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Das Israel Gottes: Wer gehört dazu?

Nicht Herkunft zählt: Wer gehört zu Gottes Volk – und warum?
Römer 9,6-1307.06.2026
SerieTeil 45 / 47Wir betrachten den Römerbrief
Bist du wirklich Teil von Gottes Volk – oder nur dabei? Abstammung, Tradition und Kirchenbesuch retten nicht. Entscheidend ist, ob Gott dein Herz erreicht hat.

Einleitung und Lesung des Predigttextes

Ich weiß, ihr habt euch gerade hingesetzt, aber wir stehen doch noch einmal auf zur Lesung des Predigttextes aus Römer, Kapitel 9, Römer 9, die Verse 6 bis 13.
Thema der Predigt: Das Israel Gottes – wer gehört dazu?
 Römer 9, ab Vers 6:
Nicht aber, dass das Wort Gottes nun hinfällig wäre. Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, Kinder. Sondern: In Isaak soll dir ein Same berufen werden.
Das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. Denn das ist ein Wort der Verheißung: Um diese Zeit will ich kommen, und Sara soll einen Sohn haben.
Und nicht allein dies, sondern auch, als Rebekka von ein und demselben, von unserem Vater Isaak, schwanger war, als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden, wurde zu ihr gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.
Wie auch geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst.
Amen.
Nehmt doch Platz.

Die Ausgangsfrage: Warum ist Paulus um Israel so betrübt?

Das wird aus dem Kontext deutlich: Paulus hatte großen Kummer um seine Brüder, um seine Verwandten nach dem Fleisch, wie er sie in Römer 9,1-3 nennt. Also hatte er ein betrübtes Herz bezüglich der Juden, denn sein Wunsch war, dass sie doch alle gerettet werden mögen.
Nun schreibt er, wenn ihr euch erinnert, von den großartigen Segnungen, die Israel bekommen hat, in Römer 9,4-5. Dem Volk Israel gehören die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst, die Verheißungen. Ihnen gehören auch die Väter an. Und von ihnen stammt dem Fleisch nach der Christus. Das ist ein umfängliches Segenspaket, das Gott Israel zugedacht hat.
Warum macht Paulus sich denn dann Sorgen um die Errettung Israels, seiner Brüder nach dem Fleisch? Die Frage steht im Raum: Ist nicht jeder Israelit allein aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Volk Israel gerettet? Schließlich sehen wir doch diese Segnungen; gelten sie nicht ganz Israel? Und warum sorgt sich Paulus um die Rettung?
Nun, in unserem nun folgenden Abschnitt, den wir uns heute anschauen, beantwortet Paulus diese Frage sehr ausführlich. Ich möchte sie in zwei Punkte gliedern. Erstens: Nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Und zweitens: Warum sind nicht alle, die von Israel abstammen, Israel?
Schauen wir uns den ersten Punkt an.

Nicht jede Zugehörigkeit nach dem Fleisch führt zum Heil

Nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Die, die von Israel abstammen, sind Israel. Vers 6
Paulus beginnt mit der Aussage: „Nicht aber, dass das Wort Gottes nun hinfällig wäre.“ Gerade eben hat er den großen Strauß der Verheißungen für Israel, oder der Segnungen für Israel, beschrieben. Gerade eben hat er seine Betrübnis zum Ausdruck gebracht, dass Israel nicht gerettet ist. Nun könnte man ja meinen und schlussfolgern: Ja, dann sind die Worte Gottes an Israel obsolet. Denn wenn Gott Israel so sehr segnet, aber sie nicht alle gerettet sind, dann ist das Wort Gottes nicht wert, auf dem Papier zu stehen, auf dem es steht.
Dem ist bei weitem nicht so. Warum nicht? Vers 6: Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Mit anderen Worten: Die wunderbaren Zusagen und Verheißungen galten und gelten niemals dem gesamten Volk, sondern nur einem Teil des Volkes Israel. Dieser Teil wird Überrest genannt. Jesaja 10,20, Micha 2,12, Jeremia 31,7, Römer 9,27 und viele weitere Stellen belegen das.
Dass es eben einen Unterschied gibt zwischen dem Volk Israel als Ganzes und diesem Überrest, dem Rettung durch den Glauben widerfahren ist, macht Paulus schon in Römer Kapitel 2 deutlich. Wir erinnern uns: Ich zitiere Vers 28 und 29: Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach.
Die Verheißungen des Bundes sollten sich also niemals an allen biologischen Nachkommen Abrahams erfüllen, sondern nur an den Herzen und Leben derer, die durch Gottes Gnade ihr Vertrauen auf Gott setzen, die auf den Messias hoffen, die glauben, dass er kommen wird, und als er kam, die glauben, dass er gekommen ist. Und die aus Dankbarkeit, aus diesem Vertrauen heraus, dem Willen Gottes gehorchen.

Der Überrest in der Heilsgeschichte

Dies zeigt Paulus dann einige Verse später. Wir kommen im zweiten Teil der Predigt dann unter Punkt zwei dazu, dass dies schon von Anfang an so war. Schon im Alten Testament gab es eine Unterscheidung zwischen dem Volk Israel allgemein und dem Überrest, dem geretteten Israel. Und auch das Neue Testament kennt diese Unterscheidung.
Als Jesus geboren wurde, nahm die Nation Israel als Ganzes davon wenig Notiz. Sie machten meist so weiter wie bisher. Im Volk war wenig bis kein Glaube zu finden. Doch hier und da zeigte sich, wer zum Überrest gehört. Einige Personen werden uns vorgestellt, da wird gleichsam herangezoomt: Schau mal, Maria, sie glaubte in ihrem Herzen. Schau mal, da ist Josef, da ist Elisabeth, Zacharias, Simeon und Hanna, die in Jerusalem auf die Erlösung warteten.
Aber nicht nur bei der Geburt Jesu war das so, dass es einen Unterschied zwischen dem Volk und dem Überrest gab. Jesus selbst macht einen Unterschied, als er Nathanael einen wahren Israeliten nannte. Johannes zeigt, wie Jesus eine ganz scharfe Linie innerhalb Israels zwischen dem Volk und dem Überrest zieht.
Was war geschehen? Jesus spricht dort mit den Juden darüber, dass die Wahrheit sie freimachen wird. Die Antwort der Juden war in Johannes 8,33: „Wir sind Abrahams Same und sind nie jemandes Knecht gewesen. Wie kannst du da sagen: Ihr sollt frei werden?“ Daraufhin hat Jesus geantwortet, Vers 37: „Ich weiß, dass ihr Abrahams Same seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet keinen Raum in euch.“ Ja, ihr gehört zum Volk Israel, ich weiß das. Ihr seid biologisch der Same Abrahams, aber ihr wollt mich töten.
Jesus weiter, Vers 44: „Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben“, sagt er, „denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen.“ Vers 44: „Ihr habt den Teufel zum Vater.“ Was für eine scharfe Klinge, die durch Israel hindurchgeht, von Christus selbst ausgesprochen. Einige glauben, und anderen attestiert er, obwohl sie biologisch der Same Abrahams sind, dass sie den Teufel zum Vater haben. Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel.

Die Bedeutung für die Gegenwart der Gemeinde

Das ist von großer Bedeutung, und zwar für jeden von uns. Du fragst dich ja: Was habe ich damit zu tun?
Nun, der grundlegende Gedanke hier ist, dass das Reich Gottes nicht durch leibliche Abstammung zu uns kommt. Es wird nicht vererbt. Deine Oma ist nicht die Garantie dafür, dass deine Seele in den Himmel kommt. Dein Vater und deine Mutter können dir das Heil nicht vererben.
Immer noch nennen sich Millionen Menschen in unserem Land Christen. Sie sind katholisch, evangelisch oder freikirchlich. Sie sind, wie Israel, den Segnungen Gottes nahe. Sie singen die Lieder, die alten Kirchenlieder, in denen das Evangelium teilweise glasklar enthalten ist. Unser Land ist durch unser christliches Erbe reich beschenkt, und wir alle profitieren davon. Wir sind den Segnungen Gottes nahe, doch viele Seelen sind nicht gerettet. Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel.
Der Besuch von Gottesdiensten allein ist kein entscheidendes Merkmal eines erlösten Herzens. Ich erinnere mich an den Sänger Keith Green, einige von euch kennen ihn. Der hat auf einem seiner Konzerte einmal gesagt: Ein Kirchenbesuch macht dich genauso wenig zu einem Christen, wie ein Besuch bei McDonald’s dich zu einem Hamburger macht.
Du kannst sehr oft in dieses Fast-Food-Restaurant mit dem goldenen M laufen, aber du wirst immer wieder als Mensch herauskommen, niemals als Hamburger, es sei denn, du bist ein Hamburger. Du kannst in die Kirche gehen, so oft du willst, aber das macht dich nicht zu einem Christen.
Wir waren gerade in den Vereinigten Staaten, in den Südstaaten. Wiederum haben wir gestaunt. Die Straße, egal welche du nimmst, du fährst sie entlang, und fast jedes dritte Haus ist eine Kirche, ungefähr. Oder jedes fünfte, ich weiß nicht, ich habe nicht gezählt, aber es ist auf jeden Fall eine Kirche nach der anderen.
Kommst du ins Gespräch mit den Gläubigen, den Wiedergeborenen, und sagst: Ach, ihr habt es so gut, ihr seid ja alle gläubig. In Deutschland sind die Kirchen leer und kaum welche da. Dann sagen sie dir: Ja, ja, aber es sind auch viele, die machen es nur aus Tradition. Sie gehören nicht zum Überrest.
Auch die Mitgliedschaft in einer Kirche kann uns nicht retten. Hör mal, das ist ein ernstes Wort. Du kannst Teil der sichtbaren Gemeinde Jesu sein, sichtbar für alle. Du kannst Teil sein, wie alle in Israel sichtbarer Teil des Volkes waren. Und zugleich kann es sein, dass du kein Herz für Gott hast.
Du kannst dich mittreiben lassen, du kannst mitschwimmen mit dem Strom. Das ist einfach und unauffällig im Kontext einer Gemeinde. Und doch hast du das Erlösungswerk Christi niemals erlebt. Wir müssen in einer lebendigen, in einer erlösenden Beziehung zu Gott stehen.
Die Mitgliedschaft in einer Gemeinde ist wichtig und unumgänglich, aber sie muss aus einer erlösenden Beziehung zu Jesus Christus hervorgehen. Wir können Sonntag für Sonntag in der Kirche sitzen und niemals die Verheißungen Gottes persönlich angenommen haben. Niemals unser Herz gebeugt haben, Buße über unsere Sünde getan haben und im Glauben für wahr gehalten haben, dass Christus der einzige Weg zu meiner Rettung ist.
Wir können Lieder singen, wir können fromme Mienen aufsetzen, aber am Ende sind wir verloren. Wisst ihr, die Arche-Gemeinde ist in den letzten Jahren eine wachsende Gemeinde gewesen, und zugleich mache ich mir manchmal Sorgen: Herr, mögen es Wachstumsschübe sein von Menschen, die wirklich zum Überrest gehören. Es geht nicht um Wachstum um jeden Preis. Wir lügen uns in die eigene Tasche. Am Ende kommt es darauf an: Gehörst du zu Christus? Bist du ein Nachfolger des Herrn? Bist du durchgebrochen?
Dies ist ein Wort an alle, die hier hinken. Es ist ein Wort an alle, die durch den Heiligen Geist jetzt überzeugt werden und überführt werden. Gott ruft dich zur Buße und Umkehr. Gehörst du zum Überrest?
Die Bibel fordert uns auf, uns zu prüfen. Und auch die, die vermeintlich fest im Glauben stehen, lasst uns uns immer wieder prüfen. Dazu schließe ich mich auch ein. Da schließe ich mich mit ein. Prüft euch selbst, sagt Paulus in 2. Korinther 13, ob ihr im Glauben seid. Stellt euch selbst auf die Probe.
Das Einzige, was uns rettet, ist der Glaube an Christus. Das Vertrauen, dass er für mich starb, dass er meine Sünde auf sich nahm, dass mir durch seinen stellvertretenden Sühnetod meine Sünden vergeben sind. Glaubst du das wirklich? Und dass nun keine Strafe mehr auf mir liegt? Und aus diesem Glauben heraus und der Dankbarkeit der Erlösung durch das vergossene Blut Jesu Christi sage ich: Herr, ich will dir folgen, du bist mein Herr. Und ich beuge mich unter deinem guten Willen.
Das bedeutet nicht, dass wir ein vollkommenes Leben führen und nie wieder sündigen oder fallen. Aber es bedeutet, dass der Heilige Geist in uns aktiv wirkt, uns ermahnt, uns zurechtbringt, uns immer wieder zur Buße leitet und eine Veränderung in unserem Herzen sichtbar ist.
Durch den Glauben an Christus allein – das ist die große Botschaft des Römerbriefes. Wird dir die Gerechtigkeit Christi zugerechnet, die vor Gott gilt, und nicht deine Abstammung, sei es aus dem Volk Israel oder aus einem christlichen Kontext? Möge Gott uns helfen, dass wir ihm wirklich vertrauen und glauben.

Der zweite Grund: Gottes souveräne Erwählung

Zweitens: Warum sind nicht alle, die von Israel abstammen, Israel? Warum gibt es diese Trennung, wie wir sie in der gesamten Bibel gesehen haben? Wieso glauben nur einige aus dem Volk Gottes, aus Israel, an Christus? Wieso ist nicht jeder der biologischen Nachkommen Abrahams von Christus erfasst?
Vers 11 ist hier der Schlüsselvers, der uns die Antwort gibt. Schaut hinein in eure Bibeln. Damit schreibt Paulus: Gemäß der Auserwählung gefasster Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden. Damit gemäß der Auserwählung gefasster Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden.
Warum glauben einige und andere nicht? Nicht nur bezogen auf Israel, das können wir auch auf unsere Zeit übertragen. Warum glauben einige aus deiner Familie und andere nicht? Warum glauben einige aus unserem Volk und andere nicht? Die Ursache, warum einige aus Israel die großartigen Segnungen Gottes annehmen und andere nicht, hat also offensichtlich etwas mit Gottes Souveränität zu tun.
Paulus nennt an dieser Stelle nicht den Glauben als den entscheidenden Unterschied. Ja, sie glaubten, und deswegen ... Nein, das tut er hier nicht. Über den Glauben spricht er im gesamten Römerbrief an ganz vielen Stellen, und er macht deutlich, dass wir allein durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt werden. Durch den Glauben an Christus und sein stellvertretendes Sühnopfer, weil dann seine Gerechtigkeit uns zugerechnet wird.
Hier sagt er aber nicht: Weil einige Israeliten glauben, deswegen gehören ihnen die Verheißungen Gottes, deswegen sind sie zum Überrest übergegangen. Wie gesagt, dies sagt er in Römer 9,30-33 und an anderen Stellen, aber hier nicht. An dieser Stelle geht er ein Stück tiefer und sagt: Ja, warum, warum, warum glauben denn einige? Dass der Glaube unumstößlich der alleinige Weg zur Rettung ist, ist hier nicht diskutiert. Sondern: Wieso glauben nur einige? Woran liegt das?
Er schiebt den Vorhang zur Seite und zeigt, woran das liegt. Er geht tief hinein. Und jetzt nennt er hier für die Erlösung nicht irgendein Werk, also nicht: Sie haben ein gutes Werk gebracht oder eine Leistung als Ursache dafür, dass die einen glauben und die anderen nicht. Er bringt auch nicht Taten und Werke hervor. Er bringt auch nicht ihre Abstammung hervor, sondern er sagt: Es ist Gottes Auswahl.
Noch einmal Vers 11: Damit gemäß der Auserwählung gefasster Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden. In diesem einen Vers betont Paulus, das ist ein Teilvers, dreimal, dass Gott der entscheidende Faktor ist, wenn es um die Rettung von Menschen geht. Es ist Gottes Auserwählung, sagt er. Es ist Gottes Vorsatz. Und es ist Gottes Berufung. Auserwählung, Vorsatz, Berufung – Vers 11 steht drin.
Ja, und was macht das mit dir? Lässt dich das in deinem Sitz entspannen, zurücklehnen, und du sagst Halleluja? Oder fängt es wieder an, so ein bisschen zu zucken und zu kneifen? Vielleicht macht es dich sogar wütend oder lässt dich zurückschrecken. Vielleicht stimmst du ein in den Sprech derer, die auch mir oft sagen: So ist mein Gott nicht. Mein Gott gibt allen die gleiche Chance.
Tut er das? Hier offenbart Gott in seinem Wort etwas anderes, und das müssen wir jetzt mal verdauen. Der Unterschied zwischen Israel und Israel, zwischen Israel und dem Überrest, zwischen denen, die den Verheißungen in Christus Jesus glauben, und denen, die es ablehnen, geht nicht auf Werke, nicht auf Leistung, nicht auf Abstammung zurück, sondern auf Gottes Absicht, auf seine Auserwählung, auf seinen Vorsatz und auf seine Berufung.
Hier ist der Apostel fest entschlossen, und wir werden es in den nächsten Sonntagen noch sehen, auch in den Folgeversen, uns dies zu erklären. Das ist das berühmte Kapitel 9 über die Souveränität und Erwählung Gottes. Da ist er jetzt wirklich dahinter, dass wir es aufnehmen und auch in unserem Herzen wirken lassen.
Und diese Wahrheit, ihr Lieben, und das möchte ich, bevor wir dann hineingehen, auch in diese drei Beispiele, die es da gibt, uns erinnern: Diese Wahrheit ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Trost und eine Auferbauung. Denn sie zeigt auch dir, dass deine Erlösung auf Gottes Gnade aufbaut, dass deine Rettung ihren Ursprung bei Gott hat und nicht in dir.
Gottes Liebe überströmt uns aus der unendlichen Tiefe seines eigenen Herzens, seines eigenen Entschlusses, seines eigenen Willens, seines eigenen Plans, seiner eigenen Absicht, seiner eigenen Vorhersehung, seines eigenen Ratschlusses. Deine Erlösung hat ihren Ursprung allein bei Gott.
Der Apostel weiß, dass diese Wahrheit der Erwählung nicht leicht verdaulich ist. Manche verschlucken sich daran. Also gibt er uns jetzt hier drei Beispiele. Kleinen Augenblick, bleibt noch konzentriert: drei Beispiele aus der Geschichte Israels, der Patriarchen. Er nennt uns Abraham, er nennt uns Isaak und er nennt uns Jakob. Diese drei Patriarchen wurden, und das ist das Argument, aufgrund des Vorsatzes dem Überrest Israels zugetan.

Abraham als Beispiel göttlicher Berufung

Zuerst nennt er Abraham, Vers 6 und 7, denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, Kinder.
Abraham, wissen wir, lebte einst in Ur in Chaldäa. War er dort ein Mann des Glaubens, ein Anbeter des einen wahren Gottes? Nein, das war er nicht. Er war ein Götzenanbeter aus Mesopotamien. Und Gott rief ihn unvermittelt aus dieser Welt der Götzenanbetung heraus und machte ihn zu einem Glaubensvater.
Im Buch Josua spricht Gott selbst über diesen Vorgang, Josua 24. Der Herr, der Gott Israels, spricht: Eure Väter, sagt Gott dort, wohnten vor Zeiten jenseits des Euphratstromes, und sie dienten anderen Göttern, auch Terach, der Vater Abrahams und Nahors. Und dann sagt Gott: Und ich nahm euren Vater Abraham von jenseits des Stromes und ließ ihn durch das ganze Land Kanaan wandern, und ich mehrte seinen Samen.
Sehen wir das? Es ist Vorsatz gewesen. Weder Abstammung noch Werk noch Leistung, sondern Gott erwählte Abraham aus einer Welt der Götzenanbetung und verhieß ihm: Ich will dich zu einem großen Volk machen, Abraham, und ich will dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde.
Warum, Herr, was habe ich getan? Warum ich? Nichts in dir, Abraham, sondern allein mein Ratschluss, mein Wille, mein Plan mit dir und den geistlichen Samen. Halleluja!
Fall geklärt, okay? Einwand? Nein, später, nicht jetzt.

Isaak und die Verheissung statt der natürlichen Reihenfolge

Dann zeigt uns Paulus Isaak. Denn die Frage steht im Raum: Wenn Abraham als Erster erwählt wurde, als Glaubensvater, werden dann nicht alle, die aus seinem Samen sind, also seine Nachfolger, die nachfolgend geborenen Juden, auch zum Heil erwählt? Ist die biologische Nachkommenschaft nicht ausreichend, um Rettung zu finden?
Antwort: Nein, Paulus sagt das ganz deutlich, noch einmal in Vers 6 und 7: Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, Kinder, sondern: In Isaak soll dir ein Same berufen werden. Das heißt in Vers 8: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet.
Nun ist das hier insofern interessant, als wir wissen, dass Abraham ja nicht nur Isaak als Sohn hatte, sondern auch Ismael. Ismael war dreizehn Jahre alt, als Isaak geboren wurde. Obwohl Ismael der Erstgeborene war und dreizehn Jahre älter, wurde er nicht zum Heil erwählt, sondern der später geborene Isaak. Nicht alle, die Abrahams Samen sind, sind Kinder. Beispiel: Ismael und Isaak.
Dann kommt natürlich der Einwand, vielleicht auch bei dir: Ja, nun wurde Isaak erwählt und nicht Ismael, weil die Mutter von Isaak, Sara, auf die sich die Verheißung bezog, während Hagar, die Mutter Ismails, also des Erstgeborenen, ja nur eine Notlösung und eigentlich aus dem Unglauben heraus Abrahams entstanden ist. Und überhaupt war sie auch noch eine ägyptische Magd. Deshalb kann ihr Sohn Ismael nicht erwählt sein. Man könnte auch sagen: Es liegt an den Müttern. Herzlichen Glückwunsch, ihr lieben Mütter.

Jakob und Esau als Beweis für Gottes freie Wahl

Paulus sagt Nein. Und wie begründet er das? Indem er uns Jakob und Esau vor Augen malt. Sie waren Zwillinge, sie hatten dieselbe Mutter, Rebekka, und beide hatten dieselben Eltern. Sowohl Mutter als auch Vater waren jüdisch, da war nichts Ägyptisches dabei. Und doch gehörte nur einer der Söhne zum Überrest.
Und dann wurde auch noch Esau zuerst geboren. Er erblickte das Licht der Welt vor Jakob. Mit anderen Worten: Paulus schreibt hier in Vers 10 nicht allein dies, sondern auch, dass Rebekka von ein und demselben, unserem Vater Isaak, schwanger war. Als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, waren also weder die Mütter ausschlaggebend noch die Gepflogenheit der Erstgeburt, nach der der Ältere stets den größeren Segen empfing, wurde Esau, obwohl er zuerst geboren wurde, nicht erwählt, sondern Jakob, der Jüngere, wurde erwählt.
Nichts kann diesen Umstand erklären. Es gibt keine Erklärung, warum Jakob und warum nicht Esau. Es gibt keine Erklärung, allein Gottes souveräner Wille, der mit den Menschen verfahren kann, wie es ihm gefällt. Wir wollen das nicht, da lehnen wir uns auf. Wir wollen die Handelnden sein, aber so ist es nicht. Weder die Mutter noch die Erstgeburt noch irgendein Werk, hör mal, noch irgendein Werk ist ausschlaggebend für Gottes Erwählung. Denn Vers 11 sagt: Als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, warum dann Jakob und nicht Esau?
Damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden, wurde zu ihr gesagt, zu Rebekka: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.
Siehst du das? Verstehst du das? Unsere Erlösung ist allein aus Gnade, allein aus Gottes aktivem Eingreifen in unser Leben. Deine Mütter und deine Väter und deine Nation und deine Werke und deine Taten und dein Ruf und dein kluger Wille, deine Entscheidung, sie spielen gar keine Rolle. Schieb den Vorhang beiseite und sag: Du gehörst zum Überrest, weil Gott gehandelt hat, weil er einen Vorsatz hat und weil er dich erlöst hat.

Die Lehre der Erwählung als Trost und Ansporn

Wenn wir die Gesamtaussagen des Römerbriefes betrachten, dann ist diese Wahrheit der bedingungslosen Erwählung die beste aller Nachrichten. Denn vergessen wir nicht, wer wir eigentlich sind.
Das Urteil Gottes über dich und über mich lautet:
 Römer 3,10-18
Es ist keiner gerecht, auch nicht einer. Es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts. Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit. Ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend bezeichnen ihre Bahn, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.
Wir sind, wenn wir das verstehen, gar nicht imstande, uns für Gott zu entscheiden, nach dieser Beschreibung. Wir sind überhaupt nicht in der Lage dazu, weil wir es gar nicht wollen, weil unsere Sinne verblendet sind und unser Geist tot ist.
 Epheser 2
Wie befreiend ist dann die Botschaft: Gott rettet dennoch. Er hat in deinem Leben gehandelt, er hat eingegriffen, er war der entscheidende Akteur und Faktor. Und natürlich hast du dann, als du auferweckt wurdest, durch den Geist gesagt: Ja, ich will folgen. Aber dieses Ja, ich will folgen, kann nur die Folge des lebendig machenden Eingreifens Gottes in deinem Leben gewesen sein.
Deswegen beten wir auch weiter. Deswegen evangelisieren wir und missionieren wir, weil wir noch viele weitere Menschenherzen mit dem Evangelium erreichen wollen und beten, dass Gott noch weitere dem Überrest zufügen wird.
Liebe Geschwister, die Lehre der Erwählung führt nicht zum geistlichen Stolz oder in die Überheblichkeit, sondern bringt uns auf die Knie und füllt unser Herz mit Dankbarkeit. Denn wenn alles Gnade ist, dann ist kein Ruhm für Selbstverherrlichung. Es ist alles Gottes Werk, und dafür wollen und dafür werden wir ihn in alle Ewigkeit danken.
Warum fangen wir nicht schon jetzt damit an? Machst du mit, alles Volk sagt: Amen. Lasst uns aufstehen.

Gebet, Einladung und Schluss

Ja, danke, Vater im Himmel, für dein klares Wort hier in Römer 9. Wir haben heute Morgen viel gelernt. Vieles muss verarbeitet und verdaut werden.
Für einige ist es das erste Mal, dass sie so etwas hören. Vielleicht, weil sie noch nie das Evangelium gepredigt gehört haben. Und du bist hier und möchtest gerne zu den Erretteten dazugehören. Du hast die Botschaft gehört: Du sollst Christus vertrauen, ihn um Vergebung deiner Sünden bitten und glauben, dass er für dich am Kreuz die Schuld getragen hat und die Strafe auf ihm liegt, so dass du Erlösung bekommst und Versöhnung mit Gott dem Vater durch Jesus Christus. Glaube es. Bete in deinem Herzen: Herr, vergib mir meine Sünden, mache mich zu einem neuen Menschen. Und du wirst gerettet sein.
Andere sind hier, die die Folgen so nebenher mitbekommen und schon seit langer Zeit mitlaufen. Und heute Morgen wurdest du vom Geist Gottes ermahnt: Du bist kein Christ. Das ist die Wahrheit. Du gehörst nicht dazu, weil du nur ein Spiel spielst. Gott ruft dich auf, Buße zu tun, dein Leben Christus zu weihen, und er macht dich neu. Du wirst heute zum allerersten Mal das geistliche Licht der Welt erblicken, und die Herrlichkeit Christi wird in deinem Herzen leuchten. Und alle Schauspielerei ist vorbei. Du bist neu. Kehre um, tue Buße und bitte den Herrn um Vergebung.
Und dann sind hier heute Morgen auch Christen, die mit der Erwählung kämpfen und ihre Mühe damit haben und es nicht unter die Füße kriegen, dass Gott souverän ist. Der Herr ruft uns auf, seinem Wort Glauben zu schenken. Ja, es ist nicht alles leicht zu verstehen, aber wir wollen Vertrauen in die Wahrheiten der Schrift und dem geoffenbarten Wort folgen. Möge Gott dir helfen, dass du auch darin zur Ruhe kommst.
Herr, du siehst alle drei Gruppen, und du wirkst an unseren Herzen genau so, wie wir es brauchen. Dafür preisen wir dich. Und nun gehen wir zum Abendmahl hin, und wir bitten dich, dass du uns darin begegnest. Wir danken dir für deine reale Gegenwart, auch jetzt, wenn wir gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen. Amen.