Serie•Teil 1 / 2Zungenreden
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Einführung und Einordnung des Themas
Heute Nachmittag haben wir als Bibelstudie vor uns das Thema Zungenreden: Was, wozu, warum, wie, wann, wo.
Es ist ja so, dass das Zungenreden eines der auffälligsten Kennzeichen der sogenannten pfingstlich-charismatischen Bewegung ist. Das gilt für alle drei Phasen ihrer Geschichte. Wir können nämlich drei Perioden wie folgt unterscheiden:
Erstens ab 1906 die Zeit der Pfingstgemeinden in aller Welt. Das war eine Bewegung, die sich ausgehend von den USA in den folgenden Jahren weltweit ausgebreitet hat.
Zweitens ab circa 1960 die charismatische Bewegung innerhalb der Volks- und Freikirchen. Nicht wahr, die Pfingstgemeinden wurden gebildet, weil diese neue Lehre in den bestehenden Kirchen und Freikirchen keine Aufnahme fand. So hat man neue Kirchen außerhalb gebildet. Aber mit der charismatischen Bewegung kam diese Lehre dann allgemein in die Volks- und Freikirchen hinein. Das ist die zweite Welle.
Drittens ab circa 1980 die Gemeindewachstumsbewegung mit dem Power Evangelism, Macht-Evangelisation, und ihrem starken Einfluss auf die bisher noch nicht charismatisch gewordenen Gemeindegruppen.
Die Beurteilung dieser Strömung hat seit Beginn vor etwa hundert Jahren zu sehr starken Kontroversen unter Christen geführt. Es stellt sich also daher die aktuelle Frage: Handelt es sich hier um eine von Gott gewirkte Erweckung oder um eine endzeitliche Verführung im Sinn von Matthäus 24,11? Ich lese: Und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen. So steht es im Blick auf die Endzeit.
Dann Vers 24 im gleichen Kapitel: Denn es werden falsche Messiasse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Herr Jesus spricht da über die Endzeit. Und die Endzeit ist bekanntlich die Zeit nicht des Weltuntergangs, sondern die Zeit, in der das jüdische Volk wieder zurückkehren wird aus aller Welt in das Land der Vorväter.
Nach fast zweitausend Jahren Zerstreuung begannen die Juden ab 1882 zurückzukehren. Bis heute sind drei Millionen aus allen fünf Kontinenten aus über hundert Ländern zurückgekehrt. Und interessant ist eben, dass diese ganze Bewegung genau in diesen Zeitabschnitt hineinfällt.
Matthäus 7,21: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen Weissagungen und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!
An jenem Tag ist ein fixer Ausdruck, den wir oft in den Propheten finden, als Ausdruck im Blick auf die Endzeit, wie die Ausdrücke am Ende der Zeit, am Ende der Jahre, in den letzten Tagen. So haben wir auch diesen Ausdruck: an jenem Tag.
Und dort wird es also viele geben, die so zu dem wiedergekommenen Herrn sprechen werden. Und er sagt in Vers 23: Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!
Das Erstaunliche ist, dass die Leute denken, sie gehören zum Herrn, und doch nicht zu ihm gehören.
Biblische Ausgangspunkte und begriffliche Klärung
Im Neuen Testament finden wir die Beschreibung der von Gott gewirkten Fähigkeit, fremde Sprachen zu sprechen, ohne sie zuvor gelernt zu haben. Charismatiker und Nichtcharismatiker, die die Wahrheit der göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift festhalten, sind sich darin völlig einig, dass im Zeitalter der Apostel dieses Sprachenwunder tatsächlich stattgefunden hat. Liberale Theologen würden das zwar auch für damals absprechen, aber nicht Charismatiker und Nichtcharismatiker, die bis heute an der Inspiration der Bibel festhalten.
Es stellt sich aber die Frage, ob das heutzutage von Millionen praktizierte Zungenreden dem einstigen biblischen Phänomen entspricht oder nicht. Das ist die Frage. Heute Nachmittag möchte ich versuchen, darzulegen, dass das heute weithin ausgeübte Zungenreden etwas ganz anderes ist als das, was wir in der Bibel finden. Ich nehme diese Behauptung also vorweg, damit wir wissen, worum es heute Nachmittag geht. Dann möchte ich aber auch den Beleg dazu bringen.
Dadurch soll deutlich gemacht werden, dass sich die Erscheinungen von damals beziehungsweise von heute grundsätzlich voneinander unterscheiden, und zwar so grundsätzlich, dass es sich eigentlich lohnen würde, sie auch begrifflich scharf gegeneinander abzugrenzen. Ich würde vorschlagen, dass man das Phänomen von damals Sprachenreden nennt und das Phänomen, das Millionen heute praktizieren, konsequent Zungenreden nennt. So kann man klar erklären, wovon man spricht.
Nun möchte ich in einem ersten Teil kurz erklären und darlegen, wie Charismatiker das Wesen und die Wirkung des Zungenredens sehen. Was ich jetzt darlege, entnehme ich alles der bestehenden Literatur aus erster Hand. Ich habe dieses Jahr ein Buch mit dem Titel Sprachenreden kontra Zungenreden geschrieben. Jetzt versteht man nach diesen Vorbemerkungen, wie ich auf diesen Titel komme, ja?
Das Buch soll dann etwa im Frühjahr bei CLV Bielefeld erscheinen. Dort werde ich in den Fußnoten immer genau die Bücher und die Seitenzahl angeben, aus denen ich diese Belege habe, damit deutlich wird: Das ist nicht einfach eine Behauptung, sondern so findet man es in der charismatischen Literatur.
Charismatische Deutung des Phänomens
Ich stelle jetzt vier Aspekte des Zungenredens aus charismatischer Sicht vor.
Erstens: Erweis der Geistestaufe. In der pfingstlich-charismatischen Bewegung wird das Zungenreden von vielen, aber nicht von allen, als Erweis der Geistestaufe angesehen. Dabei wird der Heilige Geist in einem, wie man sagt, zweiten Erlebnis nach der Bekehrung empfangen. Gemäß klassischem Dogma, also der klassischen Lehre der Pfingstbewegung, muss man in Zungen reden. Gemäß den Charismatikern, die nicht diesem Dogma folgen, ist das Zungenreden nur ein mögliches, jedoch nicht ein zwingendes Zeichen der Geistestaufe.
Zweitens: Das Zungenreden ist ein Reden ohne zu verstehen. Charismatiker erleben das Zungenreden als ein Sprechen, bei dem der Verstand oder der Intellekt des Redenden ausscheidet. Der Zungenredner versteht seine sprachlichen Artikulationen nicht.
Drittens: Das Zungenreden als Zungengebet, das Beten in Zungen, wird von Charismatikern als besonders wirksame Form des Gebets angesehen. Es sei ein Mittel zur Selbstauferbauung im Sinn von körperlicher, seelischer und geistlicher Stärkung, obwohl man selbst nicht versteht, was man sagt. Das Zungengebet sei gegeben zur wirkungsvollen Fürbitte, auch für unbekannte Anliegen, zur eigenen Erfrischung und Erholung, zum Schutz gegen den Schmutz der Welt sowie zur geistlichen Kriegsführung. Es wird betont, dass Zungenreden in das Reich des Übernatürlichen versetze. Im persönlichen Gebetsleben eines Charismatikers kann das Zungenreden einen großen Teil der Zeit in Anspruch nehmen. Also: Jede Aussage ist belegt aus der originalen Literatur.
Viertens: Zungenbotschaften. In der Auslegung von Zungenbotschaften glauben Charismatiker, besondere Offenbarungen und Mitteilungen Gottes in der heutigen Zeit zu empfangen.
Das wären also diese vier Aspekte des Zungenredens aus pfingstlich-charismatischer Sicht.
Wirkungen und behauptete geistliche Vorteile
Und nun ein paar Erklärungen über die Wunderwirkungen des Zungenredens, wieder aus der Sicht der pfingstlich-charismatischen Bewegung.
Erstens: Segenswirkungen auf den Zungenredner.
Das Zungenreden soll eine tiefe und umwandelnde Wirkung auf das geistliche Leben dessen haben, der es ausübt. Es lade die geistlichen Batterien auf, und man werde bereichert im Glauben, in der Vollmacht, im Frieden, in der Freude und im Segen. Durch das Zungenreden sollen die Einfallstore des Feindes, wie Süchte und dergleichen, geschlossen werden.
Gestaute Spannungen, Zorn, Groll, Bitterkeit, rasche Gefühle, Angst, Neid, Ärger, Launen, böse Begierden, Eifersucht, Depressionen, Sorgen, seelische Qualen, Belastungen, ja alles Negative könne durch das Zungenreden förmlich weggeschwemmt werden. Und wer hat mit diesen Dingen keine Probleme? Also, wenn man ein Mittel hat, wie man das förmlich wegschwemmen kann, ist das doch sehr attraktiv.
Zweitens: Vermittlung von Vollmacht.
Die Vollmacht der eigenen Wortverkündigung werde durch das Zungenreden erhöht. Das Zungengebet sei eine besonders mächtige Waffe im Kampf gegen Dämonen. Abwehr der Finsternismächte und Austreibung von Dämonen könne wirkungsvoll stattfinden, wenn das Instrument des Zungengebets angewendet werde.
Die Zungenrede sei im Kampf gegen Dämonen eine Art Wasserwerfer der Feuerwehr, mit dem man die Dämonen förmlich zu Boden reißen vermöge und das höllische Feuer löschen könne.
Drittens: vollkommene Kommunikation.
Das Zungengebet sei das vollkommene Gebet, weil es zu hundert Prozent vom Heiligen Geist inspiriert sei, im Gegensatz zu dem gewöhnlichen Gebet in der eigenen Sprache. In Zungen könne man sich viel besser ausdrücken als in seiner eigenen Muttersprache. Im Zungengebet erreiche die Anbetung ihren Höhepunkt. Der menschliche Geist sei nicht mehr an den Verstand gefesselt. Er könne sich aufschwingen und alle Begrenzung des vom Verstand kontrollierten Sprechens hinter sich lassen.
Der Verstand werde beim Sprachenreden ausgeschaltet. Es sei möglich, mit Gott auf einer höheren Ebene zu kommunizieren, von Geist zu Geist. Man könne mit Gott Kontakt in einer neuen Dimension erreichen und sich in geistlicher Stärke in der Liebe Gottes bewahren.
Das wären also drei Wunderwirkungen des Zungenredens. Und nun noch ein paar Bemerkungen zu der Gabe der Auslegung der Zungenrede aus pfingstlich-charismatischer Sicht.
Die Auslegung der Zungenrede geschehe nicht durch den Verstand des Auslegers, sondern durch direkte Inspiration des Geistes Gottes. Der Ausleger verstehe niemals die Zunge, von der er die Auslegung gibt. Es sei auch nicht seine Aufgabe, gleichwertige Ausdrücke in seiner eigenen Sprache für die übernatürlichen Worte zu finden. Bei der Zungenrede handelt es sich um völlig unbekannte Worte. Die Auslegung sei in demselben Maß ein Wunder wie die ursprüngliche Äußerung in Zungen.
Übergang zur biblischen Untersuchung
Nun wollen wir miteinander anhand der Bibel untersuchen, wie wir diese Sicht der Dinge in der heutigen Zeit vom Wort Gottes her selbst beurteilen können.
Auf dem ausgeteilten Skript haben wir zunächst alle acht Stellen der Bibel zum Thema. Ich sage jetzt nicht mehr Zungenreden, sondern zum Thema Sprachenreden.
Vielleicht vorab: Auf Seite 2 unter Sprachliche Hinweise habe ich erklärt, im ersten Punkt, dass das neutestamentliche Wort Glossa, das in Verbindung mit Sprachen- oder Zungenreden gebraucht wird, Zunge als Organ und dann Sprache oder Fremdsprache bedeutet. Das ist also so wie im Französischen: La langue heißt das, was ich im Mund mit mir herumführe, das Organ, das sich dauernd bewegt beim Sprechen. Und La langue ist dann eben auch die Sprache oder eine bestimmte Fremdsprache. So ist das im Griechischen auch.
Aber wir können sofort im Zusammenhang erkennen, ob jetzt die Zunge gemeint ist oder die Sprache. Wenn zum Beispiel der reiche Mann im Hades Abraham bittet in Lukas 16, dass ihm doch ein bisschen Wasser gegeben werden soll, um seine Zunge zu kühlen, dann ist klar, dass Glossa dort nicht die Sprache meint, sondern die Zunge als Organ.
Wenn wir dann aber den Ausdruck Glossais lalein haben, dann bedeutet das, in Sprachen oder in Fremdsprachen reden. Und nicht etwa in Zungen reden, denn das könnte man im Deutschen sehr leicht so auffassen, als ob man da irgendwelche Akrobatik mit der Zunge als Organ vornehmen würde. Der Ausdruck Glossais lalein, oder in der Einzahl Glossa lalein, heißt vielmehr: Fremdsprachen sprechen oder eine Fremdsprache sprechen.
Darum möchte ich eigentlich lieber im Zusammenhang mit den biblischen Stellen von Sprachen- oder Fremdsprachenreden sprechen als von Zungenreden.
Wir kommen zurück auf diese acht Stellen der Bibel zum Thema. Man kann sich das gut so einprägen: Wir haben drei alttestamentliche Stellen und fünf neutestamentliche Stellen.
Die ersten alttestamentlichen Beispiele
Im Alten Testament zuerst: 1. Mose 2,16-17.
Wir befinden uns hier am sechsten Schöpfungstag. Gott hat Adam erschaffen, nicht als Baby, sondern als erwachsenen Mann. In Vers 16 heisst es: „Und der Herr gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du gewisslich sterben.“
Gott spricht am Tag der Erschaffung zu Adam, und er kann Gottes Sprechen verstehen. Das heisst, sein Wernickesches Zentrum im Gehirn, bei den meisten Menschen hier auf der linken Seite, etwas nach hinten versetzt, dort ist das Sprachverständnis im Gehirn lokalisiert. Das Wernickesche Zentrum war also bei Adam von Anfang an programmiert, so dass er Gottes Sprechen, die Wörter, die Grammatik, alles war da. Er konnte Gottes Sprechen verstehen.
Weiter im gleichen Kapitel, Verse 19-20: „Und der Herr bildete aus dem Erdboden alles Getier des Feldes und alles Gevögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und wie irgend ein Mensch ein lebendiges Wesen nennen würde, das sollte sein Name sein. Und der Mensch gab Namen allem Vieh und dem Gevögel des Himmels und allem Getier des Feldes.“
Adam war sogar kreativ in seinem Sprachgebrauch. Er war in der Lage, neue Wörter zu bilden für all diese Tierarten, die er benennen sollte. Das müssen wir ja auch dauernd: neue Wörter erfinden für all die Dinge, die neu im Leben erfunden werden. Es gab einmal keinen Computer, und so muss man ein Wort für Computer erfinden. Aber man hat nicht einfach so ein Phantasiewort genommen wie zum Beispiel Chalala. Das wäre ja auch möglich gewesen, aber das macht man normalerweise nicht so. Das klingt zu stark nach Dadaismus. Sondern man hat sich überlegt: Wie sagten die Lateiner, die Römer, zum Rechnen? Aha, dann machen wir einen Computer daraus. Ein Rechner heisst das, einfach auf Lateinisch. Man hat also aus bestehendem Sprachmaterial etwas genommen und das angepasst.
Man kann das auch innerhalb des Deutschen. Nicht wahr, die Brüder Wright haben so etwas Flugzeugähnliches erfunden, und an den Küsten der USA haben sie dann ausprobiert, damit zu fliegen. Da brauchte es auch einen neuen Namen. Das war so ein Ding da, das herumflog, und so sagte man: ein Flugzeug. Also diese Fähigkeit hat der Mensch von Anfang an mitbekommen, aus dem bestehenden Sprachsystem heraus auch neue Wörter zu kreieren.
Und schliesslich 1. Mose 2,23: Nach der Erschaffung Evas wird Adam in romantischen Gefühlen plötzlich sogar poetisch, und der Mensch sprach: „Dies ist einmal Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heissen, denn von dem Manne ist sie genommen.“ Das ist hebräische Poesie: „Dies ist einmal Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heissen, denn von dem Manne ist sie genommen.“
Adam war also in der Lage, ohne eine Sprache gelernt zu haben, zu sprechen und sogar zu dichten. Also auch das Broca-Feld, meistens links ein bisschen nach vorne versetzt, das war auch schon programmiert. Und so konnte Adam in einer Sprache reden, also er konnte Sprachen reden, in einer Sprache reden, das konnte er.
Hier haben wir also den ersten Fall, ich würde jetzt eben nicht sagen, von Zungenreden in der Bibel, sondern von Sprachenreden in der Bibel. Aber es ist uns klar, dass sein Verstand nicht abgeschaltet war. Und es war nicht eine irgendwie mystische Kommunikation, sondern es war ihm gegeben, Gottes Reden zu verstehen, und er konnte auch selber mit Gott reden. Aber der Verstand war nicht ausgeschaltet, denn Gott hat uns ja als eine Einheit geschaffen: Körper, Seele und Geist. Und da sollen wir nicht etwas davon verachten. Wir sollen den Körper nicht verachten, aber auch die Seele nicht und auch den Geist nicht.
Babel als Gegenbild und Sprachvielfalt als Gottes Werk
Ja, wir gehen zum zweiten Fall, zur zweiten Stelle: 1. Mose 11,1-9. Das ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel.
Wir haben hier die nachsintflutliche Urgesellschaft versammelt, im heutigen Südirak. Sie bauen eine Stadt und einen Turm in Rebellion gegen Gott.
Vers 1: Und die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte. Und es geschah, als sie nach Osten zogen, da fanden sie eine Ebene im Lande Sinear, Südirak, und wohnten dort.
Dann wollen sie die Stadt und den Turm bauen. Gott beschließt, dieses Projekt zu zerstören, indem er die Einheit der Urgesellschaft aufspaltet durch viele Sprachen.
Vers 7: Wohlan, lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht verstehen. Und der Herr zerstreute sie von dannen über die ganze Erde, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel, Verwirrung; denn daselbst verwirrte der Herr die Sprache der ganzen Erde, und von dort zerstreute sie der Herr über die ganze Erde.
Es gab also ein Sprachsystem und ein Vokabular, eine Sprache und einerlei Worte.
Nun, was hat Gott getan bei der Sprachenverwirrung? Gott hat den verschiedenen Sippen oder Stämmen neue Sprachen eingegeben. Das heißt, er hat also das Wernicke- und das Broca-Zentrum neu programmiert. Und zwar so, dass die Festplatte gelöscht wurde. Die alte Sprache war nicht mehr da, sondern sie wurde ersetzt durch ein neues System, durch ein neues Vokabular.
Und so konnten sich die verschiedenen Sippen nicht mehr untereinander verstehen. Sie konnten nicht mehr zusammenarbeiten. Die Systeme sind völlig neu und anders, so dass Kommunikation nicht mehr herzustellen war. Und so kam es zur Spaltung, zur Aufspaltung der Menschheit in viele Völker.
Nun, auch da finden wir also Gottes Macht, Menschen fertig eine Sprache einzugeben, die sie beherrschen, ohne sie gelernt zu haben. Auch da ist der Verstand nicht abgekoppelt.
Übrigens, die heutigen Sprachen sind so zahlreich. Man listet heute etwa 6.000 Sprachen auf, ohne die Dialekte zu zählen. Es ist nicht so, dass Gott alle 6.000 Sprachen damals eingegeben hat, denn viele Sprachen sind später durch Dialektbildung entstanden.
Zum Beispiel wissen wir: Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Romanisch, Rumänisch usw. geht alles zurück auf Latein. Das können wir anhand der Dokumente belegen. Also: Das Latein hat sich in verschiedene Dialekte aufgesplittert, und die Dialekte haben sich voneinander im Laufe der Zeit immer mehr entfernt, bis man sich nicht mehr verstehen konnte.
Im Moment verstehen sich Basler und Zürcher noch. Das war mein Glück, weil ich im Kanton Zürich aufgewachsen war und meine Frau im Baselbiet. Es sind nur Dialekte, aber theoretisch könnte sich das immer weiter auseinander entwickeln, bis man sich nicht mehr versteht. Dann spricht man von Sprachen.
Auf Anhieb versteht ein Italiener nicht einen Franzosen. Und so spricht man von neun Sprachen. Aber Gott hat nicht alle diese Sprachen damals erschaffen, sondern mindestens Ursprachen. Er hat Ursprachen erschaffen, aus denen sich durch Dialektbildung dann neue Sprachen gebildet haben im Laufe der Zeit.
Interessant ist Folgendes: Die 6.000 Sprachen kann man sprachwissenschaftlich nicht auf eine Ursprache zurückführen. Man kann sie einteilen in verschiedene Sprachstämme, und Sprachen eines Sprachstammes zeigen untereinander ganz deutliche Verwandtschaftsspuren.
Zum Beispiel die meisten Sprachen in Europa: Das sind die indoeuropäischen Sprachen. Sie zeigen klare Verwandtschaftsspuren auf allen Ebenen des Systems. So sind Russisch und Schweizerdeutsch eindeutig miteinander verwandt. Und auch Französisch und Italienisch, Englisch und Holländisch usw. Das ist ein Sprachstamm.
Aber zum Beispiel die semitischen Sprachen mit Hebräisch, Aramäisch, Arabisch, Akkadisch usw. Die können nicht auf eine Ursprache mit Schweizerdeutsch zurückgeführt werden, das geht nicht. Aber sie zeigen untereinander so deutliche Verwandtschaftsspuren, dass man sie in einen Sprachstamm zusammenfasst.
Man kann die Sprachen der Welt so in einige Dutzend Sprachstämme aufteilen, und das entspricht genau dem biblischen Befund, dass Gott eben verschiedene Sprachen erschaffen hat, eingegeben hat in Babel. Also das zweite Beispiel von Sprachenreden in der Bibel.
Und wichtig: Wir sehen, Sprachen sind also nicht das Produkt des Menschen, sondern Sprachen sind eigentlich Gottessprachen. Menschliche Sprachen sind Gottessprachen.
Diese Erkenntnis hat gewaltige Bedeutung. Denn in der liberalen Theologie sagt man sich: Die Bibel kann nicht Gottes Wort sein. Die Bibel ist ja geschrieben in menschlichen Sprachen, Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, und es gilt überall: errare humanum est, Irren ist menschlich. Die menschlichen Sprachen sind menschliches Produkt, und darum sind sie auch gar nicht fähig, vollkommen Gottes Gedanken auszudrücken.
Und so argumentiert zum Beispiel Karl Barth in seiner Dogmatik, dass die Bibel eben nicht Gottes Wort sein kann, nur Gottes Wort enthalten kann. Und das ist der Anfang vom Ende.
Aber eben: Die falsche Überlegung ist die, er meint, menschliche Sprachen seien Menschenwerk. Dabei sind menschliche Sprachen Gottes Werk. Und Gott hat die Sprachen der Welt so erschaffen, dass sie fähige Träger für Kommunikation sind, so dass Gott uns in seinem Wort genau das sagen konnte, was er uns Menschen sagen wollte.
Und die Bibel kann übersetzt werden in alle Sprachen. Das ist schon geschehen in über zweitausenddreihundert verschiedenen Sprachen, auch auf Schweizerdeutsch, sogar auf Zürchdeutsch, und es funktioniert. Man kann Gottes Wort ausdrücken in Zürchdeutsch und auch in jeder Indianersprache.
Also, es ist etwas Wunderbares: Gott hat die Sprachen so erschaffen, dass sie für alle Zeiten voll taugliche Kommunikationsmittel sind, um sein Wort zu übermitteln.
Und wir sehen: Dann wird natürlich auch schon die Aussage problematisch, wenn man sagt: Ja, in unserer Sprache können wir Gott nicht richtig loben. Wir brauchen eine übernatürliche Sprache, um Gott angemessen loben zu können.
Ja, aber dann können wir die Psalmen vergessen. Die Psalmen sind auf Hebräisch geschrieben, und ist das keine angemessene Art, Gott zu loben? Das ist sogar die Sprache des Heiligen Geistes. Da ist die vollkommenste Inspiration geschehen, denn jedes Wort ist die Sprache des Heiligen Geistes.
Ja, also Gott kann uns in menschlichen Sprachen die Möglichkeit geben, ihn angemessen zu loben, genau so wie die Psalmisten Gott angemessen in der von ihm gegebenen Sprache loben konnten. Ich kann beten auf Hebräisch, ich kann beten auf Schweizerdeutsch. Und ich kann nicht sagen, dass man auf Hebräisch besser beten könnte als auf Schweizerdeutsch. Es gibt beides ganz wunderbar.
Gut, aber das ist eher so eine Andeutung.
Prophetische Vorankündigung und neutestamentliche Erfüllung
Jetzt gehen wir weiter zur dritten Stelle: Jesaja 28,11-12. Hier spricht Gott im Zusammenhang zu seinem Volk Israel. Er spricht darüber, wie untreu sie sind und wie wenig sie auf sein Wort achten.
Dann lese ich Vers 11: Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine fremde Sprache wird er zu diesem Volk reden. Er wird zu ihnen sagen: Dies ist die Ruhe, schaffet Ruhe dem Ermüdeten, und dies die Erquickung; aber sie wollten nicht hören.
Dieses Wort wird von dem Apostel Paulus in 1. Korinther 14 wieder aufgenommen, und da haben wir die Auslegung des Heiligen Geistes im Neuen Testament zu dieser Stelle. Das ist immer die beste Auslegung. Da lesen wir in 1. Korinther 14,21: Es steht im Gesetz geschrieben. Und jetzt zitiert Paulus aus dem Propheten Jesaja, aus unserer Stelle. Hier wird also das Wort Gesetz im Sinne des Alten Testaments gebraucht.
Ich will in anderen Sprachen, das Wort Glossa, durch andere Zungen und durch andere Lippen zu diesem Volk reden, und auch also werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr. Gott verspricht also, dass er einmal zu dem Volk Israel durch Fremdsprachen reden wird.
Hier haben wir zwei Wörter: Zunge und Lippen. Es ist so, im Hebräischen hat man diese zwei Wörter für eine Fremdsprache, für eine Sprache. Laschan ist das Organ im Mund, wie Glossa, und bedeutet gleichzeitig auch Sprache, Fremdsprache. Und dann gibt es das zweite Wort Safa, das heißt wörtlich Lippe und bedeutet dann auch Sprache, eine Fremdsprache. Safa Ivrit, also in hebräischer Lippe, heißt in hebräischer Sprache. Oder Safa Sifudit, das ist die literarische Sprache im Hebräischen, das heißt also die literarische Lippe. Nur einfach so, um zu erklären, dass das ganz normale Wörter sind: Zunge und Lippe für eine Sprache.
Und Gott sagt also, er werde zum Volk Israel sprechen durch fremde Sprachen, trotzdem werden sie dann aber nicht auf ihn hören. Sie hörten nach Jesaja 28 nicht auf die Propheten, und dann sagt Gott: Ich werde es noch einmal versuchen in anderen Sprachen, aber sie werden dann auch nicht hören.
Und der Apostel Paulus gibt dann die Auslegung des Heiligen Geistes zu diesem Vers, 1. Korinther 14,22: Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen nicht den Glaubenden, sondern den Ungläubigen, die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Glaubenden.
Also Paulus leitet ab: Wenn in Jesaja angekündigt wird, Gott wird einmal durch fremde Sprachen zu Israel sprechen, und sie werden nicht hören, dann kündigt er an, dass er durch ein Zeichen zu dem ungläubigen Israel sprechen wird, um ihnen noch einmal eine Chance zu geben, auf ihn zu hören. Aber sie werden dann auch so nicht hören.
Darum wird grundsätzlich erklärt: Es ist eine prophetische Ankündigung des Sprachenredens im Alten Testament, um 700 vor Christus, zur Zeit von Jesaja. Und das ist nach Gottes Ankündigung ein Zeichen für Ungläubige, nicht für Gläubige.
Und dann gehen wir weiter zum Neuen Testament, Markus 16,15-18. Da wird uns der Auferstandene vorgestellt, der den elf Aposteln den Missionsauftrag übermittelt. Er sagt: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden. Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.
Markus geht dann weiter und beschreibt auch, wie sich das erfüllt hat: Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Jene aber gingen aus und predigten überall, indem der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen. Das ist die Erfüllung, und die ist auch tatsächlich eingetreten.
Nun haben wir hier einen wichtigen Ausdruck: Neue Sprachen, in neuen Sprachen reden. Unter sprachlicher Hinweise findet sich unter Punkt drei eine Erklärung dazu. Neue Sprachen, Markus 16,17, heißt: Das Wort neu heißt Kainos, nicht Neos. Das bedeutet beides heißt neu, aber Neos ist etwas, das es früher noch nicht gegeben hatte. Diese Flugzeuge der Gebrüder White, die ich schon erwähnt hatte, das waren wirklich Flugzeuge, die man mit Neos bezeichnet hätte, denn so etwas gab es früher noch nicht, das war neu.
Aber Kainos ist etwas, das es schon gibt, das dann eben neu ist. In dem Sinn wie für gewisse eingeborene Stämme, wenn die heute zum ersten Mal ein Flugzeug sehen, über ihrem Urwald oben rüberfliegen, für sie wäre dann das Kainos neu, ja? Und hier haben wir eben nicht Neos, neue Sprachen, die es früher noch nicht gegeben hätte, sondern Kainos, neu in dem Sinn, dass es für die Sprechenden etwas ganz Neues ist. Sie werden Sprachen reden, die sie früher nie gelernt hatten, aber nicht Sprachen, die es früher noch nicht gegeben hat.
Dieser Unterschied ist ganz wichtig, weil oft wird gesagt, dieses Lallen, das heute praktiziert wird von Millionen, das seien eben neue Sprachen. Natürlich seien es nicht Arabisch und auch nicht Schweizerdeutsch und so weiter, ganz neue Kreationen, ganz neue Sprachen. Aber dann würde man eigentlich in Markus 16 den Begriff Neos erwarten, das wäre das zu Erwartende, und eben nicht Kainos.
Gut, also das zu Markus 16.
Pfingsten als Schlüsselereignis der Apostelgeschichte
Jetzt gehen wir weiter zu Apostelgeschichte 2. Da haben wir den Pfingsttag. Gott, der Heilige Geist, kommt auf die Erde, um in der Gemeinde zu wohnen und um den Sohn Gottes, der zum Himmel aufgestiegen ist, hier auf Erden zu vertreten.
Ich lese Apostelgeschichte 2,1:
Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab, auszusprechen.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer von jeder Nation derer, die unter dem Himmel sind. Als sich aber das Gerücht hiervon verbreitete, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne in seiner eigenen Mundart, griechisch Dialektos, sie reden hörte. Sie entsetzten sich aber alle und verwunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, Dialektos, in der wir geboren sind: Parther und Meder und Elamiter und die Bewohner von Mesopotamien und von Judäa und Kappadokien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin und die hier weilenden Römer, sowohl Juden als Proselyten, Kreter und Araber, wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen, Glossa, reden? Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? Andere aber sprachen, spottend: Sie sind voll süßen Weines.
Nun haben wir also hier das Wunder, wie die Jünger Jesu plötzlich in der Lage sind, alle möglichen Fremdsprachen und sogar verschiedene Dialekte zu sprechen. Es hat Leute gegeben, die haben gesagt, das Pfingstwunder war nicht ein Sprachenwunder, also besser gesagt nicht ein Sprechwunder, sondern ein Hörwunder. Die konnten einfach das in ihrer Sprache hören, obwohl die Jünger das in ihrer eigenen Muttersprache gesagt haben. Und da führen sie dann als Beweis an: Und wie hören wir sie ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind? Aber Vers 4 sagt ja, dass es ein Sprechwunder war: Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab, auszusprechen.
Also es ist ganz klar ein Sprechwunder. Und immer, wenn man eine fremde Sprache spricht und andere dann dabei stehen, dann hören sie es in ihrer Sprache. Ja, sehr logisch. Das ist in jedem Fall so, dass man sagen muss: Wie hören wir sie in unserer Sprache? Aber es war nicht ein Hörwunder, sondern ein Sprechwunder, ganz eindeutig.
Dazu auch noch sprachliche Erklärungen und sprachliche Hinweise, Seite 2, Punkt 4: Wir haben in Apostelgeschichte 2,8 und 11 den Ausdruck „in unserer eigenen Mundart“, wie gesagt Dialektos, und wir haben auch „in unseren Sprachen“. Das heißt, es handelte sich um verständliche menschliche Sprachen und Dialekte.
Nicht wahr, das Pfingstfest war ein jüdisches Tempelfest. Es gab drei Tempelfeste, wo die Tora, das Gesetz Mose, alle Juden verpflichtete, nach Jerusalem zu kommen. Das war das Passafest, dann Schawuot, das ist das Pfingstfest im Juni, und Sukkot, das Laubhüttenfest im Oktober. Nun, alle Juden aus dem ganzen Land mussten nach Jerusalem kommen, so verlangte es das Gesetz.
Ein anderer Fall ist es mit den Auslandjuden. Aber wir sehen, es kamen eben auch Juden aus der ganzen damaligen Welt, denn es gab schon viele Juden, die lebten im ganzen Mittelmeerraum. Sie trieben da Handel und haben auch viele Synagogen aufgebaut. Diese Synagogen finden wir dann in der Apostelgeschichte zum Beispiel. Paulus, wenn er von Stadt zu Stadt reist als Missionar, besucht immer, wenn möglich, zuerst die Synagoge in einer Stadt.
So gab es also Juden im ganzen Römischen Reich verstreut und auch darüber hinaus im Irak und im heutigen Iran. Parther, Meder, Elamiter haben wir gelesen, und auch Mesopotamien. Das ist das Land zwischen Euphrat und Tigris. Auch von dort her, aus dem Irak, sind Juden gekommen. Und dann haben sie gehört, wie diese Galiläer genau ihre Sprachen, die sie dort sprachen, reden konnten.
Und das Erstaunliche: eben nicht nur einfach Sprachen, sondern es heißt sogar Dialekte. Es ist immer besonders beeindruckend, wenn jemand als Ausländer einen bestimmten Dialekt lernen kann, und zwar akzentfrei, den zu sprechen. Die meisten Menschen können nach der Zeit der beginnenden Pubertät, also ab etwa zehn, Sprachen nicht mehr so lernen, dass sie akzentfrei sprechen. Es gibt aber Menschen, die können das auch nachher noch, ein paar wenige. Und wenn dann die plötzlich eben Schweizerdeutsch sprechen wie ein Basler oder ein Zürcher und man erfährt, das sind Iraker oder das sind Bosnier, dann ist man echt beeindruckt.
Und das konnten die Jünger. Die sprachen sogar die Dialekte. Das heißt also, dieses Aussprechen, wie der Heilige Geist ihnen gab, auszusprechen, das hatte Bezug sogar auf die klangliche Seite der Sprache. Und das ist der nächste Punkt auf dem Blatt Sprachliche Hinweise, Apostelgeschichte 2,4: Der Heilige Geist bewirkte die korrekte Aussprache. Das Wort apophthengomai, aussprechen, wird erklärt in dem Standardwörterbuch von Louw-Nida Greek-English Lexicon als aussprechen mit Bezug auf den lautlichen, klanglichen Aspekt der Sprache. Das hat der Heilige Geist bewirkt.
Nun, das ist überhaupt nichts Neues für Bibelleser. Gott hat schon Adam eine Sprache geben können, und er konnte sie. Gott hat auch den Sippen oder Stämmen in Babel eine neue Sprache geben können, und sie konnten sie sofort. Und nun geschieht hier genau das Gleiche. Es ist gewissermaßen das, was wir hier erleben in Apostelgeschichte 2, wo die Gemeinde beginnt: die Umkehrung von Babel. In Babel gab es eine Einheit, aber eine gottwidrige Einheit, und die hat Gott durch Sprachen gespalten. Und nun schafft Gott eine neue Einheit von Menschen aus allen Völkern und Sprachen. Und diese Einheit beginnt mit dem Sprachenwunder, nicht mehr um zu teilen, sondern um zusammenzuführen.
Also es ist wirklich, können wir sagen, das neutestamentliche Gegenstück zu 1. Mose 11. Wir müssen ganz klar 1. Mose 11 und Apostelgeschichte 2 als Opposition betrachten. Gott gewirkte Opposition: Gott führt zusammen. Heute möchte Gott, dass Menschen verschiedenster Sprachen, verschiedenster Länder, verschiedenster Kulturen eins gemacht in Christus zeigen. Wir können in Liebe untereinander zusammen sein. Herr Jesus sagt in Johannes 13 am Schluss, dass das wieder das Zeichen sein wird, woran man erkennen kann, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe untereinander habt. Dass gerade diese Unterschiede uns nicht hindern, uns eben zu lieben, zu schätzen, um eben in dem Herrn Jesus Christus eins zu sein.
Aber wir sehen, das erste Mal, wo sich das Sprachenreden erfüllt, da sind es wirkliche Sprachen, die gesprochen wurden, und es hat sich erfüllt, Jesaja 28. Denn das waren alles Juden, die aus dem Ausland nach Jerusalem gekommen waren zum Tempelfest. Und warum hat Gott Pfingsten gewählt und nicht Passa oder Laubhütten? Ja gut, das Kreuz war zur Zeit von Passa, Herr Jesus hat das Passalam erfüllt, und dieses Tempelfest hat sehr viel zu tun mit dem Thema Gemeinde und dem Kommen des Heiligen Geistes. Aber es war tatsächlich die beste Zeit in der alten Welt, um große Reisen zu machen. Im Juni war es am einfachsten, über das Mittelmeer zu kommen, und so kamen regelmäßig am Pfingstfest am allermeisten Juden aus der ganzen Welt nach Jerusalem. Und so war das wirklich das ideale Fest, um die Demonstration der neuen Sprachen zu machen.
Und so hat Gott also zu seinem Volk gesprochen, ihm nochmals nach der Ablehnung des Messias vor Pilatus nochmals eine Chance zu geben, um zu hören. Dreitausend sind zum Glauben gekommen, allein an diesem Tag, 2,42. Aber wenn man denkt, dass Josephus Flavius sagt, beim Passafest waren normalerweise etwa zweieinhalb Millionen Menschen in Jerusalem, dann sehen wir: Das war nur ein kleiner Überrest, der gehört hat. Die Masse hat nicht gehört. Und das entspricht genau Jesaja 28. Ich werde zu ihnen sprechen in anderen Sprachen, und sie werden nicht auf mich hören. Aber er hat gesprochen zu Israel, zu dem ungläubigen Israel, und die meisten haben nicht gehört.
Man könnte fragen: Ja, was hat das denn für einen Sinn? Ja gut, dreitausend haben doch allein schon an diesem Tag gehört. Das ist ein Prinzip. Immer gibt es einen Überrest, der umkehrt, zu allen Zeiten. Aber die Masse, das ist nicht selbstverständlich, dass die Masse umkehrt.
Gut, so haben wir also hier in Apostelgeschichte 2 die Erfüllung von Jesaja 28 und auch die Erfüllung von Markus 16, denn die Apostel haben tatsächlich, und nicht nur sie, es wird allgemein gesagt von den Jüngern, die zusammen waren, sie haben in neuen Sprachen gesprochen. Aber es waren neue Sprachen für sie, nicht für die anderen. Und wir haben gelesen, die Leute, die Ausländer sagen: Das sind doch Galiläer. Die Galiläer waren im alten Israel immer die ungebildetsten. Die großen Gebildeten fand man in Judäa, in Jerusalem. Und darum war das umso erstaunlicher: ungebildete Leute, Galiläer, die sprechen nun akzentfrei, sagen wir, Sprachen aus Mesopotamien, aus Elam usw. Das ist doch schon die Höhe. Also einen größeren Beweis kann man ja gar nicht mehr liefern.
Und wir sehen, es gibt zwei Reaktionen. Es gibt solche, die sagen, alle sind in Verlegenheit. Und die einen sagen: Was kann das wohl sein? Und andere spotten, die sagen, die sind betrunken. Nun, die ausländischen Juden, die das verstanden haben, die waren natürlich die schnellsten. Die sagten: Was mag das wohl sein? Und die Inlandjuden, die nicht unbedingt gerade Elamitisch verstanden oder Koptisch oder irgendeine solche fremde Sprache, die konnten dann spötteln: Die sind doch besoffen.
Aber Petrus sagt: Schau mal, es ist doch jetzt dritte Stunde, neun Uhr morgens, und im Judentum darf man kein Frühstück haben vor zehn Uhr. Nichts trinken, nichts essen, ja. Also man stand schon früh auf, begann zu arbeiten, aber erst, nachdem das Morgenbrandopfer im Schnitt um neun Uhr auf den Altar aufgelegt wurde im Tempel, erst nachdem man Gott das Opfer gebracht hat, seine Speise, durften die Israeliten an ihre Morgenspeise denken. Also, ihr wisst doch ganz genau, wir sind alle nüchtern. Und trotzdem, die Sprachen waren eine Tatsache.
Die Öffnung für die Nationen
Ja, wir gehen weiter, zur nächsten Stelle: Apostelgeschichte 10,44. Aber man beachte: Sie spotteten. Sie wussten also ganz genau, dass es nicht so war. Das war wichtig. Es war also nicht irgendwie so, dass sie nicht ganz klar unterscheiden konnten, wie sie sich da aufführen würden, sondern sie spotteten. Sie sagten: Die sind doch betrunken. Aber sie wussten, dass es nicht stimmt.
Apostelgeschichte 10,44
Hier haben wir Petrus, der zu dem römischen Hauptmann Cornelius gehen musste, um ihm das Evangelium zu bringen. Wir haben hier zum ersten Mal, wie offiziell, Nichtjuden in die Gemeinde eingeführt, Nichtjuden, die keinerlei Vermischung mit dem Volk Israel hatten. Die Samariter sind schon früher zum Glauben gekommen, Apostelgeschichte 8. Aber das war schon ein Mischvolk. Die hatten israelitisches Blut mit drin, aber die Römer nicht. Und die werden jetzt offiziell in die Gemeinde eingeführt.
Für die Juden war damals immer noch ein Problem: Ja, es ist schön, wenn Nichtjuden an den Messias Jesus glauben, aber dann sollten sie eigentlich Juden werden und sich beschneiden lassen. Und jetzt geht es hier darum, zu zeigen: Nein, die Gemeinde ist nicht eine jüdische Einrichtung, auch nicht eine jüdische Sekte. Wenn Nichtjuden zum Glauben kommen, kommen sie direkt in die Gemeinde Gottes, ohne den Umweg über das Judentum zu nehmen.
Und jetzt sehen wir, was da geschieht:
Apostelgeschichte 10,44
Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war. Denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleich wie auch wir? Und er befahl, dass sie getauft würden in dem Namen des Herrn. Dann baten sie ihn, etliche Tage zu bleiben.
Also ist es so, dass Petrus predigt. Diese Heiden, diese Römer, nehmen das Evangelium auf, und noch während der Verkündigung kommt der Heilige Geist auf sie. Das ist so sensationell für die jüdischen Christen, die mit Petrus gekommen waren. Denn die dachten ja immer noch so: Die müssten dann ins Judentum kommen und sich mindestens mal beschneiden lassen und ein Ritualbad nehmen. Aber jetzt kommt der Heilige Geist auf sie, bevor sie getauft sind. Kein Ritualbad, schon gar keine Beschneidung. Und die merken: Das geht ja viel einfacher als bei uns.
In Apostelgeschichte 2,37 sagt Petrus denen, die willig sind zur Bekehrung, sagt er: Tut Buße, ein jeder von euch werde getauft auf den Namen des Herrn, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Die Reihenfolge ist: Glauben, Bekehrung mit Glauben, Taufe, Empfang des Heiligen Geistes. Und da ist es so: Sie hören, sie glauben, sie bekommen den Heiligen Geist, und dann kann man ihnen natürlich die Taufe nicht mehr verwehren. Die christliche Taufe, nicht ein jüdisches Ritualbad.
Ja, und bei den Samaritern war es ja noch schwieriger, Apostelgeschichte 8. Die Samariter kamen durch die Predigt von Philippus zum Glauben, aber sie bekamen nicht den Heiligen Geist. Sie wurden getauft, sie bekamen nicht den Heiligen Geist. Erst als die Apostel Petrus und Johannes von Jerusalem kamen, ihnen die Hände auflegten, bekamen sie den Heiligen Geist. Warum? Ganz einfach: Johannes 4. Zwischen Juden und Samaritern gab es eine jahrhundertealte Feindschaft. Die Juden gingen nicht zum Tempel der Samariter im Westjordanland bei Nablus, und die Samariter gingen nicht zum Tempel nach Jerusalem. Eine tiefe Feindschaft.
Nun kommen aber Samariter zum Glauben, so wie früher schon Juden zum Glauben gekommen sind in Jerusalem. Das wäre die ideale Voraussetzung gewesen für die erste Gemeindespaltung der Geschichte. Ja, also: Wir bleiben so getrennt, wie wir schon immer waren. Aber da kamen zwei jüdische Apostel. Die mussten die Hände auflegen, und das bedeutet ja immer Einsmachung, Identifizierung. So wie der opfernde Sünder im Alten Testament durch das Handauflegen auf das unschuldige Opfer seine Schuld bildlich auf das Opfer übertrug und sich identifizierte.
Erst als die Samariter akzeptiert haben: Wir sind eins in Christus mit den Juden, antwortet Gott mit der Gabe seines Geistes. Und nun, als die ersten Heiden offiziell eingeführt werden, Cornelius und die Seinen, wird deutlich: Oh, bei denen geht es aber ganz anders. Die glauben und bekommen den Heiligen Geist, und dann kommt die Taufe. Und Handauflegung brauchen sie keine.
Das entspricht der apostolischen Lehre in Epheser 1,13-14. Dort sagt Paulus den Ephesern: Ihr seid versiegelt worden, nachdem ihr zum Glauben gekommen seid an das Evangelium. Glaube und dann Versiegelung mit dem Heiligen Geist. Das ist das Normale. Aber in der Apostelgeschichte haben wir in diesen drei Phasen drei Beispiele, um eben den Juden zu zeigen: Gott will die Heiden. Und in der Gemeinde werden sie eingeführt, ohne den Umweg über das Judentum.
Und da hat Gott diesen ungläubigen Juden, ungläubig in Anführungsstrichen, diese gläubigen Juden glaubten nämlich nicht, dass Gott die Heiden einfach so annimmt, den Beweis durch die Sprachenrede gegeben. Also es heißt hier in der Mehrzahl: Wir hören, denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Interessant: Das Wort akouo, hören, kann die Doppelbedeutung haben: hören, akustisch wahrnehmen, aber auch verstehen. Und sie hörten also, wie sie in Sprachen redeten, und sie wussten, worum es sich handelt. Sie wussten, dass sie Gott loben.
Also auch da hat Gott durch die Sprachen Juden, Israeliten, ein Zeugnis gegeben, um etwas klarzumachen: Jetzt kommt eine neue Zeit, wo die Trennung durch Babel, durch die Sprachenverwirrung, ein Ende nimmt und wo die frohe Botschaft nun in allen Sprachen zu allen Völkern gehen soll. Das war ein ganz, ganz wichtiges Zeugnis für Israel. Nicht mehr nur in einer Sprache zu einem Volk, in Hebräisch zu Israel, sondern in allen Sprachen, allen Völkern.
Ich habe gesagt, bis heute ist die Bibel übersetzt, Bibel und Bibelteile, in über 2.000 Sprachen. Aber es gibt auf Kassetten Evangeliumsbotschaften in über 5.000 Sprachen und Dialekten. Also wenn man irgendeinen Indianerdialekt braucht für den Nachbarn, dann kann man über Gospel Recordings das einfach bestellen und kriegt das. Eine ganz tolle Sache.
Ja, das zu Apostelgeschichte 10. Jetzt gehen wir aber noch weiter: Apostelgeschichte 19 ist die nächste Stelle. Paulus kommt auf seiner zweiten Missionsreise nach Ephesus. Ich lese ab Vers 1:
Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die oberen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand etliche Jünger und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist da ist. Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm käme, das ist an Jesus. Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft. Und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer.
Die Gemeinde in Korinth und die Ordnung der Gaben
Ja, bis dahin. Hier haben wir einen ganz interessanten Fall.
Paulus begegnet in Ephesus, in der heutigen Türkei, genauer in Westtürkei, Jüngern von Johannes dem Täufer. Das waren also Juden, alttestamentlich gläubige Juden, die geglaubt hatten, wie der Prophet Johannes erklärt hat, dass Jesus der verheißene Messias ist. Und sie hatten sich, wie viele, viele, viele Juden damals, von Johannes taufen lassen.
Aber in der Zwischenzeit ist ja noch vieles geschehen. Der Herr Jesus wurde gekreuzigt, er ist auferstanden, dann kam an Pfingsten der Heilige Geist. Die Gemeinde wurde gegründet. Nun, diese neun Dinge hatten sie noch gar nicht gekannt, und so kam der Heilige Geist nicht auf sie.
Sie waren aber Gläubige, echte Gläubige im alttestamentlichen Sinn, so wie ein David ein echter Gläubiger war, und Mose und Abraham usw. Und nun werden sie Christen in dem Sinn, dass sie auch an diese Dinge glauben, die nun geschehen sind, nachdem Johannes gepredigt hatte. Also die ganz typisch christlichen Dinge, die gekommen sind durch den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus, die nehmen sie nun auf.
Und so wechseln sie, können wir sagen, als Gläubige vom alten Bund, vom Alten Testament, rüber zum Neuen Testament. Und auch da geht das nicht einfach so schnell, schnell. Sonst hätten die auch sehr schnell eine jüdische Sekte bilden können. Ja, wir glauben auch an Jesus als Messias, wir haben auch den Heiligen Geist, aber mit diesen Heiden da haben wir schon ein bisschen Probleme. Ja, sie schneiden sich nicht, und die halten die jüdischen Feste nicht und so. Nein.
Die mussten sich von Paulus, dem Heidenmissionar, die Hände auflegen lassen. Wir identifizieren uns mit genau dieser Botschaft, die Paulus verkündigt unter den Heiden, und dann antwortet Gott mit dem Heiligen Geist. Und da finden wir wieder diese Bestätigung der Sprachen als das Zeichen: Gott spricht nun nicht mehr nur zu einem Volk, wie im alten Bund, in einer Sprache, sondern jetzt hat er die Völker mit ihren vielen Sprachen im Auge.
Nun kommen wir zur letzten und ausführlichsten Stelle, das ist 1. Korinther 12 bis 14, drei Kapitel, wo der Apostel Paulus sehr viel über das Sprachenreden spricht. Ich habe am letzten Bibelstudientag in Rickenbach das Thema behandelt: Die geistlichen Gaben nach 1. Korinther 12-14, und habe dort eine Vers-für-Vers-Auslegung dieser Kapitel gegeben. Also das werde ich jetzt nicht so wiederholen, sondern ich gehe besonders auf die spezifischen Stellen in Verbindung mit dem Sprachenreden ein. Aber wer eine Vers-für-Vers-Auslegung wünscht, jetzt zu den ganzen Kapiteln, der kann sie auf Kassette beim ZLKV haben.
Nun, auf dem Blatt, Seite 1, erklärt der letzte schwarze Punkt zu dieser Stelle Folgendes: In Korinth gab es diversen Missbrauch der Gaben und ebenso unordentliche Anwendungen derselben. Daher sind diese Kapitel charakterisiert durch allgemeine Belehrungen einerseits und ganz spezifische Korrektur andererseits. Über das innere Wesen des Sprachenredens erfahren wir allerdings nirgends im Neuen Testament so viel Detailliertes wie hier, und zwar insbesondere in 1. Korinther 14.
Ich möchte die drei Kapitel charakterisieren. In Kapitel 12 geht es um die Vielfalt der Kraftwirkung des Heiligen Geistes. Diese Vielfalt äußert sich in einer Vielfalt von verschiedenen Gaben, Diensten und Wirkungen. In 1. Korinther 13 geht es um die Wichtigkeit der Liebe. Da haben wir diesen wunderbaren Abschnitt über die göttliche Liebe, die Agape. Die Liebe Gottes muss das Motiv sein beim Gebrauch der von ihm gewirkten Gaben. Keine Selbstsucht, sondern immer der andere soll gesehen werden.
Im Kapitel 14 geht es um das Thema des Nutzens. Die Gaben müssen in den Gemeindezusammenkünften so eingesetzt werden, natürlich auch außerhalb der Gemeindezusammenkünfte, aber Paulus spricht in 1. Korinther 14 ganz spezifisch über das Zusammenkommen als Gemeinde. Die Gaben müssen in den Gemeindezusammenkünften so eingesetzt werden, dass sie anderen Menschen zur Erbauung gereichen. Es darf niemals um Selbstdarstellung gehen. Mit den Gaben soll man nicht sich dienen, sondern anderen Menschen, den Mitgeschwistern und den Ungläubigen, denn in diesem Kapitel sehen wir, dass auch Ungläubige in die gewöhnlichen Gemeindestunden kommen können.
Um dieses Thema prägnant darstellen zu können, wählte Paulus zwei Gaben aus, die er einander gegenüberstellte: das Sprachenreden und die Weissagung, das heißt das durch den Geist Gottes geleitete Reden zu Erbauung, Ermahnung und Tröstung. Es heißt in 1. Korinther 14,3: Wer aber weissagt, redet den Menschen zu Erbauung und Ermahnung und Tröstung.
Wenn keine fremdsprachigen Personen anwesend sind, so die Belehrung des Apostels, nützt das Sprachenreden gar nichts, obwohl es eine Gabe Gottes ist. Der Sprachenredner selbst hat zwar einen Nutzen. 1. Korinther 14,4 erklärt, dass er erbaut wird, weil er und dazu natürlich auch Gott, der Hörer von Gebet, genau weiß, was er sagt. 1. Korinther 14,2. Er erbaut sich selbst, aber nicht den anderen, und Gott hört es. Sonst ist es ein Geheimnis für alle anderen. Aber die anderen Menschen werden im Gegensatz zu ihm nicht erbaut, 1. Korinther 14,6, weil das Gesagte für sie ein sprachlich kodiertes Geheimnis ist.
Das ist die Aussage von 1. Korinther 14,2, wo es heißt: Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht Menschen, sondern Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse. Nicht wahr, in Jerusalem war das nicht ein Geheimnis, weil die Auslandjuden da waren, die verstanden das. Aber in Korinth hat man nicht die Elamiter und die Leute aus Mesopotamien und die Leute aus Ägypten und so, sondern da verstand man einfach nichts, wenn jemand Arabisch sprach. Und darum sagt Paulus, im Blick auf Korinth: Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht Menschen, sondern Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse. Aber die Weissagung, die nützt allen etwas.
Weiter sagt Paulus: Die Hörer haben keinen Nutzen, weil sie nicht wissen, was geredet wird. 1. Korinther 14,9, kann man hinten aufschlagen, den ganzen Text aufgeführt auf Seite 6. Also auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie wird man wissen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden. Der Redende ist für sie ein Barbar, das ist Vers 11: Wenn ich nun die Bedeutung der Stimme nicht weiß, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein, und der Redende für mich ein Barbar.
Aber merke gut: Nicht der Redende ist sich selbst ein Barbar. Ja, ganz entscheidend. Der andere, der zuhört und die Sprache nicht kennt, der muss sich sagen: Der da spricht, ist für mich ein Barbar. Dann heißt es weiter in meinem Text: Sie nehmen die Stellung von Unkundigen ein. Deshalb können sie die Sprachenrede auch nicht mit einem bekräftigenden Amen, so sei es, bestätigen. Ich lese 1. Korinther 14,16: Sonst, wenn du mit dem Geist preisen wirst, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er ja nicht weiß, was du sagst? Denn, Vers 17, du sagst zwar Dank, gut, aber der andere wird nicht erbaut.
Also es ist nicht so, dass der Sprachenredner am Schluss nicht Amen sagen kann. Sondern derjenige, der zuhört und die Sprache nicht versteht, der kann nicht Amen sagen, so sei es, weil er gar nicht weiß, was es heißt. Er ist der Unkundige, er weiß nicht, was du sagst. Der Redende, von dem sagt Paulus: Du sagst Dank, gut, ein gutes Gebet, aber der andere wird nicht erbaut.
Gut, man könnte sagen: Ja, aber das Phänomen erbaut. Ja gut, aber der andere wird doch nicht erbaut, obwohl er sieht, da ist ein unglaubliches Phänomen. Nicht das Phänomen erbaut, sondern das, was gesagt wird, erbaut. Wir kommen darauf zurück. Die Hörer können so nicht unterwiesen werden.
1. Korinther 14,19: Paulus sagt: Aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand oder mit meiner Aussage, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache. Also er will unterweisen, aber er sagt: Wenn ich das in Sprachen tue mit zehntausend Worten, die man nicht versteht, gibt es keine Unterweisung. Die gibt es nur, wenn der andere versteht.
Weiter fällt hier nicht auf, dass einzig und allein nur von den anderen, den Zuhörern, gesagt wird, dass sie beim Sprachenreden einen Nachteil haben können, niemals aber von dem Redenden, obwohl beide ein Phänomen erleben, ein gottgewirktes Phänomen. Wie kann man da noch der Meinung sein, der Sprachenredner wüsste nicht, was er sagt? Eine solche Auffassung widerspricht dem gesamten Text in 1. Korinther 14.
Der Sprachenredner zu biblischen Zeiten wusste immer, was er sagte. Er wurde erbaut, und zwar durch den Inhalt des Gesagten. Es ist ja so: In 1. Korinther 14,4 heißt es: Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst. Wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde, weil sie das versteht, nicht wahr. Wie wird er dann selber erbaut? Paulus sagt später: Wenn die Gemeinde, wenn die Sprache übersetzt wird, dann bekommt die Gemeinde auch Erbauung. Vers 5: Ich wollte aber, dass ihr alle in Sprachen redetet, vielmehr aber, dass ihr weissagtet. Denn wer weissagt, ist größer als wer in Sprachen redet, es sei denn, dass er es übersetze, damit die Gemeinde Erbauung empfange.
Die Erbauung geschieht also durch die Übersetzung, durch den Inhalt des Gesagten. Aber wie wird dann der Erbauende selber in Sprachen betet? Ganz einfach. Ich habe als Fußnote vermerkt bei 1. Korinther 14,4: Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst. Fußnote 20: Da der Sprachenredner seine Sprache beherrschte, wurde er stets durch die geistliche Aussage selber erbaut, so wie jeder Betende oder jeder Prediger von seinen eigenen Aussagen oft am meisten profitiert. Aber die Liebe, 1. Korinther 13, gebietet, dass man anderen zum Nutzen sein soll, nicht nur sich selbst.
Und das ist wirklich eine ganz gewaltige Erfahrung, wie man eben Erbauung erfährt, wenn man selber predigt. Ich habe das von vielen anderen auch schon gehört: Ich profitiere am meisten, habe ich den Eindruck, wenn ich etwas weitergebe. Einfach, weil man alles wieder ganz neu auch durchdenken muss, und man kann es oftmals selber beim Weitergeben, Dinge wieder aufgehen und richtig groß werden. So war das eben auch beim Sprachenreden.
Und wenn wir selber beten, ja, wer erlebt das nicht, dass er nach dem Beten manchmal ganz ausgeprägt so richtig entlastet wird, richtig wieder neuen Mut und neue Ausrichtung bekommt? Ja, du hast ja selber gebetet, es war nicht jemand anders. Ja, natürlich. Und trotzdem werde ich durch mein eigenes Beten erbaut.
Gut, wir fahren an dieser Stelle weiter nach der langen Pause mit vielen guten Kuchen usw.
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