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Die Gerechtigkeit ohne Gesetz

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 13/33
27.04.2025Römer 3,21-24
SERIE - Teil 13 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Warum reicht es nicht, einfach nur „gut“ zu sein oder Gesetze einzuhalten? Die Bibel zeigt: Menschen sind grundsätzlich fehlbar und können sich nicht aus eigener Kraft vor Gott rechtfertigen. Doch es gibt eine Wendung: Wahre Gerechtigkeit kommt nicht durch Werke, sondern durch Glauben an Jesus Christus – ein Geschenk Gottes, das schon im Alten Testament verheißen wurde. Wie kannst du diese Gerechtigkeit selbst erfahren?

Guten Morgen, liebe Gemeinde. Ich wünsche euch einen reich gesegneten Sonntag.

Wir kommen von Ostern her und erinnern uns noch an die wunderbaren Predigten an Karfreitag und am Ostermorgen. Nun möchte ich euch daran erinnern, dass wir in unserem wunderbaren Römerbrief weitermachen wollen. Wir möchten Gottes Wort aus diesen Texten zu uns sprechen lassen.

Deshalb lade ich euch ein, aufzustehen und mit mir einen Abschnitt zu lesen. Ihr habt eure Bibeln dabei. Falls nicht, schaut gerne bei eurem Nachbarn hinein. Es ist gut, wenn wir die Texte vor Augen haben, denn wir halten es so, dass wir nach Möglichkeit an diesen Texten der Heiligen Schrift entlang predigen.

Wir wollen unbedingt nicht unsere eigenen Ideen verkündigen, sondern die Botschaft des Bibeltextes zur Geltung bringen. Wir möchten hören, was Gott sagt, nicht, was der Pastor sagt. Deshalb achten wir auf jedes Wort und jeden Satz, sowohl einzeln als auch im Zusammenhang.

Einführung in die Predigt und Lesung des Römerbriefs

 Römer 3,21-24

Nun aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden. Diese wird von dem Gesetz und den Propheten bezeugt. Es ist die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die allen gilt und auf alle kommt, die glauben.

Denn es gibt keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes. Deshalb werden sie ohne Verdienst gerechtfertigt, durch seine Gnade, aufgrund der Erlösung, die in Jesus Christus ist. Amen.

Wir nehmen Platz.

Ihr erinnert euch, liebe Geschwister, Paulus hat in den vorhergehenden Versen unmissverständlich den Grundzustand aller Menschen vor Augen geführt. Er schrieb: Sie sind alle unter der Sünde, sie sind alle verdorben.

Um uns das noch einmal in Erinnerung zu rufen, lesen wir gerne noch einmal die Verse 10 bis 18 zusammengefasst:

Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Es ist keiner, der verständig ist oder nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und taugen alle zusammen nichts. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.

Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit. Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend kennzeichnen ihren Weg, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.

Die menschliche Natur und die Grenzen des Gesetzes

Das ist die totale Verdorbenheit des Menschen, seine grundsätzlich bösartige Natur, aus der er sich nicht befreien kann. So wie ein Raubtier sich das Jagen nicht abgewöhnen kann, so kann der Mensch nicht aufhören zu sündigen. Geht nicht.

Wir kennen das etwas leichtere Sprichwort: Die Katze lässt das Mausern nicht. Es liegt in ihr, es ist ihre Natur. Und der Mensch lässt das Sündigen nicht, er lässt die Bosheit nicht – das ist seine gefallene Natur.

Der Mensch kann nicht aufhören zu sündigen, auch nicht, wenn man ihm das Gesetz vor Augen hält. Durch Verbote ist noch nie ein böses Herz verändert worden. Sie können helfen, die Auswüchse des Bösen zu begrenzen. Das versucht unser Staat. Wenn die Kriminalität überhand gewinnt und die innere Sicherheit in unserem Land leidet, dann versucht man gegenzusteuern – mit schärferen Gesetzen und mit mehr Überwachungskameras.

Aber ändert das das Wesen und das Herz unserer Gesellschaft? Nein. Der Mensch bleibt derselbe, er wird nur äußerlich gebremst, weil er nicht mehr so kann, wie er eigentlich ist. Und das ist die Hilflosigkeit auch von Obrigkeiten: Sie kriegen den Menschen nicht in den Griff.

Wirklich ein anständiger Mensch zu sein, das steckt tief in uns. Gesetze – mit Gesetzen kann man die Symptome behandeln, aber man kann mit ihnen nicht die Ursache des Bösen beseitigen. Das ist auch der Fall mit dem Gesetz Gottes. Es kann Sünde eindämmen, aber es kann nicht von Sünde erlösen.

Wir sind außerstande, durch das Halten der Gebote uns vor Gott angenehm zu machen. Denn selbst wenn unsere Taten äußerlich okay sind und wir ein feines polizeiliches Führungszeugnis bekommen, bleibt unser Herz vor Gott dennoch böse. Die Bibel sagt: von Jugend auf böse.

Darum hat Paulus einen Vers zuvor geschrieben, Vers 20 hier vor unserem Text: „Aus Werken des Gesetzes kann kein Fleisch“, das heißt kein natürlicher Mensch, vor Gott gerechtfertigt werden, „denn durch das Gesetz kommt lediglich Erkenntnis der Sünde“. (Römer 3,20)

Das Gesetz macht die Sünde bewusst, kann sie aber nicht besiegen

Ich erinnere mich, dass ich das vor Jahren schon einmal erzählt habe. Als ich noch zur Schule ging in Wandsbek, bin ich mit dem Fahrrad von Bildstedt dorthin gefahren. Dabei habe ich eine Rasenfläche gesehen, über die man quer fahren konnte. Es gab schon eine ausgetretene Spur, und ich bin immer über dieses Privatgrundstück gefahren, um den Weg abzukürzen.

Eines Morgens sah ich dann ein Schild, das vorher nicht da gewesen war: „Betreten und Befahren verboten.“ Nun, ihr dürft raten, ob ich seitdem nicht mehr darüber gefahren bin. Meine Sünde habe ich alle bekannt. Jetzt fange ich an, mich zu rechtfertigen. Genau darum geht es, worüber wir sprechen.

Ich sage nun: Naja, ich war ja jung, und das Gesetz – das Verbot, dort zu fahren – hat mir die Sünde bewusst gemacht. Durch dieses Schild kam die Erkenntnis, dass ich etwas falsch mache. Innerlich wusste ich das schon immer, aber das Gesetz hat mich noch einmal darauf aufmerksam gemacht. Ich weiß, ich bin vielleicht vier- oder fünfmal fein brav außen herum gefahren.

Irgendwann kam dann wieder spät der Moment, und zack, die alte Gewohnheit war wieder da. Das Gesetz hat mir nicht geholfen. Durch das Gesetz können wir lediglich Sünde erkennen, aber es ist keine Kraft in ihm, die Sünde in unserem Leben auszutilgen.

Demzufolge, liebe Gemeinde, Freunde und alle, die es hören: Es ist in der Tat so, wir sind wirklich verloren, absolut ohne Hoffnung. Wir haben keine Kraft. Auch das Gesetz hat keine Kraft. Unser Zustand, dein Zustand vor Gott, ist aussichtslos. Das ist die Botschaft des Apostels bis hierhin, an Juden und Heiden gerichtet.

Die große Wende: Gerechtigkeit außerhalb des Gesetzes

Umso erstaunlicher sind nun die nächsten Worte des Apostels. Wie beginnen sie? Schau in deine Bibel, Vers 21: „Nun aber“. Dieses „Nun aber“ kündigt die große Wende im Römerbrief an. Jetzt sind wir bei der entscheidenden Wendung angekommen.

Bisher wurde eine Diagnose des Menschen gestellt. Unser Zustand wurde analysiert: verloren, verdorben, hoffnungslos, aussichtslos, verdammt. Doch „nun aber“ – ab hier geht die Sonne auf, liebe Gemeinde. Hier beginnt die frohe Botschaft, das Evangelium.

Wie sagt es Vers 21? „Nun aber“ oder „jetzt aber“ ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden. Innerhalb des Gesetzes erreichen wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht. Aufgrund guter Werke gibt es innerhalb des Gesetzes keine Annahme bei Gott. Aber außerhalb des Gesetzes gibt es eine Gerechtigkeit, die wir brauchen – eine Gerechtigkeit, die unabhängig vom Gesetz ist.

Das war ein großer Anstoß, ja sogar eine Lästerung für die Juden. Wie konnte sich der jüdische Gelehrte Saulus, jetzt Paulus, dazu hinreißen lassen, ein Heil außerhalb des Gesetzes zu verkündigen, ohne die Mittlerschaft des auserwählten Israels? Ein Heil außerhalb des jüdischen Systems, ohne Mose? Das war keine Reformation, das war eine Revolution. Für die religiöse Elite Israels war das Häresie, Irrlehre.

Da kommt einer daher und sagt: Das Gesetz, das Judentum, Mose, der Pentateuch – alles ist gut, aber es bringt keine Rettung. Das Heil ist außerhalb von all dem: außerhalb von Zeremonien, Opfern, Zeichen und Speisegesetzen, und wie das alles heißt – außerhalb des ganzen religiösen Systems.

„Nun aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden.“ Paulus lässt sich nicht einschüchtern, sondern führt den Kampf. Bis zum Ende des Briefes, bis zum Ende aller seiner Schriften hält er durch: Jetzt ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit offenbar. Außerhalb aller Zeremonien, Religionen, guten Werke, Moral und Ethik, Erziehung, Zivilisation, Bildung, Kultur, menschlichem Fleiß und Ehrgeiz – nur außerhalb des Gesetzes findest du die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Wow, wo hat Paulus das her? Die Juden meinten, er habe diese neue Gerechtigkeit außerhalb des Gesetzes selbst erfunden. Aber der Apostel sagt: Nein! Er schreibt: „Guck mal weiter hinein: ‚Nun aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden und nun, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird‘.“ Unglaublich!

Er sagt, dieses Heil außerhalb des Gesetzes kommt nicht von ihm. Dieses Heil außerhalb des Gesetzes bezeugt das alte Gesetz selbst. Es kommt von den alten Propheten. Es ist nicht neu, und doch ist es neu.

Die Bestätigung der Gerechtigkeit im Alten Testament

Diese neue Gerechtigkeit stammt aus der alten jüdischen Bibel, aus dem Alten Testament, dem mosaischen Gesetz. Schon dort wird die Gerechtigkeit Gottes verkündigt, die außerhalb des Gesetzes liegt. Auch die Propheten im Alten Testament haben diese Gerechtigkeit verkündet.

Damit macht Paulus klar: Das Evangelium ist keine Verlegenheitslösung, weil das mit dem Gesetz nicht geklappt hat. Es ist kein Plan B, der jetzt aufgerufen werden muss, weil das Heil durch das Gesetz fehlgeschlagen wäre. Nein, die Gerechtigkeit unabhängig vom Gesetz war Gottes ewiger Ratschluss. Deshalb spricht auch das Alte Testament schon von ihr.

Die Lehre von der gesetzesfreien Gerechtigkeit stammt also nicht von Paulus, sondern aus den fünf Büchern Mose und den Propheten. Um das zu zeigen, müsste man ausführlich durchs Alte Testament gehen und belegen, wie es voll davon ist, zu bezeugen, dass es keine Gerechtigkeit durch das Gesetz gibt, sondern nur außerhalb des Gesetzes.

„Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ Wovon reden die ersten Blätter der Bibel? Von Jesus, dem Gekreuzigten, der die Macht Satans besiegt. Wie wahr wurde dieser Satz, als Jesus am Kreuz der Schlange den Kopf zertrat!

Denken wir an das Opfer Abels, das uns ebenfalls Gerechtigkeit außerhalb von Werken verkündigt. Erinnern wir uns an die Opferung Isaaks durch Abraham. Schon damals hieß es, dass sein Glaube und nicht seine Werke ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurden.

Denken wir an die Stiftshütte und später den Tempel mit seinen vielen Ritualen. Diese sind alle Gleichnisse von Christus, dem allein gültigen Opfer für unsere Sünden. Ihr erinnert euch, wie wir das zweite Buch Mose durchgenommen haben.

Noch heute wird das auf Bibel TV und anderen Fernsehsendern ausgestrahlt. Wir erhalten wunderbare Zeugnisse und Rückmeldungen, dass die Menschen dankbar sind, jetzt zu verstehen, was das zweite Buch Mose eigentlich bedeutet. Es predigt das Evangelium.

Die berühmte Stelle, die Christian zum Abendmahl oder an Karfreitag gelesen hat, lautet: „Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten. Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird mein Knecht der Gerechte viele gerecht machen, und ihre Sünden wird ertragen.“

Es heißt nicht, das Gesetz werde viele gerecht machen, oder dass sie durch Gesetzestreue gerecht werden. Nein, „mein Knecht, der Gerechte, wird viele gerecht machen und ihre Sünden tragen“, steht in Jesaja.

Er wird viele gerecht machen. Die Verheißung lautete schon damals nicht, dass eure Gesetzestreue, eure Tugenden oder eure Anständigkeit euch retten werden. Nein, mein Knecht, Jesus, wird euch gerecht machen.

Jeremia fasst es kurz zusammen (Jeremia 23,5-6): „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich David einen gerechten Spross erwitten. Und das ist der Name, den man ihm geben wird: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“

Die Freude über die Gerechtigkeit in Jesus

Jetzt fange ich an zu jubeln. Hier kommt Freude auf. Nicht im Gesetz findest du deine Gerechtigkeit, nicht in deinen Taten, in deinen Rechtfertigungen, in deinem Gutsein oder in deinem Tun.

Das Alte Testament, das Gesetz und die Propheten lehren, dass Heil die Gerechtigkeit Gottes außerhalb des Gesetzes liegt. In Jeremia 33,16 heißt es: „In jenen Tagen wird Juda gerettet werden und Jerusalem sicher wohnen, und mit diesem Namen wird man sie benennen: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“

Ich finde, jetzt ist es an der Zeit, dass wir es gemeinsam bekennen. Wer kann heute Morgen bekennen, dass der Herr seine Gerechtigkeit ist? Darf ich mal eure Hände sehen? Steht mal zusammen auf!

Und jetzt rufen wir es ins ganze Land hinaus, zu unseren Freunden am Livestream, zu allen, die irgendwie mit uns zu tun haben. Sie sollen hören: Der Herr ist meine Gerechtigkeit! Noch einmal: Der Herr ist meine Gerechtigkeit! Zum dritten Mal: Der Herr ist meine Gerechtigkeit. Halleluja, Amen!

Das ist Gewalt. Das ist die Botschaft für uns. Das ist die Botschaft: Nicht im Buchstaben finden wir Gerechtigkeit, sondern in Jesus.

In Jesaja 45 heißt es: „In dem Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke, zu ihm wird man kommen.“ „In dem Herrn wird gerechtfertigt werden und sich rühmen der ganze Same Israel.“

Ihr Schriftgelehrten, ihr Judaisten, ihr wollt Paulus nicht verstehen? Dann schaut in euer altes Buch! Die Gerechtigkeit außerhalb des Gesetzes ist bezeugt worden durch das Gesetz und durch die Propheten.

Die Bedeutung des Alten Testaments für das Evangelium

Wir verstehen das Alte Testament nicht, liebe Freunde, wenn wir Jesus als unsere Gerechtigkeit in ihm nicht bereit sehen.

Es gibt Christen, die begnügen sich mit dem Neuen Testament in Form von Pocket-Ausgaben, sozusagen als „Taschentestament“. Sie meinen, das Alte Testament sei nicht nötig. Einige glauben sogar, das Neue Testament stehe im Gegensatz zum Alten. Im Alten Testament zeige sich ein zorniger Gott, aber im Neuen endlich ein barmherziger. Deshalb lassen sie das Alte lieber weg.

Welch ein tragischer Irrtum! Du brauchst nicht nur einen Teil der Bibel, sondern die ganze Bibel, das gesamte Buch. Die Heilsgeschichte Gottes beginnt nicht erst bei Matthäus, sondern schon bei Mose.

Willst du das Evangelium in seiner vollen Kraft und Herrlichkeit erfassen, dann lies das Alte Testament und lerne, wie das Neue aus ihm hervorsprießt. Das Alte Testament ist die Verheißung, das Neue Testament die Erfüllung.

Deshalb schreibt Paulus in unserem Vers 21: „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird.“ (Römer 3,21)

Die Grundlage der Gerechtigkeit: Jesus Christus

Es ist wichtig zu wissen, worin die vor Gott gültige Gerechtigkeit besteht und worauf sie gründet, wenn sie nicht auf unserer Gesetzestreue basiert. Welches ist dann ihre Grundlage?

Die Antwort lautet: Jesus Christus. Das haben wir bereits gemeinsam festgestellt. Er hat ein tadelloses, heiliges und reines Leben geführt. Er war und ist der Gerechte Gottes. Diesen Gerechten schenkt Gott dir.

Wenn du heute zum ersten Mal hier bist oder dem Glauben gegenüberstehst – und zwar dem biblischen Glauben, nicht dem allgemein verbreiteten christlichen Glauben, sondern dem biblischen Glauben – und wenn du in deinem Herzen diesem Glauben nicht verbunden bist, dann fragst du dich vielleicht: Wie kann ich selig werden? Wie kann ich den Himmel bekommen? Wie kann ich vor Gott bestehen?

Dann brauchst du keine religiösen Riten oder Gesetze, egal aus welcher Religion. Du brauchst nur eine Person: Jesus Christus.

Deine Ungerechtigkeit, deine Sünde und Verschuldung nimmt Gott dir ab und legt sie auf seinen Sohn Jesus. Seine vollkommene Gerechtigkeit wiederum legt Gott auf dich.

Das Böse nimmt er von dir und überträgt es auf seinen geliebten Sohn. Das Gerechte von Jesus legt Gott auf dich.

Deshalb musste Jesus um deiner Sünden willen leiden und sterben. Und du darfst um seiner Gerechtigkeit willen leben.

Er hat dich erlöst – du bist frei! Welch ein herrlicher Tausch!

Die wahre Bedeutung des Todes Jesu

Lass mich hier kurz einschieben: Oft wird sehr sentimental vom Tod Jesu gesprochen. Das haben wir jetzt auch wieder gesehen, sogar am Freitag und an Ostern, bei all den Prozessionen und Feierlichkeiten, die hin und her dargeboten wurden. Man gibt Mitleid mit Jesus vor. So hört man zum Beispiel, er sei zu gut für diese Welt gewesen. Darum hätten böse Menschen den Armen getötet. Andere sagen, er sei lediglich aus Solidarität mit den Armen und Unterdrückten gestorben – eine These, die heute vielfach gepredigt wird.

Wer aber den Tod Christi so wertet, hat die frohe Botschaft des Evangeliums überhaupt nicht verstanden, auch wenn er sehr viel Sympathie für den dornengekrönten Herrn hat. Es gibt Millionen von Menschen, die vor einem Kruzifix mit Dornenkrone und blutendem Haupt und Leib knien. Aber sie wissen nicht wirklich, sie fühlen Mitleid, sie fühlen sich hingezogen. Doch dieser Tod Jesu hat keine wirklich erlösende Botschaft für sie.

Das Leiden und Sterben Christi war auch keine zufällige Verkettung tragischer Umstände oder ein unglücklicher Justizirrtum. Nein, die Kreuzigung Christi war Vorsatz Gottes, eine Absicht zugunsten verlorener Sünder. Ich habe mir das fett in meinem Konzept notiert. Deshalb ist der Tod Christi auch unvergleichlich und einzigartig in der gesamten Menschheitsgeschichte.

Es ist nicht zulässig, Christus einfach mit Märtyrern zu vergleichen, die für soziale, friedliche oder sonstige gute Sachen gestorben sind. Jesus ist nicht für irgendeine gute Sache gestorben, sondern er ist stellvertretend für Sünder gestorben – stellvertretend für dich, der du glaubst. Die Strafe liegt auf ihm, die dir gehörte, damit du Frieden hast.

Im 2. Korintherbrief schreibt Paulus: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden (2. Korinther 5,21). Jesus Christus allein ist deine Gerechtigkeit, dein Heil, dein Friede.

Die neue Gerechtigkeit durch Glauben an Jesus

Worin besteht diese neue, alte Gerechtigkeit? Sie beruht nicht auf etwas, das wir tun, sondern auf Jesus. Gott hat ihn für uns zur Gerechtigkeit gemacht. Er allein ist unsere Gerechtigkeit.

Wie lautet die Eintrittskarte zum Himmel? Jesus Christus! Deine Kirchenmitgliedschaft oder Archenmitgliedschaft nützt dir nichts. Wenn du Jesus nicht hast, ist alle Religion vergeblich.

Jesus ist unsere Gerechtigkeit. Zum Schluss möchten wir auch noch auf die Taufe eingehen. Dabei möchte ich noch erklären, wie die Gerechtigkeit Gottes zu dir kommt. Das steht ebenfalls in unserem Text.

Die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben

Aber außerhalb des Gesetzes ist die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden, die vom Gesetz und den Propheten bezeugt wird. Jetzt aber kommt die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die allen gilt und auf alle kommt, die glauben.

Biblischer Glaube ist weniger – ich würde fast sagen gar nicht – eine intellektuelle Zustimmung zu Gott und Jesus. Vielmehr ist biblischer Glaube ein tiefes Vertrauen, wie ein Kind zu seiner Mutter. Wir hatten drei Kinder, als sie noch Babys waren, ganz klein. Ich kann mich nicht erinnern, dass Gertrud jemals gefragt hat: „Vertrauen die Kinder mir auch?“ Das haben sie einfach getan. Dieses Vertrauen war ihnen sozusagen in die Wiege gelegt. Sie wussten: Mama wird uns nicht vergiften.

Glaube ist ein festes Vertrauen auf Gottes Zusage. Wenn dein Herz jetzt aufrichtig sagen kann: „Ja, ich glaube, dass Christus meine Gerechtigkeit ist“, dann ist sie dir offenbar geworden, wie Paulus formuliert. Darüber könnte man eine ganze Predigt extra halten.

Dann siehst du dein immer wiederkehrendes Versagen. Die Flickschusterei deiner vergeblichen Bemühungen, ein gelingendes Leben zu führen, ein guter Mensch, ein guter Christ zu sein. Du erkennst deine Fehler, deine Versäumnisse, wie alles fehlt. Du stehst vor dem Scherbenhaufen deiner eigenen Bemühungen und bist kaputt – von der Psyche bis hin zu deinen Organen.

Du schaffst es nicht, die Anfechtungen zu überwinden, und fällst immer wieder in dieselbe Sünde hinein. Du verzweifelst an dir selbst. Gut so, so muss es sein.

Eine langjährige Glaubensschwester fragte mich auf ihrem Sterbebett: „Bruder, wenn ich jetzt die Augen zumache, wird Gott auch mit mir zufrieden sein? War ich treu genug?“ Ich glaube, das wird alles nicht ausreichend sein. Wenn sie auf ihr Leben zurückblickte, wie viel – ich weiß nicht – hat sie Mist gebaut, wie verfehlt vieles gewesen ist.

Dann seufzte sie und sagte: „Bruder, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich auf Jesus zu verlassen.“ Das strahlte ihr Gesicht aus. Genau das ist es – das ist Gottes Gerechtigkeit, die einer Seele offenbart wird: „Mir bleibt ja nichts anderes übrig.“ Denn ich kann ja gar nichts mehr tun. Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als mich nur noch auf Jesus zu verlassen. Halleluja!

Das Gospel, das ist Evangelium, das ist Friede!

Ich möchte einladen, heute zu kommen. Hier sind Teuflinge, sie sind zu Jesus gekommen. Er ist eure Gerechtigkeit. Ihr seid angekommen im Heil und in Gottes Erlösung. Herzlich willkommen! Hier sind andere, komm du doch auch zu deinem Herrn.

Weißt du, wenn Jesus deine Gerechtigkeit ist, dann kannst du aufhören mit all deiner Selbstrechtfertigung. Wenn Jesus deine Gerechtigkeit ist, dann brauchst du nicht mehr zu kämpfen und immer anderen die Schuld zu geben, weil du gut dastehen musst.

Aber es ist schlimm, wenn Menschen versuchen, ihre Schuld zu verdrängen. Psychologen sagen: „Du brauchst das nicht, du hast es gar nicht getan, es war alles gar nicht so schlimm, du bist ein guter Mensch.“ Du bist nicht zufrieden. An dieser Lüge gehst du zugrunde.

Du musst auch nicht sagen: „Ja, da war so ein Verkehrsstau und deswegen bin ich zu spät gekommen.“ Du kannst einfach sagen: „Ich bin zu spät losgefahren. Ja, ich habe es nicht richtig gemacht.“

Du kannst dich auf Gottes Gerechtigkeit in Jesus Christus verlassen.

Die Befreiung von Schuld durch das Evangelium

Der Enkelsohn einer älteren Glaubensschwester hatte sich vor den Zug geworfen, und die Oma verfiel in schwere Schuldgefühle. Sie meinte, eine Mitschuld an seinem Tod zu tragen, weil sie ihm nicht genug Liebe und Zuwendung gegeben hatte.

Diese Schuldgefühle drückten sie so sehr nieder, dass nur wenige Tage später ihr Herz versagte und sie infolge ihrer Schuldgefühle starb. Sie konnte sich davon nicht befreien.

Wenn diese liebe Seele doch fester das Evangelium hätte umklammern können, worüber wir heute gesprochen haben, wenn sie das Geheimnis der Rechtfertigung in Christus klarer verstanden hätte, dann hätte sie trotz aller berechtigten Traurigkeit über den Tod ihres Enkels die Sache in Gottes Hand legen können. Sie hätte sich samt der inneren Anklage in die Gerechtigkeit Gottes in Jesus hineinfallen lassen können.

Wäre diesem alten Mütterchen das Evangelium mehr in Fleisch und Blut übergegangen, dann hätte sie sich auch in den Tagen ihrer großen inneren Not in die Arme Jesu fallen lassen und in dessen Gerechtigkeit geborgen sein können. Denn diese Gerechtigkeit schützt dich vor aller Anklage und Beschuldigung.

Wer will gegen die Auserwählten Gottes kommen? Im Römerbrief Kapitel 8 heißt es: Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der rechtfertigt. Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist, ja, mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes sitzt und uns vertritt.

Du hast viel Schuld und Versäumnis auf dich geladen, und Menschen machen dir Vorwürfe, stimmt das? Sie geben dir die Schuld an allem, was schiefgelaufen ist. Und der Teufel versteht es auch, dich fertigzumachen. Du bist es gewesen, du hast Schuld.

Dann beschuldigst du dich auch noch selbst und sagst: Ja, ich habe dir diesen ganzen Mist angerichtet. Doch nur einer ist da, der dich nicht beschuldigt. Und das ist dein himmlischer Vater, der in Jesus Christus ein Sühnopfer für dich bereitet hat, sodass es an dir nichts mehr zu mäkeln gibt.

Deshalb gibt es nichts Verdammliches mehr für die, die in Jesus Christus sind. Glaube an diesen Heiland! Verwirf deine Eigengerechtigkeit, deine Selbstgerechtigkeit, zerbrich vor Gott und wirf dich mit allem, was du bist und hast, in die Arme seiner Gerechtigkeit. Dann ist deiner Seele geholfen. Halleluja! Und alles Volk sagt: Amen!

Stehen wir auf! O Herr, wie herrlich, was für eine Botschaft! Nun aber, nun aber ist außerhalb vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden.

Danke, Herr, die Gerechtigkeit Gottes, die schon im Gesetz und in den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied.

Ich danke dir, Herr, dass du heute durch dieses dein Wort ein großes Heil wirkst. In Jesu Namen, Amen.