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Die Apostel als Evangelisten – Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 308/658
28.08.2023Matthäus 10,8-10
SERIE - Teil 308 / 658Jesu Leben und Lehre

Einführung und Rückblick auf die letzte Episode

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 307: Die Apostel als Evangelisten, Teil 4.

In der letzten Episode sind wir hier stehen geblieben: Matthäus Kapitel 10, Verse 8 bis 10.

"Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.

Verschafft euch nicht Gold, noch Silber, noch Kupfer in eure Gürtel. Nehmt keine Tasche für den Weg mit, auch nicht zwei Unterkleider, keine Sandalen und keinen Stab.

Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert."

Der Dienst der Jünger und das Prinzip der Abhängigkeit

Die Jünger sollen ihren Dienst also nicht ausführen, um Geld oder andere Geschenke zu erhalten. Das bedeutet, sie sollen sich weder durch ihre Predigten noch durch die Wunder, die sie wirken, einen persönlichen Vorteil verschaffen.

Jesus sagt: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.“ Natürlich entsteht dadurch eine Spannung. Einerseits gilt ja das Prinzip: Der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. Der Dienst, den die Jünger als Evangelisten tun, ist wertvoll – vielleicht könnte man sogar sagen, er ist unbezahlbar.

Gleichzeitig, obwohl der Dienst so wertvoll ist, sollen die Jünger kein Geld und keine Geschenke annehmen. Das gilt auch dann, wenn sie Kranke heilen, Aussätzige reinigen, Dämonen austreiben oder Tote auferwecken. Jesus selbst hatte das nicht getan, und sie sollen es auch nicht tun.

Sie sollen von dem leben, was sie jeden Tag bekommen, und keine Vorsorge treffen. Das ist ein ungewöhnliches Konzept der Abhängigkeit. Mit der Vollmacht, die Jesus ihnen gegeben hatte, hätten sie reich werden können. Dieser Missionseinsatz war eine Art Lizenz zum Gelddrucken. Aber genau das verbietet der Herr Jesus ihnen.

Er will, dass sie etwas anderes lernen: Abhängigkeit. Er will, dass sie nicht aufs Geld schauen, sondern auf Gott und seine Versorgung. Je größer nämlich die geistliche Begabung, desto größer die Versuchung, die eigene Begabung in klingende Münze zu verwandeln.

Vorsicht, das ist das Verhalten von Irrlehrern, Scharlatanen und Betrügern.

Die besondere Situation der Jünger und spätere Änderungen

Und vielleicht muss man einschränkend sagen, dass sich die Jünger hier in einer besonderen Situation befinden. Sie sollen Abhängigkeit lernen. Der Herr Jesus wird diese extreme Zurückhaltung in Bezug auf Planung und Vorsorge später jedoch wieder aufheben.

So lesen wir in Lukas 22,35-36: „Als ich euch ohne Börse, Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch wohl etwas?“ Sie aber sagten nichts. Er sprach nun zu ihnen: „Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie, ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Gewand und kaufe ein Schwert.“

Man merkt, die Zeiten werden sich ändern. Aber jetzt gilt es erst einmal, Abhängigkeit zu lernen. Die Jünger sollen erfahren, dass Gott sie versorgt und beschützt – eben eine besondere Situation.

Das können sie nur, wenn sie nicht anfangen, ihren Predigt- und Heilungsdienst als Job zu verstehen, der ihnen ein gutes Gehalt und andere Vorteile einbringt.

Schwierige Bibelstellen und vermeintliche Widersprüche

Aber gehen wir weiter und kommen zu einem anderen Thema. Wenn es um Widersprüche in der Bibel geht, gehört der folgende Text für mich zu den kniffeligsten. Ich habe eine Lösung für den vermeintlichen Widerspruch, aber es würde mich nicht wundern, wenn es noch eine bessere geben würde. Schauen wir uns aber erst einmal das Problem an.

 Markus 6,7-9: Er rief die zwölf herbei und fing an, sie zu zweit auszusenden. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister und gebot ihnen, dass sie nichts mit auf den Weg nehmen sollten außer einem Stab. Kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel, sondern Sandalen sollten sie tragen, und sie sollten nicht zwei Unterkleider anziehen.

Nun dasselbe Ereignis bei Lukas, mit einem kleinen Unterschied.

 Lukas 9,1-3: Als er die zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. Er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen. Dabei sprach er zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab, Tasche, Brot noch Geld. Niemand soll zwei Unterkleider haben.

Die beiden Berichte ähneln sich sehr, unterscheiden sich jedoch in einigen Details. Während Markus betont, dass sie einen Stab mitnehmen dürfen, verbietet Lukas dies. Außerdem unterscheidet sich die genaue Aufzählung der mitgenommenen Dinge leicht. Das führt zu der Frage, wie diese Unterschiede zu erklären sind und ob sie einen echten Widerspruch darstellen.

Das Problem der unterschiedlichen Angaben zum Stab

Was die beiden Texte betonen, ist einfach zu verstehen. Die Jünger sollen losziehen, aber nur das absolute Minimum mitnehmen: kein Brot, keine Tasche, kein Geld, keine zwei Unterkleider – wirklich nur das Nötigste.

Nun zum Problem: Bei Markus heißt es, sie sollen nur einen Stab mitnehmen. Bei Lukas hingegen lesen wir: „Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch ...“ Merkt ihr das Problem? Stab oder nicht Stab. Und falls es jemanden interessiert: Es ist dasselbe Wort.

Bevor ich euch nun meine aktuell beste Erklärung präsentiere, noch einmal der Hinweis: Habt Freude daran, sogenannte Widersprüche in der Bibel zu erforschen. Es darf uns wirklich nicht überraschen, dass ein Buch, das zwar vom Heiligen Geist inspiriert, aber von ganz unterschiedlichen Leuten geschrieben wurde, an der einen oder anderen Stelle auf den ersten flüchtigen Blick vermeintliche Widersprüche enthält.

Das liegt einfach daran, dass Augenzeugen einen Sachverhalt grundsätzlich nie exakt gleich beschreiben – außer sie sprechen sich ab. Genau das haben sie hier offensichtlich nicht getan. Nur schade, dass wir sie nicht fragen können, warum der eine so und der andere eben anders formuliert hat.

Erklärung des scheinbaren Widerspruchs anhand kultureller Hintergründe

Kommen wir nun zu der Lösung, die ich aktuell favorisiere. Palästinensische Hirten trugen zwei verschiedene Arten von Stäben. Der eine war ein dünner und leichter Spazierstock, der andere ein kürzerer, dickerer Knüppel, der ungefähr wie ein Schlagstock der Polizei funktionierte. Diese beiden sehr unterschiedlichen Geräte wurden oft mit demselben griechischen Wort bezeichnet.

Man könnte nun argumentieren, dass Markus den Spazierstock zulässt, den jeder auf eine Reise mitnehmen würde, während Lukas den Schlagstock als Mittel der Selbstverteidigung verbietet. Dies würde im Lukasevangelium besonders viel Sinn ergeben, denn Lukas berichtet auch von einem anderen Ereignis, bei dem Jesus die Verbote, die er für die erste Missionsreise erlassen hatte, wieder aufhebt.

So heißt es in Lukas 22,36: Er sprach nun zu ihnen: „Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie, und ebenso eine Tasche. Und wer nicht hat, verkaufe sein Gewand und kaufe ein Schwert.“

Ich denke, was beim ersten Mal verboten war – der Schlagstock zur Selbstverteidigung – soll jetzt erlaubt sein. Deshalb fordert Jesus seine Jünger auf, ein Schwert zu kaufen. Auf der ersten Missionsreise lernen sie Abhängigkeit, aber von nun an gilt: Seid vorbereitet. Naivität ist keine christliche Tugend.

Noch einmal: Ich denke, dass Markus, wenn er von einem Stab redet, einen Wanderstab meint, und wenn Lukas von einem Stab spricht, einen Schlagstock als Mittel der Selbstverteidigung im Blick hat. Das eine war erlaubt, das andere verboten.

Abschluss und persönliche Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir die Frage stellen, ob du bereits gelernt hast, dass Gott dich versorgt.

Das war es für heute.

Wenn du für mich beten möchtest, findest du aktuell ganz neu drei Gebetsanliegen in der Frogwords-App.

Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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