Serie•Teil 10 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Ziel des Seminars
Herzlich willkommen zu unserem Seminar: Singt ein neues Lied – Hilfestellung für den Aufbau des Liedguts in deiner Ortsgemeinde.
Schön, dass ihr da seid. Schön, dass euch das Thema am Herzen liegt. Wir gehen davon aus, dass viele von euch wahrscheinlich im Musikbereich in ihrer Gemeinde mitarbeiten. Andere von euch sind vielleicht Pastoren einer Gemeinde, sind irgendwo im Leitungsteam mit dabei und stellen sich diese Fragen.
Es ist gut, dass wir uns diese Fragen stellen, weil, wie wir gleich auch sehen werden, ganz viel an Theologie, an Gottesbild und an Evangeliumsverständnis über das Liedgut in eine Gemeinde hineingetragen wird. Darüber werden wir gleich sprechen, dazu werden wir gleich auch etwas sagen.
Wir werden das heute so machen, dass ich versuchen werde, ein bisschen die theologische Begründung zu liefern, warum wir überhaupt über einen Liederpool, einen festgelegten Liederpool in einer Ortsgemeinde nachdenken sollten und wer dafür die Verantwortung tragen sollte. Da gibt es wahrscheinlich verschiedene Antworten darauf. Das werde ich machen.
Benni hat dann den schwierigeren Teil. Er wird euch nämlich in die Praxis mitnehmen: Wie machen wir das dann? Wie gehen wir dann vor? Wie suchen wir die richtigen Lieder aus? Was sind die Kriterien, die wir da anlegen?
Genau, das ist so ein bisschen der Aufbau: Ich mit der theologischen Begründung, Benni kommt dann mit der Praxis.
Und ganz kurz zu uns: Benni habt ihr heute schon Lobpreis leiten sehen, ein ganz begnadeter Musiker von Gloria Kollektiv. Wir sind auch gute Freunde. Und ich bin Rudi, ich bin Pastor an der EFG Unna und mache auch ein bisschen Musik.
Ich will jetzt zu Beginn einmal kurz beten, und dann starten wir.
Vater, danke dafür, dass wir durch Jesus Christus zu dir kommen dürfen. Und danke dafür, dass wir uns jetzt Gedanken machen dürfen über Musik, Gesang und Lobpreis in unseren Ortsgemeinden. Es ist wunderbar, dass du nicht nur möchtest, dass wir über dich reden und zu dir beten, sondern auch zueinander singen und zu dir singen. Du erschaffst dir ein singendes, ein sich freuendes Volk.
Ich bitte dich, dass dieses Seminar dazu dient, dass wir Weisheit haben beim Reden, dass du allen die Kraft gibst beim Zuhören und dass es zum Segen ist für alle, die hier sind, für ihren Dienst in ihrer Ortsgemeinde.
In Jesu Namen, Amen.
Die biblische Grundlage des gemeinsamen Singens
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen preisen immer und ewig. Täglich will ich dich preisen, deinen Namen will ich loben immer und ewig.
Groß ist der Herr und sehr zu loben, seine Größe ist unerforschlich. Eine Generation wird der anderen deine Werke rühmen; deine Machttaten werden sie verkünden.
Ein riesiges Buch im Alten Testament ist ein Liederbuch, nämlich der Psalter. Und die christliche Kirche war schon immer eine singende Kirche. Gottes Volk war schon immer ein singendes Volk und hat auf das, was Gott in ihrem Leben tat, mit Singen reagiert. Christen haben schon immer über ihren Glauben nicht nur gesprochen und ihn sprechend bekannt, sondern über die Wahrheiten Gottes gesungen. Sie haben niemals nur gesagt: Wir bekennen, was wir glauben, sondern wir singen über das, was wir glauben. Und das sehen wir sowohl im Alten als auch im Neuen Testament.
Christen haben schon immer nicht nur über ihren Gott gesprochen, sondern über ihn und zu ihm gesungen. Gesang war schon immer fester Bestandteil des christlichen Gottesdienstes, weil Gott uns in seinem Wort dazu auffordert, ihn singend anzubeten und zu erheben. Und weil wir als Christen daran glauben, dass das Endziel aller Dinge, die Gott tut, eine singende Schöpfung ist.
Die Schöpfung singt jetzt schon zu seiner Ehre. Wir als neue Schöpfung steigen mit ein, und es läuft alles darauf hinaus, dass eines Tages wir versammelt vor dem Thron Gottes stehen dürfen, um ihn zu besingen.
Was die Gemeinde singt und wer darüber entscheidet
Und daraus ergeben sich natürlich Fragen für die Ortsgemeinde: Was sollen wir denn singen, wenn wir uns treffen? Was sollten wir lieber nicht singen? Und wer in der Gemeinde sollte sozusagen ein Mitspracherecht dabei haben, welche Lieder gesungen werden?
Anders ausgedrückt: Ist es wirklich wichtig, darüber nachzudenken, was wir singen? Und wenn es wichtig ist, ist es dann entscheidend, wer beim Aufbau eines Liederpools mitarbeitet und anschließend mitentscheidet?
Auf diese beiden Fragen möchte ich jetzt eingehen, bevor Benni uns dann in die konkrete Praxis mit hineinführt. Also, das Erste ist: Es ist nicht egal, was wir singen. Das sind meine beiden Punkte. Es ist nicht egal, was wir singen, und es ist nicht egal, wer darüber entscheidet, was wir singen.
Zuerst zum ersten Punkt: Es ist nicht egal, was wir singen. Nichts von dem, was wir im Gottesdienst machen, ist neutral. Nichts von dem, was wir im Gottesdienst machen, sollte auf die leichte Schulter genommen werden. Es geht um die gemeinsame Anbetung unseres heiligen Gottes, und wir sehen in der Bibel sehr deutlich, dass es Gott nicht egal ist, wie er angebetet wird. Das sehen wir im Alten Testament, wir sehen es aber auch im Neuen Testament. Und deshalb kann es uns auch nicht egal sein, was wir singen.
Wahrhaftige Inhalte als Grundlage des Liedguts
In der frühen Kirche sprach man davon, dass Christen sich für das Wahre, das Schöne und das Gute einsetzen sollten. Und weil ich glaube, dass diese Begriffe auch das widerspiegeln, was die Bibel zum Thema Gesang und Lobpreis sagt, will ich mich an dieser Stelle ein wenig daran orientieren. Das heißt: Wir brauchen in Bezug auf unsere Lieder im Gottesdienst das Wahre und das Schöne. Unsere Lieder sollten Wahrheit verkünden und Schönheit widerspiegeln.
Ich beginne mit dem Ersten: Unsere Lieder sollten Wahrheit verkünden.
Gott baut sein Volk durch sein Wort. Gott tröstet und wirkt durch sein Wort in unser Leben hinein. Es ist seine Wahrheit, die Herzen aufbricht, Leben verändert, und Gottes Geist – darüber sprechen wir in dieser Konferenz ja ganz viel – will sein Wort gebrauchen, um zu wirken, was er will. Er will uns Christus wertvoll machen, will uns in Christus hineingestalten.
Und das Denken der Kinder Gottes muss eben gefüllt werden mit Gottes Wahrheit, damit die Herzen der Kinder Gottes gefüllt werden mit Gottes Wahrheit, weil die Herzen bewegt und verändert werden von Gottes Wahrheit. Das heißt: Davon sind wir überzeugt. Gottes Geist kann und will Lieder, die mit seiner Wahrheit gefüllt sind, gebrauchen, um Herzen und Leben zu verändern.
Deshalb müssen wir die Lieder für einen Gottesdienst wählen, die Gottes Wahrheit kommunizieren und von den Gedanken Gottes durchdrungen sind. Wenn uns Singen helfen soll, zu glauben und unseren Glauben in Worte zu fassen, dann müssen wir im Gottesdienst Lieder singen, die tief verankert sind in Gottes Wort. Wir müssen Lieder singen, die voll sind von Gottes Wahrheit.
Das bedeutet aus meiner Sicht nicht, dass wir nur Bibeltexte singen müssen. Darum geht es nicht, obwohl ich sehr dafür bin, dass wir zum Beispiel Psalmen singen. Aber es geht vor allen Dingen darum, dass Gottes Wahrheit durch die Lieder, die wir singen, sehr klar kommuniziert wird.
Warum theologische Klarheit und Schönheit zusammengehören
Warum ist das so entscheidend, an diesem Punkt auch wirklich genau zu sein? Deshalb, weil der Liederschatz einer Gemeinde sehr prägend für die theologische Ausrichtung und innere Haltung einer Gemeinde ist. Das Gottesbild vieler Geschwister wird sehr häufig durch Lieder geprägt und geformt.
Lieder sind das, woran wir uns erinnern. Ich bin ja Pastor, und ich merke gerade bei älteren Geschwistern, wenn sie Richtung Ewigkeit gehen: Lieder sind das, woran sie sich erinnern. Bibeltexte oft gar nicht mehr, aber es sind Lieder. Und an welche Lieder erinnern sie sich?
Das Zweite ist: Der Liederschatz einer Gemeinde repräsentiert und vermittelt, was der Ortsgemeinde und ihrer Leitung wichtig ist. Das, was von vorne gesagt wird, das, was von vorne gesungen wird, offenbart irgendwo auch das Herz einer Gemeinde. Was ist uns wichtig?
Das Dritte: Der Liederschatz einer Gemeinde kann die Predigt des Pastors unterstützen oder aber ihr widersprechen. Das kann passieren. Und zuletzt: Der Liederschatz einer Gemeinde wird das Denken, das Fühlen und den Glauben einer Gemeinde wahrscheinlich langfristiger prägen als viele, viele Predigten eines Pastors. Eine gute Predigt wird unfassbar schnell vergessen, ein schlechtes Lied nicht. Ja, wir erinnern uns unfassbar lange an ein Lied und an den Text, weil wir Text und Melodie haben. Da erinnern wir uns schneller dran. Gute Predigten werden schnell vergessen, schlechte Lieder bleiben lange in unserem Kopf.
Kolosser 3,16 ruft uns auf, das Wort Christi, also die Wahrheit, reichlich unter uns wohnen zu lassen, indem wir zueinander singen. Das setzt natürlich voraus, dass unsere Lieder Gottes Wahrheit beinhalten. Und noch einmal: Der Psalter, das große Gesangbuch der Bibel, wenn man mal theologisch ein bisschen nerdig unterwegs ist und sich in eine Dogmatik hineintraut, wird man merken, dass die meisten Stellen in den Dogmatiken, die wir lesen, aus den Psalmen sind. Also geben uns die Lieder des Alten Testaments ganz viel Wahrheit über Gott. Und das sollte uns zu denken geben, wie unsere Lieder sein sollten.
Die Lieder der Bibel sind voller Wahrheit über Gott, sein Wesen und sein Tun. Das ist das Erste: Unsere Lieder sollten Wahrheit verkünden.
Warum auch die musikalische Form wichtig ist
Das Zweite: Unsere Lieder sollten auch Schönheit reflektieren. Wahrheit und Schönheit sind nicht voneinander zu trennen. Gottes Wahrheit ist nicht nur wahr und richtig, sondern auch schön.
Wer sich ein bisschen im Bereich Sexualethik bewegt, weiss, dass es sehr wichtig ist, dass wir als Christen sagen: Es ist nicht nur richtig, was Gott von uns will, es ist auch schön. Es ist gut für den Menschen. Und diese Tatsache sollte sich auch in unseren Liedern und in der musikalischen Umsetzung widerspiegeln.
Es ist sehr spannend, wenn wir einmal durch die Chronikbücher gehen und uns anschauen, was Gott dort über die Tempelmusiker sagt. Das hat nicht jeder gemacht, sondern da steht zum Beispiel in 1. Chronik 25, dass es Männer waren, die im Gesang für den Herrn geübt waren. Das hat also nicht jeder gesungen, sondern die, die geübt waren, die konnten das scheinbar.
Auch in 2. Chronik 34 heißt es, dass es Leviten gab, die sich auf die Musikinstrumente verstanden. Gott will Schönheit, Gott will Exzellenz. Warum? Weil wir ihn damit widerspiegeln. Weil kreatürliche Schönheit dazu da ist, göttliche Schönheit zu reflektieren und Freude hervorzurufen. Weil wir als Menschen nicht nur für Nützliches, sondern auch für Schönheit geschaffen wurden.
Gott hat diese Welt unnötig schön geschaffen. Er hat sie nicht einfach nur zum Nutzen geschaffen, sondern schön, um Freude hervorzurufen. Und wir sollten als Gemeinde deshalb nicht nur theologisch korrekte Texte singen, sondern Texte und Melodien haben, die schön sind und unsere Freude an Christus zum Ausdruck bringen. Sie sollten in der Lage sein, die Wahrheiten Gottes mit den Emotionen der Kinder Gottes zu verbinden.
Das heisst: Der Liederschatz einer Gemeinde sollte von Liedern gefüllt sein, die nicht nur orthodox, sondern auch schön sind und uns helfen, unsere Freude zum Ausdruck zu bringen.
Wer den Liederschatz verantworten sollte
Also, es ist nicht egal, was wir singen. Und zweitens ist es nicht egal, wer darüber entscheidet, was gesungen wird.
Warum ist es wichtig, dass wir über Entscheidungskompetenz nachdenken? Weil irgendjemand immer entscheiden wird, was gesungen wird. Und weil Menschen von sehr unterschiedlichen und manchmal auch sehr falschen Kriterien für ihre Liedauswahl ausgehen. Ja, Benni wird gleich auf konkrete Kriterien eingehen.
Ich will an dieser Stelle nur mein Plädoyer dafür geben, welche zwei Gruppen einer Ortsgemeinde aus meiner Sicht beim Aufbau eines Liedguts unbedingt mitwirken sollten. Das sind Pastoren und Musiker. Das ist jetzt nichts Magisches, was ich euch jetzt sage. Trotzdem: Pastoren und Musiker. Und ich will mal kurz erklären, warum.
Erstens: Pastoren. Wir brauchen pastorale Augen. Das ist mein erster Punkt. Wir brauchen pastorale Augen für den Aufbau eines Liedguts. Pastoren sollten beim Aufbau des Liedguts die Hauptverantwortung tragen und bei der Auswahl der Lieder für einen Gottesdienst zumindest mitwirken und eine abschließende Entscheidungsgewalt darüber haben, welche Lieder in den Liederpool aufgenommen und im Gottesdienst gesungen werden. Sie sollten das zumindest im Blick haben.
Warum? Weil die Pastoren einer Ortsgemeinde die Verantwortung für die Verkündigung und den Gottesdienst tragen. Die Ältesten sind dazu berufen, die Gemeinde durch Lehre zu führen und vor falscher Lehre zu schützen, die leider auch durch Lieder transportiert werden kann.
Pastorale Perspektiven auf Lehre, Seelsorge und Gemeindeblick
Das Zweite ist: Warum sollten Pastoren dabei sein? Weil Lieder gesungene Theologie sind. Sie prägen das Denken einer Gemeinde nachhaltig. Und Pastoren und Älteste tragen die Verantwortung für die Theologie und die geistliche Entwicklung einer Ortsgemeinde.
Älteste sind Hirten, die die Herde Gottes durch das Wort Gottes führen, das auch durch Lieder verkündet wird.
Drittens, weil die Auswahl und der Einsatz von Liedern immer auch eine pastorale und seelsorgerliche Aufgabe ist. Pastoren haben hoffentlich schneller einen Blick dafür, welche Lieder ein biblisches Gottesbild vermitteln und wo es theologische Schieflagen gibt. Dafür wurden sie zumindest ausgebildet, um so etwas zu entdecken.
Pastoren haben wahrscheinlich auch den breiteren Blick auf die Vielfalt des christlichen Lebens, die sich auch in unseren Liedern äußern kann und sollte. Wir haben eben nicht nur, ich sage es jetzt mal ganz platt, Happy-Clappy-Lieder, sondern auch Klage. Denn auch das ist Realität des christlichen Lebens. Das gesamte christliche Leben sollte in den Liedern gut abgebildet werden.
Pastoren sollten meistens auch den geschulteren Blick dafür haben, an welcher Stelle im Gottesdienst welches Lied passt, also für die liturgische Einordnung. Und zuletzt haben Pastoren im Blick, welche seelsorgerlichen Nöte gerade akut sind. Sollten wir am kommenden Sonntag Klage zum Ausdruck bringen, weil vielleicht etwas unter der Woche passiert ist? Gibt es besondere Situationen in der Gemeinde, auf die wir durch ein passendes Lied reagieren könnten?
Und zuletzt: Warum sollten Pastoren dabei sein beim Aufbau des Liedguts? Weil die Pastoren die Gesamtgemeinde im Blick haben. Das ist jetzt ein bisschen pauschal gesagt, was ich gleich von mir gebe, aber in vielen Fällen gehören die Musiker einer Gemeinde zur jüngeren Generation. Das ist meistens so, nicht immer wahrscheinlich, aber meistens. Und das kann zur Folge haben, dass vornehmlich Lieder gesungen werden, die die junge Generation kennt und gut findet.
Andererseits können und sollten sich aber auch die Pastoren dafür einsetzen, dass nicht immer nur die Lieder der Alten gesungen werden, sondern auch die Lieder, die die junge Generation gerne singt. Pastoren sollten zumindest diesen Gesamtblick für die Gesamtgemeinde haben.
Pastoren können Musiker auch dafür sensibilisieren, gemeindezentriert zu denken und zu spielen. Ich bin beides: Ich bin Pastor und Musiker. Und ich weiß, dass manchmal bei mir ein bisschen zu viel vom Musiker durchkommt, dass man mehr über die künstlerische Fertigkeit nachdenkt als darüber, dass wir die Gemeinde jetzt im Lobpreis führen. Es geht also nicht um musikalische Darstellung, sondern um Lobpreisleitung. Wir haben Dienst und keine Performance. Und das ist total wichtig, dass Pastoren dafür sensibilisieren.
Ich will nicht sagen, dass Musiker immer so sind, versteh mich nicht falsch. Aber ich glaube, dass der Künstler in uns eher dazu neigt.
Warum Musiker unverzichtbar sind
Aber jetzt komme ich auch zu den Künstlern. Wir brauchen eben auch das andere: künstlerische Sensibilität, nämlich künstlerische Bewertung, musikalische Einschätzung und den inhaltlichen Überblick.
Musiker sollten bei der Liedauswahl unbedingt dabei sein, weil sie häufig ein besseres Gefühl dafür haben, ob ein Lied für eine Ortsgemeinde wirklich singbar ist. Vielleicht findet ein Pastor ein Lied ganz, ganz toll, aber ein Musiker sagt: Auf gar keinen Fall, das wird die Gemeinde nicht singen können. Weil sie im besten Fall auch Sensibilität für künstlerische Schönheit mitbringen, und zwar meistens mehr als Pastoren vielleicht einer Gemeinde.
Mit künstlerischer Schönheit, also mit Sensibilität für künstlerische Schönheit, meine ich, dass ein Lied nicht nur musikalisch schön ist, also von der Melodiefolge her, sondern auch von der Sprache. Es soll nicht holprig sein, nicht so ein holpriges Deutsch und so, dass es auch Freude macht, das Lied zu singen.
Musiker sollten auch dabei sein, weil sie in den meisten Fällen einen besseren Überblick darüber haben, welche Lieder es gerade gibt, die eine Wahrheit klarer und vielleicht auch schöner transportieren als andere. Und zuletzt, weil sie besser als Pastoren einschätzen können, was ihr Team spielen kann und was nicht. Auch das ist total wichtig.
Musiker haben dafür den Blick, weil sie eben die Musik machen und den Pastoren da auch sagen können: Nein, das Lied werden wir nicht spielen, wir können die Gemeinde da nicht in wirklich guter Weise in diesem Lied leiten. Genau, und deswegen brauchen wir eben beides. Wir brauchen künstlerische Sensibilität, wir brauchen aber auch pastorale Augen. Und wie wir das dann praktisch umsetzen, das wird euch Benni jetzt erklären.
Praktische Auswahlkriterien für Gemeindelieder
Ja, die absolut wichtigen Grundlagen, die hat Rudi jetzt für uns gelegt und aus Gottes Wort herausgearbeitet. Und wenn ihr etwas mitnehmt, dann unbedingt diese Grundlagen. Denn das, was jetzt kommt, ist eher etwas, das zwar auch von Gott kommt, aber nicht direkt von Gott offenbart wurde. Ich denke aber, es ist dennoch menschliche Weisheit, die von Gott geschenkt wird, und Werkzeuge, die er uns als seinen Dienern an die Hand gibt, damit wir Überlegungen dazu anstellen können, wie wir das in den jeweiligen Kontexten und Gemeinden umsetzen können, was Rudi gerade so wunderbar ausgeführt hat.
Der erste Punkt bei mir werden die Auswahlkriterien für Gemeindelieder sein. Einmal ist da die musikalische Vielfalt. Rudi hat gerade auch schon den Generationenkonflikt angesprochen, der häufig in vielen Gemeinden herrscht. Die Durchschnittsgemeinde hat nicht alle denselben Musikgeschmack. Deshalb ist es wichtig, aus seelsorgerlicher Sicht verschiedene Geschmäcker auch bedienen zu können. Dabei geht es eben um klassische oder hymnenartige Lieder, die oft in Notenbüchern vierstimmig gesetzt sind, und um moderne Lieder, die vielleicht nur vier Akkorde haben, einfacher zu spielen sind und meistens eher dem Geschmack der jüngeren Generation entsprechen.
Ein anderer Bereich ist auch das Tempo und das Feeling des Songs. Dabei geht es nicht nur um die BPM, also die Beats per Minute, also darum, wie schnell das Lied ist, sondern auch darum, wie es sich beim Singen anfühlt. Wie wirkt es sich auch auf die Psyche aus, wenn man ein schnelles, peppiges Lied mit einem langsamen, besinnlichen Lied vergleicht? Und passt dieses Feeling auch zum Inhalt des Textes?
Auch den Inhalt möchte ich kurz ansprechen. Gut gezeigt: Wir wollen die gesamte Schrift, das gesamte christliche Leben mit unserem Liedgut in der Gemeinde irgendwie widerspiegeln und abdecken. Wir wollen biblische Wahrheiten des Evangeliums zum Ausdruck bringen. Und das Evangelium ist unfassbar breit. Es hat so viele Aspekte, nicht nur die Vergebung, sondern auch die Erlösung, die Adoption, die Kindschaft Gottes und so viele weitere Aspekte, die alle so wichtig und so zentral sind, dass wir sie in unserem Herzen auch wirklich verankern.
Inhaltliche Fragen bei der Liedprüfung
Ich denke, es kann hilfreich sein, sich bei einem Liedtext, wenn wir ein Lied prüfen, folgende Fragen zu stellen:
Geht es in dem Lied um ein bestimmtes Thema? Verknüpft es zum Beispiel unterschiedliche Bibelstellen, die alle auf einen bestimmten Gedanken oder ein Thema fokussiert sind? Will es eine bestimmte Lehre verständlicher machen, also ist es ein lehrendes Lied? Hilft es uns, Wahrheiten, die Gott uns offenbart hat, besser zu verstehen und mehr in unser Herz hineinsprechen zu lassen?
Eine andere Frage ist: Spricht es uns persönlich an oder spricht es uns als Gemeinschaft an? Lieder, die mehr in das Innere schauen, wo wir vielleicht sogar nur aus unserer eigenen Perspektive heraussingen, sind gut und wichtig. Auch die Psalmisten beten oft so. Aber es gibt genauso auch Lieder, die die Gemeinschaft mehr im Blick haben und die uns darin helfen können, dieses Gemeinschaftsgefühl, das wir als Gemeinde haben und haben sollten, zu fördern.
Oder ist es ein Sündenbekenntnislied? Auch davon haben wir einige Psalmen, die uns in vielen Bereichen ja ein Vorbild sind für unser Liedgut. Oder ist es ein Loblied? Verkündet es Gottes Größe anhand seiner Taten, anhand dessen, was er gemacht hat in der Geschichte, in der Errettung?
Ist es ein Lied, das uns vielleicht mehr auf die Predigt vorbereitet, das quasi ein Gebet ist, das Gott jetzt zu uns spricht in dieser Zeit der Predigt? Oder ist es ein Lied, mit dem man gut auf eine Predigt antworten kann? Ist es ein Lied, das in die liturgische Kategorie der Sendung gut hineinpasst?
Dabei ist eben auch die musikalisch-inhaltliche Passung wichtig. Sündenbekenntnis- oder Leidenslieder sollten in der Regel Trauer zum Ausdruck bringen. Größe und Erhabenheit Gottes sollen gewaltig und voll klingen. Da gibt es, denke ich, auch einige Negativbeispiele. Mir fällt da immer als Erstes das Lied „Create in me a clean heart“ ein. Vielleicht kennen das manche. Es ist ja auf Psalm 51 basiert, klingt aber super happy für ein Sündenbekenntnis. Also ich denke, als David es gesungen hat, hat er nicht diese Melodie.
Musikalische Vielfalt und die Auswahl der Quellen
Ich denke, ein hilfreicher Aspekt, den man beachten kann, ist, sich die Songwriter oder die Gruppe anzuschauen, aus der ein Lied herauskommt. Ich denke, wenn wir Lieder immer nur von demselben Songwriter singen, können wir, müssen aber nicht, auch in der Gefahr stehen, nicht genügend musikalische Vielfalt abzudecken. Denn oft klingen Musiker oder Musikgruppen mit ihren Liedern einfach ähnlich.
Wenn du also dein gesamtes Material von einem Künstler oder nur einer Gruppe beziehst, dann wird dieses Repertoire wahrscheinlich nicht die Vielfalt erreichen, die es erreichen sollte. Deswegen orientieren wir uns an mehreren Künstlern, aber eben auch an den besten, den schönsten alten Chorälen, an den Liedern, die den Test der Zeit bestanden haben und in der Kirchengeschichte zu unglaublichen Schätzen geworden sind. Auch die wollen wir nicht vernachlässigen.
Das ist so dieser Punkt der musikalischen Vielfalt.
Spielbarkeit und realistische Umsetzung im Musikteam
Der nächste Punkt ist die Spielbarkeit. Er bezieht sich auf die Musiker, also auf euch, auf uns Musiker. Wie gut können wir als Musikteam die Lieder in unserem Songpool spielen? Das beinhaltet die Auswahl von Liedern, die wir spielen können, nicht derer, die wir gerne spielen würden. Es beinhaltet deswegen auch eine gewisse Reflektiertheit oder Ehrlichkeit in Bezug darauf, welche Fähigkeiten wir als Musiker haben. Denn auch da ist nicht jede Gemeinde gleich.
Wenn ihr zum Beispiel kein Schlagzeug habt, ist es sinnvoll, auch keine Lieder zu wählen, die auf sehr anspruchsvollen Rhythmen basieren und davon getragen werden. Achtet also auch darauf, dass die Musik in Tempo, Tonart und Stil von den Musikern realistisch umgesetzt werden kann. Vielleicht weißt du das nicht immer, wenn du zum Beispiel Pastor oder Musikteamleiter bist. Es kann sein, dass du den Blick dafür gar nicht so sehr hast. Aber es ist wichtig, dass eine Kultur geschaffen wird, in der jeder Musiker auch bereit ist, Kritik anzunehmen, sich Feedback einzuholen und darauf zu reagieren.
Ich war selbst jahrelang Musikteamleiter des Jugendmusikteams in einer Gemeinde, in der ich früher war. Und da hatte auch ich einmal die undankbare Aufgabe, als ich diesen Job übernommen hatte, ehrliche Gespräche mit einigen Teammitgliedern zu führen, bei denen keiner weiß, wie sie da reingekommen sind, aber sie waren leider drin. Und jeder wusste es, nur sie selbst nicht, dass da einfach nur schiefe Töne herauskommen, wenn eine gewisse Person singt, nur als kleines Beispiel dazu.
Deswegen denke ich, ein guter Grundsatz ist es, Lieder auszuwählen, die auch kein bestimmtes Setup brauchen, also die in verschiedenen Kontexten funktionieren. Ich denke, damit fährt man generell immer am besten, als sich einzelne Lieder herauszugreifen, die vielleicht auf Spotify mega cool klingen, die aber einfach nicht funktionieren in unserer Gemeinde, in unserem Setup. Das heißt konkret: Lieder, die, und ich nehme jetzt einfach die zwei am häufigsten verwendeten Instrumente, auch nur von Klavier und nur von Gitarre begleitet und getragen werden können. Und dass das auch wirklich realistisch ist.
Bob Coughlin, der Leiter von Southern Grace Music, nennt dieses Prinzip „big songs and small bands“. Das ist eine Herausforderung, und es ist nicht immer möglich, das gut umzusetzen, also große Songs in kleinen Besetzungen spielen zu können.
Singbarkeit, Tonart und rhythmische Zugänglichkeit
Der nächste Punkt ist die Singbarkeit. Wir haben gerade auf uns Musiker geschaut. Bei der Singbarkeit geht es um die Gemeinde, denn nicht alle Lieder, die wir als Musiker vielleicht gut performen oder begleiten können, kann die Gemeinde automatisch auch gut singen.
Ein ganz offensichtlicher Punkt ist die Tonart, also in welcher Tonhöhe dieses Lied steht. Die Tonart ist entscheidend, um die Leute auch zum Mitsingen zu animieren. Wenn das Lied viel zu hoch oder viel zu tief ist, ist das problematisch. Bei viel zu tief hört man kaum etwas, weil die Töne einfach zu leise sind. Und wenn es viel zu hoch ist, trauen sich die Leute vielleicht nicht mehr mitzusingen, weil sie wissen, dass es einfach zu hoch für sie ist und schief werden würde.
Deswegen ist es nicht selbstverständlich, dass jedes Lied, das in irgendeinem Gemeindeliederbuch drin ist, so, wie es dort notiert ist, auch von einer Gemeinde gesungen werden kann. Ich denke, deswegen ist es auch sinnvoll, flexibel zu sein. Und da gibt es gute Entwicklungen und Erfindungen, eine davon nennt sich Chord Pro. Wer auf Songselect ist, weiß es vielleicht: Seit kurzem kann man dort auch jedes Lied im Chord-Pro-Format herunterladen.
Ich möchte gar nicht so sehr darauf eingehen. Vielleicht kannst du nur eine Folie weitergehen und noch mal klicken. Das ist eine App, die On Song heißt. Es gibt aber auch andere Apps, Charts und verschiedene andere. Und wie man sehen kann, kann man sich hier ein Lied auch schnell mit einem Klick in eine andere Tonart transponieren. Das kann wirklich sehr sinnvoll sein, gerade wenn man in einer Band oder in einer Besetzung spielt, in der auch Gitarren mitspielen und man nicht jedes Lied in einer gitarrenfreundlichen Tonart hat.
Oft spielen Gitarren einfach am liebsten in G-Dur-Akkorden oder C-Dur-Akkorden. Und das ist eben wunderbar möglich mit so einer App und dem Chord-Pro-Format. Der Pianist kann ganz normal so spielen, wie es da steht, und der Gitarrist muss nur kurz klicken und hat das Lied in einer gitarrenfreundlichen Tonart. Klar geht es auch ohne. Dann muss man sich vorher entsprechend alles vorbereiten, aber man ist eben nicht so flexibel.
Das lohnt sich auch dann, wenn das Team nicht immer dasselbe ist. Und wenn zum Beispiel heute mal eine Frau den Gesang anleitet und es ihr lieber ist, dass es nicht über das C hinausgeht, dann kann man den Song mal einen Halbton tiefer spielen, als man ihn vielleicht sonst spielt. Also: Flexibilität in Form von Harmonie oder Akkorden lohnt sich, da einmal zu investieren.
Ein anderer Bereich ist auch der Rhythmus, beziehungsweise die rhythmische Komplexität. Gerade ältere Glaubensgeschwister kommen häufig mit modernen, synkopierten Melodien weniger zurecht. Und wir wollen niemanden durch rhythmische Komplexität oder auch durch die Tonlage ausschließen.
Die Lieder sind dazu da, dass wir als Gemeinde sie alle mitsingen können, dass wir sie einander zusingen können. Und das muss eben auch dadurch gewährleistet sein, dass wir Tonlage und Rhythmus bei der Liedauswahl im Kopf haben.
Das kann auch bedeuten, dass wir Lieder vorher gut testen und nicht einfach nur einführen, weil uns das Lied so gut gefällt, und es dann eiskalt durchziehen, auch wenn wir merken, dass die Gemeinde da nicht so mitkommt. Wir mussten auch schon Lieder rausschmeißen, die wirklich sehr gut waren, auch inhaltlich, die aber einfach nicht funktioniert haben, weil die Melodie zu synkopisch war und die Einsätze dann jedes Mal unklar waren.
Den Liedpool begrenzen und sinnvoll pflegen
Genau, also das zu dem ersten großen Punkt: Auswahlkriterien für die Gemeinde, Lieder. Und im zweiten Teil soll es darum gehen, wie man jetzt einen Songpool konkret zusammenstellen kann.
Dazu habe ich ein paar praktische Hinweise gesammelt, einerseits aus meiner Erfahrung, aber auch aus dem, was ich von anderen Lobpreisleitern und Musikern gelesen und gehört habe.
Ich denke, ein großes Problem ist, wobei das ja auch eigentlich etwas Schönes ist, dass es einfach Hunderttausende Songs gibt, die sich als gute Gemeindesongs verkaufen. Wenn wir mal auf Songcell gehen, kann man sich da gar nicht mehr orientieren, so viele Lieder gibt es dort. Und alle selbst durchzuspielen und zu prüfen, ob gute dabei sind, wäre einfach auch ein riesiger Job.
Deswegen denke ich, dass es wichtig ist, dass wir uns begrenzen, auch was die Anzahl des Songpools in unserer Gemeinde betrifft. Und da sprechen verschiedene Musiker und Lobpreisleiter von Zahlen, die aber alle relativ nah beieinander liegen. Am Ende sollten wir eine Liste haben. Es muss jetzt nicht genau diese Zahl sein, aber so ungefähr in der Richtung von 80 bis 120 Titeln, die all diese Kriterien erfüllen, die wir gerade auch besprochen haben.
Das hängt natürlich auch stark davon ab, wie viele Lieder pro Gottesdienst gespielt werden. Wenn eine Gemeinde pro Gottesdienst nur drei Lieder spielt, sollte auch der gesamte Leadpool kleiner sein, weil man viel länger brauchen würde, um alle einmal durchzusingen, als wenn die Gemeinde sechs oder sieben Lieder pro Gottesdienst spielt.
Ressourcen, Ordnung und rechtliche Sorgfalt
Der nächste Schritt würde dann darin bestehen, unser Musikteam mit den entsprechenden Ressourcen auszustatten, um diese 80 bis 120 Songs spielen zu können. Also Noten, Akkordblätter oder eben diese Chord-Pro-Formate. Tonaufnahmen zur Orientierung sollten schon vor der Probe den Musikern zur Verfügung gestellt werden, damit sie sich selbst schon darauf vorbereiten und die Lieder einüben können.
Es gibt, denke ich, genug, was bei unseren Proben schiefgehen kann. Wenn ihr Musiker seid, muss ich euch davon nichts erzählen. Deswegen wollen wir alles, was wir davor schon eliminieren können, auch eliminiert haben. Es wird wirklich nicht gut, wenn wir am Tag des Gottesdienstes merken, dass man zwei unterschiedliche Versionen zur Orientierung genommen hat, zwei unterschiedliche Notenblätter, vielleicht sogar in unterschiedlichen Tonarten, und dann dasteht und überlegen muss, wie man jetzt das Beste daraus macht. Oder dass Noten nicht übereinstimmen, dass Arrangements nicht übereinstimmen. Es gibt so viele Probleme, auf die man stoßen kann.
Auch SongSelect hat manchmal einfach falsche Akkorde, also nicht nur alternative, sondern wirklich falsche Akkorde. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass wir diesen Songpool, wenn wir ihn dann haben, auch gut pflegen, dass wir Fehler, wenn sie entdeckt werden, auch gleich ausmerzen. Das gilt zum Beispiel auch für die Folien. Auch da schleichen sich oft Schreibfehler ein. Oder auch, dass die Folien von der Anzahl der Wiederholungen oder was auch immer von unseren Blättern abweichen. Diese ganzen Dinge müssen möglichst vorher schon geklärt sein und sollten nicht erst am Tag des Gottesdienstes auffallen.
Also, das heißt: Probier jedes Lied in Ruhe aus, hab dabei auch deine Gemeinde und dein Musikteam im Hinterkopf, versuch so ehrlich wie möglich auch einzuschätzen, dass Singbarkeit und Spielbarkeit gegeben sind, finde die Tonart, die am besten für die Gemeinde geeignet ist. Meistens ist das nicht dieselbe Tonart wie die Version auf YouTube oder Spotify hat. Je nach Band, die man da hört, aber Profimusiker singen meistens höher. Und ja, weil es sich auch einfach meistens besser anhört. Aber nicht jeder kann da mitkommen.
Oft ist es auch so, dass selbst die Akkordblätter oder Notenblätter zu viele oder zu schwierige Akkorde enthalten, die gar nicht jeder versteht. Nicht jeder Gitarrist ist auf dem Niveau, dass er weiß, was sein F Major Seven über A ist und wie man den auf der Gitarre greift. Deswegen achte auch darauf, dass Noten und Akkordblätter übersichtlich gehalten sind, dass dieselben Akkorde in allen Versionen draufstehen und dass jeder die Akkorde, die da draufstehen, auch spielen kann.
Nicht jeder braucht für jedes Lied ein siebenseitiges Arrangement. Deswegen lohnt es sich auch, es auf eine oder zwei Seiten zu kürzen. Und auch, dass man Optionen einfach hat: dass man nicht nur Akkordblätter hat, sondern dass gerade wenn auch ein neues Lied dabei ist und der Sänger sich noch ein bisschen sicherer sein will, dass es auch das Liedsheet dazu gibt, wo die Melodie mit ausnotiert ist. Oder auch Partituren: Wenn euer Musikteam größer ist und zum Beispiel eine Streicher-Section habt, dass die Streicher ihre Noten schon vorher haben und dass man es nicht dem Zufall überlässt, wie sie das dann begleiten.
Und stelle auch sicher, das ist jetzt ein Aspekt, der manchmal vernachlässigt wird, dass deine Ausdrucke und dein Umgang auch mit diesen Ressourcen dem Gesetz entspricht, also dem Urheberrecht, dass das Reporting an CCLI auch korrekt abläuft. Einfach auch der Hintergedanke dabei ist ja auch, dass man diejenigen, die Zeit und Ressourcen investieren, Lieder zu schreiben, ein Stück weit auch dafür entlohnt. Aber es gelten auch Gesetze, an die wir uns als Gemeinde auch halten sollten und müssen. Das weiß ich gar nicht, da fragst du den Fall schon. Ja, Fragen haben wir gleich noch. Genau.
Und stell auch sicher, dass das Organisationsmodell, nenn ich es mal, stimmig ist. Also es soll ja noch Gemeinden geben, die wirklich noch komplett analog mit Ordnern und kopierten Noten unterwegs sind, was auch okay ist. Aber es soll für jeden klar sein, wo finde ich meine Ressourcen. Haben wir eine Cloud? Hat jeder Musiker Zugang zu diesen Ressourcen? Ist jemand verantwortlich für die Pflege dieser Cloud, damit es da kein Chaos gibt? Also das Organisationsmodell soll stimmig sein.
Gerade so Ablagen wie Clouds haben ja oftmals die Angewohnheit, dass sich ganz viel zufälliges und falsches Material ansammelt, so als hätten sie irgendwie ein Eigenleben und würden sich da ständig vermehren. Deswegen ist es wichtig, dass man diesen Songpool auch pflegt. Und das ist mein nächster Punkt: Chaos vermeiden im Songpool.
Wenn ihr regelmäßig neue Songs hinzufügt, kann es sehr schnell dazu führen, dass dieser Songpool außer Kontrolle gerät. Je größer der Songpool, desto unpraktischer und desto unhandlicher wird er. Das kann dann wiederum auch Probleme verursachen. Ich denke, es gibt sicher gute Gründe dafür, manche Lieder häufiger zu singen und andere eher selten. Aber man sollte versuchen zu berücksichtigen, wenn wir neue Lieder einführen, dass wir auch alte wieder raus tun, damit der nicht ins Unermessliche anwächst.
Neue Lieder einführen und Gewöhnung fördern
Da habe ich auch ein Bild dazu, nur als Orientierung, als Vorschlag. Ihr könnt es euch mal anschauen. Dabei geht man von einer Gemeinde aus, die im Durchschnitt fünf Lieder pro Gottesdienst singt. Es gibt mehrere Kategorien: Lieder, die normal häufig gesungen werden, Lieder, die gering häufig gesungen werden, und bei Bedarf zum Beispiel Weihnachtslieder oder andere sehr thematisch fokussierte Lieder, die auch nur dann gesungen werden.
Ich versuche mich gerade an Abnutzungsspuren bei Liedern zu erinnern, wobei ich keine eindeutige Regel habe. Abgenutzt sind, so habe ich es zumindest auch oft erlebt, Lieder, die man über einen gewissen Zeitraum einfach sehr oft gesungen hat, sodass man sich schon so an dieses Lied gewöhnt hat, dass es schwierig ist, dem noch etwas abzugewinnen. Das ist immer sehr schwer zu definieren: bei wem das so ist und bei welchen Liedern. Aber die Erfahrung haben einfach schon viele Musiker, Gemeindemitglieder und Gemeinden gemacht, dass man irgendwie keine Lust mehr auf ein bestimmtes Lied hatte.
Dann zum Einführen neuer Lieder: Dazu habe ich einfach ein paar praktische Orientierungshilfen oder Tipps, wie man das gestalten kann. Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Wenn wir als Musikteam ein neues Lied einführen wollen, dann lassen wir es auch schon in den Wochen davor manchmal vor oder nach dem Gottesdienst über die Tonanlage laufen, bevor sich jeder hinsetzt. Oft ist ja auch einfach Musik im Saal im Hintergrund. So kann man sich schon mal akustisch daran gewöhnen.
Manche Gemeinden haben auch eine Playlist, in der alle Lieder, die sie in dieser Gemeinde singen, drin sind. Auch da kann man einfach schon im Vorhinein diese Lieder, die man plant einzuführen, mit aufnehmen.
Wie neue Lieder im Gottesdienst verankert werden können
Dann, während des Gottesdienstes, wenn wir ein Lied tatsächlich einführen, ist es entscheidend, dass wir es mit Selbstvertrauen singen und spielen können. Deswegen müssen wir zuerst auf uns selbst schauen, bei uns selbst denken, an uns als Musiker, dass wir das Lied wirklich gut können und dass wir es nicht mal so und mal anders singen.
Ich habe selbst schon den Fehler gemacht, dass ich dachte: Ja, das ist ein cooles Lied, und so. Ich habe es eingeführt und habe dann später erst gemerkt, dass ich den Vers nicht immer genau gleich singe. Manchmal singe ich ihn punktiert, manchmal nicht punktiert. Und dann war ein Fehler drin, den man bei der Gemeinde nicht mehr herausgekriegt hat.
Die Gemeinde spürt auch, wenn ein Sänger bei einem Lied irgendwie unsicher ist, und wird entsprechend selbst auch zurückhaltend sein, mitzusingen. Wenn man andererseits ein neues Lied gut anleiten kann, so, als würden wir es schon seit Ewigkeiten kennen, werden die Leute auch weniger Probleme haben, mitzusingen.
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie man das machen kann. Zum Beispiel singt man vielleicht zuerst nur einen Vers und den Refrain und fängt dann wieder bei dem Vers von vorne an und sagt entsprechend: Okay, wir gehen nochmal an den Anfang dieses Liedes. Oder man sagt auch an, dass das ein neues Lied ist und dass wir das heute lernen wollen. Das wäre die eher didaktische Methode.
Oder man spielt das Lied ganz normal, als wäre es eins, das schon immer da ist, und gibt einfach den Leuten die Freiheit einzusteigen, sobald sie sich sicher fühlen. Das wäre die eher informelle Methode.
Wir machen es auch oft so, dass wir ein neues Lied, wenn wir es zum ersten Mal singen, in diesem Gottesdienst zweimal singen: einmal eher am Anfang und einmal eher am Ende. Das sollte aber nicht zugunsten dessen geschehen, dass das Lied auch seinen Platz haben sollte und sinnvoll in die Struktur des Gottesdienstes eingebaut wird.
Ich denke, Lieder Zeile für Zeile durchzugehen im Gemeindekontext ist eher ein bisschen schwierig. Es mag vielleicht für einen Kindergottesdienst okay sein, aber ich denke, für größere Gruppen ist es irgendwie ein bisschen unpassend. Gottesdienste sollen ja Gottesdienste bleiben und keine Chorprobe werden.
Ich denke, ein gutes Vorgehen zur Einführung eines neuen Liedes besteht auch darin, es in der ersten Woche zu lernen, in der zweiten Woche dann zu wiederholen, dann aber eine Pause zu haben und es dann noch mal in der vierten Woche zu wiederholen.
Und gerade wenn ihr Apps oder Software wie Church Tools oder ähnliche Sachen benutzt, könnt ihr Gottesdienste auch schon im Voraus planen und diese Lieder dort schon platzieren, sodass die, die dann den Gottesdienst leiten, das schon wissen oder schon sehen: Okay, hier ist ein neues Lied, das nehme ich auch mit auf.
Oder wenn ihr außer dem Sonntagsgottesdienst noch andere Treffen habt, Gebetstreffen oder Bibelstunden unter der Woche, kann man das dort schon auch in einem kleineren Kreis üben, sodass es wenigstens einige schon kennen, bevor man es in dem großen Gottesdienst singt.
Dann sollte man dieses neue Lied nicht unbedingt als erstes direkt vor oder nach der Predigt platzieren oder ganz am Anfang oder ganz am Ende des Gottesdienstes. Wenn man mit einem unbekannten Lied im Gottesdienst startet, ist das einfach ein schwacher Start für einen Gottesdienst, wenn da noch keiner mitsingen kann. Genauso in der Zeit direkt nach der Predigt, die für Reflexion einfach auch sehr wichtig ist, sollte eher ein Lied gewählt werden, das schon bekannt ist.
Die Liedauswahl für einen einzelnen Gottesdienst
Dann noch zum letzten großen Punkt: Ich habe jetzt über den Liedpool als Ganzes gesprochen, und jetzt sollte es noch um die Liedauswahl für einen einzelnen Gottesdienst an einem Sonntag gehen. Auch dafür gibt es Kriterien, und viele stimmen natürlich auch mit den Kriterien für den Songpool überein.
Wenn wir über eine Ausgewogenheit gesprochen haben, was den Songpool betrifft, sollten wir auch im Gottesdienst eine Ausgewogenheit an Liedern haben und nicht nur Hymnen oder nicht nur neue Lieder singen, wenn wir dieses Thema Generationenkonflikt auch in unserer Gemeinde haben. Das ist ja nicht in jeder Gemeinde so. Es gibt Neugründungen, wo eigentlich nur junge Leute dabei sind, die ältere Hymnen auch gar nicht so vermissen würden. Das wäre ein anderes Thema. Ich plädiere sehr auch für ältere Hymnen, aber da ist man auch einfach sehr individuell und muss seine Gemeinde und seine Gemeindekultur im Blick haben.
Es soll eben um den Gemeinschaftsaspekt gehen, dass sich niemand auch in einem einzelnen Gottesdienst irgendwie ausgeschlossen fühlt. Wie sollen diese unterschiedlichen Stile, die Lieder haben, also eher peppig und schnell und fröhlich und eher traurig und nachdenklich, auch sinnvoll genutzt werden können, um einen Spannungsbogen innerhalb des Gottesdienstes zu erzeugen? Es gibt ja einige gute Inputs zum Thema Gottesdienstgestaltung. Wir haben vor kurzem den Vortrag von Philipp Bartholomä dazu gehört, wie er, wie viele andere Reformatoren und Männer Gottes in der kirchlichen Geschichte auch schon gezeigt haben, dass ein Gottesdienst ja in gewisser Masse auch den Spannungsbogen des Evangeliums widerspiegeln soll.
Lieder sind natürlich da eine wichtige Hilfe, um das umzusetzen und zu unterstützen. Auch da können wir einfach Lieder verschiedener Tempi, verschiedener Rhythmen, verschiedener Epochen nutzen, um emotional auch mitzuwirken an diesem Spannungsbogen eines Gottesdienstes. Und diese Form sollte natürlich biblischen Inhalten zugrunde liegen: biblische Inhalte, über die wir singen, die wir durch die Lieder zum Ausdruck bringen sollen, die wir einander zusingen und damit einander lehren, wie es Kolosser 3 sagt.
Deshalb sollte vor allem überlegt werden, wie die Lieder inhaltlich zueinander passen und zu den anderen Gottesdienstelementen. Haben Lieder, die direkt nacheinander gesungen werden, einen Zusammenhang? Kann man sie auch miteinander verknüpfen? Haben sie irgendeinen thematischen Bezug? Können wir einen Gedanken, den wir gerade in diesem Lied gesungen haben, weiterspinnen und somit auch auf das nächste Lied hinweisen oder hindeuten?
Nicht immer ist es sinnvoll, ein Sündenbekenntnislied und ein Loblied direkt nacheinander zu singen. Es kann sein, dass man das dazwischen noch gut überleiten kann oder dass dazwischen noch ein anderes Gottesdienstelement ist. Aber über all diese Dinge sollte man sich eben im Vorhinein auch schon Gedanken gemacht haben und sich wirklich die Zeit nehmen und die Zeit investieren in einen Gottesdienst, in die Planung eines Gottesdienstes, um zu verhindern, dass das Thema Musik zu einer Willkür wird, dass wir die Lieder halt einfach als Lückenfüller verwenden oder weil man halt als Gemeinde singt, sie singen.
Auch als Musiker oder wer auch immer da verantwortlich ist in der Planung der Lieder, bewusst liturgisch denken: Lieder sowohl als Liturgie als auch zur Ergänzung der Liturgie. Die Liturgie bezieht sich ja auf die Struktur eines christlichen Gottesdienstes, in der Tradition kann das bestimmte Formen annehmen. Viele formale Gebete, Lesungen, Lieder können als liturgisch bezeichnet werden, aber in Wirklichkeit ist Liturgie eigentlich immer da.
Jede Gemeinde hat eine Liturgie, auch wenn man vielleicht umgangssprachlich sagt: Diese Gemeinde ist sehr liturgisch. Ja, jede Gemeinde ist liturgisch, und es ist nicht mehr oder weniger Liturgie in Gemeinden da, sondern nur unterschiedliche Arten von Liturgien.
Liturgie, Evangelium und kreative Gestaltung
Wo, und das ist meine nächste Frage, suchen wir nach guten liturgischen Formen und Inhalten? Es gibt wirklich hilfreiche traditionelle Liturgien, die es sehr gut konnten, der Versammlung ein Gefühl für die Heilsgeschichte zu geben. Sie nahmen Schlüsseltexte aus der Heilsgeschichte, aus der Schrift, auf, griffen alte Glaubensbekenntnisse auf und verwendeten vorformulierte Gebete, die sich gut in den Ablauf eingefügt haben.
Leider haben viele Moderne, indem sie eine weniger formelle Liturgie gewählt haben, das auch mit über Bord geworfen: diesen durchdachten Spannungsbogen des Gottesdienstes. Im Guten wie im Schlechten ist deswegen Singen oftmals zu einer de facto Liturgie geworden. Wenn wir also unsere Lieder bewusst als liturgisches Werkzeug einsetzen, dann können wir damit unsere Gemeinde wunderbar auf das Evangelium hin ausrichten.
Ich habe vorher schon Philipp Bartholomays Vortrag Plädoyer für einen evangeliumszentrierten Gottesdienst erwähnt. Er hat dort vier große Hauptpunkte, in die sich ein Gottesdienst einteilen lässt: Ausrichtung auf Gottes Wesen, die Sünde und die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, Christus, der vollkommene Erlöser, und Hingabe als Antwort auf unsere Erlösung. Die Struktur des Evangeliums, die darin zum Ausdruck kommt, soll helfen, uns das Evangelium noch tiefer einzuprägen.
Dann gibt es Lieder, die von Lobpreis handeln, von der Proklamation all dessen, was Gott getan hat: seine Heiligkeit, seine Herrlichkeit und Schönheit, seine Größe, seine Weisheit und Vorsehung, seine Erhabenheit. Es gibt Lieder des Sündenbekenntnisses. Es gibt Glaubensbekenntnisse, die in Liedform ausgedrückt werden, die lehrreich sind oder in Lehrform in gewisser Masse von der Errettung durch Jesus erzählen und die Glaubensgrundlagen proklamieren.
Es gibt Lieder, die sich auf Sakramente beziehen, auf das Abendmahl, auf die sichtbaren Zeichen, die Jesus uns gegeben hat, die sichtbaren Zeichen der unsichtbaren Gnade. Das würde in den Bereich Christus und Erlösung einpassen.
Das Wort: Lieder über das Wort, das Gott uns gegeben hat, seine Selbstoffenbarung. Wir sollen predigen, wir sollen predigen zur Unzeit und zur Zeit, wir sollen lehren, unterweisen, zurechtweisen und das Ganze eben auch in Liedern tun. Das ist so ein wichtiger Punkt in der Stelle, die Rudi auch vorher gelesen hat: Kolosser 3,16. Lehrt und ermahnt einander, und dann wird direkt danach auf die Lieder Bezug genommen. Das kann in den Bereich der Sendung sehr gut eingefügt werden.
Oder auch Gebet: Wie zum Lobpreis ist die Gemeinde ja auch zum Gebet aufgerufen, zur Fürbitte und zum Flehen für andere, auch in den Bereich der Sendung. Und auch da gibt es Lieder, die genau da hineinpassen.
Kreativität als dienende Ergänzung
Dann, was haben wir noch für gestalterische Möglichkeiten? Wenn wir all diese Dinge, die ich gerade ausgeführt habe, beachtet haben, ist natürlich auch noch Raum für Kreativität da.
Manche Gemeinden stellen das an die erste Stelle und wollen möglichst kreativ und relevant oder was auch immer sein. An der Kreativität ist ja gar nichts falsch, weil Gott selbst kreativ ist und sich daran freut, wenn wir auch kreative Wege suchen und finden, die das Ganze unterstützen, was wir eben gerade schon genannt haben. Nur ist es eben nicht das, woran wir zuerst denken sollten. Wenn wir das alles schon gut beachtet haben, dann können wir uns auch noch der Kreativität zuwenden.
Da könnte man sich zum Beispiel überlegen: Passt es, wenn wir manche Lieder, die wir sowieso nacheinander spielen wollen, in derselben Tonart spielen? Wenn wir zum Beispiel Chord Pro haben und spontan die Tonart im Gottesdienst ändern können, können wir das vielleicht in B-Dur machen. Und dann ein Lied, das eigentlich in A-Dur wäre, heute aber auch mal in B-Dur spielen, einfach weil man dann keine akustische Pause dazwischen hat, sondern direkt in das andere Lied smooth übergehen kann.
Oder auch Mashups, zum Beispiel das Lied „Seht unseren Gott, keiner ist ihm gleich, lasst uns anbeten“ und dann überzugehen in den Chorus von „Der Herr ist meine Rettung“: „Wer ist wie unser Gott und Herr, treuer Retter, er liebt so sehr.“ Also man kann durchaus auch einzelne Chorusse aus Liedern herausgreifen und sie am Ende eines anderen Liedes platzieren. Oder dieses Lied erhält ja auch die Zeile: „Am Kreuz hat er meine Schuld bezahlt, der Herr ist meine Rettung“, und dann übergehen in „Alles ist bezahlt“, diese wunderbare Hymne, die das Thema der Stellvertretung, des stellvertretenden Sühnetods Christi, noch einmal weiter aufgreift.
Und so gibt es ja in Liedern verschiedene Aspekte, die wir nutzen können, um damit auch zum nächsten Lied überzuleiten. Es ist eine super Möglichkeit, um auch Leute aus gewohnten Abläufen ein Stück weit herauszureißen und ihre Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Worte zu richten, die wir singen, und nicht auf das, was sie sowieso schon kennen und den genauen Ablauf von Vers, Chorus, Bridge usw. immer gleich zu halten. Also es kann durchaus auch eine didaktisch sinnvolle Methode sein, solche kreativen Elemente einzubauen.
Oder ist vielleicht mal ein Liedvortrag möglich? Es gibt ja oft Lieder, die eignen sich nicht für den Gemeindegesang, weil sie zu kompliziert oder zu rhythmisch komplex sind, die aber ein besonderes Thema so gut auf den Punkt treffen, gerade um eine Predigt noch einmal dadurch zu vertiefen. Also Liedvorträge, auch mit anderen Ensembles, mit Chören oder anderen Kombos, oder auch während der Musik einige gesprochene Worte zu integrieren, zum Beispiel wenn wir ein längeres Zwischenspiel haben.
Ich glaube, es war bei der Together for the Gospel Conference, da hat Bob Kauflin und sein Team das Lied „Komm du Quelle“ gespielt, und dann hatten sie ein längeres instrumentales Zwischenspiel, wo Devon Coughlin seinen Sohn dann aus Offenbarung 5 einen Aufruf zur Anbetung einfach nur gelesen hat. Das hat so gut reingepasst und das Ganze noch einmal verstärkt und geholfen, sich auf den Inhalt des darauf folgenden Liedes zu fokussieren.
Also es gibt viele Möglichkeiten, die wir vielleicht noch gar nicht in Betracht gezogen haben, weil wir uns schon so sehr daran gewöhnt haben, die Dinge so zu machen, wie wir sie immer gemacht haben, auf eine bestimmte Art und Weise. Vielleicht weil es bequem ist, weil es einfach funktioniert, weil wir uns so sicher fühlen. Aber ich möchte euch auch dazu ermutigen, mal darüber hinaus weiterzudenken, was man noch tun könnte, in diesem Bereich kreativ zu werden.
Ich denke, es kann sowohl für die Band als auch für die Gemeinde wirklich kraftvoll und erfrischend sein, mit Liedern und Musik etwas Neues auszuprobieren. Aber bei aller Kreativität wollen wir uns tatsächlich hauptsächlich auf das Evangelium Christi konzentrieren und versuchen, Musik zu machen, die der Gemeinde hilft, dieses Evangelium mit Freude und mit Hingabe zu singen.
Die vorgestellte Lieddatenbank und ihr Ziel
Dann habe ich jetzt noch zum Schluss eine Sache, auf die ich hinweisen möchte.
Wir haben von Gloria Kollektiv zusammen mit unserem starken Partner Evangelium 21 diese Ressource hier erschaffen, die heißt Liedgut, Liedgut.app. Flyer könnt ihr euch gerne nachher noch mitnehmen. Es ist im Prinzip ein digitales Liederbuch oder eine Online-Lieder-Datenbank.
Das Ganze hat damit angefangen, dass wir einige Pastoren im deutschsprachigen Raum angeschrieben und gefragt haben: Hey, was sind eure Top 40 Lieder, die unbedingt in das Liedgut einer Gemeinde hineingehören müssen? Mit deren Hilfe und dann auch durch viel eigenes Recherchieren und Überlegen haben wir ein Liedgut von 120 Liedern zusammengestellt.
Es ist noch nicht alles ganz fertig. Bei einigen Liedern ist schon alles komplett fertig. Das Ziel ist aber, dass jedes Lied dann ausgestattet wird mit allen Noten, Akkordblättern und ChordPro, die man so braucht. Es gibt eine Studioaufnahme, an der man sich für das Arrangement orientieren kann. Es gibt eine einfache Aufnahme, die nur mit Klavier und Gitarre gespielt wird, gerade auch für kleinere Gemeinden. Es gibt Textstellen, auf die das Lied basiert, nach denen man auch filtern und suchen kann. Es gibt Themen, nach denen man filtern und suchen kann. Später soll noch eine KI-basierte Suchfunktion kommen und auch ein Multitrack-Player, sodass man sich auch mal nur die Gitarre oder nur das Klavier anhören kann. Und es gibt auch noch Tutorials. Gerade für Gitarre und Klavier sind wir auch dabei, für jedes Lied ein Tutorial aufzunehmen.
Auch weitere Lerninhalte, Artikel oder Orientierungshilfen für Musiker, Themen, die wir gerade auch in diesem Seminar behandelt haben, findet man dort auch, und noch einige Sachen mehr. Schaut es euch gerne mal an.
Das Ziel dabei ist, mit Gemeinden eine Partnerschaft zu haben, beziehungsweise so ein Paket, das eine Gemeinde für sich buchen kann, um das Ganze auch weiter zu finanzieren. Im Prinzip ähnlich wie Songselect, nur wesentlich konzentrierter, kuratierter und sehr gut ausgesucht, was da reinkommt und was nicht. Ziel ist es dann auch, dass wir über die 120 Lieder, wenn wir dann alle Ressourcen fertig haben, noch mehr hinzufügen.
