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O Mensch, wer bist denn du!

Gnade oder Stolz: Wer hat das letzte Wort – und warum?
Römer 9,19-2321.06.2026
Serie•Teil 47 / 48Wir betrachten den Römerbrief
Warum glaubst du, du hättest dich selbst gerettet? Die Botschaft ist unbequem: Gnade heißt, dass Gott zuerst handelt – und dass du vor ihm nicht auf Augenhöhe stehst.

Einleitung und Hinführung zum Thema

Ja, guten Morgen, liebe Gemeinde. Ich freue mich, euch alle sehen zu dürfen.
Es ist eine Freude, am Sonntagmorgen den schönsten Moment der ganzen Woche zu erleben, euch zu treffen und unseren Herrn zu treffen, Jesus Christus, und mit ihm Gemeinschaft zu haben. Besonders auch durch das Wort, durch die Lieder und die Anbetung.
Und wie ihr schon gehört habt, wollen wir heute im Römerbrief weitermachen. Ich lade euch ein, gerne mit mir aufzustehen, und wir lesen Römer 9,19-23:
Nun wirst du mich fragen: Warum tadelt er denn noch? Denn wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, o Mensch, wer bist denn du, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch das Werk zu dem, der es geformt hat: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen?
Wenn nun aber Gott, da er seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, mit großer Langmut die Gefäße des Zorns getragen hat, die zum Verderben zugerichtet sind, damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeige, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat.
Amen!

Warum die Lehre von Erwählung und Verwerfung nicht übergangen werden darf

Amen! Das ist ein Text, den ich früher in meiner Zeit, als ich die Theologie des sogenannten freien Willens vertreten habe, mehr oder weniger übersprungen habe. Das war für mich ein Text, der mir zu hoch war.
Und ihr habt das ja schon gemerkt: Wir sind ja durch den Römerbrief quasi jetzt wieder mehr oder weniger gedrängt und herausgefordert, dieses Thema der Auserwählung und der Verwerfung zu betrachten. Das haben wir ja schon gemerkt, dass das immer intensiver wird: Römer 8, Römer 9, Römer 10, Römer 11 und so weiter und so fort.
Und wir fragen uns, und so fragen sich auch liebe Geschwister und Freunde von nah und fern, die an unseren Betrachtungen teilnehmen: Ja, meine Zeit, ist das denn so wichtig? Das ist doch nicht die Frage. Die Frage der Erwählung ist doch nicht heilsentscheidend. Müsst ihr denn immer wieder auf diesen Amboss rumhauen?
Ja, das ist gar nicht so einfach. Wenn wir treu durch die Bibel durchpredigen, dann kommen wir immer wieder auf solche Stellen. Und wenn du nämlich alle Stellen rausreißen wolltest, die über Prädestination und Erwählung reden, dann bleibt am Ende kaum noch eine Seite in der Bibel übrig, weil die Bibel voll ist von diesem Thema.
Und daher ist es offensichtlich dem Heiligen Geist wichtig, der dieses Thema in die Schrift hinein inspiriert hat, uns auch immer wieder damit zu befassen. Denn ohne die Lehre von der Erwählung kann niemand das Evangelium in seinem wahren Wesen verstehen. Ohne den Prädestinationsgedanken kann niemand erfassen, was Gnade im eigentlichen Sinn bedeutet, biblische Gnade.

Gnade, Entscheidung und das Missverständnis menschlicher Mitwirkung

Viele sagen ganz schnell, wenn es um Christen geht: Ich bin aus Gnade errettet. Das hört man schnell, es kommt uns leicht über die Lippen: Ich bin aus Gnade errettet.
Aber wenn du dann noch einmal nachfragst, wie es denn passiert ist, dann kommt die Antwort: Ja, ich habe mich für Christus entschieden, und so wurde ich errettet.
Aber Moment mal: Eben sagst du, es sei aus Gnade. Nun sagst du, du habest dich entschieden. Also war deine Entscheidung der ausschlaggebende Faktor für deine Bekehrung. Ja, ja, nein, ja, nein, ja, nein, und dann kommen wir ins Schleudern.
Spurgeon sagt dazu: Seht ihr nicht auf einen Blick, dass das Gesetzlichkeit ist, wenn wir glauben, durch unsere Bereitschaft Christen geworden zu sein? Seht ihr nicht, dass das ein Festmachen unserer Errettung an unserem Werk ist, an dem, was wir tun? Eine Theologie, die den menschlichen Willen voranstellt, ist nach der Bibel blanke Werkegerechtigkeit, die nichts mit der Gnade zu tun hat, die das Evangelium lehrt. Das Evangelium lehrt bedingungslose Gnade.
Es heißt immer: Ja, du musst doch das Geschenk auch annehmen. Wenn ich dir eine Tafel Schokolade gebe, dann kannst du sie nur haben, wenn du sie auch annimmst. Und das ist immer so diese Schallplatte, die auf einer Rille immer abturt.
Nein, ihr lieben Freunde, Gott gibt uns keine Schokolade, die wir annehmen müssen, sondern Gott gibt uns ein Leben. Und wer hat dich gefragt, als du geboren wurdest, ob du denn bereit bist, das Leben auch zu wollen? Nimmst du das Leben auch an? Nein, du warst einfach da!
Dieses Gerede: Du musst es auch annehmen. Natürlich ist da etwas dran. Wir nehmen das Leben an, wir nehmen Gottes Geschenk an, sein Heil. Aber das Ganze ist doch so wie eine Geburt. Ein Kind wird nicht vorher gefragt: Willst du das Leben haben? Und der Mutterleib sagt es vielleicht, oder bevor es gezeugt ist: Nein! Oder: Ja! Und wenn das Kind Ja sagt, das noch nicht da ist, dann wird es geboren, weil es das Leben angenommen hat.
Nein, das Leben ist einfach da. Dein Augenlicht hast du nicht empfangen, weil du Ja gesagt hast, sondern weil du es einfach hattest. Und deine Ohren hast du nicht rechts und links an deinem Kopf, weil du gefragt wurdest, ob du sie auch annimmst, sondern du hast sie einfach bekommen, sie waren da. Und sie sind da, Halleluja!
Und so bist du nicht gefragt worden, ob du ein Christ werden willst oder nicht, sondern du bist ein Christ geworden, weil es einfach von Gott so sein sollte. Es ist ein Geschenk, ein bedingungsloses Geschenk. Ohne dass du es angenommen hast, bist du ein Christ geworden, es wurde dir zugeteilt, wie einem Menschen das Leben zugeteilt wird.
Bedingungslose Gnade, das ist das Geheimnis. Nicht Gnade auf Grund geleisteten Wollens, sondern Gnade auf Grund freier göttlicher Auswahl.

Die geistliche Frucht der Erwählung: Gewissheit, Freude und Ruhe

Also, warum ist die Prädestinationslehre so wichtig? Weil wir ohne sie die Herrlichkeit, die wahre Herrlichkeit des Evangeliums überhaupt nicht erfassen und Gott deshalb auch nicht die ganze Ehre geben können.
Natürlich können Menschen auch wiedergeboren sein, ohne dass sie die rettende Gnade in ihrer fundamentalen Tiefe verstanden haben. Aber sie gelangen niemals zur völligen Heilsgewissheit. Das erleben wir immer wieder: Das Gift der Werke, das Gift des Werkedenkens, hält sie ihr Leben lang immer wieder in Ängsten. In Sorge, sie könnten ihr Heil verlieren, kommen sie nie wirklich in ihrem geschenkten Heil zur Ruhe und zum Frieden.
Deswegen heißt mein Buch, das ich gerade über dieses Thema geschrieben habe – es war eine meiner ersten Ausgaben – Das Evangelium kennen. Das ist eine Sache: das Evangelium kennen. Nur wer das Evangelium richtig kennt, der kann es genießen. Das Evangelium kennen und genießen. Gott möchte, dass du als Christ nicht zitterst, sondern dass du das Evangelium genießen kannst. Das Geschenk der Gnade Gottes darfst du ohne deine Mitwirkung genießen. Heilsgenuss nennt man das: Frieden, zur Ruhe kommen, die Ruhe der Kinder Gottes, glücklich sein in dem Heil deines Gottes, das dir von Ewigkeit her zugesagt wurde und dir wiederum bis in Ewigkeit bewahrt wird.
Das ist der wunderbare Gedanke dieser Prädestination. Wenn Christen die Augen über ihre ewige Auserwählung aufgehen, dann haben wir das erlebt, dann rufen sie: Ich habe eine zweite Bekehrung erfahren. Dann sagen sie: Jetzt erst verstehe ich das Evangelium, jetzt kann ich es genießen. Es ist mir, als wäre ich heute erst richtig errettet worden. Solche Sätze sagen sie dir. Ich habe sie hier in unserem Hause zuhauf gehört und draußen bei meinen Reisen.
Ja, die Lehre von der Erwählung ist biblisch, weil sie klar macht, dass wir nicht aufgrund von Bedingungen und Voraussetzungen, sondern allein aus Gnade errettet werden. Deswegen heißt das Schlagwort der Reformation sola gratia, allein aus Gnade.
Und wenn ich an mein eigenes Leben denke: Wir haben damals hier am Ziegelteich gewohnt, und meine Frau brachte mir dieses Buch von Spurgeon, wie ihn keiner kann. In diesem Buch hat dieser alte Londoner Prediger das, was ich jetzt in kurzen Worten versuche, euch nahezubringen, dargelegt. Ich hatte so etwas nie gehört, nie gesehen, nie gelesen. Dann sind mir die Augen übergegangen, und dann kam der Gedanke zu mir: Wolfgang, dann bist du ja von Ewigkeit her errettet.
„Ehe die Berge waren, ehe die Meere geschaffen sind, ehe die Sterne gewesen und die Milchstraßen gewesen, ehe die Engel waren, die einst geschaffen sind: Vor ewigen Zeiten warst du ein Gedanke in Gottes Herzen. Da haben sie schon über Wolfgang geredet. Halleluja, Vater, Sohn und Heiliger Geist hat über Wolfgang geredet, der noch gar nicht da war.“
Das ist über mich gekommen wie eine Flut von Liebe. Ich bin auf meine Knie gefallen und habe, glaube ich, eine halbe Stunde geweint. Und das hat meinen Glauben verändert, das hat meine Glaubensausrichtung verändert. Ich gewann Klarheit darüber, was es bedeutet, was Erwählung und Prädestination ist. Und heute weiß ich, warum Paulus, und nicht nur er, sondern auch Jesus und die anderen Apostel, das so ausführlich und immer wieder in der Bibel erklären und es uns versuchen nahezubringen, damit der Heilige Geist uns das aufschließt.
Und ich glaube, diese Freude im Evangelium, diese Freude über dein Heil, die sollst du genießen, und darüber sollst du glücklich sein. Sag doch mal Amen zusammen. Halleluja!

Der Einwand gegen Gottes Souveränität und die Reaktion des Apostels

So, jetzt ist das der eine Punkt, weshalb das so wichtig ist. Hier in unserem Text kommt jetzt noch etwas anderes.
Es gibt noch einen weiteren deutlichen Hinweis darauf, dass die Erwählungslehre biblisch ist, und das ist die Kritik, die wir deshalb einstecken müssen. Wenn wir solche Predigten halten, sage ich euch jetzt schon: Entweder schon am Ausgang oder per E-Mail oder per Telefon oder auch per Kommentar im Internet werden wir auch auf diese Predigt wieder Kritik bekommen. Und ich weiß auch schon, welche.
Die steht hier in unserem Text, die hatte Paulus auch schon. So alt wie die Bibel ist, ist auch diese Kritik. Wenn wir dieses Evangelium verkündigen, wann und wo auch immer, werden uns fast immer zwei Einwände entgegengebracht.
Der eine lautet: Wenn Gott einige Menschen zum Heil erwählt und die anderen nicht, dann ist das aber ungerecht. Auch nach unseren derzeitigen Römer-Predigten hören wir diesen Einwand. Wenn Gott nicht jedem die gleiche Chance gibt, sondern einige bevorzugt und andere benachteiligt, dann ist er ungerecht. Und manch einer fügt noch hinzu: Einen solchen Gott habe ich nicht.
Der andere Einwand lautet: Wenn Gott über einen Menschen schon alles festgelegt hat, dann sind wir doch nur noch Marionetten. Das Wort Marionetten ist mir dabei schon fast wie eine Gehirnwäsche vorgekommen. Wie kann Gott uns da noch beschuldigen? Auch das hören wir aktuell gerade wieder.
Die Frage ist nun: Knickt uns diese Kritik? Macht uns das mutlos, wenn wir immer mit so viel Kritik diesbezüglich zu tun haben, und manche nennen uns sogar auch Irrlehrer?
Ich sage euch ganz offen: In der Tat wird uns die Predigt über die freie Gnade manchmal zur Last, auch mir persönlich. Dann denke ich: Muss das jetzt schon wieder sein? Die Leute wissen das doch schon. Denn sie ruft ständig Widerspruch hervor und ermüdet uns. Uns geht es wie dem Propheten Jeremia, der am Ende keine Lust mehr hatte. Es war ihm alles zu schwer, das zu predigen, was Gott ihm geboten hatte, weil er ständig Widerspruch, Rebellion und Kritik heraufbeschwor.
Und dann denke ich manchmal auch: Lieber Herr, dann hättest du mir das vielleicht doch nicht offenbaren sollen. Aber nein, das ist jetzt nur theoretisch. Ich freue mich, und ich freue mich.
Denn bei genauer Betrachtung freuen wir uns und können uns über diese Kritik sogar freuen. Sie stärkt uns sogar. Warum? Weil wir daran erkennen, dass unsere Predigt mit der des Paulus und der Bibel übereinstimmt. Uns bringt man denselben Protest entgegen wie ihnen damals. Das bestätigt uns und macht uns sicher: Wir predigen dasselbe, was der Apostel gepredigt hat.

Die Würde Gottes und die Grenzen menschlicher Einwände

In Vers 14 geht Paulus auf diese immerwährende Kritik ein, die er hört und die Menschen seit Jahrhunderten bis heute vorbringen. Was wollen wir dazu sagen, schreibt Paulus, ist Gott ungerecht? Da hast du es: Er thematisiert diese Kritik der Menschen, die sie ihm schon entgegengebracht haben.
Und in Vers 19: Nun wirst du mich fragen, ja, ich weiß, Paulus, die fragen dich, und mich fragen sie auch: Nun wirst du mich fragen, warum tadelt Gott dann noch? Denn wer kann seinem Vorsatz und seinem Willen widerstehen?
Und was antwortet Paulus darauf? Diskutiert er jetzt mit seinen Gegnern nach der Weise: Man könne es so sehen, und man kann es auch so sehen? Nein, er schreibt: Hör mal, was er jetzt sagt, jetzt wird er ernst. Und er sagt: Ja, o Mensch, wer bist du denn? Habt ihr gelesen? Das ist eine ziemliche Herausforderung. Ja, o Mensch, wer bist du denn, dass du solche Fragen stellst? Spricht auch das Gebilde zu dem, der es geformt hat: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen?
Ja, o Mensch, wer bist du denn? Hast du vergessen, wer Gott ist und wer du bist? Die Menschen argumentieren gegen Gott und streiten mit ihm, als sei er ihresgleichen, als sei er ihnen Rechenschaft schuldig. Das bedeutet nicht, liebe Freunde, dass wir Gott keine Fragen stellen dürfen. Alle Fragen sind erlaubt, und das Thema der Vorherbestimmung hat Aspekte, die in der Tat für unseren Verstand nicht leicht sind. Und wir dürfen Fragen haben, wir dürfen alles Gott fragen. Aber unser Problem ist der Geist, in dem wir fragen.
Wir fragen im Geist des Widerspruchs, der darin mündet: Einen solchen Gott habe ich nicht. Deswegen der Satz des Paulus: Wer bist du denn? Du hast vergessen, wer du bist und wer Gott ist. Halte inne mit deiner Empörung und denke erst einmal darüber nach, wer du bist, bevor du so gegen Gottes Erwählung und Prädestination aufbegehrst!
Wir befinden uns mit Gott nicht auf Augenhöhe, sondern wir gehören zur Masse des Tons in der Hand des Töpfers. Und macht der Ton dem Töpfer ernsthaft den Vorwurf, dass es ungerecht sei, nicht alle Gefäße gleich zu formen? Will der Ton vorher gefragt worden sein, was der Töpfer aus ihm machen will? Muss der Töpfer den Ton um Erlaubnis bitten, dass er ihn kneten darf? Das ist doch absurd.
Und genauso absurd ist es, Gott vorzuwerfen, Prädestination sei verkehrt oder er würde sie gar nicht lehren. Eine solche Macht hat der Ton nicht. Die Macht liegt allein beim Künstler, er allein entscheidet. Wie sonst bezieht Paulus auch dieses Gleichnis? Aus dem Alten Testament: Dieses Bild vom Ton und Töpfer kommt mehrfach im Alten Testament vor.
Der Prophet Jesaja ruft aus: Nun aber bist du, Herr, unser Vater; wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände. Wie demütig! Wir sind der Ton, du bist der Töpfer, und wir sind alle geformt, wie du es willst.
Liebe Gemeinde, lasst uns das nie vergessen: Wir sind das Werk seiner Hände und nicht unserer Hände. Das Werk seiner Hände, wie der Ton in des Töpfers Hand. Wollen wir wirklich sprechen: Herr, warum machst du mich so? Wann tun wir das wirklich? Auch manchmal in anderen Lebensbereichen stellen wir Gott diese berühmte und dumme Warum-Frage: Warum ich? Warum geht es mir so schlecht und den anderen so gut? Dass derselbe Geist das ist, was wir hier lernen, ruft Petrus uns zu: „Demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes!“

Gottes Freiheit, menschliche Schuld und die Logik der Gerechtigkeit

Das ist jetzt eine Herausforderung für uns alle. Wie stehst du vor Gott? Wie siehst du dich vor Gott? Willst du mit ihm mitreden, willst du mit ihm verhandeln, willst du ihm Vorwürfe machen? Oder willst du sagen: Mein Gott, ich bin nichts anderes als eine Masse von Erde. Du bist der Chef, wie es im Chorus heißt: „Mach aus mir etwas nach deinem Ruhm.“
Wollen wir nicht sagen: Ja, Herr, du bist der allmächtige Gott über allem? Wir müssen lernen, liebe Geschwister, ich muss lernen und zugeben, dass der Allmächtige mit dem Seinen tun kann, was ihm gefällt. Das ist der Grundsatz, das ist die Frage: Was für ein Gottesbild haben wir?
Manchmal wird unter Christen auch geredet: Gott ist mein Partner. Gott ist nicht in diesem flapsigen Sinn unser Partner und nicht unser Kumpel, denn Gott ist Gott und kein Mensch. Ich bin der Ton und er ist der Schöpfer, und er kann mit mir tun, wie es ihm gefällt. Denn kein Kunstwerk spricht zu dem Künstler: Warum machst du mich so?
Im Übrigen: Was ist beispielsweise ungerecht daran, wenn mir zehn Menschen je tausend Euro schulden? Das ist nicht der Fall, aber ich konstruiere das. Und zwei von ihnen erlasse ich aus freien Stücken diese tausend Euro, und zu den anderen sage ich: Bitte zahlt mir das zurück. Ich frage euch: Welches Gesetz habe ich übertreten, selbst wenn ich so willkürlich handeln will?
Die, die zurückzahlen, behandle ich gerecht, vertragsgemäß. Und die, denen ich die tausend Euro erlasse, die behandle ich gnädig. Denen mache ich ein Geschenk. Ich höre manchmal von lieben Geschwistern, die auch zu Weihnachten oder wann auch immer den etwas Ärmeren in unserer Gemeinde auch mal ein Geschenk zustecken. Und manchmal höre ich auch davon, wem was gegeben hat, weil wir dann auch manchmal gefragt werden: Wer braucht es?
Und dann sagen wir niemals: Wenn du einem was schenkst, musst du allen was schenken. Was für ein Blödsinn! Wenn du einen erwählst, musst du alle erwählen, sonst bist du ungerecht. Merken wir: Wir sind nicht nur vermessen, sondern wir sind auch unlogisch in unserem Widerspruch.
In dem Gleichnis vom Weinbergbesitzer ruft Jesus am Ende aus: Habe ich nicht das Recht, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Und dann füge ich hinzu: Viele sind berufen und wenige sind auserwählt. Das ist mein Recht. Damit macht Jesus deutlich, dass Gottes Gnade kein Anspruch, sondern absolut ein freies Geschenk ist. Er gibt nicht nach menschlicher Leistung, sondern nach seinem persönlichen Wohlgefallen. Und das steht ihm zu, weil er Herr und Gott über allem ist.
Deshalb noch einmal: Wir müssen uns grundsätzlich prüfen, ob wir Gott das zugestehen. In dem Augenblick, in dem du dich unter die souveräne Gottesherrschaft beugst, lösen sich deine Probleme, die du mit der Erwählungslehre hast, wenn du ein rechtes Gottesbild hast, wer Gott ist und wer du bist. Dann ist das Thema Erwählung für dich absolut kein Problem mehr. Dann ist das normal, dann muss es so sein.
Also überprüf: An welchen Gott glaubst du? Wer bist du denn?, fragt der Apostel. Das ist die Lektion, die Gott uns heute lehren will. Hat Gott das Recht, dir deine Gesundheit zu nehmen, während er anderen Gesundheit schenkt? Den lieben Menschen wegzunehmen, deine Kinder vielleicht sogar oder dein Kind, und anderen schenkt er sie? Hat er das Recht, dich arm zu machen, während er den anderen reich macht? Kann er mit dir handeln, wie es ihm gefällt?
Liebe Gemeinde, atmet mal durch, ich muss auch durchatmen, wie ich mich vorbereitet habe. Mein Gott, von meinem Fleisch fällt das schwer. Aber ich bitte dich von ganzem Herzen durch den Heiligen Geist: Schenke mir ein tiefes inneres Amen. Ja, Herr, du hast alle Rechte über mich. Ich glaube, wir singen das auch sogar in einem Chorus, der mich immer erzittern lässt, ob wir auch wirklich diese Haltung haben.
Kannst du mit Hiob sagen: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt? Gott schenke uns diese Demut. Dann werden deine Probleme bezüglich der Prädestinationslehre sich in Luft auflösen. Du brauchst ein richtiges Bild, eine richtige Erkenntnis, wer Gott ist und wer du bist. Das wird uns hier von Paulus nahegebracht.

Die doppelte Prädestination und ihr asymmetrischer Charakter

Dann spricht er auch weiter. Und das ist dann das, was wir eben auch akzeptieren, unter dem gleichen Gesichtspunkt. Vers 21 bis 23: Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen? Wenn nun aber Gott, da er seinen Zorn erweisen und seine Macht offenbar machen wollte, mit großer Langmut die Gefäße des Zorns getragen hat, die zum Verderben zugerichtet sind, damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeige, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat?
Die Frage ist: Darf Gott das? Menschen zur Herrlichkeit zubereiten und Menschen zum Verderben zubereiten? Gefäße schaffen, die zur Barmherzigkeit bestimmt sind, und Gefäße schaffen, die zum Verderben bestimmt sind, wie wir in den Versen zuvor von Pharao gelesen haben. Vom Pharao sagt die Bibel: Dazu habe ich dich aufstehen lassen, dass ich an dir meine Macht erweise und dass mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde. So erbarmt sich Gott nun über wen er will, und verstockt, wen er will.
Das steht da so brutal in der Bibel. Wir sehen, dass die Bibel tatsächlich die sogenannte doppelte Prädestination lehrt: Erwählung und Verwerfung. So wie eine Münze immer eine zweite Seite hat, so auch die Auserwählung. Sind die einen zum Heil auserwählt, bleibt für die anderen nur die Verdammnis. Ähnlich wie Gott gesagt hat: Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich nicht geliebt, gehasst. Deshalb schreibt Paulus in unserem Text von Gefäßen des Zorns, die zum Verderben zugerichtet sind, und andererseits von Gefäßen der Barmherzigkeit, die Gott zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat.
Aber Achtung, liebe Gemeinde, diese doppelte Prädestination, versucht man mir jetzt ein wenig zu folgen, wir müssen Paulus, besser gesagt, folgen, diese doppelte Prädestination zeigt sich in der Bibel nicht symmetrisch, sondern asymmetrisch. Das besagt, dass Gott in der Erwählung der einen ganz und gar aktiv ist. Wenn Gott einen Menschen erwählt, dann setzt er alles ein. Er gibt seinen Sohn ans Kreuz und ringt danach mit aller seiner Kraft, um deine Seele zu erretten. Er ist aktiv in deinem Herz, er arbeitet daran, deinem Herzen Glauben zu vermitteln.
In der Verwerfung ist der Herr allerdings vergleichsweise kaum aktiv. Da bleibt er so gut wie passiv. Ihr erinnert euch an letzten Sonntag, da haben wir gehört: Die gesamte Menschheit steht nicht an der Pforte des Himmels und will dringend rein. Das hast du uns so schön einprägend vermittelt. Das Bild sah ich vor mir: für die ganze Welt, die ganze Menschheit, diese gute Menschheit. Sie will rein in den Himmel und drängt danach, und Gott, der macht einen Abwehrkampf, einige nimmt da die Sperre aus. Das ist nicht das Bild.
Die Bibel lehrt uns nicht, dass die Menschen alle dringend ins Himmelreich wollen. Im Gegenteil, sie zeigt uns, dass die Menschen alle von Gott weglaufen. Statt hineinzuwollen, streben sie alle weg. Es gibt auf dieser Erde seit Menschengedenken, seit sie da sind, nur weg von Gott. Der Erste, der weg wollte und sich versteckte, war Adam. Und seitdem verstecken sie sich alle, seitdem fliehen sie vor Gott.
Deshalb muss Gott hochgradig aktiv werden, um überhaupt Menschen im Himmel zu haben. Er greift in seinem unerklärlichen Erbarmen aktiv nach den Fliehenden, seinen Auserwählten. Hinsichtlich der anderen tut er gar nichts. Die lässt er einfach weiterlaufen, wie sie immer weggelaufen sind. Die gibt er dahin, die übergeht er und überlässt sie sich selbst, wie wir gelernt haben, schon im ersten Römerkapitel, 1. Vers 18-32. Da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie gehen alle in die Irre wie die Schafe.
Wir sehen hinsichtlich der Auserwählten, der weglaufenden Auserwählten, greift Gott ein und packt sie mit all seiner Liebe, um sie letzten Endes aus ihrer Verstocktheit zu erretten. Er ist um ihretwillen und um Christi willen aktiv, um sie von ihrem falschen Weg abzubringen. Aber hinsichtlich der Verworfenen hält Gott sich einfach zurück und lässt sie ihren selbstgewählten Weg in den Abgrund einfach weitergehen.
Wir machen nämlich einen Denkfehler, das kommt vom Humanismus, der uns Christen auch so beeinflussen will. Wir machen einen Denkfehler, wenn wir meinen, alle Menschen stünden zunächst neutral vor Gott, und er würde arme, unschuldige Menschen verstocken und in die Hölle werfen. Freunde, es gibt keinen einzigen armen, unschuldigen Menschen, dem etwas Ungerechtes von Gott widerfährt. Die Bibel lehrt uns, dass wir uns alle an den Sünden des gefallenen Adam beteiligt haben und wir somit alle schuldig vor Gott sind. Und wenn er niemanden erretten wollte, sondern alle Menschen in die Hölle bringen würde, wäre das nichts anderes als Recht und Gerechtigkeit.
Niemand ist im ewigen Feuer wegen der Prädestination, sondern er ist nur dort wegen seiner eigenen Schuld und Sünde. Das müssen wir lernen. Nur weil du selbst den Weg des Verderbens gewählt hast und ihn auch weitergehen willst, deswegen wirst du in der Verdammnis landen, nicht weil Gott dich aktiv dazu bestimmt hat, sondern du hast dich selbst dazu bestimmt.
Jemand hat treffend gesagt, im Himmel, das hat mir sehr gefallen, habe ich schwarz ausgedruckt, im Himmel sind nur solche, die ihn nicht verdient haben. Stimmt das? Im Himmel sind nur solche, die ihn nicht verdient haben, und in der Hölle sind nur solche, die sie verdient haben. An denen, die im Himmel sind, zeigt Gott seine große Gnade und Barmherzigkeit, und an denen, die in der Verdammnis sind, zeigt er seine große Gerechtigkeit.
Hier haben wir wieder etwas mit dem Wesen Gottes zu tun, weil Gott sich in diesen beiden seiner heiligen Wesensarten gleichermaßen verherrlichen will. Darum erwählt er nicht alle Menschen. Gottes Wesen ist barmherzig, und Gottes Wesen ist gerecht. Weil er seine überwältigende Gnade und Barmherzigkeit erweisen will, darum erwählt er Menschen zum ewigen Leben. Weil aber auch Gerechtigkeit zu seinem heiligen Wesen gehört, darum will er auch die nicht verbergen, sondern ebenfalls vor aller Welt bekunden und Menschen ihrem gerechten Urteil zuführen.
Die Bibel sagt in Psalm 89,15: Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste, Gnade und Treue gehen vor deinem Angesicht her. Gott ist nicht nur barmherzig, sondern auch gerecht. Beides gehört untrennbar zu seinem Wesen. Wenn du Gott siehst und ihn anhand der Bibel betrachtest, dann siehst du einen gerechten Gott und einen gnädigen Gott, und so wird er bleiben: gerecht und gnädig.
Wer von Gott verlangt, alle Menschen zu begnadigen, der verlangt von ihm, seine Gerechtigkeit aufzugeben. Der verlangt von ihm, sein göttliches Wesen aufzugeben. Das sehen wir ja auch im Kreuz: Gnade und Gerechtigkeit vereint. Das Kreuz ist ein Zeichen der Gnade für uns Menschen, aber zur gleichen Zeit auch ein Zeichen der Gerechtigkeit Gottes, des gerechten Zorns Gottes, den Jesus auf sich genommen hat.
Wenn Menschen sagen, dass es ungerecht ist, wenn Gott Menschen erwählt und andere nicht, dann sagen wir eigentlich: Er darf nicht so sein, wie er ist. Man fordert von ihm, dass er aufhört, gerecht zu sein. Und deswegen bleibt beides bestehen: in der Erwählung Gnade und in der Verwerfung Gnade, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.
Wir sehen also: Die doppelte Prädestination ist asymmetrisch. Gott rettet durch sein aktives Eingreifen frei und unverdient schuldige Menschen und erweist dadurch seine Gnade. Und auf der anderen Seite greift er nicht ein und überlässt schuldige Menschen sich selbst auf ihrem bösen Wege, um an ihnen seine Gerechtigkeit zu erweisen.

Verstockung als Rückzug Gottes und die ernste Warnung an den Menschen

Zum Schluss, ihr Lieben: Entschuldigt, es ist vielleicht auch nötig, dass wir uns ein bisschen Zeit nehmen. Ich will aber nicht überziehen. Wenn es nun doch heißt, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist, dann schließe ich auch.
Wenn es nun doch heißt, dass Gott verstockt, Vers 18, so erbarmt er sich nun über wen er will und verstockt wen er will. Wieso sagen wir, dass diese Verstockung nicht aktiv von Gott ausgeht, sondern passiv?
Da hat mir eine Illustration geholfen, von einem englischen reformierten Theologen. Er redet von einem Stück Land mit ursprünglich hartem Boden, auf dem in gewisser Weise die Sonne scheint. Nun aber wird es Winter, das heißt, die Sonne zieht sich zurück. Und der Boden wird immer härter. Das erleben wir im Winter. Der Boden ist ohnehin schon ziemlich hart, auch im Sommer, aber wenn die Sonne sich zurückzieht und immer weniger scheint, verhärtet sich der Boden immer mehr. Er vereist sogar, er wird kalt, steinig.
Diese Aktivität der Sonne kann man auch ein Stück weit auf Gott übertragen, die Sonne der Gerechtigkeit. Die Sonne trägt zu der Verhärtung des Menschen tatsächlich bei, aber nicht dadurch, dass sie ihn aktiv verhärtet und verstockt, sondern sie zieht sich einfach zurück. Und sein hartes Herz wird immer, immer härter.
Was musste die Sonne tun, um den Boden zu verhärten, ihn zu verstocken? Sich zurückziehen. Und so ist es mit Gott und unserem menschlichen Herzen. Gott muss es nicht im Vollsinn des Wortes aktiv hart machen. Das menschliche Herz ist aufgrund seiner gefallenen, sündigen Natur bereits hart und steinig. Die Bibel sagt, dass die Menschen alle ein härteres Herz haben. Niemand kommt mit einem weichen, Gott zugeneigten Herzen auf die Welt. Wir sind böse von Jugend auf, und vom ersten Tag unserer Geburt sind wir verstockt.
Gott muss niemanden aktiv verstocken, indem er gegen den Glauben in deinem Leben arbeitet. Wir sind bereits alle verstockt. Aber was nun kommt, ist: Der Herr als die Sonne des Lebens zieht sich wunschgemäß immer weiter aus dem Leben des hartherzigen Sünders zurück. Die Folge: Sein Herz wird immer härter, immer kälter, eisiger und verstockter.
Gott macht gar nichts. Er trichtert ihm nicht aktiv Unglauben ein, wie er einem Begnadeten aktiv Glauben ins Herz gießt. Er versucht nicht, ihn aktiv zum Bösen zu machen. Nein, er gibt ihn einfach dahin. Die ursprüngliche, selbstgemachte Verstocktheit, mein Freund, sie ist dynamisch, sie ist exponentiell, sie vervielfältigt sich. Die Verstocktheit in deinem Herzen wuchert.
Das schreibt Paulus auch im Römerbrief. Wir müssen uns jetzt erinnern an all die Stellen, bei denen wir schon gewesen sind: Römer 2,5. Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes.
Ich hoffe nicht, dass Menschen hier heute in unserer Mitte sind, die auf diesem Wege der immer weitergehenden Verstockung und Verblendung sind. Es ist unglaublich traurig, sowas mit Pharao. So war es mit Nebukadnezar, den Gott nachher gerettet und eingegriffen hat. So war es auch mit Saulus von Tarsus. Immer weiter, immer mehr, immer mehr Hass, immer mehr Feindschaft, immer mehr Unglaube.
Mein Freund, auf welchem Wege bist du? Weißt du, dass du so immer mehr verstockt bist? Das liegt daran, dass Gott dich immer mehr aus deinem Leben zurückzieht. Tragisch ist das.
Möge diese Botschaft des Paulus uns aufwecken: So erbarmt Gott sich, wessen er will, und verstockt, wen er will, auf diese vom Kontext der Bibel her beschriebene Weise. Deine Verblendung ist die Folge davon, dass Gott sich nicht mehr um dich kümmert. Das ist das Schlimmste. Sich nicht mehr um das Leben eines Menschen zu kümmern, das ist das Elendeste, was einem Menschen passieren kann.
Eine kleine Rente, Krebs, eine feuchte Wohnung, ein schlechter Chef und all diese Sachen sind Pipifax. Aber wenn Gott sich nicht mehr um deine Seele kümmert, weil er dich in deiner selbstgemachten Verstocktheit belässt, dann ist die Katastrophe da. Möge dich das aufrütteln.
Von Pharao sagt die Bibel einmal, dass er sich selbst verstockte, und sie sagt auch, dass Gott ihn verhärtete. Er ließ den Machthaber in seiner Gottlosigkeit gewähren, und das führte zu immer größerer Verblendung. Unvermesslichkeit. Gott sitzt im Himmel und lacht, das steht auch in der Bibel. Gott sagt Ja zu dem selbstgewählten wilden Weg des Königs und sieht in ihm ein passendes Objekt, an dem er seine Macht und Gerechtigkeit erweisen will.
Armer Pharao, hast du nicht gehört? Wenn du doch wüsstest: Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Zunächst fühlt sich das sehr süß an. Denn Gott erfüllt dir alle deine Wünsche, und dir geht es gut in deiner Gottlosigkeit. Er gibt dir Macht und Reichtum, Geld, Erfolg, Ehre, alles, und sagt dir alles, was du hören willst. Er sendet dir, wie es einmal in 2. Thessalonicher 2 heißt, es sind umwerfende, erschütternde Worte, wunschgemäß kräftige Irrtümer, so dass du der Lüge glaubst. Damit alle gerichtet werden, die Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit hatten.
Gott liefert dich deiner eigenen Verwirrung aus. Das tut er nicht nur mit den ungerechten Machthabern dieser Welt. Wenn ich heute so sehe, wie sich Machthaber dieser Welt auch erdreisten, Kriege zu führen, Menschenblut ohne Ende zu vergießen, dann muss ich euch ehrlich sagen: Dann kommt Schrecken über mich. Was soll aus diesen Menschen werden, wenn sie eines Tages vor Gott stehen? Sie gehen von Verstocktheit zu Verstocktheit, und Gott gibt sie dahin.
Aber auch mit uns Normalverbrauchern, auch wir: Uns lässt Gott so, wie wir sind, und wir verstricken uns in immer größere Sünden, so dass Gott ihn bestimmt hat zum Gefäß seines Zorns, das zum Verderben zugerichtet ist.

Schlussgebet und Bitte um Erbarmen

Und meine Bitte, mein Gebet: Herr, erbarme Dich! Ich habe dieses Manuskript zu Ende geschrieben und bin tief erschüttert. Ich habe zu Gott geschrien.
Herr, erbarme Dich heute Morgen in unserer Versammlung. Erbarme Dich bei all den Menschen, die uns zuhören. Erbarme Dich und hol die Menschen aus ihrer Verhärtung heraus. Rette Seelen um deiner Güte, Gnade und Barmherzigkeit willen.
Gott segne dich, mein Freund. Komm, wie heißt es, das letzte Wort? Wie heißt es heute: Wenn du seine Stimme hörst, verstocke dein Herz nicht.
Lass uns miteinander aufstehen. Und ich möchte dich bitten, Christian, komm doch nach vorne und bete doch einfach, dass Gott unsere Herzen erweichen möge in seiner Gnade, dass er uns Barmherzigkeit und Gnade schenken möge. Bitte, und dann übernimmst du.
Ja, Vater im Himmel, wir stehen hier vor dir an diesem Morgen und sind erschüttert, auch über die Klarheit und die Wucht deines Wortes. Und wir wollen besonders für Menschen beten, die durch dein Wort heute Morgen erkennen, dass sie bisher auf verhärtetem Wege sind, in ihren eigenen Sünden verstockt und selbstgerecht, Gott ablehnend.
Das Herz des Pharao war verstockt, wir haben auch gehört, das Herz von Saulus war verstockt. Du hast nicht mit beiden gleich verfahren, sondern dem einen warst du gnädig. Und den anderen hast du sich selbst überlassen.
Unser Gebet heute Morgen ist, Herr, dass du über vielen, die verstockt sind, deine Gnade und Barmherzigkeit walten lässt, dass du sie von ihrem hohen Ross herunterholst, dass sie wie Saulus auf die Knie gehen und voller Erstaunen fragen: Wer bist du? Und dass du dann rufst: Ich bin Christus, den du verfolgst, den du ablehnst, den du bekämpfst mit deinen Sünden.
Aber danke, dass es diesen Aufruf gab, dass du aus diesem Saulus einen Paulus gemacht hast, ein Kind Gottes. Und du hast die Macht, dies auch mit solchen zu tun, die heute dieses Wort gehört haben. Für diese bete ich jetzt, Herr, dass du dein Werk der Rettung an ihren Herzen tust, dass du ihre Augen öffnest für ihre Verlorenheit und dass sie umkehren, Buße tun und sagen: Vater, vergib mir.
Ich danke dir, dass deine rettende Gnade weit reicht, dass sie grenzenlos ist und dass sie auch solche Hindernisse von stolzen Herzen überwinden kann. Darum bitten wir in Jesu Namen. Amen.