Serie•Teil 9 / 9Säkularismus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein unerwarteter Verlust im Alltag
Haniel Hirndt mit einem Erlebnis, das mir zu denken gegeben hat. Es begann so: Eine Katze fraß, während wir im Garten unser Abendessen einnahmen, unser Lieblingsküken weg. Wir waren einen Moment zu spät. Es quiekte und quietschte, dass es uns durch alle Glieder fuhr. Dann hörten wir unser Lieblingsküken nur noch von ferne jammern, bis das Jammern erstarb.
Eine Katze, die wir bisher noch nicht wahrgenommen hatten, fraß unser Lieblingsküken. Nun, Sie können sich vorstellen, welche unmittelbaren Reaktionen das bei uns auslöste. Wir haben fünf Jungs, die nicht gerade geeignet sind fürs Protokoll; darüber gehe ich mal hinweg.
Wir haben auf jeden Fall die Katze identifiziert, und meine Frau, einmal mehr, meine Frau hat das wunderbar nutzen können. Wir stellten dann fest, woher die Katze kam, und sie gehört einer älteren Dame, die uns schon ein paarmal aufgefallen ist. Sie wohnt in einem Einfamilienhaus, fährt jeweils mit ihrem Auto in eine riesige Garage hinein, und eines Abends begab es sich, dass sie gerade nach Hause kam. Meine Frau blieb stehen, wartete, bis sie aus der Garage kam, und sprach sie an.
Der Mut zur Konfrontation
Und jetzt kommt das, was ich denke, eben auch Christen auszeichnet. Sie erzählte freimütig von der Katze, die unser Lieblingsküken weggefressen hat. Also konfrontierte sie die alte Dame mit dem Geschehen und rief damit negative Gefühle hervor, weil man sich gegenüber anderen in der Regel nicht zutraut, so offen zu sein. Wir sind ja auf das Wohlwollen des Anderen und auch auf seine guten Gefühle angewiesen, damit unsere eigenen nicht schlecht gemacht werden.
Sie nahm also die Scham der alten Dame in Kauf. Das ging ihr sehr nahe. Über diesen öffnenden Dialog kam sie dann wirklich ins Gespräch mit jener Dame. Es dauerte nur noch kurze Zeit, bis wir auf den Selbstmord des Nachbarn zu sprechen kamen. Sein Tier, mit dem er immer unterwegs war, war gestorben, und die Verzweiflung hatte ihn in den Tod getrieben.
Darüber kam ich auf das Thema, dass niemand in der Nähe war und dass dieser Mann auch keine Bezugs- oder Ansprechperson hatte. Auf den eigenen Zustand zu sprechen, sagte sie, gehe es ihr ganz ähnlich bezüglich der Kontakte. Das hat mich sehr, oder uns sehr, nachdenklich gestimmt.
Warum Einsamkeit zunehmen könnte
Und wenn ich einmal eine Prognose für die Zukunft wage, dann gehe ich davon aus, dass diese Art von Vereinsamung noch massiv zunehmen wird. Ich muss dafür gar nicht in eine Studie blicken; ich kann einfach in das eigene Quartier schauen.
Was sind die förderlichen Faktoren hierfür? Zuerst das Kleinfamilien-Setting. Die meisten Schweizer stammen aus Klein- und Kleinstfamilien, also vielleicht noch mit einem Geschwister. Zudem weisen sie schon seit früher Zeit gewisse Bindungsstörungen oder ambivalente Bindungsmuster auf. Das ergibt sich aus der sehr frühen Verabschiedung von den Eltern, der leiblichen Trennung und auch daraus, dass sie spüren müssen, dass sie eben nur ein Projekt in der Gesamtlebensplanung der Eltern sind.
Ich generalisiere jetzt etwas. Ich glaube auch, dass die meisten Kinder dazu verdammt sind, machen zu müssen, was sie wollen. Auch die Eltern fragen sie pausenlos, wenn sie dann zugegen sind, in Kleinigkeiten nach Konsumentscheidungen. Sie sind von klein auf auf dem Thron. Sie müssen sagen, was sie wollen. Ich nenne dies Rollenumkehr, die Zwangsbefreiung in der Rollenumkehr, kombiniert mit ambivalenten Bindungsmustern oder gar Bindungsstörungen.
Familiäre Brüche und ihre Folgen
Dazu kommt, dass manche Kinder – und dafür muss man nicht erst in die Statistiken schauen, man kann einfach in die eigene Umgebung blicken – in Patchwork-Situationen aufwachsen. Dort sind die Eltern, Stiefeltern oder die neuen Sexualpartner der Eltern oftmals wechselnd. Das heißt, es gibt sozusagen zwar Kontinuität in der Destabilisierung, aber keine Kontinuität in verlässlicher Bindung und im Aufbau gesunder Bindungs- und Verhaltensmuster.
Kein Wunder also, dass auch Bindungsstörungen in Form von Beziehungsstörungen sehr verbreitet sind. ADHS ist für mich im Regelfall eine ausgeprägte Beziehungsstörung oder die Frucht von Beziehungsstörungen.
Und wenn ich das in die Zukunft projiziere, wenn ich mir das einmal vorstelle, dann lässt mich das Böses ahnen. Ausgehend von dieser Begegnung mit jener älteren Dame, die übrigens selbst auch eine Kleinfamilie hatte und geschieden ist, und die sagte, sie hätte ebenfalls keinen Ansprechpartner, sie sei eigentlich allein und habe kaum Kontakte, denke ich an die Zukunft.
Menschen, die ohne das Rüstzeug aufgewachsen sind, in einem verantwortlichen, aber auch kontinuierlichen Rahmen mithelfen zu müssen, die in einem transgenerationalen Verbund mit mehreren Generationen aufgewachsen sind, das aber gar nicht erlebt haben, die sich auch kaum mit mehreren Geschwistern sozialisieren mussten, die zudem markante Bindungsstörungen oder zumindest ambivalente Muster aufweisen und mehrere Verletzungen mittragen, tiefgehende Verletzungen durch Beziehungsbrüche, indem sie dachten, dass sie die körperlichen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Sex, von der übrigen Beziehung trennen könnten, werden möglicherweise unterschiedlich reagieren.
Bei den einen kann das zu Flucht führen, im Sinne der gebräuchlichen Drogen, wie zum Beispiel Alkohol, um vor der Wirklichkeit zu flüchten. Bei vielen aber könnte es langfristig zu Verbitterung führen: durch Vereinzelung, Vereinzelung und Verbitterung, Beziehungsunfähigkeit und damit zu weiterem Aufdröseln des sozialen Kitts, des Kitts auch einer Gesellschaft.
Die Antwort des Evangeliums
Jeder schaut für sich. Ja, er muss für sich schauen. Er ist es von klein auf nicht gewohnt, dass erst im Du das Ich entsteht, so wie das der Personalismus schon vor hundert Jahren betonte: Nur am Du wird das Ich richtig und ganz. Ohne das Wir, ohne die Einbindung in eine Kernfamilie, wie auch dann in verbindliche Beziehungen innerhalb des Staates im Sinne der direkten Nachbarschaft, der Kooperative, zerfällt eine Gesellschaft von innen.
Das klingt etwas pessimistisch, und es wäre unvollständig, wenn ich es nicht mit der wunderbar freimachenden Botschaft von Jesus Christus verbinden würde. Er kommt in diese Beziehungs- und Bindungsstörungen hinein. Sein Licht zündet auch in dieses Beziehungschaos, in diese großen Verletzungen hinein. Er zeigt es auf, aber, wie es schon die alttestamentlichen Propheten sagten, er verletzt und er verbindet wieder. Er verbindet und heilt.
Heilung ist meistens nur substanziell, wie Francis Schaeffer sagt. Substanziell heißt: Das Wesentliche wird geordnet. Die Beziehungsstörung ist nur ein Symptom unserer zentralen Beziehungsstörung zu dem, der uns gemacht hat und dem wir verantwortlich sind und auf den wir ausgerichtet leben, entweder in Rebellion oder in Gehorsam.
Diese substanzielle Heilung wird zwar nicht all die Bindungsstörungen und Wunden einfach ungeschehen machen lassen. Aber das neue Leben, das danach strebt, Gott und den Nächsten zu lieben, ist das Kennzeichen des neuen Lebens. Es lässt Neues wachsen, es lässt Neues entstehen. Und damit, glaube ich, ist das eine der wichtigsten Chancen oder Gelegenheiten, die freimachende Botschaft des Evangeliums auch in Menschen mit Bindungsstörungen, mit tiefgehenden Verletzungen und mit Verbitterung durch Vereinzelung hineinzutragen.
Begegnung, Gebet und neue Ausrichtung
Wenn ich frage, welche Gelegenheiten sich da ergeben, dann blicke ich auf meine Frau bewundernd und sehe, wie sie aus einem solchen, ja, aus einem solchen Verlust die Ansprache wagt, die Konfrontation in Kauf nimmt, um unter die Oberfläche zu kommen. Wie dann der allmächtige Gott das benutzen kann, um über das, was wirklich geschieht – Selbstmord eines Nachbarn, die eigene Herzenseinsamkeit – zu sprechen zu kommen.
Und was ist dann, was sich aus solchen Beziehungsgesprächen ergibt? Meine Frau lief mir gestern entgegen, direkt nach dieser Beziehung. Es treibt uns zu unserem dreieinigen Gott, um für solche Menschen herzlich zu flehen, dass sie Gott rette, dass er zu ihnen durchdringe, um ihnen ein neues Herz zu geben.
Und es drängt uns auch vermehrt, um solche Situationen zu bitten, dass wir Menschen in dem, was sie direkt betrifft und unmittelbar angeht, zur Sprache kommen lassen. Das kann nur geschehen, wenn wir nicht selbst so auf uns ausgerichtet sind, auf unsere Bedürfnisse, sondern abgedeckt sind, gesättigt durch die Liebe dessen, der uns gemacht und erlöst hat.

