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Was ist der Sinn meines Lebens?

01.01.1964

Meine Freunde, ich war 40 Jahre lang Pfarrer in der Großstadt. Jedes Mal, wenn ich sonntags in der Kirche sagte: „Wir wollen beten“, falten alle Leute die Hände und senken den Kopf. Dann frage ich mich, ob sie wirklich alle beten oder ob sie nur so tun. Sprechen sie jetzt wirklich mit dem Herrn aller Herren?

Ich sage dann: „Wir wollen jetzt ein paar Sätze beten. Bleiben Sie sitzen, aber reden Sie mit dem Herzen. Wir werden still!“

„Herr, errette uns von einem sinnlosen Dasein. Lass Dein Wort uns den Weg zeigen zum Leben hier und dort! Amen!“

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Wir wollen uns heute miteinander über das Thema „Das Leben gewinnen“ unterhalten. Das übergeordnete Thema lautet „Vom Sinn des Lebens“.

Ich bin überzeugt, dass man das Leben gewonnen hat, wenn man den Sinn seines Lebens erkannt und erfüllt hat. Deshalb möchten wir heute Abend über die Frage sprechen: Was ist der Sinn meines Lebens? Wozu bin ich auf der Welt? Wozu bin ich eigentlich da?

Diese Frage unterscheidet den Menschen vom Tier. Eine Kuh fragt nicht: „Wozu bin ich da?“ Der Mensch hingegen stellt sich diese Frage. Und ein Mensch, der sich diese Frage nicht stellt – verzeihen Sie, dass ich so hart sage – gleicht mehr einer Kuh als einem Menschen.

Wozu bin ich auf der Welt?

Ich erzählte gestern Abend von einem jungen Studenten, der sich erschossen hat. Er war der Sohn eines reichen Vaters, ein Student, gesund und ohne große Probleme. Er hatte einen eigenen schönen Wagen, war ein hübscher Kerl und hatte alles, was man sich wünschen kann. Trotzdem nahm er sich das Leben und hinterließ einen Brief, in dem er schrieb: „Ich nehme mir das Leben, weil ich nicht einsehe, welchen Sinn es haben soll zu leben.“

Er hat erkannt, dass das eine furchtbar wichtige Frage ist. Wenn man keinen Sinn sieht, dann nimmt man sich das Leben.

Ich möchte Ihnen die Frage vorlegen, ob das nicht fast noch klüger ist, als überhaupt nicht darüber nachzudenken, wozu man da ist. Wozu bin ich auf der Welt?

Verschiedene Antworten auf die Lebensfrage

Als in Deutschland Hitler regierte, erhielt ich eines Tages von Studenten aus Münster, einer Universitätsstadt, eine Einladung. Ich sollte bei ihnen über das Thema „Wozu bin ich auf der Welt?“ sprechen.

Als ich ankam, waren viele hundert Studenten versammelt. Zu dieser Zeit war ich bei den Nazis nicht besonders beliebt, da ich kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Deshalb bekamen sie wohl etwas Angst und sagten, sie wollten lieber keinen Vortrag, sondern nur eine Diskussion.

„Okay“, sagte ich, „machen wir eine Diskussion.“ Ich warf die Frage in den Raum: „Meine Herren, wozu bin ich auf der Welt?“ und bat um Antworten.

Der erste meldete sich und hielt eine große Rede: „Ich bin auf der Welt für mein Volk, für mein Volk.“ Er sagte, das einzelne Blatt bedeute nichts, sondern nur der Baum. Der einzelne sei nur ein Blatt, das Volk aber der Baum. Er sei für sein Volk da. Nach seiner Rede fragte ich ihn: „Und wozu ist das Volk auf der Welt?“ Er antwortete: „Das weiß ich auch nicht.“ Da sagte ich: „Sehen Sie, Sie haben die Frage nur zurückgeschoben. Das ist keine Antwort.“

Der Zweite meldete sich und sagte: „Ich bin auf der Welt, um meine Pflicht zu tun. Ich bin überzeugt, viele Schweizer Männer würden mir so antworten.“ Ich fragte: „Ja, was ist denn meine Pflicht? Wer kann mir das sagen?“ In Deutschland gab es damals große Prozesse gegen vielfache Mörder, die immer dasselbe sagten: „Wir haben unsere Pflicht getan, weil es uns befohlen wurde.“ Glauben Sie, dass Pflicht bedeutet, Menschen umzubringen? Ja, sie hatten eine gemeinsame Pflicht. Aber wer sagt mir, was meine Pflicht ist?

Ich kenne ein junges Mädchen, das eifrig in ihrem Beruf als Gemeindehelferin war. Dann bekam sie Multiple Sklerose und ist jetzt völlig gelähmt. Wozu ist sie auf der Welt? Um ihre Pflicht zu tun? Was soll das sein, wenn sie ihre Pflicht nicht mehr erfüllen kann? Verstehen Sie, das ist keine Antwort.

Mir hatte mal ein höherer Beamter gesagt: „Herr Pfarrer, ganz ehrlich, ich bearbeite den ganzen Tag Akten, aber ich sage selbst, wenn die Häuser brennen, geht die Welt auch weiter. Es ist furchtbar viel Leerlauf.“ Da sagte ich erschrocken: „Ihre Pflicht ist also, dummes Zeug zu tun.“ Er antwortete: „So würde ich es nicht gerade ausdrücken, aber so könnte man es ausdrücken.“ Verstehen Sie, was ist Pflicht? Was bedeutet das? Auch hier wird die Frage nur zurückgeschoben.

Dann entstand eine Verlegenheit unter den Studenten. Einer meldete sich und sagte: „Ich bin adelig, ich kann meine Vorfahren bis zu zehn, zwölf oder fünfzehn Generationen zurückverfolgen. Ist es nicht wichtig, dass ich diese Reihe fortsetze?“ Ich antwortete: „Wenn du nicht weißt, wozu du auf der Welt bist und wozu die zehn Generationen vor dir auf der Welt waren, dann lohnt es sich auch nicht, die Reihe fortzusetzen.“ Das war wieder keine Antwort. Verstehen Sie?

Mir wurde klar, dass die Menschen spüren, ich müsste eine Antwort auf die Frage „Wozu bin ich auf der Welt?“ haben. Aber sie geben sich Antworten, die einen beruhigen, wenn man nicht nachdenkt, die aber keine gültigen Antworten sind.

Einer stand auf und sagte: „Ich will Arzt werden, Mediziner, ich will Menschenleben retten. Ist das nicht eine schöne Lebensaufgabe?“ Ich antwortete: „Wenn du nicht weißt, wozu der Mensch auf der Welt ist, dann lohnt es sich doch nicht, das Leben zu retten. Vielleicht, wenn es sinnlos wäre, gibst du ihm besser eine Spritze. Wenn ich Menschenleben retten will, muss ich doch wissen, wozu der Mensch da ist.“ Sehen Sie, das sind vorläufige Antworten, die die Frage nur zurückschieben.

Ein anderer sagte die simpelste und doch meistgenannte Antwort: „Ich bin auf der Welt, um zu arbeiten.“ Dann dachte ich an so viele Todesanzeigen in unserer Zeitung, wo oben steht: „Nur Arbeit war dein Leben, nie dachtest du an dich, nur für die Deinen streben war deine höchste Pflicht.“ Da muss ich immer denken, das ist eine Todesanzeige für ein Pferd, nicht für einen Menschen. Ein Pferd ist da, um zu arbeiten. Aber glauben Sie wirklich, dass wir nur wie Pferde da sind, um zu arbeiten? Und wenn die Arbeit sinnlos ist, wozu tun wir sie dann? Man müsste doch erst wissen, welchen Sinn die Arbeit für uns hat.

Es gibt Hunderte von Männern in Westdeutschland, die sagen: „Ich bin da von morgens bis abends, um Geld zu machen.“ Und dann sterben sie und hinterlassen ihren Kindern ein großes Bankguthaben, das diese dann wieder verschleudern können. Hat das Sinn gehabt?

Man könnte noch lange so weitermachen. Sehen Sie, wie ich mit den Studenten in Münster gesprochen habe. Ich hoffe, es war natürlich ausführlicher. Es sollte deutlich werden, dass alle Antworten so vorläufig sind.

Dann stand einer auf und sagte: „Dann wollen wir es ruhig zugeben: Das Leben ist ganz sinnlos. Wir sind Zufallsprodukte durch eine lange Entwicklung, vom einzelnen Lebewesen bis zum Menschen entwickelt, aber ein Sinn ist nicht dahinter.“ Und dann hielt er eine Rede: „Bleibt nur eins übrig: Leben genießen.“

Ich fragte: „Was heißt das?“ Und dann kam es: Alkohol und Liebe, nicht das, was man wirklich Liebe nennt. „Sprechen wir morgen darüber.“ – „Ja, sprechen wir morgen darüber.“

Dann sagte ich ihm: „Du bist der Ansicht, dass das Leben keinen Sinn hat, dass wir Zufallsprodukte sind. Aber mein Lieber, wenn es doch einen Sinn gegeben hätte und du nur einmal hier auf der Welt lebst?“

Als ich in die Schule ging, habe ich manchmal meine Arbeit verpatzt. Der Lehrer strich dann mit roter Farbe die Fehler an. Ich habe das Heft weggeschmissen und ein neues gekauft, das so schön war. So denke ich oft: Es wäre schön, wenn man im Sterben liegt, merkt, wie vieles verkehrt war, und sich noch einmal ein Leben kaufen könnte. Aber das geht nicht. Ich habe nur einmal die Chance.

Junger Mann, du hast nur einmal die Chance, hier auf der Erde zu leben. Es hätte Sinn gehabt, und ich habe ihn verfehlt.

In der Bibel steht: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht Gottes.“ (Hebräer 9,27) Und dann komme ich an und mein Leben war verspielt.

Mancher sagt mir: „Ich glaube nicht an Auferstehung und Gericht.“ Dann antworte ich: „Das macht nichts. Wir können ja abwarten, ob du Recht hast oder die Bibel. In hundert Jahren sind wir alle tot, dann wissen wir, wer Recht hat.“

Wir können abwarten, ob Gottes Wort die Wahrheit sagt: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht Gottes.“ Es ist eine schlimme Sache, wenn ich den Sinn meines Lebens verpasst habe.

Die einzige verlässliche Antwort auf die Lebensfrage

Das war das Erste. Die Frage ist also wichtig.

Als Nächstes müssen wir fragen: Wer kann uns eine Antwort auf die Frage geben, wozu ich auf der Welt bin? Kein Philosoph, keine Kirche. Es gibt nur einen einzigen, der uns sagen könnte, wozu wir auf der Welt sind – nämlich der, der uns geschaffen hat, der lebendige Gott.

Ich kam einmal bei meinen Hausbesuchen in Essen in eine Wohnung. Dort war ein junger Mann, der ein Bastler war. Er hatte ein Gewirr von Drähten, Lampen und allerlei Geschichten aufgebaut. „Oh Mann“, sagte ich, „was soll das denn werden?“ Er antwortete: „Wenn es fertig ist, wird es ein Fernsehapparat. Den bastle ich mir selbst.“

Da dachte ich: Kein Mensch könnte sagen, wozu das da ist, außer derjenige, der es selbst bastelt. So kann nur der Schöpfer unseres Lebens uns sagen, wozu er uns geschaffen hat. Nur Gott!

Es gibt Männer und Frauen, die gähnen, wenn ich Gott sage. Meine Freunde, es gibt keine Antwort auf unsere Lebensfragen außer der vom lebendigen Gott. Er muss uns sagen, wozu wir auf der Welt sind.

Der Glaube an Gott in einer gottvergessenen Welt

Und nun muss ich einen kleinen Einschub machen, gewissermaßen einen Moment innehalten für fünf oder zehn Minuten und mein Thema kurz verlassen. Ich komme wieder darauf zurück. Wer sehr müde ist, darf in dieser Zeit gerne ein bisschen schlafen.

Sehen Sie, Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage: Nur Gott kann mir sagen, wozu ich auf der Welt bin. Jetzt habe ich ganz selbstverständlich das Wort „Gott“ gesagt. Aber wir leben in einer Welt, in der es gar nicht mehr selbstverständlich ist, dass man weiß, ob ein Schöpfer des Himmels und der Erde überhaupt existiert.

Neulich sprach ich mit ein paar Freunden in Erlenbach über ein Buch, das weltweit gelesen wird, von einem Bischof Robinson. Es heißt „Gott ist anders“. Dort sagt er, Gott sei die Tiefe des Daseins. Nein, nein, nein! Gott ist in der Höhe und im Heiligtum. Gott erfüllt alles und ist das Du, das mir gegenübersteht – nicht das Schicksal, nicht die Vorsehung und nicht die Tiefe, sondern der.

Wir leben in einer Welt, in der Gott nicht mehr selbstverständlich ist. Ich war einmal in der DDR, in der Ostzone, also in dem Teil Deutschlands, der kommunistisch war, zu solchen Vorträgen. Dort ist das viel aufregender in einem Staat, der offiziell atheistisch ist und in dem die Kinder in der Schule lernen, dass es keinen Gott gibt.

Gerade in den Tagen, als ich dort war, war der erste Sputnik ins Weltall abgeschossen worden. Die Zeitungen waren voll mit Berichten darüber: „Wir sind ins Weltall vorgestoßen.“ Und es gab ein Gedicht mit den Worten: „Wenn ein Gott da gewesen wäre, hätte unser Sputnik ihn an den Kopf getroffen, und er wäre tot heruntergefallen.“ Aber es war eben kein Gott da.

Als die Ersten den Weltraum in so einer Kapsel durchquerten, sagten sie später: „Wir haben uns umgeschaut, wir haben keinen Gott gesehen.“ Damals, als dieser erste Sputnik also in den Himmel aufstieg, hielt ich abends einen Vortrag. Ich sagte: „Liebe Leute, wir leben in der dreidimensionalen sichtbaren Welt. Wenn ich in den Weltraum vordringe – tausend Kilometer, fünftausend, hunderttausend – bin ich immer noch in der sichtbaren dreidimensionalen Welt. Dort bin ich genauso fern und genauso nah bei Gott wie hier.“

Gott ist, um es mal mit der Sprache der modernen Physik auszudrücken, in einer anderen Dimension. Die Bibel sagt: „Wo soll ich hingehen vor deinem Geist, und wo soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, bist du da; fahre ich in die Tiefe, bist du auch da. Nehme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich deine Hand führen.“ So heißt es im Psalm 139.

Ich las einmal eine nette Geschichte, die bestimmt erfunden ist, aber sie ist schön: Da sitzt ein Junge am Meer, und ein Professor kommt vorbei. Der Professor fragt den Jungen: „Was machst du?“ Der Junge antwortet: „Ich denke nach.“ Der Professor fragt weiter: „Worüber denkst du nach?“ Der Junge sagt: „Ich denke über Gott nach.“ Daraufhin zieht der Professor einen Apfel hervor und sagt: „Den bekommst du, wenn du mir sagst, wo Gott ist.“ Der Junge zieht zwei Äpfel heraus und sagt: „Die bekommen Sie, wenn Sie mir sagen, wo Gott nicht ist.“

Sehen Sie, jemand fragte mich einmal: Wenn Gott so da ist, handbreit neben uns, und ich ihn nicht sehe, und ich stoße ins Leere – wie finde ich ihn? Wie finde ich ihn, wenn ich überall ins Leere stoße? Dann habe ich gesagt: Ich will ihm mal etwas erzählen.

Stellen Sie sich vor, durch eine Verschiebung in den Kulissen des Welttheaters geschah es, dass ich in den ersten Tagen nach der Weltschöpfung durch das Paradies ging. Dort sah ich hinter einem Gebüsch Adam – so, wie Jesus im Spiegel geschrieben wird, was ein furchtbarer Unsinn ist. Aber da wurde mir doch deutlich, wie unsere Zeit wittert. Wir sind zu leer, wir haben nichts mehr. Was soll man ernst nehmen?

Jesus da wäre es, richtig. Aber dann sollte man sich wirklich an Jesus orientieren und begreifen, dass er nicht irgendwer ist – kein Religionsstifter oder so ein Heiliger –, sondern von Gott gekommen ist, um Sünder zu erretten. Dazu gehöre ich, und das hat er getan. Und das möchte er auch an Ihnen tun. Wie viele ihn aufnahmen, machte er zu Gottes Kindern.

Die Ablehnung Gottes in der modernen Welt

Ich muss nun schließen, aber lassen Sie mich zum Schluss noch ein kleines Beispiel anführen.

Neulich habe ich einen Bericht über den Krieg von Stalingrad gelesen. Mein Nachfolger, ein junger Pfarrer in Essen, machte mich auf dieses Buch aufmerksam. Darin wird ein erschütternder Bericht erzählt, wie Menschen im Kessel von Stalingrad, von dem wir heute Abend sprechen, tausend Frankenscheine verteilt bekommen haben. Was meinen Sie, wie groß und voll die Kirche wäre, wenn wir sie heute Abend darüber informieren würden?

Aber die Leute wissen: Wenn von Gott geredet wird, sagen sie oft: „Oh, schauen wir lieber das Fernsehen an.“ Verstehen Sie, man leugnet Gott nicht, aber man gehört ihm auch nicht. Man lässt diese Frage einfach liegen. Einer ihrer bekannten Schweizer Ärzte, Doktor Bovet, hat gesagt: „Ungelöste Lebensfragen machen den Menschen krank.“ Sie führen zu Komplexen. Und die Welt ist krank an Gott. Sie gehört ihm nicht, sie läuft ihm nicht nach, sondern lässt die Frage offen. Die wichtigste Frage wird nicht gelöst, und deshalb ist man krank an Gott.

Nun könnte jemand aufstehen und sagen: „Pfarrer Busch, weißt du denn hundertprozentig, dass Gott lebt?“ Da antworte ich: „Ich weiß es hundertprozentig. Und wenn es möglich wäre, würde ich es hundertzwanzigprozentig wissen.“ Wenn Sie mich fragen, woher ich das weiß, sage ich: „Weil er sich in Jesus offenbart hat.“ In Jesus, seinem Sohn, ist Gott zu uns gekommen. Seit Jesus da ist, stellt sich die Frage: Ist Gottes Leugnung Unwissenheit oder böser Wille?

So, das war ein Einschub. Jetzt kehren wir zurück zur Frage: Wozu bin ich auf der Welt? Alles wacht wieder auf, alles ist wieder da.

Die Antwort Gottes auf die Lebensfrage

Ich sagte, nur Gott kann uns selbst die Antwort darauf geben, wozu er uns erschaffen hat. Und sehen Sie, das ist eine wundervolle Sache: Die Bibel gibt mir auf diese wichtige Frage eine klare Antwort.

Wozu hat mich Gott geschaffen? Damit ich sein Kind werde, damit ich ein Kind des lebendigen Gottes bin und es auch weiß. Die Bibel sagt, Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

Sehen Sie, wenn ein Vater einen Sohn hat, dann möchte er in seinem Sohn gern sein Ebenbild wiederfinden, nicht wahr? Er möchte das Du haben, mit dem er sich ganz versteht. So schuf Gott den Menschen, damit er das Du sich gegenüber hat – seine Kinder, wissen Sie das?

Sie sind auf der Welt, um Gottes Kinder zu werden. Wer eine bessere oder andere Antwort weiß, soll sie mir sagen. Es gibt keine andere. Das ist die Antwort Gottes.

Wenn mir jemand sagt, er interessiert sich nicht für Religion, antworte ich: Ich auch nicht. Aber ich interessiere mich dafür, wozu ich auf der Welt bin. Und da sagt mir die Bibel: Du bist auf der Welt, um Gottes Sohn gegenüberzustehen.

Die Realität der menschlichen Natur

Nun könnte ich hier aufhören, aber ich kann es noch nicht. Sie müssen mir schon noch ein bisschen zuhören, denn jetzt kommt die Schwierigkeit.

Als Nächstes muss ich Ihnen sagen: Von Natur sind wir nicht Gottes Kinder. Das wissen die meisten Leute nicht.

Ich muss Ihnen noch eine letzte Geschichte erzählen. Ich hatte einmal in einer schönen Schweizer Stadt solche Vorträge gehalten. Dort sangen verschiedene Chöre. Auch ein Jodlerklub in ihren Trachten trat auf. Sie sangen wunderschön, ihre Stimmen klangen wie die Engel. Ich weiß nicht, ob die Engel jodeln, aber wenn sie es tun, dann so, nicht wahr? Wunderschön!

Dann sangen sie ein Lied, und am Schluss hieß es: „Wir Schweizer sind des Herrgottes liebste Kinder.“ Da war ich doch erschrocken. Ich dachte: Nein, selbst die Schweizer, die von Gott reich gesegnet sind, mit hundert Jahren Frieden und so einem schönen Land, sind von Natur nicht Gottes Kinder, erst recht nicht Gottes liebste Kinder.

Ich möchte, ich könnte Ihnen sagen, die Schweizer seien des Herrn Gottes liebste Kinder, so gutmütig wie ich als Deutscher es gerne hätte. Aber es ist nicht wahr.

Sehen Sie, die Bibel sagt da harte Worte. Ich glaube, die Bibel ist das wahrhaftigste Buch. Sie sagt, dass Gott den Adam hinaustrieb. Er ist draußen, und wir sind von Natur draußen.

Die Bibel sagt, wir sind von Natur Kinder des Zornes Gottes. Ich kann Ihnen nur sagen, was die Bibel sagt.

In einer Welt, in der der Teufel der Gott der Welt ist, so sagt die Bibel, ist das der größte Augenblick des Erwachens im Leben eines Menschen, wenn er zu sich kommt und sagt: Ich bin kein Kind Gottes, ich bin draußen, ich bin auf dem Weg zur Hölle.

Sie fragen mich: Gibt es eine Hölle? Dann sage ich: Natürlich. Nicht so, wie es in Märchen steht, mit Feuerchen und so. Sondern die Hölle ist der Ort, an dem man den lebendigen Gott für ewig verliert. Dort schaut Gott nicht mehr hin, man ist alleingelassen, man kann nicht mehr beten, und kein Evangelium erreicht diesen Ort.

Aber nur Fluch, nicht Sexualität, und die Menschen wie Raubtiere – das ist die Hölle!

Wenn mir jemand sagt: Ich will keinen Frieden mit Gott, dann sage ich: Du brauchst nicht. Du darfst weiterlaufen, und wenn du stirbst, gehst du dorthin, wo dich Gott nicht mehr ruft. Das ist die Hölle!

Und die Bibel sagt: So sind wir von Natur!

Und jetzt wiederhole ich noch einmal: Das ist der größte Augenblick im Leben eines Menschen, wenn er zu sich kommt und merkt, wo er steht.

Das Erwachen zum Bewusstsein der eigenen Lage

Erlauben Sie mir, dies persönlich zu sagen, denn ich kann es nicht anders ausdrücken. Es ist nicht wichtig, nur eine bloße Handlung.

Ich war im Ersten Weltkrieg als junger Offizier fern von Gott. Ich war überzeugt, ein großartiger Bursche zu sein – mit neunzehn Jahren Batteriechef im Krieg. Dann kam der Moment, als ein Freund neben mir plötzlich tot war, während wir sprachen. In diesem Augenblick fragte ich mich: Wo ist er jetzt?

Ich brauchte keinen Pfarrer oder sonst jemanden, denn ich wusste, er steht jetzt vor Gott. Und ich dachte: Wenn ich jetzt den nächsten Schuss in den Kopf bekomme, dann stehe auch ich vor Gott – und das konnte ich nicht.

Ich hatte nicht geliebt, ich hatte gelogen, ich war unrein, ich hatte gehasst. Ich war verloren. Da kam ich zu mir und erkannte: Ich bin kein Kind Gottes, sondern das Gegenteil.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie dieses Erwachen erleben, bei dem Sie aus Ihrer Sicherheit herausfallen und Angst vor Gott bekommen.

Nach einem solchen Vortrag, der in einer württembergischen Stadt stattfand, traf meine Schwester am nächsten Morgen eine vornehme Dame. Die Dame sagte: „Ich war bei Ihrem Bruder in dem Vortrag, da gehe ich nicht mehr hin.“

Meine Schwester fragte: „Warum nicht?“

Die Dame antwortete: „Wissen Sie, ich nehme abends immer eine Schlafpille, aber gestern Abend habe ich zwei gebraucht, so sehr hat mich das aufgeregt.“

Darüber habe ich mich gefreut. Ich bitte Sie: Betäuben Sie sich nicht mit Schlafmitteln. Gott ist die ganz große Wirklichkeit. Unser Leben ist verspielt, wenn wir nicht Kinder Gottes sind – und das sind wir von Natur aus nicht.

Und selbst wenn Sie noch so gut und tüchtig sind, sind Sie nicht von Natur aus Gottes Kind.

Die Notwendigkeit der inneren Erneuerung

Oh, das war eine schreckliche Zeit, als ich damals aufwachte. Wir kamen in eine Ruhestellung hinter der Front.

Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich durch einen schönen Frühlingswald ritt. Es war so schön, der Frühling blühte, und man war für eine Weile aus der Gefahr. Ich hatte ein schönes Pferd. Dennoch konnte ich mich nicht freuen, weil ich dachte: „Mann, du bist verloren, wenn sich dein Leben nicht ändert.“

Aber wie sollte das geschehen? Dann begann ich ganz nüchtern zu überlegen. Ich sagte mir: Wenn ich ein Kind Gottes werden soll, dann müssen erstens meine bisherigen Sünden ausradiert werden. Wie ist das möglich? Ich kann doch kein böses Wort zurücknehmen, ich kann keinen schmutzigen Gedanken ungeschehen machen. Meine Sünden müssten ausradiert werden.

Zweitens müsste ich ein neues Herz bekommen, denn ich habe das alte Leben gern. Diese zwei Dinge müssten geschehen, damit ich ein Kind Gottes werde. Das Alte muss liquidiert werden, und ich muss eine innere Veränderung erfahren.

Doch ich hatte keine Ahnung, wie das gehen sollte. Es dauerte nicht lange, da hatte Gott Erbarmen mit mir und zeigte mir, wie das vor sich geht.

Die Botschaft von neuem Leben durch Jesus Christus

Und das ist es, was ich Ihnen mitteilen möchte: die Botschaft von einem neuen Leben und wie man ein Kind Gottes wird. Wir können uns nicht selbst zu Kindern Gottes machen. Aber Gott hat die Schranke zerbrochen, die uns von ihm trennt, und hat seinen Sohn geschickt, den Herrn Jesus.

Wissen Sie, welche ungeheure Bedeutung Jesus für Sie hat? Junger Mann, sagen Sie mal im Kreis von jungen Leuten „Jesus“, dann lachen sie oft und sagen, das sei dumm. Diese Dummheit ist eine der größten Weltmächte, viel mächtiger als Amerika und Russland zusammen, weil die Menschen nicht ahnen, welche ungeheure Bedeutung Jesus hat.

Gott hat den Herrn Jesus geschickt, damit wir Kinder Gottes werden können. Jesus kann tatsächlich meine Vergangenheit auslöschen. Dafür ist er gestorben. Ich muss ihn, wie jeden Abend, das Kreuz Jesu vor die Augen malen.

Gehen Sie mit mir zum Hügel Golgatha. Dort ist der angenagelte Sohn Gottes, mit der Dornenkrone auf seinem Haupt, so lächerlich. Du edles Angesicht, vor dem das Reich der Welt erschrickt und zugrunde geht – wie bist du so entstellt?

Wissen Sie, dass er dort für Sie gestorben ist? Wissen Sie, was der Herr Jesus in den letzten fünf Minuten seines Sterbens gedacht hat? In diesen letzten Minuten hat er sich für die Vergebung der Sünden hingegeben. Oder sagen Sie weiter: „Ich brauche das nicht.“ Er hat auch an mich gedacht, als er sein Werk vollbracht hat. Das ist kaum zu fassen. Er hat an mich gedacht – an mich, der er doch Gott ist.

Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. Packen Sie Ihre alte Schuld aus, sagen Sie nicht: „Ich bin sündlos.“ Bekennen Sie sie Jesus und sagen Sie: „Herr, ich lege sie unter dein Kreuz.“ Dann schauen Sie auf und sagen: „Für mich quillt sein teures Blut.“ Das glaube und fasse ich. Es macht auch meinen Schaden wieder gut, denn Jesus starb für mich.

Jesus schenkt uns ein neues Herz und einen neuen Geist. Wissen Sie, er ist auferstanden. Er blieb nicht im Tod, sondern kam aus dem Grab heraus. Ich habe einen lebendigen Heiland, und den kann ich bitten: „Gib mir deinen Geist!“ Und er gibt mir einen neuen Geist.

Dann denkt man anders. Dinge, die man vorher geliebt hat, fürchtet man plötzlich. Und Dinge, vor denen man früher Angst hatte, liebt man. Man bricht mit alten Menschen und findet neue Freunde. Es gibt eine große Revolution im Leben durch den Geist Jesu.

Dieser Jesus ist gekommen, um uns zu Kindern Gottes zu machen. Und wenn wir Kinder Gottes sind, dann ist der Sinn unseres Lebens erfüllt.

Die Einladung, Kinder Gottes zu werden

Jetzt möchte ich Ihnen ein Bibelwort sagen, das ich Ihnen regelrecht einhämmern möchte – wenn man es mit einem Hammer einhämmern könnte.

In Johannes 1 steht: „Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Kinder Gottes zu heißen.“

Da sagen manche: „Ach, ich kann das nicht glauben.“ Nehmen Sie Jesus auf! Ja, es gibt viele Fragen, die noch zu klären sind. Ja, es gibt noch viele Fragen zu lösen. Aber nehmen Sie zuerst Jesus auf!

Sie können heute Abend noch ein Kind Gottes werden, wenn Sie Jesus, den Sünderheiler, den Lebendigen, aufnehmen. Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu heißen.

Meine Freunde, sehen Sie, ich möchte mit glühenden Zungen reden können. Ich weiß, dass das so wichtig, so herrlich und so groß ist, dass unser Reden nur ein Gestammel davon ist.

Aber ich möchte Ihnen wünschen, dass der Heilige Geist Ihr Gewissen anrührt, sodass Sie sagen: „Ich kann nicht mehr so sinnlos weiterleben. Ich muss ein Kind Gottes werden. Herr Jesus, nun möchte ich dich aufnehmen.“

Das Beispiel Maria Magdalenas als Zeichen der Errettung

Ich möchte Ihnen zum Schluss noch eine kleine Geschichte aus der Bibel erzählen. Da war eine Frau, die ganz ohne Gott in der Welt lebte. Ich glaube, dass sie ein ziemlich zügelloses Leben führte. Die Bibel sagt, dass der Herr Jesus von ihr sieben Teufel ausgetrieben hatte. Das ist ein geheimnisvolles Wort, aber wer sich selbst kennt, weiß, wie die Teufel in uns wohnen können.

Jesus kam und errettete dieses sinnlose Leben. Nun folgte sie ihm, und er wurde der Inhalt ihres Lebens. So ist es, wenn Jesus kommt: Es ist ein großes Ereignis. Dann erlebt sie, dass dieser Herr Jesus gekreuzigt und ins Grab gelegt wird. Da bricht ihr eine Welt zusammen – Maria Magdalena, die Maria aus Magdala, ihr Leben zerbricht.

Jetzt ist er nicht mehr da. Die alte Sinnlosigkeit beginnt wieder. Man betäubt sich mit Erotik oder Arbeit. Und genau weiß sie, dass alles so sinnlos ist. Eines schönen Morgens denkt sie: Ich gehe wenigstens zum Grab. Als sie hinkommt, ist das Felsengrab aufgerissen und leer. Nun hat sie nicht einmal mehr ein Grab, um Blümchen darauf zu legen.

Sie kniet im Gras und weint, weil ihr Leben sinnlos geworden ist. An ihr wird mir so deutlich, wie sinnlos das Leben ist, wenn man nicht Kind Gottes ist. Natürlich kann sie alles tun, was sie früher tat, aber es bleibt sinnlos. Da weint sie, hört Schritte und denkt, es sei der Gärtner. Sie fragt nur: "Wo hast du den Leichnam weggenommen?"

Da sagt der Mann hinter ihr: "Maria." Und sie erkennt die Stimme des auferstandenen Heilandes. Sie fährt herum, sieht ihn und weiß im Augenblick: Jetzt nimmt er mein Leben wieder in die Hand, und es ist nicht mehr sinnlos. So geht das errettete Leben weiter.

Später lernte sie, dass die größte Errettung durch das Kreuz geschehen ist. Ich wünsche Ihnen von Herzen, meine Freunde, dass Sie die Stimme des Heilandes hören – Karl, Siegfried, Maria oder wie Sie heißen – und dass Sie ihn aufnehmen und Kinder des erhabenen Gottes werden.

Nun lassen Sie uns noch einen Vers singen aus dem angefangenen Lied 258, den vierten Vers.