Einleitung und Ausgangspunkt der Betrachtung
Wir wollen uns heute Morgen mit dem Thema beschäftigen, wie man durch das Studium der Bibel zu einer Gesamtschau der biblischen Prophetie kommt.
Zu Beginn möchte ich aus 2. Petrus 1 lesen. Wir wissen, Petrus hat das aus der Todeszelle in Rom geschrieben, vor seiner Kreuzigung, und zwar als Testament an die Erlösten. In diesem Brief schreibt er über das prophetische Wort in 2. Petrus 1,19-21:
Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, auf das zu achten ihr wohltut, als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist. Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist.
Der Apostel hat den Gläubigen hier im ersten Jahrhundert das prophetische Wort ans Herz gelegt und darauf hingewiesen, dass wir ganz besonders darauf achten sollen. Es ist eine Lampe in einer dunklen Welt, die uns den Weg weist. Und es ist sehr schön, hier zu lesen: Bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
Der Morgenstern und der Tag des Herrn
Es ist so: Der Herr Jesus ist in diese Welt gekommen als das Licht der Welt. Johannes 8,12: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Aber der Herr Jesus wurde von der Masse verworfen, und er ist schliesslich gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Und damit wurde es Nacht auf dieser Erde.
Aber hier sagt uns Petrus, dass wir darauf achten sollen, bis der Tag anbricht. Und zwar beschreibt er hier eben Folgendes: Dieser Tag, der anbricht, ist schliesslich der Tag des Herrn. Das ist der Tag, wenn der Herr Jesus wiederkommt in Macht und Herrlichkeit. Auch die dreieinhalb Jahre grosse Trübsal oder Drangsal gehören mit in der biblischen Bezeichnung zu dem Tag des Herrn. Übrigens wird auch das ganze Tausendjährige Reich in 2. Petrus 3 mitgerechnet zu dem Tag des Herrn.
Und hier sagt Petrus: bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe. Hier beschreibt er die Situation, dass der Morgenstern am Nachthimmel erscheint, am Morgen, und dann erst kommt der Sonnenaufgang. Der Sonnenaufgang ist das Wiederkommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit. Er wird ja auf dem Ölberg wiederkommen, sagt Sacharja 14; seine Füsse werden auf dem Ölberg stehen, der östlich von Jerusalem ist. Und dort geht in Jerusalem jeden Tag die Sonne auf.
Und deshalb wird das Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit in Maleachi 3 beschrieben als die Sonne der Gerechtigkeit, die aufgehen wird, mit Heilung in ihren Flügeln. Und das ist nun sehr wichtig, diesen Unterschied zu machen zwischen dem Morgenstern, der aufgeht, und dann dem eigentlichen Sonnenaufgang.
Ich gebe die Stelle an, also Maleachi 3,20: Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Hier wird der Überrest Israels angesprochen. Aber die Gemeinde hat eben die Erwartung, dass der Herr Jesus vorher aufgeht als der Morgenstern. Und das ist die Entrückung der Gemeinde, die im Alten Testament ein Geheimnis war, sagt 1. Korinther 15,51. Es ist ein Geheimnis der Wahrheit, die im Alten Testament nicht geoffenbart war, aber der Gemeinde ist das alles enthüllt worden.
Und so wissen wir: Der Herr Jesus wird zuerst kommen als der Morgenstern, und danach wird er aufgehen als die Sonne der Gerechtigkeit.
Und nun sagt also Petrus in seinem gewissermassen Testament, das legt er den Gläubigen noch ans Herz: Achtet auf diese Lampe, auf das prophetische Wort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
Übrigens möchte ich noch den Morgenstern erwähnen in Offenbarung 22, wo der Herr Jesus die Bibel abschliessend nochmals in aller Klarheit bezeugt, dass er wiederkommen wird. Ich lese Offenbarung 22, den zweitletzten Vers der Bibel, der diese Dinge bezeugt: Ja, ich komme bald. Und dann die Antwort der Gemeinde: Amen, ja, komm, Herr Jesus. Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen. Amen.
Und da lesen wir noch gerade vorher in Vers 16 so persönlich: Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch diese Dinge zu bezeugen in den Versammlungen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern.
Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wer dürstet, der komme; wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Merken wir wieder: Der glänzende Morgenstern im Zusammenhang mit dem Kommen des Herrn Jesus für die Gemeinde. Der Geist und die Braut sagen: Komm! Das Kommen des Morgensterns ist also das Kommen des Herrn Jesus für die Gemeinde. Da kommt er nicht als Richter der Welt, sondern da kommt er als der Bräutigam, um die Braut heimzuführen.
Die Hoffnung der Gemeinde und das frühe Zeugnis der Apostel
Und nun sehen wir noch etwas ganz Schönes, eine Perle in 2. Petrus 1,19. Da sagt Petrus: Bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
Warum sagt er nicht nur einfach: „Der Morgenstern aufgeht in euren Herzen“? Das bedeutet, dass diese Wahrheit der Entrückung und des Kommens des Herrn für die Gemeinde als der Bräutigam für die Braut eine Wahrheit ist, die in unseren Herzen aufbewahrt ist, unseren Herzen kostbar ist. Und darum soll der Morgenstern aufgehen in unseren Herzen, wenn diese Hoffnung, verwahrt in unseren Herzen, Realität wird.
Und das war eben etwas, was die Apostel den Gläubigen so ans Herz gelegt haben. Dazu möchte ich noch lesen aus 1. Thessalonicher 1,9. Die Thessalonicher waren eben erst bekehrt. Da bekommen sie den ersten Thessalonicherbrief. Paulus spricht in jedem der fünf Kapitel von dem Wiederkommen des Herrn Jesus, von seinem Kommen gewissermaßen als Morgenstern für die Gemeinde, von seinem Kommen mit allen Erlösten, eben als die Sonne der Gerechtigkeit. In jedem Kapitel spricht er davon.
Und jetzt sagt er in Kapitel 1, was die anderen Leute über die Thessalonicher sagten, frisch bekehrt: Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem kommenden Zorn.
Also das war ganz klar: Die Thessalonicher, frisch bekehrt, waren belehrt. Jetzt hat unser Leben den Sinn: Wir dienen dem lebendigen und wahren Gott. Und gleichzeitig erwarten wir den Herrn Jesus, dass er kommt, und zwar kommt er, um uns noch vor dem kommenden Zorn, dem Tag des Herrn, zu erretten.
So waren die Gläubigen belehrt, und die Apostel sind schließlich gegangen. Nicht wahr, der letzte Apostel starb um die Jahrhundertwende, das war Johannes, wenige Jahre nachdem er die Offenbarung geschrieben hatte, um das Wort Gottes vollständig abzuschließen.
Verfall der Erwartung und die Entwicklung der Kirchengeschichte
Nun, was ist geschehen? Genau das, was der Herr Jesus in dem prophetischen Gleichnis in Matthäus 25,1 vorausgesagt hatte. Er spricht dort über das Reich der Himmel. Das ist ein Ausdruck im Matthäusevangelium, den man eigentlich ganz einfach umschreiben kann mit: die Christenheit.
Jesus erläutert in den Geheimnissen des Reiches der Himmel im Matthäusevangelium ab Kapitel 13, dass es dort eine Vermischung geben wird: von echtem und unechtem Weizen, von Weizen und Unkraut, von guten Knechten und bösen Knechten sowie von guten Fischen und faulen, also nicht koscheren Fischen. Und hier eben von klugen Jungfrauen und törichten Jungfrauen.
Da sagt Matthäus 25,1: Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegen ausgingen. Fünf von ihnen aber waren töricht und fünf klug. Denn die Törichten nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. Als aber der Bräutigam noch ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich ein lauter Ruf: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht aus ihm entgegen! Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen. Die Klugen aber antworteten und sagten: Keineswegs, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche. Geht aber lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst. Als sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam. Und die, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, tu uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Wachet also, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Nicht wahr, es dauerte einige Zeit in dem Gleichnis, bis der Bräutigam kam, in Vers 5. Als aber der Bräutigam noch ausblieb, verzögerte sich also in ihrer Erwartung alles irgendwie. Und das Traurige ist: Alle schlafen ein, die Gescheiten und die Törichten. Und das ist wirklich so geschehen in der Kirchengeschichte. Sehr früh breitete sich ein Einschlafen in der gesamten Christenheit aus, und die Wahrheiten des prophetischen Wortes gingen mehr und mehr verloren. Und zwar sehr früh, im zweiten und dritten Jahrhundert, und schließlich im vierten Jahrhundert.
Das war ja die konstantinische Wende. Nachdem die Christen unter hauptsächlich zehn Kaisern massiv verfolgt worden waren, änderte sich alles mit Konstantin. Der christliche Glaube wurde vom Römischen Reich anerkannt, als erlaubte Religion. Vorher war er illegal. Und dann hieß es sogar: Jetzt ist die christliche Religion die Staatsreligion des Römischen Reiches. Als Christ oder als bekennender Christ hatte man Vorteile, um in höhere Ämter aufzusteigen.
Und man fragte sich: Was ist denn geschehen im vierten Jahrhundert? Plötzlich kommt die Kirche zu Macht und regiert. Nun, wir wussten ja aus der Offenbarung: Offenbarung 19, Jesus Christus wird wiederkommen als der Richter der Welt, Offenbarung 19,11. Dann Kapitel 20: Das tausendjährige Reich wird aufgerichtet werden. Und nach dem tausendjährigen Reich das Endgericht. Und dann Offenbarung 21: Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.
Ja, aber jetzt kommt ja die Kirche zur Macht. Also bedeutet das: Das tausendjährige Reich ist angebrochen, aber Christus ist nicht zurückgekommen. Ja, das muss man halt ein bisschen anders verstehen, wurde erklärt. So übertragen, symbolisch: Christus hat seine Herrschaft angetreten, aber er regiert durch die Kirche, durch die Christenheit. Jetzt ist es das tausendjährige Reich.
Und wir merken: Die ganze Prophetie wurde durcheinandergebracht. Und das wurde auch dann zur Prophetiedoktrin der katholischen Kirche. Und die Wahrheit von dem Morgenstern, der aufgehen sollte in unseren Herzen, wurde vergessen. Und dann, nach langer Zeit, kam es zur Reformation.
Reformation, Pionierarbeit und begrenzte prophetische Sicht
Und Gott hat da große Gnade geschenkt, dass die Bibel als Autorität wieder neu entdeckt wurde: nicht der Papst, nicht die Kardinäle, nicht die Konzile, sondern das Wort Gottes gilt. Man fand wieder zurück zum Wort Gottes.
Aber ganz wichtig: Die Reformatoren haben die Grundwahrheiten des Evangeliums entdeckt, Rettung durch Glauben allein, ohne Werke, allein Jesus Christus, nicht die Heiligen, nicht Maria, allein Jesus Christus. All diese Wahrheiten haben auch wir wieder entdeckt. Aber das prophetische Wort, das war noch nicht so ganz ihr Ding.
Zum Beispiel: Ich besitze alle Werke von Johannes Calvin. In meiner Bibliothek ganz oben habe ich in großen Bänden seine Gesamtauslegung des Alten und Neuen Testaments in vielen Bänden. Es beginnt mit 1. Mose und so weiter. Aber wenn Sie jetzt genau in mein Büro gehen, dann sehen Sie: Bei den Propheten ist nur ganz wenig. Ja, es wird wirklich dünn. Andere Bibelbücher im Alten Testament sind ausführlich kommentiert, beim Propheten wird es ganz dünn. Und dann Neues Testament: Matthäus, Evangelien, Apostelgeschichte, Briefe; Judasbrief, Offenbarung gibt es gar keine Auslegung. Das ist wirklich der Hammer, die Offenbarung, nichts! Und da endet es doch mit dem glänzenden Morgenstern und diesem Bekenntnis des Herrn: Ja, ich komme. Und das ist einfach nicht da.
Man muss eben in der Beurteilung nachsichtig sein. Die Reformatoren waren Pioniere, und wenn man denkt, wie dunkel es war, als die katholische Kirche der Christenheit die Bibel weggenommen hatte, dann versteht man das. Man durfte sie nur lateinisch lesen, aber wer konnte Latein? So war sie ein verschlossenes Buch, und all diese Wahrheiten gingen verloren. Und die Reformatoren haben das wieder entdeckt.
Aber eben: Wenn man einfach so beurteilt wie heute, ja, die haben das prophetische Wort nicht wirklich studiert, dann ist das nicht fair. Nein, die haben die Grundwahrheiten entdeckt und ihre Kraft darauf verwendet. Und dafür sind wir so dankbar.
Aber es ist so, dass es eben weiterging. Die Reformatoren haben selber auch bezeugt: Ecclesia, das ist Lateinisch für die Gemeinde, die Kirche. Ecclesia semper reformanda est. Die Kirche, die Gemeinde, muss ständig reformiert werden. Das ist ein Prozess. Sie haben das also verstanden. Wir stehen da im 16. Jahrhundert am Anfang der Reformation. Das heißt, die Reformation sollte weitergehen, und das Zurückkehren zum Wort sollte weitergehen, so dass man eben auch das, was in der Reformation so Nebensache war, neu entdeckt.
Das prophetische Wort wie Jesaja, Jeremia, Hesekiel, die zwölf kleinen Propheten und natürlich alle prophetischen Abschnitte in allen anderen Büchern. Die Psalmen sind auch ein prophetisches Buch. Nicht wahr, der Herr Jesus erklärt den Emmaus-Jüngern alles, was über ihn geschrieben ist im Gesetz, in den Propheten und in den Psalmen. Und im Neuen Testament all die prophetischen Abschnitte im Matthäusevangelium, dann Markus, Lukas und so weiter, bis zur Offenbarung.
Nun, im 19. Jahrhundert wurde das wieder richtig neu entdeckt, und auch das Kommen des Herrn Jesus wurde neu entdeckt, und der Unterschied zwischen dem Morgenstern und der Sonne wurde neu entdeckt. Es gibt das Kommen des Herrn für die Gläubigen, und das ist zu unterscheiden von dem Kommen des Herrn Jesus mit allen Gläubigen. Aber das Kommen des Herrn Jesus für die Gläubigen als Morgenstern geschieht, um die Gemeinde zu retten vor dem kommenden Zorn, wie in der Offenbarung geschrieben wird.
Aber das Kommen des Herrn Jesus mit allen Erlösten kommt nach der großen Drangsal, wie es in Matthäus 24 steht, nach der Drangsal der Tage. Und dann wird beschrieben, wie der Menschensohn kommt auf den Wolken des Himmels, um die Herrschaft zu übernehmen.
Das haben sie alles wieder neu entdeckt, und es wurden Konferenzen durchgeführt, sogenannte Prophetiekonferenzen. Ja, sowas machen wir jetzt auch hier. Aber das ist so eine Erfindung aus dem 19. Jahrhundert. Und wichtige Brüder, die da vom Herrn benutzt wurden, um diese Wahrheiten wirklich neu zu entdecken und auch zu verbreiten, waren John Nelson Darby, dann aber auch William Kelly, John Bellett. Das ist dieser Mann, der auch das Büchlein geschrieben hat, nicht nur über Prophetie. Er hat auch geschrieben das Büchlein Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus, so richtig fürs Herz.
Der Mann war schon speziell. Der sagte einmal zu John Darby: „John, don't forget, man has a conscience.“ Also: „John, vergiss nicht, der Mensch hat ein Gewissen.“ Und es ist eben so: In den Schriften von Darby wird mehr das Gewissen der Menschen angesprochen. Und dann hat John Bellett geantwortet: „John, don't forget, man has a heart.“ John, vergiss nicht, der Mensch hat ein Herz. Ja, so haben sich verschiedene Brüder wunderbar ergänzt.
Zu erwähnen ist auch Macintosh, der auch diesen schönen Kommentar geschrieben hat über die fünf Bücher Mose, aber eben auch über das prophetische Wort. Und diese Brüder haben wirklich die Wahrheit des Mitternachtsrufes entdeckt. Ja, Matthäus 25,6: Nachdem sie alle eingeschlafen waren, um Mitternacht aber erhob sich ein lauter Ruf: Siehe, der Bräutigam kommt! So nach dem Mehrheitstext: Kommt ihm entgegen. Und da wurde wirklich die Christenheit wach. Aber nicht nur die Gescheiten wurden wach, sondern auch die Törichten.
Und diese Aktivität gerade im 19. Jahrhundert führte zur Entstehung der Mormonen. Da sagte ein bestimmter Joseph Smith: Ja, ich habe noch eine zusätzliche Offenbarung bekommen für Amerika. Das Buch Mormon braucht es, um die Bibel zu verstehen. Und da entstanden auch die Zeugen Jehovas, die sich betrachteten als die 144 Tausend aus Offenbarung 7 und so weiter. Die Adventisten entstanden. Auch die beschäftigen sich mit dem prophetischen Wort. Und die Neuapostolen und so weiter, auch die beschäftigen sich mit dem prophetischen Wort.
Und so entstand eben einerseits dieser klare Ruf: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ Aber bei dieser Aktivität auch der Törichten entstand auch ganz viel Verwirrung. Und so gab es aber ab dem 19. Jahrhundert wirklich ein Wiederentdecken des prophetischen Wortes, und es wurden so viele gute Kommentare geschrieben über Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, die zwölf kleinen Propheten, über die Offenbarung, über alle prophetischen Abschnitte der Bibel. Ja, überhaupt, das war eine Bewegung, wo die Bibel in ihrer Gesamtheit neu entdeckt wurde und wirklich Herzenssache wurde, alle Bücher der Bibel zu studieren.
Und wenn dann Leute sagen: Ja, die Entrückung, das ist eine Erfindung gewesen von Darby, wo findet man das bei den frühen Kirchenvätern? Ja, natürlich findet man es, aber nicht gerade ausführlich, weil die Jungfrauen begannen, schläfrig zu werden und einzuschlafen, bereits ab dem 2. und 3. Jahrhundert. Und im 4. schliefen sie schon richtig tief. Ich meine, wenn Sie dachten: Jetzt ist das tausendjährige Reich, ich meine, man muss ja nur einmal mit einem Löwen einen Test machen, hier Fleisch und da Stroh, was er nimmt. Und der nimmt immer, der nimmt kein Stroh. Jesaja 11: Das tausendjährige Reich ist eben noch nicht da.
Aber die sagten, das tausendjährige Reich ist da, die Kirche regiert. Und dann ist es noch so, dass man eben das Kommen des Herrn Jesus wirklich vergaß. Und darum findet man das so wenig. Man muss doch nicht bei den Verschlafenen suchen. Aber die Erweckung kam, das 19. Jahrhundert war dieser Mitternachtsruf. Und sehen wir: Der Bräutigam kommt nicht sofort nach dem Mitternachtsruf. Das war 19. Jahrhundert, jetzt sind wir ein bisschen weiter.
Aber wir sehen, wie sich das prophetische Wort erfüllt hat, und gerade Ende des 19. Jahrhunderts begannen dann Juden in großer Menge heimzukehren ins Land der Väter. Und es ist interessant: Diese Bibelausleger, ich erwähne nochmals die Namen Darby, Kelly, Bellett, McIntosh, und es war natürlich noch mehr, aber vier kann man sich ja vielleicht mal merken. Die haben wirklich diese Dinge entdeckt und haben entdeckt: Jetzt erfüllt sich das prophetische Wort in besonderer Weise. Und dann kam es auch.
Aber Darby starb 1882, und da begann erst die erste Aliyah, die erste Rückwanderungswelle von Juden. Das ist schon eindrücklich. Das war nicht Zeitungs-Prophetie-Auslegung. Zuerst liest man die Zeitung und dann sucht man Bibelstellen, die ein bisschen passen könnten. Das geht gar nicht. Sondern die haben systematisch das Wort erforscht, gelesen, die Zusammenhänge begriffen und auch begriffen: Die ganze Heilsgeschichte ist ja in Zeitalter aufgeteilt, nicht nur, wie die katholische Kirche lehrte, Altes Testament, Neues Testament, fertig.
Ja, und die reformierte Bündnistheologie, das ist die Lehre der katholischen Kirche, ist ebenso. Die Reformatoren waren noch ein bisschen katholisch. Aber sie haben ja selber gesagt: Die Reformation muss vorangehen, die Kirche muss in einem Prozess reformiert werden. Und darum sind wir viel reformierter als die Bundestheologen. Die sind noch zu katholisch, und die Reformatoren waren auch noch zu katholisch. Aber wir sind so dankbar für ihr Pionierwerk.
Übersetzung, Bibelstudium und geistliche Hilfsmittel
Manchmal kritisieren Leute die Lutherbibel. Das habe ich gar nicht gerne. Obwohl mir klar ist, wo Mängel sind, ist gerade im prophetischen Wort die Lutherbibel zu wenig präzise übersetzt. Darum hat man im neunzehnten Jahrhundert die Elberfelder Übersetzung geschaffen, und da hat ja auch David mitgearbeitet.
Das Anliegen war eben eine Übersetzung, die wirklich hilfreich ist, so präzise am Grundtext wie nur möglich. Damit man das Wort noch genauer studieren kann, auch wenn man die Grundsprachen nicht gelernt hat. Und ich habe noch nie jemandem den Vorwurf gemacht: Warum hast du nicht Hebräisch gelernt, Aramäisch und Griechisch? Nie! Aber ich habe einmal mit einem Juristen gesprochen, und der hat gesagt: Ich habe keine Zeit gehabt. Das geht natürlich nicht. Nein, es ist ja immer eine Frage der Einteilung. Ich habe keine Zeit gehabt, aber eben, den Vorwurf mache ich nicht. Es gibt verschiedene Gründe, warum man das nicht kann. Das müssen auch nicht alle.
Es ist aber nützlich, dass wir eine gute deutsche Übersetzung haben. Und die war eben gerade gemacht worden, damit man das Wort genau studieren kann und eben auch diese Nuancen, die es braucht, um das prophetische Wort zu erforschen, dass man die wirklich in der Übersetzung drin hat.
Und so hat Gott also ein gewaltiges Werk bewirkt. Und es ist auch so: Dieses neu entdeckte Bibelstudium, die Bibel wurde nie so gründlich studiert, und zwar eben von Geschwistern, Brüdern und Schwestern gleichzeitig, wie das geschah durch die Erweckung der Brüderbewegung. Das ist wirklich etwas ganz Spezielles, und das hat der Herr so gewirkt. Und jetzt versteht man auch, warum die Brüderbewegung in den weiteren Jahrzehnten so viele Rückschläge erlebt hat durch Trennungen. Der Teufel hatte so ein Interesse, das alles kaputt und unglaubwürdig zu machen, weil der Herr so viel Licht geschenkt hatte durch diesen Mitternachtsruf: Siehe, der Bräutigam kommt, geht aus ihm entgegen.
Grundsätze des prophetischen Studiums
Aber was man eben lernen kann, ist, wie man das prophetische Wort studiert.
Ja, ich könnte dir sagen: Man muss einfach die ganze Prophetie gründlich studieren, also Jesaja 1, 2, 3, 4 bis 66, dann Hesekiel 1 bis 48, Jeremia 1 bis 52, Daniel 1 bis 12, Hosea 1 bis 14, ja, und so weiter. Es reicht. Ich glaube, ihr habt es verstanden.
Und jetzt kommt noch etwas dazu: Dann muss man genau studieren, welche Prophezeiungen schon in Erfüllung gegangen sind, nämlich in der Zeit von Jesaja, dann in den Jahrhunderten nach Jesaja und dann in den vergangenen zweitausend Jahren, und was heute noch aussteht. Gründlich, für jedes Kapitel. Man muss sich eben eine Übersicht aneignen.
Am besten ist es, wenn man sich die Kapitel bildlich vor Augen hält, sozusagen fotografisch in seiner Bibel: Jesaja 1, Jesaja 2, 3, damit man es immer präsent hat, ja? Und auch bei den anderen Büchern. Offenbarung ist wichtig, dass man das alles so vor Augen hat, Kapitel 1, 2, 3. Dann kann man kombinieren. Aber das ist nicht gerade sehr ermutigend, nicht wahr?
Nein, wie kann man zu einer, ja, also das ist ja der Titel, also haben wir gemerkt, das ist: Wie man über das Studium der Bibel zu einer Gesamtschau der biblischen Prophetie kommt.
Die Rolle der Gaben in der Gemeinde
Aber es ist ja so: In Epheser 4 lesen wir, dass der Herr Jesus der Gemeinde Gaben gegeben hat. Und zwar hat er die einen als Apostel gegeben, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Erbauung der Erlösten, damit wir alle zur Einheit des Glaubens kommen.
Nun ist es so: Apostel und Propheten haben uns das Neue Testament gegeben. In Epheser 2,20 sagt der Apostel Paulus, wo er die Gemeinde weltweit als einen Tempel sieht, der immer noch am Wachsen ist. Mit jeder Bekehrung kommt wieder ein Baustein dazu. Und da sagt er: aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Jesus Christus selbst der Eckstein ist. Das ist die Basis.
Und warum hat der Herr Jesus weiter Evangelisten, Hirten und Lehrer gegeben? Die Apostel und Propheten sind gegangen. Die Bibel ist abgeschlossen. Und Offenbarung 22 sagt, dass, wer jetzt noch etwas Prophetisches zu den Worten dieses letzten prophetischen Buches hinzufügt, dem Gott die Plagen hinzufügen wird. Also: Es ist abgeschlossen.
Aber die Evangelisten müssen das Wort Gottes studieren, und sie haben eine spezielle Begabung, um das Wort für die Evangeliumsverkündigung einzusetzen, das ganze Wort. Es gibt Leute, die denken, Evangelisten seien Leute, die gut die Grundwahrheiten der Bekehrung erklären können, selbst aber nicht so ganz in der Bibel durch sind. Nein, das stimmt nicht. Wir müssen alle in der Bibel durch sein.
Und ein Evangelist hat aber die Aufgabe, ganz besonders auch das prophetische Wort für die Evangelisation fruchtbar zu machen. Das ist sehr wichtig. In Hesekiel lesen wir 77-mal den Refrain: Etwas wird vorausgesagt, und dann heißt es: „Und sie werden erkennen, dass ich der Herr bin“ oder eine Variation davon. Und manchmal heißt es „ihr werdet erkennen“ und noch mehr Variationen. Aber 77-mal. Das heißt: Durch das prophetische Wort kann man erkennen, wer der wahre Gott ist. Und darum ist es für die Evangelisation sehr wichtig, dass man das prophetische Wort einsetzt.
Auch Jesaja 53 zum Beispiel, die Prophetie auf den leidenden Messias, der für unsere Sünden stirbt, und wie sich das im Herrn Jesus erfüllt hat, das ist so überführend. So viele Menschen sind dadurch zum Glauben gekommen, nicht nur Juden. Also: Das ist wichtig, das machen die Evangelisten.
Dann die Hirten: Die müssen auch das ganze Wort studieren und kennen. Aber sie werden es ganz besonders anwendend für die Seelsorge gebrauchen. Ja, und man denkt an das prophetische Wort in der Seelsorge. Wenn man jemandem, der so in der Not ist, wirklich Mut machen kann, durchzuhalten, dass der Morgenstern aufgehen wird, und so viele tröstliche Wahrheiten in die Seelsorge mit einbringen kann.
Und die Lehrer müssen die Aufgabe haben, das alles systematisch darzulegen. Und wenn ich sage systematisch, dann immer mit dem Bedürfnis, die Herzen zu erreichen. Alle diese Wahrheiten müssen Wahrheiten in unseren Herzen sein, aber eben auch die Zusammenhänge erläutern.
Weitergabe, Prüfung und geistliche Reife
Und jetzt haben wir den Zusammenhang nochmals zu 2. Timotheus 1, was ich schon gestern angeführt habe. Aber die Römer sagten: Repetitio mater studiorum est, die Wiederholung ist die Mutter des Lernens. Und darum möchte ich das nochmals vorstellen:
2. Timotheus 1,13: Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind. Bewahre das schöne, anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.
Paulus hat Timotheus unterwiesen. Und er hat ihm nicht nur einzelne Bibelverse erklärt, sondern die ganzen Zusammenhänge, den ganzen Ratschluss Gottes, wie Paulus in Apostelgeschichte 20 sagt. Darum sagt er hier: Halte fest das Bild. Also das zusammenhängende Bild, Fußnote Elberfelder: Umriss, Form, Muster. Die ganzen Zusammenhänge, die verschiedenen Heilszeitalter, die verschiedenen Bündnisse, die sieben Bündnisse durch die ganze Heilsgeschichte bis zum tausendjährigen Reich. All das hat Apostel Paulus eben Timotheus weitergegeben. Und darum sagt er ihm: Halte fest das Bild gesunder Worte.
Ja, wie kann man zu einer solchen Gesamtschau kommen? Ja, ich habe gesagt, das ist ja frustrierend, was ich vorhin gesagt habe. Und eben genau wissen: In Jesaja hat sich das schon erfüllt, das kommt noch. Da muss man nämlich auch die Geschichte kennenlernen: die Geschichte Ägyptens, die Geschichte Assyriens, die Geschichte Babyloniens, die Geschichte der Medoperser, des griechischen Reiches und des römischen Reiches. Und dann die ganze Geschichte mit den Germanen und den Stämmen, die das römische Reich aufgelöst haben, und so weiter bis in die moderne Geschichte, Erster und Zweiter Weltkrieg. Man muss sich da eine Übersicht verschaffen über die ganze Geschichte und darin die Geschichte Israels ganz genau kennenlernen, durch die Jahrtausende hindurch, und das einordnen. Und dann zuordnen: Welche Abschnitte sind schon erfüllt, welche nicht? Wie kommt man dazu?
Nun, der Apostel Paulus hat Timotheus unterwiesen und ihm diese Übersicht gegeben, und Timotheus hat sie aufgenommen. Nun nochmals Kapitel 2: 2. Timotheus 2,1: Du nun, mein Kind, erstärke in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.
Also der Apostel Paulus hat dieses Bild gesunder Worte an Timotheus weitergegeben. Er hat ihm gesagt: Halte fest, bewahre das schöne, anvertraute Gut. Aber nicht nur für sich, sondern er soll das wiederum anderen Leuten, und zwar treuen Leuten, anvertrauen, die selber in der Lage sind, das wieder anderen weiterzugeben.
Aber diese Übernahme geschieht nicht blindlings. Ich habe das gestern nur erwähnt. Es sind immer noch beim Repetieren. Apostelgeschichte 17, wo wir dieses Vorbild haben mit den Beröern, den Beröer-Juden:
Apostelgeschichte 17,10: Die Brüder aber sandten sogleich in der Nacht sowohl Paulus als auch Silas fort nach Beröa. Die, als sie angekommen waren, gingen in die Synagoge der Juden. Diese aber waren edler als die in Thessalonich. Sie nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich so verhielte. Viele nun von ihnen glaubten, auch von den griechischen vornehmen Frauen und Männern nicht wenige.
Also diese Menschen waren edel, weil sie das Wort Gottes mit Bereitwilligkeit aufnahmen. Die sagten nicht immer bei jeder Erklärung von Paulus: Aber, aber, aber. Das ist manchmal so stressig. Ich mag mich erinnern, das habe ich von meiner Frühzeit an erlebt. Ich war da mit 19 Jahren, ging aufs Konservatorium in Zürich, und dann hatten wir dort eine Bibelgruppe. Es war wieder so wie früher auf dem Gymnasium: schon dort ewig dieses Aber, Aber, Aber. Und dann wollte ich ganz so wertvolle Dinge weitergeben, aber, aber, die können sich gar nicht freuen, wenn man ihnen immer „aber“ sagt. Aber es ist so ganz anders. Ja, Humor muss sein. Es ist so anders, wenn das Wort mit Freudigkeit und Bereitwilligkeit aufgenommen wird.
Aber nicht so wie manche Leute, die glauben jeden Unsinn, wirklich jeden Unsinn. Da kann man sagen, da kommt ein Goldregen runter, dann plötzlich goldene Zähne, und die steigen auf alles ein. Das ist unglaublich. Das darf nicht so sein, eben einfach blindlings. Denn dann ist man auch offen für Verführung. Aber die Beröer, die haben täglich die Schriften untersucht und verglichen. Und da haben sie natürlich gesehen: Das, was dieser Apostel Paulus sagt, das stimmt einfach. Es geht auf wie ein Puzzel, ohne dass man da reindrücken muss. Also wenn man tausende Puzzel macht und dann einfach, es geht nicht, und man macht das Puzzel kaputt, das darf nicht sein. Es muss aufgehen. Und die haben gemerkt: Das geht ja auf. Und Timotheus hat auch gemerkt bei Paulus: Das geht auf. Das hat Vertrauen geschaffen.
Und weiter ist es dann eben hilfreich, wenn man dieses Bild der gesunden Worte gelehrt bekommen hat. Denn der Herr hat ja Gaben gegeben der Gemeinde: Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit man das dankbar aufnimmt, aber selber das Wort gleichzeitig studiert und zur Überzeugung kommt. Das ist so, denn es steht hier. Und nicht nur hier, sondern da, da, da, vorwärts und rückwärts. Je schottet du, ja.
Sie werden hin und her gehen, und die Erkenntnis des prophetischen Wortes wird sich mehren, haben wir gestern in Daniel 12 gelesen. Und dort heißt es: Das Buch Daniel wird verschlossen bleiben, versiegelt bis zur Zeit des Endes. Viele werden es durchforschen, und die Erkenntnis wird sich mehren. Also die Erkenntnis des prophetischen Wortes sollte in der Endzeit verbreitet werden und eben zu großer Klarheit kommen.
Nur als Erweckung hätte er aber sagen können: Nur der Satan schläft nicht, er geht umher als brüllender Löwe, wen er verschlingen kann. Genau darum: Als diese Erweckung kam im neunzehnten Jahrhundert mit dem Mitternachtsruf „Siehe, der Bräutigam kommt“, da sind die Sekten entstanden. Und gerade mit Bezug auf das prophetische Wort, und man denkt nur an die Zeugen Jehovas, welchen Schaden die angerichtet haben mit all diesen Voraussagen: Jesus Christus kommt wieder 1914. Und dann kam nicht das Friedensreich, sondern der Erste Weltkrieg. Und dann später schreiben sie in ihren Schriften: Ja, wir haben ja damals gesagt, dass das Reich aufgerichtet wird im Himmel. Nein, das haben sie nicht gesagt. Ich kann die Stellen zeigen, im Original, vorher und was nachher gelogen. Die Organisation lügt. Der Teufel hat diese eben geschickt, um zu verhindern, das prophetische Wort zu verdunkeln.
Und weiter sehen wir in der heutigen Zeit, wo diese Bundestheologie, die sich so ausbreitet, die sagt: Israel ist vorbei, das hat gar nichts zu tun, was da geschieht, das ist also nur Zionismus und so weiter und so fort. Und das prophetische Wort wird verdunkelt in einer Zeit, wo wir erst recht die Gelegenheit haben, sogar vor unseren Augen zu sehen, wie sich das prophetische Wort erfüllt. Das ist wirklich der Feind, der das benutzt, um die Klarheit des Wortes, dieser Lampe, zu verdunkeln.
Praktische Wege zu einer wachsenden Gesamtschau
Nun ist es aber so: Es ist wichtig, dass man diese gesunden Belehrungen mit Bereitschaft aufnimmt und das Wort selbst täglich studiert. Mit der Zeit lernt man dann nach und nach: Aha, das in Jesaja hat sich damals erfüllt, und das ist noch ausstehend, aber das erfüllt sich jetzt gerade. Und das Leben bleibt einfach spannend.
Wir müssen nicht irgendwie das Ziel haben: Bis 67 muss ich das alles geschafft haben. Nein, es geht weiter. Es ist wirklich so: Ich entdecke dauernd Neues. Aber nicht so, dass plötzlich die ganze Form, der Umriss der gesunden Worte, Risse bekommt und auf den Kopf fällt. Nein, es ist eigentlich ein Geschenk, wenn man zurückschauen kann auf Jahrzehnte und sagen muss: Ich musste nie grundlegend wieder das Ganze neu konstruieren. Aber es hört nicht auf. Es ist so spannend, und ständig kommt Neues dazu.
So sollten wir das Wort einfach studieren und genießen, nicht einen Zeitplan haben, bis dann und dann muss ich das und das erreicht haben. Sondern wirklich dankbar sein für all die Möglichkeiten, die da sind, um das prophetische Wort zu studieren und zu Hilfe zu nehmen. Und die Hilfen sind da für alles: ganz Jesaja, ganz Hesekiel, ganz Daniel, alle kleinen Propheten und so weiter, die Offenbarung, alles ist da als Unterstützung. Aber niemals, um das eigene Studium, um das eigene Erfassen in der Bibel zu ersetzen.
Und so können wir nach und nach zu einer Gesamtschau kommen. Und das ist einfach wichtig: Am Schluss muss alles aufgehen. Auslegungen, die nicht aufgehen, sind falsch, so einfach.
Ja, und so hoffe ich, dass das eben nicht eine Frustration ist, was ich jetzt weitergegeben habe. Das war nur so ein Zwischending. Aber es soll zeigen, wie wichtig es ist, dass wir das Wort studieren und nicht im Sinne einer sportlichen Leistung. Eben nicht: Jetzt muss ich schauen, dass ich ein fotografisches Gedächtnis bekomme, dass ich die Seiten so vor meinem inneren Auge sehe. Sondern einfach lesen, die Bibel anstreichen und mit der Bibel arbeiten. Und eine Handy-Konkordanz benutzen, um Begriffe zu suchen und zusammenzubringen. So prägt sich das immer mehr ein.
Hilfreich ist auch, in Predigten und Vorträgen immer die Bibel aufzuschlagen und mitzulesen, sogar die Verse, die man auswendig kennt. Also wenn jemand in der Gemeinde bei uns predigt und sagt: Johannes 3,16, dann schlage ich Johannes 3,16 auf. Und was man sieht und hört, das prägt sich noch mehr ein. Aber das kenne ich auswendig. Ja, und trotzdem: Man sieht immer wieder neue Akzente. Und das hilft wirklich, das Wort auch besser einzuprägen. Das Gedächtnis wird dadurch geschult.
Und das Schöne ist: Früher meinte man, alte Gehirne seien einfach auf dem Abwärtsgang. Das stimmt gar nicht. Heute weiß man aus der Neurologie, dass Gehirne plastisch sind. Und zwar bis ins Alter. Das heißt, unser Gehirn wird ständig umgebaut, nicht nur in der Pubertät, dort ganz besonders, darum spinnen die so. Ja, es ist eine Baustelle. Und zwar wird das ausgesondert, was nicht gebraucht wird, die Verbindungen. Und darum: Wenn man sie nicht gebraucht hat, dann wird abgebaut. Aber das, was man viel braucht, das wird aufgebaut. Das geht durchs ganze Leben weiter.
Darum haben Bibelleser auch einen Vorteil in den Altenheimen. Das ist auch eine Hilfe gegen Demenz oder um Demenz aufzuhalten. Aber wir studieren nicht deswegen die Bibel. Es ist aber auch schön, das noch als Nebeneffekt zu lernen. Das hält unser Denken frisch, und eben unser Denken und unsere Empfindungen von den Herren, das Herz, das muss zusammengehen. Das ist ganz wichtig. Sonst macht Erkenntnis stolz, 1. Korinther 8. Aber wahre Erkenntnis, so wie bei Daniel: Da sehen wir, er bekam Licht, und das hat ihm noch treu gemacht. Da bekam er dafür noch mehr Licht, und dieses Licht hat ihm noch treu gemacht.
So kann man Daniel 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 usw. lesen. Und so hilft es, eben zu sehen, dass das prophetische Wort oder überhaupt das Wort Gottes unser Leben prägt und verändert. Und wenn wir es so in unserem Leben umsetzen, dann gibt der Herr uns noch mehr Licht. Aber eben die richtige Erkenntnis, die schlicht und demütig hält.
Danke! Jetzt machen wir Pause.
