Serie•Teil 1 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in das Markusevangelium und die ersten Verse
Guten Abend, ich möchte alle ganz herzlich begrüßen. Wir beginnen in diesem neuen Jahr nun mit einem neuen Seminarthema, und zwar mit dem Markus-Evangelium.
Ich lese zu Beginn aus Markus 1,1-11:
Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes, wie geschrieben steht in den Propheten: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird. Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade.
Johannes der Täufer trat in der Wüste auf und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und das ganze jüdische Land ging zu ihm hinaus, und alle Bewohner von Jerusalem. Und sie wurden im Jordan von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.
Und Johannes war bekleidet mit Kamelhaar und einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und er aß Heuschrecken und wilden Honig. Und er predigte und sagte: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich, dem den Riemen seiner Sandalen gebückt zu lösen ich nicht wert bin. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
Und es geschah in jenen Tagen, dass Jesus von Nazareth in Galiläa kam und von Johannes im Jordan getauft wurde. Und sogleich, als er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren. Und eine Stimme erging aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Bis hierher.
Wir stellen uns die Frage: Warum haben wir eigentlich im Neuen Testament nicht nur ein großes Evangelium? Warum haben wir vier Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes?
Die Antwort ist: In jedem Evangelium wird ein anderer Akzent gesetzt. Im Matthäusevangelium wird betont, dass Jesus der König ist. Im Kontrast dazu beschreibt Markus den Herrn als Knecht, als Diener. Lukas betont ganz besonders die Menschheit des Herrn Jesus, den wahren, vollkommenen Menschen. Und das Johannesevangelium betont seine Gottheit. Es beginnt ja gleich mit: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
So sehen wir den Kontrast: König, Knecht, Mensch, Gott. Das Höchste, was ein Mensch sozial erreichen kann, ist die Stellung des Königs, und das Tiefste ist die Stellung des Knechts. Und Jesus ist eben der ewige Gott, aber er ist, wie Lukas betont, Mensch geworden und hat sich in seiner Menschwerdung erniedrigt.
Und so sehen wir in den Evangelien ein wunderbares Design. Diese vier Evangelien gehören zusammen und bilden eine Einheit, die man nicht aufspalten kann. Wenn man nur ein Evangelium wegnimmt, wird die ganze Struktur dieses Designs zerstört.
Die vier Evangelien als zusammengehöriges Zeugnis
Nun ist es so: Man kann wirklich beweisen, warum man erkennen kann, dass Matthäus speziell von dem König spricht. Das kann man anhand der Wörter sehen, die er benutzt. Man kann es auch anhand der Abschnitte und Geschichten sehen, die nur im Matthäusevangelium vorkommen. Es ist also nicht einfach subjektiv, sondern man kann es wirklich beweisen: Er betont, dass Jesus der König ist.
Und so gilt das auch analog für die anderen Evangelien.
Es besteht noch ein besonderer Zusammenhang mit Hesekiel 1 im Alten Testament, wo die Cherubim, die Thronengel Gottes, beschrieben werden, mit vier verschiedenen Gesichtern: wie ein Löwe, wie ein Ochse, wie ein Mensch und wie ein Adler. Da besteht ein besonderer Zusammenhang mit den Evangelien. Der Löwe entspricht Matthäus, dem König. Der Ochse, das Tier, das man braucht, um Arbeit zu verrichten, entspricht dem Markusevangelium. Und natürlich entspricht das Gesicht wie ein Mensch Lukas. Der Adler entspricht dem Johannesevangelium. Es spricht von dem Sohn Gottes, der vom Himmel her in diese Welt herabgekommen ist und schliesslich auch wieder zurückgekehrt ist in den Himmel.
Aber man kann sich trotzdem fragen: Warum genau vier Evangelien? Wenn wir den Rechtsgrundsatz aus 5. Mose 19,15 dazunehmen, wird das sofort klar. Dort steht: Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Ungerechtigkeit und wegen irgendeiner Sünde, bei irgendeiner Versündigung, die er begeht. Auf zweier Zeugenaussage oder auf dreier Zeugenaussage hin soll eine Sache bestätigt werden.
Wir sehen: Vor einem Gericht in Israel braucht es mindestens zwei Zeugen, um ein glaubwürdiges Zeugnis abzugeben. Besser wären drei, aber zwei sind gut. Nun haben wir in den Evangelien den Höhepunkt der Heilsgeschichte, die Heilsgeschichte von 1. Mose 1 mit der Erschaffung von Himmel und Erde bis zur Neuerschaffung von Himmel und Erde in Offenbarung 21. Da haben wir die Heilsgeschichte in dieser Welt, und der Höhepunkt ist das Kommen von Gott, dem Sohn. Der Mensch wurde in diese Welt gesandt, um das Werk der Erlösung zu vollbringen.
Gott wollte für diesen Höhepunkt ein ganz besonders glaubwürdiges Zeugnis geben, und darum gab er uns vier Evangelien, nämlich nicht nur zwei, sondern zweimal zwei. Und es ist so: Zwei Schreiber der Evangelien waren Apostel, Matthäus und Johannes, und zwei waren neutestamentliche Propheten, Markus und Lukas. In Epheser 2,20 ist die Gemeinde aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten. Matthäus und Johannes waren Apostel, Markus und Lukas nicht. Aber sie hatten diese Autorität als Schriftpropheten, dass sie etwas zur Heiligen Schrift hinzufügen durften, beitragen durften. Und die vier Evangelien geben uns dadurch ein volles, abgerundetes Bild.
Aber wir dürfen noch beachten: Diese zwei Apostel waren Augenzeugen, Markus und Lukas nicht. Doch sie haben viele Augenzeugen konsultiert, und dadurch sind sie zu Multiplikatoren geworden. Lukas schreibt am Anfang seines Evangeliums, dass er Augenzeugen nachgegangen ist und das alles gesammelt hat. Und so war es auch mit Markus, der ja der Sohn von Maria war, die gemäss Apostelgeschichte 12 ein herrschaftliches Haus in Jerusalem hatte und die Gemeinde in Jerusalem bei sich aufgenommen hatte. Und so hatte Markus eben im Haus seiner Mutter Umgang mit zahlreichen Augenzeugen, und die durfte er in seinem Evangelium wiedergeben.
Es kommt dazu, dass er einen ganz besonderen Draht, eine ganz besondere Verbindung, mit dem Apostel Petrus hatte. Darum nennt Petrus ihn auch in 1. Petrus 5 seinen Sohn, ganz im Sinn, wie Paulus den Timotheus am Anfang des ersten und am Anfang des zweiten Timotheusbriefes „sein echtes Kind“ nennt, im Glauben, als Timotheus durch Paulus zum Glauben gekommen war. Und so entsprechend sagt Petrus in 1. Petrus 5,13: Es grüsst euch die Miterwählte in Babylon. Die Ehefrau von Petrus grüsst aus Babylonien. Es gab dort eine grosse jüdische Gemeinschaft im heutigen Südirak. Und dann lesen wir nochmals Vers 13: Es grüsst euch die Miterwählte in Babylon und Markus, mein Sohn.
Es war also für Petrus eine ganz besondere Beziehung zu Markus, und Markus hat ganz besonders von ihm als Augenzeugen gelernt. Das werden wir im Verlauf des Studiums des Evangeliums immer wieder sehen, dass Markus sehr, sehr persönliche Dinge schreibt, die zurückgehen darauf, wie Petrus eben den Herrn sehr genau beobachtet hat, wie er die Augen hob und wie er die Menschen ansah. Das wird im Markusevangelium auffällig eingearbeitet, nicht weil Markus das selbst erlebt hätte, sondern weil Petrus es ihm so lebendig und so eindrücklich weitergegeben hat.
Und somit können wir sagen: Wir haben nicht nur vier Zeugen, sondern zwei Augenzeugen plus zwei Zeugen, die ganz viele Augenzeugen in ihren Evangelien zusammengebracht haben.
Der Beginn des Evangeliums im Licht der Propheten
Jetzt gehen wir wirklich hinein.
Markus 1,1: Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Warum schreibt Markus „Anfang“? Jeder Leser weiß doch, dass hier das Evangelium beginnt. Wir schreiben doch auch keine Bücher, in denen wir ausdrücklich sagen: Das ist der Anfang. Warum schreibt er also: Anfang des Evangeliums?
Ja, er macht damit gleich den Bezug zum Alten Testament. Von Anfang an war bestimmt, dass das Reich Gottes kommen würde. Beziehungsweise beginnt er mit den Propheten. Und mit welchem Thema? Taufen? Wie? Taufen noch nicht, warte, warte, Alfredo. Das Evangelium beginnt hier, sagt er. Und dann geht er eben auf die Propheten ein. Und was war es aus den Propheten? Dass er einen Boten senden würde. Genau, und dieser Bote war Johannes der Täufer.
Das heißt: Die frohe Botschaft beginnt eigentlich mit Johannes dem Täufer, der der Vorläufer des Messias sein sollte. Das ist gemeint mit „Anfang des Evangeliums“. Das Evangelium beginnt eigentlich mit der frohen Botschaft, mit dem Vorläufer, der den Messias in Israel einführte und Israel gegenüber bekannt machte. Genau, das ist der Anfang.
Das Wort Evangelium, griechisch Euangelion, heißt ganz wörtlich frohe Botschaft. „Eu“ ist die Silbe, die gut, wohl, wohlgefällig usw. bedeutet. „Angelion“ bedeutet eine Nachricht, die von einem Gesandten gebracht wird. Darum ist es korrekt zu sagen: Evangelium, frohe Botschaft, gute Nachricht usw.
Welche Funktion nimmt Jesaja ein, Jesaja der Prophet? Ja, das werden wir jetzt gleich anschauen. Also: Das Evangelium Jesu Christi, des Sohnes Gottes, beginnt im Zusammenhang mit dem Vorboten, mit Johannes dem Täufer, der eben im Alten Testament vorausgesagt worden war. Wo bitte? Maleachi 3 und Jesaja 40,3, genau.
Ja, warum frage ich das? Wer hat eine Bibelübersetzung, in der es heißt: Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes, wie geschrieben steht in Jesaja dem Propheten? Oh, einige. Jetzt könnt ihr ein bisschen korrigieren. Ich hatte ja am Anfang vorgelesen, und zwar nach dem Mehrheitstext: Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes, wie geschrieben steht in den Propheten.
Es ist ja so: Wir haben vom Neuen Testament etwa 5850 griechische Handschriften und Fragmente. Eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt: Von griechisch-römischen Klassikern, jetzt bei lateinischen Klassikern, Cicero, Caesar, da muss man immer froh sein, wenn man für ein Werk, sagen wir, zehn Abschriften hat. Und interessant: Als wir in der Schule als Teenager Cicero gelesen haben, Caesar, der Gallische Krieg, hat keiner meiner Kollegen gezweifelt, dass wir wirklich Julius Caesar lesen. Oder als wir Cicero-Briefe übersetzten, dass wir wirklich Briefe von Cicero, diesem großen römischen Politiker, lesen. Aber bei der Bibel, da sind die Zweifel sofort da. Und dabei haben wir vom Neuen Testament eben fast sechstausend Handschriften.
Hier merkt man, dass irgendetwas Irrationales da ist. Bei der Bibel sofort Zweifel, bei irgendwelchen Klassikern keine Zweifel. Und jetzt ist es so: Unter diesen Handschriften hat die ganz große Masse eine unglaubliche Übereinstimmung. Das nennt man den Mehrheitstext. Dann gibt es aber wenige Handschriften, typischerweise oft sehr alte Handschriften und typischerweise aus Ägypten. Warum? Weil Ägypten ein heißes, trockenes Klima hat, in dem Handschriften sehr gut überleben konnten. Diese zählt man zum Minderheitstext.
Nun ist es leider so gekommen, aus gewissen geschichtlichen und, wie soll ich sagen, philosophischen Gründen, dass es heute in Bibelschulen und in theologischen Ausbildungsstätten oft so ist, dass man sagt: Das ist der relevante Text, nämlich der Minderheitstext und nicht der Mehrheitstext. Okay, warum? Ja, weil diese Handschriften eben so alt sind. Ja gut, aber die sind eben so alt, weil sie gerade aus Ägypten kommen. Der Mehrheitstext kommt aber aus ganz vielen Ortschaften, nämlich aus dem Gebiet der heutigen Türkei, aus dem Gebiet des heutigen Griechenlands, aus Italien.
Und das ist ja immer wichtig: Wenn Handschriften übereinstimmen und aus ganz verschiedenen geografischen Regionen kommen, dann hat das mehr Gewicht, als wenn Zeugen von Handschriften besonders aus einer Region kommen. Das kann ein lokales Kolorit sein. Ja, und das ist eben genau so. Es ist in der Wissenschaft anerkannt, dass diese Handschriften aus Ägypten, diese alten Handschriften, einen fließenden Text aufweisen. Das heißt, diese Handschriften sind untereinander nicht besonders übereinstimmend, sondern der Text fließt, wie wenn da so eine Unsicherheit wäre: Wie lautet der richtige Text? Aber beim Mehrheitstext, und eben geografisch weit verbreitet, ist das so stark, so fest, so fix.
Woher kommt das? Ganz einfach: In Rom gab es den Römerbrief im Original. Wer also seine Handschrift überprüfen wollte, der konnte nach Rom reisen, zur Gemeinde dort, und seine Handschrift anhand des Originals korrigieren. In Griechenland waren die Korintherbriefe in Korinth, und in Mazedonien der Philipperbrief. Auch die Thessalonicherbriefe waren in Thessalonich. Und in der heutigen Türkei konnte man den Epheserbrief original finden, auch den Kolosserbrief und so weiter und so fort.
Das hat dazu geführt, dass die Textüberlieferung in diesen Regionen so stabil ist, so klar, weil man eben über lange Zeit Papyri hatte, die natürlich sehr anfällig sind. Und nach einer Zeit sind sie kaputt. Aber so konnte man wohl in den ersten paar Jahrhunderten diese originalen Briefe noch auffinden und sich daran orientieren. Dadurch entstand der Mehrheitstext.
Und dann kommt noch etwas dazu: Mathematik hilft uns auch. Statistik. Wenn man sich vorstellt, Paulus hat den Römerbrief geschrieben, wurde er nach Rom geschickt, und dann war natürlich die Gemeinde interessiert, dass sie eine Kopie haben. Also haben, nehmen wir es einmal an, in erster Linie zehn Schreiber das Original zehnmal kopiert. Es können noch mehr gewesen sein, aber ich sage jetzt einfach, damit man rechnen kann: zehn Abschriften.
Und jetzt muss man sich vorstellen, dass schon in dieser ersten Abschreibergeneration einer einen Abschreibefehler macht. Jetzt ist es so, dass natürlich diese Abschriften wieder von anderen abgeschrieben wurden. Stellen wir uns vor, jede Abschrift wird von zehn Kopisten kopiert. Dann wird natürlich dieser Fehler auch kopiert, er verbreitet sich auch in den Handschriften. Aber die richtige Lesart wird zehnmal, zehnmal, zehnmal, zehnmal, neunmal zehn wieder vervielfältigt. Und dann ist klar: Ein Fehler, ein Abschreibefehler oder eine Veränderung läuft immer darauf hinaus, ein Minderheitstext zu sein. Und der wahre ursprüngliche Text ist mathematisch, statistisch prädestiniert, ein Mehrheitstext zu werden. Und so ist es.
Und jetzt ist es eben so: Hier hat der Mehrheitstext in Markus 1,2: wie geschrieben steht in den Propheten. Und dann kommt, ich habe ja gefragt, woher kommt das? Da wurde sofort, wie aus einem Maschinengewehr, mit Maleachi 3,1, dann Jesaja 40,3 geantwortet. Ja, stimmt das nicht? Wie geschrieben steht in Jesaja dem Propheten. Und dann kommt ein Maleachi-Zitat. Ja, der Minderheitstext ist einfach fehlerhaft. Und das kann man auch anderswo zeigen. Das ist kein guter Text.
Und übrigens muss ich noch sagen: Gerade diese berühmten Papyri aus Ägypten, manche sogar aus dem zweiten Jahrhundert, sind erstaunlich gut erhalten. Aber das hängt offensichtlich damit zusammen, dass man eben auch schon in der Antike wusste, dass das keine guten Abschriften sind. Es ist nämlich so: Eine Bibel, die wirklich viel benutzt wird, überlebt nicht lange. Und es gibt Leute, die haben so schöne Bibeln zu Hause, die haben sie nie gelesen, aber sie ist einfach noch einwandfrei wie damals vor Jahrzehnten, als sie gekauft wurde.
Das ist auch noch ein Punkt: Gerade die guten Handschriften aus der frühen Zeit gingen kaputt. Und schlechte Handschriften blieben auch länger erhalten. Aber das nur als Nebenüberlegung dazu. Also, es ist klar: Da kann man das einfach so korrigieren. „Wie geschrieben steht in den Propheten“ – Jesaja dem kann man abstreichen und am Rand hinschreiben: mht, Mehrheitstext.
Ich bin daran, eine Liste zu vervollständigen, wo alle Abweichungen in der Elberfelder CSV Höckeswagen, die nicht nach dem Mehrheitstext sind, korreliert werden nach dem Mehrheitstext, und zwar in Form einer Excel-Tabelle. Dann hat man in einer Zeile den Text, wie er in der CSV steht, und dann in einer weiteren Spalte die Korrektur nach dem Mehrheitstext. Und dann gibt es noch eine Kommentarleiste, wo ich jeweils noch etwas erkläre, woher diese Veränderung kommt oder worauf da besonders zu achten ist, worauf zu achten ist. Eben wie hier: Es stimmt ja gar nicht, der Text ist nicht Jesaja, sondern es ist Maleachi, was hier zitiert wird.
Ja, und so kann man seine CSV ebenso anpassen an den Mehrheitstext. Man muss gar keine neue Bibel kaufen, sieht dann aber auch gleich im Hauskreis oder wo man miteinander die Bibel liest und studiert, wenn da eine Abweichung kommt, dann weiß man: Aha, das kommt aus dem Minderheitstext, aber der Mehrheitstext sagt so und so.
Der Vorbote des Messias und die prophetische Erwartung
Jetzt gehen wir und schlagen auf Maleachi, das letzte Buch des Alten Testaments. Maleachi wirkte um ungefähr 400 vor Christus, oder 420, das ist so eine ungefähre Datierung. Darum hat dieses Buch natürlich einen ganz besonders feierlichen Charakter.
Maleachi war der letzte Schriftprophet, also der letzte Prophet, der die Autorität hatte, etwas zu schreiben, was zur Bibel gehört. Dann hörte es auf. Es gab eine Zeit von etwa 400 Jahren des Schweigens Gottes durch die Schriftpropheten. Davon liest man übrigens im Talmud, das ist das wichtigste theologische Werk im Judentum nach der Bibel. Im Traktat Sanhedrin heißt es: „Nach dem Tod der Propheten Sacharja, Haggai und Maleachi wich der Heilige Geist von Israel.“
Das Bewusstsein war also in Israel klar: Nach Maleachi hatten wir keine Propheten mehr, die die Autorität hätten, etwas der Bibel hinzuzufügen. Natürlich wurden in dieser Zeit auch noch weitere Bücher geschrieben. Wir schreiben ja auch Bücher, obwohl das Neue Testament schon längst abgeschlossen ist. Aber wir haben ja nicht den Eindruck, dass unsere Bücher zur Bibel gehören. So wurden 1. und 2. Makkabäer, Tobit und so weiter, all die Bücher, die man kennt, als die Apokryphen bezeichnet. Sie wurden in dieser Zeit geschrieben, jüdische Bücher, aber im Judentum war klar, dass es keine Propheten mehr gab.
Sogar in 1. Makkabäer 9 steht, dass die Zeit der Makkabäer im zweiten Jahrhundert, als es diese großen Verfolgungen durch die syrische Armee gab, so traurig und elend war: Eine solche Trübsal, wie es nie gewesen ist, seitdem wir keine Propheten mehr haben. Also: In den Apokryphen wird sogar gesagt, wir haben keine Propheten mehr. Mit anderen Worten: Seit Maleachi war es nie so traurig wie jetzt im zweiten Jahrhundert vor Christus. Das ist die Zeit, von der 1. und 2. Makkabäer handelt.
Das macht umso deutlicher, dass dann Johannes der Täufer als Prophet auftrat. Das war eine Sensation in Israel. Er brachte ganz Israel in Bewegung. Das war so aufsehenerregend, und sein Auftritt wird übrigens auch außerbiblisch beschrieben, bei Josephus Flavius. Ein Jude, Geschichtsschreiber, Priester im zweiten Tempel in Jerusalem, geboren etwa 37 nach Christus, hat verschiedene Bücher geschrieben mit unglaublich viel Information, gerade über die Zeit des Neuen Testaments in Israel. Er beschreibt in Jüdische Altertümer, Buch 18, Teil 5, Abschnitt 2, Johannes den Täufer und welche Sensation das war. Ich werde später das ganze Zitat noch vorlesen, aber nicht gerade jetzt. Einfach mal dieser Hinweis: Also auch außerbiblisch ist bezeugt, dass dieser Mann ganz Israel in Bewegung brachte und beeindruckte.
Aber eben: Er war vorausgesagt im letzten Prophetenbuch. In Maleachi 3,1 steht: Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir bereite, und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr begehrt. „Siehe, er kommt, spricht der Herr der Heerscharen.“ Hier wird also prophezeit, dass, bevor der Messias plötzlich zu seinem Tempel kommt, sein Vorbote geschickt wird: „Siehe, ich sende meinen Boten.“
Was heißt eigentlich Maleachi? Mein Bote. Ja, korrekt. Man spricht es auf Hebräisch so aus. „Malach“ heißt Bote, Gesandter, und „i“ bedeutet mein. Also das Wort Maleachi heißt: mein Bote. Und was steht hier im Grundtext von Maleachi 3,1? Siehe, ich sende Maleachi, damit er den Weg vor mir bereite. Also Maleachi als letzter Prophet des Alten Testaments spricht von dem Kommen des Messias, der plötzlich zum Tempel kommen wird. Aber vorher kommt eben Maleachi, natürlich nicht derselbe wie Maleachi noch einmal. Aber Maleachi war als letzter Bote der Propheten im Alten Testament ein besonderer Vorgeschmack auf den Propheten, den Boten, der direkt das Vorrecht haben sollte, den Messias Israel vorzustellen.
Wir werden dann später, wenn wir uns noch weiter mit Johannes beschäftigen, sehen: Er wurde ja auch vorausgesagt als Elija, aber nicht, dass der Prophet Elija wiederkommen würde, sondern dass er kommen würde in der Kraft und in dem Geist des Elija. Das sagt ja der Engel Gabriel ausdrücklich Maria gegenüber in Lukas 1. Er wird kommen im Geist und in der Kraft. Aber in Maleachi wird er eben Elija genannt. Können wir kurz aufschlagen: Maleachi 3,22. Dort steht: Gedenkt des Gesetzes Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf dem Horeb an ganz Israel geboten habe, Satzungen und Rechte. Siehe, ich sende euch Elija, den Propheten, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
Hier wird dieser Vorbote Elija genannt, der die Aufgabe haben würde, das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern zu wenden. Und genau das sagt der Engel Gabriel zu Zacharias, dem Vater von Johannes dem Täufer. Er sagt, dass seine Frau Elisabeth ein Kind bekommen wird, und das soll eben in der Kraft und in dem Geist von Elija erscheinen. Er wird die Aufgabe haben, das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern zu wenden. So sieht man, dass sich also auch diese Stelle mit Elija auf Johannes den Täufer bezieht.
Also haben wir jetzt drei Namen für denselben Johannes: Maleachi und Elija. Ich habe ja auch drei Namen. Das ist nichts Besonderes. Und unserem Jüngsten, dem Sechsten, wir hatten noch so viele schöne Namen, da gaben wir ihm gleich noch die restlichen, die wir hatten. Da kamen vier Namen zusammen. Ja, es passen nicht alle in den Pass hinein, aber er hat trotzdem vier Namen bekommen. Also: Das sind verschiedene Namen für dieselbe Person, und jeder drückt einen anderen Aspekt seines Dienstes aus. Er sollte Maleachi, mein Bote, sein. Der Messias würde ihn ehren, dass eben dieser Mann ihn in Israel vorstellen und einführen dürfte.
Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird, wie wir zurück in Markus 1 sehen. Und jetzt schauen wir uns die andere prophetische Stelle an, in Jesaja 40,3: Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott.
Nun, das bezieht sich eben auf Johannes den Täufer, der in der Wüste seinen Dienst begann. Und zwar: Weiß jemand, was im Hebräischen hier für Steppe steht? Also in der Wüste bahnt den Weg mit wa. Und für Steppe steht, das ist dort gemeint, aber wüsstest du das hebräische Wort, das hier steht für Steppe? Die Arava. Und das ist eben nicht irgendein Gebiet, sondern es ist geographisch die Tiefebene des Jordan, und das Tote Meer liegt auch in der Arava drin.
Johannes der Täufer trat ja auf in Betabara oder Bethanien, in der Wüste, das ist gerade gegenüber Jericho, auf der anderen Seite des Jordans, also auf der jordanischen Seite. Dort trat er auf. Und zwar ist es so: Wir besitzen eine alte Karte der Bibel in Madeba. Wo liegt Madeba? In Jordanien. Und zwar wo? Ja, also man kann zuerst mal den Nebo besteigen und dann noch ein bisschen mit dem Auto weiter. Und da ist man in Madeba hinter dem Nebo. Dort gibt es eine byzantinische Kirche aus den frühen Jahrhunderten und ein wunderbares Bodenmosaik mit einer Karte. Und dort findet man fantastische Details aus einer Zeit, in der Leute eben noch näher bei den biblischen Ereignissen waren.
Dort ist Betabara eingezeichnet, also gegenüber von Jericho, ganz nahe bei der Mündung ins Tote Meer auf der jordanischen Seite. Dort hat Johannes getauft, und aufgrund dieser Karte können wir das also so genau lokalisieren. Der Ort heißt heute arabisch Kasser al-Yahud. Kasser heißt Burg oder Kastell, jüdisches Kastell, das ist die arabische Bezeichnung. Kasser al-Yahud ist dasselbe wie der Taufort Betabara oder eben Bethanien. In Johannes 1 wird der Ort im Mehrheitstext Britannien genannt, im Minderheitstext Bethabara. Diese Bezeichnung ist auch richtig, aber Abschreiber haben das da aus dem Minderheitstext reingeschmuggelt. Sachlich korrekt ist eben dieser Ort in der Wüste.
Und dort in der Arava hat Johannes eben seinen ersten Einsatz als Prediger gehabt. Wir können dort noch weiter lesen, Vers 4 in Jesaja 40: Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene. Das hat eine symbolische Bedeutung: Alle Hindernisse in den Herzen der Menschen sollen beseitigt werden. Diese Hindernisse, diese Blockaden in unserem Innern, werden hier verglichen mit Tälern, also richtigen Abgründen im Herzen, die aufgefüllt werden müssen. Jedes Tal soll erhöht. Da gibt es in unseren Herzen auch im übertragenen Sinn Berge und Hügel, die so richtige Hindernisse sind. Die müssen abgetragen werden: Jeder Berg und Hügel erniedrigt werden. Und es gibt manchmal etwas weniger starke Hindernisse, das sind dann eben höckerige Formationen. Das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene.
Dann heißt es in Vers 5: Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des Herrn hat geredet. Wenn diese Hindernisse aus den Herzen weg sind, dann ist der Moment, wo der Herr kommen kann und in unsere Herzen einziehen kann. So war es: Johannes der Täufer hatte diesen Auftrag, in der Wüste so zu predigen, die Menschen zur Buße zu rufen und zur Umkehr zu bewegen. Sünde muss entfernt werden, damit sie bereit sind, den Messias, den Herrn Jesus, aufzunehmen.
Ja, Lukas, du wolltest was sagen?
Ich meine, dass es nicht nur auf diese Berge geht, sondern dass es auch topographische Veränderungen gibt, wenn die Berge flach sein werden, zum Beispiel Offenbarung 16,20 heißt ja, alle Inseln entflohen, Berge wurden nicht gefunden.
Ja, also prophetisch wird es ja in der Endzeit ganz gewaltige geologische Veränderungen geben. Und übrigens: Der Ölberg wird sich nach Sacharja 14 spalten, und es wird auch so sein, dass der Tempelberg geologisch gehoben wird und andere Gebiete, sagt Sacharja 14, werden abgeflacht werden. Aber hier geht es darum, dass eigentlich alles flach werden soll. In der Endzeit werden wörtlich gewisse Dinge geographisch abgesenkt werden, und der Tempelberg wird erhoben werden. Aber hier geht es darum: alles flach.
Und dann heißt es: Und die Herrlichkeit des Herrn soll offenbar werden. Das nimmt dann Bezug darauf, dass dann auf die Predigt des Johannes des Täufers hin Jesus Christus kommen sollte. Und das wird ja dann beschrieben, nicht wahr, in Vers 9 haben wir gelesen: Und es geschah in jenen Tagen, als Johannes wirkte, Jesus von Nazareth in Galiläa kam und wurde von Johannes im Jordan getauft. Und dann kommt die Stimme aus dem Himmel, Vers 11: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Da wurde die Herrlichkeit des Herrn offenbar. Und der Evangelist Johannes schreibt in Johannes 1,14: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, die Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Das bezieht sich eben darauf, dass die Herrlichkeit des Herrn dann offenbar wird.
Und Johannes, können wir jetzt weitergehen in Markus 1, trat in der Wüste auf, predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Das heißt, er hat den Menschen gesagt: Ihr müsst eure Schuld bekennen und als Ausdruck davon euch taufen lassen. Übrigens ganz interessant: In dieser Stelle, die werde ich ja später mal noch vorlesen, Jüdische Altertümer 18,5,2 von Josephus Flavius, der schreibt, die Sünden wurden den Leuten nicht vergeben durch die Taufe, sondern es wurde gefordert, dass sie eben umkehren und ihre Schuld bekennen. Also dieser orthodoxe Jude aus dem ersten Jahrhundert hat ein besseres Taufverständnis als viele noch heute, die meinen, durch die Taufe geschieht etwas. Nein, ganz klar ist nicht die Taufe, sondern die Umkehr. Und die Taufe war dann quasi der Ausdruck, aber nicht das, was den Menschen verändert hat. Die Taufe sollte etwas ausdrücken, zeugnishaft von dem, was eben wirklich im Herzen geschehen ist. Und durch das Sündenbekenntnis sollten diese höckerigen Formationen, diese Hügel oder auch diese tiefen Täler, alle eingeebnet werden.
Und wer ging zu ihm hinaus? Vers 5: Das ganze jüdische Land, das heißt also ganz Südisrael, ging hinaus, und die Bewohner der Hauptstadt Jerusalem. Die gingen alle, und von Jerusalem dann eine Reise durch die Wüste, über tausend oder rund tausend Meter Gefälle bis zum Toten Meer, minus 400. Jerusalem liegt auf 743, höchster Punkt über Meer. Die gingen da diese Reise herunter. Und das heißt wirklich: Israel kam in Bewegung. Und natürlich kamen auch Leute noch zusätzlich aus Galiläa, werden wir nachher noch sehen, aus Nordisrael. Dieser Johannes war wirklich eine Sensation. Aber wenn man weiß, im Judentum war das Bewusstsein: Wir haben keine Schriftpropheten mehr, und dann kommt ein Mann mit einer solchen Autorität wie dieser Johannes der Täufer, dann kamen die Massen hin, um getauft zu werden und ihre Sünden zu bekennen.
Und dann wird Johannes ein bisschen beschrieben, nämlich dass er einen Mantel aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel hatte. Mit Kamelhaar. Wie? Elija hatte auch einen haarigen Mantel und einen ledernen Gürtel. Ja, können wir kurz aufschlagen: 2. Könige 1,8. Elija, dieser mächtige Prophet Gottes, war sofort erkennbar an seiner speziellen Kleidung, und zwar eben haariger Mantel mit Gürtel. 2. Könige 1,8: Und sie sprachen zu ihm: Es war ein Mann mit einem haarigen Gewand und an seinen Lenden gegürtet mit einem ledernen Gürtel. Und er sprach: Es ist Elija, der Tisbiter.
Da wird von einem erzählt, es war nicht ganz klar, wer das ist. Aber sobald die Beschreibung kommt, haariger Mantel, Gürtel, ist klar: Das ist Elija. Und in Maleachi 4 wurde ja Johannes der Täufer mit dem prophetischen Namen Elija vorausgesagt. Und, wie gesagt, Lukas 1 sagt, er soll kommen in der Kraft und im Geist des Elija. So trug er eben auch einen haarigen Mantel mit einem Gürtel. Das sollte quasi den Bezug machen, dass er den Auftrag von Elija wiederholt.
Übrigens, die Anthroposophen haben das falsch verstanden. In Matthäus 11 sagte der Herr Jesus, dass diese Prophetie über Elija sich wirklich auf Johannes den Täufer bezieht. Und Lukas 1 macht klar, es war aber nicht so, dass Elija nochmals kommen sollte, sondern Johannes der Täufer sollte im Geist und in der Kraft des Elija wirken, also ganz in seinem Sinn und in seiner Autorität. Aber die Anthroposophen haben abgeleitet: Ja, also da ist in der Geschichte ein Unterschied von etwa 800 Jahren, das heißt, alle 800 Jahre wird man wiedergeboren. Es ist eigentlich eine gnostische Sekte, die Anthroposophie, und eine schreckliche Verwirrung. Schreckliches Chaos an Ideen, christliches, biblisches vermischt mit Esoterik und mit östlichen Religionen, ganz wild.
Aber wir können gleich aufräumen mit Reinkarnation: Hebräer 9,27: Und ebenso, wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Und das Wort einmal ist nicht wie in einer Erzählung: Einmal geschah das und das, sondern ist ein Zahlwort. Also: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Der Mensch, der natürliche Mensch, stirbt einmal und dann wird er vor das Gericht Gottes kommen. Kein natürlicher Mensch, kein Mensch, der verloren geht, stirbt mehr als einmal, nur einmal.
Ja, bitte, Kurt!
Elija ist aber nicht gestorben. Haben Sie jetzt das abgeleitet von dem her, dass er, weil er nicht gestorben ist, sondern entrückt wurde, als Johannes wiedergeboren werden konnte?
Ja, ja, das fassen Sie so auf, der entrückte Elija sei dann später wieder geboren worden und dann eben verallgemeinert, dass Reinkarnation auf diese Art geschieht. Und da muss man sagen: Aber eben, eine Reinkarnation gibt es nicht, denn der natürliche Mensch stirbt einmal. Übrigens: Alle, die mal auferweckt wurden im Alten Testament, drei Fälle, und dann in den Evangelien mehrere, nicht wahr, das waren immer Gläubige, Errettete. Die sind zweimal gestorben, nicht wahr. Sonst würde Lazarus heute noch leben. Wenn er nicht gestorben wäre, würde er heute noch leben. Aber er ist gestorben, aufgestanden, wieder gestorben, zweimal. Aber von dem Menschen, der eben einmal vor das Gericht Gottes kommt, da sagt die Bibel: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Es gibt keine Reinkarnation.
Aber eben Johannes der Täufer trat auf mit dieser Kleidung, die an Elija erinnern sollte. Und wer trug Kamelhaare? Wie? Sag es nochmals!
Kamele! Kamele, ja! Und wenn sie mausern, dann ist es der ideale Zeitpunkt. Dann kann man, ohne den Kamelen irgendein Leid zu tun, ihre Haare nehmen und bearbeiten, und dann kann man daraus eben Kleider herstellen. Jedes Kamel kann bis zu sieben Kilogramm Haare pro Jahr liefern. Und das ist sehr gut geeignet für Teppiche, Zelte. Es ist die Kleidung typisch für Nomaden, also für solche, die herumreisen, nirgends fest zu Hause sind, aber auch sonst für Arme, für Hirten. Und es ist eben so: Es ist eine Kleidung, die sehr, sehr langlebig ist, wetterfest, leicht und ideal gegen Hitze und gegen Kälte. In der Wüste kann es nachts ganz kalt werden und tagsüber heiß. Die gleiche Kleidung ist ideal für den Tag und für die Nacht, weil sie eben wirklich die Fähigkeit einer Thermoregulation hat.
Aber es ist eine Kleidung, die man ohne Verzierung trug. Es war wirklich die Kleidung der Armen, der Einfachen. Es sollte auch zum Ausdruck bringen: Ich lebe nicht luxuriös. Und das wollte Johannes der Täufer. Er lebte in der Wüste, ist dort auch aufgewachsen. Seine Eltern, Zacharias und Elisabeth, lebten in den Bergen Judäas, aber die waren ja sehr, sehr alt, als das Kind auf die Welt kam. Johannes hatte ganz alte Eltern und war ein Einzelkind. Und dann hat er eben schließlich die Eltern verloren und musste anderswo aufgezogen werden. Und Lukas 1 sagt, dass er in der Wüste aufwuchs. Er ist also da aufgewachsen und dann eben in dieser Zeit um 29 nach Christus als Prophet in der Wüste aufgetreten, mit einer Kleidung, die ideal war für die Wüste, aber eben auch die Bescheidenheit ausdrückte und das Begnügen mit wenigen. Und darum auch seine Nahrung: Heuschrecken und Honig.
Ist die Frage: Müssen wir alle so werden? Ja, du sagst einfach nein, aber...
Wenn man Abraham anschaut, dann hat er auch gar nicht diese Stellung verloren und ging in die Wüste und brauchte zum Nomaden.
Ja, ganz genau. Aber doch ein paar Zusehen, eben diese Dämonen...
Genau, Abraham lebte ja in Ur in Chaldäa, und er war ein Fürst. Und es ist so, dass Abraham aus Ur in Chaldäa ausziehen sollte, um in Zelten zu wohnen. Das wurde in Ur in Chaldäa sehr, sehr verachtet, das Leben als Nomade. Gott hat ihn dazu berufen, und er war bereit, diesen Weg zu gehen. Die Mittelklasse zur Zeit von Abraham, so um 2100 v. Chr. in Ur in Chaldäa, also im Südirak, die lebte in Häusern mit etwa zehn Zimmern, die Mittelschicht. Und er war ein Fürst und war bereit für einen einfachen Lebensstil.
Aber nirgends im Neuen Testament wird gelehrt, dass, wenn jemand begütert ist, er arm werden muss, außer der Herr gibt ihm einen Auftrag. Der reiche Jüngling in Markus 10, der sollte all seinen Reichtum verkaufen, weil der Herr ihm den Auftrag gab. Er wollte ihm zeigen, dass er ein Problem mit dem Geld hat. Aber es ist nicht so, dass allgemein ein Gebot wäre. In 1. Timotheus 6 werden am Schluss die Reichen speziell angesprochen, und dann wird gesagt, sie sollen nicht ihre Hoffnung auf die Ungewissheit des Reichtums setzen. Aber er sagt nicht: Ihr müsst euren Reichtum aufgeben. 1. Timotheus 6,10 warnt davor, reich werden zu wollen, wenn man nicht reich ist. Das ist mega gefährlich, das ist eine Klippe im Leben, wenn man reich werden will. Aber es gibt Leute, die sind reich geworden, ohne dass sie jetzt speziell danach gestrebt haben. Und dann regelt 1. Timotheus 6, wie sie eben ein Leben führen sollen und das für den Herrn einsetzen. Aber man kann nicht sagen: Alle müssen.
Aber hier war es so: Dieser Johannes der Täufer hat einen ganz speziellen Auftrag, und weil er so lebte, war er so glaubwürdig. Und das kommt bei Josephus Flavius übrigens auch durch. Dieser Lebensstil von Johannes hat Israel so beeindruckt. Aber es ist also so, dass Gott unterschiedlich führt und beruft. Und Johannes hatte diese Berufung, und er stand dazu. Darum lebte er so bescheiden und machte klar: Es kommt nach mir einer, der ist stärker als ich. Ich hätte eigentlich nicht einmal die Würde, gebückt am Boden seinen Riemen zu öffnen. Und da weist er hin, dass der Messias kommt. Und dann macht er klar: Ich taufe mit Wasser, er wird mit Heiligem Geist taufen. Und da fahren wir nächstes Mal weiter.
Was ist die Taufe mit dem Heiligen Geist? Man kann sich vielleicht mal darauf vorbereiten. Es gibt sieben Stellen im Neuen Testament über die Taufe im Heiligen Geist, nämlich viermal in den Evangelien im Zusammenhang mit Johannes, wo er das sagt: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, vier Stellen. Dann in Apostelgeschichte 1, dort wird dann erinnert, er wird gesagt, dass Johannes mit Wasser taufte, aber eben der Messias, Jesus, würde mit Heiligem Geist taufen. Haben wir schon fünf Stellen? Und dann die sechste in Apostelgeschichte 11, wo Petrus sich zurückerinnert an diese Aussage des Auferstandenen über die Taufe im Heiligen Geist in Apostelgeschichte 1. Und dann kommt noch eine Stelle erst durch 1. Korinther 12,13. Und die Stelle gibt den Schlüssel, um alle anderen Stellen zu verstehen.
Also, aber das schauen wir uns nächstes Mal an, das sparen wir uns. Was ist die Taufe im Heiligen Geist? Das ist für viele Christen heute eine totale Überraschung, dass es genau nicht das bedeutet, was viele meinen. Aber es bedeutet etwas ganz, ganz Wichtiges. Dann wollen wir hier schließen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch
