Einführung: Wenn das Leben nicht nach Plan läuft
Schön, dass ihr da seid und den Weg hinaus in die Kälte gefunden habt. Es ist heute schönes Winterwetter. Bei uns war alles schön gefroren, und dann kam die Sonne dazu – das sah wirklich toll aus.
Vielleicht hast du heute eher auf einen sonnigen Tag gehofft, auf warmes, schönes Herbstwetter mit zwanzig Grad oder so. Das hätte dir wahrscheinlich besser gefallen. Vielleicht hast du aber auch schon ganz andere Momente in deinem Leben erlebt, in denen nichts nach Plan lief.
Kennst du das? Hattest du schon einmal einen Moment in deinem Leben, in dem alles anders lief als geplant? Wenn nicht, würde ich mich nachher gerne mit dir darüber unterhalten. Ich vermute, ihr kennt das alle, oder?
Vielleicht hast du in deinem Leben auch schon Tiefschläge einstecken müssen. Du hast erlebt, dass dein Leben nicht nach Plan lief, weil andere Menschen dir tiefes Leid zugefügt haben. Weil sie Dinge getan haben, die dein Leben völlig aus der Bahn geworfen und in eine ganz andere Richtung gelenkt haben. Hast du das schon einmal erlebt?
Vielleicht ist dein Leben auch deshalb aus der Bahn geraten oder anders verlaufen, weil du das Richtige getan hast. Vielleicht hast du sogar auf etwas verzichtet, das in dem Moment nett und schön gewesen wäre, und stattdessen das Gute und Richtige gewählt. Und das hat dazu geführt, dass in deinem Leben erst recht Chaos entstanden ist und alles anders lief.
Du denkst dir dann vielleicht: „Jetzt habe ich das Gute getan, das Richtige gemacht, vielleicht anderen einen Gefallen getan, und nun stehe ich, wie man so schön sagt bei uns in Franken, als Depp da.“ Es ist anders gelaufen, als du es dir vorgestellt hast.
Wenn du eine oder mehrere dieser Erfahrungen gemacht hast, dann bist du heute in der Predigt genau richtig. Wir wollen uns mit Joseph beschäftigen. Er hat genau solche Erfahrungen mehrfach gemacht: Sein Leben lief nicht so, wie er es geplant hatte.
Überblick über Josefs Lebensgeschichte
Wir beginnen mit einem kurzen Überblick über das Leben von Josef, um einige wichtige Aspekte kurz anzuschauen. Die Geschichte erstreckt sich über 13 Kapitel in der Bibel. Wir werden jedoch nicht alle Kapitel lesen, wie ihr euch sicher denken könnt. Denn wenn wir alle 13 Kapitel lesen würden, wäre die Predigt danach beendet.
Ich hoffe, der eine oder andere von euch hat sich vielleicht die Mühe gemacht, die Geschichte im Laufe der Woche einmal zu lesen. Das erleichtert das Verfolgen der Predigt. Für diejenigen, die das nicht getan haben, hoffe ich, dass die Kinderstunde noch so präsent ist, dass ihr Josef in Erinnerung habt. Ihr kennt sicher das bunte, gewebte Kleid, das Josef getragen hat. Dieses Bild ist oft auf Ausmalbildern zu sehen, die viele von euch aus der Kinderstunde kennen. Ich selbst habe damals Kinderstunde im DWG Radio gehört und konnte kaum schlafen, weil die Geschichte von Josef so spannend war.
Wer also im DWG Radio Kinderstunde gehört hat und nicht schlafen konnte, ist bestens vorbereitet, um der Predigt zu folgen. Trotzdem werde ich einige Abschnitte aus der Bibel vorlesen. Wir steigen ganz am Anfang der Josef-Geschichte ein, und zwar in 1. Mose 37,1.
Josefs Anfang: Ein privilegierter Start und erste Konflikte
1. Mose 37, ab Vers 1, bis Vers 11 erzählt die Geschichte von Josef und seiner Familie. Jakob wohnte im Land Kanaan, dem Land, in dem sein Vater als Fremdling gelebt hatte. Dies ist die Geschichte von Jakobs Geschlecht.
Josef war siebzehn Jahre alt und arbeitete als Hirte bei den Schafen zusammen mit seinen Brüdern. Er half auch den Söhnen von Bilha und Silpa, den Mägden seiner Stiefmütter Rahel und Lea, die ebenfalls Frauen Jakobs waren. Josef setzte sich für sie ein, wenn jemand Schlechtes über sie sprach.
Israel, das ist Jakob, liebte Josef mehr als alle seine anderen Söhne, weil er der Sohn seines Alters war. Deshalb machte er ihm einen bunten Rock. Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater Josef mehr liebte als sie, wurden sie ihm feindlich gesinnt und konnten kein freundliches Wort mehr für ihn finden.
Einmal hatte Josef einen Traum und erzählte ihn seinen Brüdern. Das machte sie noch mehr feindselig. Er sagte zu ihnen: „Hört, was ich geträumt habe! Siehe, wir banden Garben auf dem Feld, und meine Garbe richtete sich auf und stand, während eure Garben sich ringsumher neigten und vor meiner Garbe niederfielen.“ Seine Brüder fragten ihn daraufhin: „Willst du unser König werden und über uns herrschen?“ Wegen dieses Traumes und seiner Worte wurden sie ihm noch feindlicher.
Josef hatte noch einen zweiten Traum, den erzählte er seinen Brüdern ebenfalls. Er sagte: „Ich habe noch einen Traum gehabt: Die Sonne, der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.“ Als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und fragte: „Was ist das für ein Traum, den du geträumt hast? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder vor dir niederfallen?“ Seine Brüder wurden neidisch auf ihn, aber sein Vater behielt diese Worte im Herzen.
So beginnt die Geschichte von Josef, dem Lieblingskind seines Vaters – der „Goldjunge“, wie man ihn nennen könnte. Man könnte ihm unterstellen, dass er eine Petze gewesen sei, doch das lässt sich nicht eindeutig aus diesen Versen ableiten.
Was hier festzuhalten ist: Josef startet auf der Sonnenseite des Lebens. Er ist Sohn eines wohlhabenden Herdenbesitzers. Jakob hatte gut ausgesorgt, und Josef wurde nicht als Kind eines Knechtes geboren, sondern in eine gut betuchte Familie. Außerdem war er der Lieblingssohn.
Die Zukunft, die durch seine Träume angedeutet wird, sieht ebenfalls vielversprechend aus. Es ist durchaus bemerkenswert, dass seine Brüder und andere ihm irgendwann einmal niederknien sollen. Zu jener Zeit hatten Träume eine große Bedeutung, und man schenkte ihnen viel Aufmerksamkeit.
Zusammengefasst kann man sagen: Josef startet als Favorit und mit guten Voraussetzungen ins Leben. Er gehört nicht zum unteren Rand der Gesellschaft, sondern hat einen starken Start.
Der Fall: Verrat und Verkauf nach Ägypten
Ja, das ist aber dann schon alles. Die Brüder sind nämlich mit der Herde unterwegs, wenn man jetzt weiterliest. Jakob schickt Josef hinterher, damit er die Brüder sucht. Das war damals nicht einfach nur so eine kurze Strecke, etwa von Hersbruck hier runter auf die Pegnitzwiesen. Wahrscheinlich war das mehr als eine Tagesreise weit weg von der Familie, wo sie mit den Herden unterwegs waren.
Es handelte sich auch nicht nur um eine kleine Herde von zwanzig Schafen oder so, sondern das war eine größere Anzahl. Man kann sich das eher wie bei Nomaden vorstellen, die ein ganzes Stück weit gegangen sind.
Joseph kommt also zu den Brüdern. Als sie ihn von weitem sehen, haben sie einen ganz perfiden Plan. In 1. Mose 37,18-20 heißt es: „Als sie ihn nun sahen von ferne, ehe er nahe zu ihnen kam, machten sie einen Anschlag, dass sie ihn töteten, und sprachen untereinander: Seht, der Träumer kommt daher! So kommt nun und lasst uns ihn töten und in eine Grube werfen und sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen. So wird man sehen, was seine Träume sind.“
Das ist der Plan der Brüder. Er kommt jedoch nicht vollständig zur Ausführung, weil Ruben ihn eigentlich retten will. Er schlägt vor, dass sie Josef erst einmal in den Brunnen werfen. Ruben ist dann unterwegs und will das abends tun. In der Zwischenzeit kommt eine Karawane von Ismaeliten vorbei.
Judah hat dann eine glorreiche Idee: „Wir verkaufen den Josef doch!“ So haben sie ein bisschen mehr davon. Sie machen sich nicht des Mordes schuldig und verdienen noch etwas Geld. Josef wird um den Preis eines Sklaven verkauft und kommt nach Ägypten.
Dem Vater erzählen sie, dass Josef von einem wilden Tier gefressen worden sei. Wenn man sich das vorstellt – auf der einen Seite oben auf der Leiter als das Lieblingskind eines großen Patriarchen, und jetzt unten als Sklave verkauft innerhalb eines oder zwei Tagen – das ist ein Moment, in dem das Leben für Josef ganz und gar nicht nach Plan lief.
Das hat er sich bestimmt nicht geträumt, als er von Jakob weggezogen ist, dass so etwas passieren würde.
Aufstieg und erneuter Fall in Ägypten
Joseph wird in Ägypten an Potiphar verkauft, einen der höchsten Beamten des Pharaos. Potiphar ist damals jemand, der in Ägypten ganz weit oben steht. Wie es Joseph dort ergeht, können wir in Kapitel 39 nachlesen. Schauen wir uns die Verse 1 bis 6 einmal an:
Joseph wurde hinab nach Ägypten geführt, und Potiphar, ein ägyptischer Mann, der Pharao-Kämmerer und Oberster der Leibwache, kaufte ihn von den Ismailitern, die ihn hingebracht hatten. Der Herr war mit Joseph, sodass er ein Mann wurde, dem alles gelang. Er war im Haus seines Herrn, des Ägypters, und sein Herr sah, dass der Herr mit ihm war. Alles, was Joseph tat, ließ der Herr in seiner Hand gelingen, sodass er Gnade fand vor seinem Herrn.
Joseph wurde zum Diener seines Herrn und setzte ihn über sein Haus. Alles, was Potiphar besaß, gab er in Josephs Hände. Von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der Herr des Ägypters Haus um Josephs Willen. Es war lauter Segen an allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Feld. Darum ließ er alles unter Joseph senden, was er hatte, und kümmerte sich, seit er ihn hatte, um nichts außer um das, was er aß und trank. Joseph war schön angestellt und hübsch von Angesicht.
Gott ist mit Joseph, und dadurch gelingt ihm alles. Das führt dazu, dass Joseph innerhalb kürzester Zeit, ich möchte es so sagen, zum Geschäftsführer dieses Superministers aufsteigt. Das, was wir hier lesen, zeigt, dass dieser Superminister oder Oberste der Leibwache eigentlich nichts mehr anderes tut als essen und trinken, weil Joseph die Geschäfte und sein Haus so gut im Griff hat, dass er sich um nichts mehr kümmern muss. Joseph ist wieder irgendwo nach oben gegangen in seinem Leben.
Das klingt nicht schlecht, was Joseph jetzt erlebt hat. Er ist vom Sklaven wieder nach oben gekommen. Eigentlich wäre an dieser Stelle die Geschichte schon reif für ein Buch oder eine Topverfilmung oder Ähnliches: Absturz zum Sklaven und Aufstieg zum besten Mann des Superministers – das gibt schon richtig etwas her. Aber die Josef-Geschichte ist da noch lange nicht zu Ende, sondern sie nimmt erst richtig Fahrt auf, denn der nächste Absturz folgt zugleich.
Die Frau von Potiphar hat es nämlich auf Joseph abgesehen und versucht, ihn ins Bett zu bekommen. Aber bei Joseph ist nicht viel zu machen, denn er ist die Standhaftigkeit in Person. Wir lesen dazu die Verse 7 bis 10:
Es begab sich danach, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Joseph warf und sprach: „Leg dich zu mir!“ Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: „Sieh, mein Herr kümmert sich, der mich hat, um nichts, was im Haus ist. Alles, was er hat, hat er unter meine Hände getan. Er ist in diesem Haus nicht größer als ich. Und er hat mir nichts vorenthalten, außer dir, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich denn um ein solch großes Übertum und gegen Gott sündigen?“ Sie bedrängte Joseph mit solchen Worten täglich, aber er gehorchte ihr nicht, dass er sich zu ihr legte und bei ihr wäre.
Wow, Joseph ist echt stark. Übrigens, wenn man das kurz rückblickend zu allen anderen Männern in der Genesis, also im ersten Buch Mose, betrachtet, fällt hier ein großer Unterschied auf. Adam und Eva wollten gerade das eine, was ihnen vorenthalten war. Joseph sagt hier das Gegenteil. Es gibt viele Schnittmengen zu den anderen Personen, aber Joseph tritt völlig anders auf und bleibt hartnäckig.
Doch der Frau des Potiphar reicht eine Abfuhr nicht, sie bleibt dran. Eines Tages kommt es zu einer wirklich brenzlichen Situation. Das könnt ihr in den Versen 11 bis 15 lesen:
Es begab sich eines Tages, dass Joseph ins Haus ging, seine Arbeit zu tun, und kein Mensch vom Gesinde des Hauses war dabei. Sie erwischte ihn bei seinem Kleid und sprach: „Leg dich zu mir!“ Aber er ließ das Kleid in ihrer Hand und floh und lief nach draußen. Als sie sah, dass er sein Kleid in ihrer Hand ließ und hinausflog, rief sie das Gesinde ihres Hauses und sprach zu ihnen: „Seht, er hat uns den hebräischen Mann hergebracht, damit er seinen Mutwillen mit uns treibe. Er kam zu mir herein und wollte sich zu mir legen, aber ich rief mit lauter Stimme. Als er hörte, dass ich ein Geschrei machte und rief, ließ er sein Kleid bei mir und floh hinaus.“
Das ist schon perfide, was die Frau treibt. Weil sie ihren Willen nicht bekommt, unterstellt sie Joseph den Versuch einer Vergewaltigung. Wenn man weiterliest, sieht man, dass ihr Mann, Potiphar, ihr glaubt und Joseph zum zweiten Mal ins Gefängnis kommt. Er stürzt richtig tief ab.
Joseph wird ins Gefängnis gebracht, wo der Pharao seine Gefangenen hält. Das ist wahrscheinlich nicht, weil man ihn besonders gut behandeln möchte, sondern eher, weil dort höhere Sicherheitsauflagen und vielleicht auch härtere Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Dort landet Joseph jetzt.
Auf diese Situation werde ich später nicht so tief eingehen, denn es gibt genügend Potenzial für gute Jugendstunden für Männer. Nur ein Hinweis für Männer, aber auch für Frauen: Wenn ihr in ähnliche Situationen kommt, hat Joseph genau eine Botschaft für euch: Renn! Renn! Das will ich dazu nur sagen.
Wenn diese Versuchung da ist – ich weiß, das ist leichter gesagt als getan – dann rennt. Mehr steht nicht. Joseph tut hier etwas Nobles. Es wäre das Einfachste für ihn gewesen, sich auf so eine Liebschaft einzulassen. Vielleicht wäre es nie herausgekommen. Aber er tut hier das Richtige und Gute und landet dafür im Gefängnis. Puff! Welche Ungerechtigkeit!
Gottes Gegenwart und Segen trotz Leid
Was passiert da in Josefs Leben? Wie kommt er wieder aus der Bahn, wie gerät er aus seinen eigenen Plänen? Weil er das Richtige und Gute getan hat, landet er ganz unten.
Joseph ist im Gefängnis, und die Geschichte wiederholt sich irgendwie. Er ist so vorbildlich, dass er über alle Gefangenen gesetzt wird. Das könnt ihr in 1. Mose 39,21 nachlesen. Dort steht: „Aber der Herr war mit ihm und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis, so dass er ihm alle Gefangenen im Gefängnis unter seine Hand gab und alles, was dort geschah, durch ihn geschehen musste.“ Der Amtmann über das Gefängnis kümmerte sich um nichts mehr.
Deja vu, oder? Denn der Herr war mit Joseph, und was er tat, dazu gab der Herr Glück. Der Nächste, der von Josephs Genialität profitiert, ist der Gefängnisaufseher. Joseph ist als Gefangener da, und der Aufseher merkt: Na ja, der kriegt die Sache viel besser hin als ich. Letztendlich ist Joseph der Gefängnisleiter, wenn man es mal ganz hart sagen will. Er ist weiterhin Gefangener, aber er wird wieder nach oben gehoben.
Dann kommt es dazu, dass zwei Gefangene des Pharaos Träume haben: der Bäcker des Pharaos und der Mundschenk des Pharaos. Das werde ich jetzt nur erzählen. Joseph deutet diese Träume. Er sagt voraus, dass der eine gehängt wird und der andere wieder entlassen wird und in seinen Dienst zurückkehrt. Und das passiert auch genauso.
Joseph hat dem Mundschenk eine einzige Bitte mitgegeben, nachdem er die Träume gedeutet hat: „Vergiss mich nicht und tritt doch für mich beim Pharao ein.“ Joseph tut Gutes. Und wisst ihr, was das Erste ist, was der Mundschenk tut, als er aus dem Gefängnis rauskommt? Er vergisst das Gefängnis und Joseph. Joseph versauert im Gefängnis, wenn man so will. Keiner kümmert sich um ihn, und sein Schicksal scheint besiegelt. Keiner denkt mehr an ihn, und er hängt dort.
Es dauert zwei Jahre, bis der Pharao Träume hat. Die ganze Weisheit und Elite der Ägypter hat keine Ahnung, worum es geht, und kann sie ihm nicht deuten. Da klingelt es beim Mundschenk, der das mitbekommt, und er weist den Pharao auf Joseph hin.
Joseph kommt dann zum Pharao. Der Pharao erzählt ihm die Träume, und Joseph deutet sie: Jetzt werden sieben reiche Erntejahre kommen, gefolgt von sieben mageren Jahren. Joseph gibt dem Pharao direkt noch einen Rat mit, was jetzt gut wäre zu tun. Nämlich einen fähigen Mann zu installieren, der sich darum kümmert, dass die sieben reichen Jahre gut genutzt werden, um Vorräte zu sammeln und dann in den sieben mageren Jahren quasi überleben zu können.
Der Höhepunkt: Josephs Aufstieg zum Herrscher Ägyptens
Und jetzt folgt die Reaktion des Pharaos. Es ist der Moment, in dem Josephs Leben einen enormen Aufschwung nimmt und er richtig Karriere macht.
In 1. Mose 41,37 heißt es: „Die Rede gefiel dem Pharao und allen seinen Großen gut. Und der Pharao sprach zu seinen Großen: ›Wie könnten wir einen Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesen?‹“
Dann spricht der Pharao zu Joseph: „Weil dir Gott dies alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du. Du sollst über mein Haus sein, und deinem Wort soll ganz mein Volk gehorsam sein. Nur dem königlichen Thron will ich höher sein als du.“
In den folgenden Versen wird noch genauer beschrieben, was das alles bedeutet. Aber es ist beeindruckend, dass jemand erkennt, welchen Segen es bringt, Joseph in ein hohes Amt zu setzen.
Wenn ihr die Geschichte kennt, wisst ihr, dass genau das so geschieht. Joseph gelingt es, Vorräte für Ägypten anzuschaffen. Seine Pläne funktionieren, und Ägypten ist als einziges Land in der ganzen Umgebung gut vorbereitet auf die Zeit der Hungersnot. Er wird zu einem riesengroßen Segen für Ägypten.
Das führt schließlich dazu, dass Joseph auch seine Familie rettet. Jakob schickt nämlich seine Söhne nach Ägypten, um dort Korn zu kaufen. Diese Reisen finden zweimal statt, und zwischenzeitlich prüft Joseph seine Brüder. Schließlich kommt es zur Wiedervereinigung.
Damit erfüllt sich, was Joseph als Teenager geträumt hat. In 1. Mose 42,6 heißt es: „Aber Joseph war der Regent im Land und verkaufte Getreide an das ganze Volk im Land. Als nun seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder zur Erde auf ihr Antlitz.“
Und bei der zweiten Reise, in 1. Mose 43,26, steht: „Als nun Joseph ins Haus trat, brachten sie ihm das Geschenk ins Haus, das sie mitgebracht hatten, und fielen vor ihm nieder zur Erde.“
Durch all diese Erlebnisse und Wendungen rettet Joseph seine Familie und Ägypten, das damals große Weltreich. Er ist der erste Patriarch oder zumindest ein wichtiger Vertreter dieser Linie. Durch ihn wird sichtbar, was Gott Abraham verheißen hat: dass sie ein Segen für die Menschen um sie herum sein sollen.
Bei Joseph wird das besonders deutlich. Überall, wo er hinkommt, geschieht Segen. Das ist wirklich beeindruckend, wenn man die Geschichte liest: Er kommt zu Potiphar, und mit dessen Haus und allem, was Potiphar besitzt, geht es bergauf. Er kommt ins Gefängnis, und für den Gefängnisaufseher läuft alles bestens. Schließlich kommt er zum Pharao nach Ägypten, und dort geht es richtig steil nach oben.
Joseph wird wirklich zu einem großen Segen.
Fokus der Predigt: Die Wegführung in Josefs Leben
Ja, was wollen wir jetzt tun? Wir wollen einzelne Punkte aus dem Leben von Josef herausgreifen, und zwar seine Wegführung im Leben.
Deshalb habe ich die Geschichte mit seinen Brüdern jetzt nicht so intensiv betrachtet. Das wird die nächste Predigt sein, die sich nochmal mit der Josef-Geschichte beschäftigt. Dabei werden wir seine Brüder und besonders einen von ihnen näher in den Blick nehmen, nämlich Juda, der eine ganz spezielle Rolle spielt. Das nur als Teaser für das nächste Mal.
Heute soll es um die Wegführung von Josef gehen. Ich wünsche mir, dass diese Predigt dir ein festes Fundament für dein Leben gibt. Sie soll dich auf einen Felsen stellen, der dir Kraft gibt, wenn du in ähnliche Situationen kommst: wenn dein Leben nicht so läuft, wie du es geplant hast; wenn andere Menschen, vielleicht sogar die, die dir am nächsten stehen, dir Böses wollen und antun; wenn alles über dir zusammenzubrechen scheint; wenn du allein und verlassen bist.
Dann sehen wir in Josef einen Felsen, auf dem wir stehen können, der uns trägt und hält.
Ich möchte eines festhalten: Es ist nicht so, dass Josefs Leben irgendwie läuft und Gott hier und da nur reagiert hätte. Nein, Josefs Leben läuft genau so, wie Gott es vorhergesagt hat. Durch die Träume Josefs ist sein Weg eigentlich vorgezeichnet.
Gottes Vorherwissen und die Gewissheit des Endes
Gott sagt, was passiert, bevor es losgeht. Er sagt auch, wie es ausgeht. Ich weiß es nicht. Ich habe mir da hinten gerade noch schnell so ein Kinderbuch geschnappt. Wenn ich früher diese Kinderbücher gelesen habe, dann habe ich ungefähr so weit gelesen. Wisst ihr, was ich dann gemacht habe? Das habt ihr bestimmt nie gemacht. Ich bin dann hergegangen – oder bei einem Roman – und manchmal war es so, dass ich das alles noch nicht gelesen hatte. Dann habe ich hinten mal reingeguckt und geschaut, wie das Ganze ausgeht.
Hat das schon mal jemand von euch gemacht? Nicht widerstehen können? Oder heutzutage vielleicht bei einem Film irgendwann mal Google angeschmissen und geguckt, wie er denn ausgeht? Ist alles schon passiert, oder? So wird die Spannung ein bisschen rausgenommen.
Das ist genau das, was bei der Josef-Geschichte passiert. Gott schlägt erst mal die letzten Seiten auf, indem dieser Traum da ist und gezeigt wird, wie es ausgehen wird. Bevor die Geschichte überhaupt anfängt, ist der Ausgang schon klar. Es ist nicht genau detailliert beschrieben, wie das alles dazwischenläuft, aber das Ende ist bekannt.
Auch wenn du Kind Gottes bist, dann hat Gott die letzten Seiten deines Buches schon aufgeschlagen und dir zum Lesen gegeben.
In Johannes 11,25-26 sagt Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird nimmermehr sterben.“ Glaubst du das?
In Johannes 14,1-3 heißt es: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn das nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.“
1. Johannes 5,11 sagt: „Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.“
Wisst ihr was? Eigentlich ist die Spannung in deinem Leben raus. Wir wissen, wie es ausgeht: Ewiges Leben. Und nimm das nicht als so eine lockere Nummer hin. Ewiges Leben, ewige Gemeinschaft mit Jesus Christus. Egal, was in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig oder achtzig Jahren in deinem Leben passiert. Die letzten Seiten deines Buches sind bekannt. Wenn du Kind Gottes bist, wirst du bei Jesus sein, ewig mit ihm vereint – ewiges Leben.
Warum? Wenn du den Ausgang der Geschichte kennst, dann sollte das uns eine gewisse Entspanntheit geben für das, was kommt. Der Gott der Welt, der Gott Josefs, der Gott des Universums kennt den Ausgang deiner persönlichen Geschichte. Es hängt nicht vom Zufall ab. Es hängt nicht vom Lauf der Geschichte ab. Nein, es ist abhängig von Gott.
Und bei Josef sehen wir, dass es genau so eingetreten ist. Glaubt mir, wir können uns auf Jesus Christus genauso verlassen, dass es auch bei uns exakt so eintreten wird. Wenn er sagt, wie es bei dir ausgeht, dann wird es genau so ausgehen.
Bei Josef sehen wir, dass sich Gottes Vorhersagen exakt erfüllen. Ich weiß nicht, ob Josef das in jedem Moment seines Lebens so real für sich präsent hatte, zum Beispiel als er ins Gefängnis ging. Es wird uns relativ wenig über Josefs Gefühlsleben erzählt – das bleibt Spekulation. Ich weiß nicht, ob er manchmal daran gezweifelt hat, ob das zur Erfüllung kommt oder wie das Ganze passieren wird.
Und so geht es uns vielleicht auch manchmal: Das Ganze ist ziemlich hinter einem Nebel verborgen, und die Dinge, die wir erleben, machen das noch undurchsichtiger. Trotzdem bekommen wir weiteren Trost von Gott durch die Josef-Geschichte, wenn wir durch solche Zeiten gehen.
Das reale Leid und Gottes Gegenwart im Leben Josefs
Und ich möchte noch einige Punkte mit euch betrachten. Das Erste ist: Das Leid, das Josef erfährt, ist real. Auch wenn wir wissen, wie die Geschichte ausgeht, ist es oft hart und schwer, in einer solchen Leidenssituation festzustecken.
Gottes Erwählung von Josef und das Bekanntmachen seiner Träume – dass seine Brüder sich vor ihm verbeugen würden – sind der Auslöser dafür, dass seine Brüder ihn töten wollen. So geht es uns manchmal ähnlich: Bewusstes Leid entsteht, weil wir zu Jesus Christus gehören.
Josef wird von seinen eigenen Brüdern verraten, von den Menschen, die ihm naturgemäß am nächsten stehen sollten und bei denen die tiefste Liebe herrschen sollte. Diese Menschen hätten sich gegenseitig stützen und tragen sollen. Josef wird gerade wegen seiner Integrität und seines vorbildlichen Verhaltens ins Gefängnis gesteckt. Gibt es eine größere Ungerechtigkeit als das, was die Frau von Potiphar ihm antut?
Dort, wo Josef hilfsbereit ist, erntet er zunächst keinen Dank, sondern wird vergessen. Als Christen sollten wir das nicht einfach so hinnehmen. Es ist böse, was er erfährt. Josef scheint trotzdem Gott bedingungslos zu vertrauen.
Das steht in starkem Kontrast zu seinem Vater Jakob, der leidet. Man könnte sagen, Josef ist das Beispiel schlechthin dafür, dass der Gerechte unter dem Ungerechten leidet.
Hast du Ähnliches schon erlebt? Dass Menschen, die dir am nächsten stehen – Ehepartner, Eltern, Geschwister oder auch Kinder – dir das größte Leid zufügen? Hast du für gutes Tun schon Strafe oder Leid erfahren und wurdest ausgeschlossen? Dass Leute dir etwas unterjubeln oder versuchen, dich loszuwerden? In der Politik kann man solche Beispiele gerade häufig beobachten.
Ohne dass es jeder von uns bewusst wahrnimmt, wird Hilfsbereitschaft schnell vergessen, sobald die Hilfe nicht mehr nötig ist. Das, was Josef erfährt, ist böse. Am Ende seines Lebens macht er das deutlich.
Seine Brüder fürchten sich nämlich, ihm nach dem Tod Jakobs zu begegnen. Sie haben Angst, dass Josef Rache nehmen wird. In 1. Mose 50,15 heißt es, dass die Brüder nach dem Tod ihres Vaters in Sorge gerieten. Sie dachten: „Was ist, wenn Josef sich nun feindlich gegen uns stellt und uns das Böse heimzahlt, das wir ihm angetan haben?“
Sie erkennen selbst, dass ihr Verhalten falsch war. Das war nicht gut, was sie gemacht haben.
In Vers 20 fasst Josef die Situation zusammen und sagt, was Gutes daraus entstanden ist: „Ihr dachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Diesen Vers schauen wir uns später noch genauer an.
Das Erste, was ich hier festhalten möchte, ist, dass Josef wirklich Böses erfährt. Wenn du in deinem Leben solche Dinge erlebst, wird Gott nicht sagen: „Ach, hab dich nicht so!“ oder „Da passiert jetzt nichts Schlimmes.“ Nein, das sind Dinge, die als Sünde verurteilt sind.
Es ist Sünde, was die Brüder Josephs tun, es ist Sünde, was die Frau des Potiphar tut, und so weiter. Wenn andere dir Ähnliches antun, ist es genauso.
Wenn wir jedoch bei diesem Punkt stehen bleiben – und das tun wir oft – führt das zu einer Sache: Wir verbittern und empfinden Hass gegen andere.
Epheser 4,31 sagt Paulus: „Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferner von euch samt aller Bosheit.“ Das ist etwas, das wir eigentlich nicht haben sollten.
Vielleicht hast du dich schon dabei ertappt, dass irgendwo eine bittere Wurzel in dir aufkommt. Vielleicht merkst du gerade, dass da Bitterkeit gegen Menschen ist, die dir diese Dinge angetan haben und dafür verantwortlich sind. Ohne Frage wird Gott sie dafür zur Rechenschaft ziehen.
Wenn wir die Geschichte der Brüder betrachten, werden wir sehen, welchen Weg Gott mit ihnen geht: Sie müssen erkennen, was sie getan haben, und zur Umkehr kommen.
Aber wenn wir Josef anschauen, erkennen wir an keiner Stelle Bitterkeit. Ja, er prüft seine Brüder später, aber der Grund ist, dass er wissen will, ob sich etwas verändert hat – nicht, um ihnen etwas heimzuzahlen.
Sein ganzes Verhalten zeugt nicht von Bitterkeit.
Was bewahrt vor Bitterkeit? Gottes Gegenwart und Souveränität
Was hat ihn davor bewahrt? Was hat Joseph davor bewahrt, in einen Strudel von Selbstmitleid und Bitterkeit hineinzurutschen?
Es sind zwei Dinge, die hier, glaube ich, zentral sind und die auch für dich und mich gelten, wenn wir im Leid stehen. Gerade dort, wo es für Joseph bergab ging – und das ist überwiegend in Kapitel 39 – wird eine Sache deutlich. Immer wieder taucht eine Phrase auf, die ihr vielleicht beim Lesen schon bemerkt habt: „Gott war mit Josef.“
In 1. Mose 39,2 heißt es: „Und der Herr war mit Josef, so dass er ein Mann wurde, dem alles glückte, und er war eines seines Herrn, des Ägypters, Haus.“ Potiphar fasste das Ganze in Vers 3 zusammen: „Und sein Herr sah, dass der Herr mit ihm war, denn alles, was er tat, das ließ der Herr in seiner Hand glücken.“
Auch in Vers 8 verweigert sich Josef und spricht zu ihr: „Siehe, mein Herr kümmert sich um alles, da er mich hat; um nichts, was im Haus ist, und alles, was er hat, das hat er unter meine Hände getan.“
Und in 1. Mose 39,21 heißt es: „Aber der Herr war mit ihm und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis.“
In Apostelgeschichte 7 hält Stephanus eine große Verteidigungsrede vor seiner Steinigung und fasst fast das Leben der Patriarchen zusammen. Über Josef sagt er in Apostelgeschichte 7,9: „Und die Erzväter beneideten Josef und verkauften ihn nach Ägypten, aber Gott war mit ihm.“
Diese Aussage wiederholt sich ständig: Gott war mit ihm, Gott war mit ihm, Gott war mit ihm. Immer wenn es bergab ging, war Gott bei Josef. In allem Leid, das Josef erfährt, ist Gott mit ihm.
In den tiefsten Momenten seines Lebens steht: Gott war mit ihm. Und das gilt auch dort, wo es bergauf geht. Diese große Wahrheit der Bibel dürfen wir mitnehmen, denn sie zieht sich durch die ganze Schrift. In den tiefsten Momenten deines Lebens, dort, wo du einsam, verlassen, verraten und vielleicht verkauft bist, dort, wo dein Leben zu zerbrechen scheint, ist Gott da.
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott Josefs, der Gott Davids, der Gott Hiobs und vieler anderer, der Gott des Universums – er ist da, gerade in den schwersten Stunden deines Lebens. Er ist bei dir in den Höhen und er ist bei dir in nie geahnten Tiefen, in die du hineingeführt wirst. Gott ist da. Er ist nicht irgendwo weit weg, sondern er ist da, auch wenn du es vielleicht nicht immer direkt merkst oder spürst. Aber Gott ist da.
Ich möchte uns nur Psalm 23 vorlesen, ein Psalm Davids:
„Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein
Gottes Souveränität und die Umwandlung des Bösen zum Guten
Der nächste Punkt, auf den ich eingehen möchte, ist nicht das Gewinnen von Menschen, sondern Gottes Souveränität. Josef erkennt selbst, dass Gott der Handelnde in der gesamten Geschichte ist. Er merkt, dass zwar Menschen gehandelt haben, aber es nicht ihre Pläne waren, die zum Ziel gekommen sind, sondern Gottes Pläne.
Ich möchte 1. Mose 45,4-8 lesen. Dort sind seine Brüder bei ihm, und Josef gibt sich jetzt zu erkennen. Er fasst zusammen, was passiert ist. Er sprach zu seinen Brüdern: „Tretet doch her zu mir!“ Und sie traten herzu. Er sprach: „Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun bekümmert euch nicht und denkt nicht, dass ich darum zürne, dass ihr mich hierher verkauft habt. Denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt.
Denn es sind nun zwei Jahre, dass Hungersnot im Land ist, und es sind noch fünf Jahre, dass weder Pflügen noch Ernten sein wird. Aber Gott hat mich vor euch hergesandt, damit er euch übriglasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Rettung. Und nun, ihr habt mich nicht hergesandt, sondern Gott, der hat mich dem Pharao zum Vater gesetzt und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über ganz Ägyptenland.“
Josef macht seinen Brüdern deutlich, dass jemand anders hinter ihrem bösen Handeln die Zügel in der Hand hatte. Etwas viel Größeres ist geschehen, als das, was seine Brüder geplant hatten. Vordergründig sieht es so aus, als seien diese Menschen mit ihrer Bosheit übermächtig, würden die totale Kontrolle behalten und ihre Ziele spielend erreichen.
Aber in Wirklichkeit erreicht Gott seine Ziele – nicht die Menschen, nicht die großen Brüder, nicht die Minister, nicht die Pharaonen, sondern Gott allein. Das gilt für Josef, für die ganze Weltgeschichte und auch für dein Leben. Vielleicht glaubst du manchmal: Ja, ja, die Weltgeschichte wird schon so laufen, wie Gott das geplant hat. Aber mein Leben? Nein, es gilt auch für dein Leben. Gott ist der Souverän über dein Leben, und es wird so zur Ausführung und zum Ende kommen, wie er es vorhergesagt hat.
Ihr erinnert euch an das vorhin erwähnte ewige Leben: Gott ist souverän darüber. Glaubst du das? Wie passt das mit dem Bösen zusammen? Das wird an der Josef-Geschichte so schön deutlich. In 1. Mose 50,20 fasst Josef wunderbar zusammen, wie Gott handelt – mit und trotz der Bosheit der Menschen und der Weltgeschichte.
Ihr bekommt heute die Hausaufgabe, diesen Vers auswendig zu lernen: 1. Mose 50,20. Das ist einer der wichtigsten Verse der Bibel. Dort sagt Josef zu seinen Brüdern – wir haben es vorhin schon gelesen, als sie kommen und Angst haben, dass Josef ihnen jetzt etwas übel nehmen will: „Ihr dachtet, das Böse mit mir zu machen, aber Gott dachte, es gut zu machen und zu tun, was jetzt am Tag ist, nämlich am Leben zu erhalten – eine große Rettung.“
Wow, Gott macht für seine Ziele aus dem Bösen, was Menschen tun, Gutes. Das ist die große Botschaft über das Leben von Josef. Wenn ihr einen Vers habt, der Josef Leben zusammenfasst, dann ist es dieser hier: „Ihr dachtet, es böse zu machen, aber Gott hat es zum Guten gewendet.“ So heißt es in manchen Übersetzungen, oder hier: „gedacht, es gut zu machen.“
Das ist die Zusammenfassung über das ganze Erste Mose-Buch und die Weltgeschichte. Wir Menschen dachten, es böse zu machen, aber Gott hat es zum Guten gewendet. Wenn ihr 1. Mose anschaut, versuchen die Menschen die ganze Zeit, gegen Gott zu agieren und zu arbeiten. Sie finden immer tiefere Sünden. Doch Gott wendet es immer wieder zum Guten für die gesamte Geschichte. Gottes Plan kommt zur Erfüllung – trotz des Bösen.
Ja, viel mehr noch, und das finde ich so genial: Er verwendet das Böse, um daraus etwas Gutes entstehen zu lassen. Nicht weil das Böse gut wäre und nicht weil Gott das Böse für gut hält, sondern er nimmt das Böse, das Menschen tun, und verwandelt es in etwas Gutes.
Was heißt das? Er nimmt die Waffen des Feindes und richtet sie gegen ihn selbst. Dort, wo der Teufel die Welt zerstören will – diese Brüder handeln gegen Josef –, verwendet Gott diese Dinge, um daraus etwas wirklich Gutes zu machen und Gutes entstehen zu lassen. Gott ändert quasi das Vorzeichen.
Ich muss gerade mit meinem Junior Mathe üben, und jetzt hat er schon relativ viele Plus-Minus-Aufgaben. Es ist mir bestimmt auch schon passiert, dass bei fünf Plus-Aufgaben auf einmal eine Minus-Aufgabe dabei war. In einigen Fällen wird dann trotzdem Plus gerechnet. Warum? Weil man schnell durchgeht und oberflächlich drüber liest. Aber dieses Vorzeichen, dieser eine Strich zwischen Plus und Minus, verändert alles.
Und das ist, was Gott tut: Wenn Menschen Böses tun wollen, ändert er das Vorzeichen. Wenn Menschen Böses in deinem Leben tun wollen – und das gilt für dein Leben –, dann verändert Gott das. Warum kann ich das von Josef so übertragen? Schlagt mit mir Römer 8 auf, Vers 28. Diesen Vers kennt ihr alle, und er wird in der Josef-Geschichte deutlich, wie Gott in unserem Leben handelt.
Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Glaubst du wirklich, dass alles, was in deinem Leben geschieht – auch das Schlechte, das Böse, das Verletzende – von Gott in etwas Gutes verwandelt wird? Dass Gott aus diesen Dingen Gutes entstehen lässt?
Nicht, weil die Sache an sich gut wäre. Wie gesagt: Das, was die Brüder getan haben, war böse und Sünde. Aber Gott macht etwas Gutes daraus. Und wirklich alles heißt nicht, dass nur ein Teil davon von Gott in etwas Gutes verwandelt wird, sondern alles, was dir in deinem Leben zustößt – wirklich alles.
Wo Menschen dich verletzen, wo du in Tiefen hineingeführt wirst – verwandelt Gott es so, dass am Ende deines Lebens darüberstehen wird, wie bei Josef: „Ihr dachtet, es böse zu machen, aber Gott hat es zum Guten gewendet.“ Glaubst du das?
Josefs Leben und das erste Buch Mose sind Zeugnis dafür, dass diese Wahrheit wirklich Realität ist. Gott handelt genau so und wendet das Schlechte im Leben seiner Kinder zum Guten. Gottes Souveränität ist die entscheidende Konstante in deinem Leben. Er ist der Souverän, der alles lenkt.
Ausgehend von Vers 28 im Römerbrief dürfen wir wissen, dass er wirklich alles, was wir erfahren, zum Guten wendet. Paulus geht dann weiter ab Vers 29 und schreibt eine der größten Triumphschriften des Christentums. Ich will sie uns einfach vorlesen, damit wir wissen, was Gott wirklich tut im Leben seiner Kinder:
„Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Was wollen wir nun hierzu sagen? Es ist Gott für uns. Wer kann gegen uns sein, der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben? Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, der vielmehr auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.
Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: ‚Um deines Willens werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlacht-Schafe.‘
Aber in dem Allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Warum kann Paulus so etwas schreiben? Weil er weiß, dass die Dinge, die wir erfahren, wo wir verfolgt werden und Leid erleiden, von Gott in etwas Gutes verwandelt werden. Am Ende deines Lebens wird diese Tatsache darüberstehen.
Joseph als Vorbild für Jesus Christus
Wir können an Joseph noch etwas anderes erkennen, nämlich dass er ein Vorbild auch für Jesus Christus ist. Auch Jesus wurde von seinen Brüdern, von Israel, verraten und verkauft. Er wurde zum Preis eines Sklaven verkauft und ans Kreuz gebracht. Dabei hat er die tiefsten Seiten des möglichen Bösen überhaupt erfahren.
Aber Gott hat aus all dem Bösen, das die Menschen ihm angetan haben, etwas Gutes entstehen lassen – das Beste überhaupt: die Möglichkeit zu deiner und meiner Rettung. Jesus wird zu dem Bruder, der seine Familie rettet und die Möglichkeit zur Rettung der gesamten Welt schafft.
So wie Joseph durch seinen Leidensweg seine Familie rettet, rettet Jesus auch das Leben seiner Brüder – deins und meins. Wenn du Jesus nicht kennst, dann war der größte Teil der Predigt heute nicht für dich, denn diese Realität, dass Gott die bösen Dinge zum Guten wendet, gilt nur für die, die Gott auch als ihren Herrn und Heiland kennen.
Wenn das für dich nicht gilt, dann hast du heute die Gelegenheit, dich ihm zuzuwenden. Warum? Weil seine Tür immer offen ist. Jesus ist genau dieser Bruder, der für die Schuld der anderen bezahlt hat und die Möglichkeit zur Rettung geschaffen hat.
Deshalb möchte ich dir Mut machen, dich ihm zuzuwenden, Buße zu tun und umzukehren zu ihm. Warum? Weil er dann aus all dem Bösen in deinem Leben Gutes macht.
Schlussgedanken und Ermutigung für dein Leben
Wie geht es für dich weiter? Ich wünsche mir, dass du dieses Fundament in deinem Leben mitnimmst, auf dem du stehen kannst – gerade im Leid. Es ist Gottes Souveränität, die Joseph durch sein Leben getragen hat. Sie ist auch der Garant dafür, dass Gott dich als sein Kind, als seinen Erwählten, durchs Leben trägt und zu dem Ende bringt, das er dir verheißen hat.
Glaubst du, dass Gott auch in deinem Leben so handelt? Welches Bild hast du von Gott, das du gerne hinterfragen möchtest?
Gott ist derjenige, der aus allem Bösen, das irgendwo in deinem Leben passiert, Gutes macht. Gerade wenn du Leid erfährst, sei dir gewiss, dass Gott gerade jetzt bei dir ist – vielleicht auch dann, wenn du es nicht sehen kannst. Ich möchte dir Mut machen, dass du durch die Geschichte Joseph Hoffnung schöpfst.
Du kannst heute nicht alles sehen, und vielleicht wirst du es auch nie vollständig erkennen bis zum Ende deines Lebens. Aber wenn du vor Gott stehst, wird sichtbar werden, wie aus allem Bösen, überall und in jedem kleinsten Detail, Gutes entstehen hat lassen. Wow!
Ich möchte dir auch Mut machen, wenn es dir gerade gut geht. Speichere das tief in deinem Leben ab, beschäftige dich mit Gottes Handeln und präge dir ein, wie er wirkt und handelt. So wird es dich tragen und dir Hoffnung geben, wenn wieder eine Delle im Leben kommt und es nach unten geht.
Wenn wir leiden, sollten wir uns in Gottes Hand begeben und seiner Hand anvertrauen, weil er nur in der Lage ist, aus diesen Dingen Gutes zu tun.
Wohin führt das? Als Kind Gottes darfst du dir einfach sicher sein, dass am Ende alles gut wird. Die letzten Seiten des Buchs sind geöffnet, sie sind bekannt – du hast reingespickt. Alles wird gut.
Und vielleicht noch zur Unterstützung: Wenn du wissen möchtest, was Gottes Pläne für dein Leben sind, möchte ich am Schluss Jeremia 29,11 lesen. Dort steht als Zusicherung, dass Gott wirklich das Gute sucht:
„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, das ihr erwartet.“
Jeremia ist ein Prophet, der viel Gericht verkünden muss, und hier sagt er dennoch diese hoffnungsvolle Zusage.
Gott wird uns ewiges Leben geben, und er wird aus allem Bösen Gutes machen. Amen.
