Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 269
Die Herausforderung durch die Pharisäer und Schriftgelehrten
Kein Zeichen für böse Menschen
Wenn man, wie ich, eher nüchtern unterwegs ist und Menschen einem manchmal etwas merkwürdig vorkommen, weil sie Dinge sagen und tun, die auf den ersten Blick – und leider häufig auch auf den zweiten – keinen Sinn ergeben, dann ist der erste Text, den wir heute betrachten, genau so ein Zeugnis menschlicher Merkwürdigkeit. Er zeigt, wie verquer das menschliche Herz denken kann, wenn es an Sünde gebunden ist.
Matthäus 12,38
Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: „Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen.“
Lasst mich noch einmal zusammenfassen, wo wir stehen: Jesus hat eben einen Besessenen geheilt, der blind und stumm war. Das war ein so großes Wunder, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Erklärung brauchten, warum dieser Rabbi aus Nazaret nicht der Messias sein könne. Ihre Erklärung taugt nichts, aber sie zeigt, wie bewusst ihnen ist, dass Jesus ein großes Wunder vollbracht hat.
Als Jesus aufzeigt, wie unlogisch ihre Erklärung ist und in welche immense Gefahr sie sich damit begeben, was tun sie dann? Sie wollen mehr. „Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen.“
Ich hoffe, ihr versteht, wie absurd das ist. Sie hatten eben ein Zeichen gesehen. Und es gab noch viele andere Exorzismen und Heilungen. Wenn Jesus noch ein Zeichen tun würde, was würde das bringen?
Die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen so viel wie: „Jesus, das ist ja alles schön und gut, aber die Beweise für deinen Anspruch auf das Amt des Messias, die Beweise, die du bringst, sind uns noch nicht genug. Wenn wir dir glauben sollen, musst du schon noch ein Zeichen mehr tun.“
Das kommt mir sehr bekannt vor, denn die Leute, die ich dem „neuen Atheismus“ zuordne, formulieren oft ganz ähnlich. So in der Art: „Wir würden ja an Gott glauben, wenn es genug Beweise gäbe. Aber so, mit den Beweisen, die ihr Christen vorlegt, das ist uns einfach nicht genug.“
Das klingt auf den ersten Blick vielleicht ganz logisch und ehrlich. Doch man wird leider feststellen, dass die Sache mit den Beweisen für Jesus als den Messias – und dasselbe kann man für die Existenz Gottes oder die Glaubwürdigkeit der Bibel sagen – ganz häufig weniger eine Frage der Beweise ist als vielmehr des Herzens.
Lasst uns jetzt nicht darüber streiten, ob das Wort „Beweis“ an dieser Stelle passt. Natürlich ist ein Beweis im mathematischen Sinn etwas anderes als ein Beweis, bei dem es um historische oder philosophische Fragen und persönliche Erfahrungen geht. Wer mathematische Exaktheit fordert, wo man sie qua Methode und Untersuchungsgegenstand nicht erbringen kann, dessen Denkansatz ist einfach falsch.
Aber zurück zu den Pharisäern und Schriftgelehrten:
Matthäus 12,38
Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: „Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen. Die Beweise reichen uns nicht.“
Die Frage nach dem Glauben und die Rolle der Argumente
Problem? Wenn Jesus ihnen noch ein Zeichen gäbe, würden sie dann glauben? Ich bin davon überzeugt, dass Gott jedem Menschen genug Argumente gibt, um glauben zu können.
Ich denke, dass kein Mensch im Gericht sagen wird: Gott, ich wusste nichts von dir. Lange bevor uns ein Christ das Evangelium erklärt, gibt es das Zeugnis der Natur, unseres Gewissens, der Geschichte und sogar der christlichen Anteile in der Kultur.
Paulus formuliert es in Römer 1,20-21: „Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung sind, weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten.“
Am Ende ist der Mensch ohne Entschuldigung. Zu denken, dass das Universum einfach so entstanden ist – ohne Schöpfer, ohne Ziel, aus dem Nichts –, während jeder Akt von Kreativität in dieser Welt Schönheit und Komplexität hervorbringt, zwingend einen Schöpfer braucht, ist sehr fragwürdig.
Das zu denken ist so schräg, dass man sich die Frage stellen muss, wie ein Mensch auf so einen absurden Gedanken kommt. Und die Antwort, die wir oft hören, wenn wir Menschen fragen, warum sie nicht an einen Schöpfer glauben, lautet häufig: „Ja, das mag schon sein, dass ich das nicht erklären kann, und ich würde ja auch an Gott glauben, aber ich bin noch nicht überzeugt.“
Bingo, noch nicht überzeugt. Lehrer, wir möchten noch ein Zeichen sehen.
Paulus sagt, dass sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten. Vielleicht gehe ich zu weit, aber an dieser Stelle vermute ich das eigentliche Dilemma des Menschen: Er will sich Gott nicht unterwerfen. Er will nicht anfangen, den anzubeten, der ihn gemacht hat.
Die Ablehnung von Gott ist nicht eine Frage der Argumente oder Beweise, sondern eine Frage des Herzens.
Die Konsequenz für die bösen und ehebrecherischen Menschen
Matthäus Kapitel 12, Vers 39: Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas des Propheten.“
Hier kommen wir zum Kern des Problems. Die Zeitgenossen Jesu sind böse und ehebrecherisch. Dabei kann das Wort „ehebrecherisch“ wörtlich verstanden werden, im Sinne von einer laschen Sexualmoral. Es kann aber auch im übertragenen Sinn gemeint sein, nämlich als geistlicher Ehebruch. Die Propheten haben den Abfall vom Glauben an Gott oft als Hurerei geißelt.
Auf jeden Fall hat Jesus einen sehr nüchternen Blick auf seine Zeitgenossen. Sie waren etwa so wie die Menschen heute: böse und ehebrecherisch. Erinnern wir uns an das, was wir in der letzten Episode aus dem Mund Jesu gehört haben: „Macht den Baum gut.“ Solange sie dazu nicht bereit sind, solange sie Freude am Bösen und an der Hurerei haben und solange sie nicht Buße tun, werden sie Gott nicht erkennen können – egal wie viele Zeichen ihnen präsentiert werden.
Solchen Menschen wird kein Zeichen gegeben werden. Gott lässt sich von bösen Herzen nicht drängen. Warum sollte er? Aber ich denke auch, dass das Gegenteil gilt: Dort, wo Menschen aufrichtig Buße tun, wo sie sich ihrer eigenen Boshaftigkeit bewusst werden und anfangen, aus dem guten Schatz ihres Herzens Gutes hervorzubringen – eben die Buße würdige Frucht –, dort wirkt Gott und zieht durch seinen Geist tiefer und tiefer in die Gemeinschaft.
Gott lässt sich von einem bösen Geschlecht nicht durch Zeichen zwingen; kein Zeichen wird ihm gegeben werden. Natürlich wird Jesus weiterhin Dämonen austreiben und Krankheiten heilen. Er tut immer das, was er den Vater tun sieht. Aber diese Dinge sind Gottes Geschenk. Er tut sie nicht, weil man ihn dazu zwingt.
Für die mit dem bösen Herzen gibt es genau noch ein Zeichen: das Zeichen Jonas des Propheten. Dazu dann mehr in der nächsten Episode.
Einladung zum Dank und zur Gemeinschaft
Was könntest du jetzt tun? Du könntest Gott dafür danken, dass du ihn, warum auch immer, finden durftest.
Auch wir leben in einer bösen und ehebrecherischen Zeit.
Das war es für heute. Schreibe jetzt zwei SMS an Geschwister aus deiner Gemeinde, die schon lange nicht mehr im Gottesdienst waren, und lade sie herzlich ein.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
