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Stürme im Leben - Gott prüft unseren Glauben

28.11.2021Matthäus 14,22-33
Wenn dunkle Wolken aufziehen und sich ein Sturm über uns zusammenbraut, ist es die natürliche Reaktion, Schutz vor Wind und Regen zu suchen. Auch in unserem Glaubensleben ziehen gelegentlich Stürme auf. Aus unserer Sicht wirken sie bedrohlich, aus Gottes Sicht erfüllen sie mehrere Absichten....

Einen wunderschönen guten Morgen, schön, dass ihr alle da seid. Ich freue mich sehr, wenn ich durch die Reinschau sehe, dass wir Gäste haben. Schön, dass ihr auch da seid.

Unseren Gottesdienst heute werden wir in zwei Teile gliedern, so wie wir es kennen. Im ersten Teil hören wir die Predigt von Tobi. Parallel dazu findet die Kinderstunde statt. Im zweiten Teil kommen wir zur Anbetung zusammen. Wir werden Gott loben, in Lied und Gebet.

Besonders freue ich mich, weil heute der letzte Sonntag in diesem Monat ist, dass ihr euch im zweiten Teil mitbeteiligen dürft. Darauf freue ich mich ganz besonders – mit euren Gedanken und Zeugnissen, die ihr uns weitergebt.

Unseren Gottesdienst wollen wir mit einem Lied beginnen, das wir gemeinsam singen. Wir singen „Vater, komm und lehre uns“. Ihr dürft gerne aufstehen, um den Kreislauf ein bisschen in Schwung zu bringen.

Es sind noch 26 Tage bis zum Heiligabend und noch 33 Tage, die uns in diesem Jahr bis zum Jahreswechsel verbleiben.

Heute, am 28. November, finden in der Schweiz sogenannte Volksabstimmungen statt. Volksabstimmungen bedeuten, dass die Stimmberechtigten zu unterschiedlichen Vorhaben ihre Meinung abgeben können. Unter anderem geht es um eine Pflegeinitiative zur Stärkung der Pflege, aber auch um eine Justizfrage zur Einsetzung von Bundesrichtern.

Das soll heute jedoch nicht das Thema sein.

Die Bedeutung des Advents und die Erwartung auf Christus

Heute, am 28. November, könnt ihr mir vielleicht helfen, was heute so besonders ist? Zuerst wollte ich die Kinder fragen, aber wir haben heute nicht so viele Kinder hier. Vielleicht könnt ihr den Kindern helfen, herauszufinden, was heute besonders ist? Nur Mut! Was ist heute besonders? Traut euch!

Danke, es ist der erste Advent! Danke dir!

Advent ist die Jahreszeit, in der sich die Christenheit auf ein Fest vorbereitet – auf die Geburt von Jesus Christus, also auf Weihnachten. Jesus ist jetzt nicht mehr auf der Erde, sondern bei unserem Vater im Himmel.

Aber was ist Advent noch? Da wir Menschen vergesslich sind – ich zumindest bin ein Mensch, der vergesslich ist und sich alles aufschreiben muss – weiß ich nicht, wie es euch geht. Weil wir vergesslich sind, ist die Weihnachtszeit oder die Adventszeit, also die Vorweihnachtszeit, eine Zeit, die uns daran erinnert, dass Jesus ein zweites Mal wiederkommen wird. Jesus wird ein zweites Mal wiederkommen, und diese Erwartung sollen wir auf unseren Herrn haben.

Im zweiten Teil werden wir genug Zeit haben, ins Gebet zu gehen. Wir können Jesus danken dafür, dass er geboren ist – Weihnachten –, dass er ans Kreuz gegangen ist, dass er gestorben und auferstanden ist, dass er jetzt bei seinem Vater ist und dass er wiederkommen wird, um uns zu sich zu holen. Das wollen wir dann im zweiten Teil tun.

Eröffnung des Gottesdienstes mit Gebet und Lobpreis

Jetzt möchte ich gemeinsam mit uns beten, Gott danke für diesen Tag sagen und euch bitten, zum Gebet aufzustehen.

Herr Jesus, danke dir für diesen Tag, den du uns schenkst. Danke, dass wir diesen Tag erleben dürfen, dass wir tatsächlich noch das Vorrecht und die Freiheit haben, uns treffen zu dürfen. Danke für dein Wort, das du zu uns sprichst.

Wir haben es gerade im Lied gesungen: Du redest, und wir wollen hören. Ich möchte dich bitten für Tobi, segne ihn, der uns dein Wort näherbringt. Ich bitte dich auch für die Kinderstunde, die parallel stattfindet, dass du auch zu den Kinderherzen sprichst.

Ja, rede zu uns, verändere uns durch dein Wort. Segne diesen Vormittag. Ich danke dir. Amen.

Wir können wieder Platz nehmen.

Bevor wir von Tobi die Predigt hören und bevor die Kinder in die Kinderstunde gehen, singen wir noch ein Lied. Dabei verabschieden wir die Kinder.

Wir singen vom wichtigsten Buch auf der Erde, dem Buch, das von Jesus und seinem Tod für uns erzählt. Das schönste Buch, das es gibt, ist die Bibel – das Wort des Lebens. Darin steht, wie Gott uns liebt. Ja, ich äh...

Einführung in die Predigt: Stürme im Leben als Prüfung des Glaubens

Ich springe heute ziemlich spontan ein. Eigentlich wäre heute Daniel Kressel mit der Predigt dran, aber wie ihr wisst, ist er krank. Am Donnerstag haben wir uns darauf geeinigt, dass ich eine alte Predigt nochmal hervorhole, ein bisschen auffrische und für ihn einspringe.

Schön, dass wir trotzdem einigermaßen voll sind, obwohl so viele Leute krank sind und viele Familien fehlen. Darüber freuen wir uns.

Die Überschrift der Predigt heute – viele von euch haben sie vielleicht schon gelesen – lautet: Stürme im Leben oder Stürme in unserem Leben – Gott prüft unseren Glauben. Der Gedanke dahinter ist, dass Stürme in unser Leben kommen. Sie kommen nicht einfach nur zufällig, sondern sie dienen dazu, dass Gott unseren Glauben prüft.

Denn es ist tatsächlich so, dass Gott in den Menschen ein allgemeines Prinzip gelegt hat. Ein Prinzip, das jeder von uns kennt. Ein Prinzip, durch das Fähigkeiten wachsen, Menschen reifer werden, Talente verbessert und der Charakter geformt wird. Ich meine damit das ganz normale Prinzip der Wiederholung.

Gott hat das Prinzip der Wiederholung in den Menschen gelegt. Durch Wiederholung reift ein Mensch. Durch Wiederholung reifen Talente. Durch Wiederholung kann ich mir Wissen aneignen. Wenn ich zu einer Abschlussprüfung gehe, muss ich wiederholen. Ich muss den Stoff wiederholen, die Lektionen wiederholen, damit ich am Ende aus diesen Prinzipien gelernt habe, gewachsen bin und die Prüfung auch bestehen kann.

Das ist das Grundprinzip, das wir in allen Lebenslagen finden – egal, ob wir gläubig sind oder nicht.

Oder denken wir an den Fußballspieler. Ich habe mal mit jemandem gesprochen, der früher in einer etwas höheren Liga Fußball gespielt hat. Er erzählte, dass er früher manchmal am Bolzplatz war und sich ein Stück Stoff am Tor oben links ins Eck gehängt hat. Dann hat er ständig Freistöße geübt und versucht, genau in dieses Eck zu schießen, wo dieses Läppchen hing.

Was er dadurch gemacht hat, war, dass er durch tausendfache Wiederholung seine Technik im Fußballspielen verbessern wollte.

Ihr versteht, worauf ich hinaus will: Durch Wiederholung wachsen wir. Wir wachsen.

Gottes Prüfungen im Alten Testament als Beispiel für Glaubensreife

Wenn wir an das Alte Testament denken, sehen wir, wie Gott sein Volk immer wieder geprüft hat. Zum Beispiel, als er die Israeliten aus Ägypten geführt hat. Gott zeigt sich mächtig an seinem Volk und bringt ihm Lektionen bei. Er ist fürsorglich und führt es aus Ägypten heraus.

Doch was passiert als Erstes, nachdem sie aus Ägypten herausgekommen sind? Das Erste, was Gott tut, ist, dass er das Volk prüft, indem er es ans Meer führt. Vor ihnen liegt das Meer, und hinter ihnen kommen die ägyptischen Streitkräfte. Man erkennt, dass Gott sofort beginnt, die Lektion, die er dem Volk in Ägypten erteilt hat, jetzt in einer Prüfung zu vertiefen.

Liebe Israeliten, sozusagen: Jetzt schauen wir, ob ihr mir vertraut. Benedikt Peters hat das ungefähr so erklärt: Gott führte die Israeliten in eine Art Sackgasse. Das Meer vor ihnen war wie ein Amboss, und die Ägypter, die von hinten kamen, waren wie ein Hammer. Durch diese Situation formte Gott das Volk, indem er es prüfte. Gott formt sein Volk.

Dann zeigt sich Gott wieder als mächtig. Das Meer wird geteilt, und er führt das Volk Israel hindurch. Die Ägypter werden versenkt. Was passiert danach? Gott trennt das Meer, zeigt seine Treue und führt das Volk in die Wüste. Dort prüft er sie erneut.

So lernen die Israeliten ihre Lektion. Das Prinzip dahinter ist die Wiederholung. Gott trainiert unseren Glauben durch Wiederholung, weil dies ein allgemeines menschliches Prinzip ist.

Ermutigung durch 1. Petrus 1: Prüfungen als Bewährung des Glaubens

Schlagen wir gemeinsam zu Beginn den ersten Petrusbrief Kapitel 1 auf, bevor wir zu unserem Hauptbibeltext aus Matthäus 14 kommen. Dort sehen wir ein ähnliches Prinzip, nämlich in 1. Petrus 1,6-7.

Der Petrusbrief ist allgemein ein sehr ermutigender Brief für leidende Christen. In 1. Petrus 1,6-7 schreibt Petrus:

„Dann, ja, in der Zukunft werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid wegen mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung oder die Prüfung eures Glaubens, der doch viel kostbarer ist als das Gold, das durchs Feuer erprobt wird, Lob, Ehre und Herrlichkeit zufolge haben bei der Offenbarung Jesu Christi.“

Was Petrus hier als Ermutigung an diese Gemeinde oder an diese Gläubigen schreibt, ist Folgendes: Ihr werdet euch einmal jubelnd freuen, obwohl ihr jetzt gerade traurig seid und in einer Prüfung steckt.

Das ist der Gedanke: Ihr steckt gerade in einer Prüfung. Aber seht nicht nur auf diese Prüfung jetzt. Lasst euch nicht einfach zermürben und zerdrücken, weil ihr die ganze Zeit nur auf das Jetzt schaut – auf diese Prüfung. Die Ermutigung ist: Ihr werdet euch einmal freuen.

Das ist doch der Blick, den uns Gott grundsätzlich geben möchte in unseren Problemen, in unserem Leiden, in unseren Prüfungen: Ihr werdet euch einmal freuen, ihr werdet euch einmal freuen, sagt er.

Was ist jetzt das Ziel dieser Anfechtungen? Vers 6 nennt sie Prüfungen, diese Anfechtungen haben das Ziel, damit der Glaube bewährt wird, wie in Vers 7 steht.

Also, es kommen Prüfungen in unser Leben, die uns traurig machen, wie auch immer sie aussehen mögen. Aber Gott nutzt sie, um unseren Glauben auf seine Echtheit zu prüfen. Das ist im Grunde der Gedanke.

Diese Wiederholung, die immer wiederkommt, prüft unseren Glauben und trainiert unseren Glauben. So ist das Ziel, wie man in Vers 7 weiter sieht: wie das Gold, das durchs Feuer erprobt und geläutert wird.

Gold wird ja im Feuer gereinigt von der ganzen Schlacke und dem Dreck, der darin ist. So, wie es im Vers 7 steht, haben Prüfungen in unserem Glauben zwei Ziele: einmal unseren Glauben zu erproben, inwieweit er echt ist, und zum anderen unseren Glauben zu läutern, also unseren Glauben stärker zu machen.

Das ist eigentlich die Aussage: Prüfungen sollen unseren Glauben stärker machen. Erst einmal schauen, ob er echt ist, und wenn er echt ist, werden wir am Ende stärker daraus hervorgehen.

Das ist der Grundgedanke, der hier steht.

Die Prüfung der Jünger durch Jesus im Sturm auf dem See

Mit diesem Grundgedanken schauen wir uns nun an, was Jesus Christus mit seinen Jüngern macht. Er hat eine lange Zeit mit ihnen verbracht, um sie zu trainieren. Unser Hauptbibeltext heute ist Matthäus 14,22-33.

Ich lese ab Vers 21, um den Zusammenhang deutlich zu machen: „Die aber gegessen hatten, es waren etwa fünftausend Männer ohne Frauen und Kinder. Und alsbald nötigte er seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor ihm ans jenseitige Ufer zu fahren, bis er die Volksmenge entlassen hätte. Und nachdem er die Menge entlassen hatte, stieg er auf den Berg, um abseits zu beten, und als Abend geworden war, war er allein da selbst. Das Schiff aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen, denn der Wind stand ihm entgegen. Aber um die vierte Nachtwache kam Jesus zu ihm, ging auf dem See. Und als ihn seine Jünger auf dem See wandeln sahen, erschraken sie und sprachen: Es ist ein Gespenst, und sie schrien vor Furcht. Jesus redete aber sogleich mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht. Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen. Da sprach er: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff, ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich, und da er zu sinken anfing, fing er an zu schreien und sprach: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus, ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie in das Schiff stiegen, legte sich der Wind. Da kamen die, die im Schiff waren, warfen sich anbetend vor ihm nieder und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“

Wir haben hier eine Begebenheit, in der wir im Detail sehen, wie Jesus Christus seine Jünger aktiv geprüft hat.

Schauen wir uns Vers 22 genauer an. Es ist interessant, dass dort steht, Jesus nötigte seine Jünger „alsbald“ oder „sogleich“ in das Boot. Er zwang sie förmlich, in das Boot zu steigen.

Wir wissen alle, dass unser Herr Jesus Christus allwissend ist. Alles, was er tut, ist geplant. Er handelt bei vollem Bewusstsein und nichts geschieht ohne sein Ja. Die zwingende Frage lautet also: Jesus, wusstest du nicht, dass ein Sturm kommen wird? Warum schickst du deine Jünger absichtlich in den Sturm? Du wusstest doch, dass er kommt.

Und was tut Jesus? In Vers 22 nötigt er die Jünger ins Boot. Er sagt nicht nur freundlich: „Liebe Jünger, bitte steigt ins Boot, ich brauche etwas Zeit zum Beten.“ Nein, er scheucht sie förmlich hinein. Der Sturm, der auf sie wartet, muss geschehen. Jesus weiß genau, dass gleich ein Sturm kommt, und er drängt sie hinein.

Unser Jesus wollte also, dass die Jünger diesen Sturm ihres Lebens erfahren. Das können wir auf die Stürme in unserem eigenen Leben übertragen.

Noch etwas Interessantes: In Vers 22 steht „und zugleich“. Wenn wir so ein Wort sehen, müssen wir uns fragen, was davor geschehen ist. „Und zugleich“ verbindet zwei Ereignisse.

Direkt davor, in Vers 21, war die Speisung der fünftausend Männer. Die Jünger haben kurz vor dem Sturm ein Wunder erlebt. Sie sahen, wie Jesus fünftausend Männer speiste und sich mächtig erwies. Dadurch wurde ihr Glaube gestärkt.

Jesus stärkte ihren Glauben (Vers 21) und sogleich, in Vers 22, nötigt er sie in den Sturm ihres Lebens, um zu prüfen, ob dieser Glaube echt ist. Es geht um die Bewährung ihres Glaubens, wie es auch in 1. Petrus 1 beschrieben ist.

In Markus 6, der Parallelstelle zu diesem Ereignis, heißt es am Ende, dass ihre Herzen verhärtet waren und sie nicht verstanden, was mit der Speisung geschehen war. Das zeigt die Verbindung: Jesus tut ein Wunder, er zeigt seine Macht, und dann prüft er den Glauben seiner Jünger.

Liebe Jünger, ist euer Glaube echt? Das ist die Anwendung für uns heute.

Wir leben in einer Zeit, in der wir viele Predigten hören, im Internet die besten Botschaften finden und theologisch gebildet sind. Wir haben zu jeder Frage eine Antwort. Aber dann nötigt Christus uns in den Sturm und prüft, ob unser Glaube mehr ist als nur Worte. Er prüft, ob unser Glaube echt ist.

Versteht ihr das Prinzip der Wiederholung, das Christus hier anwendet? Gott tut Wunder, er zeigt seine Macht, und dann stellt er den Glauben auf die Probe.

Vielleicht tut Christus gerade in deinem Leben große Dinge. Vielleicht lernst du gerade viel, wächst im Glauben, und plötzlich prüft er dich. Er trainiert dich, nicht weil er dich hasst oder dir Böses will, sondern weil er deinen Glauben stärken und prüfen möchte.

Mit der Zusage aus 1. Petrus 1,6-7: „Ihr werdet euch einmal jubelnd freuen über die Trauer, die ihr jetzt habt.“ Das ist der Gedanke, der uns Hoffnung gibt.

Jesus betet für die Jünger während des Sturms

Nun kehren wir zurück zu unserem Text: Jesus Christus nötigt seine Jünger, ins Boot zu steigen. Er zeigt ganz genau, dass ein Sturm kommen wird. Was lesen wir jetzt in Matthäus 14,23? Dort steht: „Und nachdem er die Menge entlassen hatte…“

Jesus nötigt also seine Jünger, ins Boot zu steigen. Dann entlässt er die Menge. Was tut Jesus Christus danach? Er steigt auf einen Berg, um zu beten. Es heißt weiter: „Als es Abend war, war er dort allein.“

Jesus entlässt also die Menge und steigt auf einen Berg, um zu beten. Ich frage mich: Warum geht Jesus auf einen Berg? Er hätte auch in einen Garten gehen können, in einen Hinterhof oder einfach irgendwo über die Felder laufen können. Warum gerade auf einen Berg?

Das mag sich zunächst abenteuerlich anhören, aber ich kann das erklären. Meine Frau und ich lieben es, Städte anzuschauen, besonders Großstädte. Als wir noch keine Kinder hatten, haben wir das oft gemacht. Was ich dann immer gerne mache, ist, auf einen Fernsehturm oder einen Berg zu steigen, um einen Überblick über die Stadt zu bekommen. So kann man die Dimension der Stadt besser sehen.

Ich glaube, genau das war der Gedanke, den Jesus hatte, als er seine Jünger ins Boot schickte. Was tat er danach? Er ging auf einen Berg, um zu beten. Ich denke, er ging auf den Berg, um seine Jünger im Blick zu haben.

Das mag sich abenteuerlich anhören, aber genau das steht in der Parallelstelle in Markus Kapitel 6. Dort heißt es: „Als es Abend wurde…“ Während Matthäus berichtet, dass Jesus auf den Berg ging und dort allein war, sagt Markus 6, dass Jesus seine Jünger sah, wie sie im Sturm waren.

Was sehen wir also? Jesus drängt seine Jünger ins Boot. Er geht beten, aber dabei behält er sie im Blick. Er sieht sie in ihrem Sturm, er sieht ihre Not, und er betet. Wir können davon ausgehen, dass er für sie betete – genauso wie er für Petrus betete, damit dessen Glaube nicht aufhöre. Ebenso tritt Jesus Christus für uns vor dem Vater ein.

Die direkte Anwendung daraus ist: Jesus Christus führt uns in Stürme, manchmal in Lebensstürme, so wie er die Jünger in einen Sturm geführt hat. Aber Jesus dreht sich nicht weg. Er behält die ganze Zeit den Überblick. So wie bei den Jüngern – er sieht sie, behält den Überblick und betet.

Das ist unser hoher Priester, der für uns betet und vor dem Herrn eintritt. Ich weiß nicht, welchen Sturm du gerade durchmachst. Vielleicht erlebst du einen Sündensturm in deinem Leben oder hast Ängste und Nöte. Aber wir wissen: Christus hat den Überblick, er prüft uns und betet für uns.

Das ist die Anwendung, die wir direkt aus Matthäus 14,23 und der Parallelstelle in Markus 6 ziehen können.

Die Not der Jünger und ihr Kampf gegen den Sturm

Wir müssen uns die Jünger einfach mal vorstellen und überlegen, was sie sich gedacht haben. Jesus Christus, warum lässt du uns jetzt allein? Sie haben ja nicht gesehen, dass Jesus Christus sie sieht und beobachtet. Sie sehen nur, wie Christus sie in einem Boot scheucht. Plötzlich kommt ein riesiger Sturm auf.

Sie rufen: „Christus, wo bist du jetzt? Ich habe dir vertraut, und jetzt bist du fern in der größten Not meines Lebens.“ In Wirklichkeit war Jesus die ganze Zeit bei ihnen. Er hat sie die ganze Zeit im Blick gehabt und im Gebet gestärkt.

Nun, was machen die Jünger? Sie sind im Boot, Christus scheint weg zu sein, und der Sturm tobt um sie herum. In Vers 24 heißt es: „Das Schiff war mitten auf dem See und wurde von den Wellen schwer bedrängt; es wurde hin und her geworfen.“ Außerdem stand ihnen der Wind entgegen.

Dieses Entgegenstehen symbolisiert den Gedanken: Dort ist das Ziel, wir müssen unbedingt wieder zum festen Land. Sie paddeln, aber der Wind steht ihnen entgegen. Sie krempeln die Ärmel hoch, nehmen die Paddel in die Hand und versuchen, sich zu retten. Sie wollen das Ziel erreichen, den sicheren Boden erlangen. Der Wind jedoch steht ihnen entgegen.

Was sie jetzt tun müssen, ist, wirklich ihre Ärmel hochzukrempeln und aus eigener Kraft versuchen, sich zu retten. Sie stellen sich mit ganzer Kraft gegen den Wind. Doch was wir im Text nicht sehen – und auch in anderen Texten nicht –, und was wir gleich noch deutlicher sehen werden, ist: Lest ihr irgendwo, dass sie beten? Lest ihr irgendwo, dass sie sich im Vertrauen an Christus klammern?

Wir sehen nur, wie ihnen der Wind entgegensteht und sie ohne Ende kämpfen. Im Grunde machen sie das, und das ist ja auch okay – so zu kämpfen. Aber Christus spielt keine Rolle. Später sehen wir sogar, dass sie, als Christus kam, dachten, er wäre ein Gespenst. Das zeigt, dass sie überhaupt kein Gottesvertrauen in ihrer Situation hatten.

Sie hatten mit allem gerechnet, aber nicht mit Christus. Sie rechneten mit Gespenstern, aber nicht mit Christus.

Ich glaube, dass Christus durchaus oft Stürme in unser Leben bringt, damit wir lernen, nicht wie diese Jünger nur unsere Ärmel hochzukrempeln und auf unsere eigene Kraft zu vertrauen. Leider müssen Stürme unsere Kraft oft demütigen. Leider müssen Stürme unseren Stolz oft brechen und uns dahin bringen, dass wir mit unserer eigenen Kraft am Ende sind.

Denn wir suchen immer zuerst die Lösung bei uns selbst. Wie oft gehen wir ins Gebet, nur um dann auf den Knien aufzustehen und alles wieder selbst in die Hand zu nehmen? Die Jünger haben gemerkt, dass das nicht funktioniert.

Jesus kommt in der vierten Nachtwache zu den Jüngern

Nun, wie geht es weiter? Vers 25 ist hier besonders interessant. Dort heißt es: „Aber um die vierte Nachtwache kam Jesus zu ihnen, und er ging auf dem See.“

Jesus Christus sieht abends, dass seine Jünger in Not sind. Er betet. Doch wann genau greift Jesus in die Not ein? Die vierte Nachtwache liegt zwischen drei und sechs Uhr morgens. Am Abend, also vielleicht zwischen sechs und neun Uhr, als die Sonne unterging, hat Christus die Not seiner Jünger bereits gesehen und für sie gebetet.

Ist es nicht bemerkenswert, dass Christus nicht sofort seine Sandalen anzog, hinunterlief und seine Jünger noch am Abend rettete? Das hätte er tun können. Aber was war ihm wichtiger? Er fand es wichtiger, sich Zeit zu lassen.

Stellt euch vor, wie schlimm die sechs bis zwölf Stunden der Not für die Jünger gewesen sein müssen. Ihr macht eine schöne Bootsfahrt auf dem See Genezareth. Alles ist ruhig und flach. Sechs bis neun oder sechs bis zwölf Stunden auf dem Boot bei bestem Sonnenschein wären schon ziemlich lang. Die erste Stunde mag interessant sein, aber irgendwann wird es zäh.

Nun stellt euch dieselbe Zeitspanne vor, aber in Todesangst. Der Wind weht euch entgegen, die Wellen schlagen von links und rechts. Sechs bis zwölf Stunden in solcher Not – und Christus lässt sich Zeit. Er lässt sich Zeit in den Nöten unseres Lebens.

Quält Gott uns? Nein, auf keinen Fall. Brauchen wir manchmal die Wiederholung, damit Gott uns wachrütteln kann? Ich glaube schon. Ist es nicht erstaunlich, dass nicht eine Stunde auf dem Sturm gereicht hätte? Aber der Herr ließ sich Zeit und kam erst um die vierte Nachtwache.

Wir lernen daraus, dass auch wir oft ausharren müssen. Gott kommt nicht sofort. Wir beten, doch er antwortet nicht gleich. Wir bleiben im Gebet standhaft, wollen glauben und vertrauen seinem Wort. Wir wollen die Glaubensprüfung bestehen und bleiben dran. Doch der Herr lässt sich Zeit, als wolle er uns prüfen: Ist dein Gebet ernst gemeint oder nur oberflächliches Gerede?

Persönliches Beispiel: Krankheit und Glaubensprüfung in der Familie

Nun will ich euch ein praktisches Beispiel aus meinem Familienleben mit meinen Eltern erzählen.

Als Kleinkind war ich schwer krebskrank. Mit einem halben Jahr wurde bei mir Neuroblastom diagnostiziert. Ich habe hier eine lange Narbe, und auch hier eine weitere Narbe, wo mir die Medizin direkt eingeflößt wurde. Der Punkt ist, dass ich mit einem halben Jahr schwer krebskrank wurde. Die Ärzte rieten meinen Eltern sogar, Abschied zu nehmen. So standen meine Eltern damals – in einer sehr schwierigen Situation. Ich selbst habe nicht viel davon mitbekommen.

Neuroblastom ist eine Form von Nervenkrebs. Ich war innerlich überall verkrebst, unter anderem um das Herz herum. Meine Eltern waren damals junge Christen, etwa Mitte zwanzig, und noch nicht lange gläubig. Plötzlich kam ein Sturm in ihr Leben. Es scheint, als gefalle es Gott, gerade jungen Christen einen solchen Sturm zu schicken. Warum? Und warum gerade diese Aussage der Ärzte, Abschied zu nehmen? Wir wissen es nicht.

Dieser Sturm entfachte in meinen Eltern einen Kampf zwischen Beten, Hoffen, Harren und Zweifeln. Gott schien auf sich warten zu lassen. Monate vergingen, während ich schwer verkrebst war und dem Tod nahe. Ein halbes Jahr lang gab es Nächte voller Weinen, Hoffen und Krankenhausaufenthalten. Meine Eltern konnten nicht zur Arbeit gehen, sondern mussten die ganze Zeit bei mir bleiben. Sie fragten: „Gott, warum?“ Und dennoch gefiel es Gott, diesen Sturm in ihr Leben zu bringen.

Am Ende schenkte Gott die Heilung. Drei Tage vor meinem ersten Geburtstag konnte ich das Krankenhaus verlassen – zu Gottes Ehre. Er hat es getan.

Worum es mir hier geht: Manchmal sendet Gott Stürme in unser Leben, ohne sofort eine Antwort zu geben. Manchmal müssen wir unter großem Druck ausharren. So wie eine Säule, die eine Last trägt, die sie nicht ablegen kann. Sie muss standhalten und darf nicht weichen. Auch Jesus wartete sechs bis zwölf Stunden, bis er seine Jünger schließlich erlösen konnte.

„Gott, warum machst du das?“ Diese Frage bleibt oft offen. Wir wissen es nicht immer sofort. Am Ende aber werden wir die Antwort sehen.

Im Kontext der Jünger gibt es dabei zwei wichtige Punkte: Zum einen dient es der Prüfung ihres Glaubens, zum anderen zur Verherrlichung Gottes. Das werden wir am Ende noch sehen.

Die Reaktion der Jünger auf Jesus’ Erscheinen und die Bedeutung des Glaubens

Nun, wie verhalten sich die Jünger, als Jesus endlich kommt? Er hat die ganze Zeit für sie gebetet. Nach einer langen Zeit macht er sich auf den Weg. Er kommt, tritt in den Sturm der Jünger, und wie verhalten sie sich?

In Vers 26 und 27 heißt es, ich habe es schon zuvor erwähnt: „Und als sie Jesus auf dem See wandeln sahen, erschraken sie und sprachen: Es ist ein Gespenst.“ Ich finde das sehr interessant. Wo ist der Glaube der Jünger? Wo ist ihr Vertrauen? Wo ist das Rechnen mit Christus, das Vertrauen darauf, dass er in ihrem Leben eingreift?

Wenn ich mit allem rechne, sogar mit Gespenstern, aber nicht mit Christus – das ist wirklich bemerkenswert. In der Parallelstelle Markus 6,51-52 steht: „Und er stieg zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich. Sie aber erstaunten bei sich selbst und verwunderten sich.“ Sie waren erstaunt und verwundert, aber das Resümee folgt sofort: „Denn sie waren nicht verständig geworden durch die Brote, denn ihr Herz war verhärtet.“

Das ist im Grunde das, was Jesus über ihr Leben sagen muss: Sie haben nichts verstanden. Zuvor das Wunder mit den Broten, jetzt der Sturm, Christus macht sich auf, sie glauben nicht an ihn, sondern an einen Geist. Am Ende muss Jesus sagen: Sie haben nichts verstanden, weil ihr Herz hart ist gegenüber dem Glauben.

Das ist eine wichtige Anwendung für uns: Wenn wir wie die Jünger im Sturm sind, sollten wir zuerst flehen, dass Gott sich offenbart und Christus zur Hilfe kommt. Wir sollten damit rechnen, dass er uns sieht und für uns betet, damit sein Ziel erreicht wird. Doch wenn er eingreift, dürfen wir nicht hartherzig sein. Stattdessen sollten wir darum bitten, das Wirken Christi anzuerkennen – und nicht wie die Jünger mit Gespenstern oder allen möglichen anderen Dingen rechnen, nur nicht mit Christus.

Lasst uns kein hartes Herz haben wie diese Jünger. Darum können wir wirklich beten. Wenige Stunden zuvor haben sie gesehen, wie Jesus ein Wunder tut: Er speist 5000 Männer, Frauen und Kinder waren dabei noch nicht eingerechnet. Jetzt sind sie in ihrem eigenen Sturm. Der Herr kommt zu ihnen, doch sie halten ihn für ein Gespenst. Sie rechnen nicht mit ihm, sie glauben im Grunde nicht an ihn.

Petrus’ Schritt des Glaubens und die Herausforderung des Vertrauens

Jesus steigt nun in dieses Lebensboot ein, und das Boot beruhigt sich. Davor geschieht jedoch noch etwas anderes: Petrus kommt hinzu und tut eigentlich das Einzige Richtige – er möchte glauben.

Lesen wir die Verse 28-31, denn hier sehen wir, wie Petrus in seinem Sturm reagiert. Jesus gibt sich zu erkennen, und Petrus sagt in Matthäus 14,28-31:
„Petrus aber antwortete und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen! Und er sprach: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen.“

Dann kommt eine Wendung. Was Petrus im Sturm seines Lebens tut, ist, dass er Christus anbetet. Christus gibt ihm ein Wort, dass er kommen darf. Petrus klammert sich an das Wort Christi: „Du darfst kommen!“ So kann Petrus übers Wasser laufen. Plötzlich steht er in seinem Sturm auf festem Fundament – auf dem Fundament des Glaubens.

Er kann seinen Sturm mit der Bibel bewerten. Das ist es, was Petrus hier tut. Er kann auf dem Wasser laufen. Doch unser Problem ist, dass es in unseren Prüfungen oft so ist: Wenn wir auf Gottes Wort harren, seine Verheißungen annehmen und ihm vertrauen wollen, kann es trotzdem passieren, dass wir wie Petrus, der auf Christus schaut und über den Sturm laufen kann, plötzlich doch nach links und rechts blicken und wieder die Realität des Sturmes sehen.

Das ist genau das, was passiert: Als Petrus den starken Wind sah, fürchtete er sich. Der Glaube schwand, und er begann zu sinken. Christus rettete ihn, tadelte ihn aber auch, und dann steigt Jesus ins Boot.

Eine gute Anwendung daraus ist, dass wir, um in unseren Stürmen gewappnet zu sein – so steht es in Kolosser 2,6-7 –, in Christus verwurzelt sein müssen. Wir müssen Christus kennen. Wenn wir wirklich wissen, wie Christus ist und ihn durch sein Wort kennen, können Stürme kommen. Sie können unangenehm sein, doch wir haben Hoffnung, weil wir ihm vertrauen und ihn kennen.

Paulus schreibt im Kolosserbrief: „Seid verwurzelt in Christus und gefestigt.“ Warum? Es werden Stürme kommen – auch in deinem Leben. Wenn diese Stürme kommen, müssen wir in Christus so verwurzelt sein, so tief in seinem Wort, dass wir, wenn Christus eingreift, nicht an ein Gespenst denken, sondern an Christus.

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Wenn Stürme toben, sieht man oft im Wald, dass Bäume umgefallen sind. Häufig sind es Bäume, die zwar breite Wurzeln haben, aber keine tiefen. Diese Bäume sind sehr breit und flach, aber sie reichen nicht tief in die Erde. Solche Bäume kippen leicht um.

So kann es auch bei uns sein. Wir haben vielleicht ein sehr breites Bibelwissen und einen weit gefassten Glauben. Doch wenn das alles nicht in die Tiefe geht, kommt ein Sturm, und er reißt uns mit. Wir haben vielleicht viel gehört, aber unser Glaube wurde nicht durch vorherige Prüfungen gefestigt. Wenn wir dann keinen Halt mehr haben, verlieren wir den Halt in unseren Stürmen.

Wisst ihr, welche Bäume oft sehr tiefe Wurzeln haben? Es sind meistens die Bäume am Rand des Waldes. Dort, wo der Sturm mit voller Wucht vom Feld heranrast und auf die erste Baumreihe trifft. Diese Bäume, die mitten im Sturm stehen und die erste Kraft des Windes aufnehmen müssen, haben oft tiefe Wurzeln entwickelt.

Das ist kein schönes Bild, aber es zeigt: Sie sind erprobt im Sturm und haben tiefe Wurzeln. Solche Bäume haut so schnell nichts um. Ist das nicht auch unser Gebet und Wunsch? Nicht nur breit, nicht nur theoretisches Bibelwissen, sondern tief verwurzelt und erprobt in Christus.

Petrus schaut nun weg von Christus hin zum Sturm. Er beginnt zu sinken. Was macht Christus? Lässt er Petrus untergehen? Natürlich nicht. Das Erste, was er tut, ist, dass er nach Petrus greift und ihm hilft, wieder aufzustehen.

Christus lässt uns nicht untergehen – so einfach ist das. Und auch wenn dir das Wasser bis zur Nase steht – ein gutes Bild, wir wissen nicht, wie tief Petrus gesunken ist –, so bete, dass dein Glaube nicht aufhört.

Abschluss: Die Verherrlichung Gottes durch Stürme im Leben

Nun habe ich die Predigt mit dem Gedanken der Wiederholung begonnen. Wir haben bereits das Prinzip der Wiederholung bei der Speisung der 5000 gesehen. Plötzlich fordert Christus sie ins Boot auf. Hier erkennen wir erneut eine Wiederholung: Der Glaube wird erprobt und wiederholt. Das ist das erste Ziel der Stürme.

Das zweite Ziel der Stürme in unserem Leben finden wir im abschließenden Vers, nämlich in Vers 31. Hier sehen wir die Frucht des gesamten Kapitels 14, Vers 33.

Das erste Ziel ist also: Stürme in unserem Leben erproben uns. Sie geben uns aber auch eine neue Sicht. In 1. Petrus 1 wird gesagt, dass wir uns einmal jubelnd freuen werden, wenn unser Glaube erprobt und geläutert wurde. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist Vers 33: Da kamen die, die im Schiff waren, und was tun sie? Sie warfen sich anbetend vor ihm nieder und sprachen: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“ Seht ihr, sie haben Gottes Erkenntnis durch die Stürme in ihrem Leben gewonnen. Sie haben Gott besser kennengelernt. Sie haben ihn im Sturm kennengelernt und nicht nur das – sie haben ihn verherrlicht und angebetet.

Das Endziel ist, dass sie auf die Knie gefallen sind und Christus von ganzem Herzen die Anbetung gegeben haben. Christus führt uns in den Sturm, aber er rettet uns auch aus dem Sturm. Am Ende dient alles seiner Verherrlichung. Am Ende erhält er die Anbetung.

Manchmal zeigt Christus uns so sehr unsere Schwäche. Manchmal lässt er uns so tief sinken, dass wir nur noch mit dem Angesicht auf dem Boden liegen können, um uns dann seine Stärke zu zeigen. Versteht ihr den Gedanken? Manchmal macht er uns so klein, damit wir am Ende seine Stärke erfahren und ihn anbeten können. O Christus, Ehre sei dir!

Wisst ihr, als ich damals krebskrank war, hatten meine Eltern sehr sicher eine kurze oder längere Zeit der Traurigkeit – etwa ein halbes Jahr. Aber als der Glaube geprüft wurde und ich geheilt wurde, hatten sie erstens einen stärkeren Glauben. Zweitens wird bis heute Gott dafür angebetet. Versteht ihr den Gedanken des Sturms? Bis heute wird Gott dafür angebetet. Nicht täglich und so, aber grundsätzlich ja.

Versteht ihr den Sinn der Stürme in unserem Leben? Wie unangenehm sie auch sind und wie wenig wir sie uns wünschen. Wir müssen sie uns auch nicht wünschen. Aber wenn Gott einen Sturm in unser Leben bringt, dann nicht zufällig. Genauso wie die Jünger nicht zufällig das falsche Boot gewählt haben, sondern sie wurden hineingezwungen. Sie wurden hineingezwungen.

So komme ich zum Schluss und möchte das Ganze noch einmal persönlich für uns anwenden. Ich möchte die Frage stellen: Wo stehst du gerade in deinem Leben? Jeder von uns durchläuft verschiedene Phasen. Der eine kommt gerade frisch aus dem Sturm, der andere befindet sich in seiner persönlichen Wüste. Der eine macht Fortschritte im Glauben und wächst, der andere merkt, dass Gott gerade dabei ist, ihn ins Boot zu nötigen – und du wehrst dich vielleicht gerade.

Wenn wir heute diesen Gottesdienst verlassen, möchte ich, dass wir festhalten: Es ist Gott, der uns in Stürme führt. Er lässt diese Nöte nicht nur zu, sondern es ist sein Wille, dass sie geschehen. Er lässt sie nicht nur zu – es ist sein Wille. Das ist so wichtig. Gott nötigt uns in den Sturm.

Und was auch wichtig ist: Bei dem, was dich vielleicht gerade belastet, hat der Herr den Überblick über deine Situation – so wie er den Überblick über den See hatte. Der Herr Jesus steht dir bei, indem er für dich eintritt, für dich betet und vor dem Vater ringt.

Wir dürfen in unserer Lebenssituation – wir müssen sogar – Christus mehr vertrauen als dem Sturm. So wie Petrus, der es nicht tat oder zumindest kurz nicht tat. Ja, wir dürfen Christus mehr vertrauen, seinem Wort mehr vertrauen als unseren Gefühlen. Das ist oft das, was wir nicht tun – was ich oft nicht tue.

Dann dürfen wir, wenn Christus uns rettet, anbetend vor ihm niederfallen. Wir freuen uns daran, dass wir ihn mehr kennengelernt haben als die Jünger, die sagen konnten: „Wahrhaftig, jetzt wissen wir es, du bist wirklich Gottes Sohn.“ Wir lernen Christus mehr kennen, und am Ende beten wir ihn dafür an.

So soll die Predigt heute Ermutigung für uns sein. Ermutigung. Amen.