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Ohne Gebet keine Erweckung

Jakobus 4,2-324.09.2007
Serie•Teil 1 / 12Connecting Heaven
Ohne Gebet bleibt alles stehen: keine geistliche Bewegung, kein Durchbruch, kein neues Leben. Die Frage ist brutal einfach: Willst du Gottes Segen wirklich – oder nur den bequemen Weg?

Ein neuer Schwerpunkt für die kommenden Wochen

Wir werden heute mit einer neuen Predigtreihe starten, einer Predigtreihe, von der die meisten von euch wissen, worum es geht. Nicht nur, weil hinten die neuen Flyer ausliegen, die ihr euch nachher mitnehmen könnt.
Es wird um Gebet gehen, um Gebet unter dem Titel „Das Atmen der Seele“. Wir wollen uns bis Weihnachten mit diesem Thema beschäftigen, das in meinen Augen einerseits riesengroß, andererseits aber auch ein super zentrales Thema ist. Wir werden es von allen möglichen Seiten aus behandeln. Und heute geht es mir darum, euch zu ärgern. Ich werde euch ärgern, ich werde euch herausfordern, ich werde euch Dinge sagen, die ihr wahrscheinlich nicht hören wollt. Der Titel ist für heute schon ein Stück weit Programm.
Das Thema lautet: Ohne Gebet keine Erweckung. Ich glaube, dass wir in unserer kleinen Gemeindegründungsarbeit an einem Punkt sind, an dem vielleicht der Wendepunkt zu viel gesagt ist, aber an dem wir uns entscheiden müssen. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen. Möchten wir hier in Spandau wirklich eine Gemeinde aufbauen? Möchten wir eine Gemeinde haben, in der gute Musik, bibeltreue Predigten, herzliche Gemeinschaft, ein Herz für Evangelisation und Anbetung wirklich da sind? Oder wollen wir das nicht?
Ich sage das so direkt, weil ich glaube, dass wir überhaupt als Deutsche, aber auch wir hier in der Gemeinde im Moment vielleicht eine Lüge leben. Das ist in meinem Leben immer so gewesen: Wenn man eine Lüge lebt, dann kommt am Ende irgendwie nicht das dabei heraus, was man sich wünscht. Ich habe den Eindruck, dass wir die Lüge leben, dass es Erweckung ohne das Kreuz gibt. Oder, ein bisschen moderner ausgedrückt, dass wir auf der einen Seite wollen, dass eine Gemeinde entsteht, dass wir aber vielleicht nicht bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen. Dass wir an manchen Stellen nicht bereit sind, das, was Gott in seinem Wort klar sagt, auch in der gleichen Deutlichkeit zu leben.
Ich habe mich ein bisschen schlau gemacht, was den Berliner auszeichnet, und zwar im Meyers Konversationslexikon zum Charakter von Berlin. Und ich dachte, ich werde nicht mehr, weil das irgendwie stimmt. Dann habe ich mir überlegt: Jetzt nehme ich mal den Berliner. Wie ist denn der typische Spandauer? Was macht den typischen Spandauer aus?
Ich denke, der typische Spandauer ist mit einem Charakterfehler geschlagen. Und das ist diese Mischung aus Besserwisserei und Hochmut oder Stolz, der mir bei keinem anderen deutschen Volksstamm in dieser Deutlichkeit je begegnet ist. Ich gehe auf den Weihnachtsmarkt, gehe an einen Stand, wo man T-Shirts kaufen kann, und da steht dieser Satz auf dem T-Shirt: „Mehr als ein Spandauer kann ein Mensch nicht werden.“
Ich war durchaus schon in der einen oder anderen Großstadt dieser Welt, und ich kann euch sagen: Ob ich mir deutsche Städte anschaue, München, Hamburg, Köln, ob ich ein bisschen ins europäische Ausland gehe oder ob ich nach Amerika fahre, ich habe noch nie in einem dieser Länder ein T-Shirt gefunden, auf dem das draufsteht: „Mehr als ein Spandauer kann ein Mensch nicht werden.“
Und ich habe ja über Jahre hinweg immer ein bisschen über diese Spandauer Mentalität geschmunzelt. Inzwischen geht mir auf, wo das Problem liegt. Inzwischen habe ich verstanden, dass diese Mischung für ein hingegebenes und für ein gehorsames Leben wirklich Gift ist. Denn wenn ich so ein Typ bin, der von Natur aus erst einmal die Sachen besser weiß und erst einmal denkt, dass er sowieso der Größte ist, dann fällt es ihm eben unglaublich schwer, auf Gott zu hören und Gott wirklich in seinem Leben Gott sein zu lassen.

Was Gebet über geistliches Leben offenbart

Keine Sorge, Spandauer haben auch eine positive Seite. Ich kann die vielleicht mal kurz erwähnen, damit jetzt nicht die Spandauer unter euch, die echten Spandauer, denken: Naja, der sagt ja nur das Üble. Also, ihr seid engagiert, ihr seid gutmütig, opferbereit, und ihr habt etwas, was euch auch auszeichnet: Ihr lasst euch emotional wirklich noch anrühren. Das finde ich ganz, ganz toll.
Und trotzdem: Das, was ich heute sagen möchte, wird für den Berliner, den Spandauer oder den, der vielleicht das inzwischen aufgenommen hat, ein harter Brocken. Man wohnt eine Weile in Spandau und fühlt sich ja auch als Spandauer und lässt sich ja darauf ein. Es ist ja etwas Attraktives, zu sagen: Ich bin der Beste und der Größte und der Schönste und der Schlaueste. Und mehr als ein Spandauer kann ein Mensch nicht werden. Das hat ja was.
Und für alle, die das schon in sich aufgenommen haben, wird das, was ich heute sagen möchte, ein harter Brocken. Ihr werdet das nur sehr schwer schlucken können. Es geht mir um den großen Punkt, dass alles an Gott liegt und dass wir es entweder lernen, demütig zu werden, dass wir es entweder lernen, fleißig zu beten, oder die Idee einer Gemeindegründungsarbeit wird nicht gelingen. Das ist der Punkt, um den es mir heute geht.
Wann gibt Gott im Leben eines Menschen keinen Segen? Preisfrage. Die Bibel nennt zwei Gründe.
Erstens: Jeremia 5,25. Wenn Sünde in deinem Leben ist. Wenn Sünde in deinem Leben ist, wird Gott dich nicht segnen. Dann wirst du die guten Gaben, die Gott für dich bereitet hat, nicht bekommen.
Der zweite Punkt: Jakobus 4,2-3. Da heißt es: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Das heißt, der Segen Gottes kommt dann nicht in unser Leben hinein, wenn wir unseren Mund nicht aufmachen. Wenn jemand nicht schreit: Hier!, dann kriegt er von Gott nichts.
Und deswegen diese Gleichung, die jetzt Titel dieser Predigt ist: Ohne Gebet keine Erweckung. Wenn wir auf der einen Seite Erweckung wollen und auf der anderen Seite nicht beten, wenn wir nicht hier schreien, werden wir keine Erweckung bekommen.
Ich habe euch einen Artikel mitgebracht, den verteile ich nachher gerne. Das ist ein Artikel aus einer christlichen Zeitschrift, und der heißt Das Gebet der Gerechten. Nehmt euch den Artikel mit, lest ihn durch. Ich habe ihn gelesen, so ganz gemütlich, wie man halt so Artikel liest, ja, auf dem Balkon sitzend, ja, die Sonne brutzelt einem ins Gesicht, man denkt sich nichts Böses, und mit einem Mal trifft einen so ein Satz. Und man denkt sich: Na gut, einmal kann das passieren bei einem Artikel, das ist noch nicht dramatisch. Und das passierte mehrfach.
Ihr werdet merken, wenn ihr den Artikel lest, ihr habt dann mal einen Originalartikel, was alles unterstrichen ist. Der Wahnsinn! Und ich habe euch drei Zitate mitgebracht aus diesem Artikel.
Das erste Zitat heißt: Bei keinem Christen ist das geistliche Leben tiefer als sein Gebetsleben. Nochmal: Bei keinem Christen ist das geistliche Leben tiefer als sein Gebetsleben. Und ich glaube, dass das stimmt.
Wenn wir eine Ehe betrachten und wir erleben, dass eine Ehe, wenn die Ehepartner nicht mehr miteinander reden oder wenn sie Geheimnisse voreinander haben, dann würden wir sagen: Irgendwie funktioniert diese Ehe nicht. Eine gute Ehe ist eine, die keine Geheimnisse hat oder möglichst wenig, wo viel miteinander gesprochen wird, wo es eine Kommunikationsebene gibt. Und bei Gott ist das ganz, ganz ähnlich. Wenn wir ihm nichts zu sagen haben, dann liegt das daran, dass wir ihn entweder nicht kennen oder ihn vielleicht sogar gar nicht kennenlernen wollen. Denn wenn wir Gott kennen würden, wenn das wirklich ein Anliegen wäre, dann würden wir ihn auch ernst nehmen. Und dann würden wir auch das tun, was er uns sagt.
Mir ist, als ich darüber nachdachte, klar geworden: Ja, logisch. Menschen ohne Gebet, das sind natürlich auf der einen Seite Leute, die Gott nicht kennen, weil sie nicht mit ihm reden. Aber es sind auch Menschen ohne Gottesfurcht, es sind Menschen ohne Leidenschaft für das Reich Gottes, weil sie einfach nichts zu sagen haben, es sind Menschen ohne Überzeugungen.
Bei keinem Christen ist das geistliche Leben tiefer als sein Gebetsleben. Das hat mich getroffen.

Vorbilder, die den Weg des Gebets zeigen

Der zweite Punkt, das zweite Zitat, heißt: Jede große Bewegung, die Gott schenkte, lässt sich auf einen Beter auf den Knien zurückverfolgen.
Jede große Bewegung, die Gott schenkte, lässt sich auf einen Beter auf den Knien zurückverfolgen. Das hat Dwight L. Moody gesagt, einer von den, wir würden sagen, ganz großen Evangelisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, durch die Tausende zum Glauben gekommen sind.
Und ich denke, das macht Mut, oder? Also, mir macht so ein Satz Mut, weil ich, und dir vielleicht auch, vielleicht sagst du dir: Na ja, ich kann nicht so gut das Evangelium erklären, ich kann nicht so gut reden. Vielleicht bist du manchmal mutlos, vielleicht kränklich, vielleicht bist du in den Sachen einfach nicht so begabt. Aber eines kannst du tun: Du kannst beten.
Jede große Bewegung, die Gott schenkt, lässt sich auf einen Beter auf den Knien zurückverfolgen.
Heute gehen Tausende von Jugendlichen mit einer Missionsbewegung heraus, die heißt OM, Operation Mobilisation. Keine Ahnung, wer sich den Namen ausgedacht hat, ich fand ihn von Anfang an merkwürdig, aber OM ist ein stehender Begriff.
Wisst ihr, wie OM angefangen hat? Mit einer Frau. Dorothy Clapp betet für ihre Schule, betet dafür, dass von der Schule ihres Sohnes Heil in die ganze Welt ausgeht. Ich habe keine Ahnung, wie sie zu dem Gebetsanliegen gekommen ist. Betest du dafür, dass von der Schule deiner Kinder Heil in die ganze Welt ausgeht? Ich fand es fast ein bisschen wie ein gewagtes Gebetsanliegen.
Und dann bekehrt sich ein Mann, George Verwer, ein Schulfreund von ihrem Jungen, der spätere Gründer von OM. Und das passiert tatsächlich.
Und ich kann dir nicht versprechen, dass, wenn du jetzt anfängst zu beten, sich gleich in der Klasse deiner Kinder lauter Missionare herausbilden. Schön wär’s, das kann ich dir nicht versprechen. Aber ich kann eines sagen: Wenn du nicht betest, dann wird definitiv nichts passieren.
Jede große Bewegung, die Gott schenkte, lässt sich auf einen Beter auf den Knien zurückverfolgen. Eine einzelne unbekannte Hausfrau fängt irgendwo an zu beten, und Gott hört.

Die erste Gemeinde als Maßstab für heute

Dritter Punkt, und da möchte ich ein bisschen darauf herumreiten, weil er uns am meisten trifft: Die Urgemeinde, also die erste Gemeinde, war eine betende Gemeinde.
Ich möchte mit euch ein paar Bibelverse durchgehen. Wenn die Bibel dabei ist, mag sie einfach mal rausnehmen. Wir befinden uns hauptsächlich in der Apostelgeschichte. Wir starten einfach mal in Kapitel 2. Ich gehe fast nur bekannte Verse durch, damit wir verstehen, welche Bedeutung das Gebet unter den ersten Christen hatte.
Da heißt es in Apostelgeschichte 2,42: Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.
Gebet ist eine Säule des Gemeindelebens, und deswegen haben wir hier im Gottesdienst eine Gebetsgemeinschaft. Gebet ist nicht Kür, sondern Gebet ist Pflicht. Und wenn wir als Gemeinde einmal aufhören zu beten, wenn es uns passiert, dass in dieser Gebetsgemeinschaft, wo wir vor Gott hintreten, keiner mehr den Mund auftut oder immer nur die ewigen drei Gleichen, dann kann ich dir eines sagen: Dann sind wir tot. Dann haben wir geistlich es wirklich verranzt.
Gebet gehört einfach dazu. Und wo wir das nicht mehr tun, da zelebrieren wir noch Gottesdienst in Form eines frommen Rituals, aber es ist definitiv nicht mehr das, was Gott sich wünscht.
Nächste Stelle: Da geht es darum, dass Gebet Evangelisation vorbereitet. Da heißt es in Apostelgeschichte 4: Petrus und Johannes sind gerade wieder vom Hohen Rat freigelassen worden. Ich lese nicht den gesamten Text von Vers 24 bis 31, sondern nur den Schluss, Vers 29 bis 31:
Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden und strecke deine Hand aus zur Heilung und dass Zeichen und Wundergeschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Wir brauchen bei der Evangelisation Freimütigkeit, und wir brauchen es, dass Gott uns auf übernatürliche Weise unterstützt. Wir brauchen das einfach, weil wir es nicht sind.

Gebet im Alltag der Gemeinde und in geistlichem Kampf

Dann dachte ich, als ich das so vor Augen hatte, an eine Episode zurück, die jetzt knapp zwei Wochen zurückliegt. Ich dachte an das Burgfest. Ihr wisst, Burgfest, das war die Sache mit der guten Werkpresse. Und ich dachte an den Samstag, wie ich mich gefühlt hatte.
Ich fühlte mich ziemlich mies. Mies deshalb, weil irgendwie alles schiefgegangen war, nicht alles, aber genug. Traktate und Umschläge, die wir bestellt hatten, waren nicht angekommen. Beim Aufbau vom Stand fahre ich über ein Brett, und es zerbricht. Dann ein Wappen, das wir noch malen wollten, ist nicht fertig geworden. Es war irgendwie, äh.
Und im Verlauf des Vormittags habe ich dann angefangen, darüber nachzudenken. Und wisst ihr, ich hatte irgendwie den Eindruck: Hm, ich gebe jetzt meine Sorgen ab, das musste ich tun. Und dann habe ich mir die Frage gestellt: Reden die genug? Wir haben es ja oft genug angesagt, es ist ja nicht so, dass das Burgfest niemand wusste. Ich habe mir ehrlich die Frage gestellt: Das fühlt sich einfach nicht nach einer Aktion an, wo Leute im Gebet dahinter stehen.
Und ich kann dich jetzt nur fragen: Hast du gebetet? War das ein Anliegen, oder war das so ein Ding, na ja, mal so ein bisschen nebenbei, vielleicht auch: Soll Jürgen mal machen, der steht da am Stand mit seinen Praktikanten, wird schon werden? Haben wir das verinnerlicht, dass, wenn wir Menschen mit dem Evangelium erreichen wollen, wir an der Stelle getrennte Aufgaben haben? Die einen beten, und die anderen stehen am Stand und machen da ihren Dienst. Und wenn du die einen im Stich lässt, dann sind die wirklich im Stich gelassen, dann passiert da auch nicht viel. Weil es ist nicht so, dass wir drei, vier Evangelisten haben, die machen halt Evangelisation, und der Rest frühstückt halt. So war es nicht gedacht. Und so funktioniert Gemeinde auch nicht.
Wir stehen entweder in diesem geistlichen Kampf zusammen, oder Sie können das tatsächlich ein Stück weit auch sein lassen. Und das Gleiche gilt auch für die Partys, die wir bei Flo und Claudi feiern. Vielleicht kannst du nicht hinkommen, aber ich hoffe, du weißt, dass du dafür beten musst, weil wir dort geistliche Gespräche haben wollen. Und wenn du nicht dafür betest, aus welchen Gründen auch immer, Entschuldigung, dann kapierst du nicht, wofür Gebet da ist.
Das Gleiche gilt für den evangelistischen Hauskreis. Im Moment läuft er nicht so gut. Es kommen relativ wenige Leute, und Leute, die kommen wollen, werden wieder abgehalten. Darf ich dich fragen, wie sehr und wie intensiv es auf deiner Gebetsliste steht? Hast du verstanden, dass es eine unserer Möglichkeiten ist, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, dass es um einen echten geistlichen Kampf geht? Ohne Gebet keine Erweckung.
 Apostelgeschichte 6,4. Da geht es um die Einsetzung der Diakone, und da heißt es von den Aposteln: Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren. Gebet ist Leitungsaufgabe. Wo du in der Gemeinde Verantwortung hast, da ist Gebet angesagt. Und das gilt zuerst einmal für die Leute, die für Menschen verantwortlich sind. Wenn du Kleingruppenleiter bist, dann ist das deine Verantwortung, für die Leute in deiner Kleingruppe zu beten. Wenn du der bist, der die Kleingruppe aufnimmt, der also die Wohnung zur Verfügung stellt, dann kannst du dafür beten. Wenn du im Kindergottesdienst beschäftigt bist, dann hast du für die Kinder zu beten. Wenn du aber auch Technik machst, da kann so viel schiefgehen. Wenn du im Auf- und Abbau tätig bist, dann solltest du beten.
Überall da, wo wir Leitungsaufgaben haben, wo wir Verantwortung tragen sollen, sollen wir beten. Oder glauben wir vielleicht, dass wir bestimmte Sachen auch ohne Gottes Segen machen können? Oder ist uns die Aufgabe so wenig wichtig, dass Dienst nach Vorschrift auch funktioniert, wenn wir wirklich schlauer als die Apostel sind?
Nächster Vers, am Ende von Kapitel sieben, ist das Letzte, was Stephanus tut, beten. Und dann, Mitte Kapitel acht, ist das Erste, was die Apostel tun, sie beten für die jungen Gläubigen in Samaria. Beten wir für die jungen Gläubigen mit schöner Regelmäßigkeit? Sind sie uns ein echtes Anliegen? Haben wir verstanden, dass unser Gebet Gottes Segen in das Leben von Menschen, von jungen Menschen, hineinbringt, dass wir ihnen helfen können, ein Leben zu führen in Weisheit, in Gradlinigkeit, im Glauben, dass das unsere Aufgabe ist?
 Apostelgeschichte 11, da beschreibt Petrus, wie er berufen worden ist in die Heidenmission hinein. Und er sagt, Apostelgeschichte 11,5: Ich war in der Stadt Joppe im Gebet, und ich sah in einer Verzückung eine Erscheinung, wie ein Gefäß herabkam. Was dann passiert, könnt ihr zuhause nachlesen. Ich war im Gebet, und weil er im Gebet war, ist er für Gott ansprechbar. Haben wir das verstanden, dass, wenn wir den Willen Gottes suchen, wir vielleicht so oft nicht genau wissen, was Gott von uns will, weil wir einfach nicht genug Zeit im Gebet verbringen, wo Gott uns ansprechen kann?

Für andere einstehen und Entscheidungen vor Gott tragen

 Apostelgeschichte 12,5: Da steckt Petrus im Gefängnis. Und was macht die Gemeinde? Petrus nun wurde im Gefängnis verwahrt, aber von der Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott.
Darf ich die Frage stellen, ob wir hinter den Geschwistern, hinter den wenigen Geschwistern, die wir hier in der kleinen Gruppe sind und die in Not sind, wirklich im Gebet stehen oder ob wir sie alleine lassen? Wenn wir nicht beten, bringen wir damit zum Ausdruck, dass uns entweder an den Geschwistern nichts liegt oder dass wir nicht an die Macht des Gebetes glauben.
Haben wir verstanden, dass Gebet ein Ausdruck von Liebe füreinander ist? Ich habe manchmal den Eindruck, wir wissen mehr über Liebe, als wir tatsächlich tun.
Ich habe euch ein Beispiel mitgebracht, und dieses Beispiel heißt Thomas Richter. Ich möchte dich fragen, wie oft du für Thomas betest. Ich bin mir sicher, dass du weißt, dass Thomas’ Frau schwer krank ist, dass sie einen langsamen, grausamen, qualvollen Tod stirbt, der sich wahrscheinlich noch fünf bis zehn Jahre hinziehen wird. Ich bin mir sicher, dass du weißt, dass Thomas fast jedes Wochenende nach Itzehoe fährt, um sie zu besuchen. Und es wird dir nicht schwerfallen, dir vorzustellen, was das für sein Leben bedeutet.
Und ich möchte jetzt gar nicht die Frage stellen, ob du ihm ab und zu eine Postkarte schreibst, um ihn aufzumuntern, ob du dich nach dem Zustand seiner Frau erkundigst, ob du womöglich schon einmal bei seiner Frau warst und was man alles noch tun könnte. Ich will nur eine Frage stellen: Stehst du im Gebet hinter ihm, hinter einem Mann, den du kennst, den Gott dir als Bruder an die Seite gestellt hat und wo du weißt, ohne groß nachzudenken, dass er sehr, sehr viel mehr Gottes Weisheit und Gottes Kraft braucht als du für dein Leben?
Stehen wir wirklich dahinter?
 Apostelgeschichte 13,1-3: Es waren aber in Antiochia in der dortigen Gemeinde Propheten und Lehrer. Dann heißt es in Vers 2: Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten und beteten sie, und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie.
Ich habe darüber geschrieben: Keine große Entwicklung in der Gemeinde ohne Fasten und Beten. Das ist eine große Entwicklung, hier geht Mission los. Und ich möchte gern die Frage stellen, ob wir genug Stille zulassen in der Gemeinde, genug Gebet zulassen, um überhaupt noch auf Gott zu hören.
Wir haben Entscheidungen zu treffen. Wir werden uns nachher mit den Musikern zusammensetzen. Wir werden überlegen, wie das mit der Musik weitergehen soll. Und ich denke, wir müssen es wirklich lernen, mit einer ordentlichen Portion Gebet zu beginnen. Weil sonst wird das, was in uns drinsteckt, dieses ganz Persönliche, dieses Kleinliche, dieses Unnötige, dieses Halbherzige irgendwann anfangen, unser Gemeindeleben zu dominieren. Weil wir überhaupt nicht bereit sind, auf Gott zu hören. Weil wir uns vorschnell eigene Gedanken machen.
Weil überhaupt nicht die Stille da war, um Entscheidungen vor Gott reifen zu lassen. Weil wir aus der Hektik heraus schnell irgendetwas entscheiden und dann weiter huschen, und Verantwortung bleibt auf der Strecke.
Keine große Entwicklung in der Gemeinde ohne Fasten und Gebet.

Gebet in Not, Versuchung und geistlicher Orientierung

 Apostelgeschichte 16,25: Zwei Apostel im Gefängnis, und was lesen wir da? Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott. Und es geschah ein Erdbeben, und die beiden wurden gerettet.
Gebet brauchst du, wenn du in Not bist. Und dann fiel mir ein: Aber die Leute werden nicht immer gerettet. Es gibt ein tolles Beispiel, wo jemand nicht gerettet wird, obwohl er in Not ist, und zwar der Herr Jesus in Gethsemane.
Und wisst ihr, was das Gebet für den Herrn Jesus in Gethsemane gebracht hat? Eine Sache. Genau eine Sache. Und es ist genau die Sache, die wir dringender brauchen als irgendetwas anderes: dringender als eine Gehaltserhöhung, dringender als ein schönes Urlaubsziel, dringender als eine neue Wohnung, dringender als ein schickeres Auto, viel dringender!
Wir müssen für unser Leben, du für dein Leben, erkennen, was der Wille Gottes ist. Und Jesus betet bis an den Punkt, wo er sagen kann: Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. Er tritt vor Gott und sagt: Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Und Gott sagt nein. Und er betet so lange, bis er das annehmen kann, bis der Wille Gottes sein eigener Wille wird.
Und wisst ihr, was die Jünger machen? Ihr wisst es: Sie schlafen. Und was sagt Jesus? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt. Und sie haben es nicht getan. Und die Versuchung ist gekommen.
Und am Beispiel von Petrus wird das so herrlich deutlich. Da kommt die Versuchung, und er hat nicht gebetet. Erst macht er zu viel, haut dem armen Knecht das Ohr ab, so dass Jesus noch zusätzliche Arbeit hat, ihn wiederherzustellen. Und dann, wo es darauf ankommt, macht er kurze Zeit später zu wenig. Da sitzt er im Hof von diesem Hohenpriester, und da wird er gefragt: Du gehörst doch zu Jesus, oder? Nicht vorbereitet im Gebet, den Willen Gottes nicht kennend, verleugnet er seinen Herrn.
Es liegt an uns, ob wir durch die Versuchungen dieser Welt hindurchkommen. Der Teufel wird dir versuchen, die Beine wegzuziehen. Er wird dir die Versuchungen so präsentieren, dass du keine Chance hast. Sie werden lieb und nett, lächelnd und freundlich, quatschend daherkommen. Und entweder gehst du auf die Knie und betest so lange, bis der Wille Gottes in deinem Leben wirklich geschehen ist: Jetzt habe ich ihn, und jetzt will ich ihn leben, und jetzt habe ich die Kraft, da durchzugehen. Oder du wirst bei der Versuchung einfach untergehen. Das ist die Realität.
Und ich will euch jetzt mit Namen verschonen von Menschen, die in den letzten Jahren draufgegangen sind.

Was die Gemeinde braucht, um nicht zu erstarren

Die erste Gemeinde ist eine betende Gemeinde, und wir sind es nicht. Irgendetwas ist falsch. Die ersten Jünger sind betende Jünger, und wir sind es nicht. Und dabei gibt es viel zu danken. Und es gibt viel zu bitten.
Jetzt könnte jemand sagen: Ich weiß gar nicht, wofür ich beten soll. Ich habe die Kleingruppenleiter und im Brüderkreis die Leute mit einer SWOT-Analyse genervt. Eine SWOT-Analyse ist eigentlich ein Managementinstrument. Da schreibt man auf, was die Stärken und Schwächen einer Gemeinde sind, und was die Chancen sind und wo die Bedrohungen liegen. Und was gut läuft, dafür könnte man danken.
Wisst ihr, wofür wir danken können? Wir haben unheimlich viel zu danken. Wir können dafür danken, dass wir überhaupt noch eine evangelistische Ausrichtung haben. Wir können dafür danken, dass wir zum allergrößten Teil eine gute Gemeinschaft miteinander haben, dass wir ehrlich sein können in den Gesprächen. Das tut vielleicht manchmal ein bisschen weh, aber wir können ehrlich sein. Das ist toll. Wir können dafür danken, dass wir viele Beziehungen haben, dass wir Ziele haben, dass wir wissen wollen oder wissen, wo es hingeht.
Und wir müssen bitten, weil wir Probleme haben. Wir haben Schwächen in unserer Gemeinde, die euch auch allen klar sind. Die Eigenverantwortung von Verantwortlichen ist durchaus noch entwicklungsfähig in unserer Gemeinde. Oder unser Informationsfluss: Silvia erzählt mir ständig, ich weiß nicht. Wir werden das noch hinkriegen, wir werden daran arbeiten. Aber wir müssen dafür beten, dass das klappt. Oder dass wir Strukturen bauen, die am Ende keiner versteht, das ist irgendwie blöd. Man kann sich in den Mund fusselig reden, wir werden daran arbeiten, müssen aber dafür beten, dass unsere Kleingruppen noch nicht wirklich funktionieren, dass sie noch nicht der Ort sind, wo Gemeinschaft gelebt wird, dass das noch nicht der Ort ist, wo man sagt: Wenn man nicht hinkommt, was verpasst, war blöd, dass ich keine Zeit hatte. Da müssen wir daran arbeiten.
Dass die Begeisterung für Gemeindearbeit langsam abnimmt, das ist eine echte Bedrohung. Dass kaum Menschen zum Glauben gekommen sind in den letzten neun Monaten, ist etwas, was mich sehr nachdenklich macht.
Ich möchte euch sagen, wovor ich Angst habe. Ich habe Angst davor, dass wir uns an die Missstände gewöhnen. Man sagt das, wenn man einen Frosch nimmt und ihn in kochendes Wasser schmeißt, dass er wieder raushüpft. Aber wenn man ihn in einen Topf mit kaltem Wasser steckt und dann die Platte anmacht und langsam das Wasser erwärmt, dass man ihn zu Tode kochen kann. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich habe den Eindruck, dass viele Gemeinden zu Tode gekocht sind.
Man hat mal eine Erweckung gehabt, und Leute sind zum Glauben gekommen, und man hat sich eingesetzt für das Reich Gottes, man hat in seinem Umfeld missioniert, ein Gemeindehaus gebaut, man war selbstverständlich dabei, zu beten, Bibel zu lesen, man hat sich eingebracht. Und dann lief das so eine Weile, und irgendwann fängt das so ganz klein an. Ein bisschen Sünde, eine kleine Sorge, ein neues Hobby. Manchmal reicht es schon, wenn aus einem Studenten ein Angestellter wird, ein bisschen mehr Geld zum Ausgeben, ein paar Kinderchen. Und mit einem Mal driftest du ganz unmerklich ab. Und irgendwann gewöhnt man sich daran: Ja, es kommt kaum mehr einer zum Glauben, die Taufen werden weniger, und irgendwann tauft man nur noch seine eigenen Kinder. Dann ist die Gemeinde tot.
Es heißt dann: Verachte nicht den Tag der kleinen Dinge, Sacharja 4,10. Solange ich Christ bin, habe ich das für ausgemachten Blödsinn gehalten. Es gibt keinen Tag der kleinen Dinge bei Gott. Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Gott baut heute sein Reich in Ländern, wo es viel schwieriger ist, wo es eine muslimische Gesellschaft gibt, wo Menschen noch dafür sterben, dass sie Christen werden.
Das Problem liegt nicht bei Gott. Das Problem in Deutschland liegt bei den Christen, es liegt bei uns. Und ich möchte uns ganz ehrlich die Frage stellen, ob wir bereit sind, den Preis für eine Erweckung zu bezahlen, oder ob wir bereit sind, uns totkochen zu lassen und damit zu leben, dass wir langsam in die Fruchtlosigkeit abgleiten.
Was wollen wir? Was möchtest du persönlich? Berufst du dich vielleicht auf den Lorbeeren aus und denkst dir: Na, wir haben es doch geschafft, wir haben mit einer Gemeindegründungsarbeit hier gestartet, ich weiß gar nicht, was du willst, Jürgen, wir sind doch besser als die anderen. Stimmt! Aber es ist kein Grund, sich damit irgendwie zufriedenzugeben.

Ein letzter Ruf zu Gebet, Hingabe und Entscheidung

Wir wollen ein Lied singen, und dann möchte ich etwas vorlesen. Das Lied heißt: „Lass mir das Ziel vor Augen bleiben“.
Ich möchte euch etwas vorlesen. Bei uns sind die Gebetsstunden gewöhnlich die am schlechtesten besuchten Zusammenkünfte unserer Gemeinden. In Korea sieht das scheinbar anders aus. Dort spielt das Gebet die wichtigste Rolle im Leben der Christen. In vielen Kirchen des Landes wird jeden Morgen um fünf Uhr eine Gebetsversammlung abgehalten. Diese Gebetsversammlung findet an jedem Morgen der 365 Tage im Jahr statt. Die meisten Pastoren leiten selbst die Gebetsstunde. Gefragt, aus welchem Grund sie das tun, sind ihre Antworten treffend: Weil von dort die Kraft kommt.
Ich möchte an dieser Stelle eine Begebenheit aus René Monods Buch Koreas Beter zitieren. Die Überschrift lautet: „Der heilsame Schock“.
Nach dem koreanischen Krieg betrat ich zum ersten Mal koreanischen Boden. In Seoul eingetroffen, nahm ich mit der presbyterianischen Kirche am Südtor Kontakt auf. Ich wurde eingeladen, am nächsten Morgen bei der Gebetsversammlung eine kurze Botschaft zu geben. Gern sagte ich zu, war aber nicht wenig erstaunt, als man mir die Uhrzeit nannte: fünf Uhr morgens.
Fünf Uhr! jagte es mir durch den Sinn. Und das bei dieser Kälte? Wer wird da schon kommen?
Ich ging in mein Hotel. Um vier Uhr rasselte mein Wecker. Regen klatschte gegen mein Fenster. Die Gebetsstunde fällt aus wegen Regen, war mein erster Gedanke. Ich wickelte mich in die Decke und versuchte weiterzuschlafen. Es gelang nicht.
Du musst wenigstens dein Versprechen erfüllen und dort aufkreuzen, auch wenn nur der Pastor da sein sollte.
So zog ich mich schließlich etwas missmutig an und machte mich auf den Weg. Der Komplex der Kirche tauchte auf: ein nüchterner Bau ohne Verglasung der Fenster. Offene Höhlen starrten mich an. Durch Schnee und Regen drang es in das Innere.
Wieder sagte ich mir: Du hast den Weg umsonst gemacht. Bei dieser Kälte und Nässe geht doch morgens um fünf niemand zur Gebetsstunde.
Ich stemmte mich gegen den Wind und betrat die Kirche. Was war das? Die Augen wollten mir aus den Höhlen treten. Der Raum war vollgepackt mit Menschen. Keine Bestuhlung. Sie hockten oder knieten auf Strohmatten.
Das ist unsere reguläre Gebetsstunde, wurde mir gesagt.
Mitten in der Woche?, fragte ich ungläubig. Nicht am Sonntag, wenn die Gemeindeglieder Zeit haben?
Ja, wir kommen täglich hier zusammen, wurde mir erklärt.
Wieder verschlug es mir den Atem. Wie viele Menschen sind denn das?, wollte ich wissen.
Beinahe dreitausend, die ganze Gemeinde.
Ich war wie verstört und stellte das Fragen ein. Ich kenne keine Gemeinde in Berlin, die so betet. Und ich stelle mir ernstlich die Frage, ob das der Grund dafür ist, dass nicht einmal ein Prozent der Berliner Bevölkerung echte Christen sind.
Bist du bereit, jeden Morgen Gott dafür anzuflehen, dass in Berlin eine Erweckung geschieht? Es wäre die erste in der Geschichte Berlins, dass Menschen zum Glauben finden, dass die Gemeinde Gottes wieder gesund wird und wächst. Und das, obwohl es dich deinen Schlaf kostet, deinen Sprit kostet und dein ganzes Leben sich ein Stück weit darauf einstellen müsste.
Und jetzt versteht ihr, was ich meine, wenn ich am Anfang sage: Ich glaube, wir leben eine Lüge. Wir glauben, dass es Erweckung gibt ohne das Kreuz, Hingabe ohne Verzicht, Gottes Segen ohne radikale Abkehr von Ichsucht und Sünde.
Ich bin mir sicher: Wenn du diese Geschichte hörst und noch ein Funken vom Heiligen Geist in dir lebendig ist, dann weißt du instinktiv, dass das die Methode der Wahl ist. Dass es nur mit Gebet klappen kann. Dann spürst du förmlich, wie der Heilige Geist dich anspricht, und sofort jault in dir dein altes Ich auf: Nein, das kann doch nicht sein, das geht doch nicht.
Und als echter Spandauer, wo man nichts Besseres sein kann als ein Spandauer überhaupt als Mensch, sagt man sich natürlich: Wer ist denn Gott, dass er mir zu sagen hat, dass ich nicht aufzustehen habe?
Da kommt die Spannung hoch.
Ich möchte dich einladen zum Beten. Ich möchte dich einladen, dass wir uns treffen zum Beten. Ich will dich nicht überrumpeln ab 4. Oktober. Und ich mache es nicht um fünf, ich mache es um halb sechs. Ich bin lieb zu dir.
Ich möchte dich einladen, dass wir uns treffen zum Beten. Bis Ende des Jahres, jeden Morgen, dich mit mir zu treffen, hier unten im Kinderstundenraum. Ich bringe einen Kaffee mit, um halb sechs, für eine Stunde zum Gebet.
Und jetzt musst du in dich hineinhorchen, was jetzt alles in dir passiert. Du musst das festhalten, das, was jetzt innerlich abgeht. Auf der einen Seite vielleicht ein Stück Begeisterung: Ja, ja. Und dann dies: Nein, das kann doch nicht, das ist doch viel zu früh. Da musst du früher ins Bett gehen. Der ist doch viel zu weit weg! Da muss der umziehen. Ja, kann ich nicht fühlen. Ich habe keine Zeit. Denn drümpel dein Leben. So viel ist mir Erweckung nicht wert.
Stimmt, aber was soll ich dir sagen? Was soll ich dir dann sagen?
Weißt du, was in Korea passiert ist? Ich habe bewusst Korea gewählt, weil Korea so ein schönes Beispiel ist. Als hier die erste protestantische Gemeinde in Korea gegründet wurde, die erste Gemeinde 1884, gibt es heute 60 Gemeinden. Es gibt Gemeinden in Korea, die können wir uns nicht vorstellen, einfach der Größe nach.
Vielleicht hat der eine oder andere den Begriff Mega Church mal gehört. Also Mega Church, so ab 10. Von den elf größten Megakirchen befinden sich zehn in Seoul. Ich kann das auch nicht greifen, wenn ich dir sage, dass die größte Gemeinde in Seoul 700 Mitglieder hat, mit einer eigenen Uni, einer eigenen Zeitung, einer eigenen Radiostation.
Aber ich kann dir sagen, und das lässt sich eher greifen, dass 20 Prozent der koreanischen Bevölkerung, 20 von 48 Millionen, das sind fast zehn Millionen Koreaner, bibeltreue, bekennende Christen sind. Das sind noch nicht alle Christen, die es gibt. Es gibt 32 Prozent. Aber wenn wir jetzt nur den Teil anschauen, wo wir uns auskennen und sagen: Was ist denn aus diesen Anfängen geworden? Was passiert denn, wenn eine Gemeinde sich jeden Morgen trifft und betet? Wenn ich nicht denke, ich bin sowieso der Überbesser, ich mache es auf meine Weise, sondern wenn wir anfangen, es auf Gottes Weise zu tun, wenn wir Gottes Arbeit auf Gottes Methode bauen, dann entstehen innerhalb von nichts.
Was sind 120, 130 Jahre in der Kirchengeschichte? Das ist ein Schnips. Plötzlich hast du 20 Prozent bekennende Christen. Überleg dir das mal. 11 Missionare sind von diesem winzigen Land ausgesandt in die ganze Welt, um Gemeinden zu gründen. Es gibt nur eine Nation, die mehr Missionare ausgesandt hat, und das sind die Amerikaner. Aber die sind auch fünfmal größer oder sechsmal. Überlegt euch das!
Ich habe gelesen, in einer Zeitschrift ging es darum, wofür ich beten kann für Korea. Da sagten sie: Wenn du für Korea beten willst, bete für eine Sache. Bete, dass ihr Gebetseifer nicht aufhört, weil auch heute noch treffen sich Millionen von Koreanern morgens vor der Arbeit, um zu beten.
Als ich das las, da dachte ich mir: Klar. Wenn du für Spandau beten willst, dann bete doch, dass unser Gebetseifer wächst.
Nochmal die Frage, und ich hoffe, ihr genießt es, wie sich euer altes Ich windet und wie es nicht wahrhaben will, was ich predige, wie das einfach nicht sein kann, dass das so echt sein soll, dass es so etwas geben soll, wo Leute sich auf dieses Experiment eingelassen haben und innerhalb von zwei Generationen schon erleben durften, wie da x Millionen Leute zum Glauben gekommen sind.
Ich will dir die Frage nochmal stellen: Was willst du wirklich? Was willst du die paar Jahre, die du noch hast hier auf der Erde? Das ist ja nun nicht wirklich viel. Was möchtest du erreichen? Was bist du bereit zu investieren, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, um Gott aus Liebe und Dankbarkeit dein eigenes Leben zurückzugeben? Bist du bereit, ernsthaft zu beten?
Ich lade dich ein. Ab 4. Oktober, 5.30 Uhr, sieben Tage die Woche. Ich bereite es vor, du musst nur da sein.
Und wisst ihr was? Ich möchte das gern bis Weihnachten machen. Und wenn Gott unser Gebet nicht bis Weihnachten erhört, wenn sich nicht irgendetwas wie Erweckung abzeichnet unter uns, sei es, dass wir erweckt werden oder dass Leute wirklich zum Glauben kommen, was wir uns ja eigentlich wünschen, dann lasst uns bitte ernstlich darüber nachdenken, woran diese geistliche Fruchtlosigkeit liegt. Dann lasst uns auch ernstlich darüber nachdenken und nüchtern sein, warum das so ist, ob Gott uns vielleicht nur Geduld beibringen will oder ob wir vielleicht für den Job die Falschen sind. Das kann nämlich auch sein.
Und ich will ganz deutlich sagen: Für ein bis zwei Bekehrungen im Jahr ist der Aufwand für eine Gemeindegründungsarbeit mir zu viel. Wenn wir hier einen Club der frommen Kuschelchristen aufbauen und wir haben uns alle so lieb, oder wenn wir einen postmodernen Kulturprotestantismus entwerfen, oder wenn ihr glaubt, dass ihr nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dafür seid, dass ich einen Job habe, dann bin ich dazu nicht bereit.
Ich will dieses Experiment wagen. Ich möchte ein Stück weit, und jetzt muss man vorsichtig formulieren, Gott auf die Probe stellen. Aber Gott sagt das am Ende von Maleachi im Blick auf Geld. Da sagt er: Bring den Zehnten in mein Vorratshaus und schau, ob ich nicht den Himmel aufmachen kann und Segen ausgießen kann im Überfluss.
Und ein Stück weit möchte ich das auf Gebet übertragen. Und vielleicht lasst ihr euch ansprechen. Lasst uns beten und schauen, ob Gott nicht in unserem Leben Erweckung schenken kann und dann einen Schritt weiter gehen kann, dass durch uns Menschen zum Glauben finden.
Aber so, wie es im Moment läuft, ist es nichts. Kein Gebet ohne Erweckung. Als die Gemeinde in Jerusalem betete, da bebte die Erde. Und die Frage ist: Glaubst du, dass du mit deinem Gebet Spandau zum Beten bringst?
Dann lasst uns mal ein paar Lieder singen und Gott anbeten!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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