Begrüßung und Einstimmung auf den Gottesdienst
Das soll ein Tag des Dankens und der Freude sein! Welch eine Liebe hat uns Jesus erzeigt! Ich freue mich, dass Sie heute mit uns diesen Gottesdienst feiern.
Ich möchte Sie grüßen mit dem Wort des Apostels Paulus: Ist Gott für uns, wer kann dann noch gegen uns sein? Er hat ja seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. Wie sollte er uns in ihm nun nicht alles schenken?
Wir wollen miteinander das Lied singen: „O Haupt voll Blut und Wunden“, Lied 63, die Verse 1 sowie 4, 5 und 6.
Anschließend wollen wir beten: O du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser! Wir kommen zu dir und sehen erst an deinem Leiden, wie groß unsere Verfehlungen sind. Dass keiner sich selbst erlösen und erretten kann, das wird uns dabei bewusst.
Da möchten wir bewegt dir danken für deine große Liebe, mit der du alles in unserem Leben zurechtbringen willst, was bei uns verkehrt und falsch ist, wo Schuld und Versäumnisse uns anklagen.
Herr, mach uns frei von der verbreiteten Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit. Hilf uns heute, dass wir dich recht erkennen – den Frieden, den du uns schenkst, das neue Leben, das wir ergreifen können, und die Freude, die wir haben, wenn wir versöhnt sind mit dir und die Tür zum Himmel sich öffnet.
Lass das auch bei jedem von uns heute Morgen geschehen. Wir wollen dir jetzt in der Stille all das bringen und bekennen, was uns belastet an Schuld. Wir beten in der Stille, dass dein Blut uns reinmacht von aller Sünde. Amen.
Es ist so schön, dass wir heute trotz der Ferien einen so großen Chor haben, der aus dem Jugendchor und dem anderen Chor zusammengemischt ist.
Die Kreuzigung Jesu im Lukas-Evangelium
Ich lese aus dem Lukas-Evangelium von der Kreuzigung, Kapitel 23, ab Vers 32:
Es wurden auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, damit sie mit Jesus hingerichtet würden. Als sie an die Stätte kamen, die Schädelstätte heißt, kreuzigten sie Jesus dort. Die Übeltäter wurden mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.
Jesus aber sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Soldaten verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Das Volk stand da und sah zu.
Die Oberen spotteten und sagten: „Er hat anderen geholfen, er helfe sich selbst! Ist er der Christus, der Auserwählte Gottes?“ Auch die Soldaten verspotteten ihn. Sie traten hinzu, brachten ihm Essig und sagten: „Bist du der Judenkönig? Hilf dir selbst!“
Über ihm war eine Aufschrift angebracht: „Dies ist der Judenkönig.“
Einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte Jesus und sprach: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“
Der andere wies ihn zurecht und sagte: „Fürchtest du dich denn nicht vor Gott, obwohl du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen. Dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“
Dann sagte er zu Jesus: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“
Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Es war inzwischen um die sechste Stunde. Eine Finsternis kam über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.
Jesus rief laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Und als er das gesagt hatte, verschied er.
Lied und Rückblick auf die biblische Botschaft
Der Weltkonstante drüben. Geht lieber Jesus. Wir singen „Du großer Schmerzensmann“, Lied 66, die Verse 1 bis 3.
Wir hatten eine gefüllte Woche mit vielen tiefen Blicken in die biblische Botschaft, ins Evangelium. Jetzt wollen wir noch den letzten Teil dieses prophetischen Verses aus Jesaja 53 hören und darüber nachdenken.
Ich lese noch einmal beide Verse von Jesaja 53, Vers 4 und Vers 5:
„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.“
Das haben wir gestern Abend betrachtet. Und so haben wir jetzt nur noch den einen kleinen Teil:
„Durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Die Bedeutung des Leidens Jesu für die heutige Welt
Im heißen, zentralafrikanischen Tschad wird viel gestohlen. Dadurch fehlt es an vielem, besonders leiden darunter die Hospitäler. Die Sendungen mit Medikamenten kommen nicht an, aber sie tauchen alle wieder auf – natürlich auf dem Markt. Dort werden sie zum Kauf angeboten.
Die Händler gehen dabei sehr geschickt vor. Sie breiten all die Medikamente schön aus, allerdings ohne Schachteln. Es ist ein ganz wunderbares Bild. Man würde staunen, wie das aussieht: Die vielen farbigen Pillen liegen in großen Haufen, und die Afrikaner kommen und schauen, welche Medikamente sie brauchen.
Wenn jemand zum Beispiel Magenkrämpfe hat, geht er an den Stand und überlegt, welches Medikament gut wäre. Soll er die grüne Pille nehmen? Oder die große weiße? Ach, das Pink sieht so schön aus, aber das Lila ist auch nicht schlecht. Vielleicht ist das ein Rheumamittel, und das Weiße ein Malariamittel. So läuft das schon seit vielen Jahren, und niemand kann diesen Unfug verhindern.
Die Leute kaufen sich die Medikamente nach dem, was ihnen gefällt oder von dem sie glauben, dass es ihnen helfen könnte. Ähnlich sind in diesen Tagen die Gespräche in den Christengemeinden. Dort spricht man darüber: Was meinst du zum Leiden Jesu? Gefällt dir das? Ist es ästhetisch schön, wenn man vom Sterben Jesu redet?
Einige sagen: „Och, nö, das ekelt mich immer etwas an. Ich probiere lieber, mit einem anderen Heilmittel in meinem Leben fertig zu werden.“ Man sucht sich aus, was einem am meisten gefällt, was am meisten zuspricht, was am schönsten aussieht.
Aber wenn man ein Medikament braucht, ein Heilmittel, eine Arznei, dann ist es ganz unwichtig, wie es aussieht, ob es uns gefällt oder nicht. Am leidenden Jesus brauchen Sie sich gar nicht zu ergötzen. Es muss Sie auch nicht vom Ästhetischen oder Künstlerischen her anziehen.
Es geht um ein Heilmittel. Deshalb müssen Sie den großen Arzt fragen: Was hilft mir in meiner Lage? Wodurch kann ich heil werden? Wie kann ich gesunden?
Die Realität der Schuld und die Not des Menschen
Jetzt möchte ich zuerst über die Not sprechen, in der wir leben – die Not, in der wir leben. Heutzutage, das wissen Sie, wenn Sie sich umhören und mit anderen darüber reden, sagen viele: Das ist nicht mehr unsere Not. Redet doch bitte nicht von der Sünde! Das sei etwas, was man bloß noch zum Spaß benutzt, das könne man nur noch karikieren und verzeichnen.
Ich will Ihnen nochmals sagen, dass das noch nie ein Thema war. In all den vergangenen Jahrhunderten hat der Mensch noch nie über seine Schulden reden wollen. Wenn Sie später schicke Autos durch die Straßen fahren sehen, sagen Sie: „Oh, hat der mal einen schönen Wagen!“ Aber Sie fragen nie, ob der Wagen auf Schulden gekauft ist. Über Schulden redet man nicht. Das sagt Ihnen niemand. Wenn Sie in einem Haus wohnen, wissen Sie oft gar nicht, was die Schulden sind. Nach außen wird immer so getan, als sei alles voll in Ordnung.
Über Schulden reden wir nicht, weil wir uns genieren. Ich habe viele Diskussionen geführt. Da gibt es manche, die sagen: „Das ist ja nur ein Thema, das haben die Kirchen erfunden, um die Menschen gefügiger zu machen.“ Und das sei so ein Trick, um mit Schuldgefühlen den Menschen ins Gewissen zu reden, sodass die Kirche die Menschen abhängig gemacht habe.
Diese Argumentation – Sie wissen, aus welcher Mottenkiste die stammt. Sie stammt aus dem marxistischen Handwerkszeug des Klassenkampfes. Nirgendwo anders kommen diese Argumente her. Inzwischen sind die Systeme des Marxismus zerfallen, aber merkwürdigerweise hält sich diese Rede immer noch bei uns: Wir würden den Menschen das ja nur einreden. Die Leute seien ja ganz vergnügt, fröhlich und unbekümmert. Sie würden so leben, wenn nicht irgendein mieser Peter immer wieder versuchen würde, die Leute schlecht zu machen und ihnen die selbst erdachte Sündhaftigkeit einzureden.
Sie müssen sich selbst prüfen, ob das wahr ist. Ich habe oft in meinem Leben als Seelsorger versucht, Menschen Schuld zu zeigen. Ich habe manches zerstrittene Ehepaar zu versöhnen versucht. Es ist mir praktisch nie gelungen, Menschen Schuld zu zeigen, obwohl sie sichtbar lag. Nicht einmal eine erdachte oder eingeredete Schuld, sondern eine, die man mit Händen greifen konnte. Wo Kinder und Eltern zerstritten waren, habe ich gesagt: „Pass doch auf, du kannst doch nicht so mit deinen Eltern reden!“ Und da sagt ein junger Mann: „Das war recht und das ist wirklich gut so, was ich getan habe.“
Sie können Menschen gar nicht Schuld einreden. Probieren Sie es doch, nicht einmal, wenn die Schuld offenkundig am Tage liegt. Und es mag sogar so sein, dass wir Schuld gar nicht sehen. Vor ein paar Tagen stand in der Zeitung, als es wieder um Schuld ging – in der deutschen Vergangenheit –, hat einer gesagt: „Ich habe das alles nur in bester Absicht getan.“ Hat je ein Mensch anders gesündigt? Jede Sünde ist in bester Absicht getan.
Wir haben gemeint, das sei unser Glück, das dürften wir, das sei unser Recht. Das ist doch keine Entschuldigung: „Heiligt der Zweck die Mittel.“ Wir sind so blind, wenn es um die Schuld geht – gerade in unserer heutigen Zeit. Der moderne Mensch ist so kühn und so keck. Er hat Gott aus seinem Gesichtskreis weggeschoben, hält das Wort Gottes von sich fern und hält sich beide Ohren zu. Dann sagt er: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich bin recht.“
Wenn der Geist Gottes uns ein Licht aufsteckt – und ich hoffe, dass Ihnen der Geist Gottes die richtige Schau gibt –, dann passiert das, was auch bei frommen Leuten ganz lange dauern kann: Man erschrickt plötzlich über seine Schuld. Nur der Geist Gottes kann uns den Blick dafür geben, was Schuld und Versäumnisse sind. Und dann bricht die Not auf: „Mein Schaden ist verzweifelt böse.“ Oder Menschen sagen: „Es gibt überhaupt nichts mehr, was mich gerecht machen kann. Es gibt überhaupt keine Vergebung mehr für mich.“
Ich möchte Sie ganz herzlich bitten: Bringen Sie die unrechten Dinge Ihres Lebens beizeiten in Ordnung. Drängen Sie sie nicht immer wieder ins Unbewusste Ihrer Seele ab. Das gibt furchtbare Krankheitsnöte. Schauen Sie, dass Sie sich frühzeitig freimachen von der Schuld.
Lesen Sie immer wieder in der Bibel, wie schon Kain versuchte, mit seiner Schuld selbst fertig zu werden. Er sagte: „Och, die kann ich schon tragen. Die Schuld ist sogar zu groß, als dass sie mir vergeben werden könnte.“ So will er durch die Welt ziehen mit der Schuld an seinem Bruder – und er wird auch damit nicht fertig.
Dann bricht die Schuld immer und immer wieder auf. Gerade in der Passionsgeschichte sehen wir, wie dieser mutige, starke, kühne, schlagkräftige Petrus nicht sentimental weint, sondern so weint, wie nur ein zerbrochener Mensch weinen kann, wenn ihm bewusst wird, wie wir die Liebe Jesu mit Füßen getreten haben.
Wir haben dem Mann mit der Dornenkrone ins Gesicht gespuckt und gesagt: „Wir brauchen dich nicht.“ Dann wird erst bewusst, wie es Petrus ging – und er weinte bitterlich. Und er weinte bitterlich.
Heilung durch die Wunden Jesu
Gibt es überhaupt ein Medikament, eine Heilung, eine Arznei?
Das ist keine mittelalterliche Vorstellung, sondern eine biblische. Durch seine Wunden sind wir heil geworden. Das steht im Wort Gottes, das haben die Propheten bereits angekündigt. Welch eine Botschaft! Wer will sie verstehen? Ist das wirklich wahr?
Petrus, der so bitterlich geweint hat, hat es später in seinem ersten Brief beschrieben: Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen. Das ist keine mittelalterliche, sondern eine biblische Vorstellung, eine apostolische Mitteilung – das Evangelium der Apostel.
Sündenvergebung haben wir an Jesus. Durch seine Wunden sind wir heil geworden, wie es in 1. Petrus 2,24 heißt. Dort steht es noch einmal aus dem Mund dieses Apostels wiederholt. Allein dadurch konnte er wieder leben. Darum hat er weitergemacht, das hat ihn fröhlich gemacht und aufgerichtet.
Mir gibt das einen Stich ins Herz, wenn ich allmählich überall diese dummen Sprüche lese, ob das Gottes Rachedurst sei, dass er seinen Sohn sterben lässt. Ach, das ist doch meine Not! Wie können die Menschen so blind sein? Ich kann keine Stunde meines Lebens verbringen, ohne zu sündigen, ohne mich an Gott zu vergehen und sein Wort zu brechen. So schwach bin ich.
Und wenn es nach mir, meiner Frömmigkeit und meinem Eifer ginge, dann könnte ich nie selig werden. Wenn Menschen sagen, sie möchten mit ihren guten Taten vor Gott im Gericht bestehen, dann kann ich das nicht – und Sie können es auch nicht.
Welche wunderbare Mitteilung ist es da, dass uns eine Arznei gegeben ist – heute, jetzt! Wir sind heil geworden, heil durch das Blut Jesu. Uns ist eine Erlösung geschenkt. Vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden.
Heute mag die Grenze, die Schnittlinie, mitten durch die Gemeinde gehen. Die einen lachen darüber, die anderen sagen, das sei dummes Zeug, mittelalterliche Vorstellungen. Aber denen, die gerettet werden, ist das eine Gotteskraft. Das Kreuz Jesu möchte sie heute herausführen aus allen sündigen Bindungen und hineinführen in ein neues Leben.
Umgang mit Krankheit und Heilung im Glauben
Aber jetzt ein zweiter Punkt: Was ist dann mit unseren Krankheiten? Wenn wir hören, wir sind heil geworden – heil, Heilung – dann spitzen viele von uns die Ohren. Besonders, wenn wir irgendwo erfahren, dass es eine besondere Chance gibt, gesund zu werden.
Wenn heute jemand sagt: „Du, da musst du hingehen! Dort ist ein Gesundbeter oder ein Heiler“, würden wir natürlich alle loslaufen. Die Krankheit treibt uns, und die Hilflosigkeit mancher Ärzte lässt uns keine andere Wahl, so sagen wir. Diese verbreitete Rennerei zu Heilern und Gesundbetern hat nicht in erster Linie religiöse Gründe, sondern ganz einfach unsere Liebe zu unserem Körper.
Wir haben unseren Körper wahnsinnig lieb, und wir sind alle viel zu bequem, um Leiden und Schmerzen auszuhalten. Das ist ein ganz heidnisches Stück. Übrigens, wenn ein esoterischer Heiler auftritt, rennen die Leute genauso hin wie zu einem christlichen Heiler. Aber das ist überall das Gleiche: Man möchte gesund werden.
Und erleben wir nicht oft, dass uns unser Herr viel, viel Hilfe zuteilwerden lässt? Es ist oft überwältigend, dass er wirklich alle Macht hat, im Himmel und auf Erden. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle aber doch ganz deutlich sagen: Es ist nicht, wie manche vorgeben, die Reife des Glaubens, wenn man Wunder erlebt. Im Gegenteil, es ist ein Anfangsstadium, in dem wir noch Zeichen und handfeste Beweise der Nähe Jesu brauchen.
Wie war das damals, als man diesen Gichtkranken auf einer Matratze durch das Dach herunterließ? Das hat ja elend wehgetan. Bei jeder Biegung seiner Knochen hatte er Schmerzen. Auf dieser wackeligen Matratze wurde er durch das Dach herunterbalanciert. Da sah man doch, dieser Mann braucht Hilfe, er schreit nach Heilung. Und was sagt Jesus als Erstes? „Dir sind deine Sünden vergeben.“
Da hat Jesus eindeutig klargestellt: Nummer eins im Leben, auch im Heilshandeln Jesu, ist nicht die Reparatur des Körpers. Auch werden wir diesen Körper gar nie mehr richtig reparieren können. Wenn wir älter werden, spüren wir das: Kaum haben wir die eine Sache hinter uns, fängt es an der nächsten Ecke des Körpers wieder mit Schmerzen und Leiden an. Es ist ein zerfallender, kranker Leib.
Was ist denn überhaupt die Krankheit? Man hat heute entdeckt, dass Krankheiten durch Umwelteinflüsse verursacht werden. Man kann genauso sagen, Krankheiten sind bedingt durch psychische Faktoren. Wenn jemand unter psychischem Stress lebt oder immer etwas in sich hineindrücken muss, entlädt sich das in einer körperlichen Krankheit. Das sind aber alles nur die Auslöser.
Die Krankheit ist ein Zeichen, dass wir unter dem Schatten des Todes leben. Alle miteinander werden krank. Höchstens vielleicht noch unter den Jungen gibt es jemanden, der sagen könnte: „Ich fühle mich heute so ganz quietschvergnügt und habe überhaupt nichts.“ Das gehört zu unserem Leben, und es ist ein Zeichen der Gerichtshand Gottes, des Zornes Gottes, der über uns liegt.
Wir müssen alle dahin, zerfallen zu Staub und Asche. Jede Krankheit ist darum so schwer, weil sie ein Mahnruf Gottes ist. Darum verstehe ich, dass viele Kranke gar nicht den Ernst begreifen wollen. Wir sollten eigentlich immer dort einsetzen in unseren Gesprächen und Menschen fragen: „Hast du in diesen Ängsten, die einen ja immer wieder befallen, wie wird das wieder, hast du hier den ewigen Halt gefunden, der dich bergen kann?“
Jede Krankheit, die uns heute schon begegnet, ist so ein vorlaufendes, gnädiges Warnzeichen unseres Herrn. Was darf ich denn ergreifen, damit ich heil werde durch die Wunden Jesu?
Und jetzt, liebe Freunde, bitte achten Sie nicht immer bloß auf den kraftstrotzenden, braun gebrannten Sportlerleib, den Gedaubten, nicht? Achten Sie nicht bloß auf den hochgeputschten, schönen Körper, von dem man sagt: „Das ist doch schön!“ Wir hatten eine Kranke, die fast 24 Jahre ihres Lebens nur krank lag und mit 37 Jahren starb. Sie schrieb immer wieder Briefe und sagte: „Wenn man Jesus bei sich hat, dann ist man wirklich heil, auch wenn es einem äußerlich ganz schlecht geht.“
Da hat ein Mensch zur Heilung gefunden. Nicht, dass Gott uns das auch hier und da schenken kann, dass er uns auf wunderbare Weise Gebetserhörungen gibt. Verstehen Sie das richtig? Das Maß wollen wir Gott überlassen. Aber das wirkliche Heilwerden geschieht doch erst dort, wo wir nicht mehr von äußeren Zeichen und Wundern abhängig sind. Wenn wir nicht nur glauben, wenn wir sehen und betasten können, sondern wenn wir wissen: Er ist da.
Ich habe das vor Jahren erlebt, als ich noch im Vikarsdienst war. Ein junger Mann war Opfer eines Verkehrsunfalls. Er war im Streit mit seinem Vater von daheim losgefahren, mit seinem Moped, und dann schrecklich verunglückt. Die Ärzte sagten ihm, dass er nicht mehr genesen kann. Die Nieren waren zerquetscht. Es war sehr schwer, mit ihm zu reden, mit den Schläuchen im Mund.
Aber er wollte unbedingt noch das Abendmahl empfangen. Man konnte es gar nicht feiern, weil er nichts mehr trinken konnte, nicht mal Tee, und auch kein Brot. Dann habe ich es ihm zugesagt: „Jesus Christus ist für dich gestorben, die Wunden Jesu sind es.“
Mich hat das damals so ungemein geprägt. Es war sicher ein besonderes Geschenk, dass Gott mich das damals erleben ließ. Ich spürte: Das macht selig, dieser junge Mann mit achtzehn Jahren, der in der Nacht der Nachtschwester klingelt und die Lieder für seine Beerdigung raussucht. „Sollte ich meinem Gott nicht singen? Sollte ich ihm nicht dankbar sein?“ Und das andere: Jesus Christus herrscht als König.
Kein frommer Jüngling und junger Bursche unserer Tage, der im Streit mit dem Vater verunglückt war. Die Wunden machen uns heil, wirklich heil.
Die Frage nach der Heilung des eigenen Lebens
Jetzt ist meine dritte Frage nur an Sie gerichtet, mein dritter Teil, meine Frage: Sind Sie wirklich heil geworden? Sind Sie wirklich heil geworden?
Das war so gut bei unserer Bibelwoche. Ein Redner hat gesagt: Das ist ja nicht nur etwas für unser Innenleben. Das muss sich ja auswirken und unserer Welt eine neue Perspektive geben. Das Kreuzesleiden Jesu – da muss doch Hoffnung für die Welt entstehen.
Ja, mögen wir sagen: Was du heute Morgen predigst, was hat das für die Welt zu tun? Darf ich Ihnen ein paar Symbole aus der modernen Welt nennen?
In Kourou in Französisch-Guayana wurde die Ariane 5, eine europäische Rakete, abgeschossen. Das ist so unsere Welt, auf die wir stolz sind – unsere technische Welt. Oder der Raketenbahnhof in Baikonur, Kasachstan, wie Walter Klach sagte, ein großartiges Werk, ein Symbol der großen Menschenkraft.
Vor ein paar Tagen war ich in Brüssel. Dort steht das Atomium, ein Symbol des menschlichen Fortschritts. Oder in New York das World Trade Center, das größte Gebäude, das die Stadt überragt.
All das ist nur ein Symbol der totalen Hilflosigkeit der Menschen. Schon wenige Jahre, nachdem man so stolz das Atomium errichtet hat, begann die Diskussion, ob man nicht alle Kraftwerke besser wieder schließen sollte.
Gehen Sie einmal durch unsere Straßen und Häuser, schauen Sie hinein in die Familien und sehen Sie, wie hilflos und verzweifelt Menschen sind. Gehen Sie bei Nacht durch unsere hell erleuchteten Straßen und sehen Sie, wie Menschen an niedrige Triebe gebunden sind, wie sie ihr Leben nicht führen können und wie in dieser Welt so furchtbar viel Leid und Unrecht geschieht.
Das soll das Heil bedeuten? Was denn das altrauen Kreuz, das ist das Symbol. Wir sagen, das passt in dieses zwanzigste Jahrhundert hinein, und wir genieren uns nicht an der Botschaft vom Kreuz.
Wir sagen: Das ist unser Triumph, Jesus ist für mich gestorben, und er gibt mir eine ganz neue Perspektive.
Im Vers, der dann folgt, im Vers sechs, heißt es: Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, denn jeder sah auf seinen Weg. Es gibt viele Wege, die man im zwanzigsten Jahrhundert gehen kann, aber kein einziger dieser Wege führt zum Frieden.
Die Wetterpropheten im Fernsehen haben gesagt: Wenn Sie Wärme suchen, müssen Sie weit wegfliegen. Viele sind geflogen, haben gesucht, sie werden leer und enttäuscht zurückkommen, vielleicht sonnenverbrannt.
Es wird so viel angeboten, was uns reich macht und wo wir Erfolg bekommen. Aber nichts, was uns mit Gott versöhnen kann, nichts, was unserer Welt hilft, gerecht zu werden, ein neues Leben zu beginnen, wo Sünde gestoppt wird und Unheil aufgehoben wird – nur dieses altrauen Kreuz.
Dort auf Golgatha stand einst ein altrauen Kreuz.
Da muss ich immer an einen chinesischen Hauskreisleiter denken, einen 77-jährigen Mann, dem ich dort in Peking begegnet bin. Er war über zwanzig Jahre im Norden Chinas in einem Straflager. Im Winter war es dort furchtbar, unter Eis und Schnee.
Man kann nicht wiedergeben, welche Qualen und welchen Martyrium er erlitten hat. Auch das ist unsere Welt – eine Welt des Unrechts und des Leidens.
Ich fragte ihn, was ihn durchgetragen hat. Er sagte: Wenn es ganz schlimm war, dann habe ich dieses Lied gesungen vom altrauen Kreuz. Dort auf Golgatha stand dieses altrauen Kreuz.
Und darum habe ich all meine Leiden fröhlich auf mich genommen.
Das wollen wir am Ende gar nicht verschweigen, dass der Weg der Christen oft in die Leidensgemeinschaft mit Jesus führt.
Denken Sie daran, wie viele Menschen, etwa die Hugenotten und andere, einfach schwer in die Verfolgung hineingeführt wurden. Andere hatten einen schweren Weg zu gehen oder haben selbst das Opfer ihres Lebens gebracht, im Dienst für Jesus hingegeben.
Aber das heißt es ja immer so in den Passionsliedern: Ich möchte gern alles dir zu Ehren wagen, ich möchte doch mein Leben gern dir opfern, und ich möchte doch, weil du mir dein Kreuz gabst, nun auch gerne mein Kreuz tragen.
Es soll mir doch nicht schwer werden, und ich will die unbequemen Dinge tragen. Sie sind doch wirklich nicht mehr schwer, seitdem ich in deiner Liebe eingehüllt und getragen bin.
Da hat ein Kind zu seiner Mutter gesagt: „Mama, schau mal auf den Kirchtürmen, da sind überall Pluszeichen. Was sind denn das für Pluszeichen?“
Ja, ein Kind kann es besser erfassen: Das Kreuz Jesu macht uns nicht arm, sondern reich.
Und wenn der Herr uns manches Kreuz auflegt, sind es lauter Pluszeichen, durch die uns der Herr segnet und wo wir ihm noch viel näherkommen und seine Liebe noch viel besser erfahren können.
Durch seine Wunden sind wir heil, ganz heil. Amen.
Schlusslied, Gebet und Segen
Jetzt singen wir „Ach, Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?“, Lied Nummer sechzig, die Verse eins bis vier.
Anschließend beten wir.
Du, Herr Jesus, bist der Heiland der Welt. Du bist hineingegangen in die ganze Weltnot. Du hast Krankheit erlitten und Schmerzen ertragen. Du hast die Treulosigkeit der Menschen kennengelernt, auch die deiner Frommen, und hast gespürt, wie hohnvoll uns Spott ist. Du hast die ganzen Schrecken des Todes an deinem Leib erfahren, damit wir Frieden hätten.
Wir wollen dir danken, dass du uns heute dies zusprichst: dass kein Leid und keine Not uns mehr von dir trennen kann. Dass keine Krankheit, kein Schrecken und nichts Böses, wie schlimm es uns auch trifft, uns mehr von deiner Liebe scheiden kann. Sondern dass wir darin erst recht dich erkennen können, deine Liebe, die nicht loslässt. Dass du bei uns bist in deiner großen, unendlichen Güte und Liebe.
Da wollen wir dir, Herr, unsere Schuld bekennen, weil es uns leid tut, dass wir dich so oft betrübt haben und dir so oft untreu gewesen sind. Vergib uns unsere Schuld und reinige uns ganz durch und durch.
Wir sind dir so dankbar, dass dein Blut uns reinmacht von aller Schuld und dass dein Kreuz eine Gotteskraft ist, die uns selig macht, wenn wir es im Vertrauen annehmen und im Glauben an dich akzeptieren als unser Heil. Dir sei Lob und Dank dafür.
Wir wollen an diesem Tag auch beten für unsere Stadt und unser Land, ja für die ganze Welt. Gib doch, dass noch viele Menschen dein Kreuz verstehen, dein Leiden und Sterben. Und gib du in diesen Tagen der Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit auch in deiner Gemeinde, in deinem Volk, in deiner Kirche Erkenntnis der Schuld, damit wir dein Angebot der Versöhnung nicht billig verschmähen und gering achten, sondern heilig halten.
Dir sei Lob und Dank, dass deine Erlösung allen Schaden gutmachen kann, wo wir zu dir kommen.
Lasst uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Singen wir noch den letzten Vers von dem Lied. Eines wünsche ich mir vor allem anderen: Das ist das Lied, das Albert Knapp, ein Freund von Ludwig Hofacker, nach der Karfreitagspredigt von Ludwig Hofacker gedichtet hat. Darum ist uns das Lied in der Ludwig-Hofacker-Kirche besonders lieb.
Wir singen den Vers „Ich bin dein, sprich du darauf dein Amen“, 421, Vers 4.
Wegen der nächsten Gottesdienste darf ich Sie bitten: Nehmen Sie einfach hinten den weißen Notizzettel mit. Das ist ein wichtiges Blatt für unsere Gottesdienste.
Das Opfer ist heute von der Kirchenleitung für die Stätten des kirchlichen Wiederaufbaus in den neuen Bundesländern, besonders in Thüringen, bestimmt.
Und nun wollen wir unter dem Segen des Herrn von hier weggehen.
Herr segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Herr, erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.
