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Kain - Wehe, wenn ich sauer werde

1. Mose 4,1-1602.03.2008
SerieTeil 1 / 9Männer...
Kains Absturz beginnt nicht mit Mord, sondern mit gekränktem Stolz. Wer Zorn festhält, öffnet die Tür für viel mehr als nur schlechte Laune.

Einordnung der Reihe und der Blick auf Vorbilder

Wir hatten letztes Jahr eine Reihe, die hiess Frauenpower, tolle Frauen der Bibel, von denen wir eine Menge gelernt haben. Dieses Jahr gibt es, wenn man so will, das Gegenprogramm: die Bad Boys, Typen aus der Bibel, denen man nachts am besten nicht alleine auf der Strasse begegnen möchte.
Ich möchte am Anfang etwas dazu sagen, warum es gut ist, sich mit schlechten Vorbildern zu beschäftigen. Ansonsten sagt man: gute Vorbilder. Aber jetzt wollen wir uns ganz bewusst mal die Bad Boys anschauen. Schlechte Vorbilder. Und wer eine Bibel dabei hat, mag bitte mal aufschlagen: 1. Korinther 10. Wer keine dabei hat, kurz Hand heben. Holger, hinten ist noch mal eine Kiste, dann verteilen wir noch ein paar.
In 1. Korinther 10 geht es um das Volk Israel als ein Vorbild, nur mit Anführungszeichen Vorbild für uns. Und dann heisst es in Vers 6: Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit uns nicht nach bösen Dingen gelüstet. Und Paulus schreibt dann etwas darüber, dass die Israeliten Probleme hatten mit Götzendienst, mit Hurerei, dass sie Gott versucht haben, ständig herumgemurrt haben. Und in Vers 11 heisst es dann: Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.
Also: Man kann von schlechten Vorbildern lernen. Es liegt daran, dass Gott sich nicht ändert. Und deshalb, wenn im Alten Testament etwas falsch ist, dann bleibt das auch im Neuen Testament falsch. Und wenn es in Vers 5 heisst: An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, dann gilt das eben für alle Menschen, die sich so verhalten wie die Israeliten.
Das ist die eine Seite. Wir können von schlechten Vorbildern lernen. Und bevor ich jetzt weitermache und mir anschaue, was wir denn von ihnen lernen können, möchte ich unbedingt eine zweite Seite bringen. Und die zweite Seite hat damit zu tun, dass wir als Gläubige im Himmel keinen Polizisten haben, der also mit so einem ewigen Knöllchenblock immer nur darauf wartet, dass er uns wieder einen Strafzettel ausstellen kann. Sondern wir haben im Himmel einen liebenden Vater sitzen.
Und ich glaube, dass das im Kern den Unterschied macht zwischen dem Gläubigen und dem Ungläubigen. Der Gläubige, das ist der, der weiss, dass seine Schuld bezahlt ist. Das ist der, der weiss, dass er mit Gott im Reinen ist, der weiss, dass er vor dem Tod keine Angst haben braucht. Das sind die einen. Und dann gibt es die anderen, das sind die, die versuchen, mit ihrer Schuld selber fertig zu werden, die beim Gedanken an Gott ein mulmiges Gefühl befällt und die eigentlich nicht wissen, was nach dem Tod auf sie zukommt.
Und wenn ich mich mit diesem Thema schlechte oder gute Vorbilder beschäftige, dann möchte ich, dass wir es aus der Perspektive von gläubigen Leuten tun. Das ist mir ein ganz wichtiger Punkt. Wir werden am Ende Dinge feststellen, wo wir sagen: Das ist falsch, das sollte man nicht tun. Und ich möchte dann nicht verstanden werden wie so ein Polizist, der hier vorne steht und sagt: Also hört her, jetzt habe ich euch mal wieder gesagt, was man alles darf oder auch nicht darf. Sondern ich möchte verstanden werden als jemand, der betont, dass die Gebote Gottes für uns als Gläubige keine Katastrophe darstellen. Sie sind nichts, was uns verdammt, sondern sie sind das, was der Halbbruder von Jesus, Jakobus, beschreibt als das vollkommene Gesetz der Freiheit.
Wir können das mal gemeinsam lesen: Jakobus 1,25. Da geht es um das Hören und Tun. Jakobus 1,25: Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.
Eine tolle Verheissung. Wer völliges Glück finden will, der muss sich mit dem beschäftigen, was Gott sagt, und der muss es nicht nur hören, sondern tun. Aber ehrlich gesagt: Als ich das erste Mal auf diesen Begriff gestossen bin, ach, als ich die ersten fünf oder zehn Mal auf diesen Begriff Gesetz der Freiheit, vollkommenes Gesetz der Freiheit gestossen bin, dachte ich: Irgendwie passt der Begriff nicht. Also, ich dachte mir: Was willst du denn jetzt? Gesetz oder Freiheit? Es passte für mich nicht so richtig zusammen. Entweder Gesetz, dann wird meine Freiheit aber doch eingeengt. Oder Freiheit, dann brauche ich kein Gesetz.
Es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, wie diese Begriffe doch zusammenpassen. Dass Gott uns durch seine Gebote nicht irgendwie gängeln will oder kontrollieren möchte, sondern dass die Gebote Gottes ein Ausdruck von Liebe sind. Ich möchte das so beschreiben:
Der Mensch als Sünder braucht Leitplanken, die ihm helfen, sich gefahrlos zu bewegen. Ich habe versucht, ein Bild zu finden für das, was ich meine: Kartbahn. Man kennt diese kleinen Flitzer, die gibt es in verschiedenen PS-Grössen. Was war dieses Ding, was du mal gefahren bist? 50 PS? Also, das ist dann die böse Variante. Die anderen sind so sechs und neun. Also: Kartbahn.
Wie so eine Kartbahn aufgebaut ist? Na ja, ich habe halt mein Auto, ja, und dann habe ich links und rechts so eine Begrenzung. Und solange ich mich innerhalb dieser Begrenzung bewege, ist auch alles gut, komme ja vorwärts. Blöd wird Kartfahren nur, wenn ich ständig da reinfahre, dann komme ich nämlich nicht vorwärts.
Und Leben ist wie Kartbahn fahren. Und Gott ist der, dem die Kartbahn gehört. Und so wie so ein ganz normaler Kartbahn-Besitzer diese Begrenzung nicht aufstellt, um mich zu ärgern, sondern um mein Fahren irgendwie möglich zu machen, um mir ein Ziel zu geben, um es mir schön zu machen, so ist Gott einer, der uns Gebote gibt, weil er weiss, was wir zum Leben brauchen. Die uns einen Korridor lassen, einen Korridor der Freiheit, in dem ich mich bewegen kann, ohne dass die Dinge, die in mir drinstecken, diese selbstzerstörerische Kraft, mich kaputt machen.
Selbstzerstörerisch, damit meine ich: In uns steckt eine blöde Veranlagung. Das fängt mit einem Schluck gutem Rotwein an, und wenn wir nicht aufpassen, endet es im Alkoholismus. Das fängt damit an, dass man sich eigentlich nett miteinander unterhält, vielleicht ein bisschen kontrovers diskutiert, und das kann enden im Streit. Das fängt damit an, dass ich rausgehe und mich darüber freue, dass mein Nachbar ein neues Auto hat, und das ein bisschen anschaue und ein bisschen länger hinschaue, und irgendwann neidisch werde.
Da steckt in uns etwas drin, was die Bibel Sünde nennt und was, wenn wir dann nicht wissen, wo die Grenzen sind, und wir selber dazu neigen, über die Grenzen hinauszugehen und uns selber kaputt zu machen. Und deswegen sind die Gebote Gottes so etwas wie die Leitplanken, die Gott uns setzt, und dazwischen befindet sich ein Korridor. Und das ist das Gesetz der Freiheit. Gott schafft mir einen Freiraum, in dem ich mich gefahrlos entwickeln und bewegen kann. Und das ist das, was wir, denke ich, irgendwann mal begreifen müssen. Gebote sind dazu da, um uns eine Orientierung zu geben. Sie helfen uns, um ein sinnvolles und auch ein glückliches Leben zu führen. Und deswegen erfährt der Gläubige auch die Gebote als Freiheit.
Deswegen kann Jakobus da schreiben: das vollkommene Gesetz der Freiheit. Weil Jakobus halt viel früher als ich verstanden hat, dass Gebote und Freiheit einander bedingen. Es gibt keine wirkliche Freiheit ohne die Gebote Gottes.
Und als ich darüber nachdachte, dachte ich mir: Ja, aber das ist noch mehr. Wir haben uns am Anfang unserer Ehe, meine Frau ist jetzt draussen, wir haben uns am Anfang unserer Ehe öfter gestritten. Das ist nicht schön, aber es ist wahr. Und irgendwann hatten wir von diesem Streit wirklich genug und haben angefangen zu beten. Und zwar für unsere Charakterentwicklung. Und dann hat sich erfüllt, innerhalb relativ kurzer Zeit, was in der Bibel steht. In der Bibel steht ja, dass da, wo wir anfangen, für eine Sache zu beten und wo wir das tun wollen, was Gott sagt, dass dann Gott selber in unser Leben eingreift und unseren Charakter verändert. Vielleicht nicht von heute auf morgen, schnipp schnapp, aber Gott zeigt uns das, was wir tun sollen, wir tun das, und Stück für Stück verändert sich unser Charakter.
Mich hat das fasziniert. Wenn du mich fragst, warum glaubst du an Gott, wenn ich mal eindampfe auf den wesentlichen Punkt, also diese Sache, dass aus zwei Streithähnen, die am Ende ihrer eigenen Kräfte angekommen sind, ein schmusiges Ehepaar wird, das ist einfach Evangelium. Das ist die frohe Botschaft. Wenn das möglich ist, Entschuldigung, was ist denn dann noch möglich? Das ist Evangelium.
Also: Gebote sind nicht nur dazu da, uns Leitplanken zu geben, sondern Gebote sind auch dazu da, uns zu zeigen, wohin soll ich mich denn entwickeln, wofür kann ich denn beten, dass Gott mich weiter verändert? Letztlich verändert so zu werden wie Jesus.
In diesem Sinn möchte ich gerne diese Bad-Boy-Reihe angehen. Wir wollen von schlechten Vorbildern lernen, aber ich möchte euch nicht einfach unter Druck setzen, sondern ich möchte euch sagen: Das, was wir hier lernen, das ist etwas, wozu Gott uns befreit hat. Wir sind dazu befreit, das zu leben. Beziehungsweise bei den Bad Boys dann das nicht zu leben, anders zu sein, genau in diese Fehler nicht reinzufallen.
Und ich sage mal: Wenn ich nicht wüsste, dass Gottes Kraft da ist, um uns an der Stelle gesund zu machen, dann hätte ich ein Problem. Wenn ich nicht wüsste, dass Gott in uns etwas angefangen hat an Veränderung, was er selber zu Ende bringen möchte, und dass wir als Gemeinschaft, als Gemeinde auch dazu da sind, uns dabei zu helfen, dann hätte ich ein Riesenproblem. Dann wären wir wirklich arm dran. Aber das sind wir nicht. Und das muss uns klar sein: Wir sind reich beschenkte Kinder Gottes, die Gottes gute Gaben erfassen dürfen und dann wirklich ein befreites und auch ein glückliches Leben führen dürfen. Ein Leben, wo Gott sagt: Hey, das ist richtig gut. Du musst nicht die alten Fehler ständig und immer wieder machen. Du darfst lernen, was gut ist, und du darfst es ausleben.
So, in diesem Sinn: Nr. 1 Bad Boy. Kein, kein, ich habe der Predigt den Titel gegeben: Wehe, wenn ich sauer werde.
Im Judasbrief heisst es einmal über böse Menschen, Judas 11: Wehe ihnen, denn sie sind den Weg Kains gegangen. Und ich möchte euch jetzt bitten, mal wieder nur die erste Seite eurer Predigtnotizen anzuschauen. Umdrehen ist wieder verboten, steht auch unten dran. Und ich möchte, dass ihr euch fünf Minuten Zeit nehmt und herausfindet: Was ist denn bitteschön der Weg Kains? Was meint denn Judas mit dem Weg Kains?
Also, die Predigtnotizen finden sich in diesem gelben Brötchen hier und sehen so aus. Das sind die Predigtnotizen. Und da findet sich auf Seite eins unten da eine Frage, eine Studienaufgabe. Die möchte ich euch weitergeben. Dafür habt ihr fünf Minuten. Da steht 1. Mose 4,1-16. Das ist nämlich die Geschichte von Kain. Welche Abschnitte auf dem Weg Kains kannst du identifizieren?
Kain ist ja nicht von Anfang an der Bad Guy. Das fängt ja irgendwo an. Und er bringt auch seinen Bruder nicht gleich in der ersten Szene um. Es fängt nicht so an mit: Und Kain schlug seinen Bruder Abel. Punkt. Das ist nicht die Geschichte. Dies ist ein bisschen komplizierter. Also lest euch das mal durch. Womit fängt der Abstieg an, wo hört er auf, und versucht, einzelne kleine Schritte zu identifizieren, die euch dabei auffallen.
Ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch jetzt das Licht, hiess es früher bei Michael Schanze. Ob ihr recht habt oder nicht, dreht einfach mal um. Das sind die vier wesentlichen Schritte, von denen ich meine, und das ist irgendwo nur eine sehr subjektive Einteilung, dass man sie im Text finden kann. Es fängt an mit der frommen Show, es folgt das, was ich Zorn und Unbelehrbarkeit nenne, dann kommt Mord und Lüge, und am Ende Flucht vor der Schuld. Das ist der Weg Kains: von der frommen Show am Anfang bis zur Flucht vor der Schuld, wo ich nicht wahrhaben will, was ich da getan habe.
Wir wollen uns die einzelnen Schritte kurz anschauen und natürlich bei dem zweiten dann am längsten verweilen. 1. Mose 4, da heisst es, 1. Mose 4, Vers 3: Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem Herrn eine Opfergabe. Und Abel auch, er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett.
Zwei Brüder opfern, und wir wissen aus Hebräer 11: Der eine tut das, weil er Glauben hat, das heisst Abel, und der andere tut das ohne Glauben, einfach nur so. Und das Problem ist, dass ein Opfer, was ich bringe, ohne Glauben, das ist einfach nur fromme Show. Ich tue so, als würde ich anbeten, aber in Wirklichkeit ist nichts dahinter.
Und ich möchte jetzt keinen gar nicht so viele böse Motive unterstellen. Ich weiss, dass ich in meinem dasselbe auch gemacht habe. Ich bin lange Zeit regelmässig in der evangelischen Kirche in den Gottesdienst gegangen, ich habe das Vaterunser gebetet, am Abendmahl teilgenommen, konfirmiert worden, war sogar am Kirchentag. Aber obwohl äusserlich einer von denen, wo man sagen würde: Boah, der ist doch eigentlich ganz gut unterwegs, ja, also find mal Leute, die 18, 19 sind im Gottesdienst in der evangelischen Kirche, das ist die Ausnahme.
Obwohl ich nach aussen hin alles richtig gemacht habe, in meinem Herzen war das nicht echt. Also dass ich wirklich Glauben gehabt hätte, das stimmt einfach nicht. Ich hatte so eine äusserliche Hülle von Frömmigkeit, und irgendwo war der Glaube, oder das, was ich für Glauben hielt, ein Stück Kultur. Ich habe das mitgemacht, was man von mir erwartet hat. Aber es war nicht echt.
Wirkliche Lebensübergabe, wirklicher Gehorsam, wirklich, dass Gott mein Gott ist, dem ich diene, dem mein Leben gehört, das war nicht da. Sondern Gott war so ein Add-on. Irgendwie nett. Ich habe mein Leben gelebt, und irgendwo für das Gemüt und für das Gewissen und für die Hoffnung nach dem Tod gab es so ein Add-on. Das gehörte halt irgendwie dazu. Ich brauchte da noch etwas, und da habe ich dann Gott dafür genommen. Aber letztlich habe ich Gott benutzt. Und letztlich habe ich das gemacht als ein frommes Spektakel. Und nur wenn man das tut, dann kann Gott nur eines tun: Er kann sich abwenden, so wie es hier dann in Vers 4 heisst: Und der Herr blickte auf Abel und auf seine Opfergabe, aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht.
Und jetzt wird es spannend. Was macht der gute Kain jetzt? Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. Wer Kinder hat, weiss, wie das geht. Und der Herr sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt sich dein Gesicht? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür, und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.
Das, was hier steht, ist der Beweis dafür, dass Kain tatsächlich ungläubig ist. Warum? Weil er sauer wird. Sauer wird. Sein Blatt ist aufgeflogen, und Gott hatte ihn blossgestellt. Gott hat bei diesem Täuschungsmanöver nicht mitgemacht. Und in diesem Moment, wo Gott ihn anspricht und ihm eigentlich eine Chance gibt, hey, jetzt kehr doch um, in dem Moment da ist Kain nicht bereit, darauf einzugehen.
Ich finde es absolut faszinierend, was Gott hier tut. Ich habe einen vor mir, der mich einfach anlügt, der so tut, als ob der nicht echt ist. Und Gott, auf der einen Seite nimmt er sein Opfer nicht an. Warum tut er das nicht? Na, weil er keinen liebt, ja, es ist keine Liebe, wenn ich mein Kind klaut, kommt nach Hause und ich sage dann: Oh, ist nicht so schlimm. Das ist keine Liebe, das ist der Einstieg in die Kriminalität.
Wenn ich jemanden lieb habe, 1. Korinther 13 heisst das einmal, die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, wenn ich jemanden lieb habe und er etwas Falsches macht, dann sage ich ihm das, weil: Hey, das geht nicht so. Aber die Frage ist: Wie sage ich ihm das? Und da ist Gott in meinen Augen genial. Er fragt ihn. Ja: Warum bist du zornig, warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Er reflektiert ihn. Sag mal, was ist los bei dir? Und es ist ein Angebot, nachzudenken. Ein Angebot: Hey, Kain, ich möchte dein Bestes, bitte denk noch mal über das nach, was du jetzt tust an der Stelle. Ja, du bist ungläubig, und ja, du bist sauer, aber das muss nicht das letzte Wort sein.
Er tut das Falsche. Statt Einsicht hätte es ja auch sein können, die Geschichte geht so weiter: Gott sagt es, und Kain sagt: Oh, was habe ich bloss gemacht, entschuldige, das war völlig falsch, ja, du hast recht, es wäre doch gut gewesen. Oder vielleicht wäre auch folgendes Szenario ein bisschen nicht ganz so einsichtig, ein bisschen mehr fragend: Oh, das ist schiefgegangen, hm, was machen wir denn jetzt, sag doch mal, Gott, also ich würde ja auch gerne, wo liegt denn der Fehler in meinem Leben? Ein bisschen weniger einsichtig, ein bisschen mehr fragend, auch das wäre okay.
Aber das, was Kain hier tut, da kommt so das Trotzköpfchen zum Vorschein. Ich bin sauer, und ich will sauer bleiben, und ich darf mir auch nichts sagen, weil niemand mir was sagen darf, und ich bin jetzt sauer. Also, wenn ihr Kinder habt, wisst ihr genau, wovon ich rede. Also diese Bockphase. Und wenn ihr impulsive Leute seid, dann erlebt ihr vielleicht in eurem Leben auch manchmal so Bockphasen.
Wie so ein kleines Kind fängt Kain an zu schmollen. Er ist gekränkt, er ist zornig, Gott kann ihm das am Gesicht ablesen. Was mich begeistert, ist noch mal: Ich will noch mal sagen, wie Gott damit umgeht. Ja, Gott hätte ja auch sagen können: Was erlaubst du dir eigentlich, Kain, he? Weisst du, mit wem du es zu tun hast? Ich bin Gott, kann man nicht so mit so einem Gesicht vor mir erscheinen.
Was macht er denn? Er fragt einfach nur nach, versucht ihn zu gewinnen, versucht ihm sogar die positiven Seiten von Gehorsam vor Augen zu malen. Heisst es im Text: Ist es nicht so, wenn du recht tust, dann erhebt sich dein Gesicht? Es ist so, dass wenn du das Gute tust, dass das irgendwie dir als ganzem Menschen gut tut, das sieht man in deinem Gesicht, dass das gut ist. Und auch die Negativen zeigt er ihm: Wenn du aber nicht recht tust, wenn du weiter unrecht tust, was ist denn dann? Dann lagert die Sünde vor der Tür, und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.
Ich will das mit meinen Worten sagen, weil ich finde das so dramatisch hier. Kain, Sünde, das ist wie ein wildes Tier, und dieses wilde Tier steht vor der Tür deines Lebens, und du bist durch deinen Zorn gerade dabei, diese Tür aufzumachen. Und wenn du sie aufmachst, ich verspreche dir, dieses Tier will in dein Leben hinein, um dein ganzes Leben in den Griff zu bekommen. Noch ist Zeit. Du bist Mensch, und als Mensch bist du dazu berufen, die Sünde zu beherrschen. Du bist nicht dazu berufen, von ihr beherrscht zu werden. Noch ist Zeit, kehr um, denk an die Vorteile, denk an die Gefahren dabei.
Das ist das, wie Gott hier mit Kain umgeht. Vielleicht kennt ihr diesen Punkt nicht alle kennen den, aber manche, so ein bisschen die Impulsiveren unter uns kennen den: Wenn man in einem Streit drinsteckt und dieser Punkt kommt, wo man innerlich sich fühlt wie in einer Burg, wo man die Zugbrücke hochmacht oder wie so ein Ritter, der das Visier runterklappt und sagt: So, jetzt will ich nicht mehr. Also ich kenne diesen Punkt. Ja, man streitet sich, am Anfang ist es noch irgendwie nett, und man baut sich innen drin so irgendwas auf. Und irgendwann, zack, dann geht das Visier runter. Und wenn es erst mal unten ist, da ist so dieser Point of no return: So, Freunde, jetzt wird scharf geschossen.
Und dann geht es wirklich. Jetzt ist es dann, wenn ein Streit richtig hässlich wird, wenn man sich verschanzt. Die einen fangen dann an zu schmollen, und die Beate wird zugänglich, und die anderen, so wie ich ja, die sagen: Okay, dann werde ich meinen IQ mal einsetzen, um ein paar hässliche Sachen zu sagen. Und dann werde ich mal schnell argumentieren. Ich habe mich hunderte Male für solche Situationen entschuldigt, ich weiss genau, wovon ich rede. Aber es gibt diesen Punkt, wo mein Zorn mich dahin führt, dass ich irgendwie viel zu weit bin und Dinge tue, für die ich mich im Nachhinein nur noch schämen kann.
Und deswegen heisst es auch im Neuen Testament, das ist sehr schön im Epheserbrief ausgedrückt: Epheser 4,31. Ich will das mal gerade vorlesen: Epheser 4,31: Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan.
Also wenn es so in uns kocht, wenn wir so richtig sauer sind, dann machen wir etwas falsch. Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir wirklich begreifen müssen, auch als Gemeinschaft begreifen müssen. Bitterkeit, Wut, Zorn ist falsch. Und es kann sein, dass du als Christ zehn Jahre brauchst, bis du das akzeptierst. Ich sage dir: Wenn du ein Temperamentbolzen bist, dann wirst du noch nach zehn Jahren Christsein vielleicht denken, dass es doch nicht so ganz falsch sein kann, sich ab und zu mal so ein bisschen in Rage zu reden. Das muss doch auch was Gutes haben. Dann gibt es auch Sprichworte, da gibt es doch auch so ein: Das Gewitter reinigt die Luft. Und solche Dinge.
Ja, aber jetzt kommen wir mal zur Bibel, und die Bibel sagt: Du bist kein Schnellkochtopf. Schnellkochtöpfe funktionieren dann am besten, wenn es in ihnen am meisten brodelt. Ja, wenn der Druck so richtig ... ja, dann funktioniert ein Schnellkochtopf. Aber das bist du nicht. Alle Bitterkeit und Wut und Zorn sei von euch weggetan. Gott gibt dir einen Tipp: Wenn es in dir anfängt zu brodeln, hör damit auf. Du lebst besser und glücklicher ohne Zorn.
Und ich weiss genau, wenn du ein impulsiver, temperamentvoller Mensch bist, was du jetzt denken musst, weil du musst sagen: Das geht doch gar nicht. Und ich sage dir: Meine Erfahrung ist, es dauert ein bisschen länger bei temperamentvollen Menschen, bis sie die Lektion lernen, aber sie können sie lernen. Und es ist ein unglaublicher Segen, wenn man das gelernt hat.
Ich denke auch, dass die Männer so ein Stückchen mehr von diesem Thema betroffen sind, vielleicht als die Frauen. Jetzt die Frauen bloss nicht abschalten müssen. Ich denke an ein, zwei Frauen hier im Raum, die durchaus auch temperamentvoll sind. Aber trotzdem ist es interessant, dass das Thema Zorn sehr stark mit Männern verbunden wird. Da heisst es an einer Stelle: Ich will nun, dass die Männer in jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn. Also da hat Paulus in 1. Timotheus 2,8 die Angst, dass wenn Männer beten, dass das nicht nur Gute ist, was da so die Gebetsanliegen bringt. Ohne Zorn!
An anderer Stelle, das ist etwas, wo ich wirklich lernen musste und wo ich dankbar bin, dass meine Kinder mir dabei geholfen haben, das heisst an anderer Stelle: Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn. Auch da sind anscheinend die Männer so ein Stückchen mehr drin, dass ihr Verhalten dazu führt, dass die Kinder zornig werden. An anderer Stelle heisst es: mutlos. Also auch da: Die Männer sind vielleicht einen Tick mehr von diesem Problem, einen kleinen Tick mehr belastet. Aber nicht nur die Männer. Und deswegen zum Schluss wenigstens noch eine Belegstelle, dass wir alle an der Stelle ein Problem haben. Da heisst es dann im Jakobusbrief: Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder, jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden und dann hört es nicht auf, langsam zum Zorn. Warum? Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit.
Du denkst natürlich, dass immer, wenn du zornig bist, das irgendwas zu tun hat mit dem gerechten Zorn Gottes. Und dass wir natürlich nie zornig werden und dabei Dinge sagen, die ... es war alles nur die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, es musste mal gesagt werden, es ist bestimmt gut. Das Blöde ist, dass die Bibel das Gegenteil behauptet. Die Bibel sagt: Wenn du zornig wirst, wenn du dich dazu hinreissen lässt, in diesem Zorn, dem Schlamm, der kocht, wenn du zum Schnellkochtopf wirst, an der Stelle wirkst du nicht Gottes Gerechtigkeit.
Und ich denke, es ist wie bei Kain: Zorn ist ein Einfallstor für schlimmere Sünden. Sünde lauert vor unserem Leben und versucht einzudringen, um unser Leben zu zerstören. Ich habe überlegt, ob man ein Bild dafür bringen kann, und ich fand ein Bild. Ich kenne den Film nicht, aber ihr kennt das Bild. Es gibt den Film Shining von Stanley Kubrick. Es ist ein Horrorfilm. Da gibt es eine Szene, da siehst du dieses böse Gesicht von dem Vater, der durchknallt, mit der Axt in der Tür. Du siehst nur, wie die Tür nur ein Stück auf ist. Oder schau dieses dämonisch-diabolische Gesicht. Du siehst in der Ecke die Frau, die schreit, weil sie sich versteckt vor ihm, er möchte sie abschlachten mit der Axt. Und so müsst ihr euch Sünde vorstellen. Sie steht da vor der Tür und möchte durch.
Und Zorn, das ist, wie wenn ich die Türklinke runter mache und so ein bisschen schaue: Na, ist sie wirklich da? Dann sage ich: Ja, sie ist da. Und in dem Moment, wo wir Zorn zulassen, wo wir eine Begründung dafür finden, dass wir so kleine Trotzköpfchen sein dürfen, dass das doch alles nicht so schlimm wäre, in dem Moment da machen wir die Erfahrung von Kain, dass die Sünde vor der Tür lauert, und nach dir wird ihr Verlangen sein. Du aber sollst über sie herrschen.
Wenn die Sünde es kann, wird sie in ein Leben eindringen, und es wird genau das passieren, was bei Kain passiert. Er wird zu einem Sklaven der Sünde, und das, obwohl seine Berufung darin besteht, über die Sünde zu herrschen. Das ist das Verrückte. Gott sagt: Ich gebe dir eine Berufung als Mensch mit. Herrsche über die Sünde, lass dich nicht versklaven! Aber dazu musst du in meinen Geboten leben. Und in dem Moment, wo du hier die Leitplanke hast und diese Leitplanke heisst an der Stelle: Schmeiss den Zorn aus deinem Leben raus, wenn du sagst: Nee, das will ich nicht. Ich möchte Zorn in meinem Leben lassen. Ich will nicht daran arbeiten, ich möchte zornig sein, ich möchte mir einen Raum schaffen, wo ich einfach sauer sein darf auf Leute, wo ich ein bisschen grollig sein darf, wo ich so meine kleinen, ja, ich mag den halt nicht-Geschichten fahre. Wenn du sagst, das will ich haben und ich bin nicht bereit, daran zu arbeiten, dann verspreche ich dir, dass du irgendwann genau wie Kain ernten wirst, was du sähst.
Und das mag nicht unbedingt Mord sein, aber na ja, es gibt doch andere schreckliche Dinge, die man in sein Leben hineinzieht. Das ist das, was die Bibel sagt. Bad Boy, was macht Kain falsch? An der Stelle, wo Gott sagt: Hör auf, zornig zu sein, jetzt hast du die Möglichkeit, ein Stoppschild zu setzen, lass es jetzt sein, das tut er nicht. Und er erntet tatsächlich, was er sät, und wird als Brudermörder eine schreckliche Berühmtheit.
Wir lesen in 1. Mose 4, die Verse 8 und 9: Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. Das ist der Mord. Und dann kommt die Lüge, und der Herr sprach zu Kain: Wo ist sein Bruder Abel? Und er sagte: Pff, ich weiss nicht. Bin ich meines Bruders Hüter?
Merkt ihr das? Es fängt mit Zorn an. Und du könntest dir sagen: Ein bisschen zornig sein, was ist denn da dabei? Na ja, es bleibt beim Zorn nicht stehen. Du kultivierst Zorn, und du erntest in dem Fall jetzt Mord, Lüge. Und ich finde es hier so dramatisch in der Geschichte von Kain, dass es noch nicht mal da stehen bleibt. Denn Gott begegnet ihm, wenn ihr es genau gelesen habt, noch einmal, stellt ihm noch einmal die Frage: Hey, wo ist denn Abel? Stellt ihm noch einmal die Hand und sagt: Hey, ich möchte dich noch einmal aus dem Sumpf rausziehen, jetzt fang aber bitte an nachzudenken, sei jetzt bitte ehrlich.
Das ist ein bisschen wie Judas in Gethsemane: Ja, verrätst du mich mit einem Kuss? Hey Judas, merkst du noch, was du tust? Du verwendest das Symbol engster Liebe, grösster Zärtlichkeit, um deinen besten Freund zu verraten. Sag mal, passiert in deinem Kopf noch irgendwas, lässt du dich irgendwie noch ein bisschen anrühren im Gewissen? Ich bin davon überzeugt, wenn Judas in dem Moment gesagt hätte: Ja, ey, tut mir echt leid, ich weiss gar nicht, was passiert ist, irgendwie alles konfus, dass Gott immer eine Lösung findet. Und hier genauso.
Aber wisst ihr, woran Kain Nullinteresse hat? Als er dann die Strafe wird: Oh, jetzt werde ich bestraft, ja, also wie kann ich denn mein Leben retten? Die Schuld ist ihm völlig egal, dass er seinen Bruder umgebracht hat, völlig egal. Wie er mit Gott ins Reine kommen kann, völlig egal. Lediglich: Ach, wie kann ich denn jetzt noch ein paar Jahre hier auf der Erde überleben, ohne dass mich gleich der Erstbeste umbringt, das wäre jetzt irgendwie die wichtigste Frage.
Das ist nicht die wichtigste Frage. Die wichtigste Frage ist nicht, wie du überlebst und wie du dafür sorgen kannst, dass jemand sich nicht an dir rächt. Die wichtigste Frage ist, wie ich mit Gott wieder ins Reine komme, wie ich diese Schuld werde, die auf meiner Seele liegt. Und so ist dieser Weg des Kains ein Weg von der frommen Show. Ich spiele mit Gott. Da, wo Gott mich korrigieren will, da bin ich nicht dazu bereit, da will ich meinen Zorn, da will ich Trotzköpfchen sein, da lasse ich mir nichts sagen. Dann geht es weiter zum Mord, zur Lüge, und irgendwann bin ich nur noch auf der Flucht vor Gott. Da geht es nur noch darum, irgendwie durchzukommen und irgendwie zu vergessen, dass es einmal früher eine Beziehung war mit Gott, die Idee war, man könnte Gott doch auch gefallen. Irgendwann bin ich ganz weit weg.
Wehe, wenn ich sauer werde. Das ist das Motto von Kain. Und ich möchte, dass wir zwei Dinge daraus lernen.
Erstens: Gott will keine Show. Ich kann das nicht deutlich genug sagen. Gott will keine Show, er will ehrlichen Glauben. Das ist auf der einen Seite ganz logisch, aber ich bin davon überzeugt, dass es leicht passiert, dass wir uns religiöser geben, als wir wirklich sind. Vielleicht nicht so schlimm wie bei Kain hier, aber dass man sich so eine Fassade aufbaut: Ich bin doch eigentlich ein guter Christ. Beten, weil man halt betet. Singen, weil man halt singt. Bibel lesen, weil man halt Bibel liest. Lasst uns das als eine Gefahr wirklich betrachten, wir sind nicht davor gefeit.
Zweitens: Zorn ist eine ganz üble Sache. Es spielt überhaupt keine Rolle, auf wen du zornig bist, ob du auf Gott zornig bist, weil du ihn nicht verstehst, ob du auf Menschen zornig bist oder nächste Woche auf den BVG-Streit. Wenn wir Zorn in uns kultivieren, ihn nicht als Sünde bekennen, dann öffnen wir die Tür zu viel schlimmeren Sünden.
Ich will das noch mal deutlicher sagen: Wenn wir auf andere Menschen sauer sind, dann ist das ein ganz gefährlicher Zustand. Ich weiss nicht genau warum. Ich kann euch nur sagen, dass die Bibel das so sagt. Zorn, Wut, Groll, all das, wenn es in uns brodelt und wenn wir das nicht loswerden, dann verspreche ich euch, dass es nicht dabei bleibt. Wer zornig auf Gott ist, der wird aufhören zu beten, der wird aufhören, in der Bibel zu lesen, der wird aufhören, Gott zu lieben. Wer zornig auf Menschen ist, der wird anfangen, schlecht über Menschen zu reden, ihnen böse Dinge zu unterstellen, nicht mehr für sie da zu sein und Schlimmeres.
Und ich möchte euch eigentlich um etwas bitten. Ich weiss nicht, ob ich das so darf, aber ich mache das mal. Ihr erinnert euch an den Sorgenabgabe-Reflex, S A R. Das war aus Philipper 4,6-7: Seid um nichts besorgt, sondern lasst in allem durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Wenn also eine Sorge in deinem Leben hochkommt, dann musst du es lernen, sie abzugeben. Sorgen sind Chefsache. So, und da muss man sich manchmal dazu zwingen. So eine Sorge hat ja auch was Angenehmes, da fühlt man sich wichtig und bedeutsam und so und auch vielleicht herausgefordert. Also: Die müssen weg.
Und so etwas Ähnliches gilt für Zorn. Wir brauchen einen zweiten wichtigen Reflex in unserem Leben, einen Zorn-Rausschmeiss-Reflex. Ja, furchtbar, oder? Aber weil es so furchtbar ist, könnt ihr euch das mit Sicherheit gut merken. Einen Zorn-Rausschmeiss-Reflex. Das heisst: In dem Moment, wo ich merke, ich werde zornig, das ist der beste Moment, um Busse zu tun. Ich merke, ich werde zornig, und es ist noch nicht so weit gekommen, dass ich schon mein Gesicht senke und blöde Sachen sage. Und ich werde zornig: Das ist der Moment, wo wir nicht Ausreden finden sollen, warum das gut ist, nicht denken sollen: Kann ich morgen drüber nachdenken, sondern das ist eigentlich der beste Moment, um gut zu tun.
Wir können von Kain lernen, was passiert, wenn wir es nicht tun. Es ist nicht immer gleich ein Mord, aber na ja, ich sage es mal so: Ein Christ, der Zorn kultiviert, der ist eine echte Belastung für die Gemeinde.
Und darum möchte ich euch abschliessend diese Frage stellen, die auch auf den Predigtnotizblättern steht: Auf wen bist du sauer oder zornig? Wenn du jetzt mal nachdenkst, wo in dich hineinhorchst, gibt es da Leute, die vielleicht haben sie dir wehgetan? Und du hast diese Sache, du hast das nie angesprochen, du hast einfach nur in dich hineingefressen. Also man kann auch jemandem vergeben, man muss nicht alles ansprechen. Aber es gibt eben auch dieses: Da tut mir jemand weh, und in meinem Inneren brodelt es. Und es brodelt immer so ein Stückchen mehr. Und es ist vielleicht nur ein kleines bisschen Zorn hier, ein bisschen Groll dort, fünf Prozent Wut, und wenn ich schlecht drauf bin, wird es dann noch ein bisschen übler, weil das schwankt dann auch so ein bisschen.
Gibt es das in deinem Leben? Und wenn du sagst, du musst das jetzt nicht laut sagen, du musst nicht aufstehen, wer sagt: Ja, das kenne ich. Es ist einfach nur so, wenn du sagst: Ja, das gibt es. Ich habe Leute, eigentlich bin ich zornig auf die, so wie die mit mir umgegangen sind oder jetzt noch umgehen, das kann ich eigentlich nicht ertragen, das will ich nicht. Wenn es das gibt, dann musst du dich entscheiden. Musst dich entscheiden: Möchtest du wirklich frei werden? Möchtest du dich einlassen auf einen Weg, wo Gott sagt: Hey, ich schenke dir Glück, wenn du bereit bist, mir dafür deinen Zorn zu geben, wenn du bereit bist, Busse zu tun? Die Frage ist: Will ich Gott gehorchen und meine Sünde bekennen oder will ich weiter grollig und sauer sein? Das sind die zwei Alternativen, vor die uns Kain heute stellt, weil er den einen Weg geht, und wir sollen den anderen gehen.
Und merkt ihr was? An der Stelle wird Christsein furchtbar praktisch. So furchtbar praktisch. Und ich werde euch dieses Jahr ein bisschen mit der Idee nerven, dass wir gar nicht so viel mehr Wissen brauchen, sondern mehr Liebe und Tun. Das ist so ein Beispiel. Ich glaube, wenn wir alle an diesem Punkt in diesem Jahr einen grossen Schritt nach vorne gehen und immer dann, wenn wir auf Leute zornig werden und grollig und so ein Stückchen bitter, erst mal Busse tun, uns an die eigene Nase fassen und dann sagen: Ich bin das Problem, erst mal ich, wenn wir das tun, dann werden wir als Gemeinschaft, als Gemeinschaft der Liebenden und der Heiligen und der an Christus Gläubigen einen unglaublichen Schritt nach vorne tun.
Weil hier an der Stelle, das ist nicht der einzige Punkt, aber einer der wesentlichen Punkte, an denen Gemeinschaften zerbrechen, weil Dinge nie bereinigt werden, über Jahre und Jahrzehnte vor sich hin brodeln und irgendwann explodieren, wenn keiner mehr weiss, was da vor x Jahren passiert ist. Und das möchte Gott nicht. Deswegen brauchen wir diesen klaren Blick. Und ich möchte zum Abschluss dafür beten, dass wir eine Gemeinschaft werden, wo der Zorn keine Chance bekommt.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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