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Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus

Matthäus 8,14-27
Matthäus 8,14-2714.07.2019
SerieTeil 16 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi
Jesus schläft im Sturm – und genau das macht Angst. Doch ein Wort von ihm genügt, und Chaos wird still: Wer ist dieser, dem Wind und Wellen gehorchen?

Einordnung in den Aufbau des Matthäusevangeliums

Wir stehen in Matthäus 8, und zwar kommen wir zu Vers 14. Folgendes möchte ich nochmals darauf hinweisen: Mit Kapitel 8, Vers 1 beginnt der dritte Teil im Matthäusevangelium. Die sieben Teile sind ja ganz genau durch den Inhalt deutlich gegeben, und der Heilige Geist verwendet ständig einen Refrain, der genau deutlich macht, wo ein Einschnitt zu finden ist.
Nach dem Refrain in Kapitel 7, Verse 28 und 29, am Schluss der Bergpredigt, der betont, wie das Volk gestaunt hat über die Lehre des Herrn Jesus und eben, dass er lehrte wie einer, der Vollmacht hatte, kommt Kapitel 8. Der dritte Teil hat das Thema: die Autorität des Messias-Königs.
Da haben wir bereits gesehen: Im ersten Abschnitt geht es um dieses ganz besondere messianische Wunder, die Heilung eines Aussätzigen. Wir haben letztes Mal gesehen, dass es nach der Zeit von Mose kein Beispiel mehr in der Heiligen Schrift gab, bis in diese Zeit, in der ein Israelit von Aussatz geheilt worden wäre. Wir haben letztes Mal gesehen, dass das eine enorme Auswirkung hatte. Die Reaktion des Volkes Israel auf dieses Wunder war völlig ungewöhnlich, wie wir das letztes Mal im Detail gesehen haben.
Dann ist aber noch zu betonen, dass die Autorität des Herrn Jesus deutlich wurde, indem er zu diesem Aussätzigen sprach, in Vers 3: „Ich will, werde gereinigt.“ Dieses mächtige Wort, das sich schon in der Bergpredigt, Kapitel 5 bis 7, gezeigt hat, zeigt sich auch hier in der Heilung eines Aussätzigen. Und wichtig: Er sagt nicht „im Namen Gottes“, sondern er sagt: „Ich will, werde gereinigt.“ In der Autorität seiner eigenen Person tut er das.
Dann haben wir im nächsten Abschnitt diesen Zenturion, diesen Hauptmann aus Kapernaum. Und wie der Herr Jesus auch da eingegriffen hat, und zwar gemäß dem Wunsch des Zenturion, der in Vers 8 sagt: „Sprich nur ein Wort.“ Und das hat der Herr Jesus gemacht: Er hat nur ein Wort gesprochen, und es hatte solche Autorität, dass auch dieser Knecht des Zenturion gesund gemacht wurde.
Und jetzt kommen wir zum dritten Abschnitt. Da geht es um Fieber. Also in jedem Abschnitt geht es um Krankheiten: zuerst Aussatz, dann der Knecht des Zenturion, der gelähmt war und schrecklich von Schmerzen gequält wurde, und jetzt um eine fieberkranke Frau.
Darf ich bitten, dass jemand Verse 14 bis 27 liest?

Die Heilung im Haus des Petrus und ihre Bedeutung

Und als Jesus in das Haus des Petrus kam, sah er, dass dessen Schwiegermutter dort niederlag und Fieber hatte. Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie, und sie stand auf und diente ihnen.
Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit einem Wort und heilte alle Kranken, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist, der spricht: Er hat unsere Gebrechen weggenommen und unsere Krankheiten getragen.
Als aber Jesus die große Volksmenge um sich sah, befahl er, ans jenseitige Ufer zu fahren. Und ein Schriftgelehrter trat herzu und sprach zu ihm: Meister, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Ein anderer seiner Jünger sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Jesus aber sprach zu ihm: Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben.
Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm nach. Und siehe, es erhob sich ein großer Sturm auf dem See, so dass das Schiff von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. Und seine Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette uns, wir kommen um! Da sprach er zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen! Dann stand er auf und befahl den Winden und dem See, und es entstand eine große Stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Wer ist dieser, dass ihm selbst die Winde und der See gehorsam sind?
Vielen Dank! Wir haben hier das Haus des Petrus vor uns in Vers 14, und wenn wir dazu aufschlagen in Markus, erhalten wir noch einige Informationen, nicht nur zum Ort, sondern auch zum Zeitpunkt. Und zwar lesen wir in Markus 1,21: Und sie gehen nach Kapernaum hinein, und sogleich am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und weiter wird dann in Vers 23 und folgende darüber gesprochen, wie der Herr Jesus ein Wunder tut: In der Synagoge wird ein Besessener geheilt.
Dann muss man beachten, dass Vers 29 direkt zeitlich weitergeht: Und sogleich gingen sie aus der Synagoge hinaus und kamen in das Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter Simons aber lag krank da nieder.
Jetzt wird klar, an welchem Tag das war: nicht nur im Haus von Simon Petrus, das, wie wir auch hier klar sehen, in Kapernaum war, sondern auch an welchem Tag. Am Sabbat, jawohl. Und nach der Synagoge, nach der Morgensynagoge, gibt es ein Sabbatmahl, ein besonderes Mittagessen. Aber die Frau hier im Haus ist fieberkrank.

Der Sabbat, das Haus und die Nuancen der Evangelien

Wenn wir dann diese Heilung lesen, wird klar, dass es in Vers 15 heisst: „Er rührte ihre Hand an, und das Fieber verliess sie, und sie stand auf und diente ihm.“ In Markus und Lukas, in den Parallelstellen, also in Markus 1 und Lukas 4, heisst es, sie diente ihnen. Sie hat also die ganzen Aufgaben als Frau im Haus übernommen, um das Schabbatmahl zu servieren. Das gibt dem Ganzen natürlich noch eine besondere Note.
Was dieses Haus von Petrus betrifft, ist es interessant: Im 19. Jahrhundert konnte man zum ersten Mal überhaupt wieder identifizieren, wo diese Ruinen von Kapernaum sind. Das war Edward Robinson, ein Engländer, der im 19. Jahrhundert das Land Israel, das man damals Palästina nannte, erforscht hat. Er versuchte, möglichst viele Ortschaften, die in der Bibel erwähnt werden, wieder zu identifizieren.
Zum Beispiel war er auch der Mann, der in der Lage war, Silo zu identifizieren, wo einst die Stiftshütte stand. Dabei fragte er jeweils die Beduinen, wie sie diesen Ort nennen. Und die sagten: Das ist Ceylon, Ceylon, Shiloh. Das könnte verwandt sein. So konnte er Silo so korrekt identifizieren, wie es dann die späteren Ausgrabungen gezeigt haben.
Er war es auch, der 1838 diese Ruinen von Kapernaum besucht hatte. Einige Jahre später konnte dann Charles Wilson, ebenfalls ein Engländer, die Synagoge in Kapernaum unter den Ruinen identifizieren.
1905 begannen dann Deutsche dort zu graben. Das waren der berühmte Karl Watzinger, der auch anderswo gegraben hat, und Heinrich Kohl. Im selben Jahr führten dann Benediktiner diese Ausgrabungen weiter, bis 1926. Ab 1968 begann wieder eine neue Ausgrabungswelle, übrigens finanziert vom italienischen Staat. Dabei wurde das Haus von Petrus gefunden.
Das Interessante ist, was man zunächst fand: Unter den Ruinen lag eine byzantinische Kirche, achteckig, also oktogonal, wie man sagt. Diese war aber über den Ruinen eines Hauses gebaut worden, wie sich herausstellte, und zwar eines Hauses aus dem 1. Jahrhundert. Dort gab es Inschriften, die klar machten: Das war das Haus von Petrus.
So konnte man also effektiv das Haus von Petrus und auch diese Synagoge, in der sie vorher waren und von der sie dann ins Haus von Petrus gingen, ganz genau vor Ort in Kapernaum identifizieren.
Und was dabei herauskam, war: Petrus war nicht ein armer Schlucker. Manche denken an einen armen Fischer aus Kapernaum, aber nein, das war einer, der ein Fischereiunternehmen hatte. Das war schon ein Betrieb, der lief. Auch die Lage seines Hauses in unmittelbarer Nähe zum See zeigt, dass er nicht irgendwo wohnte, sondern dass es schon ein teures Quartier war.
Damit wird klar, dass auch Petrus, als er bereit war, in den Dienst und in die Nachfolge seines Jesus zu gehen, nicht einfach einer war, der wegen beruflichen Misserfolgs Missionar wurde. Es gibt ja dieses Problem: Im Beruf geht es einfach nicht, dann wird man Missionar. Aber es ist natürlich etwas anderes, wenn jemand wirklich in einem Beruf steht, mit beiden Beinen in der Arbeit steht und etwas aufgebaut hat, und dann entscheidet: Nein, das hat Priorität in meinem Leben. Und das muss man sagen, war bei Petrus eben offensichtlich der Fall.
Also: ein grosses Haus, und darin war diese Schwiegermutter fieberkrank.

Heilung, Berührung und die Unterschiede zwischen Matthäus, Markus und Lukas

Im Talmud gibt es eine Stelle, die über Fieber spricht. Das ist im babylonischen Talmud im Traktat Nedarim 41a. Dort wird über verschiedene Krankheiten gesprochen, dann über Fieber, und dann heißt es, die Heilung von Fieber sei ein viel größeres Wunder als das Wunder aus Daniel 3. Das ist ja das Kapitel mit den drei Freunden im Feuerofen.
Und zwar sagt diese Stelle im Talmud: Feuer kann ja im Prinzip jeder löschen, jeder Mensch. Aber Fieber, das wird auch das Feuer des Himmels genannt, das kann keiner löschen. Wer kann es dann löschen, wird gefragt. Gute Frage.
Und hier haben wir in der Bibel die Antwort: der Herr Jesus. Er kann auch dieses Feuer vom Himmel löschen. Und zwar, wie löscht er es hier? Durch Berührung ihrer Hand, Vers 15: Und er rührte ihre Hand an.
Nun, im Matthäusevangelium wird der Herr Jesus mit dem Akzent auf der Tatsache vorgestellt, dass er König ist. Im Markusevangelium dagegen wird betont, dass er Knecht ist. Schauen wir uns mal den Unterschied an. Also hier berührt der König ihre Hand. Und in Markus wird von dem Knecht gesagt — liest du das gleich vor, Roland? — Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf, und das Fieber verließ sie sogleich, und sie diente ihnen.
Ja, sehr schön. Der Diener nimmt sie bei der Hand und richtet sie auf. So sieht man, wie der Heilige Geist, der die Autoren der Evangelien inspiriert hat, die Dinge mit diesen Aussagen eben so beschreibt, wie sie gerade wichtig waren, um ihr Thema zu betonen. Natürlich hat er sie an der Hand berührt. Und natürlich hat er sie an der Hand gefasst und sie aufgerichtet. Aber Matthäus, der den König beschreibt, betont einfach: Er hat sie berührt und geheilt. Markus, der den Knecht beschreibt, als Kontrast zu Matthäus, beschreibt, wie er eben ihre Hand nimmt und sie aufrichtet.
Und so sollte man alle vier Evangelien lesen. Dann wird man ständig sehen, dass diese Unterschiede eine Bedeutung haben, und zwar eine sehr schöne Bedeutung, wenn man das so wahrnimmt.
Und hier kommt noch dazu: Matthäus sagt, das Fieber verließ sie. Und wie beschreibt das Lukas, der Arzt? Schlagen wir dazu Lukas 4,39 auf. Sie aber stand sogleich auf und diente ihnen.
Ja, er sagt, genau wie die anderen Evangelisten Matthäus und Markus, dass sie nach der Heilung gedient hat und eben dieses Sabbatmahl den Leuten gegeben hat. Aber Lukas, der Arzt, betont: Sie aber stand sogleich auf. Das sagen die anderen nicht. Der Arzt betont, dass nach dieser Krankheit, die eine völlige Erschöpfung zur Folge hat, wenn man richtig Fieber hat — und es war hohes Fieber — man einfach völlig erschöpft ist und gar nichts kann. Sie steht sofort auf und ist fähig, das Sabbatmahl den Leuten zu geben.
Also alles feine Nuancen, die eben mit dem Charakter jedes Evangeliums zu tun haben.
Und dann noch etwas: In Matthäus wird gesagt, sie stand auf und diente wem? Ihm. Und in Markus und Lukas steht: ihnen. Natürlich stimmt beides. Aber Matthäus betont: Das ist der König. Und diese Frau, die wirklich völlig kraftlos war, unfähig, dem König der Könige zu dienen, sie steht auf und sie dient dem König.
Und damit kommen wir gleich zum nächsten Vers, Vers 16.

Abend, erster Tag der Woche und die Ausbreitung der Heilung

Matthäus gibt, wie auch das Markus-Evangelium, die zeitliche Reihenfolge genau an: Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit einem Wort. Und er heilte alle Leidenden.
Was für ein Datum ist das? Was für ein Wochentag ist das? Ja, da sind nicht alle einverstanden. Jemand sagt, das sei immer noch Schabbat, und jemand sagt, das sei Sonntag.
Mit dem Abend beginnt im Judentum ein neuer Tag. Sobald drei Sterne sichtbar sind, beginnt nach rabbinischer Regelung der neue Tag. Matthäus betont also: Es war bereits Abend geworden, und mit dem Abend beginnt eben der neue Kalendertag. Es ist der erste Tag der Woche.
Sonntag kommt ja nie vor in der Bibel. Aber der erste Tag der Woche ist der Auferstehungstag. Jesus ist am ersten Tag der Woche auferstanden. Eine Woche später, acht Tage später, sagt Johannes 20, waren die Jünger wieder, wie am Auferstehungstag, versammelt beieinander, und der Herr kommt an diesem ersten Tag der Woche in ihre Mitte. Wenn man die ganze Zeit rechnet, diese Wochen vom Auferstehungstag bis Pfingsten, dann sind das genau 50 Tage. Vom Auferstehungstag bis Pfingsten sind es 50 Tage nach der Bibel, und das war wieder ein erster Tag der Woche. In der Bibel steht nicht Sonntag, aber es war ein erster Tag der Woche, und da entsteht die Gemeinde.
Hier haben wir jetzt auch wieder einen ersten Tag der Woche. Dieser Tag spielt eine wichtige Rolle im Neuen Testament. Es ist der Tag des Sieges und der Auferstehung des Herrn Jesus. Es ist der Tag der Entstehung der Gemeinde Gottes. Und dieser Tag war schon wichtig im Alten Testament.
Wo findet man zum ersten Mal den ersten Tag der Woche? Als die Arche gelandet war auf dem Ararat, das ist ja am 17.7. gewesen, also am 17. Nissan. Das ist das gleiche Datum wie der Auferstehungstag, denn der 17.7. zur Zeit von Noah war der siebte Monat, der Nissan. Und der Herr Jesus ist tatsächlich am 17. Nissan auferstanden, am 15. gekreuzigt, am 16. und am 17.
Damit ist nicht klar, an welchem Wochentag das war, denn der 17.7. kann natürlich auf irgendeinen Wochentag fallen. Also damit ist nicht geklärt, ob zur Zeit von Noah das auch der erste Tag der Woche war. Aber es ist jedenfalls der gleiche Kalendertag wie der Auferstehungstag. Das ist ein Jesus, der bei der Auferstehung eben auf den ersten Tag der Woche fiel.
Aber wo noch? Der erste Schöpfungstag. Ja, der erste Schöpfungstag. Die Bibel beginnt mit dem ersten Tag der Woche. An diesem Tag hat Gott die Welt erschaffen. Wenn wir also in 1. Mose 1,1 lesen, ist das eben kein Titel, sondern das ist bereits der erste Schöpfungstag. Wenn es heißt: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“, und die Erde war, oder besser übersetzt: wurde wüst und leer, das ist eben noch der erste Schöpfungstag. Und Finsternis war über der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern, und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Das ist alles der erste Tag.
Am Schluss von Vers 5 heißt es zusammenfassend, also als Resümee: Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, erster Tag. Da wird klargemacht: Der Kalendertag, dieser erste Kalendertag der Schöpfung, begann mit Abend. Dann kommt die Nacht, dann der Morgen, und dann kommt der helle Teil des Tages. Das zusammen macht den ersten Schöpfungstag aus.
Aber auch da wird wieder klar, dass der Wochentag mit dem Vorabend im Judentum beginnt. Das ist eben in der Bibel verwurzelt. Das ist nicht eine rabbinische Erfindung, sondern das ist die biblische Art, die Zeit zu berechnen.
Hier haben wir also den ersten Tag der Woche. Der siebte ist dann der Schabbat. Damit ist klar, dass das in unserer Sprache dem Sonntag entspricht. Sonntag ist natürlich ein übler Name, denn das erinnert an den Sonnengott. Klar. Aber auf Spanisch sagt man Domingo, und das ist der Herrentag. In Offenbarung 1,10 wird gesagt, dass Johannes die Mitteilung der Offenbarung bekam „am Tag des Herrn“. Das ist ein spezieller Ausdruck: Kyriake Hemera bedeutet „der dem Herrn gehörige Tag“. Das ist die Bezeichnung für den Auferstehungstag im Neuen Testament. So wurde also die Offenbarung an diesem besonderen Tag gegeben, nicht Sonntag, sondern am Herrentag. Deshalb sagt man schön auf Spanisch Domingo und auf Italienisch Domenica, und es ist das Gleiche. Herrentag, Dimanche, ja, das kommt auch davon, auf Französisch natürlich.
Also nur im Deutschen haben wir diesen komischen Ausdruck Sonntag. Aber hier zur Entlastung: Man muss mal Römer 16 lesen, wie Paulus da Brüder und Schwestern in Rom grüßt. Da wird zum Beispiel einer erwähnt, der Nereus heißt. Nereus, das ist der Name des Meergottes. Oder da wird ein Hermes erwähnt, das war in der griechischen Mythologie der Bote der Götter, und so weiter und so fort. Also schreckliche Namen.
Oder in Philipper 2 spricht Paulus über einen treuen Bruder, der gerade weil er so treu war im Dienst fast gestorben ist. Das war Epaphroditus. Und er war dann so glücklich, als der Herr ihn wieder aufgerichtet hatte. Was heißt Epaphroditus? Der der Aphrodite Geweihte. Ja gut, diesen Namen hat er von seinen Eltern bekommen, das waren Heiden. Aber er hat den Namen nicht geändert. Das war einfach kein Problem für die ersten Christen, dass sie diesen Namen weiterführten. Das war einfach ein Rufname. Das war halt der Nereus, der Nereus. Aber natürlich hatten die nichts mehr zu tun mit diesem ganzen Götzendienst dahinter.
Das entlastet eben, wenn jemand so ein feines Gewissen hat und sich sagt: Ja, warum sage ich Sonntag, dem Sonnengott geweihter Tag, oder Montag, dem Mondgott geweiht, und so weiter? Kein Problem. Das sind die Namen, wie wir sie in der Sprache haben. Und natürlich ist es schöner, wenn wir sagen: der erste Tag der Woche, der Tag des Herrn. Aber das ist eine wichtige Beobachtung.

Die Macht des Wortes über Dämonen, Krankheit und die Natur

Ja gut, gehen wir zurück zu Matthäus 8, Vers 16.
Also, es wird Abend, und die Menschen haben gemerkt: Was ist da geschehen in der Synagoge von Kapernaum an diesem Morgenschabbat, bevor sie dann in das Haus von Petrus gingen? Da wurde ein Besessener geheilt in der Synagoge, und im Haus von Petrus wurde eine kranke Frau geheilt.
Und jetzt, als der Schabbat vorüber war, kamen die Leute. Die konnten auch von weit herkommen, denn sie mussten sich dann nicht mehr an eine Sabbatdistanz halten. Darum gibt es so einen grossen Aufmarsch gleich danach. Aber es ist der erste Tag der Woche.
Und was hier geschieht, ist wie in 1. Mose 1: Es werde Licht. Menschen, die in der Finsternis waren, viele Besessene bringen sie zu ihm, und der Herr Jesus treibt sie aus. Mit einem Wort: Es geht wieder um das Thema dieses mächtigen Wortes, das sich in der Bergpredigt gezeigt hat. Mit Vollmacht gesprochen, zeigt sich das eben auch darin: Der Herr kann gebieten, und die Geister müssen gehen.
Aber sehr wichtig: Matthäus unterscheidet viele Besessene, und dann sagt er: Und er heilte alle Leidenden. Das sind Kranke. Also Krankheit nicht gleich mit dämonischer Wirksamkeit ersetzen. Das ist ganz wichtig, denn es gibt natürlich heute ganz verbreitet in der Welt solche Lehren, die sagen, Krankheit müsste eigentlich nicht sein, und wenn ein Gläubiger krank ist, dann ist das ein Einfluss von Dämonen. Und dann sollte man auch noch gleich diesen Dämonen gebieten.
Wir wissen, es gibt diesen Fall von Krankheit, die mit Dämonie verbunden ist. Das sehen wir jetzt mal schlauchig im Lukasevangelium, und zwar, ich kann die Stelle angeben, von einer Frau, die gekrümmt war, achtzehn Jahre lang. Und der Herr richtet sie auf, und dort wird wirklich gesagt, dass sie eben von dem Feind gebunden war. Das ist in Lukas 13, einfach für die, die gerne aufschreiben: Lukas 13, Verse 10 und folgende. Also da wird gesagt, das war eine Gebundenheit. Aber es ist ein spezieller Fall.
Normalerweise ist Krankheit nicht einfach eine Folge von direkter dämonischer Wirkung, und das wird hier unterschieden: die Besessenen und die Leidenden. Und es ist ganz wichtig, dass man das nicht vermischt, denn dadurch wird ja seelsorgerlich so viel gläubigen Menschen gewaltiges Unrecht getan, indem man eben Krankheit gleich mit Dämonie in Verbindung bringt.
Aber der Herr, was hier gezeigt wird, ist mächtig mit seinem Wort, eben über die Mächte der Finsternis und auch über alle Arten von Krankheiten.

Erfüllung bei Matthäus und die Auslegung von Jesaja 53

Und dann erklärt Matthäus etwas ganz Interessantes: „Damit sei erfüllt worden“, Vers 17, „erfüllt worden, was durch den Propheten Jesaja geredet ist.“ Und dann zitiert er ein Wort aus welchem Kapitel? Jesaja 53, diesem wunderbaren Kapitel auf den leidenden Messias hin. Das beginnt eigentlich schon in Kapitel 52, Vers 13, bis zum Schluss von Kapitel 53.
Und hier wird gesagt: Dieses Wort „Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten“ – wann habe sich das erfüllt? Wie? Hier ist doch nicht die Kreuzigung beschrieben. Die Kreuzigung kommt einige Kapitel später in Matthäus, in Matthäus 27, nicht wahr? Ja, was sagt ihr da, wann wurde das erfüllt?
Während Jesus gedient hat. Ja, während Jesus gedient hat, da hat sich das erfüllt. Es bezieht sich also nicht auf das Kreuz. Dieses Tragen unserer Krankheiten, das wird gesagt, das hat sich da erfüllt. Das ist sehr wichtig.
In Matthäus wird ja immer wieder betont: Da wurde erfüllt, da wurde erfüllt. Zum Beispiel haben wir das gehabt im Kapitel 1, im Zusammenhang mit der Geburt des Herrn Jesus. 1, Vers 22: „Dies alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären.“ Da wird klar gesagt: Das war die Erfüllung von Jesaja 7,14. Das ist dort prophezeit worden, und da ist es erfüllt worden.
Dann in Kapitel 2, Vers 15: „Und er blieb dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Das ist Hosea 11,1. Hier wird erklärt: Damals, als die Eltern, Maria und Josef, mit dem Kind Jesus aus Ägypten zurückkehrten, da erfüllte sich die Prophetie aus Hosea 11: „Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.“ Der Messias sollte aus Ägypten gerufen werden.
Und so geht das weiter, zum Beispiel dann auch Vers 17, also 2, Vers 17, 2, Vers 23 und jetzt eben hier in Kapitel 8: Es wurde erfüllt. Und wenn es heißt „erfüllt“, dann meint es wirklich, dass da die Prophetie in Erfüllung ging.
Es ist ganz wichtig, ein gegensätzliches Beispiel: In Apostelgeschichte 2, Pfingsten, da haben die Menschen, oder ein Teil der Menschen, die da waren, entsetzt gefragt: „Was ist das?“ Und dann erklärt ihnen Petrus: „Das ist dies“, und er zitiert aus Joel 3. Können wir das kurz aufschlagen? Apostelgeschichte 2.
Es gibt zwei Gruppen von Zuhörern: solche, die entsetzt sind, in Verlegenheit sind. Das waren diese Leute, die diese Sprachen an Pfingsten verstanden haben, wie die Jünger in Fremdsprachen, ohne sie gelernt zu haben, perfekt gesprochen haben, sogar Dialekte, also sogar klanglich war es korrekt. Die sind da ganz entsetzt. Und dann gab es eben solche, die die Fremdsprachen nicht verstanden, und die haben spottend gesagt, sie wussten genau, dass es nicht stimmt: „Sie sind voll süßen Weines.“
Ja, und dann steht Petrus auf, in Vers 14. Liest das jemand vor, bitte?
„Petrus aber stand auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund, und hört auf meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint. Denn es ist die dritte Stunde des Tages; sondern dies ist das, was durch den Propheten Joel gesagt ist: Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen werde über alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Traumgesichte haben. Und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen.“
Danke, und so weiter. Er zitiert sogar noch weiter aus Joel 3. Aber jetzt ist wichtig: Er sagt nicht: „Dies ist die Erfüllung von dem, was durch den Propheten Joel gesagt ist“, sondern sie haben gefragt, und zwar in Vers 13: „Was mag dies wohl sein?“ Also: Was ist das, was hier geschieht? Und er sagt in Vers 15 als Antwort, Vers 16 als Antwort: „Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist.“
Das ist genau dasselbe, was Joel in der Prophetie beschreibt, was hier geschieht, nämlich eine Geistesausgießung. Aber Pfingsten war nicht die Erfüllung von Joel 3, sondern einfach das gleiche Phänomen wie Joel 3. Joel 3 wird erst in der Zukunft in Erfüllung gehen. Denn wenn man Joel 3 aufschlägt im Alten Testament, da heißt es dort Joel 3, Vers 1. Es kann sein, dass gewisse Bibelübersetzungen die Verszählung anders haben, dann wäre es nämlich 2, Vers 28. Aber es steht in allen Bibeln das Gleiche.
Und zwar in 2, Vers 28 heißt es: „Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch.“ Danach, das heißt also nach dem, was vorher beschrieben ist in Joel 2 und Joel 1. Und was wird dort beschrieben? Es wird die große Drangsalzeit beschrieben, und zwar gleich von Anfang an, wie sie eröffnet wird, durch einen militärischen Angriff vor einer Koalition, so groß, wie noch nie in der Geschichte Israels eine Armee gegen Israel gekommen ist. Sie werden von Norden her das ganze Land überrennen. Vor der Armee wird das Land sein wie der Garten Eden, und da, wo die Armee durch ist, ist alles verbrannt. Und die Armee lässt keine Entronnenen übrig.
Eine Katastrophe wird dort im Detail beschrieben, die noch nie in der Vergangenheit erfüllt worden ist. Das ist noch zukünftig. Das wird erst geschehen zu Beginn der letzten dreieinhalb Jahre. Das ist die große Drangsalzeit, bevor der Herr Jesus an die Macht und Herrlichkeit als König kommen wird. Und Joel 3 sagt dann: Nach diesem werde ich meinen Geist ausgießen. Und das ist eben die Geistesausgießung, die geschehen wird am Anfang des tausendjährigen Friedensreiches, nach der großen Drangsalzeit. Dann wird das in Erfüllung gehen.
Aber Petrus sagt den erstaunten Zuhörern in Jerusalem: Weshalb seid ihr so überrascht, als wäre das ein Phänomen, das ihr überhaupt nicht kennt? Ihr kennt das aus den Heiligen Schriften. Das ist genau das Gleiche, was wir doch aus Joel kennen. Aber es ist nicht die Erfüllung.
Und darum ist es wichtig, eben die Bibel so genau zu lesen und auch hier zu sehen: Also Jesaja 53, Vers 4 wurde erfüllt nicht am Kreuz, sondern vor dem Kreuz, im Leben des Herrn Jesus. Ja, aber was heißt denn das hier? „Er nahm unsere Schwachheiten, trug unsere Krankheiten.“ Er hat sie getragen. Ja, er hat sie getragen. Wie kann man Leid tragen, Leid von anderen?
Das griechische Wort „bastazo“ kann bedeuten, eine wirkliche Last zu tragen oder auch seelisch etwas mitzutragen. Und hier wird gesagt, dass der Herr Jesus, als er diese Menschen gesehen hat, das hat ihn innerlich betroffen gemacht. Das waren ja alles die Folgen des Sündenfalls. All dieses Elend haben wir Menschen verschuldet, und er hat das innerlich mitgetragen und hat mitgefühlt. Und er hat dann durch sein Wort geheilt, sowohl dämonisch belastete Menschen als auch solche, die einfach krank waren. Und damit wurde erfüllt, dass er sich nicht mehr so sehr für seine Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.

Jesaja 53, das Kreuz und die richtige Unterscheidung

Jetzt hat das natürlich enorme Konsequenzen. Es ist ja bekannt, dass weltweit in der charismatischen Bewegung so gelehrt wird, dass Jesus Christus am Kreuz unsere Krankheiten getragen habe. Und weil er sagen konnte: Es ist vollbracht, habe eigentlich ein Gläubiger heute einen Anspruch auf Heilung? Und wenn er trotzdem krank ist, dann sei er selber schuld, weil er nicht eben auf dieses Recht der Heilung pocht und darauf besteht.
Aber das Wort Gottes, der Heilige Geist, legt Jesaja 53,4 anders aus. Er sagt, es bezieht sich nicht auf das Kreuz, sondern auf das Leben des Herrn Jesus und darauf, wie er innerlich mitgetragen hat. Jetzt schlagen wir Jesaja 53 auf, um das im Original zu lesen. Und zwar will ich vorschlagen, ab Vers 3:
Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht. Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.
Stopp mal, und dann gehst du gleich weiter. Also hier haben wir diese Aussage, und das wird also bezogen auf das Leben des Herrn Jesus vor dem Kreuz. Und dann wird das Bekenntnis von jüdischer Seite abgelegt: Wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Wir haben ihn als einen betrachtet, der aussätzig ist vor Gott.
Das Wort hier ist ganz interessant, weil Jesaja 53,4: Wir hielten ihn für bestraft, das heißt auf Hebräisch Nagua. Nagua ist der normale Ausdruck für einen Leprakranken, das heißt geschlagen im Sinn von mit göttlicher Strafe geschlagen. Also wir haben ihn für einen Nagua, für einen Aussätzigen betrachtet, und dann: geschlagen von Gott und niedergebeugt.
Interessant, im Talmud gibt es eine Diskussion im Traktat Sanhedrin 98b: Wie heißt der Messias? Da werden verschiedene Namen gegeben. Zum Beispiel heißt er, sagt man, Menachem, der Tröster. Und dann wird eine Antwort gegeben: Er heißt der Aussätzige, Nagur. Woher dies? Aus Jesaja 53,4. Denn der Talmud wendet Jesaja 53 auf den Messias an und sagt, das ist ein Name des Messias.
Also, sie haben ihn für einen Falschen betrachtet, für einen Verführer, für einen, der Gottes Gericht verdient hat. Und dann kommt eben der nächste Vers. Roland, bitte, Vers 5.
Darf ich nur eine Frage stellen, zu Vers 4, weil es ja heißt: Wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt, direkt im Anschluss an dieses: Fürwahr, er trug unsere Krankheit. Deshalb wird es vielleicht auch falsch gesehen, dass es am Kreuz wäre, dass er diese Krankheit tragen würde. Vielleicht gibt es im Hebräischen gar kein Komma oder so, sondern es ist vielleicht auch ein abgeschlossener Satz, dass er die Krankheit und unsere Schmerzen getragen hat. Das ist abgeschlossen, und dann kommt der nächste Satz. Das bezieht sich wieder auf das Kreuz, das dann kommt. Und nicht nur auf das Kreuz.
Wenn Sie ihn als Nagua bezeichnen, dann heißt das eben, der Sanhedrin ist zum Schluss gekommen: Dieser Mann ist ein Verführer, einer, der eben die göttliche Strafe, das göttliche Gericht verdient hat. Und darum ist es eben umfassender, also schon ihr Urteil über ihn vor dem Kreuz und natürlich ganz besonders am Kreuz.
Und darum ist es eben wichtig, dass erst ab Vers 5 das Kreuz beschrieben wird:
Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn. Er wurde misshandelt. Das reicht bis dahin.
Also, es ist aber ganz wichtig zu sehen: 4a, fürwahr, er hat unsere Leiden oder Krankheiten getragen, unsere Schmerzen hat er auf sich geladen, das ist abgesetzt. Und dann kommt dieser Zwischensatz: Wir, wir hielten ihn für einen Nagua, für einen mit Aussatz Geschlagenen, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Und dann wird argumentiert: Doch, es ist genau umgekehrt! Er war unschuldig, wir sind die Schuldigen, und er hat am Kreuz eben unsere Übertretungen auf sich genommen und war wegen uns verwundet, nicht weil er die Strafe Gottes verdient hätte.
Also 4b ist ihr Urteil: Das ist einer, der hat Gottes Gericht verdient. Und dann wird in Vers 5 gesagt: Nein, wir hatten es verdient, aber er hat es auf sich genommen.
Jerry, du wolltest etwas fragen?
Er kann das in Vers 4 auch dazu hinzuziehen, von Johannes 11,33, als er tief seufzte über diese Leute.
Ja, ganz genau, das ist ein ganz schönes Beispiel. Johannes 11,33: Siehst du, der Jesus am Grab von Lazarus, und er seufzt tief in seiner Seele. Er hat somit empfunden, was die Folgen der Sünde sind: der Tod. Wir haben uns daran gewöhnt an den Tod. Jeder muss mal sterben, das ist normal, und dann gibt es mal eine Beerdigung, das ist normal. Nein, der Herr Jesus hat das alles viel tiefer empfunden, weil er wirklich empfand: Bei jedem Fall, wo jemand gestorben ist, das ist die Folge der Sünde. Der Tod ist nicht etwas Normales, der Tod ist absolut abnormal. Der Tod kam in die Welt durch die Sünde, durch den Ungehorsam des Einen, durch Adam. Aber eben der Herr hat das so in der Tiefe mitgefühlt.
Da ist ein Beispiel. Wir könnten aber noch mehr Beispiele bringen, aber das ist ein sehr gutes Beispiel. Danke. Das zeigt ihm, wie der Herr diese Schmerzen, diese Leiden getragen hat in seiner Seele. Aber das muss unterschieden werden von dem, was er am Kreuz getragen hat. Dort hat er unsere Sünden getragen.
Und jetzt ist es wichtig, die Auslegung des Heiligen Geistes zu lesen in 1. Petrus 2. In 1. Petrus 2,21-25 kann das jemand vorlesen, bitte, am Mikrofon:
Denn hierzu seid ihr berufen worden, denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt; der keine Sünde getan hat, auch ist kein Trug in seinem Mund gefunden worden; der geschmäht, nicht widerschmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet; der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch dessen Striemen ihr geheilt worden seid. Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
Danke! Also hier wird ja ganz direkt auf Jesaja 53 Bezug genommen, und zwar wird von dem Herrn Jesus gesagt: der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden. Das entspricht Jesaja 53,9, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. Dann wird gesagt: der geschmäht, nicht widerschmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet. Und das ist eine Anspielung auf Jesaja 53,7. Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamm, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scheren, und er tat seinen Mund nicht auf. Er hat also nicht dagegen gesprochen, als man ihn zu Unrecht beschuldigt hatte, sondern er hat geschwiegen.
Und dann heißt es weiter, dass er selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Und dann wird Bezug genommen auf 53,5: Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen geschlagen, die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und so weiter. Und dann auch Vers 6 am Schluss: Und der Herr hat ihn treffen lassen unter aller Ungerechtigkeit. Und nochmals in Vers 12, ganz am Schluss des Kapitels: Er aber hat die Sünde vieler getragen.
Also das wird hier zusammengefasst, dass er eben unsere Sünden an seinem Leib getragen hat. Und wieder: Damit wir den Sünden abgestorben der Gerechtigkeit leben. Durch dessen Striemen ihr geheilt worden seid, das ist eine Anspielung auf 53,5: Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Und jetzt wird klar: Hier, diese Heilung ist die Heilung von der Sündenkrankheit. Und nicht von körperlichen Krankheiten, das müssen wir auch unterscheiden. Also hier geht es gerade um Übertretungen, Missetaten, und er hat das Gericht Gottes alles erduldet, damit durch seine Striemen uns Heilung zuteil wird.
Und schliesslich wird noch gesagt: Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen. Das ist die Auslegung von 53,6: Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg.
Also Petrus geht ganz detailliert, inspiriert durch den Heiligen Geist, auf Jesaja 53 ein, und da erklärt er, dass diese Dinge von Jesaja 53,5, 6, 7 usw. zusammenhängen mit dem Leiden in der Passionswoche und dem Leiden am Kreuz und eben nicht mit dem Leben vorher, wie wir das in Matthäus 8 haben, lange vor dem Kreuz, lange vor der Passionswoche. Und hier wird auch erklärt: Die Sünde hat er getragen, damit wir, den Sünden abgestorben, eben der Gerechtigkeit leben, durch seine Striemen geheilt sind, geheilt von Sündenkrankheit.
Also hier wird ganz klar gesagt: Am Kreuz hat er unsere Sünden getragen, und Matthäus 8 sagt: Während seiner Lebzeit hat er unsere Leiden getragen. Das sind zwei verschiedene Dinge, und die müssen wir auch unterscheiden. Aber man sieht, wie genau das Bibelstudium enorme Auswirkungen hat. Man stellt sich vor, da wird jemand, der zum Glauben gekommen ist, gesagt: Eigentlich könntest du gesund werden. Ja, ich möchte schon. Ja, eben, da musst du glauben, und du musst das in Anspruch nehmen. Er hat unsere Krankheiten am Kreuz getragen, genauso wie du glaubst, dass er unsere Sünden vergeben hat, dann musst du auch glauben, dass er uns heilt. Ich kann nicht aufstehen. Ja, das zeigt uns, dass dein Glaube eben ... Ja, und das muss man nicht mal so plump sagen, wie ich es jetzt gesagt habe. Ja, das reicht viel feiner, und Leute werden wirklich noch mehr in ihr Leiden hineingedrückt. Das ist enorm.
So vielen Menschen ist dadurch Unrecht geschehen, und man hat sie wirklich eben in noch größere Leiden hineingeschoben, indem man falsche Erwartungen geweckt hat. Und das zeigt uns: Es ist einfach so wichtig, dass wir die Bibel genau lesen und die Auslegung des Heiligen Geistes nehmen und nicht die Auslegung der Menschen, die dem Heiligen Geist widersprechen.
Ja, machen wir doch Pause, es ist genau Zeit dafür.

Der Ruf in die Nachfolge und die Kosten der Jüngerschaft

Wir fahren weiter und haben gesehen, an diesem Sonntag, dem ersten Tag der Woche, wie der Herr Jesus in diese Dunkelheit der Menschen Licht hineingegeben hat.
Vers 18 sagt: Als aber Jesus eine grosse Volksmenge um sich sah, befahl er, an das jenseitige Ufer wegzufahren. Und ein Schriftgelehrter kam herzu. Hier haben wir den Kontrast zwischen Menschenmassen, einer grossen Volksmenge, und einzelnen Menschen.
Es ist wichtig, in Vers 19 zu sehen: Ein Schriftgelehrter. Das ist ein Zahlwort im Griechischen, also nicht ein Schriftgelehrter, sondern ein Schriftgelehrter kam zu ihm. Und das ist so schön zu sehen im Leben des Herrn Jesus. Er hat sich in seinem Dienst um die Menschen allgemein gekümmert, und er hat vor grossen Volksmengen gesprochen. Wir sehen, dass er vor Tausenden von Menschen gesprochen hat, aber er hat immer den Blick gehabt für den Einzelnen.
Wenn wir an die samaritische Frau am Jakobsbrunnen denken, Johannes 4, da wird gesagt, er musste durch Samaria gehen, obwohl von Judäa nach Galiläa der normale Weg nicht durch Samaria war. Man hat einen Umweg gemacht, weil es für Juden gefährlich war, durch das samaritische Gebiet zu gehen. Aber er musste durch Samaria gehen. Warum? Weil er dieser einen Frau begegnen musste.
Und auch hier sehen wir: Der Herr wendet sich jetzt wieder von der Volksmenge ab. Darum befiehlt er den Jüngern, ans andere Ufer zu gehen, und dann kommt dieser eine Schriftgelehrte. Und das ist ein interessanter Mann. Das war kein Student, das war ein Ausgelehrter, ein Schriftgelehrter. Und der kommt und sagt zu ihm: Lehrer, das ist Rabbi, ich will dir nachfolgen, wohin du gehst.
Es war ja so im Judentum damals: Die Rabbiner hatten Schüler um sich herum, und sie beriefen sie eben in ihre Nachfolge. Es war für sie wichtig, dass Lehre nicht nur einfach intellektuelle Lehre ist, sondern beides: Leben und Lehre. Und Jünger, das Wort Jünger, heisst eigentlich einfach Student. Das hebräische Wort, das dem griechischen Wort Jünger im Neuen Testament entspricht, Talmid, ist auch heute noch das normale Wort für einen Schüler oder einen Studenten an der Uni. Das ist auch ein Talmid.
Aber wir wissen: An der Uni ist es so, dass es nur um Wissensvermittlung geht. Und die Professoren, die Dozenten, haben den Eindruck, privat können sie leben, wie sie wollen, das hat nichts zu tun mit dem, was sie weitergeben. Sie müssen kein Vorbild sein. Aber das war bei den Rabbinern ganz anders. Sie sollten auch ein Vorbild sein, und darum sind die Jünger, die Studenten, ihnen nachgefolgt. Das heisst, sie haben versucht, ihr Beispiel dann auch praktisch umzusetzen.
Und jetzt muss man sich vorstellen: Da kommt ein Schriftgelehrter, der selber ein Rabbi ist, zu Herrn Jesus und sagt: Lehrer, ich will dir nachfolgen. Ich möchte ein neues Studium anfangen. Das andere hat zu wenig gebracht. Jetzt mal richtig Bibel lernen. Und das ist natürlich ein schöner Entschluss. Aber der Jesus reagiert hier so, dass er sagt: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er seine Haut hinlege.
Und wirklich: Wo war die Wohnadresse des Herrn Jesus? Petrus hatte eine in Kapernaum, und er hatte nach wie vor dieses grosse Haus. Aber der Herr Jesus hatte kein Haus, das sein Haus war. Er sagt ganz im Gegensatz zu den Füchsen: Die haben ihre Höhlen, die Vögel haben ihre Nester, aber er nicht. Und er kam da unter, und er kam dort unter, und er kam dort unter. Eben zum Beispiel in dem Haus von Petrus, da war er auch, da konnte er auch als Gast sein. Oder denken wir an ein Haus, das er ganz besonders liebte? Ja, das Haus dieser drei Geschwister: Lazarus, Maria und Martha. Ja, er war an verschiedenen Orten willkommen, aber er war hier nicht wirklich zu Hause.
Und nun sagt dies dem Schriftgelehrten: Nachfolge bedeutet, dass der Luxus wegfallen kann. Ich sage kann, Petrus hatte nach wie vor sein Haus, ja. Aber der Herr Jesus sagt ja in Matthäus 16, was Jüngerschaft ist. Es ist wichtig zu sehen, der Unterschied zwischen Bekehrung und Jüngerschaft.
Die Bekehrung ist der Schritt, bei dem ein Mensch erkennt: Ich bin vor Gott ein Sünder. Er macht eine Umkehr, er wendet sich völlig ab von dem alten Leben, bekennt seine Schuld Gott und nimmt die Vergebung durch das Werk des Herrn Jesus im Glauben an. Aber jetzt, ab der Bekehrung, folgt und muss folgen Jüngerschaft. Nachfolge.
Und der Jesus beschreibt das in Matthäus 16 so. Da kann jemand lesen: 16,24. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Ihm nachkommen, ihm nachfolgen, bedeutet zweierlei: sich selber verleugnen und dann sein Kreuz aufnehmen. Das bedeutet, dass man bereit ist, das andere einem abzuschreiben. Wenn jemand sein Kreuz auf sich nahm, war das der Moment, wo ein Verurteilter den Weg gehen musste zur Hinrichtungsstätte. Und wenn er das Kreuz auf sich nehmen musste, der Hauptbalken wurde von den Soldaten vor Ort fixiert, aber der Querbalken, der auch Kreuz genannt wird, den musste er tragen, diesen Weg bis zur Hinrichtungsstätte.
Im Lateinischen nennt man dieses Querholz Patibulum, und im Griechischen sagt man auch Stauros, das heisst auch Kreuz. Also das Ganze heisst Kreuz, und auch der Querbalken heisst Kreuz. Aber man muss sich vorstellen: So einer wird nicht mehr an irgendeine Party eingeladen auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte. Da ist man abgeschrieben.
Und Jüngerschaft bedeutet, sich selber zu verleugnen. Das heisst, auch auf Annehmlichkeiten verzichten können. Und es bedeutet auch, zu akzeptieren, dass andere einen nicht mehr akzeptieren. Und jetzt haben wir hier genau diesen Punkt. Der Herr wusste natürlich genau, wo der Wunderpunkt bei diesem Schriftgelehrten war. Darum hat er das erwähnt: Die Füchse haben Höhlen, der Sohn des Menschen hat nicht. Das war der Punkt: sich selber verleugnen.
Und dann kommt ein anderer, Vers 21. Und interessanterweise heisst es hier: ein anderer aber von seinen Jüngern. Es gab ja nicht nur die Zwölf, es gab viele, viele andere, die sich eben als Jünger, als Nachfolger sahen. Zum Beispiel in Johannes 6 gab es dann plötzlich einmal eine grosse Scheidung. Dort lesen wir nach der Predigt in der Synagoge in Kapernaum: Viele haben sich so geärgert über diese Predigt, dass sie dann nicht mehr mit ihm gingen. Da waren viele da, aber nicht alle blieben bis zum Schluss. Es gab manche, die haben dann auch aufgehört.
Und dieser andere sagt: Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen, meinen Vater zu begraben. Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben.
Diese Antwort des Herrn, aber er wusste genau, wo das Problem war. Und das Problem hier ist das Wort zuvor. Der Herr Jesus unterstützt, das Wort Gottes unterstützt ganz klar die Pflicht für Angehörige. Es gibt Pflichten für die Angehörigen. Und zum Beispiel 1. Timotheus 5 ist ein ganz wichtiges Kapitel, wo gezeigt wird, dass man eben zuerst auch Pflichten gegenüber der eigenen Familie erfüllen muss.
Also es geht hier nicht darum, dass der Herr Jesus von Pflichten einfach so entbindet, aber er sagt zuvor. Das heisst, er wollte Pflichten gegenüber der Familie höher stellen als die Nachfolge, und das ist das Problem. Und der Herr sagt, und zudem kommt noch dazu: Einen Toten zu begraben, das können auch solche, die keine Jünger sind, solche, die nicht bekehrt sind, die geistlich tot sind, nach Epheser 2, Vers 1. Und so sollen die geistlich Toten ihre Toten begraben.
Also gibt es Dinge, da müssen wir uns fragen: Ist es wirklich wichtig, dass ich das tue, wenn das auch ein anderer könnte? Man muss ganz genau wissen, was der Auftrag ist, den der Herr für mich hat. Aber es ist auch wichtig, die Priorität richtig zu setzen. Zuvor, das war die falsche Priorität. Und darum reagiert der Herr so. Er weiss ganz genau, wo bei uns der schwache Punkt ist. Und er sagt, er sagt.
Und hier haben wir also beim zweiten Punkt: Da geht es, ja, und was denken dann die? Was denkt die Familie? Der nimmt sein Kreuz auf sich. Also wir haben genau zwei Beispiele hier, von Matthäus durch den Heiligen Geist vorgestellt. Bei dem einen geht es um das Problem, sich nicht verleugnen wollen, nicht verzichten wollen. Und das Zweite ist, nicht bereit zu sein, sich abschreiben zu lassen von anderen.
Es ist schwierig, und es ist gerade so in jüngerer Vergangenheit in der Neurologie erforscht worden, wie die Gehirne von Jugendlichen sich verändern. Es ist ja so: In der Teenagerzeit gibt es einen totalen Umbruch des Gehirns. Es wird ganz viel abgebaut im Gehirn, aber es ist nicht so schlimm. Also bei den Jugendlichen wird ganz viel abgebaut, aber es wird das abgebaut, was sie nicht brauchen, damit das, was sie brauchen, umso mehr dann intensiviert werden kann.
Darum ist es natürlich sehr wichtig, womit man sich als Teenager beschäftigt. Denn im Körper wird festgestellt: Was wird gebraucht, was wird nicht gebraucht? Und das, was man nicht braucht, das wird abgebaut. Aber dann dafür wird das, was man braucht, umso mehr gestärkt. Und man hat herausgefunden, dass Jugendliche den Schmerz, von jemandem abgelehnt zu werden, im Gehirn, man kann das also wirklich sichtbar machen, es ist nicht einfach so nur durch Befragung, und da kann ja jeder mal ein bisschen mogeln und so weiter, nein, sondern wirklich mit dem Gehirnscan hat man festgestellt: Sie empfinden Ablehnung von Menschen wie körperlichen Schmerz. Also viel, viel stärker als Ältere.
Und darum können Ältere auch viel weniger gut verstehen, warum Jugendliche sich so stark von Gleichaltrigen unter Druck setzen lassen: Wenn du nicht mit uns mitmachst, dann bist du draussen. Also das ist etwas ganz, ganz Schwieriges, besonders in dieser Zeit. Aber der Herr zeigt: Es ist eine Entscheidung. Es ist eine Entscheidung. Und das ist nicht nur für die, die diese schwierige Zeit hinter sich haben, das ist auch, wenn man in dieser schwierigen Zeit drin ist. Es ist eine Entscheidung: Ich will dem Herrn den ersten Platz geben.
Und so ist es verbunden auch mit dem Entschluss, bereit zu sein, eben auch etwas zu bezahlen für die Jüngerschaft, auch zu leiden. Aber es lohnt sich, weil der Herr so viel mehr gibt, als was wir meinen, dabei zu verlieren.
Ja, aber gehen wir weiter zum nächsten Abschnitt, oder gibt es dazu noch eine Frage?

Selbstverleugnung, Prioritäten und die innere Freiheit der Nachfolge

Ich wünschte, wenn der Herr selbst verleugnet ist, ja eigentlich ein Begriff, der heute gar nicht mehr verwendet wird, allein das Wort: sich selbst verleugnen. Da hat er nämlich auch etwas weniger Anfang.
Ah, was bedeutet selbst verleugnen? Ja, es ist ein effektiver Ausdruck. Er kommt nicht gerade in der Zeitung von gestern vor, aber verleugnen, das verstehen wir.
Also, man geht irgendwo zum Bahnhof, großer Bahnhof, und dann sieht man tatsächlich diese Person. Und da gibt es die Möglichkeit: Man geht hin und sagt Hallo, oder man verschwindet in der Volksmenge. Dann hat man die Person verleugnet. Das ist verleugnen, also man geht mit einer Person so um, als würde man sie nicht kennen.
Und jetzt wird klar: Was ist Selbstverleugnung? Das ist, dass ich mit meinen Bedürfnissen, die ich denke, ich muss sie jetzt unbedingt haben, das brauche ich, so umgehe, als würden wir diese Bedürfnisse gar nicht kennen. Das ist Selbstverleugnung.
Zum Beispiel hatte Isaak ein Problem. Er liebte Fleisch, und zwar nicht irgendein Wildbret und nicht von irgendjemandem gemacht, sondern von Esau. Dadurch hatte er eine so starke Bindung an einen Sohn, an Esau. Der war so toll, denn der konnte dieses Fleisch genau so machen, wie er es liebte.
Und das war effektiv ein Problem. Denn das hängt ja damit zusammen, dass Isaak in seinem Alter so blind war. Er wusste ja von Anfang an, der Jüngere wird den Segen Gottes bekommen und nicht Esau, aber er wollte es ihm geben. Und da war einfach etwas in seinem Leben.
Fleisch ist etwas Gutes, ja, Wildbret auch. Aber Rangstellung, welchen Platz nehmen solche Dinge ein? Und das hatte einen ganz völlig falschen Rang in seinem Leben und wurde ihm zum Verhängnis. Und es kam so ein furchtbares Unglück über diese Familie.
Aber eben: Selbstverleugnung wäre dort gewesen, dass ihm diese Dinge nicht so wichtig sind, dass er eben so damit umgehen konnte, als würde er sie nicht kennen. Das ist Selbstverleugnung.

Der Sturm auf dem See und die Herrschaft des Herrn über die Schöpfung

Ja, gut, gehen wir doch weiter zu Vers 23 bis 27. Da haben wir eine Schiffsreise beschrieben über den See Genezareth.
Der See Genezareth ist ja ein sehr spezieller See. Er liegt wie tief? Unter dem Meeresspiegel, minus zweihundert, ja. Das ist also tiefer als der tiefste Punkt von Nordamerika, das ist Death Valley, das Todestal. Aber der See Genezareth liegt zweihundert Meter unter dem Meeresspiegel. Er hat einen Umfang von 53 Kilometern. Man kann sagen, er ist etwa 21 Kilometer lang und 12 Kilometer breit. Er hat eine Tiefe von 46 Metern.
Auf der einen Seite liegen Berge, nämlich die Berge des Cholan, und auf der anderen Seite, also auf der Ostseite, die Golanhöhen. Auf der Westseite sind es die Hügel von Galiläa. Und dann im Norden und im Süden ist ein Tal, und das ist das Jordantal. Dieses ganz spezielle Tal ist ein geologischer Grabenbruch, der dann eben runtergeht bis an den tiefsten Punkt der Welt, bis zum Toten Meer. Und dieser Grabenbruch geht dann durch die Negev-Wüste weiter, durchs Rote Meer und dann wieder hoch nach Afrika bis nach Südafrika. Da ist dieser See platziert.
Und berühmt ist eben die Situation, wo plötzlich Winde von den Golanhöhen runterkommen. Die Araber nennen diesen Wind Scharkie, und er kann diesen romantischen, scheinbar spiegelglatten See in kürzester Zeit in ein tosendes Unwetter verwandeln. Und hier haben wir das, und zwar so schlimm, dass Leute, die wirklich Spezialisten waren auf diesem See, wie Petrus, Johannes, Jakobus, wirklich Angst bekamen. Und tatsächlich ist bekannt, dass bis in die moderne Zeit Fischer einen enormen Respekt hatten, wenn der Scharkie von den Golanhöhen runterpeitschte.
Und hier wird das also beschrieben, ein grosses Unwetter, so dass das Schiff von den Wellen bedeckt wurde, und der Herr Jesus schläft. Er kann schlafen, sogar in einer solchen Situation. Ja, hätten wir diesen Glauben, den der Herr Jesus hatte, dann könnten wir es auch. Whitfield hat einmal in sein Tagebuch reingeschrieben, nachdem ihn der aufgebrachte, wilde Mob fast umgebracht hätte: Es ist erstaunlich, wie unsterblich die Auserwählten sind, wenn die Zeit noch nicht gekommen ist. Ja, wohl verstanden. Aber der Herr Jesus konnte darin schlafen. Es gab keinen Grund, beunruhigt zu sein. Aber die Jünger, für sie war es ganz anders, und sie wecken ihn. Und er weist aber hin auf ihren mangelnden Glauben. Er sagt, was seid ihr, Vers 26, was seid ihr furchtsam, ihr Kleingläubigen? Er sagt nicht Ungläubige, sie waren nicht Ungläubige, aber sie waren Kleingläubige. Das sind zwei verschiedene Dinge. Sie hatten Glauben, aber zu wenig.
Und dann steht der Herr Jesus auf, und er spricht zum Wind, er schallt die Winde, und er spricht zum See. Dann kommt eine grosse Stille. Und wenn wir die parallelen Berichte dazu in den Evangelien nehmen, geschah es sofort. Sofort kam die Ruhe. Also nicht so ein allmähliches, sondern sofortige Ruhe trat ein. Und auch da sehen wir: Das ist alles auf dieser Linie. Matthäus ab Kapitel 8 zeigt die Macht des Wortes des Herrn Jesus, diese Autorität über Aussatz, über Lähmung, über Fieber, über Dämonen, Krankheiten ganz allgemein, und jetzt sogar über die Natur. Er kann dem Wind befehlen, er kann dem See befehlen, und er muss gehorchen. Und zwar wieder ganz wichtig: Er sagt das nicht im Namen Gottes, sondern er kann dem Wind befehlen, und der Wind gehorcht. Die Autorität liegt in seiner Person. Und deshalb sagen sie nicht: Was ist das für ein wunderbarer Gott dahinter? Sondern sie sagen: Was für einer ist dieser, dass auch die Winde und der See ihm gehorchen?
Was wird hier deutlich in der Person des Herrn Jesus? Die Gottheit und die Menschheit. Dass er ein paar Verse zuvor schläft, zeigt seine wahre Menschheit. Der Sturm zeigt seine wahre Menschheit; er war müde und erschöpft vielleicht. Und da sofort dann das Gebiet gegen den Sturm, ist seine Gottheit. Wunderbar. Erich sagt: Nicht nur die Gottheit wird hier deutlich, sondern auch seine Menschheit. Er schläft, und das kann die Folge sein von Müdigkeit, die vorher da war. Das wird hier nicht gesagt, aber Johannes 4 sagte, dass der Herr Jesus müde war von der Wanderung und sich dann müde und durstig an den Jakobsbrunnen setzte. Also, das zeigt seine wahre Menschheit. Aber er war zugleich ewiger Gott, der eben über die Natur befehlen konnte.
Dazu ein Vers aus Psalm 89. Könnte jemand lesen, Psalm 89, Verse 9 und 10?
Herr, Gott der Heerscharen, wer ist stark wie du? Ja, deine Treue ist rings um dich her. Du beherrschst des Meeres Toben; erheben sich seine Wogen, du stillst sie.
Also hier wird ganz klar gesagt: Wer kann den Sturm stillen? Das ist eben der Gott der Heerscharen. Das ist ja die Kurzform von Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Und jetzt macht das genau das der Herr Jesus. Und damit ist die Frage beantwortet: Was für einer ist dieser? Psalm 89, Vers 10: Es ist der ewige Gott.
Und wir haben gelesen: Gott der Heerscharen. Auf Hebräisch Zwa'ot, das ist die Mehrzahl von Zawah. Zawah ist das normale Wort für Armee, also auch die israelische Armee heute. Die wird genannt Zawa Haganat Jisrael, also die Armee zur Verteidigung von Israel, die israelische Verteidigungsarmee. Aber Zawah, dieses Wort, und das in der Mehrzahl Zwa'ot, Gott der Zwa'ot.
Und jetzt muss man sich Folgendes überlegen: Wie wird das Wort „Heer“ gebraucht in der Bibel? Es wird gebraucht für die Sternenheere, zum Beispiel in 1. Mose 2. Also das ganze Universum ist ja heute bekannt, ist hierarchisch aufgebaut. Die Sterne sind geordnet in Galaxien, Grössenordnung 200 Milliarden, und Galaxien selber sind wieder in Haufen geordnet, und diese Haufen sind geordnet in Superhaufen und immer angeordnet an Vakuumblasen, also Bereiche im Weltall, wo es fast keine Materie gibt. So ist das ganze Universum eben strukturiert aufgebaut, ein Kosmos, nicht ein Chaos. Überall sieht man Ordnung, Planung.
Und nun: Gott der Heerscharen bedeutet, er ist Herr über all diese Galaxien und diese Galaxienhaufen und diese Galaxien-Superhaufen. Das ist der Gott der Heerscharen. Darum Heerscharen in der Mehrzahl. Es ist wie in der Armee: Die Armee ist nicht einfach ein Haufen von vielen Leuten. Sondern da gibt es eine kleine Gruppe, und da ist ein Mann an der Spitze, und die gehören dann wieder zu einem grösseren Kontingent, und die wieder, bis hinauf zu den Divisionen. Und die Divisionen zusammen bilden die Armee, und zuoberst ist der General. Gott der Heerscharen ist also der, der das ganze Universum in seiner Hand hat.
Aber Heere wird in der Bibel auch gebraucht für die Heere der Engel. Und wir lernen aus Offenbarung 5: Es gibt Hunderte von Millionen von Engeln. Dort wird ja über diese Zahl gesprochen. Und das heisst also, der Jesus beherrscht die ganze Engelwelt. All diese Hunderten von Millionen Engeln stehen seinem Wort zur Verfügung.
Und weiter wird das Wort auch verwendet, überhaupt für die Armeen dieser Welt, der Nationen. Und das heisst, er ist der Herr der Geschichte, der auch alle Armeen der Welt in seiner Hand hat und den Lauf der Geschichte lenkt und hier zulässt oder da nicht zulässt. Und es wird auch gebraucht für die Armee Israels. Also immer wenn wir lesen: Gott der Heerscharen, wie Psalm 89, oder der Herr der Heerscharen, dann müssen wir an all diese verschiedenen Bedeutungen von Armeen denken.
Da wurde die Frage gestellt: Was für einer ist dieser? Und hätte man gedacht, an Psalm 89, dort ist die Antwort: Der Gott, der Herrscher, das ist dieser Mensch, dieser Mann, der vorhin geschlafen hat. Das ist gleichzeitig der ewige Gott.
Interessant ist, sie wecken ihn auf. Und so ist eigentlich diese Schiffsreise eine wunderbare Illustration, kann man sagen, von der ganzen Kirchengeschichte: Die Jünger zusammen mit dem Herrn im Boot, und sie gehen durch den Sturm hindurch. Das Meer, und übrigens der See Genezareth wird in der Bibel auch Meer genannt, weil das hebräische Wort yam und das entsprechende im Griechischen gebraucht wird eben für einen See und für einen Ozean, im Gegensatz zum Deutschen. Wir können im Deutschen nicht das Meer Genezareth sagen, aber die Bibel sagt das Meer von Tiberias zum Beispiel.
Also, das Meer: Welche symbolische Bedeutung hat das in der Bibel? Völkermeer, wo? Ja, du hast eine gute Jesajastelle. Jesaja 17. Liest jemand vor? Da werden die Völker dieser Welt, die ständig in Unruhe sind, militärisch, sozial und wirtschaftlich, überall, es ist alles unruhig, alles in Bewegung. Wer liest vor? 17, Verse 12 und 13:
Wehe, ein Getöse vieler Völker, wie das Tosen der Meere tosen sie, und ein Rauschen von Völkerschaften, wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie. Völkerschaften rauschen wie das Rauschen vieler Wasser, doch er bedroht sie, und sie fliehen in die Ferne. Und sie werden gejagt wie Spreu auf den Bergen vor dem Wind und wie die Raddistel vor dem Sturm.
Danke! Also völlig klar: Das Brausen des Meeres wird verglichen mit der Unruhe der Völker. Und jetzt muss man sich vorstellen: Dieses Schiff, der Herr und seine Jünger drin, und sie gehen über das Meer von Tiberias. Also so ging die Gemeinde in den vergangenen 2000 Jahren durch die Geschichte der Völker hindurch. Und da gab es so viele Stürme und wirklich schreckliche Zeiten in der Kirchengeschichte, wo die Gemeinde verfolgt wurde und dieses schlimme Tosen erlebt hatte.
Und da gab es Momente, und übrigens, das kann man auch auf das persönliche Leben übertragen, solche Momente, wo man wirklich im Sturm ist und den Eindruck hat, der Jesus würde schlafen. Man fragt sich, warum greift er nicht ein? Und er schläft. Aber die Tatsache, dass er im Boot war, war die Garantie, dass mit dem Boot nichts geschieht. Ja, das war ja die Sicherheit. Aber sie hatten diese Sicherheit nicht in ihrem Herzen, und sie wecken ihn. Und schliesslich kann er eingreifen und den Sturm in Stille verwandeln. Und das hat die Gemeinde erlebt auch durch zweitausend Jahre Geschichte hindurch. Der Jesus war immer da, wie er es verheissen hat in Matthäus 28,20: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Aber es gibt auch eine andere Sturmgeschichte, Matthäus 14. Der Jesus schickt die Jünger allein mit dem Schiff, er geht auf einen Berg, um zu beten. Und sie kommen genau wieder in die Situation: ein Scharkie von den Golanhöhen und wirklich ein Schrecken. Und dann kommt plötzlich der Herr und wandelt auf dem See und er bringt das Schiff in Sicherheit. Auch das ist eine Illustration, kann man sagen, der ganzen Kirchengeschichte. Nicht wahr? Der Jesus ist bei uns im Boot. Denn er ist Gott, und als Gott ist er allgegenwärtig. Und darum konnte er sagen: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Aber es ist natürlich eine Tatsache, dass er Mensch ist, wirklicher Mensch, und er ist auch als wirklicher Mensch wieder auferstanden in den Himmel gegangen. Das heisst also, der Mensch Christus Jesus ist heute im Himmel, und er ist nicht auf der Erde, aber die Gemeinde ist auf der Erde, sie ist getrennt von ihm. Und sie wartet, bis er wiederkommt und die Gemeinde zu sich nimmt. Und so ist das die andere Seite der Medaille: Der Herr ist im Himmel, er ist nicht da, wir sind im Schiff. Aber der Herr betet auf dem Berg, und das entspricht, was wir lesen in Hebräer 7,25-27, dass der Herr Jesus als der Hohepriester sich für die Gläubigen im Gebet verwendet, um sie sicher ans Ziel zu bringen. Er mag völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen. Das erretten meint nicht, dass sie verloren wären. Es geht um Gläubige. Er mag völlig zu erretten, das heisst, aus allen Versuchungen und Nöten herauszuholen, indem er sich für sie verwendet, für sie betet.
Und so ist das Bild, der Herr auf dem Berg, genau entsprechend dem, dass der Herr Jesus heute im Himmel für uns betet und damit die Garantie ist, dass das Schiff trotz des schrecklichen Sturms schliesslich ans Ziel kommt. Und der Herr kommt selber auf dem See zum Schiff, das ist eine bildliche Darstellung seiner Wiederkunft, wenn er die Gemeinde dann aus all den Stürmen, die sie durchmachen musste, schliesslich ans himmlische Ufer bringen wird. Und so sind diese beiden Sturmgeschichten mit dem Schiff auf dem See Genezareth ganz wunderbare Illustrationen, die einfach zwei verschiedene Seiten der Medaille darstellen.
Interessant ist, wenn wir in dem Zusammenhang noch aufschlagen, Psalm 44, Vers 24. Dort hört man ein Gebet aus tiefster Not heraus zu Gott. Man kann auch den Vers davor noch dazunehmen, 44,23:
Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wie Schlachtschafe sind wir geachtet. Herr, erhebe dich! Warum schläfst du? Wache auf und verstosse uns nicht für immer! Warum verbirgst du dein Angesicht und vergisst unser Elend und unsere Bedrängnis?
Sieht man das, wie Gott angerufen wird? Er wird angerufen: Wache auf! Als müsste man Gott aufwecken! Aber es kommt ihm so vor, wie wenn er schlafen würde, weil er nicht eingreift und die Situation so dramatisch und schlimm ist. Aber der Moment kommt, wo er eingreift. Es ist immer nur eine Frage der Zeit. Aber das zeigt nochmals, wie naheliegend diese Parallelen sind. Sie wecken ihn hier, und wir haben diese Stellen, wo Gott angerufen wird, er möge doch aufwachen und eingreifen. Und das tut er hier.

Ausblick auf die nächste Szene und die Frage nach dem Überrest

Ja, dann könnten wir nächstes Mal mit Vers 28 weitermachen. Da geht es um die Gadarener. Es geht also nicht nur einfach um Besessenheit, so wie wir das schon in Vers 16 hatten, sondern hier geht es um eine Besessenheit mit einer Legion. Eine Legion sind sechstausend Soldaten, das wären also sechstausend Dämonen. Hier wird also eine ganz besonders extreme Besessenheit beschrieben, und auch, wie der Herr Jesus darüber Macht hat.
Gibt es noch Fragen zu den Abschnitten, die wir heute betrachtet haben? Im Schiff und dem Herrn von außen kommend ist das nicht auch ein Bild vom Überrest, der durch die Stürme ein Rettungsbild ist?
Also, ich wiederhole die Frage: Ist das nicht auch ein Hinweis auf den gläubigen Überrest, der nach der Entrückung durch die Drangsal hindurchgehen muss und eben diese Erfahrungen macht? Das ist so. Und zwar können wir diese Illustration auf die Situation der Kirchengeschichte anwenden. Wir können sie aber auch auf die Situation anwenden, die der gläubige Überrest aus Israel nach der Entrückung der Gemeinde in der Drangsal erleben wird. Also, für beide gilt das. Und wir können das auch ganz persönlich auf unser Leben übertragen. Wir haben diese Illustration, und es gibt mehrere Anwendungsmöglichkeiten, die uns das Wort Gottes aufzeigt.
Ja, noch etwas? Jerry?
Wie geht es nach einer Ergänzung Römer 8,33 bis 35? Da geht es auch um diese, die da im Sturm drin sind.
Ja, genau, diese Sicherheit, die wir in Christus haben, das kann man zum Schluss noch vorlesen: Römer 8, die letzten Verse des Kapitels. Römer 8, Vers 33, ich würde vielleicht ab Vers 37 lesen, aber man könnte auch noch ab Vers 33 lesen, genau:
Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Das zeigt diese absolute Sicherheit, die wir in dem Herrn Jesus haben. Und der Zusammenhang, den Jerry hier hergestellt hat, mit dieser Stelle, der ist völlig naheliegend. Der Vers davor, Vers 36, ist nämlich ein Zitat aus Psalm 44,23, wo wir vorhin gelesen haben. Dort kommt dann auch dieser Ruf: Wache auf! Und in Vers 35 heißt es: Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?
Also, es geht wirklich um schlimme, handgreifliche Dinge. Aber die letzten Verse zeigen uns unsere Sicherheit und Gewissheit in Christus. Eindrücklich ist auch die Lebensgeschichte von Corrie ten Boom, die ja im KZ war, zusammen mit ihrer Schwester. Sie hatten noch in der Familie, gerade bevor die Gestapo sie verhaftet hatte, weil sie Juden im Haus versteckt hatten, am Familientisch diese Stelle aus Römer 8 gelesen, Vers 37: Aber in diesem allem sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben und so weiter uns zu scheiden vermögen wird.
Und die sind ins KZ gekommen. Die Schwester ist umgekommen, stimmt’s? Und sie hat überlebt. Aber die Schwester, wir wissen es, die ging in die himmlische Herrlichkeit, und Corrie blieb noch für eine Zeit hier. Aber für beide war das hundertprozentige Realität.
Ja, und so bekommt eben diese Geschichte mit dem Sturm eine ganz gewaltige Dimension und ist nicht mehr einfach nur eine Geschichte, sondern sie betrifft uns wirklich persönlich.
Ja, wollen wir noch zum Schluss zusammen beten?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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