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Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben

Psalm 34,19

Ein Leben im Zeichen eines einzigen Themas

Doch der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochene Herzen haben, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt besitzen. Herr, heilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

So beginnt dieses Textwort. Wenn man mich fragt, was ich in den vierzig Jahren meines Amts in Essen getan und gewollt habe, dann sage ich: Ich wollte, dass dieser Herr verkündigt und bekannt wird, wirklich sonst nichts. Ich hatte eigentlich nur ein Thema: diesen Herrn.

Ich stehe da mit dieser Einseitigkeit, wie es in einer guten Gesellschaft üblich ist. Der große Apostel Paulus hat gesagt, dass er nichts unter euch wüsste als Jesus, den Gekreuzigten. Ich weiß, die Kirche soll soziale, kulturelle und politische Aufgaben übernehmen, nicht wahr? Das wurde mir als Pfarrer oft vorgehalten. Doch ich konnte nicht anders, als diesen Herrn zu predigen und zu sagen: Ich wüsste nichts unter euch als Jesus, den Gekreuzigten.

Auch David, Sie können seine Psalmen lesen, hatte diesen Herrn. Er hatte ein Trompetchen, den Herrn. David hatte einen Sohn, Salomo. Von Salomo heißt es in der Bibel, dass er dreitausend Sprüche redete. Er sprach von Bäumen, von der Zeder auf dem Libanon bis zum Isop, der aus der Wand wächst. Er redete von Vieh, von Vögeln, von Gewürmen und von Fischen. Das war ein moderner Mann, der über alles reden konnte. Er hätte in unsere Zeit gepasst, nicht wahr? Er konnte über alles und jedes reden und diskutieren – und nicht einmal schlecht. Denn heute reden wir meistens über alles ohne Heiligen Geist, während Salomo mit dem Heiligen Geist über alles sprach.

Aber sehen Sie, sein Vater war anders. David hatte ein Thema. Er redete nicht von Fischen, Gewürm, Vögeln und Isop, der aus der Wand wächst, sondern von diesem Herrn. Und diesem schließe ich mich jetzt an.

Liebe Freunde, sollte nicht ernsthaft dieser Herr das Thema unseres Lebens sein? Sehen Sie, in hundert Jahren sind wir alle tot. Dann ist hier niemand mehr, und wir stehen alle gemeinsam vor Gott. All die Probleme, die Sie heute quälen – von Währungsverfall über Bergbau, Kohlenabsatz, Leerstelle und vieles mehr – all diese Probleme sind dann passé und vorbei.

In hundert Jahren sind wir alle in der Ewigkeit vor Gott. Und dann haben wir nur noch eine große Frage: Bin ich sein Eigentum? Stehe ich im Buch des Lebens? Sollten wir unter diesen Umständen diesen Herrn Jesus heute nicht schon zum Mittelpunkt unseres Lebens machen?

Denn ich muss sagen: Der Herr, von dem hier die Rede ist, ist kein nebuloser Herrgott. Wenn ich das schon höre – Herrgott – dieser Name kommt in der ganzen Bibel nicht vor. Dieser Herr ist der geoffenbarte Gott, Jesus Christus.

Wir sprachen letzten Sonntag ausführlich darüber, dass Petrus in der Pfingstpredigt sagt, dass David als Prophet den Herrn Jesus am Kreuz und in der Auferstehung gesehen habe. Und dass er von diesem Herrn redet, von Jesus – dem Thema seines Lebens.

Die zentrale Botschaft des Glaubens

Nun könnten Sie natürlich denken: Wenn jemand Jesus zum Mittelpunkt seines Lebens macht, muss er entweder Pastor sein, der es sich leisten kann, oder ein sehr blutarmer und weltfremder Mensch.

Darf ich Ihnen versichern, dass David weder blutarmer noch weltfremder Mensch war? Er war ein machtvoller König, der unter seinem Temperament litt, das ihn zu schrecklichen Dingen hintrieb – das Gegenteil von Blutarmut, verstehen Sie? Gerade weil David die Abgründe der Welt und seines eigenen Herzens kannte, klammerte er sich an den Heiland, den er im Geist sah. Das kann ich gut verstehen.

David hat herrlich von Jesus gesprochen, vieles. In unserem heutigen Text spricht er nun eine ganz besondere Sache aus: Er spricht von dem Weg Jesu zu den Menschenkindern. Das möchte ich als Überschrift für meinen Text und die Predigt wählen: Der Weg Jesu zu Menschen!

Weil heute so viel los ist, habe ich nur zwei Teile. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich nicht drei, sondern nur zwei Teile. Aber man muss auf die Verhältnisse Rücksicht nehmen, nicht wahr?

Der Weg Jesu zu Menschenkindern – ich muss zuerst von der Schranke und dann von der offenen Tür sprechen. Zuerst von der Schranke, wie ich Ihnen das deutlich machen möchte.

Sehen Sie, ich rede nicht von irgendeinem Religionsstifter, für den ich keinen Bedarf habe, sondern von dem Sohn Gottes, der die Wand zwischen der anderen Dimension und unserer dreidimensionalen Welt zerbrochen hat und in der Fülle Gottes zu uns gekommen ist.

Dieser Jesus starb am Kreuz. Ich möchte Sie nach Golgatha führen, zu dem Hügel voll Blut und Wunden. „Seht, da ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Dann wurde er in das Felsengrab gelegt, und am dritten Tag erweckte Gott ihn von den Toten.

Da wurde der Stein weggerissen, und die ohnmächtigen Wächter sahen als Letztes, wie er triumphierend aus dem Grab hervorkam. Wir reden von einem lebendigen Heiland. Und weil er lebendig ist, kann er zu den Menschenkindern kommen – und das will er.

Schranken auf dem Weg zu den Menschen

Das will er, sagt er, meinen beiden lustigsten Menschenkindern: Die Unruhe in ihrem Leben, die Unruhe in der Welt – Jesus ist beständig im Advent, im Kommen. Er will Menschen neu machen, versöhnen, sie wie Gott zu Kindern Gottes machen, er will retten. Jesus ist anders.

Aber das ist erschütternd: Er kann nicht zu allen kommen. Sehen Sie, hier steht es doch herrlich nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind. Drehen Sie den Satz um: Doch der Herr bleibt fern von denen, die sicher sind, die mit sich zufrieden sind, die selbstgerecht sind, die hochmütig sind. Er kann nicht zu allen kommen.

Jesus will vielleicht in Ihrem Leben so eine Schranke überwinden. Aber wenn er es nicht kann oder will, dann ist das Ihre Sicherheit. Sie sagen: „Ich werde fertig mit dem Leben, brauche keinen Heiland.“ Warten Sie es ab – Sie werden fertig mit dem Leben, bis zur Stunde des Gerichts. Sie sagen: „Ich bin doch kein Verbrecher, ich brauche doch keinen Sünderheiland. Na ja, ein bisschen Fehler haben wir alle, aber ich brauche keine Vergebung der Sünden.“ Sehen Sie, Ihre Selbstgerechtigkeit ist eine Schranke. Jesus dringt nicht durch. Oder Ihr Hochmut – das ist unheimlich.

Die Römer schrien einst in großem Schrecken: Hannibal ante portas – Hannibal steht vor den Toren. Ich möchte Ihnen sagen: Jesus steht vor den Toren. „Ha“, sagen Sie, „brauche ihn nicht.“ Gut, die Schranke.

Ich möchte Ihnen ein Bild zeigen: Vor zweitausend Jahren stand der Apostel Paulus in einem erlesenen Kreis von intelligenten Leuten auf dem Areopag. Das ist eine Felsenkanzel mitten in Athen. Dort predigt er sein Evangelium. Während er redet, geht durch diese erlauchte Versammlung ein Lachen, ein Kichern. Was sagt er? Gericht Gottes? Ja. Was sagt er noch? Vergebung der Sünden und einen gekreuzigten Gott? Was will dieser Lotterbube sagen? Sie lachen ihn aus.

Jesus kann nicht zu ihm kommen – das ist die Schranke, verstehen Sie? Hochmut, Sicherheit, Selbstgerechtigkeit.

Ich erinnere mich, wie ich vor einiger Zeit mal auf diesem Areopag stand und im Geist die Szene vor mir sah: Da droben die stolzen Tempel der Akropolis. Dann fährt ein Omnibus mit Touristen vorbei. Fünf Minuten später wimmelt der ganze Areopag von Touristen.

„Was war hier los?“, fragt jemand. „Paulus, ihr Predigt?“ – „Ach Mensch, olle Geschichten, gehen wir ins Hotel und nehmen wir einen Drink.“ Sie brauchten keinen Heiland, verstehen Sie? Sie brauchten keinen Heiland. Die Schranke der Sicherheit, des Hochmuts, der Selbstgerechtigkeit – Jesus kommt nicht durch.

Es gibt eine erschütternde Geschichte in der Bibel: Jesus sitzt auf dem Berg, der Sohn Gottes, der die Stürme stillte, von dem die Welt einmal erzittern wird. Er sitzt da und weint und weint und weint. Dann sieht er auf diese Stadt – es war Jerusalem – und sagt: „Wie oft habe ich euch bergen wollen, wie eine Henne ihre Küchlein birgt unter ihren Flügeln.“ Aber sie wollten nicht.

Die offene Tür für zerbrochene Herzen

Meine Freunde, ich muss von der offenen Tür sprechen – das ist das Zweite. Jesus findet nicht nur Schranken, sondern auch offene Türen. Ich freue mich, das zu wissen, und ich habe erlebt, dass Jesus bei seinem Kommen offene Türen vorfindet.

Wo denn? Bei wem? Man sagt sofort: bei religiösen Leuten. Aber, meine Freunde, das ist Unsinn. Die Pharisäer waren sehr religiöse Leute, doch sie haben Jesus völlig abgelehnt. Sie waren „gut“ – sie brauchten keinen Heiland, oder? Nein, nein, nein! Mein Freund hat mit religiösen Leuten überhaupt nichts zu tun. Ich bin überzeugt, dass ich total irreligiös bin.

Wo findet Jesus offene Türen? Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochene Herzen haben, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt besitzen. Meine Freunde, das hatte David gedichtet in einer Stunde, als er ein zerschlagenes Gemüt hatte.

Da wurde er aus seiner Heimat vertrieben, völlig ungerecht von einem wild gewordenen König Saul. Regenten können manchmal wild werden. Dann flieht er zu den Philistern, und auch dort wird er vertrieben. Nun ist er in der Wüste. Die Welt hat keinen Platz für ihn – er ist ein Verfolgter, ein Geächteter.

Das ist die Stunde, in der der gute Deutsche sagt: „Wenn Gott so mit uns umgeht, verliere ich meinen Glauben.“ So nicht! Und was sagt der Mann? „Jetzt tritt Jesus zu mir.“ Der Herr ist nahe denen, die zerbrochene Herzen haben.

Ich hatte nur mit Menschen zu tun, die für mein Amt zerbrochene Herzen hatten. Alle anderen konnten mich gar nicht hören. Oder David bekam ein noch viel zerbrocheneres Herz – und das war jene Stunde, als Gott ihm sein Herz und seine Sünde offenbarte und der Zorn Gottes plötzlich über ihm lag, sodass er es merkte.

Er sagte: „Ich bin verworfen von Gott, und ich kann doch nicht leben ohne ihn. Ich bin verworfen von Gott, ich bin verworfen!“ Es gibt da einen wundervollen Psalm. Er sagt: „Ich wollte es verschweigen, doch es verschmachteten meine Gebeine. Ich wollte sagen: ‚Ich bin’s, ich bin kein Sünder‘ – doch es verschmachteten meine Gebeine.“

Da bekannte er Gott seine Sünde, und da brach es heraus. Und da erfährt er: Der Herr ist nahe, der, der am Kreuz schon bezahlt hat, der mit den Nägeln gemalt wurde. Der ist nahe und sagt: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Zerschlagene Herzen, ängstliche Gemüter, unruhige Gewissen – das sind die offenen Türen für Jesus. Alles andere nicht. Verstehen Sie? Zerschlagene Herzen, unruhige Gemüter, unruhige Gewissen – das ist die offene Tür für Jesus. Andere bleiben draußen vor der Tür.

Die Einladung zur Wirklichkeit und Erlösung

Nun können Sie sagen: Ich kann mir doch selbst kein zerschlagenes Herz geben, ich kann mir doch kein unruhiges Gewissen machen, richtig?

Das können Sie nicht. Aber eins können Sie: Sie können sich der Wirklichkeit stellen. Ja, Sie können sich der Wirklichkeit stellen.

Ist Ihre Sünde Sünde? Ist Ihre Lieblosigkeit, Ihre Unreinheit, Ihre Lüge Sünde oder nicht? Stellen Sie sich einmal der Wirklichkeit Ihrer Sünde. Dann werden Sie lernen zu sagen: Ich habe gesündigt. Da fängt es an – im zerbrochenen Herzen.

Stellen Sie sich der Wirklichkeit Ihres Lebens: Sind Sie so, wie Sie sein sollten? Nein? Dann sagen Sie doch einmal: Herr, ich bin in der Hand fremder Mächte. Herr, du hast mich zu deinem Ebenbild geschaffen, und ich bin etwas ganz anderes!

Stellen Sie sich der Wirklichkeit Ihres Gebundenseins! Stellen Sie sich der Wirklichkeit Gottes! Gott ist kein gemütlicher Herrgott, irren Sie sich da nicht. Gott lässt sich nicht spotten. Wir werden alle vor ihm stehen.

Wollen Sie sich nicht der Wirklichkeit Gottes stellen? Stellen Sie sich der Wirklichkeit Ihres Lebens und Ihrer Schuld und der Wirklichkeit Gottes. Dann werde ich Ihnen sagen: Dann werden Sie verstehen, was ein enges Gewissen ist, ein zerschlagener Geist und ein unruhiges Herz.

Dann schreien Sie nach einem Heiland, der Sünder errettet – und dann ist er da. Der Herr ist nahe denen, die zerbrochene Herzen haben, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt besitzen. Amen.