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Abraham - Sein Weg in die "Hall of Faith"

18.04.2021
Wie schafft man es in die "Hall of Faith"? Abraham hat es geschafft! An Hand seines Lebens wollen wir sehen, worauf es Gott wirklich ankommt.

Einleitung: Vorbilder im Glauben und im Leben

Ja, schönen guten Morgen auch von meiner Seite. Ralf hat schon vorweggenommen, dass es um Abraham gehen wird. Das Geheimnis ist also gelüftet. Ich möchte aber noch etwas anders einsteigen.

Wenn man im Sport unterwegs ist, gibt es oft Bestenlisten. Das kennt man ja irgendwie. Dort stehen diejenigen ganz oben, die es besonders gut hinbekommen haben. Es gibt nicht nur Bestenlisten für ein bestimmtes Jahr, sondern auch All-Time-Bestenlisten, also Listen für alle Zeiten. Wenn ihr zum Beispiel in die Formel 1 schaut, dann steht da ganz oben Michael Schumacher. Ich glaube, er ist noch ganz oben, aber ich weiß nicht, ob Lewis Hamilton mittlerweile schon ganz vorne ist. Manche Leute wissen das vielleicht besser. Diese Personen faszinieren.

Wenn ich die Bibel gelesen habe, sind mir gerade als Teenager einige Typen aufgefallen, die es richtig gut hinbekommen haben. Sie waren in der Bibel irgendwie besonders präsent. Das sind natürlich gerade im Kinder- und Teenageralter Leute wie David oder Daniel. Simpson vielleicht – wer wäre nicht ganz so stark gewesen? Andre lacht. Wenn man ein bisschen älter wird, ist Simpson vielleicht nicht mehr ganz vorne dabei, aber David, Daniel oder so, das sind doch schon Leute, mit denen man sich gerne messen würde.

Der eine oder andere weiß vielleicht, dass es im Neuen Testament im Hebräerbrief ein ganzes Kapitel gibt, das im englischsprachigen Raum gerne als "Hall of Fame" bezeichnet wird. Das ist angelehnt an die Ruhmeshallen großer Sportler, gerade im Football und anderen Sportarten in Amerika. Im Hebräer 11 werden solche Menschen aufgelistet, die es im Leben mit Gott scheinbar wirklich gut hinbekommen haben. Zumindest so gut, dass sie hier erwähnt werden und als Vorbild für uns gelten sollen.

Wer da ganz vorne mit dabei ist und fast das Grundmuster für alle anderen in dieser Liste liefert, das ist Abraham. Wenn man sich das durchliest und sich mit seinem Leben beschäftigt, geht es einem ähnlich wie im Sport, wenn man die Zeiten von Bestenlisten anschaut und seine eigenen Zeiten dagegenlegt. Heutzutage ist ja alles digital, und wenn man öfter mal joggen geht oder Fahrrad fährt, kann man seine Zeiten irgendwo hochladen und mit anderen vergleichen. Das ist manchmal eine ziemlich nüchterne Angelegenheit, weil man dann sieht, wo man gerade steht.

Vielleicht geht es dir ähnlich, wenn du diese Leute in der Bibel anschaust, die es besonders gut hinbekommen haben, wie Abraham oder andere. Du fragst dich dann: Wie haben sie das geschafft? Wie haben sie es hinbekommen? Wenn wir beim Beispiel Sport bleiben, ist ein guter Ratschlag, sich mit den Leuten zu unterhalten, die es geschafft haben, und zu fragen, was sie gemacht haben, damit es funktioniert hat und sie so weit gekommen sind. Im Sport hört man dann oft: Ich habe hart trainiert, lange daran gearbeitet, Rückschläge weggesteckt und Ähnliches.

Abraham können wir jetzt nicht mehr fragen, er lebt nicht mehr. Aber das Tolle ist: Seine Biografie haben wir in gewissem Maße vorliegen, nämlich die Geschichte, die die Bibel über sein Leben berichtet. Diese wollen wir heute in einem Überblick anschauen, um zu sehen, was in Abrahams Leben besonders war und warum er als so großes Vorbild für uns heute gilt.

Dabei wird der Schwerpunkt darauf liegen, warum Abraham als dieses große Vorbild dasteht. Wir werden nicht in jedes Detail gehen. Ich habe bereits im Januar mit der Predigtvorbereitung begonnen, und das ist ziemlich eskaliert, weil die Abraham-Geschichte sich über mehrere Kapitel in der Bibel erstreckt. Man läuft dabei unheimlich Gefahr, ständig in jede Detailtiefe einzutauchen. Das werden wir heute nicht tun.

Wir werden uns zum Beispiel nicht über Sodom und Gomorra unterhalten, wir werden nicht über Lot sprechen. Wir sollten auch nicht anfangen, die Sterne zu zählen, denn das schaffen wir heute nicht. Sonst laufen wir Gefahr, dass wir vor lauter Sandkörnern die Wüste nicht mehr sehen. Es geht um das große Ganze, um den Grund, warum Abraham so ein großes Vorbild für dein und mein Leben ist.

Ich hoffe, dass du vielleicht motiviert bist, ihm nachzufolgen – nicht, um jetzt ganz vorne auf Platz eins zu stehen. Du wirst sehen, dass es in Abrahams Leben eigentlich gar nicht darum ging. Das war nur am Ende eine Folge davon. Wir wollen uns ansehen, wie Abraham dahin gekommen ist.

Der Anfang von Abrahams Weg: Gottes Ruf und der neue Start

Das Erste, womit wir uns beschäftigen müssen, sind die Grundvoraussetzungen, der Startpunkt. War Abraham vielleicht besonders begabt? Hat er von Anfang an alles besser hinbekommen?

Dazu möchte ich euch kurz in Erinnerung rufen, was wir bisher in den ersten elf Kapiteln von 1. Mose durchgenommen haben. Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren viel darüber gepredigt. Das große Thema, das sich vor allem durch die Kapitel drei bis elf zieht, ist, dass die Menschen komplett versagt haben. Sie haben es nicht geschafft, ihre Beziehung zu Gott aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. Viele meinen, sie seien besonders schlau und wollen nun selbst leben, wie sie es für richtig halten. Doch das Ergebnis ist, dass sie die Welt und die Menschheit immer tiefer ins Chaos stürzen.

Gott greift ein mit Noah, doch auch das endet wieder im Chaos. Das elfte Kapitel ist dann das große Ende mit dem Turmbau zu Babel. Am Schluss bleibt die ganze Menschheit gegen Gott gerichtet. Die Menschen haben versucht, etwas Besonderes zu leisten, doch es endete im großen Chaos.

Wenn die Bibel mit 1. Mose 11 enden würde, wäre das eine ziemlich frustrierende Angelegenheit. Man hätte die Frage, ob es überhaupt klappt, dass die Menschen ihr Leben noch einmal in den Griff bekommen. Ich glaube, diese Frage kann man sich manchmal auch heute noch stellen, wenn man sieht, wie Menschen miteinander umgehen. Schaffen wir es Menschen eigentlich irgendwann einmal? Es gibt zwar viele Hoffnungsschimmer, doch oft stürzt alles wieder ins Chaos.

Man könnte nun meinen, Abraham hätte irgendwann gesagt: „Ich habe jetzt die Idee, wie es funktioniert.“ Wir wollen uns anschauen, wie es in Wirklichkeit bei Abraham losgeht. Schaut dazu in 1. Mose 12, die ersten vier Verse:

„Und der Herr sprach zu Abraham: ‚Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich will dich zum großen Volk machen, dich segnen und dir einen großen Namen geben. Du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.‘ Da zog Abraham aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abraham aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.“

Vielleicht noch eine kurze Anmerkung: Abraham bekommt später auch einen neuen Namen. Er heißt erst Abram und dann Abraham. Darauf werde ich heute nicht im Detail eingehen und der Einfachheit halber immer von Abraham sprechen. Das ist nicht ganz unwichtig, aber das schaffen wir heute nicht alles.

Was ist hier am Anfang der Punkt? Wie gesagt, die Menschen haben versagt und sind nicht in der Lage, es hinzukriegen. Viele Anläufe, die wir in den ersten elf Kapiteln gesehen haben, sind alle gescheitert. Bei Abraham geht es nicht so los, dass er sagt: „Ich versuche jetzt mal, es besser zu machen.“ Nein, Gott selbst greift in das Leben Abrahams ein – und damit in die Geschichte der ganzen Welt.

Gott sagt, er wird aus Abraham jemanden machen, der Nachkommen bekommt. Das ist nicht unwichtig, das habt ihr vorhin auch von Ralf mitbekommen. Damit passiert etwas Großes in der Welt: Abraham und seine Nachkommen sollen zum Segen für alle anderen werden, die um sie herum sind. Das ist die Berufung, die Gott Abraham mitgibt. Er gibt ihm den Auftrag: Verlasse dein altes Leben.

Das Einzige, was Abraham tun soll, ist, sein altes Leben zu verlassen. Er hat in Ur in Chaldäa gelebt, das war damals eine Weltmetropole, ungefähr im heutigen Irak. Dort gibt es viele Ausgrabungen, sodass man relativ viel über die Zeit weiß. Wer es zeitlich einordnen will: Abraham lebte etwa um 2160 vor Christus, also in der mittleren Bronzezeit.

Worauf will ich hinaus? Ich bin überzeugt: Wenn Gott nicht die Initiative ergriffen hätte und nicht in Abrahams Leben hineingesprochen hätte mit den Worten: „Abraham, verlasse dein bisheriges Leben“, dann wäre nichts passiert. Abraham hätte vermutlich in Ur in Chaldäa gelebt, wäre arm oder reich alt geworden und gestorben, und wir würden nicht viel über ihn wissen.

Das möchte ich festhalten: Wenn wir über Abraham reden, liegt der Startpunkt nicht bei ihm. Der Anfang, dass Abraham einen Weg beginnt, der ihn zu dem macht, was wir später in Hebräer 11 als großen Glaubenshelden lesen, liegt nicht in Abraham selbst, sondern in Gottes Ruf, der in Abrahams Leben hineinkommt.

Dasselbe gilt für uns: Wenn unser Leben vielleicht in einer dauerhaften Abwärtsspirale steckt und wir nicht herauskommen, wenn wir alles Mögliche probieren, um unser Leben in den Griff zu bekommen, und es ähnlich läuft wie bei den Menschen in 1. Mose 3–11, dann gibt es nur eine Chance: Gott muss eingreifen.

Du kannst dein Leben selbst nicht besser machen. Ohne Gottes Handeln und Wirken kommst du nicht aus dem Sumpf deines Lebens heraus. Gott muss eingreifen. Dieser Startpunkt muss von ihm kommen. Er muss dein Leben in die Hand nehmen und verändern.

Dass Abrahams Leben ein Leben mit Gott wird, liegt nicht an Abraham, sondern an Gott.

In einem Kinderbuch habe ich kürzlich eine sehr eindrückliche Geschichte gelesen. Es ist eine ältere Geschichte aus „Unter dem Bujo-Baum“ von einem ehemaligen Missionsarzt, soweit ich weiß aus Afrika. Er erzählt viele Tiergeschichten, um das Evangelium zu verdeutlichen.

Eine Geschichte handelt von einem Affen, der immer meint, er könne aus einem Sumpf herauskommen. Irgendwann versucht er es, zieht sich an seinem Schnurrbart heraus, aber es tut ihm immer mehr weh. Am Ende versinkt der Affe im Sumpf, weil er es nicht schafft, allein herauszukommen.

Das ist genau das Bild, das hier gemeint ist. Wenn wir selbst versuchen, herauszukommen, schaffen wir es nicht. Das erzählen die ersten elf Kapitel der Bibel: Wir schaffen es nicht. Vielleicht erzählt das auch die Realität deines Lebens, dass du dich nicht selbst aus dem Sumpf ziehen kannst, egal wie sehr du dich an deinem „Bart“ festhältst.

Gott muss eingreifen und handeln, damit wir herauskommen.

Das passiert häufig in Abrahams Leben. Wenn ihr euch die dreizehn Kapitel in 1. Mose anschaut, die wir bisher behandelt haben, ist euch vielleicht aufgefallen, dass Gott immer wieder in Abrahams Leben hineinspricht. Er gibt ihm Verheißungen, sagt ihm, was er aus ihm machen möchte und wohin er sein Leben führen will.

Das nächste Mal möchte ich auf 1. Mose 15 eingehen. Dort wird die Verheißung, die schon angefangen hat – nämlich Abraham Nachkommen zu geben und ihn zum Segen für die Menschheit zu machen – noch einmal verdeutlicht. Ralf hat gerade auch kurz daraus gelesen.

Gottes Verheißungen und Abrahams Glaube

 1. Mose 15,1-6

Nach diesen Geschichten geschah es, dass zu Abraham das Wort des Herrn in einer Offenbarung kam: „Fürchte dich nicht, Abraham! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.“

Abraham antwortete: „Herr, mein Gott, was wirst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, und mein Knecht Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen.“

Er sprach weiter: „Mir hast du keine Nachkommen gegeben, und siehe, einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein.“

Doch der Herr sagte zu ihm: „Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leib kommen wird, der soll dein Erbe sein.“

Dann ließ er ihn hinausgehen und sprach: „Sieh zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst.“ Er sagte zu ihm: „So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.“

Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Seit dieser ersten Stelle sind einige Jahre vergangen. Wenn man hier genau liest, fällt eine Sache auf: Abraham ist zwar von Ur im Chaldäerland ausgezogen, aber von Nachkommen ist nicht viel zu sehen. Von dem Segen, den Abraham für andere werden soll, ist kaum etwas sichtbar.

Irgendwann könnte man an den Punkt kommen, an dem man sagt: „Na ja, ist nett, Gott, aber es klappt ja nicht so.“ Das ist letztlich Abrahams Antwort. Elieser von Damaskus war ein weitläufiger Verwandter oder Knecht von ihm. Er sollte das Erbe Abrahams erhalten. Das war in der damaligen Zeit frustrierend, denn wenn alles, was man aufgebaut hatte, einem Fremden übergeben wird, war das enttäuschend. Nachkommen waren wichtig, damit der Name erhalten bleibt.

Gott sagt jedoch: „Nein, Abraham, das wird nicht so sein. Es wird noch etwas in deinem Leben passieren.“ Gott erneuert die Verheißung und macht sie an diesem Beispiel mit den Sternen nochmals deutlich: Die Nachkommen Abrahams sollen zahlreich sein, so zahlreich wie die Sterne.

Es ist übrigens spannend: Gott verheißt Abraham immer wieder, dass er ihm einen Namen machen wird. Das war auch in 1. Mose 12 enthalten. Wer sich an den Turmbau zu Babel erinnert, weiß, dass die Menschen damals versuchten, sich einen Namen zu machen, und grandios scheiterten. Das zeigt, was passiert, wenn Menschen versuchen, die Dinge selbst zu regeln.

Jetzt tritt Gott an Abraham heran und sagt: „Ich werde dir einen Namen machen.“

Worauf will ich hier hinaus? Gott hält in Vers 6 etwas zentral Wichtiges fest, das in der Bibel oft zitiert wird: Abrahams Reaktion auf Gottes erneute Verheißung. Diese Reaktion ist sehr simpel und knapp festgehalten: „Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit an.“

„Anrechnen“ bedeutet so viel wie „gutschreiben“. Das kommt aus der Betriebswirtschaft, wenn etwas auf ein Konto gebucht wird. Was Gott Abraham gutschreibt, ist Gerechtigkeit. Aber nicht, weil Abraham besondere Werke vollbracht hätte, sondern weil Abraham Gott glaubt.

Hier müssen wir vielleicht kurz darauf eingehen, was mit diesem Glauben gemeint ist. Denn es ist nicht so, dass Abraham einfach denkt: „Ich glaube, morgen wird schönes Wetter.“ Das haben wir alle schon mal gedacht. Es geht um mehr.

Wenn hier steht, dass Abraham Gott glaubte, wird im Hebräischen ein Wort verwendet, das überwiegend negativ gebraucht wird. Es beschreibt, dass Menschen sich auf Dinge verlassen, die dann scheitern. Wer sich auf Menschen verlässt, der ist verlassen – so in etwa.

Doch in diesem besonderen Zusammenhang bekommt das Wort eine positive Wendung. Abraham verlässt sich auf Gott, und das wird von Gott als etwas sehr Positives bewertet.

Was hier gemeint ist: Jemand glaubt, wenn er sich ganz auf eine Sache verlässt, seine ganze Hoffnung darauf setzt, seine Sicherheiten darin sieht und unbedingt darauf vertraut. Es ist ein tiefes, uneingeschränktes Vertrauen, das man in diese Sache setzt.

Es geht also nicht nur um ein lockeres Vertrauen, sondern darum, „all in“ zu gehen, seine ganze Hoffnung, Zuversicht und sein Leben auf Gott zu setzen. Abraham tut genau das. Er vertraut Gott und seinem Wort.

Dieses Vertrauen ist ein unbedingtes Zutrauen zu Gott und zu seinem Wort, das er Abraham verspricht. Es ist ein Vertrauen, das man Menschen normalerweise nicht entgegenbringt, weil es mit einer negativen Assoziation verbunden wird: Es ist ein Zutrauen, von dem die ganze Existenz des Menschen abhängt.

Wenn Gott Menschen ruft, erwartet er keine frommen Werke oder besondere Leistungen. Er erwartet eine einzige Sache: dass wir ihm unser tiefstes und innigstes Vertrauen schenken. Mehr noch, als es zwei liebende Menschen einander tun.

Er erwartet, dass wir alle Hoffnungen, Sicherheiten und Erwartungen unseres Lebens an ihn hängen, ihm glauben, ihm vertrauen und uns ganz auf sein Wort, seine Verheißungen und Zusagen einlassen.

So wie Gottes Ruf an Abraham ging, sein Leben zu verlassen, so geht Gottes Ruf auch heute an dich und mich. Er stellt genau dieselbe Frage, die er an Abraham stellte: Vertraust du Gott?

Es ist ein bisschen so, wie wenn wir zum Arzt gehen: Vertraust du, dass Gott als unser Schöpfer dich am besten kennt und die beste Diagnose stellen kann? Vertraust du, dass er als Herr und Arzt das wirkungsvollste Heilmittel zur Verfügung stellt?

Die Diagnose von Gott lautet, dass wir Sünder sind, verloren gehen und aus unserem Elend nicht aus eigener Kraft herauskommen. Das Heilmittel ist, dass in Jesus Christus Erlösung möglich ist.

Die Frage an dich und mich lautet: Vertraust du Gott so wie Abraham? Nimmst du das Heilmittel, die Medizin, an, oder vertraust du mehr auf deine eigene Diagnose und eigene Medizin? Vielleicht glaubst du, du weißt besser, was dir fehlt, weil du im Internet recherchieren kannst.

Bist du bereit, dein ganzes Vertrauen bedingungslos auf Gott und sein Wort zu setzen? Seinen Verheißungen zu vertrauen, auch wenn du, ähnlich wie Abraham, noch nicht sehen kannst, wie es ausgeht?

Abraham wurde immer älter, und es waren keine Nachkommen zu sehen. Wir werden gleich sehen, dass das noch eine Weile so blieb. Er konnte nicht sehen, wie Gottes Wort sich erfüllen würde, und doch vertraute er ihm.

In Römer 10,10 lesen wir: „Denn wer aus Herzen glaubt, wird gerecht.“ Das erinnert sehr stark an Abraham hier. Und wenn man mit dem Mund bekennt, wird man gerettet. Das ist alles. Keine Bußübungen, keine Wunder oder sonstige Herausforderungen.

Wer glaubt, wird gerettet. Dann wird auch dir Gerechtigkeit zugeschrieben. Wenn wir die Bibel weiter lesen, wissen wir, dass diese Gerechtigkeit von Jesus Christus kommt.

Das ist es, was mit Abraham beginnt: Gott schreibt eine neue Geschichte der Menschheit, um sie zu retten. Nicht aufgrund menschlicher Leistung, sondern weil Menschen sich ganz auf ihn verlassen, sich ihm hingeben und ihre ganze Hoffnung an ihn hängen.

Dort beginnt Gott, Menschen zu retten.

Wir werden uns weiter ansehen, wie das bei Abraham aussieht, denn dort wird noch deutlicher, wie dieser Glaube in der Praxis aussieht, wie er gelebt wird und was es bedeutet, Gott zu vertrauen.

Das Erste, was wir festhalten können, ist: Der Rettungsweg für Abraham und für dich und mich ist ziemlich gleich. Er führt nicht über eigene Werke, sondern beginnt dort, wo wir Gott vertrauen, an seine Verheißungen glauben und unser Zutrauen auf ihn setzen.

Dieser Glaube ist der Weg, auf dem Gott Menschen retten will.

Abrahams Unvollkommenheit und Gottes Treue

Bei Abraham müssen wir vielleicht zunächst einige Hintergründe betrachten. Die entsprechenden Stellen schauen wir uns nicht im Detail an, aber bisher wird Abraham sehr positiv dargestellt. Wer jedoch seinen Lebensweg genauer verfolgt, stellt fest, dass Abrahams Glaube nicht immer vollkommen ist.

Es gibt einige Situationen, in denen Abraham versucht, Gottes Verheißungen ein wenig nachzuhelfen oder die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ein Beispiel dafür findet sich in Kapitel 16 und auch im nächsten Kapitel. Sarah sagt dort: „Na ja, Abraham, was die Nachkommen angeht, ich bin inzwischen etwas älter geworden. Mach doch mal so wie alle anderen um uns herum: Ich gebe dir meine Magd, und wenn sie schwanger wird, dann ist das wie ein Kind von dir und mir.“

Das klingt aus heutiger Sicht vielleicht merkwürdig, aber damals war das durchaus gängige Praxis. Diese Vorstellung taucht auch an einigen anderen Stellen in der Bibel auf. Es war damals üblich, so zu denken, dass die Frau das Kind zwar austrägt, es aber eigentlich als Nachkomme des Mannes galt – grob gesagt. Daher war es sozusagen egal, von welcher Frau das Kind stammte.

Abraham sagt also: „Na gut, machen wir so.“ Daraus entsteht Ismael, und Abraham denkt vermutlich zunächst: „Ja, das könnte so passen.“ Wir sehen gleich noch in Kapitel 17, dass zwischen der Geburt Ismaels und dem nächsten Gespräch Gottes mit Abraham dreizehn Jahre vergehen. Bis dahin hat Abraham wahrscheinlich gedacht: „Alles in Ordnung, Ismael ist mein Nachkomme.“ Nicht mehr der Knecht Elieser, sondern Ismael soll erben. Zwar ist Ismael nicht der Sohn der Frau seines Herzens, aber immerhin sein Nachkomme.

Es gibt noch zwei weitere Situationen, die wir nicht im Detail betrachten, aber erwähnen sollten. Abraham muss zweimal ins Ausland ziehen, und in beiden Fällen gibt er seine Frau als seine Schwester aus. Das war nur eine halbe Lüge, denn sie war wohl tatsächlich seine Halbschwester. Sarah scheint selbst im hohen Alter so attraktiv gewesen zu sein, dass die Männer in den fremden Ländern nichts Besseres zu tun hatten, als sie für sich beanspruchen zu wollen.

In beiden Fällen greift Gott ein und verhindert, dass Abraham und Sarah eine große Sünde begehen. Das zweite Mal geschieht dies sogar erst relativ spät, nämlich in Kapitel 20. Man könnte denken, dass so etwas einmal vorkommt, aber zweimal ist es schon bemerkenswert.

Abraham ist also nicht perfekt, aber trotzdem bleibt Gott ihm treu. Dazu werde ich gleich noch etwas sagen.

Der Bund mit Gott und die Bedeutung der Beschneidung

Jetzt kommt das Kapitel 17, in dem Abraham selbst versucht hat, ein wenig nachzuhelfen. Also 1. Mose 17. Dabei ist mir eine Bibelstelle aufgefallen, die ich mir hier selbst noch einmal anschauen möchte: 1. Mose 17, ab den ersten Versen.

Dort heißt es: Als Abraham neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: „Ich bin der allmächtige Gott. Wandle vor mir und sei fromm, und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und dich über alle Maßen mehren.“ Da fiel Abraham auf sein Angesicht. Gott redete weiter mit ihm und sprach: „Siehe, ich habe meinen Bund mit dir geschlossen, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein, denn ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht. Ich will dich sehr fruchtbar machen, aus dir Völker hervorbringen, und auch Könige sollen von dir kommen. Ich will meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht aufrichten, damit ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. Ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, in dem du ein Fremdling bist – das ganze Land Kanaan – zu ewigem Besitz. Ich will ihr Gott sein.“

Gott sprach zu Abraham: „So halte meinen Bund, du und deine Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht. Das ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Eure Vorhaut sollt ihr beschneiden; das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch.“

Danach wird noch detailliert beschrieben, wie genau das aussehen soll. Die Geschichte geht noch ein wenig weiter: Abraham diskutiert noch einmal mit Gott, weil er sagt: „Ja, ich habe aber doch hier Ismael, und über ihn könnte man doch das Ganze machen.“ Gott antwortet Abraham jedoch: „Nein, über Sarah kommt ein Nachkomme.“

Wir sind also in der Situation, dass Abraham versucht hat, der Sache ein wenig nachzuhelfen – mit Hagar und Ismael. Er dachte, er müsse Gott ein bisschen anschieben. Doch Gott sagt: „Nein, das ist nicht der Weg. Ich habe einen anderen Weg.“ Er erneuert die Verheißung und verknüpft sie direkt mit dem Bundesschluss.

Dieser Bundesschluss ist quasi der Beschneidungsweg. Abraham erhält den Auftrag, dass jeder männliche Nachkomme von ihm beschnitten werden soll. Das ist kein komplett neues Konzept, sondern war im Nahen Osten damals durchaus verbreitet. Es ist bis heute so, dass es nicht nur eine Sache der Jugend ist.

Aber was will Gott mit dieser Beschneidung ausdrücken? Macht sie Abraham vor Gott gerecht? Wenn man Paulus in Römer 4 liest – was wir hier nicht im Detail anschauen können, aber ihr könnt das zu Hause nachlesen – dann argumentiert er genau so, dass nicht dieser Beschneidungsbund Abraham gerecht macht. Denn Gott hat ihm schon zwei Kapitel zuvor, in 1. Mose 15, die Gerechtigkeit wegen Glaubens allein zugerechnet.

Was ist also der Sinn der Beschneidung? Ich denke, diese Beschneidung ist ein Zeichen für das, was in Abrahams Leben längst Realität ist. Wenn man das Alte Testament weiterverfolgt und im Neuen Testament besonders, sieht man, dass es Gott nicht um das Abschneiden eines Stücks Fleisch geht, das Abraham und seine Nachkommen zu besseren Menschen machen würde. Dieses Abschneiden ist vielmehr ein Symbol für das, was in Abrahams Leben passiert ist und was Gott in Wirklichkeit von den Menschen fordert.

Schlagen wir mal Jeremia auf, denn er hat eine Botschaft an die Menschen, die in Sünde leben, an das Volk Israel, wie sie zu Gott umkehren können und was in ihrem Leben passieren soll. Er macht deutlich, worum es Gott wirklich geht. Jeremia 4,4 sagt:

„Beschneidet euch für den Herrn, und entledigt euch der Vorhaut eures Herzens, ihr Männer von Juda und ihr Leute von Jerusalem, damit nicht wegen eurer Bosheit mein Grimm wie Feuer aufflammt und brennt, sodass niemand löschen kann.“

Worum geht es Gott also wirklich? Nicht darum, ein Stück Fleisch wegzunehmen. Zentral ist, dass das Herz beschnitten wird. Was bedeutet das, das Herz zu beschneiden? Es meint genau das, was in Abrahams Leben Realität ist: das alte Leben aufzugeben, sich von dieser Welt und der Sünde dieser Welt zu trennen und dem alten Leben zu sterben.

So ist die Beschneidung nicht das, was Abraham vor Gott besser macht, sondern sie ist Ausdruck dessen, was bereits passiert ist: Abraham glaubt, und deshalb wird er vor Gott gerecht.

Gilt das auch für uns? Ist Beschneidung für uns heute noch ein Thema? Meine Antwort darauf wäre: Ja und Nein. Nein, denn die Bibel macht ziemlich deutlich, dass wir uns nicht beschneiden lassen müssen. Paulus sagt an einigen Stellen im Neuen Testament klar, dass dieses äußere Zeichen für uns nicht mehr gilt.

Wir haben vielmehr ein anderes äußeres Zeichen für das, was in unserem Leben passiert ist: die Taufe. Dort zeigen wir, dass unser altes Leben gestorben ist, wir das alte Leben aufgegeben haben und ein neues Leben erhalten haben.

Aber ja, Beschneidung hat für uns heute noch Gültigkeit – und zwar da, wo es um unser Herz geht. In Kolosser 2,11 heißt es etwas, das zunächst etwas nebulös klingt, aber ich denke, es macht eine Sache deutlich:

„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, indem ihr das fleischliche Wesen abgelegt habt in der Beschneidung durch Christus.“

Das bedeutet, dass die Beschneidung unseres Herzens auch heute noch gilt. Es geht darum, unser altes Leben aufzugeben, unsere eigenen Pläne und Ideen, die uns hindern, dass Gott sich in unserem Leben voll entfalten kann. Es geht darum, die Dinge aus unserem Herzen zu entfernen, die Gott den Platz rauben – Dinge, die uns Sicherheiten versprechen und Hoffnung geben, die uns aber eigentlich nur Gott geben kann.

Deshalb ist Glaube und Vertrauen auf Gott immer mit einer Beschneidung verbunden. Für Israel war das ganz real sichtbar: Sie sollten das Volk sein, das abgesondert ist für Gott, das sich für ihn aufgegeben hat. Das sollte durch die Beschneidung zum Ausdruck kommen.

Für uns sollte das Realität in unserem Herzen sein: Dass unser Herz beschnitten ist für Gott, dass wir unser altes Leben abgelegt haben – das Leben, in dem Sünde und andere Dinge herrschten.

Wenn man den Kolosserbrief weiterliest, sieht man, dass Paulus relativ schnell dazu übergeht, auch die Glieder des Fleisches abzutöten. Das hat Tobi im Nehemia-Brief auch ähnlich gezeigt. Das ist der Weg, den es hier geht.

Wenn wir von dem Glauben Abrahams reden, dann reden wir auch davon, dass dieser Glaube bedeutet, die Dinge unseres Lebens aufzugeben, die Gott den Platz rauben.

Jetzt kann man sich die Frage stellen: Was kostet unsere Rettung? Meine erste Antwort wäre: nichts, sie ist Gnade und Gnade allein. Meine zweite Frage: Was kostet unser Glaube? Die Antwort darauf ist: alles.

Wohin wollte Gott mit Abraham durch diese Beschneidung des Herzens, durch dieses Vorwärtsgehen, durch das immer wieder aus Situationen heraushelfen und Herausholen, wo Abrahams Glaube versagt? Das erfährt man vielleicht auch im eigenen Leben immer wieder: Gott ist treuer, als wir treu sind. Das beschreibt 2. Timotheus 2.

Ich glaube, Gott wollte einen Glauben Abrahams, der weit über unser menschliches Verstehen hinausgeht. Das sieht man in einem großen Ereignis, das wir uns jetzt noch anschauen wollen: 1. Mose 22. Dort bekommt Abraham den Auftrag, Isaak zu opfern.

Vielleicht ist das auch das, was zwischen Kapitel 17 und 22 passiert ist: Isaak ist tatsächlich auf die Welt gekommen, Sarah bekommt im hohen Alter ein Kind. Die Verheißung Gottes bestätigt sich und tritt ein. Sie erfüllt sich – Gott hat Recht behalten und sein Wort gehalten.

Und jetzt gibt Gott Abraham einen wahnsinnigen Auftrag.

Die Prüfung des Glaubens: Abraham und Isaak

 1. Mose 22

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: „Abraham!“ Und er antwortete: „Hier bin ich.“

Und Gott sprach: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Moria. Opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berg, den ich dir sagen werde.“

Ich muss erst kurz etwas dazu sagen. Menschenopfer waren damals in den meisten umliegenden Völkern gängige Praxis. Deswegen reagiert Abraham hier wahrscheinlich erst einmal nicht so schockiert. Die meisten anderen Religionen kannten das genau. Gerade aus Mesopotamien, wo Abraham herkam, waren solche Dinge durchaus bekannt. Heute weiß man aus einigen Ausgrabungen, dass es Realität war.

Und – Klammer auf – auch Gott macht in der Bibel total deutlich, dass er das nicht gutheißt. Auch in der Geschichte werden wir sehen, dass Gott das gar nicht will. Es geht ihm um etwas anderes. Mehr will ich dazu jetzt nicht sagen. Das muss man nur im Hinterkopf behalten, bevor man sich mit unserer heutigen Empörtheit sofort darauf stürzt.

Was Gott hier von Abraham fordert, ist, dass Abraham alles aufgibt und sich ganz auf Gott verlässt – und zwar sogar seinen Sohn. Damit gibt er auch die von Gott gegebene Verheißung auf, denn diese war ganz klar an Isaak gekoppelt. In Isaak wollte Gott ihm diesen Segen machen, die Nachkommen schenken und Ähnliches.

Gott fordert von ihm, seinen Sohn aufzugeben, aber auch, die Verheißungen aufzugeben, die er ihm selbst gegeben hat. Damit steht auch Gott selbst ein Stück weit vor der Frage: Wie wird Gott es schaffen, zu seinen Verheißungen zu stehen, wenn der, durch den die Verheißung eigentlich gegeben werden sollte, nicht mehr lebt und keine Nachkommen hat?

Abraham steht an einem Punkt in seinem Leben, an dem er sich noch einmal ganz neu entscheiden muss: Wird er sich auf Gott verlassen? Ist er bereit, Gott bedingungslos nachzugehen?

In Vers 3 sehen wir ziemlich schnell, dass Abraham am nächsten Morgen direkt aufsteht, sich auf den Weg macht und es wirklich tut.

Isaak fragt ihn dann zwischendrin: „Herr, wir haben Feuer und Holz und so weiter, aber wir haben kein Schaf fürs Brandopfer.“ Abraham gibt eine interessante Antwort im Vers 8: „Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.“ Die beiden gingen miteinander. Dazu komme ich gleich noch zurück.

Die Geschichte geht weiter, dass Abraham wirklich bereit ist, die Tat auszuführen. Gott greift im letzten Moment ein und sagt: „Nein, ich wollte nur sehen, ob du wirklich bereit bist, das zu tun.“ Dann zeigt Gott Abraham einen Widder oder Schafbock, wie man es auch nennen will, den er anstelle seines Sohnes opfern kann.

Danach erneuert Gott erneut seine Zusagen und Verheißungen an Abraham. Er verspricht ihm erneut, dass er ihn wirklich zum Segen setzen will über alle anderen. Das lesen wir in Vers 16:

„Ich habe bei mir selbst geschworen“ – das ist noch einmal eine ganz neue Stufe, die Gott hier einführt – „spricht der Herr: Weil du solches getan hast und deinen einzigen Sohn nicht verschont hast, will ich dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres. Deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen. Durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast.“

Übrigens ist es spannend, dass Gott hier nicht sagt: „Deine Nachkommen werden jetzt die dominierenden Herrscher oder sonst irgendwie etwas sein“, wie wir das als Menschen heute gerne verstehen. Sondern er sagt: „Sie werden ein Segen für alle anderen Völker dieser Erde sein.“

Das ist der Auftrag, um den es eigentlich geht.

Worum geht es Gott? Er will sichtbar machen, wie Abrahams Glaube wirklich aussieht. Es ist die große Frage: Wird Abraham Gott vertrauen, allein um Gottes Willen? Auch dann, wenn nichts mehr bleibt, selbst wenn alle großen Verheißungen hinfällig sind, allein um Gottes selbst willen?

Ist Gott Abraham so wichtig und so wertvoll, dass er bereit ist, alles aufzugeben, um Gott selbst zu gewinnen?

Abraham besteht diese Prüfung. Sein Glaube hängt wirklich an Gott allein. Das ist nicht ein Beweis für Gott – Gott hatte den nicht nötig, er wusste, was in Abrahams Herzen ist –, sondern es ist ein Beweis für Abraham selbst. Er kann sehen, wie sehr er an Gott hängt.

Das ist ein Beweis für uns, wie wir sehen können, wie Abraham Gott wirklich vertraut hat.

Ja, auch uns führt Gott, glaube ich – oder ich bin überzeugt davon –, und das lehrt uns die Bibel, wenn wir mit ihm durchs Leben gehen, in ähnliche Prüfungen. Er will uns zeigen und der Welt um uns herum zeigen, was wirklich in uns steckt, wie unser Herz aussieht, wenn er die Tür aufmacht und offenbar macht, was dran ist.

Das könnt ihr im Neuen Testament im Jakobusbrief im zweiten Kapitel lesen, im ersten Petrusbrief im ersten Kapitel und so weiter, auch im 1. Korintherbrief, wo immer wieder deutlich wird, dass Gott uns in solche Prüfungen führt. Nicht um uns zu ärgern, sondern er will uns dahin führen, wo Abraham hier in 1. Mose 22 angelangt ist.

Dass er selbst erkennt, wie wertvoll Gott für ihn ist, dass er erkennt, wie wirklich wichtig Gott ist. Denn erst dann kann Gott Abraham vollumfänglich segnen, wo ihm wirklich alles gehört.

Wie sieht dein Glaube aus, wenn Gott dich in die Tiefen des Lebens führt? Wenn das, was du dir vielleicht von dem Leben mit Gott erhoffst, wegfällt? Wenn du vielleicht den Glauben hast, weil du hoffst, dass das Leben dann irgendwie ein bisschen besser läuft, weil du hoffst, dass du dann mehr Frieden hast, mehr Ruhe, vielleicht hoffst du, dass du ein paar tolle Freunde in der Gemeinde hast oder Ähnliches, mehr Liebe erfährst oder was auch immer.

Bleibt dein Glaube dann stehen oder zerbricht er? Was bleibt stehen, wenn du in tiefen Tiefen bist?

Der Glaube, den Abraham hier beweist, ist der Glaube, der rettet. Ein Glaube, der nicht einfach nur ein Lippenbekenntnis ist.

Deswegen ist der Glaube, der vor Gott rechtfertigt, auch nicht einfach ein Lippenbekenntnis, sondern ein Glaube, der sich in der Glaubenstat beweist – nicht im religiösen Werk, sondern in der Glaubenstat.

Diese Glaubenstat ist das bedingungslose Vertrauen auf Gott, das Abraham hier zum Ausdruck bringt. Er vertraut Gott so weit, dass der Hebräerbrief zitiert, dass Gott ihm notfalls aus den Steinen Nachkommen erwecken könnte – selbst wenn Isaak weg wäre, wenn alle Hoffnung und Zuversicht wegfällt, und was gerade so schön war in Abrahams Leben, all die guten Dinge, die Gott ihm geschenkt hat.

Abraham ist bereit, sie aufzugeben. Warum? Weil ihm Gott so wichtig ist – Gott selbst.

Die Quelle von Abrahams Glauben: Gottes Begegnung

Wie kommt Abraham zu seinem Glauben? Was ist der Schlüssel dazu, dass Abraham diesen Glauben hat? Liegt es daran, dass er ein besonders toller Mensch ist? Nein, ich glaube, es liegt daran, dass Abraham Gott begegnet ist.

Wenn du frustriert bist, weil du vielleicht nicht alles so perfekt hinbekommst, dann schau weg von der Perfektion und konzentriere dich darauf, Gott zu begegnen. Abraham hatte insgesamt acht Gottesbegegnungen: vier davon indirekt und vier direkt. Bei den direkten Begegnungen spricht Gott mit ihm, begegnet ihm, ist bei ihm zu Besuch und verhandelt mit ihm über Sodom und Gomorra. Gott offenbart sich Abraham unter verschiedenen Namen.

In 1. Mose 17,1 erscheint Gott als El-Schaddai, der Mächtige, der Allmächtige, der wirklich alles tun kann. In 1. Mose 21,33 wird er als El-Olam bezeichnet, der ewige Gott, der weit über Abrahams Leben hinaus wirkt. In 1. Mose 14,22 nennt sich Gott El-Jongott, der Höchste, der über allem steht. Abraham hat Gott kennengelernt und ihm begegnet.

Unsere natürliche Reaktion ist oft: „Wenn Gott heute bei mir zum Mittagessen vorbeikäme, dann wäre ich vielleicht auch in der Lage, so zu glauben wie Abraham.“ Aber Glaube ist mehr als ein Lippenbekenntnis. Glaube kostet alles und zeigt sich in Taten. Deshalb schreibt Jakobus, dass Abraham auch wegen seiner Werke gerechtfertigt wurde – nicht weil er religiös etwas geleistet hat, wie das viele Religionen tun, sondern weil sein Glaube sich in seinen Taten bewiesen hat.

Vielleicht denkst du: „Wäre Gott mal bei mir vorbeigekommen.“ Doch ich behaupte: Wenn Abraham heute hier wäre, würde er sofort mit dir und mir tauschen. Warum? Weil sich Gott dir und mir viel intensiver und detaillierter offenbart hat, als Abraham es je sehen konnte. Abraham konnte nur ahnen, dass Gott ein Opferlamm bringen würde. Er konnte nur erahnen, wie Gott ihm Gerechtigkeit zurechnen würde – nämlich durch Gottes eigene Gerechtigkeit.

Wir kennen die Seite Gottes, die sich in seinem Sohn offenbart, der nicht zurückhält, sondern seinen Sohn für dich und mich hingibt. Wir kennen den Vater, der bereit ist, seinen Sohn aufzugeben – eine Seite Gottes, die Abraham nur vorausahnen konnte. Wir kennen Jesus Christus, in dem Gott Mensch wird und uns zeigt, wie Gott ist und wie er sich für uns hingibt, um uns zu retten.

Wir kennen Golgatha, wo Gottes Liebe sich in aller Tiefe offenbart. Dort wird eine Seite Gottes sichtbar, die die Patriarchen nur verschwommen erkennen konnten. Sie hatten nur Vorausschattungen und mussten auf Hoffnung glauben. Wir kennen den allmächtigen Gott, der die Sünde besiegt hat und dies durch die Auferstehung Jesu Christi endgültig bestätigt hat. Wir wissen, wie das geschehen ist.

Wir kennen den einen Nachkommen Abrahams, durch den wirklich alle Nationen gesegnet werden, wie der Galaterbrief deutlich macht, wenn Menschen ihr Vertrauen auf ihn setzen: Jesus Christus, Gottes Sohn.

Wenn du Jesus kennst, hat sich Gott dir viel intensiver offenbart als je zuvor im Alten Testament. Du kennst Gott auf eine Weise, die tiefer nicht sein kann. In Jesus Christus wird Gott sichtbar. Wenn du Jesus ansiehst, kannst du das Vertrauen gewinnen, das Abraham hatte – auch wenn Abraham nicht in dieser Tiefe sehen konnte, wie wir es heute können.

Du kannst deine ganze Hoffnung, deine Zuversicht und alles, was dein Leben prägt, an Gott hängen. Weil er zuverlässig ist, weil du dich auf ihn gründen kannst, weil er der Fels ist, auf dem du stehen und sitzen kannst.

Wenn du einen ähnlichen Glauben wie Abraham haben willst, bleibt eine große Frage: Beschäftigst du dich mit Jesus? Hängst du alle Hoffnung an ihn? Darf er alles für dich sein? Hängst du wirklich alles an ihn so sehr, dass alles andere wegfallen darf? Gehorchst du Gott, dienst ihm, glaubst ihm und vertraust ihm um seiner selbst willen, um Jesu willen?

Wie kommst du dazu? Indem du Gott begegnest. Nimm dir Zeit für ihn. Lies in den alten Schriften, lies die Bibel, bete. Nimm dir Zeit für Gott, begegne ihm, begegne Jesus. Nur dort wirst du die Kraft finden, einen Glauben wie Abraham zu entwickeln.

Nur dort ist der Weg, Gott zu begegnen. Darf Jesus für dich alles sein, damit alles andere wegfallen kann und dein Vertrauen wirklich allein auf Gott ruht – nicht wegen irgendwelcher Verheißungen, sondern um seiner selbst willen.

Ja, das ist der Weg in die „Hall of Faith“, wo wir am Anfang standen. Aber darum ging es Abraham gar nicht. Warum denkst du, war er bereit, Isaak zu opfern? Weil er Gott kannte. Weil Gott das Beste war, was ihm in seinem ganzen Leben begegnet ist. Ihm ist nichts Besseres begegnet als Gott.

Ich bin überzeugt, dass uns nichts Besseres begegnet ist als Jesus. Ich wünsche dir, dass die Begegnung mit Jesus dein Leben und dein Vertrauen auf Gott prägt und verändert wie nichts anderes. Begegne ihm. Amen.