Freude an der Gemeinschaft und Gottes Schöpfung
Ich freue mich auch, dass ihr hier seid, auch wenn ich gerne auf der Gemeindefreizeit gewesen wäre. Geht uns, glaube ich, allen so – zumindest hoffe ich, dass es denen so geht, die gerne dort gewesen wären.
Es gibt ja den Spruch, dass die schönste Freude bekanntlich die Vorfreude ist. Deshalb dürfen wir uns schon auf nächstes Jahr freuen, wenn wir das hoffentlich nachholen können. Genau, das wünsche ich euch.
Ich hoffe, ihr könnt euch trotzdem jetzt auch über das Hier und Jetzt freuen, über das Zusammensein und darauf, gemeinsam in Gottes Wort hineinzuschauen.
Ich freue mich gerade ziemlich stark, dass Gott mein Gebet erhört hat. Ich habe mich nämlich an meinen Platz gesetzt und wollte meine Predigt öffnen. Vorhin hatte ich am PC noch etwas geändert, doch die Änderungen wurden nicht synchronisiert. Das hat mich sehr nervös gemacht, ich kam ins Schwitzen. Dann habe ich nochmal manuell synchronisiert, und schließlich hat es funktioniert.
Ich hatte schon Angst, weil es letztes Jahr bei einer Hochzeit alles durcheinander war. Da hatte ich irgendwie ein Déjà-vu. Deshalb bin ich jetzt sehr froh, dass Gott da gnädig war, denn mit den Notizen war es doch angenehm.
Ich hoffe, ihr habt die letzten Wochen diese Welt immer wieder mal genossen. Damit meine ich nicht, was in der Welt alles so los ist, sondern eher die Natur und ihre Schönheit.
Der eine oder andere konnte vielleicht ein bisschen wegfahren und etwas genießen, der andere hat es hier getan. Ich glaube, dass der Corona-Lockdown bei dem einen oder anderen dazu geführt hat, dass man mehr draußen in der Natur war, sich wieder mehr bewegt und mehr genossen hat.
Man könnte ja die Frage stellen: Warum gibt es so tolle Dinge wie Strand, Sonne, Meer, Berge und Aussicht, Felsen zum Klettern, schönen Sommerregen, bei dem man sich abends gemütlich in der Wohnung einkuscheln kann? Ein gedämpftes Licht, ein gutes Buch und draußen hört man den Sommerregen plätschern – auch das genieße ich.
Ich weiß, dass die Frucht wächst. Warum das alles? Wozu?
Die Frage nach dem Warum: Gottes Rettung und unsere Dankbarkeit
Und wenn ich mein Leben anschaue und ehrlich bin, sehe ich, wie viel Sünde irgendwo da war oder da ist. Wenn ich sehe, wo ich eigentlich herkomme mit meinem Leben, und mich dann daran erinnere, was Gott getan hat – also eben getan hat, um mich zu retten, um mir ein neues Leben zu schenken – und mir dann noch überlege, was ich an seiner Stelle getan hätte, nämlich das wahrscheinlich nicht: Menschen zu retten, die ihm ins Gesicht schlagen.
Wenn ich in mir selbst keinen Grund finde, warum Gott das eigentlich tun sollte – im Gegenteil, alles dagegen spricht –, dann kann ich auch hier die Frage nach dem Warum stellen: Warum tut er das? Weshalb rettet Gott mich? Gibt es doch etwas an mir, weshalb er das tun sollte? Ist da doch noch irgendwo etwas drin, das mich zu diesem tollen Hecht macht, dass Gott das tut?
Denkst du so, dass da noch irgendwas bei dir ist? Oder stellst du dir auch manchmal die Frage, warum Gott das für dich getan hat, warum Gott gerade dich gerettet hat? Und solltest du noch an dem Punkt sein, dass du meinen würdest, du hättest es verdient – nein, du hast es nicht, wenn du mal genauer nachguckst in deinem Leben.
Bleibt die Frage nach dem Warum: Weshalb rettet Gott uns? Weshalb schafft Gott so eine schöne Welt, die noch immer so genial ist, obwohl sie unter dem Sündenfall irgendwie liegt? Wo wir immer noch so viele Dinge genießen können – warum tut er das?
Ich gebe vorweg eine simple Antwort, die als Predigttitel darübersteht: Soli Deo Gloria – allein zu seiner Ehre. Ich werde euch erklären, was damit gemeint ist. Das ist das Ziel von der Predigt heute, das ist mal eine Themenpredigt. Ich möchte mit euch darüber nachdenken, warum Gott das alles tut und warum es nicht schlecht ist, wenn er das alles zu seiner Ehre tut.
Die Schönheit der Schöpfung als Geschenk und Herausforderung zur Dankbarkeit
Und ja, wir dürfen diese Welt genießen. Sie bietet uns so viel Unglaublich Schönes. Ich weiß, es gibt genug Schlechtes, aber darum soll es jetzt mal nicht gehen. Es geht erst einmal um das, was wir an dieser Schöpfung genießen dürfen.
Ich möchte fragen, ob du manchmal überhaupt noch darüber nachdenkst oder ob du das alles als selbstverständlich hinnimmst. Freust du dich noch darüber, dass du einen Sonnenuntergang genießen darfst? Freust du dich noch über Bäume, die wachsen und Laub spenden, sodass man das Blätterrauschen hören kann? Freust du dich noch, wenn du am Meer unterwegs bist und das Meer genießen kannst? Kannst du noch durch die Welt gehen oder mit dem Fahrrad fahren, reife Kornfelder sehen und dich daran erinnern und dankbar sein, dass sie uns Nahrung geben? Kannst du reife Apfelbäume oder leckere Kartoffeln finden?
Meine Mutter hat gestern bei uns die Kartoffeln rausgeholt. Das waren solche Geräte. Das ist nicht so positiv, wenn man die Bauernweisheiten dazu kennt, aber Helmut lacht und ein paar andere auch.
Aber kannst du dich über diese Dinge freuen, oder sind sie für dich selbstverständlich? Wenn du wahrnimmst, dass sie Versorgung für dein Leben bieten, dass sie Nahrung schenken und dass diese Dinge es dir ermöglichen, gut zu leben, dann stellt sich die Frage: Wohin geht dein Dank? Führt es dich dazu, dankbar zu sein?
Und wisst ihr was? Gott ist in dieser Sache gar nicht so locker, wie wir vielleicht manchmal meinen, wenn es darum geht, ihm für diese Welt, für die Schöpfung und für das, was er uns schenkt, zu danken. Klar, wir bewegen uns so Richtung Erntedank hin. Ja, das feiert man halt einmal im Jahr, und irgendwie ist es schon schön, dass das da vorne ist. Aber dann geht man doch wieder in den Supermarkt, und es ist selbstverständlich, dass die Regale voll sind.
Und wenn man dann mal zwei Wochen lang keine neuen Nudelpackungen nachkaufen kann, wie es dieses Jahr im Frühjahr war, dann ist man frustriert und schimpft auf die Logistikkette. Aber zur Dankbarkeit, wenn sie dann wieder im Regal sind? Hm. Wer hat da noch Gedanken daran verschwendet, als es wieder Nudeln gab? Jetzt mal als Beispiel – oder Toilettenpapier? Wer ist da hingegangen?
Gottes Anspruch auf Dankbarkeit und die Gefahr falscher Anbetung
Und ich möchte mit euch ein paar Verse aus Römer 1 lesen, die uns klar machen, dass Gott hier nicht zimperlich ist, wenn er nicht den Dank dafür bekommt, was er geschaffen hat – für diese Welt und die Versorgung, die sie uns bietet.
Ihr kennt die Verse, aber ich möchte sie ganz bewusst in diesen Kontext setzen. In Römer 1,18-23 heißt es:
„Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Jetzt kommt das Spannende: Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar, denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben.“
Ich fasse das mal kurz mit meinen Worten zusammen, weil hier manchmal lange Paulussätze etwas kompliziert sind.
Was sagt er hier? Er sagt, dass diese Erde und alles, was wir hier Gutes erleben, die Genialität, wie alles zusammenspielt, die Genialität, dass jedes Jahr irgendwo die Bäume ihre Blätter fallen lassen und alles tot aussieht, trist und grau, und doch Jahr für Jahr das Frühjahr kommt, in dem diese Bäume wieder Blätter sprießen lassen, blühen und tiefe Früchte tragen.
Woher kommt das? Wozu soll uns das führen, wenn wir das sehen? Zu Gott hin.
Und da heißt es im Vers 21: „Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen, noch dem Gedanken, sondern sind ins Nichtige verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zum Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere.“
Eigentlich sollten wir Gott wahrnehmen, wenn wir diese ganzen Dinge sehen. Aber was sagt Paulus hier, was die Menschen eigentlich tun? Sie sehen diese guten Dinge teilweise, sie genießen sie. Und ja, für die Jüngeren: Ihr braucht ja nur Instagram durchscrollen, wie viele tolle Landschaftsbilder ihr dort immer wieder seht, wo der eine oder andere postet, dass Menschen das genießen.
Aber – und jetzt kommt der schwierige Punkt – es führt sie nicht dazu, dass sie Gott erkennen und ihm dankbar sind. Stattdessen fangen sie etwas viel Schlimmeres an: Sie beten andere Götter an. Das ist hier gemeint.
Natürlich waren es zu der damaligen Zeit durchaus geschnitzte Holzstücke oder Bronzelstücke und Ähnliches, bei denen man sich sowieso fragt, warum jemand davor niederfällt. Aber ich glaube auch, dass wir heute in der Gefahr sind, andere Dinge anzubeten.
Ich glaube, wir sind ganz schnell bereit, die Natur selbst als Schöpfer anzubeten, indem wir sagen: „Ach, das ist doch so genial, wie die Natur ist.“
Ich glaube, dass wir für die Nahrung, mit der wir versorgt sind, manchmal sogar uns selbst anbeten können. „Toll, wie wir das hingekriegt haben. Wir haben es drauf, bei uns wächst der Gemüsegarten, das ist praktisch. Wir verdienen so gut Geld, dass wir uns jederzeit alles an Nahrung kaufen können.“
Warst du Gott schon mal dafür dankbar, dass du jeden Monat so viel Geld hast, dass du ohne zu zögern in jeden Supermarkt gehen kannst und dich ausreichend versorgt weißt? Oder rechnest du es deiner eigenen Leistung auf der Arbeit zu, dass das passiert?
Ich glaube, auch wir sind hier ganz schnell in der Lage, uns Götter zu schaffen, denen wir dankbar sind für das Gute in der Welt, die wir um uns haben, die aber eigentlich nicht verantwortlich dafür sind.
Wenn ihr Römer weiterlest – wir werden es jetzt aus Zeitgründen nicht tun, ich denke, die meisten kennen es – werdet ihr sehen, dass das die Ursprungssünde ist, die Gott den Menschen vorwirft: dass sie ihn nicht mehr als den Schöpfer anbeten und anerkennen und ihm nicht den Dank dafür geben.
Wenn man anstelle Gottes andere Götter setzt, dann glaube ich, dass eines der ersten zehn Gebote hier richtig ins Gewicht fällt.
Gottes Gebot zur ausschließlichen Anbetung
Könnten wir 5. Mose 5 gemeinsam aufschlagen? Ab Vers 7 wird dieses Gebot näher ausgeführt. Dort heißt es nicht nur einfach, du sollst keine anderen Götter haben, sondern es steht noch sehr viel mehr dazu – ähnlich auch in 2. Mose 20. Denn es wird beschrieben, warum das so ist.
Dort steht: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel ist, noch von dem, was unten auf der Erde ist, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Manchmal werden die beiden Gebote getrennt, manchmal zusammengezählt; da gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Ab Vers 9 folgt etwas Wichtiges, das sich meiner Meinung nach auf beide Gebote bezieht: Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen, denn...
Hier wird Gott uns in einer Eigenschaft beschrieben, die wir vielleicht manchmal gerne vergessen: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
Diese Eigenschaft ist verbunden damit, sich fremde Götter zu machen. Ich möchte an dieser Stelle mit dem Römerbrief und einer bestimmten Stelle nur eines herausstellen: Nehmt es nicht so locker, euch selbst die Anerkennung und den Dank zu schenken für das, was ihr Gutes im Leben habt.
Gott ist eifersüchtig, weil er tatsächlich derjenige ist, der das schenkt, der das tut, der das gibt. Es bist nicht du, es ist nicht irgendein Stück Holz, das man im Garten aufstellen kann, es sind auch nicht andere Menschen um dich herum, die das leisten – sondern es ist Gott. Und Gott wünscht sich diese Anerkennung.
Man könnte meinen, das sei negativ. Ich werde später noch etwas darauf eingehen, warum das nicht so ist. Aber oft wurde Gott nicht die Ehre gegeben, die ihm wirklich zusteht.
Was ich jetzt genannt habe, war zunächst bei der Schöpfung angesiedelt. Es steht meiner Meinung nach fest zusammen mit der Versorgung an Nahrung und allem Wichtigen fürs Leben. Das ist erst einmal eine allgemeine Gnade, die alle Menschen auf dieser Welt mehr oder weniger erfahren.
Gott wünscht sich dafür von allen Menschen Dank, Anerkennung und Ehre. Wir sollten Gott dafür ehren, was wirklich dran ist, wenn wir die Natur genießen oder mit Nahrung versorgt sind.
Und ich glaube, noch viel mehr ist es wichtig, Gott Danke zu sagen – und zwar nicht nur als Lippenbekenntnis, das sich in der Gebetsgemeinschaft gut macht, sondern dass diese Dankbarkeit tief in deinem und meinem Herzen verwurzelt ist.
Kannst du Gott dankbar sein dafür, dass du klettern gehen kannst – wie es gestern ein Paar aus der Jugend getan hat – oder für eine E-Bike-Tour, die man unternehmen kann? Kannst du Gott dankbar sein dafür, am Lagerfeuer zu sitzen, ins Feuer zu schauen und gemeinsam Lieder zu singen?
Kannst du Gott dankbar sein für Urlaub, den du machen kannst? Kannst du dankbar sein für den heutigen Nachmittag, an dem ich davon ausgehe, dass keiner von uns Arbeitsverpflichtungen nachgehen muss?
Kannst du Gott dankbar sein für das viele, viele Gute, das er dir in deinem Leben gönnt und schenkt? Oder schreibst du das alles dir selbst zu? Hast du Gott aus tiefstem Herzen dafür Danke gesagt? Ist dein Leben von dieser Dankbarkeit geprägt?
Dankbarkeit als Ausdruck der Ehre Gottes
Warum spreche ich von Dankbarkeit, obwohl ich eigentlich von Ehre rede? Ich glaube, dass beides eng miteinander verbunden ist. Wenn ich jemanden ehre, drücke ich ihm meist meinen Dank aus – für das, was er getan hat.
Ich denke, Gott können wir kaum mehr ehren, als ihm für das zu danken, was er tut. Er wünscht sich, dass wir ihn anbeten für die Geschenke, die er uns macht, und nicht fremde Götter. Indem wir ihm danken, ehren wir ihn und machen ihn groß.
Man könnte das Schicksal, die Natur, den Lauf der Dinge oder was auch immer dafür verantwortlich machen, dass es den meisten von uns im Leben gut geht. Doch ich glaube, wenn wir in die Welt schauen, wird jeder hier im Raum zustimmen: Es geht uns wirklich gut – und das verdanken wir Gott.
Aber das ist nicht alles. Ich glaube, es gibt noch etwas viel Größeres, wofür wir Gott ehren sollen. Die Schöpfung allein ist nicht alles. Es gibt noch so viel Größeres.
Gottes Rettung als Ausdruck seiner Ehre
Wenn wir das Evangelium betrachten, spricht es zunächst davon, dass du und ich wirklich tot in Sünden sind. Ich habe bewusst diese biblische Formulierung gewählt: „tot in Sünden“. Das bedeutet, dass du und ich in einem Leben unterwegs waren, in dem wir nicht mehr erkennen konnten, was gerade beschrieben wurde – nämlich dass Gott uns gute Dinge schenkt.
Wir waren nicht mehr dankbar für alles, was Gott uns gab. Stattdessen wollten wir uns ganz bewusst an seine Stelle setzen. Das Evangelium sagt weiter, dass Gott selbst sich entscheidet, Mensch zu werden, auf diese Erde zu kommen und für dich und mich auf Golgatha zu sterben. Er bezahlt unsere Schuld und schenkt uns ein neues Leben, das durch seine Auferstehung bestätigt wird.
Gott sagt denen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen, dass sie ewig leben werden. Er schenkt ihnen ein neues Leben und verändert ihr Leben. Wenn wir das verstehen, können wir uns auch die Frage stellen: Warum tut Gott das?
Ich denke, er hat die Schöpfung auch geschaffen, damit wir ihn anbeten. Doch bei der Errettung wird das noch viel deutlicher.
Gottes heilende Veränderung als Zeichen seiner Heiligkeit
Ich möchte mit euch ein Prinzip aufzeigen, das sich im Alten Testament andeutet und im Neuen Testament klarer wird. Schlagen wir dazu bitte Hesekiel 36, Verse 22 bis 28 auf. Dort beschreibt Gott etwas an Israel, das gerade in der Verbannung ist, wie er sie wieder retten will und warum er das tut.
Gott sagt zu Hesekiel: „Darum sollst du zum Haus Israel sagen: So spricht Gott, der Herr: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Heiden, wohin ihr auch gekommen seid. Denn ich will meinen großen Namen, der von den Heiden entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen, und die Heiden sollen erfahren, dass ich der Herr bin“, spricht Gott, der Herr, „wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin.“
Lasst uns kurz die geschichtliche Situation betrachten: Israel hat immer wieder andere Götter an die Stelle Gottes gesetzt und diese Götter angebetet. Sie haben Hurerei getrieben, wie die Propheten Israel oft vorwerfen. Sie haben Gott nicht die Ehre und Dankbarkeit gegeben, die ihm zustehen würde. Deshalb wurden sie in die Verbannung nach Babylon geführt.
In dieser Zeit passiert etwas bei den Völkern. Sie spotten, denn wenn ein Volk in Verbannung geführt wird, bedeutete das in der antiken Welt, dass ihr Gott nichts taugt. Gott sagt nun, dass er an Israel etwas tun wird, um die Ehre seines Namens wiederherzustellen, um seinen Namen wieder groß zu machen und das deutlich zu zeigen.
Spannend finde ich, was hier geschieht. Man könnte erwarten, dass Gott mit einer großen Kriegsmacht eingreift, um Israel wieder zu einer Weltmacht zu machen. Doch das beschreibt er hier nicht. Ein paar Leute kehren nach Hause zurück – das kennen wir aus der Geschichte von Esra und Nehemia. Aber Israel war seitdem nie mehr diese große Nation.
Gott beschreibt dennoch etwas, das er an Israel tun wird. Ich denke, das ist eine Vorankündigung dessen, was er auch in deinem Leben getan hat. Er schreibt: „Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen.“ Das ist, denke ich, Israel.
Nun kommt etwas Spannendes, was Gott tun will: „Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet von all eurer Unreinheit, und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“
Weiter heißt es: „Ihr sollt wohnen im Land, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.“
Wisst ihr, was im Zentrum dieser Verheißung steht? Nicht allein das große Volk, sondern veränderte Herzen, neue Herzen, neues Leben, Veränderung – das ist das Zentrum dessen, was Gott tun will, um seinen Namen wieder groß zu machen.
Gottes Gnade als Grund für unsere Rettung
Und manchmal fällt es mir leicht zu sagen: Ja mei, das war halt Israel. Ich hätte das alles viel besser gemacht.
Ich hätte mich in der Wüste Sinai, wenn Mose sich ein bisschen verzögert hätte, gleich ein goldenes Kalb hingestellt. Ich hätte, wenn ich einen tollen König wie David gehabt hätte, dann nicht den Nächsten hinterhergerannt, die Laura-Götzentempel aufgestellt. Ich hätte anders gehandelt, ich hätte das besser hingekriegt. Ich wäre nicht auf der Seite der Baalspriester gestanden, sondern hinter Ilija, viel besser.
Nein, so ist es nicht. Auch dass du und ich errettet sind, ist ja auf keiner besseren Grundlage passiert. Es ist auch für dich und mich nicht passiert, weil Gott etwas Tolles an uns erkannt hätte, um uns wieder zu retten. Das hat er in Israel auch nicht getan. Er tut es nicht, weil das Volk so toll wäre. Er tut es wegen seines Namens, und so ist es auch bei uns.
Man könnte noch Römer 11 mit hinzunehmen. Es ist spannend, dass die Stelle hier im Römer 11 genau dort anfängt, wo Paulus auch argumentiert, dass wir in diese Verheißungen Israels eingepfropft sind, in dieses Leben hineingenommen wurden. Und er schreibt dann etwas, was auch für dich und mich gilt.
In Vers 33 geht es um folgende Worte: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, damit Gott es ihm vergelten müsste?“
Die Fragen, die Paulus hier stellt, sind genau die, die in unserem Leben aufkommen müssten, wenn wir uns fragen: Was hat Gott sich eigentlich dabei gedacht, uns zu retten? Das ist unverständlich.
Und dann sagt er in Vers 36: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“
Paulus will, glaube ich, hier eines deutlich machen. Man muss den ganzen Römerbrief noch ein bisschen im Kontext, vorher und nachher, lesen. Paulus hat jetzt die ganze Errettung bis hierher ausgeführt und argumentiert. Der ganze Römerbrief verfolgt als roter Faden genau die Tatsache, dass wir Sünder sind, dass Jesus für uns stirbt und uns rettet.
Und jetzt stellt sich die Frage, warum das geschieht – zu seiner Ehre. Es liegt nicht an dir oder mir. Es ist Gottes Gnade. Und er tut es um seiner Ehre willen, für Ewigkeit, weil alles von ihm kommt, durch ihn geschieht und zu ihm hinführt.
Die Bedeutung der Ehre Gottes für unser Leben
Gott rettet uns, damit sein Name groß wird – das klingt egoistisch. Warum ist das nicht so? Lasst euch noch ein bisschen überraschen bis dahin.
Aber ich möchte euch davor noch eine andere Frage stellen, die mit unserer Rettung zu tun hat: Wenn Gott nicht die Ehre dafür bekommt, dass du gerettet bist – wer denn bitte dann? Einfach mal so reingestellt: Wenn Gott nicht die Ehre bekommt, wer dann? Vielleicht doch du? Ich glaube nicht. Wen kannst du mir zeigen, der die Ehre verdient hätte, wenn nicht Gott?
Und wenn Gott nicht seine Ehre einfordern würde, indem er uns rettet, dann würde er die Sünde einfach ihren Lauf lassen. Am Ende würde die Sünde ihre Ehre einfordern. Wenn Gott Israel in dieser Situation komplett gelassen hätte, dann hätte das Böse letztendlich gesiegt und triumphiert, und alles wäre kaputt gewesen.
Wenn Gott dich und mich im Elend der Sünde gelassen hätte und nicht seine Ehre dadurch eingefordert hätte, dann hätte die Sünde ihre Ehre bekommen, weil sie nämlich den Kampf gewonnen hätte.
Ich möchte, wie vorhin bei der Schöpfung, die Frage stellen: Wenn du darüber nachdenkst, dass du Christ bist – was bewirkt das in deinem Leben? Ist es für dich schon Alltag, sodass du dich manchmal gar nicht mehr daran erinnerst, woher du kommst? Oder führt es dich zu Dankbarkeit und in Anbetung?
Ich möchte, dass du dir nochmal auffrischst, wo du herkommst. Tobi hat das schon vor längerem mal getan, weil er darüber gepredigt hat. Aber ich möchte dir einfach nur die Verse aus Epheser 2, die ersten neun Verse, vorlesen. Ich habe überlegt, ob ich das selbst beschreibe, aber die Verse sind so gut, dass ich sie jetzt aus der Neuen Evangelistischen Übersetzung lese:
„Auch euch hat er mit Christus lebendig gemacht, obwohl ihr durch eure Sünden und Verfehlungen tot wart. Darin habt ihr früher gelebt, abhängig vom Zeitgeist der Welt, abhängig von der Geistesmacht, die in der Luft herrscht und jetzt noch in den Menschen wirksam ist, die Gott nicht gehorchen wollen. Zu ihnen haben wir früher auch gehört und wurden wie sie von unseren Begierden beherrscht. Wir lebten unsere Triebe und Ideen aus, denn das war unsere Natur. Deshalb waren wir wie alle anderen dem Zorn Gottes ausgeliefert.
Aber Gott ist reich an Erbarmen und hat uns seine große Liebe geschenkt und uns mit dem Messias lebendig gemacht, ja auch uns, die aufgrund ihrer Verfehlungen für den Tod bestimmt waren. Bedenkt: Aus reiner Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Jesus Christus auferweckt und uns mit ihm einen Platz in den Himmelswelten gegeben, damit er euch in den kommenden Zeitaltern den unendlichen Reichtum seiner Gnade und Güte in Jesus Christus an uns deutlich machen kann.
Denn durch die Gnade seid ihr gerettet worden aufgrund des Glaubens. Dazu habt ihr selbst nichts getan, es ist Gottes Geschenk und nicht euer eigenes Werk. Denn niemand soll sich etwas auf seine guten Taten einbilden können.“
Ist das in deinem Leben Realität? Und wem gebührt die Ehre dafür? Dir?
Wenn du diese Verse durchliest, findest du da einen Punkt, an dem du sagen könntest: „Da kann ich mich auf den Protest stellen, ich bin besser als andere Menschen“? Ich glaube, es führt nur dazu, dass wir Gott danken können.
Der Kampf um unser Leben und die Reaktion darauf
Was hier beschrieben wird, ist, dass wir im Kampf unseres Lebens nicht selbst eingreifen können. Diese Realität muss uns, glaube ich, bewusst sein. Es ist eher wie ein Boxkampf, dem wir zuschauen. Nur eine Sache involviert uns doch ein Stück weit: Der Kampf geht um dich. Es ist das Duell um dich, das hier ausgefochten wird.
Wie wird dieser Kampf ausgehen? Ewige Sklaverei oder eine tiefe, ewig andauernde Liebesbeziehung? Zwei Liebhaber buhlen in diesem Kampf um ihre Braut. Das ist das Bild, das die Bibel uns teilweise auch beschreibt. Und die Frage ist: Wer wird gewinnen? Der Despot, der die Frau nur für die Sklaverei haben möchte, oder derjenige, der in tiefer Liebe alles aufgibt, für sie kämpft und um sie ringt?
Das, was uns beschrieben wird, Anja, ist: Dieser Kampf ist bereits gekämpft worden. Er wurde auf Golgota ausgefochten. Dort ist Jesus als der große Sieger hervorgegangen, der das Duell um dein Leben gewonnen hat. Er ist der Held, der sich selbst geopfert hat, damit alles, was im Epheserbrief beschrieben ist, in deinem Leben Realität werden kann.
Wisst ihr was? Dafür gibt es nur eine Reaktion. Und entschuldigt jetzt, dass ich dieses Bild verwende: Wenn jemand für dich diesen Kampf kämpft, weil er dich gewinnen will und dich davor rettet, eine lebenslange Sklaverei zu erleiden, und er diesen Kampf gewinnt, dann gibt es nur eine Sache: Hinrennen.
Ja, und wir würden jetzt sagen, um den Hals fallen, aber vor allem dankbar sein, diese Tat annehmen und ihn dafür ehren, dass er das geschaffen hat. Es gibt nichts Besseres. Ich glaube, es kann keine andere Reaktion geben. Alles andere würde uns völlig utopisch vorkommen.
Und wenn wir jetzt hergehen würden, und jemand hat so einen Boxkampf für dich gewonnen, und du rennst hin und sagst: „Toll, habe ich gut hingekriegt“, dann ist das völlig irrsinnig. Du hast da überhaupt nichts hingekriegt. Oder noch schlimmer: Wenn man zu dem hinrennt, der eigentlich verloren hat, und sich weiter an ihm festhält und das Leben so lebt, wie es der Verlierer gerne hätte.
Wie jeder von uns würde doch verstehen, wenn der Sieger völlig enttäuscht wäre und seine Ehre einfordern würde, weil er diesen Kampf gewonnen hat, weil ihm der Dank gebührt, weil er bezahlt hat. Und so sollte es, glaube ich, auch in unserem Leben sein: Jesus gebührt Dank, weil er diesen Kampf gewonnen hat. Ihm gebührt die Ehre, dieser Siegeskranz, die Krone.
Ehre Gottes im Alltag leben
Und wie können wir das am besten zum Ausdruck bringen? Das ist die letzte große Frage für heute.
Durch fromme Rituale, so wie es viele Religionen tun? Dass wir bestimmte Termine einhalten, bestimmte Rituale durchführen und Opfer bringen? Oder doch etwas anderes?
Ich glaube, wenn jemand um diese Frau gekämpft hat und sie befreit hat, kann sie ihre Dankbarkeit mit nichts weniger ausdrücken, als dass sie ihr ganzes Leben diesem Mann hingibt. Und genau das wünscht sich Jesus. Ich möchte euch das begründen.
Paulus war mit den Korinthern unterwegs. Dort gab es heftige Streitigkeiten über die Frage, ob sie Götzenopferfleisch essen dürfen oder nicht, und ähnliche Dinge. Sie hatten große Probleme damit, weil die einen die Freiheit dazu hatten und sagten: „Für mich ist das kein Götzenopferfleisch, ich genieße das Nackensteak“, während die anderen entsetzt waren: „Wie kannst du das nur tun?“
Paulus argumentiert, dass sie hier Freiheit haben. Der eine kann so handeln, der andere anders. Ich schlage dazu 1. Korinther 10,31 auf und lese nur den einen Vers, weil Paulus ihnen ein ganz wichtiges Prinzip mitgibt, das für ihr Leben gelten soll.
Dort heißt es: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, tut alles zu Gottes Ehre.“ Paulus kommt aus dem Kontext, in dem der eine sagt „Hilfe!“ und der andere sagt „Ja, ich habe total die Freiheit dazu.“ Und jetzt gibt Paulus seine Antwort: Das Grundprinzip, das über allem steht, ist, dass alles zu Gottes Ehre geschehen soll.
Das ist das wichtige Prinzip, das Paulus hier vermittelt. Und ich glaube, wir dürfen uns das auch für unser Leben mitnehmen. Es gibt nicht immer ein komplett richtig oder falsch im Leben. Manchmal ist gar nicht so entscheidend, was wir tun, sondern wie wir es tun. Tun wir es nur, damit wir besser dastehen? Oder stellen wir uns die Frage, wie es dazu dient, Gottes Namen groß zu machen?
Ich glaube, es gibt ein paar zentrale Fragen in unserem Leben, bei denen sich dieses Muster besonders zeigt und sich das ganz praktische Leben widerspiegelt.
Wir können uns das für die Jüngeren jetzt bei der Jobfrage vorstellen: Was ist deine erste Frage? Ist es der Job, bei dem ich am meisten Geld verdiene? Ist es der Job, bei dem ich die größte Anerkennung bekomme? Ist es der Job, bei dem ich am besten dastehe oder am meisten Spaß habe? Oder stellst du dir die Frage, ob du Gott dort dienen kannst, ob Gott dich dort haben will?
Damit meine ich nicht, dass du im Hintergrund denkst: „Ich brauche Gottes Segen, damit ich wirklich am meisten Geld verdiene und alles gut läuft.“ Sondern ich meine, dass du dir die Frage stellst: Ist das der Platz, an dem ich Gottes Namen groß mache? Auch wenn es mich am Ende vielleicht wieder den Job kostet. Dass du an die richtige Stelle gehst, weil das Ziel deines Lebens ist, den Mann groß zu machen, der diesen Kampf für dich gekämpft hat, der alles für dich aufgegeben hat, sein Leben für dich gelassen hat, um dich zu retten. Weil diese Liebe dich antreibt.
Du kannst dir auch die Frage stellen, wenn du in eine Ehe oder Beziehung gehst: Was ist deine Motivation? Dass du glücklich wirst, einen Partner findest, dass es gut läuft, dass Gefühle dabei sind oder nicht? Oder dass Gott groß wird?
Du kannst dir die Frage stellen für den Herrn, dein Auto, das du dir kaufst, für die Zeit, wie du sie verbringst, für das Haus, das du kaufst und vieles mehr.
Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich bin absolut dagegen zu sagen, es muss das kleine, billige Auto sein. Das wäre zu simpel. Ich kenne genug Leute, die ein gutes Auto haben, aber es trotzdem freigiebig verleihen oder wirklich für das Reich Gottes einsetzen. In anderen Bereichen setzen sie dann eben mehr Prioritäten.
Aber stellst du dir die Frage, wie du Gott ehren kannst? Das heißt nicht, dass wir keine Dinge genießen dürfen. Das ist ja das Spannende: Gott schenkt uns so viel Gutes, wofür wir dankbar sein dürfen und ihn anbeten können.
Aber lebst du mit diesem Prinzip, dass du in deinem Leben diesen Bräutigam groß machen wirst? Und wenn es vielleicht auch Richtung Ende des Lebens geht: Was ist dann die Priorität? Dass wir es möglichst bequem haben? Dass wir das Leben gut gelebt haben? Oder dass in unserem Leben er groß wird?
Man kann das Ganze knapp zusammenfassen: Was wird in deiner Grabrede über dich im Zentrum stehen?
Das ist die Frage, bei der wir, glaube ich, alle irgendwo Punkte finden, die zeigen, was Sache ist in unserem Leben und wohin wir gehen sollen.
Lebendige Steine im geistlichen Haus Gottes
Ich lese euch noch einen Vers aus 1. Petrus 2, Vers 5 und danach einen weiteren aus Epheser 2 vor, die uns noch etwas Wichtiges deutlich machen.
Petrus sagt: „Auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Haus und zur heiligen Priesterschaft, zu Opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus“ (1. Petrus 2,5).
Darauf folgt: „Darum steht in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden.“
Ich möchte euch kurz den Kontext zu diesen Versen geben. Petrus argumentiert, dass wir errettet sind und dass Gott diese große Errettung für uns geschaffen hat. Er fährt dann fort und sagt, wir sollen nun in seinem Haus mit aufgebaut werden – als lebendige Steine.
Was meint er damit? Er meint dasselbe, was Paulus in Epheser 2,10 schreibt: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir darin wandeln sollen.“
Das bedeutet, dass Gott sich wünscht, dass wir unser Leben so leben, dass wir mit dem, was wir tun, ihn groß machen. Dabei kannst du dir die Frage stellen, welche Gaben Gott dir geschenkt hat. Er hat dich begabt.
Der eine von euch hat vielleicht musikalische Fähigkeiten, ich selbst habe sie nicht. Gestern saßen wir in der Schwabacher Jugend am Lagerfeuer. Ich habe es sehr genossen, dass wir teilweise Lieder auswendig gesungen haben, obwohl es stockdunkel war – a cappella und Ähnliches. Ich war so dankbar, dass Michi dabei war. Er hat eine Gesangsgabe und hat es wirklich geschafft, alle so anzuleiten, dass sie textsicher mitgesungen haben. Das klang für mich richtig gut.
Wahrscheinlich haben einige andere noch Fehler gehört, und wenn ich versucht habe mitzusingen, war das deutlich zu hören. Aber ich fand es einfach wahnsinnig schön.
Vielleicht hat Gott den einen oder anderen von euch auch hier vorne begabt. Ich genieße das. Andere von euch hat er vielleicht mit handwerklichen Fähigkeiten ausgestattet. Vor einigen Tagen schrieb jemand in WhatsApp, wer den Teppich hier so schön gepflegt und verlegt hat und wie genial das ist. Die Antwort war simpel: „Das war Helmut.“ „Nein, Friedrich.“ „Oder auch nicht.“ „Helmut.“ „Ja, beide zusammen.“
Ja, und demütig sind sie auch. Ich hätte das nicht so hingekriegt. Bei mir wäre der Teppich wahrscheinlich nicht so gerade verlegt, und es wären vielleicht Wellenmuster drin, die der eine oder andere vielleicht auch schön findet. Aber ich bin dankbar und kann das genießen.
Das sind nur zwei Beispiele, wo Männer und auch Frauen hier vorne ihre Gaben für Gott eingesetzt und damit Gott geehrt haben. Dafür dürfen wir ihnen dankbar sein.
Aber wisst ihr, was das Schöne ist? Was wir nicht vergessen dürfen und was wir genießen dürfen, wenn wir uns hier umschauen: Gott hat in jeden Einzelnen von uns Begabungen und Fähigkeiten gelegt. Vielleicht hast du diese Gaben nicht, und das soll nicht zu Neid führen.
Vielmehr soll es dazu führen, dass wir Gott danken für die Schönheit, die er schafft, und für das Geniale, das er in anderen Menschen tut. Menschen haben die Fähigkeit, ihn zu ehren und ihre Gaben für ihn einzusetzen – nicht für sich selbst.
Wenn du zum Beispiel gut organisieren kannst oder gut mit Zahlen umgehen kannst, dann darfst du dir auch die Frage stellen: Setze ich diese Fähigkeiten nur ein, um möglichst große Karriere zu machen, oder setze ich sie auch für Gottes Reich ein, um ihn zu ehren?
Es kann durchaus sein, dass das mit Karriere verbunden ist. Aber hast du im Hintergrund das Ziel, dass Gott dadurch groß wird und du im Hintergrund seinen Namen ehrst?
Die richtige Sicht auf Ehre und Gottes Anspruch
Warum ist Ehre nicht schlecht oder egoistisch, wenn Gott seine Ehre sucht?
Ich glaube, wir sind von unserer Zeit geprägt, und deshalb möchte ich kurz darauf eingehen, warum man mit Ehre oft etwas Komisches oder Anrüchiges verbindet. In Deutschland ist das, glaube ich, besonders ausgeprägt. Das liegt daran, dass Ehre im Dritten Reich überhöht wurde – allerdings in der falschen Richtung. Seitdem haben wir vieles davon zerstört. Andere Länder sind da etwas lockerer im Umgang mit Ehre.
Oft verbinden wir mit Ehre den Despoten oder Diktator, der, bildlich gesprochen, mit der Peitsche von seinen Untertanen Anbetung einfordert. Das ist häufig das Bild, das wir im Kopf haben. Oder wir denken an Menschen, die vielleicht berechtigt geehrt wurden, weil sie eine tolle Leistung erbracht hatten. Doch diese Ehre ist ihnen zu Kopf gestiegen, und ihr Leben ist daran zugrunde gegangen.
Ich weiß nicht, ob sich noch jemand daran erinnert, aber ich habe letztens wieder daran gedacht: 1997 habe ich gerne die Tour de France geschaut und Jan Ullrich wahrgenommen. Er ist so ein Beispiel, bei dem die Ehre wohl zu Kopf gestiegen ist und das echte Leben darunter gelitten hat. Solche Dinge haben wir im Kopf, wenn wir sagen, dass man Menschen lieber nicht zu sehr ehren sollte. Man fürchtet, dass sie sich überheben könnten.
Wenn wir aber Ehre in der Bibel sehen, wenn wir sehen, für was Gott Ehre einfordert, dann ist es spannend. Gott steht nicht als Despot mit Peitsche da, sondern fordert seine Ehre dafür ein, dass er diese Welt als riesiges Geschenk für uns Menschen geschaffen hat. Wenn ihr euch an die Predigt über den ersten Mose erinnert, wo Gott uns als Menschen in diesen perfekt geschaffenen Garten setzt, dann fordert er seine Ehre dafür ein, dass er auf diese Welt gekommen ist und sein Leben für dich und mich gegeben hat.
Es ist also Ehre nicht für Dinge, die erzwungen sind, sondern für tiefste Liebe und eine tiefste Aufgabe für uns Menschen. So glaube ich, dass das, was in der Bibel beschrieben wird, vielleicht ein Kreislauf ist: Gott gibt alles für uns hin. Was er zurückbekommt, ist Dankbarkeit und Ehre – und darauf hat er volles Recht.
Es ist eben nicht der Despot, der ohne etwas für sein Volk zu tun, von ihnen verlangt, ihn anzubeten. Nein, es ist Gott, der wirklich alles dafür getan hat. Und ja, er muss auch seine Ehre einfordern, denn der Dank bleibt nicht im luftleeren Raum für die guten Dinge, die es gibt. Ansonsten bekommt ihn jemand anders.
Wenn nicht Gott, dann falsche Götter. Wenn nicht Gott, dann die Dinge, die diese Welt zerstören, in den Abgrund reißen und kaputtmachen – dann der größte Feind von Gott. Wenn Gott nicht die Ehre bekommt, wer dann? Die Alternative ist grausam, denn sie ist der Despot, der alles zerstört.
Deshalb bin ich dankbar, dass Gott seine Ehre einfordert und diese Welt nicht im Elend lässt, nicht kaputtgehen lässt und nicht dem Teufel die Ehre gibt. Stattdessen sagt er: Ich fordere meine Ehre ein. Das zeigt er am Beispiel Israels deutlich, aber er tut es, indem er neues Leben schafft. Indem er Menschen aus dem Strudel dieser Welt herausreißt und sie rettet.
Praktische Fragen zur Ehre Gottes im Leben
Zum Schluss noch eine praktische Frage: Worauf willst du dein restliches Leben bauen? Auf deine eigenen Wünsche und Ideen, damit du selbst gut dastehst? Oder darauf, dass Jesus, der alles für dich aufgegeben hat, durch dein Leben geehrt wird?
Was bedeutet das praktisch? Ich glaube, ganz konkret heißt das: Wo Sünde in deinem Leben ist, wo du genau weißt, dass sie Gott nicht ehrt, wirf sie raus. Das ist der allererste Schritt. Tue Buße und kehre um.
Dann dürfen wir uns die Frage stellen, wo Gott uns begabt hat. Wo können wir diese Gaben für ihn einsetzen? Was kannst du gut? Es geht nicht darum, was du am besten kannst, sondern darum, was dir halbwegs gelingt. Und wo kannst du Gott damit ehren? Nutze diese Gabe nicht einfach nur zum Selbstzweck für dich.
Es geht nicht um die Top-Gaben, die wir irgendwo vorne stehen haben. Und ich will jetzt keine Gabenpredigt halten, aber die Frage ist: Wie kannst du Gott damit ehren? Gott hat dir etwas geschenkt, das verheißt er. Wie kannst du es für ihn einsetzen, damit er groß wird?
Gott zu ehren bedeutet nicht in erster Linie, dass wir kämpfen müssen. Es bedeutet, ihn zu lieben und dankbar zu sein.
Weißt du, was ich glaube? Dieser Held im Boxkampf, der gewonnen hat und dadurch vielleicht jemanden befreit hat – ich habe hier nur ein heroisches Bild verwendet – weißt du, was er sich am meisten wünscht? Nur eine Sache: dass diese Frau gerannt kommt und ihm unter den Hals fällt, also ganz bildlich gesprochen.
Wenn ich in die Bibel schaue, dann habe ich den tiefen Eindruck, dass Gott sich am allermeisten wünscht, dass du, weil er dich gerettet hat, zu ihm kommst und ihm dein Leben lang dankbar bist. Nicht mehr und nicht weniger. Dass du ihm dankst für das, was er tut.
Es lohnt sich.
Ewige Ehre für Gott und das Vermächtnis der Reformation
Wisst ihr, was das Schöne ist? Wir gehen auf eine Ewigkeit zu.
Ja, ich könnte jetzt viele Stellen aus der Offenbarung zitieren, aber dafür fehlt die Zeit. Dennoch sehen wir klar, dass die Ewigkeit davon erfüllt sein wird, Jesus zu danken und ihm die Ehre zu geben – Gott zu danken und ihm die Ehre zu geben.
Warum? Weil für uns jeden Tag mehr sichtbar wird, was er getan hat. Ich glaube, dass wir in der Ewigkeit vollkommen erkennen können, wie groß und tief seine Liebe wirklich war. Genau diese Erkenntnis löst ein Hinrennen zu ihm und ein Dankbarsein aus.
In der Ewigkeit werden wir auch vollkommen sein, und es wird sichtbar sein, was er in unserem Leben verändert und geschaffen hat – dieses neue, veränderte Herz. Ich glaube wirklich, dass das, was er tut und getan hat, aus tiefster Liebe geschieht. Das ehrt ihn auf eine Weise, wie es keine andere Ehre auf dieser Welt gibt.
Aus diesem Grund wurden über die Solas der Reformation hinaus, die nicht von den Reformatoren selbst stammen, noch die Worte Soli Deo Gloria hinzugefügt. Denn diese anderen Aussagen – allein die Schrift, allein aus Glauben, allein aus Gnade, allein durch Jesus Christus – führen zu einer Sache hin: nämlich dass nur noch ihm die Ehre gegeben werden kann.
Bei den Reformatoren findet man diesen Gedanken zwar schon, aber er ist nie so formuliert worden. Bekannt wurde er erst durch zwei Männer: Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Sie unterzeichneten ihre Werke, ihre Musikstücke – in denen sie die Gaben einsetzten, die Gott ihnen geschenkt hatte – mit S.D.G., überwiegend Soli Deo Gloria.
Diese beiden zählen zu den größten Klassikkomponisten aller Zeiten. Alle, die bis heute bekannt sind, haben damit ausgesagt, woher ihre Gaben stammen, nämlich von Gott allein.
Und das wünsche ich mir, dass auch über deinem Leben irgendwo stehen darf: S.D.G. – Soli Deo Gloria. Amen.
