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Die Gegenstände der Passion: Die Fesseln Jesu

01.03.1959Matthäus 27,2

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt! Amen!

Wir hatten uns vorgenommen, in dieser Passionszeit über die Gegenstände der Passion zu sprechen. Auf alten Passionsbildern sind um das Kreuz herum oft die Speere, der Schwamm, die Bürdel und alle Gegenstände dargestellt, die ihre Rolle in der Passion spielen.

Nun sprechen wir im dritten Jahr schon über diese Gegenstände. Heute geht es um die Fesseln Jesu.

 Matthäus 27: „Und sie banden Jesum und führten ihn hin und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus.“

Herr, heilige uns in deiner Wahrheit! Dein Wort ist die Wahrheit. Amen!

Die Schwierigkeit des Heimkehrens im Leben und Glauben

Ist da ein Stuhl frei, Herr Zorn? Junge Frau, hier ist noch ein Stuhl frei. Das kann ich doch nicht sehen, dass Sie stehen, wo doch hier ein Stuhl frei ist. Ihr seid doch einig, rutscht doch rein! Mensch, rutscht doch vor! Ihr seid doch Kerl, das merkt ihr doch. Das macht nächsten Sonntag alles unser neuer Hausmeister.

Meine Freunde, jeden Tag liest man in den Zeitungen, dass zunächst bemannte Raketen in den Weltraum geschossen werden. Man kann gar nicht abwarten, wie es losgeht. Manche hier können das doch auch nicht. Heute ist das schon gar kein Problem mehr. Man kann Raketen mit Menschen darin losfliegen lassen. Die Schwierigkeit ist nur, wie sie wieder zurückkommen sollen.

Verzeihung, hier ist tatsächlich noch ein Stuhl. Junge Frau, kommen Sie her, wir bringen Ihnen jetzt noch einen Stuhl. Das können wir nicht anders regeln. Barmherzigkeit steht über allem, das steht in der Bibel, nicht hier.

Ja, jetzt sind zwei Paare und ein Stuhl – das ist natürlich schwieriger. Sehen Sie, die Raketen können losfliegen, aber die Schwierigkeit ist, wie sie wieder nach Hause kommen sollen. Als ich das neulich las, habe ich gedacht: So ist es meistens. Das Losmarschieren ist einfach, aber nach Hause zu kommen ist das Schwierige, das Umkehren.

Sehen Sie, 1942 sind deutsche Soldaten mit Pog und Gloria nach Russland marschiert. Das war verhältnismäßig einfach, sie kamen ganz weit voran. Aber das Umkehren war danach so schwierig, das Heimkommen, das Zurückkehren. Manche haben dafür zehn Jahre gebraucht, und manche kamen gar nicht mehr zurück.

Das Losmarschieren ist einfach, aber das Umkehren und Nachhausekommen ist schwierig. Und, meine Freunde, das ist auch im geistlichen Leben so. Es ist sehr leicht, vom lebendigen Gott wegzulaufen. Es ist ein Kinderspiel, seiner Vernunft und seinen wilden Trieben zu folgen und von Gott wegzugehen.

Der verlorene Sohn hatte keine Schwierigkeiten, sein Gut zu nehmen und abzuhauen. Es ist sehr einfach und gar nicht schwierig, von Gott so endgültig wegzulaufen, dass man schließlich das Ziel des Weglaufens erreicht – die Hölle. Und mir schaudert es, wie viele Menschen auf dem Weg in die Hölle sind.

Das Weglaufen ist nicht schwer, aber das Nachhausekommen ist so schwierig – das Umkehren, das Zurückkommen. Und es käme überhaupt kein Mensch zum lebendigen Gott zurück, wenn Gott in seiner Barmherzigkeit nicht selbst die größten Schwierigkeiten auf sich genommen hätte.

Wir brauchen nur noch umzukehren und zu sagen: Ich habe gesündigt. Alles andere übernimmt er. Darum ist der Sohn Gottes aus der anderen Dimension gekommen, meine Freunde, aus der Welt Gottes, damit Menschen heimkommen können.

Darum hat Jesus am Kreuz gelitten, damit Menschen nach Hause kommen können, zu Gott. Nein, es geht mir nicht um Religion und Kirche und Christentum, sondern um das Nachhausekommen zum Vater. Sehen Sie, darum geht uns das Sterben des Herrn Jesus, seine Passion und sein Leiden so unsagbar nahe – wie Bücher oder ihre ganzen Wochengeschäfte.

Hier ist die Tür des Leidens Jesu, um nach Hause zu kommen, zum Herzen Gottes. Und ich will Ihnen offen sagen: Ich habe Gott gebeten, er möge es mir doch schenken, dass durch die Predigt heute Morgen, durch die Betrachtung des Leidens Jesu, einige von Ihnen wirklich nach Hause kommen.

Und ich hoffe, er wird mein Gebet erfüllen.

Die Fesseln Jesu als Gegenstand der Betrachtung

So wollen wir heute die Fesseln Jesu betrachten. Ich hatte erwähnt, dass wir uns auf die ungewöhnliche Sache konzentrieren wollen, die Gegenstände des Leidens Jesu zu besprechen.

Wir haben bereits über die Würfel gesprochen, mit denen die Soldaten gewürfelt haben, und auch über die Nägel, mit denen er angenagelt wurde. Heute widmen wir uns also den Fesseln.

Dabei folgen wir nicht einem festen Plan, sondern gehen das Thema etwas bunt gemischt an, so wie es bei uns üblich ist. Die Predigt überschreiben wir mit „Die Fesseln Jesu“.

Wie gewohnt gliedert sich die Predigt in drei Teile. Es ist heute nicht ganz einfach, den Einstieg zu finden, aber ich hoffe, es gelingt. Die drei Teile behandeln die Fesseln Jesu.

Erster Teil: Die Predigterfesseln – Ein Bild der gefallenen Welt

Erster Teil

Die Predigterfesseln, meine Freunde, diese Stricke, mit denen Jesus am Morgen des Karfreitags gebunden wurde, als er zu Pilatus geschleppt wurde, haben eine Predigt gehalten. Allerdings haben diese Predigterfesseln nur zwei Teile, während meine Predigt drei Teile hat. Schwieriger ist das nicht. Die Predigterfesseln bestehen aus zwei Teilen, aber es ist eine eindrückliche Predigt.

Diese Fesseln Jesu predigen vor allem: Es ist eine schreckliche Welt, in der wir leben. Es ist eine gefallene Welt, an die du dein Herz hängst, wenn du vom lebendigen Gott wegläufst. Wir hängen doch alle unser Herz an die Welt. Was tun wir eigentlich? Die Fesseln geben uns ein illusionsloses Bild davon, wie die Welt ist, an die wir unser Herz hängen.

Sehen Sie, ich habe vor kurzem in der Zeitung das Bild eines jungen Mörders gesehen. Er wurde in Handschellen gefesselt. Heute benutzt man keine Stricke mehr, heute gibt es Klick-Klick, alles technisch. Selbst die Fesseln sind technisch. Dieser junge Mann wurde also in Handschellen vor Gericht geführt. Und als ich in der Zeitung dieses junge Gesicht mit den gefesselten Händen sah, fiel mir alles ein, was in der Bibel vom Sündenfall steht.

Als ich diesen jungen Mörder sah, dachte ich: Ja, die Welt ist nicht mehr so, wie Gott sie geschaffen hat. Sehr gut, da steht der Sündenfall, da steht der Aufruhr unseres Herzens gegen Gott. Und jetzt ist es so, dass die Bibel sagt: Der Teufel ist der Gott dieser Welt. Verstehen Sie die Bibel: Der Teufel ist der Gott dieser Welt. Wenn die Leute vom Hasard reden, dann meinen sie so etwas wie den Teufel.

Und jetzt regieren Streit und Hass. Haben Sie nicht Krach, Lüge, Geldgier, Unreinigkeit und Süchte? Die Fesseln predigen: Wir leben in einer gefallenen Welt.

Und meine Freunde, die Fesseln Jesu sprechen noch etwas viel Schlimmeres. Es ist mir unangenehm, dass ich an so einem schönen Morgen so schreckliche Sachen sagen muss. Aber wir prägen die Wahrheit: Die Fesseln Jesu predigen noch etwas Schrecklicheres.

Sehen Sie, es ist hoch in Ordnung, wenn ein Mörder Fesseln trägt. An Mörderhände gehören Fesseln. Aber ist denn Jesus ein Mörder? Ist Jesus ein Sünder? Er hat gesagt, mit großen Folgen: Wer kann mir eine Sünde zeigen? Das würde ich nicht riskieren, so vor Ihnen zu fragen: Wer kann mir eine Sünde zeigen? Denken Sie mal nach. Jesus konnte es riskieren: Wer kann mir eine Sünde zeigen? Und niemand wagte, etwas zu sagen. Und er trägt die Fesseln der Unschuld, der Unschuld.

Meine Freunde, da wird deutlich, wie die Welt von Gott gefallen ist. Versteht ihr das? Dass Macht und Gerechtigkeit oft gegeneinander stehen. Daran wird schauerlich deutlich, wie die Welt von Gott gefallen ist: Der Unschuldige trägt Fesseln, und die Mächtigen tun Unrecht. So ist die Geschichte Jesu.

Und, meine Freunde, so ist es heute in der Welt oft, dass die Mächtigen Unrecht tun und die Unschuldigen Fesseln tragen. Die Bibel sagt immer, es stimmt überall, dass die, die Einfluss haben – selbst wenn es nur eine kleine Macht ist – das Recht haben sollen. Dass die Mächtigen der Welt das Recht haben sollen. Und dass es oft nicht so ist, zeigt, wie satanisch die Welt ist, wie schrecklich, wie gefallen, gefallen aus der Hand Gottes.

Sehen Sie, das brechen die Fesseln an Jesu. Und an solch eine Welt hängen Sie Ihr Herz. Da bauen Sie sich etwas auf, da ist Ihr ganzes Herz drin, in solch einer Welt!

Meinen Sie nicht, dass es Zeit wäre, dass Sie mal die Vision eines Reiches Gottes bekommen, in dem Macht und Gerechtigkeit einziehen? Meinen Sie nicht, ganz kurz gesagt, dass es Zeit wäre, dass Sie umkehren und sich zum Herrn Jesus bekehren, dem König dieses Reiches?

Warum hängen Sie Ihr Herz an diese Welt und gehen mit der Welt verloren in Ihrem Elend? Meinen Sie nicht, es wäre Zeit, dass Sie umkehren und dem Ihre Hand geben, der sie Ihnen entgegenstreckte – im Heiland von Golgatha?

Die kindliche Erinnerung an das Lied vom Heiland

Als ich noch ein Junge war, ein kleiner, süßer Junge mit vielen Geschwistern, gab es einmal eine alte Tante, die die Idee hatte, dass wir bei einem Fest auftreten sollten. Alle Geschwister sollten zusammen ein Lied singen. Also mussten wir dieses Lied mühsam lernen. Es ist merkwürdig, was man als Kind lernt – das bleibt einem einfach im Gedächtnis.

Ich habe das Lied damals ziemlich unbeholfen gesungen. Wir wurden dabei mit bengalischem Feuer beleuchtet, all die Kinder zusammen. Damals habe ich den Sinn nicht verstanden, wissen Sie? Aber heute verstehe ich es.

Es heißt: „Es ist auch eine Freude, Mensch geboren zu sein.“ Darf ich mich heute meines Lebens freuen, wo doch so viele Tränen, so viel Angst und Not, so viel Sehnsucht, Schmerz und schließlich der Tod sind? Ja, es wäre zum Weinen, wenn kein Heiland da wäre. Doch sein Erscheinen bringt den Himmel her.

Wer zu ihm sagen kann: „Mein Gott und mein Herr“, der darf niemals klagen. Es wird immer herrlicher. Ich weiß nicht, wie man in der gefallenen Welt leben kann ohne einen Heiler. Die Menschen versuchen es, aber es bleibt eine Last danach.

Die zweite Botschaft der Fesseln: Erlösung und Befreiung

A, liebe Freunde, diese Fesseln predigen gewaltig von der gefallenen Welt. Aber diese Fesseln haben noch einen anderen Teil in ihrer Predigt. Und der ist wunderschön und herrlich, und den muss ich Ihnen auch noch sagen. Wenn ich von der Predigt der Fesseln im ersten Teil rede, predigen diese Fesseln auch noch einen schönen Predigteil.

Sehen Sie, alles, was mit dem Leiden Jesu zu tun hat, alles! ist überschrieben mit zwei Wörtlein, mit den beiden Wörtern „Für mich!“ Also singt die ganze Bibel gleich diese Melodie: „Für dich!“ Jesus, der Sohn, wird arm, auf dass du reich wirst, so steht es in der Bibel. Jesus, der Sohn Gottes, bekommt Wunden, damit du heil wirst, so steht es in der Bibel. Jesus, der Sohn Gottes, erleidet den Tod, damit du das Leben bekommst. Jesus, der Sohn Gottes, wird ein Angeklagter, damit ich gerecht werde vor Gott.

Verstehen Sie, dass ich mir diesen wundervollen Tausch für mich spüre? Und das steht auch über den Fesseln Jesu. Hören Sie: Jesus wird gewunden, damit wir von den Banden Satans frei werden.

Das klingt jetzt so bombastisch, „Banden des Satans“. Da sitzt eine liebe Oma und sagt fast bewusst: In der Kirche lässt man sich das gefallen. Aber was heißt schon „Banden des Satans“? Das klingt großartig. Und ich muss Ihnen sagen, ich sehe um mich herum nur Banden des Satans.

Ich suche eine glückliche Familie – überall Krach. Da ist ein Mann, der ist irgendeiner Frau hörig – Bande des Satans. Und da sind Mädchen, die ihr Leben einfach versauen – Bande Satans! Da ist ein Mann, nur noch vom Geld besessen. Er hat seiner Familie keinen Blick mehr, nur noch Beruf und Geld verdienen! Merkt nicht, Bande Satans. Sie sitzen doch so nie hier, sehen gar nicht, dass ihre Frau und Kinder nebenan Not leiden. Und am Ende wollen sie noch eine Beerdigung – nur Arbeit in ihrem Leben und wissen nicht, dass sie Knechte des Teufels waren!

Da ist einer alkoholabhängig, und da ist Krach und Streit. Man muss den ganzen Tag seinen Streit ausweichen. Und da ist einer an Hochmut gebunden, und da kann er nicht beten. Wo ich hinsehe, sehe ich Banden Satans. Kinder, die nicht mehr mit den Eltern verstehen, aber hart auf ihrem Standpunkt beharren – Bande Satans.

Ach, verzeihen Sie, ich habe Ihnen nur soeben eine kleine Kostprobe gegeben von dem, was ich letzte Woche erlebt habe, nicht? Verstehen Sie? Das ist kein großes Wort, das ist die Wirklichkeit der Welt.

Im 116. Psalm steht ein schrecklicher Satz: „Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not.“ Seien Sie mal ehrlich: Kennen Sie das nicht? „Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not.“

Und nun steht Jesus hier und trägt die Banden an unserer Statt. Schauen Sie den gebundenen Jesus an und glauben Sie es! Er trägt für Sie die Banden, damit Ihre Bindungen zerrissen werden.

Oh, Sie ungläubiges Herz, schauen Sie auf Jesus und gehen Sie im Glauben in die Freiheit! Wir singen gerne im Weihnachtsgottesdienst einen Vers, der so heißt und den ich sehr gerne habe:

Fühlst du dich noch gewunden, entreiß dich nur beherzt,
denn das Lamm hat überwunden, was deine Seele schmerzt.

Auf Jesus Segen und in die Freiheit gehen!

Zweiter Teil: Der Unsinn der Fesseln – Menschliche Torheit und göttliche Absicht

Liebe Freunde, ich komme nun zum zweiten Teil. Das war also die Predigt über die Fesseln. Die gefallene Welt – aber Jesus hat die Fesseln für dich gebrochen.

Jetzt folgt mein zweiter Teil. Würden Sie bitte das letzte Fenster in der Galerie öffnen? Es ist sehr warm hier. Der Heizkörper hat zwar gesagt, dass es sich regulieren lässt, aber ich hoffe, dass Ihre Herzen durch das, was ich predige, noch wärmer werden.

Die Torheit der Menschen im Versuch, Gott zu binden

Zweitens: Der Unsinn der Fesseln – ja, der Unsinn, habe ich gesagt, der Blödsinn der Fesseln. Und sie banden Jesus. Wenn man so etwas liest, dann heißt das, sie banden die Hände, die sich ausstreckten, und ein tosender Sturm wurde still. Sie banden den, der dem Tod den Lazarus entrissen hat. Mit einem Wort: Kann man denn so jemanden binden?

Ja, ich würde sagen, es ist eine Dokumentation der Dummheit der Menschen. Passen Sie auf! Im Psalm 2 steht, dass der lebendige Gott uns mit festen Bindungen gefunden hat. Und nun steht dort weiter, dass die Menschen – wir – sich aufmachen und sagen: Wir wollen die Bindungen Gottes zerreißen, wir wollen endlich frei sein.

Und im Psalm geht es so weiter: Wissen Sie, wie es weitergeht? „Der im Himmel sitzt, lacht ihrer.“ Gott lacht diese ganze abendländische Welt einfach aus. Da haben sie Philosophien gemacht, um die Bindungen Gottes zu erreichen, und Gott lacht.

Stellen Sie sich das mal vor: „Wer im Himmel sitzt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ Gott lacht uns aus, weil wir seine Bindungen zerreißen und seine Gebote mit Füßen treten. Und da wollen wir ihn binden, den geoffenbarten Gott Jesus? Nein, sowas.

Die Kraft Gottes, die Fesseln zu zerreißen

Und sie wandten sich von Jesus ab, und es ist nie etwas Verrückteres geschehen. Sehen Sie, im Alten Testament kommt auch ein Starker vor, der gebunden war. Wissen Sie, wer das ist? Richtig, es ist Simson. Ausgezeichnet, Sie kennen die Bibel. Simson war ein Verlobter Gottes und wurde eines Tages mit Stricken gebunden. Als er in das Lager der Philister gebracht wurde, hörte er das Siegesgeschrei der Philister.

Da kam der Geist Gottes über ihn, und er zeriss die Stricke, als wären es versenkte Fäden. Dann warf er den Philistern die Brocken ins Gesicht. Glauben Sie, dass Jesus das nicht hätte tun können? Ehrlich gesagt, würde mir die Passionsgeschichte eigentlich so viel mehr einleuchten, wenn Jesus mit seinen richtigen Stricken und seiner Kraft dem Greifer seinen Kopf gut einleuchten würde. Er konnte es doch!

Jetzt frage ich Sie: Warum tut Jesus das nicht? Warum zerreißt er nicht die Stricke, die doch an seinen Händen, an den Händen des Königs der Welt, lächerlich sind? Warum nicht? Meine Freunde, wir sind jetzt im Heilsgeschehen, weil er sterben will, weil er leiden will. Hier steht wieder „für mich“. Jesus trägt die Stricke, weil er nur ein Ziel vor Augen hat: das Kreuz.

Das Kreuz. Wir können das gar nicht verstehen, meine Freunde, wenn wir nicht ein ganz bestimmtes Kapitel der Bibel immer wieder studieren: Jesaja 53. Ich bitte Sie, lesen Sie in dieser Passionszeit Jesaja 53 drei, vier, fünf, zehn Mal. Lesen Sie es und beten Sie, bis es Ihnen in die Augen geht und Sie es verstehen. Dann verstehen Sie das Leiden Jesu.

Ich habe als junger Student eine Examensarbeit darüber geschrieben und habe nichts begriffen. Ich bekam nur eine Eins. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Jesaja 53 so lange lesen, bis Sie vor dem Kreuz Jesu niederfallen. Da sehen wir den gebundenen Heiland. Da steht er. Er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

Dann heißt es: Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben. Er duldet die Fesseln, weil er nur ein Ziel vor Augen hat: das Kreuz.

Jetzt müsste ich Ihnen die Herrlichkeit des Kreuzes Jesu schildern. Ach, wie armer Pastor, wer kann das? Die Bibel benutzt viele herrliche Bilder. Sie sagt: Da ist der Bürge, der für mich eintritt, der für mich gebürgt hat und jetzt für mich eintritt.

Die Bibel sagt, er ist der Hohepriester, der das Versöhnungsopfer bringt, das mich mit Gott endgültig versöhnt. Jetzt brauche ich keine Priester mehr. Die Bibel sagt, er ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegträgt. Die Bibel sagt, da kauft er mich los aus der Knechtschaft der Welt.

Die Bibel sagt, da bezahlt er für mich, der reiche Heiland. Unendlich viele Bilder. Sehen Sie, wenn Sie gar nichts verstehen: Dass Jesus den Unsinn der Fesseln trägt, zeigt Ihnen, dass er entschlossen ist, dich und dich und Sie unter allen Umständen zu erlösen und zum Kind Gottes zu machen.

Tun Sie, was Sie wollen, Jesus ist entschlossen, für Sie zu sterben. Das darf Sie freuen! Und sehen Sie, wer das begreift, der kann in der Passionszeit nur beten: Herr, lass Dein Todesleid an mir nicht verloren sein! Denken Sie daran, beten Sie: Herr, lass Dein Todesleid an mir nicht verloren sein!

Dritter Teil: Die Schönheit der Fesseln – Bindung des gläubigen Herzens an Jesus

Lassen Sie mich noch kurz etwas Letztes sagen. Hoffentlich haben Sie noch genug Sauerstoff und Esprit, um den letzten Teil aufzunehmen. Er ist vielleicht der wichtigste.

Die Fesseln Jesu – die Predigerfesseln, die Unsünderfesseln – und jetzt drittens die Schönheit dieser Fesseln. Ich habe Schönheit gesagt. Ja, es waren zwar wahrscheinlich alte Stricke oder neue Stricke, aber sie haben eine heimliche Schönheit.

Wissen Sie, was das ist? Die heimliche Schönheit dieser Fesseln Jesu ist, dass sie ein Hinweis sind auf die Fesseln, mit denen ein gläubiges Herz den Heiland an sich bindet.

Edard erklärt: Sehen Sie, ich sehe die Christknechte, wie sie Jesus fesseln und dabei sagen: „Du sollst uns jetzt nicht mehr entkommen und weglaufen.“ Da machen sie einen Knoten, einen Zifferknoten oder etwas Ähnliches.

Meine Freunde, genauso sagt ein gläubiges Herz: „Herr Jesus, du darfst mir nicht mehr aus meinem Leben weglaufen.“ Ich weiß nicht, wer von Ihnen das versteht, aber wer Jesum gefunden hat, der hat nur noch eine wirkliche Angst: dass der Heiland aus meinem Leben weggehen könnte und ich ohne ihn in Ewigkeit bleiben müsste.

Darum hat ein gläubiges Herz den Wunsch: „Herr Jesus, ich möchte dich binden wie die Kriegsknechte, damit du mir nicht weggehst.“ Und denken Sie daran: Ein gläubiges Herz hat Stricke bereit, um ihn zu binden.

Ich bin sehr glücklich, dass die Entdeckung meines Lebens – darum bin ich Pastor – die Stricke sind, mit denen ich Jesus an mich binden kann. Wollen Sie sie wissen?

Zunächst muss ich sagen: Ein Strick ist ja zusammengedreht aus mehreren Stricken, nicht wahr? Und der Strick, mit dem ich Jesus an mich binde, ist aus zwei Stricken zusammengedreht.

Die Stricke des zerbrochenen Herzens und des völligen Vertrauens

Ein zerbrochenes Herz – wissen Sie, was das ist? Wenn mir jemand begegnet, ich tue Recht, scheue niemanden und bin gut zu den anderen, dann ist das kein zerbrochenes Herz – und selbst wenn sie noch so christlich sind, Jesus geht ihnen davon.

Ein zerbrochenes Herz bindet ihn. Das sehen wir auch bei Petrus, der hinausging und bitterlich über sich weinte, als seine Gerechtigkeit wie Scherben vor ihm lag. Er dachte: „Da habe ich aber alles falsch gemacht, und mein Herz ist böse.“ Als er über sich weinte, band er den Herrn Jesus mit unlösbaren Stricken an sich. Denn Jesus ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.

Ach, was versteht die Welt davon? Aber Kinder Gottes verstehen es: Ein zerbrochenes Herz bindet Jesus. Da kann er nicht weg, da kann er nicht weg, da kann er nicht weg!

Der zweite Strick ist ein völliges Vertrauen. Kennen Sie die Geschichte von dem kanaanäischen Weiblein? Jesus wollte sie wegschicken, doch sie sagte einfach: „Doch, und wenn ich ein Hund bin, aber Hunde kriegen auch Brotsamen.“ Sie hatte so ein Vertrauen zu Jesus, dass er sie nicht wegschicken konnte. Und dann konnte Jesus nicht anders, als ihr zu helfen.

Ein völliges Vertrauen zu Jesus – da muss er antworten. Er kann nicht weg.

Sehen Sie, die Bibel ist voll von herrlichen Geschichten über zerbrochene Herzen, die mit völligem Vertrauen zu dem Mann mit den Nägelmalen kamen, zu Jesus. Da sind Petrus, der Zöllner, die große Sünderin, Zachäus und Wilhelm Busch. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dabei sind in der großen Schar der zerbrochenen Herzen, die mit unendlichem Vertrauen nur eins wissen: Ich muss Jesus selbst haben, ich muss Jesus selbst sprechen.

Lassen Sie uns beten:

Herr, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du nicht die Stolzen, Reichen und Starken rufst, sondern dass wir uns vor dir zeigen dürfen, wie wir sind: schuldig, beladen, zerbrochen und arm. Und all dein Reichtum, deine Kraft und Stärke soll uns gehören.

Herr, lass deine Todesfeinde an mir nicht verloren sein. What do you want?