Einleitung
Wir haben heute als Predigttext aus dem Römerbrief Kapitel 14 die Verse 10-
13 Römerbrief Kapitel 14 die Verse 10-13.
Du aber, was richtest du deinen Bruder, oder was verachtest du deinen
Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden, denn
es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich
alle Knie beugen und alle Zungen sollen bekennen. So wird nun jeder von uns
für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer
den anderen richten, sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass
niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereitet.
Ja sagen Sie mal, jetzt sollen wir auch noch schweigen, obwohl einem oft
doch der Hut hoch geht! Wenn man heute sieht, wie das Unrecht in dieser
Welt triumphiert, wie das Böse auf breiter Front vormarschiert, und jetzt
sollen wir schweigen? Und nichts mehr dazu sagen? Die Schwachen werden
immer mehr auf die Seite gedrückt, die Armen hungern, und die Welt wird
ausgebeutet, und die Umwelt zerstört. Wie kann denn so ein Satz überhaupt
in der Bibel drin stehen? Richtet nicht. Wir müssen doch richten. Wir
müssen doch das Bewusstsein wach machen. Wir müssen doch das Übel
anprangern, wir müssen doch so viel wie möglich zusammenbringen, dass man
gemeinsam auf die Straße geht, und demonstriert gegen das Böse, dass man
anklagt, endlich. Man muss doch die Stimme erheben, man kann doch nicht
einfach schweigen und die schuld sind, die muss man anprangern, die muss
man beim Namen nennen, da muss man drauf zeigen, den Finger darauf legen,
nicht bloß darauf zeigen, sondern drauflegen, mit dem Finger darauf zeigen.
Die sind es, die haben wir. Und gerade die Kirche, die soll sich ruhig
darum kümmern. Übrigens, in der Kirche auch. Da geht es ja drunter und
drüber. Da erheben ja viele schon ganz keck und frech ihre Stimme und die
leugnen sogar die Göttlichkeit Jesu und treten seine Ehre in den Schmutz,
und da werden die Gebote Gottes außer Geltung gesetzt und dabei das
Bibelwort umgedeutet, das muss man doch nennen! Da sollen wir schweigen?
Jesus selber hat doch das Unrecht klar beim Namen genannt und hat gesagt:
Heuchler! Und Paulus nicht anders. Er hat doch gesagt, wir sollen nicht am
gleichen Joch mit den Ungläubigen ziehen, und wir sollten nicht das
Heiligtum den Hunden geben. Also, bitte, man muss doch schließlich was tun,
Licht und Finsternis geht einmal nicht zusammen. Lasst uns nicht richten.
Lasst uns nicht richten. Sagen Sie, ist das ein Widerspruch in der Bibel,
oder wie ist das jetzt verstehen? Zuerst: Es geht um das Maß, mit dem wir
richten.
Es geht um das Maß, mit dem wir richten
Mit welchem Maß richten wir? Wie richten wir? Mit dem gesunden
Menschenverstand. Gucken Sie sich einmal um. Jeder sagt: ich weiß schon,
wie das ist, oder wie man auch so sagt, jeder nach seinem Gewissen, nach
welchem Gewissen eigentlich? Nach dem Gewissen von der Frau Süßmuth? Oder
nach dem von Theo Waigel? Nach welchem Gewissen? Also jeder hat einen
gesunden Menschenverstand. Welchen gesunden Menschenverstand eigentlich?
Achten sie einmal darauf, wenn sie heute in den Zeitungen oder im Spiegel
oder in der Illustrierten, oder sonstigen Medien sehen, wie das Unrecht
angeprangert wird, wer richtet eigentlich über wen? Wenn plötzlich der Stab
gebrochen wird über Politiker, über Wirtschaftsführer, über kriegführende
Völker, wer richtet eigentlich wen? Wer kann sagen, was hier los ist? Es
heißt ja immer wieder, in unseren Zeitungen sei merkwürdig, dass die
Schuldigen so wenig Einsicht zeigen. Das liegt ja irgendwo beim Richten so.
Wo gerichtet wird, da wehrt sich jeder. Da verteidigt sich jeder, und sagt,
ich, ich bin nicht schuld, Nein, ich bestimmt nicht. Das ist interessant,
ich weiß nicht, welche Tageszeitung Sie lesen, ob sie Spiegel oder Quick
oder was sie lesen, Stern, ich habe in all den Jahren meines Lebens
eigentlich noch nie erlebt, dass auch diese Medien, die oft auch so Urteile
moralisch über die Schäden in der Zeit, dass die selber einmal gesagt
hätten, wir haben uns getäuscht. Sie werfen das anderen immer vor, dass sie
so wenig Schuld eingestehen, aber ich habe es eigentlich noch nie erlebt,
das eine Presse gesagt hätte, wir haben völlig falsch berichtet, und wir
haben da was falsches veröffentlicht. Ohne Not nie, wenn eine
Gegendarstellung kommt, dann schreibt man, wir müssen das ja nur bringen.
Wir bleiben bei unserer alten Meinung. Also warum kommt es denn so wenig zu
Schulderkenntnis? Wenn gerichtet wird, es möchte sich jeder verteidigen, da
will jeder sagen: Ich doch nicht! Ich bin doch unschuldig! Davon wissen
die, die bei Gericht tätig sind, ein Lied zu singen. Wer richtet, der
gesunde Menschenverstand? Denn sehen sie, darum sagt Paulus, wir werden vor
Gottes Gericht gestellt, und darum können wir nicht mehr richten, wie die
anderen Leute. Wir sind vor Gott in sein strahlend helles Licht gestellt,
und da merken wir, dass unser gesunder Menschenverstand uns ja immer
täuscht. Der gibt uns ein ganz falsches Bild von dem, was wirklich läuft,
und was da passiert. Wir sehen das ja ganz falsch, denn gerichtet muss
werden, ja gerichtet muss werden, aber richtig, ja richtig, und das kann
nur Gott, Gott kann richtig richten, und er richtet uns, und wie! Und dann
stellt er uns vor seinem Angesicht, und wenn wir alle im Lichte Gottes
stehen, und das müssen Sie wissen, Sie können es heute noch leugnen, Sie
können das wegschieben, die Stunde kommt, wo sie vor Gott nackt und bloß
dastehen, und dann ist alles da. Als die Stasi-Archive geöffnet wurden, da
hat man sich gewundert, wie die deutsche Bürokratie fein säuberlich jeden
Zettel aufbewahrt, und wie das alles so festgehalten wird, jeden Report,
jedes Telefongespräch, das mitgeschrieben wurde. Noch viel exakter aber
arbeitet Gottes Gericht. Wir werden Rechenschaft geben müssen von jedem
unnützen Wort, das wir geredet haben. Und wo vor Gott, da sind die Mängel
und Schäden ganz offenkundig. Alle müssen so vor Gottes Gericht, die Alten
und die Jungen, die Pensionäre und die Studenten und die Mütter und die
Väter, alle. Und Gott kennt sogar unser Herz, unsere Gedanken von ferne,
wir mögen uns manchmal noch brüsten und sagen, wir haben doch gute Taten
getan, aber Gott kennt unsere Motive, er sagt das ist doch bloß getan um
des Stolzes willen. Das war doch bloß um eitler Ehre willen getan. So
offenbar sind wir von dem Gericht Gottes. Als wir neulich von Israel
zurückkamen, da sind wir mit dem Bus von München her gefahren, und auf der
Autobahn ist es passiert, das habe ich noch nie mit erlebt, dass aus einem
BMW war es glaube ich, plötzlich ein Arm herauskam mit einer Polizeikelle,
und hatte einen angehalten. Da war einer mit so einem kleinen PKW-Anhänger
140 auf der linken Spur durchgerast, darf dort nur 80 fahren, und den hat
der gestellt. Und das ist dann so ein erbärmliches Bild, wenn so ein
Autofahrer, der vorher so richtig frech und kühn seine 140 fährt, am
Straßenrand steht und sich entschuldigt, das tut mir leid, ich habe gar
nicht auf meinen Tacho geachtet. Und mein Busfahrer, wissen sie, was der
gesagt hat, ich habe gemeint, das gelte mir. Der hat auch ein schlechtes
Gewissen. In dem Augenblick, wo die Kelle kam, da war man überführt, vorher
dachte man, ach, da kann nichts passieren, aber wenn sie dann plötzlich da
steht... So ist es mit dem Gericht Gottes. Man kann das jahrelang leugnen.
Man kann sagen, Ach, das nehme ich nicht so genau mit den Geboten Gottes,
und ich mache das nach meinem Gutdünken. Wenn Gott uns richtet – vor Gott,
da können wir ja gar nicht anders, da werden wir überführt. Ich hatte ein
interessantes Gespräch gehabt, mit einem alten Mann, der sagte, Ach wissen
Sie, es ist doch furchtbar, was auf dem Balkan sich ereignet, das versteht
man gar nicht, was die Menschen alles tun können, dass die andere nur so
verachten, bloß weil sie einer anderen Nationalität angehören, einem
anderen Volk angehören. Ich habe gesagt, Sie haben recht, aber mich
belastet genauso, dass wir in unserem Gemeindebezirk eine kleine Straße
haben, und da wohnen zwei Familien nebeneinander, und die sind beide ganz
eng verwandt, aber die haben sich jahrelang nicht mehr gegrüßt, und haben
sogar die Gartentüre fest verriegelt. Einer von den beiden das war der Mann
mit dem ich da sprach, der es nicht verstanden hat, warum die Kroaten und
die Serben sich nicht verstehen. Der hat gesagt, das verstehe ich auch nie,
warum die drüben die Verwandten so sind. Da musste ich sagen, Sie waren
doch im Krieg in Russland. Wie war's denn auf dem Rückzug? Haben Sie nicht
auch die russischen Bauernhäuser anzünden müssen? Ja, das mussten wir! Ich
sage ja, wir können so schnell die über der Zeit richten, aber uns sehen
wir nicht, mit unserer Schuld, und wenn Gott uns in sein Licht zieht, dann
wacht das plötzlich auf. Das kann passieren, wenn Sie nachts nimmer
schlafen können, dass Ihnen plötzlich Dinge aufwachen, was kann man da tun,
da dann kann man bloß vor Gott das bereinigen und in seinem Licht klären,
vor Gott sind wir alle verlorene Leute, keiner kann sich entschuldigen,
keiner sich herausreden, keiner kann sich verstecken, niemand kann so
hintreten und das Wort erledigen, niemand kann das wegdiskutieren, und wenn
man wir noch so geschickte Anwälte wären, das kriegen wir nicht weg. Jede
einzelne Sache spricht für sich, jeder Gedanke des Hasses, jeder böse Blick
unseres Lebens, so hat uns Jesus überführt in der Bergpredigt. Und dann,
dann geschieht noch etwas vor Gott, dass vor dem Richterstuhl, da kommt
plötzlich eine Stimme, und das wissen Sie hoffentlich, kommt eine Stimme,
die ruft laut, wer will verdammen? Wer will verdammen? Christus ist hier,
der gestorben ist, ja viel mehr, der auch auferweckt ist, welcher sitzt zur
Rechten Gottes und vertritt uns. Es gibt die Möglichkeit, vor dem
Richterstuhl Gottes alles vergeben zu haben, das kann nur Jesus tun. Dafür
ist er gestorben. Dafür hat er sein Leben gelassen, dafür hat er sein Blut
vergossen, damit wir heute Vergebung bekommen, und damit die Dinge
endgültig weggetan sind, nie mehr vorgeholt werden, versenkt sind in des
Meeres Tiefe, ganz weit weg, und da kommen sie nicht mehr zur Sprache, da
sind sie bewältigt, dann sind sie weg getan und vergeben. Jetzt muss ich
Sie fragen, haben sie solch eine Vergebung? Ist es bei ihnen geschehen?
Sind Sie wirklich so täglich mit der Vergebung Jesu gereinigt und
geheiligt, gesäubert und gewiss, dass das alles, alles weg ist? Ich bin so
froh, dass ich Ihnen auf dieser Kanzel immer und immer wieder das gleiche
predigen darf, was denn sonst? Das ist das wichtigste, was ein Mensch im
Leben und im Sterben wissen muss, es gibt nur eine Möglichkeit, die vielen
Mängel und Fehler unseres Lebens zu beseitigen, das geht nur durch Jesus,
durch sein Blut, er richtet mich. Aber er macht mich auch gerecht, er macht
mein Leben richtig. Er bringt das in Ordnung, was verkehrt war, und macht
das alles wunderbar neu. Ich kann vor Gottes Richterstuhl bestehen. Christi
Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich
vor Gott bestehen wenn ich zum Himmel wird eingehen. Haben sie alles, alles
in ihrem Leben bereinigt, geklärt, in Ordnung gebracht, vor Jesus? Darum
möchte ich bitten. Aber jetzt noch was zweites.
Das Böse muss doch wirklich ausgerissen werden
Das Böse muss doch wirklich ausgerissen werden. Ja, also, unter Christen in Gemeinden hin und her,
Hauskreisen, da wird ja auch immer wieder diskutiert, das ist ja eine faule
Tour mit der Vergebung, da wird ja irgendwie von oben weggepustet, Ach er
vergibt dir deine Schuld, und so. Und dann unter der Decke lebt doch das
Böse weiter wie ein Unkraut. Wie das Unkraut im Garten: Sie reißen das
Unkraut raus, oben die Blätter, und die Wurzeln, die stecken tief im Boden
und nach ein paar Tagen, wenn es regnet und warm ist, dann wächst das ja
gleich wieder wie vorher. Ist es nicht so mit der Vergebung mit dem
Christenleben? Ist es bei Ihnen so? Das wäre ein Alarmzeichen. Ich kann es
Ihnen vielleicht am besten mit einer Geschichte erzählen. Die können wir am
besten verstehen, sie hat sich drunten zugetragen im Gustav-Siegler-Haus,
1959. Es war da eine christliche Versammlung, und da war auch einer dabei,
der aus einer Hamburger Gemeinde kam, er war elf Jahre seines Lebens im
Gefängnis gesessen als Schwerverbrecher, aber es war ganz toll, wie der zum
Glauben kann, in der Gemeinde in Hamburg, da war er der große Star, viele
haben gesagt, Mensch, so wie du, du hast eine Wandlung durchlebt. Aber
später hat dieser Mann, er hieß Wolfgang Dyck, gesagt, das stimmt gar
nicht, ich habe eigentlich nur erlebt was viele Christen auch machen, ich
habe wie ein Chamäleon nur mein Äußeres verändert, und ich habe gemerkt, in
der Gemeinde genügt es eigentlich, dass man nach außen fromm tut. Und ich
hab so christlich gelebt, und ich hab mir das sogar oft sagen lassen von
Leuten, die haben gesagt, du, so ein guter Christ wie du, bist, wollte ich
auch mal sein, und keiner in der Gemeinde hat gewusst, dass ich inzwischen
wieder ganz schwere Rückfälle hatte. Das Böse ist in meinem Leben ganz
massiv hochgekommen. Und ich habe es verdeckt vor der Gemeinde. Und dann
war jene Versammlung, im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart, und da sprach ein
Heilsarmeeoffizier. Ja, die Freunde der Heilsarmee sagen das oftmals noch
massiver. Nicht, dass Sie meinen, ich sage es Ihnen schon massiv genug! Die
sagen das noch viel einfacher, noch viel klarer. Und bloß die ganze Predigt
über hat er nur erzählt, wie Jesus ans Kreuz angenagelt worden ist. Und
sagt, das hatte ich nur getan für dich, weil du ein verlorener Mensch bist,
und Wolfgang Dyck sagt, ich habe zum ersten Mal geweint über meine Sünde.
Ich habe das vorher noch nie müssen sagt er. Ich habe gemerkt, erst, wie
tief ich gefallen bin. Das Schwere der Sünde sieht man nicht, indem die
andern immer geißeln, und sagen, das ist der bös, Lügen, Ehebruch, oder
schlimmer. Man sieht das Schlimme der Sünde erst, wenn man auf Jesus
blickt. Auf die Liebe Jesu. Und erst am Kreuz sieht man, dass es niemand
gibt, der als Christ leben kann, bloß Christus. Christus ist der einzige
Punkt und die einzige Möglichkeit zum Überleben ist doch, dass Christus in
meinem Leben die Mitte ist, und der Herr, und dass er das Sagen hat, und
dass ich mich täglich für ihn öffne. Dass ich mich ihm mit Haut und Haaren
verschreibe. Dieser Wolfgang Dyck ist ja in den wenigen Jahren, die ihm
Gott noch geschenkt hat, bevor er durch einen schweren Verkehrsunfall ums
Leben kam, ein Evangelist geworden, dem Gott es geschenkt hat, das Menschen
sagen zu können. Er ist in die Nachtbars gezogen und zu den Ausgeflippten,
Obdachlosen, wo er überall war, hat ihnen das erzählt. Keiner ist besser
als ihr, keiner. Außer Jesus, und er beugt sich ganz unter eure Schuld. Und
der sucht euch in seiner großen Liebe. Sehen Sie, darum ist das Richten so
nutzlos, weil mit dem Richten können wir anderen gar nicht einmal Schuld
zeigen, das zeigt sich auch täglich in unseren Medien, wo man den
Angeklagten anprangert, aber keiner überführt ist. So war es da nach dem
letzten Krieg mit den Naziverbrechen, da hat sich jeder vor der
Spruchkammer entschuldigt. Auch wenn er sagte, es war was falsch in meinem
Leben, er musste sich verteidigen, so wird es wieder mit der Stasi-
Vergangenheit, statt dass man Schuld eingestehen kann, muss man sich
verteidigen. Bloß unterm Kreuz Jesu, da könnte alle Sonntag für Sonntag das
immer wieder sagen, Nein, ich lebe allein von der Gnade Jesu, an mir und
meinem Leben ist nichts auf dieser Erd. Ich bin nicht besser, als die
Mörder und die Ehebrecher und die Lumpen und all die anderen. Ich bin
genauso einer, mein Herz ist genauso weit von Gott weg. Nun Herr, was du
erduldet, ist alles meine Last. Das ist mein Leben. Heute reden wir in den
Gemeinden über den Opfertod Jesu, aber ob wir begriffen haben, dass viele
Leute ganz unten sind? Ein Arzt, ein gläubiger Arzt, hat gerade geholfen.
Er hat noch ein Beispiel erzählt, und er sagte, in seine Praxis kommt ein
Mann, das schon einige Zeit herkam und sagte, Ach wissen Sie Herr Doktor,
es sind alle Schweine, diese Menschen, keiner ist besser als der andere,
ich hat sie alle erlebt, im Krieg, den Unteroffizier, den und den Leutnant,
und wissen sie, was die gemacht haben, das ist... Sie sagen gar nichts,
Herr Doktor? Und er sagte nur zum Patienten, wissen Sie, das ist auch ein
Sohn seiner Mutter, der geliebt gewesen war. Und die Umstände waren ja auch
wirklich schwierig! Was, Sie entschuldigen das noch? Ach, sagt er zu seinem
Patienten, ich trage selber sehr an meinen Fehlern. Der Patient schweigt
und kommt nach einer Woche wieder, und legt eine Lebensbeichte ab. Und da
sind furchtbare Dinge ans Tageslicht gekommen, über die der Arzt sich
ausgeschwiegen hat, Gott sei Dank. Wir reden manchmal so leicht, und dabei
ist das nur Flucht vor der eigenen Not. Wenn unsere Mütter abends nach so
einem schönen Sommertag die Kinder in der Badewanne abschrubben, da werden
sie nicht bloß äußerlich gesäubert, da erzählen die Kinder auch manches,
was sie am Tag erlebt haben, was dieser Tag mit sich gebracht hat. Und dann
erzählen sie von den Kameraden, was der gemacht hat, da hat mir einer ins
Gesicht gespuckt und gelogen. Und wenn eine Mutter sagt, das ist ja
furchtbar, da erziehen sie die Kinder nur zu Heuchlern. Sagen Sie den
Kindern, ja, so ist unser Herz, aber Jesus liebt uns, und vergibt. Das ist
die Reinigung der Seele. Barmherzigkeit Jesu und die Gnadenordnung, wo man
nicht sich entrüstet, und sich nicht empört, und aufschreit, sondern sagt:
Ich, und schlägt an seine Brust, ich bin einer, der so viel verwirkt hat.
Wir wollen nicht entschuldigen, aber wir brauchen die Welt auch nicht zu
klagen, dass der Teufel so viel bestimmt, und triumphiert, und Vormacht
stiert. Es geht doch uns nur um eines, dass alle Knie sich vor Jesus
beugen, das steht auch hier, wenn der Paulus sagt, bis wollen sie richten,
dann hat er das Ziel, das alle Knie sich beugen vor Jesus. Wir werden die
Welt nicht säubern. Auch nicht, wenn wir eine Peitsche in die Hand nehmen.
Aber wir wollen, dass Knie sich vor Jesus beugen. Erst wenn die Menschen
sich vor Jesus beugen und sagen, danke, Herr Jesus, dass du meine Sünden
vergeben hat, da ist etwas neu geworden, vorher nicht. Vorher werden nur
fromme Heuchler erzogen. Aber das Böse muss doch wirklich ausgerissen
werden, da wird es ausgerissen, wo wir unser Knie vor Jesus beugen. Und das
ist nicht bloß ein Bild. Sind Sie schon einmal niedergekniet und haben
Jesus gedankt, dass Sie als sündiger Menschen angenommen sind? Und sagen,
ich bin nicht mehr der, der aufrecht steht, da ich auf Knien bin vor Gott
ein gebrochener Mensch, aber er hat mich lieb, das gibt dir wieder das
Rückgrat, das ich stehen kann. Noch ein letztes:
Die Grundlage muss doch wieder stimmen
Die Grundlage muss wieder stimmen.
Ja, es wird mir heute schwer, so zu predigen, ich hätte viel lieber
gepredigt, über das unsagbare Unrecht, dass unser Volk als Gesetz-Ordnung
beschließt, man kann das mit Worten nicht beschreiben, wenn eine Mutter ihr
Kind unterm Herzen trägt, es ist doch der schönste Platz, den ein Kind
haben kann, es wird sich nie mehr so wohl fühlen, wie unter dem Herzen der
Mutter. Das ist der Platz, wo ein Kind jetzt zwölf Wochen lang freigegeben
wird zur Tötung, zum Abschuss. Da, wo der schönste Mutterliebe-Platz ist.
Müsste man nicht darüber reden? Ich will nicht darüber reden. Wir könnten
viel reden über Missstände der Welt. Hier und dort in unseren kleinen
Kreis, im weiteren Umkreis. In dieser Welt ist der Teufel los, auch in
unserem Volk, in unserer Stadt, und da muss die Grundlage wieder stimmen,
und das ist mein Alarmzeichen, dass die Menschen Jesus nicht erkennen. Dass
unser Volk vielleicht noch christlich ist, aber das christliche ist nur
heidnisch. Dieses Volk braucht Jesus wieder, das ist das wichtigste, dass
wir evangelisieren, dass wir allen von Jesus sagen, von der Versöhnung, von
der Erneuerung, wo Sünde mit Bund und Stumpf ausgejätet wird und gebrochen
wird, darum geht es doch. Wir können doch gar kein Verständnis mehr
erwarten. Als Paulus diese Schlagzeile niedergeschrieben hat, ging es
natürlich um einen ganz kleinen Ärger in den Gemeinden, damals ging es um
die Frage, ob man das Fleisch, das damals nicht aus Schlachthöfen kam,
sondern aus dem Götzen-Tempel, ob man das essen darf, oder ob das dämonisch
verseucht ist. Eine wichtige Frage. Es gibt er immer wieder bei Christen
solche Neben-Kriegsschauplätze, wo man sich streitet in den Gemeinden über
Fragen der Liturgie, über Fragen des Liedguts, darf man mit dem Schlagzeug
im Gottesdienst spielen, und darf man Haare schneiden, das ist schon
allmählich Mode, heute zieht schon jede Oma lange Hosen an, also es ist
auch nicht mehr so das, das wechselt mal, dann geht es wieder um
irgendwelche äußeren Formdinge und Modedinge. Sehen sie, Paulus sagt, wir
wollen doch einander nicht richten. Es gibt so viele Dinge, im Leben, wo
wir als Christen auch verschieden sein können. Nur da erlaubt er eine
Toleranz. Ich fürchte, dass manche heute in Gottesdiensten hin und her so
eine allgemeine Predigt halten, ein Christ darf alles, Nein, Nein, Nein.
Gerade nicht. Es gibt ein weites Feld der Toleranz, wo Dinge uns überlassen
sind, der Lebensgestaltung und viele Dinge sehen, und machen, und auch tun,
wir brauchen da einander nicht zu richten. Da mag es verschiedene
Verständnisse geben über das Abendmahl-Feiern sowie die es mit der Taufe
halten, aber keiner soll sich über den anderen erheben, was das wichtigste
ist, die Grundlage muss doch stimmen, und das ist heute nötiger als sie.
Dass Menschen an sich selbst erfahren haben, dass Jesus mich im Gericht
Gottes gerecht macht. Anders kann man nicht selig werden. Sehe zu, dass
keiner dem anderen ein Ärgernis bereite, sieh zu, dass keiner im Glauben
Schiffbruch erleidet. Heute ist es wichtig, dass man Christen wachrüttelt
und sagt, hast du es ergriffen, hast das wirklich begriffen, oder hast Du
bloß die Mitgliedschaft mitgenommen? Bist du ein Eigentum Jesu, das ist
doch das wichtigste. Keiner lebt für sich selber, das sagt Paulus ein paar
Verse vorher, keiner stirbt für sich selber. Leben wir, wenn leben dem
Herrn, sterben wir, sterben dem Herrn, das ist wichtig, und darauf folgende
einander hinweisen, darüber wollen wir kämpfen, das soll so Leidenschaft
sein, dass wir Menschen zu Jesus führen, und dafür sorgen, dass Jesus Herr
unseres Lebens wird. Das ist das wichtigste, das allerwichtigste. Amen.
