Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 481: Der barmherzige Samariter, Teil 2.
Die Frage nach dem ewigen Leben und die Bedeutung der Liebe
Im Raum steht die Frage eines Gesetzesgelehrten nach den Voraussetzungen für das ewige Leben (Lukas 10,25-28). Und siehe, ein Gesetzgelehrter stand auf, versuchte ihn und sprach: „Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?“
Er aber sprach zu ihm: „Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?“ Er antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Er sprach aber zu ihm: „Du hast recht geantwortet. Tu dies, und du wirst leben.“
Da waren wir gestern stehen geblieben. Und wir tun auch als Christen gut daran, das mit der Liebe zu Gott und zu den Menschen nicht zu vergessen.
Glaube ist nur dann Glaube im Sinn des Herrn Jesus, wenn er sich in Form von Liebe zeigt. Johannes geht in diesem Zusammenhang sogar so weit, dass er schreibt:
„Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“ (1. Johannes 4,7-8)
Unser Tun und unser Sein bilden eine Einheit, und man kann das Sein aus dem Tun heraus erkennen. Deshalb diese provokante Formulierung: „Jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott.“
Die Herausforderung des Gesetzesgelehrten und die Frage nach dem Nächsten
Wo steht der Gesetzeslehrer? Immerhin wollte er doch Jesus versuchen.
In Lukas 10,29 heißt es: Indem er sich aber selbst rechtfertigen wollte, sprach er zu Jesus: „Und wer ist mein Nächster?“
Das ist irgendwie schade, denn jetzt wird deutlich, dass der Gesetzesgelehrte ein Problem hat. Die Frage „Und wer ist mein Nächster?“ klingt harmlos, aber Lukas macht klar, dass sie gestellt wird, weil er sich selbst rechtfertigen wollte.
Der Gesetzesgelehrte will also wissen, ob seine Interpretation von „Nächster“ passt. Wir dürfen davon ausgehen, dass er als typischer Jude hier nicht alle Menschen in die Rubrik „Nächster“ eingeordnet hat. Für ihn waren vermutlich nur Juden würdige Nächste, die es zu lieben galt.
Mit seiner Frage will der Mann also sicherstellen, dass Gott den Begriff „Nächster“ genauso versteht wie er selbst. Damit wird durch die Frage auch deutlich, dass es für ihn Menschen gibt, die keine Nächsten sind – die man also nicht lieben muss.
Tja, bei so etwas macht Jesus nicht mit. Liebe aus Gottes Perspektive ist immer irgendwie grenzenlos.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Der Überfall und das Versagen der religiösen Autoritäten
Lukas 10,30
Jesus erzählte: Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho hinab. Unterwegs fiel er in die Hände von Räubern. Diese zogen ihn aus, versetzten ihm Schläge und ließen ihn halbtot liegen.
Eine Geschichte: Ein Reisender wird auf der knapp dreißig Kilometer langen Strecke zwischen Jerusalem und Jericho von Räubern überfallen, ausgeraubt und halb totgeschlagen.
Lukas 10,31
Zufällig kam ein Priester diesen Weg hinab. Als er den Verletzten sah, ging er auf der entgegengesetzten Seite des Weges vorüber, ohne zu helfen.
Das ist also der Erste, der hätte helfen können: ein Priester. Er kommt allein, sieht den Mann, der um sein Leben ringt, und geht ohne Unterstützung weiter. Warum er nicht hilft, wissen wir nicht.
Lukas 10,32
Ebenso kam ein Levit an die Stelle. Auch er sah den Verletzten, ging aber ebenfalls auf der entgegengesetzten Seite vorüber, ohne zu helfen.
Ein Levit war ein Angestellter im Tempel, aber kein Priester, der Opfer darbrachte. Die Leviten waren für andere praktische Aufgaben im Tempel verantwortlich. So jemand kommt jetzt, sieht den Mann, hilft aber auch nicht.
Der unerwartete Helfer: Der barmherzige Samariter
Lukas 10,33: Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin. Als er ihn sah, wurde er innerlich bewegt.
Das nenne ich einen Plottwist: Ein Samariter als Hauptperson in dem Gleichnis. Wir wissen das, weil wir das Gleichnis kennen. Für den Gesetzesgelehrten, der die Geschichte zum ersten Mal hört, muss das jedoch ein Schock gewesen sein.
Erwartet hätte man vielleicht einen normalen Juden, aber ein Samariter? Jemand, der in den Augen eines Gesetzesgelehrten unrein war? Jemand, den man als religiöser Jude mied und mit dem man besser keine Gemeinschaft pflegte? Und genau dieser kommt, sieht nicht nur hin, sondern wird innerlich bewegt?
Und wisst ihr was? Genau das ist die Quintessenz von Nächstersein. Ich bin dann Nächster, wenn ich mich von der Not eines anderen innerlich berühren lasse und mir überlege, wie ich helfen kann.
Die praktische Umsetzung von Nächstenliebe durch den Samariter
Was jetzt kommt, ist eine Gegenstandslektion in Sachen Nächstenliebe.
Lukas 10,34: „Und er trat hinzu und verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf. Und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.“
Jesus beschreibt hier sechs Dinge, die der Samariter tut. Er geht erst einmal hin. Dann verbindet er die Wunden, reinigt und desinfiziert sie mit Öl und Wein. Danach setzt er den Verletzten auf sein eigenes Tier. Vermutlich muss er jetzt zu Fuß gehen. Er bringt ihn zu einem Gasthaus und kümmert sich dort um ihn.
Aber das ist noch nicht alles.
Lukas 10,35: „Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage Sorge für ihn, und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.“
Der Samariter bringt den Verletzten also nicht einfach in eine Herberge, um dann ganz schnell wieder zu verschwinden. Er bleibt über Nacht, kümmert sich um den ihm fremden Juden und bezahlt den Wirt der Herberge im Voraus. Damit dieser sich auch weiterhin um den Mann kümmert.
Der Samariter übernimmt also die Kosten für die Krankenpflege. Er sagt: „Was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.“ Die Betonung liegt hier auf dem „werde ich dir bezahlen“. Der Samariter weiß, dass der Mann, den er gefunden hat, nichts besitzt. Er stellt sicher, dass der Wirt sich bezüglich der Kosten keine Sorgen macht und dem Mann auch dann noch hilft, wenn er selbst nicht mehr da ist.
Die Lektion der Nächstenliebe: Innere Betroffenheit, aktive Hilfe und persönliche Kosten
Was wird hier deutlich?
Ich habe bereits gesagt, dass wir es hier mit einer Gegenstandslektion zum Thema Nächstenliebe zu tun haben. Dabei werden drei Dinge klar.
Erstens beginnt Nächstenliebe damit, dass ich mich innerlich von der Not eines Menschen bewegen lasse.
Zweitens wird Liebe aktiv, wenn aus Betroffenheit handfeste Hilfe wird.
Drittens ist Nächstenliebe kostspielig. Sie kostet mich etwas von meiner Zeit, von meinem Komfort und von meinem Geld. Aber genau so verhält es sich mit der Liebe.
Was könnte man jetzt tun?
Man kann darüber nachdenken, ob es Menschen gibt, denen man ein barmherziger Samariter sein könnte.
Das war es für heute. Bitte Gott ganz konkret um Weisheit und Bewahrung für die anstehenden Aufgaben deines Lebens.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
