Petrus: Ein Alpha-Tier, das sich etwas sagen lässt
07.09.2009
Serie•Teil 8 / 9Männer...
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Einleitung: Warum diese Gestalt so faszinierend ist
Um es kurz und schmerzlos zu machen, möchte ich heute mit euch über Petrus nachdenken. Petrus ist so eine der Gestalten in der Bibel, bei der ich ehrlich sagen muss: Ich bin froh, dass es sie gibt.
Es gibt wahrscheinlich zwei solcher Gestalten in der Bibel. Das eine ist Abraham, der Vater im Glauben, der ständig alles falsch macht, wofür ich echt unglaublich dankbar bin. Denn wenn Abraham so der geistliche Überflieger gewesen wäre, wenn man gesehen hätte: Der hat einfach alles, der hat Glauben, der macht keine Fehler, der hat immer die richtigen Antworten, so der geistliche Superheld, dann würde ich mich irgendwie noch schlechter fühlen.
Und so ein ähnlicher Typ ist Petrus. Petrus hat, wenn man ihn sich in der Bibel anschaut, irgendwie zwei Seiten. Das ist wie so eine Münze, die man von zwei Seiten anschauen kann. Und beide Seiten sind für sich genommen irgendwie toll.
Wir neigen, glaube ich, alle irgendwie dazu, dass wir Helden suchen. Helden, bei denen man sagt: Boah, schaut euch den an. Und diese Seite wird von Petrus voll abgedeckt. Also Petrus, ihr kennt den, man könnte sein Leben unter die Erfolgsgeschichte packen: vom Bootsbesitzer zum Papst.
Das mit dem Papst ist ein Scherz. Der wollte natürlich nie Papst sein. Aber da ist ein No-Name irgendwo am hinteren Ende des Römischen Reiches, an so einem kleinen See, der für genau eine Sache in der damaligen Zeit bekannt war, nämlich für die Qualität seiner Fische. Da gibt es einen, der sich darauf eingelassen hat, diese Fische zu fangen und wahrscheinlich auch zu exportieren. Aber man kennt ihn eigentlich nicht. Er ist einer von vielen, die da ihre Boote haben, vielleicht ein paar Angestellte, die jeden Tag rausfahren, wieder reinkommen, mal etwas gefangen haben, mal nichts gefangen haben. Na ja, halt ein No-Name, einer wie zigtausend Fischer auf dieser Welt sonst noch.
Und dieser No-Name wird innerhalb von, na ja, so über den dicken Daumen gepeilt, dreißig, vierzig Jahren zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten und wahrscheinlich auch einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Das ist schon faszinierend. Vom No-Name zum Apostel.
Mich hat immer interessiert: Was macht diese Erfolgsgeschichte eigentlich aus? Ich glaube, dass jeder, der hier sitzt, sagt: Ich wünsche mir auch so etwas. Ich wünsche mir, dass ich, wenn ich hier abtrete, dass man danach sagt: Es war gut, dass er da war. Ja, nicht, dass dann die Leute an meinem Grab stehen und sagen: Bloß gut, dass er weg ist. Das wäre irgendwie schlimm. Bei Petrus kann man heute noch sagen: Bloß gut, dass er da war.
Und ich denke, es sind zwei Seiten, die sein Leben besonders herausragend machen. Die eine Seite, das ist die Seite Geradlinigkeit, möchte ich das mal nennen. Geradlinigkeit: Petrus ist so ein Stückchen der, der vorneweg geht. Deswegen heißt in meinem Titel das Wort Alphatier. Ihr wisst, was ein Alphatier ist? Also ich bin ein Alphatier. Ja, du kannst mich in die Gruppe reinstellen, und ich werde nichts sagen, und irgendwann, ey, ich brauche nichts machen, irgendwann stehe ich irgendwie doch in Leitungsverantwortung. Da rutscht man so fast automatisch rein. Das ist irgendwie so wie ein Fluch oder wie ein Schicksal.
Ja, das sind diese Typen, die sagen: Ach, da gibt es Arbeit? Ja, mach ich, mach ich, mach ich, erledige ich. Und so dieses Vorneweg, so diese Mischung aus: Da ist jemand mutig, da ist jemand vielleicht auch an einer Stelle forsch, wo man sagt: Hast du nicht nachgedacht, Freund? Stimmt, hab ich nicht, aber machen wir erst mal. Da ist jemand tatkräftig, da ist jemand bereit, etwas zu wagen. Und so ein Typ ist Petrus.
Ich gehe mit euch einfach mal neun Stellen in seinem Leben durch, die das zeigen sollen, ganz fix. Und wer keine Bibel hat, lasst euch eine geben, sofern ihr schnell seid im Aufschlagen. Ansonsten hört einfach zu, einfach mal dieses Geradlinige, dieses Vorneweg und auch so ein Stückchen dieses radikale Moment, wo man sagt: Boah, was für ein Mann, der in den Augen von Müttern Paulus zum Traumschwiegersohn avanciert. Solche Stellen wollen wir uns jetzt anschauen.
Die eine Seite der Medaille, eigentlich nicht die, um die es mir heute hauptsächlich geht, aber man muss sie zumindest kurz gesehen haben. Wir fangen an in Lukas 5. Da heißt es in Vers 8, und es ist die Geschichte, wo Jesus sich das Boot von Petrus ausleiht, rausfährt, predigt, reinkommt, sagt: Komm, fahr noch mal raus. Und Petrus dann so auf seine Art sagt: Das macht jetzt nicht so viel Sinn, weißt du, wir waren schon die ganze Nacht fischen, da kommt jetzt nichts. Aber klar, einverstanden, du hast keine Ahnung, du bist eh nur ein Zimmermann. Wir fahren mal raus, dann wirst du es selber merken, und dann kommen wir wieder rein. Und dann war alles gut.
Dann gibt es diesen Megafang, und Petrus fällt uns auf mit dem Satz: Als aber Simon Petrus es sah, dass die Boote berstend voll mit Fischen sind, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch. Boah, was für eine Selbsterkenntnis, super, oder? So einen Typen, jemanden, der sich wirklich kennt, der eins und eins zusammenzählen kann und nicht lange drum herum erzählt, nicht erst fünfzehn Ausreden gebraucht hat. Stimmt also, du bist der Herr über Leben und Tod, du bist der Herr aller Fische und aller Fische, also ich will dir folgen.
Zweite Geschichte: Matthäus 4, eine dieser sehr kurzen Geschichten, wo man ein bisschen was dazu sagen müsste, weil sie sehr abrupt kommen. Matthäus 4, die Verse 18-20. Da heißt es: Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, er ist Jesus, Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen; denn sie waren Fischer. Und er spricht zu ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sie aber verließen sogleich die Netze und folgten ihm nach.
Du liest das und sagst: Boah, stark! Also ja, da gibt es eine Vorgeschichte, das ist nicht so aus dem Dunst heraus, aber hey, da sagt Jesus: Folge mir nach, und nicht erst dieses: Du, da muss ich noch mal in Ruhe nachdenken, kann ich noch mal vierzehn Tage Bedenkzeit haben und mit meiner Frau das absprechen und so, sondern da hat jemand das begriffen, worum es geht, steht auf, packt wahrscheinlich sein Netz noch zusammen und geht mit. Was für ein Mann!
Oder gleiches Evangelium, Matthäus 14. Wieder so ein Ding, wo wir einfach merken: Toller Typ! Matthäus 14, Vers 28 und ... nee, das muss woanders sein. Das muss woanders sein. Das muss da hinten sein. Doch, ich bin im falschen Evangelium. Schlagen Sie das Richtige auf, dann haben Sie das Richtige. Matthäus 14, Vers 28.
Jesus geht über den See, trifft seine Jünger, die da gerade auch auf dem See sind, die einen halten ihn für ein Gespenst, und Petrus ist der, der sagt: Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen. Ey, das ist stark, nicht dieses: Dann mach mal irgendein Wunder, dass ich von der Ferne sehen kann. Nein, ich will alles haben, nicht so dieses zwanzig Prozent, ja, ich will hundert Prozent Gotteserfahrung.
An anderer Stelle, wo Jesus sagt: Ich möchte dir gerne die Füße waschen, sagt Petrus erst: Nee, nicht die Füße. Dann erklärt ihm Jesus, wie das mit den Füßen ist, warum das nötig ist, er dann gleich: Ha ha, dann aber die Füße und den Kopf und am besten alles. Jetzt dieses nicht so ein bisschen Jesus mitnehmen, sondern den ganzen Jesus dabei haben.
Und dabei diese Dinge auch im Kopf zu verarbeiten. Blättert mal um zu Matthäus 16, Vers 15. Da geht es um die Frage: Wer ist denn Jesus? Diese Frage stand ja lange im Raum. Wann würden die Leute erfahren und erkennen, wer Jesus ist? Und Jesus fängt bei seinen engsten Mitarbeitern, bei seinen Aposteln, an, diese Frage zu stellen: Habt ihr vielleicht schon verstanden, wer ich bin? Und Petrus vorneweg. Er spricht zu ihnen, Matthäus 16, Vers 15: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
So, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt. Diese Wahrheit, wo dann Jesus sagt: Glückselig bist du, Simon Barjona, denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in dem Himmel ist. Selbstverständlich: Du bist der Christus, auf den alle warten, der Retter der Welt, der Richter der Welt, du bist der, auf den unser ganzes Volk hingearbeitet hat, die Erfüllung aller Verheißungen, das bist du.
Boah. Und er bekommt dann auch postwendend die Verheißung in Vers 18 von Jesus: Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus. Petrus ist ein Name, der eine Bedeutung hat, der heißt Fels. Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen. Also hier ist jemand, der etwas verstanden hat, und Jesus sagt: Super, dein Name gibt das ja schon her, du bist der Fels, und auf diesen Felsen, auf dich und auf dein Bekenntnis, werde ich meine Gemeinde bauen.
Und dann liest man in der Apostelgeschichte, was da alles passiert. Pfingstpredigt. Der Geist kommt, die Leute reden in fremden Sprachen, überall bleiben Gruppen von Menschen stehen, verstehen nicht, was Sache ist, und die Ersten fangen an: Die sind alle besoffen. Und wenn du so ein Alphatier bist, dann weißt du: Ich habe jetzt ungefähr fünf Minuten, vielleicht habe ich nur eine Minute. Wenn ich jetzt nichts tue, dann kippt die Stimmung. Alle sind da, alle wollen wissen, was Sache ist.
Dann heißt es so ganz lapidar: Da steht halt Petrus mit den anderen auf, und wer redet? Petrus. Erste Pfingstpredigt. Dreitausend Leute kommen zum Glauben, und dann gibt es eine zweite Pfingstpredigt, und es kommen noch mal ein paar Tausend zum Glauben. Es ist irre. Er startet, und du schaust dir an, was dieser Mann leistet, und du gehst durch die Apostelgeschichte. Der erste Teil der Apostelgeschichte ist eigentlich eine Geschichte von Petrus.
Wie Petrus Dinge tut, wie er sich als Wortführer im Hohen Rat hinstellt und sagt: Urteilt selbst, ob es gut ist, das zu tun, was ihr uns jetzt ... ja, das sind die gleichen Leute, die Jesus verurteilt haben, was ihr jetzt hier verlangt, ob es gut ist. Man soll Gott mehr gehorchen als Menschen. Der watscht quasi die ganzen Leute da im Hohen Rat einfach verbal ab. Das ist Petrus vorneweg.
Hananias und Saphira, diese Geschichte, wo ein Ehepaar versucht, den Geist Gottes zu betrügen. Wer vorneweg? Petrus. Dann kommt er ins Gefängnis. Wer wird befreit? Petrus. Und am Ende heißt es dann von seiner Berufung im Galaterbrief, das möchte ich euch noch zeigen: Galater 2, Vers 7, damit wir seine Bedeutung für die Geschichte der Kirche richtig einschätzen können.
Galater 2, Vers 7, da schreibt Paulus: sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut war, ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen. Petrus ist der Apostel der Beschneidung, er ist der Apostel für die beschnittenen Menschen, gemeint ist für die Juden. Da, wo am Anfang Evangelium verkündigt wird, steht Petrus im Zentrum.
Und warum? Na ja, weil er der Typ dafür ist, weil Gott ihm sagt: Ich gebe dir einen Namen, ich nenne dich Petrus, steht in Johannes 1. Er trifft ihn und er sagt: Ich nenne dich Petrus. Ich sehe deinen Charakter, ich sehe, dass du ein Typ bist, mit dem man etwas anfangen kann. Du hast den Mut. Wenn es darauf ankommt, durch die Wand zu gehen, etwas Neues zu wagen, den Mund aufzumachen, das zu predigen, wo du am Ende nicht weißt, ob es dich den Kopf kostet oder ob es dich, ich sag mal, ins Guinness-Buch der Rekorde bringt, ja, größte Erweckungsbewegung aller Zeiten, du lässt es darauf ankommen. Du bist geradlinig, du hast dein Herz am rechten Fleck. Super, du hast einen Kopf, der klar denken kann, dich möchte ich nutzen.
Und wenn das alles wäre, was man von Petrus sagen könnte, dann würden wir Petrus alle bewundern. Wir würden ihn als Vorbild sehen, als vielleicht herausforderndes Vorbild. Es würde einige Leute geben, so wie mich, die würden sagen: Ja, stark! Aber für die meisten wäre Petrus so etwas wie dieses unerreichbare Vorbild da oben, mit dem man sich eigentlich nicht identifizieren kann. Wenn das alles wäre, diese eine Seite.
Und ich glaube, dass er uns eine Seite vormacht, wo wir in bestimmten Situationen tatsächlich etwas lernen müssen von ihm. Es gibt Momente, wo wir Mut brauchen, und dann können wir uns daran erinnern, dass Petrus mutig war. Es gibt Momente, wo wir Sündenerkenntnis brauchen, dann dürfen wir uns daran erinnern, dass Petrus seine Sünde nicht zurückgehalten hat. Es gibt Momente, wo wir einfach vertrauen müssen, und dann dürfen wir an die Momente denken, wo Petrus vertraut hat. Es gibt Momente, wo wir klug sein müssen, wo wir eins und eins zusammenzählen müssen, da dürfen wir uns an Petrus orientieren.
Aber das ist nicht das, was ich euch heute vorstellen möchte von Petrus. Ich habe meine Predigt genannt: Petrus, ein Alphatier, das sich etwas sagen lässt. Jeder von euch kennt Leute, die sind Leiter, aber das sind Leiter, die gehen zwar vorne heran, aber die haben ein großes Problem: Sie sind nicht mehr korrekturfähig, sie lassen sich nichts mehr sagen. Und das sind eigentlich Leiter, wie sie von der Bibel her betrachtet falsch sind. Ein biblischer Leiter ist einer, der sich etwas sagen lassen muss. Und das möchte ich euch am Beispiel von Petrus zeigen.
Er hat nämlich auf der einen Seite dieses geradlinig, vorneweg Radikale, aber er hat auf der anderen Seite etwas ganz Schönes, was diese Radikalität auf eine gute Weise ausbalanciert, will ich das mal nennen. Und ich möchte euch das zeigen.
Wir starten mal in Johannes 1, Vers 40 bis 42. Johannes 1, Vers 40 bis 42. Es ist nämlich durchaus nicht so, dass Petrus das mit Jesus von Anfang an richtig verstanden hätte. Es ist ganz spannend zu lesen, dass Petrus eigentlich über einen anderen zu Jesus gefunden hat, über einen, wo es nicht immer leicht ist, sich etwas sagen zu lassen.
Also, ich weiß nicht, ich habe ja hier ein Zwillingspärchen auch drinsitzen, sich von seinem Bruder, womöglich seinem kleineren Bruder, etwas sagen zu lassen, ist eine Herausforderung. Innerhalb der Familie merkt man, es ist manchmal nicht immer einfach. Da sagt der eine dem anderen: Will ich gar nicht so hören. Hier ist genau das der Punkt.
Johannes beschreibt uns, wie sowohl Simon, der dann Petrus heißt, also immer derselbe, wie auch sein Bruder Andreas eine religiöse Phase durchmachen. Und in dieser religiösen Phase Anhänger werden von Johannes dem Täufer. Und Johannes der Täufer weist relativ früh, nämlich da, wo er Jesus tauft, seine Jünger darauf hin, dass das der Messias ist.
So, der Erste, der das versteht, ist nicht unser Simon Petrus, sondern sein Bruder Andreas, der hat das mitbekommen. Und dann heißt es Johannes 1, die Verse 40-42: Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den Zweien, die es von Johannes gehört hatten, nämlich wer dieser Jesus ist, und ihm nachgefolgt waren. Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt ist Christus.
Andreas geht zu Simon und sagt: Wir haben den Messias gefunden. Spannende Frage: Was passiert, wenn deine kleine Schwester zu dir kommt und sagt: Ich habe den Retter der Welt gefunden, großer Bruder! Ja, ja, ja, ja, ja. Es ist nicht immer einfach. Hier führt es dazu, dass sich Petrus darauf einlässt. Jesus begegnet, mitgeht. Vers 42: Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du wirst Kephas heißen, was übersetzt wird: Stein.
So, jetzt habt ihr drei Namen für die gleiche Person, das ist ein bisschen kompliziert. Also eigentlich heißt er Simon. Dann sagt Jesus zu ihm: Du wirst Kephas heißen, und Kephas heißt Stein. Aber Kephas heißt Stein in einer Sprache, die wenig Leute damals gesprochen haben, nämlich im Aramäischen. So, und jetzt übersetze ich das noch mal, Stein, in eine andere Sprache, nämlich erst ins Griechische, Petros, und dann machen wir das als lateinische Form Petrus. Also Simon, Kephas, Petros, Petrus, alles dieselbe Person. Egal, was ich jetzt verwende, es ist immer dieselbe Person.
Spannend hier an der Stelle: Der kleine Bruder, ich nehme an, es ist der kleine Bruder, vielleicht irre ich mich, vielleicht auch der große Bruder, aber der Bruder kommt und sagt: Ich habe ihn gefunden. Und Simon lässt sich darauf ein. Für den Rest der Geschichte spielt Andreas keine Rolle mehr, taucht fast nicht mehr auf. Nur an dieser Stelle ist er so der Impulsgeber und bringt den großen Stein Petrus ins Rollen.
Also eine ganz wichtige Sache: Du magst jemand sein, der vorneweg ist und der gerade ausgehen kann, aber du musst oder darfst es nicht dabei belassen. Du musst auch zuhören können, darfst dich nicht in Besserwisserei oder in Desinteresse verlieren. Das ist der eine Punkt.
Der zweite Punkt, und das ist etwas, was man mit Petrus verbindet, und zwar im Negativen: Was hat Petrus falsch gemacht? Na ja, genau: Petrus hat Jesus verleugnet. Matthäusevangelium, Kapitel 26. Da heißt es ab Vers 31, Matthäus 26, ab Vers 31: Darauf spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch alle in dieser Nacht an mir ärgern. Es ist die Nacht, bevor Jesus gefangen genommen wird. Und Jesus sagt vorher: Das wird eine ganz kritische Erfahrung für euch, ihr werdet euch alle an mir ärgern, denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden. Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich vor euch hingehen nach Galiläa.
Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgern werden, ich werde mich niemals ärgern. Das ist wieder dieses Ratsch von den Falsch-Ätsch, Jesus, ich weiß es besser. Alle mögen schief liegen, ich nicht. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn krähen wird, mich dreimal verleugnen wirst. Petrus spricht zu ihm: Selbst wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen.
Wir ahnen schon, dass das schief geht, wir wissen es auch, wir haben es alle schon gelesen: Es geht furchtbar schief. Hier steht ein Mann, der sagt: Mich kann nicht so niemand aus seiner Nachfolge rauswerfen. Ich werde dir nachfolgen, und wenn es mich mein Leben kostet. Und er geht baden.
Jesus wird gefangen genommen, er kommt in den Hof des Hohen Priesters. Eine einfache Magd fragt ihn: Sag mal, bist du nicht einer von denen da aus Galiläa? Ich kenne doch die Nase und das, so wie du redest, das ist doch mal ganz ehrlich, du bist doch auch so einer. Komm, jetzt mal so unter uns hier am Lagerfeuer, kannst du doch einfach zugeben, dass du auch zu diesem Jesus ... Nein, ich kenne diesen Jesus gar nicht, ich habe nichts mit ihm zu tun.
Ja, und dann kräht der Hahn. Was macht Petrus? Er weinte bitterlich. Und er merkt: Er ist ganz tief unten. Du hast deine Liebe versprochen, du hast gesagt: Ich halte fest. Und dann kommt der Moment der Versuchung, und du scheiterst.
So, aber das ist nicht der Punkt, das kennen wir. Wisst ihr, was mich an Petrus begeistert? Mich begeistert an Petrus nicht, dass er scheitert, sondern mich begeistert, dass er wieder aufsteht. Es heißt, und das ist für mich persönlich einer der ganz wichtigen Verse in der Bibel, weil er mich immer wieder motiviert: Es heißt in den Sprüchen, Sprüche 24, Vers 16: Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht doch wieder auf.
Der Gerechte ist nicht der, der alles richtig macht. Das wäre ja wünschenswert, aber das stimmt einfach nicht. Der Gerechte ist eigentlich wie Sohn Petrus, der in seinem Herzen eine Entscheidung trifft und sagt: Ich will dir folgen, und egal, was kommt, ich werde an deiner Seite stehen bleiben. Und dann kommt die Versuchung, und wir schaffen das manchmal, und manchmal schaffen wir das nicht. Und das ist die Lektion, die Petrus uns mitgibt.
Er scheitert, er weint, und es gibt viele Christen, die scheitern und weinen, und dann schmeißen sie alles hin und ziehen sich aus der Gemeinschaft, aus der Gemeinde zurück und sagen: Es hat alles keinen Sinn, weil ich so schwach bin, als würde es auf meine Stärke ankommen. Und sie bleiben liegen. Und sie hören auf das, was der Teufel ihnen sagt: Du bist nichts wert, du hast sowieso keine Chance, Jesus kann mit dir sowieso nichts anfangen, mach doch gar nicht weiter, du und dein Jesus, das hat doch keine Chance. Jesus nimmt die anderen, aber dich nicht mehr.
Und wenn wir die Geschichte von Petrus verfolgen, dann merken wir, dass Petrus anders reagiert. Wir lesen weiter und wir kriegen mit: Mit einem Mal da kommt die Botschaft von der Auferstehung. Wisst ihr, wer die ersten zwei sind, die dorthin springen? Das ist der kleine Johannes und der ein bisschen ältere Petrus. Petrus verliert das Rennen, er ist dann nur Nummer zwei am Grab, aber er schaut rein und er sieht, dass das Grab leer ist, und sein Glaube ist wieder angezündet.
Wenig später sind sie gerade auf dem See Galiläa. Sie werfen die Netze aus, sie fischen, da steht am Ufer eine Figur und ruft sie, und Petrus erkennt, das ist der Herr Jesus, und schmeißt sich ins Wasser. Der kann überhaupt bar hin. Und dann kommt Jesus und stellt ihm dreimal die Frage: Sag mal, Petrus, hast du mich lieb? Nicht: Petrus, hast du alles richtig gemacht. Jesus kommt auch nicht und sagt: Ätsch, ich wusste es vorher, ja, das mit dem Hahn und so, das nicht verleugnet, darum geht’s gar nicht. Das ist nicht die Frage: Machst du alles richtig?
Gott weiß in dem Moment, wo er ein Ja zu uns sagt, was wir alles falsch machen. Er kennt jede deiner Sünden, die du noch tun wirst. Jede falsche Tat, jeden falschen Gedanken, jedes falsche Wort, jedes irrationale Gefühl, alles, was noch kommt, kennt er schon, und er sagt trotzdem Ja zu dir. Gott fragt mich nicht: Hast du alles richtig gemacht? Seine Frage lautet: Du Petrus, hast du mich lieb?
Und Petrus sagt: Na klar. Und er stellt ihm die Frage dreimal in Johannes 21. Und dann wird er auch dreimal in seinen Dienst als Apostel wieder eingesetzt. Jesus sagt dann zu ihm: Weide meine Lämmer, hüte meine Schafe, weide meine Schafe. Petrus, ich will dich, wenn du wieder aufstehst.
Und ich finde das eine ganz wichtige Lektion. Petrus ist für mich ein Riesenvorbild darin, wie man geradlinig sein kann, Fehler macht. Und das Dumme ist: Wenn du geradlinig bist, wenn du so jemand bist, der Gas gibt, sind deine Fehler richtig übel, weil du nämlich weit vorne wegschwimmst.
Weißt du, wenn du richtig danebenlangst ... Ich weiß noch, wo ich das erste Mal fünfzig Traktate in die Papiertonne geworfen habe. Ja, wenn du immer nur hundert Traktate weise kaufst, ist das so eine Sache. Wir haben halt hunderttausend gekauft und nur fünfzig für die Aktion gebraucht. Und dann stehst du auf fünfzig Traktaten. Das ist jetzt keine große Sünde, es ist einfach nur diese Erfahrung. Du bist vorneweg, du machst die großen Schritte, du versuchst, Leute hinter dir herzuziehen. Na ja, dann schmeißt du auch die großen Portionen an Papier halt weg. So ist das Leben.
Du kannst es vermeiden, logisch, gar kein Problem, indem du einfach stehen bleibst und nicht gehst. Aber so ein Petrus-Typ kann nicht stehenbleiben, der sagt: Ich muss weiter. Und jetzt liegst du so richtig am Boden. Du schleifst heulend aus diesem Hof raus und denkst: Das war’s und Ende. Weil wenn du Alphatier bist, dann sagst du mit so einem wie mir in dieser Situation: Nie wieder, das war es.
Und wenn Jesus ein klein bisschen normalmenschlich wäre, so wie wir ihn uns manchmal vorstellen, dann hätte er Petrus abgeschrieben. Tut er aber nicht. Tut er einfach nicht. Und deswegen dürfen wir das lernen: Ein guter Leiter oder jemand, der den Petrus imitieren möchte, der kann zuhören, und er gibt nicht auf.
Es gibt noch vier andere Punkte, ich möchte sie kurz ansprechen. Das eine: Apostelgeschichte 10. Petrus ist jemand, der zuerst dem Wort und dem Geist Gottes folgt und nicht seinem Vorverständnis. Apostelgeschichte 10, das ist dieser Moment, wo Missionsgeschichte auf der Kippe steht. Der Apostel für die Juden soll nämlich einem Heiden das Evangelium bringen.
Ihr könnt euch vorstellen: Solange es darum ging, den Juden das Evangelium zu sagen, war Petrus genau der Richtige. Da kannte er sich aus, er hat Pfingstpredigt I, Pfingstpredigt II, Hoher Rat, Ananias und Saphira und dann noch Samarien, super. Aber jetzt geht es darum, einem waschechten Heiden das Evangelium zu sagen. Und Petrus hat seine Vorerfahrung. Petrus weiß, wie das mit den Juden ist und dass die Juden das auserwählte Volk sind und dass Jesus als Messias zu seinem Volk gesandt ist. Und er hat eine Erwartungshaltung, dass, wenn das Volk umkehrt, der Herr Jesus wiederkommt. Das war noch nicht passiert, aber es waren so viele Leute zum Glauben gekommen. Okay, da war jetzt auch noch Verfolgung dazugekommen, aber es wuchs.
Und mit einem Mal sitzt er, Apostelgeschichte 10 ist das, sitzt er bei seiner stillen Zeit, würden wir das heute sagen, bei seiner Zeit, die er alleine mit Gott verbringt, nämlich in Joppe auf dem Dach, so einem Flachdach von einem Geschäftshaus. Er macht stille Zeit, denkt über Gott nach, betet, und Gott gibt ihm ein Bild. Da kommt ein Netz, ein Tuch aus dem Himmel, und er schaut da rein. Er hat auch gerade Hunger, Gott benutzt gerne Bilder, die wir verstehen. Er schaut da rein, und da ist alles Mögliche drin, was er nicht essen darf. Und Gott sagt: Schlachte und iss.
Und Petrus sagt das, ihr wisst schon, das ist schon mal gesagt, was man nie sagen darf: Nein, Herr. Entweder Nein oder Herr, aber nie Nein, Herr, weil es heißt Ja, Herr oder Nein, nicht Herr, aber zusammengehen, wer sagt: Nein, mache ich nicht. Und dann gibt es dieses dreimal dieses Bild. Und die Geschichte ist so lustig, weil in der Zwischenzeit schon Abgesandte von Kornelius, einem heidnischen Hauptmann, von dem Gott sich wünscht, dass er das Evangelium hört, auf dem Weg zu Petrus sind. Und man merkt, wie die Zeit langsam knapp wird.
Der Heilige Geist versucht, dem Petrus klarzumachen, worum es geht, der versteht es aber nicht, und gleich klopft es an der Tür. Und wenn er es bis dahin nicht verstanden hat, dann macht er nicht auf oder geht nicht mit. Also gibt es nicht mehr Bild, sondern die direkte Offenbarung, damit das auch ein Petrus verstehen kann.
Da hat jemand Vorverständnis. Er denkt, wie Dinge zu funktionieren haben, und für ihn gibt es eine klare Trennung. Hier ist Israel, und die Grenzen von Israel sind markiert durch die Speisegebote. Ich darf bestimmte Dinge nicht essen, und das heißt, ich werde niemals in das Haus eines römischen Hauptmanns gehen. Geschweige denn mit ihm essen. Da gibt es eine ganz klare Grenze: Wir sind die Guten auf der Seite, und da sind die Bösen auf der anderen. Und dazwischen steht Epheser 2, die Zwischenwand der Umzäunung, das Gesetz.
Und wir reden jetzt nicht über die Teile des Gesetzes, die über Sünde etwas sagen, sondern über das, wo es um Speisegebote geht, um Feiertage geht und solche Sachen. Und Petrus sagt: Das gilt, da gehe ich nicht hin. Lest die Geschichte nach, Gott muss ihn Stück für Stück für Stück über diese Linie schieben, bis er dann tatsächlich mitgeht, zu Kornelius geht, bei Kornelius eintritt mit den Worten: Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, wie unerlaubt es einem jüdischen Mann ist, sich einem Fremden ... Ihr wisst, dass das, was ich hier mache, eigentlich ganz, ganz ungewöhnlich ist. Das geht eigentlich nicht. Ich bin hier und habe eine Grenzüberschreitung hinter mir. Eigentlich dürfte ich dieses Haus nicht betreten.
Warum? Na ja, die Juden dachten über die Heiden, dass die ihre toten Babys halt unter den Dielen vergraben. Insofern ist jedes heidnische Haus im Denken eines Juden ein verunreinigter Ort, eine Art Grabstätte. Wer darf da nicht rein? Und jetzt betritt der Apostel der Beschneidung das Haus eines jüdischen Hauptmanns und sagt: Also du weißt und ich weiß, ich habe hier eigentlich nichts verloren, ich bin bestimmt der Erste, der hier reinkommt. Hm, okay, also ich bin hier, und mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu nennen.
Gott hat mir gezeigt, hat mir etwas klargemacht. Er hat versucht, mit diesem Netz, wo die unreinen Tiere drin sind, die man eigentlich nicht essen darf, hat gesagt: Ist das jetzt? Da ist etwas aufgehoben worden. Und dann hatte ich ein bisschen Zeit, als ich mit deinen Leuten da zu dir gekommen bin, so zwei, drei Tage Spaziergang, da kann man ein bisschen nachdenken, und ich habe verstanden, dass sich etwas geändert hat, dass diese Speisegebote, Festvorschriften, dass die alle weg sind, dass wir das gestern gehört haben in einem Vortrag, dass aus einem jüdischen nationalen Gott ein internationaler Gott geworden ist, der alle Menschen erreichen möchte.
Und das fasziniert mich. Mich fasziniert, dass ein Petrus nicht so fix in seinen Traditionen und in seinen überlieferten Vorstellungen ist, dass er sagt: Kommt gar nicht in die Tüte, egal was Gott mir sagt, egal was in der Bibel steht, egal was mir jemand predigt und irgendwie plausibel klingt, ich bleibe bei meinen Traditionen. Und das werden wir auch in hundert Jahren noch so machen. Wie waren die letzten sieben Worte einer Gemeinde? Das haben wir immer so gemacht.
Ja, es ist dieses Denken: Ja, wir haben unseren Kurs, und wir bleiben auf diesem Kurs. Egal, was in der Bibel steht. Ja, da gibt es eine neue Generation, die liest noch mal nach und hält unsere Erklärungen für nicht mehr ganz so plausibel. Völlig egal, wir bleiben auf unserem Kurs, bloß nicht in eine andere Richtung.
Und Petrus ist anders. An der Stelle, wo es wirklich radikal ist, wo es ihm den Bauch wehtut, wo er das Evangelium, diesen Heiden predigen, mit einem Mal erleben muss, dass ein zweites Pfingsten passiert, und er da steht und sagt: Okay, dann werde ich die jetzt auch taufen. Und er tauft die, kommt nach Hause und kriegt natürlich totale Schelte: Wie, du hast die besucht, du hast die getauft, wie kannst du das machen? Und er sagt dann: Ja, weißt du, ich habe das nicht ausgesucht, ich war da in Joppe und dann kam das mit dem Netz und dann bin ich so einen Schritt nach dem anderen gegangen.
Und das wünsche ich mir für uns, dass wir so eine Haltung haben: Wir lesen etwas, wir verstehen es und wir gehen im Glauben einen Schritt weiter. Wir können auch Traditionen, Dinge, die wir meinen, richtig verstanden zu haben, wenn wir merken, das ist nicht ganz richtig, wir können sie aufgeben, um enger an dem, was das Wort Gottes und der Geist Gottes uns zu sagen haben, und sie bilden immer eine Einheit, um enger daran zu bleiben, ihm mehr zu gefallen.
Und dann ist Petrus nicht nur jemand, der zuhören kann, der nicht aufgibt und der sich von Gott führen lässt, sondern er ist jemand, der sich zurechtweisen lässt. Im Galaterbrief lesen wir, dass Petrus Paulus besucht in Antiochien, in der Gemeinde dort. Wir wissen nicht genau, wann das passiert ist, aber es gibt eine ganz hässliche Geschichte. Also es gibt in dieser Gemeinde Christen, die einen jüdischen Hintergrund und solche, die einen heidnischen Hintergrund haben. Und mit denen, die einen jüdischen Hintergrund haben, trifft sich Petrus zum Essen, und alles ist gut. Und er trifft sich auch mit denen, die so einen heidnischen Hintergrund haben. Und ihr merkt schon, jetzt wieder diese Speisegebotskiste.
Und dann kommen Leute aus Jerusalem, die so ein bisschen enger sind, in diese Gemeinde, Leute, die Petrus kennen, und wo Petrus weiß: Wenn die mitkriegen, dass ich mit den Christen, die so einen heidnischen Hintergrund haben, wenn die mitkriegen, dass ich mich mit denen zum Abendbrot treffe, dann habe ich es in Jerusalem schwer. Eigentlich möchte ich das gar nicht. Und dann zieht sich Petrus zurück und sagt: Dann höre ich mal auf, mich mit denen zu treffen, dass das keiner so mitkriegt. Das heißt, Petrus macht einen Fehler. Er tut so, als gäbe es in der Gemeinde zwei Klassen von Christen: die Guten, das sind die mit jüdischem Hintergrund, und die nicht so guten, zweite Klasse, die mit einem heidnischen Hintergrund. Und mit den einen trifft er sich noch und mit den anderen nicht.
Und genießt es, wenn ihr Galater 2 lest, wie Paulus an der Stelle reingeht und ihm wirklich vor aller Ohren deutlich sagt: So geht es nicht! Du musst dich entscheiden! Und dann kommt so ein typischer paulinischer Satz, wo es wahrscheinlich zwei Dutzend Auslegungen dazu gibt, aber die Quintessenz ist klar: Du musst dich entscheiden, wem du folgen willst, dem Evangelium oder deinen alten Vorstellungen. Und Paulus lässt sich von Petrus zurechtweisen. Paulus nimmt das an. Das ist doch irre, oder? Stimmt, Petrus lässt sich von Paul ... Ah, ihr habt zugehört, wunderbar, vielen herzlichen Dank.
Das heißt, er ist jemand, der sich zurechtweisen lässt. Und noch ein Punkt: Er ist jemand, der lernfähig ist. Bei der Verhaftung, was macht er als glorreiche Idee, um die Verhaftung aufzuhalten? Schwert raus, Ohr ab. Macht er nur noch da, hat er danach gelernt. Das macht er nie wieder. Warum? Weil Jesus sagt: Lasst das Schwert stecken, die, die das Schwert ziehen, werden durch das Schwert umkommen. Wir verbreiten das Evangelium nicht mit dem Schwert. Wir wollen reden, wir wollen Liebe üben, Leute überzeugen. Also er ist lernfähig.
Und der letzte Punkt, der mag euch zum Schmunzeln reizen, mich hat er zum Schmunzeln gereizt, als ich ihn gefunden habe: Er ist nicht nur jemand, der zuhören kann, der nicht aufgibt, wenn er Fehler macht, der Gott folgt, wo Gott ihn hinführt, auch wenn das gegen seine Tradition geht, der sich zurechtweisen lässt und der lernfähig ist, sondern er ist jemand, der seine eigenen Grenzen anerkennt.
Vor zwanzig Jahren hat ein alter Christ, der mich geprägt hat am Anfang meines Christseins, zu mir gesagt: Jürgen, die eigenen Grenzen erkennen und anerkennen ist ein ganz wichtiger Punkt. Du musst deine Grenzen erkennen, bist nicht allmächtig, und du musst sie anerkennen, wenn du glücklich werden willst oder wenn du ein brauchbares Werkzeug sein möchtest.
Und Petrus schreibt über die paulinischen Briefe folgendes, 2. Petrus 3,15-16. Und er schmunzelt ein bisschen, das ist einfach ein schöner Vers. Der eine Apostel schreibt über die Briefe des anderen Apostels folgendes: Und achtet die Langmut unseres Herrn für Errettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus, nach der ihm gegebenen Weisheit, euch geschrieben hat, wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet, und jetzt schreibt Petrus über die paulinischen Briefe: In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen.
Petrus hat natürlich nicht die Vorbildung und dieses argumentativ Geschliffene, er bleibt ein Stück der Handwerker. Und da kommt hier unser Privatdozent Paulus, der schreibt dann schon mal einen Brief, wo Petrus sagen muss: Also wenn ihr die schwer versteht, ich auch. Wer jetzt auch schon mal bei der einen oder anderen Stelle überlegt, was er eigentlich meint. Und es ist nicht schlimm, wenn ich einfach zugebe, ich verstehe es nicht. Es ist nicht schlimm, wenn ich sage, der andere versteht es besser. Ja, wir sind unterschiedlich.
Und deswegen: Das waren die sechs Punkte, die mir wichtig waren, die für mich zu diesem großen Thema Korrekturfähigkeit und Belehrbarkeit zählen, die ich bei Petrus finde.
Ich möchte euch gerne noch einen Spruch mitgeben, einen Spruch, von dem ich mir wünschen würde, dass ihr ihn auswendig lernt. Ich glaube, dass ihr dann Predigtinhalte euch gut merken könnt. Wenn ihr einen Leitvers auswendig lernt, werdet ihr nicht die ganze Predigt behalten. Aber wenn ich euch dazu bringen könnte, einen Vers auswendig zu lernen, wo das, was ich euch eigentlich sagen möchte, so ein Stückchen drinsteht, so mit einem Vers, und ihr würdet den auswendig lernen, dann würdet ihr in einem Jahr euch immer noch an die Predigt erinnern. Ihr würdet immer noch daran denken: Stimmt, Petrus ist jemand, der korrekturfähig war. Ihr würdet vielleicht nicht mehr alle Punkte zusammenkriegen, aber diese Idee, dass Korrekturfähigkeit etwas ganz Wichtiges ist, dass es ganz wichtig ist, dass man zuhören kann, dass es ganz wichtig ist, dass man nicht aufgibt, wenn man Fehler macht, dass es ganz wichtig ist, dass man wirklich Gott folgt und nicht so seinen eigenen Vorstellungen, dass man sich zurechtweisen lässt, wenn jemand anders mal kommt und sagt: Du, du machst das falsch, dass man Dinge, die man falsch macht, dass man lernt, und dass man seine eigenen Grenzen anerkennt. Das werdet ihr euch dann vielleicht vor Augen halten können.
Und deswegen zum Schluss ein Lernvers aus Sprüche 10. Die Sprüche sind natürlich voll dieser Idee, dass der, der sich etwas sagen lässt, am Ende Erfolg in seinem Leben hat. Wäre ja auch komisch, wenn nicht, weil es das Prinzip aller Erziehung ist. Ich sage meinem Kind: Mach es so nicht und mach es so. Wenn ein Kind dickköpfig ist, ist es ein Fluch für die Eltern.
Sprüche 10,17 mein Leitvers für euch, wenn ihr einen Vers auswendig lernt: Ein Pfad zum Leben ist, wer auf Zucht oder Erziehung oder Zurechtweisung achtet, wer aber die Mahnung unbeachtet lässt, leitet in die Irre.
Wer die Mahnung unbeachtet, wer sich nichts sagen lässt, der kommt nicht nur selber zu Fall, der findet nicht nur für sein eigenes Leben nicht den Pfad des Lebens, sondern der leitet andere in die Irre, weil an der einen oder anderen Stelle, im Beruf, in der Familie, wo Gott euch hinstellt, auch wenn ihr nicht die Überalpha-Tiere seid, die Apostel, die Gemeindegründer oder was weiß ich, die Firmengründer oder sonst irgendetwas, ihr habt irgendwo eine kleine Form von Verantwortung.
Und da, wo ihr euch nichts mehr sagen lasst, wo für euch Korrekturfähigkeit und Belehrbarkeit Fremdwörter sind, wo ihr dickköpfig seid und unbelehrbar, da macht ihr nicht nur euer eigenes Leben kaputt, sondern ihr führt, ihr leitet andere, die euch folgen, vielleicht folgen müssen, in die Irre.
Und da kann uns Petrus ein Vorbild sein. Ein Vorbild, weil er zwei Seiten hat: die geradlinige Seite, die Seite, die sich zurechtbringen lässt. Und ich wünsche mir, dass sich beide Seiten in eurem Leben verwirklichen. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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