Die schönste und die grausamste Geschichte in der Bibel.
Liebe Freunde,
die Weihnachtsgeschichte, also die Geschichte von Maria und dem Kind in der
Krippe, ist ja ziemlich gut bekannt. Es ist eine schöne Geschichte. Ich
finde überhaupt, es ist die schönste Geschichte in der Bibel. Weniger
bekannt ist eine andere Geschichte, die unmittelbar danach passiert ist.
Dies ist eine grausame Geschichte. Ich finde überhaupt, es ist die
grausamste Geschichte in der Bibel. Es ist die Geschichte vom Kindermord in
Bethlehem. Matthäusevangelium, Kapitel 2: Herodes ließ alle Jungen unter
zwei Jahren in Betlehem und in der Umgebung dieser Stadt umbringen. Der
Gegensatz zur Weihnachtsgeschichte ist so scharf wie Tag und Nacht. Die
Szene hat sich radikal verändert. Wo die Krippe stand, steht jetzt das
Schafott. Wo das neugeborene Kind lag, liegen jetzt Kinderleichen. Wo eben
noch drei Könige aus dem Morgenland das Kind angebetet haben, da besudeln
sich die Büttel von dem Herodes mit dem Blut von unschuldigen Kindern. Wo
eben noch eine Mutter das Wunder eines Neuen Lebens bestaunt hat, da
betrauern jetzt Mütter das zerstörte Leben ihrer Kinder. In Betlehem jubeln
nicht mehr die Engel, dort jammern die Mütter.
Weihnachten ist dem Satan ein Dorn im Auge.
Und wir fragen uns: Warum? Warum bis zum heutigen Tag so viel Leid, soviel
Grausamkeit, soviel Sinnlosigkeit. Was ist eigentlich los? Leute, der
Teufel ist los! In der Bibel steht: Dazu ist Jesus gekommen, um die Werke
des Teufels zu zerstören[1]. Und der Teufel wusste von Anfang an Bescheid.
Der tritt sofort zum Kampf an. Während die Engel noch jubeln: Ehre sei Gott
in der Höhe, da wird unten in der Hölle schon mobil gemacht. Und kaum ist
der Gottessohn geboren, da erfolgt schon der erste Angriff. Das Jesuskind
ist noch nicht trocken hinter den Ohren, da will Ihm der Satan schon an den
Kragen.
Weihnachten bringt eben nicht nur Freude, es bringt auch Ärger. Solche
Leute wie die Hirten, also machtlose, unterdrückte, einfache
Menschenkinder, die freuen sich. Solche Leute wie der König Herodes, also
Machthaber, Unterdrücker, Menschenschinder, die ärgern sich. Es ist schwer
zu verstehen, aber es ist so. Es gibt Leute, die möchten Weihnachten am
liebsten ungeschehen machen. Und die möchten alles, was mit diesem
verhassten Jesus zu tun hat, am liebsten total ausrotten. So einer ist der
König Herodes gewesen. Er plant, das Kind zu töten – warum?
Es gibt ein Gedicht von Gerd Semmer [2] unter der Überschrift: "Das Wort
wurde Fleisch", und das beantwortet diese Warum-Frage so:
Es kam das Kind in unsere Welt
um die war es nicht zum Besten bestellt
die armen Leute und Weisen
eilten sofort aus Ost und West
zu hören, das neue Wort.
um die war es nicht zum Besten bestellt
die armen Leute und Weisen
eilten sofort aus Ost und West
zu hören, das neue Wort.
König Herodes hatte es kaum vernommen
da kam er schon mit hundert frommen
Kriegern, um alle Kinder zu schlachten
die ihm etwa nach dem Leben trachten.
da kam er schon mit hundert frommen
Kriegern, um alle Kinder zu schlachten
die ihm etwa nach dem Leben trachten.
Die Mutter hat früh davon geträumt
der Vater hat den Esel aufgezäumt
sie flüchteten mit dem Kind nach dem Süden
das neue, gefährliche Wort hieß: Frieden".
der Vater hat den Esel aufgezäumt
sie flüchteten mit dem Kind nach dem Süden
das neue, gefährliche Wort hieß: Frieden".
Nichts ist in unserer Welt so gefährdet wie der Frieden. Und diese
Bedrohung bekommt Jesus, von dem die Bibel ja einmal gesagt hat: Er ist
unser Friede [3], von Anfang an zu spüren. Seine Eltern fliehen mit Ihm
zunächst nach Ägypten. Das Jesuskind ist zunächst einmal in Sicherheit. Ich
sage: zunächst einmal. Denn das Kind wird ja hier in dieser Geschichte nur
gerettet, damit es hinterher als Mann am Kreuz sterben kann, um dich und
mich zu retten.
In unserer Geschichte wird das Jesuskind zunächst einmal gerettet. Alles
schön und gut. Aber wie die Geschichte weitergeht, das ist eben nicht schön
und gut. Da rücken also die Soldaten des Herodes an, um das Jesuskind zu
töten, und weil sie nicht wissen, um welches Kind es sich handelt, da
schlachten sie gleich alle Jungs im Alter von zwei Jahren, die dort in
Betlehem und Umgebung wohnen, ab.
Das Entsetzliche an dieser Geschichte ist, dass hier Kinder ermordet
werden. Und dass sie ermordet werden wegen Jesus, das ist das
allerentsetzlichste. Wäre Jesus nicht in Betlehem geboren worden, wären
diese Kinder nicht ermordet worden. So aber wird Jesus, die unschuldige
Ursache zum Tode unschuldiger Kinder. Sicher, diese Blutbad wird nicht von
Gott, das wird von Gottes Gegnern angerichtet. Und trotzdem fragen wir uns:
wie konnte Gott denn dieses Gemetzel an Kindern nur zulassen? Wie passt das
zu Weihnachten? Wie passt das zur Botschaft von der Liebe Gottes, wie passt
das überhaupt zu Gott? Ist dieser Mord an den Kindern nicht sinnlos?
Ja, er ist sinnlos, wie alles Morden – im Krieg wie im Frieden. Und noch
besonders sinnlos, weil es ja kleine Kinder sind, deren Leben ja gerade
erst anfangen sollte. Es ist zwecklos, hier nach einer Erklärung zu suchen.
Und es ist zwecklos, Gott irgendwie entschuldigen der anschuldigen zu
wollen. Es ist zwecklos, in diesem Leiden irgendeinen Sinn sehen zu wollen.
Hier ist unsere Weisheit und unsere Theologie am Ende. Wir kommen um die
schreckliche Erkenntnis einfach nicht herum: unsere Welt ist voller
Sinnlosigkeiten. Und besonders das Leben des Gotteskindes und aller
Gotteskinder ist immer bedroht. Bedroht durch die Brutalität von Menschen,
die nur sich selber kennen und die Gott nicht kennen wollen.
Und es gehört zu den harten und unbegreiflichen Gesetzen dieser Welt, dass
unter den Gräueln der Weltgeschichte diejenigen am allermeisten zu leiden
haben, die, menschlich gesprochen, es gerade nicht verdient haben und die
unschuldig sind. Warum hat der Herodes diesen Schlachtbefehl gegeben? Was
ist denn sein Motiv? Herodes, der mächtigste Mann im Land, der König, der
handelt aus Angst. Er gehört zu den Menschen, die nur politisch denken
können, und die sich nicht vorstellen können, dass es außer der politischen
Macht noch eine andere Dimension gibt. Er hat gehört, in Betlehem wäre ein
König geboren worden, und das bloße Stichwort König" löst bei ihm schon
die Kettenreaktion der Angst aus. Was der eigenen Macht gefährlich werden
könnte, das muss beseitigt werden.
In der Macht des Machthabers lauert die Angst und wird zur Quelle von
ungezählten bösen Taten. Ich will die Taten und Untaten dieses Herodes gar
nicht im einzelnen aufführen. Sieben Jahre vor diesem Kindermord in
Betlehem hat dieser Mann zwei seiner eigenen Söhne wegen Hochverrat
erdrosseln lassen. Wenn einer seine eigenen Kinder umbringt, dann traut man
ihm natürlich auch zu, dass er einen Massenmord an anderen Kindern begeht.
Und wenn es nicht so entsetzlich traurig wäre, da könnte man es ja als
einen Witz empfinden, dass Machthaber Angst haben.
Aber wir sehen es ja an diesem Herodes. Auch Machthaber haben Angst. Und
bevor die vor Wut zittern, da haben die erst einmal vor Angst gezittert.
Wer so viel Blut an den Händen kleben hat wie der, der muss die Rache der
Menschen fürchten. Wer solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit
verbrochen hat wie dieser Tyrann, der lebt immer in Angst. Je größer die
Verbrechen, desto größer die Angst, und je unruhiger das Gewissen, umso
gefährlicher ist der Machthaber. Wenn Machthaber Verbrechen begehen und
dann Angst haben, da sind sie dreifach gefährlich. Dann fühlen sie sich
durch alles und durch jeden bedroht.
Heinrich Heines' Koffer - die Angst der Gewaltigen vor der Gewaltlosigkeit
Die menschenmordende Maschinerie der Stasi ist durch den Motor der Angst in
Gang gehalten worden. Die Staatssicherheit war verunsichert durch Bücher,
Gedichte, Witze, Lieder, Theaterstücke, Bilder, Gedanken, Ideen. Und diese
allgemeine Verunsicherung, die typisch ist für deutsche Machthaber, die hat
schon Heinrich Heine so schön beschrieben in seinem Gedicht: Deutschland,
ein Wintermärchen. Weil gerade einmal wieder Winter ist, lese ich euch
gerade mal ein paar Strophen aus dem Wintermärchen vor, wie Heinrich Heine
von preußischen Zollbeamten kontrolliert wird. Die beschnüffelten alles,
kramten herum in Hemden, Hosen, Schnupftüchern, sie suchten nach Spitze,
nach Bijouterien [4], auch nach Büchern – ihr Toren, die ihr im Koffer
sucht. Hier werdet ihr nichts entdecken. Die Konterbande[5], die mit mir
reist, die habe ich im Kopfe stecken. Hier habe ich Spitzen, die feiner
sind als die von Brüssel und von Mechelen. Und pack ich einst meine Spitzen
aus, sie werden euch sticheln und hecheln. Und viele Bücher trage ich im
Kopf. Ich darf es euch versichern, mein Kopf ist ein zwitscherndes
Vogelnest von konfiszierlichen [6] Büchern."
Ist doch sonderbar. Ein Staat wie der preußische fühlt sich bedroht von den
Spitzen eines Dichters. Ein Staat wie die DDR fühlt sich bedroht von den
Witzen eines Pfarrers. Ein Staatswesen und ein Staatsmann wie Herodes fühlt
sich bedroht durch die Existenz eines Säuglings. Die Gewalt hat Angst vor
der Gewaltlosigkeit. Das ist die bittere Wahrheit, die den Kindern von
Betlehem, die später Jesus, die Millionen von Menschen das Leben gekostet
hat. Alle Gegnerschaft gegen Jesus hat hier ihre Wurzel. Und gerade die
Beteuerung von Jesus, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, gerade die
die Beteuerung der Kirche, dass sie die Gewalt ablehnt, ist den Machthabern
vom Schlage eines Herodes so verdächtig. Weil die eben nur in den
Kategorien von Macht und Gewalt denken können.
Und deshalb ist ihnen gerade das, was nicht von dieser Welt ist, so
unheimlich und so bedrohlich, dass sie immer wieder zuschlagen, ohne Grund,
ohne angegriffen zu sein, ohne Sinn. Der Vernichtungskampf des Herodes,
sein aus Angst geborener Hass hat in der Geschichte immer wieder Auflagen
erlebt. Und die ganze Geschichte der Kirche ist eine einzige Geschichte der
blutigen Verfolgung.
Wo es um die Sicherung der eigenen Macht geht, da nehmen Machthaber keine
Rücksicht und haben keine Skrupel. Sie lassen sich nicht rühren durch die
Tränen der Mutter oder durch die Drohung der UNO. Sie lassen Millionen
Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, verhungern, verdursten,
vergewaltigen, verrecken, vergasen.
Der Mord an den Kindern von Betlehem ist ja nur ein Symptom für die
Verbrechen der Mächtigen, die in millionenfacher Vergrößerung seit
Jahrhunderten die ganze Welt überziehen, bis in unsere Tage hinein. Es ist
sinnlos, absolut sinnlos. Aber das ist unsere Welt. Das ist die Welt, in
die Jesus gekommen ist.
Jesus hält es im Himmel nicht mehr aus.
Er hat es in seiner schönen Welt im Himmel nicht mehr ausgehalten, als Er
gesehen hat, wie sinnlos es in dieser Welt zugeht. Da hat Er sich gesagt:
Ich mach mich auf, Ich mach mich auf die Reise, Ich geh da hin, Ich muss
mit denen leben. Ich muss mich bei denen einnisten, Ich muss den Menschen
zeigen, dass es einen Sinn geben kann. Dass es trotz Finsternis in dieser
Welt Licht und Liebe gibt, deswegen ist Er gekommen. Das war Weihnachten.
Wir werden diese Welt mit ihren Sinnlosigkeiten und ihren Leiden nicht
ändern können. Keiner von uns hat die Kraft, das sinnlose Leiden
abzuschaffen. Aber jeder von uns hat die Möglichkeit, wenigstens dort, wo
er lebt, in seinem Kreis etwas dagegen zu tun. Und wenigstens etwas
Linderung zu schaffen.
Was mit den Kindern in Rumänien, für die wir hier Geld sammeln, passiert
ist, können wir alle nicht mehr ändern. Aber wir können ändern, dass es mit
ihnen so weiter geht. Wir können da ein wenig verändern, dass im Leben
dieser Menschen ein wenig Sinn, Hoffnung, Liebe reinkommt. Wir können noch
viel mehr in dieser Welt verändern. In der Welt von heute ist ja das große
Kindermorden im großen Stil im Gange. Gegen das Kinderschlachten in unserer
modernen Zeit ist ja Herodes ein Waisenknabe gewesen. Während wir zu
Weihnachten Verdauungsschnäpse schlucken müssen, damit uns die fette Gans
nicht länger aufstößt, da verhungern an jedem Tag in dieser Welt tausende
Kinder, weil sie nicht ein Stück Brot und nicht einen Schluck unverseuchtes
Wasser haben.
Bei uns geht es auch nicht besser zu als bei Herodes.
Während wir bei uns zu Hause an Weihnachten aus allen Lautsprechern die
Kinderchöre dröhnen lassen, da übertönen wir den stummen Schrei tausender
Kinder, die heimlich abgeschlachtet werden. Natürlich nicht so plump wie
bei Herodes. Bei uns wird ja nicht abgeschlachtet, bei uns wird ja
abgetrieben. Oder, wem das noch zu roh vorkommt, der drückt sich vornehmer
aus und sagt: Wir haben eine Schwangerschaftsunterbrechung vornehmen
lassen." Bei uns töten ja nicht rohe Soldaten, bei uns macht's ja der Herr
Doktor im weißen Kittel. Und er tut's ja nicht im Auftrag des Herodes,
sondern er tut es im Auftrag der Mütter und Väter. Oder richtiger gesagt:
der Frauen und Männer, die es ja gar nicht wert sind, Mütter oder Väter zu
heißen und die, um nur ja nicht Mutter und Vater werden zu müssen, lieber
zum Mörder werden. Bei uns weinen die Mütter nicht mehr wie in Bethlehem,
sondern sie triumphieren noch; sie schmieren es noch mit Angabe von Namen
und Zahl der Abtreibungen in alle möglichen Zeitungen.
Die deutsche Prominenz aus Funk und Fernsehen, unter der Überschrift Ich
habe abgetrieben" hat sich ja mit Foto veröffentlichen lassen. Sie gebärden
sich ja noch als die Helden der Selbstverwirklichung, wenn sie die Frucht
ihres Leibes nicht gebären, sondern auskratzen lassen, bis ihr eigenes Kind
abgekratzt ist. Es sind in Deutschland im Jahr 500.000 [7]. Das heißt im
Weltmaßstab 40 Millionen Kinder, die auf diese Weise umgebracht wurden. Da
braucht's keine umständlichen KZ-Krematorien, das erledigt die zuständige
Klinik. Da braucht's keine Massengräber, da genügt die Mülltonne.
Gott allein weiß, wie viele von euch an der Tötung eines Kindes beteiligt
gewesen sind. Von euch Jungs und Mädchen, Eltern, Freunde und Geschwister
und Großeltern, die davon gewusst haben, dazu geraten haben, oder die
nichts dazu gesagt haben. Leute, euch allen, die ihr mit diesen Problemen
zu tun habt, in Wirklichkeit oder in Gedanken, euch allen möchte ich sagen:
es gibt eine Vergebung.
Der dümmste Spruch der Menschheitsgeschichte – und das größte Weihnachtsgeschenk
Das ist der Sinn von Weihnachten. Jetzt gibt's einen, der vergibt. Es gibt
einen Spruch, der gehört zu den blödesten Sprüchen, die ich kenne. Der
heißt "Hätte Maria abgetrieben, wär uns Weihnachten erspart geblieben." Zum
Glück steht es in der Bibel anders. Im Matthäusevangelium Kapitel 1 steht:
und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen, das
heißt: Retter, denn Er wird sein Volk von den Sünden befreien. Leute, hätte
Maria abgetrieben, da wüssten wir nicht wohin mit unseren Sünden, da
müssten wir wegen unserer Sünden in die Hölle.
Aber das ist uns erspart geblieben! Jedenfalls jedem, der die Vergebung von
Jesus annimmt. Weihnachtsgeschenke nimmt normalerweise jeder vernünftige
Mensch gerne an. Warum willst du das Weihnachtsgeschenk Gottes, die
Vergebung der Sünden durch Jesus nicht annehmen, für dich , für dein Leben,
für deine Schuld in Anspruch nehmen? Selbst wenn du so einen Mord wie eine
Abtreibung auf dem Gewissen haben solltest, es gibt für dich eine
Vergebung.
Man kann Kinder aber auch ohne Abtreibung töten.
Und diejenigen, die die Sünde der Abtreibung verurteilen und von dieser
Sünde frei sind, die sollten sich jetzt trotzdem fragen, ob sie frei sind
von der Herodes-Gesinnung – also von der egoistischen Gesinnung und Leben
auf Kosten der Kinder. Der Jörg hat ja vorhin erzählt, wie jemand versucht
hat, auf Kosten eines Kindes ein Haus zu bauen. Man kann auch an Kindern,
die man auch zur Welt kommen lässt, Seelenmord betreiben. Viele Eltern tun
das, unbewusst und ohne Absicht. Aber sie tun es, indem sie sich auf Kosten
ihrer Kinder ein bequemes Leben machen. Wenn zum Beispiel beide, ohne eine
wirtschaftliche Notwendigkeit, arbeiten gehen. Da sind die Geschädigten die
Kinder. Wenn sie eine Mutter haben, die nervös ist und keine Zeit hat, die
sie sich selber und der Straße überlässt.
Seit Hoyerswerda und Mölln, seit diesem sinnlosen Anwachsen der
Gewalttätigkeit unter jungen Menschen in unserem Land, da sind sich ja alle
Soziologen einig: ein Grund für die Gewalt unter jungen Menschen ist das
Fehlen von intakten Familien, das Fehlen von Müttern. Ich versteh gar
nicht, warum da alle zustimmen und warum alle losbrüllen, wenn der
Heitmann [8] genau das selbe sagt.
Wenn er sagt, was in unserer Gesellschaft nötig ist, das ist die Stärkung
der Rolle der Mutter. Da hat der Heitmann doch einfach recht.
Das wichtigste, was ein Kind braucht ist eine Mutter. Und keine Mutter
sollte ohne dringende Notwendigkeit ihre Mutterpflichten vernachlässigen.
Also warte mit der Anschaffung eines Autos, bis die Kinder aus dem Gröbsten
raus sind, und sei lieber die ersten Jahre für deine Kinder da. Und statt
Geld zu machen auf Arbeit mach mal lieber Schularbeiten mit deinen Kindern.
Statt deine Macht zu gebrauchen – und die Macht hast du als Erwachsener ja
dem Kind gegenüber sowieso – räume dem Kind sein Recht ein. Ein Recht auf
Leben, auf Liebe, auf Geborgenheit, auf Hilfe, auf eine Mutter.
Wir sind wir Herodes. Jesus allein kann uns eine neue Gesinnung geben.
Wir haben doch wahrhaftig wenig Grund, uns über den Herodes aufzuregen. Die
Herodes-Gesinnung, also: Macht gebrauchen, Schwächere schachmatt setzen,
nur an sich selber denken – also diese Herodes-Gesinnung die steckt doch in
uns allen drin. Aus dieser Gesinnung kommen ja all die Sinnlosigkeiten
dieser Welt. Was wir brauchen, ist eine neue Gesinnung, und die Bibel macht
uns einen Vorschlag. Die Bibel sagt: Jeder sollte so gesinnt sein wie Jesus
Christus gewesen ist. Na und wie war Er? Er war Gott gehorsam, Er hat
niemandem Böses getan, Er hat niemanden vergewaltigt, Er hat verzichtet auf
Gewalt, Er hat vergeben, Er war ehrlich, Er war wahrhaftig, gerecht und
gutmütig. Und was hat Ihm das eingebracht? Verfolgung, Hass,
Heimatlosigkeit, Leid, Kreuzigung.
Jeder von euch sollte sich darüber im Klaren sein: wenn du mit Jesus lebst
oder wie Jesus lebst, dann zieht sich der Teufel nicht rücksichtsvoll
zurück, sondern er greift dich rücksichtslos an. Bei Jesus hat er das
versucht von der Geburt bis zum Tode. Und was ihm bei Jesus recht war, das
ist ihm bei den Nachfolgern von Jesus nur billig. Deshalb ist die billige
Weihnachtsduselei, die aus Weihnachten eine harmlose Pfefferkuchenparty
gemacht hat, so verlogen und so irreführend.
Ich rate dir: nimm Weihnachten und deine Beziehung zu Jesus nicht so
harmlos. Zu Weihnachten an der Krippe, da fühlen wir uns natürlich alle
wohl, und das zurecht. Es ist gut, dass es wenigstens einen Tag im Jahr
gibt, wo die Waffen schweigen. Es ist doch gut, dass es wenigstens einen
Tag im Jahr gibt, wo Friede ist auf Erden. Und es ist doch gut, dass wir
uns wenigstens einen Tag im Jahr freuen können wie die Kinder.
Aber Leute, wir dürfen nicht vergessen, dass der Weg, der an der Krippe
angefangen hat, am Kreuz geendet hat. Das Kreuz ist aus dem gleichen Holz
geschnitzt wie die Krippe. Und das Kreuz wirft seinen riesigen Schatten
über die Menschen aller Jahrhunderte. Wenn du dir Leid ersparen und ein
angenehmes Leben haben willst, dann lass die Finger von Jesus. Denn wenn du
Ihm nahe kommst, kommst du unweigerlich auf den Weg des Leidens.
Dieses Leiden um Jesu willen kannst du dir ersparen. Aber das Leiden, das
Leid und die Sinnlosigkeit dieser Welt, das wird dir nicht erspart bleiben.
Das findet in jedem Menschenleben irgendeinmal statt. Jetzt bist du noch
jung, jetzt hast du noch keine Vorstellung von den Katastrophen, die dich
treffen könnten. Jetzt hältst du es für die größte Katastrophe deines
Lebens, wenn dir der Weihnachtsmann die Jeans, die du dir gewünscht hast,
nicht bringt. Diese Katastrophe lässt sich zur Not mit einem Wutanfall oder
ein paar Tränen oder ein paar Glas Bier über die Runden bringen. Aber ich
sage dir: wenn die wirklichen Schrecken und die wirklichen Schrecknisse des
Lebens kommen, wenn die Schicksalsschläge des Lebens auf dich eintrommeln,
da brauchst du einen Halt damit du nicht in den Strudeln der Sinnlosigkeit
durchdrehst und untergehst.
Wenn deine Sünde dich kaputt macht, dann brauchst du jemanden, der dich
wieder heil macht, dann brauchst du einen Heiland. Wenn du am Ende bist,
dann brauchst du jemand, der dir hilft, einen Neuanfang zu machen. Und
dieser Halt, dieser Heiland, dieser Helfer, das wird Jesus sein. Jesus
heißt auf Deutsch: Gott hilft – Gott rettet". Du kannst ja von Jesus
sagen, was du willst. Aber eins kannst du nicht sagen. Du kannst nicht
sagen, Er hätte sich aus dem Leid und aus der Sinnlosigkeit dieser Welt
herausgehalten. Nein, Er hat sich reingehängt, bis Er schließlich selbst,
als Opfer, am Kreuz gehangen hat.
Wir haben heute über unsere Welt gesprochen, in der der Mensch so
unmenschlich werden kann, dass er sogar selbst kleine Kinder umbringt. Das
ist die Welt, in die Jesus gekommen ist. Er hat sich der Brutalität dieser
Welt gestellt. Das ist eine finstere Welt, die von der Macht der Sünde
beherrscht und von der Nacht der Schuld bedeckt ist. Aber Leute, seit
Weihnachten können wir singen: Doch, doch, trotz dieser Finsternis: ein
Licht ist gekommen." Das hat unsere Nacht erhellt und es wird niemals
verlöschen in der Welt.
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[1] 1. Johannes 3,8
[2] Deutscher Lyriker (1919 – 1967)
[3] Epheser 2,14
[4] Schmuck – Anm. des Schreibers.
[5] Schmuggelware – Anm. des Schreibers.
[6] beschlagnahmungswürdigen – Anm. des Schreibers.
[7] Die Zahl 500.000 erscheint etwas hoch gegriffen. Die offizielle Zahl
der Abtreibungen in Deutschland im Jahr 2014 betrug ca. 99.000. In den
neunziger Jahren lag die Anzahl bei ca. 130.000. Es ist allerdings davon
auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der Kindstötungen im Mutterleib
höher liegt. – Anm. des Schreibers.
[8] Es geht um den DDR-Oppositionellen, CDU-Politiker, langjährigen
sächsischen Justizminister und evangelischen Theologen Steffen Heitmann.
