich verfolgt werden – so will ich das mal nennen – dürfen die Prinzipien, die wir heute gelernt haben, auf unsere Herzenseinstellung in Bezug auf das Vertrauen auf Jesus Christus ganz persönlich anwenden. Dieses Wort gilt dir heute.
Bei allen Leiden, die uns um Christi willen geschehen, bei allem, was dir geschieht – bei allen Unzufriedenheiten, Traurigkeiten, Glaubenskrisen, Sünden, Not und Schwierigkeiten – darfst du heute drei Punkte lernen.
Erstens: Wenn du leidest, kennt Jesus Christus deine Situation. Und er kennt sie nicht nur intellektuell, sondern er ist mit dabei. Er ist der Allmächtige, er hält das Maß des Leidens in der Hand. Bei Smyrna waren es zehn Tage und Treue bis in den Tod. Bei dir mag es anders sein, aber er ist der Allmächtige. Es passiert nichts irgendwie versehentlich. Er stellt sich als der vor, der selbst tot war und lebendig wurde. Daraus lernen wir, dass er weiß, wie es uns geht. Er hat Mitleid.
Zweitens: Christus möchte dich ermutigen, indem er dir zeigt, dass das Leid so viel leichter ist als der Lohn, der auf dich warten wird. Wirklich, bete um geöffnete Augen deines Herzens, damit du diese Wahrheit verstehst. Das Leid ist so viel kleiner als der Lohn, den du dafür bekommen wirst. Bete – und das ist eine wichtige Anwendung für dich zu Hause – um geöffnete Augen deines Herzens. So betet Paulus in Epheser 1 um geöffnete Augen deines Verständnisses, damit du diese biblische Wahrheit wirklich begreifst und deinen Glauben darauf setzen kannst.
Richte deinen Blick weg von den Leiden hin auf die Ewigkeit. Lebe mit der Perspektive Ewigkeit.
Drittens: Leid geschieht, um deinen Glauben zu prüfen. Du wirst stärker aus dem Leid hervorgehen. Du kannst und wirst durch Jesus Christus überwinden. Das heißt, wir müssen uns manchmal auch auf die Knie zu Jesus Christus begeben und wie Paulus um Kraft und Freude ringen, wenn wir eine biblische Welt erkannt haben. Darum ringen wir: „Oh Gott, lass es Wirklichkeit in mir werden.“ Das heißt, es ist manchmal ein Ringen und Überwinden nötig, aber die Verheißung haben wir. Warum? Weil er selbst die Welt überwunden hat. Deshalb sind wir Überwinder, wie es in Römer 8 steht. Amen.
Ja, Tobi, danke für die Predigt. Jetzt geht es weiter mit dem zweiten Teil. Davor verabschiede ich noch die Zuschauer auf YouTube. Schön, dass ihr dabei wart, und herzliche Einladung zum nächsten Mal, Sonntag wieder um 9:30 Uhr.