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Einladung zum Kennenlernen! - Und dein Leben steht Kopf

10.08.2025

Schönen guten Morgen, schön, dass du da bist. Ich glaube, es geht gerade noch von den Temperaturen her. Deswegen ist es gut, den Frühgottesdienst zu machen, dann könnt ihr auch gut mitkommen.

Stell dir vor, du siehst aus dem Fenster, wie ein gelbes Auto in deinen Hof fährt. Es klappert an deinem Briefkasten, etwas wird eingeworfen. Du gehst runter, holst die Post heraus, und da ist eine Einladung dabei. Nicht zum nächsten Feuerwehrfest oder zum Geburtstag deiner Tante, den du sowieso nicht im Kopf hattest und auf das Kaffeekränzchen keine Lust hast. Nein, die Einladung kommt vom Bundeskanzler persönlich.

Und als ob das nicht schon genug wäre, geht es nicht nur darum, dass du zu einem netten Abendessen eingeladen bist. Das Angebot ist viel größer und weitreichender. Du bist eingeladen, drei Jahre lang am kompletten Leben von ihm teilzunehmen. Und komplett meint wirklich komplett: Du kannst in derselben Wohnung mitwohnen, es herrscht radikale Offenheit, du kannst bei allem dabei sein.

Warum? Das geht noch weiter: Er hat nämlich den Gedanken, dich sogar ein Stück weit als seinen Nachfolger vorzubereiten. Er möchte dich gern anlernen und auf große Aufgaben vorbereiten, die auf dich warten.

Eine Einladung mitten aus dem Nichts, eine Einladung, die dein Leben ziemlich auf den Kopf stellen würde. Wahrscheinlich hast du recht viele Meinungen über unseren Bundeskanzler, aber meines Wissens kann keiner von uns hier sagen, dass er ihn wirklich kennt. Das wäre die Gelegenheit, um dann sagen zu können: Ich kenne ihn vielleicht besser als seine Frau. Wer weiß?

Würdest du dich darauf einlassen, dieses Risiko einzugehen? Dein ganzes aktuelles Leben irgendwie aufzugeben, um ihn kennenzulernen, wirklich kennenzulernen? Die Möglichkeit zu haben, in seine Nachfolge zu gehen?

Wenn du da vielleicht ja sagst, dann wird dich in den ersten Wochen davor die Frage beschäftigen: Wie wird er sein? Was werde ich erleben, wenn ich dort bin? Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere vielleicht nicht ganz so begeistert wäre, mit Friedrich Merz zusammen in einer Wohnung zu leben.

Die Einladung Gottes zur Nachfolge

Was aber, wenn nicht der Bundeskanzler dich einlädt, sondern der Schöpfer des Universums, Gott persönlich? Wenn er dich einlädt, drei Jahre lang mit ihm zu leben, mit ihm unterwegs zu sein, sein ganzes Leben mit dir zu teilen – radikal offen und ehrlich zu sein vor dir, sein Herz zu öffnen und dir zu zeigen, wie er denkt.

Vielleicht geht es dir ähnlich wie mir lange Zeit. Ich bin auch immer wieder in das Denken verfallen, das viele haben: In einem christlichen Land aufgewachsen, kennt man Gott und das Christentum von früher Kindheit an. Vielleicht bist du sogar in einer christlichen Gemeinde aufgewachsen. Und man steckt ganz schnell drin in diesem Denken: Ja, das Christentum ist halt auch eine Religion. Hier glaubt man eben christlich, so wie in anderen Ländern an Allah, Buddha, Krishna, Manitu oder wen auch immer geglaubt wird.

Im Kern geht es darum, ein paar Regeln zu befolgen und am Ende möglichst in den Himmel, das Paradies, Nirwana oder wohin auch immer zu kommen. Doch das ist weit gefehlt. Das Christentum – und das werden wir gleich sehen – und die christliche Botschaft in ihrem Kern sind die Einladung Gottes, ihn persönlich kennenzulernen und mit ihm das Leben zu teilen.

Es ist die Einladung Gottes, sein Herz kennenzulernen, zu erfahren, wer er ist, und eine Beziehung auf tiefster und engster Ebene zu führen. Vor zweitausend Jahren haben einige Männer genau diese Frage live gestellt bekommen: Willst du dich auf mich einlassen? Willst du mit mir gehen und mein Leben anschauen?

Diese Einladung hat Jesus gestellt. Wir gehen nun hinein ins Johannesevangelium, Johannes 1,35-51.

Begegnung mit Jesus: Der Beginn der Nachfolge

Wir lesen heute relativ viel Text. Dabei gehen wir nicht in die Details, sondern versuchen, das große Ganze über drei bedeutende Ereignisse im Blick zu behalten.

In Johannes 1,35 heißt es: Am nächsten Tag stand Johannes der Täufer wieder da, und zwei seiner Jünger waren bei ihm. Als er Jesus vorübergehen sah, sagte er: „Siehe, das ist Gottes Lamm.“ Die beiden Jünger hörten ihn sprechen und folgten Jesus nach.

Jesus wandte sich um, sah ihnen nach und fragte: „Was sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Rabbi“ – das heißt Meister oder Lehrer –, „wo hältst du dich auf?“ Er sagte zu ihnen: „Kommt und seht.“ Sie kamen, sahen es und blieben an diesem Tag bei ihm. Es war etwa die zehnte Stunde.

Einer der beiden, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder von Simon Petrus. Andreas fand zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden.“ Das bedeutet „der Gesalbte“. Danach führte er Simon zu Jesus.

Als Jesus ihn sah, sagte er: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas heißen.“ Das heißt übersetzt „Fels“ oder Petrus.

Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa gehen. Dort traf er Philippus und sagte zu ihm: „Folge mir nach.“ Philippus stammte aus der Stadt Betsaida, wie auch Andreas und Petrus.

Philippus fand Nathanael und sagte zu ihm: „Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josephs aus Nazareth.“ Nathanael antwortete ihm: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ Philippus sagte zu ihm: „Komm und sieh!“

Jesus sah Nathanael auf sich zukommen und sagte von ihm: „Siehe, ein wahrer Israelit, in dem kein Falsch ist.“ Nathanael fragte ihn: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen.“

Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“ Jesus erwiderte: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe. Du wirst noch Größeres sehen als das.“

Und er sprach weiter: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über den Menschensohn.“

Kontext und Bedeutung der Jüngerschaft

Ein bisschen zum Kontext, wo wir unterwegs sind: In der damaligen Zeit war es nicht unüblich, dass sich Menschen einem religiösen Lehrer anschlossen, um mit ihm Zeit zu verbringen, von seinem Leben zu lernen und auch über den Glauben zu lernen. Solche Lehrer nannte man damals Rabbis oder einfach Lehrer.

Ich weiß, zu der Zeit meines Großvaters, als er noch Jugendlicher war, war es oft so, dass ein Lehrling den Meister den ganzen Tag begleitete. Es gab Handwerker, die viel unterwegs waren, und der Lehrling zog mit ihnen mit. Teilweise zog er sogar in das Haus ein, in dem die Lehre stattfand. Dieses Konzept ähnelt dem, was im Hintergrund unserer Erzählung steht.

Das, was hier passiert, was die Leute hier mit Andreas, Jünger Petrus, Philippus und Nathanael erleben, ähnelt diesem Prinzip. Gleichzeitig war es in Israel keine Neuigkeit, dass eine große Erwartung bestand: Der Messias sollte kommen. Ein Prophet, der im Alten Testament angekündigt wurde, sollte kommen, jemand, der wie Mose war oder sogar größer.

Dahinter stand die Hoffnung, dass ein ganz besonderer Lehrer kommen würde. Einer, der sein Leben offenbaren und andere daran teilhaben lassen würde. Wenn ihr euch erinnert: Vor einiger Zeit hatten wir die erste Predigt aus dem Johannesevangelium. Dort sprach Johannes der Täufer darüber, wie er selbst unwichtig sei und in Jesus den Propheten, Messias und so weiter sehe.

Ein paar Verse vorher hatte Johannes schon darauf hingewiesen, dass Jesus das Lamm Gottes sei. Genau in diesem Kontext steigen wir jetzt in die Geschichte ein, in der Johannes erneut darauf hinweist.

Die Entscheidung zur Nachfolge und die Einladung Jesu

Was sehen wir hier, wenn wir den Text im Großen und Ganzen betrachten?

Zunächst sehen wir zwei Jünger, die nach dem zweiten oder dritten Mal endlich auf Johannes den Täufer hören und eine Entscheidung treffen. Sie folgen nicht mehr Johannes dem Täufer, dem sie wahrscheinlich bisher ähnlich hinterhergegangen sind, sondern geben diese Nachfolge auf und gehen Jesus nach.

Das ist kein Schlag ins Gesicht von Johannes, sondern genau das, was Johannes wollte. Er hatte ihnen zuvor gesagt: „Da ist jemand, der viel wichtiger und größer ist als ich. Geh ihm nach!“ Wahrscheinlich ist der zweite Jünger Johannes der Evangelist. Das wissen wir nicht genau, aber es gibt einige Andeutungen. Im Johannesevangelium wird, wenn ein Jünger ohne Namensnennung erwähnt wird, meistens Johannes, der Verfasser des Buches, gemeint.

Deshalb kann es gut sein, dass Andreas und Johannes der Evangelist mit Johannes dem Täufer unterwegs waren und nun die beiden sind, die anfangen, Jesus zu folgen. Sie sprechen Jesus an – ihr Wunsch ist dabei nicht einfach nur „Wer bist du?“, sondern sie möchten ihr Leben mit ihm teilen.

Deshalb stellen sie die Frage: „Wo wohnst du?“ In manchen Übersetzungen heißt es auch „Wo hältst du dich auf?“ Dabei geht es nicht darum, seine Einrichtung zu begutachten, sondern sie wollen wissen, wie sein Leben aussieht. Sie möchten mit ihm gehen, in seiner Nähe sein und von ihm lernen.

Jesus lädt sie ein und sagt: „Kommt und schaut euch das an!“ Dieses Muster – „Komm und schau“ – wiederholt sich häufig in unserem Text. Es ist eine Einladung, die sich immer wieder zeigt.

Es ist spannend, dass hier die Botschaft vermittelt wird: „Hier ist jemand, von dem wir lernen können, hier ist ein großer Lehrer.“ Andreas und wahrscheinlich Johannes der Evangelist sind begeistert und fasziniert von Jesus. Sie beginnen, anderen davon zu erzählen.

Das beginnt damit, dass Andreas seinem Bruder, dem Petrus, davon berichtet. Wenn man genauer hinschaut, gibt es auch Verbindungen zu Philippus, denn alle stammen aus Bethsaida, wie der Text sagt. Andreas und Johannes erzählen vielleicht Philippus von Jesus. Jesus trifft Philippus, lädt ihn ein, ihm nachzufolgen.

Philippus findet Jesus offenbar auch interessant, trifft Nathanael und zieht ihn mit. So entstehen immer weitere Kreise. Die Einladung, zu kommen und sich das anzusehen, wird immer wieder ausgesprochen – teilweise von Jesus selbst, teilweise von denen, die ihn schon kennengelernt haben.

Wir wissen nicht, ob das alles innerhalb kurzer Zeit geschieht oder sich über mehrere Tage erstreckt. Das ist nicht ganz klar. Was wir aber sehen, ist, dass Jesus niemanden mit Zwang oder Gewalt dazu bringt, ihm zu folgen. Es ist eine Einladung, bei ihm zu bleiben – nicht nur für ein flüchtiges Abendessen, sondern um sein Leben anzusehen und zu beobachten.

Jesus sagt: „Hey, ich werde ehrlich vor dir sein.“ Heute sind Menschen oft zurückhaltend, was ihr Leben betrifft. Man lässt andere nicht gern in sein Innerstes blicken, oft endet es schon an der Haustür, spätestens aber an der „Herzenstür“.

In sozialen Medien wie Instagram wird uns oft beigebracht, vorsichtig zu sein und nur für uns selbst einzustehen. Doch Jesus geht einen anderen Weg. Er sagt: „Komm und schau dir mein Leben an, schau, wer ich bin.“

Er lädt jeden persönlich und individuell ein. Auch dazu könnte man einzelne Predigten halten, aber ich habe mich dagegen entschieden. Es gibt kein richtig oder falsch, doch ein Muster zieht sich durch: Jesus nimmt sich für jeden Zeit.

Das sieht man besonders bei Nathanael, der hier etwas skeptisch ist. Übrigens wird bei anderen Jüngeraufzählungen vermutet, dass Nathanael identisch mit Bartimäus ist – zwei unterschiedliche Namen oder Doppelnamen. Falls jemand beim Zählen der Jünger durcheinanderkommt, ist das wahrscheinlich die Erklärung.

Jesus nimmt sich Zeit und lädt ein.

Was wir außerdem sehen, ist eine Andeutung, die hier im Raum steht. Das zeigt sich an zwei Titeln, die Jesus genannt werden: Er wird als der Messias und als der Prophet bezeichnet, den Mose bereits verheißene hatte.

Es scheint also, dass hier eine Einladung an einige Männer von der Person ausgeht, die die größte Hoffnung des Volkes Israel ist – mehr, als wenn der Bundeskanzler einladen würde. Mehr noch, als wenn dein größtes Idol dich einladen würde, dein Leben mit ihm zu teilen.

Der ganze Abschnitt endet mit einer riesigen Verheißung, einem Versprechen, das diese Männer erfahren werden, wenn sie sich darauf einlassen, ihr Leben in den kommenden Jahren mit Jesus zu teilen: Der Himmel wird sich öffnen, und Engel werden auf den Sohn des Menschen herabsteigen.

Oft lesen wir darüber hinweg und denken uns: „Schönes Bild“, doch wirklich verstehen können wir es nicht so recht.

Die Bedeutung des Bildes von der Himmelsleiter

Es ist spannend, hier einmal hineinzuschauen, weil sich vielleicht einige Anknüpfungspunkte ergeben. Jesus bezeichnet Nathanael zunächst als jemanden, der keine Falschheit hat. Gleichzeitig verwendet er ein Bild, das wir uns vielleicht als eine Leiter vorstellen könnten: Engel fahren auf dem Sohn des Menschen herab und steigen wieder hinauf.

Wer sich in der Bibel ein wenig auskennt, denkt dabei vielleicht an eine Person, die viel mit Falschheit zu tun hatte und an einer ähnlichen Stelle mit einer Leiter in Verbindung gebracht wird – nämlich Jakob. Er war der Israelit, dessen Leben man gut mit Lüge und Falschheit charakterisieren kann. Deshalb ist Nathanael hier möglicherweise ein Gegenbild.

Jesus greift das Bild von Jakob mit der Himmelsleiter auf. Gott verheißt dort – vermutlich an der Stelle, wo später Jerusalem und der Tempel gebaut werden – dass er eine Verbindung zwischen der Ewigkeit und den Menschen schafft. Jakob hat diesen Traum, in dem Gott diese Möglichkeit eröffnet.

Das kleine Bild mit den Engeln, die auf- und absteigen über dem Menschensohn, ist eine Verheißung. Im tiefsten Sinn sagt es: Wenn ihr euch auf das Leben Jesu einlasst, werdet ihr den Weg erkennen, wie wir Menschen wieder mit Gott in Verbindung kommen können. Das ist der Weg, den Gott setzt, damit diese Leiter zwischen der ewigen Welt und uns Menschen hier wieder in Betrieb genommen wird, wenn man so will.

Das ist das große Versprechen, das Jesus den Männern gibt: Lasst euch darauf ein, kommt und seht, teilt euer Leben mit mir. Dann werdet ihr erfahren, wie die Verbindung in die Ewigkeit zu Gott möglich ist. Diese Einladung steht heute noch genauso im Raum.

Die Einladung zur persönlichen Begegnung mit Jesus heute

Wenn wir vom Christentum sprechen, dann geht es im Kern um die Einladung von Jesus Christus. Christen glauben, dass er Gott selbst ist. Es geht darum, sein Leben und ihn als Person kennenzulernen – nicht durch gewaltsame Unterwerfung oder Zwang, sondern als offene Tür, als Möglichkeit zu kommen und zu sehen. Diese Einladung richtet sich an Skeptiker, Zweifler, Selbstsichere, Souveräne und jeden anderen.

Wir können das auch heute noch tun, weil Johannes in seinem Evangelium und in seinen Briefen schreibt, dass sein Ziel genau war, das, was er mit Jesus erlebt hat, aufzuschreiben. Deshalb glauben wir, wenn wir in die Bibel schauen, dass wir dadurch genau kennenlernen, wie Gott und Jesus selbst sind. Wir glauben, dass wir beim Aufschlagen dieses Buches wahrnehmen können, wer Gott ist. Darin steckt auch die Einladung, ihn wirklich kennenzulernen.

Viele Menschen haben ihn bereits kennengelernt und laden andere ein, ihn ebenfalls kennenzulernen. Diese Einladung geht bis heute durch die Welt: das „Komm und sieh“. Es geht dabei nicht darum, alles zu verstehen, alles zu wissen oder alle Regeln genau abzuarbeiten. Vielmehr geht es darum, sich auf eine Person einzulassen und an ihrem Leben teilzunehmen.

Auch heute begegnet Jesus jedem Menschen persönlich. Er weiß, wo wir stehen, und lädt jeden ein, sich auf ihn einzulassen – egal, wo er sich befindet. Es braucht den Mut, diese Einladung anzunehmen, das Leben zu teilen und einen Blick in sein Herz zu werfen. Für uns alle steckt eine große Verheißung darin, die wir erfahren können: den Himmel offen erleben.

Genau das erleben die Männer, die jetzt mit Jesus unterwegs sind. Wir schauen uns gleich zwei Ereignisse an, in denen sie erfahren, wer dieser Mensch ist, der sie einlädt, an seinem Leben teilzuhaben. Dabei werden wir zwei Dinge sehen:

Erstens, wer mit Jesus in Beziehung tritt, erkennt, wozu er eingeladen ist – nämlich zu sehen, wer Jesus wirklich ist. Zweitens erfährt er zwei grundlegende Dinge: Jesus schenkt wahre Fülle und Freude am Leben. Gleichzeitig gibt es eine Konfrontation, denn Althergebrachtes taugt nicht mehr. Gott geht es um viel mehr. Nur wer sich auf ihn einlässt und seinen Wegen folgt, wird Freude und Fülle wirklich erfahren.

Die Männer, die mit Jesus unterwegs sind, merken sehr schnell, dass viel passieren wird. Eines ist dabei jedoch sicher: Langeweile wird es nicht geben.

Das erste Wunder: Freude und Fülle auf der Hochzeit in Kana

Das Erste ist, dass sie auf einer Hochzeitsfeier unterwegs sind. Das ist an sich schon ganz nett, doch die Feier droht zu kippen, und zwar im verschlafenen Kana. Dort zeigt Jesus den Leuten in diesem kleinen Ort zum ersten Mal seinen Nachfolgern, wer er ist. Nicht auf der großen religiösen Bühne der Welt, sondern in diesem kleinen Ort in Galiläa.

Wir lesen dazu Johannes 2,1-11: Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus antwortet ihr: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Seine Mutter sagt zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut.“

Es standen dort sechs Steine Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte. In jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Sie füllten sie bis oben an. Dann sagt er zu ihnen: „Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister!“ Sie brachten es ihm.

Als der Speisemeister den Wein kostete, der zuvor Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten es, die das Wasser geschöpft hatten – ruft der Speisemeister den Bräutigam und sagt zu ihm: „Jeder gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie betrunken sind, den geringeren. Du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“

Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa. Dabei offenbarte er seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Die Bedeutung des ersten Wunders und seine Symbolik

Das also ist das erste Wunder, das Jesus tut, um zu beweisen, dass er der Messias und der Sohn Gottes ist, so schreibt Johannes. Fragezeichen, Ausrufezeichen – wie passt das denn bitte zusammen? Keine Heilung, keine Totenauferweckung, keine Linderung von Hungersnot oder Ähnlichem – sondern eine Hochzeit, die zu kippen droht, weil der Wein ausgeht.

Ich bin mir sicher, dass sich einige Vertreter des Christentums eher darüber gefreut hätten und weniger für Nachschub gesorgt hätten, als Jesus das hier tut. Und Jesus’ erstes Wunder ist, Wein zu liefern für eine Hochzeit, bei der es wohl schon ordentlich zuging.

Ich habe mich gefragt: Warum ist der Wein ausgegangen? Eine genaue Antwort werden wir nicht wissen. Normalerweise würde man sagen, da ist wahrscheinlich eine Fehlkalkulation passiert. Und das sorgt in der Regel auch für Nervosität bei dem, der kalkuliert hat. Die Frauen, die vielleicht mal für ein Gemeindeessen gesorgt oder Ähnliches durchgerechnet haben, sind dann auch nervös, wenn sie merken, dass heute mehr Hunger da ist als sonst und das Ganze weniger wird. Vielleicht war mehr Durst da, als der Bräutigam kalkuliert hat.

Ein paar Randbemerkungen dazu: Der Wein war zwar nicht vergleichbar mit unserem Wein heute, weil er wahrscheinlich nicht mit Hefe und so weiter hergestellt wurde – genau kenne ich mich nicht aus, das ist nicht mein Fachgebiet. Aber Alkohol war da. Sollte dir jemand einen Bären aufbinden wollen, weil es sonst nicht in sein theologisches Konzept passt, dass Jesus hier Alkohol schafft – nein, das war kein Traubensaft. Sonst wäre das Wunder nämlich noch eine ganze Nummer größer: Wie soll aus Traubensaft Betrunkenheit entstehen? Das werdet ihr nicht gelöst bekommen. Also, hm hm, da kommen wir nicht drum herum, da müssen wir uns mit auseinandersetzen.

Und das Zweite, nur als Randbemerkung, da will ich nicht zu tief eingehen: Dieses „Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Wahrscheinlich war das gar nicht so eine unhöfliche Anrede in der damaligen Zeit. Ich denke, dass Jesus hier – und das ist eher ein Randthema – Maria klarmachen will, dass es nicht nach dem Zeitplan der Eltern geht und nicht sie hier Regie haben, sondern nach dem Zeitplan Gottes. Er ist da, um den Willen des Vaters zu tun. Und ja, der passt dann später durchaus mit dem von Maria zusammen, aber erst mal macht Jesus klar, wer hier das Tempo vorgibt.

In unserer Geschichte steckt ziemlich viel Symbolik drin, die uns heute vielleicht nicht mehr so auffällt – nämlich ziemlich viel jüdische Symbolik. Ein bisschen wird angedeutet, weil das Ganze nämlich Reinigungsgefäße waren, die davor sorgten, dass die Juden ihren Schmutz abwaschen konnten – wahrscheinlich für die Hochzeit Ähnliches. Im Alten Testament war nämlich ganz schön viel für Reinigung vorgegeben. Nein, schauen wir uns das jetzt nicht an, ihr werdet in 3. Mose fündig, wenn ihr heute Nachmittag Langeweile habt. Glaubt mir, es ging darum, sauber zu werden.

Das Zweite: Wein war ein relativ deutliches Symbol des messianischen Zeitalters. Ihr findet das zum Beispiel in Jesaja 25,6. Das lese ich mal vor:
„Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berg allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.“

Auch wenn wir den Abschnitt eher auf die Ewigkeit deuten, haben die Juden das mit dem Messias erstmals zusammengebracht. Das ist ja das Herausfordernde an Prophezeiungen im Alten Testament: Da passiert Erfüllung durchaus auf mehreren Ebenen. Es wird beschrieben, wie Gott in Zion etwas schafft und alle Nationen einlädt. Und da gibt es noch deutlich mehr alttestamentliche Stellen, die beschreiben, wie mit einer Messias-Erwartung Wein einhergeht – und fette Speisen. Ich finde, das klingt ganz gut. Der Diabetologe oder wer auch immer wird das vielleicht nicht ganz so sehen, aber es klingt gut. Und das ist durchaus wahrscheinlich hier im Hintergrund, dass Jesus Wein schafft.

Das Zweite: Jüdischer Wein reicht nicht aus, er ist zu wenig, um wirklich Freude, Erfüllung und Reinigung zu schenken. Und natürlich dürfen wir als Christen auch die Verbindung zwischen Wein und Blut rückblickend ein bisschen im Blick haben, wo es vielleicht auch interessant wird, warum das im Alten Testament so angekündigt wird.

Was aber völlig offensichtlich ist: Jesus bejaht Leben und Lebensfreude. Und das passt vielleicht nicht zusammen mit dem, was wir erst mal unter Religion und Christentum erwarten würden. Er hat ein großes Ja dazu. Und Jesus schenkt diese Freude in besserer Qualität, als die Menschen damals in der Lage waren. Das macht der Speisemeister ziemlich deutlich, indem er nämlich sagt: „Warum hast du die Blörre zuerst gegeben und jetzt kommt das gute Zeug?“ Jesus bringt bessere Qualität. Und natürlich steckt da im Hintergrund auch, dass das, was er anzubieten hat, besser ist als das, was die jüdische Religion damals anzubieten hatte. Was auch deutlich wird: Die Fülle und die Freude werden dann erfahren, wenn man sich im Vertrauen auf die Worte Jesu einlässt.

Maria gibt den Dienern die Anweisung: „Tut, was er sagt.“ Und wenn die Diener das Wasser nicht geschöpft hätten – was, gehe ich davon aus, ziemlich bescheuert gewirkt hat, erst mal ein bisschen Wasser in die Krüge zu füllen und dann zu hoffen, dass die Leute so betrunken sind, dass sie es nicht merken –, so ungefähr, da musst du dich darauf einlassen. Das mag im ersten Moment nicht sinnig klingen, aber wo die Menschen das tun, erfahren sie, was Gott wirklich schenken will.

Und das Letzte, worauf ich hinweisen will, bevor wir noch ein bisschen praktischer für uns werden: Das Wort für Zeichen und Wunder hier ist nicht das klassische Wort, sondern eines, das Johannes immer verwendet, nämlich „Semeion“. Das heißt nicht nur Wunder, sondern ganz bewusst Zeichen mit einer tieferen Bedeutung. Es ist ein Bestätigungszeichen, das Jesus tut, um zu zeigen, wer er ist, um seine Identität zu offenbaren, um seine Herrlichkeit zu offenbaren.

Und da ist eben dieser erste Schritt, Wein zu schaffen, der durchaus Verbindung mit den Messias-Prophezeiungen im Alten Testament hat. Es ist ein Zeichen, das, wenn ich mich auf das Leben Jesu einlasse, mir einen Hinweis darauf gibt, mit wem ich es zu tun habe. Es ist kein Beweis, kein eindeutiger vielleicht, aber etwas, das ich sehen darf und das mich herausfordert, wie ich darauf reagiere. Und viele Semeion-Zeichen zusammengenommen ergeben dann schnell ein klares Bild.

Eines wird aber recht schnell klar: Wer sich auf Jesus einlässt, auf ein Leben mit ihm, der merkt, dass er völlig anders ist, dass er alle unsere Vorstellungskraft sprengt, dass er ganz anders ist, als wir Menschen uns Gott vielleicht zusammenbauen, dass er nicht einfach in das enge Korsett passt, das wir uns für ihn gedacht haben.

Du magst dich fragen, ob solche Wunder wirklich funktionieren oder ob das ein fauler Zaubertrick ist. Aber lass dir gesagt sein: Wenn Gott wirklich Gott ist und wirklich der Schöpfer der Welt und des Universums, dann wäre meine Erwartung ja gerade, dass er solche Dinge tun kann und Naturgesetze außer Kraft setzen kann. Ganz kurz: Das ist uns, glaube ich, allen völlig klar. Nein, es ist nicht möglich, aus Wasser Wein zu schaffen. Aus Trauben kriegst du das hin, aber aus Wasser eher nicht. Du kannst zu Hause probieren, Wasserhahn aufmachen, in den Krug schöpfen – ich mache dir wenig Hoffnung, dass das klappt.

Aber wenn der, der diese Welt geschaffen hat, Mensch wird, sollte er nicht in der Lage sein? Von dem her finde ich, dass solche Dinge eher keinen Zweifel auslösen sollten, sondern eher Bestätigung, dass hier wirklich jemand ist, der mehr ist. Ja, das wäre meine absolute Erwartungshaltung, dass Gott, Jesus dazu in der Lage ist, wenn er wirklich Schöpfer ist. Und vielleicht sollte uns das eher ein Hinweis sein auf göttliche Natur, auf Gott selbst als Grund, die Dinge in Frage zu stellen.

Die Freude Gottes und der Anspruch seiner Autorität

Was sagt uns das, wenn Jesus um Gottes Macht und seine Autorität zuallererst mit so einem Wunder unter Beweis stellt?

Ich glaube, wir dürfen für uns festhalten, ob es uns gefällt oder nicht, dass Gott erst einmal nicht unbedingt eine Spaßbremse ist – vielleicht gerade trotz allem, wie er uns immer wieder dargestellt wird. Er ist jemand, der Ja zum Leben sagt. Wer sich darauf einlässt, Jesus kennenzulernen, erfährt im Kern einen Gott und lernt einen Gott kennen, der gerne gibt.

Ein Gott, der Leben und Lebensfreude schenkt – mit einer tieferen und besseren Qualität, als wir Menschen sie uns schaffen und bauen können. Eine Qualität, die wir sonst nirgends finden können: den wirklich besseren Wein.

Nimmst du Gott als so jemanden wahr? Bist du bereit, Jesus zu begegnen und das kennenzulernen? Leben in Fülle, im Überfluss – besser, als das, was du dir selber basteln und bauen kannst. Du erfährst es nur, wenn du kommst, siehst und dich auf ihn einlässt.

Doch die Fülle, die Jesus schenkt, ist nie irgendeine billige Fülle. Wer seine Herrlichkeit und Schönheit sieht und die Freude, mit der er uns Leben schenkt und Leben genießt, wird auch mit seiner Autorität und Heiligkeit konfrontiert.

Johannes führt uns und seine Leser vom Hochzeitsmahl in Kana zum Tempel, dem religiösen Zentrum der damaligen Zeit, um eine ganz andere Seite von Jesus zu zeigen: vom Überfluss zum Aufräumen.

Reinigung des Tempels: Konfrontation mit falscher Religion

Und da lesen wir noch ein paar Verse weiter: Johannes 2,12-25.

Danach zog Jesus hinab nach Kapernaum, zusammen mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern. Sie blieben nur wenige Tage dort.

Das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Dort fand er im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, sowie die Wechsler, die das Geld wechselten.

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, zusammen mit den Schafen und Rindern. Er schüttelte den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um.

Zu denen, die die Tauben verkauften, sprach er: „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Marktplatz.“

Seine Jünger erinnerten sich daran, dass geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.“

Da antworteten die Juden und fragten ihn: „Was zeigst du uns für ein Zeichen, dass du dies tun darfst?“

Jesus antwortete ihnen: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.“

Die Juden entgegneten: „Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“

Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.

Als er von den Toten auferstanden war, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte. Sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

Als er beim Passafest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie die Zeichen sahen, die er tat.

Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle. Er bedurfte nicht, dass jemand Zeugnis vom Menschen gab, denn er wusste, was im Menschen war.

Kritik am religiösen System und die neue Gottesbeziehung

Religion, die zum Business verkommt. Opfer waren wichtig, aber Nachfrage und Angebot bestimmen das Geschäft. Wenn die Nachfrage da ist, wird ein Angebot geschaffen – und das kann durchaus lukrativ für einige wenige sein. Der ganze Tempelbetrieb bot Möglichkeiten, mitzuverdienen.

Jesus hatte dafür nicht viel übrig und reinigte den Tempel radikal. In Sacharja 14,21 könnt ihr lesen, dass dies auch im Alten Testament vorhergesagt wurde, ganz am Ende von Sacharja: „Und jeder Kessel in Jerusalem und in Juda wird dem Herrn der Herrscher anheilig sein, und alle, die Schlachtopfer darbringen, werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. Im Haus des Herrn der Herrscher wird kein Händler mehr sein an jenem Tag.“

Schon damals war das ein erkennbares Problem. Auch hier geht Jesus in der Linie der Messias-Erwartung. Seine Jünger haben wahrscheinlich Psalm 69,9 im Kopf, wo es heißt, dass der Eifer um das Haus des Herrn ihn antreibt und wo sie das erkennen können.

Jesus wirft das damalige religiöse Kultsystem über den Haufen, was Konflikte auslöst. Sicherlich auch, weil er Unruhe bringt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leute hier ihre Einnahmequellen wegspringen sahen. Und ja, wie es bei uns Menschen so ist: Wenn es ums Geld geht, hört der Spaß auf. So scheint es auch hier zu sein.

Jesus muss sich rechtfertigen. Die Frage nach seiner Autorität wird direkt gestellt, und er wird nach einem Zeichen gefragt – dasselbe Wort, das wir vorhin für das Wunder in Kana gesehen haben. Jesus wird gefragt, mit welcher Autorität er sich hier hinstellt und so handelt. Woher nimmst du dir das Recht? Es ist ja schön, man könnte darüber reden, dass man vielleicht ein bisschen etwas anders machen sollte, vielleicht sind wir zu weit gegangen. Aber woher nimmst du dir das Recht, hier so aufzutreten, so einen Aufriss zu machen und mit einer Geißel die Leute herauszujagen? Das ist keine Kleinigkeit.

Jesus sagt ihnen, dass es ein Zeichen geben wird: Abriss und Aufbau in drei Tagen für den ganzen Tempel. Wir bekommen hier keine klare Reaktion von den Leuten geschildert. Ich weiß nicht, wie du das siehst. Doch, wir bekommen eine Reaktion – aber nicht, ob sie das annehmen, sondern eher so: „Wir haben jetzt 46 Jahre an dem Tempel gebaut.“ Wahrscheinlich war der Umbau, der unter Herodes geschah, noch gar nicht zu Ende, sondern ging weiter als die 46 Jahre. „Und du willst das in drei Tagen erledigen? Alles klar, danke fürs Gespräch.“

Seine Jünger sehen jedoch, dass Jesus hier von seinem Leib spricht. Deshalb müssen wir erkennen, dass es nicht nur um den Missbrauch und den Handel mit Opfern geht, sondern dass Jesus mit seiner Antwort an die Juden andeutet, dass das komplette alte religiöse System ausgedient hat und ein neues Zeitalter anbricht. Er überträgt den Tempel aus Stein auf den Tempel aus Fleisch und Blut.

Das Zeichen, warum er die Händler und alles hinausjagen darf, ist, dass er selbst der neue Tempel Gottes ist – der Ort. Wir müssen wissen, was der Tempel bedeutete: Er war der Ort, wo Gottes Gegenwart sichtbar war, wo Gott begegnet werden konnte, wo Gott erfahren wurde. Dieser Ort wird abgelöst durch Jesus selbst.

Deshalb kann dieser Tempel in drei Tagen abgebrochen und in drei Tagen wieder aufgebaut werden. In Kolosser 2,9 lesen wir, dass in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Was Jesus zum Ausdruck bringt, ist mehr als nur ein paar Händler aus dem Tempel zu vertreiben. Er sagt, dass die Gottesbeziehung nicht an einem Gebäude aus Stein oder an diesem religiösen System hängt, sondern an dem Tempel aus Fleisch und Blut – an ihm selbst. Er ist der Ort, an dem Gott begegnet werden kann, damit die Fülle erfahren werden kann.

Die Anbetung, die in der Hochzeit von Kana angedeutet wird, muss aufgeräumt werden. Anbetung und Gottesbegegnung, die auf dem Holzweg sind, müssen raus, damit echte Fülle einziehen kann.

Weiter sehen wir, dass Jesus wenig für oberflächliche Begeisterung übrig hat. Er steht nicht auf ein falsches religiöses System, aber auch nicht auf Menschen, die sich allein wegen Wundern, Wein und Co. schnell von ihm anziehen lassen. Er hat kein Interesse daran, dass sie sich groß an ihn hängen mit der Erwartung, möglichst viel Wein zu bekommen. Er will Leute, deren Herz echtes Interesse an ihm hat.

Jesus hat kein Interesse an Menschen, die das Wunder mehr schätzen als den Wundergeber.

Du und ich sind alle Anbeter – jeder, immer, jeden Tag. Wir leben für Dinge, die uns begeistern und antreiben. Das kann sich in einem religiösen System ausdrücken, in dem im Extremfall sogar Geschäft gemacht wird. Oder es zeigt sich in der Anbetung der Gabe anstelle des Gabengebers – dass der Genuss des Weins mehr im Zentrum steht als der, der ihn schenkt.

Wirklicher Genuss wird erst möglich, wenn wir den Geber hinter der Gabe sehen. Deshalb ist die Frage und Herausforderung für uns jeden Tag: Wenn wir wirklich Freude und Fülle erfahren wollen, die Jesus verheißt und die mit seiner Person verbunden ist, brauchen wir täglich eine neue Ausrichtung unserer Anbetung.

Wahre Gottesbeziehung, wahre Freude und Tiefe sind weder im menschengemachten System der Religion und Regelkataloge zu finden, noch in den modernen Tempeln unserer Zeit, die die Anbetung des Genusses zum größten Götzen gemacht haben.

Wahre Gottesbeziehung ist nur in einer Person zu finden – in der Person, auf die ich mich einlasse, zu der ich komme, deren Leben ich sehe und an deren Leben ich teilnehme.

Wirkliche Freude und Fülle gibt es nur im Freudengeber selbst.

Damit das gelingt – damit dieser Freudengeber unser Leben füllen kann und wir ihm wirklich begegnen – ist es notwendig, dass er die falschen Dinge immer wieder aus deinem Leben hinauswirft. Ja, das tut oft weh. Und ja, manchmal benutzt er dafür eine Geißel, um das herauszutreiben. Aber nicht, weil er dich verletzen will, sondern weil er Raum schaffen will.

Raum, um dir wirklich Erfüllung und Freude zu geben. Um den alten Wein rauszuräumen und den guten Wein hereinzubringen – den Wein, der wirklich tiefe Qualität hat. Der mehr zu geben hat, als du selbst hineingepackt hast, weil dein Wein nicht die Qualität und das Niveau hat, um dich wirklich zu füllen.

Deshalb muss das Alte raus, um Platz zu schaffen.

Wahre Freude und wahre Fülle erfährst du nur bei Jesus. Du erfährst sie nur dort, wo er in deinem Leben auch Ordnung schaffen darf.

So hängen bei Jesus Freude und Fülle, die er schenken will, und die Reinigung deines Lebens, seine Autorität, die er über dein Leben beansprucht, immer zusammen.

Warum braucht dein Leben Heiligung? Weil Gott dir mehr schenken will – nicht als Automatismus, sondern weil die Dinge keinen Platz haben, solange andere Götzen ihren Raum einnehmen.

Deshalb muss das raus, muss dieser falsche Götzendienst aus dem Ort der Anbetung deines Herzens verschwinden.

Das führt zu Konfrontationen. Das ist nicht immer leicht. Aber am Ende steht die Fülle und Freude, die Jesus schenken will.

Nicht ein oberflächlicher Hype, sondern tiefe Erfüllung, die nur er gibt. Die nur in der Beziehung mit ihm erfahrbar ist.

Die Himmelsleiter, die aufgeht, der Weg, um mit Gott in Beziehung zu treten – nicht mehr in ein Gebäude aus Stein, sondern in eine Person, die dich einlädt zu kommen und zu sehen.

Die Einladung zur Entscheidung und Nachfolge heute

Bist du bereit, dich auf die Einladung des Kennenlernens einzulassen, die Jesus ausspricht? Diese Einladung gilt auch dann, wenn du ihn vielleicht schon kennst. Tag für Tag spricht er sie neu in deinem Leben aus.

Wenn du skeptisch bist, will Jesus keine lange Argumentationskette mit dir führen. Stattdessen lädt er dich ein, dir sein Leben anzuschauen und ihn kennenzulernen.

Wenn du schon lange mit ihm unterwegs bist, dann möchte er dich einladen, ihm Raum in deinem Leben zu geben. Er möchte Platz schaffen und Dinge entfernen, die nichts bei dir zu suchen haben und dir nicht guttun – auch wenn dein Herz vielleicht irgendwo daran hängt. Warum? Weil er sich dir schenken will und dafür Raum braucht. Es ist so viel, dass dieser Raum da sein muss.

Jesus will dir Freude, Qualität und Fülle im Überfluss schenken. Wer sich auf Jesus einlässt, lernt niemand Geringeren kennen als Gott selbst. Er lernt den kennen, durch den die Verbindung zur ewigen Welt wieder offen ist.

Lerne den kennen, der dein Leben reich machen will. Vielleicht würden drei Jahre mit Friedrich Watz eine große Enttäuschung in deinem Leben hinterlassen. Bei Jesus war das nicht so.

Die Intensität der Beziehung in nur drei Jahren hat das Leben von Andreas, Johannes, Simon, Petrus, Philippus und Nathanael – und seit nunmehr zweitausend Jahren von Millionen anderen Menschen – so sehr auf den Kopf gestellt, dass sie ihr eigenes Leben völlig aufgegeben haben. Sie haben ihr Leben nur für diesen einen Mann gelebt, der sie in seine Nachfolge gerufen hat.

Sie waren so weit gegangen, dass sie nicht mit der Wimper gezuckt haben, ihr Leben für ihn zu lassen. Sie waren bereit, alles aufzugeben – nur eines nicht: diese Beziehung mit dem Mann von Golgatha. Warum? Weil sie in ihm den kennengelernt haben, der die Fülle, die Freude und das Leben selbst ist.

Und dieser Mann steht heute hier und lädt dich ein. Er lädt dich Tag für Tag ein, dich auf ihn einzulassen, Beziehung mit ihm zu leben und ihn kennenzulernen. Er will sein Herz mit dir teilen.

Komm und sieh. Amen.