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3 Worte Jesu vom Adventsesel

29.11.1959Matthäus 21,1-3

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der ist, der war und der kommt. Amen.

Advent und die Bedeutung des Eselbildes

Wir wollen einen kleinen Abschnitt aus der Geschichte besprechen, die wir eben aus Matthäus 21 gehört haben. Dort sagt der Herr Jesus: „Alsbald werdet ihr eine Eselin finden, angebunden. Löst sie auf und führt sie zu mir. Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr braucht sie.“

Dankbar können wir sagen: „Heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Amen.“

Nun beginnt wieder die schöne Zeit – die Adventszeit. Das sagte einer meiner jungen Freunde, als die Adventsgrenze aufgehängt wurde. Er ist später gefallen, aber ich höre es jedes Jahr: „Nun fängt die schöne Zeit wieder an.“

Für mich persönlich ist Advent untrennbar verbunden mit zwei Dingen: einem Lied und einer Geschichte. Das Lied ist das, das wir zu Beginn gesungen haben: „Macht hoch die Tür, die Tür macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Dieses Lied ruft bei mir Erinnerungen wach.

Ich denke zurück an meine Kindheit in Frankfurt, am ersten Advent, in der wunderschönen Lukaskirche, die von Steinhausen ausgemalt wurde. Dort gab es eine große, herrliche Orgel und einen Organisten, der ein wahres Genie war. Wenn er mit allen Registern „Macht hoch die Tür“ intonierte, ging mir das Herz auf.

Dann stand immer das Bild der Geschichte vor mir: die jubelnden Menschenmassen um Jesus. Männer, die plötzlich all ihre Steifheit und ihre lehrhafte Würde ablegten, ihren Mantel herunterrissen und Jesus vor die Füße legten. Jungen, die auf Bäume stiegen und Palmzweige herunterrissen. Das Schreien der Menge, alte Mütterchen, die ebenfalls riefen: „Gelobt sei, der da kommt!“

Und mitten im Tumult standen auch die Schriftgelehrten mit ihren sauren Gesichtern. Die sauren Gesichter sind immer irgendwo dabei, denn die Welt ist oft schrecklich einfach.

Doch mitten in diesem Tumult war der Sohn Gottes, der Herr Jesus, auf dem Esel.

Wie oft ist dieses Bild gemalt worden – von den frühen mittelalterlichen Künstlern bis hin zu modernen abstrakten Darstellungen, wie sie etwa in Karlsfeld zu sehen sind. Dort sieht man den Tumult nicht mehr so deutlich, und Jesus auf dem Esel in der Mitte kaum noch.

Können Sie verstehen, dass uns im Weigelhaus, wo wir manchmal ein bisschen exzentrisch sind, der Esel immer besonders interessiert hat?

Einer meiner jungen Mitarbeiter hat neulich eine Bibelarbeit zum Thema „Ein Esel macht Karriere“ gehalten. Schön, nicht wahr? Er schilderte, wie der arme Esel sonst auf staubigen Straßen läuft und nur einmal stolz über Gewänder und Teppiche schreitet.

Ein Esel macht Karriere.

Mich hat dieser Esel auch interessiert, denn an ihm wird deutlich, wie tiefgründig alles in der Bibel ist. Ein so einfaches Wort – wenn man es näher betrachtet, tun sich große Tiefen auf.

In unserer Geschichte sagt der Herr Jesus, der Sohn Gottes, drei Worte, die den Esel betreffen: „Löst ihn auf, führt ihn zu mir.“

Drei Worte, die den Esel betreffen. Wenn ich genau hinschaue, merke ich, dass diese Worte nicht nur den Esel betreffen, sondern uns.

Wenn wir es ganz direkt sagen: Wenn wir richtig zuhören und auf die Geschichte horchen, dann sollten wir die eigentlichen Adventsesel sein.

Das möchte ich Ihnen jetzt zeigen.

Wir überschreiben den Text und die Predigt mit: Drei Worte Jesu vom Adventsesel. Drei Worte Jesu vom Adventsesel.

Das erste Wort: Loslösung von Bindungen

Das erste Wort, das der Herr Jesus von dem Esel sagt, ist „Löst ihn auf“, das heißt, findet ihn los.

Ich hoffe, Sie haben die Geschichte vor Augen, wie Jesus zwischen Jerusalem und dem Ölberg steht und plötzlich zwei Jünger ruft: „Seht da vorn dieses kleine Nest, geht mal rein!“ In der Dorfstraße, an irgendeiner Hausmauer, an einem Eisenring angebunden, findet man eine Eselin. „Löst sie auf!“

Meine Freunde, mich hat in dieser Rede Jesu das Wort „angebunden“ ungeheuer getroffen. Angebunden – nicht nur Esel sind angebunden, sondern dieses Wort wirft wie ein großer Scheinwerfer auf einmal ein Licht auf unsere Lage. Heute ist es nicht weniger erschreckend, dass auch wir so angebunden sind.

Ich möchte das ein wenig verdeutlichen. Vielleicht sind wir angebunden an ganz massive Sünden. Wie kann ein Mensch angebunden sein an Alkohol? Wie kann ein Mensch angebunden sein an irgendeinen Streit, den er hat? Wie kann er angebunden sein an ein Lügengewebe, an einen Sorgegeist? Sicher sitzen hier Menschen, die an den Sorgegeist angebunden sind.

Wie kann ein Mensch, wie der arme Esel, angebunden sein an seine Unreinheit, an eine ganz schmutzige Sexualität, an eine ganz dreckige Ehebruchsgeschichte? Wie kann man angebunden sein an seine Selbstsucht, so dass man sich maßlos wichtig nimmt? Angebunden.

Meine Freunde, diese Eselin in dem kleinen Dorf hat ganz bestimmt das Angebundensein für normal erachtet. Sie war daran gewöhnt. Was soll ein Esel anderes tun, wenn er nicht gerade für den Müller Säcke trägt? Was soll anders mit ihm geschehen, als dass er angebunden ist?

Es ist unheimlich, dass der natürliche Mensch seine Bindungen als normal ansieht. Man findet sich damit ab und hält dieses Angebundensein für in Ordnung. Ich stelle mir vor, wie die Jünger auf diese Eselin zugehen, wie Jesus gesagt hat, und sie losmachen. Vielleicht schlagen sie dem Esel auf die Flanke und sagen: „Alter, jetzt beginnt Neues!“ Und dann lösen sie sie auf, wie Jesus sagt.

Meine Freunde, so will das Evangelium des Advents zu uns kommen. So will es sagen: Lieber Mensch, dazu bist du nicht da, dass du angebunden bist. Jetzt soll ein ganz Neues beginnen. Denn das Evangelium verkündet uns auf jeder Seite eine Loslösung oder Erlösung.

In der Botschaft der Erlösung steckt das, dass man losgebunden wird. Das ist eine Botschaft von der Erlösung. Aber sehen Sie, ich denke nicht nur an diese ganz massiven Sünden. Wir sind auch an so vieles andere angebunden. Lassen Sie mich das ein wenig skizzieren.

Ich denke an manche Geschäftsleute oder Leute aus der Industrie, die sogenannten Manager. Es gibt große und kleine. Man bildet sich ein, man sei noch Herr in seiner Firma. Doch längst ist man angebunden, hat alle Freiheit verloren und ist ein Knecht des Rades geworden, das rast bis zum Herzschlag der Sache gnadenlos weitergeht.

Oh ja, ich denke an die, die mich als Jugendpfarrer so beschäftigen: die unheimliche Bindung, dass man menschenhörig wird, willensgebunden. Es ist unheimlich, wie Menschen an andere Menschen gebunden werden können.

Bitte denken Sie nur, was wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Wie Männer ihre Ehre und ihre Überzeugungen über Bord geworfen haben, weil sie hörig wurden irgendeiner politischen Persönlichkeit. Da gibt es kein Urteil und nichts mehr.

Ich habe manchen jungen Mann gekannt, der um eines Mädchens willen, das ein wenig spritzig war, zu einem angebundenen Esel wurde – oder auch umgekehrt.

Wenn man erst einmal anfängt, von Bindungen zu reden, dann findet man kein Ende. Ich will Ihnen noch eine Bindung nennen, die unter uns so schrecklich ist: die Bindung an Vorurteile.

Da gibt es eine öffentliche Meinung, die Vorurteile schafft – und fertig. Als ich vor 35 Jahren Pfarrer in Essen wurde, bekam ich einen Bezirk, in dem eigentlich nur kommunistische Bergarbeiter wohnten.

Sehen Sie, meiner ganzen Erziehung nach kam ich in mein Haus, war national erzogen und konservativ, war Offizier gewesen. Nach meiner Erziehung musste mir diese ganze Gruppe als schreckliches Volk vorkommen. Doch dann hat mich Gott hineingeführt.

Es waren gar keine schrecklichen Menschen, sondern im Gegenteil: Menschen wie du und ich, Menschen in Not, Menschen mit lebendigen Herzen, Menschen, die liebten und hassten. An die ich heute noch mit Freude zurückdenke. Mir wurde klar, wie lächerlich unsere Vorurteile sind.

Denken Sie nur, welcher Jammer über die Welt gekommen ist durch unsere Vorurteile gegen andere Rassen, etwa gegen Juden. Dieses sinnlose, blödsinnige Vorurteil oder gegen Fabian. Wie viel Jammer ist über die Welt gekommen, einfach durch Vorurteile – angebunden, angebunden, nicht herauskommend.

Das Thema war mal, was wir mal beigebogen bekommen haben.

Und, liebe Freunde, wenn ich schon vom Angebundensein rede, dann muss ich auch davon sprechen, wie wir angebunden sind an den Tod. Bei Karl May gibt es eine tolle Szene, wie zwei Menschen aneinander gebunden werden, Verbrecher, und dann in einen Fluss gestoßen werden, um über den anderen hinweggezogen zu werden.

Da muss ich denken: So sind wir an den Tod angebunden. Wir sind mit ihm zusammengebunden! Hey, werden Sie ihn los? Unheimlich! Jeder von uns ist zusammengebunden im Strom der Zeit mit dem Tod!

Und nun kommt diese Adventsbotschaft: Löst sie auf! Auch der Herr Jesus sagt das im Blick auf den Esel: „Ich weiß, ich weiß, ich weiß.“ Aber, meine Freunde, das ist das Hintergründige der Bibel, das ist ja sein Programm im Blick auf uns Menschen: „Löst sie los!“

Der Herr Jesus ist der große Loslöser, der Erlöser. Die Bibel sagt das wundervolle Wort: „Ihr seid zur Freiheit berufen, ihr sollt nicht der Sünde dienen.“ Nein, ihr braucht es nicht, weil Jesus gekommen ist. Ihr sollt nicht im Vorteil befangen bleiben, weil Jesus gekommen ist. Ihr sollt nicht menschenhörig werden, weil Jesus gekommen ist. Ihr seid zur Freiheit berufen.

Löst sie auf! Wir Angebundenen müssen wissen, dass der Herr Jesus auch mal gebunden war. Ah, er war mehr gebunden als wir alle. Er wurde ans Kreuz gebunden. Nein, mehr: Er wurde ans Kreuz angenagelt.

Aber da, wo er gebunden war, hat er alle unsere schrecklichen Bindungen in seinen Tod hineingenommen. Jesus hat unsere Bindungen in seinen Tod hineinnehmen wollen. Nun dürfen wir sagen: Ich bin mit meinen Bindungen, meinem Stricken, gestorben mit Jesus.

Wenn wir uns richtig und gründlich zu diesem Herrn Jesus bekehren, dann erleben wir eine ganz neue Freiheit. Also eine ganz neue Freiheit, möchte ich sagen, eine ganz neue Freiheit.

Da denkt man anders, fühlt anders, atmet anders, versteht anders als eine Welt, die angebunden bleibt und das Schreckliche an ihren Bindungen noch für großartig hält.

Nicht, wenn jemand gebunden ist im Schmutz, was macht er für Sprüche, was für Abenteuer! Nicht beruhigend von ihren Vorworten eilen sie und ploppen das hin, als ob das etwas wäre.

Das Grauenvolle ist, dass der Mensch sich seines Angebundenseins noch rühmt. Löst sie auf! Ihr seid zur Freiheit berufen – nicht nur die Esel, nein, wir, liebe Freunde, wir!

Ihr seid zur Freiheit berufen. Das war das Erste.

Das zweite Wort: Zum Herrn führen

Nun kommt das zweite Wort. Wir wollten drei Worte Jesu vom Adventsesel hören. Das zweite Wort, das der Herr Jesus sagt, heißt: „Führet sie zu mir.“ Also, es war eine Eselin, nicht wahr? Es kann passieren, dass nach so einer Predigt jemand sagt: „Sie haben dem Esel gesagt, es war eine Eselin, ich weiß es.“ Aber das ist nicht so wichtig.

„Führet sie zu mir!“ Also zweitens: Führt sie zu mir. Stellen wir uns die Situation noch einmal vor: Wie der Herr Jesus da steht und zu seinen Jüngern sagt: „Seht ihr das kleine Dörfchen da vorne, wo die Dächer zwischen den Bäumen herausgucken?“ Und dann geht er hinein, findet eine Eselin angebunden, löst sie los und führt sie zu sich.

O wundervoll hintergründige Bibel! Das sagt der Heiland von einer Eselin: „Führet sie zu mir!“ Und in Wirklichkeit ist das sein Programm für uns und für die ganze Menschheit: „Führet sie zu mir!“ Da geht der Sohn Gottes in den Tagen seines Erdenlebens einmal über eine Straße bei Jericho. Dort sitzt am Rand ein armer blinder Bettler und wimmert um Groschen. Einmal bleibt Jesus stehen und sagt: „Führet ihn zu mir!“

Sollte man der Bibel nachsehen, wie oft das vorkommt: Wenn irgendein elender Mensch da ist, „Führet ihn zu mir!“ Das ist sein Programm. Da steht unser Herr und Heiland nach seiner Auferstehung eines Morgens mit seinen Jüngern auf einer einsamen Bergeshöhe. Die Jünger drängen sich um ihn. Dann streckt er den Arm aus und sagt: „Seht mal!“ und zeigt ihnen die ganze Welt und ihr Elend.

Mir ist es immer so, als ob er Vorhänge wegschiebt. Dann sehen sie blutige Schlachtfelder, Gefängnisse, streitende Familien, hungernde Menschen, satte und prassende Reiche, harte Herzen und versinkende Menschen. Sie sehen eine Welt ohne Gott. Ich glaube, sie sahen uns hier in Westdeutschland, wie es jetzt so ist, mit aller Angst, mit der Gier und allem.

Dann streckt der Heiland seine durchdringende Hand über diese ganze Welt und sagt: „Geht hin in alle Welt!“ Und das ist der Inhalt: „Führet sie zu mir! Führet sie zu mir!“ Das ist der Befehl Jesu an uns und an seine ganze Kirche.

Liebe Freunde, das muss man eben sagen: Das ist der Auftrag, den die Kirche Jesu Christi und alle, die dazu gehören, haben. „Führet sie zu mir!“ Es ist entsetzlich, dass die Kirchen das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder vergessen haben. Sie sind selbst weggeworden, weil sie Macht wollten. Und das war ein öder Leerlauf.

Wer sich für Kirche interessiert und für Kirchenaufbau, liebe Freunde, der weiß: Das ist ein sinnloser Laden, wenn man diesen Auftrag vergisst. Die Kirche hat einen großen Auftrag: „Führet sie zu mir!“ Menschen zum Heiland zu führen!

Da habe ich gehört, dass Billy Graham, so Gott will und wenn er lebt, nächsten Sommer hier nach Essen kommt. Dieser große amerikanische Evangelist hat einmal gesagt: „Ich bin kein Intellektueller, aber ich habe eine Wunde und eine Gabe: Menschen zu Jesus zu führen. Führet sie zu mir!“

Meine Freunde, ist das nicht ein majestätisches Wort, das der Herr Jesus sagt: „Führet sie zu mir!“ So im Blick auf die ganze Welt. Das ist ein majestätisches Wort, denn damit spricht er aus: Ich bin der einzige Weg, die einzige Wahrheit und das einzige Leben. Und der einzige Helfer und der einzige Erlöser. Es gibt keine anderen.

Der Majestät brüllt nicht auf dem grenzenden Jahrmarkt: „Hierher, hierher!“ Auch nicht in der Politik oder in den Wäldern. Da steht Jesus majestätisch und sagt: „Führet sie zu mir! Ich bin der Einzige.“ Wissen Sie, auch Petrus hat den Herrn Jesus ganz gut verstanden, als er vor dem Hohen Rat als Angeklagter stand und diesen bedeutenden Männern entgegenrief: „Es gibt keinen anderen Heiland!“

Meine Freunde, darum sieht es so trostlos in der Welt aus, weil die Politiker, die Gewerkschaften, die Arbeitgeber, Große und Kleine nicht wissen wollen, dass Jesus der Herr der Welt ist. Und dass man dauernd ohne ihn Welt baut. Da kommt am Ende das heraus, was Paulus mal schilderte: „Ein jeder sieht auf das, was das Seine ist, und nicht auf das, was das Andere ist.“

Schreiben Sie über jede Zeitung, die Sie lesen, das als Überschrift, dann verstehen Sie das Ganze: „Ein jeder sieht auf das, was das Seine ist, und nicht auf das, was das Andere ist.“ Schreiben Sie über jedes Haus, dann verstehen Sie alle Kräche, alles, nicht? Schreiben Sie über die Ehen, dann verstehen Sie alle Ehetragödien.

Ein jeder sieht auf das, was das Seine ist, und nicht auf das, was das Andere ist. Man lässt Jesus nicht den Herrn sein, und darum sind wir in so einer babylonischen Sprachenverwirrung gelandet, nicht wahr? Das sagt der majestätische Jesus: „Führet sie zu mir!“

Aber ich möchte nicht so großartig von allen politischen Dingen reden. Lasst mich lieber persönlich sagen: „Führet sie zu mir!“ Dieses majestätische Wort kann der Herr Jesus sagen, weil er der Einzige ist, der uns das geben kann, was wir nötiger brauchen als die Luft zum Atmen.

Er ist der Einzige, der uns Vergebung der Sünden geben kann. Darum ist er am Kreuz gestorben, darum hängt er blutig dort an dem Holz, darum bezahlt er für uns. Jesus ist der Einzige, der Vergebung der Sünden geben kann. Kein Engel, kein Mensch, kein Priester, keine Kirche, kein Gott außer Jesus, weil er dafür gestorben ist.

Und sehen Sie: Ohne Vergebung der Sünden ist unser Leben Quälerei, einfach Quälerei. Ich sehe mich um, die Menschen quälen sich alle, weil sie keine Vergebung der Sünden haben. Entweder lebt man ohne Gott, und da ist das Leben Quälerei, es ist einfach friedelos.

Das ist genau so, als wenn Sie einen Fisch aus dem Wasser nehmen – der schnappt nach Luft. Der Mensch ohne Gott ist ein armes Tierchen, Quälerei. Oder Sie leben mit Gott, das ist auch Quälerei, denn man hat immer Angst: „Habe ich nicht wieder gesündigt?“ Ich sehe, wie ernst viele es nehmen und wie das Quälerei wird, wenn man Gott gehören will.

Und dann kommt Jesus und sagt: „Führet sie zu mir!“ Und er schenkt durch sein Blut Vergebung der Sünden. Diese Quelle steht mir jeden Tag offen. Und, liebe Freunde, wo Vergebung der Sünden ist, darf ich im Heiland einfach meine Schuld sagen, jeden Tag, und das gelaufene Quell für mich sein teures Blut.

Wo Vergebung der Sünden ist, da ist keine Quälerei mehr. Da hat man Frieden mit Gott, da lebt man in Harmonie mit Gott. Da wird man fröhlich, da hört die Quälerei auf. Es gibt keinen Weg, keinen anderen Weg, aus der Quälerei ihres Lebens herauszukommen, als zu Jesus zu kommen, „Führet sie zu mir!“ und bei ihm Vergebung der Sünden zu bekommen und völligen Frieden mit Gott.

Ah, Jesus weiß, warum er so majestätisch sagt: Hört auf mit allen Religionen und Eltern, schaut auf keinen Quatsch: „Führet sie zu mir!“ Sind wir schon bei ihm? Sind Sie schon bei ihm? Der Esel kam zu ihm, sind Sie auch schon bei ihm?

Richtig, täuschen Sie mich nicht! Ich habe neulich von einer Frau gehört, das war mir sehr interessant. Sie ist sehr christlich, kommt in den Gottesdienst, kommt auch in die Bibelstunden. Eines Tages sagt der Mann zu ihr: „Frau, ich meine, du solltest mit den Kindern beten.“

Da bekommt die Frau einen roten Kopf und sagt: „Nein, beten kann ich nicht, beten kann ich nicht.“ Und da stellt sich heraus: Sie war zum Christentum gekommen, aber nicht zu Jesus. Das ist ein Unterschied. Sie war bis zur Kirche gekommen, aber nicht zu Jesus.

Denn wenn man zu Jesus gekommen ist, dann kann man beten. Dann kennt man diesen Freund, dem man sein Herz ausschütten darf, dem man alles anvertrauen darf und der zu uns redet.

Ach, dass es mir gelänge, in diesen Gottesdiensten hier und in meinem Haus ein paar Menschen loszulösen und zu Jesus zu führen! Ich habe keinen anderen Wunsch mehr, als ein paar Menschen zu Jesus führen zu können. Und das ist das Größte, was geschehen kann.

Das dritte Wort: Die gegenseitige Bedürftigkeit

Lassen wir noch das dritte Wort sagen – drei Worte vom Adventsesel.

Löst ihn auf, das zweite Wort hier führt ihn zu mir, und das dritte Wort heißt: „Der Herr bedarf sein.“ Also drittens: „Daher bedarf sein.“ Sehen Sie, das ist meine Alterserscheinung – zu lange Predigt. Ich bin aber gleich fertig, haben Sie keine Sorge. Daher: „Bedarf sein.“

Sehen wir das Bild mal vor uns, wie der Herr Jesus seine Jünger losschickt und sagt: „Geht in den Ort da rein, da ist ein Esel an so einem Eisenring angebunden, und da löst ihn auf.“ Die Jünger denken jetzt: „Ja, wir können doch nicht Esel klauen gehen, was werden die Leute sagen?“

Jesus schließt ihre Gedanken und sagt: „Na ja, wenn jemand kommt, dann sagt nur: Ich brauche ihn“ – oder sie, es war eine Eselin – „ich brauche sie.“ Daher „bedarf sein.“ Jesus sagt es von einer Eselin. Oh, hintergründiges Wort Gottes! Das sagt er ja an diesem Adventsmorgen zu uns: „Ich bedarf dein, ich hab dich nötig.“

„Ich kann nicht ruhig werden“, sagt der Sohn Gottes, dem alles gegeben ist. Er sagt jetzt hier zu dir: „Ich kann nicht ruhig werden, ehe du dich mir zur Verfügung gestellt hast, damit ich meinen Siegeszug antreten kann. Ich bedarf sein.“

Meine Freunde, nun sind ja die Dinge hier wirklich unglaublich um den Kopf gestellt. Ich habe immer gemeint: Ich bedauere den Herrn Jesus, ich brauche einen Heiland, ich brauche einen Heiland, ich brauche einen Heiland, ich kann keine Sekunde mehr ohne ihn leben, ich brauche ihn. Und jetzt sagt dieser Herr: „Ich brauche dich.“

Wenn er Esel braucht, sagt er das recht zu uns Menschen. Es geht ihm immer um Menschen. Es geht Jesus nie um Esel, immer um Menschen. Tiere zwar in Ehren, aber es geht dem Herrn Jesus um Menschen. Und die Bibel macht immer noch den Unterschied zwischen Tier und Mensch, den wir dauernd verwischen wollen.

Wir stammen vom Tier ab, und das Tier ist edler als der Mensch, nicht? Ein Hund und Pferd sind heute schon viel edler als ein Mensch. Wenn eine Katze totgeht, dann schreien wir, aber wenn Menschen zu hunderttausenden im KZ umkommen, dann… Liebe Freunde, die Bibel kennt auch den Unterschied. Es geht Jesus nicht um Esel, es geht Jesus um Menschen. Glauben Sie mir, es geht Jesus um Menschen.

Und da sagt er uns: „Ich bedarf einen.“ Wie steigt der Sohn Gottes hier tief herunter, wie beugt er sich, dass er zu uns sagt: „Ich brauche dich.“

Na, Herr Jesus, wir brauchen dich. Und er sagt: „Und ich bedarf dein.“ Ach, Herr Jesus, das ist ja wunderbar. Und nun sagt er das: „Ich bedarf dein, du.“ Ich bedarf dein, sagt er heute Morgen zu dir. Und da stehen wir nun vor der Frage – und ich wünschte, wir hörten sie wirklich –, ob wir uns diesem Sohn Gottes, der so viel für uns getan hat, wirklich zur Verfügung stellen wollen.

Darauf muss man antworten, sich sagen: Ich bin gern ein bisschen christlich. Jesus sagt: „Ich bedarf dein.“ Und wir stehen vor der Frage, ob wir uns ihm zur Verfügung stellen wollen.

Ach, der Esel hat den Herrn Jesus hineingetragen nach Jerusalem mit diesem Triumphzug. Wollen wir ihn jetzt nicht hineintragen? Wollen wir in Zürich gehen, wollen wir ihn hineintragen in unsere Häuser, in unsere Familien, wie der Esel nach Jerusalem trug, nach Essen, in die Welt? Doch Herr bedarf deins und Dienst.

Ich muss schließen. Lassen Sie mich zum Schluss eine kleine Sache erzählen. Ich hörte neulich eine Sache von einem württembergischen alten Lehrer, der hatte mit seinen Kindern die Grammatik besprochen: erste Person „ich“, zweite Person „du“, dritte Person „er“.

Und dann klappt der Lehrer das Buch zu und sagt: „Und jetzt möchte ich auch noch was sagen, Kinder. Es gibt auch eine göttliche Grammatik, und die ist ganz anders. Da heißt es nicht erste Person ‚ich‘, zweite Person ‚du‘, dritte Person ‚er‘, da ist es gerade umgekehrt, in der göttlichen Grammatik. Da ist die erste Person ‚er‘.“

Da offenbarte Gott, mein erlösender Mann von Golgatha, den Sündenträger. Er ist die erste Person. Jetzt von hinten her, zweite Person: du, mein Nächster, das „du“ – das ist meine Person. Und erst an dritter Stelle kommt das „ich“.

Liebe Freunde, ich wünschte, darum geht es im Grunde in der ganzen Geschichte: Wir lernen diese göttliche Grammatik: er, du, ich.

Wir wollen beten: Herr, unser Heiland, wir danken dir, dass du loslöst, dass man zu dir kommen darf und sich führen lassen darf, dass du die Arme ausbreitest zu Sündern. Und ich danke dir, dass du unser armes Leben sinnvoll machen willst und brauchen willst.

Und nun lass dies Wort in unseren Herzen auf einen guten Acker gefallen sein, damit wir Frucht bringen in Geduld. Amen.