Serie•Teil 21 / 31Das Buch Hesekiel
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Einführung in die Gesamtstruktur des Buches
Hesekiel 33: Wir haben ja schon von Anfang an gesehen, dass Hesekiel in drei Teile zerfällt. Der erste Teil, Kapitel 1 bis 23, zeigt, wie unmittelbar vor der Zerstörung des Salomonstempels die Herrlichkeit Gottes von Jerusalem wegging. Diese geheimnisvolle Wolken- und Feuersäule auf dem salomonischen Tempel wich zurück, und in diesem Abschnitt musste Hesekiel das Gericht, den Untergang Jerusalems und des Tempels, voraussagen.
Dann kam ein zweiter Teil, gewissermaßen als Einschub. Er beschäftigt sich von Kapitel 25 bis 32 mit sieben nichtjüdischen Städten und Völkern, und auch ihnen wird dort das Gericht Gottes angekündigt.
Jetzt beginnt mit Kapitel 33 ein neuer Teil. Und zwar geht es nun nicht mehr um das Gericht über Jerusalem, das Volk Israel und das Land Israel, sondern um seine Wiederherstellung. Gott hat nämlich auch eine endzeitliche Wiederherstellung Israels, Jerusalems und des Tempels vorausgesagt. Schließlich soll die Schechina, diese geheimnisvolle Wolken- und Feuersäule, wieder nach Jerusalem zurückkehren. Und das wird uns in diesem Teil beschrieben.
So sehen wir, dass sich der erste und der dritte Teil genau entsprechen. Im ersten Teil geht die Herrlichkeit Gottes weg, im letzten Teil kommt die Herrlichkeit Gottes zurück. Wir lesen nun Kapitel 33 durch.
Die erneute Berufung des Wächters
Jetzt kommen Worte in diesem Kapitel, die uns eigentlich schon zum Teil vertraut sind. Bekannt, woher? Ich meine jetzt aus Hesekiel, das kennt man schon aus Hesekiel. Wer sagte Kapitel drei? Kapitel drei? Da geht es doch auch um den Wächter, der den Gottlosen warnt, oder den Gerechten. Da geht es auch ums Hören. Also darum, dass Gott das Blut von dem Wächter, von dem Propheten, fordert, wenn er den Gesetzlosen nicht warnt. Das hatten wir schon in Kapitel drei, Vers 16 und folgende.
Warum kommt das hier nun wieder? Damals in Kapitel drei ging es um die Berufung Hesekiels und Gottes Bestätigung des Propheten in seinem Amt. Jetzt kommt das nochmals. Gewissermaßen wird Hesekiel noch einmal in seine Aufgabe eingesetzt. Ja, welche Aufgabe hatte er damals, und welche hatte er jetzt? Das habe ich schon angedeutet. Was ist der Unterschied?
Damals musste er das Volk warnen, das in Jerusalem war, von Babylon aus. Jawohl, es ging also darum, dass Hesekiel ein Gerichtsprophet sein sollte. Und jetzt sollte er das übrig gebliebene Volk lehren und gewissermaßen ein Prophet der Gnade werden.
Wir haben ja diese Zweiteilung auch schon sehr eindrücklich in Jesaja. Kapitel 1 bis 39 sind auch deutlich dem Gericht gewidmet, während dann 40 bis 66 die Gnade Gottes aufstrahlen lassen. Und wir haben diese Zweiteilung eigentlich auch im Großen in der Bibel. Während das Alte Testament mit dem Gesetz dem Menschen beweist, dass er ein Sünder ist und Gottes Gericht verdient, bringt das Neue Testament die Gnade und den Ausweg und die Verschonung vor dem Gericht durch Stellvertretung.
Aber diese Gnade darf nicht falsch verstanden werden. Und darum wird hier nochmals ganz deutlich gesagt: Wenn es um den Einzelnen geht, wenn er nicht auf Gottes Wort hört, dann kommt das Gericht über ihn. Also man kann sich nicht einfach auf die Gnadenbotschaft berufen und denken: Aha, gut, dann kommen wir alle in den Himmel. So gewissermaßen diese Allversöhnungshaltung gibt es nicht. Sondern hier wird nochmals ganz klar gewarnt, dass Gott den Gesetzlosen jedenfalls richten muss. Gott ist ein gerechter Gott, und er muss das Böse richten.
Die Gnadenbotschaft bezieht sich also nur auf die, die umkehren vom Bösen. Und darum wird also Hesekiel nochmals klargemacht: Er ist ein Wächter, der den Gesetzlosen warnen muss. Und es dürfen nicht einfach alle Menschen die Worte der Gnade der Bibel für sich in Anspruch nehmen, wenn sie nicht Buße tun und umkehren.
Also darum diese Wiederholung: Er muss warnen, er hat eine Verantwortung. Das haben wir auch heute. Auch wenn wir von Gnade verkündigen können, müssen wir auch das Gericht verkündigen. Sonst haben wir ein verkürztes Evangelium. Und beides gibt es. Es gibt den Menschen, der recht lebt, abweicht, und er kommt unter das Gericht. Es gibt den Menschen, der in der Sünde lebt, aber umkehrt, und er bekommt Gnade. Beides finden wir hier.
Zwei Reaktionen auf Gottes Botschaft
Und wir finden zwei Reaktionen auf diese göttliche Botschaft. Die eine haben wir in Kapitel elf, was sage ich, in den Versen zehn und elf. Können wir das nochmals lesen? Vielleicht Peter?
Und du, Menschensohn, sprich zu dem Hause Israel: Also sprecht ihr und sagt: Unsere Übertretungen und unsere Sünden sind auf uns, und in denselben schwinden wir dahin. Wie könnten wir denn leben?
Also, was ist das für eine Haltung? Keine Hoffnung. Ja, Hoffnungslosigkeit, Frustration. Und wir haben genau diese Leute auch in unserer Gesellschaft. Und sie sagen: Wie könnten wir denn leben?
Übrigens hat Francis Schaeffer in einem seiner letzten Bücher diesen Titel gegeben. Er hat eine besondere Gabe gehabt, die Entwicklung des Denkens, der Philosophie und der Kunst darzulegen, um das im Licht der Bibel zu beurteilen. Er hat auch erklärt, woher diese ganze Hoffnungslosigkeit, diese Ziellosigkeit in unserer Gesellschaft heute kommt. Da hat er also diesen Titel gegeben: Wie sollen wir denn leben?
Und genau darauf gibt das Evangelium die Antwort, und hier finden wir es alttestamentlich schon in Vers elf. Liest du gerade, Peter?
Sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr Jehova, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gesetzlosen, sondern dass der Gesetzlose von seinem Wege umkehre und lebe. Kehret um, kehret um von euren bösen Wegen!
Also wir haben gerade für die, die denken, wir sind in einer Gesellschaft des Sterbens, wir schwinden dahin, eine Botschaft des Lebens anzubieten, aber nur über die Umkehr. Kehret um, kehret um von euren bösen Wegen! Auf diese Weise kann der Einzelne das Leben aus Gott bekommen.
Und zwar begründet Gott diese Botschaft mit: So wahr ich lebe. Also dass Menschen leben können, das ist begründet darin, dass Gott der Lebendige ist. Er will nicht den Tod des Gesetzlosen.
Anklage gegen Gottes Wege und die Frage nach Gerechtigkeit
Und dann haben wir aber noch eine zweite Gruppe in der Gesellschaft Hesekiels, und die haben wir auch heute. Das ist die, die in Vers 17 zitiert wird. Liest du auch da noch, Peter?
Und die Kinder deines Volkes sprechen: Der Weg des Herrn ist nicht recht; aber ihr Weg ist nicht recht.
Ja, wie können wir diese Leute umschreiben? Und zwar klagen sie sogar Gott an, nicht nur andere Menschen. Das ist schon ein Übel, aber hier wird Gott angeklagt. Wie Gott handelt, sei nicht recht. Und wenn der Mensch zum Ankläger Gottes wird, dann wird es wirklich ganz gefährlich.
Und der Prophet muss enthüllen, dass diejenigen, die Gottes Wege anklagen, dieselben sind, deren eigener Lebensweg eben in der Sünde, im Unrecht ist. Es wird nochmals wiederholt in Vers 20:
Und doch sprecht ihr: Der Weg des Herrn ist nicht recht.
Und Gott sagt: Und ich werde euch gerade deswegen richten.
Also der Mensch, der gegen Gott rebelliert, Gott anklagt, so hat es Hesekiel also mit ganz verschiedenen Menschen zu tun. Was ist eigentlich besonders der Punkt, den diese Leute hier anklagen in Hesekiel 33?
Ja, dass einer, der lange zum Beispiel in Sünde gelebt hat, durch Buße, vielleicht ganz am Ende seines Lebens, sich eben zum Leben wenden kann. Ja, also Schächer-Gnade könnte man sagen. Schächer-Gnade: Der Schächer, das ist die Bezeichnung für den Mitgekreuzigten, der noch in gewisser Weise in letzter Sekunde zur Umkehr kam, und der Herr sagte ihm: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Das ist effektiv etwas, woran sich Leute auch heute zum Teil sehr stoßen können. Aber woher kommt das? Es kommt aus dem Verdienstdenken. Der Mensch kann sich etwas verdienen, darum finden sie es auch ungerecht, wenn da jemand, der gerecht gelebt hat, plötzlich abweicht und dann unter Gottes Gericht kommt. Und alles, was er sich da an Gerechtigkeit aufgehäuft hat, gilt vor Gott nichts.
Also zutiefst kommt diese Rebellion gegen Gott und diese Gottesanklage aus dem Bestreben des Menschen, mit seiner Leistung vor Gott etwas gelten zu können. Und da wird uns also schon alttestamentlich deutlich gemacht: Der Mensch kann vor Gott nichts wirken, was ihn annehmbar macht. Das Einzige, was vor Gott gilt, ist eben die Vergebung durch Gnade, wie wir das in Vers 11 gefunden haben. Gott will das Leben des Menschen, aber es geht nicht über seine eigene Leistung, sondern es geht über die Umkehr, die Reue.
Die Frage nach dem Gerechten und die Unterscheidung von zeitlichem und ewigem Gericht
Ja, bis dahin. Noch etwas?
Was geschieht eigentlich mit jemandem, der umkehrt, also von der Ursächlichkeit gerecht wird und dann wieder abfällt? Wird das hier auch behandelt? Einer, der umkehrt, kann ja nicht immer gerecht sein. Er wird auch einmal eine böse Tat vollbringen oder so.
Gut, hier geht es ja sowieso nicht um die Frage, ob jemand gewissermaßen von neuem geboren ist. Der Gerechte hier ist nicht zwingend jemand, der von neuem geboren ist, sondern der Gerechte ist jemand, der gerecht lebt, der nach den Geboten des Gesetzes lebt. Und dem wird gesagt: Wenn er dann ins Böse hineinfällt und darin lebt, dann hat er das göttliche Gericht auch verdient.
Aber es geht ja hier um ein zeitliches Gericht auf Erden, also die Hölle, das ewige Gericht, die ewige Pein, ist hier gar nicht im Visier des Propheten. Das muss man auch ganz klar unterscheiden. Es geht ja um Gericht, wie zum Beispiel bei Nebukadnezar, der Jerusalem zerstört hatte. Es geht also um Krieg hier auf Erden, den Gott als Zuchtrute über die Menschen benutzt. Und so ist es also wichtig: Es geht einfach darum, wie es sich hier auf der Erde auswirkt. Also, kehrt jemand um, so kommt er unter die Gnade; weicht jemand ab, so kommt er unter das Gericht.
Aber die Frage ist: Neutestamentlich, jemand, der von Neuem geboren ist, also wiedergeboren ist, was geschieht mit dem? Kann der wieder verloren gehen? In diese Richtung geht ja Ihre Frage, oder? Letztlich.
Ja, total, ja, genau.
Ja, was können wir da vom Neuen Testament her sagen? Johannes, das ist Johannes 10,28. Jawohl, lies nochmals, Reinhold, ab Vers 27.
Ja: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren, ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist grösser als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.
Also hier ist es sehr stark. Der Herr sagt: Ich gebe ihnen ewiges Leben, sie gehen nicht verloren. Das Nicht ist im Griechischen betont, nämlich dadurch, dass man zwei Wörter für nicht verwendet: ou und mē. Ou heisst schon nicht, und mē heisst schon nicht. Und hier verwendet der Herr also beides: ou mē. Sie gehen nicht verloren, ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Also, eine grössere Sicherheit kann es gar nicht geben.
Und trotzdem lesen wir in 1. Korinther 11, genau, das ist 1. Korinther 3, ganz genau, dort sehen wir das auch, dass nur sein Werk verbrennt, aber er selber nicht, ja. Und 1. Korinther 11, da sagt Paulus in Verbindung mit dem Abendmahl, dass sein Haus mit diesen erstellten Materialien gebaut wird, dass sein Haus mit diesen erstellten Materialien gebaut wird, dass sein Haus mit diesen erstellten Materialien gebaut wird. In Korinth wurde es auf unwürdige Weise genommen. Liest jemand uns Verse 28 und folgende vor?
Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib des Herrn nicht richtig beurteilt. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein guter Teil ist entschlafen. Wenn wir uns aber selbst beurteilen, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.
Ja, also hier haben wir jetzt Gläubige, die auf einen falschen Weg gekommen sind, indem sie unwürdig das Abendmahl nehmen. Und hier wird gesagt: Deshalb sind etliche, und ein Teil ist sogar gestorben. Jetzt könnte man sich fragen: Wer ist in die Verlorenheit gegangen?
Und dann wird aber erklärt in Vers 32: Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt. Griechisch paideuō heißt Kinder erziehen. Das ist also nicht ein vernichtendes Gericht, sondern Zucht, als Erziehung Gottes, allerdings die härteste Form, die es gibt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt würden.
Da wird gerade deutlich: Die sind nicht verloren gegangen. Da geht es nicht darum, dass die einmal vor dem grossen weissen Thron offenbar am Schluss erscheinen und dann in den Feuersee geworfen werden. Aber es ist Gottes Zucht.
So können wir also auch hier ein Beispiel sehen: Jemand, der abweicht, selbst wenn er wiedergeboren ist, kommt unter göttliches Gericht. Aber es geht um das zeitliche Gericht, nicht um das ewige. Das ist ein Grundprinzip sozusagen, was im Gesekel vorgestellt wird.
Ganz genau. Und ein Grundprinzip, das sich speziell auf die Erde bezieht.
Verantwortung des Wächters und die Schuld der Unterlassung
Ich habe da noch eine Frage zu Kapitel 33, Vers 6. Da geht es ja um den Wächter. Wenn wir das neutestamentlich auf uns anwenden, sind wir in gewisser Weise ja auch Wächter, die dieses Evangelium, den Missionsauftrag aus dem Matthäusevangelium, wirklich zu predigen haben.
Und jetzt geht es mir aber darum: Wenn das jemand nicht tut, dann lesen wir am Ende von Vers 6: Sein Blut werde ich von der Hand des Wächters fordern. Wie kann man diesen Vers verstehen? Das heißt, dass Gott uns also auch als Gläubige für die Unterlassung unseres Auftrags verantwortlich macht. Damit wird aber nicht gesagt, dass das nicht auch vergeben werden könnte.
Es wird uns hier vielmehr sehr feierlich gezeigt, dass wir gewissermaßen Blutschuld auf uns laden, dort, wo wir einen Auftrag haben. Es geht ja nicht darum, dass wir alle Leute erreichen können, die wir auf der Straße sehen und so weiter. Aber es geht einfach darum, dass wir die Aufgaben, die Gott uns gibt, treu erfüllen, so wie es in Epheser 2,10 heißt: Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir in ihnen wandeln sollen.
Also müssen wir erkennen, welche unsere Aufträge sind, und dass wir diese erfüllen. Wir sehen immer mehr Bedürfnisse, als wir erfüllen können. Es geht darum, dass wir unseren Auftrag erfüllen. Und die Unterlassung der Warnung, das bringt Blutschuld auf uns.
In dem Sinn sagt ja auch Paulus in Apostelgeschichte 20 zu den Ältesten von Ephesus: Ich habe euch in der Gemeinde den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt, jetzt bin ich frei von dem Blut aller. Paulus sagt also: Wenn er seinen Auftrag, wirklich den ganzen Heilsratschluss zu verkündigen, nicht erfüllt hätte, dann hätte er da auch Blutschuld auf sich geladen.
Der Bericht des Entronnenen und das Ende der Stummheit
Ja, noch etwas: Da gehen wir weiter in Vers 21. Da kommt nun ein Überlebender von der Katastrophe in Jerusalem. Jerusalem wurde von den Babyloniern dem Erdboden gleichgemacht. Und da hat ein Entronnener also die Flucht gemacht von Jerusalem nach Babylonien, in den Irak. Das ist in reiner Luftlinie schon etwa tausend Kilometer. Ja, das war also eine Reise von etwa drei Monaten, die er gemacht hat. Er ist normalerweise immer einen Umweg gemacht, nach oben, so über den fruchtbaren Halbmond, nicht direkt durch die syrische Wüste. Es ist sehr gefährlich.
Also, er kommt da hin und verkündigt Hesekiel: Die Stadt ist geschlagen. Mitten in der Verspätung kommt also die Nachricht des Untergangs der auserwählten Stadt. Das wusste Hesekiel im Voraus, dass das einmal geschehen würde. Schlagen wir auf Kapitel auf. Lest uns jemand Verse 25 bis 27?
Du aber, Menschensohn, fürwahr, an dem Tage, da ich ihnen ihren Hort, ihre herrliche Freude, die Lust ihrer Augen, die Sehnsucht ihres Herzens, ihre Söhne und Töchter wegnehme, an jenem Tage wird ein Entronnener zu dir kommen, um es dir zu melden.
Wurde also angekündigt. Wenn einmal dieser Untergang in Jerusalem kommt, dann wird ein Entronnener dir das verkündigen. Jetzt bitte noch weiter.
An jenem Tage, wenn der Entronnene kommt, wird dir der Mund aufgetan werden, und du wirst reden und nicht mehr stumm sein. Und du wirst ihnen zum Zeichen werden, und sie werden erkennen, dass ich der Herr bin.
Ja, also wir hatten ja damals schon in Kapitel 3 gesehen, dass Gott Hesekiel eine ganz eigenartige Stummheit gegeben hatte. Ich verweise nochmals auf Kapitel 3, Vers 26. Das steht also immer noch in Verbindung mit der Berufung Hesekiels zu seinem Wächteramt.
Lies:
Und ich werde deine Zunge an deinen Gaumen kleben lassen, damit du verstummst und für sie nicht mehr jemand bist, der zurechtweist; denn ein widerspenstiges Haus sind sie. Wenn ich aber mit dir reden werde, will ich deinen Mund öffnen, und du sollst zu ihnen sagen: So spricht der Herr Herr! Wer hören will, der höre, und wer es lässt, der lasse es; denn ein widerspenstiges Haus sind sie.
Er war ein stummer Mann. Normalerweise sprach er nicht, nur gerade wenn er von Gott speziell eine Offenbarung bekam und das mitteilen sollte, konnte er sprechen. Dieses eigenartige Zeichen eines Mutismus, also Stummheit, sollte gewissermaßen nicht nur befremden, sondern schockierend wirken auf seine Hörer, damit umso mehr diese seltenen Botschaften, die der Mann von sich gab, umso mehr Gehör geschenkt wurde.
Aber da hat also der Prophet gewusst: Wenn dann die Stadt geschlagen ist und die Botschaft nach Babylonien kommt, dann wird das mit diesem Mutismus aufhören. Und so finden wir das in Kapitel 33. Lies nochmals jemand Vers 21 und 22.
Und es geschah im zwölften Jahre unserer Wegführung, im zehnten Monat, am fünften des Monats, da kam ein Entronnener aus Jerusalem zu mir und sprach: Die Stadt ist geschlagen! Und die Hand des Herrn war am Abend über mich gekommen von der Ankunft des Entronnenen, und er hatte meinen Mund aufgetan, bis jener am Morgen zu mir kam. Und so war mein Mund aufgetan, und ich verstummte nicht mehr.
Jawohl! Also jetzt kann Hesekiel wieder frei sprechen. In Verbindung mit der Rechtsbotschaft war er gebunden, könnte man sagen, und jetzt in Verbindung mit der Gnadenbotschaft kann er jetzt wieder frei sprechen, wie früher.
Die Reaktion der Hörer und der Übergang zu Kapitel 34
Dieses Stummsein? Bedeutet es nicht jetzt das Gericht über das Volk, und nicht über den Propheten selbst, richtig? Ja, man kann nicht einfach nur vom Gericht sprechen, sondern es sollte ein Zeichen sein, haben wir in Kapitel 24 gelesen. Ist das nicht auch ein Gericht, wenn ein Prophet nicht mehr zum Volk spricht? Aber er sprach ja schon, nur eben dann, wenn er eine spezielle Offenbarung hatte. Sonst konnte man mit ihm nicht sprechen, denn er war immer stumm.
Und das sollte ein schockierendes Zeichen sein, damit sie umso mehr hören, wenn er dann schon einmal etwas sagt. Und das wird jetzt hier aufgehoben. Ich denke dabei gerade an die 400 Jahre, bis Johannes der Täufer dann kam. Das war ja die Makkabäerzeit, in der Gott auch nicht mehr zu den Menschen sprach.
Da gab es dann keine Offenbarungen mehr von Schriftpropheten. Aber hier hatte Hesekiel immer wieder neue Offenbarungen. Wir haben ja immer wieder gesehen, wie auch ganz genau datiert wurde, zum Beispiel jetzt hier in Vers 21: im zwölften Jahr unserer Wegführung, im zehnten Monat, am fünften des Monats. Das kann man schön umrechnen; das war Januar 585 v. Chr. Eben gerade ein paar Monate, nachdem die Stadt Jerusalem durch die Babylonier zerstört worden war, noch im Jahr 586.
Und nun kommt eine neue Botschaft, ab Vers 23. Die richtet sich an wen? An die übrig Gebliebenen. Wo? Übrig geblieben wo? Im Land Israel. Ja, im Land Israel, genau. Also: liebe Bewohner der zerstörten Städte im Land Israel.
Und wie argumentieren die dort? Was haben sie da für eine neue Idee entwickelt? Abraham war ein Einzelner, dem das Land zum Besitz gegeben wurde, wir aber sind viele, uns ist das Land zum Besitz gegeben. Anders formuliert: Was war ihre Argumentation? Sie haben Anspruch darauf. Ja, wieso? So argumentieren sie, weil sie Nachkommen Abrahams sind und weil sie viele sind. Jawohl, genau. Abraham hatte ja früher als einzelner Mann dort im Land seine Familie, und Gott hatte ihm das Land zugesagt. Also: Je mehr wir sind, desto mehr ist das Recht auf unserer Seite.
Ich muss ja noch einmal in Erinnerung rufen: Wir hatten drei Wegführungen. Im Jahr 605 hat Nebukadnezar einen Teil der Bevölkerung nach Babylonien deportiert, dann 597, das war die Wegführung, bei der auch Hesekiel nach Babylon verschleppt wurde, und schließlich wurden bei der Zerstörung Jerusalems dann ganz massiv Leute deportiert. Aber es gab Übriggebliebene im Land, die wurden nicht verschleppt. Das waren natürlich vor allem Leute aus der Unterschicht, denn die Oberschicht wurde schon von Anfang an abgeräumt. Darum kam ja Daniel aus adligem Geschlecht gerade bei der ersten Wegführung weg, und gute Handwerker, Spezialisten auf ihrem Gebiet, die wurden speziell deportiert, eben damit man die guten Leute weg hatte.
Jetzt bleiben die da übrig und denken: Ja gut, wir werden in diesem Land bleiben. Aber was ist Hesekiels Antwort? Da gibt es keinen Automatismus, sondern sie müssen mit Gott leben.
Die Schuld des verbliebenen Volkes und die erneute Gerichtsansage
Jawohl, also sie leben weiterhin in der Sünde. Diese Kriege, die sie erlebt haben, haben sie überhaupt nicht zur Umkehr gebracht. Das ist ja auch heute so. Manchmal sollte man noch denken, wenn man in so katastrophalen Umständen leben muss und wenn man durch Krieg gehen muss, dass das den Menschen zur Umkehr führt. Aber wir kennen das: Menschen können die schlimmsten Dinge erleben und tun trotzdem nicht Buße.
In Afrika ist doch jetzt dieser Vulkanausbruch gewesen. Da habe ich einen Bericht gehört. Da haben die Einheimischen gesagt, das ist der Krieg Gottes gegen uns. Ah ja. Aber ob sie natürlich dann die Konsequenzen daraus ziehen, ist eine andere Frage. Aber die Erkenntnis schon einmal ist unbeachtlich. Ja, ja.
Und man kann auch zurückdenken: Wie war das nach dem Zweiten Weltkrieg? Wie haben die Europäer im Allgemeinen nach dem Krieg reagiert? Hat es da ein Rechtsumkehrt gegeben? Kann man nicht sagen, nein? Auch nach der Wende nicht, obwohl es da sogar sehr eindrücklich war, ja. Ja, was wollen Sie sagen? Wo Sie vorher doch immer in den Kirchen gebetet haben, als Gottesdann erfüllt hat, waren Sie gar nicht mehr interessant. Das ist sehr tragisch. Da hängt es auch zusammen, wie schnell auch der Wohlstand gekommen ist, und schnell wurde das alles dann wieder vergessen, wo die eigentlichen Antworten zu finden wären.
Ich war vor kurzem auch in Kroatien. Und da habe ich auch gesagt: Jetzt ist Missionsarbeit ganz schwierig geworden. Am Anfang, eben als die ganze Wende gekommen ist und dann der Krieg, waren die Leute so offen fürs Evangelium. In der Kürze haben sich Leute bekehrt, und man konnte neue Gemeinden gründen. Jetzt ist es überhaupt nicht mehr so. Den Leuten geht es eigentlich recht gut, oder? Und das Bedürfnis ist dann nicht mehr da. Das ist schon tragisch.
Und wir sehen also diese Leute da im Land, die denken: Ja, wir haben jetzt ein besonderes Recht auf dieses Land. Aber überhaupt keine Wende. Sie treiben weiterhin Götzendienst, Vers 25, verstoßen ganz klar gegen göttliche Gebote, Ehebruch wird getrieben, Vers 26. Es hat gar nichts geändert. Und so kündigt Ezechiel auch ihnen nochmals das Gericht an.
Das Gericht über die Selbstsicherheit der Übriggebliebenen
Darf ich da noch etwas fragen? Hier steht, ihr esst euer Opferfleisch mit dem Blut. Heisst das, dass sie nicht geschächtet haben, sondern auf andere Weise geschlachtet haben?
Es heisst nicht unbedingt Opferfleisch, sondern wörtlich einfach: Ihr esset mit dem Blut. Entweder wurde es als Sauce benutzt, oder sie haben es nicht richtig geschlachtet, also nicht ausfliessen lassen. Zum Beispiel, wenn man Tiere in Netzen fängt und sie dann tötet, fliesst das Blut nachher nicht aus. Wenn man dieses Fleisch isst, ist es Fleischessen mit Blut. So klar.
Aber das Schächten war doch ein Gebot Gottes.
Ja, genau. Sind die Tiere jetzt vorher betäubt worden irgendwie, oder sind sie lebendig geschächtet worden?
Ich meine, die Betäubung kannte man sowieso nicht früher. Und weil jetzt ist doch diese Diskussion im Gange, und da scheinen die Tierschützer fürchterlich, dass das jetzt genehmigt wird. Aber im Grunde ist es ja ein biblisches Gebot, dass man die Tiere ausbluten lässt.
Ja, gut, ich meine, bei der Methode heute, wie das geschieht mit den Bolzen, heisst das, dass man die Tiere nicht ausbluten lässt. Und dann wird das Tier mit dem Bolzen getötet, und gerade nachher wird die Halsschlagader geöffnet. Also es kommt fast gleich viel Blut raus. Also man kann nicht sagen, dass man, wenn man Fleisch kauft, etwa Fleisch mit Blut essen würde. Beim Schächten ist es vielleicht noch ein bisschen mehr, und der Rest Blut bleibt immer, ob beim Schächten oder mit dem Bolzen.
Aber die Moslems wollen ja den Bolzen nicht, gell?
Nein, nein, ja. Und Juden auch nicht.
Ja, eben, und das ist ja jetzt genehmigt worden. Klar, und das wird ja heute so umkämpft, die ganze Sache. Aber das Problem ist ja, da liegen ganz andere Interessen bei den Tierschützern, dass sie so schreien, weil erstens der Schmerz ja nicht gemessen werden kann. Und was auffällig ist: Ein Tier, das geschächtet ist, ist auffallend ruhig. Die behaupten das Gegenteil, die hätten schreckliche Agonien beim Schächten.
Sagen die, ja? Ich habe in einem Film eine Szene gesehen, als ein Tier geschächtet wurde, und mich hat diese Ruhe beeindruckt, dass das Tier sich praktisch ganz friedlich runtergleiten hat lassen und ganz ruhig da lag.
Ja, ja, nicht gekämpft.
Nein, überhaupt nicht die geringste Regung.
Ja, ja, es entsteht eben sehr schnell eine Blutleere im Kopf. Und damit auch eine Schmerzlosigkeit. Vor Jahren war ich beeindruckt. Ich hatte in der Zeitschrift Tier, das ist ja eigentlich eine Tierschützer-Zeitschrift, da wurde erklärt, dass die Hirnströme bei der Schächtung weniger lang messbar seien als bei der üblichen Schlachtungsart. Also habe ich nichts gegen eine Schächtung einzuwenden. Sonst hätte Gott es ja sicher auch nicht so geboten, wenn wir nicht Tiere quälen sollen.
Natürlich, den grössten Teil der Menschheitsgeschichte konnte man gar nicht betäuben. Also, ja, es ist natürlich eine, das andere Extrem ist ja dann schliesslich eben, dass man überhaupt zum Vegetarismus übergeht. Man will sich nicht ernähren von jemandem, der an unserer Stelle stirbt und sein Blut lässt. Das ist ja letztlich überhaupt der Sinn. Warum hat Gott dem Menschen den Fleischgenuss erlaubt, seit Noah? Es sollte eigentlich eine Lektion an uns Menschen sein: Wir leben, weil ein anderer sein Blut lässt und stirbt. Und darum war der Blutgenuss seit Noah für alle Völker verboten. Dieses Gebot galt für alle Völker und gilt immer noch. Das Blut soll nicht gegessen werden, denn das sollte nicht ein Mittel sein, das im Alltag gebraucht wird, sondern die Ehrfurcht vor dem Blut soll erhalten bleiben, weil Gott schliesslich durch das Blut seines Sohnes Erlösung geben wollte.
Jetzt hat also Hesekiel nochmals das Gericht angekündigt für die Übriggebliebenen, und tatsächlich hat es im Jahr 522 nochmals eine Wegführung gegeben. Die wird nur an einer Stelle in der Bibel erwähnt, in Jeremia 52,28-33. Können wir das mal lesen? Vers 30 nur, Jeremia 52,30.
Und im 23. Jahr führte Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache, 745 Judäer weg. Insgesamt wurden 4600 Judäer nach Babylon gebracht.
Jawohl, da kommt in Jeremia noch eine spätere Militäraktion der Babylonier, wo nochmals eine ganze Reihe dran glauben musste und weggeführt wurde. Und Hesekiel sagt sogar, sie sollen durch das Schwert fallen. Es war also nicht so, dass man hätte denken können: Jetzt ist Jerusalem gefallen, die, die gehen sollten, sind gegangen, aber uns geht es jetzt gut, oder? Wir haben Anspruch auf das Land. Und Hesekiel sagt: Nein. Und tatsächlich hat ihm die Geschichte dann auch wieder Recht gegeben.
Vers 29: Und sie werden wissen oder erkennen, dass ich der Herr bin. Also das Gericht, das über sie kam, sollte wieder deutlich machen, dass Gott eben sein Wort erfüllt.
Die Gefahr des bloßen Hörens und der Übergang zur Hirtenverheißung
Nun noch zum letzten Abschnitt, 30 bis 33: Hesekiel wurde mit der Zeit doch populär. Da gab es sogar Leute, die sich gegenseitig einluden: Komm, wir wollen Hesekiel hören. Und sie fanden es eigentlich ganz toll, wenn der Mann sprach. Liest nochmals jemand Vers 32?
Ein großes Problem auch heute: Es gibt Leute, die es ganz toll finden, Predigten zuzuhören, aber es ändert sich nichts in ihrem Leben. Sie beziehen das Wort nicht auf ihr persönliches Leben. Es ist wie bei einem Konzert: schöne Stimme, toll gespielt, Instrument als Begleitinstrument.
Es ist so wie in Jakobus 1. Schlagen wir das noch auf: Jakobus 1,22-25. Wer liest?
Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen und hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.
Das haben die Zeitgenossen Hesekiels offensichtlich verpasst.
Gut, wir machen jetzt zwanzig Minuten Pause und dann fahren wir weiter mit Hesekiel 34, wo nun diese Prophetie über die Erneuerung in der Endzeit beginnt.
Der neue Hirte für Israel
Wir fahren jetzt weiter mit Hesäkiel 34. Bruno liest uns ein Stück weit vor.
Und das Wort Jehovas geschah zu mir also: Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels; weissage und sprich zu ihnen: Den Hirten, so spricht der Herr Jehova: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr esset das Fett und weidet euch mit der Wolle, das fette Vieh schlachtet ihr, die Herde weidet ihr nicht. Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt, und das Kranke nicht geheilt, und das Verwundete nicht verbunden, und das Versprengte führt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht. Und mit Strenge habt ihr über sie geherrscht und mit Härte. Und so wurden sie zerstreut, weil sie ohne Hirten waren; und sie wurden allen Tieren des Feldes zur Speise und wurden zerstreut.
Meine Schafe irrten umher auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel, und über das ganze Land hin sind meine Schafe zerstreut worden. Und da ist niemand, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.
Darum, ihr Hirten, höret das Wort Jehovas: So wahr ich lebe, spricht der Herr Jehova, weil meine Schafe zur Beute und meine Schafe allen Tieren des Feldes zur Speise geworden sind, weil kein Hirte da ist und meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragen und die Hirten sich selbst weiden, aber nicht meine Schafe weiden, darum, ihr Hirten, höret das Wort Jehovas.
So spricht der Herr Jehova: Siehe, ich will an die Hirten, und ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern und machen, dass sie aufhören, die Schafe zu weiden, damit die Hirten nicht mehr sich selbst weiden. Und ich werde meine Schafe von ihrem Munde erretten, dass sie ihnen nicht mehr zur Speise seien.
Denn so spricht der Herr Jehova: Siehe, ich bin da, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen. Wie ein Hirt sich seiner Herde annimmt an dem Tage, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist, also werde ich mich meiner Schafe annehmen und werde sie erretten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind, am Tage des Gewölks und des Wolkendunkels.
Und ich werde sie herausführen aus den Völkern und sie aus den Ländern sammeln und sie in ihr Land bringen. Und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels und in den Tälern und an allen Wohnplätzen des Landes. Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihre Trift sein.
Dort, auf den Bergen Israels, werden sie auf guter Trift lagern und fette Weide beweiden. Ich will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern, spricht der Herr Jehova. Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückbringen, und das Verwundete will ich verbinden und das Kranke will ich stärken. Das Fette aber und das Starke werde ich vertilgen; nach Recht werde ich sie weiden.
Und ihr, meine Herde, so spricht der Herr Jehova: Siehe, ich werde richten zwischen Schaf und Schaf, den Widdern und den Böcken. Ist es allzu wenig, dass ihr die gute Weide abweidet und das übrige eurer Weide mit euren Füßen zertretet und dass ihr das abgeklärte Wasser trinket und das übrig gebliebene mit euren Füßen trübet, und meine Schafe sollen abweiden, was mit euren Füßen zertreten und trinken, was mit euren Füßen getrübt ist?
Darum so spricht der Herr Jehova zu ihnen: Siehe, ich bin da, und ich werde richten zwischen fettem Schaf und magerem Schaf. Weil ihr alle die Schwachen mit Seite und Schulter verdrängt und mit euren Hörnern stoßt, bis ihr sie nach außen hin zerstreut habt, so will ich meine Schafe retten, damit sie nicht mehr zur Beute seien. Und ich werde richten zwischen Schaf und Schaf.
Und ich werde einen Hirten über sie erwecken, und er wird sie weiden, mein Knecht David. Der wird sie weiden, und der wird ihr Hirte sein. Und ich, Jehova, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, Jehova, habe geredet.
Ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen und werde die bösen Tiere aus dem Lande vertilgen. Und sie werden in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. Und ich werde sie und die Umgebung meines Hügels zum Segen machen. Und ich werde den Regen fallen lassen zu seiner Zeit; Regen des Segens werden es sein. Und der Baum des Feldes wird seine Frucht geben, und das Land wird seinen Ertrag geben. Und sie werden in ihrem Lande sicher sein, und sie werden wissen, dass ich Jehova bin, wenn ich die Stäbe ihres Joches zerbreche und sie aus der Hand derer errette, welche sie knechteten.
Und sie werden nicht mehr den Nationen zur Beute sein, und die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen, sondern sie werden in Sicherheit wohnen, und niemand wird sie aufschrecken. Und ich werde ihnen eine Pflanzung erwecken zum Ruhm, und sie werden nicht mehr durch Hunger weggerafft werden im Lande und nicht mehr die Schmach der Nationen tragen.
Sie werden wissen, dass ich, Jehova, ihr Gott, mit ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind, spricht der Herr Jehova. Und ihr, meine Herde, Herde meiner Weide, ihr seid Menschen, ich aber bin Gott, spricht der Herr Jehova.
Die Anklage gegen die Hirten und ihre Verantwortung
Wie gesagt, ab Kapitel 33 soll alles ganz neu werden. In Kapitel 33 wird der Botschafter einer neuen Nachricht, einer guten neuen Nachricht, bestätigt. Und jetzt in Kapitel 34 kommt der neue Hirte für Israel, und in Kapitel 35, in Kapitel 36, geht es um ein erneuertes Land. In der zweiten Hälfte von Kapitel 36 geht es darum, wie Gott Israel ein neues Herz schenken wird, und dann geht es in Kapitel 37 darum, dass das Volk selber erneuert wird. Das Volk Israel wird erneuert. Danach geht es um einen neuen Tempel, einen neuen Gottesdienst und eine neue Einteilung des Landes Israel. Alles wird neu.
Und jetzt in unserem Kapitel geht es um diese neuen Hirten. Hier werden die Hirten Israels angeprangert, Vers 1. Das sind also die Führer in Israel, die zum Schaden des Volkes beigetragen haben. Wir haben zwar gelernt in Hesekiel, wie der Einzelne verantwortlich ist, gerade vorhin wieder in Kapitel 33: Wenn ich zu dem Gesetzlosen spreche: Du sollst gewisslich sterben, wird der Einzelne verantwortlich gemacht. Wir haben das auch schon in Hesekiel 3 gesehen und in Hesekiel 18 auch, wo das ganz besonders betont wird, dass jeder Mensch für seine Schuld, für seine Sünde persönlich verantwortlich ist. Da kann ich die Vorfahren nicht verantwortlich machen; er ist vor Gott verantwortlich.
Aber in einem gewissen Sinn sind solche, die Gottes Volk leiten, also in verantwortlicher Position sind, besonders verantwortlich. Und die werden jetzt hier zur Rechenschaft gezogen. Sie haben dazu beigetragen, dass schliesslich das Volk Israel, das jüdische Volk, in alle Welt zerstreut worden ist. Damals kamen sie nach Babylon, und nach dem Jahr siebzig wurden sie in alle fünf Kontinente zerstreut. Wir wissen, wie das eng zusammenhing mit den Führern Israels, die den Messias verworfen und kreuzigen liessen. Also die werden hier zur Rechenschaft gezogen, und es wird gezeigt, dass Gott aber einmal für Israel alles erneuert, indem er anstatt dieser üblen Hirten den einen Hirten schicken wird.
Lesen wir nochmals Vers 23: Und er wird sie weiden, mein Knecht David; der wird sie weiden, und der wird ihr Hirte sein. Jawohl! Dieser eine Hirte in der Endzeit, das ist der Messias, und hier wird er genannt David. Was bedeutet David auf Deutsch? Geliebter Gottes. Ja, oder einfach der Geliebte. Der Geliebte, so wird er in Epheser 1,7 genannt: Gott hat uns angenehm gemacht in dem Geliebten. Als Sohn Davids wird er hier selber David genannt.
Jeremia, ein Zeitgenosse Hesekiels, sprach auch von diesem Hirten. Schlagen wir mal auf Kapitel 23. Liest jemand mal die Verse 1 und folgende? Ja, Herr List.
So spricht der Herr: Wehe euch, ihr Führer meines Volkes! Ihr seid Hirten, die ihre Herde auseinander treiben und zugrunde richten. Ich hatte euch befohlen, mein Volk, meine Herde zu weiden, aber ihr habt sie zerstreut und davongejagt, anstatt für sie zu sorgen. Darum werde ich euch für eure Vergehen zur Rechenschaft ziehen, ich, der Herr, der Gott Israels. Ich selbst werde die Menschen meines Volkes sammeln und die Übriggebliebenen aus allen Ländern, in die ich sie vertrieben habe, bringe ich sie zurück in ihre Heimat. Dort werden sie viele Kinder haben, euer Volk wird immer grösser werden. Ich werde Hirten über sie einsetzen, die sie auf gute Weide führen. Dann werden sie sich nicht mehr fürchten und keine Angst mehr haben, niemand von ihnen geht verloren, das verspreche ich, der Herr.
Und jetzt kommt der neue Hirte. Es kommt der Tag, an dem ich einen Nachkommen Davids zum König mache, den man wirklich als gerecht bezeichnen kann. Er wird weise regieren und in seinem Land für Recht und Gerechtigkeit sorgen. Unter seiner Regierung wird Juda Hilfe finden und Israel in Sicherheit leben. Der Herr, unsere Rettung, so wird man diesen König nennen.
Ja, bis dahin. Also hier wird dieser, wie der Messias genannt wird, ein gerechter Spross Davids, Vers 5. Er wird König sein, als König agieren. Und gleichzeitig wird in Vers 6 dieser Mann, dieser Nachkomme Davids, genannt: „Jahwe Zidkenu“, „Jahwe unsere Gerechtigkeit“. Dann ist er Gott, Gott und Mensch in einer Person.
Also dieser Hirte in Hesekiel 34 ist Nachkomme Davids, wird auch noch in Hesekiel 34,23 selber David genannt, der Geliebte. Aber er ist eigentlich Gott und Mensch in einer Person.
Die Vorwürfe gegen die schlechten Hirten
Jetzt wollen wir einmal anschauen, welche Vorwürfe gegen die Hirten Israels erhoben werden. Das lässt sich sehr gut auf solche übertragen, die heute in einer Gemeinde Verantwortung tragen und gewissermaßen einen Hirtendienst ausüben sollten.
Was wird ihnen zum Vorwurf gemacht? Können wir das zusammentragen?
Dass sie nur an sich selbst denken. Jawohl, das ist Vers 2, dort heißt es wörtlich: Sie weiden sich selbst. Sie denken also nur an sich, nicht an die Schafe.
Weiter?
Ja, wodurch? Milch genießt ihr, mit der Wolle kleidet ihr euch, das fette Vieh schlachtet ihr. Das heißt, sie nutzen sie aus, ihre Untergebenen. Sie nutzen sie aus und wollen damit also einen Gewinn, einen persönlichen Gewinn, herausholen.
Weiter?
Sie kümmern sich nicht um schwache Glieder. Und die Schwachen werden nicht gestärkt, Vers 4a. Kranke werden nicht geheilt, Verwundete nicht verbunden und Zerstreute nicht zurückgeholt.
Weiter?
Mit Härte geherrscht.
Jawohl, sie herrschen nicht nur, sondern sie herrschen mit Härte. Und das hat, das führt wozu, das Herrschen mit Härte?
Zerstreuen.
Das ist ja die Folge, und so wurden sie zerstreut. Und diese Zerstreuung führt dazu, dass sie die Orientierung verlieren. In Gefahr kommen, gefressen zu werden.
Ja, ganz genau. Dadurch werden sie sofort ein Opfer für alle möglichen Irrlehren. Ich meine, das kann man alles sehr, sehr direkt übertragen auf Gemeinden, wo Menschen in Macht, in der Lust an der Macht als Machtmenschen geherrscht haben, mit Härte sich gar nicht um die seelsorgerlichen Nöte gekümmert haben. Dann gehen die Leute davon, haben keine Orientierung mehr und werden sofort Opfer von allen möglichen Angeboten.
Es wird dann weiter gesagt in Vers 6, sie sind zerstreut worden auf allen Bergen, auf jedem hohen Hügel, über das ganze Land hin zerstreut. Niemand fragt nach ihnen. Wenn sie gegangen sind, dann sind sie einfach gegangen. Sucht sie niemand.
Weiter.
Wir haben noch eine ganze Reihe von Vorwürfen ab Vers 17. Dort werden diese Führer als Widder und Böcke bezeichnet. Und was haben sie gemacht?
Für sich selbst das Beste genommen.
Ja, also die haben die Weide abgefressen, und das, was übrig blieb, haben sie zertreten und mit dem Trinkwasser verschmutzt.
Ja, zuerst haben sie aber das abgeklärte Wasser selber getrunken. Das Bild kommt von der jüdischen Wüste her, von den Oadis, diesen Bächen, diesen Trockentälern. Die führen im Winter Wasser, und nachher versiegen sie wieder. Aber in tiefen Löchern bleibt dann Wasser übrig, und der Dreck sinkt auf den Grund. Das sind dann diese stillen Wasser: Er führt mich zu stillen Wassern, Psalm 23. Aber was machen die? Sie trinken das stille Wasser ab, und dann gehen sie selber hinein und zertreten es, bis das Wasser trübe wird. So heißt es in Vers 18 am Schluss: das Übergebliebene mit euren Füßen trübet.
Und weiter, was wird noch?
Vers 21, weil die Schwachen hier seid ihr uns Schulterverdrängend und mit euren Hörnern stoßt, bis ihr sie nach außen hin zerstreut habt.
Jawohl, also sie drücken bei den Schwachen schlagend rein, bis sie dann gehen.
Und das fordert Gottes Gericht heraus an diesen Hirten.
Warnung vor Machtmenschen und geistlichem Missbrauch
Wir haben hier also ein Gerichtskapitel über die Verantwortlichen. Dazu können wir etwas lesen aus dem Dritten Johannesbrief, wo wir ein ganz klassisches Beispiel von einem Machtmenschen in einer Gemeinde finden.
Da schreibt der alte Johannes im Alter von gegen hundert Jahren, Vers 9: Ich schrieb euch etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an. Deshalb will ich, wenn ich komme, seiner Werke gedenken, die er tut, indem er mit bösen Worten wieder uns schwatzt. Und wenn ihm das nicht genügt, nimmt er selbst die Brüder nicht an und wehrt auch denen, die es wollen, und stößt sie aus der Versammlung.
Was hat diesem Diotrephes gefehlt, diesem schlechten Hirten? Ich denke, zwei Dinge: einmal Gottesfurcht und einmal Liebe zum Volk Gottes. Zwei ganz wesentliche Dinge. Es ist unglaublich, diese Selbstherrlichkeit, die er an den Tag gelegt hatte. Er hat also eigenmächtig Leute aus der Gemeinde herausgeschmissen, und wenn Leute Besucher aufnehmen wollten, hat er ihnen das verwehrt.
Aber Johannes sagt als Apostel in Vers 10: Deshalb, wenn ich komme, will ich seiner Werke gedenken. Er wollte also in apostolischer Autorität gegen diesen Diotrephes durchgreifen. Das Problem ist ja, dass sich bei solchen Leuten kaum einer traut, ihnen entgegenzutreten. Und dann können sie frei walten und herrschen, wie sie wollen, obwohl wir im Titusbrief eine ganz klare Stelle haben, wie man gegen solche Leute verfahren muss. Titus 3,10. Aber das ist in der Vergangenheit oft sträflich übergangen worden.
Titus 3,10: Einen sektiererischen Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung ab. Da du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er durch sich selbst verurteilt ist.
Ein sektiererischer Mensch ist auch jemand, der Gruppierungen macht und Leute hinter sich herzieht, der seine eigenen Ideen durchsetzt. Und da haben wir das: Das ist wie beim Fußball, gelbe Karte, rote Karte, und dann ist er weg.
Wäre gut, wenn wir jetzt vielleicht doch mal 1. Petrus 5 lesen.
Jawohl, daran habe ich gedacht, ja. 1. Petrus 5,1-4: Die Ältesten, die unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig; nicht als die, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid! Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.
Jawohl, also da haben wir ganz klare Aussagen: freiwillig, nicht um schändlichen Gewinn willen. Gerade das haben wir in Hesekiel 34 so deutlich gefunden. Und nicht aus Zwang und nicht als die, die über ihre Besitztümer herrschen. Das Wort für Besitztümer ist im Griechischen Kleros, das durchs Los Zugefallene, und daraus hat sich der Ausdruck Klerus entwickelt, der so gewissermaßen ein Besitztum hat, das ihm gewissermaßen durch göttliches Los zugefallen sei. Der eine klein, der andere immer größer und noch größer.
Ja, und da könnte man jedem Katholiken erklären: Der heilige Petrus, ja, er hat den Petrusbrief geschrieben, hat ganz klar geschrieben, dass solche, die die Herde Gottes führen, das nicht aus schändlichem Gewinn tun sollen und nicht als solche, die da herrschen über ihre Besitztümer, eben gewissermaßen wie ein Klerus. So klare Worte.
Und da sehen wir also, wie auch das, was diese Hirten anbetrifft, in der Kirchengeschichte von ganz gewaltiger Bedeutung ist. Denn so wie Israel es erlebt hat, so hat das die Christenheit auch erlebt: Menschen, die auf schändliche Art eben das Volk Gottes ausgebeutet haben, um sich dadurch Vorteile und Gewinne zu verschaffen.
Gottes Eingreifen, Sammlung und die Verheißung des einen Hirten
Aber wir finden in Hesekiel 34 Gottes Beschluss, da will ich eingreifen. 34,11: Lest noch einmal. Denn so spricht der Herr, Herr: Siehe, ich bin es, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen, wie ein Hirte sich seiner Herde annimmt am Tag, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist. So werde ich mich meiner Schafe annehmen und werde sie retten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind, am Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.
Also sagt Gott: Ich habe das beschlossen, ich will mich dieser Herde annehmen. Und das Erste, was er tun will, ist, diese Zerstreuten zusammenzuführen. Vers 13: Und ich werde sie herausführen aus den Völkern und sie aus den Ländern sammeln und sie in ihr Land kommen lassen, und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels, an den Bächen und an allen bewohnten Orten des Landes.
Jawohl, das reicht. Also: Gottes Beschluss ist, das zerstreute jüdische Volk wieder heimzuführen in ihr Land. Und wir wissen ja, die Wende ist gekommen: 1882 hat die erste Einwanderungswelle stattgefunden, damals aus Russland. Das ist also das Erste in diesem Ratschluss Gottes: Ich will mich meiner Schafe wieder annehmen, ich bringe sie zusammen, ich bringe sie in ihr Land.
Er sagt dann im gleichen Vers: Ich werde sie weiden. Das ist noch nicht geschehen, denn der Messias ist noch nicht gekommen, um in Israel als König zu herrschen. Aber das ist das Endziel. Also haben wir den Beginn dieser ganzen Wiederherstellung Israels: Der Beginn ist, ich bringe die Schafe aus der Zerstreuung zurück in ihr Land, und der Endpunkt ist, ich werde sie weiden als Hirte.
In den weiteren Kapiteln, Hesekiel 35, 36 usw., werden wir dann Gottes Programm für Etappe um Etappe dieser Wiederherstellung sehen. Aber hier finden wir schon einmal den groben Rahmen: Sie werden zurückgeführt, und dann wird der Messias sie weiden.
Die Berge Israels, das Land und der Segen für die Zukunft
Übrigens, wo wird er sie weiden, wie es ausdrücklich in Vers dreizehn heißt? Auf dem Berg Israels. Ja, und wo liegen hauptsächlich die Berge Israels? In den palästinensischen Gebieten. Die Berge Israels sind ja hauptsächlich eine Bergkette von Norden nach Süden, das, was man biblisch Samaria und Judäa nannte. Und heute nennt man das zum Teil besetzte Gebiete oder autonome Gebiete, Westjordanland, Westbank. Oder man könnte auch die umstrittenen Gebiete nennen. Das wäre nur eine Neuausdruckung.
Aber es ist schon interessant, dass der Prophet sagt: Auf den Bergen Israels werde ich sie weiden, und auch an anderen Orten, in den Tälern und an allen Wohnplätzen des Landes. Nicht nur an gewissen, sondern an allen Wohnplätzen des Landes. Das ist ganz klar ein Verstoß Hesekiels gegen den UNO-Beschluss. Aber man kann es noch krasser sagen: Es ist ja nicht Hesekiels Wort, sondern Gott selbst spricht. In Vers 11 heißt es: Denn so spricht der Herr Yahweh, Herr Adonai, der die Autorität hat, der das Sagen hat. Und er sagt: Das ist mein Beschluss, an allen Wohnplätzen des Landes sollen sie wohnen.
Das werden wir sehr deutlich dann nächstes Mal sehen, wenn wir Kapitel 35 und 36 studieren. Da haben wir eine ganz eindrückliche Prophetie über die Westbank.
Und wo ist denn dieses Gebiet, das Israel eigentlich von der Bibel her wirklich zusteht, also vom Herrn? Ist das der Nil? Ist das wirklich vom Urtext her erkennbar, dass der Nil gemeint ist? Ja, es gibt ja beide Ausdrücke. Es gibt den Bach Ägyptens, und das ist nicht der Nil. Das ist ein anderes Wort. Wenn ich vom Nil spreche, dann heißt es in 1. Mose 15 der Nahar Mitzraim, das ist der große Fluss, und so wird dann auch der Euphrat genannt, Nahar.
Aber an anderer Stelle, als Israel aus Ägypten ins verheißene Land kam, da sollte nach 4. Mose die Grenze im Süden Nachal-Mizrahi sein. Nachal ist ein Wadi, das ist das Wadi el-Arisch. Das ist also nicht eben ein Strom, sondern ein Bach, ein Winterbach. Israel hat von Anfang seiner Geschichte an das Land nicht in seiner ganzen Größe bekommen, sondern nur das, was sie damals brauchten.
Die Angaben der Grenzen in Hesekiel 48 sind dann bedeutend größer, aber noch nicht alles zwischen Nil und Euphrat. Denn im Tausendjährigen Reich wird sich die Bevölkerung stark vermehren, und dann wird der Bedarf größer werden. Aber die gröbste Angabe ist nach 1. Mose der Strom Ägyptens, und das kann nur der Nil sein.
Ja, also das werden wir nächstes Mal sehr eindrücklich finden, dann in Kapitel 35 und 36: Gottes Ratschluss über die Westbank.
Der Tempelberg als Zentrum des Segens
Und hier finden wir das schon einmal angedeutet, übrigens nicht nur in Vers 13, sondern auch in Vers 14 kommt das wieder vor. Wer liest nochmals?
„Aus guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihr Weideplatz sein. Dort auf den Bergen Israels werden sie auf gutem Weideland lagern und fette Weide beweiden.“
Jawohl, also da haben wir nochmals die Berge Israels. Dieser Ausdruck, übrigens ganz typisch für Hesekiel, kommt vierzehnmal im Propheten vor. Und wir hatten schon früher das näher angeschaut. In Kapitel 6 haben wir eine Prophetie gegen die Berge Israels, und dass Gott einen Fluch über sie bringt. Schlagen wir kurz auf: Hesekiel 6,1-2. Wer liest uns das vor?
„Das Wort Jehovas geschah zu mir also: Menschensohn, richte dein Angesicht gegen die Berge Israels und weissage über sie und sprich: Berge Israels, hört das Wort des Herrn Jehovas! So spricht der Herr Jehova zu den Bergen und zu den Hügeln, zu den Tälern und zu den Gründen: Siehe, ich bringe das Schwert über euch und werde eure Höhen zerstören“ und so weiter.
Also eine ausführliche Prophetie gegen die Berge Israels. Die waren eine besondere Verführung, weil abgöttische Kulte immer auf den Bergen, auf den Berghöhen, durchgeführt wurden. Und so war gerade dieses Gebiet Juda und Samaria ein besonders dem abgöttischen Treiben gewidmetes Gebiet. Und so kam dieses Gebiet gewissermassen unter ein spezielles Gerichtsurteil Gottes. Und dieser Fluch auf diesem Gebiet lastet darauf bis heute, denn es sind speziell die Berge Israels, die heute so umkämpft sind. Aber Gottes Ratschluss ist, dass diese Berge einmal unter Gottes Segen kommen sollen.
Nur so vorab: Kapitel 36, Vers 1. Wer liest?
„Und du, Menschensohn, weissage über die Berge Israels und sprich: Berge Israels, hört das Wort des Herrn! So spricht der Herr, Herr: Weil der Feind über euch spricht, aha, usw.“
Ja, und dann noch Vers 8:
„Ihr aber, Berge Israels, ihr sollt meinem Volk Israel eure Zweige treiben und eure Frucht haben, denn sie sind nahe daran zu kommen. Denn siehe, ich will zu euch kommen und mich zu euch wenden, und ihr sollt bebaut und besät werden. Und ich will die Menschen auf euch vermehren, ja das ganze Haus Israel insgesamt. Und die Städte sollen bewohnt und die Trümmer aufgebaut werden.“
Also, während wir in Kapitel 6 eine Prophetie gegen die Berge Israels hatten, haben wir hier eine Prophetie über die Berge Israels. Es ist eine Prophetie des Segens. Gott will Israel zurückkehren lassen, und sie sollen auf den Bergen Israels wohnen, das ganze Haus Israel insgesamt. Interessant, oder?
Und es wird auch gesagt, hier in Vers 10: „Ihr Berge, ihr sollt bebaut und besät werden.“ Wie soll man bebauen und besäen, ohne zu siedeln? Das geht nicht, ja? Also, das gehört mit zur Wende. Und offensichtlich hat uns Hesekiel vor zweitausendsechshundert Jahren aufgeschrieben, dass da die Berge Israels eine besondere Rolle spielen.
Frieden, Sicherheit und die künftige Wiederherstellung
Und wir haben aber weitere Verheißung in unserem Kapitel 34: Wenn dann der Messias kommt, wird er Israel völlige Sicherheit bringen, Vers 25. Wer liest das? Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen und werde die bösen Tiere aus dem Lande vertreiben, und sie werden in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen.
Ja, also einen Bund des Friedens. Israel wird Frieden bekommen in der Zukunft, hat es jetzt aber nicht. Und die bösen Tiere im Land, die werden vertilgt werden. Also die Tiere, die die Schafe zerreißen und umbringen, das sind die bösen Tiere, und die werden einmal alle weggetan werden. Das ist natürlich hochaktuell. Diese bösen Tiere, die es wirklich nur darauf abgesehen haben, irgendwelche Menschen zu ermorden, die werden aus dem Land vertilgt werden. Und das führt dazu, dass sie dann in Sicherheit wohnen, und sie werden in der Wüste sicher wohnen.
Diese Sicherheit kommt auch noch vor in Vers 27 am Schluss. Lest es nochmals jemand? Und der Baum des Feldes wird seine Frucht geben, und das Land wird seinen Ertrag geben, und sie werden in ihrem Land sicher sein. Ja, sie haben alles nicht heute. Aber die Sicherheit wird kommen.
Weiter, Vers 28: Und sie werden den Nationen nicht mehr zum Raub werden, und die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen, sondern sie werden in Sicherheit wohnen, und niemand wird sie aufschrecken. Also kein Terror mehr. Terror heißt Schrecken, oder? Lateinisch. Niemand wird sie mehr aufschrecken, durch Terror bedrohen. Sie werden in Sicherheit wohnen, und auch da nochmals: Die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen.
Und noch eine Verheißung in Vers 29, wer liest das? Und ich werde ihnen eine Pflanzung zum Ruhm stehen lassen, und sie werden nicht mehr durch Hunger im Land weggerafft werden und die Schmähungen der Nationen nicht mehr ertragen müssen.
Jawohl, also die Schmähung der Nationen, das ist etwas, was Israel dauernd zu tragen hat. Die Medien sind voll von Schmähung gegen dieses Volk, aber das soll auch einmal ein Ende haben. Dazu noch eine Parallelstelle in Kapitel 36, Vers 15: Und ich will dich nicht mehr die Schmähung der Nationen hören lassen, und den Hohn der Völker sollst du nicht mehr tragen, und du sollst deiner Nation nicht mehr zum Straucheln machen, spricht der Herr Jehova.
Jawohl, also auch das eine ganz wunderbare Verheißung, dass sie diesen Hohn der Völker nicht mehr tragen müssen.
Ausblick auf die weiteren Kapitel und die abschließende Verheißung
Sein Vers R in Kapitel 36, Vers 2, die erste Bereitung, da sagt, diese Berge, die es schon seit alter Zeit gibt, gehören jetzt unsagen wie Feinde Israels. Ja, ja, darauf kommen wir dann. Wir werden noch einige Überraschungen in den Kapiteln erleben. Das hat Details drin, die historisch, wenn man das mit der Geschichte vergleicht, umwerfend sind, schlicht umwerfend. Also da werden wir einige Schätze zu heben haben, nächstes Mal.
Gut, die Zeit ist eigentlich um. Ich möchte vielleicht noch zum Schluss auf Vers 26 in unserem Kapitel hinweisen:
Und ich werde Sie und die Umgebungen meines Hügels zum Segen machen, und ich werde den Regen fallen lassen zu seiner Zeit; Regen des Segens werden es sein.
Hier spricht Gott nicht einfach über die Berge, sondern er spricht über meinen Hügel. Was ist das? Das ist der Tempelberg, genau. Und Israel wird dann seine Bestimmung bekommen, dass ausgehend von diesem Zentrum, dem Tempelberg, Israel zum Segen wird für alle Völker. Das entspricht dem Abrahamsbund: Und in dir sollen gesegnet werden alle Nationen der Erde oder alle Geschlechter der Erde, 1. Mose 12,3. Das wird dann zur Erfüllung kommen.
Der Tempelberg, auch Berg Zion genannt. Ja, der Berg Zion ist der Tempelberg. Heute nennt man allerdings den Südwesthügel Jerusalems, den Nachbarhügel, Zion. Zur Unterscheidung nenne ich den biblischen Berg Zion römisch eins und den nachbiblischen Berg Zion römisch zwei. Denn es gibt oft Verwirrung. Da kommen die Leute nach Jerusalem und hören dann: Das ist ja ein ganz anderer Berg, der Berg Zion, das ist gar nicht der Tempelberg. Na gut, aber nachbiblisch ist es üblich geworden, den so zu nennen, aber nicht in der Bibel. Der biblische Berg Zion ist identisch mit dem Berg Moria.
Gut, wir wollen noch beten zum Schluss.
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