Serie•Teil 14 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und persönliche Verortung
Ich freue mich ganz besonders, dass so viele Leute da sind. Ich habe vorhin erfahren, dass es 150 sind. Ich habe eher mit deutlich weniger gerechnet, nicht weil das Thema nicht so wichtig ist, sondern weil ich das Seminar mache.
Aber ich freue mich, dass ihr da seid, so viele.
Vielleicht kurz zu meiner Person: Ich bin Jonathan Malisi. Ich bin Pastor in Wetzlar in der Emanuel-Gemeinde. Ich habe zwei Schwerpunkte in der Gemeinde: Verwaltung. Das mache ich, weil ich es machen muss. Und junge Generation, das mache ich, weil ich es machen darf.
Ich muss auch ehrlicherweise zugeben, ich hätte mir vielleicht eher den Schwerpunkt Verwaltung ausgesucht. In meiner Familie arbeiten wir alle irgendwie in der Verwaltung, bei der Stadt, in der Gemeinde oder in einer Anwaltskanzlei. Junge Generation war nie mein Ding, das hat sich einfach so ergeben.
Und über die letzten Jahre habe ich einfach angefangen, über ein paar Sachen ein bisschen mehr nachzudenken. Das heißt vor allem, Fragen zu stellen. Ich glaube, und das ist ganz wichtig für unser Seminar heute, wir wollen gar nicht so viele Antworten haben, sondern wir wollen vor allem lernen, die richtigen Fragen zu stellen.
Eine erste Beobachtung zur jungen Generation
Wir kommen eigentlich gleich schon zur ersten Frage zu Beginn. Ihr dürft mal gerade alle aufstehen.
Ich stelle euch eine ganz einfache Frage. Wenn ihr die zu einem bestimmten Punkt mit Ja beantworten könnt, dann könnt ihr euch hinsetzen.
Meine Frage lautet: Wann bist du zum Glauben gekommen? War das in der Zeit, bevor du fünf Jahre alt geworden bist, dann kannst du dich jetzt hinsetzen. Okay, bist du in der Zeit von fünf bis sieben Jahren zum Glauben gekommen, dann setz dich jetzt hin. Sieben bis neun Jahre, zehn bis zwölf, dreizehn bis fünfzehn, sechzehn bis neunzehn.
Okay, jetzt haben sich gerade ziemlich viele gesetzt. Zwanzig bis zweiundzwanzig, dreiundzwanzig bis sechsundzwanzig. Guckt euch mal kurz jetzt gerade im Raum um. 27, wir waren gerade bei 23 bis 26, 27 bis 30. Und jetzt schaut euch oben in diesem Raum um: Also es sitzen alle, keiner steht mehr.
Ich hatte hier immer noch 30 bis aufwärts notiert, ich bin aber davon ausgegangen, dass das hier eigentlich in diesem Raum nicht mehr vorkommt. Ich glaube, allein diese Beobachtung zeigt uns eine Sache. Und das war jetzt hier keine Studie, keine Untersuchung oder sonst etwas. Das ist das, was man normalerweise anekdotische Evidenz nennt. Also sprich: Ihr könnt euch hier im Raum umgucken und ihr merkt, alle sitzen.
Das heißt, dieses Zeitfenster, sagen wir mal von fünf bis zweiundzwanzig Jahren, das ist das, was ich als junge Generation definieren würde. Manche Leute sind mit siebzehn sehr, sehr junge Erwachsene, manche Leute sind mit einundzwanzig sehr, sehr große Kinder. Und irgendwo so dazwischen, da würde ich mal sagen, so von 0 bis 22, da liegt die junge Generation.
Das sind die Personen, die wir in der Gemeinde adressieren wollen, wenn wir von Kinder- und Jugendarbeit sprechen. Ich habe jetzt hier mal der Einfachheit halber von Jugendarbeit gesprochen, aber vieles davon kann man auch auf die Arbeit mit Kindern beziehen.
Der biblische Ausgangspunkt für Gemeinde und Prägung
Wenn ihr eine Bibel dabei habt, schlagt sie gerne noch einmal auf. Das ist jetzt keine anekdotische Evidenz, sondern Gottes Wort. In Titus 2, die Verse 1 bis 7a.
Ich glaube, diese Verse zeigen uns auf eine sehr wertvolle, kostbare und schöne Weise, ich will nicht sagen eine Art Blaupause für Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde, aber sie vermitteln uns, worum es eigentlich geht. Sie haben mich vor einigen Jahren sehr ins Nachdenken gebracht, als ich mich einmal wirklich gefragt habe: Sagt die Bibel etwas zu Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde?
Titus 2, die Verse 1 bis 7a:
Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht, dass die alten Männer nüchtern sind, ehrbar, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, im Ausharren; ebenso die alten Frauen, in ihrer Haltung dem Heiligen angemessen, nicht verleumderisch, nicht Sklavinnen von vielem Wein, Lehrerinnen des Guten, damit sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig zu sein, den eigenen Männern sich unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird.
Ebenso ermahne die jungen Männer, besonnen zu sein, indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst.
Und bei mir war es vor allem Vers 7a, der mich sehr stark ins Nachdenken gebracht hat.
Gemeindezentrierung als Leitgedanke
Natürlich, dieser ganze Abschnitt. Ich habe mir gedacht, das ist mal ein ziemlich interessantes Ziel für Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde.
Ich weiß nicht, wann du das das letzte Mal gehört hast, wenn du jemanden gefragt hast oder mal selbst darüber nachgedacht hast: Was macht gute Jugendarbeit aus? Dass jemand gesagt hat: Besonnenheit. Ich musste dann selbst erst einmal überlegen, was das eigentlich bedeutet.
Aber wir sehen hier, glaube ich, angedeutet, vielleicht in der äußersten Konzentration ganz intensiv, was sich eigentlich, glaube ich, durch die Bibel und durch das Neue Testament zieht: dass Kinder- und Jugendarbeit gemeindezentriert sein sollte.
Wir werden es heute nicht schaffen, durch dieses ganze Ding durchzugehen. Das ist so ein bisschen eine zusammengestauchte Materialsammlung von dem, was ich in den letzten Jahren angefangen habe, auch ein bisschen zu verschriftlichen und zu durchdenken.
Wir wollen uns heute aber im Grunde genau darüber Gedanken machen: Ist Kinder- und Jugendarbeit, so wie die Bibel sie uns zeigt, im besten Fall gemeindezentriert? Und was kann das heißen? Wie können wir lernen, gemeindezentriert zu denken für Kinder- und Jugendarbeit?
Also es geht heute auch nicht darum, dass wir hier über ein Modell sprechen, das man einfach übertragen kann, sondern darum: Wie können wir, wie kannst du in deiner Ortsgemeinde, dort, wo du Jesus dienst und nachfolgst und mit anderen zusammenlebst, für euren ganz konkreten Kontext die junge Generation in der Gemeinde gemeindezentriert prägen?
Wahrnehmbare Spannungen im Gemeindeleben
Wir springen hier gerade zu Seite sechs im Handout. Ich gebe auch zu, ich arbeite nicht so gern mit PowerPoint. Ich finde das nicht sinnvoll und hilfreich. Ich hoffe, das Handout hilft euch ein bisschen.
Ich glaube, im Umfeld von Gemeinden, die theologisch ein ähnliches Anliegen haben wie E21, kann man drei Phänomene beobachten. Und ich glaube, das liegt nicht nur an unserem Umfeld; es gibt es, glaube ich, in jedem christlichen Umfeld.
Das eine ist, dass Jugendliche und junge Erwachsene die Gemeinde verlassen. In der Forschung zur Jugendpastoral nennt man das Dropout. Das heißt einfach, der Glaube der Eltern wird nicht zum Glauben der jungen Menschen. Ich vermute mal, wenn ich jetzt einfach kurz fragen würde: Wer hat so etwas schon mal erlebt, mit erlebt, wem ist es vielleicht selber so gegangen? Viele von uns würden wahrscheinlich die Hand heben, oder?
Dann gibt es, glaube ich, ein zweites Phänomen: dass es kein generationenübergreifendes Gemeindeleben gibt. Das heißt, junge Leute werden als gesonderte Personengruppe oder, besser gesagt, als isolierte Personengruppe innerhalb der Gemeinde wahrgenommen, werden als solche behandelt oder sehen sich sogar selbst so. Wie gesagt, keiner muss hier die Hand heben, aber wahrscheinlich hat jeder von uns das mal irgendwie auf irgendeine Weise gehört und beobachtet.
Oder die dritte Möglichkeit, die wir hier kurz am Anfang ein bisschen ausführlicher adressieren wollen, ist, dass Jugendpastoral generell als unbiblisch wahrgenommen werden kann.
Die Frage nach der biblischen Berechtigung
Das betrifft, glaube ich, vor allem eher den amerikanischen Kontext, wo es dazu auch einiges an Publikationen gibt. Dort sagt man einfach schlichtweg: So etwas wie Jugendarbeit, so ein Jugendtreffen am Freitag, finden wir nicht in der Bibel, also ist das eher nicht so drin für eine gesunde Gemeindearbeit.
Wir wollen aber kurz noch die anderen zwei Phänomene anschauen. Dropout bedeutet schlichtweg: Das ist hier eine ganz kurze Definition. Ihr findet dann auch hier im Fußnotenapparat eigentlich immer so ein bisschen Literaturverweise und woher die Gedanken kommen, die ich hier mal versucht habe zusammenzufassen.
Dropout bedeutet: Der Glaube der Eltern wird nicht der Glaube der jungen Menschen, denen wir dienen und für die wir in der Gemeinde arbeiten. Ich glaube, die meisten von euch werden ja hier sein, weil ihr sagt, dass ihr in irgendeiner Weise ein Anliegen für die junge Generation habt. Ihr seid selber in einem regelmäßigen Dienst drin oder euch bewegt das Thema in irgendeiner Weise. Wir wollen darüber nachher vielleicht noch mal kurz ein bisschen sprechen.
Junge Leute, die in einem gläubigen Elternhaus oder zumindest mit einem gläubigen Elternteil aufwachsen, finden nicht zum Glauben, den ihre Eltern haben, oder der eine Elternteil hat, und verlassen die Gemeinde. Dafür gibt es vielleicht verschiedene Gründe.
Vor einigen Jahren ist auf Deutsch eine Studie erschienen, die vor allem aus der Perspektive der Personen, die ihren Glauben aufgegeben haben, einfach mal zusammenträgt, was waren diese Dinge, die dich dazu bewogen haben, dass der Glaube an Jesus, den deine Eltern haben, nicht dein eigener geworden ist oder nicht dein eigener geblieben ist. Die ist sehr lesenswert. Man muss nicht alle theologischen Schlussfolgerungen aus der Studie teilen.
Gemeindestrukturen und Generationenbeziehungen
Das zweite Phänomen hier, dass es kein generationenübergreifendes Gemeindeleben gibt, ist, glaube ich, etwas, das wir in Deutschland sehr häufig beobachten können. Ich nenne das immer mal eine Angebots- oder Programmgemeinde. Man hat eigentlich sehr viel, was man den jungen Leuten in der Gemeinde bieten kann: Jungschar, Teeniearbeit, Jugendarbeit, junge Erwachsenenarbeit, irgendein Sporttreffen noch am Samstag oder so ähnlich.
Also, man hat eigentlich einen ziemlich vollen Gemeindekalender. Man bietet den jungen Menschen in der Gemeinde sehr, sehr viel. Aber junge Menschen verbringen hauptsächlich Zeit mit jungen Menschen, ältere mit älteren Leuten. Und das Einzige, wo alle Generationen zusammenkommen, ist der Gottesdienst. Der sorgt dann vielleicht auch manchmal für ein bisschen Reibereien, weil entweder ist der Gottesdienst sehr langweilig oder die Jugendarbeit am Freitag ist in der Wahrnehmung junger Leute wesentlich besser. Warum auch immer, aus verschiedenen Gründen, aber irgendwie passt das nicht zusammen.
Das Gemeindeleben ist nicht aus einem Guss und ist nicht davon geprägt, dass es aus einem Guss ist.
Der Blick auf die Verantwortung der Gemeinde
Ich glaube, hier ist der letzte Punkt. Das ist die Frage: Ist Jugendpastoral überhaupt biblisch? Wir können ja heute nicht in alles ganz eintauchen. Wir müssen hier so ein bisschen durchheizen durch das Handout. Aber das ist eine Frage, die in den letzten Jahren viele Leute bewegt hat, und sie hat auch mich am Anfang ziemlich intensiv bewegt. Darf man das überhaupt machen, was wir tun?
Vielleicht jetzt noch mal eine kurze Frage: Wer von euch arbeitet regelmäßig im Bereich der jungen Generation mit? Okay, also eigentlich alle. Hast du dich das schon mal gefragt? Darf ich das überhaupt machen, und dürfen wir das auf diese Weise machen, wie ich das mache? Es ist okay, am Freitag ein Jugendtreffen zu haben, Freitagnachmittag vielleicht Jungschar- und Teeniearbeit. So machen wir das in Wetzlar. Am Sonntag eine Kinderstunde. Wo finden wir das eigentlich in der Bibel?
Vielleicht hast du auch schon mal die Aussage gehört, eigentlich liegt die ganze geistliche Erziehungsverantwortung bei den Eltern, weil wir das zum Beispiel in 5. Mose 6 ganz ausführlich finden oder in Epheser 5, wo das zitiert wird. Ich glaube, dieser Ansatz sieht die Verantwortung faktisch ganz verengt, hauptsächlich bei den Eltern und nicht bei der Gemeinde. Wir kommen gleich noch dazu, wie genau das zusammenhängt.
Alttestamentliche Linien und ihre Bedeutung
Die Publikation, die das in den letzten Jahren vor allem aufgegriffen hat, ist ein Buch von Woody Borkum. Dabei habe ich festgestellt, dass erstaunlich viele Leute es gelesen haben und dass es auch auf Deutsch erschienen ist.
Ich glaube, in vielem ist genau diese Anfrage sehr, sehr berechtigt, weil sie die ersten zwei Phänomene eigentlich wahrnimmt: Junge Menschen eignen sich den Glauben an Jesus nicht an, sondern wenden sich anderen Dingen zu, und junge Menschen verlassen Gemeinden. Es sind Dinge, die uns wirklich auch berechtigt Sorgen machen sollten und dürfen. Wir müssen auch überlegen, wie wir Jugendpastoral in der Ortsgemeinde besser und evangeliumsgemäßer gestalten können.
Wir können jetzt weiterblättern im Handout zum Aspekt drei oder zu Punkt drei, zu den theologischen Überlegungen zu Kindern, Familie und Gemeinde. Wenn ihr hier auf Seite 11 blättert, findet ihr eine knappe Übersicht dazu, die es sehr, sehr vereinfacht, wie das Alte Testament uns eigentlich Familie beschreibt. Das ist ganz, ganz vereinfacht hier in dieser Art Mindmap oder diesem Stammbaum, wie uns das Alte Testament eine Familie präsentiert.
Wir sehen hier einen Mehrgenerationenhaushalt, und den gab es in unserem Kulturkreis vielleicht noch so bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, heutzutage eher nicht mehr so.
Kultur, Theologie und der Auftrag Israels
Vielleicht noch einmal kurz per Handzeichen: Wer wohnt noch im selben Ort wie seine Großeltern, wenn seine Großeltern noch leben? Oder wer hat im selben Ort gelebt wie seine Großeltern oder in erreichbarer Nähe zu ihnen? Könnte ich mal kurz umschauen? Es sind erstaunlich wenige von uns. Das ist nicht schlimm, wenn es dir nicht so geht. Aber es zeigt uns irgendwie, wie sich unsere Lebensrealität verändert hat. Und es zeigt auch, dass das, was Gottes Wort uns hier vorgibt, vielleicht auch einer bestimmten kulturellen Situation geschuldet ist. Damals haben Familien in mehreren Generationen zusammen in einem Haushalt gelebt.
Und da ist die Frage: Was von dem, was wir im Alten Testament sehen, über Familienleben, das Prägen der jungen Generation und den geistlichen Auftrag von Gottes Volk, damals Israel im Alten Bund, was davon ist Kultur und was davon ist Theologie? Und wie hängen diese beiden Dinge miteinander zusammen?
Wenn ihr jetzt gerade einfach weiterblättert im Handout, dann seht ihr unter 3.2 etwas. Das schaffen wir heute nicht mehr durchzugehen. Das könnt ihr zu Hause nachlesen. Das ist ein bisschen meine Begründung dafür, warum ich zum Beispiel denken würde und sagen würde, dass das, was wir auf Seite 19 jetzt zum Schluss finden, uns bis zu diesem Fluchtpunkt hier ganz grundsätzlich zeigt, was eine Theologie, eine alttestamentliche Theologie von Jugendpastoral eigentlich ausmachen sollte.
Grundlinien aus dem Alten Testament
Ich glaube, es gibt hier fünf Grundpunkte, die uns das Alte Testament zeigt. Die Begründung könnt ihr nachlesen. Ich freue mich auch jederzeit über Widerspruch, das hilft einem ja meistens eher, noch einmal ein bisschen präziser nachzudenken oder biblischer. Aber ich glaube, wir sehen hier fünf Fluchtpunkte, die uns wirklich zeigen, was eine evangeliumsgemäße Jugendpastoral, die sich auf das Alte Testament beruft, ausmacht.
Das Erste ist der Auftrag, den Gottes Volk bekommen hat. Es soll Kinder durch Eltern und durch das ganze Bundesvolk mit Gottes Wort, mit dem Evangelium, vertraut machen. Das sehen wir vor allem in 5. Mose 6.
Was ich dann eigentlich, wenn ihr die Geschichte Israels vor Augen habt, durch das ganze Alte Testament sehe, ist, dass Gottes Volk immer wieder darin scheitert, seinen Glauben an seine Kinder weiterzugeben, an die nächsten Generationen.
Der dritte Punkt hier ist: Die Weisheitsliteratur zeigt uns, wie man das praktisch eigentlich ausgestalten kann, junge Menschen im Glauben zu prägen. Das Buch der Sprüche ist da, glaube ich, so eine Art, ich will nicht sagen Blaupause, aber das beste Beispiel, das wir eigentlich haben. Es zeigt uns vor allem auch: Es geht nicht darum, dass junge Leute möglichst viel einfach nur über die Bibel wissen, sondern darum, durch das Leben praktisch zu lernen, was es bedeutet, Jesus nachzufolgen und nach Gottes Willen zu leben.
Gottesdienst als Zentrum gemeinsamer Prägung
Das Vierte ist generationenübergreifender Gottesdienst, und das hat mich sehr schnell, und als ich es dann irgendwann einmal gesehen habe, ins Nachdenken gebracht. Das sehen wir vor allem an Bibelstellen wie Psalm 78 oder in Nehemia 8, dass Gottes Volk gemeinsam Gottesdienst feiert.
Meine persönlich wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre war: Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde beginnt mit dem Gottesdienst am Sonntag. Das ist der Höhepunkt des gemeinsamen Lebens der Gemeinde, und alles sollte in irgendeiner Weise davon geprägt und bestimmt sein, wie Gottes Volk Gott gemeinsam anbetet und wie Gottes Volk ihm gemeinsam begegnet, was es hört und was es miteinander erlebt.
Und das Fünfte hier, das war für mich persönlich so ein Highlight, ist, dass es möglich ist, eine spezielle Zielgruppe in ihrer Lebenssituation zu adressieren. Das ist quasi, würde ich sagen, die alttestamentliche Berechtigung und Grundlage dafür, einen regelmäßigen Dienst an jungen Menschen in der Gemeinde zu haben. Nach meinem Dafürhalten ist ziemlich klar, dass wir zum Beispiel in Nehemia 8 auch so etwas finden wie eine alttestamentliche Berechtigung für Sonntagsschule, Bibelunterricht, Jungschar, Kinderstunde, irgend so etwas in diese Richtung, weil sich das, was dort passiert, nicht primär an Erwachsene gerichtet hat und nicht zwingend alle Menschen eingeschlossen hat.
Linien aus dem Neuen Testament
Wir springen jetzt noch ins Neue Testament, damit wir dort ungefähr alle ähnlich aufgestellt sind. Man kann sich jetzt hier sehr intensiv die Evangelien anschauen, und ich glaube, auch da sehen wir erste Elemente von Jugendarbeit oder zumindest solche, die wir für eine Theologie der Jugendarbeit fruchtbar machen können.
Denn wir sehen, dass die Jünger, ich glaube bis auf Petrus, also Petrus war auch relativ jung, aber die Jünger insgesamt ziemlich jung waren. Petrus und Jesus zahlen Tempelsteuer, die anderen Jünger nicht. Das bedeutet, sie waren vermutlich noch nicht volljährig nach damaligen Maßstäben.
Ich will jetzt nicht sagen, Jesus war der erste Jugendleiter oder so ähnlich. Das wäre ein bisschen überzogen. Das ist in der Theologie ja auch immer so ein Ding: Man muss nur sagen, Jesus war der Erste, der es gemacht hat, und dann hat man eigentlich eine Begründung dafür. Aber wir sehen schon in dem Konzept von Rabbi und Jüngern, dass es wohl damals in Israel möglich war, dass jemand auf eine sehr intensive Weise junge Menschen geprägt hat. Und diese Person war nicht der Vater oder die Mutter, sondern man könnte ganz direkt sagen: Das war ein wildfremder Typ, der Gott ziemlich gut kannte, der Gottes Wort ernst genommen hat und von dem man geprägt werden konnte, von dem man lernen konnte.
Also kann man doch ein bisschen sagen: Jesus war so eine Art Jugendleiter.
Die Briefe als Gemeindeadressierung
Aber ich glaube, gerade in den neutestamentlichen Briefen, die die Apostel geschrieben haben, sehen wir ganz grundsätzliche Linien, die wir fruchtbar machen können für eine Theologie der Jugendarbeit. Wichtig ist: Ich will es jetzt einfach mal nicht voraussetzen, aber die Briefe wurden an Gemeinden geschrieben. Die Briefe an Titus, Timotheus und Philemon wurden an Gemeindeleiter geschrieben, also zum Schluss auch wieder an die Gemeinde.
Also alles, was über junge Menschen im Neuen Testament gesagt wird, wird eigentlich über junge Menschen in der Gemeinde gesagt. Das sind junge Menschen, die entweder mit der Gemeinde in Kontakt kommen, die in der Gemeinde aufwachsen oder deren Eltern zum Glauben kommen und in die Gemeinde finden. Also junge Menschen gibt es im Neuen Testament, wenn sie in Kontakt mit dem Evangelium kommen, eigentlich auch nur in Kontakt mit der Gemeinde.
Paulus, Johannes und Petrus als theologische Zeugen
Bei Paulus sehen wir das daran, dass er zum einen, das ist hier auf Seite zwanzig, man könnte sagen, Jüngerschafts- und Mentoring-Beziehungen zu Einzelpersonen hatte. Außerdem hat er in seinen Briefen Kinder als eigenständige Personengruppe innerhalb der Gemeinde angesprochen, vor allem auch im Epheserbrief, wo wir das sehen. Und er hat in den sogenannten Haustafeln ganz konkrete Hilfestellungen für das Leben als Familie gegeben.
Man könnte also sagen, die Gemeinde damals hatte diese drei Verantwortungsebenen, zumindest die Gemeinden, die Paulus betreut und theologisch geprägt hat: dass er sich selbst in junge Männer investiert hat, in Barnabas, Silas, Titus usw. Diese gehören zum Teil zu den am meisten erwähnten Personen im Neuen Testament. Dass er Kinder direkt angesprochen hat, und zwar auf eine kindgemäße Weise, mit kindgemäßen Bedürfnissen. Wenn Paulus zum Beispiel sagt: Ihr Kinder, ordnet euch euren Eltern unter. Ich weiß nicht, wie oft du diesen Vers vielleicht auch von deinen eigenen Eltern gehört hast, ich häufiger. Das war so einer der ersten, die ich auswendig konnte.
Aber wir können das auch einmal positiv lesen. Es geht hier nicht darum, dass Kinder sich schlecht benehmen, sondern eigentlich darum, dass Kinder ihrem Alter entsprechende Herausforderungen haben, ihren Eltern zu gehorchen, und dass sie auf eine gewisse Weise evangeliumsgemäß gelehrt werden, was es bedeutet, als Kind zu leben, nach Gottes Willen.
Und hier ist die dritte Ebene mit den Haustafeln: Wie lebt man als Familie zusammen, wenn gerade nicht Gottesdienst ist? Weil die meiste Woche ja nicht aus dem Sonntagsgottesdienst besteht, sondern aus dem ganz gewöhnlichen Familienalltag. Und Paulus hat in diesen Familienalltag mit den Haustafeln hineingesprochen.
Gemeinde, Alltag und Zeugnis in der Welt
Das ist keine Vorschrift oder Vorgabe, wie Ehepaare leben sollten. Es geht nicht um: „Ihr Frauen ordnet euch euren Männern unter“ und so weiter. Kommt mal alle klar miteinander. Sondern das ist evangeliumsgemäße Hilfe zur Veränderung, zum Leben für Jesus in den ganz alltäglichen Herausforderungen als Männer, Frauen, Kinder, Sklaven usw.
Das zieht sich durch Paulus’ Dienst hindurch. Und bei den anderen Aposteln finden wir das unter anderem bei Petrus und bei Johannes. Ihr könnt gerade auf die nächsten Seiten springen, das ist Seite 24 in unserem Handout.
Aber es geht, glaube ich, vor allem darum, wie Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde junge Menschen dazu prägen und anleiten soll, zur Einheit der Gemeinde beizutragen. Ich glaube, Jakobus spricht nicht so viel über Kinder- und Jugendarbeit, also eigentlich gar nicht, weil er Kinder nicht direkt anspricht. Aber Johannes, Petrus und Paulus tun das. Und Johannes ermutigt junge Leute. Wir haben das ja auch vorhin schon gehört, als Rudi auch über den ersten Johannesbrief mitgesprochen hat, wie Gottes Geist die Gemeinde prägt, am Evangelium festzuhalten, und hier auch ganz konkret junge Leute dazu.
Wir müssen uns vorstellen: Hier haben junge Leute eine Gemeindespaltung miterlebt. Und ich glaube, wir können daraus ableiten, dass die Gemeinde eine Verantwortung hat, junge Leute wirklich darin zu prägen, zu wissen, was das Evangelium ist, was vermeintliche Alternativen zum Leben mit Jesus sind und welchen Unterschied es tatsächlich macht, dem Evangelium zu glauben.
Johannes würde ich vermuten, spricht es sehr deutlich und klar an und adressiert junge Leute in genau dieser Herausforderung: Was ist richtig, was ist wahr und was ist falsch, und welchen Unterschied macht das für mein persönliches Leben?
Leben unter Druck und in der Gesellschaft
Bei Petrus, das ist Seite 26, sehen wir, glaube ich, ganz stark diesen Aspekt des zeugnishaften Lebens, ja, klar, in Gottes Ordnungen in einer Welt, die Jesus nicht kennt. Die ersten, an die der erste Petrusbrief geschrieben worden war, das waren Gläubige, die für ihren Glauben verfolgt worden sind. Petrus spricht junge Leute an, und ich glaube, der ganze Brief zielt darauf ab, ihnen zu sagen: Wie lebt ihr in dieser Welt als solche, die sogar für ihren Glauben leiden? Warum lohnt es sich, für diesen Glauben zu leiden? Und auch ihr jungen Leute habt vielleicht gerade eine ganz konkrete Herausforderung. Aber es lohnt sich, an diesem Jesus dranzubleiben.
Bei 1. Petrus 5,5, das ist wahrscheinlich die bekannteste Stelle in Bezug auf junge Leute im ersten Petrusbrief, handelt es sich, glaube ich, nicht um eine Haustafel, sondern mehr um so eine Zuordnung oder so ähnlich. Es geht ja nicht um das Privatleben, sondern um das Leben in der Gemeinde. Aber was ich hier durchziehe durch diesen ganzen ersten Petrusbrief, ist trotzdem, dass Petrus den jungen Menschen sagt: Wie lebt ihr als Christen, als Mitglieder der Ortsgemeinde? Wie lebt ihr als potenzielle oder tatsächliche Ehepartner? Wie lebt ihr als Staatsbürger in einer Gesellschaft, die das Evangelium, den Glauben an Jesus, ablehnt? Und wie lebt ihr als Arbeitnehmer? Leute, die einfach jeden Tag, sieben Tage die Woche, wahrscheinlich damals arbeiten gehen müssen, um ihr Brot zu verdienen: Wie könnt ihr dort Zeugnis für Jesus sein?
Drei apostolische Perspektiven auf Jugendpastoral
Vielleicht war dir das jetzt auch alles schon klar, mir war es das damals nicht. Es ist hier sehr hilfreich, einfach mal zu sehen, welche drei großen Schneisen eigentlich das Neue Testament schlägt, wenn wir jetzt einmal nur die Briefe der Apostel nehmen. Man könnte sagen: Welchen Eigenbeitrag leistet jeder dieser drei Apostel, um uns ein runderes Bild davon zu geben, was eigentlich wichtig ist und was unsere Prioritäten für die junge Generation sein sollten?
Bei Paulus ist ganz stark dieser Beziehungscharakter zu sehen: sich in junge Menschen zu investieren, persönlich als Individuen. Bei Johannes ist es die Frage, ob deine Jugendarbeit zur Einheit der Gemeinde beiträgt. Und bei Petrus ist die Frage: Befähigst du sie zum Leben außerhalb der Gemeinde? Einfach in der Gesellschaft, die Jesus nicht kennt, die sein Evangelium ganz offen ablehnt. Können sie dort Zeugen für Jesus sein, Salz und Licht?
Die Gemeinde als geistliche Familie
Wenn ihr auf Seite 29 mitspringt, dann sehen wir hier so eine Art Synthese neutestamentlicher Jugendpastoral. Ich glaube, das ist so ein bisschen das Kernstück, auf das wir heute hinauswollen. Was uns hier hilft, jetzt eine Schneise zu schlagen: Im Neuen Testament sehen wir insgesamt, und das sehen wir in verschiedensten Begriffen, mehrere Dinge.
Zum einen sehen wir diese Unterscheidung von Altersklassen im Neuen Testament. Das haben wir jetzt vorhin übersprungen, aber die sehen wir auch schon im Alten Testament. Also gibt es eine Lebensphase der Kindheit, es gibt eine Lebensphase der Jugend und des Erwachsenseins.
Der andere Fokus ist: Neben diesen ganzen besonderen Beiträgen der jeweiligen Apostel, all diese Dinge, die die Apostel erwähnen und die Jugendarbeit ausmachen sollten, die lernt man in der Gemeinde und durch die Gemeinde, an keinem anderen Ort. Das heißt, die Gemeinde als Ganzes wird in die Pflicht genommen, die jungen Menschen auf diese Weise zu prägen.
Und zwar zeichnet das Neue Testament auf der einen Seite auch ein ganz hohes Bild von der natürlichen Familie, also von Vater, Mutter, Kindern, Großeltern, Tanten, Onkels, Cousinen, auch von den Sklaven tatsächlich, die ja damals dazugehört haben. Aber hier lohnt es sich ganz besonders, auf das zu hören, was Jesus in Markus 3 sagt.
Jesus und die Neuordnung von Zugehörigkeit
Seite 29 ist es auch abgedruckt, aber ich lese es mal vor:
Und es kommen seine Mutter und seine Brüder. Und sie standen draußen, sandten zu ihm und riefen ihn. Und eine Volksmenge saß um ihn her. Sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Er blickt umher auf die, die um ihn im Kreise sitzend sind, und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Ich glaube, das ist dieser andere Fokus. Das ist hier natürlich nur eine Bibelstelle, die uns das paradigmatisch zeigt. Ich glaube aber auch, das ist der andere Fokus, den das Neue Testament setzt. Zum einen haben junge Leute aufgrund dessen, dass sie junge Menschen sind, besondere Herausforderungen, Bedürfnisse und auch Freuden, die sie erleben. Und wir sollen ihnen mit dem Evangelium darauf in diese konkrete Lebenssituation hinein antworten. Und hier sehen wir diese andere Verantwortung: Die Gemeinde ist das, was wir ganz vereinfacht gesagt Gottes Familie nennen können. Es ist nicht so, dass wir sagen, es gibt die Gemeinde und die Familie, die natürliche, und die müssen irgendwie zusammenarbeiten. Sondern die natürliche Familie, dazu kommen wir gleich, ist gewissermaßen eingebettet in ihren Lebensraum der geistlichen Familie von Gott.
Gemeinde als erweiterte Familie
Also, nicht jeder hat vielleicht Eltern, die an Jesus glauben. Nicht jeder von uns hat wahrscheinlich gläubige Verwandte. Vielleicht bist du sogar der Einzige in deiner Familie, der an Jesus glaubt.
Und das bedeutet nicht, dass die Gemeinde für dich wie eine Familie ist, sondern die Gemeinde ist deine Familie. Du erlebst das vielleicht am unmittelbarsten. Aber das Neue Testament zeigt uns hier durch Jesus ganz deutlich, dass das eigentlich für alle Christen gilt.
Die Gemeinde ist das, was man im Alten Testament dann häufig die Sippe nennt, die Grossfamilie, was wir vielleicht manchmal noch die Kernfamilie nennen in unserer Kultur. Aber die geistliche Familie, die Gott hat, umfasst wesentlich mehr Menschen. Sie ist wesentlich grösser und prägt auch wesentlich mehr.
Und ich glaube, das führt uns zu dem, was ich gemeindezentriert nennen würde. Ich hoffe, das waren jetzt diese zwei Linien, die für euch nachvollziehbar waren. Wir sind jetzt hier ein bisschen schnell durchgegangen, aber das führt uns, glaube ich, zu dem, was ich gemeindezentriert nennen würde.
Die Priorität der Ortsgemeinde
Ich muss zugeben, ich habe den Begriff geklaut. Wir sind auf Seite 33 im Handout.
Für Kinder- und Jugendarbeit bedeutet das meines Erachtens: Wenn wir hier Gottes Wort sehr ernst nehmen, dann müssen wir die Priorität der Ortsgemeinde neu betonen. Das gilt auch dafür, wie wir Jugendpastoral gestalten.
Den Begriff habe ich von der Capitol Hill Baptist Church geklaut. Die haben das irgendwie noch nie in so einem Nein-Marx-Buch veröffentlicht bekommen. Aber sie haben auch selbst mal gesagt, dass das eigentlich das zehnte Merkmal ist, über das keiner so richtig sprechen möchte: gute Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde.
Wir wollen jetzt hier nicht durch all diese Definitionen kurzgehen. Aber das, was uns das Neue Testament zeigt, ist: Die Gemeinde als Gottes Familie hat unmittelbare Priorität für das geistliche Leben von jedem.
Und wenn ihr jetzt gerade hier auf Seite 35 mitspringt, dann sehen wir eigentlich, dass die Gemeinde damit auch den Auftrag hat, nicht nur allgemein Menschen zu Jüngern zu machen, sondern ganz konkret junge Menschen zu Jüngern von Jesus zu machen.
Gemeinde und natürliche Familie im Verhältnis
Im biblischen Idealfall, wenn man ihn so nennen kann, sind Kinder das Ergebnis einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Besonders schön ist es natürlich, wenn beide Ehepartner an Jesus glauben. Aber im Neuen Bund ist dieses genealogische Prinzip, das wir im Alten Testament haben, aufgebrochen und verschiebt sich hin zur Gemeinde als Gottes geistlicher Familie.
Daraus können wir den Schluss ziehen, dass zum einen die Ortsgemeinde der primäre Ort von Jüngerschaft und geistlicher Familie ist. Das bedeutet nicht, dass die Gemeinde gegen die natürliche Familie ist. Aber die Gemeinde ist mehr als die natürliche Familie, und in diesem Sinne wird die Gemeinde zu so einer Art erweiterter Familie. Ich hatte schon gesagt, das ist das, was im alten Bund die Sippe ist oder in Israel war.
Das andere ist: Dementsprechend sollten wir die Gemeinde oder die Kirche, wie auch immer wir das dann nennen, als erste Familie verstehen. Die Gemeinde hat also Priorität für die Prägung der jungen Generation und für das Leben von natürlichen Familien.
Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wenn du an Jesus glaubst und selbst zum Beispiel Kinder hast und verheiratet bist, aber Verwandte hast, die nicht an Jesus glauben, und die vielleicht auch vor die Herausforderung stellen, wer wichtiger ist, dann ist aus Gottes Perspektive im Zweifelsfall immer die Gemeinde, Gottes Volk, wichtiger.
Ich glaube, das ist jedem von uns irgendwo bewusst. Aber gerade in der prägenden jungen Generation wird das besonders deutlich.
Die Gemeinde als Ressource für die junge Generation
Und das war jetzt ein negatives Beispiel. Ich glaube, positiv ausgedrückt können wir damit sagen, dass wir einen unglaublichen Schatz, eine unglaubliche Ressource haben, dadurch, dass wir die Gemeinde haben: verschiedenste Menschen, die einander bereichern und ergänzen, die aus verschiedenen Lebenssituationen kommen und verschiedene Herausforderungen und Freuden haben, aber die gemeinsam jungen Menschen dienen können und dienen wollen, wenn wir das richtig machen. Dazu kommen wir noch in einem späteren Teil, was erste Schritte dahin sein können.
Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Gemeindefamilie die Umgebung natürlicher Familien mit gläubigen Eltern ist. Wenn ihr mal gerade auf Seite 37 mitblättert und auf Seite 38, dort habe ich das mal versucht, mit zwei Grafiken ein bisschen aufzugliedern, und wir können darüber gerne noch ins Gespräch kommen. Ich glaube nämlich, dass Eltern das natürliche Bindeglied zwischen den Kindern und zwischen der Ortsgemeinde sind.
Eltern als Bindeglied zwischen Gemeinde und Kindern
Je nachdem, welches Taufverständnis du hast, muss man das hier vielleicht kurz ansprechen. Es kann ja sein, dass du sagst: Wir haben die Gemeinde, und wir haben die natürlichen Familien. Aber irgendwie gehören die Kinder ja auch äußerlich zu Gottes Volk.
Ich tue mich damit noch ein bisschen schwer, das so zu sehen. Ich würde eher sagen, die Kinder gehören aufgrund ihrer Eltern, oder sie haben aufgrund dessen, dass ihre Eltern zu Gottes Volk gehören, Anteil an bestimmten Vorrechten und Segnungen. Dazu gehört nämlich, dass sie Gottes Wort hören können, dass sie Gottes Wort erleben können.
Aber unsere primäre Verantwortung gilt eigentlich nicht einmal den Kindern. Sie gilt den Eltern. Wir dienen den Eltern, indem wir ihren Kindern dienen. Eltern haben Verantwortung für ihre Kinder bekommen, weil ihre Kinder mit ihnen leben, weil sie ihre Eltern sind. Damit dienen wir den Eltern in dieser ganz konkreten Aufgabe, in dieser ganz konkreten Herausforderung, für ihre Kinder da zu sein.
Wiedergeborene Familienmitglieder als Verbindungspunkt
Ihr seht hier auf Seite 38 mal etwas. Ich habe übrigens einen Freund gefragt, der selbst ein paar Details ein bisschen anders sieht, wie das mit Kindern und Gemeinde ist. Die Verhältnisbestimmung hat gesagt, er sieht das ganz ähnlich.
Das ist hier ein bisschen die Verhältnisbestimmung zwischen dem, wo ich sagen würde: die wiedergeborenen Familienmitglieder. Das seht ihr hier in dieser Grafik mit den zwei Kreisen. Die wiedergeborenen Familienmitglieder sind im Grunde der Nexus, der beides miteinander verbindet: die Gemeinde und die natürliche Familie. Und sie schaffen damit auch das Potenzial, dass wir der natürlichen Familie mit der Gemeinde dienen können.
Wenn ihr euch fragt, was ich sagen würde, was ihr heute aus dem Seminar hoffentlich mitnehmen könnt und sollt, dann sind das Seite 37 und Seite 38 in diesem Handout, vielleicht die zwei Grafiken. Ich hoffe, sie sind eingängig. Ich habe sie nicht erstellt, ich kann so etwas nämlich nicht. Ich bin aber sehr dankbar für denjenigen, der mir das gemacht hat, weil es mir selbst noch einmal geholfen hat, das so aufgegliedert zu bekommen.
Ist soweit jeder mitgekommen? Okay, perfekt. Ich hätte mich jetzt auch gefragt, ob sich irgendwer traut, hier zu widersprechen.
Ein kirchengeschichtliches Beispiel
Wir wollen da noch kurz in ein kirchengeschichtliches Beispiel eintauchen, bevor wir zur Praxis kommen. Und wie gesagt: Das, was ich sage, steht natürlich auch gerne zur Diskussion. Ich freue mich über Widerspruch, Einspruch oder bessere Argumente.
Ich habe vor einiger Zeit, also vor ein paar Jahren, bei Dietrich Bonhoeffer, den ja viele von uns wahrscheinlich dem Namen nach kennen, entdeckt, dass er sich Gedanken zu Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde gemacht hat. Ich glaube, die wenigsten haben einmal etwas von ihm gelesen. Aber was Dietrich Bonhoeffer schreibt, ist in der Regel lesenswert.
Bonhoeffer hat für eine Diskussion acht Thesen vorbereitet, wahrscheinlich für eine Diskussion, die er in London im CVJM hatte. Und wir wollen einmal kurz gemeinsam in diese Thesen hineinschauen. Nicht in alle, und wir wollen sie jetzt auch nicht alle ausführlich lesen. Aber ich habe hier immer wieder fett markiert, wo ich glaube, dass Bonhoeffer eigentlich schon dieselben Gedanken und Linien gezeichnet hat, oder dieselben Gedanken hatte und diese Linien gezeichnet hat. Ja, das sind noch mehr als genug, die wir auch heute hier aufgeworfen haben.
Bonhoeffers Grundfrage nach Gemeinde und Jugend
Für mich war vor allem These zwei eine, die mich sehr ins Nachdenken gebracht hat. Ich lese sie mir am Stück vor:
Unsere Frage ist nicht, was ist die Jugend und was ist ihr Recht, sondern was ist die Gemeinde und welcher Ort kommt der Jugend in ihr zu?
Ich glaube, man kann Dietrich Bonhoeffers Theologie mit zwei Fragen zusammenfassen. Das hat mal jemand anders gemacht. Bei Bonhoeffer haben eigentlich immer zwei Fragen beschäftigt: Wo ist Jesus Christus? Wer ist Jesus Christus? Und wo ist Jesus Christus?
Bei Bonhoeffer ist die Antwort auf die zweite Frage eigentlich immer die Gemeinde. Jesus Christus ist in der Gemeinde. Jesus Christus ist das Haupt der Gemeinde, und darum ist er dort, wo die Gemeinde ist. Menschen können Jesus nur in der Gemeinde und durch die Gemeinde begegnen. Und das zieht sich, glaube ich, auch hier durch diese ganzen Thesen durch.
Wenn wir uns wünschen, dass junge Menschen Jesus nachfolgen, dann müssen sie die Gemeinde sehen. Sie müssen das hören, was die Gemeinde glaubt. Und sie müssen das erleben, was die Gemeinde glaubt, was das Evangelium wirklich ausmacht.
Bonhoeffers kirchliches Denken
Und vor allem lesen wir hier in These vier noch einmal: Wenn Bonhoeffer schreibt, die Jugend hat in der Gemeinde kein Vorrecht. Sie soll der Gemeinde dienen, indem sie das Wort hört, lernt und einübt. Es geht hierbei nicht um Modernes oder Altmodisches, sondern allein um kirchliches Denken.
Und dann in These 8 zum Schluss: Es gibt nur Kirche, nicht den kirchlichen Jugendverein. Oder man könnte sagen: Die kirchliche Jugendarbeit ist die Jugend der Gemeinde, und zu ihr gehören alle getauften Jugendlichen.
Wenn man Bonhoeffer hier zusammenfasst, und ich glaube, als jemand, der hier angefangen hat, ganz grundlegend und theologisch wichtig zu denken, dann ist es so: Jugendarbeit muss wirklich damit anfangen, dass wir darüber nachdenken, wie junge Menschen die Gemeinde erleben, wie sie sie sehen und wie sie sie erfahren.
Mir geht es auch darum, dass wir heute nicht sagen: Es gibt irgendein Modell, das wirklich funktioniert. Vielmehr ist es die Aufgabe jeder Gemeinde, wenn du Kinder- und Jugendarbeit machst, mehr über die Gemeinde nachzudenken. Es geht darum, wie junge Menschen das bei euch vor Ort ganz konkret erfahren, erleben, sehen und lernen können.
Übergang zur Praxis: Irrtümer und Prioritäten
Wir kommen jetzt hier langsam zur Praxis, zur Frage, wie wir eine theologiegemeindezentrierte Jugendpastoral entwickeln können. Das ist hier ein bisschen kurz, ich hoffe aber, dass es hilft, Seite 40 im Handout.
Ich glaube, es gibt einen Irrtum, den wir mit uns herumtragen können. Der hat ein bisschen etwas mit dem zu tun, was man eine Angebots- oder Programmgemeinde nennen könnte. Nämlich die Vorstellung, dass ein gesundes Gemeindeleben und eine gesunde Prägung der jungen Generation bedeutet, dass wir viele Veranstaltungen für junge Menschen haben, dass für jeden eigentlich irgendetwas dabei ist.
Ich glaube persönlich, dass das nicht zwingend neutestamentlich ist und nicht zwingend evangeliumsgemäß ist. Ich denke eher, eine Gemeinde sollte, und ganz konkret im Blick auf die junge Generation, so wenig zielgruppenspezifische Termine wie möglich haben. Das heißt nicht, höchstens einen oder so wenig, da kann man keine Zahl daraus machen. Aber lieber mit der Handbremse fahren und diese Veranstaltungen und Bereiche, auch die Gemeindedienstbereiche, nicht Angebote nennen. Sie sollten der Begegnung und der geistlichen Ausbildung dienen.
Ich sage immer gern: Kreise in das Leben von jungen Menschen und der ganzen Gemeinde hineinziehen, und vor allem auch von Familien.
Grundvollzüge der Kirche als Orientierungsrahmen
Und ein voller Terminkalender und so eine bunte Angebotspalette, ich glaube, die verhindern das am Ende. Denn am Ende hat jeder einen vollen Stundenplan. Man sieht eigentlich nur Menschen aus der eigenen Generation und lernt die Gemeinde als Ganze nicht kennen. Man erfährt nicht, wie der Leib von Jesus hier vor Ort miteinander lebt.
Meine Antwort darauf wäre, dass es hilfreich sein kann, den Dienst an der jungen Generation, und das ist hier wieder auch sehr allgemein, aber ich hoffe, es hilft, an den sogenannten kirchlichen Grundvollzügen auszurichten. Das sind Kategorien aus der systematischen Theologie, die aber begrifflich alle irgendwo einen Anklang im Neuen Testament haben. Wenn wir eigentlich das Neue Testament, vor allem die Briefe, mit der Frage lesen: Wie lebt eine Gemeinde?
Denn wenn ich das miterlebe, dann lerne ich die Gemeinde kennen. Dann erfahre ich in irgendeiner Weise die Gegenwart von Jesus. Ich höre, was Jesus gesagt hat, und ich sehe, was Jesus in der Gemeinde tut.
Ich glaube, die Grundvollzüge der Kirche, das sind sozusagen die Dinge, die die Kirche praktisch tut, die aber aus ihrem Wesen entspringen. Sie helfen uns, den Auftrag, junge Menschen zu Jüngern zu machen, nicht aus dem Auge zu verlieren und praktische Schritte dafür zu gehen.
Die Grundvollzüge und ihr Zentrum
Und es gibt eine Diskussion darüber, wie viele Grundzüge es gibt. Manche sagen zwei, manche sagen drei. Ich habe auch irgendwo etwas von fünfzehn oder so ähnlich gelesen; die hätten jetzt nur hier nicht in die Grafik hineingepasst. Aber ich halte acht ungefähr für neutestamentlich nachweisbar. Und ich glaube, dass es einen neunten gibt, der eigentlich alle anderen bestimmt und ausmacht und der sozusagen auch das Ziel von Theologie und von gemeindlichem Leben ist.
Diese acht Grundvollzüge und der neunte Zentrale sind gemeinsamer Gottesdienst, Lehre, Gemeinschaft, Seelsorge und Fürsorge, Verkündigung, Dienst, Erzeugnis gegenüber der Welt und Leitung. Und ich glaube, dass das Lob Gottes, die Verherrlichung Gottes, sozusagen die ordnende Mitte dieser Grundvollzüge bildet.
Ihr seht das hier auf Seite 41 einmal ganz einfach in so einem Kreismodell dargestellt. Es ist, wie gesagt, nur der Versuch, das irgendwo einmal greifbar zu machen. Ich glaube, diese Dinge fassen zusammen, wie eine Gemeinde als Leib von Jesus lebt und leben kann und was es bedeutet, dass wir uns eigentlich wünschen sollten und prägen sollten, dass Jugend- und Kinderarbeit in der Gemeinde irgendwie davon durchdrungen ist, dass das in greifbaren Elementen in deiner Planung, in euren Strukturen erfahrbar wird für junge Menschen. Das sieht in jeder Gemeinde vielleicht ein bisschen anders aus.
Kontaktwege von Kindern zur Gemeinde
Und ich glaube, hier ist noch ein dritter wichtiger Punkt, bevor wir jetzt endgültig zur Praxis kommen. Wir sollten uns bewusst machen, wie Kinder mit der Gemeinde in Kontakt kommen.
Es gibt Kinder, die in der Gemeinde aufwachsen. Es gibt Kinder, die nicht in der Gemeinde aufwachsen. Es gibt Kinder, bei denen vielleicht ein Elternteil zum Glauben kommt. Das sieht unterschiedlich aus. Aber die Frage ist immer: Kommen Kinder mit verschiedenen Hintergründen mit unserer Gemeinde in Kontakt? Können die überhaupt mit unserer Gemeinde in Kontakt kommen? Oder drehen wir uns zum Beispiel nur sehr viel um uns selbst? Oder können nur Kinder überhaupt ihren Weg zu uns in die Gemeinde finden, die in einem frommen Elternhaus aufwachsen?
Praktische Schritte für eine gemeindezentrierte Jugendpastoral
Wir kommen zum letzten Abschnitt für heute auf Seite 43, das sind die Schritte zur Praxis. Meine erste These hier ist: Jugendpastoral muss zur DNS und zur Praxis der jeweiligen Ortsgemeinde passen. Ich habe das ja vorhin schon einmal angesprochen. Es kann sein, dass Jugendtreffen ganz anders aussehen und ganz anders vom Stil her sind als die Gottesdienste einer Gemeinde.
Ich persönlich würde mittlerweile sagen: Das ist nicht gut, das ist nicht förderlich und das ist nicht gesund. Es gibt natürlich vielleicht manchmal Dinge, wo man denkt, das könnte hier in der Gemeinde besser laufen. Da könnten wir unser gemeinsames Leben stärker an der Bibel ausrichten. Aber wenn Jugendarbeit eigentlich prägt, dass wir sagen, am Sonntag macht die Gemeinde das, aber unter der Woche prägen wir das ganz anders, führt das irgendwo dazu, dass junge Leute sich als eigene Gruppe innerhalb der Gemeinde wahrnehmen, also sozusagen als eine Gemeinde in der Gemeinde.
Ich vermute, der eine oder andere von uns hat das vielleicht schon einmal gesehen, erlebt oder gehört, dass irgendwer gesagt hat: Die Jugendarbeit dort, die ist super, die Gemeinde ist so naja. Ich glaube aber, die theologische DNS einer Gemeinde und ihre praktischen Auswirkungen, also wie diese Gemeinde lebt und glaubt, die sollten die Jugendpastoral vor Ort mit beeinflussen.
Analyse, Ausrichtung und Korrekturfähigkeit
Jetzt stellt sich dir vielleicht die Frage: Wie analysiert man die theologische DNS und die Praxis einer Gemeinde? Unter 7.2 findest du ein paar Fragen, die dabei hilfreich sind. Ich habe sie von jemand anderem übernommen, finde sie aber sehr hilfreich. Sie helfen dir, zu analysieren und zu verstehen, wie die Kultur einer Gemeinde aussieht, wie die Praxis einer Gemeinde aussieht, was sie eigentlich ausmacht und wie sich Dinge in der Gemeinde gegebenenfalls über die Jahre entwickeln und verändern können. Sie helfen auch dabei zu erkennen, wie eine Gemeinde geprägt wird.
Ich glaube, das hilft uns, theologisch und sachgemäß nachzudenken und damit anzufangen, Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde an der Gemeinde selbst auszurichten: an der Kultur, am Stil der Gemeinde und an den Überzeugungen einer Gemeinde. Und es hilft uns auch, überhaupt erst in der Lage zu sein, korrekturfähig zu werden für das, was wir tun, für die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, und dafür, wie wir Dinge vielleicht auch methodisch und inhaltlich gestalten und prägen.
Eine örtlich angepasste Strategie
Auf Seite 44 findest du hier noch einmal kurz in der unteren Tabelle zusammengeschrieben, was das an deinem Kern ausmacht. Das bedeutet: Du brauchst eine örtlich angepasste Strategie statt eines allgemeinen Modells.
Die Frage ist also nicht, ob du möglichst viele Bücher über Kinder- und Jugendarbeit gelesen hast, ob du alle kennst oder ob dir irgendwer wieder sagt: Das ist übrigens das biblische Modell. Ich glaube, es gibt kein biblisches Modell für Kinder- und Jugendarbeit. Es gibt biblische Prinzipien für Kinder- und Jugendarbeit, die wir im ersten Teil kurz angerissen haben. Du kannst sie zuhause nachlesen.
Ich glaube, wichtig ist ein generationenübergreifender Fokus auf die Ortsgemeinde. Junge und alte Menschen sollten durch Kinder- und Jugendarbeit viel miteinander in Kontakt kommen. Es sollte also keine Ausnahme sein, sondern irgendwo dazu führen, dass junge Leute sich als Teil der Gemeinde verstehen.
Wir sollten auch lernen, mit der Spannung zwischen Bekehrung und Glaubenswachstum umzugehen. Es kann sein, dass wir Kinder- und Jugendarbeit viel zu schnell oder viel zu einfach als eine Art Dauerevangelisation verstehen. Dabei übersehen wir vielleicht, dass manche jungen Leute gar kein Bekehrungsereignis in diesem Sinne haben, sondern über Jahre zum Glauben kommen. Und wir verstehen dann womöglich nicht ganz, wie wir diesen Glauben eigentlich nähren, hegen, pflegen und unterstützen können, weil wir vielleicht einen sehr verengten Fokus auf ein einzelnes Bekehrungserlebnis haben.
Partnerschaft mit Eltern und konkrete Gemeindestrukturen
Ich glaube, die letzte wichtige Komponente hier ist, dass wir Eltern unterstützen und ganz gezielt eine Partnerschaft mit ihnen eingehen. Eltern sind nicht einfach irgendwie so ein notwendiges Übel, das man halt an die Kinder noch irgendwie dranhängt. Du hast Verantwortung für die Eltern in der Kinder- und Jugendarbeit.
Du hast keine direkte Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen, sondern erst einmal für die Eltern, weil sie Mitglieder deiner Gemeinde sind, weil du ihnen zugesagt und versprochen hast, dass du sie lieben und für sie da sein willst. Und darum willst du auch ihre Kinder lieben und für sie da sein.
Wir haben zeitlich ein bisschen später angefangen, aber wir springen jetzt einfach noch mal ein bisschen weiter, nämlich dahin, wie das konkret aussehen kann. 7.3.2 als Gesamtgemeinde prägen.
Davor seht ihr ein bisschen, wie das für eine Gemeindeleitung aussehen kann. Ich habe da vor allem durchdekliniert, wie man das als Jugendleitung, als Gemeindeleitung machen kann, anhand einiger Beispiele.
Gesamtgemeinde als Trägerin der Arbeit
Unter 7.3.2 als Gesamtgemeinde prägen sehen wir, glaube ich, ein paar entscheidende Punkte. Das eine ist nämlich, dass wir das als Gesamtgemeinde machen wollen. Ich glaube, eine der wichtigsten Einsichten für ein bestimmtes Verständnis von Kinder- und Jugendarbeit ist, dass die ganze Gemeinde Kinder- und Jugendarbeit macht. Also nicht du als Jugendleiter machst die Jugendarbeit, sondern die Gemeinde macht sie, und die Gemeinde ist dafür verantwortlich. Du koordinierst die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde.
Hier in der Tabelle auf Seite 49 seht ihr zum Beispiel ein bisschen, wie eine Hierarchie von oben nach unten aussehen könnte. Die Hauptinstanz dafür ist die Gesamtgemeinde. Ich glaube, die nächsten Verantwortlichen sind die Pastoren. Bei uns in der Gemeinde gibt es dann noch einen Pastor für junge Generationen, also mich, außerdem Jugendleiter, Kinderstundenleiter und Kinderstundenmitarbeiter. Das sind jetzt hier konkrete Fallbeispiele. Aber die Grundfrage bei solchen Strukturen sollte für uns immer sein: Welche helfen uns, möglichst viele Geschwister in Verantwortung zu nehmen und möglichst vielen Geschwistern den Dienst an jungen Menschen zu ermöglichen?
Beteiligung, Ziele und Auswertung
Bei manchen kann es ein regelmäßiger Dienst sein, also jede Woche. Bei anderen kann es projektweise sein, dass sie sich zum Beispiel einmal im Jahr darin einbringen, indem sie sagen: Ich organisiere eine Bastelaktion oder etwas Ähnliches im Rahmen eines regelmäßigen Dienstes.
Dadurch schaffst du eine Begegnungsfläche, die generationenübergreifend ist. Und irgendwo sind Leute, die vielleicht gar nicht selbst die Eltern von jemandem sind, präsent im Leben von Kindern und Jugendlichen.
Hier auf Seite 50 siehst du noch einmal das Fallbeispiel, wie das bei uns in der Gemeinde aussieht und wie wir diese Dienstbereiche einmal aufgegliedert haben. Es ist, wie gesagt, kein direkt biblisches Beispiel, aber es ist eines, das ich selbst sehr schätze aus unserer Gemeinde.
Das andere ist: Das ist 7.4. Wir wollen konkrete Ziele und Aufgaben für die junge Generation formulieren und für die Jugendpastoral.
Ich hatte es ja schon ein bisschen angesprochen: Jugendpastoral sollte zur Ortsgemeinde passen. Ich glaube, jede Gemeinde hat mindestens implizit so etwas wie eine theologische DNA: was wir glauben, was wir machen, warum wir Dinge machen und wie wir hier Dinge vor Ort denken.
Jede Gemeinde hat irgendwo mindestens implizit so etwas wie eine Gemeindewision, eine Gemeindephilosophie. Wie wollen wir Sachen machen? Was ist uns hier wichtig? Wofür haben wir Zeit und wofür nicht? Was sind unsere Prioritäten?
Ich glaube, Kinder- und Jugendpastoral sollten sich genau daran ausrichten, an der Gemeindewision.
Gemeindewision und konkrete Bausteine
Das ist hier nicht mit einer Fußnote versehen, aber Andy Mertin hat ja mal gesagt, das praktischste Beispiel dazu ist Jugendarbeit mit Vision von Doug Fields. Das ist mittlerweile ganz stark veraltet. Er war Jugendpastor in Saddleback und hat im Grunde irgendwann festgestellt, dass die Jugendarbeit unserer Gemeinde, also dort vor Ort, nicht zu dem gepasst hat, wie die ganze Gemeinde ausgerichtet war. Dadurch gab es immer wieder Clinch, vielleicht auch Streit, aber auf jeden Fall Reibung.
Er hat gemerkt: Okay, was bedeutet es eigentlich, dass sich junge Leute als Teil der Gemeinde verstehen? Irgendwie muss das zum Leben der ganzen Gemeinde passen, dazu, wie diese Gemeinde miteinander umgehen will und was in der Kultur der Gemeinde wichtig ist.
Also ist es an sich ein lesenswertes Buch. Das Cover ist nicht so schön, aber das kann man ja nicht mehr ändern.
Bei uns vor Ort in der Gemeinde, das ist hier auf Seite 51 der untere Punkt, habe ich das mal so formuliert, oder wir haben als Gemeinde mal formuliert: Wir wollen Gott verherrlichen, indem wir die Freude an Jesus fördern und verbreiten. Das ist unsere, man könnte sagen, unsere Gemeindevission. Das ist unser Gemeindeauftrag, wie wir das verstehen, wofür wir da sind als Gemeinde.
Das ist auf der einen Seite so spezifisch, dass, glaube ich, keine andere Gemeinde außer uns den Satz so formuliert hat. Auf der anderen Seite ist es so allgemein, dass man das auf verschiedene Bereiche in der Gemeinde anwenden kann. Ich habe das mal so runtergebrochen auf die Kinder- und Jugendarbeit. Nicht sonderlich kreativ: Wir wollen Gott verherrlichen, indem wir Freude an Jesus unter Kindern und Jugendlichen fördern und verbreiten.
Teilziele, Inhalte und Auswertungskategorien
Okay, es reicht keinem vom Hocker, soll es auch gar nicht. Das zeigt nun mal, dass es ziemlich einfach ist, aber es gibt uns ein konkreteres Ziel vor als nur das Gemeindeziel.
Unser Dienstbereich, ob das die Jugend ist, die Teens oder die Jungschar, hat diese Aufgabe. Und alles, was wir dann machen und überlegen, sollte sich daran messen lassen, in irgendeiner Weise. Unser Raster für Evaluation, für Zielsetzung, für Verbesserung und für die Dinge, für die wir auch dankbar sind, ist das eine.
Das andere ist, konkrete Teilziele zu formulieren. Nicht nur ein konkretes Hauptziel, wie hier: Wir wollen Gott verherrlichen, Freude an Jesus nehmen und die Kinder und Jugendlichen fördern und prägen. Sondern auch zu sagen: Wie sieht das bei uns konkret aus? Was sind sozusagen unsere Bausteine?
Das sind hier auf Seite 52 drei Dinge, die ich auch mal bei jemandem geklaut habe. Ich fand sie aber sehr gut: Gemeinde, Leben und Bibel. Ich glaube, auf Englisch war das „Body, Bible, Life“. Das sind drei Dinge, die im Grunde das prägen, wo wir sagen: Das sind die Dinge, die junge Menschen hören sollen. Das ist vor allem biblische Inhalte und auch unter dem Aspekt Leben, was es bedeutet, als Jünger von Jesus angeleitet zu werden in einem Leben in dieser Welt.
Das ist für mich immer so ein bisschen die Rechtfertigung dafür, auch mal Themenpredigten zu halten und thematische Bibelarbeiten zu machen, nicht nur fortlaufend durch die Bibel durchzugehen. Denn es gibt auch in dieser Zeit ganz konkrete Herausforderungen und Fragen.
Und das Dritte ist einfach Gemeinde erleben: junge Menschen ganz konkret in deiner Gemeinde, was es bedeutet, als Teil der Gemeinde von Jesus zu leben. Sehen sie verschiedene Leute, die vielleicht mal in der Kinder- und Jugendarbeit sitzen, oder sind das vor allem junge Leute oder ausschließlich?
Das zeigt so ein bisschen drei Komponenten, die wir mal so formuliert haben. Sie können helfen, nicht als perfektes, nicht als ausschließlich biblisches Muster, aber sie geben uns eine Richtung zur Planung vor und eine Matrix zur Auswertung und zur Verbesserung. Denn wir können sagen: Dient das diesem Hauptziel? Und können wir das irgendwo in einer dieser drei Kategorien einordnen? Oder passt das hier nicht rein und sollte damit für uns nicht unmittelbare Priorität haben?
Abschließende praktische Orientierung
Unter 7.5 findet ihr noch einmal praktische Überlegungen zur Gestaltung von gemeindezentrierter Jugendpastoral, die sich an den Grundvollzügen der Kirche orientieren. Ich habe sie auch einfach aus anderen Beispielen zusammengeschrieben, bei denen ich das gesehen habe. Sie sollen euch vielleicht eine Schneise schlagen, wie man anfangen kann zu planen und zu denken, wenn man im Grunde ein allgemeines Gemeindeziel anlegt, das konkret auf die junge Generation heruntergebrochen wird. Dann stellt sich die Frage: Welche Themen, welche Inhalte und welche Aktionen könnten dazu passen, damit junge Leute Jesus dienen, füreinander da sind, für die Gemeinde da sind, mit der Gemeinde in der Welt und auch innerhalb der Gemeinde dienen und Zeugnis über ihren Glauben abgeben? Und was müssen wir sie lehren, was müssen sie über Jesus hören?
