Wir machen jetzt weiter und nehmen das Thema ein bisschen straffer durch
als bisher. Aber da wir ja noch zwei weitere Abende über das Neue
Testament haben, könnte ich die Themen, die heute kürzer drangekommen sind, noch
einmal etwas ausführlicher drannehmen. Wichtig war mir, dass wir einfach
mal eine Übersicht haben so ganz grob, aber zusammen.
Der 2. Korintherbrief spricht über den Dienst für Gott inmitten von
vielen Schwierigkeiten und Nöten. Er ist voll praktischer und Mut machender
Belehrungen für einen jeden, der sein Leben Gott ganz zur Verfügung stellen
möchte. Ferner geht er nochmals gewisse Missstände in der Korinther
Gemeinde an, also Fortsetzung vom ersten Brief, um seelsorgerlich zu helfen
und diese zum Teil im ersten Brief schon angesprochenen Probleme endgültig
zu lösen. So muss man die Verbindung zwischen dem ersten und zweiten
Korintherbrief sehen. Also der zweite Korintherbrief geht weiter. Man
spricht nicht nur immer von Problemen, sondern wir müssen klare Ziele im
Dienst für Gott haben, aber es sind immer noch Probleme da und die werden
auch im zweiten Brief noch angegangen. Man könnte sagen, der erste Brief ist typisch korrektiv und der zweite restaurativ, wiederherstellend. Da wird noch das letzte notwendige der Wiederherstellung zugefügt.
Der Galaterbrief warnt vor der Irrlehre, die besagt, man könne durch
eigenen Verdienst und durch das Einhalten der Gebote des Gesetzes Mose
einen Beitrag zu seiner eigenen Erlösung leisten. Er betont daher die
Vollgültigkeit des Erlösungswerkes Jesu Christi am Kreuz. Ferner warnt er
prinzipiell ernstlich vor dem Irrweg, dass nichtjüdische Christen beginnen,
nach jüdischen Geboten zu leben. Also auch hier sehen wir in Gottes weiser
Voraussicht einen Brief, der gerade die schlimme Irrlehre geißelt, bevor
sie so das Christentum durchdringen konnte. Also dass man meint, durch
eigene Leistung könne man einen Beitrag bringen. Es ist so eindrücklich zu
sehen, wie Gott im Neuen Testament alle Probleme, die in 2000 Jahren kommen
sollten, vorausgesehen und bereits die Lösung im Neuen Testament gegeben
hat. Darum brauchen wir keine Apostel und Propheten mehr, weil die Bibel
selbstgenügsam für alle weiteren Zeiten ist.
Aktuell ist beim Galaterbrief
auch noch folgender Aspekt. Heute gibt es eine richtige Sicht für Israel,
die sich nach Römer 9-11 richtet. Es gibt einen Fanatismus, der darüber
hinausgeht, indem man Israel und Gemeinde völlig vermischt oder eine ideale
Sicht, als wäre das 1000-jährige Reich schon heute da und die Völker
müssten nach Jerusalem pilgern und beim Laubhüttenfest mit dabei sein. Hier
im Galaterbrief werden nichtjüdischen Christen davor gewarnt: Ihr dürft
nicht beginnen, diese Gebote über Feste aus der Thora und so weiter zu
feiern. Galater 4,9:
Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber
von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr wieder um zu den schwachen und
armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?
Das sind eben die Vorbilder im Gegensatz zur Realität in Christus. All diese
jüdischen Feste haben eben einen schattenhaften Charakter. Verse 10-11:
Ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch,
ob ich nicht etwa vergeblich an {o. in Bezug auf} euch gearbeitet habe.
Weil sie jüdische Feste feiern wollten. Also da wieder ein ganz aktueller
Bezug zu Schwierigkeiten, die es heute unter Christen gibt.
Der Epheserbrief beschreibt in den Kapiteln 1-3 die einzigartige Stellung
der Christen als ein neues Volk, das weder jüdisch noch heidnisch ist. Es
ist vielmehr ein himmlisches Volk mit himmlischen Segnungen, im Gegensatz
zu Israel als irdisches Volk Gottes mit speziell irdischen Segnungen, vgl.
5. Mose 28. Dieser Brief zeigt aber auch, wie dieser himmlische Charakter
dieser Erlösten, die zur Gemeinde Gottes gehören, sich in den alltäglichen
Beziehungen auf Erden, in der Gemeinde, in der Familie, in Ehe und der
täglichen Arbeit auswirken muss. Das wird behandelt in den Kapiteln 4-6.
Die Verknüpfung zwischen dem ersten und dem zweiten Teil ergibt sich durch
ein Wort, Kapitel 4,1: "Ich ermahne euch nun." Kennen wir das aus dem
Römerbrief? Es ist die Schlussfolgerung aus der Lehre davor in den Kapiteln
1-3.
Im Judentum unterscheidet man zwischen Haggadah und Halacha. Die
Halacha sind all die systematischen Ausarbeitungen über die praktische
Umsetzung der Gebote. Sie beantwortet die Frage: Wie muss man die und die
Gebote der Thora im praktischen Leben genau anwenden? Das ist die Halacha,
das kommt von halach, gehen oder wandeln. Und man spricht in der
rabbinischen Theologie von der Haggadah, da geht es um Predigt, um
Vergleiche, Illustrationen, Gleichnisse, Abhandlungen über Prophetie und so
weiter. Das ist Haggadah. Und so könnten wir im Vergleich zu dieser
Zweiteilung sagen, Epheser 1-3 behandelt ein haggadisches Thema. Hier wird
uns die Größe und Weite des Ratschlusses Gottes für uns Erlöste gezeigt.
Und Kapitel 4-6 behandelt dann, wie das im
alltäglichen Leben im Wandel umgesetzt werden muss. Und darum heißt es in Epheser 4,1:
Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der
Berufung, mit welcher ihr berufen worden seid.
Jetzt kommt der halachische Teil. Würdig wandeln, hallach. Das ist also die Schlussfolgerung aus der
Haggadah. Kapitel 1-3, diese herrliche erhabene Berufung: Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus (Epheser 1,3). Und wir können das mit einem Sprichwort zusammenfassen: Noblesse
oblige, Würde verpflichtet. Und es gibt Menschen, die sind ein bisschen
mystisch veranlagt, die können beim Lesen der Kapitel 1-3 förmlich
schwelgen, aber es ist von dem tatsächlichen Leben abgehoben. Und das ist
eine Art von Mystizismus. Das darf nicht sein. Und so sehen wir, obwohl
dieser Brief uns eigentlich in die höchsten Höhen unseres Glaubens führt,
dass gerade dieser Brief uns dann auch verpflichtet, diese Dinge, die wir
im Glauben erfasst haben, auch in unserem täglichen Leben umzusetzen. Wer
sich nur mit Halacha beschäftigt, jetzt im christlichen Sinn, ist ein armer
Mensch. Aber wer sich nur mit Haggadah beschäftigt, ist eigentlich auch
arm, weil er den Bezug zum Leben gar nicht sieht. Wir müssen also Kapitel 1-6 gemeinsam beachten.
Der Philipperbrief, geschrieben aus dem Gefängnis in Rom, ist eine
wunderbare Abhandlung über die Lebensführung der Christen als eine
Schicksalsgemeinschaft. Er betont, dass die Christen durch Sinn für
Mission, Demut, Zusammenhalt und Freude im Herrn ausgezeichnet sein sollen.
Der Herr Jesus Christus ist das vollkommene Vorbild. Er soll den Christen
stets als Ansporn vor Augen stehen. Der Weg des Christen ist ein Laufen in
der Rennbahn, wobei Jesus Christus selber das alleinige Ziel sein soll. In
Kapitel 1 ist der Herr Jesus der Inhalt des Lebens. Philipper 1,21:
Denn das Leben ist für mich Christus, und das Sterben Gewinn.
In Kapitel 2 ist der Herr Jesus das vollkommene Vorbild, Vers 5:
Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war.
Da wird seine ganze Selbsterniedrigung beschrieben. Christus ist in Kapitel 3 unser
vollkommenes Ziel, Vers 14:
Eines aber tue ich: Vergessend was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel
anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus
Jesus.
Und in Kapitel 4 ist der Herr Jesus unsere Kraft, Vers 13:
Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.
In diesem Brief kommt das Wort
Freude, freuen, froh 16 Mal vor. Das ist ein Brief, der sehr konzentriert
von der Freude spricht, und das aus dem Gefängnis. Das zeigt, die Freude im
Herrn ist an die Umstände nicht gebunden. Also die Umstände können schlecht
sein und trotzdem kann die Freude im Herrn als Realität da sein. Philipper
4,4:
Freut euch in dem Herrn allezeit! und abermals will ich sagen:
Freuet euch.
Der Kolosserbrief ist eine Antwort auf die Gefahr der Verführung durch
eine mystische Irrlehre mit jüdischen und griechischen Elementen. Er zeigt
die überragende Herrlichkeit der Person Jesu auf. Wer ihn kennt und des
Christen Stellung in ihm, darf deutlich feststellen, dass all die
verführenden Angebote mystischer Bewegungen als völlig wertlos verblassen
müssen neben dem, was ein Gläubiger in Christus als reines Geschenk
besitzt. Ich habe schon erklärt, Kolosser 1 gehört mit Hebräer 1 und
Johannes 1 zu diesen Kapiteln, die im Prinzip alle Irrlehren gegen die
Person Jesu in den vergangenen 2000 Jahren zerschlagen haben. Kapitel 1
zeigt uns enorme Tiefen bezüglich der Person des Herrn Jesus als Erlöser,
als Schöpfer, als Erhalter aller Dinge, als Haupt des Leibes und so weiter
und so fort. Diese mystische Lehre sagte aus, es ist an sich gut, gläubig
zu sein, aber der Gläubige muss nun durch bestimmte Übungen in höhere
Regionen hinauf gelangen. Und der Kolosserbrief sagt in Kapitel 2,9-10a:
Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr
seid vollendet in ihm.
Abgeschlossen: Ihr seid vollendet in ihm!
Also der Gläubige braucht nicht noch eine mystische Leiter, ein zweites Erlebnis,
noch etwas Zusätzliches, was ihm fehlen würde. Er hat bereits alles in
Christus. Ihr seid vollendet in ihm. Und der Kolosserbrief zeigt darum, wie
herrlich die Person des Sohnes Gottes ist und in ihm haben wir bereits
alles bekommen.
Wir brauchen keinen zweiten Segen. Nein, danke, wir haben schon den vollen Segen in Christus.
Also auch da merken wir sofort den
höchst aktuellen Bezug zu dem Mystizismus unserer Tage. Charismatik und so
weiter sind mystische Bewegungen, wo man eben meint, in höhere geistliche
Regionen aufzusteigen, nachdem man bereits bekehrt ist, nachdem man im
Glauben schon alles in Christus hat und das wird hier grandios widerlegt.
Es sind auch zwei Teile. Kapitel 3,1 beginnt mit:
Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus
ist, sitzend zur Rechten Gottes.
Dieses nun zeigt wieder die
Schlussfolgerung an aus der Belehrung in den ersten beiden Kapiteln.
Der 1. Thessalonicherbrief klärt eine junge, bereits durch manche
Verfolgung erprobte Gemeinde über verschiedene Missverständnisse auf,
insbesondere in Verbindung mit der Wiederkunft Christi. Er zeigt auf, dass
der Herr Jesus Christus in der Zukunft alle Erlösten entrücken wird, um
später mit ihnen zusammen aus dem Himmel wiederzukommen als Richter der
Welt. Dieser Brief ermutigt in den Nöten des Lebens durch die beständige
Erwartung des Kommens des Herrn Jesus.
Als Studienhinweis: In jedem Kapitel
wird über die Wiederkunft Jesu Christi gesprochen. Es werden beide Kommen,
oder beide Phasen des Kommens, des Herrn Jesus erklärt: Das Kommen zur
Entrückung und das Kommen zum Gericht. Das Kommen für die Gläubigen und das
Kommen mit den Gläubigen. Und das an eine junge Gemeinde, will sagen,
solche prophetischen Dinge sind nicht nur für Leute, die ganz lange im
Glauben sind, sondern das sind Basisbelehrungen.
Der 2. Thessalonicherbrief ist eine Antwort auf das Missverständnis, dass
die Zeit der göttlichen Gerichte über diese Welt schon gekommen sei.
Paulus
erklärt, dass die Verfolgungen und Nöte der Christen nicht mit dieser Zeit
der Gerichte der Endzeit verwechselt werden dürfen. Diese Gerichtszeit wird
mit dem alttestamentlichen Ausdruck «der Tag des Herrn» bezeichnet. Die
Endzeitgerichte können erst kommen, nachdem zuvor die Verführung durch den
Antichristen, den Sohn des Verderbens, stattgefunden hat.
Dieser Brief
warnt ferner ernstlich davor, dass die Erwartung der Wiederkunft Jesu
niemals zu einer unnüchternen Lebensführung Anlass geben darf, bei der man
die Verantwortung für täglichen Belange vernachlässigt.
Dieser Brief wurde,
wie wir wohl nächstes Mal sehen werden, kurz nach dem ersten geschrieben.
Die Thessalonicher wurden durch Irrlehrer besucht, die sagten: Schaut mal,
ihr werdet verfolgt in Thessalonich und das ist der Beweis, dass bereits
die Gerichtszeit da ist, die Drangsalszeit. Der Tag des Herrn, so wird er
im Alten Testament genannt. Also da kommen Irrlehrer, die bringen den
prophetischen Kalender durcheinander. Christen leiden, also sind sie in der
Drangsalszeit. Und der Brief erklärt, dass das überhaupt nicht stimmt. Denn
dieser Tag des Herrn kann nicht kommen, bevor nicht zuerst der große Abfall
gekommen ist und dann muss zuerst der Antichrist erscheinen. Und erst
danach kommt die große Drangsalszeit. Aber das Kommen des Antichristen
selbst wird heute noch aufgehalten durch eine Kraft und erst wenn diese
Kraft weg ist, dann kann der Antichrist überhaupt erst kommen.
Übrigens,
diese Irrlehrer waren echt fies. In Kapitel 2,2 heißt es:
Dass ihr
nicht schnell erschüttert werdet in der Gesinnung, noch erschreckt, weder
durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief als durch uns, als ob der
Tag des Herrn da wäre.
Es gab also gefälschte paulinische Briefe, die
ihnen mitteilen wollten, dass der Gerichtstag schon da ist. Es heißt: Brief
als durch uns. Also es sah so aus, als wären sie von Paulus geschrieben.
Und es gab solche, die als Propheten auftraten, «durch Geist». So spricht
der Herr, oder einfach durch Verkündigung, durch das Wort. Also Irrlehre
wurde verbreitet durch das Wort, durch Geist und durch gefälschte Briefe.
Und wie sollte man damals unterscheiden, welche Briefe echt waren und
welche nicht? Kapitel 3,17:
Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, welches das Zeichen in jedem Briefe ist; so schreibe ich.
Paulus hat in
allen Briefen, die er diktiert hat, am Schluss noch eigenhändig
geschrieben, auf dass man aufgrund des Schriftbildes erkennen konnte, dass
dieser Brief echt ist.
Im 1. Timotheusbrief gibt Paulus dem jungen Mitarbeiter Timotheus
Anweisungen für seine Aufgaben unter den Gläubigen in Ephesus. Man beachte
in diesem Schreiben die vielen konkreten Befehle. Er enthält etwa 30
Befehlsformen. Er zeigt auf, wie man ein gesundes Glaubensleben führen kann
und wie krankhaften Entwicklungen entgegen gewirkt werden muss.
Der Brief
gibt ferner Anweisungen zu den Themen Gebet, Stellung der Frau,
Leiterschaft in der Gemeinde und Diakonendienst.
Die Ausführungen über das
Geheimnis der Gottseligkeit (3,16) bilden einen besonderen Höhepunkt der
Ausführungen in diesem Schriftstück. Da geht es um die Menschwerdung
Gottes. Also sehr konkret. Ich habe in meiner Bibel alle Befehlsformen mit
einer Farbe besonders markiert. Und wenn mal einer das Gefühl hat, das ist
alles so wenig praktisch in der Predigt, das ist alles so theoretisch, dann
kann er zuhause mal den 1. Timotheusbrief durchlesen und alle Befehlsformen
anstreichen und dann weiß er schon mal dreißigfach, was er zu tun hat. Dann
wird das Christentum wieder sehr praktisch. Es ist wirklich konkret und es
ist ja so, dass man in der heutigen Zeit sehr schnell in den Ruf der
Gesetzlosigkeit kommt. Es gibt echte Gesetzlichkeit, aber Gesetzlichkeit
ist nicht, wenn wir uns an die Gebote des Neuen Testaments halten. Der Herr
sagt ja in Johannes 14:
Wer meine Gebote hat und sie tut, der ist es, der
mich liebt.
Also Christentum hat nicht einfach damit zu tun, dass wir alle
ein bisschen lieb miteinander sind. In der Praxis ist man es dann ja doch
nicht, oder? Es ist viel konkreter. Also wir haben ganz detaillierte
halachische Anweisungen im neuen Testament. Also der 1. Timotheusbrief ist
eine wahre Fundgrube, eine Freude.
Der 2. Timotheusbrief trägt einen besonders feierlichen Charakter. Es ist
das letzte Schreiben des Paulus im Neuen Testament. Verfasst wurde dieser
Brief aus einer Todeszelle in Rom, übrigens während der zweiten
Gefangenschaft. Der Philipperbrief, den wir vorhin behandelt haben, wurde
zum Beispiel während der ersten Gefangenschaft geschrieben. Zum Ende der
Apostelgeschichte wurde Paulus noch einmal freigelassen und dann kam er wieder
ins Gefängnis und das war dann die Todeszelle.
Damit wird deutlich, dass
der 2. Timotheusbrief das Testament des Paulus ist. Das letzte, was man
noch schreibt, zwingt einen, die ganz wesentlichen Dinge anzusprechen.
Paulus sah, wie sein Lebenswerk anfing unter schlechten Einflüssen zu
degenerieren. In 2. Timotheus 1 sagt er: "Alle, die in Asien sind." Das war ja
eine Provinz in der Westtürkei so groß wie die Schweiz, wo er am meisten
missionarisch gearbeitet hat. Alle, die in Asien sind, haben sich von mir
abgewandt. Jetzt ist er in der Todeszelle, kann nicht mehr eingreifen und
sieht, wie alles zusammenbricht. Paulus sah, wie sein Lebenswerk anfing
unter schlechten Einflüssen zu degenerieren, ohne dass er noch etwas
dagegen durch persönliche Intervention hätte unternehmen können.
Dies nimmt
er zum Anlass, um die letzten Tage, die Endzeit der Christen zu beschreiben.
Das ist also die Zeit der Degeneration. Die falschen Propheten sagen: Jetzt
kommt der Friede. Das ist ein wahrer prophetischer Brief, das ist die Zeit
der Degeneration. Was in der Zeit des Paulus im Ansatz geschah, sollte in
großem Maß die Christenheit in der Zeit vor der Wiederkunft Christi
kennzeichnen.
Dieser Brief gibt viele ganz konkrete und persönliche
Verhaltensanweisungen in einer Zeit des allgemeinen Abweichens von den
Belehrungen der Bibel. Übrigens könnt ihr dort wieder einmal etwa dreißig
Befehlsformen anstreichen. Dann sehen wir, wie Leben in der Endzeit sehr
konkret ist. Wir haben also ganz genaue halachische Anweisungen für das
Leben in den letzten Tagen.
Ausgerechnet in diesem Brief haben wir übrigens
die klassische Inspirationsstelle, die ich beim letzten Mal behandelt habe.
Die Endzeit ist die Zeit, wo der Frontalangriff gegen die Inspiration der
Bibel gestartet worden ist, und da haben wir die klassische
Inspirationsstelle. 2. Timotheus 3,16:
Alle Schrift ist von Gott
eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur
Unterweisung in der Gerechtigkeit.
Ein hochaktueller Brief in einer Zeit
der Verführung und des unaufhaltsamen Niedergangs. In Kapitel 3,8
wird beschrieben, wie der Widerstand, den die Gläubigen erleben, wie der
von Jannes und Jambres gegen Mose sein wird. Was haben die gemacht? Die
haben die Zeichen Gottes nachgeahmt durch dämonische Kräfte. Das ist schon
interessant, oder?
Im Titusbrief gibt der Apostel Paulus Anweisungen an seinen Mitarbeiter
Titus im Blick auf dessen Dienst unter den Gemeinden auf der Insel Kreta.
Er betont die Wichtigkeit gesunder Leiterschaft unter dem Volk Gottes, um
Irrlehren und krankhaften Entwicklungen wirksam begegnen zu können.
Er
spricht konkret über den christlichen Lebenswandel, unter besonderer
Berücksichtigung der Alten und Jungen, der Frauen und Männer, und der
Sklaven, Arbeitnehmer heute.
Ferner wird auch über die richtige Haltung
gegenüber dem Staat und den ungläubigen Menschen gesprochen. Wieder sehr,
sehr konkret.
Ihr könnt den Farbstift wieder neu herausholen und etwa
dreißig Befehlsformen anstreichen. Und dann haben wir damit schon neunzig
halachische Gebote. Aber nicht Gesetz vom Sinai. Wir werden nicht
gesetzlich, wir sind ganz christlich. Aber
Christentum ist konkret.
Der Philemonbrief ist ein herrliches Plädoyer von Paulus für einen
davongelaufenen, einst unnützen Sklaven namens Onesimus, zu deutsch: der
Nützliche. Dieser Sklave kam durch Kontakt mit dem in Rom festgehaltenen
Apostel – diese zwei Jahre am Ende der Apostelgeschichte – zum Glauben.
Paulus ermahnt Philemon, den Herrn von Onesimus, er solle den
Davongelaufenen als seinen Bruder in Christus liebevoll wieder aufnehmen.
Dieser Brief ist ein Juwel christlichen Takts und Feingefühls für heikle
Angelegenheiten.
Also man muss den Brief mal auf das hin lesen: Wie sage
ich es meinem Kind oder wie sage ich es meinem Bruder? Also das hat gar
nichts zu tun mit Holzhacken. Der Apostel, der die höchste Autorität hatte,
die Gott Menschen geben kann, der schreibt mit so viel Takt und
Einfühlungsvermögen, um jemanden wirklich zu gewinnen für eine gute Sache.
Also das sollen wir hier lernen, nebst dem, dass der Brief natürlich noch
weiter Bedeutung hat. Nicht wahr, wir alle sind solche, die Gott als nützliche Diener hätten
dienen sollen. Erschaffen im Bild Gottes. Aber wir
sind Gott davongelaufen, waren unnützlich und dann sind wir dem Herrn Jesus
begegnet und er hat die ganze Sache übernommen. Ich, Paulus, ich will
bezahlen. Und der Herr Jesus hat uns zurückgeführt zu Gott, so dass aus
Unnützen Nützliche werden konnten. Also eine wunderbare typologische
Umschreibung der Erlösung wird hier auch noch geboten.
Der Hebräerbrief richtet sich an jüdische Christen. Er zeigt, dass das
Alte Testament mit seinen vielen Riten und Opfern lediglich ein
Schattenbild von dem ist, was jetzt durch das Kommen des Messias Jesus
Wirklichkeit geworden ist. Eindrücklich und beredt. Der Brief beginnt mit
einem fünffachen explosiven Pi-Laut. Ja, das muss ich vorlesen. Ja, da muss
man sich vorstellen, da wird der Hebräerbrief in den Gemeinden zum ersten
Mal vorgelesen, ein Rundschreiben, den bekamen also viele Gemeinden. Also:
polymeros kai polytropos palai ho theos lalesas tois patrasin en tois
prophetais.
"Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den
Vätern geredet hat in den Propheten (hat er am Ende der Tage zu uns geredet
im Sohn.)"
Also das ist ein Stabreim, ein fünffaches Pi. Stabreim ist: Mann
und Maus, Haus und Hof, das sind Stabreime.
Der Jakobusbrief zeigt, dass sich der echte Glaube in konkreten Taten
auswirkt. Ein Glaube, der nur ein Lippenbekenntnis ist, muss als tot
bezeichnet werden. Dieser Brief zeigt sehr konkret, was in Gottes Augen
gute Werke sind. Jakobus richtete diesen Brief an jüdische Christen in der
Anfangszeit des Christentums. Diese Epoche war eine Übergangszeit, in der
die Judenchristen noch allgemein nebeneinander sowohl die Synagoge als
auch die christliche Gemeinde besuchten.
In Kapitel 2 gibt er Anweisungen
über das richtige Verhalten in der Synagoge.
In Kapitel 5 spricht er über
die Ältesten der ekklesia, der Gemeinde. Da haben wir dieses Nebeneinander,
was wir in der Apostelgeschichte genau so wiederfinden.
Der Brief ist
übrigens an die zwölf Stämme in der Zerstreuung geschrieben. Das ist
erstaunlich. Das zeigt diese ganz klare judenchristliche Ausrichtung.
Jakobus war der Bruder des Herrn. Von ihm hat man ja die Knochenbox
gefunden, oder identifiziert vor Kurzem, wo es heißt darauf: «Jakov ben
Josef», Jakob, Sohn des Josef und dann heißt es auch weiter: Bruder von
Jeschua, also der Bruder Jesu.
Ja so nebenbei gesagt, für viele Menschen
ist ja das Leben wie Monopoly: Man packt es aus, hat Spaß und dann kommt
alles wieder in die Kiste. Ja, das hat mich so erinnert, weil das war ja
eine kleine Kiste, wo man die Knochen der Zweitbestattung hineingelegt hat.
Aber Jakobus und Juden, die das so gemacht haben, haben das im Blick auf
die Auferstehung so gemacht. Die wussten, diese Knochen werden auferstehen.
Aber für viele Menschen ist das heute so, als ob alles in die Box kommt und damit
alles aus ist. So ist es nicht.
Der 1. Petrusbrief richtet sich an jüdische Christen, die lernen mussten,
was es bedeutet, an einen unsichtbaren Messias, dessen Weltreich noch in
der Zukunft liegt, zu glauben. Dieser Brief zeigt, wie sich Christen in der
Zeitepoche zwischen dem Weggang des Herrn Jesus in den Himmel bis zur
Aufrichtung des messianischen Reiches in der Zukunft bei der Wiederkunft
Christi verhalten sollen. Immer wieder wird das Leben Jesu hier auf
Erden als Vorbild dafür hingestellt.
Der Brief richtet sich an Gläubige in
der Zerstreuung, griechisch Diaspora, ein Fachausdruck für die Juden im
Ausland. Für Juden war es so schwierig zu verstehen: Wie kann Jesus der
Messias gewesen sein, wenn er ja hier nicht als König geblieben ist? Petrus
sagt, das ist eine Frage der Zeit. Er ist zurück gegangen, er kommt wieder
und in dieser Zeit zwischen den beiden Erscheinungen Jesu müssen wir uns
nun als Christen bewähren. Aber der Mensch Jesus ist unser Vorbild.
Der 2. Petrusbrief richtet die Blicke der Gläubigen auf das kommende
messianische Königreich und auf die damit verbundene Wiederkunft Christi.
Petrus sagt, ich bin auf dem Berg gewesen, habe das bei der Verklärung
miterlebt, das war die Herrlichkeit Christi in seinem Reich. Wir sind
Augenzeugen. Das war keine Fabel, kein Märchen. Wir haben das gesehen, das
war ein Vorgeschmack, also das kommt noch.
Das prophetische Wort, das diese
Hoffnung nährt, wird mit einer an einem dunklen Ort scheinenden Lampe
verglichen.
Das verderbliche Werk von Irrlehrern wird ausführlich
beschrieben, um die Erlösten vor ihren Taktiken und Verführungen zu
schützen.
Petrus schrieb diesen Brief kurz vor seinem Märtyrertod. Das ist
also auch ein Testament, wie der 2. Timotheusbrief. Dies gibt diesem
Schreiben einen besonders feierlichen Charakter.
Also das prophetische Wort
wird hier als ganz wichtig hingestellt, das uns Mut macht auszuharren, das
Herrliche kommt noch. Aber wir sind jetzt in der Zeit, wo wir verführt
werden können und da müssen wir bestehen. Und diese Verführer werden
hingestellt als solche, die sehr locker sind in moralischen Dingen. Und da
sind wir nun ja heute mitten drin. Also der ethische Zusammenbruch in der
evangelikalen Welt heute ist katastrophal.
Der 1. Johannesbrief warnt vor gnostischen Irrlehren, die die Wahrheit
der Person des Herrn Jesus Christus massiv angriffen und leugneten. Sie
leugneten, dass er wahrer Mensch und wahrer Gott in einer Person ist. Wer
in dieser Weise den Sohn Gottes leugnet, ist ein Antichrist, einer, der
sich gegen Christus stellt. Wer aber den wahren biblischen Jesus kennt und
Gemeinschaft mit ihm hat, hat auch Gemeinschaft mit Gott dem Vater. Der
wahre und unverfälschte Glaube an den Sohn Gottes wirkt sich aus und
erzeigt sich durch Gehorsam gegenüber Gottes Wort und durch Liebe zu den
Glaubensgeschwistern.
Übrigens wurde auch das Johannesevangelium als
Kampfschrift gegen die gnostische Irrlehre geschrieben. Und dieser Brief
genau so.
Der 2. Johannesbrief wendet sich an eine Mutter und ihre Kinder. Hm,
Alleinerzieherin? Das ist aktuell, oder? Der alte Apostel Johannes warnt
sie vor dem Umgang mit als Antichristen bezeichneten Irrlehrern, die die
biblische Lehre über die Person von Jesus Christus nicht bringen. Gut, es
kann auch sein, der Mann war ungläubig und die Mutter hatte die
Glaubenserziehung der Kinder als Aufgabe. Aber so schön, ein ganz kleiner
Brief von einem Apostel an eine Mutter, die um ihre Kinder und um ihr
Glaubensleben besorgt war.
Der 3. Johannesbrief richtet sich an einen Christen namens Gajus.
Johannes erklärt ihm, wie wichtig es ist, vorbeikommende Missionare zu
unterstützen und sie für ihre Reisen auszurüsten. Während der zweite Brief
gebietet, Irrlehrer konsequent abzuweisen, so ermahnt dieser Brief,
bibeltreue Missionare aufzunehmen.
Ferner warnt er vor Machtmenschen in der
Gemeinde. Es geht da um Diotrephes, der gerne der Erste sein will in der
Gemeinde. Also Menschen, die Macht über andere ausüben wollen, denen muss
entgegen getreten werden.
Der Judasbrief spricht über die Infiltrierung der christlichen Gemeinde
durch unechte Christen, durch Menschen, die keine persönliche Beziehung zu
Gott haben. Er schildert eine total verkommene Christenheit, voll von
Unmoral, Rebellion gegen Gottes Willen und offenem Abfall vom biblischen
Glauben. Judas ermutigt die wahren Christen zu einem überzeugenden
christlichen Lebenswandel und schließt mit einem wunderbaren Lobpreis. Also
nicht mit einem Klagelied. Es ist wieder ein Endzeitbrief, in Vers 17 geht
es ganz eindeutig um die Endzeit. Aber die Endzeit ist eine Zeit, wo wir
diesen wunderbaren Lobpreis aus dem Judasbrief anstimmen dürfen. Vers 24:
Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit
tadellos darzustellen vermag mit Frohlocken, dem alleinigen Gott, unserem
Heilande, durch Jesum Christum, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät,
Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.
Die Offenbarung ist das einzige durchweg prophetische Buch des Neuen
Testaments.
In Kapitel 1 erscheint Christus in seiner Herrlichkeit als
Richter und Herrscher der Welt. Das war für Johannes so ungewöhnlich, dass
er wie tot zu Boden fällt. Das heißt, Johannes, der die tiefste Beziehung
als Jünger zu seinem Herrn hatte, er war es ja, der am Herzen Jesu lag beim
letzten Passah, fällt wie tot um. Dieser alte Johannes, der den Sohn Gottes
so gut kannte, wie kaum einer, erkennt als vielleicht 90jähriger, neue
Herrlichkeiten der Person des Herrn Jesus. Es ist eben die Offenbarung Jesu
Christi. Hier wird uns enthüllt, wer Jesus Christus ist.
Die Kapitel 2-3
enthalten Briefe an sieben Gemeinden. In der prophetischen Auslegung dieser
Kapitel sieht man hier eine Beschreibung der gesamten Kirchengeschichte,
eingeteilt in sieben Zeitalter. Also Kirchengeschichte könnte man dort
sehen anhand von Kapitel 2-3.
Die Kapitel 4-22 beschreiben ausführlich die
Gerichte, die in der Endzeit, das heißt in der Zeitepoche, in der das jüdische
Volk aus der weltweiten Zerstreuung ins Land der Väter zurückkehrt, die
Welt treffen wird. Und dann geht es um die Weltherrschaft von Jesus
Christus, dem durch diese Gerichte der Weg bereitet wird.
Man kann sagen,
Kapitel 4-22 ist alles nach der Entrückung. Kapitel 2-3 beschreibt die
Kirchengeschichte, und die Kapitel 4-22 die Dinge, die nach der
Kirchengeschichte kommen.
In Kapitel 4,1 wird Johannes in den Himmel entrückt: Komm hier herauf!
Und dann sieht er im Himmel die 24 Ältesten mit Priestergewändern. Ja, wer
waren die? Was waren die 24 Ältesten früher im Tempel? Das waren die
Häupter der 24 Priesterklassen. Aus Lukas 1 wissen wir, dass ja immer eine
Priesterklasse eine Woche lang im Tempel Dienst hatte. Die kamen zweimal
jährlich dran, das gibt 48 Wochen. Das Jahr geht noch ein bisschen länger,
aber bei den großen Festen, am Passah, am Pfingst- und am Laubhüttenfest
mussten alle Männer in Israel nach Jerusalem kommen. Und dann waren alle 24
Klassen da, weil man für die ganze Logistik
bei den Opfern tausende von Priestern brauchte. Wenn die 24 Ältesten da waren, wusste man, das ganze Volk
Gottes ist hier. Johannes wird entrückt und sieht die 24 Ältesten. Also
Johannes repräsentiert die entrückten Gläubigen und dann sieht er die
Ältesten alle. Das ganze Volk ist da. Und jetzt kommen die Gerichte. Also
wann wird die Gemeinde entrückt? In der Drangsal, nach der Drangsal? Vor
der Drangsal. Tja, das ist einfach so.

