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Was frag ich viel nach Geld und Gut!

01.07.1990

Ich freue mich, dass Sie sich heute Morgen auf den Weg gemacht haben, um hier mit uns Jesus zu suchen – seine Nähe, sein Wort.

Ich grüße Sie mit dem Wort Jesu: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das Übrige zufallen.“ Das ist auch das, was all Ihre Sorgen und Nöte heute Morgen betrifft. So wird euch das Übrige alles zufallen.

Wir wollen nun ein Lied der Anbetung Jesu singen: „Schönster Herr Jesu“, Nr. 487.

Anschließend wollen wir beten.

Du, unser Herr Jesus Christus, wir freuen uns heute Morgen an so vielem Schönen, das wir in dieser Sommerzeit sehen dürfen. Es ist deine wunderbare Schöpfung, und du hast alles herrlich gemacht. Du hast uns auch die Kraft für diesen Tag gegeben und unser Leben bis heute erhalten.

Dennoch wollen wir nicht hängenbleiben mit unserem Blick an vergänglichen Dingen und Gütern. Wir freuen uns auch an den Menschen, die wir grüßen, und doch spüren wir, wie so viel vergeht.

Da bist du unsere Zuversicht und Stärke, unsere Zuflucht, unser Hort, unser Heil.

Wir wollen dir jetzt auch alles sagen, was uns umtreibt und beschäftigt. Du musst unserem Leben die Zielrichtung geben, du musst uns hineinnehmen in deine Gottesherrschaft.

Lass uns teilhaben an deinem Wirken und reinige uns heute Morgen ganz von dem Eigenen, von dem Falschen, von dem, was verkehrt ist – da, wo wir dir Unrecht getan haben.

Es ist uns Leid, Herr, wo wir dich betrübt haben. Vergib uns unsere Schuld, und dann schaffe du in uns etwas Neues, so wie du Neues wirkst, Schönes schaffst und Gutes vollbringst.

Wir wollen in der Stille füreinander weiter beten.

Wer in dir bleibt, der bringt viel Frucht, denn ohne dich können wir nichts tun.

Amen.

Einführung in die Suche nach Gottes Reich und Gebet

Lese aus dem Lukasevangelium, Kapitel 12, Verse 16-21. Ein Gleichnis Jesu!

Warten Sie einen Moment, wir sind gleich so weit. Während das Wort Gottes verkündet wird, wollen wir aufmerksam zuhören.

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld gut getragen hatte. Er dachte bei sich selbst und sprach: „Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wohin ich meine Früchte sammeln kann.“

Da sagte er: „Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen. Dort will ich all mein Korn und meine Vorräte sammeln. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre. Habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“

Aber Gott sprach zu ihm: „Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?“ So geht es dem, der sich Schätze sammelt und nicht reich ist bei Gott.

Wir singen nun das Lied „Oh, dass ich tausend Zungen hätte“ Nr. 238. Dabei singen wir den ersten Vers und vom vierten Vers nur die Abschnitte A, B und C. Diese Verse kommen nur im württembergischen Gesangbuch vor: Nr. 238, erster Vers und dann vier A, B und C.

Die Geschichte Abrahams und die Entscheidung zur Trennung

Wir lesen heute weiter in der Geschichte Abrahams, und zwar im Kapitel 13 des ersten Mosebuches:

So zog Abraham herauf aus Ägypten mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, und Lot zog auch mit ihm ins Südland. Abraham aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold.

Er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, genau an den Ort, wo er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief er den Namen des Herrn an.

Lot aber, der mit Abraham zog, hatte ebenfalls Schafe, Rinder und Zelte. Das Land konnte es jedoch nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten, denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht zusammen wohnen.

Es entstand immer wieder Zank zwischen den Hirten von Abrahams Vieh und den Hirten von Lotts Vieh. Zu dieser Zeit wohnten auch die Kanaaniter und Perisiter im Land.

Da sprach Abraham zu Lot: „Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten, denn wir sind Brüder. Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenne dich doch von mir. Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten; willst du zur Rechten, so will ich zur Linken.“

Lot hob seine Augen auf und besah die ganze Gegend am Jordan. Denn ehe der Herr Sodom und Gomorra vernichtete, war sie wasserreich bis nach Zoar – ein Garten des Herrn, gleich wie das Ägyptenland.

Lot erwählte sich die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. So trennte sich ein Bruder vom anderen. Abraham wohnte im Land Kanaan, und Lot in den Städten am unteren Jordan. Lot zog mit seinen Zelten bis nach Sodom.

Aber die Leute von Sodom waren böse und sündigten sehr gegen den Herrn.

Die göttliche Verheißung an Abraham und ihre Bedeutung

Als nun Lot sich von Abraham getrennt hatte, sprach der Herr zu Abraham: „Hebe deine Augen auf und sieh von der Stätte aus, wo du wohnst, nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für alle Zeit geben. Ich will deine Nachkommen machen wie den Staub auf Erden.“

Das ist so bewegend. In unseren Tagen sagen die Zeitungen, dass die Juden ihren Anspruch von der Bibel ableiten. Ja, von was denn sonst? Und dass sich das so erfüllt, kann ein Mensch den Staub auf Erden zählen, der wird auch deine Nachkommen zählen.

Darum achte ich darauf und durchziehe das Land in die Länge und Breite, denn ich will es dir geben. Abraham zog weiter mit seinem Zelt, kam und wohnte im Hain Mamre, der bei Hebron ist. Dort baute er dem Herrn einen Altar.

Leben und Kämpfen: Abraham als Beispiel

Manche von Ihnen interessieren sich in diesen Tagen auch ein wenig für Fußball. Und wenn man sich dann fragt, was das mit Abraham zu tun hat, ist die Antwort: eine ganze Menge.

Wenn man den Reportern zuhört, fällt immer wieder ein Wort. Wenn jemand dem Gegner so richtig die Füße zwischen die Beine streckt und dieser dann schwer fällt, weil er ein tüchtiges Foul begeht, sagt der Reporter: „Der ist ja kein Kind von Traurigkeit.“ Damit will man sagen, dass dieser Spieler zu leben versteht: Er benutzt nicht nur seine Ellbogen, sondern auch Haken und Ösen und, wenn es sein muss, auch die Beine. Er kämpft, um sich durchzusetzen und Erfolg zu haben – kein Kind von Traurigkeit.

Es geht ums Leben: Wie kommt man im Leben vorwärts? Wir haben am letzten Sonntag gehört, dass Abraham auch nicht besser ist als die anderen. Die Christen sind auch nicht besser als wir – das haben wir oft schon gehört, und es stimmt ja auch. Besser? Nein, besser nicht. Kein Kind von Traurigkeit.

Auch Menschen, die in ihrem Leben viele Fehler haben. Aber das Große bei Abraham war, dass er weiß, wo das Leben ihm zuteil wird. Er kann auch umkehren. Und das zeigt uns die Bibel. Gerade heute suchen junge Menschen oft und fragen: „Wo ist denn das Leben? Versteht ihr als Christen denn gar nichts?“ Wir sagen: Wir verstehen sehr viel, auch in unserem Leben. Leider ist es so, dass wir manchen ihren Weg zurückgelegt haben.

Auch Abraham, der nach Ägypten zog und mit einer dummen Notlüge meint, sich zu retten – das war alles ihr Weg. Aber wir haben einen Herrn, der uns wieder zurückholt auf den richtigen Weg. Und Abraham macht eine Kehrtwendung.

Kein Kind von Traurigkeit ist Abraham – einer, der das Leben will, aber auch einer, der sich nicht leicht betrügen lässt von windigen Angeboten, die uns nur betrügen. Er sucht, wo das Leben wirklich ist. So macht er die Kehrtwendung und zieht wieder hinaus aus dem Kulturland Ägypten hinauf in das Steppenland im Süden Israels. Und mit ihm ist Lot.

Konflikte als Herausforderung im Leben

Kann man denn dort oben überhaupt leben?

Mein erster Punkt: Wir machen es uns manchmal selbst so schwer, dass unser Leben oft nicht so glücklich ist. Das hängt ja nicht immer nur von den Umständen ab, sondern oft auch von uns selbst. Die Bibel erzählt das einfach mit wenigen Strichen: Es war Streit.

Zwischen den Hirten Abrahams und den Hirten Lots gab es Streit. Morgens, bevor die Sonne aufging, hörte man schon in den Zelten das Fluchen. Da brüllte einer aufgeregt, da knallten die Peitschen, da fielen sie übereinander her.

Die Welt wäre heute so schön, wenn es nicht die Menschen gäbe und wenn es nicht Spannungen gäbe. Wie schön könnte das Leben miteinander sein, wenn es nicht Streit und Zank gäbe – übrigens auch unter Christen nicht. Auch sie waren kein Kind von Traurigkeit. Sie konnten zupacken, sie konnten schlagen, und sie konnten sich durchsetzen. Wahrscheinlich ging es um das Wässern der Herden am Brunnen oder um die Weidegründe. Jedenfalls gab es dauernd Zank und Streit. Einer fiel über den anderen her, einer hatte mit dem anderen Krach.

Es ist ja merkwürdig: Abraham und Lot sind auf einem Weg, den Gott sie führt, und der Teufel hat es nicht geschafft, Abraham von diesem Weg mit Gott abzuhalten. Aber der Teufel bringt es fertig, den Weg mit Gott uns sehr schwer zu machen, weil er einen gegen den anderen aufhetzt.

Es gibt einen Durcheinanderbringer, der Eheleute, Eltern und Kinder, Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder durcheinanderwirbelt. Und es ist nicht leicht, miteinander zu leben.

Das Ganze wird ja zu einer Bedrohung für Abraham. Er kann doch nicht auf einem Weg des Segens sein, wenn er das spürt. Gott kann mich nicht gebrauchen, wenn ich mit anderen Menschen im Streit lebe.

Wir können sagen, das gehört nun mal dazu in dieser Welt. Es gibt solche Nöte. Aber Abraham denkt geistlich und nicht menschlich. Er muss nicht mehr unterscheiden, er denkt mit dem Geist Gottes.

Und dann sagt er: Das darf nicht sein, Gott hat für mich einen anderen Weg.

Jetzt geht er einen anderen Weg. Er findet sich nicht ab mit diesen Spannungen, sondern er holt seinen Neffen Lot und sagt: „Du, Lot, das darf nicht sein. Wir müssen uns irgendwie entscheiden, und wir müssen das irgendwo lösen. Ich will nicht in einer fortwährenden Spannung leben. Wir trennen uns.“

„Ich gebe dir gern das erste Recht. Bitte wähle du, wohin du willst. Aber es darf nicht Streit sein, und es darf nicht Zank sein.“

Die Bedeutung von Versöhnung und Trennung

Wir werden am nächsten Sonntag hören, wie Abraham auch ein Mann war, der kämpfen konnte. Er konnte zupacken und, wenn es sein musste, auch zuschlagen. Doch er wusste, dass das unter Brüdern nicht der Weg Gottes ist.

Ich fand bei einem Ausleger eine ganz interessante Beobachtung. Er sagte, es war Streit zwischen den Hirten, nicht zwischen den Herden. So ist es bei Christen oft auch. Die Hirten zanken sich fortwährend. Wenn man an einem friedlichen Ort Streit hineintragen will, muss man nur zwei Pfarrer zusammenbringen.

Die Hirten streiten also wegen irgendwelcher Dinge und Spitzfindigkeiten miteinander. Dabei vergessen sie, dass sie eigentlich die Herden weiden sollten. Auf solchen Streit liegt kein Segen, und Gott kann das nicht gebrauchen. Das ist eine Gefährdung für den Weg, den Gott Abraham führt.

Darum will Abraham lieber verzichten, lieber hergeben, lieber ärmer sein – aber keinen Streit mehr. Keinen Streit.

Ich konnte das für mich selbst so gebrauchen, was da von Abraham erzählt wird. Wenn Abraham wirklich von Gott geführt wird, dann braucht er nicht mit Menschen im Streit liegen. Gott wird ihm die Türen öffnen, die nötig sind. Er wird vorangehen und Dinge klären, die wir gar nicht klären können.

Es geht dabei gar nicht um Rechtspositionen oder darum, wer Recht hatte, sondern einzig darum, ob Gott uns noch segnen kann.

Ich hoffe, dass Sie das heute ganz praktisch in Ihrem Leben umsetzen und sagen: „Ich möchte doch den Weg mit Gott gehen.“ Das war bei Abraham wichtig. Er kehrt plötzlich von seinem eigenen Weg in Ägypten um. Dann ergreift er einen Weg, bei dem man nur den Kopf schütteln kann.

Warum verzichten Christen so ungern? Es fällt ihnen schwer, und es geht ihnen gegen den Strich. Auch Abraham muss dreimal schlucken, aber er will den Segen haben.

Wir machen es uns oft so schwer auf der Suche nach Leben.

Die Versuchung und die Wahl des Lebens: Lot als Beispiel

Und jetzt muss ich über Lot sprechen, das ist mein zweiter Punkt: Wie man betrogen werden kann. Da steht der alte Onkel, er war ja schon über fünfundsiebzig, mit seinem Neffen Lot auf einem Berg. Sie besehen die Gegend, und Abraham erklärt dem jungen Mann kurz: „Wir trennen uns. Es hat keinen Wert, dass wir beieinander bleiben. Unsere Herden sind zu groß, und die Viehweide ist so karg. Jetzt wähle doch, wo willst du hin? Gehst du auf die eine Seite, gehe ich auf die andere Seite. Gehst du auf die eine Seite, gehe ich auf die andere Seite.“

Lot schaut seinen Onkel an und denkt: „Spinnt der? Das gibt’s doch nicht.“ Da ist auf der einen Seite das karge, dürre Steppenland. Aber dieses Gebiet dort unten bei Sodom und Gomorra ist übrigens heute noch interessant. Die obere Hälfte des Toten Meeres ist ein ganz flacher See, der in diesen Tagen durch die Ableitung des Jordanwassers fast ausgetrocknet ist.

Dieses ganze geologisch merkwürdige Gebiet kann man nur verstehen aus dem biblischen Geschehen. Es gibt viele Erinnerungen an die einstige Fruchtbarkeit dort, wo heute Hotels errichtet sind und wo man Süßwasser hingeleitet hat. Dort gedeihen die wunderbarsten, üblichen Parks – ein fruchtbares Land direkt am Toten Meer.

Lot ist fasziniert, er schaut hinunter und merkt: Da unten kann man Geschäfte machen, da unten wird man mit den Herden weiterkommen, da muss man hin. Wenn der Onkel einen wählen lässt, das kann doch nicht wahr sein – muss er nicht dem Onkel den Vortritt lassen? Aber junge Leute sind Praktiker. Sie sagen: Geld ist Geld, und da muss man eben zupacken. Schließlich lebt man nur einmal.

Er sagt zum Onkel: „Ich habe gewählt, ich nehme das fruchtbare Land da drunten.“ So wie junge Leute das Leben wählen und sagen: „Ich will doch die Fülle haben, ich will doch das Beste, was mir diese Welt bieten kann.“ Das heißt in der Bibel, so wie nur die Bibel etwas beschreiben kann: Da hob er seine Augen auf.

Die Verlockung des Sichtbaren und die Gefahr des Betrugs

Wir beobachten das nicht so, und das ist ja die bildliche Sprache der Bibel. Wir meinen oft, ein Mensch schaut immer nur oberflächlich, doch hier wird gezeigt, dass er beginnt, die Dinge wirklich mit seinen Augen abzuwägen. Er hob seine Augen auf, und jetzt fangen diese Augen an, kurz zu zählen, zu rechnen und zu sagen: Da muss man hin.

Wie oft spielt das in unserem Leben eine Rolle – das, was man mit den Augen sieht? Erinnern Sie sich an Simson, wo es heißt: „Sie gefällt meinen Augen.“ Der junge Mann war ganz fasziniert. Eine schöne Frau, die muss man haben, sie wird sein Unglück. Manchmal sind die Augen bei uns immer wieder so, dass sie uns schieben, drücken und beherrschen. Durch die Augen sind wir beeinflussbar.

Es hat eine große Bedeutung, dass viel von dem, was wir nicht nur lesen, sondern vor allem sehen, uns wirklich bestimmt und beherrscht. So wie der junge Lot sagt: „Da muss ich hin, das ist mein Leben.“ Wir sagen ja in unserer Sprache auch: „Es sticht in die Augen.“ Aber warum sticht es eigentlich dem Onkel Abraham nicht in die Augen?

Weil Abraham gelernt hat, die Dinge ein wenig kritischer zu sehen. Er sieht auch das fruchtbare Land, aber er erkennt, dass es ein vergängliches Land ist. So wie Sie heute vielleicht nicht verstehen können, wenn sich zehntausend Menschen in der vergangenen Nacht an einer Banktür schier erdrückt hatten. Ja, das ist schön mit Geld, aber passt auf, dass ihr dem Sog nicht erliegt.

Wir würden manchmal sagen: „Du, pass auf!“ Doch wollten wir es eigentlich selbst hören: Pass auf! Wenig später heißt es dann über diesen Landstrich von Sodom und Gomorra: „Es stieg Rauch auf.“ Und dieser ganze Landstrich wurde durch eine katastrophale Erdbebenerschütterung in Feuer und Rauch verschüttet.

Abraham weiß, dass alles in dieser Welt, was uns immer wieder in die Augen sticht und uns so groß erscheint, vergeht und nicht bleibt. Er hat diesen abgeklärten Blick.

Die Herausforderung der inneren Entscheidung und Versuchung

Gestern sagte mir ein Mann, blickend auf seine Söhne: „Ach, das ist ganz schwer. Wir können den jungen Leuten eigentlich so schlecht sagen, dass das Leben anders ist. Wir wollen ihnen ja nicht immer vom Schweren erzählen. Wir wollen ihnen die Freude predigen und zeigen, dass man es bei Jesus so gut hat wie nirgendwo sonst.“

Und doch müssen wir ihnen sagen: Das, was wir mit den Augen sehen, täuscht und macht uns etwas vor. Es gaukelt uns etwas vor, es blendet uns, und stimmt gar nicht mit der Wirklichkeit überein.

Plötzlich wird sichtbar, dass Lot nun unter der Führung Gottes mitgelaufen war, aber er hat sich nie wirklich selbst entschieden. So wie man vielleicht Jahr um Jahr im christlichen Betrieb mitlaufen kann, ohne sich wirklich zu prüfen.

Man fragt sich: Möchte ich dem Ziel folgen, das Gott mir vor die Augen setzt, oder will ich dem folgen, was mir Lust bereitet, was mich fasziniert und begeistert?

Interessant ist, dass die großen Versuchungen immer von unserem Herzen ausgehen. Ganz tief in uns sind wir alle verführbar.

Ich habe Sie am letzten Sonntag daran erinnert, als es um den Hunger ging. Die Versuchung bei Jesus fing ausgerechnet damit an: „Willst du, dass diese Steine zu Brot werden?“

Dann geht die Versuchung bei Jesus weiter, weil wir alle dort so anfällig sind. Der Teufel zeigte ihm alle Reiche der Welt und fragte: „Möchtest du sie nicht haben? Ich gebe sie dir. Du musst nur niederfallen und mich anbeten.“

Es ist erschütternd, dass man viel vom Teufel bekommen kann, wenn man ihn anbetet. Aber es ist nicht von Gott gegeben.

Jesus sagt zur Versuchung Nein, Abraham sagt zur Versuchung Nein – aber Lot sagt nicht Nein. Er zieht dorthin. Wir werden später noch verfolgen, wie er dort in Sodom nicht das Leben findet, sondern in schreckliche Not und Bedrängnis gerät.

Er findet auch nicht das Leben, im Gegenteil: Er wird von seinen Mitmenschen verspottet und gehasst, gerät in Spannungen und Streit. Schließlich flieht er noch in der Nacht, um sein Leben zu retten.

Er kann nicht sehen, dass in Sodom der Segen Gottes nicht mehr liegt, sondern der Zorn Gottes. Oder hat er dafür gar kein Auge?

Abraham als Vorbild im Vertrauen auf Gott

Ich möchte noch einen letzten Teil anfügen. Wir müssen noch einmal auf Abraham schauen, wie er fröhlich seinen Weg zieht. Sie trennen sich, Abraham lässt den jungen Mann gehen. Der Streit ist zu Ende, der Zank vorbei. Abraham bleibt im dürren Steppenland.

Es ist dort sehr steinig, es gibt kein Wasser, und es gibt nicht genügend Weide für seine Viehherden. Aber dieser Abraham zieht fröhlich seinen Weg. Es ist merkwürdig, was das bedeutet. Er weiß, dass der lebendige Gott bei ihm ist.

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Man muss immer tiefer blicken als nur das, was man mit den Augen sieht. Man muss hinter das vordergründige, das uns gerade so schwer wird, hindurchsehen.

Und Abraham zieht durch dieses Land, durch die Steine, die seinen Weg blockieren und über die er oft genug stolpert. Diese nimmt er einfach – seine Stolpersteine – und baut einen Altar. Dort singt er seine Loblieder.

Ich möchte Sie bitten: Machen Sie es auch so mit den Stolpersteinen und den ärgerlichen Hindernissen, die Ihnen auf dem Weg liegen. Nehmen Sie sie einfach, bauen Sie dem Herrn einen Altar. Wenn Sie wissen, dass der Herr Sie hindurchführt, wollen Sie seinen Namen loben und ihn preisen.

Gottes Zusage und die Kraft des Segens

Es wird erzählt, dass Gott Abraham erneut erschien. Er bestätigte ihm die Verheißung: Dieses Land nach Norden, Osten, Westen und Süden will ich dir geben. Deine Nachkommen werde ich darin bestätigen.

Wenn ich nur das weiß, dass es der Weg des Herrn ist und er da ist, dann ist dort die größte Fülle des Lebens, auch wenn es äußerlich oft sehr karg erscheint. So können Sie das auf manchen Lebenswegen erleben. Wenn man nur sagen kann: Habe deine Lust am Herrn, er wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Es ist eine Grundentscheidung nötig, eine Entscheidung, an der Lot eigentlich nie mitgewirkt hat. Lot konnte sich nie wirklich entscheiden. Ging Lot eigentlich nur mit, weil er dachte, Gott müsse ihm sein irdisches Glück garantieren? War Gott nur sein Amulett? War seine Frömmigkeit nur eine Versicherung, dass man irgendwo den Schutz des Allerhöchsten braucht?

Oder hat er sich entschieden und gesagt: Herr, deine Güte ist besser als Leben. Wer dich hat, ist still und satt. Ich brauche nur dich, deine Liebe, du führst mich zum Glück.

Sehen Sie, Abraham hat einmal entdeckt, was Gott ihm geben will. Er wurde der Freund Gottes. Ohne dieses persönliche Liebesverhältnis mit Gott können Sie nicht glauben und keine Lebensentscheidung treffen.

Ich darf Ihnen sagen: Darin liegt das größte Lebensglück. Nicht darin, was man mehr hat als andere, nicht in dem, was uns hier und da an äußeren Gütern geschenkt wird oder an gesundheitlicher Vollkommenheit. Sondern darin, dass Menschen Gott haben – meinen Herrn, meinen Gott –, dem sie folgen, der bei ihnen ist, der sie trägt und der sie nicht loslässt.

Dann ist das Steppenland nicht mehr dürr und karg, sondern erfüllt von Freude und Lobgesang.

Mensch Abraham, wie reich bist du! Amen!

Abschlusslied und Gebet um Gottes Führung

Wir wollen nun das Lied singen: Es ist etwas des Heilern sein. Dieses Lied wurde von dem Stiftsprediger Johann Christian Storr gedichtet. Wir singen daraus die Verse zwei, drei, fünf und sechs. Diese Verse nehmen das auf, was wir heute auch als Predigttext gehört haben.

Lieber Herr, wir sind nie besser als andere, aber deine Güte ist besser als alles. Du holst uns von verkehrten Wegen wieder zurück dorthin, wo du uns segnen kannst. Du kannst uns auch auf schwierigen, dürren Wegen reich beschenken. Wenn wir durch dürre Täler gehen, hüllst du sie in Segen. Dann gibst du dort Quellen und Erquickungen.

So kannst du uns schenken, dass wir die Fülle haben, auch wenn uns äußerlich manches mangelt. Wo du bist, haben wir keinen Mangel. Herr, bewahre uns darum vor allem falschen Blick, der uns etwas in die Augen sticht. Wir sind immer wieder versucht und gefährdet. Wir sind umkämpft von allen Seiten.

Es gibt auch in unserem Leben so viel Streit, der uns lähmt und den Segen hindert. Deshalb wollen wir dich bitten, dass du uns diesen neuen Blick gibst – den Blick, wie Abraham ihn hatte. Er konnte hinter die Dinge schauen. So lassen wir uns nicht bluffen oder betören, sondern erkennen, was viel wichtiger ist: wo du bist, wohin du uns führst, wo du uns haben willst und wo du uns brauchst.

Wir bitten dich jetzt um die Aufgaben und Dienste, an die du uns weist. Viele von uns führst du auch durch manche Bedrängnis und durch Leiden. Sei du dort und gib deine Gegenwart so machtvoll und stärkend, dass wir nur rühmen und dich preisen können.

Lass dein Wort von uns so gehört werden, dass wir im Glauben gewiss sind und nicht wanken. Stärke die Traurigen, die Müden, die Schwachen. Sei bei den Kranken und Angefochtenen, lege deine Hand auf sie und mache sie deiner Nähe, deiner Liebe und deines Friedens gewiss.

Dank und Ausblick auf Gemeindeveranstaltungen

Wir wollen dir an diesem Tag auch danken für alles, was du schenkst an großen Umwälzungen in unserem Land. Ach Herr, gib doch, dass wir das Recht nutzen, abgerissene Grenzzäune um dein Reich auszubreiten, damit dein Name verkündigt wird. Lass es doch geschehen, dass auch drüben in der DDR Menschen in dieser neuen Freiheit dir begegnen.

Gib du neuen Einfluss für dein Evangelium, damit Menschen nicht nur irdischen Gütern nachlaufen, sondern dich suchen und dein Licht.

Lasst uns gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Nehmen Sie noch einmal Platz. Wir haben vorhin noch den Notizzettel austeilen lassen. Jetzt, für die, die vielleicht später kamen, brauchen Sie den neuen weißen Notizzettel, der dort ausliegt. Darin sind alle wichtigen Informationen enthalten. Dort steht auch etwas über den Ausflug.

Wer am kommenden Donnerstag noch mitkommen möchte, muss sich jetzt gleich anmelden. Frau Waldmann steht unter der Empore.

Es ist ein Halbtagsausflug; wir gehen um halb eins Uhr los. Ich habe vorhin einen Zettel bekommen, auf dem ich noch einmal sagen soll, dass wir nicht in der Dobbelstraße abfahren, wie es auf dem Informationszettel steht, wegen der Bauarbeiten, sondern bei der Bäckerei Frank.

Manche Leute würden Notizzettel nicht lesen, ja, also die sind selber schuld, muss man sagen, wenn Sie das nicht lesen. Aber jetzt sei es noch einmal gesagt: Das müssen Sie lesen, denn dort stehen die wichtigen Sachen drin, auch die Gottesdienste über die Ferienzeit.

Ich möchte noch einmal zum Ausflug einladen. Wer mitgehen kann, ist herzlich eingeladen. Wir gehen ja in den Schwarzwald, und es ist immer schön, eine Begegnung zu haben – auch dann, wenn man einfach mehr Zeit miteinander hat.

Ich möchte allen danken, die so lieb mitgeholfen haben bei der Brillensammlung. Es hat eine große, reiche Ausbeute gegeben. Die Brillen werden noch in dieser Woche mit dem Flugzeug nach Uganda gebracht.

Vielen Dank! Wir schließen heute die Aktion ab. Keine Brillen mehr bis heute, nur noch heute, und dann keine mehr. Die Helfer sind morgen noch so lieb und packen den Rest vollends zusammen. Wir sind sehr dankbar für das, was da geleistet wurde.

Gemeindeleben und weitere Termine

Am nächsten Sonntag – das steht jetzt noch nicht im Notizzettel, wird aber noch ergänzt – wollen wir, sofern das Wetter trocken ist und auch die Wiese trocken bleibt, einen Picknicksonntag im Dobbelgarten veranstalten. Schön wäre es, wenn jeder sein Proviant mitbringt. Ob man dann am Grillfeuer etwas macht, mit den Kindern spielt oder einfach nur sitzt, bleibt jedem selbst überlassen.

Wir haben dort ein schönes Gelände mit Blick über die Stadt und einen schönen Kickplatz, der sowohl für unsere jungen Leute als auch für die Erwachsenen geeignet ist. Bringen Sie Ihr Picknick mit, wenn die Wetterlage es zulässt und man schön im Gras sitzen kann. Dann machen wir das.

Nächsten Sonntag findet auf jeden Fall um 17 Uhr die Freiversammlung, die Evangelisation in der Königstraße, statt – es sei denn, es regnet in Strömen. Wenn wir mit dem Klavier ins Freie gehen können, also um 17 Uhr, dann darf es zu diesem Zeitpunkt nicht regnen. Die Straße darf ruhig nass sein, aber es darf nicht tropfen. Das sind die beiden wichtigsten Bedingungen. Wir sind dankbar für alle, die nächsten Sonntag mitkommen können.

Wir haben extra das Endspiel in Italien so gelegt, dass es nicht in diese Zeit fällt.

Um 11:40 Uhr findet ein Taufgottesdienst statt, bei dem Jonas Ringeisen aus der Wächterstraße getauft wird. Unser Opfer ist für Willi Ehret bestimmt, der als Missionar mit der Deutschen Missionsgemeinschaft im Norden Nigerias tätig ist.

Im Norden Nigerias gibt es große Unruhen, auch jetzt wieder. In unseren Zeitungen liest man wenig darüber. Die Muslime sind sehr beunruhigt, weil die Christen stark gewachsen sind und viele neue Gemeinden entstanden sind. Sie halten die politische Macht in ihren Händen. Die Christen wollen jedoch keine politische Macht, sondern nur die Freiheit, das Evangelium zu verbreiten.

Wir sind sehr dankbar, dass Willi Ehret dort einen großen Dienst tun kann. Er ist landwirtschaftlicher Berater und besitzt die besondere Gabe, mit den Afrikanern zu sprechen und sie zu motivieren. Das ist sicher das Schwierigste: sie zu motivieren, ihre Arbeit effektiver anzugehen.

Gerade letzte Woche haben wir wieder Briefe von den afrikanischen Kirchen erhalten, in denen sie schreiben, dass sie Willi Ehret gar nicht freigeben wollen. Er solle doch bei ihnen bleiben, auch in den nächsten Jahren. Er wollte im Herbst einen Heimaturlaub machen und dann nach Nigeria weiterreisen, um dort eine wichtige Missionsarbeit zu übernehmen.

Wir wissen noch nicht, wie er sich entscheiden wird. Wir sind aber dankbar, dass Sie als Heimatgemeinde von Willi Ehret, der hier als Student immer in den Gottesdienst kam, diese Arbeit in Nigeria auch in Ihrer Fürbitte und durch Ihre Gaben mittragen.

Segenswunsch zum Abschluss

Nun wollen wir um den Segen Gottes bitten. Das ist nicht nur eine Floskel, die am Ende unseres Gottesdienstes steht. Vielmehr hören wir bei Abraham, was es bedeutet, unter dem Segen zu stehen.

Wenn man durch dürres Steppenland zieht und die Herden dennoch wachsen, dann ist der Herr dabei. Man erlebt die Nähe und Gegenwart Gottes auf Schritt und Tritt. Man ist erfüllt von Dank und Lob. So hat man den Segen erlebt und erfahren.

Dieser Herr will uns segnen. Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Herr, erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.