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Psalm 32

Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel, Teil 14/26
06.06.2015Psalm 32
SERIE - Teil 14 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel

Wer auf den Flyer geschaut hat, weiß, dass wir uns heute Abend Psalm 32 ansehen wollen. Ich habe das Thema mit „Die Freude der Vergebung“ überschrieben, außerdem mit „Buße und Vergebung“.

Wahrscheinlich kennt ihr den Anfang des Liedes „Glücklich ist der Mensch, der sagen kann: Gott hat mir vergeben.“ Als Symbolfoto habe ich darunter einen König aus einem Schachspiel eingefügt, der gefallen ist.

Ich denke, wir lesen zunächst einmal diesen Psalm. Er umfasst nur elf Verse und ist von David als Maskil überschrieben.

Der Psalm beginnt mit den Worten: „Glücklich ist, dem die Übertretung vergeben ist, dem die Sünde zugedeckt ist. Glücklich ist der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist.“ (Psalm 32,1-2)

Einführung in Psalm 32 und seine Bedeutung

Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Mein Saft wurde verwandelt in Sommergruten.

So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: „Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen.“ Und du hast die Schuld meiner Sünde vergeben.

Deshalb soll jeder Fromme zu dir beten, zur Zeit, da du zu finden bist. Gewiss, bei großer Wasserflut werden sie ihn nicht erreichen. Du bist ein Bergungsort für mich. Vor Bedrängnis behütest du mich und umgibst mich mit Rettungsjubel.

Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst. Ich will dir raten: Mein Auge ist über dir. Seid nicht wie ein Ross oder wie ein Maultier ohne Verstand. Mit Zaum und Zügel ist seine Kraft zu bändigen, sonst nahen sie dir nicht.

Viele Schmerzen hat der Gottlose. Wer aber auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade. Freut euch an dem Herrn und jauchzt, ihr Gerechten! Jubelt alle, ihr von Herzen Aufrichtigen!

Wer in diesen Tagen hier war, weiß, dass ich in der Regel die Psalmen immer erst einmal in verschiedene Sinnabschnitte einteile. Das hilft uns, wenn wir sagen, das sind einzelne Strophen, damit man sie leichter lernen oder sich besser einprägen kann.

Ich habe mir in meiner Bibel jeweils einen kleinen Strich zwischen die Verse geschrieben, damit man die Sinnabschnitte besser entdecken kann. Ich möchte uns sechs verschiedene Sinnabschnitte oder sechs verschiedene Strophen einmal aufzeigen.

Gliederung des Psalms in Sinnabschnitte

Zum ersten Vers, den Versen 1 und 2, möchte ich sagen: Das Ergebnis der Vergebung ist, dass du glücklich sein wirst. Dies wird in diesen beiden Versen zweimal betont: „Glücklich ist, dem die Übertretung vergeben ist“ und „glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet“.

Die zweite Strophe umfasst die Verse 3 und 4. Diese könnte man überschreiben mit „Die Folge der Unbußfertigkeit“. David beschreibt hier, wie es ihm zumute war, als er versuchte, seine Schuld zu verbergen.

Die dritte Strophe besteht nur aus einem Vers, nämlich Vers 5. Wahrscheinlich haben viele von euch diesen Vers schon bei sich unterstrichen. Er trägt die Überschrift „Der Weg zur Vergebung“.

Dann folgen die Verse 6 und 7, die ich mit „Die Folgerung der Vergebung“ überschreiben möchte. David ruft hier die anderen Menschen auf, es ihm gleichzutun und auch ihre Sünden zu bekennen.

Die fünfte Strophe umfasst die Verse 8 bis 10 und beantwortet die Frage: „Was kann ich tun, um vorzubeugen, dass ich nicht sündige?“ In Vers 8 gibt er diesen Rat: „Lass dich unterweisen, achte auf die Augen des Herrn.“

Der letzte Vers, Vers 11, möchte ich mit „Die Folge der Vergebung: wirkliche Freude“ überschreiben.

Bedeutung des Begriffes „Maskil“ und die Intention Davids

Schauen wir uns die erste Strophe einmal an: Die Verse eins bis zwei beginnen mit der Überschrift „Von David“ und dann steht dort ein „Maskil“. Manche Übersetzungen enthalten in den Anmerkungen eine kleine Notiz dazu. Dort wird erklärt, dass „Maskil“ so viel bedeutet wie „Unterweisung“ oder „kunstvoll gestaltetes Lied“.

Das heißt, David möchte mit diesem Lied, das er komponiert und gedichtet hat, anderen Hilfestellung für ihr Leben geben. Er will sie unterweisen und belehren. Man sagt ganz allgemein: Man muss nicht alle Fehler selbst machen. Man kann aus den Fehlern anderer lernen und sollte das auch tun. Deshalb schreibt David diesen Psalm. Wir haben bereits in Vers 6 gesehen, dass er andere auffordert, es ihm gleichzutun, ihm nachzufolgen.

Die Vorgeschichte könnte man so zusammenfassen: Wahrscheinlich hat David diesen Psalm im Nachgang zu seiner großen Verfehlung gedichtet. Sowohl Psalm 51 als auch dieser Psalm stammen wohl aus dieser Zeit. Mir scheint fast, dass dieser Psalm noch etwas später entstanden ist als Psalm 51.

Wir erwähnten bereits, dass David, der Mann nach dem Herzen Gottes, in Sünde gefallen war. Er hatte sich verführen lassen und Bathseba gesehen. Sein eigentlicher Fehler oder der Einstieg in seine Sünde war, dass er nicht mit seinem Volk in den Krieg gezogen war. Stattdessen hatte er auf den Rat seines Heerobersten gehört, der ihm sagte: „Du bist jetzt älter, du kannst zuhause bleiben, das machen wir schon selber.“

David blieb also zuhause auf seinem Dachgarten und offenbar langweilte er sich. Nach einer langen Siesta schaute er von seiner Veranda. Hier gibt es ein Bild von Schnauf aus Karlsfeld aus dem 19. Jahrhundert, das illustriert, wie er sich das vorgestellt hat. Er sieht im Nachbargarten Bathseba, die sich in aller Öffentlichkeit badet.

Man kann natürlich fragen, wer an der Situation schuld ist. Einerseits bekommt David „Stielaugen“ oder er hat sogar sein Opernglas benutzt. Andererseits hätte Bathseba zumindest einen Sichtschutz aufbauen können. Ich weiß nicht, wie es im Herzen von Bathseba gewesen ist, ob sie frustriert war, weil ihr Mann im Krieg war und sie allein blieb. Sie hat sich offenbar auch nicht gewehrt, als David sie einlud.

Und er hat eben nicht nur mit ihr die Briefmarkensammlung angeschaut, sondern es kam zu weiterem. David wird von Nathan überführt, bekennt seine Schuld vor Gott, und Gott vergibt ihm. Offensichtlich dichtet er als Ergebnis dieser Vergebung diesen Psalm: „Glücklich der dem Übertretung vergeben ist, dem Sünde zugedeckt ist.“

Das ist ein interessanter Ausdruck: „die Sünde zudecken“. Normalerweise sagen wir, dass wir das, was wir getan haben, nicht verschweigen oder unter den Teppich kehren sollten. Wir gewöhnen uns daran, Dinge zu verbergen, über die man nicht sprechen möchte, um sie unter den Teppich zu kehren. Das meint dieser Ausdruck nicht.

Das hebräische Verständnis von „Sünde zudecken“ und Versöhnung

Der hebräische Ausdruck, der hier für „zudecken“ gebraucht wird, ist derselbe, der auch für „Versöhnung“ steht: Kiper. Das hebräische Wort für Versöhnung heißt Kiper, was auch „zudecken“ bedeutet. Dieses Wort war eigentlich jedem Israeliten bekannt.

Der große Versöhnungstag war das wichtigste Fest in Israel. An diesem Tag versammelte sich ganz Israel im Bewusstsein ihrer Sünden des vergangenen Jahres. Der Hohepriester musste zwei Ziegenböcke bringen. Er bekannte alle Sünden des Volkes auf den Kopf des einen Ziegenbocks. Dieser Ziegenbock wurde dann in die Wüste geführt, um dort zu sterben, beladen mit der Sünde des Volkes.

Der zweite Ziegenbock wurde geschlachtet. Das Blut dieses Ziegenbocks sollte der Hohepriester in einer Schale in das Allerheiligste bringen, also in den innersten Bereich der Stiftshütte, dort, wo die Bundeslade stand – der Thron Gottes. Die Bundeslade war innen und außen mit Gold überzogen. In ihr lagen die beiden Gesetzestafeln, die Gott Mose auf dem Berg Sinai gegeben hatte.

Wer seine Bibel kennt, weiß, dass Gott angeordnet hatte, dass niemand in die Bundeslade schauen durfte. Auch durfte niemand die Bundeslade anfassen, außer den Trägern, die dafür bestimmt waren, und dem Hohen Priester, der einmal im Jahr vor der Bundeslade stand, um das Blut des Ziegenbocks gegen die Lade zu sprengen.

Es gab eine Begebenheit im Alten Testament, als David die Bundeslade von den Philistern zurückholte. Er ließ sie auf einen Ränderkarren stellen. Dabei rutschte die Bundeslade, und Uzza versuchte, sie festzuhalten. Er berührte die Bundeslade – nach manchen Übersetzungen sieht es so aus, als habe er auch versucht, hineinzuschauen. Die Folge war, dass er sofort starb.

David bekam große Angst und ließ die Bundeslade zunächst beiseiteschaffen. Erst dann las er offenbar in den fünf Büchern Mose nach, wie die Bundeslade richtig transportiert werden musste. Das zeigt deutlich: Gott stellt Forderungen an die Menschen, um in der Mitte seines Volkes zu leben. Diese Forderungen sind in den Zehn Geboten zusammengefasst, die in der Bundeslade lagen.

Können wir die Zehn Gebote halten? Nein, niemand kann sie vollständig halten. Die Kinder Israels hatten sofort nach dem Empfang der Zehn Gebote bereits zwei Gebote übertreten. Wer nur ein Gebot übertritt, ist des Todes schuldig. Das bedeutet, jeder, der in direktem Kontakt mit den Forderungen Gottes, also den Zehn Geboten, kam, musste sterben.

Damit das nicht passierte, hat Gott einen Deckel auf die Bundeslade gelegt. Dieser Deckel wird im Neuen Testament der Gnadenstuhl oder Versöhnungsdeckel genannt. Hier kommt das Wort Kiper, „zudecken“, wieder vor. Gott nennt diesen Deckel sozusagen den „Zudeckdeckel“. Er deckt die Forderungen Gottes zu, damit die Menschen nicht sterben müssen.

Gott sagt: „Ich setze mich darauf, das ist mein Platz. Von da aus, Mose, werde ich mit dir reden.“ Deshalb nennen manche diesen Deckel den Thron Gottes. Das heißt: Gott deckt seine Forderungen, die er an uns Menschen hat, mit diesem Deckel zu und setzt sich darauf. Im Grunde will er damit sagen: „Da kommt niemand dran, es sei denn über meine Leiche.“

Wir wissen, was auf Golgatha geschehen ist: Jesus sühnt als wahres Opfer mit seinem Blut die Forderungen Gottes. Wir haben das in diesen Tagen schon gelesen, zum Beispiel in Matthäus 27. In dem Moment, als Jesus das tut, zerreißt im Tempel der Vorhang, und der Weg zum Thron Gottes, zur Bundeslade, ist frei.

Deshalb schreibt der Schreiber des Hebräerbriefes in Kapitel 10: „Da wir nun Brüder Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch.“ Er bezieht sich also auf dieses Ereignis.

David wusste noch nicht von Golgatha, aber er kannte den Versöhnungsdeckel und den Versöhnungstag. Er verwendet hier das Wort „glücklich“ für den, dem Übertretung vergeben und Sünde zugedeckt ist, der mit Gott versöhnt ist. Er hat erlebt, dass Gott ihm wirklich seine Sünden vergeben hat.

Das ist schon gewaltig, wenn man darüber nachdenkt, was David damals erkannte – obwohl er den Herrn Jesus und das Werk auf Golgatha noch nicht kannte – von Gottes Heilsabsichten. Er sagt: „Glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet.“

Das ist schon mächtig, wenn ein Mensch begreift: Ich bin schuldig vor Gott, und Gott nimmt mir meine Schuld weg. So kann ich frei sein. Ich habe die Begebenheit schon einmal erzählt von einer Inhaftierten im Frauengefängnis in Willich, die vor zwei Jahren zum Glauben kam und in ihrem Zeugnis sagte: „Ich sitze zu Recht hier, die Strafe, die ich bekommen habe, ist gerecht. Aber Jesus hat mir meine Schuld weggenommen. Ich habe keine Schuld mehr.“

Das ist etwas Gewaltiges. Und David sagt hier: Ein solcher Mensch ist glücklich, dem Gott die Schuld nicht zurechnet.

Die Folgen des Verbergens der Schuld

In der zweiten Strophe, die wir betrachtet haben, in den Versen drei bis vier, erinnert sich David daran, was geschah, als er versuchte, seine Sünde selbst zu verbergen. Er sprach nicht darüber, verharmloste sie oder versteckte sie – so wie wir Menschen das meistens tun.

Was geschieht, wenn ich meine Schuld verheimliche? In Sprüche 28 heißt es: „Wer seine Verbrechen zudeckt, wird keinen Erfolg haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Erbarmen finden.“ Wir können in der Bibel sehen, dass Gott Sünde aufdeckt, nicht um zu verdammen, sondern um zu vergeben. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu dem, was Psychotherapeuten oft lehren.

In dem Büchlein, das ich zu Beginn vorgestellt habe, von Ulrich Parzany über die Psalmen, schreibt Ulrich Parzany zu Psalm 32, dass das, was Psychologen oder Psychotherapeuten bis heute lehren, oft lautet: „Deck deine Schuld auf!“ Man nennt das auch, glaube ich, Psychoanalyse. Manche sagen auch, man soll seine Vergangenheit in die Gegenwart holen. Doch das ist nur der halbe Satz.

David sagt: „Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag; denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; mein Saft verwandelt sich in Sommergluten.“ Das hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Wenn du versuchst, Sünden zuzudecken, zu verheimlichen oder vor anderen zu verstecken, dann geht es dir schlecht. Man leidet selbst darunter. David schildert, wie es ihm ergangen ist.

Dann sagt er: „So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu.“ Das sagen Psychotherapeuten auch. Aber was danach kommt, sagen sie nicht.

Was mache ich dann mit der Schuld? Heute ist es modern, und es wird immer wieder dazu geraten, sich zu outen. Leg das offen, was in dir drin ist. Im Moment mag das für denjenigen erleichternd sein, weil er sich nicht mehr verstecken muss. Aber es ist noch nicht die Lösung des Problems. Es ist nur eine Veränderung des Gefühls, aber die Schuld ist damit nicht weg.

Und das ist der Unterschied zu dem, was David hier sagt. David sagt sehr deutlich in Vers fünf: „Ich tat dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte – und jetzt kommt das Wesentliche – ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen, und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.“

Die Lösung liegt also nicht darin, sich zu outen und anderen Menschen zu erzählen, wie schlecht man ist oder was man Falsches getan hat. Hier steht: Bekenne es dem Herrn – und er vergibt.

Ich glaube, wir Christen haben eine andere Botschaft – eine viel größere und bessere Botschaft. Wir haben diese Botschaft, und wir merken das jedes Mal, wenn wir ins Gefängnis gehen und mit den Inhaftierten sprechen. Oft sagen wir ihnen den Vers, wer weiß, wo der steht: 1. Johannes 1,9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

Das ist wahre Therapie. Das ist es, was David hier in Vers 5 sagt: „Ich tat dir kund meine Sünden und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte, ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen, und du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.“

Und wir merken, das ist Evangelium.

Warum und wie Gott vergibt

Und wir könnten fragen: Warum kann Gott vergeben? Das wusste David noch nicht. David wusste nur, dass Gott ihm aus lauter Gnade und Barmherzigkeit vergibt. Er wusste noch nichts von dem Werk auf Golgatha. Aber Johannes 3,16 sagt uns sehr deutlich: Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen Sohn hingegeben hat. Gott kann vergeben, weil er uns liebt und weil er an unserer Stelle seinen Sohn geopfert hat.

Und wir könnten als Zweites fragen: Wie vergibt Gott? Gott vergibt nicht, indem er die Augen zudrückt und sagt: „Schwamm drüber, vergiss es.“ Unser oberster evangelischer Bischof hat das so formuliert: „Gott hat nicht nötig,“ hat Bertrand Sturm gesagt, „dass sein Sohn für unsere Sünden stirbt. Er kann den Menschen so vergeben, wie wir Menschen das auch tun. Wir drücken einfach die Augen zu.“

Als ich das gelesen habe, dachte ich, man sollte dem Mann eine Bibel schenken, oder? Wie vergibt Gott wirklich? Er drückt nicht die Augen zu. Er gebraucht verschiedene Bilder in der Bibel, damit wir das besser verstehen.

Im Micha 7 wird gesagt, dass er unsere Sünden, die wir bekennen, in die Tiefe des Meeres wirft. Wie tief ist das Meer an der tiefsten Stelle? Elftausend Meter. Kann da ein Mensch hin? Der Wasserdruck ist zu hoch. Im Jahr 1960 ist der Schweizer Jacques Piccard mit einem Tauchboot bis auf zehntausendneunhundert Meter hinuntergekommen, also fast bis ganz unten. Konnte er da aussteigen? Nein. Konnte er da unten etwas sehen? Er brauchte riesige Laternen und Scheinwerfer. Da unten ist es stockdunkel.

Und wir merken: Das ist ein Bild, das Gott hier gebraucht. Er sagt: „Ich tue deine Sünden, die du mir bekennst, an die tiefste Stelle des Meeres.“ Er will damit sagen: Da kommst du nicht mehr dran. Ich tue sie an eine Stelle, wo du nicht mehr drankommst. Margret Birkenfeld hat dazu mal ein Lied geschrieben, und daher kommt der Ausdruck, wie sie sagt: Gott hat ein Schild hingestellt – Fischen verboten.

Aber viele Therapeuten sagen: „Tauch in deine Vergangenheit und arbeite deine Vergangenheit auf.“ Gott sagt: „Ich tue deine Sünden weg.“ Wisst ihr, was Gott da tut? Das ist göttliche Endlagerung, besser als Gorleben. Christliche Therapeuten sagen dann: „Tauche mit Jesus in die Vergangenheit und arbeite deine Vergangenheit mit Jesus auf.“ Das hört sich fromm an, steht aber nicht in der Bibel.

Gott sagt: „Ich tue deine Sünden an die Tiefe des Meeres, da kommst du nicht mehr dran.“ Wenn du deine Sünden Gott gibst, dann tut er sie weg. Sie sind auf Golgatha gesühnt.

Er gebraucht ein anderes Bild im Jesaja: „Ich habe deine Sünden gelöscht wie ein Nebel.“ Warst du schon mal auf einem Rundberg morgens früh, bis durch die Wolken, und dann siehst du den Sonnenaufgang? Unten im Tal ist alles nebelig. Dann geht die Sonne auf und plötzlich ist der Nebel weg. Wo ist er?

Gott sagt: „Ich tilge deine Sünden wie einen Nebel.“ Und ich darf diese Botschaft weitersagen: Gott tut deine Sünden weg. Und wie viele Christen haben Mühe damit! Obwohl sie ihre Sünden dem Herrn Jesus gebracht haben, drehen sie sich immer wieder um und beschäftigen sich immer wieder damit.

David hat es erlebt: „Ich tat dir kund meine Sünden und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen, und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.“

Wann wird Vergebung wirksam?

Und die dritte Frage, die wir uns stellen könnten, ist: Wann vergibt Gott?

Ich habe bereits den Vers aus 1. Johannes 1,9 zitiert. Dort steht: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ Jesus hat am Kreuz alle Sünden getragen. Sein Blut und sein Sterben reichen aus für alle Menschen aller Zeiten und für alle Sünden.

Aber wann wird diese Vergebung wirksam?

Das ist so, als wenn ein großer Bankier sagen würde: Jeder, der Schulden hat, darf zu mir kommen, und ich stelle ihm einen Scheck aus, den ich bereits unterschrieben habe. Er hat die Blankoschecks schon alle unterschrieben. Du brauchst nur noch deinen Betrag einzutragen. So geht Gott mit uns vor.

Wann wird dieser Scheck gültig? In dem Moment, in dem du deine Schuld hineinschreibst.

Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.

Man könnte fragen: Was ist denn daran gerecht? Müsste der Vers nicht heißen: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist Gott gnädig und barmherzig“? Was ist daran gerecht, dass Gott mir meine Sünden vergibt?

Gott ist der beste Jurist, den es gibt. Er kann sagen: „Mein Sohn hat deine Sünde gesühnt, er ist an deiner Stelle für deine Sünden gestorben. Jetzt ist es gerecht, dass ich dich freispreche.“

Wenn uns bewusst wird, was Vergebung nach dem Neuen Testament wirklich ist, dann wird es so, wie hier in dem Psalm auch. David hat begriffen, dass Gott wirklich vergeben hat. Am Ende dieses Psalms merkt man, dass er zum Jubeln und zur Freude kommt.

Die Freude und das Lob nach der Vergebung

Wisst ihr, ich frage mich manchmal, woher es kommt, dass Menschen zum Glauben finden, ihre Sünden dem Herrn Jesus bekennen und trotzdem mit einem so ernsten Gesicht weiter herumlaufen. Was hat Nietzsche einmal gesagt? Wenn die Botschaft der Christen stimmt, müssten die Christen viel erlöster aussehen. Und der Mann hat Recht, oder?

Aber es sieht so pietistisch gut aus, wenn wir alle so herumlaufen. Das Leben ist eines der schwersten und endet meist mit dem Tod. Es ist alles so maßlos traurig. Dabei könnten wir jubeln, wenn uns bewusst wird, was David bewusst geworden ist: Mir sind meine Sünden vergeben.

Ich glaube, ich habe das schon mal erzählt. Voriges Jahr, als wir zum ersten Mal in Ungarn in einem Gefängnis waren, in Warz an der Donau, da sitzen 800 Inhaftierte. Alles schwere Jungs, denen man nachts nicht begegnen möchte. In diesem Gefängnis ist vor Jahren einer zum Glauben gekommen. Er hat sich so verändert, dass der Gefängnisdirektor ihm freie Hand gegeben hat. Er darf in jeder Zelle mit jedem Inhaftierten sprechen.

Daraus ist entstanden, dass jeden Freitagabend in diesem Gefängnis eine Bibelstunde stattfindet – mit 80 Inhaftierten, zehn Prozent der Gefangenen. Sonntags kommen sie als Gemeinde zusammen und brechen das Brot. Sie sagen, sie seien eine echte Brüdergemeinde. Es ist ein Männergefängnis.

Als wir das erste Mal dort waren, standen wir vorne auf der Bühne als Chor. Vor uns saßen 150 Inhaftierte, alle gleich angezogen. Das ist anders als in Deutschland, wo es keine Einheitskleidung gibt. Was mich frappiert hat, war, dass etliche von denen, die da saßen, strahlten. Sie hatten völlig andere Augen als die anderen.

Wenn man genauer hinschaute, waren die, die strahlende Augen hatten, diejenigen, die eine Bibel auf dem Schoß liegen hatten. Das waren die Gläubigen. Das hat mich so irritiert, dass ich anschließend, als wir wieder aus dem Gefängnis draußen waren, an der ersten Schaufensterscheibe vorbeiging und hineinschaute, um zu sehen, ob man mir vielleicht ansehen kann, ob ich Christ bin. Und das ist schon eine Frage, oder?

David sagt: Glücklich der, dem die Sünden vergeben sind. Deshalb sagt er in der nächsten Strophe: „Mach es genauso! Deshalb soll jeder Fromme zu dir beten, zur Zeit, da du zu finden bist. Gewiss, bei großer Wasserflut werden sie ihn nicht erreichen. Du bist ein Bergungsort für mich. Vor Bedrängnis behütest du mich, du umgibst mich mit Rettungsjubel.“

Das heißt, er rät jedem: Mach es nach! Du kannst es selbst erleben.

Wisst ihr, ein Befreiter lebt anders als ein Sklave. Einer, dem die Sünden vergeben sind, lebt anders als einer, der in der Sünde lebt. Und das ist schon ein Erlebnis, wenn man diese junge Frau im Gefängnis in Willich erlebt, die ihre Schuld im Herrn Jesus abgelegt hat und nun um die Vergebung ihrer Sünden weiß.

Da sind die anderen inhaftierten Frauen zu ihr in die Zelle gekommen und haben gefragt, was mit ihr passiert sei. Auch die Bediensteten kamen zu ihr und fragten, was mit ihr geschehen sei, denn sie habe sich so verändert.

Was hat sich in deinem und in meinem Leben verändert, seit ich mich bekehrt habe? Ich muss sagen, ich habe mich damals mit neun Jahren bekehrt. Ich war vorher einigermaßen artig und hinterher auch. Da hat sich nicht viel verändert.

Das ist erst gekommen, als mir bewusst wurde, wie viele Sünden ich habe und was der Herr mir alles vergeben hat. Das ist mein Anliegen, den Menschen deutlich zu machen: Wenn du deine Sünde in meinen Jesus gebracht hast, dann hat er sie gesühnt. Dann sind sie weg.

Ich vergesse nie, wie auf einem Seminar vor einigen Jahren William Macdonald in Mettmann in der Gemeinde ein Seminar gehalten hat. William Macdonald ist inzwischen beim Herrn. Er sagte damals Folgendes: Den meisten Christen geht es so: Sie haben gesündigt, dann tut es ihnen leid. Sie beten: „Herr Jesus, vergib mir meine Sünden! Herr Jesus, vergib mir meine Sünden! Bitte, bitte, bitte, Herr Jesus, vergib mir meine Sünden!“

Und er fragte: Wann vergibt der Herr Jesus? Beim zwanzigsten Mal? Er bezog sich auf 1. Johannes 1,9 und sagte: Wenn, dann, oder? Du sagst: Danke, Herr! Du stehst auf von deinen Knien. Zehn Minuten später machst du das Gleiche wieder. Und du gehst wieder auf deine Knie und sagst: Herr Jesus, schon wieder!

William Macdonald sagt: Und der Herr Jesus fragt: Was, schon wieder? Was will er damit sagen? Er hat wirklich beim ersten Mal vergeben. Und wenn du jetzt wieder sündigst, ist das wieder das erste Mal.

Wir denken, Sünden sind so, als hätten wir einen Bierdeckel, auf den wir immer einen Strich machen. Wenn du dem Herrn Jesus deine Sünden bekennst, gibt er dir einen neuen Bierdeckel. Der alte Strich ist weg.

David erlebt das hier. Und ich glaube, deswegen sagt Gott von ihm, er ist ein Mann nach meinem Herzen.

Vorbeugung gegen weitere Sünden durch Gottes Führung

Und was ist die Vorbeugung vor weiteren Sünden? Das erklärt er ab Vers 8 bis Vers 10. Er sagt: „Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst. Ich will dir raten, mein Auge ist über dir.“ Andere Übersetzungen sagen: „Ich will dich mit meinen Augen leiten.“

Wie kann man das tun? Nun, ich erinnere mich an meine Kindheit. Mein Vater hat mich so erzogen, er hat uns mit seinen Augen geleitet. Vater brauchte nie etwas zu sagen. Er brauchte uns nur anzuschauen, und wir wussten, wo die Glocken hängen. Kennst du das? Das spart dir manche Halskrankheit. Du brauchst nicht zu schreien, du brauchst nicht laut zu werden.

Aber diese Erziehungsmethode funktioniert nur, wenn man im Blickkontakt ist. Das heißt, wenn ich meine Kinder mit meinen Augen leiten will, muss ich sie schon früh daran gewöhnen, dass wir uns anschauen. Und im Grunde ist das, was Gott hier sagt: „Ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Wenn Gott mich mit seinen Augen leiten will, dann funktioniert das nur, wenn ich in Blickkontakt mit Gott bin.

Wenn wir nicht mit unserem Vater im Blickkontakt waren, hatten wir dafür einen Familienpfiff. Unser Vater brauchte nur zu pfeifen, und alle Platteskinder schauten zum Vater. Diesen Familienpfiff haben wir beibehalten, und er ist jetzt schon in der dritten Generation. Das ist schon eine praktische Sache.

Wir haben sehr schnell gemerkt: Wie kann man einen Menschen erziehen, ohne laut zu werden? Als wir unsere Pflegetochter aufnahmen – sie war damals neunzehn – sagte sie am ersten Tag zu mir: „Ebert, das eine sage ich dir von Anfang an, ich habe noch nie einem Menschen gehorcht, und dir werde ich auch nicht gehorchen.“ Ich dachte: Hoppla, wie kann man so einen Menschen erziehen?

Aber wir haben ihr sehr schnell deutlich gemacht: Wir gucken uns an, wenn wir sprechen. Und dann braucht es nichts mehr zu sagen. Du brauchst es nur zu gucken.

Das sehen wir auch beim Herrn Jesus im Neuen Testament. Der Blick des Herrn Jesus muss anders gewesen sein als bei allen anderen Menschen. In Markus 10 kommt dieser junge reiche Mann zu ihm, und als er weggeht, steht da: „Jesus blickte ihn an und gewann ihn lieb.“ Diesen Blick hat er mitgenommen.

Aber Jesus konnte auch anders gucken. Kurze Zeit darauf ist er in der Synagoge in Nazareth, und sie versuchen, ihm eine Falle zu stellen. Da heißt es: „Und er guckte jeden Einzelnen in der Synagoge im Zorn an.“ Ich kann mir vorstellen, dass sie am liebsten unter die Bänke gekrochen wären.

Mit einem Blick kannst du mehr sagen als mit tausend Worten. Du kannst mit deinen Augen Mut machen, du kannst mit deinen Augen blockieren.

Wenn ich zurückdenke an meine Kindheit, konnten viele Meter zwischen meinem Vater und mir sein. Wenn irgendetwas war, schauten wir Kinder zum Vater, er schaute uns an, und alles war klar. Da brauchte er nicht durch die Menschenmenge zu rufen.

Gott sagt: „Ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Wir sagen oft, wir wünschten uns, wenn wir beten, dass ein Zettel vom Himmel fällt. Das braucht Gott nicht. Wenn du im Blickkontakt mit Gott bist, dann wirst du das merken.

Ich möchte dazu Mut machen. David sagt hier: Sei nicht störrisch. Halte Blickkontakt, schau nicht auf deine Sünde, sondern schau auf Gott.

In Sprüche 28 heißt es: „Glücklich der Mensch, der beständig in der Gottesfurcht bleibt. Wer aber sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen.“

David fasst im letzten Vers sozusagen zusammen: „Freut euch an dem Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, und jubelt alle, ihr von Herzen Aufrichtigen.“ Einer, dem vergeben ist, kann sich wirklich freuen.

Vielleicht nimmst du diese Frage mit: Wo sollte ich vor Gott aufdecken und bekennen, damit Gott mir vergeben kann? David hat es so erlebt, und er gibt es hier in diesem Psalm weiter. Nimm das vielleicht so mit: Einer, dem vergeben ist, kann sich wirklich freuen. Vergebung führt zum Lob Gottes! Amen.

© Autor, Referent: Eberhard Platte

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