Serie•Teil 6 / 8Der Römerbrief – Vers-für-Vers
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Rückblick auf Abrahams Glauben und die Bedeutung für uns
Wir fahren weiter in Römer 4. Da sind wir bis Vers 21 gekommen. Vers 22 erläutert noch: Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden.
Dieser Vers will sagen: Durch diesen echten Glauben Abrahams zweifelte er nicht. Er war der vollen Gewissheit. Das zeigt die Echtheit seines Glaubens. Und durch diesen echten Glauben ist er eben von Gott gerecht gesprochen worden.
Rechtfertigen bedeutet nochmals, jemanden als gerecht erklären, nicht ihn gerecht machen. Jemand hat die volle Vergebung, ist gerecht, und Gott sagt: Dieser Mensch ist gerecht. Das ist Rechtfertigen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es ja so, dass man von jemandem spricht, der sich rechtfertigt. Was macht er dann? Er gibt Gründe an, um zu zeigen, warum er recht gehandelt hat oder das Richtige gesagt hat. Also erklärt er sich selber als gerecht und als richtig. Und wenn Gott uns rechtfertigt aus unserem Glauben heraus, dann sagt er: Dieser Mensch ist gerecht, weil alles, was ungerecht war, weg ist durch vollkommene Vergebung.
Jetzt kommen wir zu Vers 23: Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, dass es ihm zugerechnet worden ist, sondern auch unseretwegen, denen es zugerechnet werden soll.
Ich war in 1. Mose 15. In Vers 5 steht, dass Abraham Gott glaubte, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Das heißt, Mose hat das aufgeschrieben im Blick auf Abraham. Aber hier erfahren wir, dass das Alte Testament, und da ist das erste Buch Mose, nicht einfach nur für Abraham geschrieben worden ist, im Blick auf ihn, sondern auch unseretwegen. Das ist eine wichtige Stelle.
Es ist zwar unverständlich, aber es ist trotzdem so. Es gibt viele Christen, die denken, das Alte Testament hätte heute kaum Bedeutung. Und man sieht das auch daran, dass sehr wenig über das Alte Testament gepredigt wird. Aber hier wird gesagt, dass 1. Mose unseretwegen geschrieben worden ist, für uns. Und das wird noch stärker ausgedrückt in Römer 15,4. Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben.
Und ich habe in meiner Bibel das Wort „alles“ speziell angestrichen: alles, was zuvor geschrieben worden ist. Das heißt das ganze Alte Testament, 1. Mose 1, 2, 3 usw. bis 1. Mose 50, dann 2. Mose 1 bis 2. Mose 40, dann 3. Mose 1 und zwar das ganze Alte Testament bis Maleachi. Alles ist für die Gläubigen der Gemeinde geschrieben.
Wie kann man dann sagen, das Alte Testament sei für Israel und das Neue Testament für die Gemeinde? Wir könnten das Neue Testament gar nicht verstehen ohne das Alte Testament, denn das Neue Testament ist im Alten Testament verborgen, und das Alte Testament ist im Neuen Testament enthüllt.
Schrift als Belehrung und Vorbild
Und dazu könnten wir gerade noch etwas lesen aus 1. Korinther. Da wird im Zusammenhang über den Auszug aus Ägypten und die Wüstenwanderung gesprochen. Dann wird erklärt in 1. Korinther 10,6. Hier auf dem Skript kann man das noch ergänzen, da ist 1. Korinther weggeblieben, also Römer 15,4 und dann 1. Korinther 9,10; 10,6; 11.
Also, ich lese 1. Korinther 10,6: Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach bösen Dingen begehren, wie auch jene begehrten.
Das bedeutet: Das, was im Alten Testament erzählt wird, sind Beispiele, die für uns aufgeschrieben worden sind, damit wir dieselben Fehler nicht wiederholen. Wir müssen uns beim Bibellesen im Alten Testament die Frage stellen: Was lerne ich da, was ich vermeiden soll? Und an anderen Orten: Was lerne ich hier, was ich nachahmen soll? Aber es ist für uns geschrieben.
Dann auch Vers 11, 1. Korinther 10,11: Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist. Geschrieben zu unserer Ermahnung.
Und 1. Korinther 9 ist noch erstaunlicher. 9,10. Der Zusammenhang ist folgender: Das Gesetz sagt in Vers 9: Denn in dem Gesetz Mose steht geschrieben: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden. Das ist ein Zitat aus 5. Mose 25,4. Das regelt, wenn man einen Ochsen für die Arbeit einsetzt. Darf man eben seinen Mund nicht verbinden, wenn er da dreschend über das Getreide geht, sondern er soll zwischendurch die Gelegenheit haben, auch ein bisschen vom Boden zu fressen. Belohnung für die Arbeit.
Aber jetzt sagt der Apostel Paulus: Ist Gott etwa um die Ochsen besorgt, oder spricht er nicht durchaus unseretwegen? Denn es ist unseretwegen geschrieben, dass der Pflügende auf Hoffnung pflügen und der Dreschende auf Hoffnung dreschen soll, um daran teilzuhaben.
Also, Paulus sagt: Das eigentliche Anliegen, das Gott mit diesem Gesetz gegeben hat, war, uns eine Belehrung zu geben, dass der Arbeiter seines Lohnes wert ist. Für uns also: Selbst solche einzelnen Gebote im Gesetz Mose haben eine geistliche Belehrung für die Gemeinde. Und dann erklärt der Apostel Paulus, dass ein Evangelist, der von dem Herrn ausgesandt ist, um vollzeitig zu dienen, eben vom Evangelium leben kann, dass das nicht etwa falsch wäre, sondern dem Prinzip vom dreschenden Ochsen entspricht.
Der Glaube der Gemeinde und die Auferweckung Jesu
Ja, wir gehen weiter in Römer 4, Vers 24: sondern auch um unsertwillen ist es geschrieben, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat.
Jetzt wird erklärt, dass unser Glaube als Gläubige aus der Zeit der Gemeinde die gleiche Qualität hat wie der Glaube von Abraham. Denn das war ein Glaube an einen Gott, der fähig ist, aus den Toten aufzuerwecken. Und genau damit hat unser Glaube grundlegend und direkt zu tun. Wir glauben nämlich an den Gott und Vater, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat. Das ist dieser rettende Glaube.
Und dann wird hinzugefügt: der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist. Jesus ist gestorben, und er musste sterben für unsere Sünden als Stellvertreter. Aber er ist auferweckt worden, und diese Auferweckung ist der Beweis, dass sein Werk am Kreuz genügt hat und von Gott angenommen worden ist. Und darum ist er auferstanden, und darum ist die Auferweckung eben unserer Rechtfertigung wegen geschehen. Das heißt: Unsere Sünden sind weg. Gott hat erklärt, dass dieses Werk gilt, um Menschen, die schuldig waren, schwer schuldig waren, zu Gerechten zu machen.
Und dann kommt die große Schlussfolgerung aus allem, Kapitel 5, Vers 1. Und jetzt müssen wir sehen, wie dieser Schluss, der jetzt quasi den ersten Teil des Römerbriefes krönt, strukturiert ist. Es beginnt mit: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott, und so weiter bis Vers 2. Und dann kommt eine Weiterführung, ein ganz neuer Absatz: Vers 3, nicht allein aber das, sondern da kommt noch etwas dazu, die Verse 3 bis 10. Und dann kommt eine weitere Stufe, Vers 11: Nicht allein aber das, sondern ...
Merken wir: Es ist also in drei Stufen aufgebaut, und man kann das in Verbindung bringen mit drei Stationen Israels. Nämlich zuerst in Ägypten hat Gott sich ihrer angenommen, und er hat sie vom Gericht verschont durch das Blut. Und dann sind sie in die Wüste gegangen, wo es viele Prüfungen gab. Und das haben wir ab Vers 3 bis 10, da haben wir quasi eine Parallele in der Wüstenwanderung. Und dann, ab Vers 11, wird nochmals gesteigert, und da haben wir in gewisser Masse eine Parallele zu Israel im verheissenen Land.
Das ist nicht auf dem Skript, aber zusätzlich als Erklärung: so drei Stufen, Ägypten, Wüste, Land.
Frieden mit Gott und der Zugang zur Gnade
Vers 1: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.
Ich habe auf dem Skript zu Vers 1 geschrieben: Durch den Glauben sind wir durch Gottes Erklärung gerechtfertigt worden. Es handelt sich um eine punktuelle Handlung, abgeschlossen in der Vergangenheit. Ich erkläre es so: Da wir nun gerechtfertigt worden sind, wird das als etwas beschrieben, das abgeschlossen ist. Gott hat uns als gerecht erklärt. Das ist nicht etwas, was in einem Prozess vor sich geht, sondern es ist abgeschlossen, fertig.
Und es ist ganz wichtig: Die römisch-katholische Lehre spricht ja auch von Rechtfertigung durch Glauben, aber in einem ganz anderen Sinn. Ich weiß nicht, ob sich einige erinnern: Vor einigen Jahren gab es quasi eine Rechtfertigungserklärung zwischen der katholischen Kirche und den Lutheranern in Deutschland. Da haben wir gesagt: Das ist wunderbar, diese Annäherung, dass sie ein gemeinsames Papier, eine gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung aus Glauben gefunden haben. Das ist ein totaler Reinfall. Das ist etwa so wie eine Verhandlung mit dem Iran.
Man muss die Katholiken fragen: Rechtfertigung aus Glauben, das glaubt ihr auch? Natürlich. Ja, wie? Ja, das ist gewissermaßen so, dass die Gnade tröpfchenweise gegeben wird. Also für jedes gute Werk, das ich tue, gibt es Tropfen. Und für jeden Kirchenbesuch gibt es Tropfen. Das geht so durch das ganze Leben, tröpfchenweise. Und für jede Messe wird es tröpfchenweise gegeben, und dann ist es beim Tod fertig. Nein, beim Tod ist es nicht fertig, das geht nachher weiter im Fegefeuer, tröpfchenweise.
Sie sehen das als einen Prozess. Und aus Glauben gerechtfertigt werden heißt eben: aus Glauben Werke tun, die einem immer mehr dazu beitragen, dass Gott uns schliesslich immer mehr als gerecht erklärt. Und wenn eine Todsünde kommt, dann ist alles gelöscht, dann kann man wieder von vorne anfangen. Das ist wie bei Coop mit den Punkten oder Migros, das Punktesystem: Man sammelt Punkte, Punkte, Punkte. Und die wissen natürlich, das kann gewisse Leute richtig süchtig machen. Und dann gibt es doppelte Punkte. Ja, und dann bringen die einen in Bewegung, und so läuft das. Das ist ein Punktesystem, wo der Mensch Vertrauen verdient. Aber das ist etwas ganz anderes, was Paulus meint. Und zwar Jahrhunderte, bevor diese Lehre dann in Rom entfaltet wurde, von der Rechtfertigung durch Glaubenstaten, tröpfchenweise, in einem Prozess.
Hier wird gesagt: Da wir nun gerechtfertigt worden sind, in einem Punkt. Wir haben uns bekehrt, unsere Schuld Gott bekannt, und Gott sagt: Du bist gerecht. Abgeschlossen. Und dann kommt dazu: So haben wir Frieden mit Gott. Das ist diese grundsätzliche Neuordnung mit Gott, dass ich weiß: Gott ist nicht mehr zornig auf mich, Gott hat nichts mehr gegen mich.
Aber auf dem Blatt habe ich noch dazu geschrieben: Das bedeutet auch, dass wir grundsätzlich mit Gott Frieden haben. Und dann in Klammer: Vergleiche „Frieden lasse ich euch“. In Johannes 14,27 hat der Herr Jesus gesagt, gerade unmittelbar vor dem Kreuz, am Vorabend: „Frieden lasse ich euch.“ Er war bereit, am nächsten Tag ans Kreuz zu gehen und diesen Frieden mit Gott zu schaffen und die Grundlage dazuzulegen. Aber im gleichen Vers, in Johannes 14,27, sagt der Herr Jesus: „Meinen Frieden gebe ich euch.“ Das ist etwas anderes.
Schlagen wir auf: Johannes 14,27. Das ist etwas sehr Wichtiges und Hilfreiches, diese Unterscheidung zu verstehen. Im Kreis der Elf im Obersaal sagt der Herr: „Frieden lasse ich euch.“ Das ist der grundsätzliche Frieden mit Gott. „Meinen Frieden gebe ich euch, nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.“ Und sehen wir: „meinen Frieden“ ist in der Elberfelder kursiv gedruckt. Das heißt, im griechischen Grundtext ist das Possessivpronomen, das besitzanzeigende Fürwort, betont. Er sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch.“
Und das ist dieser Friede, den der Herr Jesus in dieser Welt in seinem Herzen hatte. Er war fremd in dieser Welt. Und in Johannes 2 lesen wir, dass er sich den Menschen nicht anvertraute, weil er wusste, was in den Menschen ist. Aber er hatte immer diese tiefe Gemeinschaft mit dem Vater als Mensch und einen tiefen Frieden im Herzen. Das erklärt zum Beispiel auch, warum der Herr in Markus 4 so gut schlafen konnte, als dieser Sturmwind von den Golanhöhen herabkam und das See Genezareth in einen tosenden Tumult verwandelt hatte, und die Jünger mussten ihn wecken. Aber das ist diese tiefe Ruhe, die der Herr hatte, und die hatte er sogar auch in den größten Nöten.
Natürlich war der Herr im Garten Gethsemane tief beängstigt als Mensch, weil er die Schrecken von Golgatha auf sich zukommen sah. Und nicht allein das, was die Menschen ihm an Leiden zufügen würden durch die Kreuzigung und davor durch die Geißelung, sondern er wusste, dass er in den Stunden der Finsternis von Gott verlassen würde und der Sündenträger wurde. Aber in seinem tiefsten Inneren hatte er diesen Frieden, „meinen Frieden“. Und diesen Frieden will er uns immer wieder geben.
Darum ist das ein Durativ: „meinen Frieden gebe ich euch“. Auf Deutsch Präsens, und das griechische Präsens drückt aus: Ich gebe euch immer wieder. Wir haben grundsätzlich Frieden mit Gott, und wenn man sich bekehrt hat, dann ist das so unveränderlich. Aber wir kommen in Situationen, wo wir ganz unruhig werden und vielleicht auch manchmal richtig verzweifelt sind, und wir sehen nicht, wie das weitergeht. Und da kann der Herr uns immer wieder neu seinen Frieden geben. Und das geht dann vielleicht für eine Zeit, und plötzlich sind wir wieder ganz beunruhigt, und der Herr gibt wieder diesen Frieden.
Und das ist hier eben gemeint mit „meinen Frieden gebe ich euch“. Aber jede Unruhe ändert nichts daran: Wir haben Frieden mit Gott. Das kann durch nichts gestört, aufgehoben oder rückgängig gemacht werden.
Trübsal, Bewährung und Hoffnung
Und das sagt der Apostel Paulus hier so: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, nicht durch Werke, so haben wir Frieden mit Gott. Das steht durch unseren Herrn Jesus Christus. Und durch ihn haben wir jetzt auch ständig Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen.
Ich war in Ägypten. Dort durften die Israeliten wissen: Hinter dem Blut des Lammes waren sie vor dem Gericht Gottes sicher. Da mussten sie keine Angst haben. Die Erstgeborenen wussten: Der Zerstörer wird nicht in unser Haus kommen. Wir sind unter der Gnade Gottes, nicht weil wir besser sind als die Ägypter, sondern weil wir Zuflucht genommen haben zu dem Blut des Lammes.
Und hier wird gesagt: Durch den wir mittels des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Also, wir wissen: Jetzt sind wir in dieser Welt. Wir haben Frieden mit Gott, aber wir haben eine herrliche Zukunft, das himmlische Kanaan.
Und dann wird weitergeführt, Vers 3: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung. Die Hoffnung aber beschämt nicht.
Jetzt haben wir hier die Wüstenwanderung. Israel ging aus Ägypten hinaus, da, wo sie diese Gnade erlebt haben, diese Verschonung vor Gottes Zorn, vor Gottes Gericht. Und dann kamen sie in die Wüste, und es gab ein Problem nach dem anderen. Das sind eben diese Trübsale.
Ich lese das mal vor auf dem Skript, weil ich da versucht habe, es sehr kompakt darzustellen. Zu Vers 3: Das Leben des Erlösten auf der Erde ist aber nicht ohne Nöte. Doch diese Schwierigkeiten trainieren unser Durchhaltevermögen.
Wir rühmen uns auch der Trübsale. Warum? Nicht weil wir so cool sind, dass wir Trübsale einfach so gefühlslos ertragen können. Nein, wir sind ja keine Stoiker. Die haben sich eben geübt in einem, mit einem Pokerface durchs Leben zu gehen, ohne Gefühle. Bei Schmerz wird keine Miene verzogen. Und sie haben gesagt: Wir müssen über den Leiden stehen und einfach Leiden mit Gefühlslosigkeit antworten.
Aber das ist ganz unchristlich. Und wir sehen: Die Stoiker in Athen waren Feinde von Paulus. Die haben ihn verspottet als Samenpicker, als Saatkrähe, einer, der nichts versteht, der da mal was pickt und mal dort, aber von den Zusammenhängen gar nichts begreift.
Aber der Apostel Paulus sagt in Hebräer 12, dass die Trübsale, die Nöte, durch die wir gehen, nicht ein Gegenstand der Freude ist, sondern der Traurigkeit. Aber es hat einen positiven Effekt. Und in dem Sinn sagt Paulus hier: Wir rühmen uns der Trübsale.
Ich glaube, wir denken, Trübsale ist etwas Tolles, und je mehr Leiden, desto großartiger. Nein, sondern wir wissen: Trübsal bewirkt Ausharren. Ausharren bedeutet eben Durchhaltevermögen. Und das ist doch ein Thema.
Ich meine, manche beginnen, irgendein Instrument zu spielen, und dann sieht man: Uff, aber das ist nicht einfach so, dass man nach einem Jahr an einem Punkt angelangt ist, da klingt alles so super. Sondern man muss halt wieder ein Jahr studieren und nochmals ein Jahr und nochmals ein Jahr, und eigentlich das ganze Leben.
Und das Durchhaltevermögen, das ist etwas, was schwierig ist, aber es ist etwas, was sich lohnt. Natürlich, ich habe jetzt nicht gesagt, jetzt muss man Gitarre spielen. Das können ja auch ganz andere Dinge sein, wo wir wissen, der Herr möchte das. Und dann ist es aber wichtig, wenn wir sehen, das möchte der Herr von mir, dass wir da auch Durchhaltevermögen haben und wenn es schwierig wird, trotzdem dranbleiben.
Aber eben, das ist ja nicht so einfach. Nun, mit all diesen Schwierigkeiten gibt der Herr uns Gelegenheit, das zu trainieren, dranzubleiben. Und diese Trübsale helfen uns, uns zu verbessern, wenn wir ein Thema durchhalten.
Und dann wird gesagt: Das Ausharren aber Bewährung. Zu Vers 4 habe ich gesagt: Das wiederholt erfolgreiche Durchhaltevermögen macht uns zuverlässig. Diese Erfahrung stärkt unsere Fähigkeit, nach vorne zu blicken.
Ich fand es etwas Wichtiges: Wenn man eben Erfolge erlebt im Glaubensleben, ah, es ist gegangen. Ich bin dran geblieben, obwohl es schwierig war. Das gibt uns dann eben auch wieder noch mehr Fähigkeit, das Ziel anzuschauen und nach vorne zu gehen. Und diese Erfahrungen, wo es gelungen ist, dran zu bleiben, die zeigen: Da ist Bewährung.
Und diese Bewährung müssen wir uns bemühen. Später im Römerbrief, in dieser großen und grandiosen Grüßliste in Römer 16, da lesen wir von einem Bruder, von dem wird gerade das gesagt, in Vers 10. Es sind im Ganzen 33 Eigennamen, und in Vers 10 heißt es: Grüßt Apelles, den Bewährten in Christus.
Hm, das war also einer, der Trübsale erlebt hat, ist dran geblieben. Wir haben gemerkt: Ah, der bleibt dran, der ist bewährt. Und darum kommt plötzlich diese überraschende Bemerkung, nicht wahr? Apelles war dabei, als der Römerbrief zum ersten Mal vorgelesen wurde. Und er hatte gehört, in Kapitel 5: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsale Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung.
Und dann kommt die Überraschung in Römer 16: Aus all den Geschwistern werden 33 namentlich erwähnt, also überhaupt in Römer 16, und dann eben die meisten sind aus Rom, und dann wird gesagt: Grüßt Apelles, den Bewährten in Christus.
Und Apelles heißt übrigens ohne Haut, also ohne Fell, so ohne Fell, schon mit Haut. Ja, so kommen wir auf die Welt, ohne Fell. Wirklich schutzlos pur, wenn das kleine Baby da ist. Und darum ist eine der ersten Arbeiten dann, dem kleinen Kind so einen Schutz zu geben. Und darum haben die offensichtlich ihm den Namen gegeben, Apelles. Die haben gesehen, eigentlich ist der Mensch so ein schutzloses Wesen.
Aber eben, Apelles hat sich bekehrt, ist durch Trübsale gegangen und hat sich bewährt. Grüßt Apelles, den Bewährten in Christus.
Paulus sagt in 5, Vers 4: Das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung. Eben ein Nach-vorne-Schauen. Die positiven Erfahrungen, die helfen uns, eben noch mehr den Mut zu behalten.
Darum ist es auch wichtig, dass man Geschwister, die man begleitet, wenn man sieht, da war wieder etwas ein Erfolg, da wieder Erfolg, dann ist es gut, wenn man das auch sagt. Siehst du, es hat geklappt. Und das macht Mut, um noch mehr Fortschritte zu machen.
Gottes Liebe und die Rettung vor dem kommenden Zorn
Also, Vers 5: Die Hoffnung aber beschämt nicht. Das, was Gott uns an Zuversicht für die Zukunft gibt, ist nie etwas Vergebliches. Und die Begründung dafür lautet: Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.
Gott hat uns ein tiefes Bewusstsein ins Herz gelegt, dass er uns liebt. Und vorher ging es doch um den Zorn Gottes. So beginnt ja die Belehrung des Römerbriefes nach der Einleitung in Kapitel 1, Vers 18: Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen. Dann wird gezeigt, wie dieser Zorn Gottes gestillt worden ist an Herrn Jesus, der in Römer 3 als der Sühnedeckel bezeichnet wird, eben als Hilasterion, der Sühnedeckel, der so wichtig war am Jom Kippur. Er hat den Zorn gestillt.
Und jetzt ist es so, dass uns bewusst wird: Gott liebt uns. Diese tiefe Überzeugung im Herzen hilft uns nämlich, nach vorne zu blicken, weil wir nicht irgendwie Misstrauen gegenüber Gott haben müssen. Ja, vielleicht meint er es doch nicht so gut. Nein, Gott gibt durch den Heiligen Geist diese tiefe Überzeugung im Innersten: Gott meint es gut. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.
Vers 6: Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Ich habe das auf dem Skript so versucht auf den Punkt zu bringen. Christus heißt ja Messias auf Griechisch, der verheißene Erlöser. Der Messias Jesus ist für uns zu dem von Gott genau festgelegten Zeitpunkt in der Heilsgeschichte gestorben, am 15. Nisan 32 nach Christus. Nicht wahr, wir haben gelesen: Christus ist zur bestimmten Zeit gestorben. Das war nicht irgendeine zufällige Zeit, sondern von Gott ganz genau geplant. An diesem 15. Nisan wird der Messias sterben für unsere Sünden.
Aber Paulus sagt: da wir noch kraftlos waren. Dazu habe ich noch geschrieben: Damals, am 15. Nisan 32 nach Christus, war Paulus noch nicht bekehrt, und auch andere Zeitgenossen, die wie er erst danach zur Bekehrung kamen. Sie waren ohne wahre Gemeinschaft mit Gott und kraftlos, um wirklich gottgemäß zu leben. Es ist schön: Paulus war ein ganz eifriger, ultraorthodoxer Jude, der dachte: Ich schaffe das, ja. Und rückblickend muss er sagen: In Wirklichkeit war ich kraftlos, damals, als ich meinte, ich ziehe das durch mit den Geboten, und es funktioniert. Ja, man hat ein System aufgebaut, das einem die Illusion gab: Wir schaffen das. Und wenn man ganz ehrlich war, musste man sagen: Es ist so hohl, überhaupt nicht schaffen wir das, wir sind kraftlos.
Und jetzt kann er so rückblickend sprechen: Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zu bestimmter Zeit für Gottlose gestorben. Das sind alles solche, die eben damals lebten, aber noch nicht bekehrt waren, da wir noch kraftlos waren, zu bestimmter Zeit für Gottlose gestorben.
Das Kreuz als Antwort auf menschliche Ohnmacht
Und dann wird etwas Interessantes gesagt: Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen könnte vielleicht noch jemand zu sterben wagen.
Warum wird kaum jemand für einen Gerechten sterben? Ganz einfach: Denken wir an irgendjemanden in unserem Umfeld oder in unserem Leben, der so richtig gerecht ist. Ich bekomme fast Hühnerhaut am Rücken. Das sind Menschen, zu denen haben wir keine warme Nähe. Die sind so gerecht und machen zwar alles richtig, wirklich, aber man muss auch sehr, sehr aufpassen, dass man nicht irgendetwas falsch macht. Denn die sehen dann auch bei einem sofort: Oh, das Hemd kommt da ein bisschen hinten raus. Und wir wissen ja, wie viele Details manchmal nicht stimmen und so einer sieht sofort alles. Aber er ist absolut korrekt, so korrekt, dass es einem richtig kühl wird in seiner Nähe.
Ich habe das so umschrieben: Ein gerechter Mensch ist jemand, der ganz korrekt lebt und unantastbar ist. Dafür wird er respektiert, er wirkt aber kühl und unnahbar. Für einen solchen Menschen möchte man nicht unbedingt in den Tod gehen, um ihn zu retten. Stimmt's?
Ein gütiger Mensch ist mitfühlend und liebevoll. Zu solchen Menschen entstehen wahre Herzensbeziehungen. Da kann man es verstehen, dass jemand für einen solchen Menschen sein Leben opfert. Ja, das ist etwas ganz anderes. Und darum sagt der Apostel: Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen könnte vielleicht noch jemand zu sterben wagen.
Ja, ich meine, es ist schon eine Entscheidung, wenn man sieht, jemand ist am Ertrinken, und wenn ich jetzt reingehe, ist das Risiko, dass der mich nach unten bringt. Das ist wirklich eine gefährliche Sache. Ich weiß auch von einer solchen Situation in den Wäldern von Kanada. Einer war am Ertrinken, und ich muss mir überlegen: Was mache ich jetzt? Rein, direkt ins Wasser, oder noch weiter zu den kleinen Booten und dann hin? Man muss sich schnell entscheiden, aber es ist eine Entscheidung, die sehr schwere Konsequenzen haben könnte und das Ende des eigenen Lebens bedeuten würde.
Also: Für einen Gütigen möchte vielleicht noch jemand zu sterben wagen.
Und jetzt kommt der Kontrast: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
Ja, er sieht sich nicht mehr als einen Gütigen, auch nicht als einen Gerechten. Er ist sich bewusst: Obwohl ich damals dachte, ich bin so nahe durch das Einhalten der Gebote, so nahe bei Gott, sagte er: Nein, ich war damals ein Sünder. Und Christus ist, als er noch ein Sünder war, gestorben, und nicht nur für ihn, sondern für alle anderen auch.
Und das Eindrückliche ist: Dieses Bibelwort Römer 5,8, das muss man sehen, wirklich wie ein heiliger Donnerschlag. Als Antwort auf Maleachi 1,2. Maleachi war der letzte Prophet im Alten Testament, um 400 v. Chr. Und es beginnt so in Maleachi 1: Ausspruch des Wortes des Herrn an Israel durch Maleachi: Ich habe euch geliebt, spricht der Herr.
Im letzten Bibelbuch eine Erklärung der tiefen Liebe Gottes: Ich habe euch geliebt, spricht der Herr. Aber ihr sprecht: Worin hast du uns geliebt? Diese Frechheit ist ja unglaublich. Dann soll doch Gott zeigen, wo er da irgendwie seine Liebe uns jemals gezeigt hat. Ein Bekenntnis kann ja jeder ablegen, nicht wahr? So in dem Sinn: Worin hast du uns geliebt?
Und Maleachi verstummt. Vierhundert Jahre des Schweigens folgten, keine Schriftpropheten mehr. Und dann kommt der Herr Jesus und er geht ans Kreuz. Und Römer 5,8 sagt: Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
Das ist die Antwort auf die freche Frage, indem Gottes Liebe sich nicht für einen Gütigen zeigt, wo man irgendwie sagen kann: Jetzt möchte ich eben noch ein bisschen etwas vergelten von dem, was er mir alles schon Gutes erwiesen hat in meinem Leben, jetzt bin ich auch bereit, mein Leben für ihn zu opfern. Nein, Christus ist gestorben für Sünder.
Versöhnung, Zukunft und die Herrlichkeit Gottes
Und dann in Vers 9: Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn gerettet werden vom Zorn.
Hier wird über zwei Rettungen gesprochen. Die Rettung vor dem ewigen Gericht ist diese: Da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind. Der Jesus musste sterben, sein Blut musste fließen, und darum kann Gott uns jetzt als gerecht betrachten. Das ist Vergangenheit, punktuell abgeschlossen in der Vergangenheit: gerechtfertigt durch sein Blut.
Aber jetzt wird gesagt: In der Zukunft gibt es noch eine Rettung. Wir werden durch ihn gerettet werden vor dem Zorn. Ja, aber jetzt haben wir doch gesagt, der Zorn ist völlig geschlichtet. Wie könnte man dann als Christ noch in die Gefahr kommen, unter den Zorn Gottes zu fallen? Das hier ist eben der kommende Zorn, wie er auch in 1. Thessalonicher 1 genannt wird.
Ich schlage dazu also auf: Finger rein in Römer. Und mit anderen Fingern 1. Thessalonicher 1 öffnen. Die Thessalonicher haben sich bekehrt von den Götzenbildern zu Gott, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen. 1. Thessalonicher 1,9. Und jetzt kommt’s: Vers 10, und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem kommenden Zorn.
Dann wird der Ausdruck „der kommende Zorn“ gebraucht. Das ist das prophetische Gericht über diese Welt, zusammengefasst im Buch der Offenbarung, in dem Buch mit den sieben Siegeln. Die Offenbarung ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern sie ist offenbart, eine Offenbarung. Es ist das Gegenteil von versiegelt. Aber in der Offenbarung wird von einem Buch gesprochen, in Kapitel 5, zum ersten Mal mit sieben Siegeln, das nur der Jesus als Lamm Gottes öffnen kann. Und wenn ein Siegel geöffnet wird an dieser Rolle, dann wird ein Teil lesbar aus dieser Schriftrolle.
Aber es sind sieben Siegel. Übrigens, das kennt man, wenn man das nächste Mal die Gelegenheit hat, ins Israel Museum nach Jerusalem zu gehen. Dort ist es ausgestellt, und zwar dieser grandiose Fund aus dem Wadi Dalier, das ist im sogenannten Westjordanland. Da hat man sieben Siegel gefunden von einer Schriftrolle, die eben nicht einfach versiegelt war, wie das üblich war, sondern siebenfach. Kann man anschauen. Also sowas gab’s. Aber das muss natürlich eine ganz besondere Schriftrolle sein, die sieben Siegel hat.
Und nun: Das Buch mit den sieben Siegeln, das ist Gottes Zorn, der über diese Welt kommen wird. Das ist der kommende Zorn über diese Welt. Nun, wir stehen ja nicht mehr unter dem Zorn. Aber wenn wir als Gemeinde in die große Drangsal hineinkommen würden und in die Zeit des Antichristen, dann würden wir eben in den kommenden Zorn hineinkommen. Aber in Römer 5 haben wir gelesen, lasst es uns nicht offen lassen, dort heißt es: Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn gerettet werden vor dem Zorn. Und die Gemeinde ist eben nicht der kommende Zorn.
Und wie geht das, diese Rettung vor dem Zorn? Der Jesus wird kommen zur Entrückung der Gemeinde. Er wird die Gläubigen wegnehmen von dieser Gemeinde, von dieser Erde in den Himmel aufnehmen, und so werden wir diese Zeit des kommenden Zornes Gottes auf dieser Erde nicht erleben. Das ist eine zukünftige Rettung. Wir sind gerettet vor dem ewigen Zorn im Feuersee, aber wir werden gerettet werden auch vor diesem kommenden Zorn über dieser Erde, indem wir einfach vorher evakuiert werden.
Und nun etwas ganz Wichtiges: Vielleicht hat jemand in seiner Übersetzung „werden wir durch ihn gerettet werden vom Zorn“. Aber ich habe gelesen: „vor dem Zorn“, um einfach die Partikel im Griechischen „apo“ noch prägnanter auszudrücken. „Apo“ meint im Griechischen einen bestimmten Bereich. Ich male mal so in Gedanken einen Kreis, und das ist der kommende Zorn. In diesen Kreis kommt man nicht hinein. Also „apo“: Ich mache an diesem Kreis so einen Pfeil ran, und darüber schreibe ich Apo. Vor heißt also nicht in den Kreis rein. Und darum auf Deutsch am klarsten: wird uns retten vor dem Zorn. Das heißt, die Gemeinde kommt nicht in die Zeit der Gerichte hinein, die Zeit des Buches mit den sieben Siegeln.
Und das erste Siegel ist übrigens das Kommen des Antichristen. Und mit jedem Siegel kommt wieder ein Gericht, und das siebte Siegel besteht dann aus sieben Posaunengerichten. Engel im Himmel blasen Posaunen, und dann kommt ein Gericht nach dem anderen über die Welt. Und die siebte Posaune ist noch schrecklicher, denn diese besteht aus sieben Schalengerichten. Engel im Himmel nehmen goldene Opferschalen, im himmlischen Tempel kippen sie auf die Erde, und da kommen die letzten Schläge der großen Drangsal über die Welt, bis dann der Herr Jesus in Offenbarung 19,11 mit allen entrückten Erlösten zurückkehrt, um das tausendjährige Reich, Offenbarung 20, aufzurichten.
Also: werden durch ihn gerettet werden vor dem Zorn.
Jetzt noch eine Bemerkung zu 1. Thessalonicher 1,10. Dort habe ich auch gelesen: Jesus, der uns errettet vor dem kommenden Zorn. Und da könnte es sein, dass jemand sagt: Halt, halt, halt, halt! Was hast du da für eine Bibel? Ja, eine deutsche. Ja gut, aber im Griechischen steht hier eben „ek“, und retten „ek“ bedeutet retten aus. Wenn stehen würde bewahren „ek“, dann müsste man übersetzen: bewahren vor. Das ist sprachlich klar. Aber hier steht eben retten „ek“, und das heißt: wird uns retten aus dem kommenden Zorn. Das heißt, die Gemeinde muss noch in die Zeit der Gerichte hinein, und dann wird sie aus dieser Zeit gerettet werden. Also Entrückung nicht vor, sondern mitten.
Und da muss man antworten: Ja, aber das ist der Minderheitstext von Estland. Ja gut, das ist der beste Text, den es gibt. Ja, aber die Mehrheit der Handschriften, der Mehrheitstext, liest da „apo“. Ja gut, jetzt kann jeder wählen. Wenn er gerne in die Drangsal will, dann soll er doch den Minderheitstext nehmen, und wenn er nicht will, dann unbedingt den Mehrheitstext.
Aber jetzt kommen wir auf den Punkt: Minderheitstext und Mehrheitstext sind an den meisten Stellen völlig einstimmig, und in Römer 5 auch einstimmig. Alle haben: wird uns retten, apo, den Zorn. Vor dem Zorn. Gut, und jetzt hier hat der Minderheitstext offensichtlich geändert auf „ek“, denn das wäre ein Widerspruch. Aber der Mehrheitstext macht klar: Nein, Römer 5 und 1. Thessalonicher 1 auch völlig auf der gleichen Linie. So kann man belegen, dass der Minderheitstext sich hier irrt, ganz klar. Der Mehrheitstext stimmt überein mit der Aussage „vor dem Zorn“, so dass man nicht in den Zorn hineinkommt.
Also Römer 5,9 ist da völlig klar. Glücklicherweise, ja, wir haben das ja nicht verdient. Und andere müssen hindurch: der Überrest aus Israel, die 144, und dann der Drittel im Land, der sich bekehren wird in der größten Not, und alle, die noch in der Zerstreuung sind, die sich dann bekehren und erst, wenn der Herr wiederkommt, auch noch ins Land zurückgeführt werden. Und dann dieser Überrest aus allen Nationen, der nach der Entrückung zum Glauben kommen wird, weil die vorher das Evangelium nie klar gehört haben. Die werden hindurchgehen. Wir nicht, weil Gott es wollte. Aber seien wir doch einfach dankbar.
Und wir haben so viele Herausforderungen, all diese Trübsale hier. Das ist nicht die große Trübsal, Vers 3: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsale Ausharren bewirkt.“ Wir erleben viele Trübsale und viele Schläge und viele schwierige Momente im Leben, aber es ist nicht die große Drangsal. Und trotzdem erleben wir, wie der Herr uns eben durchhilft, und er hat uns dieses tiefe Bewusstsein gegeben: Die Liebe Gottes ausgegossen im Herzen. Er meint es gut, auch bei all diesen Nöten, die wir erleben.
Und dann steht in Vers 10: Wir kommen wirklich durch. Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, so werden wir vielmehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.
Also, unsere vergangene Errettung ist diese: Wir waren Feinde Gottes und sind mit Gott versöhnt worden. Nicht wahr, das Wort versöhnen hat im Griechischen die Grundbedeutung tauschen. Das Grundwort „alasso“ wurde gebraucht, zum Beispiel um eine Währung in die andere zu wechseln. Und darum bedeutet das Wort „versöhnen“ im Neuen Testament: Ein Feind wird umgewandelt in einen Freund. Also, wir sind Feinde Gottes gewesen, sind unseren eigenen Weg gegangen, aber wir sind umgewandelt worden in Freunde Gottes durch den Tod seines Sohnes.
Und jetzt wird gesagt: Aber es gibt zukünftig noch eine Rettung, und die geschieht nicht durch den Tod, sondern durch das Leben. Wie? Ja, der Herr Jesus ist auferstanden, er ist in den Himmel gegangen, und er wird wiederkommen und die Gläubigen zu sich entrücken. Als Lebende wird er uns retten, eben vor dem kommenden Zorn.
Sieht man jetzt: Vers 9 und 10 ist parallel. Vers 9: Wir sind durch sein Blut gerechtfertigt, wir werden in der Zukunft gerettet vor dem Zorn. Vers 10: Wir waren Feinde, sind jetzt versöhnt worden durch den Tod des Sohnes, aber in der Zukunft werden wir durch sein Leben gerettet werden, wenn er kommt bei der Entrückung. Das ist die Bedeutung dieser Verse. Wirklich grandios.
Also wir sehen: Die Wüstenwanderung wird ein Ende haben. Und dann gehen wir ein in das himmlische Land Kanaan.
Und da finden wir Vers 11: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. Das unterschätzt man leicht, was in diesem Vers enthalten ist. Ich habe versucht, das auf den Punkt zu bringen. Schriftlich drückt man sich ja ganz anders aus als mündlich. Man braucht beim Predigen und mündlich Erklären der Bibel viel mehr Wörter als beim Schreiben. Und darum sind das eben nicht die besten Bücher, die einfach wörtlich übernommen sind, sondern da gibt es beim Mündlichen viele Wiederholungen, das muss man aber.
Wenn man einfach Bücher vorlesen würde, das ist zu dicht, das geht eben beim langsamen, sorgfältigen Lesen. Aber beim Verkündigen muss man das ganz anders machen, das geschieht ganz anders, und man braucht eben viel, viel mehr Wörter. Und wenn man etwas auf den Punkt bringen will, schriftlich, und der Stil ist eben ganz anders, und ich habe versucht, das auf den Punkt zu bringen:
Das Höchste kommt jetzt, Vers 11. Was noch größer als die empfangene Erlösung ist, ist die Freude an Gott selbst, verbunden mit der innigsten Gemeinschaft mit ihm. Wir sind nicht wie ehemalige Kriminelle, die beschämt in einer Ecke sitzen und um ihre Vergebung wissen, sondern solche, die triumphierend über die Herrlichkeit Gottes jubeln und sich der innigen Beziehung zu ihm rühmen. Der Ruhm für irgendwelche Leistung, die zur Rettung hätte führen können, ist ausgeschlossen worden. Wir rühmen uns aber des Gottes, der selbst alles geleistet hat.
Also in diesem Vers 11 ist die ganze Herrlichkeit Gottes, was er in seinem Wesen ist, hier angesprochen, und das ist das Höchste. Das entspricht eben all den Herrlichkeiten des himmlischen Kanaans, wo eben der Herr selbst das Höchste ist, der höchste Inhalt des Glücks.
Und da sind wir am Schluss und werden dann nächstes Mal mit Römer 5,12 den Teil anschauen: Wie hat Gott das Problem der sündigen Natur in uns angegangen und gelöst?
Ja, wollen wir noch zusammen beten?
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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