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Das Lukasevangelium - Teil 1/40

ab Lukas 6, 17
Lukas 6,17-4919.12.2017
SerieTeil 1 / 52Das Lukasevangelium
Du willst Recht behalten? Jesus dreht alles um: Nicht die Starken, die Barmherzigen sind echt. Wer Feinde liebt und sich selbst prüft, baut sein Leben auf festen Grund.

Die lukanische Bergpredigt im Überblick

Wir kommen heute Abend zu Lukas 6, ab Vers 20. Des Zusammenhangs wegen lesen wir vielleicht ab Vers 17 und dann bis zum Schluss des Kapitels.
Und als er mit ihnen herabgestiegen war, trat er auf einen ebenen Platz. Und eine Menge seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste von Tyros und Sidon kam, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Und die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Und die ganze Volksmenge suchte ihn anzurühren, denn Kraft ging von ihm aus, und er heilte alle.
Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes! Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden! Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen! Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft, denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel! Denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.
Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin! Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen! Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten.
Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet die, die euch fluchen, betet für die, welche euch beleidigen. Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar. Und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Unterkleid nicht. Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, so tut auch ihr ihnen.
Und wenn ihr liebt, die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank habt ihr? Auch die Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche wieder empfangen.
Doch liebt eure Feinde und tut Gutes. Und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden! Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben. Denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.
Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer; jeder aber, der vollendet ist, wird sein wie sein Lehrer. Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: „Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist“, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders Auge ist.
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, noch einen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man nicht Feigen, noch liest man von einem Dornbusch Trauben. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der Böse bringt aus dem Bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.
Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage? Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, ich will euch zeigen, wem er gleich ist. Er ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute, grub und vertiefte und den Grund auf den Felsen legte. Als aber eine Flut kam, stieß der Strom an jenes Haus und konnte es nicht erschüttern. Denn es war auf den Felsen gegründet. Der aber gehört und nichts getan hat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus auf die Erde baute ohne Grundmauer. Der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jenes Hauses war groß.
Es ist so, wir haben hier von Kapitel 6, Vers 20 bis zum Schluss des Kapitels die Bergpredigt nach Lukas. Die Bergpredigt bei Matthäus ist viel länger, nämlich: Wo steht die Bergpredigt bei Matthäus? Kapitel 5 bis 7. Also 5, 6 und 7, ganz umfassend. Man kann also sagen, hier ist gewissermaßen ein kleiner Auszug von dem, was man in Matthäus findet. Aber auch die Bedeutung dieser Bergpredigt hier ist ganz anders als in Matthäus.
Jedes Mal ist es so, dass ein Evangelist die Dinge so darstellt und auch so kombiniert, dass dadurch besonders sein Thema, das er verfolgt, ans Licht kommt. Darum ist das Matthäusevangelium ganz anders aufgebaut. Es stellt eben den König vor, so wie jetzt das Lukasevangelium den vollkommenen Menschen darstellt, oder Markus den vollkommenen Knecht, oder Johannes den ewigen Sohn Gottes, Gott selbst.

Ort, Aufbau und literarische Form

Was noch auffällt, wenn wir von der Bergpredigt sprechen: Hier in Kapitel 6, Vers 17, steht: „Und als er mit ihnen herabgestiegen war, stellte er sich auf einen ebenen Platz, mit einer grossen Schar seiner Jünger und einer grossen Menge des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon.“
Ja, und in Matthäus 5 lesen wir in Vers 1: „Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm.“ Da ist also von einem Berg die Rede, und hier von einem ebenen Platz. Ja, was soll man damit machen? Ist das ein Widerspruch?
Und natürlich sehen Gottlose sofort Widersprüche in der Bibel. Aber da müsste man zunächst einmal antworten: Erstens könnte man die Frage offenlassen, ob das überhaupt genau dasselbe Ereignis ist wie in Matthäus 5. Es ist ja so, dass man nicht unbedingt jede Predigt im Leben nur einmal hält. Dasselbe Thema kann man an verschiedenen Orten mehrmals behandeln. Also wäre es auch möglich, dass der Herr Jesus die Bergpredigt auf dem Berg in Matthäus 5, Vers 1, gehalten hat und jetzt eben hier an einem anderen Ort, in Lukas 6.
Aber dazu kommt noch etwas: Der Berg ist schon da. Vers 17a sagt hier: „Und als er mit ihnen herabgestiegen war, stellte er sich auf einen ebenen Platz.“ Und dort ist dann die grosse Volksmenge versammelt. Die Bergpredigt beginnt erst in Vers 20. „Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern ...“ Da wird jetzt nichts mehr darüber gesagt, ob er unten geblieben ist oder wieder hinaufgegangen ist. Ja, er war ja oben, kam herunter, und dann wird berichtet, wie er dort spricht. Aber es wird nicht weiter gesagt, ob er in der Zwischenzeit nochmals hinaufgegangen ist.
Nun, man kann wirklich sagen: Es ist dasselbe Ereignis. Und der Herr ist dann eben wieder hinaufgegangen und hat dann von dort aus dieses „Glückselig“ gesprochen, wie das ausdrücklich in Matthäus 5,1 gesagt wird.
Aber was hat es mit diesem ebenen Platz auf sich? Dazu noch eine Bemerkung: Ich habe eine Erklärung aus dem Griechischen gesehen. Dieses „topopedinu“ könne wirklich eine Ebene meinen, aber auch ein Plateau auf einem Berg. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen; ich habe das nicht nachgeprüft.
Also ist es so, dass man eben diesen Berg besuchen muss, den Berg der Seligpreisungen. Auf Hebräisch heisst er heute in Israel Har Ha-Oscher, Berg der Seligpreisungen. Das ist der Berg, an dessen Fuss sich am Nordende des Sees Genezareth die Stadt Kapernaum befindet. Also geht man jetzt auf diesen Berg hinauf. Und dieser Berg wird eben in der Bibel genannt: der Berg.
 Matthäus 5,1 ist ja interessant. Da heisst es nicht: Er stieg auf einen Berg, sondern: „Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg.“ Und auch hier hatten wir es schon in Lukas 6,12: „Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott.“ Und dann haben wir letztes Mal gesehen: Am nächsten Tag werden die zwölf Apostel auserwählt. Und jetzt, Vers 17: „Und als er mit ihnen herabgestiegen war ...“ Das ist eben wieder von diesem Berg, der der Berg genannt wird. Das ist eben der Har Ha-Oscher.
Und jetzt muss man dort hingehen. Dort gibt es tatsächlich ein Plateau, und zwar etwas abgesetzt gegenüber dem höchsten Punkt des Berges. Dieses Plateau auf dem Berg eignet sich wunderbar zur Versammlung von Tausenden von Leuten. Und das war ja hier ein Riesenaufmarsch, wie wir in Vers 17 sehen: „Eine grosse Menge des Volkes“ — von ganz Judäa, also von ganz Südisrael, sind sie nach Galiläa gekommen, und aus Jerusalem, also aus der Hauptstadt, sind sie gekommen. Und sogar aus dem Libanon und aus dem Küstengebiet, aus dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Das sind also auch Nichtjuden, Heiden, in grossen Mengen aus dem Südlibanon extra nach Galiläa gekommen, zu diesem Berg.
Die haben sich da auf diesem Plateau versammeln können. Der Herr ging wieder hinauf auf den Berg und hat von dort aus die Bergpredigt gehalten. Und die akustische Situation ist einfach fantastisch. Wir haben das wiederholt ausprobiert: Einer steht oben und liest, ohne die Stimme zu forcieren, aus der Bergpredigt, und die Leute unten auf dem Plateau hören jedes Wort. So klar, in einem Zeitalter ohne Mikrofon, ohne Megafon – fantastisch.
Das zeigt, dass es dem Herrn eben wichtig war, dass die Leute hören, damit sie dann auch verstehen können. Aber wenn sie gar nicht hören, was gesagt wird, dann können sie auch den Inhalt nicht verstehen. Und wenn sie nicht verstehen können, was der Inhalt ist, dann können sie es auch nicht umsetzen und Täter des Wortes werden.
Ja, gibt es dazu noch eine Bemerkung? Also: dasselbe Ereignis, aber viel kürzer dargestellt.

Der Platz der Bergpredigt im Lukasevangelium

Und in dem Zusammenhang ist vielleicht noch etwas Grundsätzliches zum Lukasevangelium zu sagen. Das Lukasevangelium ist so aufgebaut, dass es zwei Teile hat. Der erste Teil zeigt, wie der Sohn des Menschen in diese Welt kommt. Das geht bis Kapitel 9. Dann kommt dort der Wendepunkt in einem Vers: Der Sohn des Menschen geht weg aus dieser Welt in die Herrlichkeit. Das ist der zweite Teil bis zum Schluss.
Wir können diese Wende schnell sehen. Das gibt es nur im Lukasevangelium, diese literarische Darlegung. Lukas 9,51. Könnt ihr Edmund lesen, einfach in Vers 51?
Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, dass er sein Angesicht feststellte, nach Jerusalem zu gehen.
Ja, die Tage seiner Aufnahme in die Herrlichkeit. Das anerkannte grosse Geheimnis der Gottseligkeit in 1. Timotheus 3,16 sagt ja, dass Gott geoffenbart worden ist im Fleisch. Dann werden verschiedene Dinge gesagt, und schliesslich heisst es: aufgenommen in Herrlichkeit. Das ist seine Rückkehr in die Herrlichkeit Gottes.
Und das wird hier vorgestellt. Jetzt kommt also die Zeit, dass er wieder in die Herrlichkeit gehen sollte, und dazu muss er nach Jerusalem. Sein Angesicht ist festgestellt, nach Jerusalem zu gehen, denn Jerusalem, der Ort des Leidens, sollte das Tor sein in die Herrlichkeit. In Lukas 24 erklärt dann der Herr Jesus als Auferstandener den Emmausjüngern: Musste nicht der Christus, also der Messias, dieses Leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
Also musste er nach Jerusalem, um zu leiden und dann aufgenommen zu werden in die Herrlichkeit.
Und jetzt ist es so: Die ganzen Verse Lukas 1,1 bis 9,50 lassen sich in fünf Abschnitte einteilen, und der Rest von 9,51 bis zum Schluss lässt sich auch in fünf Abschnitte einteilen, wobei jedes Mal ein anderes Thema vorgestellt wird. Nun sind diese fünf und fünf Abschnitte so aufgebaut, dass sie immer zweigeteilt sind. Man könnte das so aufzeichnen, die Geschichten in zwei Kolonnen, dass immer in einem Abschnitt eine Geschichte aus Teil A dem Teil B entspricht. Sie sind schön parallel geführt.
Und sie sind also so harmonisch komponiert, kann man sagen, dass die parallel gestellten Geschichten einander helfen, die andere besser zu verstehen. Hier ist es zum Beispiel so: In Kapitel 5, Vers 1 bis zum Schluss von Kapitel 6, da haben wir eine solche Phase oder einen solchen Teil. Das ist also Teil 3 von diesen fünf ersten Teilen. Und da haben wir sieben Abschnitte auf der einen Seite und dann sieben Abschnitte auf der anderen Seite, und die sind schön parallel zueinander.
Ich möchte das kurz zeigen. Also Lukas 5: Die erste Geschichte, die wir da haben, ist, dass der Herr Jesus am See Genezareth sich als der Herr der Natur und auch als der Herr der Arbeit erweist. Er sagt, Petrus soll sein Netz auswerfen zur Tageszeit, wo man ja normalerweise nichts fangen kann. Aber er macht einen sensationellen Fang. Und die Folge ist: Petrus wird davon überzeugt, dass er ein Sünder ist. Er sagt: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch. Und der Herr macht ihn dann zum Menschenfischer.
Diese Geschichte ist parallel zu Kapitel 6, erstem Abschnitt, Verse 1 bis 5. Dort sind die Jünger auch am Arbeiten, allerdings am Sabbat. Sie haben Hunger, und zur Not nehmen sie Ähren. Die ernten sie, zermalen sie, das ist Dreschen, und befreien die Körner. Dann sammeln sie die Körner in die Scheune. So wurde das im rabbinischen Judentum quasi erläutert: Das sei Arbeit. Wenn sie diese Körner in den Mund nehmen, ist das Sammeln in die Scheune. Aber der Herr Jesus erweist sich dort als der Herr des Sabbats. Und die Pharisäer möchten die Jünger überführen, dass sie Sünder sind. Sie sagen in Kapitel 6, Vers 2: Warum tut ihr, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist? Aber der Herr rechtfertigt sie und stellt anhand des Alten Testaments dar, dass diese Handlung am Sabbat, diese spezielle Handlung, eben nicht gesetzwidrig war. Er rechtfertigt seine Jünger.
Dann der zweite Abschnitt in Lukas 5, das war, was wir ausführlich angeschaut haben: die Heilung eines Aussätzigen, Verse 12 bis 15. Und was macht der Herr Jesus? Er streckt seine Hand aus, Vers 13: Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Und das ist parallel zur Geschichte zwei in Kapitel 6. Der Herr Jesus ist am Sabbat in der Synagoge, und da ist einer mit einer verdorrten Hand. Dann sagt der Herr zu ihm in Vers 10: Strecke deine Hand aus, und heilt diesen Mann. Ja, also er streckt seine Hand aus, und dort streckt der Herr seine Hand aus. In beiden Fällen kommt es zu einer Heilung, und zwar so, dass die Heilung des Aussätzigen ausdrücklich als Zeugnis der Heilung für die Priester in Jerusalem sein sollte. Und hier ist die Heilung ein Zeugnis für die feindlichen Pharisäer.
Dann die dritte Geschichte: In Kapitel 5 haben wir zuerst den Herrn Jesus im Gebet, 5,16: Er aber zog sich zurück und war in den Wüsten und betete. Und dann kommt dieser Riesenaufmarsch aus ganz Israel. Lest du nochmals Vers 17? Kapitel 5, Vers 17.
Und es geschah an einem der Tage, dass er lehrte, und es sassen da Pharisäer und Gesetzlehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren, und die Kraft des Herrn war da, dass er heilte.
Jawohl. Und jetzt in der dritten Geschichte in Lukas 6, ab Vers 12, da sehen wir zuerst den Herrn Jesus im Gebet. Lest du Vers 12 nochmals?
Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten, und er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott.
In beiden Fällen betete der Herr Jesus, nachdem er dieses Zeugnis gegeben hat für die Priester, für die Pharisäer, damit dieses Zeugnis zum Segen wird und sie ihn als Messias erkennen können. Und dann haben wir gesehen: Es gibt einen Riesenaufmarsch von Pharisäern, von Rabbinern aus jedem Dorf von ganz Galiläa, Nordisrael, aus Judäa, aus ganz Südisrael und aus der Hauptstadt. Sie kommen, um zu kontrollieren: Ist das wirklich der Messias, der einen Aussätzigen heilen kann, was man eben im Judentum nie gekannt hatte seit Mose?
Und jetzt wird dieser Mann mit der starren Hand, mit der verdorrten Hand, geheilt. Und er betet, natürlich auch im Blick auf die Auserwählung der Jünger, wie wir das letzte Mal gesehen haben, die danach folgt. Und dann haben wir aber hier in Vers 17 einen Riesenaufmarsch aus Israel. Lest nochmals Vers 17b? Kapitel 5, jetzt Vers 17. In Lukas 5 haben wir gesehen: einen Riesenaufmarsch aus ganz Israel, ja? Und jetzt Lukas 6, Vers 17:
Und als er mit ihnen herabgestiegen war, stellte er sich auf einen ebenen Platz mit einer grossen Schar seiner Jünger und einer grossen Menge des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon.
Ja, also wirklich ein Aufmarsch sondergleichen, jetzt aber vom allgemeinen Volk, um ihn zu hören. Aber das ist parallel zu diesem Aufmarsch von den Rabbinern aus ganz Israel. Und dann liest man eben in dieser dritten Geschichte auf der linken Seite hier, da heisst es, wir haben gelesen in 5,17 am Schluss: Und die Kraft des Herrn war da, dass er heilte. Was lesen wir im dritten Abschnitt hier in Vers 19, Lukas 6?
Und die ganze Volksmenge suchte ihn anzurühren, denn es ging Kraft von ihm aus und heilte alle.
Siehst du, das ist verblüffend, diese Übereinstimmung, diese Bezüge. Die Kraft des Herrn ist da, um zu heilen. Die Kraft des Herrn ist da, um zu heilen.
Und jetzt der nächste Abschnitt in Lukas 5 ist die Berufung von Levi, Matthäus Levi, diesem Zöllner. Lest du nochmals 5,27-28?
Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach. Und er verliess alles, stand auf und folgte ihm nach.
Ja, das muss man sich vorstellen. Ein Mann, der war steinreich. Nicht unbedingt gerade durch Ehrlichkeit, denn Zöllner waren bekannt dafür, dass sie als Landesverräter, als Juden, die mit der Besatzungsmacht zusammenarbeiteten, eben auch zu viel Zoll verlangt haben und dadurch so reich wurden. Wie später in Lukas 19 werden wir noch sehen: Zachäus, dieser reiche Zöllner, der zum Glauben kommt, genauso wie Matthäus Levi. Also ein reicher Mann, der kommt vorbei und ruft ihn in seine Nachfolge. Was heisst das? Er gibt diesen einträglichen Job auf und schliesst sich dieser Gruppe an, die zwar auch eine Kasse hatte. Ja, wir haben letztes Mal gesehen, Judas trug diese Kasse. Aber sie lebten nicht im Luxus. Der Herr sagt: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. Also der Mann war bereit, arm zu werden.
Und jetzt genau diese Geschichte ist parallel zu dem ersten Abschnitt aus der Bergpredigt in Lukas. Liest du nochmals, Edmund, Vers 20? Da werden nicht neun Glückseligpreisungen genannt, wie in Matthäus 5, wo die Bergpredigt mit neun beginnt, sondern nur vier. Dafür werden noch vier Wehe-Aussprüche angefügt, die man bei Matthäus nicht findet. Also ist es nicht einfach nur Matthäus in Kurzform, sondern es gibt auch Dinge, die man in Matthäus nicht findet. Ja, liest du, Edmund:
Und er hob seine Augen auf zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
Ah, und er sagt nicht einfach: Glückselig die Armen, sondern er spricht wirklich die Jünger, seine Nachfolger, direkt an: ihr Armen. Und das ist natürlich der Kontrast zu Matthäus Levi.
Dann weiter, zweite Glückseligpreisung:
Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen und wenn sie euch ausschliessen und schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Sohnes des Menschen willen.
Lies noch mal, Gott weiter noch:
Freut euch an jenem Tag und hüpft vor Freude, denn siehe, euer Lohn ist gross in dem Himmel; denn genauso taten ihre Väter den Propheten.
Ja, also Matthäus wurde einer, auf den jetzt zutrifft: Glückselig ihr Armen. Und eben, der Herr sagt sogar: Glückselig, die jetzt hungert, und glückselig, die jetzt weint. Und die Jünger hatten wirklich schwere Dinge durchzumachen in der Nachfolge des Herrn. Das war nicht das einfache Leben in der Nachfolge, sondern das war mit Not verbunden und mit Verzicht.
Und dann kommt noch etwas dazu: Der Herr sagt, und ihr werdet von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, man wird euch hassen. Nun, das kannte Matthäus auch. Er war schon vorher ausgegrenzt. Als Zöllner war er von der Gesellschaft verworfen, aber nicht, weil er ein so treuer Mann war, sondern weil er ein Volksverräter war. In Matthäus 18 liest man ja, ein Ausgeschlossen aus der Gemeinde wird verglichen mit dem Zöllner und dem Sünder, also denjenigen, die quasi aus der jüdischen Gesellschaft ausgeschlossen waren.
Und jetzt hat er zwar diesen Ausschluss aufheben können, indem er seinen Dienst als Zöllner quittiert, aber jetzt wird er ein Jünger Jesu und muss auch wieder Ausschluss, Abgrenzung und Hass erleben, dass man ihn ausschliesst, dass er geschmäht wird, dass sein Name als böse verworfen wird, aber grundsätzlich anders: um des Sohnes des Menschen willen. Und das ist das Thema des Lukasevangeliums. Lukas fügt die Bergpredigt genau so an, dass es in die Struktur des Evangeliums genau so hineinpasst und diese Botschaft rüberkommt.

Die Weherufe und die Begegnung mit Levi

Dann ist der nächste Abschnitt ab Vers 24. Da kommen jetzt diese Weherufe. Lies das nochmals, Edmund:
Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost bereits empfangen. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden; denn genau so taten ihre Väter den falschen Propheten.
Ja, und das ist dieser Abschnitt ab Vers 27 bis Vers 38. Nein, was sage ich: Vers 24 bis 26. So, das entspricht jetzt genau dem nächsten Abschnitt in Lukas 5,29-32. Lies nur gerade Vers 29, bitte.
5,29 Ja, und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus, und da war eine große Menge Zöllner und andere, die mit ihnen zu Tisch lagen.
Jawohl, jetzt interessiert er sich auch für andere verlorene Menschen, die so verloren waren wie er. Als Zöllner, als Volksverräter, versucht er, sie einzuladen und mit Jesus Christus in Kontakt zu bringen. Aber das war natürlich gewagt. Genau diese Leute, die ausgeschlossen waren, die aus der Gesellschaft ausgestoßen waren, die als übel gesehen wurden, jetzt einzuladen, um den Herrn Jesus kennenzulernen. Da konnte er mit Kritik rechnen, und die kommt ja.
Vers 30: Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen seine Jünger und sprachen: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?
Ja, also es wird von den Volksführern und von den Rabbinern jetzt nicht gut gesprochen über Matthäus, Levi. Sondern er wird da wirklich hingestellt als einer, der ganz verkehrt handelt. Und der Herr Jesus sagt eben in diesem Weheruf, Vers 26: Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden. Genau so taten ihre Väter den falschen Propheten.
War da per se einfach etwas Verwerfliches? Hat man diesen Beruf nicht angestrebt oder nicht gewählt? Oder gab es auch eine gerechte Außenbühne?
Nein, also Zöllner damals unter römischer Fremdherrschaft bedeutete Komplizenschaft mit der Besatzungsmacht Roms. Die sind ja einmarschiert, im ersten Jahrhundert vor Christus, und haben ein Blutbad angerichtet am Jom Kippur. Und dann haben sie mit eiserner Hand über das jüdische Volk regiert. Und jeder, der diese Situation aus dem jüdischen Volk ausnutzte, um dadurch reich zu werden, das wurde gesehen als Volksverräter.
Gab es ein System, nach dem sie verzollt haben? Also im Vergleich zu heute darf man ja nur gewisse Waren über die Grenze mitnehmen. Wie war das da? Bei dem Beruf an sich, hat man da auch für gewisse Lebensmittel oder für gewisse Rohstoffe Richtlinien gehabt, wie viel man durfte einführen und ausführen?
Ja, eben, es gab gerechte Preise. Und üblicherweise aber wurden die Leute sogar unter Druck gesetzt, um eben mehr zu bezahlen. Also, es war doppelt problematisch. Der Beruf an sich, wie du sagst, per se, war nicht akzeptabel. Und das Zweite: Man hätte es ja wenigstens gerecht machen können, aber es war üblich, das ungerecht zu machen.
Entschuldigung, wir haben etwas vergessen. Es ist schwierig zu sagen, man konnte oder musste diese Möglichkeit kaufen bei den Römern. Und damit man nicht Defizit machte, war man fast gezwungen, viel zu verlangen. Also, das lag im System. Die Zöllner bezahlten zuerst im Voraus und mussten dann schauen, dass sie in einer bestimmten Zeit das wieder hereinbrachten. So war man zwangsläufig versucht oder eben gezwungen, genug zu verlangen, sonst kam man nicht heraus.
Ja, also dass sie durch Verpflichtung gegenüber den Römern in einem gewissen Zugzwang waren, das könnte man schon als Mitberücksichtigung sehen. Aber im Prinzip ist es ja bei jedem selbständigen Unternehmer so. Der muss auch immer sagen: Ja, ich muss ja so und so viel reinbringen, und ich habe übrigens fünf Kinder, und die muss ich alle versorgen. Und darum muss ich halt meinen Angestellten so tiefe Löhne geben, und darum verkaufe ich die Waren so teuer.
Aber im Judentum damals war das wirklich einstimmig: Dieser Beruf des Zöllners war Volksverrat und war eben mit viel Ungerechtigkeit verbunden. Aber wir sehen dann später in Lukas 19: Der Zöllner Zachäus ist bereit, er will quasi fünffach wiedererstatten, was er da zu viel verlangt hat. Also ganz enorm, aber er ist sich wirklich bewusst: Ich habe Unrecht getan.
Ja, und eben hier sagt der Herr von seinen Jüngern, das wird so sein, und es ist sogar wehe zu sagen: Wenn alle Menschen gut von euch reden. Die Menschen werden schlecht von euch reden. Das heißt: Wenn du wirklich ein guter Christ bist, dann musst du nicht damit rechnen, dass die Leute alle dich toll finden. Das wird Feindschaft bringen, das bedeutet das.
Und diese Feindschaft sehen wir eben jetzt illustriert in der parallelen Geschichte. Die Pharisäer sagen: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Diesen Weg der Gnade, der Jesus ist gekommen, sagt er, als Arzt für die Kranken. Die Gesunden brauchen keinen Arzt. Aber diesen Weg der Gnade, das haben eben diese ungläubigen Pharisäer nicht anerkannt, und darum haben sie die Jünger verurteilt.
Ja? Wie kann es denn noch bezüglich sein, wenn die Menschen von uns schlecht reden? Wie können wir denn noch bezüglich sein? Da kommen wir gleich darauf im nächsten Abschnitt. Das ist genau die Antwort. Sehr gut, dass du das noch erwähnst.
Aber was ich noch vielleicht dazu sagen möchte: Die Pharisäer, wie war eigentlich ihr Verhältnis zum Geld? Das können wir aufschlagen in Lukas 16, Vers 14. Liest du das, Edmond?
Dies alles hörten aber auch die Pharisäer, die geldliebend waren, und sie verhöhnten ihn.
Übrigens, ganz wörtlich im Griechischen heißt es, sie rümpften die Nase über ihn. Das ist sehr subtil. Es ist nicht einfach so ein offenes Verhöhnen, sondern wenn sie ihn hören, dann ja, aber diese Körpersprache versteht man sofort. Das ist wirklich so. Aber er hat etwas sehr Hinterhältiges an sich. Also sie rümpften die Nase über ihn.
Vers 15 dazu: Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst vor den Menschen als gerecht hinstellen, Gott aber kennt eure Herzen; denn was unter Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott.
Gerade für diese Pharisäer erzählte Jesus dann die Geschichte von dem reichen Mann, der in den Hades kommt und verloren geht, und dem armen Lazarus. Und jetzt müssen wir das vor Augen halten: Also dieser Abschnitt in Lukas 6, der parallel geht zur Geschichte mit Levi und seiner Einladung, da sagt der Herr: Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost bereits empfangen. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid – das waren die Pharisäer – denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen.
Ja, also damit spricht der Herr in der Bergpredigt eigentlich genau diese Gruppe an, die da reklamiert bei Levi. Ja, wie kommt das, dass der da so eine Einladung macht für Zöllner und Sünder? Aber sie selber, als Geldliebende, denen ging es ganz gut. Und der Herr sagt: Wehe euch Reichen, wehe euch, die ihr jetzt satt seid, die ihr jetzt lacht.
Und dann kommt der nächste Abschnitt in Lukas 5, es ist also Abschnitt 6 dort, das sind die Verse 33 bis 35, wo der Jesus sich vorstellt als der Bräutigam, die Erfüllung des Bräutigams, prophetische Erfüllung des Bräutigams im Hohenlied. Und er nennt seine Jünger die Gefährten des Bräutigams, also wörtlich die Söhne des Brautgemachs. Das sind die, die alles bereit machen für die Hochzeit, seine engsten Verbundenen. Also der Messias und seine engst Verbundenen werden angegriffen von den Pharisäern: Wieso fasten die nicht und sind da einfach nicht so ernsthaft wie die Pharisäer und auch nicht wie die Jünger von Johannes, die auch fasteten? Und der Herr sagt: Jetzt ist der Bräutigam da. Entsprechend dem, dass der Bräutigam hier ist, verhalten sich eben seine Gefährten, die Gefährten des Bräutigams. Aber wenn er dann einmal weggehen wird, dann wird eine Zeit kommen, wo es schwer wird für sie, und da werden sie dann auch fasten und schwere Zeiten durchmachen.
Jetzt ist das also parallel zu den Versen 27 in Kapitel 6 bis 38. Da kommen all diese Gebote:
Vers 27: Liebt eure Feinde. 1. Tut wohl denen, die euch hassen. 2. Segnet die, die euch fluchen. 3. Betet für die, die euch beleidigen. 4. Dem, der dich auf die Wange schlägt, biete auch die andere dar. 5. Dem, der dir das Obergewand nimmt, wehre auch das Untergewand nicht. 6. Gib jedem, der dich bittet. 7. Von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück.
Acht Gebote für deine Jünger.
Und jetzt, Carlo, magst du dich nochmals an deine Frage erinnern? Wie war das? Wie können wir es zulassen, wenn die Menschen um uns herum immer schlecht von uns reden? Wie können wir den Jungen?
Aber eben schlecht reden, nicht weil wir einen schlechten Charakter haben, sondern schlecht reden um des Sohnes des Menschen willen und weil wir eben so handeln wie er, dass Matthäus Levi die Sünder eingeladen hat. Das ist eben, weil der Herr Jesus ein Freund der Sünder war. Und jetzt ist natürlich die Gefahr: Als Jünger Jesu realisiert man, man ist eigentlich nicht beliebt in der Gesellschaft. Und das kann dazu führen, dass man sich dann überhaupt nicht mehr schert um irgendeine Meinung der Leute und sich je nachdem dann eben auch verkehrt und falsch aufführt.
Ein gutes Beispiel ist Mr. Trump. Die ganze Welt hasst ihn. Ja, was hat er noch zu verlieren, wenn er irgendetwas beschließt, was den Leuten nicht passt? Gar nichts! Also kann er Beschlüsse fassen, die Präsidenten vor ihm nie gewagt hätten zu fassen, obwohl sie gesagt haben, sie würden das tun.
Ja, 1995 hat das Parlament in Amerika beschlossen, Jerusalem soll als Hauptstadt anerkannt werden, und wir verschieben die Botschaft nach Jerusalem. 1995 beschlossen. Ja, jetzt gab es aber glücklicherweise ein Gesetz, das dem Präsidenten die Möglichkeit gab, alle sechs Monate diesen Beschluss aufzuschieben. Und wirklich, seit 1995 hat jeder Präsident, das war im Wahlkampf gesagt, Mr. Clinton: Jerusalem is the capital of the Jews, of Israel. Das hat nach ihm auch Obama gesagt: Jerusalem ist die Hauptstadt Israels. Aber alle sechs Monate haben die das aufgeschoben. Und dann hat auch Mr. Trump im Wahlkampf gesagt: Jerusalem ist die Hauptstadt Israels. Aber was hat er gemacht in den ersten sechs Monaten? Er hat unterschrieben, wir verschieben das wieder. Und jetzt hat er gesagt, jetzt verschieben wir es nicht mehr. Und die ganze Welt ist wütend, aber er hat nichts zu verlieren, weil ihn sowieso die meisten Menschen der Welt nicht lieben.
Ja, und so ist es auch ein Problem, als Christ denkt man: Ja, wir sind ja auch nicht so sehr beliebt in der Gesellschaft, und darum müssen wir uns auch nicht so sehr Mühe geben, wie wir uns aufführen. Und der Herr Jesus sagt genau das Gegenteil: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet die, die euch fluchen, betet für die, die euch usw. Und zwar: Ihr seid gerade ganz anders! Auch die Gottlosen, auch die Sünder, die sind nicht zu ihresgleichen freundlich. Das kommt im nächsten Abschnitt. Lies, Edmund, Verse 31 bis 34.
Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut auch ihr ihnen ebenso. Nur weiter bis 34. Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben solche, die sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für Dank habt ihr? Denn auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr zurückzuempfangen hofft, was für Dank habt ihr? Auch Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzuempfangen.
Ja, also eben, wenn man so ganz besonders nett ist zu seinesgleichen, das ist gar nichts Besonderes. Das ist überhaupt nichts speziell Christliches. Das machen die Nichtchristen genau gleich. Aber wenn es darum geht, die Feinde zu lieben, für sie zu beten, sie zu segnen, auch wenn sie uns Unrecht getan haben, das ist eine völlig andere Welt. Und wenn wir das tun, dann werden wir zeigen, dass wir eben ganz andere Menschen sind, nämlich Söhne des Höchsten.
Lies du noch Vers 35 dazu:
Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas zurückzuerhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Wir könnten zeigen, dass wir Söhne des Höchsten sind, wenn wir eben das Wesen Gottes auch in unserem Leben offenbaren. So, wie wir gehabt haben im anderen Abschnitt: Die Gefährten des Bräutigams, die passen eben zu dem Messias, dem Bräutigam. Wenn er da ist, ist das für sie ein Freudenfest, aber wenn er dann weg ist, dann ist es anders. Und so ist es eben auch für die wahren Gläubigen: Die sind zwar abgelehnt von vielen in dieser Gesellschaft, aber das gibt ihnen die Gelegenheit, eben zu zeigen, dass wir Söhne des Höchsten sind, ganz praktisch. Darum sagt der Herr: Ihr werdet Söhne des Höchsten sein. Das heißt, ihr werdet euch als solche erweisen, praktisch, sichtbar, konkret, im Alltag.
Christoph?
Wenn die ganzen Boote hier stehen, gibt es da keine Leute, die würden jetzt sagen: Ja, aber dann lässt man sich ja komplett missbrauchen oder auslösen, dass man praktisch kein Recht mehr auf Verteidigung oder auf Rechtfertigung in dem Sinne hat, sondern man ist dann wie ausgeliefert allem. Also wie kann man diese Gebote richtig verstehen, so dass man dadurch nicht einfach der ausgenutzte Mensch in der Gesellschaft ist? Was ist die Absicht genau?
Wichtig ist schon mal das: Der Herr sagt das im Blick auf das Verhältnis zu unseren Feinden, die uns Feind sind wegen unseres Glaubens, nicht einfach allgemein. Und dass wir gerade dort, wo eben Christen um ihres Glaubens willen angegriffen werden, diesen Geist der Gnade und der Nachgiebigkeit zeigen.
Aber zum Beispiel darf man das ja nicht missbrauchen und denken: Aha, wenn es um Strafrecht geht, dann müssten wir zum Beispiel in dem Fall, wo wir wissen, dieses Verbrechen ist geschehen, dann geben wir nach, wir sagen nichts. Aber dann würde man sich schuldig machen vor dem Gesetz, nicht wahr? Es ist etwas anderes, wenn ein Nachbar sich eben so verhält, wie das hier beschrieben wird. Dann wird nicht der Staatsanwalt von sich aus einschreiten, sondern das gehört dann eher in das Zivilrechtliche hinein, dass wir im zivilrechtlichen Bereich eben Nachgeblichkeit zeigen gegenüber unseren Feinden des Glaubens. Aber wenn es natürlich um strafrechtlich bedeutsame Dinge geht, dann müssen wir auch sprechen. Es ist kein Freibrief, um Strafrechtliches irgendwie zu decken. Dann würde man schuldig werden.
An dieser Stelle noch ein wichtiger Punkt, das haben viele nicht verstanden, gerade in Verbindung mit der Bergpredigt Matthäus 5 bis 7. Gerade aus dem linken Lager kommt das oft politisch, dass man sagt, ja, das ist eigentlich das Programm für den Staat. Das heißt, alles das, was Repression ist des Staates, das ist ein Widerspruch zur Bergpredigt. Aber Matthäus 5 bis 7 ist nicht ein Programm, ein Staatsprogramm, sondern das ist das zivilrechtliche Programm für die Jünger Jesu. Aber für den Staat hat Gott andere Einrichtungen und Gebote gegeben. Schlagen wir auf: Römer 13. Gott hat den Staat eingesetzt, um gerade das Böse und auch das Kriminelle zurückzudrängen. Edmund, liest du Römer 13, Vers 1-4.
Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten, denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen. Denn die Regierenden sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das Böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben; denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.
Da haben wir einen ganz klaren Kontrast. Vom Staat wird gelehrt: Er hat Schwertgewalt von Gott bekommen. Und das ist die biblische, neutestamentliche Grundlage dafür, dass der Staat ein Polizeiwesen hat und auch eine Armee, die nicht dazu da ist, um andere Nationen zusammenzuschlagen und zu plagen, sondern um den eigenen Staat zu schützen und die Bürger zu schützen. Und von der Gemeinde – und die Gemeinde ist im Neuen Testament die Summe von allen wahren Jüngern Jesu – da finden wir keine Schwertgewalt.
Und darum lesen wir in Epheser 6, Vers 12. Bitte.
Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in der Himmelswelt.
Jawohl, also unser Kampf als Christen ist nicht gegen Fleisch und Blut, das heißt, wir kämpfen nicht mit Menschen. Wir benutzen keine Waffen, um uns zu wehren. Aber der Staat hat die Aufgabe, uns zu schützen, und zwar auch mit Waffengewalt. Darum ist es eben so wichtig, dass man eben, wie Luther das sagte, das Reich Gottes und das Reich der Welt nicht miteinander mischt, sondern klar trennt.
Der Jesus hat gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, so hätten meine Jünger gekämpft. Das sagt er so zu Pilatus in Johannes 18. Und sagt Pilatus: Wenn dir die Gewalt nicht gegeben worden wäre von oben, so hättest du gar keine Gewalt über mich. Also der Herr anerkennt auch dort das Prinzip, das wir in Römer 13 gefunden haben.
Jede staatliche Gewalt ist von Gott verordnet, und zwar beginnt das eben in 1. Mose 9 mit Noah. Dort hat Gott das eingesetzt und auch eben die obrigkeitliche Gewalt, die Schwertgewalt. Er sagt: Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden. Dort hat Gott die Gewalt eingesetzt, dass Menschen über Menschen herrschen und dass im Fall von Blutschuld eben die Todesstrafe möglich ist. Und darum: Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst.
Aber eben, man darf diese Reiche nicht miteinander mischen, und das hat Luther ganz schön gelernt. Man muss das Reich Gottes und das steht dann eben auch in Verbindung mit den Jüngern, mit der Gemeinde, darf man eben nicht vermischen mit dem Reich der Welt, sonst haben wir ein schlimmes Durcheinander. Und das Reich der Welt meint er dann eben die obrigkeitlichen Gewalten, die weltlichen Fürsten.
Da kommen wir doch gerade in Schwierigkeiten: Die Obrigkeit, der Staat, die müssen wir akzeptieren. Als Männer haben wir in der Schweiz eine Pflicht, Militärdienst zu leisten, im Ernstfall Kriegsdienst, also andere zu töten im Auftrag des Staates.
Es ist natürlich noch so: Das ist ja nicht das Übliche in der Geschichte gewesen. In der Geschichte war es üblicher, dass eben die Armee quasi freiwillig war. Wer Soldat werden wollte, wurde Soldat und nicht eine allgemeine Pflicht. Aber das ist eine Erscheinung in der modernen Geschichte, wobei auch da gibt es Möglichkeiten, wie man als Christ diese Möglichkeit des Tötenmüssens umgehen kann.
Nein, nicht in jedem Staat, genau. Aber eben, auch dort müsste man grundsätzlich unterscheiden. Wenn der Staat eben grundsätzlich auch von Gott diesen Auftrag hat, zu schützen, zu verteidigen, aber es gibt natürlich auch jene Staaten, die fordern echtes Unrecht.
Ich meine, ich habe einen gekannt, der hat den Sturm auf Leningrad erlebt. Er wurde mit 17 unter Hitler eingezogen und hat also noch Jahre über den Zweiten Weltkrieg hinaus Stalingrad aufgebaut. Er war einer der ganz wenigen, die je wieder zurückgekommen sind, die meisten sind gestorben. Er kam als junger Mann immer noch zurück, schneeweiß war er. Er ist später Evangelist geworden und hat gesagt: Ich habe 14 Semester Theologie studiert in Leningrad, was sage ich, in Stalingrad, ich habe es falsch gesagt: Stalingrad. Den Sturm auf Stalingrad und ich habe 14 Semester in Stalingrad studiert direkt bei Gott. Und damit meinte er diese sieben Jahre Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ja, und jetzt, der langen Rede kurzer Sinn: Der konnte also bezeugen, ich war jeden Morgen auf den Knien und habe gebetet, dass ich kein Töter im Krieg werde. Und er hat gesagt, der Herr hat das erhört. Da war ein Soldat in einem Unrechtsregime. Hätte er sich geweigert, wäre er getötet worden, aber er ist gegangen und konnte sogar von einem in einem Unrechtsregime bewahrt bleiben.
Wir sind ja heute in einer Demokratie, das heißt, es sollte so sein, dass das Volk irgendwo mitbestimmen kann. Das heißt, es ist jetzt heute auch so, dass es unheimlich wichtig ist, wer wo steht, links, rechts, Mitte und was auch immer. Das heißt, wie kann man das jetzt nicht vermischen, wenn wir praktisch, also damals, als man wirklich die Obrigkeit hatte, man hatte gar nicht so den Einfluss als Bürger.
Genau das ist die neue Situation, genau. Jetzt haben wir die Situation, dass wir auch untereinander Diskussionen haben, was jetzt politisch für das Land oder für das Weltgeschehen fest ist, und dann sollen wir da christlich handeln. Aber dann kommt es ja gerade zu dieser Vermischung eigentlich, weil wir dann plötzlich wie eine Stellung in der Obrigkeit hätten. Und dann so würden Redner es fast ja.
Ja gut, ich meine, ich habe gesagt, man muss das ganz klar trennen, gerade in Bezug auf die Dinge, dass die Gemeinde eben keine Schwertgewalt hat und sich eben so verhält wie diese Gebote, die wir da in Lukas 6 finden, und andererseits eben der Auftrag des Staates, der eben ein Auftrag ist, um Polizeigewalt und Militärgewalt durchzusetzen, zum Schutz des Staates. Aber das würde jetzt natürlich sehr weit führen, wir sind ja gleich am Ende. Nur um zu sagen: Wenn wir natürlich jetzt in einer Abstimmungsstellung nehmen, jetzt sehr klassisch gegen Abtreibung, wie das vor ein paar Jahren war, und da müsste man sagen, ich hätte das als Unrecht betrachtet, wenn ich da nicht dagegen gestimmt hätte, sondern gesagt hätte, als Christ, das ist nicht mein Auftrag. Das macht das weltliche Reich. Aber dadurch, dass er als Christ eben die Möglichkeit hatte, Stellung zu nehmen, konnte ich so handeln, wie es in den Sprüchen heißt: Wenn du siehst, die zur Abschlachtung hingeführt werden und du schweigst, dann wird Gott weiß ganz genau darum, und er wird dich zur Rechenschaft ziehen. Also da, wo wir Menschen retten können vor dem Untergang, vor dem Tod, da haben wir natürlich eine moralische Verantwortung, und die können wir da zum Beispiel ausleben.
Aber jetzt, um doch noch zum Schluss zu kommen: Wir haben also acht Gebote gesehen, die zeigen, wie Christen sind, und dann Vers 31 noch ein neuntes. Und dann ab Vers 35 bis zum Ende haben wir nochmals sieben Gebote, aber zwei sind wiederholt von vorher, nämlich Vers 35: Doch liebt eure Feinde, das hatten wir schon in Vers 27. Und dann haben wir auch Vers 38: Gebt, und es wird euch gegeben werden, das hatten wir schon in Vers 29. Da sind es also insgesamt vierzehn Gebote, zweimal sieben Gebote.
Und ich habe ja schon öfters gesagt: Im Judentum ist man stolz, dass man 613 Gebote der Tora hat, und wir können sagen, wir haben noch viel, viel mehr. Das sind jetzt schon einmal 14 Gebote, die der Herr den Erlösten heute gegeben hat. Und wenn wir Römerbrief, 1. Korinther, 2. Korinther durchgehen und all die Befehle anstreichen, so wie ich das in meiner Bibel auch hier gemacht habe, darum konnte ich auch sofort aufzählen: Ernst, liebt eure Feinde, tut gut, tut wohl, segnet, betet, biete, wehre, gib, fordere nicht zurück. Ganz klare Gebote. Und dann gibt es tatsächlich Leute, die sagen: Ja, wir Christen, wir haben keine Gebote. Das hatte man unter dem Gesetz. Das ist so verdreht, so verkehrt.
Und der Herr sagt in Johannes 14: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Und uns unter die Tora stellen als solche, die zur Gemeinde gehören, die Tora ist für Israel, aber dieses Gesetz des Messias, das Gesetz des Christus, wie Galater 6 sagt, das ist für die Gläubigen der Gemeinde. Und da haben wir Hunderte Gebote und eben viel mehr als die 613 Gebote in der Tora.
Jetzt noch zum Schluss Verse 39 bis 49. Da sagt der Herr ein Gleichnis. Und zwar besteht dieses Gleichnis aus drei Abschnitten, ja? Mit dem Balken und dem Splitter, dem guten und dem faulen Baum und dann das Haus mit dem schlechten und mit dem guten Fundament. Und wie war das in Kapitel 5? Ja, nach der Geschichte mit dem Bräutigam heißt es, er sagte auch ein Gleichnis zu ihnen. Genau gleich! Also siebter Abschnitt da, siebter Abschnitt da ein Gleichnis, und zwar auch in drei Teilen. Bei dem Gleichnis in 5,36 haben wir zuerst alte und neue Kleidung, alte und neue Schläuche und dann alten und neuen Wein. Und hier haben wir gute und schlechte Sehfähigkeit, gute und schlechte Früchte und Gutes und Schlechtes bauen. Das steht auch wieder in einer Beziehung zueinander.
Aber nur ganz kurz: Der Herr sagt, ein Blinder kann nicht einen Blinden leiten. Beide fallen in die Grube. Und eben die Jünger, die sollen anders sein. Das heißt, der Herr sagt seinen Nachfolgern, ihr dürft nicht solche blinde Menschen sein wie die Pharisäer. Das waren blinde Menschen, und der Herr Jesus sagt in Matthäus 23: Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen, und ihr hindert die Menschen, ins Reich Gottes einzugehen, und ihr selber geht nicht hinein. Das waren wirklich blinde Leiter, die die Leute mit sich selber ins Verderben bringen. Aber eben der Jünger Jesu soll eben ganz anders sein. So wie der Herr Jesus der Lehrer, Vers 40.
Und dann geht es zuerst um Blindheit, und dann geht es um schlechtes Sehen. Nicht ganz blind, aber schlecht sehen. Und man kann sehr schlecht sehen, wenn man einen Splitter, wenn man einen Balken im Auge hat. Und der Herr sagt, wenn man einen Balken im Auge hat, dann soll man nicht den Bruder richten und sagen: Komm, ich hole dir deinen Splitter raus. Ganz wichtig: Man muss, ich unterstreiche, Vers 42 am Schluss: Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen.
Also es wird nicht gesagt, wir dürften nicht urteilen über die schlechte Sehfähigkeit des Anderen, aber wir müssen zuerst über die noch schlechtere Sehfähigkeit bei uns urteilen. Und wenn das wirklich verurteilt ist, dann können wir uns auch eines Splitters annehmen. Aber eben, das ist auch so oft verdreht worden: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Das bedeutet nicht, dass wir gar nicht beurteilen dürften. Aber es ist ein Unrecht zu urteilen, wenn man einen Balken im Auge hat. Das geht überhaupt nicht. Aber wenn man sich selber verurteilt und gerichtet hat, dann kann man und tut es dann auch in einem ganz anderen Geist. Das ist ein Geist eben der Sanftmut.
Dann kann man die Töne im Balken und Splitter auch gleichziehen mit der: Man soll nicht zuerst im Mist vom anderen kehren, sondern das heißt von der eigenen Haustüre, auf dem eigenen Hof.
Genau das, zuerst bei sich in Ordnung bringen.
Genau, weltlich gesehen. Zuerst bei sich reinmachen und dann beim anderen korrigieren.
Absolut, genau das: Bei sich zuerst in Ordnung bringen. Aber dann kann man dem anderen helfen.
Und dann eben zeigt der Herr den Unterschied: Der gute Baum, das ist der wahre Jünger, der neues Leben aus Gott hat, der bringt gute Früchte. Aber der, der eben gefangen ist in der Sünde und letztlich auch unter Satans Macht steht, wie der Pharisäer, der den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen hat, der wird beschrieben als fauler Baum, der auch faule Früchte bringt. Und dann schließt alles ab mit dem richtigen Bauen. Auf dem Fundament muss gebaut werden, sonst bricht in der Not alles zusammen. Und dieses Fundament ist eben Jesus Christus selber, der uns da als der Messias, der Sohn des Menschen in Lukas vorgestellt wird.
Gerade in Bezug, wenn man etwas richtig will, steht in der Bibel, da gibt es Christen, die sagen: Du bist mich am Vorurteilen. Nein, wir müssen miteinander über die Wahl schauen, wir sind uns nicht gleicher Meinung, aber dieser Vers wird so oft gerade unter Christen gebrochen: Du bist mich am Richten.
Ja, das ist ein echtes Problem. Und wie kann man dann dagegen vorgehen? Eben indem man dann genau erklärt, was der Herr sagt. Er sagt, wir sollen nicht richten: Wenn du einen Balken in deinem Auge hast, dann kannst du nicht den Splitter aus dem Auge eines anderen nehmen. Aber wenn du den Balken rausgenommen hast, dann kannst du den Splitter rausnehmen. Und dann ist es ein Gebot der Liebe. Also ich bin dankbar, wenn jemand mir hilft, und ich bringe das nicht selber raus, den Splitter rauszunehmen. Es ist also eine gute und nützliche Arbeit.
Er hat keinen Balken in seinem Auge. Genau, das ist das Problem. Das ist das Problem. Aber das nennt man ja hyperbolische Rede. Das ist in der Poesie eine bekannte Form, also übertriebene Rede, um etwas ganz Krasses zum Ausdruck zu bringen. Und den Balken, den sieht eben jeder, den Splitter sieht nicht jeder. Und da sind dann eben die, wo es wirklich offensichtlich ist, das sehen alle, da ist ein Balken, aber er will unbedingt den Splitter holen.
Aber was auch in dieser ganzen Nation, wenn ich jetzt beim anderen Bruder sehe, dass da etwas nicht korrekt ist, auch mit Bewusstsein, auch bei mir gibt es Fehler, auf die ich aufmerksam gemacht werden muss, um da eine Höherachtung des Anderen zu haben, doch trotzdem: Hey, du, schau, wenn man es auf der Bibel ansieht, ist dies nicht recht. Aber dann sagt er auch: Ja, bei dir ist das. Und was man an mir sagt: Ja klar, wir sind nicht perfekt, aber wir müssen einander gegenseitig stützen beziehungsweise gegenseitig auch sagen: Hey, schau, da sagte ich wieder dies und dies, auch austauschen.
Ja, es geht einfach darum: 1. Korinther 11 sagt, dass wir uns selber beurteilen sollen. Und das ist etwas, was man nicht nur einmal in der Woche macht oder einmal im Jahr. Am Jom Kippur, nein, sondern sich selber beurteilen, das heißt eben, dass man auch die Woche durch sich selber immer wieder abfragt: Wie steht es mit meinem Leben, wie stehe ich vor dem Herrn, war das recht oder war das Unrecht? Und auch betet nach Psalm 139, am Schluss, da sagt König David, dass der Herr ihm eben die falschen Wege in seinem Leben aufzeigen soll: Prüfe mich und erforsche mich, Gott, und erkenne meinen Weg und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist. Und wenn das eben ein ständiges Gebet ist, dann kann der Herr helfen, dass man Sünde nicht im Leben anstehen lässt, sondern vorab, wie er uns das aufzeigt, in Ordnung bringt. Und das ist gemeint. Es gibt keine vollkommenen Christen, aber eben, wir sollen durch diese Art die Art und das Wesen des Höchsten als Söhne des Höchsten zeigen.

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