Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Habakuk
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Einleitung und Gebet
Herr Jesus Christus, wir möchten dich preisen, dass du lebst, dass du da bist und dass du uns dein Wort geschenkt hast, dieses kostbare Wort, auf das unser Glaube sich vollkommen verlassen darf.
Und so bitten wir dich: Segne diesen Nachmittag, segne unser Bibelstudium. Schärfe du unsere Sinne und hilf uns, dass wir dein Wort erfassen, aber auch in unserem Leben umsetzen können. Werde du durch dein Wort wieder größer und herrlicher. Amen!
Heute Nachmittag beschäftigen wir uns mit dem Buch des Propheten Habakuk. Ich beginne mit der Lektüre der ersten fünf Verse. Auf dem Skript, auf Seite zwei unten, habe ich meine Übersetzung des Buches Habakuk hinzugefügt. Es ist eine sehr wörtliche Übersetzung, noch wörtlicher als die Elberfelder, und ich habe dabei darauf geachtet, dass die poetischen Verse sichtbar werden.
Im Hebräischen ist auch dieses Buch, wie viele andere prophetische Bücher, ein Gedicht, also in Poesie und in Versen abgefasst. Das wird hier auch durch die Darstellung des Textes sichtbar.
Habakuk 1,1
Der Ausspruch, den Habakuk, der Prophet, geschaut hat.
Bis wann, Herr, rufe ich, und du hörst nicht? Bis wann schreie ich zu dir: Gewalttat!, und du rettest nicht? Warum lässt du mich Frevel sehen und schaust du hin auf Schlimmes? Ja, Verwüstung und Gewalttat ist vor mir, und Rechtsstreit ist entstanden, und Rechthaberei erhebt sich. Darum ist das Gesetz kraftlos, und hervor kommt niemals das Recht. Denn der Gesetzlose umzingelt den Gerechten, darum kommt das Recht verdreht hervor.
Seht unter die Nationen und schaut hin und erstaunt! Staunt! Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte.
Ich füge noch Vers 6 hinzu:
Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, das grimmige und stürmische Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um in Besitz zu nehmen Wohnungen, die ihm nicht gehören.
Bis dahin.
Historischer Rahmen und Entstehungszeit
Nun, wie bei jedem Bibelbuch fragen wir zunächst einmal nach dem Zeitpunkt der Entstehung. Nicht wahr, in Vers 1 wird uns erklärt, der Autor ist Habakuk, der Prophet. Habakuk wird außerhalb seines Buches nirgends mehr in der Bibel erwähnt, und es fällt uns auf: Hier wird im Gegensatz zu anderen prophetischen Büchern nicht gesagt, unter welchen Königen von Juda oder Israel Habakuk gewirkt hat.
Also müssen wir aus dem Buch selbst herausfinden, aus welcher Zeit es stammt. Einen ersten Hinweis gibt uns übrigens schon die Reihenfolge innerhalb der zwölf Propheten, der zwölf kleinen Propheten. Denn beim Betrachten der vorigen kleinen Propheten haben wir genügend gesehen, dass diese Bücher in der Reihenfolge im Kanon der hebräischen Bibel eingeordnet worden sind, der hier auch der deutschen Bibel entspricht, und zwar geordnet nach zeitlichen Epochen. Zuerst haben wir Propheten aus der Zeit, als die Assyrer die Weltherrschaft hatten. Dann kommt die Zeit, als die Babylonier zur Herrschaft kommen. Und schliesslich sind die letzten Propheten aus der Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft, zur Zeit, als die Perser das Weltreich hatten.
Schon die Einordnung von Habakuk macht also ungefähr den Zeitabschnitt deutlich, und das wird nun auch durch den Inhalt bestätigt. Nicht wahr? In Kapitel 1, Vers 6 kündigt Gott an, dass die Chaldäer gegen das Volk Israel militärisch vorgehen würden. Das ist ja geschehen in den Jahren 606 bis 586 v. Chr. In mehreren Kriegen hat die babylonische Armee unter Nebukadnezar Jerusalem erobert und schliesslich zerstört. Im Jahr 586 v. Chr. lag Jerusalem am Boden, samt dem salomonischen Tempel. Die Juden kamen in dieser Zeit in die Gefangenschaft nach Babylon.
Nun, im Buch Habakuk klagt der Prophet in den ersten Versen über all das Unrecht und die Gottlosigkeit unter seinem eigenen Volk. Das schildert eben die Zeit vor der babylonischen Invasion, ab 606 v. Chr. Aber dann sagt Gott, eben diese Invasion wird kommen, und zwar in euren Tagen, das heisst noch in dieser Generation. In Vers 5 heisst es: „Seht unter den Nationen und schaut hin und erstaunt, denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte.“ Und dann kommen die Chaldäer.
Also können wir beantworten: Das Buch Habakuk entstand in der Generation vor Beginn der babylonischen Kriege gegen Juda, das heisst in den Jahren vor 606 bis 586 vor Christus. Und damit wird deutlich, dass Habakuk ein Zeitgenosse von Jeremia war, der ja in dieser Zeit, bevor die Babylonier kamen und dann eben auch während der babylonischen Kriege gewirkt hat. Er war ein Zeitgenosse von Jeremia, dann auch von Hesekiel. Hesekiel wurde ja zur Zeit der zweiten Wegführung 597 vor Christus nach Babylon gebracht. Er war auch ein Zeitgenosse von Zefanja und selbstverständlich auch von Daniel, denn Daniel wurde ja deportiert im Jahr 606 vor Christus bei der ersten Belagerung Jerusalems durch die Babylonier.
Ich muss vielleicht noch erklären: Die Babylonier sind ein Reich im heutigen Südirak gewesen. Das Kerngebiet ist Südirak bis nördlich etwas über Bagdad hinaus. Aber da gab es verschiedene Volksgruppen, und das wichtigste Volk, zu dem auch Nebukadnezar gehörte, war das Volk der Chaldäer. Darum wird eben in 1,6 gesagt: „Siehe, ich erwecke die Chaldäer.“ Das steht also als wichtigstes staatstragendes Volk für die Babylonier.
Die Auslegungsgeschichte aus der Wüste
Ein paar Gedanken zu dem Buch Habakuk, wie man es in den vergangenen Jahrzehnten in Handschriften in der judäischen Wüste wiederentdeckt hat.
In Qumran, in Höhle 1, die ja 1947 durch einen jungen Muslim aus einem Beduinenstamm entdeckt wurde, fand man nicht nur die vollständige Jesaja-Rolle, sondern auch weitere Bücher, unter anderem einen Kommentar zum Buch Habakuk aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Sensationell: Der Text von Habakuk ist darin enthalten, aber immer wieder durch einen Kommentar unterbrochen, der erklärt, was er bedeutet. Da kommt also ein Stück Text, und dann heißt es: Pischro, seine Deutung ist. Dann wird erklärt, was das bedeutet. Dann kommt wieder der Habakuk-Text, und dann wieder: Pischro, seine Deutung ist. Anschließend wird der Text erneut erklärt. Also: der Prophetentext plus Kommentar aus dem ersten Jahrhundert vor Christus.
Diese Rolle gehört zu den am besten erhaltenen Bibelkommentaren aus Qumran. Es gibt auch Kommentare zu anderen Bibelbüchern des Alten Testaments, aber das ist eine der besterhaltenen Handschriften. Ich habe den Text hier mitgebracht; wer sich vielleicht in der Pause interessiert, kann ihn auf Hebräisch und Deutsch anschauen. Da sieht man, wie man in der Zeit vor Christi Geburt die Bibel kommentiert hat, wie damals Bibelkommentare geschrieben wurden.
Interessant ist schon einmal Folgendes: In dieser Habakuk-Rolle wird der Prophetentext praktisch auf die Situation im ersten Jahrhundert vor Christus angewendet. Als diese Rolle entstand, war ja längst alles erfüllt, was in Habakuk 1 über die Invasion der Babylonier gesagt wird. Da könnte man sich fragen: Was nützt denn jetzt das Prophetenbuch noch? Jetzt ist doch einfach alles erfüllt, und fertig. Nein, in diesem Kommentar wird diese Situation auf eine ähnliche Lage damals angewendet.
Wie war das nun unter den Makkabäern? Im zweiten Jahrhundert hatte Israel für eine kurze Zeit wieder völlige Freiheit und Unabhängigkeit von den Heidenvölkern erlangt. Aber diese Erweckungsbewegung der Makkabäer ging sehr schnell wieder ab, und das Wort Gottes wurde missachtet. Dann kam jedoch etwas ganz Schlimmes: Im Jahr 63 vor Christus marschierte die römische Armee in Jerusalem ein, übrigens am Jom Kippur. Das war ein Jom-Kippur-Krieg, und in Jerusalem wurde ein grässliches Blutbad angerichtet. Das war unter dem Feldherrn Pompeius. Er wagte es sogar, in den Tempel hineinzugehen, ins Allerheiligste. Er wollte einmal den Gott Israels sehen.
Die Heiden behaupteten, die Juden hätten ein Götzenbild ihres Gottes. Im Gegensatz zu allen anderen Völkern zeigten sie es nicht an allen Straßenecken, sondern es sei versteckt im Allerheiligsten. Es sei ein Gott mit Eselskopf. Und da wollte er das einmal sehen und ging hinein ins Allerheiligste. Und was war da? Ein leerer Raum. Nicht einmal die Bundeslade war drin. Wer in der Bundeslade gewesen wäre, hätte garantiert gesagt: Ja, diese Cherubim, diese Engel über der Lade, über dem Deckel, das sei der Gott Israels. Er sah nichts. Und das wurde dann auch in der heidnischen Welt verbreitet. Tacitus, der römische Geschichtsschreiber, berichtet darüber. Da war klar: Der Gott Israels ist wirklich unsichtbar. Er wird nie dargestellt. Und man kann ihn nicht auf ein paar Quadratmeter einengen, wie das bei den Göttern der Heiden der Fall ist. Also ein ganz interessantes Zeugnis.
Nun haben die Gottesfürchtigen damals diesen Einmarsch der Römer ganz klar als ein Gericht Gottes über sein Volk gesehen, wegen all dieser Untreue gegenüber seinem Wort. Und so hat man in diesem Kommentar bei Habakuk 1,6: Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, kommentiert: Die Deutung ist diese: Das sind die Römer. Das bedeutet die Römer.
Also, die wussten schon, dass sich das damals unter Nebukadnezar erfüllt hatte, aber sie wenden dieses Wort auf ihre Situation an und nennen die Chaldäer, so heißt auf Hebräisch die Kaldäer, die Kastim. Sie sagen, das bezieht sich auf die Kittim. Kittim ist hier der Name für die Römer.
Ich habe das hier bei Punkt zwei aufgeführt: Habakuk in der judäischen Wüste. Punkt zwei: Habakuk wird auf die Situation im ersten Jahrhundert vor Christus praktisch angewendet. Die Chaldäer in Habakuk 1,6 werden auf die Kittim, das heißt auf die Römer, angewendet, die um 63 vor Christus in Jerusalem einmarschiert sind.
Biblische Deutung und geschichtliche Parallelen
Wie kommt man eigentlich auf diesen Ausdruck „Kittim“ für die Römer? Das haben Sie aus dem Buch Daniel abgeschaut. Ich kann mal aufschlagen: Daniel 11,30.
Während des Öffnens kann ich noch erklären: Daniel 11, die Verse 1 bis 35, sind alle vollständig erfüllt. Das sind, ich habe das mal ausgezählt, über 150 Prophezeiungen. Da wird die ganze Zeit, angefangen von den Persern zur Zeit Daniels, über Alexander den Grossen, beschrieben. Dann ganz speziell über die Diadochenreiche, Syrien und Ägypten. Generation für Generation wird da beschrieben.
Also dann lückenlos eine Generation nach der anderen, was da alles geschieht, in Verbindung mit Israel, das viel leiden musste zwischen den Kriegen, die die Syrer mit den Ägyptern geführt haben. Jede Generation wird da erwähnt. Und so konnte man damals, also in den Jahrhunderten vor Christi Geburt, nach Maleachi, das war ja der letzte Prophet um das vierte Jahrhundert vor Christus, ganz genau wissen: Ah, jetzt sind wir da. Jetzt sind wir bei Vers 21 angekommen. Jetzt hat sich Vers 22 erfüllt.
Ja, also die Verse hat man damals noch nicht gehabt, aber man konnte sagen: Ja, bei diesem Satz sind wir jetzt, bei diesem Satz. Und dann kommt da interessant Vers 29: Zur bestimmten Zeit wird er wiederkehren. Im Zusammenhang geht es um den syrischen König Antiochus Epiphanes, der grausig gewütet hat im zweiten Jahrhundert vor Christus. Er kommt also dann wieder nach Ägypten, steht hier: Zur bestimmten Zeit wird er wiederkehren und gegen den Süden ziehen, das heisst gegen Ägypten. Aber es wird zuletzt nicht sein wie am Anfang, denn Schiffe von Kittim werden gegen ihn kommen, und er wird verzagen und umkehren. Und er wird gegen den Heiligen Bund ergrimmen und handeln.
Ja, Antiochus ging im Krieg gegen Ägypten, und dann kamen von der Insel Zypern, Kittim heisst nämlich ganz wörtlich: Das sind die Bewohner von Zypern, also die Kyprier. Da sind Schiffe der römischen Armee von Zypern her nach Ägypten gekommen, und dieser römische General hat um Antiochus Epiphanes einen Kreis gezogen, da, wo er stand, und hat gesagt: So, jetzt entscheidest du dich in diesem Kreis. Du kommst nicht da heraus, bis du entscheidest, was du willst. Wenn du weiterfahren willst mit deinem Plan, dann schlagen wir dich zusammen, und wenn du nach Hause gehst, dann kannst du gehen.
Und darum heisst es dann im Weiteren: Er kehrt dann um und wird gegen den Heiligen Bund, also gegen die Juden, ergrimmen und ein schreckliches Massaker dort anrichten. Hat sich dann alles erfüllt. Aber da haben die Leute also im zweiten Jahrhundert gesehen: Aha, jetzt sind wir bei Vers 30. Ja, genau, da sind die Schiffe von Zypern gekommen, das waren die römischen Schiffe. Und so war der Ausdruck Kittim eben der bekannte Ausdruck für die Römer.
Und darum haben Sie in diesem Habakuk-Kommentar, der nach 63 v. Chr. entstand, gesagt: Die Chaldäa bezieht sich jetzt in unserer Zeit eben auf die Kittim, auf die Römer, die einmarschiert sind als Gericht Gottes über uns, über Israel, über das jüdische Volk.
Also, was will ich da mit der langen Rede kurzer Sinn? Die haben das Wort Gottes so studiert. Sie haben gesehen, worauf sich das bezieht. Aber sie haben sich auch gefragt: Was bedeutet das jetzt für uns, in unserer Situation? Und so ist es wichtig, dass wir die Bibel studieren. Wir müssen uns fragen, worauf bezieht sich das ganz direkt, im wörtlichen Sinn? Und dann müssen wir uns fragen: Und jetzt, was hat das für uns zu sagen? Wie können wir es auf unsere Situation, auf unser Leben übertragen?
Das haben die schon damals gemacht. Man hat ja nach den Qumran-Funden in den elf Höhlen begonnen, auch in anderen Höhlen und Tälern in der jüdischen Wüste zu suchen. Und tatsächlich, im Wadi Murabba'at und im Nahal Chever, das ist nicht so weit weg von Qumran, da sind je eine Zwölf-Prophetenrolle gefunden worden, die auch das Buch Habakuk bezeugen. Ja, also das zeigt uns, wie dieser Text in vorchristlicher Zeit zurückbezeugt ist.
Das Leitmotiv des Buches
Das Thema des Buches Habakuk kann man ganz einfach zusammenfassen: Durch Glauben leben. Wenn ich das Buch jedoch in ein paar Sätzen zusammenfassen müsste, dann könnte man es so beschreiben:
Habakuk versteht nicht, weshalb Gott so viel Ungerechtigkeit unter dem Volk Gottes zulässt. Das drückt er in 1,2-4 aus. Gott erklärt ihm, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Er wird sein Volk durch die Babylonier strafen. Das ist Gottes Antwort in 1,5-11.
Nun ist diese Antwort zwar eine Antwort, aber sie bringt Habakuk noch mehr ins Fragen. Habakuk versteht jedoch nicht, weshalb Gott sein Volk durch eine Nation bestrafen will, die selbst noch ungerechter ist als Israel, 1,12-17.
Dann antwortet Gott erneut. Gott erklärt Habakuk, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Er wird die ungerechten Nationen, die er als seine Werkzeuge und als Zuchtrute gebraucht, ebenfalls wieder strafen. Habakuk soll im glaubenden Blick auf die Vollendung ausharren. In der Endzeit, beim Kommen des Messias in Herrlichkeit, wird einmal alle Ungerechtigkeit bestraft werden. Gottes Gerechtigkeit wird dann triumphieren.
Diese Antwort bringt Habakuk innere Freude und Ruhe. Das findet man in Kapitel 2,2 bis zum Schluss, 3,19.
Also sehen wir: Das Buch Habakuk ist ein vertrauter Dialog zwischen dem Propheten und seinem Gott.
Aufbau des Buches und die Frage nach Gerechtigkeit
Jetzt wollen wir Vers für Vers durchgehen, vielleicht zuerst noch auf Seite zwei einen Blick auf den Aufbau des Buches.
Wir haben also den kurzen Titel, 1, Vers 1: Der Ausspruch, den Habakuk, der Prophet, geschaut hat. Da wird übrigens deutlich: Habakuk hat eine Vision gesehen. Er hat nicht nur Gottes Stimme gehört, sondern er hat sichtbar in die Zukunft blicken dürfen.
Nun, den ersten Teil, Römisch I, habe ich überschrieben mit Zwiegespräche. Das erste Zwiegespräch: I, II-I, a: Warum greift Gott in Israel nicht ein? 1,2-4. Und b ist dann die Antwort Gottes: Die Babylonier kommen 1,5-11.
Dann kommt das zweite Zwiegespräch: a: Warum bleiben die Babylonier straflos? 1,12-2,1. Und dann kommt die Antwort b: Sie werden auch gerichtet werden. Die Frage der Gerechtigkeit wird erst in der Endzeit endgültig beantwortet werden.
Und dann kommt der zweite Hauptteil, Römisch 2: der triumphierende Ausblick des Glaubens, er kommt. Dieses Kapitel drei von Habakuk, das ist ein Psalm, ein Psalm inmitten der Prophetenbücher. Und in der Vision sieht er den Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, als Richter der Welt, der einmal alle Fragen nach Gerechtigkeit beantworten wird.
Aber eben: Ohne den Blick auf diese Vollendung werden unsere Fragen nach Gerechtigkeit in dieser Welt nie befriedigend beantwortet sein, nie! An dieser Frage der Ungerechtigkeit in der Welt scheitern die Menschen, wenn sie nicht Gottes Offenbarung über die Vollendung haben.
Erst in der Zukunft wird Gott einmal die Gerechtigkeit sichtbar werden lassen. Übrigens nur so als Beispiel: Charles Darwin, der Vater der modernen Evolutionslehre, ist an dieser Frage gescheitert. In seiner Autobiographie schreibt er: Wenn ich den gestirnten Himmel anschaue, kommt es wie eine Macht über mich, dass es doch einen Schöpfergott gibt. Aber wenn ich dann an die Ungerechtigkeit in der Welt denke, geht das wieder von mir weg.
Also, die Schöpfung hat ihm gesagt: Es gibt einen Schöpfer. Aber die Frage nach der Gerechtigkeit inmitten dieser Ungerechtigkeit in der Welt hat ihn scheitern lassen.
Nun sehen wir, dass das Buch Habakuk also mit ganz grundsätzlichen Fragen des Menschen zu tun hat.
Die erste Klage des Propheten
Ja, jetzt schauen wir uns das erste Zwiegespräch an. Habakuk fragt: Warum greift Gott in Israel nicht ein?
Ich habe das schon gelesen, und in diesen Versen 2 bis 4 betet Habakuk zu Gott und stellt Fragen: Bis wann, Herr, rufe ich, und du hörst nicht? Bis wann schreie ich zu dir: Gewalttat!, und du rettest nicht? Warum lässt du mich Frevel sehen? Habakuk hat diese Zeit der Könige von Juda erlebt, vor der ersten Invasion 606. Und er hat sich gefragt: Es gibt unter dem Volk Gottes, unter dem auserwählten Volk, so viel Sünde, Götzendienst, Rebellion.
Wenn wir in Jeremia lesen, sehen wir, dass die Menschen das Wort Gottes verlacht und offen verspottet haben. Es ist eine Zeit, die sehr viele Parallelen zu unserer Zeit hat. Habakuk lebte in einer Generation, in der all das, was die Vorfahren als Wort Gottes angenommen hatten, verworfen worden ist. Und auch wir leben in einer Zeit im Abendland, in der man all diese Dinge, die früher noch einen weitgehenden Konsens in der Gesellschaft darstellten, verworfen hat.
Es gab früher einmal hier in Europa einen christlichen Konsens. Ob die Menschen bekehrt waren oder nicht bekehrt waren, für sie war klar: Gott existiert. Und wo werden die Fragen beantwortet, die der Mensch hat? In der Bibel. Die Bibel hat Autorität, das war ein breiter Konsens. Heute ist das undenkbar. In einer Podiumsdiskussion im Fernsehen bringt man ja dann auch noch nebst einem Juristen, einem Philosophen und einer Juristin auch noch einen Theologen. Aber das tut man nicht, wenn man denkt, der Theologe könnte uns vielleicht erklären, was Gott zu diesem Thema aus der Bibel sagt, sondern es ist ein bisschen lustig, noch jemanden mit einer alten Vorstellung zu hören.
Und die Journalisten realisieren ja gar nicht, dass die meisten Theologen sowieso schon abgefallen sind von der Bibel als Wort Gottes. Das sind ja oft die Schlimmsten dann. Ich spreche jetzt von den liberalen Theologen. Aber die sind ja in der Mehrzahl, nicht wahr, in unserer Gesellschaft. An den Unis werden liberale Theologen, nicht bibeltreue Theologen, ausgebildet.
Ja, also heute kann man sich das nicht mehr vorstellen. Man hat auch nicht einmal die Erwartung, die feine Erwartung, von der Bibel her Antworten zu bekommen. Wir leben in einer Zeit wie Habakuk. Und in dieser Zeit schreit also der Prophet: Ich rufe zu dir, Herr. Gott soll eingreifen, und es geschieht nichts. Bis wann rufe ich, Herr, und du hörst nicht? Bis wann schreie ich zu dir: Gewalttat!, und du rettest nicht? So viel Gewalt wird ausgeübt, aber Gott lässt es einfach geschehen.
Und Vers 3 fragt: Warum lässt du mich Frevel sehen und schaust hin auf Schlimmes? Und es geschieht quasi nichts. Da gibt es Verwüstung, Gewalttat, das sehe ich alles, Rechtsstreit, Rechthaberei. Und dann erklärt er in Vers 4: Darum ist das Gesetz, hebräisch die Tora, kraftlos, und hervorkommt niemals das Recht. Das Gesetz ist schon gut. Das wird ja auch in Römer 7 erklärt: Das Gesetz, das Gebot Gottes, ist heilig, gerecht und gut. Schlagen wir mal auf im Römerbrief: Römer 7,12. So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot heilig und gerecht und gut. In Vers 14 heißt es: Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist. Gemeint ist das Gesetz Mose. Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, vom Geist Gottes gewirkt.
Ja, aber in Kapitel 8, Vers 2 steht: Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Und jetzt Vers 3: Denn das dem Gesetz Unmögliche, da ist gemeint das Gesetz vom Sinai, das Gesetz in den Büchern Mose, denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichheit des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend die Sünde im Fleisch verurteilte.
Das Gesetz konnte ja niemanden retten. Das Gesetz sagt in 3. Mose 18: Tue dies, und du wirst leben. Aber niemand konnte es tun. Damit wollte Gott beweisen, dass alle Menschen Sünder sind und die Gnade brauchen. Aber das Gesetz konnte nicht Kraft geben, damit man Gottes Willen erfüllen kann. Also das Gesetz war schon gut, heilig, gerecht und gut, aber das Material war nichts wert: die Menschen. Darum heißt es hier, dass das Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war.
Zwar hätte man, ich habe das Beispiel auch schon erwähnt, hätte man Michelangelo gesagt, er soll aus einem Dreckhaufen eine schöne Statue machen, hätte er gesagt: Ja, aber dieser Sand da, der taugt doch nichts. Ich brauche Granit aus den Schweizer Alpen. Er selber könnte es schon, ja, aber wenn das Material nichts taugt. Und so ist es auch: Das Gesetz ist schon gut, aber das Material, die Menschen, sind Sünder. Mit denen ist nichts anzufangen. Darum hat das nicht funktioniert mit dem Gesetz.
Also das war dem Gesetz unmöglich, weil es durch das Fleisch kraftlos war. Und so hat Gott dann eben seinen Sohn als Opfer für die Sünde geschickt, um das Problem der Sünde zu lösen. Aber sehen wir diesen Ausdruck: Darum ist das Gesetz kraftlos. Dieser Ausdruck taucht im Römerbrief dann später wieder auf. Das wollen wir einfach mal so zur Kenntnis nehmen. Ich komme noch mehr darauf zurück, auf diese enge Verbindung zwischen Habakuk und Römerbrief.
Darum ist das Gesetz kraftlos, und hervorkommt niemals das Recht. Denn der Gesetzlose umzingelt den Gerechten, darum kommt das Recht verdreht hervor. Die Leute in Qumran haben übrigens diese Stelle auf sich bezogen, und sie sagen also: Der Gesetzlose, das beziehen sie auf die Juden, die abtrünnig waren in der damaligen Zeit, und der Gerechte, das ist dann eben ihr Lehrer der Gerechtigkeit.
Das war ein Priester, der so enttäuscht war, dass man in Jerusalem nicht mehr nach den Geboten Gottes Priesterdienst tut, hat sich dann zurückgezogen in die Wüste mit anderen Leuten und diese Qumran-Gemeinschaft gegründet. Die haben sich also gesehen: Wir sind die Gerechten, und die anderen sind die Gesetzlosen. Denn der Gesetzlose umzingelt den Gerechten, darum kommt das Recht verdreht hervor. Darum wird in diesem Kommentar eben gesprochen über den Lehrer der Gerechtigkeit. Das ist dieser sadokidische Priester, der aus der offiziellen Linie all der anerkannten Hohenpriester aus dieser Familie kam, der Mann. Aber die Makkabäer haben das eben abgeschafft. Die haben plötzlich die sadokidischen Hohenpriester beiseitegeschoben und haben unrechtmäßig das Hohenpriesteramt an sich gerissen. Und da war eben dieser Sadokide so enttäuscht und ist gegangen. Er wurde quasi angesehen als der Lehrer der Gerechtigkeit mit denen, die sich vom jüdischen Volk abgesondert haben.
Ja, also nochmals: Habakuk beschreibt diese schlimme Situation zu seiner Zeit, und die hat so direkte verblüffende Parallelen zu unserer Zeit heute. Da kann auch ein Christ sich fragen: Warum greift Gott nicht ein? Und dieser Abfall unter denen, die sich Christen nennen, nimmt ständig zu. Warum, Herr?
Gottes Antwort und die Geduld des Glaubens
Und dann kommt die Antwort Gottes: Es ist nur eine Frage der Zeit, das Gericht kommt schon. Und zwar sagt er: Noch in dieser Generation, so lese ich in Habakuk 1,5-11, seht ihr unter den Nationen und schaut hin und erstaunt euch, denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte. Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, das grimmige und stürmische Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um in Besitz zu nehmen Wohnungen, die ihm nicht gehören. Schrecklich und furchtbar ist es. Von ihm gehen sein Recht und seine Hoheit aus. Und schneller als Leoparden sind seine Pferde und rascher als Wölfe des Abends. Seine Reiter sprengen heran, und seine Reiter kommen von ferne. Sie fliegen wie ein Adler, der eilt, um zu fressen. Sie alle kommen zur Gewalttat.
Das Streben ihrer Gesichter ist nach vorne gerichtet. Das heißt: Das chaldäische Volk sammelt Gefangene zusammen. Es verspottet Könige, und Fürsten sind ihm ein Gelächter. Es lacht über jede Festung und schüttet Erde auf und erobert sie. Dann fegt es daher wie der Wind und geht darüber hinweg und macht sich schuldig. Diese seine Kraft ist ihm zum Gott.
Also sagt Gott zu Habakuk: Du hast zwar gemeint, ich würde nur so zuschauen und nichts machen. Ich werde schon eingreifen. Ich habe einen ganz bestimmten Plan. Es ist eine Frage der Zeit. Und so soll also noch in dieser Generation das chaldäische Volk kommen, das ihm bekannt war, dass es ein Volk nach dem anderen damals erobert hatte. Nebukadnezar hat in dieser Zeit den ganzen Nahen Osten erobert. Eine Nation nach der anderen hat er überwältigt. Er ist dann zuerst von Südirak in den Norden hinaufgegangen, hat alles dort erobert, und schliesslich ist er von Norden her über Libanon und Syrien dann eben nach Jerusalem gekommen. Eine erste Belagerung, eine zweite Belagerung, eine dritte Belagerung, dann wurde alles vernichtet und zusammengeschlagen. Dann gab es sogar noch vier Jahre später noch eine letzte Deportation, eine vierte, wo nochmals ein Trupp von Juden nach Babylon verfrachtet wurde.
Aber der Prophet beschreibt also ganz eindrücklich diese babylonische Invasion. Gott greift ein.
Nun, wenn man sich heute fragt: Warum greift Gott nicht ein? Dann können wir antworten: Es ist nur eine Frage der Zeit. Der Apostel sagt: Der Herr ist langmütig gegen euch und will nicht, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Busse kommen. Und in 2. Petrus 3 wird erklärt: Die Spötter, die sagen: Wo ist die Wiederkunft Christi?, die werden einmal staunen. Der Herr hat seine Verheissung der Wiederkunft zum Gericht nicht vergessen. Sondern er ist einfach so geduldig. Aber dieser Tag wird kommen, und dann wird das Gericht kommen.
Und so wissen wir auch aus der Offenbarung, dass Europa, das in der Offenbarung besonders im Fokus der Prophetie steht, unter ein ganz schreckliches Gericht kommen wird. Da wird das neue Europa beschrieben und auch sein Untergang. Es war so: Jetzt war jemand so fünfzig Jahre neues Europa, also morgen ist dann die Geburtstagsfeier, und da wird davon gesprochen, von der Hoffnung Europa. Europa ist quasi das grosse Geschenk. Aber das Ganze wird mit einer Katastrophe enden, denn Gott hat keinen Platz. Es ist nicht von ungefähr, dass man so gekämpft hat im Zusammenhang mit der EU-Verfassung, Gott soll darin nicht erscheinen. Gott hat in dieser Kultur nichts mehr zu sagen. Aber das Gericht wird kommen, genauso wie es in der Zeit von Habakuk kam.
Nun, das ist eine Antwort, aber Habakuk bekommt plötzlich ganz neue Fragen. Aber die Babylonier sind ja noch schlimmere Götzendiener als die Juden. Eine so schlimme Nation, die ein Volk ganz brutal niedergeschlagen und niedergemetzelt hat, und eine solche Nation soll jetzt quasi die Abrechnung machen mit dem Judenvolk. Und das ist eben dann die nächste Frage.
Aber was wir da lernen, ist: Der Prophet stellt Fragen, und wir dürfen auch Fragen stellen. Es gibt Christen, die sagen, man sollte nicht so viele Fragen stellen. Ja, aber das ist nicht biblisch. Der Prophet Habakuk zeigt uns: Ja, wir sollen Fragen stellen, aber wir sollen sie an die richtige Adresse stellen. Es gibt junge Leute, die haben viele Fragen, aber die Frage ist, ob sie an die richtige Adresse gehen für die Beantwortung. Das ist der Punkt: Wir müssen Gott unsere Fragen bringen.
Der Name des Propheten und die persönliche Beziehung zu Gott
Und dabei möchte ich etwas erklären zum Namen Habakkuk. Unter charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten, Seite 1.
Der erste Punkt heißt: Der Name des Propheten Habakkuk bedeutet „Umarmer“. Luther hat das sehr schön verdeutscht: „Herzer“ hat er übersetzt, also Herzer, Umarmer. Habakkuk stellt für uns einen Gläubigen dar, der sich in allen Fragen und Zweifeln an den Herrn klammert und sich an ihm festhält.
Dazu ein paar schöne Bibelstellen: Psalm 63,3. Das ist ein Psalm von David. „Meine Seele hängt dir nach; es hält mich aufrecht deine Rechte.“ Also: Meine Seele hängt dir nach. Das heißt, David hat sich an den Herrn geklammert, an ihn gehängt, eben wie ein Chawakuk, wie man den Namen auf Hebräisch ausspricht, nach ihm. Also Psalm 63,8 oder nach anderer Zählung Vers 9.
Dann Psalm 91,14. Gott sagt von dem heiligen Sänger: „Weil er Wonne an mir hat, will ich ihn erretten. Ich will ihn in Sicherheit setzen, weil er meinen Namen kennt.“ Ganz wörtlich: „Weil er Wonne an mir hat“, erklärt die alte Elberfelder, bedeutet der Text: „Weil er an mir hängt.“ Weil er an mir hängt, will ich ihn erretten. So wörtlich.
Und dann noch, also neutestamentlich, 1. Korinther 7,35: „Dieses aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht damit ich euch eine Schlinge überwerfe, sondern zu Wohlanständigkeit und zu ungeteiltem Anhangen an den Herrn.“ Ungeteiltes Anhangen an den Herrn, das ist die Botschaft im Alten und im Neuen Testament.
Habakuk, dieser Herzer, stellt sich so vor in Vers 1 seines Buches und hat das gezeigt, indem er einen Dialog mit Gott führt. Hier wird gezeigt: Im Glaubensleben von Habakuk funktionierte die Kommunikation in einer tiefen persönlichen Beziehung zu dem ewigen Gott.
Und da ist auch zu beachten: die Gottesnamen. In 1,12 nennt Habakuk Gott „mein Gott, mein Heiliger“. Ich habe ja mal in der Schule einen Deutschlehrer gehabt, der hat sich furchtbar geärgert über den Ausdruck „mein Gott“. Das sei so arrogant gewissermaßen, in dem Sinn hat er das gesagt, nicht wörtlich. Wenn jemand meint, er könne Gott seinen Gott nennen. Aber das ist die Sprache der Bibel. Der wahre Gläubige hat eine so tiefe Beziehung zu Gott, dass er sagen kann: „Mein Gott, mein Heiliger.“
Das Gegenteil ist tragisch. Man lese die Geschichte Sauls in 1. Samuel. Er war ein Gläubiger, er glaubte, dass Gott existiert, das war gar keine Frage, aber er hatte keine persönliche Beziehung. Es war kein Wiedergeborener. Und wenn er so mit Samuel, dem Propheten, redet, sagt er immer wieder, wiederholt: „Der Herr, dein Gott.“ Ja, Samuel, er hatte eine persönliche Beziehung, aber Saul konnte nicht sagen: „Der Herr, mein Gott.“ Und da zeigt sich der wahre Glaube in dieser tiefen, ganz persönlichen Beziehung zum Herrn, wo es nicht um etwas Übernommenes geht, von den Eltern oder überhaupt von anderen Menschen, sondern ganz persönlich wird das Gebet gepflegt.
Der Prophet spricht zu Gott, und Gott antwortet ihm durch sein geoffenbartes Wort. Natürlich ist heute die Bibel vollständig abgeschlossen, aber guck mal noch in der Zeit, als Gott eine Offenbarung um die andere gab. Darum müssen wir natürlich nicht warten auf Träume und Offenbarungen außerhalb der Bibel. Gott will jetzt durch sein geschriebenes Wort zu uns sprechen.
Ich habe heute Morgen zum Beispiel erwähnt, in Verbindung mit Hiob 33, wie Gott durch Träume und durch Krankheit zu den Menschen sprechen kann, zu Ungläubigen, um sie vor dem Rennen ins Geschoss abzuwenden. Aber beachten wir: In der Zeit von Hiob, wer hatte da eine Bibel? Hiob lebte vor Abraham. Nein, da geht es um Menschen, die eben nicht die Bibel haben. Da kann Gott auf diese Weise sprechen. Aber wenn wir auf solche Dinge aus sind, obwohl wir Gottes Wort haben, dann stellt sich ja die ernsthafte Frage: Schätzen wir das geschriebene Wort Gottes wirklich in seiner Autorität und Vollgültigkeit, oder suchen wir nach irgendetwas Interessantem dazu? Und das zeigt natürlich eine üble Gesinnung gegenüber dem Wort Gottes. Also da müssen wir uns im Klaren sein.
Gott kann da, wo sein Wort nicht bekannt ist, zu den Menschen so sprechen. Aber zu uns Gläubigen will Gott sprechen durch sein geschriebenes Wort und natürlich durch den Heiligen Geist, der in unseren Herzen wohnt. Denn Römer 8 sagt: So viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Und es ist Präsens, geleitet werden, das ist das Gewohnheitsmäßige, das Übliche. Der Heilige Geist gibt in unsere Herzen die Überzeugung, auch in Fragen, wo wir uns entscheiden müssen. Es steht ja nicht in der Bibel, welchen Ehepartner man heiraten soll oder welchen Beruf man persönlich ergreifen soll und tausend andere Fragen. Aber im Licht des ganzen Wortes Gottes müssen wir grundsätzlich Gottes Plan sehen. Und dann kann der Heilige Geist den Erlösten eben diese Überzeugung ins Herz geben, was jetzt für sie Gottes Wille ist.
Aber eben in Habakuk sehen wir den Mann, der betet, und Gott antwortet ihm durch sein geoffenbartes Wort.
Gottesnamen, Heiligkeit und das Fundament des Glaubens
Ja, wir waren bei den Namen Gottes: mein Heiliger, mein Gott, 1. Vers 12. Und dann nennt er ihn in Kapitel 3, Vers 18 bis 19, Gott meines Heils. Also der Gott, der mich persönlich rettet. Gott meines Heils. Und er nennt ihn Herr, auf Hebräisch Adonai. Adonai heisst eigentlich, das i am Schluss heisst mein. Aber es wird normalerweise, weil es eine feste Wendung ist, nicht übersetzt. Man übersetzt einfach Herr. Ganz wörtlich heisst es aber mein Herr, sogar noch wörtlicher. Aber da müssen wir uns am Tisch festhalten: Es heisst meine Herren. Mein Herr heisst nämlich Adoni.
Also wenn man in Israel jemanden auf der Strasse anspricht: Adonai, mein Herr, Entschuldigung, er ist ja so wie Monsieur oder so in dem Sinn. Aber nie würde ich jemanden auf der Strasse mit Adonai ansprechen. Das geht nur für Gott. Es ist ein Plural. Adonai heisst meine Herren und bezieht sich aber auf den einen Gott. Und ist ein alttestamentlicher Hinweis auf die Dreieinheit Gottes, dass eben in der Gottheit mehr als eine Person ist. Also er nennt Gott Adonai, mein Herr, und schliesslich meine Kraft. Alles hat drin: Gott das Heil, seine Wegweisung, mein Herr, die Heiligkeit und Gotteskraft.
Das erinnert uns so richtig an 1. Korinther 1,30, wo uns gezeigt wird, wie wir alles in dem Herrn Jesus haben: Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott, Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung, auf dass, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn. Ja, da haben wir alle diese Punkte drin, wie Gerechtigkeit, Heiligkeit, Rettung, Erlösung.
Im Bibeltext lese ich Habakuk 1,12: Habakuks Frage: Warum bleiben die Babylonier straflos? Bist du nicht von Alters her der Herr? Das ist hebräisch Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Du bist schon immer derselbe Gott, du hast dich nie verändert. Das wird hier ausgedrückt: von alters her immer derselbe Gott. Also bei Gott gilt nicht plötzlich ein anderer Grundsatz. Was ist Gerechtigkeit? Bist du nicht von Alters her der Herr, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. O Herr, zum Gericht hast du es gesetzt, ja, o Fels, um zu züchtigen hast du es bestellt.
Also er betont: Gott wird Israel nicht auslöschen. Das hat ja auch Jeremia so schön erklärt, Jeremia 31 und folgende: Gott wird Israel nie verwerfen. Gott drückt das dort so schön aus: Wenn man die Zahl der Sterne zählen könnte, dann würde Gott Israel verstossen. Oder er sagt: Wenn man das Erdinnere erforschen könnte, bis heute hat man ja mit Grabungen nur oben gekratzt. Es ist ja nichts im Blick auf diese sechstausend Kilometer bis zum Erdzentrum. Wenn man das Erdinnere erforschen könnte, würde Gott Israel verwerfen. Und weiter wird gesagt: Wenn man all die Ordnungen der Sternenwelt durcheinanderbringen könnte, dann würde Gott Israel verwerfen.
Also man könnte Achmaninejad ein Mail schreiben, es ginge noch einfacher als mit einer Atombombe, um Israel zu vernichten. Er muss einfach die Zahl der Sterne zählen oder das Erdinnere erforschen, ja, von Teheran aus ein Loch graben. Oder er müsste einfach versuchen, die Ordnungen des Sternenhimmels durcheinanderzubringen, dann würde Gott nämlich Israel verwerfen. Aber eben: Jeremia sagt das so ganz klar, um uns zu zeigen, Gott wird Israel nie aufgeben. Seine Zusagen bleiben. Und so versteht auch Habakuk: Es ist Zucht Gottes über sein Volk, aber nicht, um das Volk auszulöschen. Er züchtigt sein Volk wegen seiner Sünde.
Aber man sieht auch wieder diese schönen Namen: O Herr, zum Gericht hast du es gesetzt, ja, o Fels, um zu züchtigen hast du es bestellt. Gott ist für ihn immer noch das feste und bleibende Fundament, auch wenn er Fragen hat. Aber das Fundament, das bleibt. Gott ist dieser Fels.
Habakuk war ein Fundamentalist. Und es ist vielleicht auch eine gute Möglichkeit, wie man so ins Gespräch kommen kann mit Leuten über das Thema: Wer ist ein Fundamentalist? Oder: Was ist ein Fundamentalist? Das ist ein Wort in aller Leute Munde. Und da kann man die Leute fragen: Was ist denn eigentlich nach dir ein Fundamentalist? Ja, einer, der Bomben bei sich hat. Da kann man erklären: Ich bin ein Fundamentalist, und ich habe keine Bomben. Und da hat man vielleicht auch mal Gelegenheit, zu erklären, wie das entstanden ist.
Das war so um 1915 herum. Da haben ein paar Bibellehrer in Amerika eine Buchreihe herausgegeben, die hiess The Fundamentals, also die fundamentalen Dinge. Es war die Zeit, als die liberale Theologie begann, in Amerika immer mehr in die verschiedenen Kirchen hineinzukommen. In Europa war das schon längst geschehen, im neunzehnten Jahrhundert. Aber die Amerikaner, da kam es erst viel später. Das waren einige bibeltreue Theologen, die wirklich ein Anliegen hatten: Was können wir gegen dieses Vordringen des Liberalismus tun? Da haben sie diese Bücher geschrieben, um zu zeigen, was eigentlich die absolut unaufgebbaren Fundamente des christlichen Glaubens sind.
Das war erstens: Die Bibel ist Gottes inspiriertes Wort. Die Bibel ist Gottes Wort, ja. Zweitens: Jesus Christus ist stellvertretend für unsere Sünden gestorben. Jesus Christus ist wörtlich, wirklich, körperlich am dritten Tag auferstanden. Jesus Christus wird wiederkommen. Und ein fünfter Punkt, den ich eigentlich vorhin anführen müssen: Die Jungfrauengeburt Jesu Christi ist eine Tatsache. Aber diese Dinge sind eigentlich Dinge, die die Christen durch zweitausend Jahre hindurch immer geglaubt haben.
Natürlich, zum Beispiel das mit der Autorität des Wortes Gottes ist natürlich durch die Lehre des Katholizismus verdunkelt worden, weil man sich eher gefragt hat: Was sagt der Klerus, was sagt der Papst, was sagen die Konzilien? Aber wenn man gefragt hätte: Und die Bibel? Natürlich, die Bibel ist Gottes Wort. Das war immer klar. Und so muss man sagen: Die Christen waren eigentlich in der früheren Zeit durch all die Jahrhunderte hindurch immer Fundamentalisten. Aber durch den Liberalismus in unserer Zeit sind es immer weniger geworden, die an den fundamentalen Dingen des Glaubens festhalten. Und so hat man in der Folge dieser Buchreihe den Begriff geprägt: Fundamentalist.
Fundamentalisten sind also Leute, die in der modernen Zeit immer noch diese Dinge glauben wie die frühen Christen und auch die Christen in den späteren Jahrhunderten. Aber der Ausdruck Fundamentalist bekam eine ganz neue Ausrichtung 1979, als diese Revolution im Iran stattfand, diese islamische Revolution. Es sollte eine Vorzeigerevolution sein: So soll das geschehen in allen islamischen Ländern. Alle islamischen Länder sollen wirklich islamische Nationen werden.
Und von da an haben wir plötzlich so in den Medien den Begriff Fundamentalist auf Muslime bezogen, die wieder wirklich nach dem Koran leben wollen, wo eben in allen muslimischen Staaten der Welt die Scharia, das muslimische Gesetz, eingeführt werden soll, und später dann noch in allen übrigen Ländern, also auch in Deutschland. Diese Juristin, die vor kurzem zum Sonnenbrand gestellt wurde, hat ein bisschen Vorgeschmack gegeben. Seither spricht man von Fundamentalisten. Und dann, einige Jahre später, gab es ja diese grossen Zusammenstösse in Indien zwischen Muslimen und extremen gewalttätigen Hindus. Das war in den 80er Jahren. Und von da an spricht man auch im Zusammenhang mit Hindus von Fundamentalisten.
Aber das heisst also: Der Ausdruck wurde vollkommen in der Bedeutung immer mehr erweitert, und so erweitert, dass er eigentlich nichts mehr bedeutet. Es gibt ja Kinder, die lesen da so Comics, zum Beispiel von den Schlümpfen. Es ist ein Zwergenvolk, das schlumpft den ganzen Tag. Also wenn die backen in der Bäckerei, dann schlumpfen sie eben Brote. Oder wenn sie etwas essen, wenn sie Essen zubereiten, dann schlumpfen sie etwas in der Küche. Alles, was sie tun, und wenn sie in den Wald gehen, dann schlumpfen sie in den Wald. Alles schlumpfen sie. Das heisst, das Wort schlumpfen bedeutet alles und damit nichts. Es bedeutet nichts mehr, es ist völlig ausgehöhlt.
Und so haben das gemacht mit Fundamentalisten. Das Wort wurde immer mehr ausgedehnt, und jetzt bedeutet es gar nichts mehr. Denn wenn das Wort gebraucht wird, weiss man gar nicht, was es jetzt bedeutet. Und so muss man eben erklären: Wir Christen, wir glauben, dass Jesus Christus dieser Fels ist. Auf ihm ruht unser ganzer Glaube, unser ganzes Leben. 1. Korinther 3,11: Einen anderen Grund kann niemand legen ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Er ist das Felsfundament der Gemeinde. Ja, eben dann sind wir Fundamentalisten, so wie Habakuk in dem Sinn: Ja, o Fels, um zu züchtigen hast du es bestellt.
Aber wenn die Leute also von Fundamentalisten sprechen, dann könnte man ganz sehr gut von Schlümpfen sprechen. Jetzt aber guck 1,13. Das war jetzt übrigens nicht Reklame, dass man Comics lesen soll, sondern es war einfach ein Beispiel aus dem Leben gegriffen.
Gottes Reinheit und das Ringen um das Böse
- Vers 13: Du bist zu rein von Augen, um Böses anzusehen, und auf Unheil hinblicken kannst du nicht. Warum blickst du hin auf Treulose? Schweigst du, wenn der Gesetzlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
Das ist ein wunderbarer Vers, weil Habakuk hier, obwohl er Fragen hat, die mit Gottes Gerechtigkeit zusammenhängen, dennoch festhält, dass Gott gerecht ist. Für ihn sind manche Dinge nicht klar. Wie kann Gott gerecht sein, wenn es so und so geht? Und doch sagt er: Du bist zu rein von Augen, um Böses anzusehen. Das heißt: Du erträgst das Böse nicht. Du kannst nicht einfach auf das Böse schauen.
So ist es ja auch bei vielen Menschen, die Gewaltfilme anschauen oder Filme, in denen Gewalt vorkommt. Sie können das ansehen. Aber Gott kann das nicht. Du bist zu rein von Augen, um Böses anzuschauen, und auf Unheil hinblicken kannst du nicht. Und so sollte es eigentlich auch für den Gottesfürchtigen sein.
Schreiben wir einmal in Jesaja 33 eine sehr interessante Stelle in Verbindung mit dem heutigen Filmkonsum. In Jesaja 33,14 wird gefragt, nachdem gesagt wird: Die Sünder in Zion sind erschrocken, Beben hat die Ruchlosen ergriffen. Wer von uns kann weilen bei verzehrendem Feuer? Wer von uns kann weilen bei ewigen Gluten? Also: Wer kann in Jerusalem bestehen, wenn der Herr kommen wird als Richter?
Jetzt kommt die Antwort: Wer in Gerechtigkeit wandelt und Aufrichtigkeit redet, wer den Gewinn der Bedrückungen verschmäht, wer seine Hände schüttelt, um keine Bestechung anzunehmen, wer sein Ohr verstopft, um nicht von Bluttaten zu hören, und seine Augen verschließt, um Böses nicht zu sehen, der wird auf Höhen wohnen. Felsenfesten sind seine Burg. Sein Brot wird ihm dargereicht, sein Wasser versiegt nie.
Und der Gegensatz zum Betrachten von Gewalt als Unterhaltung ist dann in Vers 17: Deine Augen werden den König schauen in seiner Schönheit. Sehen werden sie ein weithin offenes Land. Ja, Gott in seiner Herrlichkeit, sein Wort zu sehen, das ist der Gegensatz zu dem anderen Sehen.
Also: Für Habakuk ist klar, Gott kann das nicht ertragen. Und trotzdem ist es kein Widerspruch, wenn er in der nächsten Verszeile fragt: Habakuk 1,13c: Warum blickst du hin auf Treulose? Schweigst du, wenn der Gesetzlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
Wie kann Gott das erlauben, dass die Babylonier gegen die Juden kommen? Die Babylonier, die so brutal, so gottlos und so götzendienerisch sind. Babylon ist erfüllt von Götzendienst, und jetzt kommt dieses Volk, das hier aufräumt. Habakuk kann es nicht verstehen, aber er weiß, dass Gott gerecht ist.
Und das ist echter Glaube: Er zeigt sich darin, dass er Gott Recht gibt, auch dann, wenn er es nicht nachvollziehen und verstehen kann. Das ist der Glaube der Auserwählten. Das gilt übrigens auch, wenn wir die Bibel lesen und meinen, irgendwelche Widersprüche zu sehen. Dann müssen wir uns bewusst sein, wie beschränkt unser Verständnis ist. Wir dürfen Gott Recht geben, Gott die Ehre geben.
Es ist ja so gewesen: Durch die Jahrhunderte hindurch hat sich der Buchtitel von Werner Keller bewahrheitet, und die Bibel hat doch Recht. Die Bibel muss man nie revidieren, aber die Ansichten der Menschen muss man über die Bibel dauernd revidieren. Aber der Glaube gibt Gott Recht, auch wenn er es nicht versteht. Das ist der Glaube der Wiedergeborenen.
Aber wir dürfen Gott fragen, und wer will Antwort geben, wie wir sehen werden.
Das Bild vom Netz und die Kritik an falscher Sicherheit
Vers 14: Und du hast den Menschen wie die Fische des Meeres gemacht, wie die Kriechtiere, die keinen Herrscher über sich haben. Sie alle hebt er empor, das ist also der babylonische Feind. Sie alle hebt er mit dem Angelhaken hinauf, er zieht sie herbei mit seinem Schleppnetz und sammelt sie zusammen in seinem Fischergarn. Deswegen freut er sich und frohlockt, deswegen opfert er seinem Schleppnetz und räuchert seinem Fischergarn. Denn durch sie ist sein Teil fett und seine Speise feist.
Soll er deswegen sein Schleppnetz ausleeren, Nationen hinmorden, ohne dass er sich erbarme?
Habakuk ist also entsetzt, wie die Babylonier wirklich die ganze Welt von damals überrannten und ein Volk nach dem anderen zusammenschlugen und unter ihre Herrschaft stellten. Ja, alle kamen dran: die Syrer, die Kananiter im Libanon, die Ammoniter, die Moabiter, die Edomiter, alle schlug er zusammen, alle hat er erobert.
Also wie Fischer, die mit dem Schleppnetz fischen. Damit ist dieses Netz gemeint, das man mit einem Schiff durch das Meer oder durch den See hindurchzieht, und dann wird einfach alles, was da hineinkommt, eingesammelt, ganz rücksichtslos. Diese Art von Netz wird im Neuen Testament auch einmal erwähnt. Ich habe hier in der Fussnote sieben übrigens angegeben, das, was ich hier übersetzt habe mit Schleppnetz, ist hebräisch Cherem. Ich habe alle Stellen angegeben, wo das im Alten Testament vorkommt, und dann verwiesen auf Matthäus 13,47, wo das griechische Wort „sagene“ für Schleppnetz vorkommt.
Wenn wir kurz Matthäus 13 aufschlagen: Das ist das Gleichnis vom Fischernetz. Aber das ist dort kein Wurfnetz, es ist kein Spiegelnetz. Es ist ein Schleppnetz.
Matthäus 13,47: Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Schleppnetz, das ins Meer geworfen wurde und von jeder Gattung zusammenbrachte, welches sie, als es voll war, ans Ufer heraufgezogen hatten. Und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefässe zusammen, aber die Faulen warfen sie aus.
Gezeigt: Das Evangelium wirkt im Reich Gottes wie ein Schleppnetz. Da werden alle Gattungen Menschen mitgezogen. Und so ist eben die Christenheit entstanden, wo unzählige Heiden einfach äusserlich Christen geworden sind. Das hat ja schon sehr früh begonnen, ganz besonders ab dem vierten Jahrhundert. Aber das Gleiche zeigt uns: Wie beim Schleppnetz sondert man dann aus, und die Faulen, also die Schlechten, werden wieder hinausgeworfen. Nur die Guten werden gesammelt in die Gefässe, in die Töpfe.
Und so müsste es auch heute sein: Nur die, die wirklich zum Glauben kommen, die sollen in Ortsgemeinden gesammelt werden. Die anderen soll man einfach wieder schwimmen lassen.
Übrigens, was sind da faule Fische? Gibt es faule Fische? In 3. Mose 11 wird ja erklärt, dass das Volk Israel nur die Tiere in den Wassern essen darf, die Flossen und Schuppen haben. Also sie dürfen keine Amphibien essen, also keine Frösche und so weiter. Aber Fische, die diese Bedingungen erfüllten, und es gab und gibt im See Genezareth eben einen Fisch, der diese Bedingungen nicht erfüllt, und der durfte im Judentum nie gegessen werden. Also Matthäus beschreibt wirklich die Situation genau vom See Genezareth. Das ist übrigens ein Thema für sich.
Fischen ist ja eine wichtige Sache in den Evangelien. Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes, das waren ja alles Fischer, diese wichtigen Nachfolger des Herrn und Apostel. Und so sind die Evangelien voll vom Fischfang. Und das Schöne ist: Das stimmt alles so exakt überein mit den Besonderheiten der Situation am See Genezareth. Auch wenn gesprochen wird über verschiedene Fische, sieht man: Ah, das ist genau der Muscht, der Petrusfisch, der ausnahmsweise eben im See Genezareth vorkommt, obwohl das ein tropischer Fisch ist. Aber in der Nähe von Kapernaum gibt es eben sieben heisse Quellen, und so konnte er dort wunderbar leben, auch im Winter.
Ja, alles stimmt so genau mit der Situation dort überein. Und so kann man zeigen, dass die liberale Theologie, die behauptet hat, die Evangelien seien gar nicht von Augenzeugen geschrieben, sondern das sei spätere Gemeindetradition, wo man so Mythen zusammengefasst habe, völliger Unsinn ist. Was wir da haben, das ist Ersthandinformation von Leuten, die wirklich am See Genezareth gelebt haben. Matthäus kam aus Kapernaum, der Fischerstadt da am See Genezareth. Und eben die anderen Evangelien zeigen auch genau diese Ersthandkenntnis.
Ja, das war ein kleiner Exkurs, um zu zeigen, dass also Fischerei am See Genezareth eine Möglichkeit ist, wie man liberale Theologie vom Tisch wischen kann. Das sind wirklich Ersthandzeugnisse. Und heute, wo so Filme wie Sakrileg populär werden, wo man sagt: Ja, die Evangelien sind nicht zuverlässig, man muss sich natürlich auf solche Evangelien wie gnostische Evangelien, Thomasevangelium usw. abstützen, das sind alles Fälschungen aus späterer Zeit, von Leuten, die wirklich nicht wussten, wie es in Israel war.
Und gerade das Thomasevangelium zum Beispiel, das stammt aus Ägypten, aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, als Thomas schon längst tot war. Und da sieht man also, wie Leute heute auf solche Fälschungen aus den späteren Jahrhunderten springen, während sie die Augenzeugenberichte aus dem ersten Jahrhundert einfach so übergehen.
Ja, also das war so ein kleiner Exkurs im Zusammenhang mit dem Schleppnetz in Habakuk.
Der Stolz der Mächtigen und der Wachturm des Propheten
Also, Habakuk sieht, dass die Babylonier so arrogant und selbstgefällig sind, dass sie sich eigentlich selbst vergöttern. Und das kann er einfach nicht verstehen.
Ja, in Vers 16. Deswegen opfert er seinem Schleppnetz und räuchert seinem Fischernetz.
Nicht wahr, von Nebukadnezzar lesen wir in Daniel 3, dass er eine Statue gemacht hat, riesenhoch aus Gold, und dass alle sie anbeten sollten. Was bedeutete diese Statue?
Nun, ganz einfach: Ein Kapitel zuvor hatte Nebukadnezzar seinen Traum. Aber er konnte den Traum nicht deuten, und seine Weisen konnten den Traum auch nicht sagen und darum auch nicht deuten. Und da war eine Statue mit einem goldenen Kopf, einer Brust aus Silber, Hüfte aus Bronze und Beinen aus Eisen. Nur Daniel konnte das deuten, weil Gott ihm die Weisheit gegeben hat. Und er hat ihm erklärt: Das sind vier Weltreiche. Das Gold weist hin auf Nebukadnezzar, die Babylonier. Dann kommt ein anderes Weltreich, das waren übrigens die Perser. Dann kommt wieder ein Weltreich, das waren die Griechen. Und dann kommt ein viertes Weltreich, das sind die Römer. Er erklärt ihm diese Weltreiche.
Und das war natürlich ein Stich gegen Nebukadnezzar, als er sagt: Nach dir wird ein anderes Reich aufstehen, du bleibst nicht ewig. Das ist nur zeitlich. Aber er machte darauf eine Statue aus Gold. Das soll ihn darstellen. Er wollte sich mit dieser Statue verewigen, nicht nur der Kopf, die ganze Statue ist Gold.
Und es ist so: Im babylonischen Glauben wurde der König eben angesehen als der oberste Priester in der ganzen Religion. Und er wurde auch gesehen als Sohn der Götter. Aber schon komisch: Der Göttersohn konnte nicht einmal seinen eigenen Traum deuten. Und er ließ sich so als Gott verehren, der Göttersohn von Babylon. Und so haben sich die Babylonier eben selber vergöttert.
Und Habakuk sagt: Das ist doch unglaublich. Wie kann Gott ein so übles Volk benutzen als Zuchtrute gegen das Volk Gottes? Aber Gott gibt auch hier Antwort.
Wir lesen mal weiter in Kapitel 2, Vers 1: Auf meinen Wachturm will ich treten, ja, ich will mich auf der Festung hinstellen, um zu sehen, was er mit mir reden wird und welchen Bescheid ich geben soll als Antwort auf meine Klage.
Da antwortete mir der Herr und sprach: Schreibe die Vision auf und grabe sie in die Tafeln ein, damit der darin Lesende laufe. Denn die Vision bezieht sich noch auf die festgesetzte Zeit, und sie schnaubt auf die Endzeit hin und täuscht nicht. Wenn sie zögert, so warte auf sie, denn sie wird kommen, sie wird gewiss kommen und sich nicht verspäten.
Im Alten Testament werden die Propheten manchmal Wächter genannt, Hesekiel 3. Der Prophet ist der Wächter, der eben ausschaut, bis Gott Antwort gibt und zeigt, was seine Pläne sind für das Volk Gottes. Die Wächter müssen auch die Gefahren und das Unrecht im Volk sehen, um Gottes Wort eben in diese Situation hinein zu reden.
Und so sagt Habakuk: Jetzt steige ich auf meinen prophetischen Wachturm, ich will mich da auf der Festung hinstellen und einfach warten. Das Schöne ist: Es ist ihm klar, Gott antwortet nicht sofort. Er muss nicht sofort antworten, aber er wartet einfach, bis Gott antwortet.
Es ist auch wichtig für uns: Warten ist etwas vom Schwierigsten. Und das ist eine der Lektionen, die wir das ganze Leben immer wieder neu lernen müssen: Warten auf Gottes Zeit. Und manchmal kann es ein innerlich zerreißen. Warum, warum noch länger? Wie lange warte ich schon? Aber das hat Habakuk selber gelernt. Für ihn war klar: Ich will mich hinstellen, ich will warten, was er mir sagt.
Und so müssen wir auch Fragen, die wir haben, die unbeantwortet sind, dem Herrn bringen und bereit sein, zu warten, bis er Licht gibt. Aber dadurch wird Gott geehrt, nämlich durch diesen vertrauenden Glauben, dass wir eben auch zum Herrn stehen, dann, wenn uns vieles nicht klar ist. Aber wir wissen: Er weiß es. Und wir dürfen wissen, Jesaja 55: Meine Wege sind höher als eure Wege. Und zwar erklärt Gott so: Meine Gedanken sind höher als eure Gedanken. Und Gott sagt so, wie der Himmel hoch ist über der Erde, so sind eben meine Wege und meine Gedanken höher als eure Gedanken und Wege.
Wie hoch ist der Himmel über uns? Das Hubble-Teleskop hat jetzt die weit entferntesten Galaxien fotografieren können, die heute noch wahrnehmbar sind. Das Licht von diesen Galaxien ist 13 Milliarden Lichtjahre entfernt. Also das Licht bräuchte von dort über dem Himmel, in allen Himmelsrichtungen ist es so diese Distanz. Aber der Himmel über uns: 13 Milliarden Lichtjahre, und es ist noch lange nicht das Ende. Ja, weil wenn man noch weiter käme, dann würden wir noch mehr sehen. So war es ja immer.
Ich weiß noch, in meiner Jugend hat man gesprochen von 5 Milliarden Lichtjahren als Grenze des Weltalls, und jetzt spricht man von 13 Milliarden. Ja, und das Licht ist so schwach, es entspricht der Stärke einer glimmenden Zigarette auf dem Mond. Das wird noch so eingefangen und fotografiert, wie das Hubble-Teleskop. Es ist unglaublich.
Aber sehen wir darin die Erhabenheit der Wege Gottes über uns und den Glauben: Gott gibt diese Ehre. Gott steht über allem, und er weiß alles, auch wenn ich es nicht verstehe. Und so sollen wir von Habakuk lernen: warten, bis er Bescheid gibt.
Nun, 2,1c ist etwas eigenartig formuliert, nachdem es heißt: um zu sehen, was er mit mir reden wird und welchen Bescheid ich geben soll als Antwort auf meine Klage. Wie ist das gemeint?
Nun, er wartet ja. Er hat ja Gott seine Klage vorgestellt. Ich weiß, du bist gerecht, aber ich verstehe nicht, warum das gerecht ist. Und jetzt soll er darauf eine Antwort bekommen, auf die wartet er. Aber für ihn geht es schon weiter: welchen Bescheid ich geben soll als Antwort auf meine Klage. Er will diese Antwort dann auch anderen weitergeben. Er will dem übrigen Volk Gottes, denen, die hören, Bescheid geben, was Gott ihm als Antwort auf seinen Einwand geantwortet hatte.
Also wir sehen: Er hat zwar eine ganz persönliche Beziehung zum Herrn, aber will davon dann auch anderen berichten und erzählen.
Und in Vers 2 kommt die Antwort des Herrn: Da antwortete mir der Herr, Jahwe, der ewig Seiende und Unwandelbare, und sprach: Schreibe die Vision auf. Ich hätte gerne ein Wort gehabt, das männlich wäre, für Vision. Ich bevorzuge das deutsche Wort Gesicht, aber das versteht man heute nicht mehr so gut, da meint man das Gesicht des Kopfes. Aber das Gesicht ist das, was ein Prophet sieht. Darum habe ich Vision genommen, aber sie ist weiblich. Im Hebräischen ist es Chazon, von Chazar, sehen, Maskulinum. Und wir werden gleich noch sehen, das hat seine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Neuen Testament. Da komme ich später darauf zurück.
Also: Schreibe die Vision auf. Habakuk bekam eine sichtbare Botschaft von Gott, und die soll er nicht nur einfach so auf Papyrus schreiben, sondern er soll sie eingraben in Tafeln. Und wichtig ist, dass es eben gut und deutlich geschrieben ist, damit der darin Lesende laufen kann, also damit der Leser das schnell und geläufig lesen kann, nicht da so mühsam entziffern muss.
Und es wird ihm erklärt: Diese Vision hat Bezug bis auf die Endzeit. Also Habakuk bekommt nun einen Ausblick von seiner Zeit, damit in Babylonien bis hin auf die Endzeit, bis auf die Wiederkunft Christi, die in Kapitel 3 so schön beschrieben wird. Ja, und diese Endzeit nennt er hier die festgesetzte Zeit. Das bedeutet also, dass Gott die Endzeit nicht als eine Möglichkeit hingestellt hat, nicht wahr?
Bei Jona zum Beispiel: Jona ging und predigte gegen Ninive und sagte, in vierzig Tagen ist diese Stadt zerstört. Aber die Meinung war: Wenn Assyrien, wenn Ninive nicht Buße tut, kommt es zur Zerstörung. Das war also keine bedingungslose Prophetie.
Aber wie ist das mit der Endzeit? Wäre es möglich, dass es zum Beispiel eine Erweckung gibt in Europa und dann kommt alles nicht, was da in der Offenbarung steht? Nein. Im Zusammenhang mit der Endzeit habe ich in der Fußnote noch andere Stellen aus Daniel angegeben: Daniel 8,19, Moed Ketz, das ist die bestimmte Zeit des Endes. Dann Daniel 8,17 und 11,35: Eth Ketz, Zeit des Endes.
Diese Endzeit ist eine bestimmte Zeit, die wird kommen, auf jeden Fall. Die ist nicht abhängig davon, ob vielleicht noch die große Erweckung kommt und dann kommt alles sowieso eh anders, ja? Nein, diese Vision in Habakuk bezieht sich auf die Endzeit, die aber feststeht. Die wird so kommen, wie Gott sie beschreibt, und diese Vision schnaubt hin zum Ende, also über die ganzen mehr als 2600 Jahre hinweg, das wäre bis heute, ja, und für uns ist das Wiederkommen des Herrn noch zukünftig. Über diese ganze Zeit hinweg schnaubt diese Vision dorthin. Wir bekommen eine Übersicht über die ganze Zeit bis zum Ende.
Aber das Endziel, das man vor Augen haben muss, ist eben diese Endzeit. Ja, vielleicht kann es erscheinen: Oh, schon ein bisschen lange, diese zweitausend Jahre, seit Jesus Christus in den Himmel zurückgekehrt ist. Aber der Prophet hatte schon die Botschaft: Wenn sie zögert, so warte auf sie, denn sie wird gewiss kommen.
Fußnote 15 erklärt: Das heißt ganz bestimmt, gewisslich kommen. Eine typische hebräische Ausdrucksweise: Sie kommt ganz sicher und wird sich nicht verspäten.
Ja, und damit machen wir unsere wohlverdiente lange Pause!
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