Zum Inhalt

Lukas 12, 22-34 und 18, 1-8

Lukas 12,22-3401.01.2004
SerieTeil 6 / 7Familienfreizeit 2004
Sorgen fressen dir den Alltag auf – aber lösen nichts. Jesus fragt: Was ist dir wirklich wichtig, wenn Geld, Zukunft und Sicherheit nicht in deiner Hand liegen?

Einführung in das Thema und die Textauswahl

dazu einladen, mit mir Lukas 12 aufzuschlagen. Ich möchte mit euch Lukas 12,22-34 besprechen. Und wenn wir nachher noch Zeit haben, dann schauen wir auch noch Lukas 18,1-8 an. Wenn nicht, dann machen wir vorher Pause.
Diesen Text, den ich hier herausgesucht habe, habe ich nicht deshalb ausgewählt, weil ich gewusst hätte, dass heute da und dort bei dem einen oder anderen ein paar Probleme auftauchen würden. Das, was ich jetzt auch noch nicht erwähnt habe, ist, dass es gestern bei einer Autowaschaktion, das haben vielleicht auch einige mitbekommen, einen kleinen Unfall gegeben hat. Dabei war Mario mit seinem Auto mitbetroffen, und noch ein anderes Auto war ebenfalls betroffen und hinterher etwas beschädigt.
Schon bevor die Freizeit angefangen hat, habe ich mir gedacht: Heute Abend möchte ich diesen Text auswählen. Und wenn ihr hineingeschaut habt, dann habt ihr gesehen, dass es um das Sorgenmachen geht. Gerade angesichts solcher Dinge kann man sich ja Sorgen machen, nicht? Denn Sorgen sind ja nicht immer nur etwas für Menschen, die hoffnungslos depressiv sind. Es gibt manchmal ganz real einen äußeren Anlass, warum wir uns Sorgen machen können.
Hier will uns Jesus etwas mitgeben: wie wir mit Sorgen umgehen sollen, in welchem Rahmen Sorgen berechtigt sind und in welchem Rahmen Sorgen für uns und unser geistliches Leben schädlich sind. Ich möchte zuerst einmal diesen Text lesen und dann einige Gedanken dazu weitergeben.
Parallel dazu finden wir im Matthäusevangelium, Kapitel 6, ab Vers 19, ähnliche Gedanken. Auch im 1. Timotheus 6,6 und in Hebräer 13,5 finden wir ganz ähnliche Aussagen über unseren Umgang mit Sorge in unserer Beziehung zu Gott.

Der unmittelbare Zusammenhang im Lukasevangelium

Ich gebe auch einen kleinen Einblick in das, was vor diesem Abschnitt steht. Es ist die Herausforderung, sich zu einem Bekenntnis für Jesus Christus zu bekennen und sich für Jesus Christus einzusetzen. Dann, ab Vers 13, also in dem Absatz direkt davor, kommt jemand zu Jesus und fordert ihn auf, Erbstreitigkeiten zu regeln.
Es geht also auch hier um Sorgen. Es geht insbesondere um finanzielle Streitigkeiten, sozusagen um Habsucht, die den Menschen zerfressen kann. Danach erzählt Jesus das Gleichnis des reichen Narren oder, wie es in manchen Bibeln überschrieben steht, des reichen Kornbauern. Auch da geht es ja um Sorgen.
Sowohl das Gespräch, das Jesus mit demjenigen führt, der sich um sein Erbe sorgt, als auch das Gleichnis, das Jesus über den reichen Kornbauern erzählt, drehen sich um Sorgen. Da hat nämlich jemand Sorgen für seine Zukunft, ob er genügend zu essen und zu trinken und Versorgung für sein Alter hat. Und gerade wenn es um die Sache des Alters geht, da kann man sich ja erinnern: Wie wird das mit der Rente aussehen, wenn ich mal ins Rentenalter komme? Gibt es dann überhaupt noch eine, oder müsste ich irgendwo auf der Straße betteln? Das könnten wir verstehen.
Und wir können auch verstehen, dass dieser Mann froh ist, wenn er viel angesammelt hat und das für sein Alter aufhebt. Nur sagt Gott zu ihm: Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich deine Seele von dir fordern. Er hatte zwar für die Rente ausgesorgt, aber er brauchte sie nicht mehr, weil er vorher in den Himmel abberufen worden ist. Und deshalb wird er von Gott als Narr bezeichnet. Und das hat ja auch mit Sorgen zu tun.
Bei diesem Mann sehen wir: Er hat sich um die falschen Sachen gesorgt. Erst einmal, weil er sie gar nicht mehr brauchte. Das wusste er natürlich nicht. Aber das Zweite, und das war das Schlimmere, war, dass er sich nicht um die richtigen Sachen gesorgt hat, die noch viel wichtiger für sein Leben sind, nämlich um seine Seele. Und deshalb wird ja auch gesagt: Du Narr.
Er kommt in den Himmel. Habe ich gesagt, er kommt in den Himmel? Aber wirklich? Oh ja, das war jetzt schon ... Ich habe gerade versucht nachzudenken, woher Paul weiß, ob er in den Himmel kommt, weil das Gleichnis das ja eher nicht nahelegt. Also dann vielen Dank für die Korrektur. Nein, da müsste ich jetzt nicht sagen, abberufen in den Himmel. Ja gut, vielleicht für das Gericht Gottes, wenn ich mich verbessere, so einen Ausweg dann noch finde irgendwie, ja. Also zumindest sagen wir: Er wird von der Erde abberufen, das ist vielleicht einfacher. Er wird von der Erde abberufen, und dann wird er vor das Gericht Gottes gerufen, und da schilt ihn Gott ja als Narr.
Also können wir eher davon ausgehen, dass er nicht zu denen gehört, die an Gott glaubten und ihr Leben mit ihm führten. Und nachdem er dieses Gleichnis erzählt hatte, kommt danach eine allgemeine Abhandlung über den Umgang mit Sorgen. Also können wir davon ausgehen: Jesus nimmt dieses Gespräch mit demjenigen, der das Erbproblem hat, erzählt ein Gleichnis und führt nachher lehrmäßig einige Gedanken an, um damals den Zuhörern zu helfen, mit Sorgen umzugehen, und um uns heute zu helfen, auf diese Sorgen richtig zu reagieren.

Der Text und seine erste Einordnung

Ab Vers 22 sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um den Leib, was ihr anziehen sollt. Das Leben ist mehr als die Speise, und der Leib ist mehr als die Kleidung.
Betrachtet die Raben: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben weder Speicher noch Scheune, und Gott nährt sie doch. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, warum sorgt ihr euch um das Übrige?
Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen: Sie mühen sich nicht und spinnen nicht. Ich sage euch aber, selbst Salomo ist in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen. Wenn aber Gott das Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen!
Und ihr sollt auch nicht danach trachten, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und euch nicht beunruhigen. Denn nach all diesem trachten die Heidenvölker der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr diese Dinge benötigt. Trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes. So wird euch dies alles hinzugetan werden.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz, der nicht vergeht, im Himmel, wo kein Dieb nachkommt und keine Motte ihr Zerstörungswerk treibt. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Erste Reaktionen auf die Worte Jesu

Eigentlich sind ja viele der Formulierungen, die Jesus hier erwähnt und nennt, erst einmal schockierend. Wahrscheinlich sind sie beim ersten Hören insbesondere schockierend für einen Schwaben, nicht?
Und es gibt ja hier auch ein paar Dinge, denn für einen Schwaben ist doch, so sagt man sprichwörtlich weiter im Norden: Schaffe, schaffe, Häusle baue, das ist das Wichtigste. Und hier wird das gerade kritisiert.
Na ja, wobei zugegebenermaßen das Häuslebauen ja nicht direkt erwähnt wird, sondern es geht um noch viel grundlegendere Sachen des täglichen Lebens, nämlich um Essen und Kleidung, die Jesus als Beispiel ernimmt. Das heißt auch nicht, dass es nun falsch sei, generell für Essen und Kleidung zu sorgen, denn wir müssen die Bibel natürlich im Zusammenhang lesen. Und wir sehen andere geradezu schwere Ermahnungen im Neuen Testament: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen, zum Beispiel. Oder wenn wir ins Alte Testament gehen: Geh hin zur Ameise, du Fauler, und lerne von ihr.
Also ist es hier kein Vorschub, den Jesus leisten will, für Faulheit oder für nachlässige Vorbereitung, für mangelnde Vorsorge da, wo wir sie überschauen können. Nein, das Thema, das Jesus hier besprechen will, ist die Sorge. Es geht nicht darum, dass wir etwas unternehmen, um uns vorzubereiten auf eine Situation, die absehbar ist, auf die wir uns vorbereiten müssen. Meinetwegen die Frau, die morgens aufsteht und weiß, es wird irgendwann mal Mittag, und dann gibt es zwölf Uhr, und sagt: Ich will mich nicht sorgen für das Mittagessen. Und dann ist irgendwann Mittag, und sie hat sich nicht gesorgt, aber das Mittagessen ist auch nicht da.
Oder ich könnte sagen: Vielleicht der Mann, der sich nicht um sein Auto sorgen will und sagt, Jesus hat gesagt, Sorge ist überflüssig, also mache ich keine Inspektion mehr, ich mache keinen Ölwechsel mehr, ich mache keinen Bremsenwechsel mehr, keinen Reifenwechsel, alles nicht mehr, ich glaube nur noch. Nein, das ist eher Gott versuchen als Gott vertrauen. Das ist eher Faulheit als mangelnde Sorge.
Also das hier ist jetzt kein Freispruch für Phlegmatiker oder so etwas, sondern dieses hier ist eine Auseinandersetzung für Menschen, die sich Sorgen machen. Und mit Sorge ist vielmehr gemeint: so viel wie unnötige Angst, wie in einer dringenden Aktivität gefangen zu sein, ohne dadurch real etwas erreichen zu können.
Jemand, der sich Sorgen macht, der ist in einer intensiven Auseinandersetzung, die manchmal selbst Leid hervorbringt. Sorge kann, und das kennen wir alle, zu Schlaflosigkeit führen, kann zu einer physischen Erschöpfung führen, zu innerer Bitterkeit, zu Aufregung, die sich dann außen in Lärm äußert, dass ich nun die Türe klappe und andere anschreie, weil ich innerlich angespannt bin. Das können alles Auswirkungen von Sorgen sein, die ich mir mache.
Es ist gerade das Gegenteil von dem, dass ich innerlich in Ruhe bin, in Frieden bin, in Ausgeglichenheit bin. Meistens führen die Sorgen dazu, dass gerade diese geistlichen Tugenden, die der Heilige Geist uns bewirken will, in den Hintergrund treten. Und gerade deshalb beschäftigt sich Jesus damit.
Diese Sorgen des Alltags, die da sein können, oder Sorgen bezüglich Krankheit, Tod, Zukunft, die werden jeden von uns früher oder später mal erreichen oder versuchen es zumindest, und sie sind auch nicht ganz irreal. Aber sie sollen uns nicht kaputt machen, sollen unsere Beziehung zu Gott nicht zerstören und sollen auch unser Vertrauen in Gott nicht kaputt machen oder uns Zeit wegnehmen für Dinge, die Gott uns eigentlich aufs Herz gelegt hat.
In unserer modernen Zeit sind die Sorgen sogar noch verstärkt, weil wir in einer Zeit leben, die Gott vergessen hat, die das Jenseits geleugnet hat und wo alles nur im Diesseits geregelt werden muss, da, wo es keinen Gott gibt scheinbar, an den man sich wendet. Und da kommt der Mensch noch mehr in Ängste hinein. Denn alles, was es um ihn herum gibt, muss er selbst in die Hand nehmen.
Viele Menschen haben Angst, weil sie in Einsamkeit sind, weil sie merken, dass sie eigentlich allein gelassen sind, niemand wirklich an ihnen interessiert ist, manchmal nicht einmal der Ehepartner oder die Kinder. Es ist dann manchmal die diffuse Angst, wenn jemand die Nachrichten hört, die Zeitung liest und nicht ganz genau weiß, wie gehe ich damit um, über all diese schlechten Nachrichten damit zurechtkommen zu können.
Manche ziehen sich zurück, wie die Zukunftsforscherin Faith Popcorn das gesagt hat und hat das mit dem Begriff Cocooning umschrieben: einfach in die eigenen vier Wände. Ich stelle das Fernsehen ab, sobald da etwas Negatives kommt, das Radio auch, Zeitung abonniere ich nicht mehr, und sobald ich aus der Arbeit bin, dann schaffe ich mir eine schöne kleine, kleine heile Welt. Ich lebe.
Das ist auch ein Umgang mit Sorge, aber der ignoriert ja mehr die Welt da draußen, und das will Jesus auch nicht unbedingt.

Zwischen berechtigter Vorsorge und lähmender Angst

Also, wir haben jetzt dieses Gegenüber gesehen: auf der einen Seite die berechtigte Sorge, zu der wir aufgefordert sind, also die Sorge für das, was ich selbst in der Hand habe und selbst tun kann, für heute. Das, was ich mache, indem ich das Haus sauber mache, indem ich das Essen koche, indem ich zur Arbeit gehe, indem ich das Auto repariere oder wasche. Ich glaube, das sind Dinge, die ich tun kann und die ich tun soll. Alles andere wäre Faulheit, die in der Bibel nicht gerechtfertigt, sondern verboten wird.
Das ist auch kein Leichtsinn oder Verschwendungssucht oder so etwas. Wir finden sogar, dass man gut planen soll. Denken wir an das Gleichnis Jesu von dem Heerführer, der losgeht und plötzlich während seiner Schlacht merkt, dass er vorher nicht daran gedacht hat, dass der andere doppelt so viele Soldaten hat. Oder denken wir an den, über den Jesus sich dort lustig macht, der einen Turm bauen will und plötzlich während des Baus merkt, dass er kein Geld mehr hat. Oder denken wir an die Aufforderung für den treuen Haushalter mit den anvertrauten Funden: Wir sollen mit den Funden wirtschaften, wir sollen sie nicht vergraben, wir sollen sie einsetzen. Wir werden also schon zur Aktivität herausgefordert.
Aber hier will uns Jesus gerade nicht zeigen: Tu etwas. Sondern er will uns zeigen, wo die Grenzen sind, wo eben das Tun zur Sorge wird, die lähmt und die nichts verändert.
An der realen Situation, mit der wir zu tun gehabt haben, gab es damals zur Zeit des Neuen Testaments verschiedene Gruppen von Menschen, die ihre Antwort auf den Umgang mit Sorgen gehabt haben. So zum Beispiel die Zyniker. Die haben gesagt: Am besten ist, man lebt in vollkommener Armut, denn dann braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen. Denn wenn du gar nichts hast, worüber willst du dich sorgen? Es gibt ja nichts, worüber du dich sorgen kannst. Du kannst sagen: Ja gut, ich habe nichts zu essen. Ja, dann hast du halt nichts zu essen. Das gibt es nicht mehr. Und du brauchst dich nicht zu sorgen, dass das Haus einstürzen könnte, du hast keines. Dass das Geld weggenommen wird, hast du auch keines. Dass deine Kleidung verloren geht oder zerrissen wird, ja, du hast sowieso nur, was du jetzt anhast. Also keine Sorgen.
Das ist aber nicht, was die Bibel meint. Es gab auch die Essener zur Zeit des Neuen Testaments, die allen Besitz miteinander geteilt haben. Das ist auch nicht einfach die Antwort, die die Bibel dabei gibt, sondern es sind andere.
Also, er spricht zu seinen Jüngern. Die Jünger sind ja seine Nachfolger. Wir müssen also auch davon ausgehen: Diese Ratschläge, die Jesus hier gibt, die lohnen sich nicht, um sie zu veröffentlichen für die Allgemeinheit, für die Bevölkerung in Deutschland, für unsere ungläubigen Nachbarn. Das ist eine Antwort, die hier lediglich Gläubige angeht, also Menschen, die sich auf Gott verlassen wollen.
Es werden dann mehrere Dinge aufgezählt: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Hier werden zwei Beispiele gebracht, wobei ich davon ausgehe, dass, so wie es häufig in der Bibel ist, diese Beispiele eben Beispiele sind. Man nennt das auch pars pro toto. Das heißt, dass hier nicht sein Ende hat, dass Jesus nicht sagen will: Also, sorge dich nicht ums Essen und um die Kleidung, aber sorge dich um deine Wohnung. Oder um dein Auto oder um deinen Beruf. Sondern dass Jesus das hier als Beispiele nimmt für grundlegende Dinge, die wir im Alltag brauchen und nötig haben, und wo er sagt: Mach dir darum keine Sorgen.
Wie gesagt, das heißt jetzt nicht, dass du nicht zum Bäcker gehst und das einkaufst oder zum Supermarkt. Das nicht. Sondern Sorgen heißt hier, ich habe es ja so zum Schreiben, diese ängstliche Grundstimmung, dieses innere Sich-zerfressen-Lassen, dieses immer nur Sich-darum-Drehen und dem Nachhängen, so dass du an nichts anderes mehr denken kannst und das dich blockiert im täglichen Leben. Das ist damit mit Sorgen gemeint.
Und dann sagt Jesus darauf: Das Leben ist mehr als Speise und der Leib ist mehr als Kleidung. Also will er hier sagen: Denke erst einmal an die eigentlich wichtigen Sachen. Das Leben ist mehr. Wir denken vielleicht daran, an Jesu Antwort, auch an die Versuchung des Teufels, wo er ihn herausfordern will: Mach die Steine zu Brot. Und Jesus sagt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes kommt. Das ist die Antwort hier darauf. Da will er sagen: Das ist auch das, was der Mensch nötig hat.
Und vielleicht vergisst man manchmal das über die Sorge um das Essen oder die ganz vordringlichen Dinge. Es geht hier scheinbar um so ein Gegenüber von Leib und Seele. Also der Leib ist ja mehr das Äußerliche, die Seele ist mehr dieses Innerliche. Ich würde das Erste mit dem Leben, das Wort, was hier mit Leben steht, wird häufig im Zusammenhang mit dem Leben der Seele gemeint, nicht nur mit dem körperlichen Leben. Und dann liegt auch diese Deutung nahe, dass eben diese Speise, dass Jesus sagen will: Die Speise, die ihr braucht für eure Seele, ist eben nicht nur das, was ihr esst, sondern ist auch das, was ihr von Gott bekommt.
Übrigens ist das hier auch etwa so, dass Jesus das nicht vernachlässigt. Das sehen wir ja beispielsweise im Vaterunser, dem Gebet, das Jesus lehrt. Was wir auch im Lukasevangelium ja finden, da steckt ja die Brotbitte mit drin: Unser tägliches Brot gib uns heute. Wobei hier bewusst ja auch für das tägliche Brot gebeten wird und nicht die Sorge abgenommen wird oder getilgt wird, dass es vielleicht in fünf Jahren kein Brot geben könnte bei uns zu Hause. Also dass Gott es ernst nimmt, dass wir Essen und Trinken brauchen, das ist gar nicht die Frage. Sondern hier wieder: Wir sollten uns darüber nicht in erster Linie sorgen. Und wenn wir schon Sorgen machen wollen, dann sollten wir uns über die wirklich wichtigen Sachen Sorgen machen, nämlich über das, was wir noch mehr brauchen als Kleidung und noch mehr brauchen als Essen.
Weil Jesus hier sieht, dass wir manchmal da die Prioritäten verwechseln und nicht daran denken, welche Entwicklung unsere Seele braucht, wie wir unsere Beziehung zu Gott pflegen können. Das mündet dann ja hinterher alles in Vers 31, was wir gesehen haben: trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes. Also, dass das die Grundlage ist. Das soll unsere erste Motivation sein, da sollten wir zuerst daran arbeiten. Und dann sagt er, dass hier Gott sich dann im Gegenzug für unsere Belange einsetzen wird.

Die Raben als Beispiel für Gottes Fürsorge

Betrachtet die Raben. Da wird uns als Nächstes gesagt: Sie sehen nicht, sie ernten nicht, und sie haben weder Speicher noch Scheune. Und Gott ernährt sie doch. Wie viel mehr seid ihr wert als diese Vögel?
Es ist hier eine Argumentation, die Jesus manchmal benutzt. Später werden wir sie noch einmal bei den Lilien vor Augen geführt bekommen. Jesus nimmt ein krasses Gegenüber: etwas, das ganz wenig wert ist, und etwas, das ganz viel wert ist. Dann sagt er: Wenn schon bei dem, was wenig wert ist, Gott sich darum kümmert, wie viel mehr wird er es bei dem tun, was viel mehr wert ist.
Wir kennen das auch aus anderen Aussagen Jesu, wo dann steht, wir sollen uns keine Sorgen machen, weil die Haare auf unserem Kopf gezählt sind. Ihr wisst nicht, wie viele es sind, Gott hat sie gezählt, Gott weiß es. Gott weiß auch, wenn ein Sperling zur Erde fällt. Wenn er dieses kleine Bisschen schon weiß, dann wird er sich mit dem viel Größeren ja wahrscheinlich schon noch wesentlich stärker beschäftigen. Das ist die Argumentation, die dahintersteckt.
Raben kommen in der Bibel an verschiedenen Stellen vor. Vielleicht erinnern wir uns bei Raben an die Geschichte mit Elija, der durch Raben versorgt wird. Das wäre eine Möglichkeit, dass das bei den Zuhörern, die hier aus dem jüdischen Hintergrund kamen, in Erinnerung gewesen ist. Und diese Raben, die nicht sorgen müssen, benutzt Gott im Alten Testament sogar, um einen, der sich sorgt, nämlich Elija, zu versorgen. Denn Gott weiß, wie er genug zu essen bekommt. Er benutzt diese Raben, die selbst nichts gesammelt haben, dafür, einen Menschen zu versorgen, der sich Sorgen macht. Das wäre aus dem Alten Testament eine Assoziation, die die jüdischen Zuhörer wahrscheinlich gehabt haben.
Darüber hinaus, was wir nicht wissen, was aber damals weit verbreitet gewesen war, ist, dass die Raben in zahlreichen Sprichwörtern, die es im Römischen Reich und durch den Hellenismus gegeben hat, häufig im Zusammenhang mit Abfallbeseitigung genannt wurden, weil Raben auch Aasfresser sind. Das könnt ihr sehen, manchmal, wenn da irgendwie ein Tier überfahren ist auf der Straße, und dann kommen Krähen und Raben und stehen da und fressen das auf. Also Raben sind in der damaligen Bildwelt nicht unbedingt so wie die Tauben für den Frieden oder die Adler als stark und kräftig, sondern das ist eher etwas mit Schmutz und Dreck.
Also will Jesus hier noch mehr sagen: Nicht nur irgendein Vogel wird von Gott versorgt, sondern sogar diesen Aasfresser versorgt Gott. Der muss sich nicht selbst darum kümmern. Und wenn schon der, wie viel mehr bei dir, der du doch viel wichtiger bist als dieser Vogel, den keiner in den Käfig tut, um ihn schön anzuschauen, den keiner kaufen will oder verkaufen will, den auch niemand jagt zum Essen, zumindest damals in Israel nicht und heute wahrscheinlich auch nicht. Also hier ist die Ermutigung: Denkt daran, Gott kümmert sich um ihn.
Dieser Rabe wird dem Bauern gegenübergestellt, denn schließlich geht es hier um den Bauern. Wenn wir als moderne Menschen angesprochen werden würden, dann würde hier stehen: Der Rabe geht nicht in den Lidl oder in den Aldi, der hat auch keine Kühltruhe und keinen Öltank im Keller, wenn es im Winter kalt wird oder so etwas. Das steht hier nicht. Hier wird die Gegenüberstellung von der Tätigkeit des Raben gemacht, die er eben nicht hat, und der des normalen israelitischen Landwirts damals. Denn was tut der? Er sät, er erntet und er packt das hinterher in einen Speicher hinein. Übrigens genau das, was ja auch der reiche Kornbauer tut, der vorher erwähnt wird. Und da ist dieser reiche Kornbauer gescheitert, weil er eben nicht an das Wichtigste denkt, was für ihn wichtig wäre. Diese Raben aber tun das alles nicht, was wir tun können, und trotzdem versorgt sie Gott.
Und jetzt ist wieder die Argumentation vom Geringen zum Höheren: Wir alle tun das und sollen das auch tun. Also jetzt keine Aufforderung, das nicht zu tun. Und wenn Gott den versorgt, der es nicht macht, weil Gott das einfach nicht in das Verhaltensprogramm des Tieres eingespeist hat, und wir tun das, also wir gehen unserer Arbeit nach, wir säen, wir ernten, wir sammeln, dann sollten wir uns jetzt nicht noch Sorgen machen, ob das reicht, sondern sagen: Wir haben getan, was uns möglich war, und jetzt haben wir Vertrauen auf Gott. Gott wird das benutzen, damit wir genügend haben, damit wir das haben, was wir brauchen.
Das ist die Argumentation, die dahintersteht, dass eine zu große Vorratshaltung letztendlich ein Ausdruck von Misstrauen Gott gegenüber ist. Wahrscheinlich erinnert uns einiges auch sehr daran, dass ja dasselbe Muster schon bei der Wüstenwanderung Israels auftaucht. Das ist ja genau so: Das Manna soll nicht für den nächsten Tag gesammelt werden. Keine große Vorratshaltung, weil vielleicht schlechte Tage kommen, sondern jetzt hast du die Möglichkeit, für heute zu sammeln. Und es war schlicht unmöglich, für morgen zu sammeln. Und dann sollte man es auch nicht versuchen. Bei denen, die es versucht haben, waren Würmer und Maden drin, es stank und musste weggeworfen werden. Das taugte alles nichts, außer beim Sabbat. Da durfte man es dann aufheben, und seltsamerweise hielt es sich auch für den nächsten Tag.
Wir sehen also: Generell ist es nicht verboten, für den nächsten Tag zu sammeln. Aber nur das, was in unseren Kräften steht. Die Sorge über Dinge, die wir gar nicht beeinflussen können, die zermalmen uns den Kopf, die rauben uns Lebenszeit, die halten uns auch von Gott fern. Wer aber von euch kann durch seine Sorgen seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?
Dieses Wort, das hier mit Lebenslänge übersetzt ist, ist eigentlich in dieser Übersetzung sehr gut getroffen. Ich weiß nicht, wie eure Übersetzungen das formuliert haben, weil dieses Wort sich nämlich in zwei Hinsichten übersetzen lässt. Auf der einen Seite kann es das Lebensalter bezeichnen, also wie alt du wirst. Auf der anderen Seite kann es die Körpergröße bezeichnen. Und in Lebenslänge steckt eben auch beides drin im Deutschen. Ich kann sagen: Lebenslänge, also so, wie ich jetzt bei lebendigem Leib groß bin, und die Lebenslänge in die Zukunft ausgerichtet. Dieses Wort kann beides bedeuten, und es gibt jetzt verschiedene Gründe, die für das eine oder für das andere sprechen.
Wir könnten sagen, weil später von der Elle geredet wird, was ja ein Längenmaß ist, also von hier bis dort, das ist die Elle, wir könnten jetzt sagen: Je nachdem 30, 40 Zentimeter, bei manchen etwas länger, bei anderen etwas kürzer, das könnten wir zu unserer Körpergröße dazutun. Denn man misst das Lebensalter eher in Stunden, Tagen oder Jahren. Nur das Problem wäre: Es steht nachher, wenn ihr nicht einmal dieses Geringe tun könnt. Also scheinbar soll es eine geringe Sache sein, der Körpergröße eine Elle hinzuzutun. Das passt wieder nicht. Da merken wir: Nein, das stimmt dann eher für die Lebenslänge dazu, nicht so sehr für die Körperlänge.
So würde ich es auch eher deuten. Gott will uns damit sagen: Wir können unserem Leben in seiner Dauer nichts dazu tun. Aber die Deutung stelle ich euch frei. Ihr könnt euch auch gerne der Deutung anschließen, die sagt, es ist die Körpergröße, denn bei der verhält es sich im Normalfall auch nicht anders, also zumindest wenn ihr ausgewachsen seid. Wenn ihr Kinder habt und die nicht so groß wachsen, dann kann man sie ja mit Hormonen behandeln und so weiter, und in einigen Fällen bewirkt das dann auch eine größere Körpergröße. Aber Jesus will hier ein Beispiel nehmen. Er will nicht sagen: Weil es heute in der modernen Medizin möglich ist, Körpergröße in gewissem Maße zu verändern, gilt nicht mehr das, was er bezüglich der Sorge sagen will.
Deshalb würde ich hier lieber das Lebensalter erwähnen, weil andere Aussagen, gerade die Parallelstelle im Matthäusevangelium, auch noch mehr auf das Lebensalter zielen. Wenn wir das Lebensalter nehmen, dann müssten wir sagen: Tatsächlich können wir trotz all unserer Bemühungen der Länge unseres Lebens nichts hinzufügen. Das klingt ja jetzt erst einmal frustrierend, oder?
Einige von uns würden jetzt vielleicht schon leichtfertige Gedanken hegen und sagen: Na ja, dann kommt es ja nicht mehr darauf an, kein Sport mehr, keine gesunde Ernährung mehr, auf der Autobahn kann ich zweihundert fahren und die Augen zumachen, denn ich sterbe erst dann, wenn Gott es will. Wäre eine Möglichkeit, aber dann sündigst du, denn Gott sagt ja, du sollst auf deinen Körper Acht haben, du sollst Gott nicht versuchen, du sollst auch nicht andere Leute in Gefahr bringen usw. Also gibt es ja einige Aussagen, da sündigst du ständig. Das ist also keine Variante.
Wir sollten schon auf diese Sachen achten, soweit wir es können. Aber wir sollten uns auch nicht um die Sorge der Länge unseres Lebens so zermalmen, dass wir unser ganzes Leben nur noch danach ordnen, möglichst alt zu werden. Also ein genau ausgefeiltes Programm von diesem und jenem und dem und dem, damit wir möglichst alt werden. Also möglichst irgendwo nach Kanada ziehen, wo wenig Umweltverschmutzung ist, und dort unser Gemüse selbst anbauen und jeden Morgen dann ein bisschen durch den Wald laufen, joggen oder rudern oder so etwas. Das könnten wir machen. Vielleicht würden wir sogar etwas älter werden, aber wir haben gar nicht danach gefragt: Ist das denn der Platz, an dem Gott uns haben will?
Wir könnten möglicherweise dort die Braunbären evangelisieren, aber nicht dem Auftrag Jesu nachkommen, die Nachbarn da, wo wir jetzt wohnen, zu Gott zu rufen. Und dann merken wir: Hier ist wieder die Akzentverschiebung. Also Länge des Lebens: Wir sollen das tun, was uns möglich ist. Aber wir müssen gewiss sein, Gott bestimmt eigentlich über die Länge unseres Lebens. Gott ist derjenige, der das Leben gibt, und Gott ist derjenige, der das Leben nimmt.
Übrigens gibt uns das auch ein bisschen Freiheit bezüglich der modernen Medizin, die ja manchmal den Eindruck erweckt, sie könnte bestimmen, wann ein Mensch stirbt. Nein, ich glaube, da müssen wir sagen: Gott ist es, der das bestimmt. Er hat es zugesagt, er hat das Leben gegeben, wann er wollte, wie er wollte, und er wird es auch wieder nehmen. Da brauchen wir weder zu viel Hochachtung noch zu viel Angst vor der modernen Medizin zu haben. Das heißt nicht, dass es da nicht auch problematische Dinge gibt, aber zumindest können wir sicher sein: Nicht der Mediziner bestimmt, wann du stirbst, sondern Gott bestimmt, wann du stirbst.
Und da könnt ihr genügend Beispiele nehmen, auch wenn Leute in der intensivmedizinischen Station sind und nun die Ärzte fragen: Was kann man tun, damit er weiterlebt? Ja, und plötzlich ist er tot. Ein besonders beeindruckendes Beispiel habe ich in Erinnerung aus der Zeit, als ich noch an der Universität studiert hatte. Ich hatte eine Zeit lang auch so ein medizinethisches Seminar bei den Medizinern besucht, das fand ich ganz interessant. Damals war gerade das Erlanger Baby in der Diskussion. Es gab dann auch große Diskussionen, stundenlang mit den Medizinern und den Philosophen usw. dort. Und das Erlanger Baby, das war so, dass eine junge Frau einen Verkehrsunfall gehabt hatte, die, nachdem man sie ins Krankenhaus eingeliefert und wiederbelebt hatte, hirntot war. Aber man hatte im Krankenhaus festgestellt, dass sie schwanger war, und das Baby, also der Embryo im Bauch, lebte noch.
Jetzt war die große Diskussion darüber, ob man bei dieser Frau die Apparate abschalten darf oder nicht, denn dann stirbt das Baby ja auch, und das Baby ist ja noch gesund. Aber das Baby ist noch nicht so weit, dass man es gebären kann, denn es müsste noch im Bauch sein. Dann ging das wochenlang, und die Mutter wurde künstlich am Leben erhalten. Oder man könnte eben sagen: Die Mutter, die einen würden ja sagen, die Leiche wurde da gemacht, und die anderen würden sagen, die Mutter, je nachdem, ob du sagst, sie ist tot oder nicht, die Frau. Und dann hat man lange gesagt, was man tun will, und schließlich hat Gott einfach gesagt: Nein, Schluss. Es gab eine kleine Infektion, man ist daran nicht Herr geworden. Baby und Mutter sind verstorben, beziehungsweise die einen würden sagen, die Leiche ist verstorben und das Baby ist verstorben.
Ihr seht hier schon: Meine Wertung bezüglich dieser Sache ist ein bisschen anders, als das die Ärzte getan haben. Aber da würde ich auch wieder sagen: Hinterher habe ich gedacht, ja, lange Diskussion, lange Ethikseminare dabei, aber wenn Gott will, dann ist Schluss. Da kann man machen, was man will.
Und hier würde ich auch sagen, dass uns gesagt werden soll: In unserer Lebenslänge können wir keine Elle, kein Bisschen, keinen Tag, keine Minute hinzufügen, sofern Gott das nicht segnet, sofern Gott das nicht will. Und deshalb soll uns gesagt werden: Dann ist es auch unsinnig, zu sorgen. Also warum willst du dich um etwas sorgen, was du gar nicht beeinflussen kannst? Das ist eine überflüssige Sorge. Die macht dein Leben kaputt, nimmt dir deine Lebensqualität, trübt deine Beziehung zu Gott. Du kannst ja gar nichts daran ändern, das ist ja Gottes Sache. Also mach dir nicht Gedanken über Dinge, die nicht deine Angelegenheit sind, sondern Gottes. Das ist das, was hier gesagt wird.
Und es gibt Menschen, die sich das Leben zur Hölle machen über Dinge, die letztendlich entweder gar nicht eintreffen, das gibt es ja auch: Man macht sich ganz lange Sorgen, was könnte jetzt alles passieren, und die treffen gar nicht ein. Und es gibt andere Leute, die machen sich über Sorgen Sorgen, die sie trotz aller Sorgen nie beeinflussen können. Und hier ist eben das Beispiel der Lebenslänge gemeint.
Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, also hier sagt Jesus ja dabei: Das ist ja eigentlich eine Kleinigkeit, nicht für uns, aber für ihn, weil er kann ja mit einem Mal bestimmen, zack, da fällt jemand tot um. Denken wir an Ananias und Saphira, die kommen wohlgesundet an, die haben vielleicht am Morgen noch ihren Frühsport gemacht und ihr Müsli gegessen oder so, und kommen da jetzt hin und zack, da fallen sie tot um, weil Gott sagt: Dein Leben ist vorbei. Du hast mich geistlich versagt, und jetzt wird ein Exempel statuiert. Übrigens heißt das nicht, dass Müsli schlecht sei, aber vielleicht nehmen wir einfach mal an, sie seien jetzt gesundheitsbewusst gewesen. Und da merken wir: Es ist in Gottes Hand.
Und genauso soll das hier auch gesagt werden. Also das Geringste: Uns scheint das wahnsinnig groß und wichtig, aber Jesus sagt, das Geringste ist gar nicht so wichtig. Warum? Was noch viel wichtiger für Jesus ist, das ist nämlich die Seele. Denn der Körper, unser Körper, der wird sowieso einmal von den Würmern zerfressen. Da brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. Wenn Jesus nicht vorher wiederkommt, werden wir irgendwann mal ins Grab gelegt werden, und wenn wir uns nicht verbrennen lassen, werden dann da die Tiere an uns essen, und wir werden von Erde genommen zu Erde werden.
Das heißt: Wenn wir uns um diesen Körper lange kümmern, was wir ja nicht mehr können, wie ist das dann mit dem viel Wichtigeren? Denkt ihr auch daran, mit der Seele? Mit dem, was ewig bei Gott sein wird? Und plötzlich, wenn wir dieses Gegeneinander gestellt bekommen, wie Jesus das sagt, dann müssten uns wie Schuppen von den Augen fallen, dann müssen wir sagen: Ja, tatsächlich, das ist doch vollkommen ein Ungleichgewicht. Die Priorität stimmt doch gar nicht, wenn wir tatsächlich nur das eine stark betonen und uns da sehr Sorgen machen und das andere unter den Tisch fallen lassen.
Und Jesus erwähnt noch ein Beispiel. Also das Geringste vermögen wir nicht, wie dann eben das Übrige natürlich. Was sorgt ihr euch um das Übrige? Betrachtet die Lilien. Sie wachsen, sie mühen sich nicht, sie spinnen nicht. Ich aber sage euch: Selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit ist nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen.
Hier geht es also um ein anderes Beispiel, nämlich das Beispiel dieser Lilien. Wahrscheinlich waren es keine Lilien. Also die meisten Übersetzer nennen das Lilien, das griechische Wort kann auch etwas anderes meinen. Und da Lilien in Israel eigentlich nicht ganz so häufig sind, könnte es sein, dass hier eigentlich die Purpur-Anemonen mitgemeint sind. Die wachsen insbesondere im Bergland, und Jesus war ja viel in den Bergen unterwegs, hat dort gepredigt. Und sie blühen tatsächlich relativ kurz, aber sie blühen in einem Purpurton. Also das heißt so ein bisschen blau-rot, bläulich. Und besonders wenn dann mal ein Regenschauer darauf gewesen ist, dann leuchtet ein ganzer Berghang in diesen wild wachsenden Purpur-Anemonen, die auch diesen Namen haben.
Insbesondere liegt diese Deutung auch nahe, weil die eben die Königsfarbe haben, in der die Könige gekleidet waren, und diese Anemonen werden hier verglichen mit der Kleidung Salomos, also eines Königs. Also sehr wahrscheinlich sind diese Blumen damit gemeint. Salomos Pracht und Prunk war wohl bekannt. Wir lesen das zum Beispiel in 2. Chronik 9 oder 1. Könige 10,5. Es gilt als eine Zeit, eine Epoche des größten Wohlstandes in Israel, und deshalb wird das miteinander verglichen. Es wird eben gesagt: Hier habt ihr auf der einen Seite das, was ihr für groß haltet, und dann wird gesagt: Das Kleine, was Gott macht, nämlich an einer kleinen, wild wachsenden Pflanze, das ist viel, viel mehr als das, was Menschen in der Blüte ihrer Sorge erreichen können.
Also alle Juden zu allen Zeiten lebten schlechter als Salomo in seiner Herrlichkeit, das war jedem Juden klar. Und es waren ja Juden, die hier zuhörten. Und dann sagt Gott: Das Maximum von dem, was ihr als Menschen erreichen könnt, ist mickrig im Vergleich zu dem, was Gott jeden Tag tut an wild wachsenden Blumen. Hier merken wir wieder das Beispiel vom Geringen zum Großen. Da will Jesus sagen: Wenn ihr das schon nicht erreicht, wie sehr dann eben das andere, gemessen an den Mitteln, die euch zur Verfügung stehen?
Mit der Kleidung müssten wir hier auch sagen, ist der Vergleich ja nicht ganz korrekt, denn Jesus spricht ja lediglich von dem Mühen und von dem Spinnen. Ich glaube, manche Bibelübersetzer sprechen doch auch von Weben und Spinnen oder so etwas, nicht? Ist das bei euch in einigen Übersetzungen? Also ich hatte welche nachgeschlagen, wo das dann so übersetzt wird. Aber selbst Weben und Spinnen genügt nicht. Versucht mal, ein Kleidungsstück und einen Königsmantel herzustellen, allein mit Weben und Spinnen. Das wird nicht gehen. Dann habt ihr im höchsten Fall irgendwie ein wildes Stück Stoff dabei. Das muss noch geschnitten werden und umgenäht werden und Knöpfe darauf und was weiß ich noch, Glitzer und Gold mit hinein.
Hier handelt es sich wiederum um ein Stilelement, man nennt das Pars pro toto, ein Teil für das Ganze. Jesus will damit nicht sagen, dass nur das Nähen, dass sie nicht nähen, beziehungsweise dass sie nicht spinnen und dass sie nicht leben. Dann könnte man sagen: Na ja, vielleicht haben sie etwas anderes entwickelt, diese Pflanzen. Nein, nein, die haben eben gar nichts gemacht, will Jesus sagen. Sie nähen auch nichts, sie haben auch keine chemische Reaktion, mit der sie künstliche Stoffe herstellen können, das alles fällt weg. Jesus will hier zwei Beispiele nennen und sagen: Die machen gar nichts. Also das ist eben ein Stilelement, was hier steht, denn der Königsmantel, der Salomo hier erwähnt wird, hat natürlich auch viel mehr Arbeitsgänge gebraucht als die, die vorher bei den Anemonen beziehungsweise bei den Lilien erwähnt werden.
Also hier soll eigentlich zum Ausdruck gebracht werden: Jegliche menschliche Mühe und Arbeit ist weniger als das, was Gott im Alltag tut. Einige von uns erinnern sich dabei gerade im Zusammenhang von Sorge, König Salomo, Fähigkeit des Menschen an die Aussagen von Kohelet, dem Prediger. Denn da wird ja immer wieder gesagt: Alles ist eitel und Haschen nach Wind. Das ist ja so wie der Refrain, der immer wiederkommt. Und dann wird gesagt: Das habe ich getan und das habe ich getan. Und wenn wir das lesen, dann merken wir, das ist eigentlich ein Mann, der ein erfülltes Leben gehabt hat. Der hat wahnsinnig viel getan, und dann sagt er immer wieder am Ende: Und alles ist eitel und Haschen nach Wind.
Und genau das soll hier gesagt werden: Die menschlichen Bemühungen und Sorgen, sofern sie von Gott losgelöst sind, und das war bei Salomo ja besonders während seines Alters leider der Fall, weil er sich von Gott gelöst hat und verführt worden ist, sind eitel und Haschen nach Wind. Also hier könnte man sagen: Einer, der es doch erreicht hat, dessen Sorgen doch Frucht getragen haben, und dann sagt er: Nein, das alles bringt es nicht. Und das will uns Jesus deutlich vor Augen führen und sagt dann: Besser diese Blume, die sich um nichts sorgt, die Gott versorgt, die schöner ist als das, was Menschen in ihrer höchsten Blüte herstellen können. Das ist das Gegenüber.
Dann: Sie spinnen nicht, und sie kleiden sich doch. Wenn aber Gott das Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen!
Hier wieder dasselbe Element: Da sagt Gott für das Kleine. Jetzt ist das Gras dran. Sie haben gesagt, die Blumen, die Gott versorgt. Dann haben wir vorher gehabt, dass er die Raben versorgt. Also alles etwas, was eigentlich nichts wert ist. Wer von uns kümmert sich groß um das Gras? Wenn das zu viel wächst, gehen wir mit dem Rasenmäher darüber, dann ist es weg. Aber das, ich meine gut, wenn einer eine ganz kahle Stelle hat, sieht es ja auch mal was aus. Aber das ist jetzt nicht so das Wichtigste im Leben, das ist nicht so wahnsinnig aufwendig.
Und hier ist es sogar Gras, das nicht mehr angepflanzt wird, sondern so wild wachsendes Gras, das man benutzt, um zu heizen. Ihr könnt sagen: Na ja, wenig Heizeffekt, und ich heize ja nicht mit Gras, und das ist ja alles schlecht. Aber hier ist ein Beispiel genommen. Damals hatte man wenig Brennholz und Öl sowieso nicht. Also wenn man heizen wollte, dann hatte man wild wachsendes Gras oder abgefallenes Holz oder sonst etwas benutzt.
Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Ja, warum hat man in Israel überhaupt geheizt? Ich höre das schon vielleicht einige denken und sagen: Das ist doch alles warm da. Na ja, man hat das ja auch nicht unbedingt zum Heizen der Wohnung benutzt, sondern man hat es zum Heizen des Ofens benutzt, und zwar des Ofens, in dem man gebacken hat. Das war ein Backofen, und für den brauchte man Brennmaterial, um da Brote und andere Sachen drin zu backen, und dafür wurde dieses Gras benutzt.
Also hier soll gesagt werden: Stellen wir uns vor, da ist das große Feld, wo das Gras wächst. Da sind auch die wild wachsenden Lilien, die vorher erwähnt werden, oder Anemonen, die blühen so ganz prächtig, dass man sich daran freuen kann. Und dann kommt da am Abend jemand, mäht sie ab, stopft sie in den Ofen, um sich ein Brot herauszubacken, dann mit der Hitze zu backen. Und da soll gesagt werden: Ja, wer sorgt sich schon sehr viel über die einzelnen Grashalme, über die einzelnen Blumen? Und Gott kümmert sich darum.
Und dann soll gesagt werden: Diese Blumen, die eigentlich abgeschnitten werden, verheizt werden, die sind Gott wichtig. Und wie viel mehr seid ihr ihm wichtig dabei? Das soll uns vor Augen geführt werden. Darüber hinaus ist dieses Abreißen und Verbrennen natürlich in der Bibel auch immer wieder ein Bild für den Tod, wo uns hier darauf hingewiesen wird: Genauso ist es ja eigentlich auch mit dem Menschen. Der nichts als ein Staub, nichts als ein Hauch ist, der heute da ist und morgen weg ist.
Und wenn wir mal realistisch sind, so wird es ja auch bei uns sein. In den Augen Gottes sind wir ewig da, aber wie ist es mit dem Irdischen? Was wisst ihr über eure Urururgroßväter? Ja, die meisten von uns wissen wahrscheinlich nicht mehr die Namen. Und diese Leute haben genauso gelitten, genauso sich gesorgt, genauso sich abgearbeitet, vielleicht ihr Häuschen gebaut, ihrem Beruf nachgegangen, ihre Kinder erzogen, wie wir das tun. Und was ist von denen übrig geblieben? Von den meisten ist nicht mal mehr ein Grabstein übrig geblieben.
Man könnte jetzt sagen: Ja, wenn es noch einen Grabstein gibt, an den man sich erinnert, und dann heute nach so und so vielen Jahren, wenn du das nicht willst, dann bezahlst du noch so, dann ist der weg. Und die meisten von uns haben wahrscheinlich nicht mal mehr einen Grabstein. Viele wissen nicht mal den Namen, geschweige denn irgendetwas von der Biografie, was den Leuten wichtig war, welche Hobbys sie hatten, was sie gelesen haben, wo sie sich eingesetzt haben: nichts mehr.
Und so würde uns vor Augen gemacht werden: In Gottes Augen ist unser Leben genauso wie das des Grases, was da wächst, und dann zack, es kommt in den Ofen, es ist weg. Und der Ofen ist hier als Zeichen des Gerichtes bei den Menschen, die sich eben nicht nach Gott ausgerichtet haben. Bei denen ist tatsächlich danach auch das Gericht vorbei. Und dann ist all das, was uns wert und wichtig war, worum wir gerungen haben, unwichtig geworden.
Und das wiederum relativiert ja unsere Sorge. Wenn wir merken, wir sorgen uns für irgendwelche Kleinigkeiten angesichts des gesamten Lebens oder des Endes unseres Lebens, des Todes, dann merken wir vielleicht: Viele Sachen lohnen es sich gar nicht, so sehr Sorgen darüber zu machen, weil sie gar nicht diesen Grad von Wichtigkeit haben, den wir ihnen zusprechen.
Also mir persönlich geht es so, dass insbesondere seit meiner Krebserkrankung ich bei vielen Sachen sage: Darüber will ich mir gar keine Sorgen machen. Weil ich gemerkt habe, dass viele Dinge, mit denen ich vorher wirklich viel Zeit investiert habe, es eigentlich gar nicht wert sind, so viel Zeit dafür zu investieren. Manche Sachen, die ihr vielleicht auch kennt, die es ja immer wieder geben kann und bei uns auch gegeben hat und bis heute gibt, sind Auseinandersetzungen in der Ehe, irgendwelche Kleinigkeiten, wo du dich nur über Streiten kannst und dir auch Sorgen machen kannst: Warum macht der das so und warum mache ich das so und wie wird das weitergehen und so. Da habe ich gemerkt: Nein, das lohnt sich eigentlich gar nicht. Und ich bin viel eher bereit, solche Sachen einmal zu klären, nicht da auf meiner Meinung oder meiner Position zu beharren, weil es so unwichtig ist.
In den Augen Gottes und so unwichtig angesichts der Ewigkeit oder unseres Todes. Und dass es vielleicht andere Dinge gibt, wo wir uns eher investieren können, die Jesus hier aufführt.

Die eigentliche Zielrichtung der Mahnung

Also, und ihr sollt auch nicht danach trachten, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und beunruhigt euch nicht.
Hier wird nicht gesagt, dass wir nicht essen und trinken sollen. Aber wir sollen uns nicht darum sorgen, was wir essen und trinken sollen. Hier steht auch später, dass wir uns darüber nicht beunruhigen sollen. Wenn wir genügend zu essen und zu trinken haben, dann habt ihr genug.
Wenn Gott dich heute versorgt hat, denke daran: Er weiss auch, wie es dir in der Zukunft weitergehen wird. Das ist die Botschaft, die dahintersteht. Wir sollen uns nicht sorgen. Und wenn wir es doch tun, dann sind wir in diesem Fall Gott ungehorsam. Hier ist ein direkter Auftrag Gottes an uns, uns nicht zu sorgen.
Wenn ich dann sage: Ich will an der Sorge festhalten, und ich kann das nicht anders, und ich muss das halt, weil meine Persönlichkeit so ist, dann stehen wir hier bewusst im Widerspruch zur Aussage Gottes. Und das heisst immer: Sünde in unserem Leben.
Mit dem Essen und Trinken ist auch gemeint: Wenn das euer Lebensinhalt ist, wenn ihr euch hauptsächlich darum sorgt, wenn sich darum alles in eurem Leben dreht, dann ist das falsch. Und wer so handelt, der ist eben, wie hier steht, ein Kleingläubiger.
Kleingläubiger, das bedeutet derjenige, der zu wenig Vorstellungskraft hat. Er ist ja noch klein im Glauben. Er glaubt nicht genug an die Macht, sondern das ist derjenige, der zu stolz ist, der zu wenig Zutrauen in Gott hat, dessen Einsicht in die Erkenntnis des Wesens Gottes noch nicht genügend gediehen ist. Der schwankend im Glauben ist, vielleicht erschüttert durch Leid in seinem Leben oder durch Sorge, ist seine Verbindung zu Gott erstickt. Vielleicht auch verführt durch Reichtum und Vergnügungen, das ist der Kleingläubige.
Also, dessen Glaube ist nicht grösser geworden. Der ist irgendwo in den Anfangsschuhen stecken geblieben. Und natürlich kommt er nicht darüber hinweg, Gott so zu vertrauen, dass er sich keine Sorgen machen muss. Und hier ist die Herausforderung: Je mehr wir Gott erkennen, desto eher ist es uns möglich, diese Sorgen, die aufkeimen wollen, diese Sorgen, die innerlich automatisch kommen, ob wir wollen oder nicht, unter Kontrolle zu bekommen, beiseite zu schieben, zu Gott zu bringen und zu sagen: Gott, sorg du dafür. Ich tue das, was ich kann, und sorg du dafür, was ich sowieso nicht beeinflussen kann.
Dann steht da, dass Essen und Trinken, sich nur darum zu sorgen, das tun und danach trachten die Heidenvölker der Welt. Und hier ist es natürlich für die jüdischen Zuhörer noch schlimmer als für uns heute, denn die Juden betrachteten sich als auserwähltes Volk, und die Heiden waren schmutzig, dreckig und sündig aus ihrer Sicht. Deshalb ist dies hier noch ein viel schlimmerer Vergleich, als wir ihn heute wahrnehmen.
Und dann finden wir dort als Nächstes den Hinweis: Denn euer Vater weiss, dass ihr diese Dinge benötigt. Das heisst, ihr müsst auch keine Angst haben. Nicht nur, weil ihr es nicht beeinflussen könnt. Ihr müsst auch keine Angst haben, nicht nur, weil es wichtigere Dinge gibt. Ihr müsst auch keine Angst haben und euch sorgen, weil euer Vater im Himmel weiss, was ihr braucht.
Manchmal ist es ja so, dass wir denken: Jetzt stehe ich allein da, mein Arbeitsplatz ist unsicher, meine Gesundheit ist unsicher, ich weiss nicht, wie es weitergeht, und jetzt stehe ich mit meiner Sorge allein da. Und hier soll uns gesagt werden: Nein, du brauchst dir nicht so viele Sorgen zu machen. Gott weiss doch schon lange, was dir im Augenblick fehlt. Gott weiss sogar schon, was in der Zukunft passieren wird. Deshalb wird auch gesagt: Sorgt euch nicht. Denn du weisst, du hast doch einen guten Vater im Himmel. Und wenn er dich bisher versorgt hat, wenn du dich zurückerinnerst, wenn du siehst, wo er dir da beigestanden hat, dann wird er das auch in der Zukunft tun.
Trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes, so wird euch dies alles hinzugefügt werden. Und mit dies alles ist eben gemeint: das, was wir dringend nötig haben, Essen, Trinken, Unterkunft. Das sind ja diese drei Dinge, die wir häufiger erwähnt finden, auch in diesem Text. Das wird uns gegeben. Da steht nicht drin, dass jeglicher Wunsch oder jeglicher Luxus erfüllt wird, sondern dass wir diese lebensnotwendigen Dinge von Gott bekommen und uns da keine Sorgen zu machen brauchen.
Übrigens, wenn jetzt der eine oder andere denkt: Sagt Michael, wenn du wüsstest, in welcher schwierigen Situation ich stünde. Kann sein, dass ich es nicht weiss. Aber denkt auch daran: Dieses Versprechen gebe ich euch nicht, sondern dieses Versprechen, dass Gott das weiss und dass ihr euch nicht sorgen sollt, das ist das, was Jesus sagt. An den wir vertrauen, an den wir glauben, von dem wir denken, dass er auferstanden ist und einmal wiederkommen wird, der alle Macht im Himmel und auf Erden hat, der sagt das, nicht ich.
Also, wenn ich es nur sagen würde, dann würde ich auch sagen: Na ja, dann geht ihr nach Hause und vergesst das wieder. Denn das sind so viele Sachen, von denen ich keine Ahnung habe. Aber hier ist es Gott, der das sagt, der unsere Zukunft kennt und uns auch kennt.

Das Reich Gottes als neue Priorität

Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.
Hier soll gesagt werden: Wir sind die kleine Herde, und das Reich ist das Reich Gottes. Hier ist wieder das Vom-Kleinen-zum-Großen.
Wenn Gott dir das Reich Gottes schenken will, wenn Gott dir ewiges Leben schenkt, meinst du dann nicht, dass er auch mit ganz kleinen Dingen anfängt, die für den Alltag wichtig sind? Naja, mal ein bisschen zu essen da, eine Wohnung da und etwas Arbeit da.
Wenn wir daran zweifeln, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat, dass Gott uns das Reich Gottes gegeben hat, dass wir mit ihm in Ewigkeit herrschen werden, dann können wir auch anfangen zu zweifeln, dass er uns diese alltäglichen Dinge gibt. Aber wenn wir davon überzeugt sind, dass er uns das Große gegeben hat und dass er die Macht dazu hat, dann ist es irgendwie inkonsequent, will Jesus sagen, wenn wir ihm nicht zutrauen, dass er auch für diese kleinen Dinge hier auf der Erde sorgen will und kann.
Denn wenn er euch so liebt, dass er das tut, dann wird er euch dies auch geben.
Stellt euch mal vor, ihr habt irgendwie euer Kind, und ihr versprecht ihm: Wenn du groß bist, bekommst du eine Million Euro. Und die sind da schon auf dem Konto. Und ihr gebt ihm das wirklich und seid wirklich großzügig, so wie Jesus seine Liebe zu den Menschen hat. Und dann bittet es euch um zehn Cent für einen Lolli oder so. Und dann sagt ihr: Nee, ich meine, gut, aus Gesundheitsgründen vielleicht, dann nehmen wir vielleicht einen Apfel oder sowas, der ist auch gesund. Und es bittet euch darum, und dann sagt ihr: Wenn ihr schon eine Million gebt, ja, dann sind zehn Cent doch wohl auch keine Sache, nicht?
So ähnlich soll hier argumentiert werden.
Gut, dann hat es eurem Vater gefallen. Was da auch drinsteckt, ist, dass es eben die Entscheidung des Vaters ist, autonom, in seiner Souveränität. Es ist nicht so, dass wir irgendein Recht darauf hätten oder dass wir uns das erarbeitet hätten, sondern es ist die Souveränität Gottes, die dahintersteht.

Umgang mit Besitz, Vergänglichkeit und bleibendem Wert

Verkauft euer Habe und gebt Almosen. Macht euch, ach ja, erst mal das hier: Das ist jetzt nicht die Aufforderung, dass ihr sofort heute Abend einen Auftrag geben müsst, Haus verkaufen, Auto verkaufen. Denn dieses Habe verkaufen gibt es zum Beispiel beim reichen Jüngling, das gab es auch für die Urgemeinde in Jerusalem, aber das ist alles freiwillig.
Denken wir an die Sache mit Ananias und Saphira. Da sagt Petrus hinterher: Ihr hättet das nicht verkaufen müssen. Aber da, wo ihr es verkauft habt und jetzt gesagt habt, das ist alles, da liegt der Fehler. Also, wir haben nicht den Auftrag, das alles tun zu müssen. Wir dürfen das auch behalten.
Das, was hier nur gesagt wird, ist: Denk daran, wenn du Güter hast, setze sie ein, um mit dem ungerechten Mammon, wie Jesus das auch sagt, hier Freunde zu gewinnen oder hier Schätze für den Himmel zu sammeln. Es heißt nicht, dass wir alles sofort hingeben müssen, sondern: Denkt daran, das letzte Hemd hat keine Taschen. Das, was du hier ansammelst, was weiß ich, was deine Enkel damit tun. Vielleicht sammelst du hier eine Million Euro an, und deine Enkel verprassen es in Drogensucht oder in Spielsucht oder was weiß ich. Oder vielleicht leben sie einfach so darin. Aber das hat für das Reich Gottes keine Auswirkung mehr. Du hast dein ganzes Leben hier nur investiert in Dinge, die irdisch vergänglich sind.
Und selbst die Evolutionisten sagen das, denn die wissen, dass irgendwann die Welt einmal den Wärmetod sterben wird. Zugegebenermaßen nach ihrer Konzeption ist das noch ein paar Millionen Jahre hin. Aber bis dahin wird weder dein Haus noch stehen noch dein Auto. Das wird alles verrostet sein, das Haus wird eingeebnet sein, da wird nichts mehr übrig sein. Alles das, wofür wir investieren, ist dann vorbei. Und das will uns Jesus hier sagen.
Deshalb: Lieber euer Habe, setzt es ein für die Sache Gottes, gebt Almosen auch. Denn damit kannst du Menschen gewinnen für Gott, dann kannst du Menschen mithelfen, Liebe Gottes weiterzugeben. Viele von euch haben das ja schon getan. Wir haben ja vielleicht nicht Almosen, aber zumindest Spenden für die Missionen gegeben und solche Sachen. Das ist ja eine Sache, die hier mit drin ist.
Macht euch Beutel, die nicht veralten. Also damit ist jetzt nicht irgendein neues Rezept gemeint. Beutel meint Geldbörsen. Sondern hier wird mir gesagt: Schafft euch einen Schatz im Himmel. Das ist nur ein anderes Wort dafür, einen Schatz, der nicht vergeht, im Himmel, wo kein Dieb kommt und keine Motte ihre Zerstörung treibt.
Und hier ist natürlich auch gemeint: Selbst wenn du jetzt einen Tresor bei dir eingebaut hast und es war sicherer als damals, dann ist es nur ein Bild. Es soll einfach heißen: Generell vergeht alles. Diejenigen unter euch, die älter sind, wissen das vielleicht besonders. Ich meine, ich habe eine Großmutter, die hatte noch erlebt, wie die große Inflation in den dreißiger Jahren gewesen war. Da war plötzlich alles weg, das Geld war nichts wert. Und dann kam es ja auch noch mal nach dem Zweiten Weltkrieg: Zack, alles Geld entwertet, neues Geld kommt dabei. Und dann merkst du: Das geht alles weg. Das bringt auf Dauer nichts, auch wenn keine Diebe kommen.
Dieses Bild mit den Dieben: Manchmal steht da ja auch, besonders in der Parallelstelle Matthäus, Diebe, die durchgraben. Da müsst ihr euch das Bild vorstellen. Damals gab es so ein Familienhaus, ein Wohnraum, Mauern ringsherum, etwa fünf mal fünf Meter. Wenn einer einbrechen wollte, ging er normalerweise nicht durch die Tür, die auch stark verriegelt war. Die Häuser waren aus Lehm gebaut, und so, wie man oben das Dach durchgraben konnte, konnte man auch die Seite durchgraben. Und dann hatte man irgendwo die Geldkassette gefunden und ist mit der abgegangen.
Manche wollten ganz klug sein und haben deshalb das Geld einem Geldverleiher oder dem Tempel gegeben, um darauf Acht zu haben. Und zwar konnte der Geldverleiher noch Geld damit machen. Das ist ja das, was Jesus auch sagt, was derjenige tun sollte, der das Geld vergraben hat: Stattdessen besser dem Geldverleiher geben. Und manche haben das eben dem Tempel gegeben, nach dem Motto, dass selbst die Diebesgräber Gott zu bestehlen. Gleich deshalb dann im Tempel, da ist es dann etwas sicherer, und das war auch häufig der Fall.
Wir sollen stattdessen im Himmel sammeln. Ja, die Motten sind hier erwähnt. Jetzt fragt ihr euch: Warum fressen Motten Reichtum? Damals hat sich ein Teil des Reichtums in Kleidung niedergeschlagen, in wertvoller Kleidung. Ihr seht es im Alten Testament: Zu Hochzeiten wurden hoffentlich prächtige Kleidungsstücke verschenkt, oder bei manchmal Strafmaßnahmen, wenn ein König ein Land erobert hatte, dann wurden so und so viel Gold, so und so viel Silber und so und so viel Festkleider mussten bezahlt werden. Und dieses mit den Motten bezieht sich hier auf die Festkleider. Und da wissen wir: Die können natürlich durch Motten gefressen werden. Also: Alles das, was den Leuten damals wert und wichtig gewesen ist, das geht verloren.
In der Parallelstelle wird auch noch der Rost erwähnt. Goldmünzen rosten ja nicht, Silbermünzen rosten auch nicht. Aber es gab damals andere Legierungen ebenfalls noch, wo dann Eisen mit drin war, was dann gerostet hat. Und auch Gegenstände: Eisen war damals sehr wertvoll, sowohl bei Messern, Gabeln, Schwertern usw. Und die konnten natürlich verrosten. Und auch das, was einem wertvoll war, wird da also zerstört.
Denn, wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Hier wird uns vor Augen geführt, dass die Priorität unseres Herzens sich meistens auch in unserem Handeln äußert. Dass wir zwar mit dem Mund etwas anderes sagen können, aber meistens durch unser Handeln, wie wir mit dem umgehen, mit unserer Sorge, mit unserer Zeit, mit unserem Geld, mit unserem Haben, mit unserem Leben, das zeigt meistens auch, was uns wirklich wichtig ist.
Und hier sollen wir herausgefordert werden: Überprüf dein eigenes Herz, sieh, wo da die Prioritäten gestellt sind. Ja, wenn wir jetzt das Ganze durchlesen, merken wir: Es sind verschiedene Argumente, die uns einfach sagen wollen: Komm zu Jesus, sag ihm deine Sorge und die Dinge, die du nicht beeinflussen kannst, die Dinge, die es nicht wert sind, die Dinge, die keinen Ewigkeitswert haben, vergiss sie. Und konzentriere dich auf das, was eigentlich wirklich wichtig ist.
Und wenn wir in der Nachfolge Jesu leben, dann sagt er, wird er uns Sorge abnehmen und wird uns das geben, was wir nötig brauchen. Aber noch einmal: Für diejenigen, damit keiner auf falsche Gedanken kommt, heißt das nicht, nicht mehr arbeiten, nicht mehr das tun, was wir tun können, sondern die Sorge ist angesprochen. Dieses Negative, uns zerfressende, immer wieder um dieselbe Sache drehen, nicht herauskommen, unser Leben zerstören, unsere Freudigkeit wegnehmen, die Beziehung zu Gott kaputt machen, das ist gemeint.

Gebet und abschließende Hinweise

Und an dieser Stelle, bevor ihr dann den Abend noch genießen könnt, so hoffe ich doch, werde ich noch mit euch beten.
Herr Jesus Christus, du kennst jeden von uns. Du weißt, wo jeder Einzelne von uns in der Versuchung steht, der Sorge nachzugehen und von der Sorge aufgefressen zu werden. Und ich möchte dich bitten, dass du uns groß wirst in unserem Leben, dass wir dieses Vertrauen auf dich bekommen, dass du uns zeigst, wie sehr du uns liebst und wie sehr du die Sache in der Hand hast. Dass wir so einen Eindruck von deiner Souveränität bekommen, und zwar nicht nur intellektuell, sondern auch praktisch.
Hilf du uns, Sorge loszulassen und deshalb trotzdem nicht nachlässig zu werden für die Dinge, die wir tun können. Hilf uns zu sehen, dass du uns schon so häufig geholfen hast und uns auch in der Zukunft helfen wirst. Dass du die Natur im Leben erhältst, dass du sie schön schaffst, selbst die Sachen, die so schnell vergehen, oder die Tiere und die Vögel, um die sich niemand kümmert. Wenn du diese erhältst, dann kümmerst du dich noch viel mehr um uns, die wir dir so wertvoll waren, dass du selbst für uns gestorben bist.
Herr Jesus, wir möchten dich bitten, dass wir da loslassen können und dass du uns hilfst, richtige Prioritäten zu setzen. Dass wir nicht am Ende unseres Lebens einmal sagen müssen: Das war falsch, die Zeit war vertan, die Energie an der falschen Stelle eingesetzt. Sondern dass wir sagen können: Ja, es hat sich gelohnt, und wir haben gesammelt für Ewigkeitswert.
Herr Jesus, hilf uns, diese Perspektive zu haben und Schätze für den Himmel zusammenzusammeln, so dass wir, wenn wir einmal bei dir sind, dir all das geben können, was wir hier für dich getan, gedacht, gemacht und gegeben haben. Geh du mit uns in diesen Abend, leite du unsere Gedanken, gib uns Kraft für alle Herausforderungen des morgigen Tages. Amen.
Ja, ich möchte daran erinnern: Es ist von den Schülern unten ein Fruchtimbiss vorbereitet. Und ich möchte auch daran erinnern: Wer noch weitere Fragen hat, der kann gerne auch ein bisschen hierbleiben, dann unterhalten wir uns darüber oder auch über andere Themen. Das können wir gerne machen.
Ich möchte auch daran erinnern: Wer einige von den Büchern, die ich vorgestellt habe, einsehen will, der kann da hinten, wo die Kassettenliste ist, die auch sehen und mitnehmen.
Dann einen schönen Abend!