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Das Buch der Richter ab Kapitel 9

Richter 9,1-11,40
Richter 9,1-11,4020.03.2019
SerieTeil 8 / 10Das Buch der Richter - Abfall und Wiederherstellung
Abimelech zeigt, wie Machtgier ein Volk von innen zerfrisst. Und Jephthas Geschichte fragt: Was passiert, wenn du Gott erst in der Not suchst – und dann zu viel versprichst?

Rückblick auf Abimelech und die prophetische Warnung

Wir sind in Richter 9 angelangt. Wir haben gesehen, was dieser schreckliche Abimelech angerichtet hat, wie er seine Brüder alle umgebracht hat mit Geld aus diesem Götzentempel von Ba'al Berit.
Jotham vermochte diesem Massaker zu entkommen. Er ging auf den Berg Garizim und verkündigte von dort aus seine Fabel. Diese wunderbare Fabel hat also nichts zu tun mit diesen Mythen, vor denen wir im Neuen Testament an verschiedenen Stellen gewarnt werden, sondern es ist eine bildhafte Darstellung.
Wir haben also die Bäume, die einen König haben wollten, und das ist klar: Das symbolisiert das Volk Israel. Und da versuchen sie es beim Olivenbaum, sie versuchen es beim Feigenbaum und beim Weinstock. Diese sind edel genug, um zu sagen: Nein, das möchten sie nicht tun. Genau so wie ein Gideon noch gesagt hat: Nein, ich möchte nicht König sein, nur Gott soll König sein. Und so haben das auch andere Richter getan.
Aber dieser Abimelech, der wird hier dargestellt mit einem Dornstrauch, und der war sehr wohl bereit, König zu werden. Jetzt sehen wir aber: Diese Fabel war eine prophetische Fabel. Er sagt nämlich in 9,15: Wenn aber nicht, so soll Feuer von dem Dornstrauch ausgehen und die Zedern des Libanon verzehren.
Und das war eine Prophetie, dass dieser Melchisedek, dieser Abimelech, eine Katastrophe werden sollte für Israel. Und das führt uns dann eben zum nächsten Abschnitt.

Der Beginn des inneren Zerfalls in Israel

21 bis 49 beschreibt uns, wie es zum Bürgerkrieg in Israel kommt. Und zwar lese ich ein paar Verse:
Und Jotham floh und entwich und ging nach Beer, und er blieb dort wegen seines Bruders Abimelech. Das war Vers 21. Und Abimelech herrschte über Israel drei Jahre.
Übrigens, diese drei Jahre gehören mit zu diesen hundertvierzehn Jahren, die nicht gezählt werden in 1. Könige 6,1. Denn auch diese drei Jahre waren verlorene Jahre. Sie waren also ein Gericht Gottes, wo Israel eben nicht unter der Herrschaft Gottes als König stand, sondern unter der Herrschaft dieses Usurpators. Das ist das Fremdwort für einen, der eine Autorität an sich reißt, die ihm gar nicht zusteht.
Nur hier sehen wir, wie die Spirale dauernd runtergeht. Hier ist der Feind nun nicht irgendeiner aus dem Ausland, irgendein fremdes Volk im Land, sondern einer aus dem Volk Israel, der so zum Feind wird für Israel. Und Gott benutzt ihn als Zuchtrute für das untreue Volk Israel.
Vers 23: Und Gott sandte einen bösen Geist zwischen Abimelech und den Bürgern von Sichem. Und die Bürger von Sichem handelten treulos an Abimelech, damit die Gewalttat an den siebzig Söhnen Jerubals über ihn käme und ihr Blut gelegt würde auf ihren Bruder Abimelech, der sie ermordet hatte, und auf die Bürger von Sichem, die seine Hände gestärkt hatten, seine Brüder zu ermorden.
Also, die waren ja schön eins mit diesem Abimelech, und er konnte sie auch überzeugen, weil er in Sichem aufgewachsen war: Wir gehören zusammen, wir sind verwandtschaftlich miteinander verbunden, also nehmt doch mich als König, und dann können diese Brüder, diese vielen Söhne von Gideon, nicht auch noch als Richter wirken im Land neben mir. Und sie haben ihn zum König gemacht. Da war schöne Einheit, und dann sagt die Bibel hier, dass Gott einen bösen Geist sendet.
Das erinnert uns vielleicht an die Stelle in 1. Samuel, wo wir sehen, in der späteren Heilsgeschichte, wie Gott auf Saul einen bösen Geist sandte, und zwar als Gericht. 1. Samuel 16,14: Aber der Geist des Herrn wich von Saul, und ein böser Geist von dem Herrn ängstigte ihn.
Wie soll man das verstehen? Ein weiteres Beispiel macht das uns sehr klar. Schlagen wir auf 2. Chronika. Und zwar Kapitel 18. Da sind wir in der Zeit von König Ahab, diesem gottlosen Ahab. Und leider hatte sich König Josaphat, ein gottesfürchtiger König aus Juda, mit diesem Gottlosen verschwägert. Es gab eine familiäre Verbindung zwischen dem Südreich Juda und dem Nordreich unter Ahab.
König Ahab wollte König Josaphat anstacheln, mit ihm zusammen in den Krieg zu ziehen. Und Josaphat war bereit zu einer Art Ökumene, war bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und er sagte ihm: Ich will sein wie du, und mein Volk wie dein Volk, und will mit dir in den Streit ziehen.
Das klingt doch sehr schön. Er war bedacht um die Einheit des Volkes Gottes, das ja gespalten war nach dem Tod von Salomo in zehn und zwei Stämme. Er sagte: Ich will sein wie du, und mein Volk wie dein Volk. Er sucht die Einheit, nicht wahr?
Ja, aber man kann nicht die Einheit suchen mit denen, die gegen den Herrn sind und gegen sein Wort. Das ist Ökumene.
Aber dann haben falsche Propheten dem König Ahab Mut gemacht. Er soll in diesen Krieg ziehen, er wird Erfolg haben. Und Josaphat sagt: Ja, aber gibt es hier keine Propheten des Herrn, die man befragen könnte? Doch, da ist einer, Micha, aber der weiss sagt immer nur Schlechtes über mich. Und dann hat er ihn halt holen lassen, und der sagt ihm: Ja, zieh hinauf, es wird alles gut gehen. Aber natürlich mit einer Miene, die der König sofort erkannte. Wie oft soll ich dir sagen, dass du mir nur die Wahrheit sagst?
Und dann kommt die ernst gemeinte Prophetie, und ich lese 2. Chronika 18,13: Aber Micha sprach: So wahr der Herr lebt, was mein Gott mir sagen wird, das werde ich reden.
Und dann in Vers 18 beschreibt er: Und er sprach: Darum hört das Wort des Herrn! Ich sah den Herrn auf seinem Thron sitzen, und alles Heer des Himmels zu seiner Rechten und zu seiner Linken stehen. Und der Herr sprach: Wer wird Ahab, den König von Israel, bereden, dass er hinaufziehe und zu Ramoth-Gilead falle? Und der eine sprach so, und der andere sprach so. Da trat der Geist hervor und stellte sich vor den Herrn und sprach: Ich will ihn bereden. Und der Herr sprach zu ihm: Wodurch? Und er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein in dem Mund all seiner Propheten. Und er sprach: Du wirst ihn bereden und wirst es auch ausrichten. Gehe aus und tue also. Und nun siehe, der Herr hat einen Lügengeist in den Mund dieser deiner Propheten gelegt, und der Herr hat Böses über dich geredet.
Micha hat eine Vision. Da hat er den Thron Gottes im himmlischen Tempel gesehen, Gott auf dem Thron und die ganzen Engelsscharen darum herum. Also genauso wie in Hiob, wo wir auch eine solche Szene haben. Und unter diesen Engeln kam in Hiob auch der Satan. Und hier wird er genannt, der Geist, im Hebräischen mit bestimmtem Artikel, Haruach, der Geist. Und das ist der Teufel.
Und der Teufel sagt, er wäre bereit, ein Lügengeist zu sein im Mund dieser Propheten. Und Gott gibt die Erlaubnis. Nicht Gott ist die Quelle des Bösen, aber Gott kann dem Bösen genau sagen, wo es begrenzt ist. Bei Hiob sagte er: Ja, Satan darf seinen Besitz antasten, aber nicht Hiob selbst. Und Satan konnte in diesem Rahmen, den Gott zuließ, wirken.
Gott hat mit dem Bösen nichts zu tun. Es ist ganz wichtig: 1. Johannes 1,5 sagt: Dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben, dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist.
Aber Gott kann das Böse hindern oder er kann es wirken lassen. Und hier hat er die Erlaubnis gegeben, und zwar als Gericht an Ahab. Weil dieser Mann den Weg des Irrtums gehen wollte, ließ er ihn diesen Weg des Irrtums bis zum Schluss gehen. Und dieser Lügengeist hat dann Ahab ermutigt, er soll hinaufziehen, und in diesem Krieg kam er dann ums Leben. Das war ein Gericht.
Und so ist es eben auch bei Saul. Das war ein Gericht Gottes, dass ein böser Geist über Saul kommen konnte, der ihn ängstigte. Darum heißt es: ein böser Geist von dem Herrn, also erlaubt von dem Herrn.
Und noch stärker ist dieses Thema zu sehen in 2. Thessalonicher 2, wo es dann heißt: Deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, damit sie alle der Lüge glauben, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben. Und dort geht es um das Kommen des Antichristen, der einmal die ganzen Massen, die das Evangelium vorher abgelehnt haben, verführen wird mit mächtigen Taten, Zeichen und Wundern. Es ist alles so beschrieben in 2. Thessalonicher 2,12 und den Versen davor schon.
Und eben wichtig: Dort heißt es, deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns. Gott selber hat mit dem Bösen nichts zu tun, aber er benutzt das Böse so, dass es eben als Gericht wirkt über die, die ihn einfach nicht wollen und sein Wort ablehnen.
Und hier haben wir auch wieder so einen Fall: Gott sendet einen bösen Geist zwischen die Männer von Sichem, und dieser böse Geist bewirkt, dass hier Streit entsteht. Dieser Streit führt zu einem schrecklichen Bürgerkrieg in Sichem, und zwar so, dass schließlich Abimelech all die Leute, die in Sichem Zuflucht genommen haben, in diesem Tempel des Ba'al-Berit, dass die dabei ums Leben kommen. Und zwar zündet er dieses Gebäude an. Ich lese aus Richter 9,49:
Da hieb auch das ganze Volk an jeder seinen Ast ab, und sie folgten Abimelech nach und legten sie an die Burg und zündeten die Burg über ihnen mit Feuer an. Und so starben auch alle Leute des Turmes von Sichem, bei tausend Männer und Frauen.

Das Ende Abimelechs und die Bestätigung von Jothams Wort

Dann geht Abimelech weiter nach Tebez. Der Krieg weitet sich aus über Sichem hinaus, und Abimelech zog nach Tebez, belagerte Tebez und nahm es ein. Es war aber ein starker Turm mitten in der Stadt, und dahin flohen alle Männer und Frauen, alle Bürger der Stadt. Sie schlossen hinter sich zu und stiegen auf das Dach des Turmes.
Und Abimelech kam an den Turm und stritt gegen ihn. Er nahte sich dem Eingang des Turmes, um ihn mit Feuer zu verbrennen. Da warf eine Frau den oberen Stein einer Handmühle auf den Kopf Abimelechs und zerschmetterte ihm den Schädel. Und er rief eilends dem Knaben, der seine Waffen trug, und sprach zu ihm: Ziehe dein Schwert und töte mich, damit man nicht von mir sage, eine Frau habe ihn umgebracht. Und sein Knabe durchstach ihn, und er starb.
In den weiteren Versen sehen wir, dass das eben Gottes Gericht war. In Vers 56 und 57 heißt es, dass Gott die Bosheit Abimelechs, die er an seinem Vater verübt hatte, indem er seine siebzig Brüder ermordete, auf ihn zurückbrachte. Und die ganze Bosheit der Männer von Sichem brachte Gott auf ihren Kopf zurück. So kam über sie der Fluch Jothams, des Sohnes Jerubbaals.
Da wird also klar: Die Fabel von Jotham war eine Prophetie, die sich dann auch erfüllt hat. Jetzt sehen wir am Höhepunkt der Geschichte, dass der Schädel des Feindes von einer Frau zertrümmert wird, genauso wie das in der Spiegelgeschichte mit Debora und Barak geschehen ist. Auf dem Höhepunkt der Geschichte vernichtet eine Frau den Schädel des Feindes.
Das Schlimmere ist aber: Im ersten Fall ist es ein Kanaaniter, und hier ist der Feind ein Israelit. Das, was auf der gespiegelten Seite steht, ist eben schlimmer als das vorherige, um diese Abwärtsspirale zu zeigen.

Neue Richter nach dem Zusammenbruch

Damit kommen wir zu Kapitel 10, im Anschluss an die Zeit von Abimelech. Uns wird ganz kurz beschrieben, dass Tola das Richteramt übernahm.
10,1: Und nach Abimelech stand auf, um Israel zu retten, Tola, der Sohn Puas, des Sohnes Dodos, ein Mann von Issachar, wieder aus einem anderen Stamm, jetzt aus Issachar. Und er wohnte zu Schamir im Gebirge Ephraim. Und er richtete Israel dreiundzwanzig Jahre, und er starb und wurde zu Schamir begraben.
Und nach ihm stand Jair, der Gileaditer, auf, und er richtete Israel zweiundzwanzig Jahre. Und er hatte dreißig Söhne, die auf dreißig Eseln ritten, und sie hatten dreißig Städte. Diese nennt man bis auf diesen Tag die Dörfer Jairs, welche im Land Gilead sind. Und Jair starb und wurde zu Kaman begraben.
Hier auf der Satellitenkarte habe ich das Gebiet von Gilead eingezeichnet. Das liegt also auf der anderen Seite des Jordans, hier der See Genezareth, da das Tote Meer, jetzt noch so, dass man es auch sieht: hier der See Genezareth, das Tote Meer, verbunden durch den Jordan. Aber auf der anderen Seite, im Osten, heute in Jordanien, da liegt das israelische Gebiet von Gilead. Südlich davon sieht man das Gebiet von Ammon, wo die Ammoniter wohnten. Die werden jetzt gerade im Weiteren sehr wichtig werden.

Der neue Abfall und die Bedrängnis durch die Nachbarvölker

Ich lese jetzt ab Vers sechs, denn da beginnt die sechste Abfallgeschichte. Und die Kinder Israel taten wiederum, was böse war in den Augen des Herrn, und sie dienten den Baalim und den Ashtarot und den Göttern Syriens und den Göttern Zidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammons und den Göttern der Philister.
Im Ganzen werden sieben verschiedene Götter aufgezählt. Die Zahl sieben ist die Zahl der Vollkommenheit im positiven Sinn, und sie kann auch im negativen Sinn verwendet werden. Diese Bosheit kommt hier zum Ausdruck, indem sie also alle möglichen Religionen holen und integrieren. Ganz im New-Age-Sinn von heute: Da kann man auch alles zusammenmischen, kein Problem, und Widersprüche gibt es nicht, auch da, wo sich alles widerspricht.
Und dann lesen wir in Vers sieben: Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und er verkaufte sie in die Hand der Philister und in die Hand der Kinder Ammon. Die Philister, die waren im Gazastreifen, hier gegen das Mittelmeer hin, und über den Gazastreifen hinaus, ja, und eben die Ammoniter hier auf der anderen Seite. Und beide gehen nun gegen Israel vor.
Und sie bedrückten und plagten die Kinder Israel in selbigem Jahr. 18 Jahre bedrückten sie alle Kinder Israel, welche jenseits des Jordan waren, im Land der Amoriter, das in Gilead ist. Und die Kinder Ammon zogen über den Jordan, um auch gegen Juda und gegen Benjamin und gegen das Haus Ephraim zu streiten. Und Israel wurde sehr bedrängt.
Das ist ein bisschen schwierig, der Text. Es heißt hier: „Und sie bedrückten und plagten die Kinder Israel in selbigem Jahr.“ Welches Jahr ist da gemeint? Und dann heißt es, 18 Jahre lang haben sie sie bedrückt, und zwar ganz speziell die jenseits des Jordan in Gilead. Also sieht man: Hier ist Gilead nochmals, und da haben die Ammoniter, die müssen noch ein bisschen nach Norden gehen, sie da bedrückt. Aber zu zwei Gelegenheiten in jenem Jahr und dann überhaupt 18 Jahre lang.
Jetzt sage ich das schon mal als Behauptung, ich komme dann nochmals darauf zurück: Jenes Jahr ist ein Verweis auf das Todesjahr von Tola. Ich habe doch gelesen in 10,2: Er, Tola, richtete Israel 23 Jahre, und er starb und wurde zu Schamir begraben. Da gab es natürlich eine gewisse Lücke, bis dann der nächste Richter aufstand. Und nach ihm stand Jair, der Gileaditer, auf, und er richtete Israel 23 Jahre.
Dieser Jair war aber dann sehr erfolgreich, und er hatte dreißig Söhne, die ihm halfen, und die hatten dreißig Städte in Gilead. Und die waren in der Lage, den Ammonitern da entgegenzutreten. In jenem Jahr, das ist, wie wir noch sehen werden, das Todesjahr von Tola, bis Jair dann aufstand. Und der konnte also durch seine besondere Herrschaft mit seinen Söhnen in Gilead diese Gefahr abwenden. Aber dann starb er, Vers 5, und Jair starb und wurde zu Kamon begraben. Und da in der Folge beginnen diese achtzehn Jahre der Unterdrückung, die da in Vers acht beschrieben sind.
Achtzehn Jahre bedrückten sie alle Kinder Israel, welche jenseits des Jordan waren, im Land der Amoriter, das ist Gilead. Und dann wurden sie noch frecher und gingen auch über den Jordan hinüber und haben dann die Stammesgebiete von Juda, Benjamin, da ist das südliche Gebiet von Israel, Benjamin ist gerade von Jerusalem an hier etwas nördlich angehängt, und dann, wie gesagt, auch Ephraim. Ephraim ist dann noch weiter nördlich von Benjamin, da im Bergland.
Ja, aber es leuchtet jetzt ein mit der Geographie, warum die Ammoniter eben gegen Gilead vorgehen, warum gegen Juda, Benjamin und Ephraim. Das sind die Gebiete, die eigentlich ganz direkt erreichbar waren, von Ammon aus.

Buße, göttliche Zurückweisung und die Vorbereitung auf Rettung

Und dann geht es wieder nach dem Schulbeispiel, Vers 10: Da schrien die Kinder Israel zu dem Herrn und sprachen: Wir haben gegen dich gesündigt, und zwar weil wir unseren Gott verlassen und dem Baal gedient haben.
Und der Herr sprach zu den Kindern Israel: Habe ich euch nicht von den Ägyptern und von den Amoritern, von den Kindern Ammon und von den Philistern gerettet, als die Zidonier und Amalekiter und Maoniter euch bedrückten und ihr zu mir schriet? Ich habe euch aus ihrer Hand gerettet. Ihr aber habt mich verlassen und habt anderen Göttern gedient; darum werde ich euch nicht mehr retten! Geht hin und schreit zu den Göttern, die ihr erwählt habt; sie mögen euch retten zur Zeit eurer Bedrängnis.
Gott lässt sie fallen, weil die Buße noch nicht tief genug war. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Man kennt das vielleicht aus den Hilfeleistungen gegenüber Alkoholikern. Wenn ein Alkoholiker nicht wirklich unten ist, kann man ihm fast nicht helfen, weil er überzeugt ist, dass er kein Alkoholiker ist. Es ist für ihn ganz klar, dass er die Sache mit dem Alkohol im Griff hat. Und man kann ihm nicht helfen, weil er überzeugt ist, dass er kein Problem hat. Da muss er noch tiefer fallen, und noch tiefer, bis der Punkt kommt, wo er wirklich sieht: Es ist das totale Elend. Und dann gibt es eine Chance, aus diesem Sumpf herauszukommen.
Ein anderes Beispiel ist in der Geschichte von Joseph. Die Brüder kamen wegen der Hungersnot nach Ägypten, um Getreide zu kaufen, und Joseph war hart gegen sie. Sie kannten ihn nicht, aber er kannte sie. Warum war er so hart gegen seine Brüder? Nun, das war ganz wichtig. Er wollte erfahren: Wo stehen meine Brüder jetzt? Und darum hat er sich schliesslich erkundigt: Hat euer Vater noch einen weiteren Sohn? Woher weiss er etwas davon, dass es da noch einen Benjamin gibt? Und dann haben sie ihm gesagt: Ja, natürlich, holt ihn. Nein, das kann man unserem Vater, unserem alten Vater, nicht antun! Ach so, er merkte: Da ist etwas gegangen.
So haben sie damals nicht gedacht, als sie Josef verkauften. Da hieß es nicht: Das können wir unserem Vater nicht antun, sondern sie haben ihn brutal nach Ägypten verkauft. Man sieht: Es ist etwas gegangen. Und es war wichtig, diese ganze schwierige Zeit gegenüber den Brüdern durchzustehen. Erst später in der Josefsgeschichte, die so ergreifend ist, kommt der Moment, wo er sich sagt: Jetzt kann ich mich offenbaren. Und plötzlich, er hat ja immer über Dolmetscher mit ihnen gesprochen, ja, die haben Hebräisch gesprochen, und ein Dolmetscher hat für Josef auf Ägyptisch übersetzt. Und dann plötzlich sagt dieser Fremde, dieser harte Mann: Ani Joseph, achichem, ich bin Joseph, euer Bruder. Und diese hartgesottenen Männer brechen zusammen. Es ist eine so ergreifende Szene. Aber es war wichtig, diese Drangsal, um eben das Werk Gottes in diesen Herzen bis zum Schluss zu führen. Hätte er sich zu früh als Joseph zu erkennen gegeben, wären die Dinge nicht so klar gekommen.
Und so ist es auch wichtig, wenn es um Wiederherstellung geht: Es braucht einen Prozess, der ganz reif werden muss, bis wirklich der Durchbruch kommt. Und so sagt Gott: Schreit zu euren Göttern, ihr habt mich nicht gewollt, jetzt will ich auch nicht.
Und es ist so schön dann zu sehen, Vers 15: Und die Kinder Israel sprachen zu dem Herrn: Wir haben gesündigt. Tue du uns nach allem, was gut ist in deinen Augen, nur errette uns doch an diesem Tag! Also sie stellen sich wirklich unter die Autorität Gottes, nicht nur: Ja, wir haben gesündigt. Er soll alles tun, wie er es will. Wir stellen uns darunter, auch unter seine Zucht. Aber doch der Wunsch: Rette uns!
Und dann ließ man sogar als Konsequenz, Vers 16: Und sie taten die fremden Götter aus ihrer Mitte hinweg und dienten dem Herrn. Und seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels.
Gottes inneres Empfinden wird bewegt, so wie wir auch lesen in Jesaja 63,9. In all ihrer Drangsal war er bedrängt. So ist Gott, dass er mitfühlt und genau weiß, was wir empfinden. Und hier hat Gott mit dieser Not, die Israel durchgemacht hat, mitgefühlt. Und dann kommt es zur Befreiung mit einem neuen Richter.

Jephtha: Verwerfung, Berufung und die Frage nach Herkunft

Und die Kinder Ammon versammelten sich und lagerten sich in Gilead. Und die Kinder Israel kamen zusammen und lagerten sich zu Mizpa. Mizpa ist ein Ortsname, der an verschiedenen Orten vorkommt. Hier ist es ein Mizpa in Gilead, auf der anderen Seite des Jordan. Es gibt auch ein Mizpa auf dieser Seite des Jordan. Mizpa heißt auf Hebräisch einfach Aussichtspunkt, also ein Ort auf einem Berg, von dem aus man eine gute Aussicht hat.
Sie kommen dort in Mizpa zusammen. Da sprach das Volk untereinander zu den Obersten von Gilead: Wer ist der Mann, der anfängt, gegen die Kinder Ammon zu streiten? Er soll allen Bewohnern Gileads zum Haupt sein.
Und jetzt kommt eine neue Person ins Blickfeld: Jephtha. Jephtha, der Gileaditer, war ein tapferer Held. Er war der Sohn einer Hure. Gilead hatte Jephtha gezeugt, und auch die Frau Gileads gebar ihm Söhne. Als die Söhne der Frau groß wurden, vertrieben sie Jephtha und sprachen zu ihm: Du sollst nicht erben im Haus unseres Vaters, denn du bist der Sohn einer anderen Frau. Und Jephtha floh vor seinen Brüdern und wohnte im Land Tob. Und es sammelten sich zu Jephtha lose Leute, und sie zogen mit ihm aus.
Eine richtig traurige Lebensgeschichte, ja? Dieser Jephtha ist der Sohn einer Hure. Und die Halbbrüder akzeptieren ihn überhaupt nicht. Er erfährt gefühlsmäßig ganz ähnliche Dinge, wie Joseph sie erlebt hatte, diese Ablehnung durch seine Brüder. Das muss etwas ganz Furchtbares gewesen sein. Und das hat auch er erlebt, und er musste sogar vor seinen Brüdern fliehen.
Aber wir haben in Vers 11 gelesen, dass dieser Jephtha bekannt war als ein tapferer Held. Und jetzt, in dieser ganzen Notzeit, erinnert man sich plötzlich an diesen Jephtha. Der könnte uns ganz nützlich sein.
Vers 4: Und es geschah nach einiger Zeit, da stritten die Kinder Ammon mit Israel. Und es geschah, als die Kinder Ammon mit Israel stritten, da gingen die Ältesten von Gilead hin, um Jephtha aus dem Land Tob zu holen. Und sie sprachen zu Jephtha: Komm und sei unser Anführer, dass wir wieder gegen die Kinder Ammon streiten. Und Jephtha sprach zu den Ältesten von Gilead: Seid ihr es nicht, die mich gehasst und mich aus dem Haus meines Vaters vertrieben haben? Und warum kommt ihr jetzt zu mir, da ihr in Bedrängnis seid?
Die Ältesten von Gilead sprachen zu Jephtha: Darum sind wir jetzt zu dir zurückgekehrt, dass du mit uns ziehst und wieder gegen die Kinder Ammon streitest, und du sollst uns zum Haupt sein, allen Bewohnern Gileads. Und Jephtha sprach zu den Ältesten von Gilead: Wenn ihr mich zurückholt, um wieder gegen die Kinder Ammon zu streiten, und der Herr sie vor mir dahingibt, werde ich euch dann wirklich zum Haupt sein? Und die Ältesten von Gilead sprachen zu Jephtha: Der Herr sei Zeuge zwischen uns, wenn wir nicht also tun, wie du geredet hast.
Da ging Jephtha mit den Ältesten von Gilead, und das Volk setzte ihn zum Haupt und zum Anführer über sich. Und Jephtha redete alle seine Worte vor dem Herrn zu Mizpa.
Also jetzt ist einer, der verworfen war und, wie wir gesehen haben, gehasst wurde, plötzlich nützlich, und sie holen ihn. Aber es ist interessant: Er sagt nicht einfach: Oh okay, jetzt ja, ich komme. Sondern er sagt: Was ist das, was ihr da gemacht habt? Also er spricht ihre Gewissen an. Aber in der Not sind sie so überzeugt: Wenn einer uns jetzt helfen könnte, dann ist es Jephtha. Und so sehen wir etwas Wunderbares.
Man muss sich nie in eine Schublade stecken lassen, wenn man eine Herkunft hat, der man sich vielleicht schämen würde. Und wenn man so schlimme Familiengeschichten erlebt hat, von Ablehnung, da könnte man sagen: Dieser Jephtha war sicher so verletzt, und diesen Mann kann man das Leben lang nicht mehr belasten. Aber er ist nicht in einer Schublade, und der Herr hat Jephtha als Richter benutzt. Das zeigt also etwas Wichtiges, was viele meinen: Man muss seine Geschichte sehen, und man muss sehen, das ist die Vergangenheit, und so bin ich. Nein, das ist meine Vergangenheit, aber so bin ich nicht. Ich möchte diesen Weg gehen, den der Herr mich führt.
Und er ist schließlich bereit, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, und dazu braucht er natürlich auch eine innere Vergebungsbereitschaft. Nicht wahr? Wenn ihn Rache bestimmt hätte, dann hätte er gesagt: So, jetzt schaut selber, ich komme ganz bestimmt nicht. Aber er war bereit, das zu übernehmen. Also eine schöne Gesinnung bei Jephtha.

Jephthas Rede, die politische Lage und die geistliche Deutung der Völker

Und dann geht es zum König von Ammon.
Vers 12: Und Jephtha sandte Boten an den König der Kinder Ammon und sprach: Was haben wir miteinander zu schaffen, dass du gegen mich gekommen bist, mein Land zu bekriegen? Und der König der Kinder Ammon sprach zu den Boten Jephthas: „Weil Israel mein Land genommen hat, als es aus Ägypten heraufzog, vom Arnon bis an den Jabbok und bis an den Jordan. Und nun gib die Länder in Frieden zurück.“
Es geht um einen Landstreit. Die Ammoniter sagen also: Wir haben ein Anrecht auf Gilead. Die Israeliten müssen dieses Gebiet an Ammon geben, und das ist die ganze Ursache dieses Konflikts.
Nun hält Jephtha hier eine riesig lange diplomatische Rede, die er dem König weitergibt. Diplomaten können ja ebenfalls sehr lange und scheinbar sehr gerecht und ausgeglichen reden. Zum Beispiel sagt er in Vers 24: Nimmst du nicht das in Besitz, was dir Kamos, dein Gott, zum Besitz gibt, so auch alles, was der Herr, unser Gott, vor uns ausgetrieben hat, das wollen wir besitzen.
Also sagt er: Schaut mal die Geschichte an. Er zählt die Geschichte zurück, mehrere Jahrhunderte zurück, und zeigt, dass die Israeliten am Ende der Wüstenwanderung in dieses Gebiet kamen, jenseits des Jordans, noch bevor sie ins Land kamen. Da haben sie ja das Gebiet der Amoriter dort erobert. Und Jephtha zeigt: Wir haben nicht das Gebiet von Ammon genommen, sondern das Gebiet der Amoriter. Und das war also im letzten Jahr der 40 Jahre Wüstenwanderung.
Da greift er zurück. Er kannte also die Heilsgeschichte ganz genau und erklärt: Nein, da gibt es keine Gebietsansprüche. Aber dann sagt er hier: Sie sollen doch das in Besitz nehmen, was ihr Gott Kamos ihnen als Ammon gegeben hat, und wir nehmen eben das in Besitz, was Jahwe uns gegeben hat.
Und da habe ich ja schon erklärt: Diese Geschichte spiegelt sich ja mit der Geschichte von Ehud, der einfach das Schwert nahm, nachdem er gesagt hatte: Ich habe ein Wort Gottes an dich, und hat das zweischneidige Schwert angewendet. Das war keine lange Rede, und die Sache war geklärt. Aber hier wendet Jephtha nicht das zweischneidige Schwert an, sondern er sagt: Euer Gott so, unser Gott so! Das geht nicht.
Er spricht übrigens über Kamos nicht als über ein Götzenbild, sondern er spricht wie über eine richtige Person. Und das ist natürlich schon in einer gewissen Hinsicht korrekt. Denn die Bibel sagt, dass an der Spitze der verschiedenen Nationen Engelmächte stehen, und zwar gefallene Engelmächte.
In Daniel 10, ich habe das auch schon erwähnt, wird gesprochen von dem Fürsten des Königreichs Persien. Ein Engel erzählt dort Daniel, dass er eigentlich schon drei Wochen früher hätte zu Daniel kommen sollen, aber der Fürst des Königreichs von Persien hat ihm Widerstand geleistet, bis dann einer der ersten Fürsten, Michael, gekommen sei, um ihm zu helfen, und dann hat er gewonnen. Und der Engel sagt weiter zu Daniel: Jetzt werde ich wieder weggehen, und dann wird der Fürst von Griechenland kommen. Auch wieder ein gefallener Engelfürst, der an der Spitze von Griechenland ist.
Und wenn man diese Dinge weiß und auch, was in Epheser 6,10 steht, dort spricht der Apostel Paulus über die Waffenrüstung der Erlösten. In diesem Zusammenhang sagt er in Kapitel 6, Vers 12: „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut“, gegen Menschen. Wir Christen kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.
Also da heißt es „gegen die Weltbeherrscher“, griechisch die Kosmokratoren, also die, die den Kosmos, im Sinne von die Welt, beherrschen. Das unterstreicht nochmals, dass diese Engelfürsten an der Spitze der verschiedenen Nationen sind. Und das ist auch der Grund, warum in verschiedenen Teilen der Welt gerade die eingeborenen Stämme ihre Götter haben: für einen Stamm so, und der nächste Stamm wieder seine Götter, und der nächste Stamm wieder seine Götter. Das sind Dämonen, die eben zuständig sind für die verschiedenen Völker, die sich von Gott abgewandt haben, und die lassen sich über diese Götzenbilder verehren.
Aber wenn wir über diese Götter der Heiden sprechen, dann müssen wir das in zwei Hinsichten tun. Einerseits sind da Götzenbilder, und das sind tote Klötze. In Hesekiel werden die ganz wörtlich im Hebräischen Rollklötze genannt. Ja, ein Götzenbild kann man einfach so rollen. Wie Fußball, ja? Es sind wirklich Nichtse! Aber hinter diesen Götzenbildern, das sagte Paulus in 1. Korinther 10,20, sind Dämonen. Darum sagt er, das, was die Heiden, die Nationen, opfern, das opfern sie nicht aus Unwissenheit so indirekt Gott, sondern den Dämonen, den gefallenen Engeln.
So sind es aus zwei Seiten: Es sind diese Rollklötze, aber dahinter verstecken sich diese wirklichen geistlichen Mächte. Und hier spricht er über Kamos, der eben ein Engelfürst war an der Spitze damals der Ammoniter.
Zum Beispiel die Thailänder, die wissen das sogar sehr bewusst. Auf allen offiziellen Dokumenten sieht man einen Cherub dargestellt. Er hat einen bestimmten Namen, einen Thai-Namen, und das ist der Engelfürst von Thailand. Also ein gefallener, dämonischer Engelfürst, der an der Spitze dieser Nation ist. In Thailand weiß man das ganz bewusst, in der Schweiz weiß man das nicht bewusst, in Deutschland auch nicht. Aber es ist so.
Und wenn man diese Dinge weiß, sieht man natürlich die ganze Weltgeschichte mit ganz anderen Augen. Und dann ist natürlich auch bedeutsam, dass Daniel 12 sagt, dass aber der nicht gefallene Engel Michael, einer der ersten Fürsten, im Neuen Testament wird er genannt Erzengel, an der Spitze von Israel steht. Und dieser böse Engelfürst von Persien, der ist heute noch aktiv. Der möchte am liebsten eine Atombombe herstellen lassen und Israel vernichten. Und der Engelfürst von Griechenland, der ist immer noch aktiv, der hat das Land in totalen wirtschaftlichen Ruin geführt.
Ja, so muss man das sehen. Das macht die Bibel klar. Aber wir wissen, dass der Herr über allem steht, und er hat die ganze Welt in seiner Hand. Er ist auf seinem Thron im Himmel, und dieser Thron steht fest, und seine Regierung steht fest. Und in einer solchen Welt leben wir.
Und als Gläubige werden wir von dem Feind angegriffen. Das sagt Epheser 6 gerade in diesem Brief, wo es darum geht, wie reich wir im Glauben sind, gesegnet mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern. Und diese geistlichen Mächte, die können uns das nicht wegnehmen, aber sie können uns hindern, dass wir den Genuss davon haben.
Und hier sehen wir: Ammon möchte Israel vertreiben aus seinem Besitz, aber dieser Jephtha verwendet nicht das Schwert des Geistes in seiner vollen Schärfe. Er sagt: Euer Kamos, der ist für euch zuständig, und der Herr ist für uns zuständig. Nein, er müsste sagen: Der Herr ist über alle. Darum heißt es in den Psalmen, er ist der Gott der Götter, er steht über allem.
Und das ist wirklich ein Niedergang. Dieser Mann, von dem wir manch Gutes sagen können, hatte die Klarheit des Wortes nicht mehr. Und darum diese riesenlange Rede: Man lese Vers 12 bis 27 durch und dann die Reaktion des Königs von Ammon.
Aber der König der Kinder Ammon hörte nicht auf die Worte Jephthas, die er ihm entboten hatte. Übrigens macht er in dieser Rede also klar: Die Israeliten hatten im letzten Jahr der Wüstenwanderung das Gebiet von Gilead von den Amorittern genommen, aber nicht von den Ammonittern. Von den Amorittern, aber nicht von den Ammonittern. Und darum sagt er: Es gibt da kein Problem. Und warum macht ihr jetzt Probleme? Dreihundert Jahre lang war das keine Sache.
Sieht man das in Vers 26? Während Israel in Hesbon wohnte und in seinen Tochterstädten und in Aroer und in seinen Tochterstädten und in allen den Städten, die längs des Arnon liegen, dreihundert Jahre lang, warum habt ihr sie denn nicht in jener Zeit entrissen? Und nicht ich habe gegen dich gesündigt, sondern du tust übel an mir, wieder mich zu streiten. Der Herr, der Richter, richte heute zwischen den Kindern Israel und den Kindern Ammon.
Diese 300 Jahre sind interessant, und zwar hat er sehr gut gerechnet. Der hat also nicht nur einfach die Geschichte, die Heilsgeschichte, gut gekannt, sondern er sagt: Das waren damals von der Einnahme im neununddreißigsten Jahr beziehungsweise im vierzigsten Jahr der Wüstenwanderung bis dahin, wo die Ammoniter begannen, Probleme zu machen, welches Jahr ist das? In jenem Jahr haben wir doch gelesen, das ist eben das Todesjahr von dem Richter Tola, bevor dann Jair in Gilead eben die Ammoniter wieder zurückdrängen konnte mit seinen dreißig Söhnen.
Und wenn man die strikte Chronologie durchrechnet, die ich jetzt schon mehrmals erwähnt habe, dann ist das Todesjahr 1267 gewesen. 1267. Und wann war dann dieses vierzigste Jahr der Wüstenwanderung? Das war 1567. Man muss sich noch erinnern: Ganz am Anfang, als ich noch einmal über Jericho gesprochen habe, habe ich gesagt, das war nach biblischer Chronologie genau im Jahr 1566. Also das Jahr vorher hatten sie dieses Gebiet erobert, das war 1567.
Von 1567 bis 1267 sind genau 300 Jahre. Das sind die 300 Jahre von Jephtha. Alles passt wunderbar exakt in diese strikte Chronologie hinein, auch mit den 450 Jahren, und es geht einfach auf. Das ist schön.
Ja, jetzt gehen wir weiter.

Der Sieg Jephthas und das verhängnisvolle Gelübde

Ammon ist also nicht bereit, auf dieses schwache Wort von Jephtha zu hören. Aber dann lesen wir in Vers 29: Da kam der Geist des Herrn über Jephtha. Er zog durch Gilead und Manasse und zog nach Mizpa in Gilead. Von Mizpa in Gilead zog er gegen die Kinder Ammon. Und mit dieser Armee geht er gegen die Ammoniter los und gewinnt den Krieg.
Aber, aber: Es gibt ja noch ein Gelübde. In Vers 30 heißt es: Und Jephtha gelobte dem Herrn ein Gelübde und sprach: Wenn du die Kinder Ammon wirklich in meine Hand gibst, so soll das, was zur Tür meines Hauses herausgeht, mir entgegen, wenn ich in Frieden von den Kindern Ammon zurückkehre, es soll dem Herrn gehören. Er macht aber nicht Punkt, sondern er geht weiter: Und ich werde es als Brandopfer opfern.
Er geht in den Krieg, und er gewinnt. Dann kommt er heim, und wer kommt ihm entgegen? Seine Tochter geht ihrem Papa entgegen, einer erwachsenen Frau. Aber sie hatte eine gute Beziehung zum Vater. Das ist nicht überall so, aber hier war es so. Und als er zurückkehrte, war für sie der Vater so wichtig. Sie geht ihm entgegen. Wäre es eine Ziege gewesen, wäre das einfach gewesen, oder ein Schaf. Aber die Tochter kam, und er ist entsetzt. Jetzt sieht er, was er einfach so in gewissem Übermut gelobt hat. Denn überhaupt: Geloben ist ein Problem, denn wir haben ja die Zukunft nicht in der Hand. Und darum sagt der Herr Jesus in der Bergpredigt: Man soll überhaupt nicht ein Gelübde ablegen, weil das eigentlich so tut, als könnten wir für die Zukunft garantieren. Und wir müssen sagen: Wir haben überhaupt nichts in der Hand, gar nichts.
Und er hat das so ausgesprochen, und die Tochter sagte ihm: Vater, erfülle das Gelübde. Also, die steht voll zu ihrem Vater. Die sagt: Mach das! Und dann geht sie aus der Höhe im Bergland hinunter auf einen Berg, der tiefer lag, um dort mit ihren Freundinnen zusammen ihre Jungfrauschaft zu beweinen. Und dann kommt sie wieder hoch, und dann heißt es, dass Jephtha sein Gelübde erfüllt hat.
Können wir das kurz lesen? In Vers 37: Und sie sprach zu ihrem Vater: Es geschehe mir diese Sache. Lass zwei Monate von mir ab, dass ich hingehe und auf die Berge hinabsteige. Das heißt, vom hochgelegenen Mizpa, habe ich gesagt, wo man eine schöne Aussicht hatte, da wollte sie hinabgehen auf die tieferen Berge. Also nochmals: hinabsteige und meine Jungfrauschaft beweine, ich und meine Freundinnen. Und er sprach: Gehe hin. Und entließ sie auf zwei Monate. Sie ging hin, sie und ihre Freundinnen, und beweinte ihre Jungfrauschaft auf den Bergen. Und es geschah am Ende von zwei Monaten, da kehrte sie zu ihrem Vater zurück, und er tat an ihr das Gelübde, das er gelobt hatte. Sie hatte aber keinen Mann erkannt. Und es wurde zum Gebrauch in Israel, von Jahr zu Jahr gehen die Töchter Israels hin, um die Tochter Jeftas des Gileaditters zu preisen, vier Tage im Jahr.
Frage: Hat Jephtha seine Tochter geschlachtet?
Also interessant ist ja mal: Es steht ja nicht, dass er sie geschlachtet hat, sondern es heißt, er hat das Gelübde erfüllt. Es heißt auch nicht, dass sie hingegangen ist, auf die tiefer gelegenen Berge, um dort ihr Leben zu beweinen, sondern ihre Jungfrauschaft zu beweinen. Und Jephtha hat ja gesagt, was zuerst herauskommt, das soll dem Herrn gehören. Das hilft uns schon in die Richtung.
Und jetzt muss man noch ein bisschen Hebräisch lernen. Er sagte: Ich werde es als ein Brandopfer opfern. Brandopfer heißt auf Hebräisch „Ola“. Und das heißt wörtlich „Hinaufsteigende“, weiblich. Männlich wäre „Ole“, aber es ist „Ola“. Also Brandopfer ist auf Hebräisch ein weibliches Wort, auf Deutsch ist das Brandopfer sächlich. Nicht wahr, Butter ist auf Hochdeutsch in Deutschland weiblich, die Butter. Aber wir in der Schweiz sind überzeugt, dass man sagen sollte: „der Butter“. Wir sagen einander: „Tisch me de Butter!“ Also männlich. Das sind einfach so grammatikalische Kategorien, das ist Gender, das hat nichts mit Geschlecht zu tun. Das sind Kategorien, die ihre Funktion haben in der Grammatik. Und natürlich: Da, wo es eben um ein bestimmtes Geschlecht geht, die Frau, dort ist es nicht einfach Gender, grammatikalisch, sondern dort ist es dann Sex, ja? Und der Mann, das ist nicht Gender, sondern das ist Sex, das Wort im Sinne von Geschlecht. Ja, also das sind so Dinge, die muss man wissen, gerade in einer Zeit, wo man das nicht mehr weiß.
Aber eben: Ola ist weiblich, und das heißt hinaufsteigende, die Hinaufsteigende. Und ein Brandopfer darbringen, das Verb heißt hinaufsteigen lassen, die Hinaufsteigende. Und so steht das hier. Würde es stehen, zum Beispiel ein Friedensopfer darbringen, dann würde man sagen: savach, und das heißt schlachten, ein Friedensopfer. Aber beim Brandopfer sagt man nicht, ein Brandopfer schlachten, sondern man sagt, ein Brandopfer aufsteigen lassen, weil das Opfer nach 3. Mose 1, das zur Ehre Gottes aufstieg, nur für Gott verbrannt wurde auf dem Altar, ganz für Gott. Niemand durfte davon essen. Es war ganz für Gott, also zum Wohlgefallen Gottes lässt man es aufsteigen.
So, und jetzt haben wir die Lösung. Es ist gar nicht so schwer. Sie ist runtergegangen auf die Berge, hat dort geweint über ihre Jungfrauschaft, dass sie also bereit ist, ihr Leben ganz für den Dienst des Herrn zur Verfügung zu stellen, so dass sie nicht einmal heiratet. Und dann kam sie von dort unten hoch nach Mizpa, und da ging die Hinaufsteigende, die hat Jephtha, weil er gesagt hat: Mach das so, ging sie hinauf, und er hat das Gelübde an ihr vollzogen. Und dann hat sie sich dem Dienst des Herrn geweiht, und darum wird sie von Jahr zu Jahr in Israel gepriesen. Hätte sie etwas so Schreckliches getan, wie sich quasi eins gemacht mit dem Gedanken eines Menschenopfers, das ist ein Gräuel vor Gott, dann wäre sie nie gepriesen worden. Und damit ist die Frage geklärt.
Also da hilft jetzt Hebräisch ein bisschen. Ja, es ist halb sechs, wir müssen Pause machen mit Abendessen, und dann fahren wir weiter.

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