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Jesus - ein Freund der Sünder

20.06.2021
Wer das Leben von Jesus im Lukasevangelium beobachtet, lernt ihn als einen Gott kennen, der sich besonders den Sündern, Kranken und Bedürftigen zuwendet. Diese Charaktereigenschaft war ausschlaggebend dafür, dass er die Herrlichkeit des Himmels verließ, um für seine Feinde zu sterben.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Guten Morgen zusammen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst. Das gilt für alle, die hier sitzen, aber natürlich auch für diejenigen, die online dabei sind. Es freut uns sehr, dass ihr eingeschaltet habt.

Ein ganz besonderes Hallo geht auch an unsere Gäste. Schön, dass ihr uns hier in Hersbruck besucht.

Wir wollen jetzt gleich mit dem Gottesdienst starten. Vorher noch ganz kurz zum Ablauf: Im ersten Teil hören wir nach dem Lied direkt Tobi mit der Predigt. Im zweiten Teil feiern wir dann gemeinsam das Abendmahl. Abschließend folgen noch Ansagen und Termine.

Wir starten jetzt und ich möchte zu Beginn mit uns beten. Wir stehen dazu auf.

Herr Vater, ich danke dir, dass wir jetzt hier zusammenkommen dürfen. Ich bitte dich, dass du uns Konzentration schenkst auf das Wort, das du uns heute mitteilen möchtest. Ich bitte dich auch, dass du uns die Bereitschaft gibst, nicht nur auf das Wort zu hören, sondern es auch aufzunehmen und uns dadurch verändern zu lassen.

Ja, ich bitte dich, dass du uns immer mehr umgestaltest und umformst in dein Bild. Ich danke dir, Vater, für die große Gnade, dass wir deine Kinder sein dürfen und dass du uns zu deinen Kindern gemacht hast.

Ich bitte dich, dass du jetzt auch Tobi segnest, wenn er zu uns predigt. Und ich bitte dich einfach, dass du uns den Blick darauf schenkst, dass wir dich mit diesem Gottesdienst heute Morgen verherrlichen.

Hab vielen Dank dafür und segne bitte diesen Tag. Amen.

Nun hören wir das Lied, danach predigt Tobi.

Geh auf das Licht, doch schon zieht ein neuer Tag hin. Unter des Morgens Leuchten zeigt sich auch Gottes Liebe. Schon wahr, der Tag steht vor der Tür, ums Glitter der Schmerzen gerät.

Jesus als Freund der Ausgestossenen und Sünder

Ja, das Thema, das wir betrachten wollen und uns im Laufe des Lukasevangeliums anhören und durcharbeiten, trägt den Titel „Jesus – ein Freund der Sünder“. Ihr werdet gleich sehen, wenn wir das Lukasevangelium durchgehen, dass man tatsächlich sagen könnte: Jesus ist ein Freund der Randgruppen.

Wir gehen heute durch das Lukasevangelium und wollen uns das Leben von Jesus Christus anschauen. Dabei wollen wir besonders darauf achten, wie Jesus Menschen begegnet und welchen Menschen er im Speziellen begegnet.

Es gibt, man könnte sagen, einen Schlüsselvers im Lukasevangelium. Er steht in Lukas 19, Vers 10. Schlagen wir ihn doch gemeinsam auf. Dieser sogenannte Schlüsselvers beschreibt sehr gut, warum Jesus Christus auf die Erde gekommen ist.

Warum ist Jesus auf die Erde gekommen? In Lukas 19, Vers 10 steht diese Begründung: „Denn der Sohn des Menschen“, also Jesus Christus, „ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Jesus Christus ist also gekommen, um zu suchen – er sucht nach etwas – und um zu retten, was verloren ist.

Diese Aussage steht im Zusammenhang mit der Begegnung Jesu mit einem Oberzöllner. Zöllner waren damals habgierige Leute, die andere abgezockt haben. Sie haben im Grunde Existenzen zerstört, weil sie den Menschen das Geld aus der Tasche gezogen haben. Sie galten als habgierige, böse Menschen.

Jesus begegnet diesem Sünder, dem Zacchaeus. Zacchaeus hat alles andere als ein gottesfürchtiges Leben geführt. Er war ein Sünder. Er hatte eine lange Liste von Sünden. Alle im Volk, alle um ihn herum, wussten, dass Zacchaeus ein Sünder war.

Doch dieser Zacchaeus sieht Jesus, und Jesus kommt zu ihm. Zacchaeus wird gläubig und er wird gerettet. In diesem Zusammenhang sagt Jesus, dass er genau deswegen gekommen ist. Er ist nicht gekommen, um die guten Leute in sein Reich einzuladen. Jesus ist gekommen, um Sünder zu suchen – wie diesen Zacchaeus – und um sie zu retten.

Das ist der Zusammenhang, das ist der Kontext, den uns Jesus hier sagt: Er ist gekommen, um genau diese Sünder und Verbrecher zu suchen und zu retten.

Es heißt sogar, dass Jesus mehr Ausschau hält nach einem einzigen Sünder – nach einem einzigen, der sein Leben richtig verbockt hat – als nach 99, die von sich denken, sie hätten ihr Leben gut gelebt.

Das ist unser Herr Jesus Christus: Er hält viel mehr Ausschau nach einem verkorksten Leben, um es zu retten, nach einem Sünder, der umkehrt zu Jesus, als nach 99, die von sich denken, ihr Leben sei ganz okay.

Deshalb wurde Jesus Christus Mensch. Warum? Um zu suchen, um zu finden und um sein Leben zu lassen für die Schuld der Menschen.

Jesus als Heiland der Bedürftigen und Ausgestossenen

Das Lukasevangelium zeigt unseren Herrn Jesus Christus auf besondere Weise. Das liegt vermutlich daran, dass Lukas Arzt war und deshalb einen besonderen Blick für Menschen hatte. Das Evangelium nach Lukas stellt Jesus Christus als jemanden dar, der Menschen annimmt und ihnen begegnet, auch wenn sie es eigentlich nicht verdienen.

Es zeigt uns Gott als einen, der gezielt auf Menschen zugeht, die von anderen ausgestoßen oder als minderwertig betrachtet werden.

Schauen wir gemeinsam in Lukas 4,18. Dort liest Jesus aus einer Jesajarolle vor, die ihn selbst beschreibt. In Lukas 4,18 heißt es: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat.“

Achtet nun darauf, wozu Jesus gesalbt wurde: Er wurde gesalbt, den Armen die frohe Botschaft zu verkünden. Er wurde gesandt, die zerbrochenen Herzen zu heilen. Er wurde gesalbt, Gefangenen Befreiung zu bringen, Blinden wieder Augenlicht zu geben und Zerschlagenen in die Freiheit zu setzen.

Wenn wir weitergehen zu Lukas 6,20, sagt Jesus dort: „Glückselig sind die Armen.“ Er sagt außerdem: „Glückselig sind die Hungernden“ und „Glückselig sind die Weinenden“ sowie „Glückselig sind die Ausgestoßenen.“

Diese beiden Stellen zeigen sehr deutlich, warum der Titel „Jesus – ein Freund der Randgruppen“ oder „ein Freund der Sünder“ so gut passt. Wir sehen, dass Jesus besonders darauf aus ist, auf das Zerbrochene, das Schwache und das Kranke zuzugehen.

Jesus wurde gesalbt, um den Armen die frohe Botschaft zu bringen, um die zu heilen, die ein zerbrochenes Herz haben. Menschen, die ihre Selbstachtung verloren haben und in der jüdischen Umgebung unter der religiösen Elite der Pharisäer ihr Gesicht verloren haben. Sie wussten genau, dass sie nicht in diese religiöse Welt passten und schafften es auch nicht, da hineinzukommen. Sie waren zerbrochen im Herzen – und genau zu ihnen kommt Jesus Christus.

Wir sehen das auch an Zachäus, einem Sünder vor dem Herrn, der sagt: „Ich bin gekommen, um genau das zu suchen, was verloren ist.“ Im Lukasevangelium, wenn man es selbst liest, erkennt man, dass Jesus zu denen geht, die in der damaligen Gesellschaft kaum etwas wert waren.

Damals wurden Frauen oft herabwürdigend behandelt. Doch im Lukasevangelium sehen wir, zu wem Jesus geht. Ständig begegnet er Frauen. Schaut zum Beispiel in Lukas 8,1-3. Dort steht:

„Und es geschah danach, dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte. Die zwölf Apostel waren mit ihm, aber auch etliche Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Kußas, eines Verwalters des Herodes, Susanna und viele andere, die ihm mit ihrer Habe dienten.“

Es ist also nicht nur so, dass Jesus viele Frauen an sich herangelassen hat, die ihm dienten. Es waren auch Frauen, die früher von bösen Geistern und Dämonen besessen waren – also ausgestoßene, sündige Menschen, die unter der Herrschaft des Teufels standen. Jesus nimmt sie an sich heran.

Außerdem hatten viele von ihnen Krankheiten. Im Judentum damals wurde Krankheit oft als Strafe Gottes verstanden. Wenn selbstgerechte Pharisäer sahen, dass jemand krank war, dachten sie schnell: „Was hat der schon wieder für eine Sünde getan, dass Gott ihn jetzt bestraft?“

Jesus aber gibt diesen Menschen Wert. Er nimmt genau die an, über die andere denken, dass Gott sie bestraft und schlägt. Gott nimmt genau die an, von denen die Mehrheit der Gesellschaft sagt: „Mit dem will ich nichts zu tun haben.“

Das sind die Menschen, zu denen Jesus geht. So ist es. Was macht Jesus in seiner Liebe und Freundlichkeit? Er nimmt genau diese Menschen an.

So lässt sich das Bild von Jesus als Freund der Randgruppen noch ein wenig weiter ausmalen.

Jesus am Kreuz als Retter auch der Verbrecher

Das Lukasevangelium ist das einzige Evangelium, das den Dieb am Kreuz beschreibt. Allgemein wird berichtet, dass zwei Verbrecher mit Jesus gekreuzigt wurden: Jesus hing in der Mitte, links und rechts jeweils ein Verbrecher.

Im Lukasevangelium lesen wir jedoch von diesem Dieb, der wegen seiner kriminellen Taten bestraft und ans Kreuz gehängt wurde. Es ist das einzige Evangelium, das zeigt, wie Jesus kurz vor seinem Tod diesen Sünder noch annimmt. Der Dieb bittet Jesus: „Nimm mich auf ins Paradies, wenn ich jetzt sterbe.“ Er hatte am Kreuz keine Möglichkeit mehr, sein Leben in Ordnung zu bringen.

Der Dieb konnte nichts mehr tun, um sich zu retten. Was sagt Jesus darauf? „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Es gab keine Chance mehr, das Leben zu ändern. Lukas zeigt uns hier einen Dieb, der ein Räuber und Verbrecher war – im Grunde genommen ein Mörder. Heute gibt es beispielsweise Rockergruppierungen, die Frauen aus dem Osten holen, unterdrücken und misshandeln. Solche Menschen will man meiden, es sind richtige Verbrecher.

Dieser Dieb war ein solcher Verbrecher. Kurz vor seinem Tod wusste er genau: Wenn ich jetzt in die Ewigkeit gehe, wird Gott mich richten. Er schaut auf Jesus, und Jesus sagt: „Ich vergebe dir.“ Warum sehen wir genau diese Begebenheiten nur bei Lukas? Es heißt zwar „nur“, aber tatsächlich finden sich solche Geschichten gehäuft im Lukasevangelium. Das liegt daran, dass Lukas ganz besonders zeigen wollte, dass Jesus Christus geboren wurde, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Wenn man das Lukasevangelium durchliest, merkt man, wie Jesus Frauen begegnet, wie er mit Kindern umgeht und wie er Gemeinschaft mit Sündern und Zöllnern hat. Er isst mit ihnen, spricht mit ihnen und zeigt sich öffentlich mit ihnen. Es ist ihm egal, was die Gesellschaft über ihn denkt. Kennt man das nicht, dass man mit manchen Menschen nicht öffentlich gesehen werden möchte, weil man Angst um seinen Ruf hat? Jesus war das völlig egal. Er ging genau zu denen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen.

Jesus kümmerte sich um Aussätzige – Menschen, die rituell unrein waren und deshalb isoliert wurden. Man darf sich das nicht einfach auf unsere heutige Zeit übertragen. Diese Menschen wurden ausgestoßen. Was macht Jesus? Er geht genau zu ihnen, zu denen, die niemand will und die keinen Platz in der Gesellschaft hatten. Jesus erhob auch Witwen. Gleichzeitig verurteilte Jesus diejenigen im Volk Israel, die aus Hochmut mit dem Finger auf diese Sünder und Randgruppen zeigten.

Jesus Christus verurteilte es scharf, wenn jemand dachte, er sei von sich aus angenehm vor Gott. Wenn wir das Lukasevangelium als ein Evangelium für Bedürftige verstehen – auch wenn es so nirgendwo steht, aber wir können es so herauslesen –, dann können wir das Evangelium besser nachvollziehen.

Genau diese Botschaft wurde damals den Hirten verkündet, wie es in Lukas 2,10-12 steht. Dort sagt der Engel zu den Hirten, sie sollen sich freuen wegen der Geburt Jesu. Er spricht: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude.“ Und wem gilt diese Freude? Nicht nur der geistlichen Elite, nicht nur den Führern oder Priestern, sondern dem ganzen Volk. Den Kranken, Sündern, Frauen, Kindern – all diesen Menschen wird gesagt: Kommt zu Jesus Christus!

Dort, wo die Geburt von Jesus angekündigt wurde, gilt diese Freude dem ganzen Volk. Es ist der Beginn von Gottes Mission auf dieser Erde – eine Liebe Gottes zu dem, was verloren ist, nicht zu dem, was er bereits besitzt. Er sucht das Verlorene, so wie wir unseren Geldbeutel oder unsere Handtasche suchen, wenn wir sie verloren haben. Er ist gekommen, um zu suchen, was verloren ist.

Diese gleiche Liebe, die ihn dazu brachte, dich zu suchen, ist auch die Liebe, die ihn ans Kreuz führte, um deine Sünde zu bezahlen.

Dankbarkeit als Antwort auf Vergebung – Die Geschichte der Sünderin

Nur eine Frage zum Nachdenken: Warum nimmt Jesus ganz besonders gerade diese Bedürftigen an? Welche Ideen habt ihr dazu? Warum nimmt Jesus Christus speziell die Bedürftigen an? Warum gefällt es Gott gerade, diejenigen zu retten, die Sünder sind?

Wir wollen uns dazu eine passende Geschichte aus dem Lukas-Evangelium anschauen. Das ist der Grund: Jesus sagt nämlich selbst, dass demjenigen, dem viel vergeben ist, diese Personen umso dankbarer sind und Gott umso mehr lieben. Das ist die Aussage. Jesus vergibt viel, und diese Menschen, die mit ihrer Sündennot bankrott sind und ein Leben voller Sünde führen, nimmt er einfach an. Das sind die Menschen, die unglaublich dankbar dafür sind – wirklich unglaublich.

Wir schauen uns nun eine Geschichte etwas genauer an, aus Lukas 7,36-50. Diese Geschichte untermauert die These, dass demjenigen, dem viel vergeben ist, viel liebt. Es geht hier um eine Frau, eine Sünderin, die, man muss sagen, demütig zu Jesus kommt. Wir lesen Lukas 7,36-50:

Dort steht: „Und es bat ihn aber einer der Pharisäer, und Pharisäer sind so etwas wie hochnäsige Elitepriester oder Gelehrte, die in der religiösen Welt ganz oben standen. Sie beteten heilig und alle schauten zu ihnen auf, dachten, das sind Männer Gottes und so weiter. In Wirklichkeit waren sie es aber nicht ganz. Sie liefen herum, verurteilten diejenigen, die Gottes Gebote brachen, und hatten dadurch unglaublichen Stolz.“

Einer dieser Pharisäer, diese arroganten Männer, bat Jesus, mit ihm zu essen. Jesus ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich zum Tisch (Vers 36). Und siehe, eine Frau war in der Stadt, eine Sünderin. Als diese Frau hörte, dass Jesus im Haus des Pharisäers zu Gast war, brachte sie eine Alabasterflasche mit voll Salböl. Sie trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und benetzte seine Füße mit ihren Tränen. Dann trocknete sie sie mit den Haaren ihres Hauptes, küsste seine Füße und salbte sie mit der Salbe.

Als der Pharisäer, der Jesus eingeladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst: „Wenn dieser Jesus wirklich ein Prophet wäre, wüsste er doch, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt – dass sie eine Sünderin ist.“ Hier sieht man schon die Überheblichkeit gegenüber den Sündern.

In diesem Textabschnitt sehen wir drei Personen: Zuerst den Pharisäer, die jüdisch-religiöse Elite, die geistliche Führung. Ihr Charakter war es, jedes Jota des Gesetzes peinlich genau zu erfüllen, also das Gesetz Gottes plus zusätzliche Gesetze, um bloß nicht das eigentliche Gesetz zu übertreten. Diese Pharisäer schauten auf die herab, die gesündigt hatten.

Die zweite Person ist Jesus Christus, der von dem Pharisäer eingeladen wurde. Die dritte Person ist die Frau, die als Sünderin bezeichnet wird. Diese Frau wusste auch, dass sie eine Sünderin war. Sie hasste es, eine Sünderin zu sein.

Diese Frau hört, dass Jesus Christus in der Stadt ist. Vielleicht hat sie irgendwo vernommen, dass Jesus das Lamm Gottes ist, über das man sagt, dass er die Sünde der Welt wegnimmt. Die Frau, die von sich weiß, dass sie eine Sünderin ist, hört, dass das Lamm Gottes da ist, das die Schuld wegnehmen kann. Sie bekommt Hoffnung.

Was ganz interessant ist: Sie traut sich, in das Haus des Pharisäers zu gehen. Stellt euch das mal vor! Es hätte auch gut sein können, dass man sie mit Steinen bewirft und sagt: „Was willst du hier in unserer Gegenwart?“ Der Pharisäer wollte mit Jesus theologische Gespräche auf Augenhöhe führen, und dann kommt diese Sünderin. Und sie traut sich. Warum? Weil sie Hoffnung hat. Sie braucht etwas, an das sie sich klammern kann.

Nun schaut im Vers 38, wie sie zu Jesus kommt: Sie kommt von hinten zu seinen Füßen. Es ist nicht so, dass sie einfach hereinspaziert und sagt: „Hallo Jesus, können wir mal unter vier Augen reden?“ Nein, sie kommt von hinten zu seinen Füßen. Sie hat ihre Sünden vor Augen.

Was tut sie? Sie fängt an, an den Füßen von Jesus Christus zu weinen. Sie benutzt ihre eigenen Tränen, um die Füße von Jesus zu waschen. Wir wissen alle, dass die Leute damals offene Schuhe trugen und in einer staubigen Wüste lebten. Die Füße waren grundsätzlich dreckig und staubig.

Diese Frau vergießt so viele Tränen, dass sie die Füße Jesu damit waschen kann. Das sind nicht nur zwei oder drei Tränen, sondern sie muss bitterlich geweint haben, damit ihre Tränen ausreichen, um die Füße Jesu sauber zu bekommen. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele Tränen geflossen sein müssen?

Und wisst ihr, was diese Frau dann macht? Sie, die genau weiß, dass sie unter Gottes Gesetz durchgefallen ist, nimmt ihre eigenen Haare, um die Füße Jesu, die durch die Tränen sauber geworden sind, zu trocknen. Wisst ihr, warum sie das tut? Nicht, um Vergebung zu erlangen, sondern – und das sehen wir gleich noch – weil sie diesem Herrn Jesus Christus so dankbar ist. Das ist einfach nur Ausdruck ihrer Dankbarkeit.

Diese Sünderin wird von Jesus angenommen. Ja, nebenan sitzt der selbstgerechte Pharisäer, der auf die Frau herabschaut, aber diese Frau ist einfach so dankbar. Sie ist so dankbar, dass ihr ganze Schuld vergeben wurde und dass Jesus, der Sohn Gottes, sie annimmt.

Ich schaue mir diese Frau an und staune über sie. Ich frage mich, wie man so zerbrochen über seine Sünde sein kann. Ich weiß nicht, ob du so etwas in deinem Herzen schon erlebt hast – so einen Zerbruch und gleichzeitig so eine Dankbarkeit, die man vor Gott fühlt und die einen antreibt, das ganze Leben hinzugeben, wie es in Römer 12,1 steht.

Das ist genau das, was sie tut. Kennst du dieses Zerbrochen-Sein über deine Sünde und gleichzeitig die Dankbarkeit, dass du alles, was du hast, Gott gibst? Oder passt du besser zu dem Pharisäer, der mit Sündern nichts zu tun haben will und sich schnell über diejenigen erhebt, die ihr Leben vergeigt haben?

Die Lehre Jesu über Vergebung und Liebe

Wisst ihr, was dieser Pharisäer macht, während er vor Augen hat, wie diese Frau dort die Füße Jesu Christi mit ihren eigenen Tränen gewaschen hat? Wisst ihr, was dieser Pharisäer tut? Wisst ihr, was er sich denkt?

In Vers 39 schaut dieser Pharisäer die Frau an und dann Jesus. Er denkt sich: Wenn Jesus wirklich ein Prophet wäre, so wie er von sich sagt, dann wüsste er, dass diese Frau eine Sünderin ist. Das zeigt die Arroganz seines Herzens. Absolut überheblich versteht er nichts und hat nicht begriffen, warum Jesus das Lamm Gottes ist. Er hat nichts verstanden. Wenn Jesus wirklich ein Prophet wäre, dann wüsste er, dass er gerade körperlichen Kontakt mit einer Sünderin hat. Diese Frau müsste aus diesem heiligen Haus eines Pharisäers rausgeschickt werden.

Dieser Pharisäer zweifelt also daran, dass Jesus ein Prophet ist. Er denkt es nur, aber was macht Jesus prompt? Er antwortet ihm in Vers 40 auf seine Gedanken. Jesus will dem Pharisäer etwas beibringen. Die vorherige Aussage war: Dem, dem viel vergeben wurde in seinem Leben, der liebt umso mehr. Das verdeutlicht Jesus jetzt.

Jesus sagt zu diesem Pharisäer: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“ Simon hört zu, auf Augenhöhe. Dann erzählt Jesus von einem Gläubigen, der zwei Schuldner hatte, die ihm Geld schuldeten. Der eine schuldete 500 Denare, der andere 50 Denare. Das war die Währung damals. Der eine hatte also viel Schulden, der andere wenig.

Da aber beide nichts hatten, um zu bezahlen, schenkte der Gläubige beiden die Schulden. In Vers 42b fragt Jesus: „Simon, sage mir, welcher von den beiden wird ihn nun mehr lieben?“ Simon antwortet: „Ich vermute den, dem er am meisten geschenkt hat.“ Jesus sagt: „Richtig, du hast richtig geurteilt.“

Noch einmal kurz zusammengefasst: Da ist jemand, der Zwille schuldet mir 500 Euro und Matthias schuldet mir 50 Euro. Beide können nicht bezahlen, weil sie arbeitslos geworden sind, was auch immer. Weil ich so gnädig und gütig bin, schenke ich beiden die Schulden. Die Frage, die Jesus stellt, lautet: Wer wird mir dankbarer sein? Der, dem nur wenig Schulden erlassen wurden, oder der, dem ein großer Betrag erlassen wurde? Der Pharisäer sagt bestimmt, derjenige, dem 500 Euro erlassen wurden. Das ist im Grunde die Aussage.

Und Jesus bestätigt: Genau diese Person, der viel Schuld vergeben wurde, liebt umso mehr und ist dankbarer. Jesus will hier Simon, dem Pharisäer, der auch Schuld hat – zwar nur 50 Denare – und die Frau, die 500 Denare Schuld hat, gegenüberstellen. Das ist das Bild, das er malen möchte.

Es gibt zwei Schuldner, beide haben nichts zu bezahlen und fallen durch das Gericht Gottes. Das ist die Botschaft Jesu. In Vers 42 sagt er: Beide haben nichts zu bezahlen, keiner von beiden kann sich von der Schuld befreien, beide sind durchgefallen. Aber der Gläubige schenkt beiden die Schuld.

Jesus fragt: Wer von beiden wird mich mehr lieben? Simon antwortet in Vers 43: „Ich vermute den, dem er am meisten geschenkt hat.“ Jesus sagt: „Du hast richtig geurteilt.“ Simon trifft also eine richtige Einschätzung. Ob ihm dabei schon einiges klar wird, weiß man nicht, aber Jesus bestätigt seine Antwort.

Während Jesus das sagt, wendet er sich zu der Frau in Vers 44 und spricht zu Simon. Jetzt sehen wir die Dankbarkeit der Frau und wohin Jesus die ganze Zeit hinarbeitet.

Jesus sagt zu Simon: „Siehst du diese Frau, die mir da zu Füßen liegt und gerade meine Füße mit ihren Haaren sauber macht? Siehst du sie? Simon, ich bin in dein Haus gekommen, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben, sie aber hat nicht aufgehört, meine Füße zu küssen, seit ich hier hereingekommen bin. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat meine Füße mit Salbe gesalbt.“

Seht ihr den Unterschied? Simon hat Jesus keine dieser Ehren erwiesen. Die Frau dagegen zeigt große Ehrerbietung und Liebe. Deshalb sagt Jesus zu Simon: „Ihre vielen Sünden sind vergeben worden, darum hat sie viel Liebe erwiesen.“ Weil ihr viel vergeben wurde, ist das, was sie getan hat, der Ausdruck ihrer Liebe.

Dann sagt Jesus weiter: „Wem aber wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.“ Simon liebt also wenig, weil er nicht dankbar ist und den Wert der Vergebung nicht schätzt.

Wir wissen, dass Simon im Grunde genauso ein Sünder war wie diese Frau. Aber Simon hat es nicht verstanden. Er hat nicht begriffen, dass er durch und durch verdorben ist. Er hat es nicht erkannt.

Einladung zur Umkehr und Glaube als Rettung

Er hat genauso 500 Denare, die zurückbezahlt werden müssten. Ich finde es einfach schön, wie man sieht, dass dieser Jesus Christus diese Frau nicht wegschickt, sondern wie liebevoll er mit einer Person umgeht, die ihr Leben lang gegen Gott gesündigt hat. Das wollen wir auch nicht wegreden.

Aber diese Frau kommt ja im Glauben, und Jesus nimmt sie an. Er nimmt sie an. Und das ist die Ermutigung für dich. Wenn wir Jesus noch nicht kennen, aber auch wenn wir ihn kennen, wenn wir uns im Glauben an Jesus Christus wenden, vergibt er uns so gerne und nimmt uns an.

Das heißt, wenn auch du krank von deiner Sünde bist oder krank in Sünde – so wollen wir es nennen, nicht körperlich krank –, sondern du merkst einfach, dein Leben passt nicht zu Gott. Wenn du merkst, dass du wegen deiner Sünde nicht in Gemeinschaft mit Gott treten kannst, wenn du merkst, dass du diesen Maßstab Gottes nicht erreichen kannst, und wenn du eingesehen hast, wie diese sündige Frau, dass du schuldig bist, dann darfst du zu Jesus Christus fliehen.

Und das ist das Wichtige: Sei nicht wie dieser Simon, der sich ganz toll findet. Dann wirst du nicht ins ewige Leben eingehen. Wir müssen die Sünde erkennen. Und wir wollen uns das gleich noch mal ganz kurz anschauen, was Buße und Glaube bedeuten.

Aber der erste Weg, um mit seiner Schuld zu Jesus zu kommen, ist einfach die Realität zu wissen, dass ich schuldig bin. Nun, wie kann ich zu Gott kommen, wenn ich noch nie zu Gott gekommen bin? Wie kann ich zu Gott kommen? Das ist eine ganz, ganz wichtige Frage.

Die Bibel sagt: Wenn ich zu Gott kommen möchte, brauche ich zwei Dinge in meinem Leben. Und zwar ist der erste Punkt, dass ich Buße tun muss. Und der zweite Punkt ist, dass ich glauben muss.

Der erste Punkt ist, dass ich Buße über mein Leben und über meine Sünde tun muss. Nun, wir alle kennen das Wort Buße, und ich vermute, dass es für manche gar nicht so einfach ist zu erklären. Ich denke auch, dass es viel Missbrauch bei dem Wort Buße gibt.

Denn wir kennen es aus der Großkirche. Dort heißt es, wenn ich Buße tue, dass ich vielleicht irgendeinen Pilgerpfad laufen muss. Und wenn meine Füße wirklich wund sind nach 300 Kilometern und ich in Spanien ankomme, an irgendeiner heiligen Stätte, dann habe ich Buße getan. Ja, ich habe mir selber meinen Rücken gekasteit mit Schlägen und so weiter und so fort.

Und das ist nicht Buße, was die Bibel meint. Es wird ganz schön erklärt in Lukas 7, Vers 29, was biblische Buße ist. Das ist eine gute Frage, und für die von euch, die das schon wissen, könnt ihr euch diesen Vers merken, falls ihr mal jemandem erklären sollt, was Buße ist.

Hier ist Johannes der Täufer, und er ruft zu den Sündern: „Ihr Sünder, kehrt um von eurem Weg und lasst euch taufen.“ Das ist so der Zusammenhang, ja? Und indem sie sich taufen lassen, müssen sie einstimmen, dass sie Sünder sind.

Nun lesen wir Lukas 7, Vers 29: „Und das ganze Volk, das ihn hörte, und die Zöllner, also diese schlimmen Sünder, sie gaben Gott Recht, indem sie sich taufen ließen mit der Taufe des Johannes.“ Hier steht – und das ist ja die Taufe des Johannes –, er ruft zur Buße auf. Und hier steht, dass sie, indem sie diesem Ruf zur Buße folgten, Gott Recht gaben.

Gott, ich gebe dir Recht, dass ich mit meinem Leben versagt habe. Gott, ich gebe dir Recht, dass ich diesen Maßstab deines Wortes nicht einhalten kann. Ich gebe dir Recht, und ich gebe dir auch Recht, dass du mich verdammen müsstest. Ich gebe dir Recht, Gott, du hast Recht, Gott.

Und das ist der erste Weg: Buße tun heißt, ich gebe Gott Recht. Ich gehe mit meiner Sünde, mit aller Sünde meines Lebens, zu Gott. Und ich sage: Gott, du hast Recht, dein Urteil über mich stimmt. Es stimmt, es stimmt. Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht recht, ich bin nicht wert, dein Kind zu sein. Gott hat ein Recht, dich als Sünder und Verlorenen zu bezeichnen. Und wir müssen es auch sagen.

Wer Gott auf dieser Erde nicht Recht gibt, kann zu Gott gehen, so wie diese Sünderin, die wir vorhin gehört haben. Wir können zu Gott gehen und ihm Recht geben.

Aber wer es auf dieser Erde nicht tut, wird Gott einmal in der Ewigkeit Recht geben müssen. Denn spätestens in der Ewigkeit, wenn dieses große Gericht Gottes kommt, wo die Bücher deines Lebens aufgeschlagen werden, musst du deine Knie beugen und Gott Recht geben.

Aber dann ist Jesus Christus nicht mehr dieser liebende Gott, der diesem Sünder nachgeht. Sondern auf einmal ist Gott der Richter, der auf dem Thron sitzt. Und wir haben zwei Möglichkeiten: Wir können Jesus einmal hier auf dieser Erde Recht geben, oder wir tun es in der Ewigkeit.

Doch dann gehen wir verloren in alle Ewigkeit. Dann kommen wir in diesen Feuersee, wo das Weinen und das Zähneklappern niemals aufhört, in alle Ewigkeit. Und wir werden sagen: Gott, du hast Recht, es ist so gerecht, dass ich hier gepeinigt und gequält werde. Das muss man einfach so sagen: Gott, du hast Recht.

Aber für diejenigen, die diesem Gericht entfliehen wollen, die nicht hinein wollen in dieses Gericht, können jetzt schon zu Jesus Christus fliehen und ihm jetzt schon Recht geben: Gott, ich gebe dir Recht, vergib mir, ich habe völlig versagt. Ich gebe dir Recht, und ich will, dass ich mich zu dir bekehre, ich möchte zu dir umkehren.

Diese Frau, als sie hörte, dass Jesus Christus in der Stadt ist, ging offen zu ihm in der Stellung eines Sünders – nicht mehr und nicht weniger. Und zweitens: Wisst ihr, was Jesus sagt, was diese Sünderin gerettet hat?

Also, sie kam zu ihm in der Stellung eines Sünders, sie gab ihm Recht. Aber nun schaut in Vers 50, den siebten Vers: Was hat diese Frau gerettet? Es war nicht, dass sie Gott Recht gegeben hat. Das ist der Weg dorthin.

Aber was hat sie gerettet? Vers 50: Jesus spricht zu dieser Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Dein Glaube, nicht deine Bußübung, nicht dein Bessersein als andere, und auch nicht dein „Jetzt habe ich schon drei Wochen es geschafft, diese Sünde nicht mehr zu tun“. Nicht das, nicht ihre Demütigung, nicht dass sie ihm die Füße gewaschen hat. Sondern der Glaube.

Im Römerbrief heißt es, dass dem Gläubigen die Rechtfertigung geschenkt wird. Gott gefällt es, wenn wir an ihn glauben, wenn wir daran glauben, dass er meine Sünde getragen hat und ich im Vertrauen zu ihm gehe. Glaube ist ja Vertrauen zu ihm. Ich gebe dir Recht, aber ich vertraue darauf, dass dein Blut, als du gesagt hast: „Es ist vollbracht“, alle Sünde, alle Sünde meines Lebens bezahlt hat.

Hier sagt er zu ihr: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ So wollen wir zum Schluss kommen und von dieser Frau lernen, dass keine Sünde von uns zu groß ist, als dass wir damit nicht zu Jesus kommen können.

Und wenn wir unser Leben völlig an die Wand gefahren haben, dürfen wir zu Jesus kommen. Wir dürfen ihm Recht geben, und er gibt uns durch den Glauben die Vergebung.

Dann wird es heißen, wie bei dieser Frau, demjenigen von uns, dem viel vergeben wurde in seinem Leben. Und selbst als Christen müssen auch immer wieder unsere Beziehungen wieder bereinigt werden. Auch dort ist es so, dass Gott uns viel vergibt.

Aber dieser Person, der viel vergeben ist, wird Jesus Christus umso mehr lieben und alles geben, was sie hat.

Amen.

Ja, vielen Dank, Tobi. Wir sind damit am Ende des ersten Teils von dem Gottesdienst angekommen. Damit möchte ich alle unsere Online-Zuschauer verabschieden. Es war schön, dass ihr mit dabei wart, und ich lade euch herzlich dazu ein, das nächste Woche wieder zu tun, wieder Sonntag, neun Uhr dreißig.

Fortsetzung des Gottesdienstes mit Abendmahl und Lobpreis

Wir beginnen jetzt mit dem zweiten Teil und singen das Lied „Vor Gottes Thron“.

Der hohe Priester, Gottes Sohn, kann allein mein Mittler sein.
Mein Name steht in seiner Hand, er bittet vor, den Geist als Unterpfand.

Mich kann nichts trennen, mich kann nichts trennen,
wenn Satan weht und mir die Sünden vorhält.

So schaue ich auf zu ihm, als ob es nicht vollbracht wäre.
Vollkommen ausginge nahm er eine ganze Schuld auf sich.
Der Zorn ist fast nun fort, er sieht den Sohn wegnädig an,
er sieht den Sohn wegnädig auf das Land, das auferstand.

Jesus, meine Gerechtigkeit, als der ich bin, ist er bekannt,
der König voller Herrlichkeit.

Mit Christus bin ich der Sämlingretter,
oh, er ist mein Retter, oh.