Einführung in die messianischen Prophezeiungen bei Jesaja
Wir sind dabei, die messianischen Prophezeiungen im Propheten Jesaja zu studieren, die auf das erste Kommen Jesu hinweisen. Beim letzten Mal haben wir Jesaja 11,1-2 betrachtet und dort den Nazaräer entdeckt, der aus dem Stumpf Isais hervorgeht.
Die weiteren Verse beziehen sich auf die tausendjährige Friedensherrschaft des Messias in der Zukunft. Auch hier finden wir ein Beispiel unter vielen im Alten Testament, bei dem das erste und das zweite Kommen Jesu direkt miteinander verbunden sind.
Das ist übrigens nicht nur für die Prophetie über das Kommen des Messias typisch. Auch andere Prophezeiungen sind oft so gestaltet. Häufig wird zunächst die Situation beleuchtet, die unmittelbar in der Zukunft des jeweiligen Propheten lag. Nehmen wir Jesaja: Seine Zeit war geprägt von der assyrischen Bedrohung. Das assyrische Weltreich, ausgehend vom Nordirak, eroberte ein Volk nach dem anderen. Es war dabei, die zehn Stämme im Norden Israels zu besiegen und nach Assyrien zu deportieren.
Eine Invasion sollte auch in Juda, das südliche Königreich, erfolgen – genau zu Jesajas Zeit. All diese Ereignisse sagte Jesaja voraus, verband sie aber zugleich mit Prophezeiungen über Assyrien in der Endzeit, also in der ferneren Zukunft.
So können wir auch in Jesaja zeigen, wie in demselben Kapitel unmittelbar bevorstehende Prophezeiungen mit solchen verbunden sind, die bis in die Endzeit reichen. Dieses Zusammenspiel von zwei verschiedenen Zeiten, die dennoch zusammengehören, lässt sich durch die ganze Bibel hindurch immer wieder nachweisen.
Daher gehören das erste und das zweite Kommen Jesu ganz eng zusammen. Beim ersten Mal kam er als Retter der Welt. Beim zweiten Mal wird er als Richter der Welt kommen.
Zwischen diesen beiden Ereignissen stehen wir vor der Herausforderung, uns zu entscheiden: entweder für den Retter der Welt oder für den Richter der Welt. Dieses Thema ist also inhaltlich untrennbar miteinander verbunden.
Jesaja 28,16 im Kontext der messianischen Verheißung
Wir kommen nun zu einer weiteren Prophezeiung über das erste Kommen des Messias. In den folgenden Kapiteln geht es zwar stark um endzeitliche Themen, aber als Nächstes betrachten wir Jesaja 28.
Diese Prophezeiung haben wir bereits einmal im Zusammenhang mit Psalm 118 behandelt. Dort geht es um den Stein, den die Bauleute verworfen haben, der jedoch zum Eckstein geworden ist. Einige Punkte, die damals angesprochen wurden, müssen wir diesmal nicht noch einmal erläutern. Mir ist jedoch wichtig, dass wir den Zusammenhang sehen, in dem dieser Vers steht.
Es geht um Jesaja 28, Vers 16. Zum besseren Verständnis lesen wir den Zusammenhang ab Vers 14 bis einschließlich Vers 19:
Darum: Hört das Wort des Herrn, ihr Männer der Prahlerei, Beherrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist! Denn ihr sagt: Wir haben einen Bund mit dem Tod geschlossen und mit dem Scheol einen Vertrag gemacht. Wenn die einherflutende Geißel hindurchfährt, wird sie uns nicht erreichen, denn wir haben Lüge zu unserer Zuflucht gemacht und uns in Trug geborgen.
Darum spricht der Herr, der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, fest gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen. Ich werde das Recht zur Richtschnur machen und die Gerechtigkeit zur Waage.
Hagel wird die Zuflucht der Lüge hinwegfegen, und die Wasser werden das Versteck wegschwemmen. Euer Bund wird mit dem Tod aufgehoben werden, und euer Vertrag mit dem Scheol wird nicht bestehen bleiben. Wenn die einherflutende Geißel hindurchfährt, werdet ihr von ihr zertreten werden. So oft sie hindurchfährt, wird sie euch erfassen, denn morgen vor morgen wird sie hindurchfahren, bei Tag und bei Nacht.
Dann wird es lauter Schrecken sein, die Botschaft verständlich zu machen.
Es geht also um diesen Vers 16, den Stein in Zion, den bewährten Grundstein, den kostbaren Eckstein.
Die Bedeutung des Ecksteins in 1. Petrus 2
Wir finden diese Stelle im Neuen Testament wieder, bezogen auf Jesus Christus, in 1. Petrus 2. Dort erklärt der Apostel die Bedeutung dieses Verses.
Wir müssen aus Gründen des Zusammenhangs lesen: 1. Petrus 2, Vers 4: „Zu ihm kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst auch selbst die lebendigen Steine aufbauen als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlgefällig durch Jesus Christus.“
Denn es ist in der Schrift enthalten: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er die Kostbarkeit. Für die Ungläubigen aber gilt: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden, und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses.“ Da sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind.
Hier geht es also im Zusammenhang um die Gemeinde in der heutigen Zeit, also die Summe der erlösten Menschen von Pfingsten bis zur Entrückung. Die Gemeinde wird hier beschrieben als ein geistliches Haus, bestehend aus lebendigen Steinen. Jeder Gläubige ist ein lebendiger Baustein an diesem Tempelgebäude.
Der wichtigste Stein ist Jesus Christus. In Vers 4 geht es um ihn: „Zu welchem kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar.“ Dabei werden Worte aus Jesaja 28,16 aufgenommen: „Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein.“ Dieser kostbare Stein ist Jesus Christus, also der Eckstein dieses Gebäudes.
Die Gläubigen sind dann die lebendigen Steine, mit denen der Tempel aufgebaut wird. Gleichzeitig sind sie ein heiliges Priestertum, wie Vers 5 sagt, um Gott durch Jesus Christus geistliche Schlachtopfer, also Anbetung, darzubringen.
Archäologische und biblische Hintergründe zum Eckstein
Und nun werden diese Gedanken anhand von Zitaten aus dem Alten Testament belegt. In Vers 6 zitiert Petrus aus Jesaja 28: "Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden." Das ist genau unsere Stelle.
Wir haben letztes Mal, oder besser gesagt jedes Mal, wenn wir Psalm 118 behandelt haben, den Stein gesehen, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist. Das Alte Testament sagt, dass der Messias, wenn er von der Masse seines Volkes verworfen wird, etwas Neues beginnen wird. Er wird der Eckstein genannt. Denn im Altertum war der Eckstein architektonisch der erste Stein, der auf das Fundament gelegt wurde. Nach seiner Position wurden dann alle weiteren Mauersteine ausgerichtet.
So sollte also dieser verworfene Messias der Beginn von etwas ganz Neuem werden – dieses geistliche Haus. Petrus sagt also, dass wir den Hinweis in Jesaja 28 haben: Er ist der Eckstein. Wir haben diese Stelle damals schon etwas vorweggenommen, hier ist es Jesaja 28. Ich habe erklärt, dass dies genau dem entspricht, was die Archäologie in den letzten Jahren so deutlich ans Licht bringen konnte.
Der Eckstein des Tempels in Jerusalem war nämlich dieser mächtige Fels, der heute im Zentrum des Felsendoms steht. Das ist die natürliche Bergspitze von Zion beziehungsweise Moria. Auf diesem Felsen hatte Salomo ursprünglich das Allerheiligste gebaut. Es ist ein bisschen speziell, denn man sieht noch heute die Spuren, wo die Steine der Südmauer des Allerheiligsten aufgelegt waren.
Die Breite dieser abgeplatteten Region beträgt genau 3,15 Meter. Das entspricht sechs Königsellen, wie in 1. Könige 6 und den folgenden Kapiteln beschrieben wird. So dick waren die Mauern des Allerheiligsten. Eine Königselle ist die große Elle mit sieben Handbreiten, wie Ezechiel 40 beschreibt, wo der zukünftige Tempel vermessen wird. Dort heißt es, er wird mit einer Elle von einer Elle und einer Handbreite gemessen. Das entspricht der großen Elle mit sieben Handbreiten.
Diese Elle misst 52,5 Zentimeter, und sechs mal 52,5 Zentimeter ergeben genau die 3,15 Meter. So war also dieser Fels das Fundament des Tempelhauses, des Allerheiligsten. Allerdings findet man keine Spuren für die West- und Nordmauer. Gerade dort ist der Fels natürlich ganz und hat ein starkes Gefälle.
Wenn man die Mauer entlang der Westkante und der Nordkante zieht, entsteht dadurch genau ein Quadrat von zwanzig Ellen. So groß war das Allerheiligste nach 1. Könige 6 und den folgenden Kapiteln: ein Quadrat von 20 mal 20 Ellen. Man kann also noch heute ganz genau sehen, wo das Allerheiligste verlief. Man könnte auch rekonstruieren, wo genau der Scheidevorhang war.
Ergänzt man das Quadrat von 20 mal 20 Ellen, gibt es ganz zentral in diesem Quadrat eine Vertiefung im Felsen. Diese passt genau, um die Bundeslade dort aufzustellen. Die Bundeslade hat eine Seitenlänge von 131 Zentimetern, das entspricht zweieinhalb Ellen. Wenn man die Diagonalen des Quadrats zieht, trifft man genau auf die Ecken dieses 131 auf 79 Zentimeter großen Rechtecks der Bundeslade.
Damit wird klar: Der Fels war einerseits Fundament, auf dem die Südmauer aufgebaut war, aber gleichzeitig war er auch Eckstein. Die West- und Nordmauer wurden nämlich genau seiner natürlichen Position entsprechend gebaut. Das hatte auch Auswirkungen auf den weiteren Tempel, zum Beispiel auf die bekannte Ostmauer mit dem goldenen Tor, das heute zugemauert ist.
Der Verlauf dieser Mauerlinie ist parallel zur westlichen natürlichen Kante des Felsens. Es ist also ganz klar, dass dieser Fels die Mauerlinien bestimmt hat. So haben wir eine ungewöhnliche Konstruktion: Fundament und Eckstein in einem. Normalerweise war das unterschieden. Der Eckstein war der erste Stein auf dem Felsfundament.
Jetzt lesen wir Jesaja 28,16: "Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren." Eckstein ist klar, aber dann wird gesagt: "aufs Festeste gegründet." Der hebräische Ausdruck bedeutet wörtlich übersetzt "von festester Gründung". Es ist also ein Fundament von festester Gründung – ein Fundament und Eckstein gleichzeitig.
Das entspricht genau der Situation beim Tempel. Hier wird auch auf den Tempelberg hingewiesen: "Siehe, ich gründe einen Stein in Zion." So sollte dieser Fels, der Fundament und Eckstein des Tempels Gottes in Jerusalem war, ein Bild vom Messias sein. Geistlich sollte der Messias ein solcher Eckstein und ein solches Fundament sein.
Wir Menschen haben in uns keine Stabilität, keine Festigkeit. Wer aber auf ihn vertraut, wird nicht ängstlich eilen. Man kann "glauben" oder "vertrauen" übersetzen. Wer glaubt oder vertraut, wird nicht ängstlich eilen.
Petrus erklärt nun, dass dies Wirklichkeit geworden ist. Die Masse hat den Messias verworfen. In 1. Petrus 2 zitiert er nochmals aus Jesaja, nämlich Kapitel 8, Vers 14. Das haben wir gelesen. 1. Petrus 2,7 zitiert auch Psalm 118, Vers 22, den wir früher behandelt haben.
Dann folgt noch ein Zitat aus Jesaja 8, Vers 14, das wir ebenfalls schon behandelt haben. Dort wurde klar vorausgesagt, dass viele sich an dem Messias ärgern und durch ihn zu Fall kommen werden. Sie werden über diesen Stein straucheln. Für sie ist es etwas Schlimmes, sie kommen zu Fall.
Aber für diejenigen, die an den Messias glauben, ist er das Fundament, das ihnen bleibende Festigkeit gibt in einer Welt, die keine feste Grundlage hat. Er ist gleichzeitig derjenige, der die Ausrichtung und Linie vorgibt. Alles muss sich nach dem Eckstein richten.
So muss jeder Christ sein ganzes Leben voll und ganz nach Jesus Christus ausrichten. Das ist die praktische Wahrheit, dass er der Eckstein ist. So erklärt das Neue Testament das Alte Testament.
Die politische Situation und der Bund mit dem Tod in Jesaja 28
Aber jetzt wollen wir ein bisschen weitergehen und den Zusammenhang anschauen, in dem diese Prophetie steht. Das hat ja ein bisschen geheimnisvoll geklungen. Wer wird angesprochen in Jesaja 18, Vers 14? Jawohl, und zwar nicht welche Spötter in Zürich oder in Stuttgart, sondern in Jerusalem.
Genau genommen sind es die Klasspolitik, die Herrscher dieses Volkes in Jerusalem, die angesprochen werden. Diese haben einen sehr speziellen politischen Vertrag geschlossen, nämlich mit dem Tod. Ich lese nichts von Ägypten, bleiben wir einfach beim Text: Sie haben einen Bund mit dem Tod und mit dem Scheol geschlossen.
Wer ist der Scheol? Nein, die Gehenna ist die Hölle. Aber der Scheol ist das Totenreich. Scheol bezeichnet einfach den Zustand des Todes, sowohl für Gläubige als auch für Ungläubige. Allerdings macht die Bibel klar, dass der Scheol für die Gläubigen das Paradies ist, der Schoss Abrahams. Dort sind sie bei Christus.
Für Menschen, die ohne Vergebung ihrer Sünden gestorben sind, wird der Scheol als das Gefängnis bezeichnet, zum Beispiel in 1. Petrus 3, oder als der Ort der Qual in Lukas 16. Es ist quasi ein Warteort auf das endgültige Gericht nach dem Tausendjährigen Reich.
Das Wort Scheol kommt von einem Wort, das "verlangen" oder "fordern" bedeutet. Der Scheol ist der, der Todesopfer fordert und nie genug bekommt. Sprüche 30 sagt das: Es gibt vier Dinge, die nie satt werden und nie sagen "genug", und eines davon ist der Scheol, das Totenreich.
Also haben sie einen Bund mit dem Tod und mit dem Totenreich geschlossen. Warum? Offensichtlich ist es ein Bund, der sie schützen soll gegen eine hereinflutende Geißel.
Weiter heißt es in Vers 18, dass Gott erklärt, dieser Bund nützt ihnen nichts. Dieser Sicherheitsbund, dieser Vertrag mit dem Scheol, wird nicht bestehen. Wenn die überflutende Geißel hindurchfährt, werdet ihr von derselben zertreten werden.
Nun, wer ist diese überflutende Geißel? In diesen Kapiteln, in Jesaja 28, 29 und so weiter, geht es ständig um den zukünftigen Feind Israels, den Jesaja Assyrien nennt. Auch schon in den früheren Kapiteln wird dieser Feind Assyrien immer wieder erwähnt, zum Beispiel in Verbindung mit Kapitel 10 haben wir das wohl schon gesehen.
Dieser Feind Assyrien wird beschrieben als eine Macht, die alles überflutet, überschwemmt. Zur Illustration kann man Jesaja 10 oder noch besser Jesaja 8 lesen, insbesondere die Verse 7 und 8.
Dort wird ganz klar über Assyrien gesprochen als eine feindliche Macht, die das ganze Land Israel überschwemmt und überflutet. Hier wird dieser Feind auch als überflutende Geißel bezeichnet.
Der König des Nordens in Daniel 11 und die Endzeit
Im Propheten Daniel wird dieser gleiche Feind der Endzeit nicht mit dem Ausdruck „Assyrien“ bezeichnet. Stattdessen spricht man vom König des Nordens. Hier können wir kurz in Daniel 11 einsteigen.
Während man sucht, kann ich schon einmal erklären: In Daniel 11 ist alles von Vers 1 bis 35 bereits erfüllte Prophetie. Es geht in dieser erfüllten Prophetie immer wieder um den König des Nordens und den König des Südens. Daraus lässt sich unschwer ableiten, dass der König des Nordens immer Syrien war und der König des Südens immer Ägypten. Dabei sind die Himmelsrichtungen aus der Sicht Israels gemeint.
Ich muss jedoch noch erklären, dass es sich nicht um das kleine Syrien von heute handelt. Es war immer Großsyrien, das eigentlich das gesamte Gebiet umfasste – von dem heutigen Syrien und Libanon bis nach Pakistan. Also das Gebiet, das heute zur islamischen Welt gehört, erstreckt sich von Libanon und Syrien bis nach Pakistan. Im Norden reicht es bis in die Türkei und sogar in südliche Gebiete der ehemaligen Sowjetunion, die ebenfalls islamische Gebiete sind.
Das war also der König des Nordens.
In Daniel 11, Vers 35, wird am Ende ein Sprung in die Endzeit vollzogen. Dort heißt es „bis zur Zeit des Endes“, denn die Handlung zieht sich bis zu einer bestimmten Zeit hin. Mit Vers 36 ist man in der Endzeit angekommen. In den Versen 36 bis 39 wird der Antichrist beschrieben. Er wird einfach „der König“ genannt, nicht mehr König des Nordens oder des Südens.
Die Beschreibung zeigt, dass er Herrscher im Land Israel sein wird. Er wird sich über alles erheben und sich selbst als Gott darstellen.
In Daniel 11, Vers 40 bis 45, wird beschrieben, dass zur Zeit des Endes der König des Südens mit ihm zusammenstoßen wird. Das bedeutet, dass in der Endzeit Ägypten mit Israel unter der Herrschaft des Antichristen in Konflikt geraten wird.
Dieser Zusammenprall wird einem anderen Feind die Chance geben zuzuschlagen. Der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen, mit Wagen und Reitern und vielen Schiffen. Er kommt also sowohl auf dem Landweg als auch über das Mittelmeer.
Er wird in die Länder eindringen und sie überschwemmen und überfluten. Beachten Sie hier die Ausdrucksweise: „überschwemmen“ und „überfluten“ – genau dieselben Begriffe, die in Jesaja über den Assyrer verwendet werden.
Weiter heißt es, dass er in das Land der Zierde eindringen wird. Das ist in der Bibel die Bezeichnung für das auserwählte Land, also Israel. Dabei werden viele fallen, aber einige werden seiner Hand entkommen: Südjordanien, Moab, Mitteljordanien und der Westen der Söhne Amon, also ein Teil von Nordjordanien.
Er wird seine Hand an diese Länder legen, aber für das Land Ägypten wird es kein Entrinnen geben.
Das ist ein innerislamischer Konflikt: Ägypten wird durch Syrien erobert.
Weiter heißt es, dass er die Schätze an Gold, Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen wird. Libyer und Kuschiter werden in seinem Gefolge sein.
Kusch ist in der Bibel speziell die Bezeichnung für Sudan, das Land südlich von Ägypten. Im weiteren Sinne kann es auch Äthiopien bedeuten. Libyen und Sudan sind also ebenfalls islamische Länder, die mit dem König des Nordens zusammenarbeiten werden.
Nun, von Norden her, nachdem er in Ägypten ist, geht es nördlich weiter. Wohin kommt man dann? In die EU, nicht wahr?
Gerüchte von Norden werden ihn erschrecken, ebenso von Osten. Dann wird er ausziehen, mit großem Zorn, um viele zu vernichten und den Bann an ihnen zu vollstrecken.
Er wird seine Königszelte aufschlagen zwischen dem Meer – dem Mittelmeer – und dem Berg der heiligen Zierde, dem Tempelberg. Das bedeutet, er wird seine Armee in der Gegend von Tel Aviv und Jerusalem stationieren.
Dann wird er an sein Ende kommen, und niemand wird ihm helfen.
Zacharja 14,3 sagt, dass der Herr Jesus am Ende der großen Drangsalzeit auf dem Ölberg erscheinen wird. Er wird all diese Armeen bei Jerusalem bis zum Mittelmeer vernichten.
Wir haben also gesehen, wer diese durchflutende Geißel ist: die endzeitliche Bedrohung durch Syrien und alle seine Bundesgenossen gegen Israel.
Übrigens wird in Joel 2 derselbe Feldzug beschrieben, den wir gerade in Daniel 11 gelesen haben. Dort heißt es, dass von Norden her eine Armee kommen wird, so groß wie nie zuvor eine Armee in der Vergangenheit gegen Israel.
Sie wird das ganze Land überrennen, und das Land wird verbrannt werden. Vor dieser Armee wird das Land wieder zum Garten Eden.
Denken Sie daran, dass die Juden ab 1882, als sie begonnen haben, das Land wieder neu zu besiedeln, bis heute 230 Millionen Bäume gepflanzt haben. Das Land ist wieder Garten Eden geworden.
Und dort, wo die Armee durchzieht, ist alles verbrannt.
Dort wird also derselbe Feldzug beschrieben.
Der Bund mit dem Tod und das Scheol als politische Hoffnung
Aber zurück zu Jesaja 28: Diese Herrscher in Jerusalem sagen, im Blick auf die Gefahr der überflutenden Geißel haben wir ein Bündnis geschlossen, ein Sicherheitsbündnis. Doch Gott sagt, das bringt euch überhaupt nichts, könnt das vergessen.
Mit wem wird Israel in dieser Zeit einen Bund schließen? Der Antichrist wird ja selbst Herrscher in Israel sein oder er ist dieser König, der sich über alles erhebt und sich als Gott darstellt.
Wo steht die EU in der Bibel? Die Bibel benutzt immer alte Ausdrücke für die Zukunft, damit man sich orientieren kann. Wäre in der Bibel „EU“ gestanden, hätten die Leute früher die Bibel nicht verstehen können. Aber wenn das römische Reich beschrieben wird, konnte man das auch in der Antike verstehen, und wir können es heute noch verstehen.
Also das römische Reich, das in der Endzeit wieder neu erstehen soll. Das ist ja so interessant: In Offenbarung 17 sehen wir das wiederkommende römische Reich in der Endzeit. Lest jemand Offenbarung 17, Vers 8?
Während man dort gemütlich aufschlägt, kann ich schon mal erklären: Der Prophet Daniel hatte eine Vision, Daniel 7, von den vier Weltreichen, die als Tiere dargestellt wurden. Das erste Weltreich zu seiner Zeit war ein majestätischer Löwe – das babylonische Reich. Dann ein gefräßiger Bär, das nächste Reich, Medo-Persien, das nach Babylon die Weltherrschaft hatte. Dann ein ganz schnelles Tier, ein Leopard, das soll das dritte Reich bedeuten, nämlich das Reich von Alexander dem Großen, der in sagenhaft kurzer Zeit von dreizehn Jahren alles von Griechenland über Afrika bis nach Indien erobert hatte.
Und dann das vierte Reich ist ein Tier mit zehn Hörnern, das ganz besonders stark ist. Das war das römische Reich, das nach dem Reich Alexanders kam.
Nun wird aber in Offenbarung 17, Vers 8 erklärt: „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen. Und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist.“
Hier wird unterschieden: Dieses vierte Reich soll drei verschiedene Phasen kennen – eine Phase, da war es, eine Phase, da ist es nicht, und eine Phase, in der es aus dem Abgrund heraufsteigt. Diese drei Phasen entsprechen den drei absoluten Zeitstufen der Grammatik: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Doch es gibt noch einen besonderen Grund: Gott wird in der Offenbarung genannt, Offenbarung 1, Vers 4, als „der da war, der da ist und der da kommt“. Weil sich dieses letzte Reich selbst vergöttlicht, wird es in der Offenbarung mit einem spöttischen Unterton beschrieben: Dieses Reich war, ist nicht. Was ist das für ein Gott, der plötzlich aufhört zu existieren? Aber entsprechend dem „der da kommt“ heißt es, es wird aus dem Abgrund heraufsteigen. Der Satz geht weiter: „und ins Verderben gehen“. Was ist das für ein Gott, der da war, nicht ist, heraufsteigt und dann schnell zugrunde geht? So wird es auf diese Weise beschrieben und kurz skizziert.
Das römische Reich bestand ja als mächtiges europäisches Reich, dessen Zentrum in Europa lag. Das Weströmische Reich ging allerdings im Jahr 476 n. Chr. durch die Angriffe der Barbaren aus dem Norden und Osten unter. Das Oströmische Reich konnte aber weiter bestehen, bis es unter dem Ansturm der Türken 1453 fiel. Unglaublich lange konnte es sich so halten.
Der Westen hatte sich in der Zwischenzeit längst wieder erholt. Karl der Große baute es wieder auf, und um 800 n. Chr. nannte man es das Heilige Römische Reich. Später entstand die Bezeichnung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“. Zum ersten Mal ist dieser Ausdruck schriftlich greifbar etwa im 16. Jahrhundert.
Über Karl den Großen und die Ottonen konnte sich das römische Reich Deutscher Nation also über Jahrhunderte halten, indem große Teile Europas zusammengehalten wurden. Bis dann Kaiser Franz 1806 freiwillig die Krone ablegte und damit das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endete.
Doch zwei Jahre vorher hatte Napoleon dem Papst die Krone aus der Hand gerissen und sich selbst die Krone aufgesetzt. Sein Ziel war es, das römische Reich bis nach Russland wieder aufzubauen. Er wollte sich nicht der Kirche unterwerfen, darum krönte er sich selbst. Das war eine wichtige Handlung.
Dann folgten schreckliche Feldzüge bis nach Russland. Ganz Europa wurde von Kriegen überzogen. In der Völkerschlacht von Leipzig 1813 war Napoleons Schicksal besiegelt. Im folgenden Jahr wurde er vom französischen Parlament abgesetzt. Danach gab es wirklich kein römisches Reich mehr.
Das war die Phase „ist nicht“. Nun begann die Zeit des Nationalismus. Man war nicht mehr auf die Einheit des Kontinents bedacht, sondern stolz auf die Besonderheit jeder Nation. Dieser Nationalismus erreichte seinen ersten Höhepunkt im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 mit etwa 20 Millionen Toten.
Dieser Krieg war nie richtig beendet. Viele Historiker sehen den Zweiten Weltkrieg nicht als neuen Krieg, sondern als Fortsetzung des Ersten Weltkrieges. Der Zweite Weltkrieg forderte 55 bis 70 Millionen Tote, inklusive des Einsatzes von Atomwaffen. Europa lag 1945 am Boden, man kann sagen zerstört.
Im Jahr darauf kam Winston Churchill nach Zürich und hielt an der Universität den berühmten Vortrag „Let Europe Arise“ – „Lasst Europa aufstehen“. Er forderte den Aufbau einer Art Vereinigter Staaten von Europa. Er erklärte, wie das gehen könnte.
In der Folge entstand die europäische Integration – von der Europäischen Gemeinschaft bis zur EU mit 27 Staaten, die zusammenstehen. Das ist effektiv das römische Reich, das wieder heraufkommt.
Übrigens sagte einer unserer Staatssekretäre der letzten Jahre, Franz Blankart, im Blick auf das neue Europa: „Ein Heiliges Römisches Reich europäischer Nationen soll gezimmert werden.“ Auch Europavisionäre sahen das so. Emil Luss schrieb in den 1950er Jahren: „Europa, die europäische Einheit brauchen wir nicht zu schaffen, sondern lediglich wiederherzustellen.“
So sehen wir also dieses römische Reich, das in seiner dritten Phase aus dem Abgrund herauskommt. Im Griechischen steht dafür „Abyssos“. „Abyssos“ ist in Römer 10 das Wort für das Totenreich, also ein anderes Wort für den Scheol. Das hat uns schon etwas zu sagen.
Dieses Reich kommt aus dem Abgrund, aus dem Totenreich herauf. Historisch ist es wirklich so, dass das neue Europa aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges, des schlimmsten Krieges der Menschheitsgeschichte, aufgebaut wurde.
Und wie wir sehen, ist es ein Reich, das bewusst ohne Gott gebaut werden soll. Wir haben wahrscheinlich die ganzen Debatten um eine Verfassung Europas mitverfolgt und wie politische bedeutende Personen sich dagegen sperrten, irgendeinen Hinweis auf Gott in die Verfassung zu nehmen. Das sind keine nebensächlichen Dinge, sondern sehr prinzipielle.
Das ist das Reich, das aus dem Abgrund, aus dem Abyssos, heraufkommt.
Nun zurück zu Jesaja 28: Die Herrscher in Jerusalem sagen: „Wir haben einen Vertrag mit dem Scheol gemacht.“ Das ist sehr wohl das römische Reich der Endzeit, das ihnen Sicherheit gegen die islamische Bedrohung geben soll.
Dieser Bund wird auch in Daniel 9 erwähnt. Dort finden wir die Prophetie der Jahrwochen, die wir in einer früheren Bibelklasse schon genau angeschaut haben. Diese 69 Jahrwochen beziehen sich auf das erste Kommen des Herrn Jesus.
Dann sehen wir, dass der Text die 70. Jahrwoche, die letzten sieben Jahre, ganz ans Ende in die Endzeit aufschiebt. In Daniel 9, Vers 27 steht: „So sollst du den erkennen und verstehen: Von dem Zeitpunkt an, als das Wort erging, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen und 62 Wochen lang werden Platz und Stadtgraben wiederhergestellt und gebaut werden.“
Darf ich kurz unterbrechen: Das ist nicht so gut übersetzt in der revidierten Elberfelder von Brockhaus. Diese Übersetzung hat dem Text sehr geschadet. Erstens heißt es nicht „da das Wort erging“, denn das würde bedeuten, das ist etwas, das für Daniel schon vergangen war. Aber der hebräische Text sagt „min moza“ – „vom Ausgehen des Wortes“. Also: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zum Messias, dem Fürsten, sind sieben Jahrwochen und 62 Jahrwochen – also insgesamt 69 Jahrwochen.
Und das sind 69 mal sieben Jahre. Eine Jahrwoche dauert immer sieben Jahre, und zwar die prophetischen Jahrwochen, die wir schon früher durchbuchstabiert haben. Diese dauern jeweils 360 Tage.
Darum entsprechen diese 69 mal 360 Tage genau der Zeit vom Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen, unter König Artaxerxes im Jahr 445 v. Chr., bis Palmsonntag 32 nach Christus, als der Herr Jesus als Fürst nach Jerusalem kam.
Denn es heißt hier: „Bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben Jahrwochen und 62 Jahrwochen.“ Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut, und zwar in Drangsal der Zeiten. Das bezieht sich auf die ersten sieben Jahrwochen, also 49 Jahre, in denen Jerusalem wieder aufgebaut werden sollte. Es sollte eine schwierige Zeit sein, und das war sie auch, wie im Buch Nehemia beschrieben.
Weiter heißt es: „Und das Volk eines kommenden Fürsten...“ – jetzt stimmt es wieder in der revidierten Übersetzung – „...und nach den 62 Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und keine Hilfe finden.“
Genau am Ende von 67 Jahrwochen, nämlich genau am 173. Tag nach dem Erlass von Artaxerxes, zog der Herr Jesus als Fürst nach Jerusalem ein. Nach den 62 Jahrwochen, das heißt nach den sieben ersten, wird der Messias ermordet werden und nichts haben.
Rückblickend können wir sagen: Fünf Tage nach dem Einzug als Fürst wurde Jesus Christus gekreuzigt, und er hat kein Friedensreich aufgerichtet. Er wird nichts haben.
Die Prophetie geht weiter: „Und das Volk eines kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören.“ Es wird nicht gesagt, welches Volk das ist, aber rückblickend können wir sagen: Das römische Reich hat im Jahr 70 nach Christus die Stadt Jerusalem und den Tempel, das Heiligtum, dem Erdboden gleichgemacht.
Das war die Folge der Ermordung des Messias. Hier heißt es: Das Volk eines kommenden Fürsten – also nicht der kommende Fürst selbst, sondern sein Volk – wird die Stadt und das Heiligtum zerstören als Gericht Gottes wegen der Verwerfung des Messias.
Dieses Gericht geht weiter. Dann sagt der Text: „Und sein Ende ist in einer Überflutung, und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen.“
Diese Zerstörung Jerusalems und des Tempels war der Anfang einer ganzen Kette von Gerichten, die Gott über sein Volk bringen sollte. Das Ende dieser Kette wird sein: „Sein Ende ist in einer Überflutung, und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen.“
Das Ende selbst ist eine Überflutung. Wir merken wieder den Ausdruck. Das ist der typische Ausdruck für den Assyrer, diese schreckliche Invasion aus dem Norden, die ganz Israel überrennen wird. Sie wird hier mit Wasser, einer Überflutung, beschrieben.
Bis in die Endzeit wird es Krieg und fest beschlossene Verwüstungen geben. Tatsächlich wurde Jerusalem ab dem Jahr 70 durch die Jahrhunderte hindurch ständig verwüstet – bis in unsere moderne Zeit, bis ans Ende. Krieg ist fest beschlossen.
Ganz am Ende kommt dann diese überströmende Flut. Jetzt Vers 27: „Er...“ Wer ist „er“? Das ist geheimnisvoll, denn es muss sich auf eine Person beziehen, die im Text vorher genannt wurde. Welche Person wurde zuletzt beschrieben? Der kommende Fürst. Es ist also einer aus dem römischen Reich.
Denn das Volk des kommenden Fürsten hatte die Stadt und den Tempel zerstört – das war das römische Volk. Also wird der kommende Fürst einer aus dem römischen Reich sein.
Jetzt kommt er und wird einen festen Bund schließen mit den Vielen. Der Ausdruck „die Vielen“ kommt in Daniel mehrmals vor und bezeichnet immer die Masse des jüdischen Volkes.
Ich kann das kurz erläutern, damit es nicht in der Luft steht: Daniel 11, Vers 33 handelt von den Makkabäern, die dort vorausgesagt sind. In Vers 32 heißt es: „Das Volk, welches seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und handeln, und die Verständigen des Volkes werden die Vielen unterweisen.“
Das waren die führenden Makkabäer, die die Vielen, die Masse des jüdischen Volkes, unterwiesen.
Also wird dieser kommende Herrscher des neuen Europas, des römischen Reiches, mit der Masse des jüdischen Volkes in Israel einen festen Bund schließen – für wie lange? Sieben Jahre.
Dann wird noch mehr berichtet: In der Zeit wird vieles beendet. Was wird er beenden? Schlachtopfer und Speiseopfer. Nach dreieinhalb Jahren Bund wird der Opferdienst, der offensichtlich dann wieder in Jerusalem im dritten Tempel bestehen wird, gestoppt.
Dann heißt es: „Und wegen der Beschirmung der Gräuel...“ Der Antichrist wird ein Götzenbild auf dem Tempelplatz aufstellen und selbst in den Tempel gehen und sagen: „Ich bin Gott.“ (2. Thessalonicher 2)
Das sind diese Gräuel, ein Ausdruck, der in der Bibel oft für Götzen steht, besonders in der Mehrzahl.
Wegen der Beschirmung der Gräuel – also weil die Masse in Israel diese Gräuel akzeptieren wird – wird ein Verwüster kommen, und zwar bis zur Vernichtung, und fest Beschlossenes wird über das Verwüstete ausgegossen werden.
Dieser Verwüster ist der König des Nordens, der Assyrer. Es wird ihm gelingen, Israel zu überrennen, weil die Masse Israels den Antichristen und seinen Götzendienst akzeptiert hat.
Darum wird Gott seine schützende Hand von Israel wegnehmen. Seit 1948 bis heute ist Israel in allen Existenzkriegen auf ungewöhnliche Weise bewahrt geblieben.
Aber dann wird Gott die Hand wegnehmen, und diese Invasion, diese Überflutung durch den Assyrer wird gelingen.
Die Spötter in Jerusalem – wir kommen zurück zu Jesaja 28 – sagen: „Wir haben einen Bund mit dem Tod gemacht.“ Das ist der Chef des Totenreiches. Oder sie sagen: „Wir haben einen Vertrag mit dem Scheol geschlossen.“ Das ist der Machtbereich.
Nicht gerade eine lobenswerte Bezeichnung für Europa, oder? Politisch wäre das nicht korrekt, wenn man so in der Öffentlichkeit über das neue Europa spricht. Aber es ist die Sprache der Bibel.
Ihre Hoffnung ist, wenn die überflutende Geißel hindurchfährt, wird sie an uns nicht kommen. Sie denken, diese Verbindung mit dem Westen ist der Schutz gegen die Gefahr aus der islamischen Welt.
Aber sie wissen, dass ihr Bündnispartner nicht glaubwürdig ist, denn wir lesen hier: „Denn wir haben die Lüge zu unserer Zuflucht gemacht und in der Falschheit uns geborgen.“
Gott sagt, euer Bund wird nicht gelingen. Lest jemand nochmals Vers 18, oder schon Vers 17?
„Haben wir wieder Wasser wegschwimmen! Und euer Bund mit dem Tod wird außer Kraft gesetzt, und euer Vertrag mit dem Totenreich hat keinen Bestand. Wenn die überschwemmende Flut daherfährt, so werdet ihr von ihr zermalmt werden.“
Es gibt keine Stabilität, ganz klar gesagt: Es gibt keine Stabilität und keine Sicherheit, wenn man die Hoffnung auf das neue Europa setzt.
Man muss die Hoffnung auf den Messias setzen, auf Jesus Christus. Er ist der kostbare Eckstein, die festeste Gründung.
Dieser Vers macht uns klar, was Fundamentalisten sind: Menschen, die ihr ganzes Leben, ihre ganze Existenz, ihr ganzes Sein auf die Grundlage Jesus Christus bauen. Das ist ihr Fundament.
Wir wissen, wie gehasst und verachtet in Europa jeder ist, der sich als Fundamentalist outet. Natürlich ist das ein Reizwort, das Leute in Rage bringt, wenn man sagt: „Ich bin Fundamentalist.“
Man sollte das nie so sagen, ohne zu erklären, was man meint. Viele denken, ein Fundamentalist hat ein Maschinengewehr unter der Jacke und einen Sprengstoffgürtel. Das ist islamischer Fundamentalismus.
Christlicher Fundamentalismus gründet sich auf Jesus Christus, der sagte: „Ihr sollt eure Feinde lieben und beten für die, die euch verfolgen.“ Das ist völlig ungefährlich. Diese Christen haben kein Maschinengewehr und keinen Sprengstoffgürtel. Sie bauen ihre Existenz auf das Fundament Jesus Christus.
Es gibt Leute, die bauen auf die Wissenschaft. Aber die Wissenschaft von gestern ist Schnee von gestern.
Man denke nur an die Atheisten in der Sowjetunion. Was haben die den Schülern eingetrichtert? „Es gibt keinen Gott und die Materie ist ewig.“
Dann kamen die 1950er Jahre, und in der Physik musste man sagen: Das geht nicht. Die Materie kann nicht ewig sein, das widerspricht den thermodynamischen Hauptsätzen. Die Natur muss einen Anfang gehabt haben.
Dann kam die Urknalltheorie. Gott wurde zwar außen vor gelassen, aber man war gezwungen zu sagen, die Materie kann nicht ewig sein. Die Materie muss entstanden sein.
In der heutigen Urknalltheorie sagt Alan Guth, ein großer Vertreter des Massachusetts Institute of Technology, in seinem Buch „Die Geburt des Kosmos aus dem Nichts“, dass die Materie nicht ewig sein kann.
Was ist jetzt mit Stalin? Er sagte, die Materie sei ewig. Das ist wissenschaftlicher Materialismus, Schnee von gestern, kein Fundament. Das ist, als wolle man ein Pfahlbauerhaus auf einen Sumpf bauen.
Das sind wunderbare Bücher der Medizin aus dem 19. Jahrhundert, unterhaltsam für heute, aber kein aktueller wissenschaftlicher Stand, der sich ständig ändert.
Worauf kann man sich stützen? Es gibt keine Sicherheit. Die Bibel musste man nie umschreiben. Das Wort von Jesus Christus muss man nicht revidieren. Es ist das alte Wort, das bleibt.
Wer seine Zuversicht und sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt, für den gilt: „Einen kostbaren Eckstein, aufs Festeste gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen.“
So wird der Text sehr aktuell in unserer Situation.
Was heißt das? Wenn wir als Gläubige zur Gemeinde Gottes gehören, richten wir unser Leben wirklich nach diesem Eckstein aus? Bauen wir unser Leben ganz bewusst auf Jesus Christus, vertrauen wir ihm und glauben seinem Wort? Oder suchen wir andere Sicherheiten?
In der Politik sucht man Sicherheiten durch Abkommen, Verträge und Zusagen. Wir wissen, wie das alles bröckelt.
Hier sagt Gott: Es wird euch nicht gelingen. Dieser Bund wird zunichtegehen, und die überflutende Geißel wird hindurchfahren.
Die Zukunft des Nahen Ostens und die Rolle von Elam (Iran)
Ein Name für Iran in der Bibel ist zum Beispiel Elam. In Jeremia 49, im letzten Abschnitt, finden wir eine Prophetie über Elam, das so stolz auf seine Pfeile ist. Interessanterweise ist der Iran heute besonders stolz auf seine Raketentechnologie. Der Zusammenhang zwischen Pfeilen und Raketen ist dabei sehr direkt: In Israel gibt es ein Raketenprogramm namens Chetz, und Chetz ist der biblische Ausdruck für Pfeil.
In der Prophetie wird beschrieben, dass Elam von allen Seiten angegriffen wird. Es wird kein Land mehr geben, in das keine Flüchtlinge aus Elam kommen. Diese Prophetie ist noch zukünftiger Natur und daher sehr interessant. Die genaue Stelle findet sich in Jeremia 49, Verse 34 bis 39: „Ich werde die vier Winde von den vier Enden des Himmels hier über Elam bringen und es nach allen diesen Winden hin zerstreuen. Es soll keine Nation geben, wohin nicht vertriebene Elams kommen werden. Ich werde Elam verzagt machen vor ihren Feinden und vor denen, welche nach ihrem Leben trachten. Und ich werde Unglück über sie bringen.“
Könnte dies der bevorstehende Krieg sein, in dem immer wieder betont wird, dass die Amerikaner beteiligt sind? Es ist wichtig, sich genau auszudrücken: Diese Ereignisse liegen noch in der Zukunft. Momentan befinden wir uns in einer sehr kritischen Situation. Es könnte dazu führen, dass diese Prophetie erfüllt wird, doch es muss nicht unbedingt genau diese sein. Wenn sie jedoch erfüllt wird, sieht man, dass das, was wir jetzt erleben, nur eine Vorstufe ist – aber es wird kommen, so wie es in Jeremia 49 steht.
Der König des Nordens kommt von Norden und zieht dann nach Ägypten. Anschließend hört er Gerüchte aus dem Norden, dass das neue Europa seine Truppen in den Nahen Osten verlegt. Zudem hört er Gerüchte aus dem Osten, was bedeutet, dass auch von Osten her eine Invasion stattfinden wird. Das Ganze führt zu einem letzten Weltkrieg, der so schlimm sein wird, dass Jesus sagt: Wenn diese Zeit von Gott nicht verkürzt würde, würde kein Mensch 1260 Tage überleben.
Diesen Zusammenhang muss man sehen, besonders im Hinblick auf die feindlichen Mächte, die von Osten her eingreifen werden. Wenn wir den Bund mit dem Römischen Reich betrachten und die Verschiebung der europäischen Truppen in den Nahen Osten, stellt sich die Frage: Welchen Hafen würden sie in Israel ansteuern? Der Militärhafen in Israel ist Haifa. In biblischen Zeiten war der Hafen in Jaffa, Tel Aviv, wichtig. Heute jedoch ist der Militärhafen in Haifa im Norden.
Im Hinterland von Haifa liegt eine große Ebene, die als Ebene von Harmagedon bekannt ist. Deshalb heißt es in Offenbarung 16 von diesem Aufmarsch in Harmagedon. Man versteht nun, dass dies eine Front im Norden Israels ist. Währenddessen hört der König des Nordens, der von Norden her nach Ägypten zieht, Gerüchte aus dem Norden. Er kehrt aus Ägypten zurück und will seine Position in Israel festigen – zwischen dem Mittelmeer und Jerusalem. So entstehen zwei Fronten: eine im Norden Israels und eine im Süden.
Was für mich ebenfalls interessant ist: Es geht um Syrien und Europa. Bisher fehlen Hinweise auf die USA. Es könnte sein, dass die USA dann keine Rolle mehr spielen. Bisher galten die USA als gut, doch historisch sind die USA im Grunde nur ein Ableger Europas. Die Gottesfürchtigen, die hier verfolgt wurden – Täufer, Calvinisten – wanderten nach Amerika aus. Ebenso Menschen, denen es in Europa nicht gut ging. So entstand Amerika als eine eigenartige Kombination.
Natürlich erlebte Amerika im 20. Jahrhundert einen besonderen Aufschwung. Aber klar ist: Amerika ist eine Erweiterung Europas. Europa und Amerika galten immer als die westliche Macht, obwohl es viel Streit und Neid zwischen ihnen gibt. Man sieht sich dennoch als eine gemeinsame Kultur. Die Bibel macht jedoch deutlich, dass Europa in der Zukunft zur absoluten Nummer eins aufsteigen wird. Das Zentrum des Römischen Reiches wird auf dem alten Kontinent liegen.
Die Situation Amerikas ist sehr kritisch, vor allem wegen der astronomischen Verschuldung. Es könnte wenig brauchen, um alles zum Einsturz zu bringen. Doch auch Europa wird einen Crash erleben, wie Offenbarung 6 in den ersten Siegeln beschreibt. Dieser Crash wird wiederum die Gelegenheit schaffen, dass ein starker Mann an die Macht kommt. Dieser Mann wird nicht in Amerika, sondern in Europa herrschen. Er wird als der kommende Fürst bezeichnet, der „tot“ genannt wird.
Ob Europa zur Schweiz gehört oder umgekehrt, ist dabei noch diskutierbar. Verbunden sind sie längst durch bilaterale Verträge. Das ist eine Suche nach einem schweizerischen Zwischenweg. Doch faktisch sind sie schon an den europäischen Zug angehängt, und das Sagen haben sie nicht. Es gibt Vollmitgliedschaften, Assoziierungen und Ähnliches. Auch im Blick auf Amerika muss es nicht zu einer Vollmitgliedschaft kommen; die Assoziierung ist ohnehin vorhanden.
Die Nummer eins wird aus Europa kommen. Hitler war nur ein Vorgeschmack auf diese Person, die noch kommen wird.
Die Zukunft Jerusalems und das Überleben eines Überrests
Ja, eigentlich wären wir jetzt mit der Besprechung dieses Abschnittes in Jesaja 28 am Ende. Aber gibt es dazu noch ein paar Fragen?
In der Pause hat mich jemand gefragt, was mit den Juden in Israel geschehen wird, wenn der König des Nordens, diese überflutende Geißel, das Land verwüsten wird. Das können wir noch ganz kurz beantworten.
In Sacharja 12 bis 14 wird genau diese Zeit behandelt: der Angriff durch den König des Nordens und die Eroberung Jerusalems. Das wird dort zusammenhängend beschrieben. Wir lesen in Sacharja 13,8, und können das bitte lesen:
„Und es wird im ganzen Land geschehen“, spricht der Herr, „zwei Drittel davon werden ausgerottet, verscheiden. Nur der dritte Teil bleibt übrig. Ich bringe den dritten Teil ins Feuer, läutere sie, wie man das Silber läutert, und prüfe sie, wie man das Gold prüft. Der wird meinen Namen anrufen, und ich werde ihm antworten. Ich werde sagen: ‚Er ist mein Volk‘, und er wird sagen: ‚Der Herr ist mein Gott‘.“
Hier wird also gesagt, dass im Land zwei Drittel ums Leben kommen werden. Das wird so schrecklich sein. Aber ein Drittel wird in dieser größten Not zur Umkehr kommen. Dieser Drittel wird Zuflucht suchen – eben beim Herrn. Anstatt auf Menschen und Bündnisse zu vertrauen, werden sie ihr Vertrauen auf den Eckstein, auf den Erlöser, setzen. Darum werden sie dann von Gott anerkannt.
Er sagt: „Ich werde ihm antworten, ich werde sagen: ‚Es ist mein Volk‘, und er wird sagen: ‚Der Herr ist mein Gott‘.“
Dieser Drittel, der da überleben wird, ist der Überrest Israels. Von diesem Überrest haben wir auch schon bei früheren Besprechungen in Jesaja gelesen. Es ist der Teil Israels, der in diesen letzten Gerichten zur Umkehr kommen wird, zur Bekehrung.
In Römer 11 heißt es zwar: „Wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird, dann wird ganz Israel gerettet werden.“ Ist das ein Widerspruch? Nein, in der Bibel ist alles logisch.
Wenn nur noch ein Drittel überlebt, dann wird dieser Drittel ganz Israel sein – das ist es. Übrigens steht in Römer 11, dass ganz Israel gerettet werden wird, und in Römer 9 heißt es: „Auch wenn die Zahl der Kinder Israel wie der Sand des Meeres wäre, nur ein Überrest wird errettet werden.“
Im gleichen Römerbrief haben wir also diese Gegenüberstellung. Dieser Überrest wird dann ganz Israel werden.
Gibt es noch eine Frage? Ah, ich habe gemeint, jemand hätte sich gemeldet.
Gut, jetzt gehen wir weiter zu Kapitel 35. In den weiteren Kapiteln geht es ganz speziell um die Endzeit. Aber das ist nicht unser Thema. Wir wollen unseren Blick speziell auf das erste Kommen richten. Dann kommen wir zu Kapitel 35. Auch dort werden wir wieder sehen, wie Erstes und Zweites Kommen zusammen betrachtet werden.
Jesaja 35: Zeichen des kommenden Messias und die Wiederherstellung
Lesen wir Jesaja 35,3-7: „Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott; Rache kommt, die Vergeltung Gottes. Er selbst kommt und wird euch retten.“
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Der Lahme wird springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird jauchzen. Denn in der Wüste brechen Wasser hervor und Bäche in der Steppe. Die Wüstenglut wird zum Teich, und das dürre Land zu Wasserquellen. An der Stelle, wo die Schakale lagerten, wird Gras sowie Rohr und Schilf sein. Dort wird eine Straße sein, ein Weg, der „heiliger Weg“ genannt wird. Kein Unreiner wird darüber hinziehen, sondern er wird nur für sie sein.
Jawohl, mal bis hierher. Im Zusammenhang geht es um die Endzeit und das Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit für die Aufrichtung des tausendjährigen Reiches. Dann wird auch die ganze Natur neu aufleben. Das finden wir schon am Anfang von Kapitel 35, kannst du das auch noch dazu lesen?
„Die Wüste wird sich freuen, das dürre Land frohlocken. Die Steppe wird aufblühen wie eine Narzisse. Sie wird in voller Blüte stehen und frohlockend, ja frohlockend und jubelnd sein.“ Ja, das reicht schon.
Hier wird beschrieben, was Petrus in seiner Ansprache in Apostelgeschichte 3,22 „die Wiederherstellung aller Dinge“ nennt. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit und der Knechtschaft des Verderbens unterworfen. Doch mit dem Kommen des Herrn Jesus als König der Welt wird die Schöpfung weitgehend davon befreit werden. So wird die Wüste aufblühen.
Sein Kommen als Messias wird in Vers 4 weiter beschrieben: „Siehe, euer Gott kommt.“ Da wird auch deutlich, dass der Messias Gott ist. Er kommt als Richter der Welt: „Rache kommt, die Vergeltung Gottes.“ Aber er kommt auch als Retter für sein Volk: „Er selbst kommt und wird euch retten.“
Diese Rettung zeigt sich in gewaltigen, messianischen Wundern, wie in Vers 5 beschrieben. Was wird mit den Blinden geschehen? Ihre Augen werden aufgetan, die Ohren der Tauben geöffnet, und die Zungen der Stummen werden jauchzen.
Das wurde klargemacht: Wenn der Messias kommt, werden zahlreiche Wunder stattfinden. Für den alttestamentlichen Leser war das oft ein Problem, wenn er die Prophetie las. Einerseits wird vom Messias gesprochen, der kommen und richten wird. Andererseits gibt es Stellen, die sagen, der Messias werde getötet und als Opfer sterben. Wie bringt man das zusammen? Das war ein echtes Auslegungsproblem.
Auch das Kommen des Messias wird unterschiedlich beschrieben. In Daniel 7,13 heißt es: „Der Menschensohn wird kommen auf den Wolken des Himmels.“ In Micha 5,1 steht, dass der Messias in Bethlehem geboren wird. So wie auch Jesaja 9,5 sagt: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“
Wie kommt er denn? Kommt er auf den Wolken des Himmels oder wird er als Kind geboren? Er muss lernen, das sind zwei verschiedene Erscheinungen. Ein erstes Mal wird er geboren, er wird aufwachsen und als Messias wirken, aber dann getötet werden. Ein anderes Mal wird er auf den Wolken des Himmels kommen, um die Herrschaft der Welt zu übernehmen und Segen zu bringen.
So wird vom Segen des Messias gesprochen: Die Augen der Blinden werden geöffnet, die Tauben können wieder hören. Die Wunder des Herrn Jesus Christus waren entscheidende Zeichen, damit man erkennen konnte: Das ist der Messias.
Jetzt versteht man auch, warum in den Evangelien so viele Berichte darüber zu finden sind, wie Blinde geheilt werden. Zum Beispiel ein prominenter Blinder, Bartimäus in Jericho, und noch bedeutender, ausführlicher beschrieben, der Blindgeborene in Johannes 9. Er war besonders wichtig, weil er selbst bezeugen konnte: „Noch nie, von Ewigkeit her, hat man gehört, dass die Augen eines Blindgeborenen geöffnet worden sind.“
Unter Umständen kann man verstehen, dass ein Blinder eine Verbesserung und Heilung erlebt, je nach Ursache der Blindheit. Aber beim Blindgeborenen ist das absolut nicht zu erwarten, denn nicht nur die Augen selbst müssen repariert werden, sondern das ganze Gehirn.
Wenn ein Kind geboren wird, werden die Hirnteile im hinteren Bereich, die mit den Sehnerven verbunden sind, erst aufgebaut. Das Gehirn wird plastisch verändert und entwickelt, gerade in der Frühphase als Kind. Wenn ein Kind die Augen von Anfang an nie braucht, werden diese Hirnteile gar nicht gebildet.
Die Heilung des Blindgeborenen war deshalb nicht nur ein Wunder an den Augen, sondern am ganzen Gehirn. Er sagt in Schlichtheit: „So etwas habe ich noch nie gehört.“ Es ist erstaunlich: „Ihr Pharisäer, ihr wisst nicht, wer das ist, und dabei hat er meine Augen geöffnet. Das haben wir von Ewigkeit nie gehört.“ Das muss doch jemand ganz Außergewöhnliches sein, und ihr sagt, ihr kennt ihn nicht. Für euch ist das nicht jemand, den ihr anerkennt. Eigenartig.
Diese Berichte sind wichtig, denn sie zeigen, dass Jesus der Messias ist, der die Augen der Blinden öffnet und Gelähmte heilt. Auch das wird beschrieben, zum Beispiel in der Geschichte vom Teich Bethesda. Welche Art Lähmung war das? Paraplegie. Warum? Weil andere immer schneller waren als er, um in den Teich zu gehen.
Es gibt viele Geschichten von Gelähmten, die geheilt werden, oder von einem Stummen, der geheilt wird. Eine besondere Geschichte ist Markus 7, ein Schlüsselabschnitt für das Markus-Evangelium, in den Versen 31 bis 37.
Im Markus-Evangelium finden wir das Evangelium mit den meisten Parallelen zu den anderen Evangelien. 93 Prozent des Textes in Markus haben Parallelen in den anderen Evangelien. Nur sieben Prozent sind „Sondergut“. Dabei hat Markus viele Details, die in anderen Evangelien nicht zu finden sind.
Es ist schade, dass Bibelleser das Markus-Evangelium oft vernachlässigen, weil sie denken, es gibt Parallelen in den anderen Evangelien. Aber diese sieben Prozent Sondergut sind besonders wichtig, um die Botschaft von Markus zu vermitteln. Die Geschichten sind auf typische, einzigartige Weise geschrieben, passend zum Markus-Evangelium.
Ich habe das vor Jahren in Tadschikistan in einem Evangelium-Seminar für bekehrte Muslime erklärt. Dort gibt es wenig Schulbildung, daher muss man anschaulich erklären: Euer Land besteht zu 93 Prozent aus Bergen, und sieben Prozent sind flach. Dazu gehört die Hauptstadt Duschanbe. So ist es mit dem Markus-Evangelium. Die 93 Prozent haben Parallelen in anderen Evangelien, die sieben Prozent sind wie die Hauptstadt, besonders wichtig für die Botschaft.
Lesen wir kurz Markus 7,31-37: „Und er verließ das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten ins Gebiet der Zehn Städte. Sie brachten einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und baten ihn, ihm die Hand aufzulegen. Er nahm ihn von der Volksmenge beiseite, legte seine Finger an seine Ohren und berührte mit Speichel seine Zunge. Dann blickte er zum Himmel, seufzte und sprach zu ihm: ‚Effata!‘ – das heißt: ‚Werde geöffnet!‘ Sogleich wurden seine Ohren geöffnet, die Fesseln seiner Zunge gelöst, und er redete richtig. Er gebot ihnen, es niemandem zu sagen. Aber je mehr er es ihnen gebot, desto mehr machten sie es bekannt. Sie gerieten in höchstem Maße außer sich und sprachen: ‚Er hat alles wohlgemacht; er machte die Tauben hören und die Stummen reden.‘“
Im Markus-Evangelium liegt der Akzent nicht auf den Worten Jesu, sondern auf seinen Taten. Markus betont, dass Jesus der Knecht Gottes ist, während Matthäus ihn als König darstellt. Im Lukas-Evangelium wird betont, dass Jesus wahrer Mensch ist, daher die ausführliche Geburtsgeschichte. Im Johannesevangelium wird gezeigt, dass er wirklich Gott ist, daher beginnt es mit: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Die Gottheit wird im Gegensatz zur Menschheit im Lukas-Evangelium betont. Im Markus-Evangelium ist ein Kennzeichen des Knechts, dass Jesus wenig spricht. Wenn man alle Verse auszählt, in denen Jesus spricht, hat er im Markus-Evangelium den geringsten Anteil. Ein Diener oder Knecht handelt eher, als dass er viel spricht. Darum sind die Taten wichtig.
Der Schlüsselvers im Markus-Evangelium ist Vers 37: Nach der Heilung des Stummen sagt die Volksmenge völlig überwältigt: „Er hat alles wohlgemacht.“ Das ist der Knecht Gottes, der allen Wohl tut. Er macht die Tauben hören und die Stummen reden.
Die Menschen stellten den Bezug zu Jesaja 35 her: Wenn der Messias kommt, werden die Stummen reden und die Blinden sehen. Je mehr Jesus ihnen gebot zu schweigen, desto mehr wurde darüber geredet. Das zeigt das Problem des Ungehorsams. Paulus sagt, solange es kein Gebot gibt, hat man die sündige Natur nicht bemerkt. Sobald man bewusst ist, dass etwas verboten ist, entsteht das Verlangen.
Als Ergänzung lesen wir Jesaja 29,18 und 24: „Die Demütigen werden mehr Freude im Herrn haben, und die Armen unter den Menschen werden jubeln über den Heiligen Israels.“ Das Jubeln haben wir gerade in Markus 7 gesehen. Weiter: „Die mit irrendem Geist werden Einsicht kennen, und Murrende werden Belehrungen annehmen.“
Hier wird ein weiteres Leiden genannt, das geheilt wird: die Verirrten im Geist. Auch da sehen wir, wie Jesus zum Beispiel Mondsüchtige heilte (Matthäus 4, am Schluss). Diese Menschen drehen bei Vollmond besonders durch, was nicht am Mond selbst liegt, sondern an dämonischer Belastung.
Man kann auch an die vielen Besessenen denken, die Jesus heilte. Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Gadarener. In Lukas lesen wir, wie Jesus den Dämon fragt: „Wie heißt du?“ Das macht er normalerweise nicht. Die Antwort war: „Legion“, weil viele Dämonen in ihm waren. Eine Legion umfasst ungefähr 6000 Soldaten.
Ich gebe die Stelle für Notizen an: Lukas 8,26.
Was war besonders an diesem Mann? Er hatte übernatürliche Körperkraft, konnte Ketten zerreißen und sich befreien. Solche Fälle kennt man auch aus der Psychiatrie. Ein Bekannter von mir, Polizist, erzählte, dass sieben Polizisten nötig waren, um einen solchen Mann zu bändigen.
Diese Kräfte sind absolut übernatürlich. Diese Menschen können alles kurz und klein schlagen, Wohnungen zerstören. So war es auch bei diesem Menschen.
Was war noch auffällig? Er war unbekleidet, nackt. Das ist interessant: Dämonen haben offenbar das Bedürfnis, den Menschen zu entkleiden. Gott hat den Menschen nach dem Sündenfall bekleidet, doch Satan versucht, die Kleidung wegzunehmen. Daraus sieht man, woher die Inspiration der Modeschöpfer kommt, die die Blöße des Menschen freilegen wollen – eine dämonische Ursache.
Noch etwas: Lukas 8,35 beschreibt, wie der Mann befreit wurde. Die Leute kamen, um zu sehen, was geschehen war, und fanden den Mann bekleidet, vernünftig und sehr stark, zu den Füßen Jesu sitzend.
Das ist interessant: Bekleidet und vernünftig gehören zusammen. Zu den Füßen Jesu sitzend ist die übliche Haltung, wenn man einem Rabbi zuhört. Paulus sagte von sich, er saß zu den Füßen Gamaliels, als er Student war.
In Lukas 10 lesen wir von Maria, die zu den Füßen Jesu lag, um von ihm das Wort Gottes zu lernen. So bekam dieser ehemals Besessene, sobald er befreit war, Interesse an der Bibel. Manche können nicht einmal den Namen Jesus aussprechen, so schwer ist das. Das ist phänomenal. Plötzlich ist er bekleidet, vernünftig und sitzt zu den Füßen Jesu.
So waren die Verirrten im Geist. Diese Zeichen waren wichtig, um zu erkennen, dass Jesus der Messias ist. Besonders bedeutsam war die Heilung des Blindgeborenen, denn so etwas gab es noch nie. Jesus tat das (Johannes 9).
Auch die Heilung von Aussätzigen war bedeutend. Die Rabbiner sagten, einen Aussätzigen zu heilen sei so schwierig wie einen Toten aufzuerwecken. Aussätzige mussten außerhalb der Stadt isoliert leben; sie waren lebendige Tote.
In Lukas 5 lesen wir, wie Jesus einen Aussätzigen heilte. Ich kann das kurz vorlesen: Lukas 5,12: „Als er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn: ‚Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.‘ Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: ‚Ich will, sei gereinigt!‘ Und sogleich wich der Aussatz von ihm. Jesus gebot ihm, es niemandem zu sagen, aber er solle zum Priester gehen, sich zeigen und das Opfer darbringen, wie Mose geboten hat, als Zeugnis. Doch die Rede über ihn verbreitete sich umso mehr, und große Volksmengen versammelten sich, um zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Jesus zog sich zurück und war in einsamen Gegenden und betete.“
Die Heilung eines Aussätzigen war besonders, denn in der Geschichte Israels gab es nie eine Heilung eines Aussätzigen seit den Tagen Moses. Miriam, die Schwester Moses, wurde geheilt (4. Mose 12), aber sonst nicht.
Als Ausnahme gab es Naaman, den Syrer, der geheilt wurde, aber er war kein Israelit. Mose beschrieb ausführlich in 3. Mose 13, wie die Priester den Aussatz von anderen Hautkrankheiten unterscheiden mussten. Sie waren genau geschult, um Aussatz eindeutig festzustellen.
In Kapitel 14 sind die Anweisungen, was geschieht, wenn jemand von Aussatz geheilt wird. Er muss von den Priestern kontrolliert werden, dann wird er wieder in die Gemeinschaft aufgenommen und muss bestimmte Opfer darbringen.
Dieses Kapitel wurde in der Geschichte Israels nie benutzt. Jetzt kam ein Rabbi aus Nazareth, der einen Aussätzigen heilte, bei dem offiziell bestätigt wurde, dass er Aussatz hatte. Jesus sagte zu ihm: Geh zum Priester, zeig dich und bringe das, was Mose gesagt hatte.
Der Aussätzige musste nach Jerusalem reisen, warten, bis ein Priester außerhalb der Stadtmauern ihn untersuchte. Wenn klar war, dass er geheilt war, durfte er in die Stadt und in den Tempel.
Im Frauenvorhof gab es in den vier Ecken kleinere offene Höfe. Einer davon war die Kammer der Aussätzigen, rechts vom Eingang zum innersten Vorhof, beim Nikanor-Tor. Dort musste der Geheilte seine Haare scheren und sich auf die Opfer vorbereiten.
Das war schön vorbereitet, aber wurde nie benutzt. Jetzt wurde es gebraucht. Die Priester mussten offiziell bestätigen, dass das Wunder geschehen war.
Im nächsten Vers, Lukas 5,17, lesen wir, dass Pharisäer und Gesetzeslehrer aus jedem Dorf Galiläas, Judäas und aus Jerusalem gekommen waren. Die Kraft des Herrn war da, damit er heilte.
Man muss sich vorstellen, was das bedeutet: Es kamen nicht nur ein paar Gesetzeslehrer, sondern Rabbiner aus dem ganzen Land, um Jesus zu hören. Sie hatten realisiert, dass er der Messias sein könnte und wollten seine Reden prüfen, ob das, was er sagte, mit dem übereinstimmt, was er tat.
So sieht man, welche Gewalt und Bedeutung diese Wunder hatten.
Atheisten heute spotten und sagen, es habe nie Wunder gegeben. Wissen sie das? Waren sie dabei? Nein. Wunder gibt es nicht? Gut, aber ein Wunder glaubt ihr: Dass die Welt und Materie aus dem Nichts entstanden sind – ohne Gott. Das ist ein unbegründeter Glaube, den ich nicht habe.
Im Judentum wurden diese Wunder nicht geleugnet. Der babylonische Talmud im Traktat Sanhedrin 43a bestätigt, dass Jesus wirklich Wunder tat. Dort werden die Wunder jedoch der Kraft Satans zugeschrieben. Das entspricht auch der biblischen Darstellung.
In Matthäus 12 beschuldigen Pharisäer Jesus, die Wunder in der Kraft Beelzebubs, des obersten Dämons, zu tun. Es gibt weitere außerbiblische Quellen, die zeigen, dass im Judentum die Wunder nicht geleugnet wurden. Die Frage war nur, ob sie von Gott oder nicht von Gott kamen.
Diese außerbiblischen Zeugnisse sind wichtig, weil sie zeigen, dass die Wunder wirklich geschahen. Atheisten können darüber lachen, so viel sie wollen – das ändert nichts.
Diese Wunder, zusammen mit anderen Beweisen, sind wichtig, um zu zeigen: Jesus von Nazareth ist wirklich der geweissagte Messias. Alles ging in Erfüllung: sein Tod, seine Auferstehung, die Zerstörung Jerusalems, die Zerstreuung der Juden unter alle Völker der Welt.
Er ist es. Das macht klar, dass unser Glaube kein Sprung ins Dunkle ist. Dieser Glaube gründet auf nachvollziehbaren Tatsachen. Es ist kein unvernünftiger Glaube, sondern im vollen Sinn vernünftig.
Deshalb heißt es von Paulus in Apostelgeschichte 9, dass er in der Synagoge von Damaskus die Leute in Verwirrung brachte, indem er bewies, dass Jesus der Christus ist. Auch Apollos in Apostelgeschichte 18 half den Gläubigen in Korinth, indem er öffentlich die Juden widerlegte und bewies, dass Jesus der Christus ist.
Der Ausdruck „beweisen“ wird zweimal verwendet. Das zeigt, dass unser Glaube nachvollziehbar ist und auf unwiderlegbaren Fakten beruht.
Das ist sehr wichtig, denn viele Gläubige sagen: „Ich glaube“, meinen aber, sie müssten den Glauben nicht begründen können. Es ist aber wichtig, den Glauben auch gegenüber Ungläubigen begründen zu können. Sonst sagen sie: „Du glaubst das, ein Moslem glaubt das, ein Hindu glaubt das – warum soll ich Christ werden?“
Man muss zeigen, dass diese Beweise die anderen Religionen nicht haben. Nur der biblische Glaube hat sie.
Gut, wir müssen zum Schluss kommen für heute. Wir wollen noch zusammen beten und dann kurz etwas besprechen.
