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Verloren im Trubel der Welt

Der 12-jährige Jesus im Tempel
28.01.1962Lukas 2,41-52

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt!

Wir hatten begonnen, die Geschichte von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel zu besprechen. Es heißt, und das haben wir beim letzten Mal besprochen: "Die Tage des Festes waren vollendet." In Lukas 2 steht: "Die Tage des Festes waren vollendet, und sie gingen wieder nach Hause. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem zurück, und seine Eltern wussten es nicht."

Nun zum heutigen Text: "Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und gingen eine Tagereise weit, um ihn unter ihren Verwandten und Bekannten zu suchen. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort."

Heiliger Unsinn deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Amen!

Einführung in die Geschichte des zwölfjährigen Jesus

Darf ich kurz fragen: Wir haben eine Änderung vorgenommen. Es hieß immer: „Unter der Galerie können Sie mich verstehen.“ Dort haben wir ein paar Lautsprecher eingebaut. Können Sie mich jetzt hinten gut verstehen? Ja, danke schön. Bitte ändern Sie das noch, wie es wichtig ist.

Liebe Freunde, das ist eine aufregende Geschichte. Es geht um einen Jungen, der zum ersten Mal im zwölften Lebensjahr mit seinen Eltern zum Passafest nach Jerusalem fährt. Als das Fest zu Ende ist, verlieren die Eltern ihn im Trubel des Aufbruchs. Sie suchen ihn unter Schmerzen an allen möglichen Orten. Ihre Not wächst, bis sie ihn schließlich finden – in einer wirklich merkwürdigen Situation. Es ist, als wären die Olchwände unter lauter Bischöfen eine echte Unterkunft. Aber darauf kommen wir später noch zurück. Das ist später wichtig, so manche Sache.

Man kann diese Geschichte als die eines Jungen ansehen, der unverantwortlich handelt und seine Eltern in Not bringt. Am Ende stellt sich heraus, dass er ziemlich frühreif ist. Was meinen Sie, wie oft das als Jugendfache Erfahrung vorkommt? Spätabends kommt ein Telefonanruf: Der Pastor meldet, unser Junge ist verschwunden. Wie verschwunden? Ihr seid seit drei Tagen nicht nach Hause gekommen, oder? Ja, wo kann er sein? Das wissen wir nicht, wir haben überall gesucht. Wenn ich erzählen wollte, wie oft ich das in meinem Leben erlebt habe!

Diese Geschichte gehört natürlich in die Rubrik der Geschichten von jungen Menschen, die nicht recht wissen, was sie im Alter tun sollen und was sie ihren Eltern damit antun.

Die wahre Bedeutung der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus

Aber dann hat man die Geschichte wirklich völlig missverstanden, gründlich missverstanden.

Was ich jetzt sagen will, meine Freunde, ist unendlich wichtig und verständlich in der Geschichte. Ich hoffe, dass Sie gekommen sind, um zu verstehen: Der zwölfjährige Knabe, der hier sitzt, ist auch als Zwölfjähriger der Sohn des lebendigen Gottes. In der Bibel steht, dass in ihm die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt – auch im Zwölfjährigen.

In der ganzen Geschichte redet und handelt dieser Jesus als einer, der seine Gottessohnschaft kennt und um seine Sendung vom Vater weiß. Auch in der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel haben wir es mit dem Sohn Gottes zu tun. Von ihm heißt es in der Bibel: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden!“ (Johannes 1,12).

Sie haben keine Chance, Kind Gottes zu werden, wenn Sie ihm diesen Jesus nicht zeigen. Das gilt schon vom Zwölfjährigen.

Ich möchte Ihnen auch sagen, dass wir kleine Kinder oben abgeben können. Das hat es schon gegeben. Wir haben oben einen Kindergarten, und geben Sie beim nächsten Mal dort die Kinder ab. Die zweite Stunde ist ein Kindergarten.

Wir haben es hier in jedem Fall auch beim Zwölfjährigen mit dem Sohn Gottes zu tun, mit dem Heiland der Welt, dem Erlöser.

Und weiter: Alles, was Menschen mit diesem Heiland erleben können, das ist keimhaft in dieser Geschichte enthalten. Also bitte, nehmen Sie die Geschichte heraus aus der „Kathothek“ der Lausbubengeschichten. Dort gehört sie keineswegs hinein. Sie gehört in die „Katholik“ der Geschichte, was Menschen mit Jesus erleben – dort gehört sie hinein.

Der verschwundene Jesus: Verloren im Trubel der Welt

Wenn ich jetzt eine Überschrift für unseren Text suche, könnte ich ihn „Der verschwundene Jesus“ nennen.

Der verschwundene Jesus – dazu möchte ich drei Dinge sagen.

Erstens: Verloren im Trubel der Welt. Tausende Menschen gingen nach Jerusalem zum Passafest. Dort herrschte ein großes Gedränge, ein Gewühl, ähnlich wie es in diesem Sommer sein wird, wenn hier in Essen das Deutsche Sängerfest stattfindet. 550 Sänger werden mit ihren Begleitungen erwartet – das gibt schon ein Gefühl für die Menge. Beim Passafest in Jerusalem war es noch viel mehr.

Ich kann mir vorstellen, wie tumultartig es zuging, wenn das Fest zu Ende war und die Karawanen, Reisegesellschaften, Einzelwanderer und andere abreisten. Die Straßen waren verstopft, und in den Häusern, Herbergen und Zeltlagern herrschte ein großer Trubel. Vor der Stadt, rings um die Stadt, gab es große Zeltlager – ein ungeheurer Trubel.

In diesem Getümmel verloren die Eltern Joseph und Maria ihren Knaben Jesus. Sie hatten sich verirrt und fanden ihn nicht mehr. Genau das erleben Millionen Menschen: Menschen, denen es vielleicht einmal selbstverständlich war, Jesus zu haben, Menschen, die mit ihm vertraut waren, verlieren ihn im Getümmel des Lebens.

Ich kann mir vorstellen, dass hier Leute sitzen, die das sehr nah nachempfinden können, weil es mir selbst so ergangen ist. Sehen Sie, in meinem frommen Zuhause gehörte Jesus dazu. Später habe ich verstanden, warum es bei uns so schön war, warum es so fröhlich war und warum über meiner Jugend ein besonderer Glanz lag – weil Jesus da war. Das war für mich selbstverständlich.

Dann kam ich mit siebzehn Jahren von zu Hause weg, in eine ganz gottlose Umgebung. Im Getümmel verlor ich Jesus. Ich habe ihn verloren. Und ich habe gelernt, was ich mit allem Nachdruck sagen möchte: Ein Leben ohne den Versöhner, ohne Erlöser ist ein Leben ohne Gnade. Nur in ihm ist die Gnade erschienen.

Ein Leben ohne Jesus ist ein Leben ohne Halt und ohne Trost. Ich weiß, Sie denken jetzt vielleicht: „Das ist doch übertrieben, wir kennen viele Menschen, die sehr ordentlich sind.“ Nein, es ist nicht übertrieben. Nachdem ich 40 Jahre Pfarrer in Essen bin, sage ich Ihnen: Ohne Jesus ist jedes Leben ohne Halt, ohne Trost, ohne Kraft. Da sitzt der Wurm drin.

Ich glaube nicht mehr daran, dass man auch ohne ihn ein gutes Leben führen kann. Ich glaube es nicht mehr. Hören Sie mich an: Wir wollen eine Stunde darüber sprechen und feststellen, wie es aussieht. Es gibt kein Heil in einem anderen. Ein Leben ohne diesen Heiland ist ein heilloses Leben.

Ich hatte ihn verloren, im Getümmel des Lebens, wie die Eltern. Und wissen Sie, was mich so bewegt? Das ist das Fantastische, was ich unablässig erlebe: Junge Menschen, denen in unserer Gemeinschaft Jesus begegnet ist und für die es selbstverständlich ist, dass sie eines Tages aus unserer Gemeinschaft hinausgehen.

Der Weg führt sie hinaus, und viele verlieren im Getümmel Jesus. Der Apostel Paulus erzählt einmal von einem Freund, in einem kurzen Satz, der Geschichte dieses Freundes. Er hieß Demas. Paulus sagt: „Demas hat mich verlassen, weil er die Welt liebgewonnen hat.“

Man müsste taub sein, wenn man in diesem Satz nicht das Weinen des Paulus spürt um den Freund, den er verloren hat, um den Freund, der Jesus verloren hat – im Getümmel der Großstadt, im Getümmel der Verlockungen einer Großstadt. Paulus wusste: „Du kannst nicht immer so einherzig leben.“ Er hat mich verlassen, die Welt liebgewonnen, er hat Jesus verloren.

Meine Freunde, die Jünger Jesu haben ihren Heiland auch einmal verloren – wie die Eltern Jesu hier. Aber die Jünger haben Jesus nicht verloren, weil die Welt sie weglockte. So primitiv waren sie nicht mehr. Petrus sagte einmal: „Wohin sollen wir denn gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Und doch haben sie ihn verloren, als er im Garten verhaftet wurde. Da verließen sie ihn alle und flohen. Da haben sie Jesus verloren. Es waren Tage voller großer Dunkelheit. Nicht die Verlockung der Welt war schuld, sondern Angst vor Menschen. Was würden die Leute sagen? Es war Verfolgungszeit.

Und außerdem war der stumpfe Sinn schuld, der das Kreuz Jesu nicht wollte und nicht fassen konnte. Es gibt viele Gründe, warum man Jesus verliert – viele Gründe im Getümmel.

Ich lese gerade einen sehr interessanten Bericht eines jungen Theologen, der sich mit der modernen Theologie auseinandersetzt. Dabei wird er biografisch und erzählt, wie er während seines Theologiestudiums Jesus verloren hat.

Leute, was verstehen wir unter moderner Theologie? Er hat viel Wissen, aber er hat Jesus nicht. Er hatte ihn verloren, nicht mehr da, er hing nicht mehr dran. Und meine Freunde, weil ein Leben ohne Jesus ein Leben ohne Kraft, ohne Halt und ohne Gnade ist – und weil alle Weisheit der Welt die Probleme meines ganz persönlichen Lebens nicht lösen kann – kam der junge Mann in große Not und Schuld.

Er erzählt, dass es ergreifend war, als er eines Tages in seiner Verwirrung einen Seelsorger aufsuchen konnte, einen schlichten Bruder. Er nennt ihn den stillen Zuhörer, einen, der wirklich zuhören konnte.

Da hat er diesem stillen Zuhörer sein Herz ausgeschüttet. Und dann sagt er wörtlich: „Das ist so wundervoll, und als ich fertig war, sagte mein stiller Zuhörer nur: ‚Und jetzt wollen wir das alles Jesus sagen.‘“ Dann falteten sie die Hände.

Der junge Theologe schreibt weiter, dass es Gott in diesem Augenblick gefiel, ihm seinen Sohn zu offenbaren, so dass er ein persönliches Verhältnis zu Jesus bekam. „Wir wollen alles Jesus sagen.“

Aber verstehen Sie: Der junge Mann hatte in der Weisheit der Welt, als Theologe, Jesus verloren. Es gibt viele Wege, Jesus zu verlieren, viele Möglichkeiten.

Ich sage noch einmal: Ich rechne damit, dass hier Menschen sitzen, die Jesus verloren haben. Da war mal etwas, aber das ist lange her. Es ist sehr gnädig von meinem Heiland, dass er immer wieder die Verlorenen selbst sucht, wie er es bei dem jungen Theologen getan hat, wie er es bei den Jüngern getan hat, und wie er es auch bei mir getan hat.

Aber er hat es nicht bei allen getan. Ich möchte Ihnen offen sagen: Man kann verloren gehen, weil man Jesus verloren hat. Jesus hat Judas nicht zurückgebracht. Judas hatte Jesus verloren, und dabei blieb es. Wo das geschieht, bleibt es in Ewigkeit so. Judas hat seinen Heiland verloren.

Darum ist es so unerhört wichtig, dass die, die heute hier zurückkehren zu Jesus, umkehren. Es sind hier Menschen, denen ich nur sagen kann: Kehren Sie heute um und bekehren Sie sich von ganzem Herzen!

Und darum will ich, dass die, die ihm gehören, bei ihm bleiben. Es gibt einen Vers: „Bei dir, Jesus, will ich bleiben.“ Jesus sagt selbst: „Bleibt in mir und ich in euch.“ Und er gebraucht ein ganz ungewöhnliches Bild: Wie die Rebe am Weinstock, wie die Rebe am Weinstock.

Die Grenzen menschlicher Vernunft im Glauben an Jesus

Nun, ich muss weitermachen. Der verschwundene Jesus – in all dem Trubel war er verloren gegangen. Jetzt komme ich zu meinem zweiten Punkt: Sie fahren nun in die Irre! Die Vernunft führt in die Irre!

Das muss ich sagen, denn wir treten in eine neue Zeit der Aufklärung ein, und das muss ganz deutlich ausgesprochen werden: Die Vernunft führt in die Irre! Habt ihr das verstanden? Vernunft führt in die Irre!

Ich möchte euch etwas mitgeben, damit niemand abscheidet. Sehen Sie, wir kehren zurück zur Geschichte. Da haben also die Eltern Jesu auf einmal ihren Sohn verloren: der Pflegevater Joseph und Maria – er ist weg. Zuerst herrscht panisches Entsetzen, und dann, ich kann mir das gut vorstellen, so wird es gewesen sein – glauben Sie mir, ich kenne die Männer – hat Joseph gesagt: Also jetzt mal keine Panik, mal Ruhe, wir wollen dreimal tief durchatmen. Vielleicht meint er es auch im Sinne von Besonnenheit, denn Männer sind oft voller Panik, das gibt es auch, nicht wahr? Es muss doch jemanden geben, der hier die Kontrolle behält. Also ist immer einer von beiden da, der in dem Augenblick sagt: Jetzt keine Panik, wir atmen dreimal tief durch und überlegen.

Also, wenn man los sucht, muss man überlegen. Und dann hatten sie einen vorzüglichen Gedanken: Die erste Karawane war schon losgereist, mit den Leuten, die nach Nazaret reisen – völlig klar. Ja, da müssen wir hinterher. Meine Freunde, es ist immer gut, wenn man nichts übereilt und erst einmal ruhig überlegt.

Meine Freunde grinsen, weil sie denken, Pascal Brust hätte sehr viel Mühe gespart in seinem Leben, wenn er das immer gemacht hätte. Das ist richtig. Und meine Jungs hätten sich so manchen Blödsinn erspart, wenn sie dreimal tief geatmet und erst einmal die Vernunft eingeschaltet hätten. Das ist immer eine gute Sache.

Nur, liebe Freunde, gegenüber Jesus genügt das nicht. Jesus gegenüber genügt unsere unerleuchtete Vernunft nicht. Die Eltern waren tagelang gereist, kamen zu der vorgereisten Karawane und fanden ihn nicht. Die Überlegung war für die Katz, oder was sie dafür ausprobiert hatten.

Sehen Sie, das scheint mir das entscheidend Wichtige an dieser Geschichte zu sein: Unsere klugen Überlegungen, die für das ganze Dasein außerordentlich brauchbar sind – oh, die kopflosen Leute sind etwas fürchterliches –, aber unsere klugen, vernünftigen Überlegungen genügen nicht, wenn es sich um Jesus handelt, wenn es sich um das Seligwerden handelt, wenn es sich um Gott handelt. Dann genügt unsere Vernunft nicht.

Das kann ich gar nicht laut genug betonen.

Sehen Sie, wie heißt es hier? Sie meinten aber, er wäre bei den Gefährten. Es gibt unzählige Menschen, die ihr Leben lang an Jesus vorbeigelaufen sind, weil sie etwas Kluges meinten und sich von der unerleuchteten Vernunft haben leiten lassen. Ganz irdisch-religiös – es gibt keine Atheisten in Essen, nicht wahr? Der Gottlose sagt: Ich glaube an Herber –, aber sie lassen sich von der Vernunft raten, von der unerleuchteten Vernunft, und sie meinen, und darum gehen sie auf ihrem Weg.

Habe ich das jetzt deutlich gesagt? Hier kann ich gar nicht deutlich genug rote Signalflaggen hissen.

Lassen Sie mich ein paar Beispiele anführen: Die Pharisäer zur Zeit Jesu meinten, und die Pharisäer heute auch unter Ihnen meinen, ich bin doch gut. Der alte Kant hat Recht gehabt: Nichts ist wichtiger als der gute Wille. Das bringt einen weiter, und damit muss Gott zufrieden sein. Und dann meinen sie, sie könnten vor Gott bestehen und selig sterben, weil sie in ihren eigenen Augen gut sind. In ihren eigenen Augen meinen sie, sie müssten auch in den Augen Gottes recht sein.

Was wird das für ein Schrecken sein! Wenn am Jüngsten Tag die Toten auferstehen – wir alle –, wenn sie nicht glauben, dann warten sie es nur ab, wenn die Toten auferstehen und die Bücher aufgetan werden, das Buch ihres Lebens aufgetan wird und alle Sünden ans Licht kommen. Wenn sie nicht glauben, warten sie ab. Ich glaube das Wort, wir trauen seinem Wort, wir haben eben gesungen, wir trauen seinem Wort. Was wird das für ein Schrecken sein!

Wir werden am Jüngsten Tag zusammenbrechen, wenn die Menschen merken: Mein Meinen war eine große Täuschung. Ich habe mir von der Vernunft raten lassen, wenn es ums Seligwerden ging, und meine Vernunft hat mich verführt.

Sehen Sie, Maria und Josef liefen der Irre eine Tagereise hin und eine Tagereise her, weil sie meinten, ihre Überlegung könnte sie zu Jesus führen. Wo es um Jesus geht, genügt unsere Vernunft nicht.

Verzeihen Sie, wenn ich das jetzt schon 25 Mal gesagt habe – man kann es heute 55 Mal sagen –, dann glaubt der Mensch es noch nicht.

Sehen Sie, in der Bibel wird erzählt, wie der Apostel Paulus nach Athen kommt und auf dem Marktplatz den Gelehrten, den Stoikern und Epikureern predigt, dass Gott in Jesus zu uns gekommen ist, dass er unsere Sünden ans Kreuz getragen hat, im Auferstandenen von den Toten lebt und Richter der Welt ist.

Da wird erzählt, dass diese klugen Leute, diese Philosophen, ihn einfach auslachen. Was will dieser Quatschkopf, dieser Lotterbruder, sagen? Sie meinten, ihre Religion und Philosophie seien dem Evangelium Gottes überlegen.

Als ich neulich in Göttingen Vorträge hielt, war ich in meinem Leben schon lange nicht mehr so fertig, Herr Freund. Sie meinten, so dumme Sachen könne man heute nicht mehr verkaufen. Ihre Vernunft verführt Sie, sodass Sie nicht wissen, dass es in keinem anderen Heil gibt als in Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland.

Ihre Vernunft kann einen Menschen verführen, genauso wie die Leute unserer Tage, meine Freunde, die Menschen unserer Tage – bitte, und viele sitzen hier –, die meinen, mit ein bisschen natürlicher Religion, Herrgott und so, und ein bisschen Phanom und ein bisschen Tüchtigkeit, und dieses Cocktail-Ohren ist schön gemischt, es genügt auch, um selig zu werden.

Ich sage Ihnen: Es genügt, um in die Hölle zu kommen.

Hier gilt nicht Ihre gute Meinung, sondern das Evangelium sagt: Wir sind allemal Sünder, und wenn wir gerecht werden wollen, dann steht Jesus am Kreuz für uns stark.

Nur da war der Bruch mit unserer Meinung, unserer gefährlichen Meinung: Da war in Korinth eine Gemeinde, die begriffen hat, dass nur der Glaube an den gekreuzigten Sohn Gottes erretten kann. Sie hatten es begriffen. Schön, nicht wahr?

Und nun haben sie gemeint, ab da sei es eine einfache, schöne Sache: Dann glauben wir an Jesus und von da an können wir leben, wie wir wollen. Da können wir unseren Trieben alle Zügel schießen lassen, Jesus vergibt ja, Jesus vergibt ja.

Nur nicht auf die Werke vertrauen, Jesus vergibt.

Und dann kamen die schändlichsten Dinge vor. Sie meinten, das ginge auch.

Da hat Paulus mit falscher Hoffnung ihnen sagen müssen: Nur wer vom Geist Gottes getrieben ist, ist ein Kind Gottes. Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden.

Haben Sie das? Welche Christo angehören, die kreuzigen das Fleisch samt den Lüsten und Begierden.

O meine Freunde, wie sehr verführt das Meinen, dass wir an Jesus vorbeikommen.

Ich habe es ganz verstanden: Ihm genügt nicht die Vernunft.

Da müssen wir – das müsste ich jetzt auch fünfzig Mal sagen – erleuchtet werden durch den Heiligen Geist Gottes.

Rühmt die Weltmacht religiös oder wie sie will, es bleibt bei dem Wort: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes, für ihn ist es eine Torheit, das Wort vom Kreuz eine Torheit denen, die verloren gehen.

Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese stolze Worte mitsprechen können in Demut, weil es ja Gnade ist: Uns hat es Gott offenbart durch seinen Geist.

Gott schenke uns erleuchtete Augen und das Verständnis durch den Heiligen Geist.

Die Enttäuschung, Jesus nicht dort zu finden, wo man ihn erwartet

Der verschwundene Jesus – im Trubel verloren, die Vernunft führt irre. Ja, es ist schlimm, aber ich bin gleich fertig, keine Bange.

Ich muss drittens noch sagen: Eine schlimme Enttäuschung, eine schlimme Enttäuschung ist es. Joseph und Maria meinten, Jesus wäre unter den Gefährten. Im Griechischen steht dafür ein interessantes Wort, eine Einzahl: „Hesinodia“. Das bedeutet eigentlich „Straßengemeinschaft“. Man könnte es übersetzen mit „Reisegesellschaft“ oder „Karawane“. Es ist eine geschlossene Gemeinschaft. Sie meinten: Bei der Reisegesellschaft, die nach Nazareth nach Hause zieht, da muss er doch sein. Das hätte ich auch gedacht.

Welche Enttäuschung! Wo man Jesus vermuten konnte, da war er nicht. Haben Sie verstanden? Wo man Jesus vermuten konnte, mit Recht, war er nicht. Welche Enttäuschung!

Sehen Sie, in meiner lieben Wahlheimat Württemberg hat es durch die Jahrhunderte viele Väter im Glauben gegeben. Das waren richtige Männer, von denen durch Jahrzehnte Durchwirkung ausgeht. In der Lebensgeschichte eines dieser schlichten Männer, dieser Väter im Glauben, las ich als Junge in eurem Alter eine Ekelhaftigkeit vor den schmutzigen Vergnügungen seiner Kameraden. Dazu kam ein ganz unbestimmbarer Hunger nach Freiheit und Kraft, nach einem neuen Leben. Das war einfach ein vom Geist Gottes geweckter Hunger nach Gott.

Aber es war die Zeit der Aufklärung am Anfang des vorigen Jahrhunderts, und kein Mensch verstand ihn. Eines Tages kam eine Kirche vorbei, die gerade die Glocken läutete. Und da dachte er so ungefähr: Da drin ist doch eine Karawane, die zum Himmel reist. Was anderes könnte eine Versammlung in der Kirche sein, als eine Synodie, eine Weggenossenschaft, die zum Himmel reist? Vielleicht finde ich dort Rat.

So ging er in den Gottesdienst. Es ist erschütternd geschildert, ich erzähle es euch. Er drängte sich auf die Galerie in der Dorfkirche und war zuerst einmal erschüttert, dass alle Leute sich über schrecklich belanglose Sachen leise flüsterten und unterhielten. Er dachte: Diese Reisegesellschaft müsste jetzt erfüllt sein mit großen Dingen.

Ja, er hörte, wie sich hinter ihm zwei ganz scheußlich zankten, so leise und aufgeregt. Er sah ein paar Mädchen, die offenbar nur gekommen waren, um irgendwelche Jungs zu treffen und sich mit Gekicher und Gedöse bemerkbar zu machen. Er war ziemlich entsetzt.

Dann begann der Gottesdienst, und es war ein kläglicher Gesang, die Hälfte der Leute war gar nicht mehr dabei. Wie sollte das der Gesang der Reisegesellschaft zum Himmel sein, der Gesang der Erlösten? Er versuchte, den Mund zu halten und zuzuhören, wie schön der Organist spielte, was er besaß. Und als dann auch noch die Predigt ein unglückliches Gemisch aus Religion und Lebensweisheit war, stand er leise auf und ging hinaus.

Er wusste, es ginge wie den Eltern Jesu. Sie meinten, Jesus wäre unter der Karawane oder der Reisegesellschaft nach Hause gezogen, suchten ihn, sahen ihn aber nicht. Verstehen Sie, was ich sagen will? Das Erschreckendste, das geschehen kann, ist, dass Jesus nicht in der Karawane ist, wo man ihn suchen möchte.

Man muss jeden unserer Gottesdienste, unserer Jugendkreise, Jungs- und Mädchenkreise fragen: Ist Jesus bei euch? Ist bei euch was los? Ist Jesus da? Finden hungrige Seelen bei euch Jesus? Begegnet hier der Mann mit den Nägelmalen, der von Erlösung spricht, den hungrigen Seelen?

Unser ganzer kirchlicher Betrieb, meine Freunde, steht vor der Frage: Ist Jesus dabei? Eine Reisekarawane, die nach Hause zieht, und er ist gar nicht dabei, wo man ihn suchen könnte – das ist die Frage an die Kirche. Nicht, ob sie modern ist – ach du lieber, nur nicht –, das erfolgt schon, sondern ob Jesus dazwischen ist, der wirklich existierende Heiland.

Und es ist die Frage an unsere Gemeinschaft hier, an unseren Gottesdienst, an unsere Bibelstunde, an unseren heutigen Gottesdienst: Ist heute hier Jesus? Sonst wäre es besser, die ganze Sache hätte hier in der Stadt nicht stattgefunden, wenn Jesus nicht da ist, wo man ihn mit Recht suchen sollte.

Ich weiß von Diakonanstalten, Missionshäusern, da könnte man Jesus doch vermuten. Rudi, er ist nicht mehr da. Nicht dabei!

Ist Jesus hier? Ist Jesus in eurer Abteilung? Ich frage nicht aus dem Schaum, den man macht: Ist Jesus dabei?

Meine Freunde, wenn das der Fall ist, dass der Heiland der Welt da ist! Wenn das der Fall ist, dann soll es uns völlig gleichgültig sein, ob die satten Leute, die Selbstgerechten oder Sünder uns verachten und verspotten. Das soll uns dann gleichgültig sein.

Ich möchte in der Karawane reisen, wo er dabei ist, mit seinem Geist umgeben.

Lassen Sie uns beten:

Ach Herr, ich bin dir so dankbar, dass man dich nicht vergeblich sucht. Wenn Maria dich fand, dürfen wir dich auch finden. Ich möchte dich bitten: Gib, dass hier Menschen dich finden und dann bei dir bleiben. Wenn sie jedoch wieder gebucht und durchbrochen werden, bleibst du bei ihnen ins ewige Leben.

Gib, dass wir hier nicht nur Schau machen, sondern dass hier wirklich dein Reich gebaut wird. Amen.