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Bitte um Führung

04.11.2007
SerieTeil 6 / 12Connecting Heaven
Führung oder Selbstbetrug? Wer Gott wirklich um Leitung bittet, lässt sich auch vom Bösen lösen – und merkt schnell, wie viel Hingabe das kostet.

Einordnung in die laufende Gebetsreihe

Wir stehen an einem Wendepunkt, und zwar an einem Wendepunkt unserer Reihe über das Gebet. Wir sind mit dem Thema Gebet noch nicht ganz fertig, also befinden wir uns noch mitten in der Reihe. Heute werden wir das Thema Inhalt abschließen.
Wenn ihr euch noch erinnert, reden wir seit September über das Beten. Wir haben damit angefangen, dass wir uns die Frage gestellt haben: Wie wichtig ist Gebet eigentlich? Und die Antwort ist ganz einfach: Es ist das Wichtigste. Du möchtest Erweckung? Du möchtest, dass irgendetwas in deinem Leben vorangeht? Bete!
Dann sind wir ins Vaterunser hineingegangen und haben die einzelnen Bereiche, die wir dort als Modellgebet für die Inhalte des Gebets finden, Stück für Stück durchgegangen. Markus hat mit der Anbetung angefangen. Am Anfang, wenn wir beten, ist es gut, dass wir darüber nachdenken, wie Gott ist, und dass wir Gott das auch sagen. Dass wir uns mit ihm als Person beschäftigen. Dass wir nicht gleich mit all den anderen Dingen kommen, die uns zuerst belasten, sondern dass wir uns erst einmal um Gott drehen. Dass unser Gebet mit Anbetung beginnt.
Und dort, wo wir feststellen, dass uns das vielleicht schwerfällt, dass wir Gott gar nicht so viel über ihn selbst sagen können, ist es gut, wenn wir uns mehr mit ihm beschäftigen. Wenn wir die Bibel einmal daraufhin durchlesen, wie Gott eigentlich ist. Oder wenn wir einfach ein gutes Buch über Gottes Eigenschaften lesen. Das ist deshalb wichtig, weil wir uns in der Ewigkeit mit Gott beschäftigen werden. Das wird sogar das herausragende Merkmal der Ewigkeit sein: dass wir Gott begegnen, dass wir Gott erfahren. Und dort, wo wir uns heute mit Gott, mit seinen Eigenschaften und mit ihm als Person beschäftigen, holen wir so ein Stück Himmel auf Erden.
Der zweite Punkt nach der Anbetung ist die Fürbitte. Ich bete für andere, weil ich mir wünsche, dass Gottes Reich wächst. Dass Gottes Reich wächst im Blick auf die Geschwister um mich herum, im Blick auf das Land, in dem ich lebe, und im Blick auf diese Welt, in die Gott mich als seinen Zeugen hineingestellt hat. Fürbitte!
Dann, drittens, mein eigenes Leben. Ich komme nicht zu kurz. Ich fange zwar mit Gott an und ich fange mit dem an, was Gott wichtig ist, aber natürlich darf ich ihm, ja, ich muss ihm sogar meine Sorgen und meine Bedürfnisse abgeben. Wenn ihr euch erinnert, der Sorge-abgeben-Reflex: Sorgen sind Chefsache. Ich kann das nicht oft genug sagen, weil ich glaube, dass viele, viele Christen diese Lektion nie lernen werden. Und deswegen muss man solche Stereotype prägen: Sorgen sind Chefsache. Gib das Ding ab, du kannst eh nichts ändern.
Und wenn du schon dabei bist, deine Sorgen abzugeben, dann gehört da ganz eng damit verknüpft immer das Danken dazu.
Viertens: Vergebung. In dem Moment, wo du deine Hände faltest oder was auch immer du tust, in dem Moment, wo du den Mund aufmachst, um mit Gott zu reden, oder ihm in Gedanken begegnest, ist ein guter Zeitpunkt gekommen, an dem du auch deine eigenen Sünden bekennst. Und wenn du schon dabei bist, den Herrn Jesus darum zu bitten, dass er dir die Füße wäscht, dann vergib denen, die an dir schuldig geworden sind. Sprich deine Schuldner frei von dem, was sie dir angetan haben.
Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, das ist Anbetung. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden, das ist Fürbitte. Unser tägliches Brot gib uns heute, Sorgen abgeben und danken. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Das war das Thema Beichten und Vergeben.
Und heute wollen wir uns mit dem letzten inhaltlichen Thema beschäftigen. Denn: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Es geht um das Thema Bitte um Führung, Bitte um Erlösung vom Bösen. Darüber möchte ich heute reden.

Die Frage nach Gottes Rolle in der Versuchung

Führe uns nicht in Versuchung. Ist Gott einer, der uns in Versuchung führt, dass wir so etwas beten müssen? Ich weiß auch nicht, ob er euch solche Fragen stellt. Du sagst: Vater im Himmel, führe uns nicht in Versuchung. Ist Gott einer, der uns in Versuchung führt? Muss ich vielleicht vor Gott Angst haben? Wird Gott mir irgendwann gefährlich?
Und die Antwort auf diese Frage lautet: Nein. Aber ich möchte nicht einfach nur Nein sagen, ich möchte auch sagen, warum ich das glaube.
Im Jakobusbrief, Jakobus 1, wird dieses Thema ein wenig ausführlicher behandelt. Jakobus 1,13. Da heißt es: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht.“ Jetzt kommt die Begründung: „Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.“ Nochmal: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht, denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.“
Es geht hier um die Versuchung zur Sünde. Und natürlich wissen wir, dass wir versucht werden. Hier geht es erst einmal um den Punkt: Hat da Gott irgendwie seine Hände im Spiel, wenn wir versucht werden? Jakobus möchte das ganz klar machen: Nein. Es gibt verschiedene Orte oder verschiedene Quellen für Versuchung.
In den nächsten beiden Versen, Jakobus 1, die Verse 14 und 15, da sehen wir eine typische Quelle. Lies das mal vor: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
In uns steckt Lust. Ich möchte jetzt ganz bewusst sagen: Lust zum Bösen, weil ich nicht falsch verstanden werden und dann in so einer abartigen Leibfeindlichkeit landen will. Da will ich nicht hin. Und trotzdem: Die Realität ist, in uns steckt Lust zum Bösen.
Weil wir ja gerade beim Beten sind, mal ein Beispiel, wo ich das immer wieder merke: Da klingelt dann morgens der Wecker, und eigentlich hat man sich vorgenommen: Ich möchte beten. Und mit einem Mal, ich weiß gar nicht, wo das herkommt, weil ich mit der festen Überzeugung schlafen gegangen bin, dass ich morgen früh aufstehe zum Beten, finde ich in mir die Lust zum Weiterschlafen. Die will ich eigentlich gar nicht, weil ich aufstehen und beten will. Aber plötzlich ist da diese Lust zum Weiterschlafen. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Das passiert mir. Da sträubt sich in mir etwas gegen das Beten.
Also ist es für mich eine riesige Hilfe, mich morgens zum Beten mit jemandem zu treffen. Und ich weiß: Wenn ich das nicht hätte, ich glaube, ich würde in 50 Prozent der Fälle weiterschlafen, weil ich in diesen Kampf hineinlaufe, jeden Morgen. Da kommt aus mir heraus etwas, wo ich eigentlich sagen würde: Das ist doch völliger Quatsch. Du hast genug geschlafen, jetzt steh endlich auf, falte deine Hände und fang an zu beten.
In uns steckt die Lust zum Bösen drin. Und wenn man ihr nachgibt, heißt es hier im Text, dann tut man das Böse. Sie gebiert Sünde, ein Geburtsprozess: Am Anfang ist da nur die Versuchung, dann kommt am Ende die Sünde daraus, und das Ende vom Lied ist der geistliche Tod.
Gibt es noch andere Quellen für Versuchung in der Bibel? Es können Menschen sein, die uns versuchen, zu beherrschen, zu manipulieren oder uns den Glauben abspenstig zu machen. Der Teufel selbst wird als Quelle genannt, mit seinen Lügen, mit den Ängsten, die er versucht, in uns zu wecken, durch die Lebensumstände, in denen wir uns befinden, oder einfach, was ich besonders fies finde, wenn er das Gute Gottes ins Schlechte verdreht.
Die Bibel nennt drei Quellen für das Böse, für die Versuchung: einmal das Fleisch, das bin ich selber, das, was man so anfassen kann. Ja, komischer Begriff, würde man heute nicht mehr so verwenden. Aber trotzdem: Die Bibel gebraucht diesen Begriff, das Fleisch. Ich selber, das, was an Altem und Bösem in mir drinsteckt, was ich irgendwann mal los werde, wenn ich einen neuen Leib bekomme, aber was jetzt noch da ist, was ich jetzt noch mit mir herumschleppe. Das Fleisch. Dann die Welt, in der ich lebe, mit den Menschen und mit den Denkvoraussetzungen, die da sind. Und der Teufel.
Aber ich möchte zurückkommen zu meiner Ursprungsfrage: Ist Gott einer, der mich versucht? Und die Antwort lautet: Nein, Gott versucht mich nicht. Ich erlebe Versuchung, aber Gott ist nicht die Quelle von Versuchung.
Bleibt die Frage: Wenn Gott mich nicht versucht, warum soll ich dann beten: Führe uns nicht in Versuchung? Ich gebe zu, diese Frage hat mich eine ganze Weile beschäftigt. Ich habe bestimmt ein paar Jahre über diese Frage nachgedacht, weil es so ein zentraler Text war, denn ich habe ihn einfach nicht verstanden. Also, das kommt immer wieder hoch, das ploppt dann so im geistlichen Leben immer mal wieder auf, und du denkst dir: Das geht doch nicht an. Ja, da betest du das Vaterunser, vielleicht einen von den drei Texten, die jeder auf der Welt kennt, also jeder, der sich auch nur ein bisschen mit Christentum beschäftigt hat, und ich verstehe ihn nicht.
Irgendwann habe ich etwas begriffen. Irgendwann habe ich festgestellt, dass man als Naturwissenschaftler, und ich bin Naturwissenschaftler von meinem ganzen Denken her, wenn es um Sprache geht, neu lernen muss, dass Sprache nicht wie Mathematik ist, dass Sprache freier ist und dass man manchmal in der Sprache, wenn man redet, Betonungen auf eine andere Weise setzt als in der Mathematik.
Ich mache mal ein Beispiel. Ich war mit Flo zusammen auf der Auftaktveranstaltung vom Köpenicker Whiskyherbst. Italienisches Lokal, rappelvoll, nur mit Voranmeldung, urige schottische Stimmung, so ein bisschen Livemusik. Sechs Destillerien haben sich vorgestellt. Ihr müsst euch so Enddreißiger mit Bauch und Kilt vorstellen, die da mit schottischem Akzent einem etwas erzählen, was man nicht wirklich versteht, und dann herumgehen und eingießen. Danach gab es ein nettes, sehr nettes Buffet, nette Nachbarn, gute Stimmung. Also wirklich ein wunderbarer Abend.
Wenn du mich am nächsten Tag gefragt hättest: Jürgen, wie war es denn?, dann kann ich sagen: Hey, es war sehr schön. Ich könnte aber auch sagen: Das war wirklich nicht schlecht. Merkst du was? Wenn ich sage, das war wirklich nicht schlecht, dann untertreibe ich mit dem, was ich sage, und trotzdem kommt es richtig bei euch an. Ich betone, indem ich etwas Negatives umschreibe, den positiven Sinn. Und das kann ich mit Sprache machen. „Es war wirklich nicht schlecht“ heißt: Es war genial. Und du verstehst das, wenn du mich ein bisschen kennst.
Das heißt, wir können einen negativen Begriff und eine Verneinung in der Sprache zusammensetzen und bekommen eine positive Betonung. Und ich glaube persönlich, dass das hier auch so ist. Ich verstehe „Führe uns nicht in Versuchung“ so. Ich glaube, dass es überhaupt nicht um die Frage geht, ob Gott uns versucht oder nicht versucht, sondern es geht darum, etwas zu sagen, und zwar etwas ganz betont zu sagen. Und zwar betont zu sagen: Herr, führe mich den richtigen Weg.
Also nicht nur nicht in Versuchung, sondern: Führe mich den richtigen Weg, zeige mir, wo es langgeht, pass auf, dass ich mich nicht verlaufe, sondern erlöse uns von dem Bösen. Vater, hilf mir zu erkennen, was gut und was richtig für mich ist, gerade dann, wenn vielleicht meine eigene Lebenssituation oder das Böse um mich herum mir den Blick verstellt. Ich denke persönlich, dass das hiermit gemeint ist.

Orientierung im Leben und die Sehnsucht nach dem guten Weg

Und wenn wir so beten, dann bringen wir unsere eigene Schwachheit zum Ausdruck. Aber wir bringen auch zum Ausdruck, dass wir den unbedingten Willen haben, richtig zu leben.
Wo kommen wir eigentlich her? In Jesaja 53, einem Text, den wir kennen, weil dort beschrieben wird, wie der Messias leiden wird, heißt es an einer Stelle: „Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg.“ Der Mensch ohne Gott ist ein Schaf, ist einer, der auf seinem eigenen Weg umherirrt.
Da hat mir jemand die Frage gestellt: Woran orientiert sich eigentlich ein Schaf, das keinen Hirten hat? Und die Antwort ist: na ja, apropos seines Vorderschafs. Schafe sind wirklich blöd, also das glaubt man gar nicht. Und jetzt wird dieses Bild genommen und auf Menschen übertragen, die sich auch verlaufen haben, die sinn- und ziellos durch dieses Leben streunen. Und woran orientieren die sich? Ich wollte jetzt eigentlich sagen, an anderen Ärschen in dieser Welt, traue mich aber nicht, es so auszudrücken. Und deswegen sage ich: an Menschen, die Leitbilder sind, aber sich auch verirrt haben.
Das ist doch die Realität. Wir leben in einer Welt, wo Menschen anderen Menschen hinterherlaufen, die auch nicht wissen, wo sie hinlaufen. Und von daher hoffe ich, dass wir als Christen so ein Stück froh sind, froh über das, was uns Petrus schreibt, wenn er sagt: Ihr gingt in die Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
Da, wo wir herkommen, das ist ja auch Verirrung pur. Und jetzt haben wir einen Hirten, der sich um uns kümmert. Und deswegen darf ich so beten. Deswegen darf ich beten: Herr, zeig mir bitte den richtigen Weg, weil du der Hirte in meinem Leben bist.
Und ich finde es schlimm, wenn Christen nicht um Führung und um diese Erlösung vom Bösen beten. Und ich frage mich: Warum tun die das nicht? Haben sie Angst davor, geführt zu werden? Haben sie vielleicht in sich so dieses Denken: Ach, mit dem bisschen Bösen, da werde ich schon alleine fertig?
Lass mich dich ein bisschen piksen, das ist die einzige Stelle, wo ich pikselig werde in der Predigt. Lass mich dich piksen: Wie geht es dir, wenn du betest: Vater, führe mich? Und ich meine jetzt ganz bewusst nicht so ein oberflächliches Gebet, was man so dahinsagt, sondern ich meine mal so ein ganz ehrliches Gebet, so eins, wo ich mein Leben mal so nehme und in dem Gebet hinlege, so ein Gebet, wo mein Leben zum Opfer wird.
Wie geht es dir, wenn du darüber nachdenkst, so etwas zu beten: Vater, führe mich! Wenn du denkst, ich bete jetzt ein Gebet, wo ich bereit wäre, wenn Gott antwortet, für die kostbare Perle alles einzusetzen oder mein Leben, wenn Gott mir sagte, wie ganz ins Reich Gottes zu investieren. Wie geht es dir bei so einem Gebet?
Hast du Angst, weil du vielleicht schon irgendwo ahnst, was du aufgeben müsstest? Weil du vielleicht schon siehst: Wenn ich jemals so beten würde, wehe, wenn Gott mich mit seinen Zielen konfrontiert, wehe, wenn er die Oberflächlichkeit meiner eigenen Ziele offenbaren würde, wehe!
Und hast du vielleicht Angst zu sagen: Erlöse mich von dem Bösen, weil es da das eine oder andere Böse in deinem Herzen gibt, das du gar nicht loswerden möchtest? Also, es betet sich ja immer leicht: Erlöse uns von dem Bösen. Aber ich habe den Eindruck, dass es eine Kultur gibt, da ist das Böse wie so eine Süßigkeit, die ich vor allen verstecke, und wenn keiner hinschaut, dann mache ich das Schränkchen auf und genieße sie ein bisschen. Ist das dein Umgang mit dem Bösen?
Und du weißt genau: In dem Moment, wo du so beten würdest, erlöse mich von dem Bösen, dann müsstest du an dieses Naschkästchen ran. Und du müsstest das, was da drin ist, böse nennen, und du müsstest es eigentlich rausschmeißen. Und das ist das Problem, vor dem wir stehen, wenn wir das uns jetzt so ein bisschen an uns ranlassen.
Vater, führe mich, damit ich so leben kann, dass ich mit ganzer Hingabe für dich da sein kann, und erlöse mich von dem Bösen, egal in welcher Form es sich in meinem Leben eingenistet hat oder mich bedrängt. Das ist so ein bisschen das mit meinen Worten umschrieben, was ich denke, das hier steht.
Und ihr merkt: Das ist alles andere als ein Kindergebet. Entweder, wenn du das betest, hast du dein Leben wirklich Gott anvertraut, oder du bist geisteskrank.
Vater, führe mich, damit ich so leben kann, dass ich mit ganzer Hingabe für dich da sein kann, und erlöse mich von dem Bösen, egal in welcher Form es sich in meinem Leben eingenistet hat oder mich bedrängt.
Wisst ihr, das ist das Gegenstück zu Matthäus 6,33. Matthäus 6,33 heißt es als Gebot: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Und das ist das Gebet dazu. Ich trachte zuerst nach seinem Reich. Das heißt, ich sage: Nimm mich, führe mich dahin, wo du mich hin haben willst, und dann hilf mir, das Böse in meinem Leben loszuwerden.
Und ich weiß, ich lasse mich da auf etwas ein, was schwierig ist. Ich bin bereit, den Kampf zu kämpfen, ich bin bereit, mich von dir führen zu lassen, ich bin bereit, alles einzusetzen. Ich möchte mich nicht länger mit dem Bösen in meinem Leben arrangieren, ich will es wirklich loswerden.
Ende des Piepens.
Ihr merkt, die Frage steht im Raum: Wollen wir das wirklich? Wollen wir wirklich Führung und Erlösung vom Bösen? Die gute Nachricht ist: Wenn du es wirklich möchtest, bietet Gott dir das an. Das heißt nicht, dass dein Leben frei sein wird von Leid und von Schmerzen, eher andersherum. In dem Moment, wo du sagst: Führe mich dahin, wo du mich hinhaben willst, dann sagt Gott: Feine Sache. Ich suche Leute, die in vorderster Reihe mitkämpfen.
Das wird im Allgemeinen schwieriger und leidvoller. Da, wo wir zu Werkzeugen Gottes werden, ihr kennt mein Lieblingsbeispiel beim Thema Werkzeug: der Bohrer vorne. Immer wenn eine Bohrmaschine ansetzt, müsst ihr daran denken, wir sind der Bohrer vorne, den Gott ansetzen darf.
Stell dir das vor: Kein Bohrer dieser Welt schreit, wenn du dann mitbohren möchtest: Nein, es ist so kalt und so heiß und dann wieder dunkel und so eng und so ... Das macht kein Bohrer dieser Welt, weil jeder Bohrer weiß: Ich bin Bohrer, damit er mit mir bohrt.
Wenn du sagst, ich bin ein Werkzeug Gottes, dann darf Gott dich in seine Bohrmaschine einspannen und darf an dem Punkt ansetzen, wo er ein Loch haben möchte. Und dann gebraucht er dich als seinen Bohrer, als sein Werkzeug. Und wenn du sagst: Führe mich dahin, wo du mich hin haben willst, dann führt er dich in die Wand, da, wo es dunkel ist, eng ist und heiß wird.
Und deswegen ist es eine ganz ernste Frage: Was wollen wir? Wollen wir wirklich Führung und Erlösung vom Bösen? Das ist die gute Nachricht. Wenn du das betest, wird Gott dich führen. Die schlechte Nachricht ist: Unser eigenes Leben besteht nicht nur aus der Führung Gottes, sondern auch aus eigenen Wünschen, und wir stehen einfach in der Gefahr, dass wir die Führung Gottes und das, was wir uns selber wünschen, miteinander verwechseln.
Gott wird uns nur dann führen, wenn wir das auch wollen. Nochmal: Vater, führe mich, damit ich so leben kann, dass ich mit ganzer Hingabe für dich da sein kann, und erlöse mich von dem Bösen, egal in welcher Form es sich in meinem Leben eingenistet hat oder mich bedrängt.
Wenn du das beten kannst, dann zeigst du damit, dass du die Prioritäten in deinem Leben neu geordnet hast und dass du den Willen besitzt, dein Leben nicht zu vergeuden.
Zwei Zitate mitgebracht. Das eine ist von William Borden, sagt euch nichts, aber Sohn eines Millionärs, Abschluss in Yale, der schreibt, als er sich bekehrt hat, und vielleicht muss ich zu ihm noch sagen: Er ist in die Außenmission gegangen, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter Moslems, und ist mit 26 Jahren in Kairo gestorben, auf dem Weg gerade nach China. William Borden schreibt in seinem Übergabegebet: „Herr Jesus, was mein Leben angeht, so nehme ich meine Hände vom Steuer. Ich setze dich auf den Thron meines Lebens. Verändere, reinige, gebrauche mich nach deinem Ermessen. Ich nehme die ganze Kraft deines Heiligen Geistes an. Ich danke dir.“
Bekannter unter uns ist Jim Elliot, Missionar, der bei dem Versuch, einen Indianerstamm, die Aukas, zu erreichen, sein Leben gelassen hat, auch relativ jung. Der betete: „Vater, nimm mein Leben, ja, mein Blut, wenn du willst, und verbrenne es mit deinem umfassenden Feuer. Ich möchte es nicht bewahren, denn es gehört nicht mir. Nimm es her, nimm alles, gieße mein Leben aus als ein Opfer für diese Welt. Blut hat nur einen Wert, wenn es vor deinem Altar ausgeschüttet wird.“
Das ist Hingabe. Das, worüber wir heute reden, ist die Frage: Wie steht es in deinem Leben mit Hingabe? Wie viel Hingabe möchtest du? Möchtest du, dass Gott dir hilft, ein Leben zu führen, das nicht falschen Zielen folgt, ein Leben, das nicht vom Bösen erdrückt wird? Möchtest du das wirklich?
Von Vance Hefner stammt der Satz, dass viele Menschen es mögen, jetzt das Zitat: „in Schlammlöchern unbedeutender Sachen ertränkt zu sein und keine Zeit für große Taten zu haben. Wenn sie die Bühne verlassen, ist das, als hätten sie nie gelebt.“ Ich finde das toll. Viele Menschen mögen es, in Schlammlöchern unbedeutender Sachen ertränkt zu werden. Und wenn sie gehen, dann wäre das so, als hätten sie nie gelebt.
Wenn wir beten: Vater, führe mich, dass ich so leben kann, dass ich mit ganzer Hingabe für dich da sein kann, und erlöse mich von dem Bösen, egal in welcher Form es sich in meinem Leben eingenistet hat oder mich bedrängt, dann hast du dich entschieden, nicht das Leben einer Amöbe zu führen, sondern das Leben eines von Gott erlösten und befreiten Menschen.

Rückblick auf die Gebetszeit und die sichtbaren Folgen

Heute ist der vierte November. Seit genau einem Monat gilt das Angebot, von 5.30 Uhr bis 6.30 Uhr zu beten: Gebet um Erweckung, Erweckung für unsere harten Herzen und Erweckung für Spandau.
Wir schauen auf einen Monat zurück. Was ist in diesem Monat passiert? Manchmal sind wir wenige, die beten. Und ich denke, es wird auch an anderen Orten nicht nur hier gebetet. Manchmal sind wir ja gar nicht so wenige. Merkt ihr, wieder so eine Untertreibung.
Wir sind morgens müde, und wir beten trotzdem. Wir haben oft keine Lust, und wir beten trotzdem. Es wird immer kälter und nasser, und trotzdem beten wir. Wir beten, weil wir eine Entscheidung getroffen haben. Wir wollen erleben, dass Gott uns führt und dass er uns vom Bösen erlöst. Das wollen wir einfach erleben.
Wir sehnen uns danach, das Richtige zu tun und unsere Kräfte nicht zu vergeuden. Wir wollen erleben, dass das Böse nicht triumphiert, sondern dass Menschen wirklich aus dem Kerker der Sünde befreit werden. Das ist unsere Sehnsucht. Unser Opfer ist, morgens aufzustehen und zu beten.
Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich habe noch einmal darüber nachgedacht, was in diesem Monat passiert ist. Und ich dachte mir: Das ist doch irre. Gebet jetzt vier Wochen, und ich sehe, wie in diesen vier Wochen mindestens folgende Dinge passiert sind:
Erstens: Verletzungen, die da waren und die seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, nicht ausgesprochen worden sind, sind hochgekommen und geklärt worden. Vielleicht noch nicht hundertprozentig, aber da hat ein Heilungsprozess zwischen Menschen stattgefunden. Und ich stehe da und denke mir: Wow!
Dann unser Gottesdienst. Ich meine, das ist jetzt vielleicht witzig für die, die zum ersten Mal da sind, aber unser Gottesdienst ist voller denn je. Das ist irgendwie witzig. Du betest zwei Jahre und triffst dich hier regelmäßig mit fünfundzwanzig, und auf einmal springt es, so dass du sagst: Ups, mich motiviert das.
Wir beten um Erweckung. Wir beten, dass Menschen zum Glauben finden. Ich glaube, seit Januar haben wir niemanden mehr gehabt, der zum Herrn gefunden hat. Letzten Sonntag hat sich nach dem Gottesdienst eine Frau bekehrt. Beim Escape, beim evangelistischen Hauskreis, kam Pama hier vorbei und hat dann entschieden, dass sie mit diesem Jesus ernst machen möchte, dass sie diesen Jesus in ihr Leben aufnehmen möchte.
Und ich sage mir: Wahnsinn. Wir beten gerade mal drei Wochen, und ich kann es euch vielleicht nur mit diesem Beispiel in so anderer Weise ein bisschen versuchen deutlich zu machen, aber es schmeckt anders. Es liegt etwas in der Luft. Es ist wie so eine neue Aufbruchsstimmung da, eine neue Lust darauf, zu sehen, was Gott noch vorhat, was Gott tun möchte.
Und für mich war das persönlich extrem ermutigend. Ich möchte Frucht bringen. Ich möchte nicht, dass mein Leben sich um guten Rotwein und Käsetacos dreht. Ich mag das, heute Abend wieder Weekend Chillout, Thema Mexiko, ich bin total begeistert, aber das ist nicht mein Leben. Mein Leben ist: Ich möchte Frucht sehen. Ich möchte sehen, dass Menschen zu Gott finden. Ich möchte sehen, dass Menschen gerettet werden.
Und wenn das nicht passiert, dann sind mir der Rotwein und die Käsetacos ziemlich egal. Dann schmecken die mir eigentlich nicht mehr, weil ich mir denke: Jürgen, das ist zweitklassig, das ist egal. Ich könnte den Rest meines Lebens nur noch Gammelfleischdöner essen, wenn sich jeden Tag jemand bekehren würde. Das wäre mir völlig egal, weil da meine Sehnsucht dahinterhängt.
Und ich habe das wirklich gebraucht, dass man wieder jemanden zum Herrn findet, dass ich mal wieder weiß: Hey, Gott braucht uns als Gemeinde noch. Gott will uns überhaupt noch. Und wir sind nicht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für mich oder so. Für mich war das unheimlich. Es hat mir richtig gutgetan. Ich dachte mir: Schau an, da treffen sich ein paar Hansel morgens zum Beten. Und was tut Gott?
Weil ich mir schon dachte, dass Gott uns ermutigen wird. Als ich das vor vier Wochen losgetreten habe, dachte ich mir schon: Wenn wir das machen, wird Gott uns schon zeigen, was wirklich Sache ist. Und weg, da ist es.
Und von daher: Ich habe Mut geschöpft, in der letzten Woche weiterzubeten. Ich möchte gern diesen Mut an euch weitergeben, und ich möchte euch Mut machen, so zu beten: Vater, führe mich, damit ich so lebe, dass ich mit ganzer Hingabe für dich da sein kann, und erlöse mich von dem Bösen, egal in welcher Form es sich in meinem Leben eingenistet hat oder mich bedrängt. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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