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Ahitophels Rat durchkreuzt

2. Samuel (Vers-für-Vers), Teil 22/28
18.03.20252. Samuel 17
SERIE - Teil 22 / 282. Samuel (Vers-für-Vers)
Ahitofel schlägt Absalom den Plan vor, seinen Vater zu überraschen. Hussai kann diesen Plan durchkreuzen. Gott gibt seinen Segen dazu.

Ahitophels erster Kriegsrat gegen David

Wir fahren weiter mit 2. Samuel 17. Nach dem ersten teuflischen Rat von Ahitophel, dem Bruder der Torheit, folgt der nächste Rat in Kapitel 17, Vers 1.

Ahitophel sprach zu Absalom: „Lass mich doch zwölftausend Mann auswählen und mich aufmachen, diese Nacht David nachjagen.“ Ahitophel will die ganze Sache in seine Hand nehmen. Er schlägt vor, als General mit einem Kontingent von zwölftausend Soldaten voranzugehen. Diese Zahl ist nicht zu klein, aber auch nicht zu groß, sodass dennoch eine gewisse Schnelligkeit möglich ist. Er sagt: „Ich warte nicht, wir gehen sofort los.“ Also will er noch in der Nacht David verfolgen.

Er wusste natürlich, in welcher Situation David sich befand. David war innerlich so am Boden, so gebeugt. In einem solchen Zustand hat man nicht die Kraft oder das Tempo, um schnell zu reagieren. Daher erscheint es sinnvoll, ihn noch in der Nacht zu verfolgen.

Weiter in Vers 2: „Und ich werde über ihn kommen, während er müde und an den Händen schlaff ist.“ Hier werden zwei verschiedene Zustände beschrieben: müde bedeutet körperlich erschöpft, während „an den Händen schlaff“ darauf hinweist, dass er auch seelisch am Boden ist. Beides will Ahitophel ausnutzen, um David in Schrecken zu versetzen.

Das ist Terrorismus. Das Wort „Terrorismus“ stammt aus dem Lateinischen. Es leitet sich von „Terror“ ab, dem normalen lateinischen Wort für Schrecken. Terrorismus ist die systematische Verbreitung von Schrecken. Menschen sollen Angst bekommen, und zwar nicht nur Angst, sondern Schrecken, der viel stärker ist.

Ahitophel will Schrecken über David bringen. Man merkt, wie sehr dieser Mann David hasste. Das Volk, das bei David ist, wird fliehen – das ist Ahitophel egal. Die können gehen, David muss getötet werden. Er sagt: „Ich werde den König allein schlagen.“ Es geht ihm nur darum, sich persönlich an David zu rächen, nicht die Soldaten.

Und so werde ich alles Volk zu dir zurückbringen, sagt Ahitophel. Sobald David nicht mehr da ist, werden alle, die jetzt bei ihm sind, flüchten. Aber sobald David weg ist, kommen sie alle zurück. Dann haben wir alle.

Gleich der Rückkehr aller ist der Mann, den du suchst. Das ganze Volk wird in Frieden sein. Wenn man David hat und er weg ist, dann kommen alle zurück und dann ist alles gut, alles Frieden. Davids Tod wird dir, Absalom, den Frieden bringen.

Absalom bedeutet „Vater des Friedens“; „Ab“ heißt Vater, „Salom“ Frieden. Und das Wort war recht in den Augen Absaloms und in den Augen aller Ältesten von Israel.

Die Herausforderung durch Husai den Akiter

Das leuchtet völlig ein: Das ist der Weg, und jetzt ist David am Ende. Doch für Absalom war es ein bisschen verstörend, als plötzlich Husai, der Akiter, auftauchte. Er war ebenfalls ein Ratgeber Davids, ein Freund Davids – das wird von Ahitophel nicht erwähnt. So war es damals nicht wahr.

In 2. Samuel 16,15-16 war es für Absalom ein guter Gedanke, zwei Ratgeber zu haben, nicht nur einen. Ich lese ab Vers 15 aus Kapitel 16: „Absalom aber und alles Volk, die Männer von Israel, kamen nach Jerusalem, und Ahitophel mit ihm.“ Dann folgt Vers 16: „Und es geschah, als Husai, der Akiter, der Freund Davids, zu Absalom kam, da sprach Husai zu Absalom: Es lebe der König, es lebe der König!“ Und er wird von Absalom aufgenommen.

Jetzt hat Absalom zwei Ratgeber. Wäre es nur ein Ratgeber gewesen, wäre die Sache klar gewesen: Das ist der Weg, um David aus der Welt zu schaffen. Aber jetzt ist Absalom doch bereit, noch einen zweiten Rat einzuholen.

In Vers 5 sagt Absalom: „Ruf doch auch Husai, den Arkiter, dass wir hören, was auch er sagt.“ Wenn Husai das bestätigt, dann ist die Sache wirklich ganz klar. Husai kam zu Absalom, und Absalom sprach zu ihm: „Nach diesem Wort hat Ahitophel geredet.“ Er erklärt Husai, was Ahitophel zuvor geraten hatte. „Sollen wir sein Wort ausführen? Wenn nicht, so rede du.“

Was soll Husai jetzt tun? Er hat natürlich nicht die Intelligenz von Ahitophel, aber was er hat, ist, dass er David besser kennt. Er weiß, wer David auf dem Schlachtfeld war. Er kannte seine Strategien – Strategie bedeutet ja Methode im Krieg, im Kampf. Absalom kannte David besser als Sohn, und dabei natürlich auch viele Schwachstellen. Doch David zu Hause als Vater war nicht dasselbe wie David als Held im Krieg.

Husai kannte David, und das nutzt er jetzt. Schauen wir mal, wie er dabei vorgeht.

Husais Gegenstrategie und die Einschätzung Davids

Da sprach Husai in Vers 7 zu Absalom: „Nicht gut ist der Rat, den Ahitophel diesmal gegeben hat.“

Er macht es sehr geschickt. Er sagt, normalerweise ist ja klar, dass Ahitophel richtig rät. Aber es gibt eben keine Regel ohne Ausnahme, und das ist jetzt eine. Diesmal ist sein Rat nicht gut. Nun muss Husai das so begründen, dass Absalom es akzeptiert.

Husai sprach: „Du kennst ja deinen Vater – zwar als Vater, aber nicht als General. Du kennst deinen Vater und seine Männer, dass sie Helden sind.“

Das wusste Absalom natürlich auch. Er hatte ja ständig gehört, dass David ein Held ist, von seiner Jugend an. David war der Einzige, der Goliath besiegen konnte. Deshalb wurde spontan gesungen, besonders von den Frauen, die solche Reigen aufführten und sangen: ‚Saul hat seine Tausenden erschlagen, und David hat seine Zehntausenden erschlagen.‘

Du weißt, David ist nicht irgendjemand. Dein Vater ist ein Held. Nochmals: Du kennst deinen Vater und seine Männer, sie sind Helden und von erbittertem Gemüt. Das ist etwas Besonderes. Ein Held mit verbittertem Gemüt bekommt plötzlich Kräfte, die er normalerweise nicht hat.

Husai kann das sehr anschaulich weiter ausführen: Wie eine junge beraubte Bärin auf dem Feld.

Es ist schon eindrücklich, wenn man in Kanada zum Beispiel Schwarzbären begegnet. Die können unter Umständen noch okay sein, aber man weiß nie genau. Wenn es aber eine Bärin mit Jungen ist, dann gibt es nichts mehr zu spaßen. Und erst recht, wenn man ihr noch ein Junges raubt, dann ist die Bärin wirklich das Schrecklichste, was man sich vorstellen kann.

Wenn die Fellfarbe noch etwas heller ist, gilt bei Bären die Faustregel: Je heller, desto gefährlicher. Schwarzbären gehen ja noch.

Aber wenn ein brauner Grizzly da ist, dann ist es wirklich nicht mehr lustig. Wenn man in den Wäldern spaziert und plötzlich einem Grizzly begegnet – schrecklich!

Noch unberechenbarer ist es, wenn man weiter hinauf in den Norden geht und diesen weißen Bären begegnet, den Eisbären. Die sind noch aggressiver als Grizzlys.

Das war nur ein kleiner Einschub. Husai sagt einfach: Eine Bärin, der man ihre Jungen geraubt hat, so musst du dir David jetzt vorstellen.

Dein Vater ist ein Kriegsmann. Er wird nicht beim Volk übernachten. Wenn du meinst, du könntest mit der Armee nachts auf die Soldaten Davids losgehen, dann musst du wissen: David wird nicht einfach bei der Masse übernachten.

Ihr kennt ja die Strategien von David. Er wird nicht beim Volk übernachten. Siehe, er hat sich jetzt in irgendeiner Schlucht oder an einem anderen Ort versteckt.

Das ist der Punkt: Wenn man über den Ölberg geht, beginnt gleich dahinter die Wüste Judäa. Dort gibt es viele Täler, Schluchten, Winkel und Höhlen. Dort wird David irgendwo sein. Den wirst du gar nicht finden.

Du kannst der Volksmenge folgen, die Soldaten sehen, aber David selbst ist dort nicht. Doch eigentlich wollte Absalom ja nur David erreichen. Nur der war interessant.

Und es wird geschehen: Wenn zu Anfang einige unter ihnen fallen, so wird jeder, der es hört, sagen, eine Niederlage hat unter dem Volk stattgefunden, das Absalom nachfolgt.

Man muss sich also vorstellen: Wenn du jetzt versuchst, anzugreifen, und vielleicht einige Soldaten von dir getötet werden, dann wird es sofort Auftrieb geben. Die werden sagen: ‚Wir haben bereits Erfolge gegen Absalom.‘ Und dann werden sie noch motivierter sein.

Natürlich sind diese Überlegungen im Prinzip berechtigt. Eine Niederlage hat unter dem Volk stattgefunden, das Absalom nachfolgt. Und Absalom ist auch ein tapferer Mann, dessen Herz wie ein Löwenherz ist. Er wird sicher verzagen.

Denn ganz Israel weiß, dass dein Vater ein Held ist und dass die, die bei ihm sind, tapfere Männer sind. Also vergiss nicht, wer dein Vater auf dem Schlachtfeld ist.

Husais Vorschlag zur Mobilisierung der Streitkräfte

Und dann hat er eben auch Leute, die ihm gleichen, die selber auch ganz tapfer sind.

Vers 11: „Sondern ich rate, ganz Israel werde insgesamt zu dir versammelt, von Dan bis Beerscheba, wie der Sand, der am Meer ist, an Menge, und deine Person ziehe mit ins Feld.“

Also sagt er: Schau, zwölftausend – ich gebe dir einen ganz anderen Rat. Du mobilisierst die gesamte Armee Israels, von Dan bis Beerscheba. Diesen Ausdruck haben wir ja immer wieder in der Bibel. Damit ist ganz Israel gemeint. Dan liegt ganz im Norden, an der libanesischen Grenze, das ist die nördliche Spitze. Beerscheba ist eine Wüstenstadt am Nordende der Wüste Negev, die weitgehend unbewohnt ist.

Das in alttestamentlicher Zeit bewohnte Land Israel lag zwischen Beerscheba und Dan. Er sagt also: Du musst alle zwölf Stämme, die ganze Armee – und das waren Hunderttausende – mobilisieren. Dann gehen wir alle los. Sie kreisen David ein, es gibt kein Entrinnen.

Aber natürlich: Warum sagt er die ganze Armee? Er will Zeit gewinnen. Diese Mobilisierung wird einige Zeit benötigen, und dann kann David fliehen. Und dann gibt er ihm noch den Rat: „Und deine Person ziehe mit ins Feld.“ Also bleib nicht in Jerusalem zurück, sondern geh mit.

Das ist natürlich die Falle für Absalom. Dann kann er im Krieg fallen. Und wir wissen, am Schluss wird Absalom auch fallen, an einer Tamarinde aufgehängt. Und wer wird ihn töten? Joab.

Aber Joab war doch ziemlich auf der Seite von Absalom. Wir haben ja gesehen, dass Absalom schließlich – ich meine, Joab hat bewirkt, dass Absalom zurückkehren durfte, aber ohne seinen Vater zu sehen. Absalom wollte seinem Vater schließlich wirklich begegnen können. Er hat zweimal Joab gerufen, doch der freche Kerl aus seiner Sicht kam nicht.

Dann hat Absalom ihm sein Feld verbrannt, sein Gerstenfeld. Erst dann kam Joab endlich. Das hat Joab auch nicht vergessen. Das war für ihn eine unglaubliche Demütigung. So wird Joab sich an Absalom rächen und ihn durchbohren, wenn er mit seinen Haaren in der Tamarinde hängen wird.

Aber das ist schon ein bisschen vorweggenommen.

Die Folgen von Husais Rat und Ahitophels Selbstmord

Jetzt gehen wir weiter zu Vers 12. Dort heißt es, dass wir an einem der Orte, an denen er sich befindet, ankommen und uns niederlassen werden, so wie der Tau auf den Erdboden fällt. Überall, wo der Tau fällt, sind überall Soldaten.

David kann nicht entkommen, und von ihm und allen Männern, die bei ihm sind, wird keiner übrig bleiben. Im Gegensatz zu dem Rat von Ahitophel wird nicht nur David fallen, sondern auch alle Männer mit ihm. Denn es ist keineswegs sicher, dass sie später zu David zurückkehren. Ahitophel meint, sie würden dann loyal werden, aber das ist nicht sicher. Deshalb sagt er, dass auch diese alle vernichtet werden müssen.

Wenn David sich in eine Stadt zurückzieht, sollen ganz Israel – also Hunderttausende von Soldaten – Seile um diese Stadt legen. Dann werden sie sie zum Fluss schleppen, bis dort kein Steinchen mehr zu finden ist. Das bedeutet: Wenn David irgendwo in eine Stadt mit Mauern entkommt, ist das kein Problem. Wir sind so viele Soldaten, dass wir alle Steine abräumen werden.

Absalom und alle Männer von Israel sprachen: Der Rat Hussais des Akitters ist besser als der Rat Ahitophels. Unglaublich! Sein Rat wird angenommen. David hat gebeten: „Betöre den Rat Ahitophels, Herr!“ Warum diese Rhetorik von Ahitophel und dann von Husai? Der nächste Satz erklärt es: „Aber der Herr hatte es so bestimmt, um den guten Rat Ahitophels zunichte zu machen.“ Hier wird der Rat Ahitophels als „guter Rat“ bezeichnet, im Sinne davon, dass es für Absalom der gute Rat war. Doch der Herr macht diesen bösen, aber scheinbar guten Rat zunichte, damit das Unglück über Absalom kommt.

Man kann also nicht einfach sagen, das war nur die Rhetorik von Husai, sondern es war der Herr, der das so bestimmt hat. Wenn wir das Wort Gottes weitergeben, das Evangelium verkünden, müssen wir es so gut erklären und uns so viel Mühe geben, dass es gut verstanden wird – als ob es wirklich nur darauf ankäme.

Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein: Paulus hat in der Apostelgeschichte 16 zu einem Frauenkreis am Fluss vor Philippi gesprochen. Dort heißt es: „Und der Herr tat das Herz der Lydia auf.“ Der Herr öffnete ihr Herz. Das bedeutet, wenn der Herr nicht das Herz öffnet, nützt alles nichts.

Wir müssen uns also so viel Mühe geben, als ob es allein von uns abhängt. Gleichzeitig wissen wir, dass der Herr das Herz öffnen muss. Das zeigt auch das Wort Gottes in Apostelgeschichte 14, Vers 1. Dort steht: „Es geschah aber in Ikonion, dass Paulus und Barnabas zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge glaubte, sowohl Juden als auch Griechen.“ Weil sie so redeten, kamen viele zum Glauben. Sie haben sich große Mühe gegeben.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass der Herr das Herz öffnen muss, wie es in Apostelgeschichte 16 gesagt wird.

Husais Warnung an die Priester und Davids Flucht

Lesen wir gleich weiter in Vers 15: Husai sprach zu Zadok und Abjatar, den Priestern: „So und so hat Ahitophel Absalom und den Ältesten von Israel geraten, und so und so habe ich geraten.“

Jetzt geht die geheimdienstliche Information weiter. Husai wendet sich an die Priester Zadok und Abjatar und sagt: „Sendet nun schnell hin und berichtet David. Sagt ihm, er soll diese Nacht nicht in den Ebenen der Wüste übernachten.“

Der Begriff „Arawa“ bezeichnet die Tiefebene beim Toten Meer. Stattdessen soll David unbedingt hinübergehen, das heißt über den Jordan, ins heutige Jordanien. So soll verhindert werden, dass der König und alles Volk, das bei ihm ist, verschlungen werden.

Jonathan und Achimaz standen bei Ein Rogel. Die Priester mussten diese Nachricht also an ihre Söhne weitergeben, die dann in die Wüste zu David bei Ein Rogel gehen sollten. Ein Rogel bedeutet „Quelle des Walkers“. Wo ist das? Ganz genau wissen wir, dass man von der Davidstadt am Südrand des Tempelbergs hinunter ins Kidrontal kommt.

Dort gibt es einen kleinen Weg zur Hiops-Quelle, wie sie heute von den Arabern genannt wird, aber es ist Ein Rogel, also die Quelle des Walkers. In Jesaja wird auch der Weg des Walkers erwähnt, dort unten beim Siloateich (Jesaja 7). Wir wissen also ganz genau, wo diese Stelle war.

Dort waren die beiden bereit bei der Falkerquelle, und von dort aus mussten sie dann in die Wüste gehen. Was machen sie? Eine Magd ging nämlich hin und berichtete ihnen. Die Priester selbst sind also nicht gegangen, sondern sie haben eine Frau nach Ein Rogel geschickt. Dort waren die beiden bereit.

Wir merken also, es kam nicht nur auf Husai an, sondern es waren verschiedene Personen beteiligt, die alle ihren Auftrag ausführen mussten, sonst hätte es nicht funktioniert. Die Magd ging hin, berichtete ihnen, und sie gingen hin und berichteten König David.

Sie durften sich nicht sehen lassen, indem sie in die Stadt kamen. Sie durften nicht in die Stadt kommen, sondern mussten dort sein und dann von dort aus verschwinden.

Was steht da weiter? Sie gingen beide schnell und kamen in das Haus eines Mannes in Bachurim. Nun kommen wir auch auf diese Zwischenstation, wo David schon war, nämlich Bachurim. Das ist nicht weit von Jerusalem, aber schon in Richtung Arawah.

Der Mann hatte einen Brunnen in seinem Hof, und sie stiegen dort hinab. Sie gingen also über den Brunnenrand ins Wasser und versteckten sich dort. Die Frau nahm eine Decke und breitete sie über die Brunnenöffnung. Dann streute sie Grütze darüber, sodass nichts bemerkt wurde.

Super, die Öffnung war abgedeckt. Grütze wegnehmen ging gar nicht, das Tuch musste aufgelassen werden. Die Knechte Absaloms kamen zu der Frau ins Haus. Sie waren also schon unterwegs und jetzt auch in Bachurim.

Sie fragten: „Wo sind Achimaz und Jonathan?“ Die Frau antwortete ihnen: „Sie sind über das Wasser gegangen.“

Das war unglaublich, denn ein Knabe hatte alles verraten (Vers 18). Ein Knabe sah sie und berichtete es Absalom. Das war die teuflische Aktion, um das Ganze zum Scheitern zu bringen. Darum kommen die Knechte bis dorthin.

Die Frau sagt, sie seien über das Wasser gegangen. Der hebräische Ausdruck meint einen Wasserbehälter. Wo sind sie durchgegangen? Es ist eine eigenartige Ausdrucksweise: „Avrou Michal Maim“ – sie sind über die Wasseransammlung gegangen.

Natürlich sind sie über den Brunnenrand ins Wasser hinabgestiegen. Die Knechte suchten sie, fanden sie aber nicht und kehrten nach Jerusalem zurück. Sie suchten nicht den Brunnen selbst, sondern den Ort, wo es Wasser gab, um herauszufinden, wo sie durchgegangen waren.

Vers 21: Nachdem sie weggegangen waren, stiegen sie aus dem Brunnen herauf und gingen hin, um König David zu berichten. Sie sagten zu David: „Macht euch auf und geht schnell über das Wasser.“

Er sollte über den Jordan gehen. Der Jordan war damals eine natürliche Barriere, die ein Heer nicht schnell überwinden konnte. Im Frühjahr war der Fluss sehr reißend. Deshalb sollte David schnell über das Wasser gehen.

Denn so hatte Ahitophel gegen sie geraten. Es war also nicht nur der Rat von Husai wichtig, sondern auch der Rat Ahitophels. Es hätte immer noch eine Änderung geben können, die man hätte durchführen können.

David machte sich auf, ebenso alles Volk, das bei ihm war, und sie gingen über den Jordan, bis der Morgen hell wurde. Die Nachtaktion über den Jordan gelang, und es wurde niemand vermisst, der nicht über den Jordan gegangen wäre.

Als Ahitophel sah, dass sein Rat nicht ausgeführt worden war, sattelte er seinen Esel, machte sich auf und zog in sein Haus in seine Stadt. Dort bestellte er sein Haus und erdrosselte sich. Er starb und wurde im Begräbnis seines Vaters begraben.

Das zeigt ein wenig, was für ein Typ er war. Es war so kränkend für ihn, dass man seine Intelligenz verschmäht hatte. Er handelte voll berechnend. Das ist wie jemand, der mit einem „Exit“ Schluss macht.

Das ist eine üble Sache: Er plante seinen eigenen Tod bis ins Detail. Warum sage ich das? Er ging nach Hause und machte sein Testament – das ist der hebräische Ausdruck in der Bibel für das „Bestellen seines Hauses“ –, um seine Nachfolge zu regeln.

Dann erdrosselte er sich, erhängte sich. Ein schreckliches Ende! Das ist eines von sieben Beispielen in der Schrift, wo Selbstmord vorkommt. Selbstmord ist niemals eine Option, sondern immer in einem üblen Zusammenhang zu sehen.

Denken wir neben dem Selbstmord von Ahitophel an den Selbstmord von Simri in 2. Könige 16,18, der sich in seinem eigenen Haus verbrannte. Dann den Selbstmord Sauls auf den Höhen von Gilboa in 1. Samuel 31,4.

Auch der Selbstmord seines Waffenträgers, der sich ebenfalls umbrachte (1. Samuel 31,5). Denken wir an den Selbstmord Abimelechs, der ebenfalls gewissermaßen ein Selbstmord war (Richter 9,50-56), und im Neuen Testament an den Selbstmord Judas (Apostelgeschichte 27,5).

Sieben Selbstmorde – und niemals ist Selbstmord eine Option. Das muss man sich auch als Gläubiger sagen: Es ist nie, nie, nie eine Option. Ein absolutes No-Go.

Die weitere Entwicklung: David in Machanaim und Versorgung der Truppen

Vers 24: Und David kam nach Machanaim, während Absalom mit allen Männern Israels über den Jordan zog. Absalom setzte Amasa als Heerführer anstelle von Joab ein. Amasa war der Sohn eines Mannes namens Jitra, eines Israeliten, der mit Abigail, der Tochter des Nahas und Schwester der Zeruja, der Mutter Joabs, verheiratet war. Israel und Absalom lagerten im Land Gilead.

Das Land Gilead umfasst die Berge im heutigen Jordanien, südlich des Sees Genezareth auf der jordanischen Seite. Dort hatte Absalom Joab abgesetzt. Joab verzieh ihm das nie und tötete ihn später. Amasa, ein Verwandter aus Davids Familie, wurde als General eingesetzt.

Vers 27: Als David nach Machanaim kam, brachten Schobi, der Sohn des Nahas aus Rabba bei den Ammonitern, Makir, der Sohn Amiels aus Lodebar, und Basilei, der Gileaditer aus Roggelim, Betten, Becken und Töpfe, dazu Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Körner, Bohnen, Linsen, geröstete Speisen, Honig, geronnene Milch, Kleinvieh und Kuhkäse zu David und dem Volk, das bei ihm war. Sie sollten davon essen, denn man sagte: „Das Volk ist hungrig, erschöpft und durstig in der Wüste.“

Auch hier zeigt sich die Fürsorge des Herrn. In dieser schwierigen Situation kommen drei Männer, die wir morgen genauer betrachten werden: Schobi, Makir und Basilei. Sie handeln nicht wie Ziba aus Eigennutz, sondern aus Überzeugung und Liebe. Zuerst brachten sie Betten, damit David sich ausruhen konnte – nicht einfach auf dem Boden, sondern in einem Bett.

Die mitgebrachten Vorräte enthalten alle wichtigen Mineralstoffe, Vitamine, Kohlenhydrate und Proteine. Alles, was man braucht, ist dabei, sogar Zucker. Würde man das umrechnen, käme ein Wert von mehreren Zehntausend Franken heraus. David hatte Hunderte von Leuten bei sich, und alle wurden hier versorgt – unglaublich!

Basilei war damals etwa achtzig Jahre alt. Es sind beeindruckende Menschen, die sich wirklich für David einsetzen. Das werden wir morgen in Ruhe betrachten. Diese Geschichte ist so gewaltig und wertvoll, dass wir sie nicht zu schnell durchgehen sollten.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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