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Fasten, neuer Wein und der Herr des Sabbats

Markus 2,18-3,629.04.2026
SerieTeil 7 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium

Rückblick auf die bisherige Entwicklung im Markus-Evangelium

Guten Abend, ich begrüsse alle herzlich.
Wir stehen in Markus 2, und heute lesen wir ab Vers 18. Aber bevor wir lesen, eine ganz kurze Übersicht, was wir bis jetzt gesehen haben.
Markus zeigt uns den Herrn Jesus als Messias, wie auch die anderen Evangelisten Matthäus, Lukas und Johannes. Während Matthäus den Herrn Jesus als Messias-König zeigt, zeigt uns Markus den Messias als Knecht. Und so haben wir in Kapitel 1, Verse 1 bis 13, die Vorbereitung auf den Dienst gesehen. Dabei wird uns hauptsächlich der Diener Johannes der Täufer vorgestellt, nämlich der Diener des vollkommenen Dieners.
In den Versen 14 und 15 beginnt der Dienst des Herrn Jesus. Da haben wir eine Zusammenfassung seiner Botschaft, wirklich prägnant in zwei Sätzen zusammengefasst: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Busse und glaubt an das Evangelium.
Und dann, genau in Fortsetzung davon, zeigen die Verse 16 bis 20, wie die ersten vier, und man könnte sagen die vier wichtigsten Jünger, berufen werden. Also der vollkommene Diener beruft Diener: Simon Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes.
Dann, ab Vers 21 bis 39, haben wir eine Einheit. Dort werden zwei Tage aus dem Dienst des vollkommenen Dieners vorgestellt, und zwar Sabbat und Sonntag, der erste Tag.
In Vers 21 haben wir gesehen: Sie gehen nach Kapernaum hinein, und sogleich am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Dann wird dieser Synagogendienst vorgestellt. In Vers 29 gehen sie gleich danach in das Haus von Petrus. Dort wird die Schwiegermutter geheilt. Und Vers 32 erklärt dann am Abend, dass dieser Sabbat bereits der Beginn des nächsten Tages war, des Sonntags: Als es aber Abend geworden und die Sonne untergegangen war, da sehen wir, der Diener dient immer noch, auch wenn die Sonne untergegangen ist.
Dann geht es weiter nach jüdischer Tageszählung. Frühmorgens ist es immer noch der erste Tag, also derselbe Tag, der am Vorabend begonnen hat. In Vers 35 lesen wir: Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus, um zu beten und dann zu dienen.
So werden uns bis Vers 39 zwei Tage vorgestellt. Nirgendwo in den anderen Evangelien findet man eine solche Zusammenstellung wie da, eben von zwei Tagen, wobei deutlich wird: Der Herr hat gedient und gedient, sogar wenn die Sonne untergeht, der Dienst geht weiter. Und frühmorgens geht er hinaus, und der Dienst beginnt neu.
Dann kommt ein neuer Abschnitt ab Vers 40. Und das ist mir nun ganz wichtig, dass wir heute Abend die ganze Linie sehen: von Kapitel 1, Vers 40, mit der Heilung des Aussätzigen bis hin zu Kapitel 3, Vers 6, dem ersten Beschluss, den Messias umzubringen, zu töten. Das ist ganz, ganz dramatisch.
Wir erinnern uns: Die Heilung des Aussätzigen, Verse 40 bis 45, war eine absolute Sensation. Das war nicht irgendein messianisches Wunder, wie es vorausgesagt war in Jesaja 35, dass der Messias alle möglichen Krankheiten heilen wird. Aber wir haben gesehen: Aussätzige wurden in Israel nie mehr geheilt seit dem Tod von Mose. Und diese Heilung hier war also eine absolute Sensation.
Der Herr Jesus hat den Aussätzigen, den er dann eben geheilt hat, nach Jerusalem geschickt, um sich den Priestern zu zeigen, sodass sie die Untersuchung nach 3. Mose 14 machen konnten. Und er wurde dort offiziell als geheilt erklärt. 3. Mose 14 war also das Grundlagekapitel, um eine solche Heilung zu diagnostizieren und medizinisch einwandfrei zu etablieren, was da geschehen ist als Wunder. Das Kapitel wurde nie gebraucht seit dem Tod von Mose bis dahin, und jetzt wurde es angewendet.
Wir haben gesehen, das hat eine Sensation ausgelöst. Denn diese grosse Versammlung in Kapernaum, das ganze Haus, war so verstopft, dass vier Männer, die einen Gelähmten bringen wollten, gar nicht mehr zu dem Herrn vordringen konnten durch die Volksmassen hindurch. Sie mussten das Dach abdecken.
Und wir haben gesehen, die wichtige Parallelstelle, ich gebe sie nochmals an, und für die, die nicht da waren, damit sie sich das notieren können: In Lukas 5 wird auch der Aussätzige und seine Heilung beschrieben, Verse 12 bis 16. Und dann heisst es in Vers 17: Und es geschah an einem der Tage, dass er lehrte. Und es sassen da Pharisäer und Gesetzlehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren, und die Kraft des Herrn war da, dass er heilte.
Also wir haben gesehen: Hier kamen Pharisäer und Gesetzlehrer, Rabbiner, aus jedem Dorf in ganz Galiläa, Nordisrael, und aus jedem Dorf aus Judäa und auch aus der Hauptstadt Jerusalem. Unglaubliches Aufgebot. Eben die Heilung des Aussätzigen und die priesterliche Diagnose, er ist tatsächlich geheilt worden, und so etwas hat es noch nie gegeben seit dem Tod von Mose. Das hat die ganze Elite Israels, die ganze religiöse Elite, gezwungen, Stellung zu nehmen.
Nämlich die Frage muss beantwortet werden: Wer ist der, der dieses Wunder getan hat? Ist das etwa der Messias? Und sie müssen den Fall prüfen. Wir haben gesehen, dass diese Prüfung schon ein erstes Problem erlebt hat: Der Herr hat, bevor er diesen Gelähmten heilte, den man ihm durchs Dach vor die Füsse legte, gesagt: Deine Sünden sind vergeben.
Wir haben gesehen, die Rabbiner überlegen sich: Das geht ja gar nicht. Wie kann er der Messias sein? Das ist doch eigentlich Lästerung, denn nur Gott kann vergeben. Das Problem ist: Sie waren dermassen durch die Tradition an die übliche Auslegung gebunden, die besagt, und auch heute noch im orthodoxen Judentum besagt, der Messias, der weisse Erlöser, wird ein normaler Mensch sein, nicht Gott und Mensch in einer Person.
Aber wir haben letztes Mal auch gesehen, wie wir aus dem Alten Testament beweisen können, dass der Messias Gott und Mensch sein sollte. Für sie war das aber unvereinbar. Wie kann er sagen, und zwar in eigener Autorität, nicht im Namen Gottes, sondern: Deine Sünden sind dir vergeben, wenn er ja nicht Gott ist? Aber sie hätten sich überlegen müssen: Ist unsere Auslegung falsch?
Ich habe das einmal so erlebt. Ich habe mit einem Juden gesprochen, und dann hat er gesagt: Ihr seid Götzendiener, und zwar betet ihr einen Menschen an. Also der christliche Glaube sei Götzendienst, weil wir zu Jesus Christus beten. Und Jesus Christus ist ein wirklicher Mensch. Dann habe ich ihm gesagt: Ja, aber er ist gleichzeitig Gott, und darum können wir zu ihm beten. Und ich habe ihm erklärt: Das steht in ihrer Bibel. Wo, wollte er wissen? Und dann habe ich, wie wir letztes Mal auch angeschaut haben, Jesaja 9,6 genannt. Die Rabbiner haben gesagt, diese Stelle spricht von dem Messias: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und dann: Man nennt seinen Namen starker Gott.
Wir haben gesagt: Also, wenn er geboren wird als Kind, dann ist er ein Mensch. Und wenn sein Name El Gibbor, starker Gott, heisst, also wörtlich Gott starker, dann ist er Gott.
Dann habe ich ihm auch Micha 5,2 genannt: Und du, Bethlehem Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher in Israel sein soll. Und dann heisst es, seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Jetzt muss man wissen: In jeder Rabbinerbibel steht dort im aramäischen Targum gerade neben dem Bibeltext: Das ist der Messias.
Ich habe ihm gesagt: Also, der Messias kommt aus Bethlehem, wird in Bethlehem geboren, da ist er ein Mensch. Aber wenn seine Ausgänge von den Tagen der Ewigkeit sind, dann ist er Gott. Und so noch ein paar Beispiele, und dann seine trockene Bemerkung: Sie können gut reden. Aber das war das Wort, und es macht klar.
Aber eben, durch ihre Tradition bekamen sie hier einen Anstoss. Sie haben das nicht gesagt, nur gedacht. Aber der Herr zeigt, dass er eben als der Ewige ihre Gedanken kennt und geht dann auf ihre verborgenen Überlegungen des Herzens ein. Er erklärt, wie das eben möglich ist, dass er Sünden vergeben kann und auch Gelähmte in seiner eigenen Kraft heilen kann.
Das haben wir so gesehen bis letztes Mal. Und dann auch Vers 13: Da geht es um die Berufung von einem weiteren Jünger, von Matthäus Levi, der Zöllner war, also einer, der wirklich damals ausserhalb der Gesellschaft stand, der als Verräter betrachtet worden war.
Dann haben wir aber gesehen: Das hängt nun direkt zusammen, Verse 13 bis 17, denn Levi gibt das ganze Geschäft, das grosse Geschäft der Zöllnerarbeit, auf. Er folgt dem Herrn Jesus nach und möchte, dass so viele Zöllner wie möglich auch zum Glauben kommen. Er macht eine grosse Einladung, haben wir gesehen. Vers 15: Viele Zöllner und Sünder werden mit Jesus Christus in Verbindung gebracht.
Und dann kommen die kritischen Fragen. Die Pharisäer sagen sich: Wie ist das möglich? Und sie fragen die Jünger: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? Für sie ist das eine schwierige Frage. Wie kann er der Messias sein, wenn er sich nicht ganz klar vom Bösen absondert?
Aber der Herr macht klar: Das hat nichts mit fehlender Absonderung zu tun, sondern er ist gekommen als der Arzt. Er ist eben nach 2. Mose 15,26. Gerade nach dem Durchzug durchs Rote Meer und dem Siegeslied auf der anderen Seite sagt Gott zu Israel: Wenn du fleissig auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören wirst und tun wirst, was recht ist in seinen Augen, und seinen Geboten gehorchen und alle seine Satzungen halten wirst, so werde ich keine der Krankheiten auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der Herr, der dich heilt, auf Hebräisch Adonai Rofecha, der Herr, dein Arzt.
Und so ist der Herr Jesus eben der Arzt des Körpers und auch der Seele. Und so macht er klar, da in Markus 2,17, dass das nicht im Widerspruch zu seiner Aufgabe als Messias steht: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Aber auch wieder ihre Vorstellung von der Tradition her, was Absondern vom Bösen genau bedeutet, das ist für sie ein Hindernis. Und jetzt kommen wir zu Vers 18 und werden sehen, wie dieser Test weitergeht. Jetzt geht es um das Thema Fasten, und nachher geht es um das Thema Ährenraufen am Sabbat, Verse 23 bis 28. Und dann, Markus 3,1 bis 6, geht es nochmals um eine Heilung, aber ausgerechnet am Sabbat. Und das führt dazu, dass die Elite einen Schluss zieht: Er ist nicht der Messias, er muss sterben.
Wir werden jetzt auch sehen, dass das ganz besonders an der Tradition scheitert, nicht an der Schrift. Und ich habe letztes Mal schon darauf hingewiesen: Einer der wichtigsten Rabbiner im Judentum bis heute ist Moses Maimonides, 1137 bis 1204, also im Mittelalter nach Christus. Aber er wird wirklich als die grösste Autorität angeschaut, oder eine der allergrössten Autoritäten. Und er hat in seinem Buch Hilchot Melachim uMilchamot in den Kapiteln 11 und 12 angegeben, wie man den Messias prüfen muss, wenn er kommt. Ich habe das letztes Mal ja schon erwähnt, dieses Buch in dem Zusammenhang, was wir letztes Mal betrachtet haben. Aber jetzt ist noch wichtig:
Er sagt, der Messias wird einerseits die Tora studieren und studieren. Da hätten sie sich zurückerinnern können: Schon als Zwölfjähriger war der Herr Jesus im Tempel, Lukas 2. Und immer an den Festtagen durfte man auf dem Chel, das ist die Terrasse gerade im Süden, angrenzend an den innersten Vorhof, durften die Leute die grossen Rabbiner des Sanhedrins, die frei hatten, befragen, Bibelfragen stellen. Und das ist der Hintergrund, warum wir dort in Lukas 2 den Herrn Jesus als Zwölfjährigen inmitten der Lehrer finden, wie er ihnen Fragen stellte. Aber Lukas schreibt: Und wie sie ihn befragten. Das war natürlich etwas, was es so nicht gab. Die Leute durften diese grossen Leuchten befragen, aber nicht umgekehrt. Die haben nicht die Leute befragt, und die haben gemerkt: Keiner kennt die Tora wie dieser Zwölfjährige, und haben begonnen, ihn zu befragen.
Also, das würde ja nach Maimonides eben voll zutreffen. Aber er sagte, der Messias wird sich auch an die Tradition halten. Und genau da sehen wir immer wieder, dass der Herr Jesus gegen die Tradition auftritt und immer wieder zeigt, dass die Tradition sogar dem Wort Gottes widerspricht. In Matthäus 15 spricht er über die Überlieferungen der Ältesten, wie er sie nennt. Das sind all diese, muss man sagen, traditionellen Auslegungen im Judentum, die man ursprünglich nur mündlich weitergegeben hat. Man durfte sie nicht aufschreiben, das war verboten.
Also ein Rabbiner, der Jünger um sich sammelte, wie das ganz normal war, der hat darauf geschaut, dass das Gedächtnis seiner Jünger wirklich sensationell geschult wird. Sie mussten alles auswendig lernen, was er ihnen beibrachte. Die Tradition sollte nicht aufgeschrieben werden. Und jetzt kann man sich fragen: Warum hat man dann trotzdem den Talmud verfasst? Der Talmud ist ein riesiges Werk, auf Deutsch sind das zwölf dicke Bände, auf Hebräisch braucht es ein bisschen weniger Platz. Aber warum hat man das trotzdem aufgeschrieben? Ist das bekannt?
Ja, haben das alle gehört. Also, im Jahr 70 wurde der Tempel zerstört, und das hat eben die Befürchtung ausgelöst, dass jetzt alles untergehen könnte. Und dann hat man gesagt: Obwohl das eigentlich ursprünglich nicht erlaubt war, nach der Tradition die Tradition zu brechen, man schreibt es doch auf. Und so entstand der Talmud. Da sind all diese Lehrsätze schriftlich gesammelt. Aber Jesus zeigt dort in Matthäus 15, dass diese Gebote immer wieder mit dem Wort Gottes selber in Widerspruch gerieten.
Er führt dort in Matthäus 15 ein Beispiel vor. Da wird gesagt, dass jemand seinem Vater und seiner Mutter sagen kann: Korban, Korban. Das heisst: Ein Opfer, eine Gabe für Gott. Da konnte er also, wenn er einen bestimmten Geldbetrag seinen Eltern nicht geben wollte, ausschliessen, wollte, dass die Eltern je durch Unterstützungspflicht in den Genuss von diesem Geld kommen würden, Korban sagen. Und dann war es verboten, dass dieses Geld zur Unterstützung der Eltern gebraucht werden könnte.
Aber im Talmud sieht man: Das Ganze ist sogar noch schlimmer. Der Herr sagt damit schon: Das ist übel, denn das ist im Widerspruch zu dem Gebot in den Zehn Geboten: Ehre Vater und Mutter. Dieses Ehren kann eben auch bedeuten, wenn die Eltern bedürftig werden im Alter, dass sie unterstützt werden. Und das konnte man so umgehen: Korban. Aber es war dann so geregelt, dass man selber das, was eigentlich mit „tituliert“ wird, das gehört nur Gott, für sich selbst doch trotzdem gebrauchen konnte. Also wirklich so eine Verdrehung des Wortes Gottes.
Und so gibt es ganz, ganz viele Beispiele. Und jetzt sehen wir hier: Der Herr hat sich dann eben immer wieder gegen diese Tradition gewendet, da, wo sie falsch ist. Und das hat aber ein Problem ausgelöst. Ja, wie kann er denn der Messias sein, wenn er gegen die Tradition geht? Aber sie hätten sich überlegen müssen: Ja, aber seine Auslegung, die ist wirklich übereinstimmend mit dem Wort Gottes. Dann müssen wir uns eben belehren lassen und die Tradition am Wort Gottes korrigieren. Das wollten sie nicht.
Und jetzt lesen wir Markus 2,18: Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten. Und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Gefährten des Bräutigams fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann an jenem Tag werden sie fasten.
Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleidungsstück, sonst reisst das Eingesetzte davon ab, das Neue von dem Alten, und der Riss wird schlimmer. Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreisst der Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche.
Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Siehe, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel litt und ihn und die, die bei ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjathars des Hohenpriesters und die Schaubrote ass, die niemand essen darf als nur die Priester, und auch denen davon gab, die bei ihm waren.
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat wurde um des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Also ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbats.
Und er ging wiederum in die Synagoge hinein, und dort war ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte. Und sie belauerten ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, um ihn anklagen zu können. Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und tritt in die Mitte! Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen.
Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verstocktheit ihres Herzens, und spricht zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt. Und die Pharisäer gingen sogleich hinaus und hielten mit den Herodianern Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.
Jetzt überschauen wir so diese ganze Entwicklungslinie. Aber wir gehen Stück für Stück vor. Jetzt geht es zuerst ums Fasten.
Wo befiehlt die Bibel im Alten Testament Fasten in der Tora? Nirgends. Das ist jetzt ein bisschen zu radikal. Am Jom Kippur finden wir das Gebot, und zwar das, was im Deutschen übersetzt wird mit „die Seelen kasteien“, 3. Mose 16. Das meint Fasten. Aber das ist in der Tora der einzige vorgeschriebene Fastentag, verbunden mit tiefer Trauer über die Sünde.
Aber wir sehen im Alten Testament, dass das Volk Israel eben Fastentage eingeführt hat, zum Beispiel in Sacharja 7. Dort geht es um dieses Thema, Sacharja 7 und 8, um verschiedene Fastentage. Und da wird die Frage gestellt, ob sie diese einhalten sollen weiterhin oder nicht. Und Gott macht klar, was er zu diesem Thema zu sagen hat. In der Erklärung kommt eigentlich heraus: Das Fasten kann eine Hilfe sein, aber es ist nicht etwas, was in sich irgendwie den Menschen besser macht, geistlicher macht.
Das Fasten ist in verschiedener Hinsicht eben nützlich, wenn man dadurch auch viel Zeit gewinnt für das Gebet, für das dringende Gebet oder auch für andere Dienste für den Herrn. Das sehen wir im Alten und im Neuen Testament. In Apostelgeschichte 13, bevor Paulus und Barnabas auf die erste Weltmissionsreise gehen, da hat die Gemeinde gefastet und gebetet. Dadurch hatten sie wirklich noch mehr Zeit, um sich in diesem Zusammenhang ganz besonders Zeit zu nehmen für das Beten.
Aber eben, die Pharisäer haben daraus etwas Verdienstliches gemacht. Und zwar sehen wir das in welchem Gleichnis? Ja, ich habe es gehört: Ja, mit dem Zöllner und dem Pharisäer, nicht wahr? In Lukas 18, das ist ausdrücklich ein Gleichnis, Lukas 18,9. Und der Herr sagt in Vers 10: Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer sagt dann in Vers 11: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe.
Und nach wie vor gezeigt, wie der Zöllner aber ernsthaft gebetet hat und eine wirkliche Umkehr erlebte. Nun, er sagte in Vers 12: Ich faste zweimal in der Woche. Und zwar ist gemeint immer Donnerstag und Montag. Donnerstag war der Tag, an dem Mose auf den Berg hinaufging, und 40 Tage später kam er wieder herab, und das war Montag. Aber nirgends sagt das Gesetz, dass man das so tun muss. Aber man sieht: Hier wurde aus dem Fasten etwas Verdienstliches gemacht, und das ist grundsätzlich falsch. Das macht der Herr mit diesem Gleichnis auch klar.
Aber eben, durch ihre Tradition hatten sie den Eindruck: Wenn der Messias kommt, dann muss er ja sehr, sehr ernsthaft sein, und diese Ernsthaftigkeit müsste sich zeigen eben im Fasten. Und ihnen wird klar: Die Jünger des Johannes haben gefastet, die Jünger der Pharisäer haben gefastet, und es fällt ihnen auf, dass die Jünger des Herrn nicht gefastet haben.
Und was ist die Antwort des Herrn, die Begründung? Sehr schön, er geht ja immer wieder auf diese Argumente ein. Ob sie unausgesprochen sind, er geht darauf ein, ob sie ausgesprochen werden und den Jüngern gestellt werden, er kommt und antwortet. Das haben wir im vorigen Abschnitt gesehen. Und jetzt, da wiederum die Frage aufkommt, die stellen sie ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? Und der Herr geht darauf ein.
Was ist seine Antwort? Wenn der Bräutigam hier auf Erden ist, dann ist das eine so frohe Sache, dass Fasten da nicht angesagt ist. Aber er sagt, später werden schwierige Zeiten kommen, der Bräutigam wird nämlich weggehen, und es wird sehr schwierig werden, und dann werden auch seine Jünger fasten.
Wie kommt der Herr jetzt dazu, dieses Thema Bräutigam einzuführen? Und wie nennt er die Jünger? Stehen bei dir Hochzeitsgäste? Ja, lies mal vor, wie heisst es? Ja, es ist so, der Ausdruck ist stärker als Hochzeitsgäste. Das sind nämlich die allerwichtigsten Hochzeitsgäste hier. Die Elberfelder übersetzen darum die Gefährten des Bräutigams, oder ich würde sogar noch besser übersetzen: die Freunde des Bräutigams. Das sind also die, die persönlich ganz, ganz eng mit ihm verbunden sind. Aber Gäste an der Hochzeit, das können auch ein bisschen weiter Entfernte sein, aber das sind die Freunde des Bräutigams.
Jetzt nochmals die Frage: Wie kommt der Herr dazu, sie als die Freunde des Bräutigams zu bezeichnen und sich selber als den Bräutigam? Ja, wo wird der Messias als Bräutigam bezeichnet? Schlagen wir mal auf: das Hohelied. Salomo hat ja tausendfünf Lieder geschrieben, aber das schönste ist eben das Lied der Lieder, Schir HaSchirim, das heisst das wunderbarste Lied. Und da wird Salomo, der ja eben ein Bild war, alttestamentlich auf den König Messias, der einmal ein Friedensreich regieren wird, haben wir hier eben im Hohen Lied prophetische Hinweise auf Jesus Christus hin.
Und nun wird Salomo immer wieder genannt Bräutigam, und seine Frau wird genannt Sulamit, das ist ihr Eigenname. Er, Salomo, beide werden namentlich genannt. Er nennt sie Freundin und auch Braut. Ja, er hat ganz viele Namen, da nennt man schöne Namen füreinander in der Ehe.
Und jetzt noch wichtig: Das Wort Bräutigam und auch das Wort Braut im Hebräischen, im Hohen Lied und auch hier in Markus 2, bedeutet laut Wörterbuch sowohl Bräutigam als auch jung verheirateter Mann. Und es ist ganz wichtig: Im Hohen Lied geht es nicht um die Verlobung, sondern da geht es um den Anfang der Ehe. Und das ist auch der Grund, warum in diesem Buch die Sexualität eine ganz wichtige Rolle spielt, und die ist nach der Bibel während der Verlobungszeit vollkommen ausgeschlossen, ein absolutes No-Go. Die Bibel ist sehr klar und bezeichnet Geschlechtsverkehr vor der Ehe und auch während der Verlobung als Hurerei. Das Wort Hurerei ist sehr weit gefasst, umfasst jeglichen illegalen Geschlechtsverkehr ausserhalb des Rahmens, den Gott dafür vorgesehen hat, wo eben ein Schutz da ist, den es braucht, damit sich die Sexualität entfalten kann.
Und darum: Im Hohen Lied geht es um Jungverheiratete, also Braut und Bräutigam, die jung verheiratet sind. Übrigens, im deutschen Sprachgebrauch spricht man auch nach der Hochzeit, also der Eheschliessung auf dem Standesamt, immer noch von der Braut und dem Bräutigam. Also mit dem Standesamt ist nicht einfach vorbei, sondern man spricht nach wie vor auch als Jungverheirateter bei uns normalerweise während eines Tages, und eben im Hebräischen und im Griechischen auch für die weitere Zeit am Anfang der Ehe.
Ja, und jetzt ist es so im Hohen Lied: Da werden die Freundinnen der Braut erwähnt. Wir lesen Hohelied 1,3: Lieblich an Duft sind deine Salben, sagt Sulamit zu Salomo. Ein ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum lieben dich die Jungfrauen. Ziehe mich, wir werden dir nachlaufen. Der König hat mich in seine Gemächer geführt. Wir wollen frohlocken und uns an dir freuen, wollen deine Liebe preisen mehr als Wein. Sie lieben dich in Aufrichtigkeit.
Diese Jungfrauen sind die Freundinnen, die engen Freundinnen der Braut, und sie sind sehr stolz, dass sie die Freundinnen sind von Sulamit, denn sie hat den König von Israel geheiratet, und sie schätzen und achten ihn. Und das wird ausgedrückt: Sie lieben dich in Aufrichtigkeit. Das ist einfach dieses Verhältnis von Achtung und Wertschätzung, wie in Übereinstimmung mit ihrer Freundin.
Und der Bräutigam hat auch Freunde, und die werden erwähnt in Hohelied 8,13. Da spricht Salomo zu Sulamit und nennt sie Bewohnerin der Gärten, weil sie gerne in die Gärten ging, um die schönen Blumen anzuschauen. Es war sehr romantisch, er übrigens auch. Bewohnerin der Gärten, die Genossen horchen auf deine Stimme, lass sie mich hören. Für Genossen steht auf Hebräisch das Wort Chawer. Chawer ist ein Freund. Und diese Genossen des Königs, das sind eben die Chawerim, das sind die Gefährten des Bräutigams.
Und jetzt nimmt der Herr Jesus also Bezug auf das Hohelied und nennt seine Jünger so. Aber wir haben eine Frage, oder die sollte aufkommen: Wir haben hier die Freunde des Bräutigams, den Bräutigam. Was brauchen wir jetzt noch? Also eben, der Herr ist der Bräutigam, die Jünger sind die Freunde des Bräutigams. Was fehlt noch? Die Braut. Ja, also schon die Gefährten sind ja die besten Hochzeitsgäste, aber die Braut fehlt.
Ja, jetzt haben wir aber gerade gesehen, dass die Führerschaft Israels auf dem direkten Weg ist, den Messias abzulehnen. Die Braut ist gar nicht bereit. Und das ist auch so eigenartig, nicht wahr, wenn man das Gleichnis in Matthäus 22 liest: Ein König macht seinem Sohn Hochzeit, und da wird der Sohn erwähnt, und eben der Bräutigam, Vater, und auch die Gäste werden dort im Gleichnis erwähnt, die alle ein schönes Kleid haben sollten. Das wurde jeweils gestiftet vom König, und einer ist da, der hat einfach kein schönes Kleid anziehen wollen.
Aber wo ist die Braut? Und wenn wir denken an Matthäus 25, das bekannte Gleichnis von den zehn Jungfrauen: Ja, wer sind die Jungfrauen? Das sind die Freunde, die Freundinnen der Braut. Fünf sind töricht und fünf sind klug. Und dann lesen wir in diesem Gleichnis: Um Mitternacht kommt dieser Ruf, der Mitternachtsruf: Siehe, der Bräutigam kommt. Aber wo ist die Braut? Die wird auch nicht erwähnt. Und das hat einen ganz besonderen Grund.
Der Messias kam, um eigentlich das Hohelied zu erfüllen, und er wollte sich mit Israel eben verbinden und das Friedensreich aufrichten, als der wahre, der grosse Salomo. Aber die Braut war ja gar nicht bereit. Und warum erwähnt jetzt der Herr Jesus hier ausgerechnet dieses Thema aus dem Hohen Lied? Das hängt zusammen mit Hohelied 5. Das müssen wir aufschlagen.
Es ist so: Das Hohelied hat verschiedene Auslegungsebenen, und eine Auslegungsebene ist diese. Man sieht: Von Kapitel 1 bis 8 im Hohen Lied ist die ganze Geschichte Israels, vom Auszug aus Ägypten bis ins Tausendjährige Reich, dargestellt. Und das geht so auf, Abschnitt für Abschnitt, durch die Heilsgeschichte.
Und dann haben wir aber in Kapitel 5 den absoluten Tiefpunkt des Buchs. Also wirklich, hier geht es um das Thema glückliche Ehe, aber wir sehen, dass die glücklichste Ehe an einem Tiefpunkt gelangen kann. Und er wird hier beschrieben, aber es wird nachgezeigt, wie es dann wieder richtig, richtig hoch geht und noch höher als es vorher war.
Ich lese aus Hohelied 5,2: Die Braut Sulamit spricht: Ich schlief, aber mein Herz wachte. Kennen wir das in der Art von Schlaf? Das ist ganz unruhiges Schlafen. Eigentlich ist man irgendwie wach, und dabei schläft man trotzdem. Ja, das gibt’s. Ich schlief, aber mein Herz wachte. Horch, mein Geliebter, er klopft: Mache mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene!
Was ist geschehen? Salomo war weg, und er kam erst spät in der Nacht zurück. Sulamit schlief schon. Aber eben, die junge Frau, die sind nicht verlobt, die sind verheiratet, sie schläft schon. Und er klopft, und sie hört ganz schöne Namen, wirklich eine Konzentration: meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene. Jeder Ausdruck bedeutet etwas Besonderes.
Ich habe ein Buch geschrieben oder verfasst über das Hohelied, das heisst, es ist eine Zusammenfassung von all den Vorträgen, die wir einmal hatten als Bibelseminar über sehr lange Zeit. Es gibt ein Buch von vielleicht 400 Seiten. Auf Französisch ist es schon draussen, auf Deutsch sollte es noch kommen, das muss ich noch überarbeiten. Aber eben, da lernt man vieles in diesem Zusammenhang, was all diese Ausdrücke bedeuten: meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene. Denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll Tropfen der Nacht. Der war draussen in der Nacht und ist feucht geworden am Kopf.
Nicht wahr, das erinnert uns an den Herrn Jesus, der sagt in Matthäus 8,20: Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege.
Und dann heisst es weiter, wie sie reagiert: Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie sollte ich es wieder anziehen? Ich habe meine Füsse gewaschen, wie sollte ich sie wieder beschmutzen? Also für sie ist es jetzt echt mühsam. Jetzt kommt er nachts nach Hause, und sie war gerade unruhig am Schlafen. Und jetzt müsste sie dann wieder auf den Boden hinaustreten, dann wären die Füsse wieder dreckig, wenn das Erdboden ist, nicht wahr? Und dann müsste sie da nochmals das Kleid anziehen, damit sie nicht kühl hat, wenn sie da hingeht an die Tür. Und das ist ihr einfach zu mühsam.
Nun, interessant: Sie müsste, sie hat die Füsse gewaschen, und das ist ein Hindernis, ihren Mann zu empfangen. Ja, und die Rabbiner haben, Matthäus 15 führt ja aus, diese Tradition der Ältesten, die haben sehr viele Gebote selber erfunden über sich waschen und reinigen. Und die waren ein Hindernis, um den Messias zu empfangen, weil der Herr sagte: Nein, die Jünger müssen nicht vor dem Essen rituell die Hände nochmals waschen, das sagt die Tora nicht. Die Tora schreibt die Ritualbäder vor, aber nicht noch zusätzliche Handwaschungen. Und das ist wirklich das Hindernis bei ihr.
Und dann, Vers 4: Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Öffnung, und mein Inneres wurde seinetwegen erregt. Das war eben bei Häusern im Altertum so. Man hatte nicht ein Guckloch, schon gar nicht eine Videokamera, so ein kleines Guckloch meine ich in der Türe, wo man nur rausschauen kann, aber nicht reinschauen kann, oder eben keine Videokamera, sondern man hatte so eine Öffnung. Und diese Öffnung nutzt Salomo und hält dort seine Hand hinein. Und es ist so: Ich meine, jede Hand sieht anders aus. Und die Hand ist etwas sehr Persönliches. Und sobald Sulamit diese Hand sieht, bewegt sie das. Unglaublich!
Und denken wir an den Herrn Jesus: Wenn er seine Hand zeigt, dann ist es die durchbohrte Hand. Mein Inneres wurde seinetwegen erregt. Ich stand auf, um meinen Geliebten zu öffnen, und meine Hände troffen von Myrrhe und meine Finger von fliessender Myrrhe am Griff des Riegels. Ich öffnete meinen Geliebten, aber mein Geliebter hatte sich umgewandt, war weitergegangen.
Sieht man, was da geschehen ist? Jetzt geht er einfach weg. Geht so etwas in einer Beziehung? Und das ist ganz schlimm für sie. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Ich rief ihn und er antwortete mir nicht. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen. Sie schlugen mich, verwundeten mich, die Wächter der Mauern nahmen mir meinen Schleier weg. Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems: Wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe.
Es ist alles natürlich poetisch beschrieben und so konzentriert, ein Gedicht. Ich muss erklären: Die Hände troffen von Myrrhe, meine Finger von fliessender Myrrhe am Griff des Riegels. Im Altertum war das auch schon möglich bei der Brautwerbung. Ein junger Mann war überzeugt: Das ist die Richtige. Und er öffnet ihr seine Liebe. Und, was schon manche erlebt haben: Er wird abgewiesen. Das ist ein sehr harter Moment, aber einer, der im Altertum überzeugt war. Aber das ist Gottes Weg: Gib nicht so schnell auf.
Und dann konnte er etwas Wertvolles an den Türgriff streichen. Auch im Orient machte man das. Blumen rund ums Haus und weg. Das war quasi der Ausdruck: Auch wenn ich jetzt eine Absage erlebt habe, meine Liebe ist beständig.
Ja, und jetzt ist es genau das. Also jetzt steht sie endlich auf, aber dann ist er weg. Nur, sie berührt den Griff, Myrrhe, das ist ganz teuer. Die fliessende Myrrhe, das ist die teuerste Myrrhe, die selber ausgeflossen ist am Busch. Und ja, sie ist völlig überwältigt: Er liebt mich, aber ist weg. Dann sucht sie ihn. Sie ist völlig ausser sich. Schon als er geredet hat, hat sie das so bewegt, aber jetzt dieser Konflikt: Er liebt mich, aber er geht einfach weg.
Und dann lesen wir: Ich suchte ihn. Die ist hinausgegangen, also der hat sich schon wieder richtig angezogen, geht und sucht ihn, findet ihn nicht. Sie können sich vorstellen, überall schreit sie herum: Schlomo, Makkere, Salomo, was ist geschehen? Buelei, komm zu mir! Ich suchte ihn, fand ihn nicht, ich rief ihn und er antwortete mir nicht. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen, das waren die Polizisten. Und die waren nicht zimperlich: Eine Frau, nachts alleine draussen, das geht gar nicht. Und darum haben die in ihrem Übereifer sie sogar verletzt und ihr dann den Schleier weggerissen.
Übrigens, das Wort für Schleier hier in Vers 7 ist ein hebräisches Wort. Das ist nicht das gleiche wie der Schleier in Kapitel 4, der ausdrückt die Hingabe von Sulamit an ihren Mann, sondern es ist einfach ein Überwurf, das hebräische Wort. Diesen Schleier haben sie ihr weggerissen. Das war natürlich ein ziemlicher Schock. Sie haben gemerkt: Das ist die junge Frau des Königs.
Das ist ein anderes Thema, aber das hat sie erlebt, und das war so schlimm für sie. Und dann sagt sie, sie hat dann später ihre Freundinnen wieder getroffen und sagt ihnen in Vers 8: Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe? Und dann sagen ihre Freundinnen: Was ist eigentlich ein Geliebter mehr als irgendeiner? Du übertreibst ein bisschen.
Vers 9: Und dann beschreibt sie ihn, Verse 10 und folgende, und zwar so schön wie im ganzen Hohen Lied vorher nicht mehr und auch nicht mehr nachher. Also aus einer Krise kann ein neuer Höhepunkt entstehen.
Aber der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man das Hohelied eben auslegt in der Heilsgeschichte in Reihenfolge von Ägypten bis zum Tausendjährigen Reich, sind wir in Kapitel 5 genau zur Zeit vor zweitausend Jahren, als der Messias kam, und sie war nicht bereit, ihn zu empfangen. Und dann schliesslich geht sie, aber er ist weg, und es kommt nur Not über sie.
Und das ist genau das, was der Herr sagt in Markus 2. Gehen wir zurück, jetzt haben wir so richtig den Hintergrund. Der Herr sagt dann in Vers 20: Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird. Und dann an jenem Tag werden sie fasten.
Und jetzt lesen wir dazu eine Prophetie auf den Messias in Hosea 5. Also von Hohelied 5 gehen wir zu Hosea 5. Und zwar hört man in Vers 15 die Stimme des Messias. Er sagt: Ich werde davongehen, an meinen Ort zurückkehren, bis sie sich schuldig bekennen und mein Angesicht suchen. In ihrer Bedrängnis werden sie mich eifrig suchen.
Und dann kommt das Bussgebet in Kapitel 6, Vers 1: Kommt und lasst uns zu dem Herrn umkehren, denn er hat zerrissen und wird uns heilen, er hat geschlagen und wird uns verbinden usw. Also haben wir eine Prophetie, dass der Messias weggeht und dass es eine traurige Zeit geben wird, bis es in Israel eine kollektive Umkehr geben wird in der Zukunft, wenn der Überrest Israels, ein Drittel, schliesslich im Land zum Glauben kommen wird. Nach den heutigen Zahlen wären das mehr als zwei Millionen, Sacharja 13,8-9.
Aber eben, hier haben wir das: Er geht weg an seinen Ort. Und so ist Salomo weggegangen. Und sie sucht ihn und ruft, und er ist nicht da und antwortet nicht. Denn noch Hosea 5,6: Mit ihrem Kleinvieh und mit ihren Rindern werden sie hingehen, um den Herrn zu suchen, und werden ihn nicht finden. Er hat sich ihnen entzogen. Das ist genau diese Situation, die uns hier Markus 2 vorgestellt wird. Die Braut war nicht bereit, den Bräutigam zu empfangen.
Und wir gehen weiter. Der Herr fügt dann hinzu, Vers 21: Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleidungsstück. Was will er damit sagen? Ja, dass etwas völlig Neues kommt, nämlich: Was hat der Messias gebracht? Gnade und Wahrheit. Du zitierst natürlich aus Johannes 1, nicht wahr? Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden, Johannes 1. Ja, genau so.
Im Judentum wurde erwartet: Wenn der Messias kommt, wird er eine neue Tora bringen, die viel höher ist als die Tora von Mose. Und das findet man in dem mittelalterlichen Kommentar, einem Midrasch zu dem Buch Kohelet, Prediger. Dort wird das so gesagt, also das Gesetz des Messias.
Und jetzt ist es interessant: Der Apostel Paulus benutzt genau diesen Ausdruck in Galater 6,2: Einer trage des andern Lasten, und so erfüllt das Gesetz des Christus. Und wenn man das auf Hebräisch übersetzt, das Gesetz des Christus, dann ist das Torato schel Maschiach. Und genau diesen Ausdruck findet man in diesem jüdischen rabbinischen Kommentar zum Buch Prediger: Das Gesetz des Messias. Das heisst also, der Messias sollte Gebote bringen, die viel höher sind.
Nicht wahr, das Gesetz Mose sagt zum Beispiel: Du sollst nicht stehlen. Aber das Gesetz des Christus im Neuen Testament ist viel höher. In Epheser 4 wird gelehrt: Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern wirke vielmehr das Gute mit seinen Händen, damit er dem Bedürftigen mitzuteilen habe. Also nicht nur: Es ist nicht erlaubt, wegzunehmen, sondern geben, da, wo es nötig ist. Man muss ja auch gut urteilen, dass man nicht am falschen Ort gibt. Aber im Geben.
Und das Gesetz Mose sagte: Du sollst nicht Ehe brechen. Aber Epheser 5,25 sagt, dass die Männer ihre Frauen lieben sollen, wie Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Das ist ganz etwas anderes. Das ist eben das Gesetz des Messias. Und so finden wir die moralischen Gebote im Alten Testament, im Gesetz, durch die Gebote im Neuen Testament so überhöht, dass eben das Gesetz des Christus sichtbar wird.
Und jetzt macht der Herr Jesus klar: Das, was er gebracht hat, und das, was die Tradition ist, die oft das Wort Gottes sogar richtig verdreht, das ist nicht kompatibel. Und darum sagt er: ein altes Kleid. Und jetzt muss man einen Flicken ausfüllen. Da sollte man eben nicht neuen Stoff nehmen, sondern auch schon alten Stoff. Warum? Ja, was ist grundsätzlich der Unterschied zwischen altem Stoff und neuem Stoff? Der alte Stoff ist ausgeleiert, der neue Stoff nicht. Ausgeleiert, aber er kann immer noch schön sein. Aber durchs Waschen hat er eben eine bestimmte Dimension erreicht, nicht wahr? Aber neuer Stoff, der zieht sich beim nächsten Waschen zusammen. Und wenn dann eben da der Flicken schön korrekt eingefügt ist und dann wäscht man das Kleid wieder, und das zieht sich zusammen, dann reisst die Naht. Also es ist nicht kompatibel.
Und dann erwähnte er die Weinschläuche. Das waren eben nicht diese Plastikflaschen, die viele benutzen, sondern das waren eben Häute von Tieren. Und wenn man Wein hineintut, dann dehnt sich das mit der Zeit aus, wegen der Gärung. Und darum: Alte Schläuche, die sind eben schon ausgeleiert. Und wenn man da neuen Wein hineintut und der dehnt sich aus, dann kommt es zu einem Riss. Also auch da: Es ist nicht kompatibel. Neuen Wein füllt man in neue Schläuche und alten Wein in alte Schläuche.
Und da macht der Herr klar, dass die Tradition nicht zusammen mit dem Gesetz des Messias geht. Das wird jetzt auch gerade an einem nächsten Beispiel illustriert. Der Herr geht am Sabbat durch die Kornfelder, und die Jünger nehmen da Ähren ab. Ist das erlaubt oder ist das Diebstahl? Im Schweizer Gesetz haben wir übrigens auch den Begriff des Mundraubs, der geregelt ist. Das ist also Mundraub, was sie machen.
Legal dürfen sie das nach 3. Mose 23,22. Dort soll man sogar beim Ernten eben ein bisschen zurücklassen, und dann können die Armen eben das für sich ernten. Und das haben die jetzt gemacht. Und es ist so: Nach Lukas in der Parallelstelle, Lukas 6,1, da heisst es: Es geschah aber am zweitersten Sabbat, dass er durch die Kornfelder ging, und seine Jünger pflückten die Ähren ab. Ganz seltsamer Ausdruck: der zweiterste Sabbat.
Im Frühjahr war der Sabbat in der Passawoche ganz wichtig, denn in 3. Mose 23, wie gesagt, am Tag nach dem Sabbat, da muss mit der Gerstenernte begonnen werden, und da muss ein Brot gemacht werden, das zum Tempel gebracht wird. Und das ist also der Sabbat während der Passawoche. Und dann muss man von da an sieben Wochen zählen bis zum Pfingstfest, sieben mal sieben Tage, und dann am nächsten Tag ist es Pfingstfest. Also ist der erste Sabbat nach dem Passasabbat in einem gewissen Sinn der zweite Sabbat, aber in der Zählung bis Pfingsten ist das der erste Sabbat. Eigentümlicher Ausdruck: der zweiterste Sabbat.
Übrigens, im Minderheitstext Nestle-Aland haben die Abschreiber das nicht verstanden und haben das abgeändert. Aber der Mehrheitstext bezeugt das ganz klar: am zweitersten Sabbat. Und das kann man wirklich nur verstehen, wenn man den jüdischen Hintergrund gut beachtet. Das heisst also, hier sind wir im Frühjahr 30. Das ist jetzt genau ein Jahr. Nicht wahr, der Herr hat seinen Dienst begonnen, im Johannesevangelium sieht man das sehr schön. Das war im Frühjahr, Passa 29. Und dann, ein Jahr später, sind wir im Passa, Jahr 30.
Und das ist jetzt interessant, weil da kommt dieser erste Beschluss, den Messias zu töten. Wir haben gesehen, Markus 3: Da ist ein kranker Mensch mit einer verdorrten Hand, das heisst also eine Hand, die er nicht mehr bewegen kann, immobil. Und der Herr stellt noch die Frage: Ist es erlaubt, am Sabbat etwas Gutes zu tun? Sie sagen, sie geben keine Antwort. Sie hoffen jetzt, einen wirklich eindeutigen Grund finden zu können, dass er nicht der Messias ist.
Und der Herr weist darauf hin: Am Sabbat ist es erlaubt, Gutes zu tun. Und er hat schon erklärt: Auch an diesem Sabbat, wo die Jünger eben Körner abgerissen haben, das war, weil sie wirklich ein Problem hatten mit Hunger. Und der Herr verweist dann auf 1. Samuel 21: Wie war das bei König David, als er mit seinen Freunden auf der Flucht war vor Saul? Da kam er zur Stiftshütte zum Hohenpriester, und der hat ihm, weil die so Hunger hatten auf der Flucht, Schaubrote gegeben. Und das ist nach 3. Mose 24 vollkommen gegen das Gesetz, nur Priester dürfen Schaubrote essen. Aber der Hohepriester hat sich überlegt: Ja, Leben erhalten ist höher als ein rituelles Gebot.
Und das ist auch der Grund, warum in Israel die Armee kämpft auch am Sabbat. Das ist Arbeit. Wie ist es möglich, dass die am Sabbat arbeiten? Ja, weil die Rettung von Leben höher ist als das rituelle Gebot der Sabbatruhe. Das ist ja im Judentum bekannt. Und trotzdem, wenn der Herr sagt: Strecke deine Hand aus, und die ist geheilt. Das ist doch keine Arbeit. Ich meine, das ist mehr Arbeit. Jede orthodoxe Frau wechselt die Windeln beim Baby, auch am Sabbat. Und jeder gute Vater stösst den Wagen für das Baby auch am Sabbat, klar. Und jeder trägt seine hebräische Bibel unter dem Arm, auch am Sabbat, wenn er in die Synagoge geht.
Eben, der Herr macht klar: Der Sabbat ist geschaffen worden um des Menschen willen, nicht der Mensch um des Sabbats willen. Und er zeigt, wie eben die Auslegung so sein muss, dass sie gottgemäss ist und in Übereinstimmung mit der ganzen Schrift. Und da hätten sie merken müssen: Er muss uns belehren. Aber sie wollten ihn belehren. Und darum auch dieses Heilungswunder akzeptieren sie nicht und kommen zum Schluss: Er muss sterben, Vers 6, hielten sie Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.
Und das ist jetzt sehr interessant, dass das eben im Jahr 30 war, Frühjahr, und wir das so genau berechnen können. In Lukas 3,1 wird nämlich gesagt, dass der Herr Jesus seinen öffentlichen Dienst begann im fünfzehnten Jahr der Regierung von Kaiser Tiberius. Tiberius wurde Kaiser um 14 nach Christus, kann man überall nachlesen, sogar auf Wikipedia. 14 plus 15 gibt 29, also im Jahr 29. Und jetzt sind wir ein Jahr weiter, da beim zweitersten Sabbat, und der Mord wird beschlossen.
Im Talmud heisst es im Traktat Joma 39b: 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels kam das Los nicht mehr in die rechte Hand, und die rot gefärbte Schnur wurde nicht mehr weiss. So komisch, aber es ist ganz einfach, wenn man den Hintergrund weiss. Immer am Jom Kippur, da musste er nach 3. Mose 16 durchs Los entschieden werden, welcher Bock geschlachtet werden muss und welcher Bock als Sündenbock in die Wüste. Und der Hohepriester musste aus einer Box, die ihm gereicht wurde, mit beiden Händen gleichzeitig reingreifen und die Lose in die Hand nehmen. Dann wurden diese Lose aufgeklappt. Auf dem einen stand La Adonai, für den Herrn, dieser Bock muss geschlachtet werden, das Blut ins Allerheiligste gebracht werden. Und auf dem anderen steht La Azazel, für die Ziege, die weggeht, das ist der Sündenbock.
Und es war so: Wenn das Los für den Herrn, La Adonai, in die rechte Hand kam, betrachtet man das als Hinweis, dass Gott das Opfer am Jom Kippur annimmt und vergibt. Und dann hat man am Sündenbock eine karmesin gefärbte Schnur um die Hörner gebunden. Er wurde dann durchs Osttor und dann durchs Tor Mifkat hinausgeführt, durchs Kidrontal runter, Ölberg hoch, und dann wurde er in die Wüste gejagt, bis er über eine Klippe abstürzte und starb.
Und dann hat man immer wieder erlebt, dass diese rot gefärbte Schnur weiss wurde, nach Jesaja 1,18: Wenn eure Sünden blutrot sind wie Karmesin, wie Schnee sollen sie weiss werden. Und jetzt sagt diese Talmudstelle Joma 39b: In den vierzig Jahren vor der Zerstörung des Tempels wurde die Schnur nicht mehr weiss, und das Los kam nicht mehr in die rechte Hand.
Wenn einer sagt Zufall, dann soll er bitte zuhause nach dem Livestream mal eine Münze werfen, ein Fünf-Franken-Stück, und bitte fünfundvierzig Mal Zahl. Das kriegt keiner hin. Man kann ja die Wahrscheinlichkeit ausrechnen: eins durch zwei hoch N, also zwei hoch vierzig. Das ist unfasslich, unmöglich. Also das war unmöglich Zufall.
Aber was bedeutet das? Da steht im Talmud: Gott hat von da an nicht mehr vergeben. Und die rot gefärbte Schnur, wenn eure Sünden blutrot sind, blieb blutrot. Und dann ab dem Jahr 70: Die Römer haben den Tempel zerstört, bis heute gibt es keine Opfer mehr. Das ist unglaublich.
Aber es ist ganz wichtig: Wir können mit Markus und Lukas zeigen, das war im Jahr 30, und von da an vierzig Jahre. Und das Zeugnis war da: Gott vergibt nicht mehr, weil da der Messias abgelehnt worden war. Natürlich, jeder, der umkehrt, seine Schuld Gott bekennt und den Herrn Jesus als Messias annimmt und als Herrn und als Erlöser, dann vergibt Gott. Aber das war die Wende ab diesem Moment.
Also darum ist es wirklich sensationell, wie das hier von Markus gezeigt wird, ab diesem Wunder mit dem Aussatz und dann die ganze Prüfung bis hier zu diesem Beschluss, der diese Wende gab. Und nicht wahr, wenn jemand sagen würde: Ja, das ist so ein rabbinisches Geschichtchen, das wäre das grösste Eigentor der Weltgeschichte. Zu schreiben, 40 Jahre ab dem Moment dieses Mordkomplotts wurden die Opfer im Judentum nicht mehr angenommen.
Ein Bekannter von mir, der orthodox aufgewachsen ist in Zürich, Zürich-Enge, der kam dann in seiner Studienzeit als Zahnmedizinstudent zum Glauben, und zwar durch die Stiftshütte. Dort hat er gelernt, durch Paul Kiene das Prinzip anhand von einem Modell: Erlösung durch Stellvertretung. Er hat sich bekehrt, und das hat ihm die Familie gekostet. Die Familie hat ihn weggetan, das Studium wurde nicht mehr finanziert, er konnte selber schauen, wie er da durchkam. Ja, aber später hat er dann doch wieder den Kontakt finden können und hat seinem Vater die Stelle gezeigt: Talmud. Reaktion: keine Reaktion.
Also die Stelle muss man sich wirklich merken. Das ist eine Sensation. Und so kann man wirklich die Herzen erreichen.
Ja, wollen wir hier schliessen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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