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Jairus und die blutflüssige Frau – Teil 2

Jesu Leben und Lehre, Teil 298/658
14.08.2023Matthäus 9,20-21
SERIE - Teil 298 / 658Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 297: Jairus und die blutflüssige Frau, Teil 2.

Begegnung mit Jairus und der blutflüssigen Frau

In der letzten Episode waren wir an der Stelle stehen geblieben, an der sich eine unreine Frau, weil sie an Blutfluss litt, an Jesus heranmachte, um sein Gewand zu berühren.

 Lukas 8,40-44: Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn die Volksmenge auf, denn alle erwarteten ihn. Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus, der Vorsteher der Synagoge war. Er fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen, denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben.

Während er aber hinging, drängten ihn die Volksmengen. Eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt und, obwohl sie ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verwandt hatte, von niemandem geheilt werden konnte, kam von hinten heran. Sie berührte die Quaste seines Gewandes, und sogleich hörte ihr Blutfluss auf.

Die Bedeutung der Krankheit der Frau im Alten Testament

Schauen wir uns zuerst an, was es für diese Frau bedeutete, seit zwölf Jahren unheilbar an einem Blutfluss zu leiden.

Wir wissen zwar nicht genau, um welche Erkrankung es sich handelte. Vielleicht war es ein Tumor, eine Endometriose oder eine Blutgerinnungsstörung – das bleibt unklar. Klar ist nur, dass niemand ihr helfen konnte.

Was bedeutete dieser Ausfluss für die Frau? Dazu müssen wir kurz ins Alte Testament schauen.

In 3. Mose 15,2 und 15,19 heißt es: „Redet zu den Söhnen Israel und sagt zu ihnen: Wenn irgendein Mann an seinem Fleisch an Fluss leidet, ist er unrein durch seinen Schleimfluss. Und wenn eine Frau an Fluss leidet und ihr Fluss an ihrem Fleisch Blut ist, soll sie sieben Tage in ihrer Absonderung sein, und jeder, der sie anrührt, wird bis zum Abend unrein sein.“

Ausfluss aus den Sexualorganen machte einen Israeliten, egal ob Mann oder Frau, kultisch unrein. Das galt sowohl für einen Samenerguss als auch für die normale Menstruationsblutung – und noch mehr für Ausflüsse und Blutungen, die nicht normal waren.

Wenn wir weiterlesen, finden wir in 3. Mose 15,25-27: „Und wenn eine Frau ihren Blutfluss viele Tage außerhalb der Zeit ihrer Absonderung hat, oder wenn sie den Fluss über ihre Absonderung hinaus hat, soll sie all die Tage des Flusses ihrer Unreinheit sein wie in den Tagen ihrer Absonderung. Unrein ist sie. Jedes Lager, worauf sie alle Tage ihres Flusses liegt, soll ihr sein wie das Lager ihrer Absonderung, und jedes Gerät, worauf sie sitzt, wird unrein sein nach der Unreinheit ihrer Absonderung. Und jeder, der es berührt, wird unrein sein, und er soll seine Kleider waschen und sich im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein.“

Kultische Unreinheit und ihre Folgen

Damit wir das gut verstehen: Die Frau mit der unnatürlichen Blutung war kultisch unrein. Wer sie anrührt oder etwas, worauf sie sitzt oder liegt, wird selbst unrein. Und zwar auf dieselbe Weise, wie es für die Zeit der Absonderung, also der Menstruationsblutung, üblich war.

Im Blick darauf lesen wir in 3. Mose 15,19-24:

„Und wenn eine Frau an Fluss leidet und ihr Fluss an ihrem Fleisch Blut ist, soll sie sieben Tage in ihrer Absonderung sein.“ Das war die normale Menstruation. „Jeder, der sie anrührt, wird bis zum Abend unrein sein. Alles, worauf sie in ihrer Absonderung liegt, wird unrein sein, und alles, worauf sie sitzt, wird unrein sein. Jeder, der ihr Lager berührt, soll seine Kleider waschen und sich im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein. Jeder, der irgendein Gerät berührt, worauf sie zu sitzen pflegt, soll seine Kleider waschen und sich im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein. Wenn etwas auf dem Lager oder auf dem Gerät ist, worauf sie zu sitzen pflegt, und er es berührt, wird er bis zum Abend unrein sein. Wenn ein Mann neben ihr liegt und ihre Absonderung, das heißt ihre Menstruation, auf ihn kommt, dann wird er sieben Tage unrein sein. Jedes Lager, worauf er liegt, wird unrein sein.“

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Kultische Unreinheit hat nichts mit Sünde zu tun. Trotzdem durften kultisch unreine Personen nicht an Opferzeremonien im Tempel teilnehmen. Auch die Teilnahme an anderen Festen wie dem Passafest, dem Wochenfest oder dem Laubhüttenfest konnte dadurch beeinträchtigt sein.

Soziale und persönliche Auswirkungen der Krankheit

Aber noch etwas ist wichtig: Neben der körperlichen Schwäche, die mit dem regelmäßigen Blutverlust einherging, durfte niemand mit dieser Frau den Beischlaf vollziehen.

War sie verheiratet, bedeutete das, dass sie keine Kinder zur Welt bringen konnte – ganz abgesehen davon, welche Belastung der Mangel an Intimität für ihre Ehe darstellte. War sie noch ledig, war ihr Blutfluss womöglich das Ende dafür, einen Mann zu finden?

Die kultisch unreine Frau sollte sich im Hintergrund halten, sich absondern, niemanden berühren und möglichst schnell wieder rein werden.

Die verzweifelte Entscheidung der Frau

Aber genau hier lag das Problem: die Frau, mit der wir es hier zu tun haben. Sie leidet seit zwölf Jahren an ihrem Blutfluss, und eine Besserung ist nicht in Sicht. Außerdem sind alle ihre finanziellen Ressourcen aufgebraucht. Eine hoffnungslose Situation.

Deshalb tut sie etwas, was man als Unreine nicht tun sollte – etwas, das jeden unrein machte, der sie berührte: Sie wirft sich ins Gedränge, um Jesus zu berühren.

Markus berichtet von einer großen Volksmenge, die Jesus begleitete. Wie viele Leute sich um Jesus drängten, merkt man nach der Heilung (Markus 5,30-33):

Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war. Er wandte sich um in der Volksmenge und sprach: „Wer hat mein Gewand angerührt?“

Seine Jünger sagten zu ihm: „Du siehst, dass die Volksmenge dich drängt, und du fragst, wer hat mich angerührt?“

Er blickte umher, um die zu sehen, die dies getan hatte. Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, da sie wusste, was ihr geschehen war. Sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

Die Angst der Frau und ihr geheimes Hoffen

Wovor hat die Frau so große Angst? Ganz genau davor, dass sie ewig unreine ist, weil sie sich bei dem Versuch, geheilt zu werden, in die Menge geworfen hatte.

Sie hatte Dutzende andere berührt, und jeder von ihnen war durch sie unrein geworden. Sie wollte heimlich, still und leise gesund werden, ganz ohne Aufsehen. Nun steht sie jedoch im Rampenlicht. Genau das hatte sie verhindern wollen.

Deshalb tritt sie auch von hinten an Jesus heran und berührt nur die Quaste seines Gewands. Die Quaste des Gewands besteht aus verknoteten Fäden, die teilweise mit dem Farbstoff der Purpurschnecke blau gefärbt waren. Diese Quasten wurden an den vier Ecken der Kleidung angebracht.

Die Hoffnung auf Heilung durch Jesus

Warum tut sie das? Warum geht sie ein so großes Risiko ein? Die Antwort liegt auf der Hand: Sie hofft, dass Jesus das kann, was sonst niemand konnte – nämlich sie zu heilen.

In Matthäus 9,20-21 heißt es: „Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, trat von hinten heran und berührte die Quaste seines Gewandes. Denn sie dachte bei sich: Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt werden.“ Das war ihre Hoffnung, und dafür nahm sie das Risiko auf sich.

Es ist wunderschön, dass ihr Wunsch sofort erfüllt wird. Kaum hatte sie Jesus berührt, lesen wir in Markus 5,29: „Und sofort versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte an ihrem Leib, dass sie von ihrer Krankheit geheilt war.“

Können wir uns vorstellen, wie glücklich sie in diesem Moment war? Nach zwölf Jahren Qual endlich gesund! Natürlich musste sie noch sieben Tage warten. Doch am achten Tag durfte sie in den Tempel gehen, um dort zwei Tauben zu opfern. Dieses Opfer markierte das endgültige Ende ihres Leidensweges.

Das unerwartete Eingreifen Jesu

Warum verdirbt Jesus also diesen Moment des Glücks, indem er stehen bleibt und fragt: Wer hat mein Gewand angerührt?

Darauf gehen wir in der nächsten Episode ein.

Einladung zum Mitdenken und Gebet

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dich fragen, ob es Menschen in deiner Gemeinde gibt, die schon lange leiden. Überlege, wie du ihnen helfen könntest.

Das war es für heute. Nimm dir bitte Zeit, um intensiv für die Leitung deiner Gemeinde zu beten. Sie brauchen Weisheit, Mut und Kraft für ihren Dienst.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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