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Leben retten ist höher als das Sabbat-Gebot

Der Verfolgte David - Teil 31
1. Samuel 21,1-1122.11.2023
SerieTeil 31 / 421. Samuel (Vers-für-Vers)
Ein neuer Abschnitt in Davids Leben beginnt, das Leben im Exil. Er kommt zum Priester Achimelech in Nob und isst die heiligen Schaubrote, die nur für die Priester bestimmt waren. Welches Gebot ist höher? Das Leben zu erhalten oder die Heiligung der Schaubrote?

Ein neuer Abschnitt im Leben Davids

Wir kommen heute Morgen zu 1. Samuel 21. Mit diesem Kapitel beginnt ein neuer Abschnitt im Leben Davids. In den Kapiteln 21, 22, 23 bis 30 finden wir David im Exil.
Wenn wir wissen, dass David ein bildlicher Hinweis im Alten Testament auf den Messias ist, der auch zuerst der Verworfene sein sollte und erst später der anerkannte König, dann werden wir sehen, wie viele Hinweise wir in diesen Kapiteln auf den Herrn Jesus finden. In Verbindung mit denen, die Davids Exil, Davids Verwerfung, geteilt haben, haben wir viele Hinweise, die wir auf uns persönlich übertragen können: wie wir jetzt eben zu dem Herrn Jesus stehen, zu dem Verworfenen, um dann einmal auch auf seiner Seite zu stehen, wenn er verherrlicht ist.
Es ist ja interessant: All diese Leute, die zu David hielten, wurden später Minister in seiner Regierung. Sie bekamen dann die großen Aufgaben im Königreich Davids. Aber sie mussten eben diese Zeit der Verwerfung mit David teilen, so wie wir das mit dem Herrn heute teilen sollen.
Ich lese aus 1. Samuel 21, ab Vers 1:
Und David machte sich auf und ging weg, Jonathan aber kam in die Stadt.
Diesen Vers haben wir gestern Abend noch betrachtet und gesehen: Diese zwei Freunde, echte Freunde, tiefe Freunde, David und Jonathan, trennen sich hier. Sie gehen, obwohl im Herzen vereint, getrennte Wege. Und das sollte sehr verhängnisvoll für Jonathan sein. Hier müssen wir sagen: Er hätte sich anders entscheiden sollen. Er hätte sich gegen seine Familie entscheiden sollen, um mit David ins Exil zu gehen. Das hätte ihm das Leben gerettet. Nun sollte es anders kommen.

Der Weg nach Nof und die Folgen einer Lüge

Vers 2: Und David kam nach Nof zu Ahimelech, dem Priester. Ahimelech kam David ängstlich entgegen und sprach zu ihm: Warum bist du allein, und niemand ist bei dir?
David sprach zu dem Priester Ahimelech: Der König hat mir eine Sache geboten und sprach zu mir: Niemand soll irgendwie von der Sache wissen, in die ich dich sende und die ich dir geboten habe. Und die Knaben habe ich an den und den Ort beschieden.
Das war eine dicke Lüge. Schon wieder. Also, wir sehen: David hatte verschiedentlich ein Problem mit der Wahrheit. Und das könnte jemand abtun, als Notlüge unter dem Druck der Verfolgung. Aber wir werden sehen: Diese Lüge wird Ahimelech und vielen Priestern das Leben kosten. Und David wird sich bewusst sein, dass er daran schuldig ist.
Ich nehme es gleich vorweg: In Kapitel 22 werden wir dann sehen, dass Abjatar zu ihm flieht. Da lesen wir: Und da sprach David zu Abiatar: Ich wusste an jenem Tag, weil Doeg, der Edomiter, dort war, dass er es Saul sicher berichten würde. Ich bin schuldig an allen Seelen des Hauses deines Vaters.
Das war die Konsequenz dieser paar Sätze, die er da als Lüge Ahimelech, dem Vater von Abiatar, gesagt hatte. Und dann setzt sich David voll ein für diesen Sohn des Hohen Priesters. Bleibe bei mir, Vers 23, fürchte dich nicht; denn wer nach meiner Seele trachtet, trachtet nach deiner Seele, denn bei mir bist du wohl bewahrt.
Das ist dann eine Art Kompensation, könnte man sagen, wie er sich wenigstens für diesen Überlebenden voll einsetzte. Aber so vielen sollte diese Lüge das Leben kosten. Natürlich wusste David das nicht, aber es zeigt: Unser Handeln hat Konsequenzen.
Nun zu 21, Vers 4: Und nun, was ist unter deiner Hand? Gib fünf Brote in meine Hand oder was sich vorfindet.
Der Priester antwortete David und sprach: Es ist kein gewöhnliches Brot unter meiner Hand, sondern nur heiliges Brot ist da, wenn sich nur die Knaben von den Frauen enthalten haben.
David antwortete dem Priester und sprach zu ihm: Ja, denn Frauen sind uns versagt seit gestern und vorgestern, als ich auszog. Und die Gefäße der Knaben sind heilig, und es ist einigermaßen gewöhnliches Brot. Und das umso mehr, als heute Neues in den Gefäßen geheiligt wird.
Da gab ihm der Priester heiliges Brot, denn es war dort kein anderes Brot als nur das Schaubrot, das vor dem Herrn weggenommen worden war, um frisches Brot aufzulegen, am Tag seiner Wegnahme.
Es war aber dort an jenem Tag ein Mann von den Knechten Sauls, der sich zurückgezogen vor dem Herrn aufhielt. Sein Name war Doeg, der Edomiter. Er war der Aufseher der Hirten Sauls.
Und David sprach zu Ahimelech: Und ist hier nicht unter deiner Hand ein Speer oder ein Schwert? Denn weder mein Schwert noch meine Waffen habe ich zur Hand genommen, weil die Sache des Königs dringend war.
Und der Priester sprach: Das Schwert Goliaths, des Philisters, den du im Terebinthental erschlagen hast, siehe, es ist in ein Oberkleid gewickelt hinter dem Ephod. Wenn du es dir nehmen willst, so nimm es; denn es ist kein anderes hier außer diesem.
Und David sprach: Seinesgleichen gibt es nicht, gib es mir!
Und David machte sich auf und floh an diesem Tag vor Saul. Und er kam zu Achis, dem König von Gat.
Bis dahin zunächst.

Die Stiftshütte als Wegweiser durch die Heilsgeschichte

David kommt also zu dem Hohenpriester Achimelech nach Nob, und dort befand sich zu dieser Zeit die Stiftshütte.
Nicht wahr, die Stiftshütte wurde nach dem Auszug aus Ägypten am Fuß des Sinai gebaut, nach den Anweisungen Gottes, die in 2. Mose 25-40 in allen Details beschrieben sind. Hebräer 8 macht klar, dass diese Stiftshütte ein Abbild des himmlischen Tempels war, ein Schattenbild. Der Schatten ist ja nur zweidimensional, der Körper dreidimensional. Also ist es keine Eins-zu-eins-Abbildung des himmlischen Tempels, aber das Design ist in diesem Abbild nachvollziehbar.
Israel trug diese Stiftshütte, die Wohnung Gottes, während der ganzen Wüstenreise von Ort zu Ort. Sie wurde immer wieder abgebrochen, wieder aufgebaut, abgebrochen, wieder aufgebaut. Die letzte Lagerung der Stiftshütte war in den Gefilden Moabs, auf der anderen Seite des Jordans, heute in Jordanien, gegenüber von Jericho. Dort hielt Mose noch acht Abschiedsreden, die alle im fünften Buch Mose überliefert sind. Danach ging Joshua mit dem Volk über den Jordan ins verheißene Land.
Die Stiftshütte wurde mitgebracht, und sie wurde dann in Shiloh aufgestellt. Wir können ganz kurz aufschlagen, wo das steht, in Josua 18,1: „Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel versammelte sich nach Shiloh, und sie schlugen dort das Zelt der Zusammenkunft auf.“ In Shiloh, im heute so genannten besetzten Westjordanland, südlich von Nablus, biblisch Sichem, befindet sich Shiloh in den ephraimitischen Bergen. Dort wurde die Stiftshütte aufgestellt. Dieser Standort der Stiftshütte wurde in den vergangenen Jahren durch die Ausgrabungen in Shiloh ans Licht gebracht.
Während Jahrhunderten war das der Ort der Stiftshütte, das Zentralheiligtum Israels. Aber wir haben gesehen, bei der Betrachtung des ersten Buches Samuel, dass auch in der Zeit von Samuel, also ganz am Ende der Richterzeit, die Stiftshütte immer noch in Shiloh war. Dann kam aber dieser gewaltige Konflikt mit den Philistern. Die Philister wurden eine solche Gefahr für Israel, dass schliesslich die Stiftshütte aus Shiloh evakuiert wurde, und zwar nach Nob, wie wir das hier finden.
Später in der biblischen Geschichte wird man die Stiftshütte nochmals an einem anderen Ort finden, nämlich in Gibeon. Alles nördlich von Jerusalem, im heutigen so genannten besetzten Westjordanland, von dem die UNO sagt, alle Siedlungen der Israelis sollten da geräumt werden. Das gehört nicht Israel, aber es ist einfach Kernland, biblisches Kernland Israels. Zur Zeit von Salomo wurde sie nach Jerusalem gebracht, und Salomo baute den ersten Tempel aus Stein.
Die letzte Erwähnung der Stiftshütte ist in Jerusalem anlässlich des Baus des Salomon-Tempels. Aus der rabbinischen Literatur erfahren wir, dass Salomo die Stiftshütte dann auf dem Tempelberg untergebracht hat, so dass die Stiftshütte gewissermaßen harmonisch im Salomon-Tempel aufgegangen ist. Die Geräte der Stiftshütte, die Bundeslade, der goldene Schaubrottisch, die goldene Menorah, der siebenarmige Leuchter, und der Räucheraltar wurden in den Salomon-Tempel übernommen. Aber die Stiftshütte selbst wurde auseinandergenommen und auf dem Tempelberg untergebracht. Und dort könnte sie jetzt noch sein.
Nur gäbe es dann noch mehr Probleme in Jerusalem, als wir da schon haben, und darum lassen wir das. Aber einfach, um ein bisschen eine Übersicht zu haben über die Wanderungen der Stiftshütte: vom Sinai über Shiloh, Nob, Gibeon bis nach Jerusalem.

Das heilige Brot und die Frage nach dem rechten Handeln

Und nun sind wir also hier in Nof. Und David hat auf der Flucht ein Nahrungsproblem. Sie brauchen unbedingt etwas zu essen. Er kommt nach Nof und erfährt: Es gibt hier kein Brot, kein normales Brot. Es gibt nur das Schaubrot, das nach 3. Mose 24 ganz klar nur für die Priester reserviert war.
Wir schlagen auf: 3. Mose 24. Ich lese ab Vers 5:
Und du sollst Feinmehl nehmen und daraus zwölf Kuchen backen; von zwei Zehnteln soll ein Kuchen sein. Das sind also riesige Brote. Und du sollst sie in zwei Schichten legen, sechs in einer Schicht, auf den reinen Tisch vor dem Herrn. Das ist der Schaubrottisch aus reinem Gold. Er wird hier genannt: der reine Tisch vor dem Herrn, weil er eben im Heiligen vor dem Allerheiligsten platziert war. Und du sollst auf jede Schicht reinen Weihrauch legen, und er soll dem Brot zum Gedächtnis sein, ein Feueropfer dem Herrn. Sabbattag für Sabbattag soll er es beständig vor dem Herrn zurichten, ein ewiger Bund von Seiten der Kinder Israel.
Und jetzt ganz wichtig, Vers 9:
Und es soll Aaron, das heißt dem Hohen Priester, und seinen Söhnen, das sind die Priester, gehören, und sie sollen es essen an heiligem Ort. Denn als ein Hochheiliges von den Feueropfern des Herrn soll es ihm gehören, eine ewige Satzung.
Nun gibt es einen Konflikt: David und seine Begleiter sind auf der Flucht, haben zu wenig Essen, und es gibt nur Brot, von dem er nicht essen darf. Was entscheidet der Hohe Priester? Er sagt: Du kannst es nehmen, du kannst es essen.
War das falsch oder war das richtig?
Nun, es ist so: Es ist ganz typisch, wenn wir biblische Geschichten lesen, dann wird einfach erzählt, was geschehen ist. Und wenn etwas in der Bibel erzählt ist, dann heißt das noch lange nicht, dass alles gut und richtig ist, was geschehen ist. Die Bibel erzählt, wie die Wirklichkeit aussah. Das ist ganz wichtig, wenn man die Bibel liest. Und oft ist im Bibeltext nicht direkt erklärt, ob das gut war oder nicht. Es gibt immer wieder Hinweise, aber nicht immer. Darum müssen wir die historischen Teile der Bibel, also die, die die Geschichte erzählen, im Licht der Lehrbücher betrachten. Also im Blick der Gesetze vom Sinai in den fünf Büchern Mose, im Licht der Lehrbücher wie zum Beispiel das Buch der Sprüche, das uns Gottes Gedanken über Recht und Unrecht besonders im Alltag mitteilt. Und weil wir die ganze Bibel haben, müssen wir das im Licht des Neuen Testaments betrachten. Dann bekommen wir Klarheit.
Und noch etwas: Typischerweise sind die biblischen Geschichten sehr knapp und kurz verfasst. Das sind nicht so überschwängliche Malereien, riesige Gemälde, sondern oft sind die biblischen Geschichten eher wie eine Federzeichnung, aus wenigen Strichen zusammengesetzt. Und sie sind auch kurz und knapp, ganz im Sinn der Belehrung im Prediger und in den Sprüchen, dass der Weise wenig Worte macht.
Nun ist es aber wichtig zu beachten: Es ist zwar alles so kurz und knapp erläutert, aber gerade das Wenige, das gesagt wird, das muss man gut beachten. Und auch die Reihenfolge, wie es zusammengesetzt ist. Denn da finden wir Hinweise, wie man etwas verstehen und einordnen muss.
Nun, hier war das ja gegen das Gesetz. Hat David hier falsch gehandelt?

Der Herr Jesus und die tiefere Bedeutung von 1. Samuel 21

Nun, wir schlagen Matthäus 12 auf. Matthäus 12,1.
Aber wir sollten daran denken: In den vorangehenden Versen wird erklärt, dass der Jesus in dieser Zeit diese wunderbaren Aussagen gemacht hat, ab Vers 28 in Kapitel 11:
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Hier sehen wir den Erlöser, der denen, die in Mühe und in Not sind, Ruhe geben kann und Ruhe geben will. Wir sehen: Das passt gerade auch zu unserer Geschichte mit David auf der Flucht. Der war in Unruhe, innerlich aufgewühlt. Er sehnte sich nach solcher inneren Ruhe, und der Herr Jesus verspricht das hier.
Und nun: Warum erzähle ich das? Wir werden das gleich sehen, ab Kapitel 12, Vers 1.
Zu jener Zeit – also es wird klar von Matthäus erläutert: Das, was jetzt hier folgt, das war gerade in dieser Zeit, als der Herr Jesus gesagt hat, dass er der ist, der Menschen, die zu ihm kommen und ihre Lasten bei ihm abladen, zur Ruhe bringen will.
Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Es hungerte aber seine Jünger, und sie fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen.
Oh, die Jünger haben dasselbe Problem wie David und seine Begleiter: das Problem des Hungers. Und da haben sie eben von den Kornfeldern Ähren abgepflückt. War das richtig? Natürlich war es richtig, denn jetzt müssen wir das eben betrachten im Licht der Lehrbücher. 5. Mose 23,25.
Also, jetzt kann man da wieder einen Finger reintun bei Matthäus und einen anderen Finger in 1. Samuel 21, und wir öffnen die Bücher der Tora.
 5. Mose 23, ich lese ab Vers 25:
Wenn du in den Weinberg deines Nächsten kommst, so darfst du Trauben essen, nach deinem Belieben, bis du satt bist. Aber in ein Gefäß sollst du nichts tun. Wenn du in das Getreidefeld deines Nächsten kommst, so darfst du Ähren mit deiner Hand abpflücken, aber die Sichel sollst du nicht über das Getreide deines Nächsten schwingen.
Also gerade das, was man im Moment braucht an Nahrung, das war erlaubt, aber nicht im Übermaß.
Ja gut, das ist jetzt die andere Frage, aber es ging mir um die Frage: War das richtig, dass man eben da einfach, wenn man unterwegs ist, vom Ährenfeld eines anderen da Ähren pflückt? 5. Mose 23,25 und 26.
Also, ich kenne das deutsche Gesetz nicht so gut. Aber im Schweizer Gesetz haben wir den Begriff des Mundraubs.
Ja, hier auch.
War anzunehmen, weil ihr macht doch einiges ziemlich ähnlich, aber nicht immer, gerade was zum Beispiel das Urheberrecht anbetrifft. Ich bin so froh, dass ich in der Schweiz wohne. Es ist alles viel einfacher und wirklich menschlicher. Ich hoffe, das hören dann später über den Livestream noch andere Leute hier aus Deutschland, dass sie endlich das Urheberrecht ändern und so anpassen, wie das in der Schweiz ist. Wirklich menschlich.
Aber eben: Mundraub, das kennen wir auch in unserem Gesetz in der Schweiz, und das entspricht eben hier 5. Mose 23. Also, das war richtig. Und nun sehen wir: Wenn wir das Matthäusevangelium lesen, wir brauchen das Alte Testament, um das Neue zu verstehen.
Aber jetzt geht es natürlich weiter, Vers 2:
Als aber die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist.
Nun, die Pharisäer haben sich gesagt: Wenn man eben Mundraub begeht am Sabbat, indem man Ähren pflückt, dann vollzieht man die Arbeit des Erntens. Und was haben die Jünger darauf gemacht? Dann haben sie eben die Körner von den Ähren getrennt, und das ist Dreschen. Danach haben sie diese getrennten Körner in den Mund überführt, und das ist Heimführen in die Tenne.
Sind das mehrere Arbeitsakte am Sabbat? Das geht nicht.
Und wie reagiert der Herr Jesus in Vers 3 mit einer Frage?
Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte?
Jetzt nimmt der Herr Bezug auf 1. Samuel 21, wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß. Also, er nennt hier die Stiftshütte „das Haus Gottes“. Und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, eben entsprechend 3. Mose, wo wir gelesen haben, 3. Mose 24, die er nicht essen durfte, noch die, die bei ihm waren, sondern allein die Priester.
Und weiter sagt der Herr: Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entheiligen und doch schuldlos sind?
Ja, jetzt kommt noch dazu, dass das Gesetz Mose erläutert, dass Priester auch am Sabbat arbeiten müssen. Den Tempeldienst müssen sie auch am Sabbat tun.
Ja, wie geht das?
Ja, wir werden das gleich sehen.
Und dann sagt der Herr weiter in Vers 6:
Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist hier.
Wenn ihr aber erkannt hättet, was das ist: Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer – das ist ein Zitat aus Hosea 6,6 aus den Propheten –, so hättet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt. Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats.
Nun ist sofort klar, was David damals tat in Nob: Das war korrekt. Er war schuldlos. Und der Herr benutzt gerade diese Geschichte aus Nob, um zu zeigen, dass seine Jünger hier am Sabbat nicht falsch gehandelt haben.
Und was ist die Argumentation? Nun, es ging darum, das Leben von David und seinen Begleitern zu erhalten. Und es ist ein biblisches Prinzip, dass ein Gebot ein anderes Gebot überhöhen kann. Das habe ich auch gelernt in Komposition. Ich war Student bei Yehoshua Lackner, das war ein israelischer Komponist, einer der israelischen Komponisten des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts. Bei ihm habe ich das Handwerk der Komposition gelernt.
Ich war so froh, dass ich bei ihm war, denn seine Kollegen am Konservatorium in Zürich, die kannte ich als Chaoten. Wirklich, ich weiß nicht, wie die Studenten bei denen gelernt haben: mal so, mal so, ohne System. Aber er hat so systematisch unterrichtet, und das war im kleinen Kreis mit zwei oder drei Studenten. Und er hat das so gut beigebracht, ich habe das ein Leben lang nicht mehr vergessen, was ich bei ihm gelernt habe. Also das meiste ist einfach so geblieben, musste ich nicht später repetieren, das war drin.
Und bei ihm habe ich dann auch gelernt: Es gibt Gesetze in der Komposition, die einander widersprechen. Man kommt in die Situation, wenn man zum Beispiel einen Bachchoral oder einen Choral im Stil von Bach komponieren muss, und nach dem Melodieverlauf muss man die drei weiteren Stimmen ergänzen, und da kommen zwei Gesetze in Konflikt. Dann habe ich gelernt: In dem Moment gilt das stärkere, das höhere Gesetz. Ein Gesetz kann das andere überhöhen.
Nun, hier ist es so: Leben retten ist auch ein Gebot des Gesetzes, der Tora. Und Leben retten ist höher als die Sabbatheiligung. Und darum, obwohl das eben ein Sabbat war – wir haben ja in 1. Samuel 21 gelesen, es war gerade der Moment, wo die Schaubrote gewechselt wurden, also die alten wurden genommen und die neuen Schaubrote wurden aufgelegt; immer am Sabbat wurde das gemacht –, und so haben wir also hier in Nob David in Nob am Sabbat in der Stiftshütte.
Und eben das Gesetz war höher, das Leben von David und seinen Begleitern zu unterstützen, zu erhalten, als das Gebot: Nur Priester dürfen das heilige Brot essen.
Und der Jesus argumentiert also gegenüber den Pharisäern mit der Geschichte von David, und zweitens sagt er in Matthäus 12,5: Die Priester müssen grundsätzlich am Schabbat arbeiten im Tempel. Warum? Weil der Tempeldienst höher ist als das Sabbatgebot. Also der Dienst im Haus Gottes ist wichtiger als die Schabbatheiligung, und darum müssen Priester auch Opfer darbringen und ihren Dienst tun am Schabbat, auch die Opfer schlachten und ausnehmen. Das sind alles Arbeitsakte, nicht wahr? Aber es ist wichtiger: der Dienst für Gott in seinem Haus. Das ist das zweite Argument.
Und dann sagt der Herr in Vers 6 als drittes Argument:
Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist hier.
Er ist der Sohn Gottes, und er ist größer als die Stiftshütte, denn die Stiftshütte war ja nur ein bildlicher Hinweis auf den Messias. Die Stiftshütte wies auf den Messias hin, denn in Jesaja 8,14 wird von dem Messias gesagt – und auch die alten Rabbiner haben gesagt, diese Stelle spricht vom Messias –, da wird gesagt: Er wird zum Heiligtum sein. Der Messias wird zum Heiligtum sein. Warum? Weil Gott in ihm unter uns Menschen gegenwärtig sein sollte, in einer ganz besonderen Weise.
Der dreieine Gott – Kolosser 1 sagt, die Fülle der Gottheit wohnt in dem Menschen Jesus – der dreieine Gott kam auf diese Erde. Und darum konnte der Herr Jesus auch in Johannes sagen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Und er sprach ja nicht von dem Tempel in Jerusalem, sondern er sprach von dem Tempel seines Leibes, erklärt Johannes, der Schreiber des Johannesevangeliums.
Und er war gewissermaßen die Erfüllung von dem, was eben nur bildlich durch die Stiftshütte und auch durch den Tempel in Jerusalem ausgedrückt wurde. Und darum waren die Jünger, die mit dem Herrn unterwegs waren, in einer noch besseren Situation als Priester im Tempel, die auch am Schabbat arbeiten durften, weil er da ist und sie waren ja mit ihm unterwegs, um ihm zu dienen.
Und dann weiter ein noch zusätzliches Argument in Matthäus 12,8:
Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Schabbats.
Der Sohn des Menschen – das wusste jeder Jude damals – das ist ein Titel des Messias nach Daniel 7,13-14. Der Sohn des Menschen ist der Messias, der einmal die Herrschaft über die Welt übernehmen wird. Und der Herr Jesus erklärt: Er ist Herr über den Schabbat. Das heißt, er, der Messias, kann bestimmen, was richtig und was falsch ist. Und wenn er sagt, die Jünger sind schuldlos, dann ist es auch so.
Also der Herr gibt eine ganze Kette von Argumenten, und in dieser Argumentationskette ist also 1. Samuel 21 ganz wichtig.
Nun eine Frage: Wie ist das, darf die israelische Armee am Schabbat Krieg führen?
Ja, aber das sagt jetzt einfach so.
Ja, das war nicht immer so klar. Denken wir zurück: Im zweiten Jahrhundert vor Christus, da wüteten die Syrer in Israel, und sie haben am Schabbat die Menschen abgeschlachtet in Jerusalem, und die Juden haben sich nicht gewehrt. Sie haben sich gesagt: Es ist Schabbat, wir dürfen nicht arbeiten, wir dürfen uns auch nicht schützen, verteidigen. Und da wurden viele getötet durch die syrische Armee unter Antiochus Epiphanes.
Und dann ist man zusammengekommen und hat die Sache nochmals neu besehen und kam zum Schluss: Leben retten ist höher als das Gebot der Sabbatheiligung. Und da wurde beschlossen: Man muss auch am Schabbat kämpfen. Und das hat sich erhalten im Judentum bis zum heutigen Tag. Darum kämpft die IDF, also die israelische Armee, auch am Schabbat. Da gibt es keine Feuerpause für die Hamas, um sich dann wieder zu erholen und noch schlimmer zu handeln. Auch am Schabbat werden die voll unter Druck gesetzt, wie das im Moment passiert.
Und jetzt wäre klar: Das war auch zur Zeit des Herrn Jesus klar. Leben retten, Leben schützen steht höher als das Sabbatgebot. Und trotzdem sagen die Pharisäer: Was machen deine Jünger da falsch? Die ernten, die dreschen und die sammeln in die Tenne. Und der Herr zeigt ihnen dieses Prinzip.
Gut, wir gehen zurück zu 1. Samuel 21. Man sieht also, wie man aus diesen Geschichten so vieles lernt.
Und ich war da: Es gab ja auch diese ganze Diskussion in der Corona-Zeit, als plötzlich der Staat sagte, Singen ist gefährlich. Man könnte gefährliche Viren durch das Singen stärker verbreiten, weil man beim Singen eben eine höhere Energie aufwendet, was den Atem, die Stimmbänder durch den Mund und dann zwischen Mund und zwischen Lippen und Zähnen herausgeht. Und da kam ja dieses Gesetz heraus: Man darf in den Gemeinden nicht mehr singen. Nicht für immer, sondern für eine Zeit. Und es geht darum, Leben zu schützen.
Und da haben gewisse argumentiert: Das geht überhaupt nicht. Wir haben ganz klar im Neuen Testament und auch im Alten Testament Gebote, den Herrn zu loben, ihm zu singen.
Nun kann man darüber diskutieren, ob die Meinung der Regierung, Singen sei gefährdend, richtig war. Aber es ist auf jeden Fall so: Jetzt im Rückblick können wir das alles zurückgelehnt überdenken, und es ist klar geworden, dass nicht einfach alle Regierungsleute Linke waren mit einer Ideologie: Jetzt können wir endlich mal das Volk knebeln. Sondern es waren viele Leute in der Regierung, die haben wirklich im Moment nicht gewusst, was die beste Entscheidung ist. Und sie wussten auch: Wenn wir uns falsch entscheiden, werden wir nachher dran kommen. Das war schwierig.
Und ich bin sehr froh: Mr. Corona, das war ein Mann in der Schweiz, der in der Gesundheitsfrage einige nicht die ganze Zeit an der Spitze stand, hat im Nachhinein Dinge erzählt, die wirklich interessant waren. Er hat gesagt: Das Ganze hat begonnen in einem totalitären Land. Und wir haben hingeschaut, was machen die, und wir haben das kopiert, einfach weil wir nicht wussten, was jetzt genau richtig ist.
Und das hat natürlich Konsequenzen gehabt, denn ein totalitäres Land wie China, das ist ein kommunistisches Land, das eben Menschen unterdrückt, und wir haben das kopiert, was die gemacht haben. Und darum waren unsere Entscheidungen eben nicht einfach so neutral. Aber ich war sehr froh, dass dieser Mann das öffentlich und so offen gesagt hat. Und da merkt man: Das war ein richtiger Mensch. Er hat sich gefragt, was richtig ist. Er hat sich so entschieden, und viele würden im Nachhinein sagen: Nein, da hätten wir übertrieben, das hätten wir anders machen können. Aber man wusste es nicht.
Und eben nicht alle Leute in der Regierung sind gleich. Aber vor diesem Mann habe ich wirklich Achtung, und vor allem, weil er im Nachhinein Dinge so offen kommuniziert. Und nicht einfach sagt: Es war alles richtig. Wir haben uns natürlich nie geirrt.
Nun war also da die Frage: Ja, wenn die Bibel befiehlt, wir sollen singen. Und gerade diese wunderbare Stelle in Epheser 5,18: Werdet mit dem Geist erfüllt und redet zueinander in Psalmen, Lobliedern, geistlichen Liedern, dem Herrn singend und spielend mit eurem Herzen. Ja, können wir ein Gebot einfach auf der Seite lassen?
Und dann konnte man eben argumentieren: Es ist das Anliegen, wie kann man Leben schützen. Und dann steht grundsätzlich das höher als das Gebot des Singens. So kann ein Gebot das andere überhöhen. Und die Argumentation kommt sehr schön mit 1. Samuel 21 und Matthäus 12.
Und dann wurde ich ganz massiv angegriffen, öffentlich, ich sage nicht von wem. Und ich wollte mit denen auch nicht streiten und wollte auch kein Gegenvideo machen. Aber ich habe dann mit ihnen mal telefoniert, und am Telefon klang alles ganz anders.
Ja, natürlich wissen wir auch, Bruder Libi, dass das ein Gebot ein anderes überhöhen kann, aber bitte, warum habt ihr das denn nicht gesagt in eurem Podcast? Ja, man kann doch nicht privat so freundlich sein und dann in der Öffentlichkeit anders.
Aber eben, es ging um dieses Prinzip, und das ist ein biblisches Prinzip, und dazu können wir stehen. Ja, und damit habe ich nicht irgendwie gerechtfertigt, dass die Regierungen in der Schweiz und in Deutschland in dieser Zeit alles richtig gemacht hätten. Und es gibt Leute, die geben auch zu: Wir haben manche Dinge so gemacht, wie wir das nicht mehr machen würden.
Ja, so viel zu diesem Abschnitt. Wir gehen weiter in 1. Samuel 21 und betrachten gleich nach der Pause die Angelegenheit mit dem Schwert Goliaths.

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