Liebe Freunde,
Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Angst. Es gibt zwar welche, die
behaupten, sie hätten keine Angst, aber da behaupte ich: sie haben nur
Angst, zuzugeben, dass sie Angst haben. In Wirklichkeit erlebt jeder Mensch
Situationen, wo ihm das Wasser bis zum Hals steht.
Werde Christ - und die Probleme gehen los.
Ich rede aber heute nicht über die Schwierigkeiten, in die jeder Mensch
hineingerät, sondern ich rede über die Schwierigkeiten, in die speziell die
Christen hineingeraten. Manche denken nämlich, wenn sie Christen werden,
dann haben sie keine Schwierigkeiten und keine Probleme mehr. Gerade
Anfänger im Glauben denken, wenn sie Christ werden, dann sind ihre Probleme
gelöst. Und dann staunen sie Bauklötze, wenn sie merken, dass dann die
Probleme erst einmal richtig losgehen.
Christ werden heißt nicht, dass du nach einer unruhigen Berg- und Talfahrt
in einem ruhigen Hafen landest, wo du dich dann dein Leben lang in einem
stillen Winkel aufs Ohr schmeißen kannst. Wahre Nachfolge heißt, dass Jesus
dich herausreißt aus deinem ruhigen Plätzchen und dich auf die hohe See
schmeißt, wo dir der Wind um die Ohren pfeift und dir der Geifer deiner
Gegner ins Gesicht spritzt. Jesus nachfolgen ist eine äußerst
problematische Angelegenheit. Denn jeder, der Jesus nachfolgt, der kommt
eines Tages in Schwierigkeiten, und zwar deswegen, weil er Jesus nachfolgt.
Ich will einmal mit einem ganz harmlosen Beispiel anfangen. Als ich noch im
Gemeindedienst gewesen bin, konnte ich mich zum Mittagessen hinsetzen, wann
ich wollte, ob das nun mittags um zwölf war oder nachmittags um zwei, ich
brauchte mich bloß hinsetzen und nach dem Löffel greifen, schon klingelte
es. Irgendjemand kommt und will den Pfarrer sprechen. Und jedes Mal, wenn
ich mit vollem Munde maulend zur Türe ging, rief mir unsere Jüngste
hinterher, schadenfroh: Das hast du nun davon, du wolltest ja unbedingt
Pfarrer werden!"
Damit hat sie natürlich recht gehabt. Wenn ich beispielsweise Handwerker
geworden wäre, ich möchte die mal sehen, die sich erlaubt hätten, mich beim
Mittagessen zu stören. Einen Handwerker beim Mittagessen stören, das ist ja
wie so eine Art Gottesdienststörung. Aber wenn so ein Pfarrer am Mampfen
ist, da kann man ja ruhig klingeln. Das war ein harmloses Beispiel, ich
habe es bloß erzählt, um auszuprobieren, ob ihr noch an Deck und wirklich
da seid.
Es gibt Schlimmeres, als wenn die Leute Sturm klingeln, zum Beispiel wie
das bei folgendem Erlebnis gewesen ist, was die Jünger einmal mit Jesus
hatten, Lukas 8: Eines Tages stieg Jesus mit seinem Jüngern in ein Boot,
und sagte zu ihnen: wir fahren hinüber an das andere Ufer. So fuhren sie
ab. Unterwegs schlief Jesus ein. Plötzlich kam ein Sturm auf. Das Wasser
schlug ins Boot und sie waren in großer Gefahr und riefen: Herr, Herr, wir
gehen unter!
Wären die Jünger nicht mit in das Boot bei Jesus eingestiegen, da wären
sie gar nicht erst den Sturm reingekommen. Wären sie am Strand liegen
geblieben, an einem Tag wie heute, da hätten sie sich am Nachmittag schön
den Buckel von der Sonne bräunen lassen können und abends, als dann der
Sturm kam, da hätten sie sicher in ihrer Bude drinnen gesessen, hätten ihre
Bratkartoffeln gemampft, und der Sturm hätte ihnen überhaupt nichts
ausgemacht.
Zwei Männer, die es lieber ruhig haben wollen.
So war das bei den beiden Männern, die im letzten Moment noch zu Jesus
kamen und mitfahren wollten. Da kamen im letzten Moment noch zwei Männer an
und sagten: Ich möchte dir nachfolgen. Erlaube mir aber, dass ich vorher
noch gehe, und meinen Vater beerdige![1] Ich meine, das sieht ja jeder ein,
erstens hat so eine Familienangelegenheit Vorfahrt, und so pietätlos wird
Jesus ja nicht sein, dass Er dafür kein Verständnis hätte, und außerdem ist
das mit der Bekehrung ja auch nicht so eilig, ich meine die paar Tage wird
Jesus ja noch warten können. Aber das kann Er nicht! Für Leute, die ihre
Bekehrung hinausschieben, hat Jesus nichts übrig. Diesem Mann sagt Er: Da
wird nichts draus! Entweder du steigst ganz ein, sofort, oder du lässt es
ganz sein!" Und dem anderen, der dann noch kommt, den warnt Er geradezu vor
dem mitkommen. Zu dem anderen sagt er: Die Füchse haben ihre Höhlen, die
Vögel haben ihre Nester, aber ich habe keine Wohnung, ich habe kein Bett,
wo ich mich zum schlafen hinlegen kann[2].
Also mit anderen Worten: ich kann dir keine sichere Existenz bieten. Und
tatsächlich schläft Jesus dann ja auch auf dem Kahn in einer Ecke, nicht in
einer Hängematte, sondern auf den Bootsplanken unter freiem Himmel. Den
beiden Männern ist das Unternehmen Jesus" zu riskant. Die steigen nicht
mit ein, sie bleiben am Ufer, sie bleiben zu Hause. Als der Sturm kam,
sitzen die beiden folgerichtig zu Hause. Sie sagen: Gut, dass wir nicht so
blöde waren, bei diesem Jesus mit einzusteigen. Die Jünger, die mit ihm
fahren wollten, die kämpfen jetzt da draußen um ihr Leben, während wir es
jetzt hier schön mollig haben. Und was die da draußen haben, das ist jetzt
alles was sie davon haben!"
Nachfolge geht erst einmal harmlos los.
Das ist nicht alles, was sie davon haben! Aber zunächst, das stimmt, haben
die Jünger von der Nachfolge nichts weiter als Scherereien. Das geht immer
ganz harmlos los. Eines Tages stieg Jesus mit seinen Jüngern in einem Boot
und sagte zu ihnen: wir fahren ans andere Ufer. Und so fuhren sie ab. An
diesem Vorgang wird deutlich, was Nachfolge, was Bekehrung ist. Jesus
steigt ins Schiff, die Jünger mit Ihm und sie fahren gemeinsam hinüber ans
andere Ufer.
So sieht Nachfolge aus. Auf der einen Seite ist das sichere Ufer, und ein
paar Schritte davon entfernt ist das schwankende Schiff von Jesus. Und du
brauchst nur einen Schritt zu tun, und du bist mit dabei und schon geht die
Post mit dir ab. Kein Mensch kann dich jemals zwingen, diesen Schritt zu
Jesus tun. Wer ihn tut, der tut ihn absolut freiwillig. Und jeder von uns
hat in seinem Leben die Chance, bei Jesus einzusteigen und sich von Gott
mitnehmen zu lassen. Und wer die Chance bis heute noch nicht hatte, wer
heute vielleicht zum ersten Mal in solch einer Kirche ist und ein erstes
Mal die Einladung von Jesus erhält, der hat eben heute die Chance.
Heute legt Gottes Boot am Ufer deines Lebens an. Jesus sagt zu dir: Komm,
steig bei mir ein und ich nehme dich mit, in ein neues Leben!" Das ist eine
freundliche Einladung an uns alle, und alle von euch, die schon einmal
mitgefahren sind und wieder ausgestiegen sind, die können jetzt wieder mit
einsteigen.
Wie gesagt, am Anfang sieht das mit der Nachfolge ganz harmlos aus. Der See
ist glatt, die Brise ist schwach, das Ganze wirkt zunächst wie so eine
vergnügte Dampfervergnügungsfahrt. Die Sonne scheint, die Jünger haben sich
die Hosenbeine hochgekrempelt, hängen ihre Flossen über den Rand ins Wasser
und plätschern, der Petrus spielt auf der Ziehharmonika, die Jünger summen
das Lied: Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt", der Herr Jesus gestattet
sich ein Mittagsschläfchen in der Ecke, es herrscht Frieden an Bord. So
stelle ich mir die Kirche vor. Aber so bleibt das ja nicht. Plötzlich, so
heißt es hier: Plötzlich kam ein Sturm auf. Das Wasser schlug ins Boot und
sie waren in großer Gefahr. Am Anfang sieht das mit der Nachfolge immer
ganz harmlos aus. Als kleines Kind wirst du in die Kirche gebracht und
getauft. Später trabst du in den Kindergottesdienst, dann marschierst du
zur Konfirmandenstunde, später gehst du zum Gottesdienst, und das ist immer
schön. Es ist schön feierlich, es ist schön langweilig, es ist jedenfalls
schön ungefährlich.
Irgendwann kommt der Gegenwind.
Aber auf einmal, da geht der Sturm los. Plötzlich geht es nicht mehr glatt,
sondern schief, da heißt es: Sie liegen schief, Herr Kollege, und zwar
deswegen, weil sie zur Kirche gehören!" Und du kommst in Schwierigkeiten,
weil du dich einen Christen nennst.
Nachfolge bringt unweigerlich Gegenwind, und wenn du bei Jesus einsteigst,
dann musst du mit Sturm rechnen. Heute sitzt du noch ruhig hier auf der
Bank und guckst mich noch mit glaubens-starken Augen an, so wie Petrus vor
der Verleugnung, aber eines Tages kommst du in einen Sturm, dass dir Hören
und Sehen vergeht, in einen Sturm, wo du dich umguckst, wo der Gegenwind
dich herunter blasen wird, vielleicht von dem Posten, auf den du so fleißig
hochgekrabbelt bist. Eines Tages gibt es vielleicht um deine Person einen
Wirbelwind, dass die Fetzen fliegen, dass du nicht mehr ein noch aus weißt.
Und alles bloß deswegen, weil du im Kirchenschiff gesessen bist, weil du
mit Jesus in einem Boot gesessen bist.
Wenn du also deine Ruhe haben willst, dann empfehle ich dir dringend,
steige schleunigst aus. Dann komm zum Beispiel gar nicht erst hierher in
den Jugendgottesdienst in die Petrikirche, sonst kann es dir zum Beispiel
passieren, dass du von denen, die da draußen ihre Fotografieübungen[3]
machen, eben auch gefilmt wirst, und du weißt, in welche Akte und in welche
Schwierigkeiten du dann eines Tages gerätst.
Wenn du keine Scherereien haben willst, rate ich dir, steig aus, ehe der
Ärger los geht. Wenn du möchtest, dass die Fahrt deines Lebens glatt
verläuft, dann bist du bei Jesus auf dem falschen Dampfer. Wenn du bei
Jesus einsteigst, dann gehen die Wellen eines Tages so hoch, dass es dir
hochkommt. Jesus ist kein Talisman, der dir eine unfallfreie Lebensfahrt
garantiert. Wohlgemerkt, es ist nicht Jesus, der den Terror macht. Er macht
ja gar nichts. Er liegt ganz ruhig und friedlich da. Er schläft. Er tut
nichts Böses, Er jagt dir keine Angst ein, Er macht dich nicht fertig, dass
du das Leben zum Kotzen findest, wie seine Jünger, die, grün vor Angst,
über der Reling hängen.
Der Urheber des Sturmes ist nicht Jesus, sondern sein Gegenspieler. Auf wen er abzielt.
Aber draußen, die Mächte außerhalb des Kahns, also der Teufel, der läuft
Sturm. Der Teufel ist es, der die Katastrophen einfädelt, der es nicht
ertragen kann, dass es Menschen gibt, die sich im Kahn der Kirche, im
Kirchenschiff wohl fühlen. Er kann das friedliche Schiff einfach nicht in
Ruhe lassen, er muss immer stänkern, das ist der Grund, warum das Leben mit
Jesus so unruhig ist.
Wenn du also den lieben Gott einen guten Mann sein lässt, und dich hübsch
ferne von Jesus hältst, wenn du möglichst selten in der Bibel liest,
niemanden merken lässt, dass du etwas mit der Kirche zu tun hast, dann
wirst du vor dem Teufel so ziemlich deine Ruhe haben. Solche halbgeweihten
Christen hat der Teufel ja sowieso schon in der Tasche. Die sind für den
Teufel völlig uninteressant, denn halbe Christen sind gar keine Christen.
Also wenn du einer von denen bist, wie ich es eben hier geschildert habe,
die eben nur so halb bei Jesus mitmachen, da wird der Teufel deinetwegen
keinen Sturm organisieren.
Aber in dem Moment, wo du mit deinem Glauben ernst machst, wo du voll bei
Jesus einsteigst, da geht die Hölle los. Da setzt der Teufel alles in
Bewegung, um dich von Deck wieder runter zu spülen. Er manövriert dich in
Situationen rein, wo du denkst, es ist aus, da geh ich unter, da geh ich
kaputt, da geh ich krachen, weiß ich nicht weiter. Manche von euch haben
solche Situationen im Leben doch auch schon erlebt, wo du denkst, es wächst
ja alles über den Kopf, du packst es nicht mehr, du guckst nicht mehr
durch, wo du gar nicht weißt, was du zuerst machen sollst, so wie die
Jünger hier in dieser Geschichte, die direkt handlungsunfähig werden. Sie
wissen einfach nicht mehr, was sie machen sollen. Sie wenden sich an Jesus:
Herr, Herr, wir gehen unter!
Warum wir manchmal glauben, dass Jesus auch heute schläft.
Das muss man sich einmal vorstellen. Während die Mannschaft des Schiffes um
ihr Leben kämpft, da schläft Jesus. Ich denke, das haben wir alle auch
schon erlebt. Wir haben manchmal den Eindruck, dass alle Teufel hellwach
sind, aber dass Gott schläft. Da gibt es Krieg, da gibt es Leiden, da gibt
es Hunger, da gibt es Ungerechtigkeiten, da versetzt uns das Leben einen
Hieb nach dem anderen, und wir denken, jetzt müsste Gott eingreifen und wir
fragen uns, wie kann Er das denn zulassen? – und Er zeigt sich nicht. Und
dann fragen wir uns: weiß Er überhaupt, wie es mir geht? Hat Er überhaupt
eine Ahnung davon, in welchen Problemen ich drin stecke? Sieht Er denn
nicht, dass ich aus dem letzten Loch pfeife, dass meine Kraft zu Ende geht?
Guckt Er denn stillschweigend zu, wie die mich hier fertigmachen, ist Gott
denn überhaupt noch da?
Aber ja doch, Leute, Gott ist da, das ist ja der Sinn dieser Geschichte.
Gott ist da, wo auch immer du dich befindest. Jesus sitzt mit uns im
gleichen Boot. Und solange Jesus bei uns im Leben mit drin sitzt, kann das
Boot nicht untergehen. Die ganze Aufregung der Jünger ist im Grunde
genommen umsonst. Angst ist sinnlos, Angst ist Unglaube. Und weil das so
ist, weil Angst Unglaube ist, deshalb verteilt Jesus keine
Beruhigungspillen. Er sagt nicht: Also, liebe Leute: habt doch keine
Angst, das kommt schon alles wieder ins Lot, der Sturm geht wieder vorbei,
nach Dezember folgt wieder ein Mai, Trallala!" Er brüllt die verängstigten
Jünger auch nicht an. Er sagt nicht: Ihr feigen Säcke, was seid ihr denn
für miese Flaschen, reißt euch einmal zusammen!" Er sagt auch nicht: Als
Kapitän dieses Schiffes befehle ich: auf meinem Schiff ist Angst verboten!"
Mit Befehlen, mit Anbrüllen, mit Beschwichtigungen, mit Argumenten ist der
Angst nicht beizukommen. Denn der Angst mit vernünftigen Argumenten
beikommen zu wollen, geht nicht. Die Angst sitzt ja nicht im Kopf, die
sitzt ja viel tiefer, im Herzen, also in Bereichen, wo die vernünftigen
Argumente gar nicht hinreichen. Die Angst sitzt in einem Bereich, wo nur
der Glaube hinreicht, nämlich der Glaube an den Frieden, der stärker ist
als alle Vernunft[4]. Angst kann nur der Glaube überwinden.
Wo Glaube ist, ist für Angst kein Platz.
Deswegen stellt Jesus seinen verängstigten Jüngern, nachdem Er mit einer
Handbewegung für Ruhe gesorgt hat, nur eine einzige Frage, nämlich die
Frage: Wo ist euer Glaube?" Er stand auf und bedrohte den Wind und die
Wellen, da hörten sie auf zu toben, und es wurde ganz still. Dann sagte Er
zu den Jüngern: wo ist euer Glaube?
Das ist die Frage, die heute an uns gestellt wird. Mit allen möglichen
Mitteln wird heute versucht, von außen den Kahn der Kirche zum Kentern zu
bringen. Und Hände reibend warten manche schon auf den Moment, wo die
Kirche verschwindet. Manche möchten gerne noch ein wenig nachhelfen. Und
wir, die wir drinsitzen, fragen uns verängstigt: wie lange wird denn noch
dieser altmodische und überholbedürftige Kahn, die Kirche, sich über Wasser
halten können? Wir werden immer weniger und wir kriegen es mit der Angst.
Wir haben Angst, weil unsere Kinder nicht auf die Oberschule können, wenn
sie Christen sind, wir haben Angst vor den Nachteilen der Nachfolge, Angst
aus tausend Gründen. Und jetzt fragt Jesus: Wo ist euer Glaube?"
Jesus hat einmal gesagt: Jedes Haar auf deinem Kopf ist gezählt. Fürchtet
euch nicht, ihr seid in Gottes Hand![5] Aber Jesus hat auch einmal gesagt:
In der Welt habt Ihr Angst.[6] Das hat Er ganz genau gewusst. Außerdem hat
Er selber welche gehabt. Als Er kurz vor dem Sterben war, da hat Er vor
Angst Blut geschwitzt. Er hat vor Angst gezittert. Und als sie ans Kreuz
genagelt haben, da war sein Schiffbruch perfekt, dann schlief Er wieder,
und zwar einen Schlaf, aus dem wir Menschen niemals mehr erwachen, nämlich
den Schlaf des Todes. So sah das damals am Karfreitag doch aus. Totaler
Schiffbruch! Und Gott schläft! Da war auch eine große Stille. Eine
Grabesstille war das. Und dann trat Jesus heraus, der Schiffbrüchige, der
Tote. Er tat einen einzigen Schritt aus dem Grab in das Leben. Aus dem Tod
in den Ostersieg. Weil Er diesen Schritt getan hat, deswegen kann Jesus
sagen, dass ihr in der Welt Angst habt: Ich habe sie mitgemacht, Ich habe
sie durchgemacht. Aber ich habe die Welt überwunden."
Zur Überwindung deiner Angst kommst du bloß dadurch, wenn du erst einmal
mit Jesus durch das Leiden und durch den Kampf gehst. Vom Sieg der
Auferstehung kriegst du bloß dann etwas mit, wenn du vorher die Niederlage
mitgemacht hast. Wenn du dich vor dem Leiden mit Christus drücken willst,
da ersparst du dir in diesem Leben bestimmt ganz viel. Aber du bringst dich
auch um die herrliche Erkenntnis, dass Jesus stärker ist als alles und als
alle, zum Beispiel stärker als deine Schwäche. Denn unser Glaube ist ja
meistens in dem Augenblick, wo er gefordert ist, nicht mehr viel wert. Wenn
es mal drauf ankommt, wenn wir wirklich mal als Christen gefordert sind, da
werden wir gleich nervös, meistens versagen wir. Wir sind Versager. Dann
bleibt uns nichts anderes übrig, als zu Jesus zu schreien: Herr, Herr hilf
mir. Ich weiß nicht weiter, ich gehe unter!"
Die Überfahrt mit Jesus wagen, um ans herrliche Ziel zu gelangen.
Wer am sicheren Ufer bleibt, der kommt gar nicht erst in den Sturm, der
kommt gar nicht erst in die Lage, um Hilfe zu schreien. Wer nichts
riskiert, der steht niemals als Versager da, der ist natürlich fein raus.
Aber er sieht und hört niemals das, was die Jünger gesehen und gehört
haben, als sie um Hilfe schrien: Da stand Er auf und bedrohte den Wind und
die Wellen, da hörten sie auf zu toben und es wurde ganz still. Ein Wort
von Jesus genügt, um das ganze Getue um deine Person zur Ruhe zu bringen.
Ein Wort von Jesus, und deine Situation ist schlagartig verändert. Wie tief
du gesunken bist oder wie groß der Wirbel um dich ist, oder wie
festgefahren du mit deinem Lebensschiff bist, Jesus möchte dich wieder
flott machen. Deswegen ist die letzte Frage für heute: wer ist Jesus für
dich? Hier heißt es: Die Jünger waren erschrocken und sehr erstaunt und
sagten zueinander: was ist das für ein Mensch? Er befiehlt dem Wind und den
Wellen und sie gehorchen Ihm.
Also: wer ist Jesus für dich? Ist Er für dich die Galionsfigur an deinem
Schiffsbug? So eine fromme Verzierung an der Außenwand, ein frommer
Aufkleber – oder glaubst du, dass Jesus der Kapitän deines Lebensschiffes
sein kann, der dich sicher an dein Ziel bringt? Auf alle Fälle lädt Jesus
dich wieder ein, bei ihm einzusteigen. Dass das keine gemütliche Fahrt
wird, ist ja jetzt klar, aber ich hoffe, dass auch klar ist, dass es jetzt
besser ist, dass du bei Jesus einsteigst als dass du mit dem Teufel
Schlitten fährst. Denn bei dem Teufel geht es auf jeden Fall nach unten. Im
Augenblick versuchen die Springfluten der Gottlosigkeit uns alle vom Deck
runter zu spülen und den Kahn der Kirche zu kentern.
Leute, der Kahn der Kirche kentert nicht. Dieser Kahn kann überhaupt nicht
kentern. Er fährt nun schon seit 2000 Jahren durch das Meer der
Weltgeschichte und es haben schon viele versucht, ihn anzubohren und zu
versenken – und noch niemandem ist es gelungen. Weil nämlich die Kirche von
der Verheißung von Christus lebt, dass die Pforten der Hölle sie nicht
überwältigen werden[7], das heißt, der Teufel kann sie nicht kaputt machen.
Und wer in diesem Kahn, genannt die Kirche, drin sitzt, der landet am
Schluss, nach allen Problemen und Schwierigkeiten, am anderen Ufer, in
Gottes Reich, in seinem Frieden.
Nachfolge heißt also nicht, dass du ein gemütliches Leben führen kannst,
sondern Nachfolge heißt: rausfahren auf die offene See, preisgeben, leiden,
kämpfen. Wenn dir das alles zu viel ist, ich wieder-hole es noch einmal,
dann steige gar nicht erst ein. Bleib ruhig am sicheren Ufer, distanziere
dich von Jesus und du wirst keinen Ärger kriegen. Du musst bloß bedenken,
dass du dann auch niemals am anderen Ufer ankommen wirst. Und das wäre
schade. Denn es kommt ja im Leben nicht darauf an, dass du deine Ruhe hast,
sonst es kommt im Leben darauf an, dass du Gottes Frieden erreichst.
_
[1] Dieser chronologische Ablauf erschließt sich nicht aus der Stelle bei
Lukas 8, die Grundlage dieser Predigt ist, sondern aus der Parallelstelle
bei Matthäus 8, 18-27. – Anm. des Schreibers.
[2] Lukas 9, 58 sowie die chronologisch passende Parallelstelle bei
Matthäus 8, 20
[3] Eine recht deutliche Anspielung auf die Überwachungpraxis der Stasi. –
Anm. des Schreibers.
[4] Vgl. dazu Philipper 4, 7
[5] Matthäus 10, 30-31 und Lukas 12, 7
[6] Johannes 16, 33
[7] Matthäus 16, 18
